16. Jahrgang Samstag, 4. Jänner 1936 Nr. 3 Wettlauf mit der Regenzeit die •Dcbarek * Leffie.(Reuter.) Sechs aSkarische Offiziere und zwölf Unteroffiziere sowie 125 Erithäer der italienischen Armee sollen desertiert sein. Dessic.(Reuter.) Der Kommandant der abessinischen Südarmee Nassibu teilt mit, daß die italienischen Flugzeuge die Brunnen in der Nähe von Bullale und Saffabaneb, ungefähr 30 Kilometer südlich von Daghabur beschossen haben. DÄbei seien fünf Abessinier und 19 Kamele getötet worden. Wer wird den Frühlingsfeldzug 1936 gewinnen? Das Ringen um Makalle/ Neue Offensivpläne Grazianis Die Lage an der Nordfroat Schematisch« Darstellung An beiden abessinischen Fronten machen sich ersten Anzeichen der sogenannten»kleinen Regenzeit", des Vorläufers der größeren Regenperiode bemerkbar, die ihrerseits spätestens im April fällig ist. Schon ist der Einsatz von Tanks und Artillerie, selbst die Verwendung der Feuerwaffe stellenweise erschwert und die Erfolge der Abessinier sind nicht zuletzt darauf zurückzufüh- ren, daß sie einem, Feind gegenüberstanden, der genau wie sie selbst nur mit Dolch, Wurfspeer und Bajonett kämpfen konnte. Die Möglichkeit, noch vor dem Einsetzen starker Regenfälle enffchei- Italien beschwichtigt und lügt Der Staatssekretär Suvich hat wegen des Bombardements von Dolo dem schwedischen Gesandten beschwichtigende Erklärungen abgegeben. Auch er behauptet, die Flieger hätten nicht gewußt, daß sie ein Lazarett angegriffen, und zugleich, es habe sich um«ine Strasexpedition gehan- dell— also um etwas Außergewöhnliches, das doch nur durch den rechtswidrigen Angriff auf das Rote Kreuz gegeben wäre, denn eine normale Kriegshandlung ist keine Strafaktion. Es scheine, sagte Suvich, daß«ine in der Nähe des Lazaretts explodierte Bombe die Verletzungen verursacht habe. Es wurde aber mit Bestimmtheit gemeldet, daß die Flieger das Lazarett mit Maschinengewehren beschaffen haben. Die„Hinrichtung" der beiden Flieger hat sich inzwischen in einige»an italienischen Gefallenen und Gefangenen verübte Grausamkeiten" verwandelt. Kundgebung französischer Parlamentarier gegen Italien Paris. Die vier Borfitzenden-Stellvertreter des auswärtigen AusschuffeS der Kammer, der sozialistische Deputierte Longuet, die radikalen Deputierten Guernut und Frangois de Teffan sowie der unabhängige Deputierte Henry Torres haben dem schwedischen Minister für auswärtige Angelegenheiten Sandler eine Depesche gesandt, in welcher sie„den schwedischen Bürgern, den Mitgliedern der schwedischen Mission des Roten Kreuzes, die bei der Ausübung ihrer hohen Mission in Abessinien einem italienischen Angriff zum Opfer fielen, ihre lebhaften Sympathien zum Ausdruck gebracht." Dieses Verbrechen wider das Völkerrecht— heißt es in der Depesche weiter— erinnert an die mwergeßliche Versenkung des Dampfers„Lusitaniä" während des Well- krieges und hat in der ganzen zivilisierten Welt scharfe Verurteilung hervorgerufen. der.sie zu unnützen Blutopfern verleitet, und die Schwierigkeiten der Versorgung größerer'Truppen ohne jeden organisierten Train. Im Süden soll General Graziani zu einer neuen Offensive rüsten und etwa 40.000 Mann, davon 18.000 Italiener zu einem Vor- stoß versammelt haben; darüber, ob der Stoß wieder in der Richtung auf Sasabeneh—Harrar geführt werden soll oder diesmal dem Tale des Juba folgend, an den Ogaden vorbei nach der Provinz Sidamo, gehen die Meinungen auseinander. In beiden Fällen bleibt eine Flanke GrazianiS von der Armee des Ras Desta Damptu bedroht, die ihn schon einmal im Siegeslauf aufgehalten und ernstlich bedroht hat. Daß Graziani wieder aktiv wird, hat er jedenfalls durch die Einnahme von D a g a n e bewiesen, womit er einen wichtigen Straßenknotenpunkt in seine Hand brachte. Beide Offensiven, die abessinische wie die italienische werden nicht unwesentlich von den Ereignissen beeinflußt werden, die sich inzwischen an der Genfer Sanktionsfront abspielen werden. Moral oder Geschäft? Die USA vor einer schweren Entscheidung Washington.(Reuter.) Wie die„Washingtoner Post" erfährt, sind Roosevelt und sein Ratgeber vollständig von dem Gedanken abgekommen, durch ein neues Gesetz über die Neutralität den Präsidenten mit der Enffcheidung darüber zu be- vcllmächtigen, wer der Angreifer sei und wer als das Opfer des Angriffes anzusehen wäre. Das Blatt behauptet ferner, daß das neue Gesetz Wer die Neutralität, daS spätestens am Montag dem Kongreß vorgelegt werden soll, dem Präsidenten auf jeden Fall die Vollmacht verleihen wird, die Ausftihr von Petroleum, Baumwolle, Eisen, Kupfer und anderem Material in die kriegführenden Staaten auf dem Niveau der Friedenszeit zu halten. Jedes Verbot und jede Beschränkung der Ausfuhr, die vom Präsidenten festgesetzt wird, soll unparteiisch gegenüber allen kriegführenden Staaten durchgeführt werden, ohne Rücksicht darauf, ob sie im Rechte sind oder nicht. Wie das Blatt auch erfährt, wurde der neue Gesetzentwurf bereits vom Staatssekretär Cordell Hüll sowie vom Vorsitzenden des Außenausschuffes des Senates Pittman und dem Vorsitzenden des Außenausschuffes des Repräsentantenhauses Mac Reynolds genehmigt. Washington.(Reuter.) Der Vorsitzende des Außenausschuffes des Repräsentantenhauses Reynolds hat der Kammer einen Gesetzentwurf Wer die Neutralität vorgelegt, mit welchem dem Präsidenten der Vereinigten Staaten die Befugnis erteilt wird, ein Embargo auf Kriegsmaterial für kriegführende Staaten zu er- laffen. Auf Grund dieses Entwurfes kann der Präsident der Vereinigten Staaten die Einfuhr von Kriegsmaterial in alle kriegführende Staaten auf ein Quantum beschränken, welches dem normalen Exportdurchschnitt der Friedenszeiten entspricht. Ausgenommen von diesem Embargo sind Lebensmittel und Heilmittel. Ferner wird eine Zusatzbejtimmung ein Verbot finanzieller Transaktionen mit kriegführenden Staaten enthalten. Es verlautet, daß der Entwurf dem Präsidenten Roosevelt auch die Entscheidung darüber belassen wird, auf welches Materialfich das Embargo beziehen soll. Gleichzeitig legte der Vorsitzende des Außenausschusses des Senates Pittman einen analogen Gesetzentwurf im Senate vor. Dieser Entwurf ermächtigt den Präsidenten, ein Embargo auf den gesamten Export in kriegführende Staaten zu legen, soweit er den Export normaler Frie« dcnSzeiten übersteigt. Hacker Obmann des BdL! P rag.(Tsch. P. B.) Im Deuffchen Häufend Freitag die Sitzung der Reichsparteivertretung des Bundes der Landwirte statt, in welcher der disherige Obmann der Partei, LandrsauS- schußbeisitzer Leonhard Kaiser, seinen AmtSvrr- zicht zur Kenntnis brachte. An Stelle Kaiserwürde mit StimMenrinhelligkeit, entsprechend dem Borschlage der Wahlkommission, Gustav Hacker» Bauer aus Podersam, zum Parteiotmann gewählt. Zu Stellvertretern wurden gewählt: Die Landwirte Josef Fiedler. auS Ober-Altstadt bei Trauten««, Alois Patznerin SiebenhSfen bei Bärn,'l,,,, BL.-.—.,. W... Josef Heinz aus Maria-Kulm bei Falkenau. Die Reichsparteivertretung wählte de" bisherigen Obmann Leonhard Kaiser zum E h r e n o b- mann und bereitete ihm und dem neuen Obmann Gustav Hacker herzliche Ovationen. Weitere Racheakte angekündigt Harrar.(Reuter.) Di« ftalienischen Flieger haben über Daghabur eine Flasche mit einer Mitteilung abgeworfen, in der sie versprechen, dqß sie die angebliche Köpfung eines italienischen Fliegers tausendfach rächen werde. dende strategische Erfolge zu erzielen, wird im« Bereinigten Staaten auf der strengen Neutralität| mer geringer und beide Kampfparteien in Ajefhio- beharren werden, bemerkt aber, daß in der Oef- fentlichkeit Amerikas die Abneigung gegen Italien zunimmt. Die Geltung des bisherigen Neutralitätsgesetzes läuft Ende Feber ab. »Oeuvre"(Paris) bemerk, England habe die Washingtoner Regierung diskret ersucht, unter - den verbotenen Ausfuhrgegenständen ausdrücklich! auch Petroleum und Kohle anzuführen. Das Blatt! bemerk, daß Abessinien, welches tatsächlich weder I Petroleum noch Kohle kauft, durch das Verbot nicht betroffen würde, während dasselbe Verbot für Italien eine rasche Beendigung des Krieges zur Folge haben könnte. »Petit Parisien" ist der Ansicht, daß die pien sind bemüht, vor der notwendigem Kampfpause noch möglichst viele Vorteile in ihre Hand zu bringen. An der N o r d f r o n t— der sogenannten Tigre-Front— sind seit Wochen zweifelsohne die Abessinier taktisch und strategisch erfolgreicher gewesen. General de Bono hatte dort seinem Nachfolger einen netten strategischen Pallawatsch eingebrockt, indem er auf der verhältnismäßig schmalen Hochfläche ein Korps nach Makalle und weiter nach Süden Vortrieb, ohne sich um seine Flügel zu kümmern, insbesondere ohne das Hochland'von Tembien und die Stellungen am Takazze zu sichern. Keilförmig sprangen die italienischen Stellungen nach Süden vor, die Etappe wurde immer größer und zuletzt standen von je zehn Italienern neun in der Etappensicherung und nur einer an der Front, die natürlich bei der Ausdehnung, des Kriegsschauplatzes und der Schwierigkeit der Nachschubverhältttiffe nur aus dünnen Postenketten und gelegentlichen ausgebauten Plätzen besteht. Die Abessinier konnten trotz der italienischen Fliegeraustlärung ihre Armeen nahe an der feindlichen Frontlinie versammeln, ohne daß die Italiener festzustellen vermochten, wo der Angriff erfolgen würde. Es gelang den Abessiniern, die italienische Postenkette am Takazze zu durchbrechen, die italienischen Aufnahmestellungen zu Werflügeln und nahe an Alsum heranzukommen, das sie in der Front von Westen her und umfassend von Norden bedrohen. Der nächste Borstoß setzte ebenso überraschend bei AbbiAddi ein, von wo aus die Abessinier versuchen, sowohl sWlich einschwenkend gegenMakalle als auch nördlich gegen die Linie Aksum—Adua vorzugehen, also die beiden italienischen Korps des rechten Flügels und der Mitte zu kennen. Die Truppen des Generals PirzioBiroli waren mindestens zeitweise von ihren rückwärtigen Verbindungen. abgefchnitten, da die Italiener selbst Kämpfe am A b a r o- P a ß, also nördlich von Makalle, auf der einzigen rückwärttgen Verbindungsstraße ihrer Front meldeten. Es muß ins Kallül gezogen werden, daß je weiter B a d o g l i o zurückgeht, desto besser seine Verteidigungsmöglichkeiten werden. Er läßt seine i verstreuten Abteilungen enger aneinander schlie- Adolf Groß aus Hennersdorf und ßen, hat kürzere Verbindungen und ein Wer- sichtlicheS Feld. Aber die Frage ist, w a s er von den vorgeschobenen Abteilungen noch in ein« Ausnahmestellung zurückbringen kann. Die Gefahren! die den a b e s s i n-i s uh e n Truppen drohen, sind ihr eigener stürmischer Angriffsgeist, Unsere junge Generation Zum Verbandstag des Sozialistischen Jugendverbandes Tie deutsche sozialistische Jugendbewegung unseres Landes bückt in diesen Tagen auf ihr fünfzehnjähriges Bestehen zurück. Zwar bestand auch schon vorher eine auf sozialistische Grundsätze ausgerichtete Jugendorganisation, sie wurde aber im Jahre 1920 ein Opfer der Spaltung; der Sozialistische I u g e n d v e r b a n d, der am 5. Dezember 1920 neu gegründet wurde, setzte die Traditionen der alten sozialistischen Jugendbewegung fort. Während der Verband der kommunistischen Mehrheit in wenigen Monaten unter der Wirkung der polttischen Parolenschusterei und des Mitzbrauchs der Jugend für die Spaltungsbeskebungen ein Trümmerhaufen wurde, wuchs die Kraft und die Arbeitsleistung des Sozialistischen Jugendverbandes von Jahr Zu Jahr. Tausende junger Menschen sind in den fiinfzehn Jahren durch seine Reihen gegangen; sie wirken heute in der Partei, in den Gewerkschaften, den Kulturorganisationen. Die Kennt- nisse, die ihnen die Jugendbewegung vermittelte, die klare geistige und moralische Haltung, die sie sich in der Gemeinschaft der Jungen aneigneten» sie sind zum guten Teile in der sozialistischen Gesamtbewegung lebendig geworden, aus deren Entwicklung die sozialisttsche Jugendbewegung nicht mehr wegzudenken ist. Der Sozialisttsche Jugendverband blieb von den Schwierigkeiten, denen die Gesamtbewegung ausgesetzt war und ist, nicht verschont. Die Krise forderte besonders in der jungen Generation ihre Opfer. Biese junge Mensche» haben überhaupt noch nicht den Segen geregelter Arbeit Und festen Verdienstes empfunden. Sie gehen enttäuscht und mutlos ihren Lebensweg, der sie nicht seüen in die Reihen des Faschismus führt. Die polittschen Ereignisse strahlen mit aller Kraft auf die junge Generation aus, die auf sie weniger verstandes- alS gefühlsmäßig ttaj.iti. Es wurde im Lause der Zeit immer schwerer, erfolgreiche Werbearbeit für die sozialistische Jugendbewegung zu leisten und angesichts des Mangels an Mitteln— der Sozialistische Jügendverband ist lediglich auf die schwache wirtschaftliche Kraft seiner Mitglieder