Nr. 123. • Abonnements Bedingungen: Abonnements-Prets pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 mt., wöchentlich 28 fg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagss Nummer mit illustrierter Sonntags Beilage ,, Die Neue Welt" 10 Pfg. Pofts Abonnement: 3,30 Mart pro Quartal. Eingetragen in der Post- Beitungss Preisliste für 1899 unter Br. 7820. Unter Kreuzband für Deutschland und Defterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Erscheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 16. Jahrg. Die Insertions- Gebühr beträgt für die fechsgefpaltene Kolonelgetle oder beren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen, sowie Arbeitsmarkt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in ber Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Fefttagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Mernsprecher: Bmt I, nr. 1508. Telegramm Adresse: " Socialdemokrat Berlin". Centralorgan der socialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Benth- Straße 2. Abonnements- Einladung. Dienstag, den 30. Mai 1899. versicherten Arbeiter, für das Wohl der kranken Proletarier zu wirfen. Am 1. Juni 1899 eröffnen wir ein neues Abonnement auf den nahezu einstimmig beschlossen, den Grundstein zu einer „ Vorwärts" mit der illustrierten Sonntags- Beilage „ Die Neue Welt" und der täglichen Unterhaltungsbeilage. Im Unterhaltungsblatt beginnen wir anfangs Juni mit einer lustigen Berliner Geschichte: „ Der Kampf um Bliesener". Von Heinrich Borchard. Für Berlin nehmen sämtliche Beitungsspediteure sowie unsere Expedition, Beuthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von 1 Mark 10 Pfennigen frei ins Haus. Für außerhalb nehmen sämtliche Post anstalten Abonnements zum Preise von Expedition: SW. 19, Benth- Straße 3. unterworfen, an Unselbständigkeit und Unterwürfigkeit von Jugend an gewöhnt, ohne oder mit ganz geringer Schulbildung aufgewachsen, befinden sie sich auf einer Stulturstufe und in einer Lebenshaltung, welche es ihnen weder möglich npch zum Bedürfnis machen, über den Zweck ihres Daseins näher nachzudenken, oder um etwas weiteres als um die Befriedigung der dringendsten Lebensnotdurft sich zu bekümmern." " So gelang denn vor allem der große Wurf: es wurde dauernden Organisation aller Krankentassen Deutschlands zu legen, um so die bisher zerstreuten Kräfte zu sammeln zu gemeinsamer War es früher die Leibeigenschaft, die den Bauer an die Scholle Arbeit, vor allem zu gemeinsamer Einwirkung auf die feffelte, ihn der Willkür seines Herrn preisgab, so hat der moderne Gesezgebung. Was wir von dieser Einigung erwarten, Junker ein viel stärkeres Mittel, sich den Arbeiter gefügig das haben wir bereits in unserm Begrüßungsartikel aus zu erhalten. Es ist die Hungerpeitsche, die heute meist den gesprochen: wir hoffen, daß sich durch sie die ländlichen Arbeiter zum gefügigen Werkzeug macht. v. d. Golz klagt Krantentassen zu einer neuen Waffe im Be- darüber, daß sehr viele Gutsbesiger aus kraffem Egoismus“ oder mangelnder Gewissenhaftigkeit" die eingegangenen Ver freiungskampfe des Proletariats entwickeln pflichtungen den Arbeitern gegenüber nicht erfüllen, und er wirft die Frage auf, wie so es den komme, daß solche Besizer immer noch Arbeiter bekommen. Er giebt selbst die Antwort auf seine Frage: " Dieser Umstand findet seine Erklärung zunächst in dem Stumpfsinn und der Gleichgültigkeit vieler Dienstleute, welche lieber in ihrer traurigen Lage zurüdbleiben, als daß sie ernstliche Anstrengungen zu einer Verbesserung derselben machen; ferner darin, daß in derartigen Verhältnissen die Leute meist stets in der Schuld des Herrn stehen und nicht abziehen können, ohne lettere zu tilgen, wenn sie nicht ihre wertvollste fahrende Habe zurücklaffen wollen." werden. Geschichtliches zur Lentenot. " preußen" regen in der Kreuz- Zeitung" die ängstliche Bermutung Unsere neulichen Darlegungen über die Leutenot in Ostan, daß sie offenbar dazu dienen sollen, den Genofien für ihre Landagitation Stoff darzubieten. Die Ahnung der Kreuz- Zeitung" ist durchaus begründet. Daß ihr das von uns beigebrachte Material nicht genügend erscheint, ist ebenfalls zu billigen. Wir werden nach Kräften bemüht sein, so viel wie möglich Material zu sammeln, um den Ansprüchen der„ Kreuz- Beitung" völlig zu genügen. 1 Mark 10 Pfennig für den Monat Juni Dagegen ist ihre Anzweiflung des von uns gegebenen Materials entgegen.( Gingetragen ist der Vorwärts" in der Post- Zeitungsstädtische Arbeiter ist in Strantheitsfällen gegen äußerste Not gerecht wenig stichhaltig. So hieß es in unserem Artikel:" Der lifte für 1899 unter Nummer 7820). schützt, er hat Arzt und Medikamente, ganz anders bei dem Landarbeiter". Dazu bemerkt das Blatt:„ Der Gewährsmann hütet sich, für diese Behauptung Beispiele beizubringen." Und dann erdemokratischen Gutsbesizer, der„ unchristlich" gehandelt hatte. Das Junkerorgan wird nächstens nach Beweisen schreien, wenn wir behaupten, die Landarbeiter könnten sich nicht koalieren. Der Landarbeiter hat nicht die gesetzlichen Rechte, die das Krankenunterstützungsgesez den Fabritarbeitern gewährt, damit ist unsere Behauptung bewiesen, und es bedarf nicht einzelner„ Predigtmärlein" von christlicher oder unchristlicher Behandlung. Die Redaktion des Vorwärts". Die Landarbeiter in Oberschlesien sollen wie im Paradiese leben. Freiherr v. d. Golz sagt, daß infolge der Stumpfheit der ländlichen Arbeiter auf vielen Gütern die äußere Lage der wendigsten Mangel leiden. Namentlich pflegt das dort in solchen Dienstleute eine sehr flägliche ist, so daß fie oft an dem NotJahren der Fall zu sein, in welchen die Kartoffeln schlecht geraten sind." Auch über die Wohnungsverhältnisse der Landarbeiter weiß Siehe Inserat betr. Kleine Anzeigen. zählt die Kreuz- Zeitung" das Paradebeispiel von dem social- Herr v. d. Golz ein bewegliches Klagelied zu ſingen: Ein Nachwort zum TuberkuloseKongreß. nicht genannt habe, un an diese Feststellung eine Vermutung über Die Kreuz- 3tg." betont, daß sich der Verfasser unseres Artikels die Verfasserschaft zu knüpfen, die weit in die Irre schweift. Um die „ Kreuz- 3tg." einigermaßen zufrieden zu stellen, wollen wir heute einiges Material nachtragen, dessen Urheber einen sehr bekannten „ Es giebt noch viele tausende von Arbeiterwohnungen, in welchen die Gesundheit ihrer Infassen auf das ernstlichste gefährdet ist, welche auch nicht einmal den Schein einer irgendwie behaglichen menschlichen Behausung an sich tragen, und in denen es den Bewohnern unmöglich gemacht wird, auch nur den gewöhnlichsten Regeln der Sittlichkeit Rechnung zu tragen." Er sagt ferner, daß die schlechten Wohnungen „ wesentlich dazu beitragen, daß unter den Kindern der ländlichen Arbeiter eine so ungewöhnlich große Sterblichkeit herrscht und daß die Erwachsenen so häufig schon in den besten Jahren einem frühen Siechtum anheimfallen." Die Arbeiter müssen schlechte Wohnungen haben, erklärte Herr ,, bis abends 9 oder 10 Uhr beständig fortsetzen sollen, so ist dies eine Forderung, welche an feinen Menschen vernünftigerweise gestellt werden dürfte". Aus ärztlichen Kreisen wird uns geschrieben: Wir haben von dem Kongreß den Gesamteindruck mit genommen, daß ein lauteres Streben, der leidenden Menschheit zu helfen, die Männer zusammengeführt hatte, welche dort beriethen, und daß sie den ehrlichen Wunsch hatten, den Kampf gegen die furchtbare Seuche mit Energie aufzunehmen. Auch die Ein- Namien trägt, und das recht anschaulich in einem bereits sicht, daß nur die genaue Kenntnis von den Ursachen geschichtlichen Bilde zeigt. wie die Leutenot entstanden v. Szmula im preußischen Abgeordnetenhause, weil sie gesunde, gute der Krankheit die Grundlage für einen wirksamen Kampf ab- ist, wie fich das ländliche Arbeiter- Elend in einer Zeit Wohnungen nicht zu würdigen verstehen. Und so werden denn die geben könne, war wohl fast ausnahmlos vorhanden, und darbot, als die Junker sich noch nicht auf Handelsverträge und Herren Gutsbefizer getrost fortfahren, für das wertvolle Vieh Paläste ebenso fast ausnahmlos der gute Wille, rücksichtlos die Er übermächtige Weltmarkt- und Industriekonkurrenz herausreden konnten, zu errichten und den Arbeiter in seiner ungefunden Lehmhütte verforschung der Ursachen aufzunehmen. um die Schuld an der Leutenot von sich abzuwälzen. kommen zu lassen. In den langen Jahren, in denen die ländlichen Arbeitgeber über Ob aber ein irgend beträchtlicher Teil der bürgerlichen den zunehmenden Arbeitermangel in der Landwirtschaft flagen, hat noch zu lang, ja Die Arbeitszeit, behauptet v. d. Golz, sei in Pommern immer Kongreßbesucher auch die nötigen socialpolitischen es selbstverständlich niemals an Vorschlägen gefehlt, wie diesem fie überschreitet auf vielen Gütern jedes zu billigende Maß. Folgerungen ziehen werden, das muß mehr als zweifel- Mangel abgeholfen werden könne. Ist es in der Gegenwart Wenn die Arbeiter morgens um 3 Uhr ihre Thätigkeit beginnen" haft erscheinen. Gerade wir, die wir wissen, daß wirtschaft der Zug der ländlichen Arbeiter in die Industriegegenden, und mit Ausnahme von 2-3 Stunden Essenspausen liche Verhältnisse in der Politik von maßgebendem Einflusse welche das Entsetzen unserer feudalen Junker hervorrufen, so war sind, werden dadurch vor optimistischen Erwartungen geschützt. tigsten und brauchbarsten Arbeitskräfte, durch die die selbstsüchtigen es in früheren Jahren die Auswanderung gerade der tüchWir wissen, daß der Widerstand der kapitalistischen Interessen- Sureressen der allerchriftlichsten Junter bedroht wurden. Je nach der Golz hat also festgestellt, daß nicht der Uebermut, nicht die kreise die Erfüllung der Forderungen, die sich aus den Anschauung über die Ursachen der Flucht der Landarbeiter waren Sucht nach den Genüssen der großen Städte die Arbeiter veranlaßt, Forschungen der Wissenschaft ergeben haben, zu bereiteln auch die vorgeschlagenen Abwehrmittel verschieden. Wurde doch ge- ihre ländliche Heimat" zu fliehen, die Ursachen dieser Erscheinung suchen wird. Immerhin: das kann nicht zweifelhaft sein, legentlich allen Ernstes von einem Grundbefizer davor gewarnt, sind vielmehr in den elenden Wohnungsverhältnissen, in der daß der Kongreß nicht ganz ohne Einfluß auf die Dienstleute so gut zu stellen, daß sie im stande schlechten, unzureichenden Ernährung, der übermenschlichen Ausdie Regierungen und die herrschenden Klassen bleiben wird. wären, die Mittel zur Auswanderung zu erübrigen, beutung und in dem rücksichtslosen Borgehen der ländlichen ArbeitDer Zusammenhang der Tuberkulose mit den wirtschaftlichen um sie für Lebenszeit, nicht durch gesetzlichengwang, sondern geber zu