Sosialdemokrat ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TAGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 15. Jahrgang Das Urteil gegen die Gesandtschafts- Stürmer Berlin. Das Deutsche Nachrichtenbüro meldet: Wegen Hausfriedensbruches und wegen Sachbeschädigung verurteilte Freitag das Landgericht Berlin den 30 Jahre alten Erwin Trunczik zu sechs Monaten Gefängnis und den 25 Jahre alten Emil Wil. czek, sowie den 21jährigen Josef Glabadnis zu je drei Mona. ten Gefängnis. Die drei Ange klagten sind tschechoslowakische Staats. angehörige. Am 21. Oktober 1935 brangen die drei Verurteilten in die Räume der Gesandtschaft der Tschechoslowakischen Republik in Ber lin ein und zerschlugen im Warte- und Vorzimmer Stühle, Fenster und andere Gegenstände. Abessinischer Erfolg bei Makalle Addis Abeb a.( Reuter.) Die abessinische Regierung hat bekanntge. geben, daß abessinische Abteilungen an der Nordfront die Italiener von den Felsenpositionen im Gebiete von Tem. bien hinunter auf die Straße nach Ma kalle zurückgeworfen haben. Hiebei sollen die Abessinier elf Maschinenge. wehre sowie eine große Anzahl von Gewehren und Munition erbeutet ha. ben. Nach einer weiteren Meldung haben die Abessinier in der Nähe von Dagabur ein italienisches Flugzeug abgeschossen. Der Pilot fand hiebei den Tod. Ein Maschinengewehr und zwei Gewehre wurden erbeutet. Der amtliche italienische Kriegsbericht meldet: Donnerstag nachmittags warf eine unserer Abteilungen, die im Tata 3 3e Abschnitt das Terrain erkunden, eine Gruppe bewaffneter Abessinier unweit des Af Gaga- Passes zurück. Auf feindlicher Seite waren schwere Verluste zu verzeichnen. Auf unserer Seite fielen sechs Jtaliener und drei erithreische Schüßen( verwundet wurden vier italienische Offiziere, neun italienische und 37 erithreische Soldaten. Italiener geben schwere Verluste zu Asmara. Die zuständigen Stellen geben jetzt die Verluste der Stämpfe bei Ab bi Addi bekannt. Danach sind auf italienischer Seite fieben Offiziere gefallen, 167 Offiziere sind vertrundet worden. Von den Askaris find 160 Mann gefallen. 167 Mann wurden verwundet. Die abessinischen Verluste sollen sich auf 700 Tote und über 2000 Verwundete belaufen. Vor neuen Kämpfen? London. Aus den Berichten der Korrespondenten des Reuter- Büros, die sich auf italienische und abessinische Quellen stützen, ist ersichtlich, daß an verschiedenen Fronten ehestens bedeu tende Kriegsoperationen eintreten werden. Im Norden erwartet man, daß die Abessinier bemüht sein werden, in dem für Ueber fälle günstigen Terrain ihr Kriegsglück zu verfuchen und es besteht kein Zweifel, daß auch die Staliener nicht in der Defensivposition beharren Samstag, 28. Dezember 1935 Einzelpreis 70 Heller ( einschließlich 5 Heller Porto) Präsident Beneš an unsere Partei Abbau der PRESIDENT ČESKOSLOVENSKÉ REPUBLIKY An den Prag, am 25.Dezember 1935. Parteivorstand der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Prag. Ich danke aufrichtig für die Begrüssung und freue mich, dass Ihre Partei entschlossen ist unser politisches Werk im Sinne der edlen Ideen meines grossen Vorgängers im Amte fortzusetzen. Ich glaube mit Ihnen an die glückliche demokratische Entwickelung und an die konsequente Friedenspolitik der Republik. Dear Bereby Alle Mittelmeermächte Die Antworten auf die Londoner Rundfrage Völkerbundstren? Nr. 301 Heimwehrdiktatur? Teilamnestie in Oesterreich Unter den Nachrichten, die uns in den ver flossenen Weihnachtsfeiertagen erreichten, war sicher die erfreulichste die über die teilweise Liquis dierung der blutigen Feber- Ereignisse in Desterreich. Alte Freundschaftsbande verknüpfen die sczialistische Arbeiterschaft der Sudetenländer mit den deutschösterreichischen Kampfgenossen. Daram haben wir das heldenhafte Ringen der Schutzbündler bebend miterlebt. Darum ist uns auch das Schicksal der tapferen Freiheitskämpfer von Wien und Steiermark und Oberösterreich besen ders nahe gegangen. Mochte auch das tragischruhmreiche Los derer, die ihr Leben für die Sache des Sozialismus hingeopfert, im Mittelpunkte des Gefühlslebens unserer Arbeiterschaft stehen, so war es noch eine Verschärfung ihrer Seelenpein, die Blüte der österreichischen Bruderpartei hinter Kerkermauern zu wissen. Nach dem Spruch einer erbarmungslosen Stlassenjustig sollten Männer und Frauen, beste sozialistische Jugend, die mit Leib und Seele für ihre Ideale eingetreten waren, cui Jahre hinaus ihrer Freiheit beraubt sein. Nun ist in Oesterreich eine Wendung eingetreten, die auch von der deutschen sozialistischen Arbeiterschaft unseres Landes mit ehrlicher Genugtuung be grüßt wird. Daß biele unserer braven Kampfgefährten, darunter auch die Schußbundführer Major Eifler und Hauptmann Löw vor den Weihnachtsfeiertagen ihren Familien wiedergegeben wurden, wird gewiß weit über Oesterreich hinaus in der fämpfenden Arbeiterwelt ein frut= diges Echo finden. Die moralische Wirkung der österreichischen Weihnachtsamnestie wäre sicherlich bei weitem grö ßer, wenn nicht wiederum kleinliche Ausnahmen gemacht worden wären. 16 Feber- Kämpfer, thre Ramen sind noch unbekannt, werden ihrer Freiheit nicht zurückgegeben, weil sie angeblich, laut amtlicher Begründung, an berantwortlicher Stelle schwerste Blutschuld" auf sich geladen haben oder gleichzeitig in kriminelle Delitte verstrict waren. Hier scheint sich die österreichische Regierung eine recht fadenscheinige Rechtfertigung ihrer Engherzigkeit beigelegt zu haben, denn die Welt erfährt zum erstenmale, daß im Zusammenhange mit den Feber- Ereignissen auch kriminelle Handlungen tegangen worden sind. Noch niemals ist bisber gegen die Helden des österreichischen Schutzbundes ein solcher Vorwurf erhoben worden, ja selbst ihre erbittertsten Feinde mußten ihnen nachrühmen, London.( Reuter.) In London sind be-| binett der Linken, so hat England freie Bahn daß sie, zu Tode ermattet und ausgehungert nach für die Durchsetzung der Delsanktion. * Immerhin ist aus den vorliegenden Berichten reits die Antworten aller Regierungen der am tagelangen Kämpfen, nicht einmal eine Semmel Mittelländischen Meer liegenden Staaten einge= Ganz geheimnisvoll bleibt, was 3 wifchen unrechtmäßig angerührt haben. Was außerdem troffen, welche von Großbritannien wegen ihres London und Berlin verhandelt wird. die Verteilung der Blutschuld mlangt, so sollte Standpunktes im Falle eines Angriffes bei der Während Pariser Blätter von einer neuen sich darüber die österreichische Regierung kein nuchDurchführung der Sanktionen befragt worden Audienz des Botschafters Sir Eric Phipps trägliches Urteil anmaßen. find. Alle Staaten antworteten durchwege bei Hitler schreiben, dementieren Berlin und dahingehend, daß sie die Verpflichtungen London auffällig energisch diese Meldung. zu entnehmen, daß eine große Anzahl von Feber erfüllen würden, die ihnen Paragraph 3 Kämpfern, darunter auch solche, die zum Tode des Artikels 16 des Paktes im Falle eines nichtGibraltar. Das Reuterbüro berichtet aus verurteilt waren und in letzter Stunde zu lebensprovozierten Angriffes auferlegt. Diese Verpflich- offizieller Quelle, daß das Kriegsschiff„ Rami- länglicher Haft begnadigt wurden, vor den Feiertungen haben allerdings nichts Gemeinsames mit lies", das gegenwärtig im Orient weilt, Befehl den militärischen Sanktionen. Die in London ein- erhalten hat, sich nach Gibraltar zu begeben. getroffenen Antworten bestätigen bloß die Reso- Es wird hier gegen Neujahr erwartet. lution, welche der Koordinationsausschuß von Genf bei der Debatte über die Sanktionen im Oktober 1936 angenommen hatte. ** Nanking- Minister ermordet = tagen freigegangen sind. Niedergeschlagen wurde auch das Hochberratsverfahren gegen die Mitglie der des sozialdemokratischen Parteivorstandes, soweit sie sich in Oesterreich aufhalten. Eine Meldung der„ Lidové noviny", wonach sich die Amnestie auch auf alle Personen bezieht, die sich wegen illegaler sozialistischer Betätigung in Poliihaft, in Stonzentrationslagern oder StrafanfialDie englische Anfrage wollte wahrscheinlich Shanghai. Der frühere stellvertretende ten befanden, scheint sich nicht zu bestätigen. Die eine Zusage erzielen, die über die bloße Versiche Außenminister und jetzige stellvertretende Ver- rechtskräftigen Urteile gegen illegale Stämpfer Tan Fleiben aufrecht, nur die schwebenden Verfahren rung, dem Absatz 3 des Artikels 16 treu zu sein, kehrsminister der Nanking- Regierung, hinausgehen sollte. Den Briten liegt doch vor syujen, wurde am Donnerstag nachmittags werden in solchen Fällen niedergeschlagen. Lie allem an einer eventuellen militärischen in seiner in der französischen Niederlassung von österreichische Regierung wird also mit einer fra Gefolgschaft. Wieweit Zusagen dieser Art gege- Schanghai gelegenen Wohnung ermordet. Die chen Amnestie vor dem Auslande nicht viel Staat An der Linie Ds chidschiga- Harrar, ben wurden, ist aus den bisherigen Meldungen Täter, deren Zahl mit zwei bis drei angegeben machen können, wenn auch weiterhin Männer und wo die italienische Offensive erwartet wird, nicht zu ersehen. Es scheint, daß Iugosla wird, lauerten dem von einem Besuch heimkehren- Frauen, die sozialistische Flugblätter oder Zeisetzen die Abessinier unermüdlich die Organisies wien und Griechenland zu einer mi- den Vizeminister auf und verfolgten ihn bis in tungen verbreiteten, ihre bis zu fünf Jahren laurung der Verteidigung fort. Unter der Leitung litärischen Hilfe geneigt sind, daß sich die sein Haus. Dort gaben sie im Treppenhauſe tenden drakonischen Zuchthausstrafen verbüßen ausländischer Fachmänner für Geniearbeiten Türkei referbiert berhält, während etwa acht Schüsse auf Tangyujen ab, von denen müssen. Solange der Feber- Aufstand nicht nur haben die Abessinier, wie verlautet, ein ausges Spanien gewisse Sympathien für Ita drei trafen. Tangyujen starb auf dem Wege zum im juristischen, sondern auch im politischen Sinne zeichnetes Schüßengrabensystem nach Tien hegt. Am wichtigsten wird die französ Krankenhause. Die Mörder konnten uner vollständig liquidiert ist, wird das demokratische Ausland zu dem heutigen Regime in Desterreich Art der Schüßengräben im Weltkriege ausgefische Entscheidung sein. Hält sich Lakanntentfo val, so darf man kaum mit Frankreichs Hilfe Tofio. Der Sprecher des Auswärtigen Amtes fein Vertrauen fassen fönnen. Im Norden bereitet in der Nähe von Dolo rechnen, hat doch der Frontfämpferbund erneut erklärte, die Ermordung des stellvertretenden Ver Troßdem muß anerkannt werden, daß die Ras Desta mit einer Armee von 60,000 Mann beschloffen, er werde nie zulassen, daß ein franzö- fehrsministers der Nanking- Regierung, Tan- Weihnachtsamnestie in Oesterreich einen schweren den Angriff auf den linken italienischen Flügelfischer Soldat im ,, Bruderkampf" gegen Italien avujen, bedeute einen ernsten Rückschlag moralischen Schlag gegen das Sit vor, der sich auf die genannte Stadt stüßt. ein Blut vergießt. Stürzt Laval, kommt ein Stas für die chinesisch- japanischen Beziehungen.. erregime und seine barbarischen Methoden werden. baut. 9 9 9 Seite 2 Samstag, 28. Dezember 1935 bedeutet. Die Beherrscher des Dritten Reiches, Probleme seiner Innenpolitik nicht einer hal- eimwehrdiftatur und ihre Eins fonnten sich nicht einmal dazu entschließen, für bie ben, sondern einer ganzen Lösung zugeführt gliederung in die europäische Dauer des deutschen Weihnachtsfestes" das Prü- werden. Diese ganze Lösung heißt: Befrei Friedensfront. Je früher das blutiggeln in den Konzentrationslagern zu verbieten. ung der österreichischen Arbei sinnlose Experiment des flerikalen StändefaschisGerade vor den Feiertagen wurden im Reiche terschaft von den Fesseln der mus liquidiert wird, desto besser für Europa. unter der Arbeiterschaft wieder zahlreiche Berhafs tungen vorgenommen, um die grollenden Massen einzuschüchtern. Prüft man die politischen Hintergründe dizses letzten Schrittes der österreichischen Regierung, dann wird eine Reihe von zusammenhängenden Ursachen sichtbar. Unstreitbar hat sich das demokratisch- sozialistische Ausland um die Freilaffungen große Verdienste erworben. Die politische und gewerkschaftliche Internationale, an ihrer Spize die englische Arbeiterbe= wegung, haben nie aufgehört, das Weltge= wissen für die Opfer des Februar zu mobilisieren. Unaufhörlich sind die Wiener Machthaber unter starken Druck gesetzt worden. Dieser Druck wurde um so fühlbarer, als Desterreich wieder eine neue Anleihe und damit die Gunst der finanzkräftigen Weststaaten braucht. Unter diesen Umständen hatte die erst in jüngster Zeit erfolgte Fürsprache von Delegierten der englischen