angewiesen— noch schwerer, die großen pädagogischen und sozialen Aufgaben zu erfüllen, die sich der Jugendverband gesteckt hat. So ist eS doppelt erfreulich, daß der außerordentliche B e r b a n d S t a g, der am 4. und S. Jänner in Teplitz-Schönau zusammenketen wird, auf eine reiche und vielfältige Arbeit des BerbandeS zurückblicken kann. » Der Komotauer Verbandstag vom Jahre 1934 zeigte einige unerfreuliche Erscheinungen, die darauf zurückzuführen waren, daß sich ein kleiner Teil der Bewegung unter dem Eindruck der politischen Ereignisse in Deutschland und Oesterreich von den bewährten Grundsätzen der sozialistischen Jugendarbeit abkehren und den Verband zu polittschen Beschlüssen veranlassen wollte, die nicht in seinen Aufgabenkreis gehören. Die Enffcheidung über die Fragen der sozialistt- schen Taktik hat die Jugendorganisatton immer der Gesamtbewegung Werlaffen und dies war gut so. Um so eifriger aber hat die Jugendbewegung auf dem Gebiete der polittschen Erziehung gearbeitet, um so ihre Anhänger reif zu machen, über die Grundsätze und die Taktik der sozialistischen Bewegung in jenen Körperschaften mitzu- besttmmen, die zu diesen Entscheidungen berufen sind. Tie Auswirkungen des Komotauer Ber- bandstages waren für die Jugendbewegung schließlich durchaus erfreulich. Sie veranlaßten die Führung des BerbandeS, die bisherige Arbeitsmethode zu Werprüfen und, gestützt auf die vom Komotauer Verbandstag beschlossenen Ar- beits-Leitsätze, dem Verband neue methodische Richtlinien zu geben, die im vergangenen Jahre zu voller Gellung gekommen.sind. Auf einer Tagung des BerbandSvofftandes in N e u- O h l i s ch, die für die Entwicklung unseres JugendverbandeS von allergrößter Bedeutung geworden ist, wurde eine Arbeitsreform beschlossen, die zwar im wesentlichen mif die allen Grundsätze der sozialistischenJugend« arbeit zurückgreift, sie aber den augenblicklichen Verhältnissen anpaßte und vor allem auch entsprechende Folgerungen aus der politischen Entwicklung zog.— Die Presse des JugendverbandeS wurde reformiert. Das bisherige Berbandsorgmi wurde in eine Zeitschrift umgewandelt, die Wer Leit« 2 Samstag, 4. Jänner 1936 Nr. 3 den Kreis der Organisierten Hinauswirken will. Dieses Ziel wurde durch eine technische Ausgestaltung des Blattes, vor allem aber durch die Anwendung einer ganz neuen Terminologie erreicht, welche die Werbearbeit unter allen Jugendschichten» also nicht allein unter der Arbeiterjugend» erleichtert. Zwischen der neuen Zeitschrift und ihren Lesern entstand im Laufe des vergangenen Jahres ein inniges Verhältnis. Es gibt kaum ein Blatt in der ganzen sozialistischen Jugendinternationale» von dem man so wie vom „Jungen Volk" sagen kann» daß es das Blatt der Jugend ist. Die Jugend schreibt diese Zeitschrift zum großen Teile selbst.— Die Reform der Jugendpresse» die wir an erster Stelle"nennen, weil sie den Wandel in der Arbeit der Bewegung sichtbarsten zum Ausdruck bringt, war aber nicht die entscheidende Tat der vergangenen Monate. Viel bemerkenswerter noch ist das„Jahr der Kameradschaft", dessen Durchführung auf den Beschlüssen von Neu-Ohlisch beruht. In diesem Jahre setzte sich die Jugend eine Steigerung ihrer Organisationsarbeit zum Ziel, die weit über das gesteckte Ziel erreicht wurde. Darüber hinaus aber gilt es, den Gedanken der Schicke salsvcrbundenheit aller Jugend sichtbar werden zu lassen, vor allem jedoch die Hilfsbereitschaft der noch Arbeitenden gegenüber den Arbeitslosen in die Tat umzusetzen. Dieses Jahr der Kameradschaft ist durch das Arbeitslager in Hirschberg am See ausgezeichnet, in dem etwa 800 arbeitslose Funktionäre des Jugendverbandes durch einige Wochen hindurch Beschäftigung und Gelegenheit zur gründlichen Schulung bekamen. Darüber hinaus wurden in fast allen Organisationskreis en des Jugendverbandes Kameradschafts-Zeltlager veranstaltet, die ebenfalls der zeitweisen Unterbringung Arbeitsloser, zugleich aber der Werbung unter der Nichtorganisierten Jugend in den Lager-Gebieten dienten. Im Jahr der Kameradschaft wurde die Erziehungsarbeit neu organisiert; der Gedanke des sozialistischen Wettbewerbs hat unter den Mitgliedern des Verbandes begeisterten Widerhall gefunden und alle Arbeitsgebiete erfaßt. Die Steigerung der p ol itis ch e n A r b ei t, deren Leistung im Rahmen des der Jugendbewegung Möglichen für alle Mitglieder des Jugendverbandes selbstverständliche Pflicht ist, ergab sich aus der politischen Situation von selbst: bei den Wahlen stellte die Jugend ihren Mann, sie stand in der Werbung in der vordersten Reihe. Die Intensivierung der sozialen Arbeit, die im Jahre der Kameradschaft ebenfalls erreicht wurde, hat zu einer Verbretterung der Hcimstät- tenaktion und zur Eingliederung der Jugendlichen in das Winterhilfswerk geführt. Das Jahr der Kameradschaft würde abgeschlossen mit einer, mächtigen Versammlungswelle, die der sozialistischen Jugend Gelegenheit gab» ihpe sozialen Forderungen vor einem breiteren, Forum zu vertreten. So tvürtzen alle Zwtige der sozialistischen Jugendarbeit in vorbildlicher Weise betreut und wenn nun der Verband, der eine so vortreffliche Leistung in der schersten Zeit aufzuweisen hat, zur Veranstaltung eines Reichsjugendtages aufrust, kann er sicher sein, daß dieser Reichsjugendtag, der hie Tätigkeit unserer Jugendbewegung in der sinn- und wirkungsvollsten Weise widerspiegeln wird, zum Ausgangspunkt für neue Welche- und Arbeitserfolge werden wird. Zuvor aber hat der Verbandstag di« Richtung der Arbeit neu zu bestimmen, beziehungsweise zu prüfen, ob der bisherige Weg dem Willen der Gesamt-Mitgliedschaft entspricht. Die kommunistische Jugendbewegung, von deren Vorhandensein man praktisch nichts spürt, bemüht sich mft großem Eifer um den Sozialistischen Jugendverband. Sie möchte ihn zur Herstellung einer Einheitsfront bewegen. Zugleich hat die Kommunistische Jugendinternationale ihren bisherigen Grundsätzen in einer Weise abgeschworen, die dem Verrat am Sozialismus gleichkommt: nach den Beschlüssen ihres letzten Kongresses soll die von ihr gewünschte„Einheits"-Jugendbewegung alle Gruppen umfassen, die es überhaupt gibt. Neben den rein kommunistischen sollen es vor allem die sozialistischen, dann aber auch die pazifistischen, demokratischen, religiösen und anderen freien Bünde der Jugend sein. Es ist begreiflich» daß die sozialistische Jugend, die über eine klare sozialistische Ideologie und Dor allem über einen festen organisatorischen Rahmen für ihr Wirken verfügt, ihre erfolgreiche Arbeit fortsetzen will, da sie ja durch die Einheitsfront mit einer ideologisch so ramponierten und organisatorisch nicht existenten Bewegung weder für sich noch für die Klasse etwas gewinnen könnte. In der Zeit, in der die Bewährung der sozialdemokratischen Jugendarbeit so sinnfällig vor Augen tritt» haben die am Sozialismus wirklich interessierten Splittergrüppchen der Jugend nur Auseinandersetzungen In der tschechischen Presse Trotzdem der Ministerpräsident bis zum 16, Jänner auf Urlaub weift und keine politischen Entscheidungen getroffen werden können, ebenso wie alle Verhandlungen über chie Rekonstruktion des Kabinetts und den eventuellen Eintritt neuer Parteien in die Regierung ruhen, find innerhalb her tschechischen Presse lebhafte Polemiken im Gange. Es ist nur natürlich, daß sowohl die tschechische sozialisttsche Presse als auch die Blätter der christlichen Parteien auf das Verhalten der Agrarier bei der Präsidentenwahl zurückgekommen sind und konstatiert haben, daß die größte Partei des tschechischen Lagers eine Einbuße an moralischer Autorität und polittscher Geltung erlitten hat. Allerdings wird bei den sehr realpoli- tisch eingestellten Bettachtungen nicht außer Acht! gelassen, daß die Agrarpartei eine große Partei ist und daß sie schon allein durch die Tatsache, daß der Ministerpräsident ihren Reihen entnommen ist und sie sehr wichttge Ressorts innehat, auch Wetter eine bedeutende politische Rolle spielen wird. Der rechte Flügel der Agrarpartei, de« durch die Person des Cheftedakteurs Branh den ent« scheidenden Einfluß im Zenttalorgan der Partei ausübt, fetzt sich gegen diese Polemiken zur Wehr und behauptet, daß die Sozialisten es waren,' welche in den Verhandlungen über die Präsiden» tenwahl eine Niederlage erlitten hüben, weil es ihre Absicht gewesen war, den agrarischen Ministerpräsidenten zu stürzen und mit einem Minderheitskabinett Srämek die Präsidentenwahl durchzuführen. Die Agrarier hätten dies verhindert und sich dadurch um den Staat verdient gemacht. Branh zittert dazu einen Artikel, den Kra- mät nach der Präsidentenwahl geschrieben hat» worin dieser behauptet, die Agrarier hätten di« Republik gerettet, wie denn überhaupt der rechte Flügel der Agrarier auf die Kramäi-Partei gut zu sprechen ist und den Führer dieser Partei anläßlich seines 78. Geburtstages in auffallender Weise gefeiert hat. Freilich ist die Auffassung über die Polittk der Herren Branh und Stoupal in der Agrar- die Aufgabe, das Wrack ihres Organisationsschiffleins zu verlassen und bei uns einzusteigen. Die Frage der politischen Ein« beitsfrontaber wirdnicht von der Jugendbewegung gelöst werden, sondern von dersozia- listischenGesamtbewegung. Der außerordentliche Verbaüdstag will auch durch seine äußere Aufmachung zum Ausdruck bringen, daß er, ähnlich wie die ganze Tätigkeit der sozialisttschen Jugendbewegung in der Be- richtszeit, lediglich auf sachliche Arbeit gerichtet ist. Er verzichtet auf alles schmückende Beiwerk und will Raum schaffen für ein« breitere Aussprache der Jugendfunktionäre. Wenn sie im Geiste des Jahres der Kameradschaft erfolgt und sich seine Beschlüsse nicht von den Grundsätzen foxtbewegen, auf denen es fußte, muß man um die sozialistische Jugendbewegung keine Sorge habend Die Gesamtbewegung, die alle Ursache hat, dem Sozialistischen Jugendverband für seine wunderbare Leistung dankbar zu sein, grüßt den Berbandstag, von dem sie erwartet, daß er zu einer weiteren Stärkung und Vertiefung der Jugendarbeit, vor allem aber zur Verbreiterung der Organisation beittagen wird. Partei keine einheitliche und es finden sich Stimmen, welche die Schreibweise des„Venkov" scharf kritisieren. So schreibt das Blatt„Brazda", es müsse mit Schmerz festgestellt werden, daß das Zentralorgan der Agrarpartei nicht auf der Höhe der Situation gewesen ist. Geist und Voraussicht seien in dieser Presse zu vermissen gewesen und man könne auch nichts anderes bei dem Regime erwarten, das seit dem Vorjahre den„Venkcv" führt. Im Interesse der ganzen Bewegung wäre es, wenn die Partei im„Venkov" Ordnung machen würde. Die Stellung der katholischen Parteien, welche in ihrer Presse die Angriffe der Agrarier energisch zurückweisen, hat sich seit der Präsidentenwahl zweifellos gebessert. Insbesondere der Führer der. tschechischen Vollspartei Srämek Hai bei der Wahl gezeigt, daß er keineswegs gewillt ist, sich dem Diktat der Agrarier zu fügen. Die Präsidentenwahl hat auch M einer Annäherung der katholischen Parteien geführt und die Tatsache, daß an der Spitze der Regierung ein Slowake steht, hat auch Hlinka versöhnlicher gestimmt. Die Bildung eines katholischen Blocks würde die Stellung der Agrarpartei weittr schwächen und da ist es kein Wunder, wenn die Agrarier mit besonderer Feindschaft gegen die katholischen Par- teien losziehen. Man muß die Polemiken in der tschechischen Presse verfolgen, aber sie nicht allzu ernst nehmen. Die künftige Innenpolitik hängt davon ab, wie die kommende Regierung ausschauen wird uick> darüber wird man Wohl erst in per zweiten Hälfte des Monats reden können, wenn der Ministerpräsident zurückgekehrt ist. Marsarlne-Absabe? Schon seit längerer Zeit bemüht sich das Finanzministerium, die Regierung zu einer Abgabe auf Kunstfette zu bewegen, die 15 Heller pro Kilogramm bettagen soll. Außerdem sollen 50 Heller pro Kilogramm dafür gezahlt werden, daß von der Verpflichtung einer Beimischung von fünf Prozent Schweinefett in das Kunstfett Abstand genommen werde. Das„Prävo Lidu" nimmt gegen diese geplante Steuer Stellung und erllärt, daß 1. eine Abgabe von 65 Heller pro Die Präser Deutsche Arbettersenduns bringt in der kommenden Woche: Sonnt a g, den 5. Jänner, 14 Uhr 80 bis 14 Uhr 46: Rechtsschutz der Arbeitslosigkeit(Dr. Paul Ehrlich); Mitt wo ch.den 8. Jänner, 18 Uhr 26 Bis 18 Uhr 40: Junge Generation im demottatische« Wiederaufbau(Karl K e r n- Troppau); Freitag, den 10. Jänner, 18 Uhr 35 bis 18 Uhr 45: Aktuelle zehn Minuten; Sonntag, den 12. Jänner, 14 Uhr 30 bis 14 Uhr ' 45: Lernet tschechisch!(Franz Müller- Langugest), Kilogramm zu hoch ist und daß in keinem Falle die Konsumenten belastet werden dürfen, st. Die Angelegenheit der Margarineabgabe gehört vors Parlament und darf nicht durch'eine Regierungsverordnung gelöst werden. 