suchen. Verhältnissen, ihr Charakter als Proletarierkrankheit" ist als durch den natürlichen hunger an die Scholle des Junkers unbestreitbar feststehend anzusehen. Wer nach den eindrucks- 3u feffeln. bollen Mitteilungen, die nicht allein von dem Vertreter der Kenner der ländlichen Arbeitsverhältnisse ihre warnende Stimme. Auf der anderen Seite erhoben allerdings auch einfichtsvollere Strankenkassen, unserem Genossen Dr. Friedeberg, sondern auch Indem sie unumwunden die Mißstände zu gaben, unter denen die von einer Reihe bürgerlicher Redner- Direktor Dr. Geb- ländlichen Arbeiter zu leiden hatten, beschworen fie in eindringlichen hard, Professor Rubener u. a. gemacht wurden, dies Worten die ländlichen Arbeitgeber, durch beffere Fürsorge die Arbeiter mit noch zu bezweifeln wagt, bei dem fann nicht mehr den bestehenden Verhältnissen auszuföhnen. Es treibt die Furcht Unfenntnis und Unwissenheit als Erklärungs- vor dem wachsenden Einfluß der Socialdemokratie auf dem flachen grund angenommen werden, sondern einzig und allein böser Einfluß nicht bewahrt werden könne, wenn es nicht gelingt, die Lande, die Sorge, daß der Landarbeiter auf die Dauer vor diesem ille. Die sichere Feststellung dieses Zusammenhanges Arbeitgeber von der Notwendigkeit der Verbesserung der Lage ihrer mit den wirtschaftlichen Verhältnissen erscheint uns darum Arbeiter zu überzeugen. " Daß sich seit dem Erscheinen des Buches nichts geändert hat, daß sich die Zustände nicht gebessert haben, das haben auch in er über die Lage der Landarbeiter des Ostens gezeigt, schreckender Weise die Untersuchungen des Vereins für Socialpolitik Ebensowenig ist aber auch geschehen, um den allgemeinen Kultur zustand zu heben. Als ein wesentliches Mittel, das zu erreichen, sieht Golg die Werbefferung des Schulunterrichts an. Zwar sie heilt schon vieles besser als früher, aber: " Der heutige Schulunterricht würde noch größere Erfolge aufweisen, wenn derselbe in der geseglich vorgeschrie benen Regelmäßigkeit vor sich ginge; daß dies leider nicht der Fall, daran sind vorzugsweise die Gutsbesizer und Bauern schuld. Beide Klassen benuzen in ausgedehntem Maße die noch schulpflichtigen Arbeiterkinder während der vor= geschriebenen Schulzeit zu ländlichen Verrichtungen." Auch die Lehrer sind diesen Zuständen gegenüber machtlos, ,, Mancher Lehrer hat seinen Diensteifer schwer büßen müssen, wenn er sich herausnahm, dem Gutsherrn oder dessen Inspektor deshalb zu machen. Vorstellungen" denn In dem der Regierung überreichten Wunschzettel ist auch die Beschränkung der Schulzeit gefordert, um billige Arbeitsträfte zu haben. als das Hauptergebnis des Kongresses, weil sie für das Pro- Es lohnt sich schon gegenüber den Klagen der preußischen letariat und alle, die es mit ihm aufrichtig meinen, ein neuer Junker über die zunehmende Unbotmäßigkeit und die steigenden Ansporn sein wird, alle Kräfte einzusehen für die Befreiung Lebensansprüche der ländlichen Arbeiter einige der bitteren Wahrdes Proletariats aus diesen wirtschaftlichen Verhältnissen. heiten ins Gedächtnis zurückzurufen, die Freiherr v. d. Golg Und die Arbeitert lasse ist bereits daran gegangen, in seinem im Jahre 1872 erschienenen Buche über Die land. liche Arbeiterfrage und ihre Lösung"" den ländlichen die Ergebnisse des Tuberkulose- Kongresses für die Praxis des Arbeitgebern zu tosten gegeben hat. Auch er ist weit entfernt, etwa Lebens zu verwerten. Die Konferenz der deutschen die Arbeiter aufzurufen, für die Verbesserung ihrer Lage zu wirken, Krantentassen, welche auf Anregung der Central- vielmehr sett er seine Hoffnung auf die Einsicht der Arbeitgeber, Kommission der Krankenkassen Berlins am Sonntag denen er warnend zuruft:„ Wenn wir den ländlichen Arbeitern zu stattfand, ist sofort ans Werk gegangen, um die einer befriedigenden Lebenslage verhelfen, wird es den Männern, Gesetzgebung zur Anerkennung der Ergebnisse des wissen- welche den Umsturz der bestehenden Zustände herbeizuführen trachten, Golz forderte auch schon damals dringend Ausdehnung und schaftlichen Kongresses zu drängen. Diese Konferenz hat alle nie gelingen, ihre Pläne zu realisieren, während eine fortdauernde Verbesserung des Fortbildungsschulwesens. Daß auch hierin seine Erwartungen, die man an seine Beratungen geknüpft hatte, Bernachlässigung der ländlichen Arbeiter mit der Zeit die Vorschläge teinen Erfolg gehabt haben, lehrt uns die Statistit, in vollstem Maße erfüllt. letzteren ganz gewiß für die socialistische Agitation empfänglich nach der im preußischen Staat überhaupt im Winter des Jahres und dann zu gefährlichen Feinden der bürgerlichen Ordnung 1896/97 nur 875 ländliche Fortbildungsschulen bestanden. Während Erschienen waren Delegierte aller Arten von Krankenkassen, machen wird, als es bisher noch irgendwo in Deutschland die die Zahl der jungen Leute auf dem Lande im Alter von 14-18 Jahren -Orts-, Hilfs, Betriebs-, Innungs- Krankenkassen- insgesamt industriellen Arbeiter gewesen find." Man vergesse nicht: Das 828 600 betrug, nahmen mur 13 317 am Unterricht teil. Für diese nahezu ein Viertel der frankenversicherungspflichtigen ist schon 1872 geschrieben. Schulen zahlte der preußische Staat 33 174 M., ungefähr so viel, Bevölkerung Deutschlands vertretend. Und trotz der mannig- Um nun die bürgerliche Gesellschaft vor dieser Feindschaft der wie Kautsky in seiner„ Agrarfrage" bemerkt, wie ein paar Schüſſe fachen Gegensäge, die zwischen diesen verschiedenen Arten von Landarbeiter zu bewahren, ist es notwendig, den allgemeinen aus einer großen Kanone tosten. Strankenkassen bestehen, gelang es, in allen den Fragen, kulturzustand zu heben, von dem er sagt: Herr v. d. Golzz hat tauben Ohren gepredigt. welche die Konferenz Konferenz beschäftigten, bollkommene Wenn wir über den Kulturzustand der Dienstleute ein flares Die Junter wollen teine aufgeklärte Arbeiterklasse, Uebereinstimmung zu erzielen! Es war dies desVerständnis gewinnen wollen, so müssen wir uns bergegenwärtigen, sie wollen billige Arbeitsfräfte und diese sind nach ihrer halb möglich, weil alle Erschienenen auch, wie wir gern daß dieselben fast ohne Ausnahme Kinder, Enkel oder höchstens Meinung am billigsten, je dümmer der Arbeiter ist, je weniger Urenkel von Leuten sind, welche noch zu Ende des vorigen oder Kulturansprüche er erhebt. Findet man doch selbst in hervorheben, die anwesenden bürgerlichen Krankenkassenzu Anfang dieses Jahrhunderts in dem Zustande großer Ünfreiheit agrarischen Blättern Klagen, daß Mädchen Handarbeitsunterricht das gleiche Streben beseelte, weil alle gleich- sich befanden. Als gutsunterthänige Leute an die Scholle ge- erhalten, weil sie dadurch veranlaßt werden, als Schneiderinnen in mäßig bemüht waren, mit aller Kraft für die Interessen der bunden, der Gerichtsbarkeit und oft der Willkür ihrer Herren die Stadt zu ziehen. Vertreter " aus Berlin von zuverlässigster Seite" erfährt, hat sich die Mehrzahl der Regierungen mit Entschiedenheit dagegen erklärt, daß in die Gewerbenovelle eine Bestimmung über einen obligatorischen a denschluß aufgenommen werde, wie ihn die Kommission des Reichstages ausgesprochen hat. So wird es denn wohl den„ Männern des Umsturzes" überlassen in dem Kampfe gegen die Reaktion unsere Genossen; Obligatorischer Ladenschluß. Wie die Münchener Allg. 3tg." bleiben, die ländliche Arbeiterklasse aus ihrer Stumpfheit" und die Wahlen sind am 11. Juni. Das Programm, das sie Unterwürfigkeit" emporzureißen und die Willkür" ihrer Arbeitgeber aufgestellt, enthält folgende Forderungen: Achtstundentag und Fest zu brechen. Der Socialdemokratie wird es gelingen, in diesem fetzung eines Minimallohnes für städtische Arbeiter, Kommunalisirung " gefährlichsten Feinde der bürgerlichen Gesellschaft" den glimmenden der öffentlichen Verkehrsanstalten( Straßenbahn), Referendum für Kulturfunken des Klassentampfes zu entfachen. städtische Angelegenheiten, Abschaffung des Octroi auf die notwendigsten Lebensmittel. Dort gilt Noch heftiger wird der Kampf in Mailand sein. es, die Reaktionäre, die das Blutbad vom Mai 1898 auf dem Ges wissen haben, vom Stadthause zu vertreiben. Zu diesem Zwede haben sich die Radikalen, Republikaner und Socialisten vereinigt, und sie haben gute Aussichten auf Erfolg. Politische Uebersicht. Berlin, den 29. Mai. Der konfizierte Mommsen. Die socialdemokratische Wiener Arbeiter 8ei- Der Monat Juni verspricht für die reaktionären Heißsporne ein tung" war fürzlich wegen eines Citats aus Mommsens wenig angenehmer zu werden. Am 1. Juni wird die Critica Römischer Geschichte" über den Zerfall der alten Welt fon- Sociale"( ehemaliger Herausgeber Turati) wieder erscheinen; am fisziert worden. Mommsen hat durch die Vermittlung eines 4. Juni, dem Jahrestag der italienischen Einigkeitserklärung, wird sicher die Amnestie sämtlicher der im Verfolg der Wiener Gelehrten die Nummer der Arbeiter Zeitung" erhalten, mai- Aufstände Verurteilten erfolgen, und der 11. Juni in der das Citat tonfisziert worden ist, und auch das Original wird den Konservativen hoffentlich eine empfindliche Niederlage des Erkenntnisses des Wiener Landgerichts, womit diese bringen. Stelle als eine Aufreizung zum Haß und zur Verachtung erkannt wurde. Der Gelehrte beantwortete die Zusendung mit folgendem Schreiben: " Geehrter Herr! Empfangen Sie meinen Dank für die freundliche Uebersendung des interessanten Dokuments und geben ihn weiter an Ihre Auftraggeber. Es soll sorgfältig unter meinen Memorabilien aufbewahrt werden. Erinnert hat es mich an das Goethefche Epigramm: Eines wird mich verdrießen für meine lieben Gedichtchen, Wenn sie die Wiener Censur durch ihr Verbot nicht bekränzt. In dieser Hinsicht die gleiche Auszeichnung zu genießen, habe ich allerdings nicht hoffen dürfen, bin aber um so dankbarer für die unverhoffte. Jenes Epigramm ist vom Jahre 1797 datiert; es liegt die Frage nahe, wie der Kulturfortschritt Oestreichs in diesem Jahrhundert sich gestaltet hat. Von der ernsten Seite des fleinen Vorfalles laffen Sie mich lieber schweigen, oder doch nur das aussprechen, daß bei der dauernden Barbarci, um nicht zu sagen der Rebarbarifierung der oberen Gesellschaftsschichten, die Triebkraft des Bodens fortwirkt und unter dem dürren Holz mancher grüne Keim sprost. Ganz der Ihrige Charlottenburg, 24. Mai 1899. Mommsen. Der freisinnige Gelehrte, der ein Gegner der Socialdemokratie, ist mit uns einer Meinung über den erschreckenden Niedergang der bürgerlichen Gesellschaft, und seine Hoffnung setzt er auf die„ Triebkraft des Bodens", der nicht erstickt wird durch die Kulturdürre der in Barbarei bersunkenen oberen Gesellschaftsschichten. Der Fall Küchler. Die Socialdemokratie aber, die