Arbeiterpartei ein besonderes Gewicht. Als zweites wesentliches Moment kommt hinzu, daß sich die Wiener Machthaber seit dem abessinischen Kriege der Schirmherrschaft Mussolinis nicht mehr so sicher fühlen als zuvor. Mit dem Schwinden des italienischen Einflusses in Mitteleuropa berringern sich auch die Chancen der Heimwehrdiktatur, sich in einem dauernden Zweifrontenkampf gegen Rot und Braun zu be= haupten. Die unversöhnlich ablehnende Haltung der österreichischen Arbeiterschaft gegen das Feberregime hat nun ihre ersten sichtbaren. Früchte getragen. Hätte sich ein Teil der österreichischen Arbeiter vom Faschismus forrumpieren und kaufen lassen, dann müßten Eifler, Löw und Genossen noch weiter hinter Kerkergittern schmachten. Die unerschütterliche Treue, welche das österreichische Proletariat mit den Opfern des Februar verbindet, war durch keine Lockung und durch keinen Terror der Vaterländischen Front zu zerbrechen. So mußte die Regierung, um den toten Punkt in der Sifnenpolitik zu überwinden, die erste versöhnliche Geste machen. Es wäre aber verfrüht, aus der Tatsache, daß ein größerer Teil der eingesperrten Hakenkreuzler der Amnestie nicht teilhaftig wurde, eine Linksschwenkung der Heimwehrdiktatur zu folgern. Beim nächsten Schritt, wenn es um die faktische politische und gewerkschaftliche Bewegungsfreiheit der Arbeiterschaft geht, wird Starhemberg wieder mit Zuchthaus und Konzentrationslager drohen müssen. Eine andere Frage ist freilich, ob diese Drohung fünftig eine größere Wirkung ausüben wird als bisher. Erreicht er die Schwelle des neuen Jahres? Laval kämpft um die Mehrheit Blum gegen die Unterstützung Mussolinis durch Frankreich Seit vielen Wochen gleicht Pierre Laval| antwortete: Niemals und in keinem Augenblicke habe einem Manne, der in kühnen Sprüngen von Stein ich weder in Genf noch in Paris die Verpflichtungen zu Stein einen Fluß zu überqueren versucht, ver- Frankreichs verleugnet, folgt von den Blicken einer teils besorgten, teils schadenfrohen Deffentlichkeit, die bei jedem Sprung gespannt wartet, ob der kühne Turner diesmal ins Waffer fällt oder nochmals den rettenden Felsblock erreicht, auf dem er gerade nur verschnaufen kann, um dann weiterzuspringen. Gegenwärtig heißt das Ufer, das Laval erreichen will: Jänner 1936. Wenn es ihm gelingt, aus der Kammerschlacht, die Freitag nachmittags entbrannt ist, nochmals als Sieger hervorzugehen, hat er voraussichtlich Waffenruhe bis Mitte Jänner. Es geht nun nicht mehr um die Frage der Auflösung der Ligen, die zwischen Kammer und Senat noch strittig war, aber bis auf kleine Differenzen bereinigt ist nur ein Antrag der Rechten gegen die Freimaurerlogen macht der Regierung noch zu schaffen sondern die Frage, die im Hintergrund stand und die eigentlich die Gemüter bewegt, die Außenpolitik kavals, wird diesmal ohne Vorbehalte besprochen und zum Gegenstand des Kampfes gemacht. Der Ministerpräsident zitiert den Absatz 3 des Artikels 16 des Völkerbundvertrages und sagt, daß die französische Regierung nicht gezögert habe, der britischen Regierung Hilfe in dem Falle zuzusagen, nen angegriffen würde. Er habe alles ge= daß Großbritannien bei der Erfüllung der Santtioan, um eine friedliche Lösung durchzusehen. Laval erinnerte an die Erklärung Sir Samuel Hoares im Unterhaus über die fehr ernsten olgen, welche die Geltend machung der Petroleum- Sanktionen nach sich ziehen würde und sagte: Die Pariser Vorschläge find zwar tot, aber der Schlichtungsweg bleibt offen. Laval wies nach, daß der Völkerbundpakt geltend gemacht werde und daß es nach diesem Pakt Pflicht des Völkerbundes ist, die Friedensverhand Iungen fortzuseßen. ten mit dem Ausruf: Nicht aber, um dem Angreifer Ein Sozialist unterbrach den Ministerpräsiden eine Belohnung zu erteilen! Laval: Der ernsteste Vorwurf, welcher der Regierung gemacht wird, ist, daß Frankreich zur Ges Der Kammerfizung ging am 26. 68. ein lan- währleistung seiner Sicherheit auf den Völkerbund ger Ministerrat und eine noch längere rechnen muß. Der Völkerbund selbst anerkennt, daß Audienz Herriots beim Präfi- feine Möglichkeiten beschränkt sind, daß die Geldenten der Republik voraus. Es ist aller- tendmachung des Artikels 16 große Lücken läßt. Jezi dings nicht bekannt geworden, was Herriot mit handelt es sich darum, zu verhindern, daß sich die Krisengefahr auf Europa übertrage und daß Präsident Lebrun besprochen hat. Der Ex- Führer die Grundsäße des Völkerbundes berührt werden. der Radikalen verhält sich sehr reserviert nach bei- Niemand kann bestreiten, sagte Laval zum Schluß. den Seiten. = daß die französisch britische? u= Die Radikalen selbst haben die Abstimmung fammenarbeit eine grundlegende freigegeben. Treten feine unerwarteten Zwischen- Garantie der Sicherheit in Europa fälle ein, so wird Laval wahrscheinlich mit einer bildet. Ich habe nichts getan, um diese Zusammen Kleinen Mehrheit noch einmal siegen. Umt alle Sicherheiten zu schaffen, die denkbar find, hat man die Kammerdebatte gegen alle Gewohnheit sehr genau geregelt. Die Zahl der Redner, die Redezeiten und die Dauer der Sitzung wurden vorher festgesetzt. Diesem Programm zufolge soll die Abstimmung Samstag nachmittags erfolgen und gegen 5 Uhr beendet sein. Es ist aber nicht ausgeschlossen, daß dieses Konzept gestört wird, denn schon bei der Rede Léon Blums zeigte sich, daß die Kammer viel zu erregt ist, um programmgemäß diskutieren zu können. arbeit abzuschwächen. Der erste Schlichtungsversuch ist mißlungen. Ich werde, was immer auch geschehen möge, meine zähen Bemühungen und meine Tätig teit zugunsten des Friedens fortsetzen. Die Rede Lavals wurde auf der Rechten und nur vereinzelt in der Mitte und auf der Linken mit Beifall aufgenommen, während die Radikalen fühl blieben. Als erster Interpellant sprach der sozialis stische Deputierte Léon Blum. Er erinnerte daran, daß Laval vor zehn Tagen in der Kammer sagte, daß in Genf entweder seine Politik werde beDas Rededuell in der Kammertrieben werden oder daß es zum Kriege kommen werde. In der Erklärung, welche Ministerpräsident Laval vortrug, erinnerte er an seine Rede in der Stammer vor zehn Tagen. Ob mit der Weihnachtsamnestie ein Abbau oder eine aus opportunistischen Gründen diktierte zeitweise Lockerung des Heimwehrcegimes eingeleitet wurde,.vird die nächste Zukunft lehren. Soviel ist getviß, daß weitgreifende innerpolitische Aenderungen in Desterreich unvermeidlich sind, wenn die Kräfte Mussolinis noch mehr auf das abessinische Abenteuer und auf die Ausein- Seit dieser Zeit haben sich ernste Begebenheiten andersetzung mit England Lonzentriert werden. ereignet: Sir Samuel Hoare ist zurückgetreten, die Die demokratischen Faktoren Westeuropas und Pariser Vorschläge wurden als tot bezeichnet. Die der Tschechoslowakei, die nicht wollen können, daß Hauptfrage, die gestellt werde, sei zu wissen, sagte der Schlüssel zum Donauraum kampflos in die waterlandesgut gedient, ob ich die Laval, ob ich den Interessen meines Hände Hitlers fällt, haben nich mehr viel Zeit Verpflichtungen eingehalten habe, die Frankreich zu verlieren. Soll Desterreich nicht ein zweites gegenüber dem Völkerbunde hat und ob ich die SicherSerbien werden, dann müssen die ungelösten heit Frankreichs für die Zukunft bedroht habe. Ich UNSER GESICHT 35 Roman von Karl Stym Copyright by Eugen Prager- Verlag, Bratislava Hell und ich gehen um die zweite Ladung. Daß wir dabei Malheur haben, ist zum Teil die Schuld des Lagerhalters. Er steckte uns einige Zigaretten zu. Im Eden nun wurde die Versuchung gar zu mächtig. Wir setzten uns und rauchten eine an. Nach zwei Tagen wieder eine Zigarette! Das Blut kribbelte so unangenehm unter der Haut und die Bäume neigten sich mir zu, ihre Stämme grotesk verrenkend. Aber es war eine unverantwortliche Dummheit und hetzte uns die ärarische Bande auf den Hals. Wir liefen, so schnell es eben unsere Säcke zuließen. Kugeln pfiffen über unsere Köpfe. Hell ist etwas vor mir und verschwindet im Schacht. Mir bleibt nurmehr so viel Zeit übrig, meinen Sack nachzuwerfen. Dann werde ich niedergetrampelt. Ich sehe eine Menge Kommisgamaschen vor mir und verbeiße mich in die nächstbesten. Ein kräftiger Kolbenhieb ist der verständnislose Dank für meine Mühe. Ich gebe mich auf. Am liebsten möchte ich heulen vor Wut, so knapp vor dem Schacht noch abgefangen zu werden. Da geschieht etwas Unerwartetes. Eine Rotte Frauen wirft sich kreischend auf die nicht wenig verdutzten Soldaten. Diese Chance benützte ich und schlüpfte in den Schacht. Ich weiß nicht, wie alles zuging, aber nach einer Weile sitze ich neben Hell in der Wetterluke und versuche, Luft zu kriegen. Das war Glück. Die braven Weiber! Aber Soldat möchte ich jetzt nicht sein Was machts, daß wir halb kaputt sind neben uns lie gen die beiden Säcke, dick und voll, köstlich nach frischem Brot riechend. Dafür steckt man gern was ein. Speck und Brot ist nicht schlecht, besonders dann, wenn man sonst nichts hat. Aber es hat einen Haken: es macht d Nr. 301 zösische Politik sei vom Anfang an Verantwortlichkeiten ausgewichen. Während der Rede Léon Blums kam es zu zahlreichen Wortgefechten zwischen der Rechten und der Linken. Der Lärm steigerte sich innerhalb einer halben Stunde dermaßen, daß die Worte des Redners vollkommen darin untergingen. Der Vor, sißende unterbrach nach vergeblichen Versuchen, die Ordnung wiederherzustellen, die Situng auf etwa eine halbe Stunde. Nach Wiederaufnahme der Sitzung beendete Leon BI um seine Interpellation unter verhältnismäßiger Ruhe. Auf einen Zwischenruf von ber Rechten antwortete er, daß die franzöſiſche Regierung es nicht vermocht habe, die Rüstungen Deutschlands zu verhindern oder zum Stillstand zu bringen. Zur Verhinderung dieser Gefahr sei es notwendig, daß sich alle Staaten in dem Streben nach Abrüstung aufrichtig ge= gen Deutschland verbinden. Die beste Garantie der Sicherheit Frankreichs sei eine borbehaltlose Hilfe Sowjetrußlands und Großbritanniens. Der nationalistische Deputierte Taittinger berlangte eine strenge Neutralität Frankreichs. Abfall der Radikalen von Laval Der Vorsitzende des radikalen Klubs, Delbos, unterzog die Außenpolitik der Regierung und den Mangel ihrer Aufrichtigkeit im Verhältnis zum Völkerbund einer scharfen Kritik. Er widerlegte die Behauptung, daß die Sanktionen zum Kriege führen würden, und erklärte unter dem Beifall der ganzen Linken, daß der Angreifer nicht auf Kosten des Ueberfalle= en belohnt werden dürfe. Die Enttäuschung der Kleinen Entente und der Balkenstaaten über die Politik Frankreichs sei groß. ,, Wenn Frankreich erklärt, daß es sich weder für den Völkerbund noch für die Kleine Entente, noch für sonst jemanden schlagen wird, was wird es selbst tun, wenn es einmal überfallen werden wird? Indem Frankreich die kollektive Sicherheit verlegt, würde es selbst die eigene Sicher heit bedrohen. er= Da wir nicht den Eindruck haben, klärte Delbos abschließend, daß die Regierung Laval die Außenpolitik so geführt hat, wie es notwendig ist, können wir ihr nicht das Vertrauen aussprechen. Die radikalen Deputierten erheben sich und afflamieren laut ihrem Klubvorsitzenden, der bisher in allen seinen Sundgebungen die Regierung unterstützt hat. Der Deputierte der republikanischen Mitte ( Gruppe Tardieu), der ehemalige Minister Paul Neynaud, erklärte, die Politif Lavals habe den großen Umschwung der britischen Außen politik und deren Zuneigung zu den Grundsähen der kollektiven Sicherheit nicht begriffen. Die traditionelle Politit Frankreichs sei es bisher ganze Jahrhunderte hindurch gewesen, die bedrohten und unterdrückten Völker zu unterstüßen. Die französische Politik müsse zu ihren edlen Traditionen zurückkehren. Paul Reynaud zollte hierauf dem italienischen Volke Achtung, verurteilte aber dessen faschistisches Regime. Genf hat die Vorschläge Lavals und Hoares abgelehnt, rief Blum, Sir Samuel Hoare ist zurückgetreten und wurde durch Eden ersetzt. Laval bleibt nichts übrig, als e ben falls zurückzutreten. Die Sozialisten sehen die Politik Lavals nicht als eine Friedenspolitik an. Großbri- Als Reynaud seine Rede schloß, klatschten tannien habe von Anfang an in Genf einen ihm wiederum nicht nur seine Anhänger in der entschiedenen Standpunkt zur Sicherung und Mitte, sondern auch die Radikalen und die ganze Respektierung des Völkerbundpaktes und der Linke Beifall. Die Sozialisten und die Kommu kollektiven Sicherheit eingenommen. Die fran- nisten riefen Laval zu: ,, Demission, Demission". Durst. Wasser ist zwar genug da, mehr sogar als uns bei der Arbeit lieb ist. Nur hat auch das wieder einen Haken: man tut gut, zugleich mit dem Trinken die Hose locker zu machen. Es muß als reines Wunder unserer geschäftsjagenden Zeit angesehen werden, daß sich noch niemand gefunden hat, der Grubenwasser in Flaschen abgezapft in den Handel bringt. Es wirkt mit unfehlbarer Sicherheit als Abführmittel und wäre somit ein prachtvoller Sanierungsartikel. Vielleicht sieht da letzten Endes auch für uns noch etwas heraus: Geht's mit Kohle nicht mehr, dann arbeiten wir als Wohltäter für die verstopfte Menschheit. Wir essen und trinken und müssen dafür vor den Aborten Schlange stehen. Solange der Mastdarm keine unliebsamen Streiche spielt, geht diese Art Unterhaltung noch an. Wir haben volle Mägen, neue Hoffnung und eine Menge Witze auf Lager und bedauern nur das eine, daß es der gute Speck so unvernünftig eilig hat, uns wieder zu verlassen. Hell schneidet mit seinem Taschenmesser eine Kerbe in den ,, Zeitstempel". Nachdenklich zählt er die Einschnitte. Es sind sechs. Jeder einzelne gilt für zwölf Stunden. ,, Drei Tage!" ,, Ich glaube, man hat uns vergessen!" sage ich. ,, Es sieht beinahe so aus!" Hell zählt wieder die Kerben. Einmal von oben nach unten, dann von unten nach oben. Sein mageres Gesicht wird dabei schmäler und die Schatten unter den Augen dunkler. ,, Immer wieder sechs!" 