3. Es kann keine Rede sein von der Einführung einer Margarineabgabe» solange nicht die ganze Margarinewirtschast einer Neuregelung unterzogen wird. Insbesondere muß das Kontingent neu festgesetzt werden, wobei eine Erhöhung gemäß den Anträgen des Fürsorgeministers Necas auf 7500 Waggons eintreten müßte. Steuerüberwälzun-Sverbot auf ein weiteres Jahr aufgeschoben. Durch Regierungsverordnung wird das im Paragraph 17 des Gesetzes über die direkten Steuern ausgesprochene Steuerübet- wälzungsverbot um ein weiteres Jahr, d. i.' bis 1. Jänner 1937, aufgeschoben. Die von den Unternehmern über das gesetzliche Maß hinaus für ihre Angestellten geleisteten Krankenkaffenbei- ttäge, Steuern etc. bleiben also— soweit es sich um Angestellte mit einem Bruttoeinkommen von höchstens 60.000 K£ jährlich handelt, auch im heurigen Jahre bei der Bemessung der Steuergrundlage des Unternehmers eine abzugsfähige Post. Sowjetaußenhandel«mgrnppiert. Englische Blatter verzeichnen eine Neuregelung des Sowjetaußenhandels, die darauf hinausgeht, den grötze- ren Inlandsbedarf infolge der Lohnsteigerung ausreichend zu decken. Darum wird die Ausfuhr von Früchten, Fischen, Tabak, Molkereiprodukten, künstlichem Gummi, Kleidungsstücken, und Baumwolle teilweise verboten, zum Teil eingeschränkt. Die Ausfuhr soll aber auf gleicher Gesamthöhe erhalten werden durch stärkeren Export von Maschinen, Kohle und Jndusttieprodukten. Der vor einigen Jahren sehr fühlbare Mangel an diesen Dingen ist infolge der gesteigerten Produktion geschwunden,, so daß trotz. einem stärkeren Export auch; der Inlandsbedarf vollkommen befrreoigt werden kann.’" London.(Reuter.) Dir Regierung hat beschlossen, daß sich der Minister für auswärtige Angelegenheiten E d r n an sämtlichem Tagungen dcS Völkerbundes beteilige. Kairo.(Havas.) Die Studenten von Kairo veranstalteten neuerlich Demoustrattonen und bewarfen die Polizei mit Steinen, welche sie mit Knüppeln auseinandertrieb. Auf beiden Seiten gab es eine große Zahl Leichtverletzter. UNSER GESICHT 40 Raman Karl ftyn Copyright by Bugen Prager-Verlag, Bratieluea Der alte Schropp lebt von nun an fast ausschließlich auf der Ofenbank. Er ißt, schläft und träumt dort. Ich weiß nicht, ärgert ihn etwas oder fühlt er sich so überflüssig oder geht es mit ihm zu Ende... Dreizehn karge Kinderjahre, vierzig harte Grubenjahre und zehn hoffnungslose Jahre mit halbem Gesicht! Wirklich, es wird langsam Zeit für ihn zum Gehen... Der alte Raab hat ihn auch verlassen. Er wird überhaupt nie mehr kommen. Eines Morgens fand ihn sein Weib so fest schlafend im Bett, daß sie ihn nicht mehr erwecken konnte... Er war Schropps einziger Freund, trotzdem sie oft halbe Tage lang beisammen auf der Ofenbank saßen und nicht über zehn Worte hinauskamen. Wir sind acht Stunden täglich im Berg; also ein Drittel unseres Lebens. Im Berg ist unser Leben nützlich und stark, wenn auch nicht menschlich. Die übrigen zwei Drittel unseres Daseins sind wir Zuschauer. Unsere Kümmerlichkeit läßt uns nicht los. Sie läßt uns nicht aus uns heraus und uns freuen. Wir wissen mit uns selbst nichts anzufangta, wenn wir nicht arbeiten. Selten nur gehen wir in den Wald oder über die sonnigen Wiesen, um frei atmen zu können. Und wenn schon, so sehen wir in allem nur die kalte Selbstverständlichkeit und gehen an der Schönheit achtlos vorüber. Unser Denken ist zu arm und zu unpersönlich, um sie zu erfassen. Nur in manchen kurzen Momenten blitzt die Erkenntnis in uns auf: wie schön ist doch die Welt! Dann sehen wir in ein wunderbares Gemälde, wo alles gut und schön ist und halten uns ganz ruhig, um nicht uns selbst zu fühlen, und schweigen, um nicht mit der eigenen Stimme das feine Gespinst zu zerreißen; denn wollten wir uns selbst hineinstellen, so würden die hellen Farben durcheinanderrinnen zu schmutzigem Grau... Es ist Sommer geworden. Auf der kahlen Tegelhalde stehen einige magere Birken. Unter eine habe ich mir eine kleine Bank gezimmert Ringsherum blühen zwischen spießigen Gräsern hellgelbe Königskerzen. Hier sitze ich oft stundenlang. Manchmal ist auch Martha da. Zittert die warme Luft über das karge Gelände, überkommt uns mit ganzer Wucht unsere Armseligkeit Dann rücken wir eng zusammen, daß wir den gegenseitigen Atem in den Gesichtern fühlen. Eine bange Hoffnungslosigkeit durchschauert uns und die Frage, die wir fürchten und nicht beantworten können, taucht wie ein höhnisches Gespenst vor uns auf: Was soll aus uns werden?— Wir sind nicht imstande, uns selbst eine Zukunft zu machen. Wir werden das sein müssen, was sie mit uns vor hat Zukunft! Wie viel legte ich in dieses Wort und wie stolz, glaubte ich als Student, werde ich einmal darauf sein können! Und jetzt— Wir werden uns heiraten, in der„Rolle“ ein stickige Wohnung haben und Kinder kriegen. Zwei, drei.vielleicht gar mehr, und ich werde Kohle machen, immerfort, bis ich nimmer kann oder erschlagen werde... So will es unsere Zukunft! Und ich fluche und saufe und strolche mit meinem Mädchen abends im„Eden“ herum, um nicht aus dem Rahmen zu fallen, und lache über mich selbst, um meine dumme Sehnsucht zu vergessen. • Unser Breitpfeiler macht sich gut. Tut er so weiter, so zwingt er Uns, eine Art Sterbekasse anzulegen, damit wir nicht unserer Um- und Nachwelt zur Last fallen. Er benimmt sich wie ein sadistischer Würger. Nicht, daß er uns direkt umbringt; es wäre ihm zu undelikat und er käme dabei um die Freude, unser Gestöhne zu genießen. Auf Martin Bühels warf er wie ein boshafter Junge ein Stück Kohle, knapp am Kopf vorbei, mit der Absicht, ihm den rechten Arm abzuschlagen, und Uhu deckte er mit einem Teil seines Oberflötzes zu. Bei Uhu hatten wir eine Stunde Arbeit und er selbst durfte mit einem tüchtigen Nervenschock und verschundenem Körper noch allen Göttern danken, daß es nicht mehr geworden war. Als wir ihn herauszogen, hatte ich das Gefühl, er habe nicht einen einzigen festen Knochen und keinen Tropfen Blut mehr in sich, so schlapp machte ihn der erlittene Schreck. Er mußte dafür acht Tage zu Hause bleiben, weil er die fixe Vorstellung hatte, jedes geringste Geräusch sei fallende Kohle. Erst einige Wochen später kamen die eigentlichen Folgen zum Vorschein. Er braucht nur die Arbeit aus den Händen lassen, so ist er auch schon weg und schläft trotz heftigster Gegenwehr ein. Das schafft oft köstliche Situationen. Es passiert, daß sein Kopf mit vollem Mund bei der„Spreize“ plötzlich zu pendeln anfängt, so lange, bis das Brot zu weit nach hinten gerutscht ist und der arme Kerl fast erstickt. Obzwar das sehr traurig ist, müssen wir doch lachen. Wir können uns einfach nicht helfen. Uhu tut dabei das Dümmste: er schämt sich. Die Kohle muß irgendwie sein Schlafzentrum verletzt haben und daran, fürchte ich, wird Uhu wohl sein ganzes Lehen lang zu leiden haben. Rohling, Uhu, Hell und ich bilden die Küre hundertsechsundsechzig. „Ausgerechnet hundertsechsundsechzig!“ brummt Rohling. Sein Aberglaube sträubt sich gegen jede unschuldige Zahl, die irgendwie mit dreizehn zusammenhängt. Abgesehen davon sind wir so ein richtiges Kleeblatt und Lorett hat nicht unrecht, wenn er sagt:„Der Teufel selbst könnte euch nicht besser Zusammentragen!“ Nr. 3 SamStag, 4. Jänner 1936 Seite 3 fudetendeu fedicr Zeifepie^el »» • Engen Prager Verlag, Bratislava. die sozialen Spannungen entladen, in Mitteleuropa »aufeinander prallender »die einen ausweglos im Nationalismus erzeugt". Verbindlichkeit des Kollektivvertrages ftlr die Porzeilanindustrie Nach längerer. Verhandlungen ist zwischen dem Verband der Glas- und Keramarbeiter- und Arbeiterinnen mit dem Sitz in Tcplitz-Schönau und dem Arbeitgeberverband der Porzellanindustriellen eine Einigung über die Ällgemeinver- vinölichkeit des derzeit bestehenden Kollektivvertrages für die Porzellaninduftrie zustande gekommen. Ende des Jahres 1938 wurde von diesen beiden Organisationen an die zuständigen Ministerien eine Eingabe gemacht, in welcher der Antrag auf Herausgabe einerRe- gierungsvrrordnung über die Verbind! ich k eit s erklärung des Kollektivvertrages für die Lsl. Porzellaninduftrie gestellt wird. DieZwansskartellieruns Bevorstehende Regierungsverordnung für die Glasindustrie Ueber die Grundgedanken der Regierungsverordnung, durch welche die Verhältnisse in der gesamten Glasindustrie geregelt werden sollen, verlautet, daß sie die Selbständigkeit der Industrie mit einem hinreichenden Einfluß der Staatsgewalt verbinden werden. Die Zwangsregelung, welche die Form eines Kartells tragen dürfte und mit der Einführung des numerus clausus verbunden wäre, kann diktiert werden, wenn eine Mehrheit der Produzenten— wenigstens 70 Prozent— sich für diese Maßnahme aussprechen und sie würde sämtliche Betriebe der Glasindustrie erfassen. Die Tätigkeit der Zwangsorganisation wird sich auf alle Fragen erstrecken, die mit der Produktion, der Einfuhr und der Ausfuhr zusammenhängen. Vorsorge getroffen wird auch für die Regelung strittiger Fragen und ein Schiedsverfahren, ferner für den Schutz der kleinen Erzeuger. Die Aufsicht des Staates wird ein Regierungskommissär ausüben. des Wachstums des Industrieproletariats, die Nichterfassung von Landarbeitern, Angestellten und vor allem der Mittelschichten, der Brudcrftreit innerhalb der deutschen Arbeiterschaft, das Fehle- einer republikanischen Wehrmacht. Der Mittelstand, der^als ein aktives Element in die Politik eintrat, Hie rebellierende Jugend, die politische Abdankung des Bürgertums, die Hilfe der Bauernschaft, das Bündnis mit den Junkern hat den Ra» tional'ozialismuS zum Siege geführt. Aber die soziale Entwickluirg steht nicht still, die Revolution geht weiter. Groß- grundbesit, und Großindustrie wirken entvölkernd, von der Landwirtschaft allein kann Deutschlands Bevölkerung nicht leben,»jeder weitere Fortschritt in der Welt" bleibt verbunden mit»einer Ausweitung des industriellen Schaffens". Ohne Jy- dustrie keine Aufrechterhaltung des Wohlstandes, keine höhere Kultur. Weder dürfen die Exportinteressen der deutschen Schwerindustrie, noch die Dauern dem Großgrundbesitz geopfert werden I Die Liquidierung des Feudalismus ist aus wirtschaftlichen und machtpolitischen Gründen notwendig, di« Bauern müssen so fi'ir den sozialen Fortschritt gewonnen, ein neues Verhältnis ton neuen Suche des Genossen Wenzel Jaksch Generation sozialistischer Men- IArbeitern und Bauern ist zu schaffen. „Die SdP hat mit der Ankündigung der Aussiger Parteitage- wieder bewiesen, daß sie di« Totalität auf allen Gebieten im Sudetendeutschtum an strebt. Was nicht mit ihr gehl und nicht in ihrem Geiste geschieht, will sie verfemen. Dgzu hat sie aber kein Recht, auch wenn sie sich noch so oft auf die Wählermaffen beruft, die ihr gefolgt sind, lieber den Totalitätsan sprächen einer politischen Partei oder Bewegung steht danatürliche und göttliche Sittengesetz. Und über dem iHerrschersvillen einer Partei steht das Wohl de- .. gesamten Dolles, dessen vielgestaltiges Geistcs- und Kulturleben man nicht uniformieren und monopolisieren darf, wenn man es nicht ersticken und zertreten will. Die SdP geht gefährliche Wege, an denen die Irrlichter des Totenmoores flattern. Wir wollen nicht, daß unser Volk im Moor versinkt. Darnm warnen wir." Diese fortschreitende Erkenntnis der Christlichsozialen erscheint uns als überaus erfreulich. Und es müßte schon mit dem Teufel zugehen, wenn nicht immer größere Schichten der Sudetendeutschen solche Warnungen zu beherzigen begännen l eine anerzogene, nicht angeborene Untertanengesinnung zu besiegen." Dem zusammenbrechenden Kapitalismus kann nicht mit Rüstungen, sondern nur durch eine neue gesellschaftliche Ordnung begegnet werden. Es gibt daher nur eine Volksgemeinschaft, die in die Zukunft weist, nämlich»die Eingliederung der ganzen Nation... in ein sinnvoll geordnetes System der Gütcr- erzeugung und Verteilung". Nur der So- zialismusvermags odemdeutschen Nationalbewußtsein einen positiven Inhalt zu geben. Mit dem neuen Deutschland muß das neue Europa erstehen! Das ist ungefähr der Gedankengang des Buches des Genoffen Falsch. Es ist stilistisch glänzend geschrieben und vor allem es spricht d i e S.P r a ch e d e r G e a e n w a r t«. es leitet die Aufgaben des Sozialismus aus dem Chaos der Gegenwart ab, es strebt aus dem kapitalistischbarbarischen Chaos ,zü sozialistisch-mensckllickier Ordnung. Dieses Bucki ist-nicht das letzte Wort zu den Problemen des Sozialismus"unserer Zeit/ es wird anregend wirken, vielleicht im einzelnen auch zu manchen; Widerspruch anregen. Es ist eine Betrachtung unteres Kampffeldes vom Flugzeug aus und wir werden auf die Erde steigen mhffen, um näher zu sehen, wie und aus welchen Wegen sich