man vernichten wollte, ist Lebensträftiger, tampfes mutiger und sieges bewußter, denn je. Ces deutsches Reich. Die ,, Poft" Naiven. Das Organ des Herrn v. Stumm hat nun über Sonntag wie wir annehmen auf telegraphischem Wege die Sprache wiedergefunden und schreibt in schöner Einfalt und gediegener Entrüstung folgendes: " Die National: Cocialen haben eine neue Taftit ersonnen, um die Socialdemokratie abzulösen": fie suchen sie auseinander zu schmeicheln, sie mit Komplimenten zu spalten. Die Welt am Montag", in der die National- Socialen am Anfang der Woche zu Worte tommen, wie am Ende der Woche in der Hilfe", bemerkt nämlich zu der Sombartiade in der Frtf. 8tg.": " Da die besten und flügsten Männer der Fraktion, Auer, Bollmar und Bebel, für die Beteiligung waren, so beweist der Ausgang dieser Sache, daß die furzsichtigen Doftrinäre, die Revolutionsgigerl, die Politiker kleinsten Kalibers à la Zubeil, über die verständigen Leute gesiegt haben. Singer hat wieder einen Triumph zu verzeichnen. Denn er war die Seele des Widerstandes gegen die„ Berlepscherei". Einen Triumph freilich, dessen Kosten die deutsche Arbeiterschaft zu bezahlen hat." " Die Welt am Montag" hat geflissentlich die Antwort des Borwärts" auf die Auslaffung Sombarts übersehen, um die amüsante Spaltung der Socialdemokratie in die Partei der Besten und Klügsten auf der einen Seite, die der Kurzsichtigen Kleinsten Kalibers auf der anderen', vornehmen zu können. Sonst hätte sie mitteilen müssen, daß der Ablehnungsbeschluß widerspruchslos erfolgt ist, aljo auch die Besten und Klügsten sich als Revolutionsgigerl bewährten. Ja, wir sind sogar zufällig in der Lage, der„ W. a. M." die schmerzhafte Nachricht zu verkünden, daß gerade einer der nationalsocial verherrlichten Drei, der zuerst für eine fakultative Beteiligung einirat, später erklärte, die Genossen hätten Recht gehabt, die von Anfang an gegen die Teilnahme waren. Hoffentlich wird der Unglückliche damit nicht aus der Klasse der Besten und Klügsten ausgestoßen! Der Vorwärts" will selbstverständlich den Vorwurf, daß er Briefe veröffentlicht hat, die nur durch eine strafbare Handlung in den Besitz seines dunklen Gewährsmanns und damit auch in Aus dem Beichtstuhl. Ueber einen eigenartigen Selbstden feinigen gelangt sein können, nicht auf sich figen lassen und fucht nun aus dem Umstande, daß es bisher nicht gelungen ist, mord wird der„ Volts- 3tg." aus Ratibor berichtet: Als vor die Person, welche den Einbruchsdiebstahl bei uns verübt hat, zu etwa drei Wochen in Zaudis im hiesigen Kreise der. 63jährige ermitteln, Stapital für sich zu schlagen. Wir konstatieren demgegen Schuhmachermeister Franz Kupta, ein arbeitfamer und allseits bei dem jugendlichen Ortsgeistlichen geachteter Handwerker, über nochmals, daß die fraglichen Briefe in dem verschlossenen Foregla zur Beichte erschien, wurde dem Greise die Lossprechung Pute unseres Chefredakteurs aufbewahrt wurden und Jorezka daß sie aus diesem Bulte entwendet worden sind, was nur auf verweigert, weil er die Sonn- und Feiertage zu Geschäftsdem Wege des Einbruchsdiebstahls hat geschehen können. besuchen der ländlichen Kundschaft benutzt und deshalb den Besuch Wenn bis jetzt der Thäter noch nicht ermittelt werden konnte, so Absolution nahm sich Kupka so zu Herzen, daß er schwermütig wurde der Ortskirche vernachlässigt hatte. Die Versagung der ändert das natürlich an den Charakter der strafbaren Handlung nichts. Oder kommt es nach der Moral des Vorwärts" mur und sich in der Nacht des 23. Mai durch Aufschneiden der darauf an, daß man nicht ertappt wird? Das ganze Gerede als und Pulsadern entleibte. Auf Intervention des des" Vorwärts", das ihm gewisse Blätter sofort leichtgläubig Fürstbischofs Kopp wurde dem Selbstmörder ein firchliches Benachbrucen, hat selbstverständlich nur den Zwed, das Publikum gräbnis zu teil, welches am 27. unter großer Beteiligung stattfand. über den wahren Sachverhalt hinwegzutäuschen. Der Vorwärts" Zweierlei Gerichte. Wir hatten fürzlich mitgeteilt, daß Wir hätte nach dem Maßstab aller rechtlich Denkenden nur das Düsseldorfer Gericht in einem Urteil zugegeben hatte, ein Mittel, fich von dem Vorwurf, der ihm gemacht ist, daß das Urteil gegen die Löbtauer Bauarbeiter geeignet zu befreien: dies wäre der Nachweis, auf welchem wäre, in manchen Kreisen Erregung hervorzurufen. ehrlichen Wege er in den Besiz der Briefe ge- Berliner Neuesten Nachrichten" bemerken dazu:„ Wir glauben nicht, langt ist. Will und kann er sich wirklich von dieser Diebes- daß eine solche Stritit, welche ein Gericht an dem Spruch eines geschichte reinwaschen, so hat er dazu bei der bevorstehenden anderen übt, dem Ansehen der deutschen Rechtsprechung und dem gerichtlichen Verhandlung durch Nennung seiner Quelle Gelegenheit. Rechtsbewußtfein der Bevölkerung förderlich ist." Wir glauben Bielleicht triumphiert er übrigens zu früh, wenn er glaubt, daß doch! Wir sind sogar überzeugt, daß so einfichtige Urteile geeignet bas Bertrauen zur Juſtig zu befestigen, wenn sie sich häufen der Dieb nicht ermittelt werden kann." " " wären, würden. Die Ueber die bekehrte Prinzeffin Jutta, die sich, weil sie den" Erbprinzen von Montenegro ehelichen soll, von den Heilswahrheiten der griechisch- katholischen Religion überzeugt hat, herrscht im Lager der medlenburgischen Geistlichkeit große Empörung. Die gesamte Geistlichkeit des Landes hat eine Erklärung an den Großherzog verfaßt, worin sie ihr tiefstes Bedauern über den bevorstehenden Konfessionswechsel der Herzogin Jutta ausspricht und den Wunsch zu erkennen giebt, daß der Uebertritt noch ver hindert werden möchte. Die Geistlichen betonen, daß sie sich zu dieser Erklärung im Gewissen gebunden und den Gemeinden gegenüber sich verpflichtet halten. Die Eingabe schließt Wir wüßten nicht, wie wir fünftig mit gutem Recht die uns anvertrauten Seelen zur Treue gegen unsere Kirche mahnen lönnten, wenn wir das gegenteilige, von so hoher Seite gegebene Beispiel ohne irgend welche Kundgebung hingehen ließen". Die den Herren Bastoren anvertrauten Seelen" haben allerdings schon längst ihre eigenen Gedanken über die Religiosität gewisser evangelischer und sehr frommer Herrschaften, die es nicht ver hindern, wenn ihre nächsten Verwandten aus Anlaß einer standes gemäßen Heirat den teuren evangelischen Glauben an den Nagel hängen. Es ist gemeldet worden, daß der verantwortliche Redacteur der " Frankf. 8tg.", Alexander Giesen, wegen Kollusionsgefahr in Darmstadt, wohin er sich zwecks Vernehmung begeben hatte, Die„ Post" wünscht also mit unnachahmlicher Komit, daß wir verhaftet worden war. Diese Verhaftung ist inzwischen wieder ihr beweisen sollen, daß wir die Briefe gestohlen haben. Die Herren aufgehoben worden, weil sie sich juristisch in keiner Weise halten wissen und wußten nichts über den Verbleib der Briefe, wie denn ließ. Damit ist jedoch der Fall Küchler" und der Prozeß gegen die auch der sogenannte Chefredacteur sich noch befinnen wird, es auf " Frankf. 8tg." nicht aus der Welt geschafft. Es handelt sich seinen Beugeneid zu nehmen, daß die Briefe aus geschlossenem bei der Angelegenheit un eine Campagne des genannten Pulteinbruchsweise gestohlen worden sind. Und nun sollen Blattes gegen den Darmstädter Landgerichts- Direktor Küchler wir der" Post" aus der Verlegenheit helfen und ihr das Geheimnis und die hessische Justizverwaltung. Küchler der Stumm- Briefe enthüllen. Sehr drollig! hatte sich in Geldmanipulationen mit dem Kortstöpfelfabrikanten Wenn aber die Post" gar auf ihren Moral- Klepper steigt, so Rapp eingelassen, gegen den augenblicklich eine Anklage wegen erlauben wir uns, das Organ daran zu erinnern, daß es ihr früherer Wechselfälschung und Vergehens gegen die Konkursordnung schwebt. Mitarbeiter war, der vom korridor der Vorwärts"-Redaktion aus durch Gegen Herrn Küchler war wegen seiner Verbindung mit Rapp die Thür hindurch Gespräche in der Redaktion erlauschte, und sie ein Disciplinarverfahren eingeleitet worden, das zur Ver- Tags darauf brühwarm in der" Post" veröffentlichte. Die Bost" mit den Worten: urteilung Küchlers zu einem Verweis und einer Geldstrafe führte. mußte wissen, daß ihr diese Wissenschaft nur auf schmuzigstem Wege Die Frankf. 3tg." hatte nun in einer Reihe von Artikeln behauptet, hatte zugänglich gemacht werden können, und sie hat troydem teine Herr Küchler habe sich auch trimine II strafbar gemacht, zugleich Bedenken getragen, die Ergebnisse verräterischer Lauschkunst aushatte sie gegen die hessische Justizverwaltung schwere Vorwürfe er aubeuten. hoben, weil diese nicht gegen Herrn Küchler, der nach wie vor Landgerichts direktor ist, im Strafgerichtsverfahren bor Zur Revision des Kranken- Versicherungs- Gefches ging. Daraufhin verklagte das hessische Justizministerium die wird offiziös mitgeteilt, daß beabsichtigt werde, die Unterstügungs" Frankf. 8tg." wegen Beleidigung der hessischen Justizbehörden. pflicht der Krankenkassen allgemein auf 26 Wochen anszudehnen; da Zur Vorvernehmung in dieser Sache war der verantwortliche Re- Die Bestimmung der Novelle zum Invalidengeseze, wonach die Indacteur der Frantf. 