99 , Versprichst du dir noch was, Paul?" ,, Ich weiß nicht, wie ich sagen soll! aufgeben, wäre auch Dummheit!" Aber jetzt noch Er setzt sich, den Rücken an den ,, Zeitstempel" lehnend und zieht die Beine eng an den Körper. ,, So oder so!" Er klappt den Rockkragen hoch, steckt die blauroter Hände unter den Rock, um sie an der Brust zu wärmen und kriecht ganz in sich zusammen, Es ist kalt. Wir haben nichts mehr, was uns erwärmen könnte. Nicht einmal ein Fünkchen Hoffnung mehr. Die Menschen, die draußen leben, wissen wohl nicht, wie schön die Sonne ist, die Bäume, der Wald. Sie dürfen in den hellen Himmel hineinjauchzen, mit den Händen in der warmen Erde wühlen. Und wir? Wir sind kaum noch imstande, dran zu denken. Das kleine Häuschen, mit der mageren Wiese gegen die Halde! Wie weit ist das weg, ganz an den Horizont meines Denkens gedrückt. Vielleicht sind die Vergißmeinnicht im kleinen Gärtchen, das straßenwärts liegt, schon abgeblüht und die dunklen Rosen gekommen, die mein Mädchen so gerne hatte? Oft bin ich die Vogelbeerenallee zum Dorf hinuntergegangen, am Friedhof vorbei, wo man so weit übers Land sieht. War wirklich ich es? Ich muß damals noch jung gewesen sein, sehr jung, vor drei Tagen. Und Martha?! Ihre grauen Augen flimmern vor mir. Sind sie wirklich grau? Wirklich? Ich weiß es nicht. Wenn sie gar nicht grau sind? Blau? Vielleicht geht Martha jetzt im ,, Eden" und sieht zum Schacht. Und ich bin kaum hundert Meter unter ihr und quäle mich ab, herauszufinden, ob ihre Augen grau sind. Es ist nur der Berg zwischen uns und unserem Elend. Das macht es so weit und mich so läppisch, daß ich über Augen grübeln muß, die ich doch so oft gesehen habe. Uhus ,, Mama" ist tot. ,, Mama" war nicht etwa Uhus leibliche Mutter, sondern nur eine Ratte. In Anbetracht der sprichwörtlichen Häßlichkeit dieser Biester ist ,, Mama" fast schön zu nennen. Sie war geschmeidig und lichtgelb, mit kleinen, vertraulichen Äuglein und ist unseres Wissens nach etwas über zwei Jahre alt geworden. Vor zwei Jahren gab ihr Uhu die erste Speckschwarte und seither täglich. Sie kam darum mit der Sicherheit eines Steuerbeamten. ,, Mama" war, nebenbei bemerkt, auch eine große Sünderin. Dreiviertel ihres Lebens war sie trächtig. 99 Nr. 301 Samstag, 28. Dezember 1935 Sudetendeutscher Zeitspiegel Politische Dilettanten und Komödianten" Wieder ein Blick in die Häuslichkeit der Henleinpartei Die Hintergründe des Mandatsverlustes des Abg. Nentwich Wer nicht früher bei den Nazis war, gilt als politisch minderwertig Wie es hinter den Kulissen der Volksgemeinschaft zugcht Durch freiwillige Mitarbeiter werden wir in die Lage versetzt, wieder ein Dokument zu veröffentlichen, welches über den inneren Betrieb in der Sudetendeutschen Partei mehr Aufschluß gibt als die gesammelten Reden Konrad Henleins. Es handelt sich hier um ein Schreiben an den ehemaligen Abgeordneten Nentwich, dessen Antwort wir seinerzeit veröffentlichten. Nentwich ist inzwischen seines Mandates entkleidet worden, aber der persönliche Kamps unter den nordböhmischen Führern den SdP. geht unentwegt weiter. genden Briefes den wir mit allen Schönheitsfehlern reproduzieren erscheinen, doch jede Weglaffung würde das reizende Gesamtbild stören. guten Volksgemeinschaftler sprechen. Lieber Freund und Kamerad Nentwich! Die gestrige Bezirksratstagung hat derart viel Interessantes gebracht, daß ich Dich gleich davon verständigen will. Es waren dort sämtliche Ortsleiter und die Mitglieder der Bezirksleitung zum Bezirksrat zusammengekommen. Hausmann, Königswald, hat die Zusammensetzung der Bezirksleitung bekanntgegeben und erwähnt, daß ihm noch die vier wichtigsten Leute fehlen, nämlich die vier Ortsleiter für Eulautal, Zappenland, linkes und rechtes Elbeufer. Bei der bisherigen Ernennungspraxis in die neue Bezirksleitung können wir uns ja schon ungefähr ausrechnen, welche Farbe die Gebietsleiter haben werden. Dies nur vorausgeschickt, das dickere Ende kommt noch. Vor allen Dingen ging das schöne Wort organifieren" wie ein roter Faden durch den ganzen Abend, es ist unglaublich, was alles bisher nicht ,, organ" wurde und wozu jetzt ein fähiger Organisator in M. gefunden wurde. Leider war der Widerhall dieser Feststellung nicht so, wie man ihn am Präsidium erwartet hatte. Ganz besonders scharf aber ist der Bez. Lt. erstens gegen die " politischen Dilettanten und Komödianten" Manche Stellen des folmögen unwesentlich Lassen wir also einen Seite 3 Gegen den Justizmord an Rudolf Claus der am 17. Dezember in Berlin von Görings Scharfrichter gemeuchelt wur 66 de, erheben sich in aller Welt Stimmen scharfen Protestes. Die Weltpresse be. tont, daß die Urteilsbegründung kei nerlei konkrete Angaben über die todeswürdigen Taten des Hingerich. teten enthält, daß die Umschreibung ,, Vorbereitung zum Hochverrat" in der Rechtsgeschichte und in jedem Rechts. staat überhaupt einzig dasteht, daß Rudolf Claus nicht mehr vorgeworfen ben mit allen möglichen Fragezeichen in Rotstift werden konnte, als daß er Flugblätter und mit dem Rotstiftverwerk ,, Briefinhalt unverständlich zurück Köllner" rückerhaltetn habe. Du kannst Dir leicht vorstellen, in welcher Stimmung ich bin, ich denke, ich lasse es endlich kra che n, gleich was das für mich für Konsequenzen hat, denn so mache ich nicht weiter mit. Schreib mir vielleicht kurz, wie Du denkst und sei samt Robert bestens gegrüßt von Deinem gez. Sachs c. beibe wacker eingesetzt hat, als alle über Ench herfielen. Nun tam unser gemeinsamer Freund Hölzel zu Wort, der ebenfalls äußerst scharf gegen diese Separataftionen auftrat, es besonders rügte, daß Robert trok Einladung nicht an der Hausbefizer- tischen Hintergründe der Affäre Durch dieses Schreiben werden die poli= Protestversammlung in Bodenbach teilnahm, was Nentwich grell beleuchtet. Hinter der Totalitätsder Elbezeitung Grund zu einer wüsten Hetze gibt kulisse der SdP spielt sich ein heftiger Konkurund daß auch Du zu der Tetschener Hausbesitzerver- renzkampf zwischen Alinazis und Neusammlung erst geholt werden mußteft, wo Abg. bekehrten ab. Wie man sieht, beherrschen Böhm seine Gift pfeile gegen die SHF. die ehemaligen Nationalsozialisten das Feld. bereits verschickt hatte, bevor Du amkamst. Hetzel Münzberger, der gegen den Willen der verlangt, daß derartige Sachen abgestellt werden Nentwich- Leute als Organisator vorgeschoben müssen, daß es keinerlei Einzelaktionen mehr geben wurde, ist der ehemalige Kreissekretär darf und daß Ihr genau so wie er vom Bez. Lt. zu- der Krebspartei. Auch der Brief ,, in geteilt werdet, wo Ihr zu sprechen habt. Sachen Schaschek", der von Dr. Köllner mit dem bezeichnenden Vermerk Inhalt unberständlich" retourniert, wurde, scheint nicht von Loyalitätsschwüren gehandelt zu haben. So liefert dieses Dokument wiederum den Be weis, daß der Geist der Hakenkreuzlerei in der SdP. lebendig geblieben ist. Die neugewonnenen Anhänger Henleins können hier schwarz auf weiß sehen, daß sie nur als Mitläufer gebraucht wurden, im übrigen aber als politische Diletanten und Komödianten" gelten. Es lebe die Volksgemeinschaft! Ich kann nicht umhin Dir dies zu schreiben, fe it er Block gebildet hat, und daß die da ich gesehen habe, daß sich ein bereits fehr Vorbereitungen für die politischen Leichen" laut Krause schon ganz schön gediehen sind. Erwähnen möchte ich auch noch, daß ich meinen Brief in Sachen Scha chek, den ich Dir wohl zu lesen gegeben hatte, von Eger ohne Begleitschreiin den Ortsleitungen geworden, die es als befonbe- Unsere Gewerkschaften res Verdienst für sich ansehen, vor dem„, Herbst an Masaryk und Beneš des 1933" nicht politisch tätig gewesen zu sein, die Ortsleiterposten als geerbt" ansehen und besseren Kräften nicht weichen wollen. Diese Dilletanten Die Zentralgetvertschaftskommission Gehaltsabzüge bleiben Gleichstellung der vierten Etappe der Altpensionisten am 1. Juli sollen sich gefagt sein lassen, daß hier kräftigst durch- Deutschen Gewerkschaftsbundes( Reichenberg) hat gegriffen werden wird und daß gar nichts daran in ihrer Exekutivsizung vom 23. Dezember Kund- Staatsangestellten- Organisationen und der Ereliegt, wenn 15 øder 20 Ortsgruppen im Bezirk zum Teufel gehen?! Ich finde diese Feststellung mehr als unnötig und werde auch, sobald Ihr zurück seid, in einer Bez. Lt. Sitzung dazu Stellung nehmen. Es wäre doch schön, wenn der Herr Bez. Lt. 15 Ortsgruppen zum Teufel haut und dann Gemeindewahlen kommen. Das Groß des ganzen Abends füllte Mün 3berger aus, der ununterbrochen von ,, organ" sprach, immer wieder von Hausmann afflamiert, der wiederholt feststellte, daß der Bezirk allen Druck dahinterfeben werde, daß M. und kein anderer Bezirksgeschäftsführer wird. Was Dich aber persönlich betrifft und weshalb ich Dir eigentlich schreibe, ist etwas anderes. Der Bz. Lt. hat festgestellt, daß ihm gestern Dienstag gebungen an den ehemaligen Präsidenten Masaryk und an den Präsidenten Beneš beschlossen. In der Kundgebung heißt es u. a., daß die Gewerkschaften in tiefster Dankbarkeit Masaryks Wirken in seinem hohen Amte gedenken, das er nach den Grundsäßen der Demokratie, der sozialen Gerechtigkeit und der Humanität“ verwaltet hat. In aufrichtiger Verehrung", so heißt es, " gedenken wir Ihrer menschlichen Größe, Ihres Gerechtigkeitsfinnes, Ihrer sozialen Einsicht und hres großen Verständnisses für den Kampf der Arbeiterklasse um Freiheit, Licht und Kultur". Zum Schlusse wird der festen Entschlossenheit der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter Ausdrud gegeben, das gewaltige Lebenswerk Masaryks mit Einjazz aller Kräfte zu verteidigen. Das Präsidium der Arbeitsgemeinschaft der tutive der öffentlichen Angestellten wurde am Samstag, dem 21. Dezember 1935 vor der Ministerrats- Sizung vom Vorsitzenden der Regierung Dr. Milan H o d z a in Audienz empfanden. Dr. Hodža erklärte folgendes: fann für das Jahr 1936 schon deshalb n i chi Eine weitere Milderung der Gehaltsabzüge erwartet werden, weil das Budget wegen des unerfreulichen Standes der Staatsfinanzen mit den bisherigen Abzügen rechnen müsse und eine wirtschaftliche Besserung im Jahre 1936 nicht in dem Maße erwartet werden könne, daß die Gehaltsabzüge im Laufe des Jahres 1936 gemildert würden. Die Gleichstellung der vierten Etappe der Altpensionisten wird gemäß ihren Wünschen und der Zustimmung der Regierung für den 1. Juli 1936 vorbereitet. Die Verschiebung des Gehaltstermins auf den ersten Tag des Monats beabsichtigt die Regierung in günstigem Sinne zu regeln, überläßt aber in dieser Richtung die Initiative dem Finanzministerium gemäß dem finanziellen Stande und wird dessen Standpunkt respektieren. Die Kundgebung, die an den neuen Präsi abends mitgeteilt wurde, es sei über Auftrag Ticha- denten gerichtet ist, enthält zunächst einen Glückfert eine öffentliche Steuerkundgebung für nächsten wunsch zur Wahl Benes', in der ein glänzender Montag auf dem Tetschner Markt angemeldet. Er Erfolg des staatspolitischen Wirkens des bisherihat sich ausführlich und sehr scharf gegen folche gen Außenministers nach den Grundsäßen der DeEigenmächtigkeiten verwahrt und hat mokratie und der politischen Freiheit erblickt erklärt, daß die Kundgebung nicht unter dem Na- wird. Sie treten Ihr hohes Amt", so heißt es Die Herausgabe der Durchführungsverordmen des Bezirks Tetschen der SHF stattfinden