unser Vormarsch bewegen wird. Und auch die Weghinderniffe schauen mif der Erde oft ander? aus als aus der Höhe. Aber wir erhalten doch von hoch oben einen Ueberblick über das Kamvffeld, auf dem es sich entscheiden wird, ob das Abendland untergehen oder ob es neu erstehen wird im Zeichen des Sozialismus! E. St. „DasV o l k", in Jägerndorf erscheinendes Tagblatt der Christlichsozialen, leitartikelt heftig gegen die SdP und deren für Auffig geplante „Parteitags"-Aufmachung. Wir zitieren zwei Stellen: „Wenn man dies« Ankündigung liest, dann kommt einem unwillkürlich der Gedanke: Reichsdeutsches Muster, Marke Nürnberg. Zuerst die Mittel der Propaganda: Musik, Theater, Ausstellungen. Ganz Nordböhmen wird ^dabei Mobilisiert. Dann ein Massenaustkieb.'Wdzn's '„^ontgö Henlein sprichfE!""DazMscheke Hkki^ gewaltige und ernst« Arbeitstagung, rin Rechenschaftsbericht an das Vertrauen des Bolles". Worin wird dieser.Rechcnschaftsbericht bestehen? Wie wird die Bilanz der bisherigen Polstischen Tätigkeit in diesem Rechenschaftsbericht ftisierl sein? Million Wähler haben der Politik Henleins im Mai v. I. ihr Vertrauen geschenkt. Was bringt ihnen Henlein an positiven Erfolgen auj seiner Politik? Ergebenheitstelegramme, Loyalitätskundgebungen, große Versöhnungsreden. Und als Antwort auf diese Politik des Knierutschens: Vermehrtes Mißtrauen, nicht mißznverstehende Abweisungen, vollständige Isolierung." Hinter unr steht einer..? Was kein Reglerunssvertreter hörte Am 19. Dezember, in einer SdP-Versamyr- lung in H i r s ch f e l d bei Franzensbad ließ der Referent, Herr Ingenieur Fischer aus Franzensbad, unter anderem folgende Perlen fallen: „Wir fürchten uns nicht; hinter nnS steht einer,' der die' Sndelendentsche Partei kennt, nicht einer mit einem Fünfmillionenvoll, sondern mit einemSiebzigmillionen- volk; und das ist Deutschland!" Herr Fischer lvollte zweifellos„H i t l e r" sagen; aber seine Zuhörer haben ihn auch so ber- Christlichsoziale scharf gegen SdP Der Aussiser Parteitag„Marke Nürnberg“ deutschen Freiheits- kampfeS auf, dem Jaksch mit Recht ein ganzes ' Kapitel widmet. Die Arbeiterschaft braucht Bun- i desgenoffen— ohne die Mithilfe der Mittelschichten kann der sozialistische Ausweg nicht gefunden ! werden. Die Mittelschichten brauchen die Arbeiter? wie das industrielle PrmKanat die Ättiel- ! schichten braucht. Alle isolierten Bauernparteien sind geschlagen worden, in der Tschechoslowakei, wc Svehla die Zusammenarbeit mit den Sozialisten begonnen"hat, hat die Partei der Bauern sich erhalten und nimmt mit an der Macht teil. Es ist die Aufgabe der Sozialisten, das„dumpfe antikapitalistische Drängen...zu klarem sozialistischen Wollen zu gestalten". Der Sozialismus muß über die industrielle Arbeiterschaft hinaus eine Volksbewegung werden, will er siegen! Gerade der deutsche Sozialismus hat große europäische Aufgaben.„Menschlichkeit, Freiheits- und Fortschrittsgesinnung sind im deutschen Volke ebenso daheim wie bei seinen besten Nachbarn. Sie haben es nur schwerer, durchzustoßen durch- die Ablagerungen der Geschichte und Das neue Kampffeld Zu einem Die heutige,_ scheu sieht unter dem unerhörten Eindruck der ge-^Aus dem Machtinstrument einer waffenstarren- waltigen Umwälzungen, die sich in der Well in den Minderheit ist das Reich umzuschaffen in einen den letzten Jahren vollzogen und die zu den er- Organismus der zielverbundenen Zusammen« schütternden Katastrophen des deutschen und öfter- arbeit der tragenden Schichten der werftätigen reichischen Sozialismus geführt haben. Diese Volksmehrheit." schmerzlichen Erfahrungen ebenso wie die neuarti-| Diese Feststellung rollt das Bündnis« gen sozialen Folgeerscheinungen der Weltkrise Problem des machen eine Ueberprüfung, e i n n e ü e s Dur ch- denken der Probleme de rsozialisti« schen Politik erforderlich. An diese Prüfung schreitet man in der sozialistischen Be wegung mehrerer Länder, in Belgien ebenso wie in den Niederlanden, in Schweden wie in Däne mark, in der österreichischen wie in der deutschen Emigration. Unter den Rufern nach einer Aus wertung der Weltereigniffe der letzten Jahre für j die sozialistische Politik, nach einer Einstellung unserer Politik in die Line der Entwicklung in mitten des wirren Chaos unserer Zeit, erscheint nun auch Genoffe Wenzel Jaksch mit seinem Buch„Voll und Arbeiter".* Fälschens Buch ist einBersuchderAbta st u ngdesneuen Terrains, auf dem wir unsere künftigen Schlachten zu schlagen haben— der Erkundungs ritt einer Kavalleriepatrouille in der Richtung gegen den Feind, ein Ueberblick über das Gelände, das wir kennen müssen. Jaksch stellt zunächst fest, daß die dritte Sozialistengeneration auf ein m völlig veränderten Schauplatz kämpft und die große Aufgabe hat, die sozia listische Lehre auf ein anderes Zeitbild anzupas sen. da jede Generation den Glauben an den So zialismus nur aus der Zeit schöpfen kann, in die sie gestellt ist. Diese Aufgabe ist eine synthetische: der Sozialismus muß die verbindende Kraft wer den, welche die auseinanderbrechende Welt zusam- meuhält. Einer Welt, die sich gewaltig geändert hat. Auf die polittsche Meinungsbildung der heute Lebenden-hat zunächst das Kriegserlebnis eingewirkt, das die Büller gegeneinander mit Mißtrauen erfüllt hat. Dazu kommen unerhörte technische Umwälzungen, ein Fort schritt, der aber die Maffenarmut vermehrt hat. „Ein gewaltiges Plus an technischer Akttvität" steht„einem verhängnisvollen Minus an sozia-. ’Tre Konstruktivität gegenüber". Gerade-Mit teleuropa ist von diesen Erscheinungen tief beeinflußt. In Deutschland ist die Folge des KriegsausgangeS ein verkrampfter Nationalismus geworden und Deutschland hat durch die Krise auch außerordentlich gelitten. Das Land hat keine Aus- brritungsmöglichkeiten, müssen sich nach innen hat sich ein Strudel Krasiströme" gebildet, Kreise galoppierenden Das jetzige Deutschland will durch die Aufrüstung seinen Platz unter den europäischen Völkern sichern, aber je größer seine militärische Kraftanspannung, destogrößerdie E e g e n k o a l i t i o n, die es in Europa isoliert. Nicht Wehr und Waffen kann Deutschland dauernd sichern, sondern eS muß„um seinen Platz in Europa ringen durch die ausstrahlende Kraft gro ßer sozialrevolutionärer Leistung". Nickt der deutsche Militarismus, sondern der deutsche So zialismus kann die Welt erobern. Wie soll das aber nach der Niederlage der durch Jahrzehnte größten und beswrganisiertesten sozialistischen Partei geschehen? Zuerst gilt es aus diesem Rückschlag, den der internatiqnale Sozialismus erlitten hat, zu lernen. Und es gibt da sehr viel zu lernen: Die Ver- kennun« der Entwicklungstendenzen in der Land wirtschaft, wie sie in einem Teil der deutschen____ Sozialdemokratie üblich war. die Ueberschätzung ftanben., Und'wix hxsgjeichen, Änd"wir"vechehen CD-Xu° wohl auch jenen weiteren Passus aus der j Rede dieses denkwürdigen Herrn: „Und wenn sie uns in der Tschechoslowakei nicht zur Geltung kommen lasse« wollen, dann werden wir in rin Chaos hinrintteibrn!" Schließlich gab Herr Fischer auch seiner Ueberzeügung Ausdruck, daß der Tag kvmnren werde, an dem es in den deutschen Gebieten keinen tschechischen Postbeamten und keinen tschechischen Gendarmen mehr geben werde; nämlich an dem Tage,„wo wir, die SdP, die Macht bekommen werden!" Das mit der„Macht" scheinen Herrn Fischers Pg. besonders gut verstanden zu haben; denn nach diesem Satz klatschten sie am lauresten Beifall. Es ist gut, daß in dieser Versammlung auch einige Leute anwesend waren, die all das aufschrieben und uns mitteilten. Und bemerkenswert, daß in dieser Versammlung kein Regierungsvertreter anwesend war; denn wäre einer dort gewesen, dann hätte Herr Fischer wohl anders gesprochen und hätte sich um einen neuen.Loyali- täts"-BeweiS seiner Partei bemühtI Wir sind also gar nicht böse, wenn die Herren des öfteren unter sich allein zu sein glauben. Denn da erfährt man von ihnen die Wahrheit, die sie meinen. ser Vertrag, welcher derzeit bereits für 22 Betriebe der Porzellanindustrie mtt 8380 Beschäf- tigten Gültigkeit hat, soll durch die beantragte Regierungsverordnung für weitere 16 Porzellanbetriebe und neun Porzellanmalereien mit zu- sammen 2560 Beschäftigten Verbindlichkeit erlangen. Nelson-Gedenkfeier In Ossek Ossek.(Tsch. P. B.) AuS Anlaß der Wiederkehr des Tages, an welchem sich im Jahre 1934 die große Grubenkatastrophe im Nelsonschacht ereignet hatte, der bekanntlich 142 Menschenleben zum Opfer gefallen sind, wehten Freitag von den Häusern der Stadt Trauerfahnen. Bei den beiden Nelson-Denkmälern und auf dem Friedhof wurden Trauerkundgebungen veranstaltet und Kränze niedergelegt. Nachmittags ertönten zur Stunde der Katastrophe von den Schächten„Nelson", „Alexander" und„Bihl" die Sirenen. Dreiviertel der Gruben sind wiedergewäl- tigt, doch der schwerste Abschnitt, in welchem man die noch nicht geborgenen neunundsiebzig Toten finden wird, werden erst jetzt in Angriff genommen werden können. In den bisher wiedergewäl- tigten 55 Abschnitten werden Arbeitsstrecken im Längsausmaß von zusammen 70 Kilometer gerammt, hergerichtet und gesichert; 110 neue Wettertüren sind eingesetzt, die Zimmerung ist erneuert worden und heute sind bereits wieder 200 Bergarbeiter in der Grube im Dienst. Einvernahme Dr. Lehmanns Stellungnahme gegen Hltlerdeutschland Mähr.-Ostra«. Nach der Eröffnung der frei- tägigen Verhandlung gegen Dr. Patscheider und Genossen schritt der Senat zur Einvernahme des 55jäh- rigen Professors Dr. Emil Lehmann aus Reichenberg, dessen in dem bekannten„Sonder befehl" unter den führenden Persönlichkeiten genannt wird. Der Angeklagte erklärt, er sei Mitglied der Deutschen nationalsozialistischen Partei und hieraus Mitglied der Deutschen Nationalpartei gewesen. Der „Bereitschaft" gehörte er nicht an. Bereits lange.Zeit vor dem Kriege war er auf kulturellem Gebiet tätig und nach dem Entstehen der Republik half er beim Ausbau der kulturellen Tättgkeit im Rahmen der »Gesellschaft für deutsche Volksbildung" Er berichtet über sein« ausgedehnte Bildungstätigkeit, bemerft jedoch ausdrücklich, daß er niemals politisch tätig gewesen sei. Seine kulturelle Tätigkeit bracht« ihn in Beziehungen zu den hervorragenden Persönlichkeiten des kulturellen Leben? in her Republik Mh im Auslande. Bon dem„Sonderbefehl" stzrichj der Angeklagte als von einem unglückselige Konzept, das er erst bei Gericht gelesen habe. Er legt darauf einen Brief vor, in welchem er di« Mitarbeit an der Zeitschrift»Der Weg" absagte. Hierauf berichtet er, daß er über den Beitritt der„Gesellschaft für deutsche Volksbildung" zum internationalen Verband in London verhandefte. Er erklärte ausdrücklich, daß die Beziehungen der genannten Gesellschaft mit Deutschland aus der Zeit vor dem nationalistischen Umsturz basieren; mit Deutschland in seiner heutigen Form stimme er nicht überein. Dr. Lehmann gab noch zu verschiedenen ihm vorgelegten Schriften Aufftärun- gen. Die Verhandlung wurde hierauf auf Dienstag, den 7. Jänner, vertagt, wo das Verhör Dr. Lehmanns fortgesetzt und die Einvernahme des Jng. Staffen aus Prag begonnen werden wird. „Juden raus!“ In Moldau Exzesse Tetschener Wintersportler Am Silvester-Tage befanden sich m dem als Wintersportort bekannten Moldau im Erzgebirge viele Sportler auch aus der weiteren Umgebung, u. a. auch eine Gruppe von etwa zehn Personen aus T e t s ch e n, durchwegs Mitglieder des Schwimmvereins.Hellas", imtei ihnen die Herren Steczek jun. und Schwarz jun.» natürlich auch jüdische Sportler. Der Abend vereinigte im Gasthaus„Freundschaft" viele Besucher, wo sowohl im Speisesaal wie auch im Tanzsaale starker Betrieb herrschte. Schon in den Abendstunden waren einige jüdische Gäste Gegenstand rüder Anpöpe- langen durch die Tetschener„Hellas"«Leute, wobei sich der 28jährige und verheiratete Sohn des als seriös und solid bekannten Tetschener Konfektionärs Steczek besonders hervortat und sich in Hitler-Manieren gefiel, obwohl sein Name auch alles andere, nur nicht auf germanische Herkunft schließen läßt. Kurz vor Mitternacht war einer der jüdischen Gäste Zeuge eines Gespräches der„Hellas"- Leute und hörte, wie einer von ihnen sagte:„d i e Juden müssen hinausl" Schlag 12 Uhr betraten dann auch etwa acht dieser Herren den Tanzsaal» die Röcke ausgezo- gen, die Hemdärmel hochgekremprlt— und brüllten im S P r e ch h o r, immer wiederholend: „Juden rau s!"