8tg." Giefen nach Darmstadt geladen und validenunterstüßung schon nach Ablauf der 26. Woche beginnen foll, wurde dort in Untersuchungshaft genommen. Zugleich wurde bei wahrscheinlich Geseze werden würde, so werde auf diese Weise dem Rechtsanwalt Heinrich Fulda in Darmstadt, in dem man den die jetzt vorhandene Lüde zwischen den beiden Unterstützungen Verfasser der betreffenden aus Darmstadt datierten Artikel in der ausgefüllt worden. Es müsse jedoch erst untersucht werden, ob Frants. Zeitung" vermutet, eine aussuchung abgehalten, die Krankenkassen diese Last auch zu tragen vermögen. Die MehrDie Frau eines höheren pens. Offiziers, die indeß ein positives Resultat nicht gehabt hat. Die Straf tosten würden auf etwa zehn Millionen Mark oder für jedes Kassen- Mitte der Vierziger, von angenehmem Aeußern, mit Barvermögen verfolgung erstreckt sich nämlich nicht nur auf den verantwortlichen mitglied auf etwas über 1 M. geschäßt. Es sei nicht sicher, daß alle von 90 000 m., wünscht, da ihr jetziges Leben seit langem un= Redacteur der Frtf. 3tg.", sondern auch auf den mutmaßlichen Rassen die neue Last zu tragen im stande sind. Es würde dann die Verfasser des Artikels. Fulda hat bei seiner Vernehmung positiv Frage entstehen, ob nicht etwa Vorsorge zu treffen wäre, daß die erträglich, die Bekanntschaft eines höheren Offiziers oder hohen Beamten( Junggesellen) mit erklärt, nicht der Verfasser des inkriminierten Artikels zu sein. Leistungsfähigleit der Kaffen durch Zusammenlegung in dem gegens gleichem Vermögen, bez. Gehalt als Freund und Ratgeber Welcher Art das Auftreten und die Geschäfte des Herrn Küchler wärtig vielfach sehr zersplitterten Staffenwesen erhöht würde. behufs späterer Verheiratung. Nur Offerten mit Wohnwaren, das geht unter anderm aus folgendem hervor. Ein Anwalt Die Beseitigung der Zersplitterung des Krankenkassenwesens ort und voller Namensunterschrift werden berücksichtigt. Diskretion richtete im Auftrage eines Herrn X. ein Mahnschreiben an eine wäre sicher erwünscht; wir denten sie uns vor allem in der Richtung unbedingt sicher." Familie 9. Darauf erhielt Herr X. ein Schreiben, unterzeichnet: der Beseitigung der Betriebs- und Innungskassen. Wie weiter die Die heilige Familie! Die heilige Che! Religion, Ordnung und Küchler, Landgerichtsrat" etwa folgenden Inhalts: Leistungsfähigkeit der Krankenkassen erhöht werden könnte, dafür ist Sitte! Daß man aber gerade in diesen Kreisen zu einem auch Sie haben die Familie V. zur Zahlung auffordern lassen. auf der geftrigen Konferenz der Kaffen ein treffliches Mittel ange- jonit nicht ungewöhnlichen Wechselgeschäft" den in diesen Fällen Es scheint Ihnen nicht bekannt zu sein, daß ich die Familie geben worden in der Forderung, den Krankenkassen die Errichtung nicht üblichen Weg des Inferirens wählt, muß die„ Kreuz- 8tg." juristisch berate. Falls Sie dennoch flagen wollen, weiſe Sie eigener Apotheken zu gestatten. Man entlaste fie ferner von allerdings für unerhört ausgeben. taller darauf hin, daß die Klage an dem Gerichte erhoben werden den Aufwendungen für die Invalidenanstalten, die ihnen muß, dem ich selbst als Mitglied angehöre." durch Einziehung der Beiträge derselben ohne volle Vergütung Die Posener Straffammer verurteilte am Montag den Chefa Ein von Herrn Küchler unterzeichneter Vertrag lautete: erwachsen. Der Wege zur Entlastung der Kassen und zur Erhöhung redakteur der Posener Zeitung" Goldbed wegen Beleidigung des bon Wilamowig„ Es wird hiermit von uns nach getroffener Bereinbarung be- ihrer Leistungsfähigkeit giebt es also viele. Genügen fie nicht, dann Oberpräsidenten scheinigt, daß der seit 1. Juli 1898 geführte Geschäftsbetrieb des ist ja der andere weg gegeben, daß die Invalidenunterstügung schon Möllendorf zu 500 M. Geldstrafe. Ursprünglich war Goldbed mitunterzeichneten H. P. Rapp lediglich für Rechnung des mit Beginn der 14. Woche eintritt. Durch Vereinfachung der Ver- zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt, das Urteil jedoch vom Reichsgroßh. Landgerichtsdirektors C. Küchler geht, der ihm das Be- waltung des ganzen Versicherungswesens wäre da noch manche gericht aufgehoben worden. Bei der diesmaligen Urteilsfällung triebskapital vorschoß, sodaß alle Erwerbungen, Aus- nennenswerte Griparnis zu machen. Wenn der gute Wille da ist, wurde die Erklärung Goldbecks berücksichtigt, daß ihm jede Absicht stände lediglich für legtgenannten gemacht wurden und H. P. Napp ist das alles möglich. An den Kosten braucht diese Reform wahrlich der Beleidigung des Oberpräsidenten ferngelegen habe. nicht zu scheitern. " Hannoverschen Courier" folgende, wie sie sagt unerhörte Aus der guten Gesellschaft. Die Kreuz- 8tg." entnimmt dem Annonce": " nur als Geschäftsführer erscheint. Ein Urteil über den evangelisch- socialen Kongres. Aus Darmstadt, 2. Juli 1898. C. Küchler. H. B. Rapp." Kiel wird uns geschrieben: Ausklingend in die bei Herrn Pfarrer Angesichts diefer Thatsachen ist es allerdings wunderbar, daß Chronik der Majestätsbeleidigungs- Prozeffe. Naumann wohlbekannten Worte flotte und Freiheit" hat dieser dieser Landgerichtsdirektor mit einer Disziplinarstrafe von 500 m. Im Jahre 1897 wurden von deutschen Gerichten nach amtlicher Herr am Sonnabendabend in Kiel in einer national- socialen Berdavon gekommen ist und man muß sich der Meinung der Blätter anschließen, die ein strafgerichtliches Verfahren für nötig zusammenstellung 643 Anklagen wegen Majestätsbeleidigung versammlung über die Abrüstungskonferenz und Socialreform gehandelt. Davon endeten 457 mit Berurteilung der Angeklagten und sprochen. halten, um die gegen Küchler erhobenen Anklagen zu prüfen. mur 186 mit Freisprechung. Die meisten dieser Fälle entfallen auf Das wäre nun der besonderen Registrierung nicht wert gewesen, Vorläufig geht jedoch noch das Verfahren gegen die antläger den Bezirk des Ober- Landesgerichts Berlin, umfassend die Stadt Berlin aber in der fraglichen Versammlung ist über den vor einigen weiter, wie die folgende telegraphische Meldung ergiebt: Mainz, 29. Mai. Heute vormittag wurden die Nummern des und die Provinz Brandenburg. Hier wurden 97 Anklagen verhandelt Tagen in Kiel zusammen geweſenen evangelisch- socialen Kongreß ein Mainzer Journals" und der Mainzer Neuesten Nachrichten", in und 68 Verurteilungen bei 29 Freisprechungen ausgesprochen. Dann Urteil gefällt, das der Wiedergabe wert erscheint, weil es, folgt Breslau( Provinz Schlesien) mit 98 Anflagen, 60 Verurteilungen durch den Profeffor Baumgarten, einen Kongreßteilnehmer welchen der Artikel der" Frankfurter Zeitung" vom 21. d. M.: Neues und 83 Freisprechungen. Danach Naumburg( Provinz Sachsen) mit ausgesprochen, wenig rühmenswert für den Kongreß erscheint. Man zum Fall Küchler" abgedruckt war, beschlagnahmt. Gegen die ver- 51 Anklagen, aber nur 30 Verurteilungen. Hamm( Westfalen und war auf das mangelnde Verständnis der höheren Streife in Bezug antwortlichen Redacteure beider Blätter wurde, wie das„ Mainzer Teile der Rheinprovinz) weist bei 44 Anklagen 33 Berurteilungen auf die socialen Fragen, welches sich selbst auf dem Stongreß gezeigt Journal" meldet, das Strafverfahren eingeleitet. auf. Köln( Rheinproving) 87 Anklagen, 30 Verurteilungen. Bofen habe, zu sprechen gekommen. Professor Baumgarten fuchte den ( Proving Posen) 36 Anklagen, 22 Verurteilungen. Der Berzirt des Kongreß in Schutz zu nehmen. Er gab zu, daß der Kongreß nicht Kampf der italienischen Socialdemokraten Oberlandesgerichts Bamberg weift trog 1,2 Millionen Einwohner für die praktischen Fragen, wie sie durch das Referat des Fabrikanten gegen die Reaktion. mur eine einzige Anklage auf, und diese endete mit Freisprechung. Freese und die sich daran schließende Debatte erörtert wurden, Rom ,, 26. Mai. Rostock( Mecklenburg- Schwerin und Strelig mit 700 000 Einwohnern) dasselbe Interesse und Aufmerksamkeit gezeigt habe, wie für der beiden Professoren Währenddem sich jetzt in der Deputiertenkammer ein Kampf der hat 2 Anklagen und eine Verurteilung. Sehr günstig steht auch die lediglich akademischen Referate Linken gegen das reattionäre Kabinet Bellour zweiter Auflage Marienwerder in Anbetracht der Freisprechungen. Es hat sechszehn Staftan und Paulsen. Ein bedauerlich minimales Interesse". vollzieht, ein Kampf, der zum großen Teil abhängt von der Laune Anklagen und nur 7 Verurteilungen. München hat bei 1,6 million habe sich durch den viel schlechteren Besuch der Sigung, und persönlichen Interessen der verschiedenen Gruppenführer und Einwohnern 12 Anklagen und 7 Verurteilungen, Celle bei 2,6 Millionen die herrschende Unruhe und die Tendenz zur Flucht bei dieser ihrer Koterien, bereitet sich außerhalb des Parlaments eine andere Einwohnern 24 Anklagen und 15 Verurteilungen. Königreich Sachsen Frage gezeigt. Aber was der mangelhaften Erziehung in der BeSchlacht vor, die mit großer Erbitterung geführt werden wird: die hat verhältnißmäßig wenig Anklagen, nämlich 18; aber nur ein handlung der focialen Fragen bei dem Groß der Kongreßteilnehmer Sommunalwahlen. Besonders in Turin d Mailand einziger der wegen Majestätsbeleidigung Angeklagten tam mit Frei- verschuldet sei, dürfe man nicht den Bestrebungen und Zielen des wird der Kampf ein sehr lebhafter werden. Die Partei in Turin sprechung davon. Kongresses zuschieben. Sodann aber habe der Kongreß auch unter dem Zeichen der Ermüdung und Ermattung gestanden. = 37 mit ihren Kooperativ Genossenschaften und sonstigen Organis Von den Verurteilungen lauteten 16 auf 2 und mehr Jahre, sationen ist sehr start und da die Republikaner bort 36 auf 1-2 Jahre und 259 auf 3-12 Monate; die übrigen auf fast gar nicht in Betracht kommen, so find die Führenden geringere Strafen.Man beachte. Am Nachmittag des ersten Tages ihrer Z11 sammenkunft, da haben die Herren, die da in Kiel zusammen Nation." gewesen, sich schon so ermattet und ermüdet gezeigt, daß ein bes Deftreich- Ungarn. Jeinige, wie besonders das Gemeindewahlrechts- Gesez, noch nicht eindauerliches, mangelndes Intereffe" für die verhandelnden Fragen zu Die Krise dauert fort; die ungarischen Minister sind nach Wien mal die erste Lesung passiert haben. Dazu fommen eine Anzahl Tage tritt. Und diese selben Herren wollen das Verständnis für zurüdgelehrt, um aufs neue die Verhandlungen aufzunehmen. Der Anträge aus der Mitte des Hauses und zahlreiche Kommissionsdie socialen Fragen der Zeit in den höheren Kreisen erweden, wollen Sturz des Kabinetts Thun gilt nach wie vor als höchst berichte. durch ihren Kongreß eine Helferin sein im Kampfe für die religiöse wahrscheinlich, es ist jedoch mit der Möglichkeit zu rechnen, daß der und fittliche Stärkung, für die sociale Förderung und Hebung der ungarische Ministerpräsident Szell seinen Rücktritt erklärt. Wie geordnetenhauses haben von neuem Anlaß zu VerbesserungsDie mißlichen Hörverhältnisse im Sigungssaale des Abder„ Voss. 8tg." aus Wien vom 29. gemeldet wird, dürfte der versuchen gegeben, welche während der Pfingstferien vorgenommen Sie wollen die Nöte der Zeit durch kräftige, im chriftlichen Kaiser heute seine Entscheidung treffen, und auch bereits einen worden sind. Das lose unter dem Oberlicht aufgehängte Netz hat wenig Geist betriebene sociale Reformen überwinden versuchen" und zeigen neuen östreichischen Kabinetts chef ernennen, über selbst für die Behandlung der von ihnen erörterten praktischen Fragen dessen Persönlichkeit eine völlige Ungewißheit herrscht. Nach der Decke die flache Wölbung aufsetzt, welche das Glasdach trägt, ein oder gar nichts geholfen. Nunmehr ist noch etwas tiefer, wo in der ( d. h. praktisch ihrer Ansicht nach) eine mangelhafte Erziehung". neuesten Angabe soll ein sogenanntes Versöhnungsministerium engmaschiges Net straff ausgespannt worden. Und das stellt sich dann selbst hin als geistige Elite der Nation! Eine kleine merkbare tommen, das eine Verständigung mit den Deutschen anzubahnen und das Parlament arbeitsfähig zu machen tiefer und ist gar nicht zu beseitigen; es liegt an der Art der Besserung läßt sich davon erhoffen, das Grundübel liegt aber viel hätte. Tribüneneinrichtung, an deren Hineinragen in den Saal, und an Frankreich. dem oberhalb der Tribünen vorhandenen übermäßig großen LuftBuhörers auf der Tribüne die Stimme des Redners im Hause raume, in dem Schallwellen sich verwirren, so daß das Ohr des niemals rein empfangen tann. Von der Friedenskonferenz. 