weiter ,,, in einer Zeit an, in der die Demokratie nungen bezüglich der Einrechnung vor werde, denn er denke gar nicht daran, sich gefallen in Europa von Gefahren bedroht ist und die wirt- an gegangener Dienste wird erst im zu lassen, daß über seinen Kopf hinweg Leute, feien schaftliche Krise das Leben der Völker und der fie wer immer, im Namen des Bezirks Versammlun- Staaten arg bedrängt. Besonders start gen anmelden. M. flocht noch ein, daß Tschakert ihn empfinden die arbeitenden Men= vollkommen geschnitten habe und daß an ihm vorbei schen in den deutschen Siedlungszum Kameraden Hitschel gegangen sei, dem er den gebieten die Folgen der Wirt= Auftrag zur Versammlungsanmeldung erteilt habe. schaftskrise. Unsere Gewerkschaften stehen der Ueberwindung der wirtschaftlichen Schwierig Hausmann, Königswald, betont, daß solche Ge- treu zur Republik und sind bereit, an schichten ein für allemal vorbei seien, daß er sich dies nicht mehr gefallen lassen werde und daß wir feiten nach Kräften mitzuwirken." es nicht notwendig haben, zu den Blama= gen, die wir schon erlitten haben, uns eine weitere mit dieser kaum vorbereiteten Steuerkundgebung zu wiederholen. aktionen" mehr vorkommen können. Beneš parteilos Der Präsident der Republik, Dr. Eduard Er wiederholt nochmals, daß solche Sachen mit immer größerer Deutlichkeit zeigen, daß M. Ge- Beneš, hat bekanntlich bisher der tschechischen na schäftsführer werden muß, damit keinerlei„ Privat- tionalsozialistischen Partei angehört. Er ist in diese Partei seinerzeit mit Zustimmung der KoaEs wurde auch darauf hingewiesen, daß es litionsparteien eingetreten, weil man in der ersten merkwürdig sei, daß Du und Robert eine solche Sa- Regierung Svehla der Ansicht war, daß auch das che einrühren und dann einfach beide ver Außenministerium von einem politisch- parlamenschwinden, ohne sich weiter zu kümmern. Monat März 1936 neuerlich zu erwägen und gemäß der Ergebnisse der in dieser Angelegenheit getroffenen Vorbereitungen zu verhandeln möglich sein. Vor größeren Aktionen gegen die Mongolei? Hsingking.( Reuter.) Im Laufe der Weihnachtsefiertage ereigneten sich givet Grenzzwischenfälle zwischen mongolischen und japanisch mandschurischen Abteilungen. Dabei wurden im ganzen vier Soldaten verlegt. Die Situation ist ziemlich gespannt, denn die japanisch- mandschuriwünschen eine größere schen Abteilungen tion gegen die Mongolei zu eröffnen. verteilt und sich der politischen Gefangenen angenommen habe. So wird das unschuldig vergossene Blut wenigstens dazu beitragen, Hitler deutsch. lands Schande zu verkünden und die Gewiffen der Welt aufzurufen gegen die Greuel des Dritten Reiches. ALPA Franzbranntwein zur Muskelstärkung und Nervenbelebung Ueber die Rekonstruktion der Regierung berichten Lidové Noviny", daß die politischen Ferien ungefähr bis Mitte Jänner dauern werden und daß erst in der zweiten Hälfte Jänner die Vorbereitungen für die Rekonstruktion des Kabinette getroffen werden. Die Koalition foll um die Vertreter der slowakischen Volkspartei und der deutschen Christlichsozialen erweitert werden. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß die magyarischen Christlichsozialen eine aktivistische Orientierung einleiten werden, welche zu einer Annäherung derselben an die Regierungstoalition führen wird. Bei den Nachrichten, welche jetzt schon über Veränderungen innerhalb der Regierung verbreitet werden, handelt es sich mehr oder weniger um Rätselraten, denn die konkreten Verhandlungen hierüber haben noch nicht begonnen. Es lann nur gesagt werden, daß soweit es sich um die Besetzung des Ministeriums des Aeußern handelt, der ern= Dr. Krofta ist, der diese Stellung seit neun teste Kandidat der bisherige Stellvertreter Beneš Jahren bekleidet. Als Vertreter der Nationalsozialisten in der Regierung, die nach Beneš' Abgang Anspruch auf noch eine Stelle im Kabinett haben, wird Abgeordneter Tučny bezeichnet. Die Koalitionspolitiker wünschen, daß die Rekonstruk tion der Regierung rasch erfolge, weil dadurch die Kräfte ganz auf die positive Arbeit, insbesondere auf dem Gebiete der Wirtschaft, konzentriert wer den könnten. ,, Halbe Amnestie" Die Arbeiterzeitung" vom 29. Dezember schreibt unter dem Titel ,, Halbe Amnestie" u. a. folgendes über den Weihnachtsgnadenati Miklas': ,, Die ganze sozialistische Weltpresse hat seit dem Februar 1934 unermüdlich für die Befrei= ung unserer Gefangenen gewirkt. Die von der Sozialistischen Arbeiter- Internationale herausgegebenen Schwarzbücher haben auf das Schicksal unserer Gefangenen die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit gelenkt. Die Genoffen E. Vandervelde und Louis de Broucére waren in Wien und haben unsere Gefangenen besucht. Im Dezember d. 3. sind die Vertreter der englischen Arbeiterpartei Greenfeld, Harker und Jones in Wien erschienen, um für unsere Gefangenen zu wirken. Auch die Internationale Liga für Menfchenrechte und ein Komitee französischer antifaschistischer Intellektueller haben ihre Stimme für unsere Gefangenen erhoben. So hat schließlich die österreichische Regierung nachgeben müfsen; aber sie tat einen halben Schritt. Sechzehn Schutzbündler sollen weiter im Kerker bleiben. Ihnen wird die Gnade verweigert. Sechzehn Unglückliche, die nichts anderes getan haben als alle anderen Schutzbündler, sollen weiter leiden... Wir verlangen ferner, daß diejenigen, Ein bestellter Bombenanschlag? bekommen. Wir verlangen die Wiedereinsetzung die begnadigt wurden, auch wieder ihre Arbeit aller Gemaßregelten in ihre erworbenen Rechte. illegalen Kämpfer. Männer und Frauen sind zu fünf Jahren Kerkerstrafen verurteilt worden, nur weil sie eine Zeitung oder ein Flugblatt verbreitet haben. Wir verlangen ihre Befreiung. Unsere Forderungen find: Heraus mit den Sechzehn, Heimkehr der emigriert Schutzbündler, Rückheraus mit den gefangenen Illegalen, freie gängigmachung aller Maßregelungen!" Ich muß offen sagen, daß er damit viele Kam. ge- tarischen Minister und nicht von einem Beamten sch en Marinekommandos am Don Schließlich verlangen rir eine Amnestie für die gen Euch eingenommen hat. # geleitet werden sollte. Am 17. Dezember, am Tage Kowarcz hat zwar aufgeklärt, daß ein vor seiner Wahl, hat nun Beneš an Klofàč ein Ausschluß gebildet wurde, das Schug,& e Schreiben gerichtet, daß er von nun ab außerhalb lig, SchacherlI etc. mitzuarbeiten versprachen des Rahmens der politischen Parteien verbleiben und daß alles davon abhängt ob die Behörde diese Kundgebung unter freiem Himmel bewilligt, da man werde," um ,, für die Zukunft eine Tradition zu vor Bewilligung nicht mit der Propaganda beginnen schaffen und zu unterstreichen, daß der Präsident fönne. Ich muß K. zubilligen, daß er sich für Euch der Republit über den Parteien steht". In Hankau ist unweit des japani nerstag zeitig früh eine Bombe explodiert. Ja panische Marinesoldaten mit aufgepflanztem Bajonett sperrten sofort das ganze Stadtviertel durch einen Kordon ab. Zwei Chinesen wurden schwer verletzt. im Hinblick auf die letzten Studentenunruhen das In Schanghai, Nanking und Hankau wurde Standrecht verhängt. t m 3 A 7, " e er ре に It. 3= ie C= id g. 2= er ge I= " ie rBEL it BACA ie i2n f it or ch E m id as en Bn. en re krit, ie EAR Seite 4 Samstag, 28. Dezember 1935 Nr. 301 Deutsche Eisenbahnkatastrophe 33 Todesopfer am Weihnachtsabend Berlin. In Groß-Heringen(östlich von Erfurt) ereignete sich am 24. Dezember um IS Ahr eine schwere Eisenbahnkatastrophe. Der Schnell- zug Berlin— Frankfurt fuhr auf der S a a l e- D r ü ck e auf eine» Personenzug auf, der bei dem Zusammenstoß entgleiste. Ganze Wagentelle stürzte« in den Fluß. Viele Mensche« ertranken in dem eiskalten Wasser. Insgesamt wurden bisher 33 Todesopfer gemeldet, weiter an f ü n f- zeh« Schwer- und etwa zehn Leichtverletzte. Sämtliche Der- letzten und Toten stamme« von dem Personenzug, während die Reisenden des D-Zuges unverletzt blieben. Eine Verspätung sollte gutgemacht werden... , Zur Schuldfrage wurden bereits eingehende Ermittlungen angestellt. Anscheinend wollte der Lokomotivführer eine Verspätung einholen und ließ eS dabei an Aufmerksamkeit fehlen. Er hat, wie di« bisherigen Ermittlungen ergeben Hecken, das Haltesignal sowie das 1000 Meter davor stehende Vorsignal nicht beachtet. Dieser Tatbestand wird von dem Lokomotivführer, der schwer- verletzt im Krankenhaus« liegt, zugegeben. Grausige Totenbergung Erfurt. Ueber die Bergungsarbeiten an der Unglücksstelle von Großheringen wird berichtet: Die Pioniere hatten zur Durchführung ihrer schwierigen Bergungsarbeiten in der Saale Pontons mitgebracht, die sofort zu Wasser gelaßen wurden. Entgegen den zur Zeit auftauchenden Vermutungen stellte sich bald heraus, daß kein Wagen des Personenzuges in die Saale gestürzt war, aber erhebliche Wagenteile» die auch Menschen mit in den Fluß hinabrissen. Durch den Zusammenstoß hatten sich die Oberteile der Wagen auf der Brücke zum Teil gelöst, die Türen waren aufgesprungen, so daß Menschen und Oberteile von Wagen in den Fluß hinabgeschleudert wurden. Binnen kurzem gelang es der aufopfernden Arbeit der Pioniere, aus der etwa drei Meter tiefen-rs- kalten Saale mehrere Leichen zu bergen. Diese Arbeiten wurden mit allen technischen Hilfsmitteln, z. B. auch durch das Ziehen von Netzen oor- genommen. .*- Schweres Verkehrsunglück in Niederösterreich Wien. Am Vormittag des 24. Dezember stieß unweit von Poysdorf auf dem Mrech- felde ein Lokalzug mit einem mit 40 Personen besetzten Wiener Autobus zusammen. Der Autobus ging in Trümmer. Hiebei würben zwölf Personen schwer oder leicht verletzt. Zwei Verwundete starben im Krankenhaus- ein dritter ringt mit dem Tode. 3agesneui§kelkn Vier Kinder erstickt Kascha«. Ein großes Unglück ereignete sich kurz vor Weihnachten in Bardejob in der Wohnung des dortigen Arbeiters Jan Cvrdela. In den Nachmittagsstunden ging Cvrdela mit seiner Frau in den Wald, um Holz zu sammeln. In ihrer Abwesenheit kamen ihre vier kleinen Kinder durch Erstihien, in dem aus dem Ofen ausströmenden Rguch ums Leben. Als die Eltern h^imkehrten, wurden sie von der Gendarmerie verhaftet. Die Frau, die ein fünftes Kind erwartet, wurde nach dem Verhör aus der Haft entlassen. Einbrecherpech In den letzten Tagen des Jahres hat die Prüfer Polizei ganz besonderes Glück. Nach langen Beobachtungen gelang es ihr, nach und nach die Mitglieder einer Einbrecherbande dingfest zu machen, welche seit Monaten die Prager Umgebung unsicher gemacht hat. Aber ganz besonders schwer traf ihr Zugriff die Einbrecher B u r i a n und S t a r h, die am Weihnachtsabend einen gut vorbereiteten und durchgeführten Raubzug in die Räume des Automatenbuffets im Lucerna-PalaiS auf dem Wenzelsplatz unternommen hatten. Nachdem die beiden aus dem Nachbargebäude durch den Keller in die Geschäftsräume gekommen waren und in der Kasse 9 0.000 XL erbeutet hatten, wurden sie von Passanten bemerkt. Es begann in dem großen Gebäude eine schwierige Suche nach den Flüchtigen, die mit Erfolg endete. Berg in Flammen London. Wie aus Kapstadt gemeldet wird, steht der Tafelberg feit dem Heiligen Abend in Flammen. Ein verheerendes Schadenfeuer hat die Wälder auf den Abhängen des Berges'ergriffen und greift immer weiter um sich. Das Feuer ist noch in einer Entfernung von über 20 Kilometer zu fehen. Man befürchtet, daß das Feuer noch über eine Woche lang anhalten dürfte. Das Feüer konnte durch Menschenhand nicht bewältigt werden. Erst am Freitag konnte einsetzender schwerer Nebel sowie einige Regenfälle die Flammen zum Erlöschen bringen. Da das Feuer gleichzeitig an 80 verschiedenen Stellen brannte, vermutet man Branststiftung. Ein Zusammenstoß bei Mähr.-Trübau Mittwoch stieß bei Mähr.-Triibau zwischen den Ortschaften Altstadt und Suschitz der staatliche Autobus, welcher auf der Strecke Mähr.sch« Trübau—BudigSdorf verkehrt, um 9 Uhr vormittags mit einem Personenzüg zusammen, der aus der Station Mähr.-Trübau ausführ. Der Autobus wurde leicht beschädigt und der Chauffeur leicht verletzt. Es erlitten auch einige Passagiere des Autobus Verletzungen. Einer von ihnen wurde in das Krankenhaus der Stadt Mährn'ch- Trübau geschafft, wahrend die übrigen in häusliche Pflege gebracht wurden. Der Bahnübergang, bei welchem das Unglück geschah, ist ungeschützt!