„Juden rau s!" Um es nicht auf eine arge Schlägerei mit den zu allem fähigen völkischen„Sportlern" ankommen zu laffen, verließen die jüdischen Gäste das Lokal und erstatteten bei der Gendarmerie di« Anzeige. Hoffentlich bringt den völlischen Recken das zuständige Gericht die Erkenntnis bei, daß Moldau noch nicht jenseits der Grenze liegt. Seite 4 Samstag, 4. Jänner 1836 Nr. 3 Einbrecher mit eigenem Auto Ein sater Fang in Kuttenplan Am Silvesterabend gelang es der Egerer Fahndungsabteilung der Gendarmerie, in Kuttenplan den Schwerverbrecher Lyberka zu verhaften, der neben einer Reihe großer Einbrüche wahrscheinlich auch einen M o r d aus dem Gewissen hat. Lyberka hatte sich verdächtig gemacht» als er in Eger seine Geliebte mißhandelte. Die Gendarmerie kam bald dahinter, mit wem sie es zu tun hat. Lyberka wurde dann in Kuttenplan bei dem Schlosiermeister Blaschka, seinem Komplizen und übrigens einem Henleinanhänger, eruiert. In der Wohnung fand man Sparkaffabücher, Valuten, Stempelmarken und Juwelen im Gesamtwert von nicht weniger als 400.000 Kronen, die Lyberka bei verschiedenen Einbrüchen, unter anderem in der Planer Bezirkskrankenkasse, erbeutet hatte. Der Verbrecher, der in seinen Kreisen seiner Erfolge wegen besonderes Ansehen genießt, welches durch seine viermalige Flucht aus Gefängnissen noch gesteigert wird, war mit dem modernsten „Handwerkszeug" ausgerüstet, er besaß sogar ein eigenes Auto, mit welchem er seine Expeditionen unternahm. Jetzt schon konnte ihm eine Reihe von Einbrüchen nachgewiesen werden» die Behörden führen die Untersuchung auch wegen des Verdachts, daß Lyberka in Südböhmen einen Nachtwächter erschossen hat. Die„Zeit" fälscht„Prawda"-Artikel. Die „Rote Fahne" macht darauf aufmerksam, daß in der Neujahrsnummer der Henleinschen„Zeit" ein Artikel der„Prawda" zitiert wurde, in welch letzterem gesagt worden sei, der Sowjetgesandte in Uruguay hätte durchaus nicht Mittel für die kommunistische Revolte in Brasilien, sondern bloß den dortigen Gewerkschaften Gelder zur Verfügung gestellt. Unter Zitierung des tatsächlichen Artikels der„Prawda" weist nun die„Rote Fahne" nach, daß der Artikel von der Henleinschen„Zeit" von A bis Zet gefälscht ist. Wie man sieht, bedient sich das Prager Henlein-Organ sonst in der Journalistik nicht gebräuchlicher und sie nicht sehr ehrender Mittel. Bolksgemeinschafts-Möbel. Wie die„Rei- chenbexger Zeitung" meldet, soll der ehemalige nationalsozialistische Abgeordnete L. Schubert aus Fulnek im Namen seiner Gattin durch einen Fulneker Rechtsanwalt das Ansuchen um Erlaubnis des Transportes der Möbel nach B e r l i n bei der zuständigen Behörde eingereicht haben. Völlige Gleichschaltung des„Tetzlitz-Schö- nauer Anzeiger". Nur um wieder einmal festzuhalten, bis zu welchem Grade der einstens normal demokratische„Teplitz-Schönauer Anzeiger" hen- lctnksiert ist, zitieren wir den Schluß eines Leitartikels, den dieses Blaft Freitag Wer die möglichen Veränderungen in der Koalition schrieb: Mögen auch die deutschen Christlichsozialen nun noch in die Koalition einbezogen werden, so stehen wirD rutschen doch dem ganzen Kampfe fern, denn wir wissen, daß die Koalition grün, rot oder schwarz sein kann, in einem aber immer gleich ist, in der Abwehrstellung gegen uns Deutsche, mögen auch Deutsche selbst in der gegnerischen Front stthen. Sie werden es mit ihrem Gewissen abzumachen haben, im Kampf um unsere Rechte nicht auf der Seite der überwältigenden Mehrheit der Sudetendeutschen gestanden zu sein. Auf dem Teplitzer Marftplatz scheint man also schon wieder vergessen zu haben, was man selber nach der Henlein-Blamage bei der Präsidentenwahl schrieb. Päpstlicher alS der Papst. Das Henlein-Blatt „D i e Z e i t" hat vor einigen Tagen von„falschen Gerüchten über einen Nahrungsmittelmangel in Deutschland" geschrieben. Dazu patzt es nun glänzend:^ daß die deutschen Behörden Erleichterungen für die Einfuhr von Lebensrnitteln in kleinen Mengen im G r e n z v e r k e h r gegenüber der Tschechoslowakei getroffen haben. Herrn Henlein, aber scheint es bei der Durchreise durch Deutschland so gut gegangen zu sein, daß er von einem Butter» und Fettmangel dort nichts bemerkt hat. Vom Rundfunk ■mpfahlanswartas mm 4m Proframmai Samstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 11: Schallplatten, 11.05: Salonorchester, 12.10: Opernarien, 18.30: Operettenmufik, 15: Orchesterkonzert, 16.50: Rundfunk für die Jugend, 17.55: Deutsche Sendung: Tausend Takte Operette, heiteres Potpourri, 18.45: Deutsch- Presse, 22: Presse, Sport, 22.15: Tanzmusik. Sender S: 7.30: Leichte Müsik, 14.10: Deutsche Sendung: Janetschek: musikalische Zeitgeschichte, 14.40: Kulturrelief, 14.50: Deutsche Presse, 18: Kammermusikkonzert, 18.45: Chansons,.13.45: Schallplatten, 17.40: Deutsche Sendung: Konzertstunde.— Mährisch Tstrau 17.30: Leichte Musik, 18: Schrammelmusik, Hörerzahlen des Auslands. Australien hat 746.225, Belgien 716.700, Dänemark 596.481, Danzig 27.026, Deutschland 6,990.741, Frankreich 2,574.000, Großbritannien 7,274.482, Lettland 76.380, Marokko 22.494, Neuseeland 171.868, Nie- derlande 911.104, Niederländisch Indien 26.209, Norwegen 181.209, Oesterreich 551.178, Polen 436.863, Portugal 88.669, Schtveiz 397.354, Spanien 300.151, Südafrikanisch« Union 125.169, Un- Gar» 848.970 Rundfunkhörer. Großes Internationales Treffe« der Arbetter»Wi«tersportler am n„ und 12. Jauner 1986 im Gebiete der beide« Naturfreundehäuser Morbachhütte-Mückenberg«nd Border-Ainuwald Programm: SamStag, 19 Uhr: Fackellauf von Border- Zinnwald auf den Mückenberg. Sonntag:? Uhr: Weckruf; 9 Uhr: Langlauf, 15 Km., Sportler von 18 bis 85 Jahren; 10 Uhr: Langlauf, 10 Km., für Jugend bis 18 Jahr«; 11 Uhr: Langlauf, 5 Km., für Sportlerinnen; 12 Uhr: Gemeinsamer Mittagstisch in beiden Schutzhäusern; 13.30 Uhr: Kinderbelustigungen; 14 Uhr: Fuchsjagd; 15 Uhr: Bekanntgabe der Ergebnisse. Preisverteilung. Startberechtigt sind alle Mitglieder der dem Verband Mr Arbeiter-Winter-Touristik, Sitz Prag, angeschloffenen Verbände. Vorherige Anmeldung sowohl bezüglich der Teilnahme an den einzelnen Läufen als auch bezüglich der Nächtigung ist Bedingung! Meldungen bis spätestens 8. Jänner an Weggenossen Helmut Mörl, Graupen 462. Zur Beachtung! Bei ungünstigen Schrreeverhält- niffen findet das Treffen acht Tage später, am 18. und 19. Jänner, statt. Die Verlautbarung einer eventuellen Verschiebung erfolgt am Samstag, den 11. Jänner, in der Arbeiterpresse. Parole: Samstag und Sonntag, den 11. und 12. Jänner alle Arbeiter-Wintersportler zum Jnternafionalen Treffen am Mückenberg und Vorder-Zinnwald. England soviel gelesen worbe» wie heute. Die Londoner Bibliotheken' zählen etwa anderthalb Millionen Abonnenten. Interessant ist, daß, wäh- reud früher vier Fünftel davon Frauen waren, jetzt die Zahl der Männer zunimmt. Was den Geschmack des Publikums angeht, so werden Romane noch immer am meisten verlangt. In diesem Jahr sind rund 800 Romanwerke mehr als im vorigen Lahr erschienen. Am meisten gefragt sind von Autoren Theodore Dreyser, Lion Feuchtwanger, Bernhard Shaw, Upton Sinclair und Galsworthy. Das männliche Publikum interessiert sich außerordentlich für Länderkunde, namentlich der des Empire. Es ist festzustellen, daß Kriminalromane im Abflauen begriffen sind und daß auch die Jugend reine Abenteuerromane nicht mehr ausschließlich bevorzugt. Künstlertod im Armenhaus. Der bekannte Wiener Maler Klement Pausinger ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Der Künstler lebte in den letzten Jahren in größter Not und wurde schließlich in ein Wiener Armenhaus ausgenommen, wo ihn nunmehr der Tod ereilte. Kozimov wird ausgeliefert Agent der Gestapo? Das Auslieferungsbegehren der Sowjetregierung in der Angelegenheit des Angestellten der Prager Gesandtschaft Kozimov wurde von den tschechoslowakischen Behörden bereits erledigt, so daß dieser in den nächsten Tagen über Rumänien nach Rußland geschafft werden dürfte. Ueber den Diebstahl, die Flucht und schnelle Verhaftung K o z i m o v S, die noch in allgemeiner Erinnerung sind, wollen einige Blätter erfahren haben, daß hier die Berliner Weißgardisten- Zentrale und die Gestapo ihre Finger im Spiele hatte. Kozimov soll nicht nur Geld, sondern auch Dokumente der Gesandffchaft entwendet haben, die er in Hirschberg der Gestapo-Agentin Fraiernin auslieferte. So wird auch der Zustand der Trunkenheit, in welcher der Verfolgte in Hirschberg aufgefunden wurde, nicht als Fohze von Alloholgenuß, sondern einer Betäubung ausgelegt, die der Fraiernin die gefahrlose Flucht nach Deutschland sichern sollte. Bier weitere Flugzeugopfer geborgen London. Wie aus Alexandria berichtet wird, sind heute vier weitere Leichen aus dem Wrack des äbgsstürzten Großflugzeuges„City of Khartum" geborgen worden, so daß insgesamt sechs Tote an Land gebracht wurden. Ein tragisches Zeichen der Zeit. Aus dem poknisch-oberschlesifchen Grubenzentrum Kat- t o w i tz langt folgende Meldung ein: Auf dem Notschacktgelände bet Dombrowa kam eS zwischen Arbeitslosen und Bergarbeitern, die den Auftrag hatten, die Notschächre zu sprengen, zu einem blutigen Zusammenstoß. Als die Grubenleute mit Werkzeugen und Sprengstoffen auf dem Gelände erschienen, gingen die Arbeitslpsen gegen sie mit Keilhauen, Aexten und Schaufeln tätlich vor. Drei Bergleute wurden so schwer verletzt, daß sie ins Krankenhaus geschafft werden mußten. Weitere Bergleute und Arbeitslose trugen leichtere Verletzungen davon. Arbeitslose gegen Arbeiter, Proleten, die feiern müssen, gegen Proleten die noch Arbeit haben — freilich die Arbeit, jenen die letzte Arbeitsmöglichkeit zu nehmen— das ist wohl eines der traurigsten und bedenklichsten Zeichen der Zeit. Hat eS auch wirtschaftlich, sozial und politisch immer proletarischen Bruderkampf gegeben, so war er niemals zu solcher Tragik gediehen. Denn wenn Streikende mit der Waffe gegen Streikbrecher standen, ehrliche Arbester gegen Gelbe fochten, so war es nicht zweifelhaft, wo der Sozialist mit seinen Sympathien zu stehen hatte. Wie ist es aber, wenn die Arbeitslosen ihre wil- den Schächte, letzte, lebensgefährliche Zuflucht der Hungernden, gegen den Arbester verteidigen, der wieder sein Brot, seine Existenz und die seiner Kinder riskiert, wenn er den Auftrag des erbarmungslosen„Brotherrn" und„Arbestge- bers" nicht ausführt?! Bleibt uns hier wirklich nur tragische Neutralstät der mit beiden Par- teien Mitleidenden? Uns allen sollle solch ein Fall zu denken geben. Helfen wir dazu, daß Arbeiter und Arbeitslose im GeisteundinderTat zueinan» derfinden, um gemeinsam zu befestigen, was todeswürdig ist, gemeinsam äufzubauen, was gebaut werden muß, soll die Menschhest leben können! Die Olympiade wird erkauut. Nun schwenken auch die sonst ganz unpolitischen Sportler der angelsächsischen Länder in die Welffront gegen die Hitler-Olympiade ein. Ein großes Verdienst daran hat der„Reichsleiter für die politische Erziehung". Dieser Obernazi hat ein Lehrbuch verzapft, worin die wahre Natur deS Sports im Dritten Reich offen zugegeben wird. Dieses Erzeugnis ist in England rascb bekannt geworden, zumal der überparteiliche Anti- Nazi-Couhcst nicht unterlasse» hat,.die Hauptstellen den Sportorganisationen durch Abschriften mitzuteilen. In den demokrattschen Ländern Großbritannien und Nordamerika ist darauf allgemeiner Abscheu gegen die Unterjochung des deutschen Sports unter die blutig« Schreckensherrschaft der Hakenkreuzbande ausgebrochen. Das USA.-Komitee für Fair-Play im Sport stellt in einer Broschüre fest, daß es die Hineintragung von Polittk, Rasse und Religion in den Sport durch das Nazitum einen Bruch der olympischen Grundsätze darstellt, so daß die Teilnahme daran nicht in Frage kommen könne. In England wird außerdem darauf hingewiesen, daß die ausländischen Besucher zu Objekten der Nazipropaganda gemacht werden sollen und daß die Wissenschaft mißbraucht wird, um dem gleichfalls im Juli abzuhaltenden Hamburger Kongreß für„Arbeitermuße" im Sinne der Leyschen „Kraft durch Freude" den Schein einer volkshygienischen Beratung zu verleihen. Die Monatsschrift„Labour" erinnert daran» daß Goebbels ein Komitee für wissenschaftliche Kongresse eingesetzt hat, um wissenschaftliche Kongresse zur Nazipropaganda zu mißbrauchen. Das Blatt erklärt, es müßten endlich die Wissenschaftler, Literaten, Künstler, Sportler, Techniker usw. diesen eigentlichen Zweck der Teilnahme deutscher Delegierter an internationalen Kongressen begreifen. AuS der Hölle in den Tod. Die langjährige sozialdemokrattsche preußische Landtagsabgeordnete Minna Bollmann, seinerzeit Mitglied deS Fraktionsvorstandes, ist in Berlin freiwillig auS dem Leben geschieden. „Mutkjovice" auch in Frankreich. In Rouen wurde eine große Betrugsaffäre bei der Lieferung und Einfuhr von Kohle aufgedeckt. Die Schadenssumme erreicht eine Höhe von etwa 10 Millionen Franken. Der Hauptbeschuldigte, der Direktor einer gewissen Gesellschaft, ist geflohen. ArmeS Südtirol. Der„Pressedienst der Natton"(Bern) meldet: Die aargauische Kantonspolizei hielt vor einigen Tagen in Möhlin drei jüngere auf der Durchreise befindliche Burschen an. Die Schriftenkontrolle ergab, daß es sich um Südttroler handelte, die sich durch Flucht der Versendung nach Abessinien entzogen hatten. Als ursprüngliche Richfitaliener dachten sie nicht daran, den Italienern die Kastanien aus dem afrikanischen Feuer zu holen. Auch aus dem Bündner- land werden zahlreiche Grenzübertritte desertierender Südtiroler gemeldet. Bedauernswert ist jedoch die Tatsache, daß beim Uebertritt der Südttroler in daS„Heilige Land Tirol", der„christliche Ständestaat" Oesterreich die armen Teufel prompt wieder an Mussolini ausliefert. 