110 der Die zweite Sektion der II. Kommission beschäftigte sich am Sonnabend mit der Afte der Brüsseler Konferenz von 1874 und der Pariser Kommune in der Rue Menilmontant abParis, 28. Mai. Nach einer heute zur Feier des Jahrestages zwar speciell mit den Artikeln 23 bis 34, in welchen die Frage der gehaltenen anarchistischen Versammlung kam es beim Striegsgefangenen geregelt wird. Ueber diese Frage wurde eine Einigung erzielt, vorbehaltlich einiger redaktioneller im Zuge durch die Straßen marschieren wollten, und der Polizei zu Verlassen des Versammlungslokals zwischen den Anarchisten, welche Aenderungen. Was die Frage der Schiedsgerichte anlangt, so wird von einem Zusammenstoßehrere ofert vorgenommen Die internationale Konferenz zu Brüffel. Manifestanten und fünf Polizisten dem Bureau der Konferenz noch mitgeteilt, daß bie dritte Kom- wurden verwundet. Einige Verhaftungen wurden vorgenommen. mission beschlossen hat, vor der Beratung des von Rußland einItalien. Brüssel, 28. Mai. gebrachten Antrages betreffend die Vermittelung und das Die Konferenz hat zwar nicht unter polizeilicher Aufsicht und Amerikanisch katholisches Konzil. Rom, 28. Mai. Der militärischem Schuße getagt, wie die internationale Konferenz im Schiedsgericht und der zu derselben Materie vorliegenden Konzil Präfelt Kardinal di Pietro eröffnete heute im Namen benachbarten Haag, trotzdem ist sie, bei aller Lebhaftigkeit der DisAnträge Englands, Italiens und der Vereinigten des Papstes das Konzil von 53 Erzbischöfen und Bischöfen des tussion, in schönster Harmonie verlaufen und hat ihren Zwed vollStaaten eine Untertommission einzusehen, welche mit der lateinischen Amerikas. Kardinal di Pietro genehmigte die Brüfung und Bergleichung dieser verschiedenen Anträge betraut ist. Wahl des Erzbischofs von Santiago de Chile, Casanova, zum Präst- ständig erreicht, was man von der Haager Konferenz, wenn sie ihre Dieser Kommission gehören an: Professor Dr. Affer( Holland), denten des Konzils. Das Konzil wird sich mit 1100 Artikeln be- Der ausgesprochene Zweck der beiden Konferenzen ist qualvolle Eristenz beendigt hat, nicht wird fagen können. Senator Descamps( Belgien), d'Estournelles( Frankreich), Rechts- züglich Fragen der Doftrin, Kirchenzucht und Liturgie und mit anwalt Holls( Vereinigte Staaten), Professor Dr. Lammasch( Dest der Organisation der katholischen Kirche im lateinischen Amerika wirkliche Zweck freilich genau das Gegenteil des einen vom genau derselbe: die Herstellung des Weltfriedens, reich), Geheimrat v. Martens( Rußland), Nationalrat Odier( Schweiz) nach einem im voraus ausgearbeiteten Programm zu beschäftigen andern, so daß das Gelingen der einen Konferenz für die Berund Professor Dr. Zorn( Deutschland). Welch friedlicher Geist auf der Konferenz herrscht, das zeigt anstalter der andern nicht bloß eine Niederlage bedeutet, sondern die folgende Meldung aus Konstantinopel: Wie verlautet, England. fogar die Vernichtung. Freilich nicht sofort. haben die türkischen Delegierten bei der AbrüstungsLondon, 29. Mai. Die radikalen Mitglieder des Die Brüsseler Konferenz war berufen zur Vorbereitung des Konferenz den Auftrag erhalten, gegen die Abgabe eines Votums der Unterhauses beschlossen gestern abend, ein Nationalgeschenk von Internationalen Arbeiterfongresses, der nächstes Jahr an der Jahrbulgarischen Delegierten bei der Behandlung der Schieds- 30 000 Pfund, welches die Regierung dem General Kitchener be- hundertwende in Paris stattfinden wird, nachdem sich herausgestellt gerichtsfrage, sowie bei allen Fragen, welche völkerrechtliche Anwilligen will, im Unterhause mit allen Sträften zu bekämpfen. hat, daß die politischen Zustände Deutschlands den ausländischen gelegenheiten berühren, ferner bei der Diskussion solcher Fragen, Die Verhandlungen, die Rußland mit einer englischen Finanz- Besuchern nicht diejenige Gewähr der Sicherheit bieten, welche ein durch welche das Vertragsverhältnis Bulgariens zur Pforte verlegt gruppe wegen Aufnahme einer Anleihe von zehn Millionen Pfund civilisierter Mensch in einem civilisierten Land zu erwarten das gute werden könnte, Einspruch zu erheben." Sterling eingeleitet hatte, tönnen als gescheitert betrachtet werden. Recht hat. Die Einleitung zu der Konferenz war von dem franzöDie zehn Millionen sollten zum Bau der russisch- chinesischen Eisen- fischen Verständigungs- Ausschuß der vereinigten fünf bahn dienen. socialistischen Fraktionen erfolgt im Einvernehmen mit dem Türkei. Bureau des Londoner Kongresses, welches von diesem in dessen letter Sigung am 1. August 1896 ausdrücklich das Mandat erhalten hatte, den nächste it internationalen Kongreß zu organisieren. Die betreffende Resolution, welche mit allen Stimmen gegen die der einen französischen Fraktion angenommen ward, lautet, soweit sie hier in Frage kommt, wie folgt: = haben. Bulgarien. Zur Affaire Elberskirchen Aebi veröffentlicht Fräulein Elbersfirchen in der Frankfurter Zeitung" eine längere gegen die socialdemokratische Presse im allgemeinen und den Vorwärts" im Konftantinopel, 28. Mai. Die Verhandlungen mit der Pforte besonderen gerichtete Erklärung. Die Frankfurter Beitung" selbst wegen der Repatriirung der armenischen Flüchtlinge find würdigt die Auslaffung der Dame dadurch, daß sie ihr nicht mehr russischerseits bis nach der Rückkehr des Botschafters Sinowiew verwie ihrem ersten Sensationsartitel Aufnahme im redaktionellen tagt worden. Es verlautet, der frühere türkische Botschafter in Wien Teil gewährt, sondern fie in das Asyl verweist, wo die Mitteilungen Bia Bascha werde demnächst mit dem Auftrage nach Petersburg entaus dem Bublikum fich entfalten dürfen. Die leidenschaftlichen An- fendet werden, den Kaiser zu bewegen, die Forderung der Repatriirung griffe des Fräulein Elberskirchen gegen uns find uns unverständlich fallen zu lassen. geblieben. Sie beklagt sich über socialdemokratische Handhabung der Preßfreiheit", obwohl wir, ohne juristische Nötigung und sehr wider unsere Neigung ihre lange Berichtigung abgedruckt haben, ohne freilich darauf zu verzichten, unserem Gewährsmann gleich zeitig Gelegenheit zur Erwiderung zu geben. Das Recht auf Monologe, das Fräulein Elberskirchen für sich zu beanspruchen scheint, tönnen wir niemandem zugestehen das wäre nicht Meinungsfreiheit, sondern Meinungsstlaverei. Die neue Publikation des Fräulein Elberskirchen verstärkt im übrigen unseren Eindruck, daß man ihr einen schlechten Dienst erweist, wenn man sich in der Oeffentlichkeit mit ihr beschäftigt. Ausland. Afien. Einladungen zum nächsten Kongreß zu erlassen und ausschließlich Das Bureau des Kongresses wird beauftragt, die einzuladen: 1. die Vertreter aller Gruppen, welche die Umwandlung der Eigentums- und Produktionsordnung erstreben, und die Teilnahme kapitalistischen Eigentums- und Produktionsordnung in die socialistische an der Gesetzgebung und die parlamentarische Thätigkeit als ein notwendiges Mittel zur Erreichung dieses Zweckes ansehen; Sonntag vom Fürsten Ferdinand mit einer Thronrede eröffnet, Die außerordentliche Session der Sobranje wurde am in welcher er des Ablebens der Fürstin gedenkt und dem Volte für die Beweise der Teilnahme und der Trauer dankt. Die Thronrede tonstatiert die freundschaftichen Beziehungen zu Rußland, welches Bulgarien befreit habe, und zu den übrigen euro- als solche nicht am politischen Kampfe beteiligen, doch die Not2. alle gewerkschaftlichen Organisationen, die, wenn sie sich auch Türkei. Im Zeichen dieser freundschaftlichen Beziehungen nähmen Anarchisten sind mithin ausgeschlossen.. päischen Großmächten und den Nachbarstaaten, ganz besonders der wendigkeit politischer und parlamentarischer Thätigkeit anerkennen. die bulgarischen Vertreter an der Friedenskonferenz teil. Die Thron- Der Kongreß beschließt, daß der nächste Kongreß im Jahre 1899 rede verweist weiter darauf, daß dank der Wahlfreiheit bei in Deutschland stattfindet. Sollte die Abhaltung des Kongresses dort der letzten Wahl die hervorragendsten Persönlichkeiten aller unmöglich sein, so wird beschlossen, den Kongreß im Jahre 1900 z u politischen Richtungen des Landes in der Sobranje vertreten seien. Paris abzuhalten." Die Ausschußbeschlüffe des finnischen Landtages. Schließlich fündigt die Thronrede Gefeßentwürfe über die Konversion Auf Grund dieser Resolution war auch das Bureau des Londoner Am 18. Mai wurden die vom ganzen Lande mit Spannung er Orientbahnen an. Die Thronrede wurde mit Beifall aufgenommen. anwesend die Mitglieder für Deutschland, Destreich, Dänemark, Engder Staatsschulden und betreffend das Uebereinkommen mit den Kongresses zur internationalen Stonferenz erschienen, außerdem waren warteten Gutachten der Landtags a usi hüsse über die Wehrwatieff( Regierungspartei) wurde zum Präsidenten der Sobranje land, Holland, Belgien und die Vereinigten Staaten von Nordgefegborlage der Krone dem Landtag überreicht und damit der Oeffentlichkeit übergeben. gewählt.amerika. Die letzteren hatten die Genossen Forter und Dieggen, Diese Beschlüsse des Legislativausschusses und des Wehr Sohn des ehemaligen deutschen socialistischen Schrifstellers, entsandt. ausschusses entsprachen, da sie diese Vorlage einstimmig ablehnten, Chinesische Piraten. Den„ Times" wird aus Hongkong vom Man kam dahin überein, die Punkte 1 und 2 der Resolution vollkommen den Erwartungen und Wünschen des Landes. Das 27. d. M. gemeldet: Auf dem Sitiang ist der englische Flußdämpfer zur Grundlage der Kongreßeinladung zu machen, und nur unter Gutachten des Legislativ ausschusses enthält die gefeßliche Be- Joon" von Piraten angegriffen worden; fie schleppten Geld der Bedingung, daß der französische Berständigungsausschuß diese gründung und Rechtfertigung der Ablehnung. Es schließt mit einer und sonstiges Eigentum im Werte von 7000 Dollars fort. Die von Basis annehme, ihm das Mandat für die Vorbereitung des nächsten n kräftigen Worten abgefaßten Resolution, aus welcher wir die England neu erworbenen Inseln werden von bewaffneten internationalen Kongresses zu übertragen. Der französische Ausschuß wichtigsten Buntte anführen wollen. Dem Landtag wird nämlich Banden von Plünderern heimgesucht. Die Polizei ist nicht im wünschte nun eine Modifikation insofern, als seiner Meinung nach empfohlen, in seiner Antwort an die Krone zu betonen: stande, ausreichenden Schutz zu gewähren. mur folche Gewerkschaften einzuladen seien, welche sich direkt für , daß fraft Finnlands Konstitution Geseze, welche für Finnlands Vom Kampf auf den