^ Schreckliches Ende einer Tanzerei Mailand. In Cardazzo bei Stradella stürzte bei einem Tanzvergnügen plötzlich das Dach des Gebäudes ein, in dem sich der Tanzsaal befand. Das Gebälk und die Schneemassen stürzten auf die Tanzenden herab. Etwa 30 Personen wurden verletzt, mehrere Schwerverletzte mußten sofort ins Krankenhaus gebracht werden. Der Einsturz war durch die ungewöhnlichen Schneemassen verursacht, die sich auf dem Dache angesammelt hatten. Deutscher Gruß. Herr Carle Birneh, ein Kanadier, besuchte mit einem Landsmann Deutschland. In Berlin sahen sie eme'SS-Parade durch den Wedding marschieren, und daraufhin bekamen sie Prügel. Denn wo eine Parade ist, ist irgendwo auch eine Fahne, mindestens eine. Und sie hatten die Fahne nicht gegrüßt. Birneh erzählt im„New Leader":„Wir sahen keine Fahne, wir sahen nichts als ein einsames Braunhemd grüßen. Wir zogen durch nichts die Aufmerksamkeit auf uns, sondern gingen einfach die Straße entlang. Es forderte uns auch niemand auf, den Hitlergruß zu leisten. Plötz- lich griffen uns drei Männer in Zivil an. Einer gab mir einen Schlag, der mir nur den Hut vom Kopf riß, aber ein anderer schlug meinem jungen Freund— der hutlos war— ins Gesicht, daß ihm das Blut aus der Nase schoß. Sein Gesicht trägt noch immer die Spuren des Hiebes. Als man entdeckte, daß wir britische Untertanen waren, hörten die Angriffe auf, und es folgte eine Flut von Entschuldigungen. Man hatte uns irrtümlicherweise für Kommunisten gehalten. Als wir uns bei einem Polizisten beschwerten, wurden wir verhaftet. Man sagte mrs, daß unsere Angreifer Parteimitglieder„im Dienst" gewesen waren und nicht fest- genommen werden könnten. Wir selbst wurden aber fünf Stunden in einer Polizeistube fest- gehallen, während uns zahlreiche Beamte aus- fragten und uns davon abzuhalten suchten, das Konsulat zu informieren. Es wurde nach einem hohen Beamten der Nazi-Geheimpolizei(Mr- ney schreibt hier die englische Bezeichnung „C.J.D."— Criminal Investigation Departement) geschickt i er bot uns an, unsere Angreifer zur Polizei st ation schaffen zu lassen, damitwirsie zur Vergeltung auch verprügeln könnten. Natürlich lehnten wir ab und verlangten, daß in der deutschen Presse eine öffentliche Enffchuldigung veröffentlicht werde und zugleich ein Verbot, irgendjemand zu schla- gen— er sei Deutscher oder Ausländer— der zu grüßen versäumt. Das wurde selbswerständ« lich verweigert: aber die Furcht vor dem, was wir im Ausland erzählen würden, veranlaßte die Polizei, zu versprechen, daß sie eine derartige Notiz in die parteiinternen Naziorgane sei- zen würde. Wir warten noch immer auf den Beweis, daß es geschehen ist. Der brftische Kon- sul in Berlin hat unseren Protest und unsere Geschichte. Aber auch von ihm haben wir nichts gehört."— Mister Birneh wird lange warten. Wo käme man hin, wenn man den SA und SS das Prjrgeln verwehren wollte! Dreiviertel von Deuffchland würde auf einmal keine Fahnen mehr sehen und statt die Hand zum Hftlergruß zu haben, die Faust ballen... zunächst in der Tasche. Aber nicht immer in der Tasche. Opfer der See. In der Nähe von Lorrient an der Westspitze Frankreichs wurden am Donnerstag die Trümmer einer ftanzösischen Motorschaluppe angetrieben, die in dem Sturm, der fett 48 Stunden an der atlantischen Küste tobt, Schiffbruch erlitte« hat. Die siebenköpfige Besatzung wird vermißt. In einem Arbeitslager in Waterbury(Vermont USA.) brach ein Brand aus, der so schnell um sich griff, daß sich mehrere Insassen Nicht mehr in Sicherheit bringen konnten. Drei Personen verbrannten, drei weitere Personen wurden schwer verletzt. In dem Lager befinden sich ehemalige Frontkämpfer, die an Dammbauten arbeiten. Jugendliche Skifahrer«mgekomme«. Wie aus Chur(Graubünden) gemeldet wird, wurden auf der Alm Flix an der Julierstraße drei 16- bis 18jährige Züricher Gymnasiasten bei einem Schneesturm verschüttet. Die Leichen wurden geborgen. Nach einer Meldung aus Davos gerieten zwei 15- und 18jährige Brüder aus Schaffhausen beim Skifahren in eine Lawine, wobei der Jüngere getötet wurde. Scharlachimpfung mit tödlichem Ausgang. In der Gemeinde Maly Flock bei Bialystok erkrankten anch einer Schutzimpfung gegen Scharlach 18 Kinder, von denen drei im Spital gestorben sind. Die Behörden habe neine strenge Untersuchung zur Feststellung der Schuld an diesen Massenerkrankungen angeordnet. Der Fremdenverkehr im November d. I. weist in der Tschechoslowakei im Vergleich mit Oktober d. I. einen Rückgang der Besucher aus. Nach der Grenzerhebung kamen im November(Oktober) d. I. 99.900(124.300) und im November 1934 88.500 Ausländer zu uns. Unser Staatsgebiet verließen im November(Oktober) d. I. 101.500(123.800) und im November des Vorjahres 88.3OO fremde Staatsangehörige. Ebenso ging auch der Besuch unserer Staatsbürger im Ausland im November d. I. gegenüber Oktober d. I. zurück, doch ist er gegenüber November oes Vorjahres h ö h e r. Im November(Oktober) d. I. reisten ins Ausland 82.800(92.800) Tschechoslowaken, im November des Vorjahres 68.400 tschechoslowakische Staatsangehörige. In dem gleichen Monate d. I. kehrten 82.700(92.300) und im November des Vorjahres 68.300 tschecho- flowafische Staatsbürger zurück. Für die Zeit von Jänner bis November(Feber bis November) d I. verzeichnet die Grenzerhebung einen Zugang von 1,581.300(1,491.200) Ausländer, im Feber his November des Vorjahres dagegen nur 1,395.100 ftemde Staatszugehörige. In der gleichen Zeit des Vorjahres(Jänner bis November) reisten 1,165.800 und im Feber bis November 1935(1934) 1,099.600(900.500) tsche- choslowakische Staatsbürger ins Ausland. Die Aufenthaltsdauer der Ausländer bei uns stieg von 91.300 Uebernachtungen im Oktober d. I. auf 134.200 im November d. I. Die Aufenthaltsdauer unserer Staatsbürger im Ausland ging zurück, und zwar von 39;000 Uebernachtungen im Oktober auf 22.700 im November d. I. In der Zeit von Feber bis November 1935(1934) be- Louis Lumiere, der vor 40 Jahren den Kinematographen erfand. trug die Aufenthaltsdauer der Ausländer bei uns ruüd 4,918.700(5,622.800) Tage und unserer Staatsbürger im Ausland annähernd 2,192.300 (1,270.700) Tage. Der Rückgang des zwischenstaatlichen Reiseverkehrs im November d. I. betrifft den Bahnverkehr stärker als den Straßenverkehr.' Verbandstag der Gewerbetreibenden,^er Verband der Gewerbetreibenden und Kaufleute.in der Tschechoslowakischen Republik, Sitz Aussig, hält Sonntag, den 2. Feber, vormittags 10 Uhr, im Hotel„Lara" in Teplitz-Schönau, Bahnhofstraße, seinen ordentlichen DerbandStag ab. Auf der Tagesordnung, u. a.:„Unsere Forderungen"(Referent. Edwin T 0 b i a s ch). Bericht d«S Berbandsvor» standes(Refernt Ernst Fieber). Neuwahlen. Anträge des Verbandsvorstandes und der Ortsgruppen. Familientratsch und seine Folgen. Die 36jährige Frau des städtischen AutobuSschaffnerS Stefan Ritz in Wien sprang während eines Stteites aus ihrer Wohnung im 15. Bezirk aus dem Fenster in den Lichthof und blieb tot liegen. Ihr Gatte brachte sich daraufhin zwei Kopfschüsse bei. Familientratsch und Eifersucht waren die Ursache dieser Familientragödie. Wahrscheinliches Wetter SamStag r Fortdauer des etwas unbeständigen und im allgemeinen relativ warmen Wetters. Rur vereinzelt leichte Niederschläge. In den tiefen Lagen größere lokale Temperaturunterschiede.— Wetteraussichten für Sonntag: Auf den Bergen ein we«ig kälter; in den Niederungen Tauwetter. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programme«; Samstag Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse 13.40: Leichte Musiki 16.05: Flötenkonzert, 16.25: Schallplatte«: Haydn. 17.25: Tanzmusik. 17.55: Deutsche Sendung: Dichterstunde, 18.45: Deutsch« Presse, 20.00: AuS dem Smetanasaal: Konzert d. Gesangs» Vereines mähr. Lehrer, 22.30: Tanzmusik. Sender S: 7.30: Leichte Musik, 14.10: Deutsche Sendung: Volkslieder zur Laute, 14.50:- Deutsche Press«. 18.00: Schallplatten: Rossini.— Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Chansons. Stürme und Ltnwetter in den MetynaGtStagen Bergrutsche und Lawinen in Italien Mailand. Die tagelang andauernden Regenfälle haben an der westlichen Riviera zu starken Bergrutschungen geführt. Die Hauptverkehrsstrc»^ längs des Meeres wurde an zahlreichen Stellen, besonders zwischen Savona und Albisola, durch gewaltige Felsblöcke verlegt. Zwei große Felsblöcke find auch auf die Eisenbahnlinie Genua— Ventimiglia gestürzt, so daß die Züge große Verspätungen erlitten. Bei Pon- tedoffio wurde die Straße durch eine Steinlawine verschüttet, so daß der Verkehr nach Piemont unterbrochen ist. Orkane in Spanien Madrid. Aus Nord- und Westspanien werden orkanartige Stürme gemeldet. Die Flüsse Guadiana und Tromes sind dr.i Meter gestiegen und überschwemmen das Land bei Badajoz und Salamanca. Brückeneinstürze und Unterspülungen von Häusern haben bisher 14 Todesopfer gefordert. Der Sachschaden ist außerordentlich groß. Teilweise wurden auch Friedhöfe von der Flut aufgewühlt, so daß die Leichen im Wasser schwammen. Der Schnellzug Madrid—Badajoz entgleiste infolge Erdrutsches. Mehrere Personen wurden leicht verletzt. In der Provinz CacmeS stürzte eine Brücke über den Fluß Tietar ein, als gerade ein mit vier Personen besetztes Privatautomobil darüber fuhr. Die Insassen ertranken. Kältekatastrophen in den Bereinigten Staaten New Uork. In den Vereinigten Staaten ist eine Kältewelle eingebrochen. Map schätzt die Zahl der Erftorenen auf ungefähr 52. 14 Opfer allein hat die Frostwelle im Staate Ohio gefordert. Außerdem erlitten tausende Menschen Verletzungen, viele wurden bei Automobilunfällen getötet, die durch Schleudern auf den mit vereistem Schnee bedeckten Sttaßen oder infolge schlechter Sicht bei Schneestürmen verursacht wurden. Das ganze Land von den Rocky Mountains bis zur Atlantik-Küste wurde von schweren BizzardS heimgesucht. In vielen Staaten mußte der Flugzeugverkehr und der Verkehr der Kraftwagen völlig eingestellt werden. In Chicago trafen die Eisenbahnzüge mit stundenlangen Verspätungen ein. Ueberall sind große Schneeverwehungen zu verzeichnen. Zyklon in Brasilien Buenos Aires. Die Provinz Entte Rios ist von einem schweren Zyklon heimgesuckt worden. Besonders zu leiden hatte die Stadt Victoria, in der zahlreiche Bauten zerstört wurden. Bisher wird ein Toter als Opfer des Unglücks gemeldet. jedoch muß damit gerechnet werden, daß die Zahl der Todesopfer höher ist. Unter der Bevölkerung der heinigesuchtcn Gebiete ist eine Panik auszebrochen. England im Sturmwetter London. Mittwoch zeitig früh wehte über den britischen Inseln ein heftiger Südoststurm und vertrieb den dichten Nebel, welcher gestern den größeren Teil Englands einzehüllt Hütte und den Verkehr schwer behindert hatte. Am spätere» Vormittag fiel in Süd-England etwas Schnee. Dann setzte ein leichter Regen ein. Die Witterung ist kühl, auf den Straßen beginnt sich schwaches Glatteis zu bilden. Rr. 301 Samstag, 28. Tczcmber 1935 Seite 5 Lebenslänglich I Auf die fttage der ganzen Leit, warum sich ein Boll wie das deutsche die gegenwärtigen schmachvollen Zustände gefallen läßt, hat das Oberlandgericht in Hamm(Westfalen) eine eindeutige Antwort gegeben. ES hat in einem Mon- streprozeß gegen freiheitlich gesinnte Arbeiter den Hauptangeklagten zu lebenslänglichem Zuchthaus, vier andere zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Eine große Anzahl Minderbelasteter erhielt Freiheitsstrafen zudiktiert, die zwischen neun Monaten und acht Jahren schwanken. Die Anklage lautete auf Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens. Diese Vorbereitung- hat in der heimlichen Verteilung von Drucksachen(!) bestanden, die in jedem zivilisierten Lande anstandslos verbreitet werden und in dem Anstreben von Verbindungen. die in jedem Kulturstaat erlaubt sind. In einem Prozeß gegen Sozialdemokraten in Hamburg, die des gleichen Verbrechens angeklagt waren, drohte der öffentliche Ankläger für künftige Fälle mit der Enthauptung! Das Urteil von Hamm erscheint dagegen geeignet, die alte Diskussion wieder aufleben zu lassen, ob die rasche Tötung unter allen Umständen die inhumanste aller Strafen ist. ES liegt in der^Absichi der Richter von Hamm, mindestens fünf ihrer. Opfer nach langen Qu a l e n im Kerker sterben zu lassen, denn daß Gefangen« bei den ErnährungSverhältnissen, wie sie jetzt in deutschen Zuchthäusern herrschen, eine fünfzehnjährige Haft nicht überstehen können, ist so gut wie selbstverständlich. Bon einem „Justizmord" kann man im Falle des Gerichtsurteils von Hamm nicht sprechen, dieses Wort ist viel zu m i l d. Ein gewöhnlicher Justizmord beruht auf einem Ju st i z i r r» tum und setzt den guten Glauben der Richters voraus. Hier kqnn von gutem Glauben und überhaupt von Justiz im Sinne eines Rechtsstaates nicht die Rede sein. Hier handelt eS sich um einen kaltüberlegten grau sa men Mordversuch an politischenGeg« n e r n. Hochverrat ist im Sinne deS deutschen Strafgesetzes ein Unternehmen, durch das die Verfassung de» deutschen Reiches oder eines seiner Länder gewaltsam geändert werden soll. Eine Verfassung aber, die durch Gewalt geändert werden kann, gibt eS im heutigen Deutschland nicht; auch die dem Dritten Reich wohlgesinnten Theoretiker deS Staatsrechts können nur von einem de facto-Zustand sprechen, oder von einer im Werden begriffenen Verfassung, nicht aber von einer schon feststehenden und geformten. Der Verfas- sungSzustand Deutschlands im Winter 1918-19 war viel gefestigter als der gegenwärtige, es gab schon eine provisorische Verfassung al» Vorläufer der späteren von Weimar. Trotzdem wurde Lede- bour von der Anklage deS Hochverrats freigesprochen mit der Begründung, daß eine durch den Hochverratsparagraphen geschützte Verfaffung zur Zeit seines Unternehmens nicht bestanden habe. Dabei war diese» Unternehmen nicht etwa eine bloße Verteilung von Druckschriften, sondern ein bewaffneter Aufstand.