1935— ein Buchjahr i« England. Das Jahr 1938 schließt für den englischen Verlagsbuchhandel ungewöhnlich günstig ab: es sind 1935 insgesamt 16.673 neue Bücher erschienen, das heißt 45 Neuerscheinungen pro Tag. Dies ist die höchste je in England erreichte Buchproduktion. Die Gesamtzahl liegt höher als in den besten Jahren der Prosperity. Noch nie ist in In Havanna stürzte inmitten der Stadt plötzlich ein Haus ein. AuS den Trümmern wurden vier Tote und 17 Verletzte geborgen, die ins Krankenhaus überführt wurden. Man befürchtet, daß noch zwei weitere Personen unter den Trümmern begraben liegen. Der Jüngst« einer Dynastie. DaS jüngste Mitglied des neuen englischen Parlaments, der 22jäh- rige William Waldorf Astor, ist zugleich der jüngste Sproß einer durch nicht weniger als Zechandere Mitglieder vertretenen Polittker-Dhnastie. ES sind dies der Vater und die Mutter, Lord Astor und Lady Nancy, sein Onkel, der Major I. I. Asto.', seine beiden Schwäger, Lord Willoughby und der Oberst H. H. Spenderclay, und endlich sein Vetter A Ronald Tree. Diese Anhäufung des Astor- » Clans" zeigt wieder einmal, wie sehr die Teilnahme an der Politik in England eine Familienangelegenheit ist. Die Kurverwaltung Karlsbad hat eine Statistik über den Kursbesuch im Jahre 1935 veröffentlicht, wobei bekannt wird, daß sich die Gesamtzahl der Kurgäste mit 40.312 Peffonen fast auf der Höhe des Jahres— 1934 hielt.(Es gab heuer bloß 187 Peffonen weniger in Karlsbad zur Kur, d. i. ein Rückgang um bloß 0.46 Prozent). Das Inland war durch 17.074 Peffonen vertreten, so daß der Anteil der Tschechoslowakischen Republik an der Gesamt- ftequenz 42 Prozent ausmacht. An erster Stelle bei den ausländischen Kurgästen steht Deuffchland mit 7100 Gästen, daS sind 17% Prozent des Gesamtbesuches, an zweiter Stelle steht Oesterreich mit 3600 Personen, an dfftter Polen mtt 8400 Peffonen, sodann folgt Rumänien mit 2200, Ungarn mtt 950 Kurgästen usw. Im Vergleich zum Jahre 1984 haben die Besucherzahlen aus Deuffchland, Oesterreich und Polen zugenommen, während aus Rumänien und Ungarn weniger Kurgäste kamen. Auch der Jnlandsbesuch ist gegenüber dem Jahre 1934 leicht zurückgegangen. Bon den außereuropäischen Staaten stellten die Vereinigten Staaten mit 823 Peffonen die weitaus größte Besucherzahl. Diffe Zahl liegt beträchtlich höher über jener aus dem Jahre 1934. — Eine Gesamtübefficht ergibt demnach auS Europa eine Besucherzahl von 88.484, aus Asien 558, auS Afrika 252, aus Amerika 1007 und aus Australien 11 Peffonen. Allmähliche Abkühlung. Im Zusammenhang mit einer tiefen über Frankreich liegenden Druckstörung hat sich der Zufluß warmer Lust aus Südwesten gegen das Binnenland wieder verstäfft. In Böhmen wurden Freitag nachmittags in den Niederungen plus 7 bis plus 9 Grad verzeichnet; auf den Bergen und im Ostteil der Republik ist es jedoch im allgemeinen etwas kühler. In unseren Gegenden fällt veffchiedentlich etwas Regen oder Sprühregen. Trotzdem die Kältewelle, welche in Nordflan- dinavien und Nordfinnland Fröste von minus 25 bis 30 Grad gebracht hat, unsere Gegenden nicht unmll« telbar erreichen dürste, ist dennoch in den nächsten Tagen mtt einer allmählichen Abkühlung zu rechnen.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Vorwiegend bewölkt, stellenweise Niedeffchläge, auf den Bergen im allgemeinen etwas kühler, sonst noch Andauern des relativ warmen Wetters. Im äußersten Osten Milderung der Nachtfröste.— Wetteraussichten für Sonntag: Allgemeine Abkühlung. Bier Tage Dürft«ad Fata Morgan« Die wunderbare Rettung zweier Flieger Paris. Der französische Flieger und Schriftsteller Saint Exöcupery und dessen Mechaniker P r o v o st, die seit einem Flug über die Mische Wüste vermißt waren, wurden lebend und wohlbehalten aufgefun- den. In der Nacht auf Montag waren sie bei Ueberquerung der Wüste infolge zu geringer Flughöhe gegen einen Hügel gestoßen, der etwa 150 Kilometer von Kairo und 100 Kilometer südlich von Alexandffa entfern! liegt. Sie irxten drei Tage in der Wüste umher, bis sie schließlich von Beduinen aufgefunden, gelabt und am Donnerstag nach Kairo gebracht wurden. St. Exöcupery schildeffe dem Vertreter der Havasagentur, wie er mit seinem Mechaniker vier Tage in der Wüste zubrachte. Ihr Flugzeug prallte mit einer Geschwindigkeit von 250 Stundenkilometern ayf ein Felsplateau auf und zerschellte. Die Flieger blieben unverletzt. Auch der Wasserbehälter wurde zertrümmert und den Fliegern verbltzüb»ur er» Liter Kaf fee als Getränk. Am zweiten Tage nach dem Unfall löschten die verunglücken Flieger ihren Dufft einigermaßen mtt dein Tau, der sich auf den Flügeln des Flugzeuges ansammelte. Tags darauf brachen sie in östlicher Richtung auf. Auch am dfftten Tage löschten sie ihren Dufft mit Tau. Hierauf setzten sie, von Durst gequält, in nordwestlicher Richtting ihren Weg fort. Unterwegs fielen sie prächttgen Fata Morganen zum Opfer, die ihnen die Orien- tierung sehr erschwerten. Die zu ihrer Rettung entsandten Flugzeuge überflogen sie einigemal«, ohne sie zu erblicken. Am vierten Tage früh erblickten sie eine Gruppe von Buschwerk, doch waren sie schon so ost von Luftspiegelungen getäuscht worden, daß sie ihren Augen nicht mehr glaubten. Plötzlich sahen sie einige Kamele und dann auch Menschen. Es waren Beduinen, die den Fliegern entgegeneilten und ihnen gleich frisches Wasser zu trinken gaben. Mit der Beduinenkarawane gelangten beide französischen Flieger nach ffadi Markum, von wo sitz mtt dem Automobil nach Kairo fuhren Kr. S Samstag, 4 Jänner 1936 Seite 5 Erster Start im 6. Kreis! Die Probe für da» Bundes- «ointerfportfest in St. Joachimsthal Am 1. Jänner 1936 fand inBLrringen das Neujahrstreffen de» 6. Kreises der Lrbettor- Turn- und Sportvereine statt. DaS varhergegan- geire Tauwettcr konnte der Schneelage in Bärringen keinen Abbruch tun, die Nordhänge bete» de« begeisterte« Wintersportlern a«S den tiefer gelegenen Bezirke« geschloffen« Abfahrtsstrecke«. Roch besser waren dir Schneeperhiltniff« im Keilberggebiet, diese erfreuliche Tatsache ist eine sichere Garantie für daS Bundeswintersportfest. Der harte Schnee ermöglichte die Anlage einer guten K lalo mstrecke. Zahlreiche Zuschauer hatten fiL bereit- zu dieser Konkurrenz am Bormittag ein- gefunden. AuS den Vereinen Bärringen, Abertham, Joachimsthal, Neudek und Merkeisgrün hatten sich Abfahrtsläufer eingestellt. Die Organisation wurde unter Beisein der Joachimsthaler Wintersportfunk- tionäre vom KreiSwintersportauSschuß einwandfrei durchgeführt. Die beste Zeit bei den Sportlern fuhr Friedl sJoachimsthal) mit 1:02 vor seinem VereinSgenossen Ilhle, welcher 1:05 Mir», benötigte. Bei den Jugendsportlern, welche besonders zahlreich an dem Slalom teilnahmen, siegte mit 1:08 Mn. der Aberthmner Paul Grimmer vor Eska /Bärringen) mit 1:00. Bei dem Probeslalqmlaus der Kinder stellte die Schülerin K o l i t s ch(Bärringen) mit 1:19 vor dem Schüler Hoffmann(Bär- ringen) mit 1:39 eine besonders gute Leistung auf. Zum Springe« stellten sich am Nachmittag 17 Kämpfer. Die.Rote Schanze" gab ein« harte, aber vorzügliche Sprungbahn ab. An dem Springen beteiligten sich außer Konkurrenz auch fünf Schwaderbacher Springer, deren Verein seinen Wie- dereintritt im AtuS durchführen will. S i e g e r im Sprunglauf der Sportler wurde der bekannte Wintersportler Emil Held(Abertham), welcher als Soldat sein Dragonerregiment in Klattau ehrenvoll vertreten hat. Seine Sprünge mit 40, 30 und 40 Meter wurden allerdings von dem Reudeker Urban mir 40, 40 und 42 Meter Überboten. Helds Ueber-- legenheit lag in der guten Haltung. Di« größten Werten jedoch erzielte der Sieger des Jugend- sprunglaufes WernerEska(Abertham) mit 40, 41.5 und 41.5 Metern. Bezeichnend für den guten Jugendnachwuchs ist weiter, daß der zweite Sieger des JugendsprunglaufeS, Willi Eska(Bärringen). mit Haltunginote 76 die beste Haltung des Tages gezeigt hat. Neber 500 Zuschauer wohnten dem prächtigen Skispringen bei. Erst beim dritten Sprung krochen die Nebel aus den Tälern bis zur Schanze. Mit wenig Stürzen und ohne Unfall wurde der.Erste Start des 6. Kreises" abgeschlossen. Die gute Stim- umng der westböhmischen Wintersportler läßt em" gutes Gelingen des Bundeswintersport-, festes am 1. und 2. Feber in St-JoachimS- tbal erhoffen. Wie Im Weltkrieg Die Amerikaner verdienen am kriege New Bork.(MTP.) DaS Handelsdepar« tcment gibt die amtlichen Ziffern für den Oel« export nach Italien, beziehungsweise nach den italienischen Kolonien im Oktober und November bekannt, die beweisen, daß der Aufruf Roosevelts, die kriegführenden Länder nicht zu beliefern', nicht befolgt worden ist. Während im Oktober 1934 nur für 36.000 Dollar Oel nach den italienischen Kolonien in Afrika exportiert wurde, erreichte der Export im Oktober des Jahres 1935 118.126 Dollar. Erstaunlich ist aber die Steigerung von Oktober zum November. Im Oktober wurden 25.714 Barrel Oel ausgeführt; im November 110.109 Barrel, das heißt, daß di« Ausfuhr in einem einzigen Monat um viereinhalbmal gestiegen ist. Es ist nur selbstverständlich, daß die interessierten Kreise bei diesen außerordentlichen ökonomischen Möglichkeiten eine sehr entschiedene Propaganda gegen ein eventuelles Oel-Embargo führen.- Wieder ein Nazi-Schandurteil (E. B.) Bor einem Strafgericht des Ober- ümdesgerichts in Breslau fand am Ende des JahreS 1935 wieder ein Hochverratsprozeß gegen Sozialdemokraten statt. Die Verhandlung fand unter Ausschuß der Oeffentlichkeit statt. Die 36 Seiten umfassende Anklageschrift legte den 13 Angeklagten Vorbereitung zum Hochverrat zur Last. Verurteilt wurden: Paul Siegel und Karl Zachgn, beide aus Neisse, zu je vier Jahren Zuchthaus, Josef Seipelt zu drei Jahren, Kar) Hoffmann, beide gleichfalls aus Neisse, zu zwei Jahren Gefängnis. Die Ehefrau des Erstver- urteilten, Anna Siegel, der mehr als 60jährige Karl Memel und der Jugendliche Josej Kluger erhielten je 1% Jahre Gefängnis. Wegen Mangels an Beweisen wurden sechs Angeklagte frei- gesprochen. Einer der„Freigesprochenen", Rudolf Willinsky, wurde dem Konzentrationslager Lichtenburg überführt. Ein Angeklagter, ein Mann in dyr fünfziger Jahren, wurde derart mißhandelt, daß man die Schläge und Schrei« in der im Parterre des Untersuchungsgefängnisses gelegenen Tobzelle bis in das vierte Stockwerk des Gefängnisses hinauf hörte. Der Mißhandelte versuchte sich einige Male zu erhängen, um sich von den Torturen zu befteien. Als ihm der Freitod mißlang, legte er ein„Geständnis" ab, wodurch überhaupt erst eine Verurteilung der anderen Angeklagten erfolgen konnte. Mit Hilft eines so erpreßten»Geständnisses" und auf Grund der Aussagen des Kriminalsekretärs Pude und des Kriminalassistenten Lux, beide aus Breslau, denen das„Geständnis"' die einzige Unterlage zu ihrer eidlichen Aussage war, verhängte das Gericht insgesamt 8 Jahre Zuchthaus und 9% Jahre Gefängnis. Die Verteidigung der 13 Angeklagten, die sich fast durchwegs standhaft verhielten, lag in den Händen von 8 Rechtsanwälten, die während des Prozesses übereinstimmend erklärten, daß ihre Mandanten während der Vernehmung„grob behandelt" worden seien, wogegen sie protestierten. DaS Wort„mißhandelt" dursten die Verteidiger begreiflicherweise nicht aussprechen. Drum wählten sie die Worte„grob behandelt". .