Philippinen. Einer in New York ein- ocialistisch erklärten. Unter Hinweis auf die Praxis der Bolt Geltung haben sollen, einzig und allein in der durch die gegangenen amtlichen Depesche aus Manila zufolge ist eine Internationalen Arbeiter Association, die zu ihren Staatsgrundgesetze des Landes festgesetzten Ordnung aufgestellt Truppenabteilung unter Führung des Kapitäns Tilley, welche zum Stongressen stets die Gewerkschaften als solche eingeladen hatte, werden können, welch letztere nicht allein bestimmen, daß der Bwede einer Kabelreparatur in Escalante auf der Negrosinsel ge- wurde die französische Auffassung bekämpft, und namentlich von Monarch hierbei stets mur von einheimischen Behörden unterstützt landet war, von den Eingeborenen angegriffen worden; Kapitän deutscher Seite geltend gemacht, daß die politische Klassenbewegung wird, sondern auch, daß Geseze, die andere als administrative Tilley wird vermißt. Nach einem Bericht des„ New York Herald" des Proletariats unter feinen Umständen von der gewerkschaftlichen und ökonomische Fragen betreffen, nicht anders als mit Wissen ist eine Anzahl malaischer Seeleute, die mit Kapitän Tilley gelandet Bewegung fich trennen dürfe. Wenn aber nur solche Gewerkschaften und Willen der Stände zu stande kommen dürfen; waren, von den Aufständischen gefangen genommen und in& tü de zugelassen würden, die sich auf den Boden des socialistischen Brogeschnitten worden. gramms stellen, dann sei deu deutschen Gewerkschaften die Möglichkeit Verordnung aufgestellte Gesetzgebungsweise gegen Finnlands Grundgesetze und Konstitution streitet; Demselben Blatte zufolgee erklärt General Otis, der Feldzug der Beteiligung genommen, denn diese dürften Politik nicht treiben. auf den Philippinen werde während der Regenzeit mit äußerster Diese Auffassung hatte die große Majorität für sich und die Einladung „ daß daher erwähntes Manifest und Verordnung, welche beide Energie fortgeführt werden." wird genau in Gemäßheit der Londoner Beschlüsse erfolgen. Die ohne Vorwissen und ohne die Zustimmung der Ständeversamm- Wenn dieser aufgewandten äußersten Energie" nur auch die französischen Delegierten werden nun dahin wirken, daß der Verlung zu stande kamen, in Finnland nicht Gesetzestraft besigen Erfolge entsprechen. Die Aussicht auf Verständigung ist vorläufig ständigungs Ausschuß in diesem Sinne handelt, woran nicht zu gänzlich geschwunden. Die aus Manila in Madrid eingetroffenen zweifeln ist. ,, daß schließlich der Landtag es für seine in einer höheren Meldungen erklären, die Bevollmächtigten Aguinaldos wollten Man beschäftigte sich hierauf mit der Festsetzung der TagesWeltordnung begründete Pflicht erachtet, festzuhalten an dem nur die Ernennung eines nordamerikanischen Gouverneurs und die ordnung. Das Ergebnis war: Als Tagesordnung des Kongresses Gesetzesrecht, welches 1809 dem finnischen Bolte feierlich zugesichert Haltung von Garnisonen in drei Städten bewilligen, während sie wird vorgeschlagen: verlangten, daß sämtliche Minister der autonomen Regierung EinGleichzeitig wurde vom Wehrgesez- Ausschuß ein neuer geborene sein sollten. Die Befugnisse des Gouverneurs sollten denen nach Annahme durch den Landtag der Stronę zur Sanktion unter Grundlage wollte die nordamerikanische Kommission die VerAenderungsvorschlag zum Wehrgesetz von 1878 ausgearbeitet, welcher des britischen Gouverneurs in Kanada gleichstehen. Auf dieser handlungen nicht fortsetzen. Afrika. „ daß dagegen die durch das Manifest und die ihm beigegebene tönnen; wurde. 1. Mittel der Durchführung der Kongreßbeschlüsse; die praktischen Mittel zur Herbeiführung der internationalen Verständigung, OrgaArbeiterschutz: Diskussion über die Möglichkeit der Festsetzung eines nisation und Aktion des Proletariats und der Socialisten. 2. Arbeiterschutz in den verschiedenen Ländern; internationaler Lohnminimums für die verschiedenen Länder. 3. Die notwendigen Bedingungen der Freiheit der Arbeit: breitet werden wird. Dieser Vorschlag behält die bisherige Dienstzeit von drei Jahren in der Linie( statt der von russischer Seite begehrten fünf Jahre) bei, ebenso die durch gewisse Bildungsgrade bedingten Verkürzungen Die Konferenz in Südafrika zwischen dem Präsidenten a) Konstituierung und Aktion des Proletariats als Klaffenpartei; von 2, 1%, und 1 Jahr. Den wichtigsten Unterschied zwischen diesem Krüger und dem Gouverneur der Kapkolonie Milner ist nun- b) Politische und ökonomische Expropriation der Bourgeoisie; Vorschlage und dem der Krone bildet die Bestimmung, daß jeder mehr zu stande gekommen. Der letztere ist, wie vom Montag aus c) Socialisierung der Produktionsmittel. finnische Mitbürger seiner Dienstpflicht nur bei einem finnischen Kapstadt telegraphirt wird, zur Konferenz mit dem Präsidenten Truppenkörper genügen darf. Der russische Vorschlag ging darauf Krüger nach Bloemfontein abgereift. hinaus, den Etat der finnischen Truppen unverändert zu lassen und den durch die vermehrte Aushebung geschaffenen Ueberschuß mehr als das Doppelte des bisherigen Friedensstandes der finnischen Truppen in russische Regimenter ein zureihen. 4. Der Völkerfriede, Aufhebung der stehenden Heere. 5. Kolonialpolitik. 6. Organisation der Seeleute. 7. Der Kampf für das allgemeine Wahlrecht und das Referendum. 8. Gemeindesocialismus. 9. Die Eroberung der politischen Macht und die Bündnisse mit bürgerlichen Parteien. 10. Die Maifeier. 11. Die Trusts. Die Festsetzung des Datums für den Kongreß wurde dem Bariser Ausschuß überlassen, und nur bestimmt, daß die geignetste Welche Wünsche englischerseits an die Besprechung geknüpft werden, ersieht man aus der folgenden Johannesburger Meldung: Der britische diplomatische Agent äußerte gegenüber einem Führer ber uitlanders, die englische Regierung wünsche sehr, bald eine wesentliche Aenderung in der Lage der litlanders Der Friedensstand der finnischen Truppenkörper wird auf höchstens zu sehen. Die Bereitwilligkeit des Präsidenten Strüger, mit dem 12 000 Mann festgesezt( bisher 5600!). Die Bestimmung der je- englischen Kommissar zusammenzukommen, werde als Anzeichen dafür weiligen Stärke, der Waffeneinteilung und Dislotation für jedes Jahr betrachtet, daß die Südafrikanische Republik aufrichtig wünsche, zu ist der Krone vorbehalten, wobei der russische Kriegsminister Vortrags- einer Lösung der Frage zu kommen, die die billigen Wünsche der recht hat, nach eingeholtem Gutachten des Senates für Finnland. bisher nicht wahlberechtigten Bevölkerung befriedigt. Bisher faßte die Krone diese Beschlüsse auf direkten Vortrag des Auch Ohm Paul hat sich zu der Frage geäußert. Er Zeit vor Juli und nach August sei, weil in diesen zwei Monaten der finnländischen Senats. fagte zu einem Vertreter des Dalzielbureaus über die bevorstehende Fremdenbesuch am größten und die Preise am höchften. Der wichtigste Unterschied zwischen dem alten Wehrgesetz von Besprechung mit Milner in Bloemfontein, er erachte eine freund- Die Sigung des Bureaus hatte Freitagabend stattgefunden, die 1878 und dem neuen Entwurf besteht fonach nur in der Verdoppelung fchaftliche Begleichung aller Streitfragen als wahr- Sonferenz des Bureaus und der Konferenz- Delegierten dauerte, mit des Friedensstandes, welche aber durch vermehrte Aushebung, nicht icheinlich, aber er hoffe, es würden keine Forderungen ge- 3weistündiger Mittagspause, von morgens 10 bis abends 8 Uhr. durch Verlängerung der Dienstzeit zu stande kommt, und durch das stellt werden, welche die Unabhängigkeit der Republik Eine prächtige Kundgebung der Brüsseler Genossen lohnte den Einschieben des russischen Kriegsministers als Vortragenden bei der antasten. Er wäre vorbereitet, freundliche Ratschläge über alle Teilnehmern der Konferenz ihre auf.rengende aber gedeihliche Arbeit: Krone in den wichtigsten Angelegenheiten, an Stelle des einheimischen Punkte anzunehmen und er würde, wo er tönnte, danach handeln eine Massenversammlung im Riefe faale der Maison du Peuple. Senats. Dies lettere ist daher die bedenklichste Aenderung; es ist und thatsächlich alles im Geiste der Freundschaft regeln. Obwohl Stürmisch wurden fie begrüßt von den versammelten Tausenden zweifelhaft, ob das Landtagsplenum derselben zustimmen wird. der Volksraad dem Präsidenten völlig freie Hand gegeben habe, und in den Ansprachen der Delegierten Allemane, Adler, Baillant, Cassius, würde er alle Abmachungen vorbehaltlich der Bestätigung des Bolts Hyndman, Singer, Liebknecht, Anudsen, Blechanow, Rondani, raads schließen. Wilewski, Vandervelde, Van Kol, Troelstra, Braklehurst, kam der Geist internationaler Solidarität und das stolze Gefühl der SiegesNeueste Mitteilungen besagen, daß der Landtag die Ausschußgewißheit zu herzerhebendem Ausdruck, und feiner der Delegierten beschlüsse mit erheblichen Aenderungen angenommen habe. Die wird den brüderlichen und begeisterten Empfang vergessen, den die Wehrgesetzvorschläge der Krone wurden abgelehnt und der Ausbelgischen Genossen und Genoffinnen an diesem denkwürdigen Abend und an diesem denkwürdigen Ort ihnen bereitet haben. betonen Finnlands besondere Rechte noch schärfer 6. Juni einen überaus reichhaltigen Arbeitsstoff vor. Nicht weniger als die Ausschußbeschlüsse. als 24 Regierungsvorlagen sind noch zu verabschieden, von denen * Parlamentarisches. schußentwurf der Strone zur Sanktion unterbreitet. Die Aenderungen Das Abgeordnetenhaus findet bei seinem Zusammentritt am Revision Dreysus» Am Montag begann in Paris vor dem Kassationshof die Revisionsverhaudlung des D r e y f u s- Prozesses. Die gewaltige Tragödie nähert sich ihrem, wie anzunehmen, versöhnlichen Abschlug. Gegen eine Welt von mächtigsten Einflüssen, von Tücken und Per- brechen, von Verblendung und Thorheit ging das Recht, verhöhnt, verleumdet, verfolgt, nur von ein paar Männern der Wahrheit geleitet, seinen Weg, und heute steht es vor dem Siege. Niemand glaubt heute noch an die Schuld Dreyfus, am wenigsten diejenigen, die sie noch heute beteuern; den» gerade sie wühlen von Anfang an am besten, dah Dreyfus zu Unrecht verurteilt worden war. Die.g r oße Woche" nennen die französischen Blätter diese Sühnctage für ein schweres Verbrechen, die ein ganzes Land anfangs in Mitschuld verstrickt hielt. Zola, Picquart, Jaures. Laböri und die paar anderen Männer, die trotzig gegen alle übrige» für die Heiligkeit des Rechts känipsten, können heute ihres glaubigen Idealismus froh geniehen. Aus der anderen Seite zittert der klerikalisierte Militarismus vor der Nemesis. Der„Figaro", dieses feile Blatt, der in der Dreyfus-Sache allen Parteien gedient und alle verraten hat, immer ängstlich mit offenen Ohren und— Händen auf die Stimmung der Boulevards lauschend, predigt jetzt statt der notwendigen Sühne für unerhörte Schuld lau schmelzende Versöhnung', die Verbrecher sollen sich mit ihren Opfern umarmen. und Dreyftls wird am Halse Boisdeff'res und du Paty de Clams Freudenthränen der Vergebung weinen. Dieser„Figaro spricht in seinem Schlühartikel über die Drcyfiis-Sache die Befürchtung aus, dah eine Revision mit der Veriveisung vor ein neues Kriegsgericht die Ärisis, unter welwer Frankreick io schwer leide, noch um einige Mmmte verlängern könne. Die Untersuchung habe die Unschuld Dreyfus� klar dargelegt, warum solle man daher nicht Revision des Prozesses ohne Verweisung vor ein neues Kriegesgericht beschließen?