■ Die Verfassung von Weimar ist vor noch nicht ganz drei Jahren von dem neuernannten Reichskanzler Adolf Hitler beschworen worden. Gr hat sie seitdem, und gleich von dem ersten Tage an nach der Leistung deS Eide» gebrochen, aber n i e förmlich aufgehoben. E» gibt Staatsrechtler, die mit einigem Zynismus behaupten, die Verfassung von Weimar bestehe eigentlich noch, nur freilich mit den„Abänderungen", die sie durch den„Willen de» Füh- rerS" erfahren habe. Man erkenne an diesen Tatsachen die Schamlosigkeit von Richter«, die auf desselben Hitler Geheiß Arbeiter zum Zuchthau»- tod verurteilen, weil sie sich einer Vorbereitung zum Hochverrat schuldig gemacht haben sollen. DaS Schreckensurteil von Hamm ist aber auch ein politischer Symbol. In seiner Härte spiegelt sich der Grad der Furcht, „Zweistaatenkonferenz" in Nanking Tokio. Am Freitag überreichte der chinesische Geschäftsträger im Auftrag der Nanking- Regierung dem stellvertretenden Außenminister Shigemitsu eine Einladung zu einer„Zweistaatenkonferenz" in Nanking, um in gemeinsamen Besprechungen alle zwischen China und Japan schwebenden Fragen friedlich zu lösen. Shigemutsu nahm die Einladung an, wies aber auf die wachsende antijapanische Bewegung in China hin, welche das Vertrauen zerstöre. Japan setze voraus, daß die konkreten japanischen Vorschläge für die Konferenz ernsthaft behandel! würden. Hierzu gehöre die Grundfrage der Zusammenarbeit beider Länder und die Son- depfrage Nordchinas. voleumente der italienischen„Kultur Addis Abeba.(Tsch. P. B.) Das internationale Rote Kreuz hat die Untersuchung über das Bombardement des amerikanischen Hospitals in Dessie abgeschloffen und einen Bericht darüber telegraphisch nach Genf gesandt, in dem es u. a. heisst: Das amerikanische Hospital liegt dicht neben dem italienischen Konsulat, in dem der Kaiser wohnte. Alle 8 Meter warm rote Kreuze und Fahnen angebracht. Sämtliche Klrinambn- lanzen, die bombardiert wurde«, trugen meterhohe Rote-Ktenz-Fahnen. Tas Hospital selbst erhielt 5 Brandbomben, von denen 2 explodierten, und zwar in dm Operationssälen. Ein Zelt wurde ebenfalls durch eine Brandbombe zerstört, desgleichen ein JnstrumcntMsaal. Rund 1000 Bomben sind bei dem Bombardement abgrworfen worden. Die endgültige Berlnstziffer lautet: 50 Tote und 220 Verletzte. Um eine Hltlergesandtschaft Aufregung in Stockholm Der deutsche Gesandte in S f o ck h o l m, ein Prinz zu Wied, ist ganz überraschend nach Ber» ! lin abgereist. Ueber die Gründe weiß die Arbeiter- presse zu berichten: Wie in allen deutschen Kolonien im Ausland ist auch in Schweden für die Nazi-Winterhilfe gesammelt worden. Es kam unter dem Druck der Gesandtschaft ein schöner Betrag zusammen. Aber es stellte sich heraus, daß diese Summe nicht nach Deutschland geschickt lvorden ist, sonderst in Stockholm der deutschen Nazi Propaganda zur Verfügung gestellt wurde. Innerhalb der Kolonie bestand längst ein scharfer Gegensatz zwischen der anständigen Mehrheit und den Nazis. Diese Geldangelegenheit führte dazu, daß die N a z i s aus dem deutschen Hilfsverein, der Organisation der Reichsdeutschen» ausgeschlossen wurden. Darauf wandten sich die Nazis nach Berlin und mit der die gegenwärtige« Machthaber der Entwicklung im industriellen Westen.gegenüberstehen. Es handelt sich um eine« Versuch, die stumme Rebellion im Ruhrgebiet mit dem Schrecken niederzuschlagen. ks istdaSLebenSgesetz dec Despotie, d«ß sie morden muß, wenn sie nicht sterben will. Die verurteilten Freiheitskämpfer von Hamm werden in den Kerkern verfaulen, wem« die Despotie nicht früher stirbt al» sie. erhielten bald auch 12.000 schwedische Kronen (50.000 KL), um einen eigenen Klub aufzumachen. Zur Berichterstattung über diese Vorgänge wurde der Gesandte nach Berlin berufen. Ob man etwa die Stockholmer Antinazis ihrer Reichsbürgerschast verlustig erklären wird, steht noch dahin. Zu diesen inneren Vorgängen kam vergangenen Freitag noch eine aufsehenerregende Antrnazidemonstration. Eine Anzahl Seeleute marschierten zur Gesandtschaft, drängten den sich entgegenstellenden Portier beiseite und gingen hinein. Dort übergaben sie dem erschreckten Personal unter.geeignetem Zuspruch einen Protest gegen dieHinrich- t u n g R u d o l f K l a u s'- in Berlin, die Einkerkerung und Bedrohung Thälmanns und die Behandlung der Unmaffe politischer Gefangener im Dritten Reich. Dann zogen, sie ab, um eine Kopie dieses Protestes direkt an den Führer äb- zusenden. Verwendung von Dum-Dum-Geschossen von Abessinien kategorisch dementiert Genf. Der abessinische Außenminister H e r- r o u y hat an das Vülkerbundssekretariat ein Telegramm gerichtet, in welchem es heißt:„Die abessinische Regierung dementiert kategorisch die in der italienischen Preffe verbreiteten Lügen, als ob die abessinischen Truppen Dum-Dum- Geschosse verwenden. Die abessinische Regierung vermutet, daß diese erdächten Behauptungen zu dem Zwecke verbreitet wurden, um künftige, neue Verletzungen des Kriegsrechtes und der Kriegsgewohnheiten von Seite Italiens zu rechtfertigen. Abessinien erzeugt überhaupt keine Munition und die gesamte Munition muß Äer das Gebiet einer benachbarten Macht eingeführt werden, wo es einer strengen Kontrolle unterzogen wird. Außerdem muß Abessinien eine Ausfuhrbewilligung des Ursprungslandes besitzen: Es ist schwer anzunehmen, däß das Ursprungsland oder' die Transitländer den Transport einer derartigen, verbotenen Munition gestatten würden. Gegen die genannte itqlienir sche Behauptung protestieren wir daher in aller Form." britisches Sanitätsflugzeug abgestürzt Addis Abeba. Ein britisches Rotes-Kreuz- Flugzeug, das sich auf der Rückkehr von Char- t u m befand, stieß 15 Kilometer von Addis Abeba gegen einen Baum und stürzte ab. Der Pilot wurde im Gesicht und am Axm ernstlich versetzt. Seine Frau, die mit ihm flog, erlitt nur leichtere Verletzungen. Beide lvurddn in Addis Abeba ms Svital gebracht. Erziehung für das Dritte Reich Wie sogar die Schulverwaltung unserer Republik den„Erziehungsgrundsätzen" der nazistischen Blubvleute Rechnung trägt, beweist ei» vom Ministerium für Schulwesen und Bvlkskul- tur genehmigtes Hilfsbuch für Bürgerschulen und den 6. und 8. Jahrgang der Volksschulen. Den Schülern wird der Ankauf dieses Buches' zum Preise von KL 2.40 und dessen Benützung von den Lehrern empfohlen. Das Buch führt den Titel: „Mein Merkbuch..Ein Hilfsbuch für Bürgerlunde und staatsbürgerliche Erziehung sowie für Sachdisziplinen."„I. Teil. Meine. Familie und ich." Herausgegeben von Theodor Tauber. Staatliche Verlagsanstalt Prag. 1935. Die Kapitel des Buches lauten: Einführung. 1. Meine Mutter. 2. Mein Vater. 3. Die Eltern. 4. Meine Ärpß- eltern' mütterlicherseits. 5. Meine Großeltern väterlicherseits. 6. Meine Urgroßeltern müttex- licherseits. 7. Meine Urgroßeltern väterlicherseits. 8. Meine Onkel und Tanten. 9. Meine Vettern. 10. Meine Basen. 11. Sonstige Verwandte. 12. Aus der Familie und Verwandtschaft. 13. Versuch eines Stammbaumes, 14. Unser Staat eine große Familie. 15. Von mir selbst. Daß dieser nazistische Fimmel— genannt Familienforschung — in der Schule betrieben werden soll, geht aus der Einleitung hervor. Dort heißt es:„Mit Unterstützung euerer Lehrer und Lehrerinnen, insbesondere aber euerer lieben Angehörigen werdet ihr richtig und vollständig in dieses Büchlein eintragen." Was eingetragen werden soll, darüber geben die Untergliederungen der einzelnen Kapitel Ausschluß. Kapitel 1: Meine Mutter. Name: Geburtstag: Geburtsort: Glaubensbekenntnis: Ihr früherer Name: Bedeutung des Vornamens(Worterklärung): Was mir meine liebe Muller aus ihrer Kindheit und aus ihrem späteren Leben erzählte. Kapitel 2. Der Vater. Enthält ähnliche Fragen. Kapitel 3. Die Ellern. Zell und Ort der Vermählung; Trauzeugen: Erklärung des Familiennamens: Der Hausname(Deutung): Bedeutende Ereigniffe im Leben der Eltern: Lichtbilder. Diese und ähnliche Daten sind dann von allen übrigen Verwandten bis zum Urgroßvater zurück zu sammeln. Daun koinmt noch der Versuch eines Stammbaumes. Wer die Mentalität eines Großteils unserer deutschen Lehrerschaft kennt, wird sich unschwer vorstellen können, wie dieser Unterrichtsstoff behandelt werden wird,— daß, ohne daß die Lehrer etwas anderes zu tun brauchen» als diesem Buch gemäß vorzugehen, die„Wellanschauung" des Dritten Reiches in die Kinderherzen verpfanzt werden wird. Wie werden bei einem Unterricht über die Familienforschung die Kinder, welche keinen Stqprmbaum nachweisen können, also die unehelichen Kinder, wegkommen? Welche Bemerkungen werden über Kinder a u's national gemischten Ehen, über Kinder jüdischer Eltern gemacht werden? Ist das vom freiheitlichen Standpunkt zu rechtfertigen, diese Kinder schon in der Schule mit einem Makel zu belasten? Gehört solcher Unterricht, gehört nationalistische„Sippen"-Forschung in die Schule einer demokratischen Republik? Zentraldanlcmoratorlum bis Ende März verlängert Prag. Mit Erlaß des Finanzministeriums vom 11. Dezember 1935 wird das Moratonum der Zentralbank der deutschen Sparkassen bis 31. März 1936 verlängert. Wclhnachtscrntc des Todes - Alljährlich haben die nachweihnachtlichen Zeitungen viel vom Tode zu vermelden; auch heuer sind cs wieder schreckliche Bilder vom mörderischen Verkehr, die im Vordergründe stehen; und daneben die Berichte über die Namenlosen, denen das Leben keine Festesfreude mehr zu lassen schien und die darum just in den Stunden, da für andere freundliche Lichter sich entzündeten, den Freitod wählten Daneben aber hat der Chronist dieser Weihnachtstage noch die Träger dreier bedeutender Namen als tot zu melden:AlbanBerg, den Musiker, Kurt Tucholsky, den Satiriker, und Paul Bour- get, den Romancier. Alban Berd Am Weihnachtsabend verstarb in seiner Wiener Heimat fünfzigjährig Alban Berg, einer der meistgenannten und meistumstrittenen Musiker-es jüngeren Wien. Berg, schon als Kind besondere musikalisch« und besondere kompositorische Talente aufweisend, hatte sich dennoch erst der Beamtenlaufbahn zugewandt, wurde dann aber einer der begeistertsten und bedeutendsten Schüler des berühmteren Arnold Schönberg, dessen Werke er kommentierte. Schönberg- Schul« bedeutete die Auflösung der Tonalität; Berg ist diesen Weg konsequent und radikal weitergegangen. Berg» Musik hat sich bis zum heutigen Tage noch nicht sehr durchzusetzen vermocht. Ta» gilt für seine rein'instrumentalen Arbeiten ebenso wie für sein Opernschaffen und seine Liedkompositionen. Immerhin hat seine Vertonung des Büchnerschen„W o z z e ck"-Drama» ganz großes Aufsehen hervorgerufen(auch bei der einzigen Aufführung am Prager Nationaltheatcr vor mehr-ren Jahren). Man darf wohl sagen, daß weniger die llnbeirrbarkeit, Neuartigkeit und Selbständigkeit ton Alban Berg» Schaffen kdaS anderseits doch ohne Schönberg und auch ohne Richard Strauß nicht denkbar gewesen wäre) leidenschaftlichen Widerstand gegen ihn entfesselte, vielmehr als die l i n k e, gei- st i g e Richtung, der Berg zweifellos angehörte und die ja auch in der Wahl seiner Stoffe zum Ausdruck kam: neben dem durchaus revolutionären „Wozzeck" ist da auch ein Berg'scher Vertonungsversuch von Wedekinds„Sulu" zu erwähnen. Arhn- liches gilt von seinen Liedern. Von den Orchesterwerken Bergs ist besonders seine„Lyrische Suite" für Streichquartett und ein Konzert für Violine. Klavier und Kammerorchester zu nennen. Nicht vergessen sei, daß Alban Berg mich als L eh- rer und Theoretiker ungewöhnliche Bedeutung erlangte; er war übrigens eine Zeitlang auch Redakteur der Wiener Musikzeitschrift„Anbruch". * - Hart Tudioishu seinerzeit Redakteur der„Weltbühne" in Berlin, einer der bekanntesten und begabtesten radikalen Journalisten