— Mannhaft ließen sich die Verurteilten abführen.. Warum flieht Lindbergh? Muß Hauptmann sterben? Wenn der deutsche Handwerker Bruno Richard Hauptmann als Entführer und Mörder des Lindbergh-Babys auf den elektrischen Stuhl kommt, wird zwar ein Menschenleben, nicht aber der Fall erledigt sein. Dieser von der ganzen Welt verfolgte Fall würde Swff zu einem Roman bieten, so spannend, episodenreich und geheimnisvoll ist er. Ein Kind wird geraubt; ein Freund der Familie Lindbergh zahlt einem Unbekannten 50.000 Dollars Lösegeld; das Kind wird nicht, wie versprochen war, zurückgebracht, sondern man findet es eines Tages als. bereits stark verweste Lejche an einem Straßenrand; die Polizei setzt Himmel und Hölle in Bewegung, umsonst; der Staat erläßt, weil es sich um das Kind eines Nationalhelden handelt, rin Sondergesetz, das für Entführung Todesstrafe androht; nach Jahren wird ein Schreiner entdeckt, der einen Zehn- dcllarschein aus dem als Lösegeld bezahlten Geldpaket einwechselt; in seiner Garage findet man, eingegraben, fast den gesamten Restbetrag; Anklage und Prozeß: der Angeklagte bleibt vom ersten bis zum letzten Tag dabei, er sei unschuldig; man weist ihm keine Widersprüche nach, führt einen Jndrzien- prozeß und verurteilt ihn zum Tode; nach Ablehnung des letzten Revisionsantrages flieht plötzlich der Vater des Kindes, der Nationalheros Lindbergh, mit seiner Familie in aller Heimlichkeit ins Ausland. Der Indizienbeweis ist so fest wie die meisten Indizienbeweise; er deutet mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft Hauptmanns. Es gibt Fälle in der Kriminalgeschichte, in denen objektiv der Indizienbeweis hunderprozentig geglückt war und doch später die Unschuld des Verurteilten sich herausstellte: der Beweis gegen Hauptmann, ist weit von dieser hundertprozentigen Schlüssigkeit" entfernt Er kann keinem gewissenhaften Beurteiler-die feste Ueberzeugung verschaffen, daß Hauptmann- der Täter ist; er erweist nur die hohe Wahrscheinlichkeit seiner Täterschaft. Von den vielen Merkwürdigkeitetides Falles seien folgende erwähnt: Wesentliche Zeuge» sind nicht vernommen worden, so vor allem ein skandinavischer Seemann, der als Freund einer der Hausangestellten Aussagen zu machen hafte; seine Adresse ist der Behörde bekannt gewesen. Die eventuelle Mitschuld des Hauspersonäls ist nicht ernstlich untersucht worden. Die Rolle des Dr. Condom, der angeblich die 50.000 Dollars dem Kindsräuber ausgehändigt hat, ist nicht geklärt worden. Der Widerspruch zwischen der Tatsache, daß Dr. Condom den Empfänger des Geldes ursprünglich nicht beschreiben konnte, später, als Verdacht und Anklage auf Hauptmann konzentriert waren, aber in diesem bestimmt zu erkennen behauptete, ist nicht unter die Lupe genommen worden.(Hauptmann behauptet:„Condom hat den Schlüssel zu diesem Fall in der Hand und den Schlüssel zu meiner Zelle.") Ein wesentlicher Punkt des Indizienbeweises besteht im Ergebnis einer von einem Professor borgenommenen Holzanalyse. Sie ergab, daß die Leiter, die unter dem Fenster des Kinderzimmers anS Haus gelehnt war, aus Holz gefertigt war, das aus der Werkstatt eines Schreiners stammte, bei dem Hauptmann einmal gearbeitet hatte. Daß Hauptmann dieses Holz von dort mitgenommen, die Leiter angefertigt und benutzt hat, ist nicht erwiesen. Hauptmanns Fußspuren sind auf der Leiter nicht zu sinken, DaS gefundene tote Kind ist nicht erkannt worden(es war nicht mehr erkennbar); es ist nur durch diebeiihmgefundeneKleiduNg als dasLindberghkind identifiziert. (Ein schweres Indiz, kein Beweis.) Die Frage, ob nicht andere Leute am Verschwinden des Kinder ein Interesse gehabt haben können, ist nicht untersucht worden. Glaubhafte Nachrichten au- Lindberghs Umgebung haben mitgeteilt, daß der Knabe, der gegen drei Jahre alt war, noch nicht gehen und sprechen könnt«; auch der in der ganzen Weltpresse veröffentlichte Diätzettel des Arztes hat bei vielen Befremden erregt; kann es sich bei einem Kind dieses AüerS nach diesen Diät» und Medikamenworschrisien um em völlig normaler Kind handeln? Die Suche nach Komplizen Hauptmanns — ohne Komplizen war nach der ganzen Sachlage die Tat nicht durchzuführen— ist nicht oder oberflächlich durchgeführt worden. , Was die Urteilsfällung betrifft, so ist zu sagen: Urteile werden in USA im allgemeinen nicht aus Grund kodifizierter Gesetze, sondern fast ausschließlich nach Präzendenzfällen gefällt. Dem subjektiven .Ermessen des Gerichts ist weiter Spielraum gegeben. Die Grenze zwischen Mord ersten und Mord zweiten Grads, zwischen Mord und Totschlag, zwischen Todesurteil und lebenslänglichem oder langjährigem Zuchthaus ist haarfein und sehr vom Eindruck des Gerichts abhängig. Absichtlicher Mord im Sinne. europäischer Gesetzgebung ist Hauptmann nicht n a ch z u w e i s e n; ist überhaupt unwahrscheinlich. Vermutlich ist daS gesundheitlich besonders gefährdete Kind gestorben, weile S, auS Unkenntnis, nicht richtig behandelt und gepflegt Wörde nist. Die Todesstrafe für die Enfführung selbst war zur Zeit der Tat noch nicht Gesetz; sie ist eine ausgesprochene ex Lindbergh, d. h. erst aus Empörung über diesen aktuellen Fall eingeführt worden. In anderen Ländern gilt der Satz:„Nulla poena sine lege", d. h. eine Strafe kann nicht ausgesprochen werden, wenn sie nicht(zuvor) ausdrücklich auf die betreffende Tat gesetzt war. Eine traurige Heimkehr Ankunft eines Verwundeten-Transports im Hafen von Neapel. Eine lange Reihe SanitätS» autos wartet auf ihre traurige Last. QstenkM und Gliedern, Kopfschmerzen und bei Erklltun* ?en. Hoben Sie Vertrauen zu ogal. Ein Versuch Oberzeugt. Viele Ärztegutachten. In allen Apotheken erhfiltl.Kil 2*-u. 28*-. Aus neuerer Zeit kenne ich nur einen Fall, daß unter Bruch dieses allgemeingültigen Rechtssatzes rückwirkend nach einem soeben erst eingeführten Gesetz Urteile(und zwar Todesurteile) gefällt wurden: im httlerischen Deutschland, als die Gerichte Sozialisten und-Kommunisten nach dem im Frühjahr-1033 verfügten Gesetz über die Bestrafung wegen Attacken auf Nazis aburteilten, selbst wen» die betreffenden Zusammenstöße im Jahre 1932 lagen. Zu diesen Merkwürdigkeiten des Falles selbst kommt folgende: Der Gouverneur von New Jersey, Harold G. Hoffmay, von dem man weiß„ datz>er an Hauptmanns Schuld zweifelt, hat am 27., Dezember erklärt:»Mein derzeitige? Eindruck ist, daß ich kein Recht habe, Hauptmann zu begnadigen." Er le- gründet das sv: Nach der Verfassung.habe ich das Recht, einen Gefangenen innerhalb'neunzig Tagen zu begnadigen. Bisher wurde dieftr Passus so ausgelegt, daß diese Neunzigtagefrist begann, wenn alle Möglichkeiten^ an Gerichte zu appellieren,.erschöpft waren. Meine Rechtsberater sagen mir aber, daß gemeint ist: neunzig Tage nach dem-Ergehen des ersten- Gerichtsurteils. Danach ist mein Begnadigungsrecht am 14. Mai 1935 erloschen.—- Warum ist eS bisher so gehandhabt worden, wie man vernünftigerweise annehmen muß, und warum sind die Rechtsfachleute im Fall Hauptmann auf einmal ter -Ansicht, daS Begnadigungsrecht erlösche zu einem Zeitpunkt, zu dem. in den wenigsten Fällen oder nie die Serie der Berufungs- und Revisionsanträge schon- erledigt sein kann? Merkwürdig ist ferner das Verhalten Lindberghs. Als er im Prozeß vernommen wurde, wußte er so-gut wie jeder andere,-daß das Gericht und dm amerikanische Oeffentlichkeit von ihm eine kleine Geste zugunsten HauptmaNnS erwarten. DaS Wort von ihm, das man erhoffte, hätte dem Gericht die Möglichkeit gegeben, ein Fehlurteil zu vermeiden oder doch eine nicht so irreparable Strafe wie den Tod auszusprechen; Hauptmann wäre zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden; eine spätere Aufklärung hätte ihm die verlorenen Jahr« nicht wiedergeben, aber ihn für den Rest seines Lebens der Welt und seiner Familie wieder zuführen können. Lindbergh hat das Wort nicht gesprochen. Er muß von tiefer Rachsucht erfüllt sein— oder von Furcht, daß, wenn nicht dieser ihm fernstehende Anonyme als Täter amtlich festgestellt ist, eventuell eines TageS unerwartet ein scharfes Licht auf Leute fällt, die ihm näher stehen.(WaS weih Condom?) Und nun, da alle Instanzen gesprochen und Hauptmanns Gesuche um' Wiederaufnahme d»S Prozesses abgelehnt haben',' das Hinrichtungsdatum festgesetzt ist, flieht Lindbergh mit den Seinen' heimlich»::f einem in aller Stille gecharterten Schiff nach Europa wie ein Dieb in der'Nachtl Als Grurtd wird angegeben, daß sein anderes Kind eines Taffes von einem Auto aus photographiert worden ist; er habe Angst, zum zweiten Male ein Kind auf di« gleiche Weise zu verlieren wie damals den ältesten Sohn. Ein Borwand: denn jene Aufnahme des Kindes, der Mutter und des Kindermädchens ist zwar ohne Einwilligung Frau Lindberghs gemacht worden, ater von Pressephotographen, und das Bild ist auch(in per Hearst-Presse) erschienen. W a rum flieht also Lindbergh? Man kann keinen anderen Grund finden als den: er will ünbedtngi haben, daß Hauptmast« auf de«elektrischen Stuhl kommt. Deshalb entzieht er sich allen eventuellen Bitten, ein gute» Wort für ihn einzulegen. Dieser Ansicht ist auch Senator M. M. Lcgan, Mitglied des Rates, der dieKriminalgefttz- gebung der USA zu überwachen hat: denn er sagt; »Oberst Lindbergh ist wahrscheinlich abgereist, um auf die Begnadigungskömmifsion Eindruck zu machey und sie zu verhistde'rn, Hauptmann Gnade zu erweisen." Logan, lehnt es ab, daran zu glauben, Lindbergh sei aus Angst vor der Rache einer Kinds- räüberbande geflohen,(Hauptmann ist. keinerlei Beziehung zu solchen Banden nachgewiesen; das Photo- attentat, das als Erklärung für Lindberghs Flucht herangezogen wurde, ist, wie schon gesagt, nichts weiter als eine journalistische Attacke gewesen.) Lindbergh will durch seine Flucht das Mitleid für ihn, den schwer betroffene« Vater, erneut wachrufen und.den Entschluß der Behörden, Hauptmann hinzurichten, festigen. Er will, daß dieser Mann stirbt. Das ist der Grund dieser Flucht. Aber w a r u m wünscht er mit solcher Leidenschaft Hauptmanns Tod? Jstser so felsenfest von seiner Schuld überzeugt und so borniert, daß er stur wie ein alttestamentlicher Jude am Grundsatz »Blut um Blut" festhält? Oder ist er u n s i ch e r und will den Fall endlich, endlich dadurch erledigt haben, daß vor der ganzen Welt einer als Täter festgestellt und die Tat durch eine. Hinrichtung erledigt und verrechnet wird? Und, wenn er unsicher ist: ist es nur eine allgemeine Unsicherheit, oder fürchtet er, durch einen Nichtabschluß d«S. Falles könnte eines TageS ein Skandal- entstehen, der ihn und seine Kreise in Mitleidenschaft ziehen würde? Fürchtet er, man könnte eines TageS sagen: Hier endet der Fall Hauptmann und begann der Fall X? W. K. Bern. Leite 8 /.Sozialdemokrat" Samstag, 4. Jänner 1936. Nr. 3 Agger ffeituttg Rückkehr der Roten Falken ans Rrffrlflrck. Wir geben allen Eltern; deren Kinder zu den Feiertagen in Nesselfleck gewesen sind, bekannt, daß die Kinder am Sonntag, den 3. Jänner um 4 Uhr nachmittag- ani DeniSbahnhof ankommen. Wieder vier Selbstmörder. Freitag vormittag? um 10 Uhr machte ein Liebener Gastwirt die Polizei aufmerksam, daß aus der Wohnung seines Freundes, des Gastwirts Josef Jabürek, den er besuchen wollte, starker Gasgeruch dringe; beim Eindringen fand sie Jaburek tot am Boden liegen. Die Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin geschafft.— Vormittags schoß sich in der Kanzlei einer Holleschowitzer Firma der ehemalige 34jährige Kassier Emil KvnopLsek aus Dejwitz in selbstmörderischer Absicht eine Kugel in di« Brust, nachdem er eben ein Telephongespräch beendet hatte. Da Ko- noptisek auch sonst häufig in die Kanzlei telephonieren kam, hatte man sich nicht weiter um ihn gekümmert. Das Mottv der Tat ist finanzielle Notlage. Um 7 Uhr früh sprang eine— bisher nicht öchergestellte— etwa 45jährige Frau auS dem 4. Stockwerk eines Hauses in der PodskalskL in Holle- schowitz in den Hof und blieb tot liegen. Sie ist mittlerer, untersetzter Figur, trug einen schwarzen Mantel mit schwarzem Pelz, blaues Kleid und schwarzen Hut. Die Leiche wurde inS Institut für gerichtliche Medizin gebracht.— Donnerstag vormittags versuchte sich der 29jährige Arbeiter Franz Trhba in seiner Wohnung in Brevnov auS Gram darüber, daß ihn seine Frau verlassen hatte, mit einem Rasiermesser die Kehle durchzuschneiden. Aus »er Klinik Schlosser wurde jedoch nur eine leichte Verwundung festgestellt. Ein BusflugS-Sonderzug in die Hohe Tatra wird vom 11. bis 19. Jänner zum Preise von Kc 560.