„Figaro" schließt mit den Worten: „Gerechtigkeit, aber keine Repressalien!" Von der' Haltung der Generalstabspresse gicbt die„Vossische Zeitung" ein interessantes Bild.„Petit Journal" spricht das Wort Gericht auch nicht ein einziges Mal aus und widmet seinen Leitauffatz von vicrtehalb Spalten einer unbekannten Hundertjahrfeier der Comvdie fran?aise. Drumont behandelt in seinem Tages- aufsatz der„Lib„c Parole" den Untergang Polens „E c l a i r",„I n t r a n s i g e a n t".„G i l Blas" usw. schwatzen viele Spalten lang mit gespreizter Wichtigthucrei über die Dörouledc- Havert- Straff'achc, um die sich kein Mensch bekümmert.„G a u l o i s" lhut spatzig und sagt:„Da die Stunde der Gerechtigkeit geschlagen hat, tvie man sich im„Siecke" ausdrückt, so wäre es nicht billig, wenn sie Dreyfus allein nutzte. Ich ver- lange, daß man schleunig Brisson wieder in den Lehnstuhl des Kammer- Vorsitzenden setze, dann scheint es mir gehörig, daß man Aola einen Akademie- und James einen Kammersitz anbiete, um diesen später zum Ministerpräsidenten zu machen. Dreyfus und Picquart müssen be- fördert werden und uns wird man wohl auf der Teufelsinsel eine Ivenn nicht üppige, doch bequeme Einrichtung anbieten. Glauben Sie nicht, daß ich scherze, das wird alles zur rechten Zeit eintreffen, denn es ist die notwendige Schlußfolgerung aus der Lage, die man uns bereitet." Q u e s n a y endlich winselt im„Echo de Paris": „Gewiß, wir wohnen einem grausamen Schauspiel bei. Der Jubel der Verschwörer ist lännend; diese Leute fordern uns heraus, antworten nicht! Wir werden später antworten. Er- leiden wir heute die Schreie der Zerstörer! Das Vaterland ist um 30 Silberliuge verkauft worden. Warten wir, alles ist nicht zu Ende. Frankreich will nicht sterben. Die Seite der Geschichte, die ruchlose Hände heute schreiben, wird zerrissen werden, das Vater- land wird Vergeltung üben. Man beschuldigt mich, irrsinnig zu sein: gut. seien wir alle irrsinnig, da die Liebe zu Frankreich für Irrsinn gilt!" Die Aeußerungen dieser Presse mögen widerlich sein. Aber nian muß bedenken! Justizvcrbrcchen können auch in andern Ländern ge- schehen, aber der erfolgreiche Kampf gegen sie ist nur in den Ländereien möglich, die ivie Frankreich die Freiheit der Meinungs- äußerung schrankenlos besitzen. Wer möchte behaupten, daß nicht auch anderswo derartige Rechtsgreuel möglich seien? Aber das ist sicher, daß ihre Aufdeckung und Sühne in manchem andern Staat unmög- lich wären. Die Verhandlungen selbst werden sehr ausgedehnt sein. Montag und Dienstag liest Richter Ballot Beaupre seinen Bericht. Mittwoch Rechtsanwalt M o r n a r d seine Anträge, Donnerstag liest Oberster Staatsanwalt M a n a u seine Arbeit, Freitag berät sich das h ö ch st e Gericht und Sonnabend dürfte das Urteil verkündet werden. -X-* * Zu den öffentlichen Verhandlungen sind nur hundert Eintritts- karten ausgegeben, davon fünfzig an die Presse. Um 12 Uhr be- gann die Verhandlung. Schon eine Stunde vorher Ware» die Zeugen und Journalisten emgetroffen. Im Innern des Gerichtsgebäudes und außerhalb desselben sind umfassende Maßregeln getroffen: es herrscht fedoch vollkommene Ruhe. Man sieht nur wenige Neu- gierige in der Nähe des Justizpalastcs. Als um 1I»12 Uhr die Thüren des Verhandltingssaales geöffnet werden, strömen aus de» Wandelgängen Advokaten und Berichterstatter in den Saal. Ballot-Beauprs beginnt sofort mit der Verlesung seines Berichts. Er erinnert daran, wie der Prozeß ini Jahre 1334 be- gann, erwähnt die Gutachten der Sachverständigen, die Proteste des Dreyfus', das Verhör du Paty de Clams und den Bericht d'Onne- schevilles, des Berichterstatters vom Jahre 18V4, welcher hervorhob, Dreyfus habe erklärt, er kenne die im Bordereau erwähnten Schrift- stücke nicht. Ballot-Beauprs spricht sich in seinem Bericht weiter dahin aus. daß der Kassationshof nicht die Annullirung des Urteils im ersten Dreyfus-Prozetz, sondern einzig und allein die Revision dieses Prozeffes in Erwägung zu ziehen habe, und daß die begründete Vermutung eines Irrtums und sehr ernste Zweifel be- züglich der Schuld des Verurteilten genügen, um die Revision herbei- zuführen. Ballot-Beauprs untersucht dann eingehend, ob in dem vorliegenden Falle die Revision sich als notwendig erweise und legt die Thatsachen dar, auf welchen das Revisionsgefuch beruht. Die Sitzung wird hierauf unterbrochen. Ikach Wiederaufnahme der Sitzung fährt Ballot-Beauprö in seinem Berichte fort und stellt die strafbaren Machen- schaften Henrys und du Paty de Clams gegen Dreyfus fe st. Er hebt hervor, einen wie bedeutenden Eindruck beim Prozeß Dreyfus im Jahre 18V4 die Zeugenaussage Henrys gemacht habe, der damals eidlich versicherte, daß Dreyfus schuldig sei. Ballot-Beauprs weist ferner darauf hin, daß Henry stets Picquart gegenüber eine feindliche Haltung, dagegen du Paty de Clam Esterhazy gegenüber eine freundliche Haltung angenommen habe.— B allot-Bcauprs geht sodann auf die Denkschrift deS Advokaten M o r n a r d ein, welche die einander widersprechenden Gutachten der Schriftsachverständigen einer Besprechung unter- zieht. In der Denkschrift Mornards wird weiter dargelegt, daß das Bordereau nicht von Dreyfus herrühren könne und keine ver- traulichen Dinge enthalte. Mornard kommt zu dem Schlüsse, die Bestandteile des Bordereaus und die Untersuchung wiesen vielmehr auf Esterhazy als den Schuldigen hin. Um 6 Uhr wird die Sitzung ohne irgendwelchen Zwischenfall geschlossen. Totenliste der Partei. In Wilhelmsburg starb der Partei- genösse Maurer Wilhelm Dreilcch. Der Verstorbene, der einem Herz- Ichlage erlegen ist, war bis zum letzten Angenblicke für die Partei thäti'g und hat der Partei stets und in allen Lagen seine Kräfte geweiht. Die Parteigenossen werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Polikriliches, Gerichllichrs»Nu. Halle a. S., 27 Mai. Wegen Preßbeleidigung wurde heute Genosse S w i e n t y. Redacteur des„Volksblatts", von der Strafkammer zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt. Der Staats- k anwalt hatte sechs Wochen beantragt. Beleidigt sein soll der Oberbürgermeister Krantz von Naumburg, der durch sein ftüheres Auftreten gegen seine Gemeinderats- Mitglieder viel Aufsehen ge- macht hat. Einem Stadtverordneten, Justizrat Tollkiem'tt hotte er Niederträchtigkeit und Meineid und einem Rechtsanwalt Govemann in einer Broschüre andere Dinge vorgeworfen, welch? Vorwürfe er dann in den Zeitungen wieder"feierlichst zurücknahm. All? diele für Herrn Krantz nicht schmeichelhoften Sachen kamen in der Ver- Handlung zur Sprache. Im wesenUichen drehte sich die Verhandlung um die'Verleilung einer ersparten Summe von 1200 M», wovon Kr. 800 M. aus Magistratsbeschluß bekommen ho"». N»kch. Leipzig. 2S. Mai. lPrivatdepesche deS„Vorwärts".) Die Swccateure Leipzigs haben d»- G-'er-'lstreik mit großer Majorität beschlosien. Aufruf? Die Glasperlen-Arbeiter des Steinachsgrund in Bayern stehen seit dem 1. Mai im Ausstand. Wohl manches Kind und auch Erwachsene freuen sich über den bunten Glasschmuck des Tannenbaumes zu Weihnachten, ohne dabei zu bedenken, in was für erbärmlicher Lage sich die Verfertiger dieses Schmuckes nebst ihren Kindern befinden. Da jetzt das Perlengeschäft ein gutes zu nennen ist. die Unternehmer auch höhere Preise erzielt haben, so glaubten die Ar- beiter auch einen kleinen Teil von diesen, Mehrverdienst für sich be- anspruchen zu können. Sie forderten deshalb eine kleine Lohn- erhöhung, welche aber rundweg abgelehnt ivurde, weil die Protzen allein „Herr im Hause" sein wollen. Die Situation hat sich insofern günstiger gestellt, a's ein Unternehmer, Herr Köppel von Jmmcnrcnth, sofort einen neuen Glasofen bauen will, wodurch 40 Streikende in naher Z"t Arbeit bekommen werden. Die übrigen werden zusammentreten und einen ciaenen Ofen bauen, die Perlen will Herr Köppel dann ver- treiben. Bis dahin fehlt aber jede Unterstützung, trotzdem wir alle organisiert sind, ist unser Verband doch zu schwach, um genügend unterstützen zu können. Wir appellieren daher an die deutsche Arbeiterschaft, uns noch drei bis vier Wochen über Wasser zu halt»», dann ist der Sieg in unseren Händen. Die Geldprotzen. die uns heute verächtlich die Thür weisen, mögen dann sehen, wo sie weitere Ausbeutungsobjekte herbekommen. Das größte Uebel der Glasperlenarbeiter war neben den erbärmlichen Löhnen, daß sie ihr sauer verdientes Geld für schlechte Waren bei ihren Unternehmern wieder unisetzen mußten, denn die Glasperlenfabrikauten haben nebenbei noch Brauereien, Specc- reien usiv. Arbeiter Deutschlands! Helft den ge- drücktesten Arbeitern für kurze Zeit aus ihrer bedrängten Lage. der Dank wird nicht ausbleiben. Ist erst in diesem finsteren Winkel Bresche geschossen, dann wird es auch hier heller werden. Die Streikenden sind gelvillt, lieber zu verhungern, anstatt sich auf Gnade oder Ungnade zu'ergeben. Deshalb ist schnelle Hilfe am Platze. Zu unterstützen sind 175 Plann mit 250 Fannlienangehörigen. Adresse: Anton Ncukqmm, Post Warmensteinach in Bayern. Arbeitcrfreundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Die Seeleute in Stettin haben beschlossen, zu den von den Reedereien angebotenen Bedingungen wieder an Bord zurück- zukehren. Zum Streik der Riemendreher in Barmen. Wie schon ge- meldet, haben die vereinigten Riemendreherei-Besttzer die angedrohte Aussperrung nicht ausgeführt, trotzdem in dem Ausstand bei der Firma Mol'ineus u. Münz bis jetzt noch keine Aenderung eingetreten ist und dieser Ausstand als Grund der Aussperrung angezogen wurde. Die Nichtausführung der Aussperrung kann zum größten Teil auf die schwere Schädigung, die den Fabrikanten ans derselben erwachsen wäre, zurückgeführt werden. Andererseits mögen auch die öffentliche Meinung, die die angedrohte Aussperrung einstimmig verurteilte, und die Bemühungen der Regierungsorgane nicht ohne Einfluß geblieben sein. Sonnabendabend tagte eine von ungefähr 1000 Textilarbeitern und-Arbeiterinnen beiuchte Ver- sammlung, in'welcher der Vorsitzende