und Schriftsteller des Deutschland von 1918 bis 1933, ist, einer Meldung des„Pariser Tageblatt" zufolge, in der Emigration in Schweden' gestorben. Tucholsky, der seit längerer Zeit unheilbar erkrankt war, lebte seit dem Zusammenbruch der deuffchen Demokratie sehr zurückgezogen und ist nicht mehr an die Oeffentlichkeit getreten.» Gerade das taktvolle Verhalten, das er als Repräsentant einer nicht nur geschlagenen, sondern in tieferem Sinnt überwundenen Richtung, der intellektualisti- schen, linkSradikalen, ultrapazifistischen Gruppe zwischen KP und SP, nach dem Janne x 1933 an den Tag legte, indem er das Feld für Jüngere freigab, hat seine Krittler mit manchem versöhnt, was sie ihm vordem nicht ohne Grund vorwarfen. Tucholffv war al» politischer Charakter teine eindeutige Erscheinung. Er hatte wäb-end de» Krieges eine Etoppenzeituttg redigiert, für die Kr'egs« anleihen Stimmung gemacht, man warf ihm vor, er habe noch im Jänner 1919 Liebknecht und Luxemburg als schon ermordete Käinpfer verhöhnt, und er hat sich gegen diese Varwürfe nicht oder nur schlecht verteidigen können. Mit der radikalen Kompromiß- losigkeit, die er von Anderen, vor allem von Sozialdemokraten verlangte, vertrug sich diese Vergangenheit nur schlecht. Daß die politische Haltung der„Weltbühne" und besonders die Tucholstys falsch war, werden heute viele zugcben, die gerade dieser Zeitschrift gläubig anhingen; es ist allerdings heute auch nicht mehr schwer, die Irrtümer, die damals Wahrheiten zu sein schienen, rückblickend zu erkennen. Man sagte Tucholsky aber auch nach, daß er in seinen journalistischen und polemischen Methoden nicht immer ganz fair gewesen sei. Er war ohne Zweifel ein brillanter Journalist,«« federgewandter Schriftsteller, dessen Glossen, Persiflagen und sattrischen Verse von Tausenden nicht nur gern gelesen, sondern begeistert verschlungen wurden,'der Schule gemacht hat und nicht nur für die linksradikale Presse, sondern zweifelsohne auch für viele Nazis ein Lehrmeister des Stils und der satirischen Methode wurde. Man kann sich eine Erscheinung wie Goebbels kaum ohne.da» jüdische Vorbild Tu- 1 cholskys vorstellen(so wenig wie sie ohne die Vorbilder Max Reinhardt und Karl Radek vorzustellen j und zu erklären ist). Der Mann mit den„Fünf . PS" den Pseudonymen Ignatz Wrobel, Kaspar : Hauser, Theobald Tiger, Peter Panter und Kurt ; Tucholsky, war ein Jahrzehnt lang eine populäre Gestaü unter— ja hier beginnt seine Tragik: unter den paar tausend Intellektuellen, die allesamt nicht einsahen, daß sie an der Nation vorbeilebten, daß sie keine Ahnung hatten von dem, was in ihren Mitmenschen, was um sie, unter ihnen und dicht neben ihnen vorging. An dieser Isolierung, an dem Mißverständnis, diese Isolierung nicht zu sehen, sondern sich selbst millionenfach vergrößert al» das Boll zu betrachten, sind sie zuarundegcgangen. Mit Tucholsky versöhnt, wie schon gesagt, nicht nur lein großes und immer anregendes Talent, sondern mich, daß er aus einer, wie immer bedingten, so jedenfalls doch begrüßenswerten, Erkenntnis eigener Trägst heraus zu schweigen verstand. Seine Auffähe liegen in verschiedenen Sammelbänden vor(Mit fünf PS, Das Lächeln der Mona Lisa u. a.). Er hat neben scharfen Satiren auch lleine humorvolle Idyllen geschrieben, die sich neben jenen ausnehmen wie ein Pastellbildchen oder eine Miniatur neben einem Höllenbreughel. Tucholsky bleibt eine tragische Gestalt und wird so fgrtleben: tragisch— das heißt gescheitert nicht ohne eigene Mitschuld an dem Verhängnis. *- Pani Dourget Am ersten Weihnachtsfeiertag starb in P a r i s Paul Bourget, einer der bedeutendsten und me'st- gelesenen französischen Romanschriftsteller der letzten Jahrzehnte. Bourget, der ein Alter von 82 Jahren erreichte, war Fortsetzer der Reihe berühmter Romanciers Frankreichs, mit ntehr oder weniger Recht Flaubert an die Seite gestellt, ja sogar mit dem großen HonorS Balzac verglichen. Wohl hat er mit diesem sowohl das Pshchologisierende als auch den Griff in das zeftgenössische Gesellschaftsleben gemeinsam; aber Paul Bourget überwand in sich doch zu wenig den Bürger, ja Kleinbürger, und sein Schriftstellergeist kam darum weder mit dem Weltbürgertum Balzacs, geschweige denn mit dem revo- luttonären, mitreißenden, revoluttonierenden Dichtergenie ZolaS verglichen werden. Nichtsdestoweniger finden sich unter den vielen Romanen, die aus BourgetS Feder stammen, Bücher unzweifelhaften Werts, feine Seelenschilderungen, ernste Versuche ethischer Analysen. Besonders zu nennen wären seine Romane„Etappe",„Der Dämon des Süden-", „Der Sinn des TodeS" und als sein meistg-leseneS Buch„Der Schüler" Die französische Nation bat Bourget durch seine Ernennung zum Mitgl-ed der Französi-chen Akademie geehrt. Die Konservativen Frankreichs ebren in ibm auch heute noch den „Künder deS französischen Traditionalismus, der Rückkehr zum Katholizismus, des Idealismus und der gci'cherten Familienordnung". Seite S „Sozialdemokrat" Son-Stog.»p Dezember 1935. Nr. 301 TmgeeZeltlmg Prager Aktion für Verkehrssicherheit (R. F.) Seit einiger Zeit sind in den Fenstern 'der Prager Straßenbahnwagen zahlreiche Plakate zu sehen, die der Oeffentlichteit eine Reihe sehr nützlicher und wichtiger Verhaltungsmaßregeln für das Benützen der Straße und der Verkehrsmittel einvragen sollen. Diese Aktion ist sicher sehr zu begrüßen. Tie Zahl der Unfälle.'t— wohl in erster Linie danl der Verbesserung der Berkehrseinrichtungen(Bau von Schutzinseln, Ausgestaltung der Signale usw.)— in diesem Jahre zurückgegangen. Dennoch bleibt noch beträchtlich viel zu tun. Tie AuSstelluna über Verkehrssicherheit im Gebäude des Autoklubs in der Lützowgasse bringt darüber sehr interessante Zahlen. Danach waren im Jahre 1934 zwar die Automobil-, Motorrad- und Fahrradführer an 52.9 Prozent aller Unfälle, aber nur an 16.3 Prozent aller Verletzungen schuld. 30.5 Prozent aller Unfälle und 62.9 Prozent(!) aller Verletzungen entfielen aber auf das Konto der Stratzenbahnbenützer. 33.63 Prozent aller Verletzungen bei Straßenbahnunfällen wurden allein durch Abspringen während der Fahrt verursacht. 6.4 Prozent der Unfälle und 12.9 Prozent der Verletzungen wurden durch Fußgänger verschuldet. Das find Zahlen, die über die Berhältnifie im Straßenverkehr ein anderes Bild geben, als es der Durchschnittsmeinung entspricht; was in erster Linie darauf zurückzuführen sein wird, daß der unvorsichtige Fußgänger oder Straßenbahnpaffagier meistens nur sich selbst in Gefahr bringt, während ein Autounfall, auch wenn er keinerlei ernste Folgen hat viel mehr Aufsehen erregt als ein Unglücksfall, an dem kein Fahrzeug beteiligt war. Im übrigen hat die erwähnte Ausstellung im Automobilklub(die noch bis zum 29. Dezember geöffnet ist) einen wertvollen Ueberblick über sämtliche Zweige der Verkehrssicherheit und der Verkehrsgestaltung geboten. Als besonders interessant verdienen unter vielen anderen hervorgehoben zu werden: ein Modell eines nach den Plänen von Dr. Stein und Jng. Petzelt ausgearbeiteten„Verkehrswellen- s y st e m s", das vom Republikplatz bis zur Legionenbrücke unter Einbeziehung des ganzen Wenzelsplatzes das ununterbrochene. verkehrssichere Fahren mit einer Geschwindigkeit von 25 bis 80 Stundenkilometern ermöglicht; übersichtliche Darstellungen des Verkehrsnetzes von Groß-Prag; eine Sonder- ausstelluna über die Ünfallhilfe des Roten K r e u- zes; und. als letztes in dieser sehr summarischen Aufzählung einige Angaben, die auch die soziale Seite des Problems der Verkehrssicherung berühren. Es ist ficher sehr gut und vernünftig, wenn dem Autofahrer empfohlen wird, alle hundert Kilometer auszusteigen, tief zu atmen und als Erfrischung Wasser oder Kaffee zu trinken. Wie ist es aber mit jenen Chauffeuren; die dreizehn Stunden l a n g D i e n st haben? Ein Bild und mehrere Diagramme in der Ausstellung weisen nachdrücklich auf das Gefährliche dieses Zustandes hin. Und vielleicht darf die Hoffnung ausgesprochen werden, daß die Herren Automobilsten, in deren Haus idese Ausstellung statigefunden hat, bei der Beanspruchung ihrer eigenen Chauffeure und gegenüber den Bestrebungen. den loh n v er di en end e n Autoführern eine entsprechende Regelung ihrer Arbeitszeit zu sichern, die gegebenen Folgerungen ziehen werden. Schwarze Chronik .Der weihnachtliche Polizeibericht verzeichnet d r.e i S e l b st m o r d e, einen Zusammenstoß, eine Gasthausrauferei und einige kleine Einbrüche. Gestern um 10 Uhr vormittags fand ein Ziz- kover Parkwächter auf dem Bohdalec einen toten Mann an einem Baume hängen, der nach seinen Papieren als der 43jährige Arbeiter Joses Meißner aus Zijkov ideniifiziert werden konnte. Es wurde bei ihm keinerlei Schriftstück gefunden, aus dem die Ursache seines Selbstmordes hervorgegangen wäre.— Die Nusler Polizei, die aufmerksam gemacht worden war, daß die 56jährige Witwe Marie Cerna aus Rusle seit drei Tagen nicht gesehen worden war, drang gestern vormittags in deren Wohnung ein und fand sie angekleidet tot auf dem Bette liegen. Es handelt sich um Selbstmord durch Vergiftung. Das Motiv der Tat ist unbekannt; die Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Niedrzin gebracht.— Gestern morgens schoß sich der 49jahrige Ingenieur und Architekt Josef Ci- p e r a in seiner Weinberger Wohnung in selbstmörderischer Absicht.eine. Kugel in die Brust. Das Projektil verursachte, wie auf dex Klinik Schlosser festgestellt wurde, einest Lungendurchschuß und drang auf der linken Rückenseite wieder heraus. Die Verwundung ist schwer. j ♦ Am St. Stephanstage kam der 30jährige Arbeiter Karl Mals aus Michle in ein Gasthaus in Wrschowitz und setzte sich zu einem Tisch, an»>em bereits sein ehemaliger Schwiegervater, seine jetzige Lebensgefährtin und der 29jährige Dachdecker Anton Peträsek aus Smichov saßen. Nach einigen Worten ergriff Mals ein Bierglas, zerschlug es auf dem Tisch und schnitt Peträsek, auf den er eifersüchtig war, mit den Scherben ins Gesicht. Der Verwundete wurde von der Wrschowitzer Rettungsgesellschaft auf die Klinik Prof. Schlüffer gebracht, wo seine drei Schnittwunden zugenäht wurden. Das Strafverfahren wurde eingeleitet. * Beim Professor der tschechischen Landwirtschaftlichen Hochschule Brdlik wurden während der Feiertage zwei Rechenmaschinen und eine Schreibmaschine im Gesamtwerte von 15.000 Kd gestohlen.— Ferner wurden in Prag ll zwei lleinere Einbrüche verübt, bei denen die entwendete Gesamtsumme jedoch 100 Kd nicht übersteigt. • Gestern vormittags stieß an der Ecke Stärek- gaffe—Tesnov das vom Chauffeur Wenzel Kubes aus Zijkov gelenkte Lastautomobil der Staatsbahnen D 60.017 mit dem städtischen Autobus P 12.080, den der Chauffeur Heinrich Eernohorsky aus Nusle lenkte, zusammen. Hiebei fiel-der Autobus auf die Seite; einer seiner Passagiere sowie der neben dem Chauffeur des Lastautos sitzende Fuhrmann Josef Pokorny wurden leicht verletzt. Ter 6. Wohltätigkeitsball des Syndikates der Tschechoslowakischen Journalisten findet Mittwoch, den 15. Jänner im Smetanasaal und in den übrigen Sälen des Gemeindehauses in Prag statt. Inmst und Wissen. Der andere Napoleon Welt-Uraufführung im Prager Deutschen Theater Uober den Konsul und Kaiser aus Korsika ist so viel geschrieben worden, daß es nicht mehr möglich sein dürfte, noch einen anderen Napoleon als alle bisher schon Gezeigten zu präsentieren. Der französische Dramatiker Paul R a y n a I hat sein Napoleonstück(das merkwürdigerweise bei uns in der Kleinen Bühne zum ersten Male über die Bretter ging) deshalb auch„Napoleon der Einzige" benannt, vermutlich um zu betonen, daß er gar keinen anderen Napoleon zeigen wollte. Aber was er zeigen wollte, ist schwer zu sagen. Man hätte erwarten können, daß Raynal, der im„Grabmal des unbekannten Soldaten" seinerzeit den Weltkrieg in einem Familienkonflikt symbolisierte(der das in der Nachkriegszeit so bedeutsam gewordene Generationenproblem leidenschaftlich aufklingen ließ) nun den weltgeschichtlichen Fall Napoleon in einer ähnlichen Vereinfachung darsrellcn würde. Aber wenn es sich auch tatsächlich um ein Stück vom Privatleben des Franzosenkaisers handelt,— es wird nichts von der Weltgeschichte und nichts von Napoleon klarer in dieser äußerlichen Vereinfachung. Raynal zeigt die Trennung Napoleons von Josephine nach einer Auseinandersetzung mit Fauche und Tayllerand und einem Gespräch mit der Mutter Leticia, er läßt Napoleon eine Selbstcharakteristik, Fauche und Tahl- lerand je ein Feuilleton über ihren Chef sprechen, die Mutter gibt Jugenderinnerungen von sich, und . Josephine erzählt eine bösartige Biographie des kaiserlichen