des Textilarbeiter- Verbandes C. H ü b s ch aus Berlin referierte. Diese Ver- sammlung beschloß, den Borstand der hiesigen Filiale des Verbandes zu beauftragen, den Fabrikanten-Verein aufzufordern, innerhalb 14 Tagen eine bündige Erklärung abzugeben, wie sich der Verein zur Einführung des Zehnswndentages zu verhalten gedenkt. Es ist begründete Ausicht vorhanden, daß die Unternehmer den Weg der Verhandlung wählen werden. Sollte aber dieses nicht der Fall sein, dann wird zweifellos der allgemeine Ausstand erfolgen, a» dem dann mindestens 3000 Arbeiter und Arbeiterinnen sich beteiligen werden. Die Krefelder Weber haben bei dem Versuch, in der Stoff- b r a n ch e eine einheitliche Lohnliste aufzustellen, in Fabrikanten- kreisen starken Widerspruch gefunden. Bekanntlich ist bei Beendigung des Streiks in der Stoffbranche die Zusicherung von den Fabrikanten gegeben ivorden, daß sie gemeinsam mit den Arbeitern die Aufstellung einer einheitlichen Lohnliste beraten wollten. Durch den Sammet- weberstreik sind die Verhandlungen etwas verzögert und ist erst in letzter Zeit der Sache näher getreten worden. Die Fabrikanten haben nun folgenden Vorschlag gemacht: „Jede Fabrik vereinbart für sich mit ihren Arbeitern die Löhne für die verschiedenen Artikel und zwar sind die Lohnsätze so zu regeln, daß ein fleißiger nnd tüchtiger Weber bei zehnstündiger Arbeitszeit im Jahresdurchschnitt mit Berücksichtigung der gesetzlichen Feiertage per Woche 20—21 M. muß verdienen können. Um diesen Normai- verdienst konstatieren zu können, verpflichten die Fabrikanten sich, regelmäßig Listen über den Verdienst jedes einzelnen Arbeiters zu führen, wie dieselben ftüher von der Berufsgenossenschaft verlangt ivurden. Erzieht dieser Lohnauszug, daß der Verdienst der tüchtigen und fleißigen Arbeiter obigen Satz erreicht, so sind die Löhne als ausreichend zu bezeichne», andernfalls sind dieselben aufzubessern. Dem Fabrikausschuß, der jährlich zu wählen ist und aus fünf Arbeitern besteht, welche mindestens seit einem Jahr ununterbrochen in der betr. Fabrik thätig sind, von denen drei von den Arbeiten» und zwei von den Fabrikanten zu wählen sind, ist auf Wunsch eines Arbeiters der halbjährliche Lohnauszug vorzulegen. Es können dabei nur die Verdienste derjenigen Arbeiter in Betracht kommen, die un- unterbrochen die betreffende Zeit hindurch in der Fabrik gearbeitet haben." Die Arbeiter haben hierauf in ihren Fabrikausschüssen Stellung genommen und folgenden Beschluß gefaßt: „Die versamnielten Fabrikausschüsse der mechanischen Stoff- Webereien erklären im Auftrage sämtlicher Stofftveber, nach wie vor auf der Durchführung der allgemeinen Lohnliste bestehen zu müssen, und erwarten, daß die Fabrikanten so schnell wie möglich mit der Lohn- kommission in Verbindung treten, um die nötigen Schritte zur Ein- fühnmg einer Lohnliste einzuleiten." Vom Streik der Steinbrucharbeiter in Gommern. Der Steinbruchbesitzer Schröder, die leitende Person des Unternehmer- ringes, hat gegen 50 galizische Arbeiter angeworben, die in ein Massenquartier untergebracht ivurden. Den Leute» war ein Stundenlohn von 50—00 Pf. versprochen ivorden. Als ihnen nun 27 Pf. gehoten wurden, weigerten sie sich, an die Arbeit zil gehen: darauf wurden sie IVa Tag in ihrer Kaserne zurückgehalten. Am Donnerstag wurde der Kassierer der Filiale des Maurer- Verbandes, der Maurer Gärtner, von eineni Gendarm verhaftet, der in Begleitung des Bürgermeisters Wenzel und des Steinbruchbesitzcrs Louis Schröder erschien. Die Verhaftung hat in den Kreisen der Arbeiter große Erbitterung hervorgerufen. Die Bauarbeiter in Erfurt sind in den Ausstand getreten. Sie verlangen 33 bis 35 Pf. Stundenlohn. Die Zimmerer in Mainz haben ihren Ausstand beendet. Sie erreichten eine Lohnerhöhung von 2 Pf. die Stunde, die vom 1. Juli ab auf 3 Pf. gesteigert wird. Ausland. Zum Ausstand der Brauner Textilarbeiter schreibt die „Wiener Arbeiterzeitung":„Als am 2. die Brünner Arbeiter. des langen Wartens müde, den Kampf um den Zehnstmrdentag aufnahmen, da waren die Unternehmer davon überzeugt, daß sie es mit c-'-em jener plötzlichen Ausbrüche der Empörung zu thun haben, wie er bei unorganisierten Arbeiten häufig ist, und daß die Streikenden froh sein würden, wenn man sie am Montag wieder alle arbeiten lassen werde. Als aber am Montag die Arbeiter an den Fabriken vorbei in das„Arbeiterheim" zogen und hier einstimmig beschlossen, den Streik weiterzuführen, da machten die Herren recht lange Gesichter, noch immer aber gaben sie ihre Sache nicht verloren. Sie trösteten sich damit, daß der Hunger die Arbeiter ba'd in die Fabriken treiben werde. Aber schon die Aus- weise über die großen Summen, d'» die Arbeiter in ganz Oestreich aufbrachten, mußten ihnen zeigen, daß hinter den Brünnern die ganze östreichische Arbeilenchaft steht, bereit, alles daranzusetzen, um ihren kämpfenden Genossen zum Siege zu verhelfen. Mit dem vorige Woche gefaßten Beschluß der Gewerkschaftskommission ist nun auch die letzte Hoffnung der Unternehmer, daß es ihnen gelingen könne, die Streikenden auszuhungern, zu nichte geworden. Jedem or- ganisierten Arbeiter, jedem Socialdemokraten wird durch diesen Beschluß die Pflicht auferlegt, allwöchentlich zu- n, indest fünf Kreuzer für die Brünn er Streikenden zu steuern. Die Einhebung dieser Steuer erfolgt durch die Organisaftonen, gewerkschaftliche und nicht- gewerkschaftliche, und wo bloß eine freie Organisation be- steht, durch diese. Die Organisation hat. ivenn möglich sofort, für ihre Mitglieder den Beitrag für die erste Woche zu entrichten und für die nächste Woche die Beiträge von ihren Mit- gliedern einzuheben. Die Wiener Gewerkschaftskommission hat sich auch an die Prager Gewerkschaftskommission gewendet, und c-5 ist vorauszi'ehen, daß sich diese dem gefaßten Beschluß anschließen wird." In PariS haben in einigen großen Versammlungen die an der Weltaus'" mg beschäftigten Arbeiter beschlossen, eine Lohnerhöhung von 15 Prozent zu fordcnr._ Dcr Putsch Dvroul�des. Paris, 29. Mai. Heute, am gleichen Tage wie die Revisions» Verhandlung über den DreyfuS-Prozeß, begaü» vor dem Schwur- gericht der Prozeß gegen Dsroulöde und H a b e r t. welche am 23. Febniar nach der Begräbnisfeier Faures den General Roget verleiten wollten, nach dem Elysee zu marschieren. Der Zuhörer- räum ist überfüllt, unter den Anwesenden bewerft man Roget, Rochefort, Coppee, Bcaurepaire, Dstaille u. a. Der Vorsitzende verhört zunächst Deroulöde. Dieser bekämpft in seinen Aussagen die Parlamentarier und die Juden; er erklärt, sein Vorgehen sei reiflich überlegt gewesen. Deroulede sucht im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen zu beweisen, daß die Panama- An- gelegenheit, der Fall DreyfuS und der ParlameiftarismuS Franfteich verzehren. Redner spricht gegen die Wahl Loubets und tritt für eine plcbiscitäre Republik ein. Er habe nicht beabsichftgt, die Sol- daten ihrer Pflicht abspenstig zu machen, sondern General Roget mit sich fortreißen wollen. Nach der Rede Deroulödes wurde die Sitzung unterbrochen. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung giebt Havert zu. daß er die Revolution habe herbeiführen wollen, bestreitet aber, die Soldaten zum Ungehorsam aufgereizt zu haben, da er den General ebenfalls mit sich fortreißen wollte.— General Roget, welcher als Zeuge vernommen wird, erftärt, er habe den Eindruck gehabt, daß Dsrouläde auf irgend einen General wartete. Roget erzählt sodann die bekannten Vorgänge. Der Präsident verliest hierauf die Aussage D e r o u l 5 d e S in der Voruntersuchung, in welcher er erklärt, er habe die Soldaten aufgefordert, ihm zu folgen. Nach Vernehmung weiterer Zeugen, deren Aussagen ohne Bedeutung sind, wird die Sitzung um 6 Uhr geschlossen. Mehr- fach werden Hochrufe auf Deroulöde laut. Die rusfisch-finnische Militttrvorlage. Die Militärvorlage, welche die russische Regierung den Finnen aufzivingen wollte, ist, wie über Stockholm aus Helsingfort gemeldet wird, vom finnländischen Landtag abgelehnt worden (Siehe auch politische Uebersicht.) Das vom Landtage an- genommene Gesetz erhöht die Heeresstärke von 5000 auf 12 CK» Mann unter der Bedingung. daß der Wehrpflicht in Finnland genügt wird und daS Heer Finnlands in jeg- licher Hinsicht national verbleibt. Ferner bestimmt die Vorlage, daß die finnischen aktiven Truppen im Kriegsfalle außerhalb des Landes nur verwendet werden düfen, sofern die Verteidigung Finnlands die Anwesenheit der Truppen im Lande nicht erfordert. Endlich wird bestimmt, daß die Land- wehr nur innerhalb Finnlands, evenwell zur Verteidigung Petersburgs, verwandt werden darf. Der Landtag fordert schließlich den Großfürsten auf, eine neue Vor- läge zur Behandlung in gesetzmäßiger Weise vorzulegen, wenn er nicht der Meinung sei, den Gesetzentwurf wörtlich bestäftgen zu können. Man darf gespannt sein, wie Väterchens Regierung die mut- volle Sprache dieses kleinen Vasallen aufnehmen und was sie be- ginnen wird._ Vetzkv Attchvirtzten und Vepeschen» Fünfkirchen, 29. Mai.(W. T.B.) Der Lithograph Hochrein und der Mechankcr G o e p i l wurden wegen Fälschung von Zehugulden- noten, welche sie auf photographischem Wege täuschend nachahmten und in großer Menge verbreiteten, verhaftet. Straubing, 29. Mai.(B. H.) Bei der ReichtagS- Ersatzwahl wurde E s ch i n g e r(C.) gewählt. Wie». 29. Mai.(B. H.) Die Situation ist unverändert. Szell wird erst nachmittags vom Kaiser empfangen werden. Für das zu erwartende Bcamtenministerium wird Statthalter Graf Kielmannscgg als Chef genannt. Wien, 29. Mai.(W. T. B.) Die„Wiener Allgemeine Zeitung" veröffentlicht ein Interview mit einem hervor- ragenden Poliftker der Rechten, welcher erklärte, die Szellsche 'Ausgleichspolitik habe vollständig Bankerott gemacht, auch wenn Thun demisfionieren und Szell bleiben sollte. Thun werde keinesfalls die ungarische Forderung auf Gnind des K 14 ins Leben rufen, und weder hier noch in Ungarn gläube jemand, daß ein anderer noch unbekannter Staatsmann dies thun könne. Sollte dies gleichwohl geschehen, so würde eine derartige Notverordnung nie die Indemnität des Parlaments erhalten; sogar die Obstruktion würde abrüsten, um eine derartige Notverordnung abzulehnen. Brüssel, 29. Mai.(Privatdcpesche des„Vorwärts".) Hier fand heute eine Wahlrechts- Demonstration statt unter Vetheiligang von über 20 000 Personen. Auf dem Stadtplatz sprachen auch Daens und Vandervelde. Trotz gesetzlichen Verbotes marschierte der Zug unter dem Rufe„Demission" zum Ministerium. Hierbei entstand eine Kollision mit der Polizei und Vandervelde wurde durch einen Säbel- hieb unerheblich verwundet. Mehrere Vcrhafftmgen fanden statt. London, 29. Mai.