Emporkömmlings. Es werden zwei interessante Themen angepackt, aber bald wieder liegen gelassen: die Abhängigteil des Diktators von den Kreaturen, die er verachtet und die ihn nicht achten, ohne die er aber nicht sein kann, und die Kleinheit des großen Mannes vor der Frau, di« ihm ein Glück vorspiegelt, das er bei all seinen Erfolgen versäumt zu haben glaubt(das Thema von Shaws „Eckesar und Cleopatra")> Es ist vieles angedeutet in diesem vieldeutigen Stück, aber es ist nichts durchgeführt in diesen redseligen drei Akten, die aus literarischen Glossen über historische Gestalten zusammengesetzt sind, die aber nicht dramatischer dadurch werden, daß diese.Gestalten selbst die Glossen vortragen. Nur bei dem Gespräch Napoleons mit seiner skeptisch-stolzen Mutter und beim schmerzlichen Abschied von der ewig verlogenen, ewig ordinären, aber ewig bezaubernden Joskphine zeigt sich der Dichter Raynal(den der deutsche Uebersetzer Robert Blum nicht gerade gefördert zu haben scheint). Eine Aufführung, die den über sich und über einander redenden Gestalten dieses Stücks Leben geben und das Ganze dramatischer machen könnte, als es ist, wäreeine Glanzleistung. Die Aufführung in der Kleinen Bühne war aber nicht glanzvoll, sondern.nur anständig. Die Regie Gellners war bemüht, die" Figuren herauszuarbeiten und die literarischen Wendungen des'Dialogs nicht untergehen zu lassen. Es gelang ihr aber nur auf Kosten der Bewegung und des Tempos. Fritz Valk in der Napoleonrolle war ein imponierender Sprecher, aber die kaum lösbare Aufgabe, mit der Napoleon-Vorstellung des Zuschauers zu konkurrieren und dabei den „Flegel auf dem Thron", den kranken Mann„mit der Hand auf dem Magen" und den genialen Phantasten anschaulich zu machen, konnte er nur andeutungsweise läsen. Dolores M o n c a s i als Josephine hatte es leichter und schuf(nachdem sie den manirierten Tonfall des ersten Aktes überwunden hatte) eine interessante und glaubhafte Gestalt aus sinnlichem Charme und komödiantischer Sentimentalität. Die schönste Rolle des Stückes, die Mutter Napoleons, wurde von Lotte Stein mehr gezeichnet als gespielt. Und vollend leblos blieben Fauche und Tayllerand in der Darstellung der Herren ber 1883 in Berlin verdankte sie ihrem Textbuch einen glatten Durchfall.„Die schwache Seite", so schrieb die„Kreuz-Zeitung" damals,„ist das Textbuch, und man versteht kaum, wie Johann Strauß einen solchen Wust von Albernheit und Unsinn zu komponieren sich überwinden konnte. Nicht die, die das Libretto verfaßten(Zell und G e n t«), sondern der es auf die Bühne brachte, trägt die größte Schuld und darum darf sich Herr Strauß nicht beklagen, daß er keinen vollen Erfolg errang; er hat ihn von vornherein unmöglich gemacht." Johann Strauß, der Musiker, ist in der„Nacht von Venedig", die seine vorletzte und nur zwei Jahre'dem „Zigeunerbaron" vorangegangene Operettenschöpfung ist, ebenso einfallsreich und melodienverschwenderisch wie in seinen anderen Werken. Und das venezianische Milieu hat ihn musikalisch besonders angeregt: zu entzückenden und stimmungsvollen Landschaftsschilderungen, zu zündenden Rhythmen, die im Sechsachteltakt der Tarantellen, Gondellieder und Serenaden gipfeln. Auch den großen Könner der Operette Johann. Strauß offenbart diese„Eine Nacht in Venedig"; in den wirkungsvoll aufgestauten und mitunter kunstreich gefärbten Aktschlüssen. Die hohen musikalischen Werte Johann Strauß' zu retten, hat man schon früher eine Neybearbeitung der Operette„Eine Nacht in Venedig" vorgenommen,— der Wiesbadener Staatstheaterintendant Dr. Hage m a n n(1918),— die vor allem das Textbuch gründlich umgestaltet und musikalisch für eine knappere Fassung sorgte. E. W. Korngolds Neubearbeitung des Werkes lehnt sich an diese frühere Bearbeitung an,, geht aber noch etwas weiter, wenn sie musikalisch radikalere Umgruppierungen vornimmt, sogar satztechnisch in die Partitur Strauß' eingreift und diese vor allem im instrumentalen Sinne ändert und„modernisiert". Es fragt sich da nur, ob der richtige Sinn der Neubearbeitung eines alten Werkes seine Modernisierung oder seine im Geiste des Schöpfers zu hewirkende Restaurierung ist. Die weihnachtsfeiertägige Aufführung der „Einen Nacht in Venedig" verlief übrigens recht stimmungslos, da das Publikum nicht warm werden wollte. Trotz schöner szenischer Ausstattung des Werkes durch Herrn Renato M o r d o. den sorgfältig imd lebendig gestaltenden Regisseur, trotz rhythmisch beschwingter Stabführung Kapellmeister Friedrich Riegers und trotz recht guter Leistungen fast sämtlicher Solisten. Unter diesen sind besonders zu loben: Die pikante Anny C o t y, die spielfreudige Herta R a y n. Elis. W a n k a und Lotte M e d a k, dann der stimmschöne und kultiviert singende Operntenor Kurt Braun, sein ihm ebenbürtiger Kollege von der Operette Kurt Erich P r e g« r, Erich Dörner, der immer gut Gelaunte und Schlagfertige, und Hans E. H e y. Auch die schönen Leistungen des C h o r e s sowie des Balletts und seines tüchtigen Meisters B i s o m dürfen nicht im Lobe übergangen werden.. E. I. „Wir werden beobachtet." Die Autoren Hans Adler und Paul Frank haben mit ihrem in der Kleinen Bühne erschienenen Dreiakter keine litera- raschen Ansprüche an sich und die Zuschauer gestellt. Sie wollten lediglich ein(in der Kleinen Bühne vorhandenes) Publikum, das seine freie Zeit außerhalb des Theaters mit Btidjfe-Abenden verbtinA, bei denen zum Essen Klatschgeschichten und zum Mokka Reden über die Wirtschaftskrise serviert werden, mit einem Stück unterhalten, das mit einem solchen Bridge-Abend beginnt, auf den Klatsch einen Ehebruch und auf diesen Ehehruch noch einen zweiten folgen läßt, wobei der Ehemann des zweiten Aktes der Ehebrecher des dritten und derEhebrecher des zweiten Aktes wiederum der Ehemann im dritten Akt ist. Es geht alles wie am Schnürchen, das fingerfertig verknotet ist, man hört die alten Witze von Ehemännern und Ehefrauen, eifersüchtigen Sekretärinnen und bestochenen Dienern, und ist überrascht, mittendrin etwas so Originelles zu finden wie die Figur eines Nervenarztes, der dem Patienten, mit dessen Frau er ein Verhältnis hat, den aufkeimenden Verdacht als Zwangsvorstellung wegkurieren soll. Sogar eine Weisheit haben hie Autoren ihrem Stück noch mitgegeben: die Lehre, daß an einer Ehescheidung Nicht der ehebrechende Teil schuldig ist. sondern der, der unbesonnen genug ist. den Partner beim Ehebruch zu erwischen.— Deshalb ist das Stück für Jugendliche unter 14 Jahren nicht geeignet, sondern nur für ein weniger reifes Erwachsenen-Publikum. Es darf sich an einer(von Hans Götz inszenierten) Aufführung ergötzen, in der keine Pointe verloren geht und in der Lisl M a ch e i n e r eine anmufig-talentierte. Haus' Götz eine gutgelaunte und Lotte Stein eine laute und deutliche Leistung bieten. Daß man die Rolle eines pensionierten Hofrates mit Walter Taub und die eines 50jährigen Arztes mit Leo Siedler besetzt hat. ist wahrscheinlich auch ein origineller Einfall; nur dürften ihn nicht alle verstanden haben. —eis— „JimmyS Bar." Unter dem Namen und im Rahmen eines„Pariser Montmartre-Lokals" wird sich heuer die Silvester-Vorstellung im Neuen Theater abspielen. Die Hauptrolle spielt R o s a V a- setti a. G. Außer dem größten Teil i^s Schauspielpersonals wirken noch mit: die, Straßensänger Herbert und Schüller, die Eguilibristen A g o s und P i l l, die Excentrics„Trio Ruck" etc. Preise: Kd 5.— bis 62.—.— In der Kleinen Bühne wird als Silvestervorstellung„Das kleine Bezirksgerichf" gegeben. Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters Samstag nachmittags 3 Uhr: Kasperle reist ins Märchenland. 8 Uhr: Macbeth.— Sonntag, 2% Uhr: Die erste Legion, 8 Uhr: E-ineNacht in Venedig, D 2.— Montag. 7% Uhr: Giuditta, Abonn. aufgehoben.— Dienstag, 7 phr: Land des Lächeln s, Abonn. aufgehoben, Silhesternachtvorstel- lung, 10% Uhr: Jimmys Bar(Gastspiel Rosa Baletti). Abonn. aufgehoben.— Mittwoch, 2% Uhr: Kasperle r ei st insMärchenland, L i e b l und Siedler. Der Beifall bei der„Welt-Uraufführung" war laut und schien vor allem den beiden Hauptdarstellern zu gelten.—«iS— Am selben Tage wurde der 1898 geborene Johann Hollaschke aus Neu-Jitschin in Prag verhaftet, der verdächtig ist, am 22. Dezember einem Breslauer.Juwelier Schmuck im Werte von 40.000 RM(3 6 0.0 0 0 Kd) gestohlen zu haben. Hollaschke leugnet die Tat, ist aber überführt, am kriti- schen Tage in Breslau gewesen zu sein. Eine Rächt in Venedig Daß die Operetten auch früher an schlechten Textbüchern krankten, beweist gerade die Operette! 7^ Uhr: E i n e N a ch t in V e n e d i g, B 2. „Eine Nacht in Venedig" vonIohannStrautz,— Donnerstag, 7(4 Uhr: Die erste L e- die— in einer neuen Einrichtung und Bearbeitung g i o n, C 1.— Freitag 7yj Uhr: LaBoheme, Erich Wolfgang Korngolds— am zweiten i volkstüml. Vorstellung, Abonn. aufgehoben.— Veihnachtsfeiertag am Prager Deutschen Samstag, 3(4 Uhr: K a s p e r l e r e i st i n s Theater zur N e u a u f f ü h r u n g ge- M ä r ch e n l a n d. 7^j Uhr: S p i e l vom langte. Denn bei ihrer Uraufführung am 3. Okto-'Leben und Sterben des Bauern, Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Hau? oder bei Bezug durch die Post monatlich Kd 16.—. vierteljährig Kd 48.—. halbjährig Kd 96.- Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Ein'chaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt' nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die «raphendirektion mit Erlaß Nr. 13.80Q/VU.a930 bewilligt.— Druckerei:.Orbis'. Druck-, Verlags, und Zeitungs-A.-G.. Prag. Käthe von Nagy in der Titelrolle des Filmes„Tie Pompadour" Gastspiel Hans Multerer mit seiner Laienspielschar, Abonn. aujgehöben. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Samstag, 8 Uhr: Wir werden beobachtet.•— Sonntag, 8 Uhr: I e a n n e, 8 Uhr: Anna sagt nein.— Montag, 8 Uhr: Anna sagt ne in. — Dienstag, 7$4 Uhr: Wir werden beostach t e t, 10^ Uhr: Das klein eB ezirks- geeicht, Silvefternachtvorstellung. Erstaufführung.— Mittwoch, 8 Uhr: Kameraden, 8 Uhr: Der andere Napoleon.— Donnerstag, 8 Uhr: Wir werden beobachte t.— Freirag. 8 Uhr: Wir werden.beobach- t e t, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag, 8 Uhr: A n n a s ä g t nein. filme in Prager Lichtspielhäusern Adria:„Morgen beginnt das Leben." A.— Alfa:„Wonder Bar." A.— Avion:„Seine kleine Freundin." Temvle. A.— B 36 Kotoa:.Liebe und Haß." Sowjet-Filmroman.— Vermiet:„Mazurka." Pola Negri. Regie W. Forst. D.— Fenix:.Königin Christine." Gr. Garbo. A.— Flora:«Es geschah in einer Nacht." Gable. Colbert.— Gaumont: „Variete." Hans Albers, Annabella. D— Hollywood:„Varietö." D.— Hvezda:„Neues Mickey-Programm. Für die Jugend.-— Julis:„Klar zum Gefecht." Annabella.'— Kinema, B. Th.: Journale. Grotesk«, Reportage, ab />2-—Ä7.— Koruna:„Nagaua, die Gefahr der Tropen."— Lucerna:..Königin. Christine." Garbo. A.— Metro:„Die Brautschau der Na- nynka Kulichovä." Tsch.— Olympic:„Der neue Gulli v er." Sowjetfilm.— Passage:„Tagebuch der Geliebten." D.—Praha:„Der grüne Domino." D.— Radi»:„®erneue Gulliver." Sowjetfilm,— Skaut:„Es geschah in einer Nacht." Gable. Colbert. A.— Tvötozor:„Klar zum Gefecht." — Alma:„Es gab einmal, zwei Schelme." Laurel und Hardy.— Baikal:„Mazurka." Pola Negri, Regie W. Forst. D.— Belvedere:„Siebe nach Noten."— Beseda:„Nur ein Komödiant." D-— Carlton:„Pygmalion." D.— Illusion:„Mazurka." D, — Kapitol:„Derneue Gulliver." Sowjetfilm.— Lido II.:„Es gab einmal zwei Schelme." Laurel und Hardy.— Louvre:„Mazurka." Di— Maceska:„Mazurka." D.— Roxy:„Die ganze Welt dreht sich um Liebe." Eggerrh.— Sport: „Biva Billa." Wallace Beery. A.— U Bcjvodur „Die Flucht nach Nizza."— Baldek:„Es geschah in einer Nacht." Gable, Colbert.— Belrtrhy:„Die ganze Welt dreht sich um Liebe." D. Mitteilungen aus dem Publikum. .^Hausmittel" sind nicht zu unterschätzen! Sie beruhen meist auf jahrhundertalten Erfahrungen Und letzten TndeS geht ja auch die Zusammensetzung aller modernen Präparate auf die längsterprobte Wirkung solcher Mittel zurück! Mit Recht wird darum ein guter Franzbranntwein, also der AIpg-Franzbraunt- wein, hochgeschätzt: als Einreibung?^ und Massagemittel, als Desinfektions- und Schmerzberuhigungsmittel leistet er in zahlreichen Fällen ganz außerordentlich werwolle Dienste! NMkltW NkMlWllMkl der Arbeiterfürsorge finde» jede» Samstag von 5—7 Uhr im Bereis deutscher Arbeiter, Smeckagasie Nr. 27, statt. OPTIK u. FOTO DEUTSCH PHkopy| Urania-Kino; Kiinu>ntskä 4. Fernsprecher 61623. Die Heilige und ihr Narr ., ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut. ZeitunaSfrankatur wurde von der Poft- und Tele-