— mit Verpflegung und Logis in Strbske Pleso, Hotel KrivLn, oder auf dem Hrebienok, Sport-Hotel, abgefertigt werden. Anmeldungen und Jnformatto- nen im Referat für Ausflugszüge in Prag, Basar neben dem Wilsonbahnhof, Telephon 883-35. Motorzug-Donderfahrte« vom 4. bis 6. Jänner ins E r z g e b i r g e zum Preise von 160 Kk, ins R i e s e n g e b i r g e zum Preise von 140 KL. Aümst luul Wissen Sanktionen und Kunst Der italienische„Radiocorriere" berichtet: In einer kürzlich vom ttalienischen Presse- und Propagandaministerium veröffentlichtenVerlaut- barung werden die Richtlinien für die Maßnahmen angegeben, die gegen die an den Sanktionen beteiligten Staaten-auf dem Gebiete der Kunst getroffen werden sollen. Diese Verbotsbestimmungen geltest sinngemäß auch für die Sendefolgen der italienischen Rundfunksender. Danach müssen die Theater von' ihrem Spielplan die Werke aller Dichter streichen, die den Sanktionsländern angehören. Eine Ausnahme bilden Shakespeare und Shaw. Für französische Dichter und Autoren werden besondere Bestimmungen festgesetzt, und zwar, wie es in der Verlautbarung des Ministeriums heißt, „in Anerkennung der Haltung, die die große Mehrheit der französischen Geistesarbeiter gegenüber Italien im gegenwärtigen Augenblick bezeugt". Eine ähnliche Regelung wird für die Opern vorgeschrieben. Alle Opern der den Sanktionsländern angehörendrn Tonsetzer werden vom Spielplan der italienischen Operntheater gestrichen. Die Zahl der zur Aufführung gelangenden französischen Opern wird herabgesetzt. Aus dem Gebiete der übrigen Musik wird in gleicher Weise vorgegangen; nur von französischer und spanischer Symphonie- und Kammermusik wird ein bestimmter Hundertsatz freigegeben. Was jedoch leichte Musik anbelangt, so istallesverboten, was aus den Sanktionsländern stammt. Im Einklang mit diesen Bestimmungen wird auch die Tätigkeit der Künstler und Kapellmeister in Italien eingeschränkt, bzw. ganz verboten, die einem der Sanktionsländer angehören. Arbeitervorstrllnn»„Martha", romantisch-komische Oper, am Sonntag, dem 12. Jänner, um halb 3 Uhr nachmittags. Karten ab Donnerstag, täglich von 8 bis 2, 4 bis 6 Uhr, bei Optiker Deutsch, Koruna. SamStag Nachworstellung zugunsten des Ferialfonds! Einziges Gastspiel Felix Bressart: „Bouleboule gewinnt". Donnerstag,„FigaroS Hochzett"(C 2), zum erstenmal in dieser Spielzeit. Figaro— Kammersänger Karl August Neumann(Staatsoper Berlin). Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theaters. SamstaghaD4:Kasperle reist insMär- ch e n l a n d, halb 8:SpielvomLeben undSterbendes Bauern. Gastspiel Hans Multerer mit seiner Laienspielschar. Abonnement aufgehoben.— Sonntag halb 3: Jimmys Bar, Gastspiel Rosa Valetti, 8 Uhr: Eine Nacht in Venedig, Al.— Montag halb 4: K a s p e r l e reist ins M ä r- chenland, 8: II. Philharmonisches Konzert, Abonnement aufgehoben.— Dienstag 8: Das kleine Bezirksgericht, A 2. — Mittwoch halb 8: G r o ß e Lieb«, Ensemblegastspiel des Theaters in der Josefstadt, Bl.— Donnerstag halb 8: FigarosHochzeit. Gastspiel K. A. Neumann, C 2.— Freitag 8 Uhr: DaSkleineBezirkSgericht,Dl.— Samstag 7 Uhr: Das Land des Lächelns, Theatergemeinde der Jugend, Abonnement aufgehoben, halb 11 Uhr: Boul«boule gewinnt, Erstaufführung, Gastspiel Bressart, Abonnement aufgehoben. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Samstag 8 Uhr: Annasagtnein.— Sonntag 8:| Der andere Na poleon, 8: Wir werdenbeobachtet.— Montag 8: Jimmys Bar, Gastspiel Rosa Valetti.— DiesnStag 8 Uhr: I i m m Y s B a r, Gastspiel Rosa Valetti, Bankbeamte II und freier Verkauf, Mittwoch 8 Uhr: Jimmys Bar, Gastspiel Valetti, Bankbeamte l.— Donnerstag 8: Annasagtnein.— Freitag 8: Wir werden beobachtet.— Samstag baw 8: Die Dame mit denT ü r- k i s e n, Erstaufführung. DrrMw Koenigsmark Nach einem Roman desselben Pierre Benoit, der für die.Schloßherrin von Lwanon" und die „Moskauer Nächte" verantwortlich war, ist dieser .ftanzösische Film gedreht worden, in dun wir von der zarten Freundschaft einer deutschen Großherzogin und eines jungen französischen Professors erfahren, der einen historischen Liebesroman über einen gewissen Koenigsmark am Hofe von Hannover verfaßt, den Reffen des Großherzogs erzieht und, als der Großherzog von seinem Bruder vergiftet worden ist, auch noch Sherlock Holmes spiett und die Missetat aufdeckt. Die Großherzogin ist ihm sichtlich dankbar dafür, obwohl sie den ermordeten Gemahl nicht geliebt hatte, und der mörderische Bruder will das Schloß samt Schwägerin und Professor in die Lust sprengen, was ihm aber nur unvollkommen gelingt. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich dem drohenden Strafgericht des Kaisers durch Selbstmord zu entziehen, während die Großherzogin (die seltsamerweise den Thron von ihren Gatten geerbt zu haben scheint) eine Hofdame ungestraft erschießen darf und es sich erlauben kann, bei Ausbruch des Weltkriegs den geliebten Franzosen persönlich über die Grenze zu bringen, was für ihn schließlich den Tod auf dem Felde der Ehre zur Folge hat. Dieses mehr als absonderliche Geschichtsbild aus dem wilhelminischen Deutschland hat das hiesige Premierenpublikum mit Recht zum Lachen gereizt. Der Regisseur Maurice Tourneur, dem das Historische ebenso wie daS Sensattonelle mißlungen ist, ist an diesem Ergebnis mitschuldig, lind die«in wenig hilflos wirkende Hauptdarstellerin Eliffa L a n d i hat daran nichts ändern können.—eis— Vereinsnacfuichten ▲ AtuS Prag ladet Sie zu dem am Samstag, den 23. Jänner 1986, unter der Devise„Fahrendes V o l k" im Saale des„HafiLsth düm", Prag XII., Rimskä 45(Malä PR.„ opereta) stattfindenden Masken« r" au und Kostümball ein. Jeder kann anzkehen, was er hat. Musik besorgt Kapelle Papett. Im kleinen Saal Schrammelmusik. Ueber- raschungen! Beginn 20 Uhr. Eintritt 10 KL inkl. Steuer. Der tradittvnelle Angcstellttn-Ball der Ortsgruppe Prag des All-A-Ber findet am 29. Feber (Samstag) im Heinesaal statt. Reklamationen an die Ortsgruppenleitung, Prag II., Füg- nerovo näm. 4..-> Deutsche Bolkssinggemeinde Prag: Dienstag, den 7. Jänner, um 7 Uhr abends Probe des Frauenchors, um 8 Uhr des gemischten Männerchors. Da wir bereits am Mittwoch bei der Jahresversammlung der Angestev- tengewerkschast mitwirken wollen, wird um vollzähliges Erscheinen ersucht. Mitteilungen ans dem Publikum Bei Schmerzen in den Gelenken und Gliedern wirkt Togal prompt. Auf Grund der überaus glücklichen Zusammensetzung und der guten Erfolge, die im. Verlaufe von mehr als 20 Jahren mit Togal erzielt wurden, hat dieses Präparat allgemeine Anerkennung gefunden. In allen Apotheken. 6 filme in Prager Lichtspielhäusern Urania:„Die Götter amüsieren sich."— Adria:„Sturm über dem Gran Chaco." A.— Alfa: „Koenigsmark." Fr.— Avion:„Seine kleine Freundin." Temple. A.— B 36 Kotva:„Die ewige Maske." D.— Beranek:„Episode." Paula W essely. D.— Jettij:„Königin Christine." Greta Garbo. A.— Flora:„Maryscha." Slow.— Gaumont:„Variete." Albers, Annabella. D.— Hollywood:„Variete." D.— Hvezda: Neues Mickey-Programm.— JuliS:„Einer zu viel an Bord." D.— Kinema: Journale, Grotesken, Reportagen. Halb 2 bis dreiviertel 7.— Koruna: „Chqrlie Chan in Paris." A.— Lacerna:„Königin Christine." Greta Garbo. A.— Metro:„Die Brautschau der Ranhnka Kulich." Tsch.— Olympic: „Glückliche Jugend";„Laurel und Hardy", A.— Passage:„Jc> war Jack. Mortimer." D.— Radio: „Die ganze Welt dreht sich um die Liebe." D.— Staut:„Episode." Paula Wessely. D.— Svktozor:„Ich war Jack Morttmer." D.— Alma: „Im Schatten der Wolkenkratzer." A.— Bajkal: „Dubarry." Gitta Alpar. Engl.— Belvedere:„Gebrochene Herzen." K. Hepburn. A.— Beseda:„Die Christi von der Post." D.— Carlton:„Es gab einmal zwei Schelme." Laurel und Hardy. A.— Illusion:„Episode." Paula Wessely. D.— Lid» II:„Mazurka." Pola Negri, Regie: Willy Forst. D.— Maceöka:„Episode." Paula Wessely. D.— Roxy:„Episode." D.— U Bejvodu: „Nacht der Liebe." Grace Moore. A.— Bald«!: „Maryscha." Slow.— Beletrhy:„Episode." Paula Wessely. D, Urania-Kino, Klimenisha 4. Fernsprecher 61628. Hermann Leopoldi Betja Milskaja, Klavierhumoristen Dazu:„Amphitryon". Der Riugkanrpf mit den Bären Bon Manfred Amon Das Zirkuszelt stand am Beginn der Budenreihe des Jahrmarktes. Ende August wird in der Stqdt Zagreb der größte Jahrmarkt des Jahres abgehalten. Auf dem gibt es nicht nur Kappen-, Stiefel-, Geschirr- und Stoffhändler, sondern auch Schießbuden, Schnellphotographen und Wanderzirkusse. Der ganze Markt besteht aus zwei Budenzeilen. In der einen Reihe stehen die Zelte der Händler, in der anderen die Zelle der Zagreber Wirte. Hier kann man Wein und Bier trinken und Lammbraten dazu essen. Hinter den Wirtszelten flammen die Feuerstellen. Auf Spießen drehen sich Lämmer und Ferkel. Neben den offenen Feuerstellen weiden schafsdämlich die schon bestimmten nächsten Opfer: Wer zu den Buden der fahrenden Leute kommen will, muß an den Zigeunern vorbei. Eine kleine Zigeunerin will unbedingt aus den Karten die Zukunft weissagen. Sie ist auch durch eine kleine Geldgabe nicht davon abzubringen. Die Kleine ist /ine gutmütige Wahrsagerin, ein junger Mann ist jedenfalls von ihren Prophezeiungen sehr befriedigt. -Unter den Zigeunern gibt es recht wesentliche Unterschiede. Der große Jahrmarkt wird auch von den Zigeunern aus dem Murgebiet besucht. Eben dort, wo die Stratosphärenflieger im Borjahre niedergegangen sind, leben diese Menschen. Sie haben in unseren Tagen, in denen die Menschheit die Stratosphäre zu erobern beginnt, die Kulturstufe der Steinzeit noch nicht überwun- den. Sie wohnen in Erdhöhlen und kleiden sich in schmutzige Lumpen. Während, sich die Frauen anderer Zigeunerhorden reich schmücken und rotbunte Kleider bevorzugen, ist an ihren Frauen nicht das winzigste Schmuckstück und nicht ein Fleckchen Farbe zu bemerken. Die Männer tragen ihr Haar lang. Ein Teil fällt ihnen frei auf die Schultern, ein Teil ist in kleine Zöpfchen geflochten. Untereinander verständigen fich diese sonderbaren Leute in einer eigenen Sprache. Sie kommen auf den Markt, nicht um zu betteln, sondern um die Erzeugnisse ihres Fleißes, Teigtroge aus Pappelhölz, zu verkaufen. Der Zirkus besteht aus einem Stück Zellleinwand, das mtt Hilfe von Stangen einen klei nen, unebenen, mit spärlichem Grase bestandenen Erdfleck einschließt. Eine Reihe im Kreise aufgestellter Bänke kann von den zuerst gekommenen Besuchern benützt werden. Zuschauerraum und Arena sind durch nichts voneinander getrennt. Darum hocken auch einige Kinder vor den Bänken, also dort, wo eigentlich bereits die Arena beginnt. Zwei Ecken des unüberdachten Zirkus find bemerkenswert. Die eine ist durch ein schiefgespanntes Stück Zellleinen in eine primitive Garderobe verwandelt. In der anderen Ecke lagern, mit Ketten an einen Pflock gebunden, zwei braune Bären. Drei Männer mit Bauchläden, die sich unter dem Publikum befinden, erwiesen sich recht nützlich. Sie haben unter ihrem Kram auch einige Handspiegel. Bor denen ordnen die jungen Künstlerinnen vor ihrem Auftreten ihr wenig frisiertes Haar. Nachdem jeder Zuschauer einen Dinar auf einen Teller gelegt hat, beginnt die Borstellung. Auf einem ebenso schmutzigen, wie zerfetzten Teppich zeigt ein kleines Mädchen recht beachtliche gymnastische Kunststücke. Es kann Spagat machen, die Kniekehle mit dem Genick in direkte Verbindung bringen, mit den Fußsohlen den Hinterkopf berühren, läßt also an Gelenkigkeit nichts zu wünschen übrig. Nur sieht es leider recht ungepflegt aus und die ganze Vorführung erregt jenes peinliche Gefühl, das sich immer einstellt, wenn Kinder zu Leistungen mißbraucht werden, die ihrem Alter und ihren Kräften nicht entsprechen. Nach dem kleinen Mädchen kommt ein etwa dreizehn Jahre alter Knabe auf den Teppich. Auch er erweist sich als ein gelenkiger Gymnastiker. Großen Aerger läßt er merken, als der Höhepunkt seiner Leistungen, ein Salto von der Hand eines erwachsenen Helfers nach rückwärts, durch einen drolligen Zwischenfall um seine Wirkung gebracht wird. Gerade als der Junge auf der Hand steht und eben im Begriffe ist,' sich abzustoßen, läuft ein kleinwinziges, vielleicht zweijähriges Kindchen über den Teppich. Das hat zur Folge, daß der Junge abgelenkt wird, schief und fehl springt. Der Junge schimpft, das Publikum lacht und der Menschenfrosch steht da und betrachtet ohne Verständnis den geärgerten Knaben. Es zeigt sich, daß der Störenfried das jüngste Zirkuskind ist. Zu klein noch, um sich zu produzieren, versteht eS doch auch schon einen Effekt hervorzurufen. Der Knabe wird abgelöst von seiner Schwester und löst diese ab. Das ist so. Kaum hatte die Vor-' stellung begonnen, stellte schon ein Fruchteisverkäufer seinen Karren in die Leinwandumfriedung. Mit seinem Vanille-, Himbeer- und Zitroneneis konnte er ganz gut die Anforderungen befriedigen, die von Publikum und Künstlerschast hier an ein Buffet gestellt werden. Also ergab es sich, daß besonders die jugendlichen Artisten das Zeichen zum Auftreten neben dem Karren des Fruchteisverkäufers erwarteten und nach ihrer Arbeit sich wieder zu diesem zurückbegaben. Darum tritt jetzt auch eine Pause ein, denn die nächste Vorführung bedurfte einer Vorbereitung, die, der Fruchteismann war schuld daran, noch nicht getroffen worden war. Glücklicherweise ist hier niemand ungeduldig. Das Publikum verfügt ebenso über genügend Zeit wie die Artisten, die ihre Kunst nach dem säumigen Mädchen zeigen werden. Endlich ist es da. Es hat über sein Kostüm vielfach eine Kette geschlungen und produziert fich nun als Entfeßlungskünstlerin. Die Fesselung ist recht locker, das kann man deutllch sehen. Aber keinem Menschen fiele es ein, zu protestieren. Hier gibt man nicht grobe Realüät. Die Kostüme sind arm und ohne Flitter, die Leistungen nicht sensationell. Biel bleibt der Phantasie des Publikums überlassen. Und die Zuschauer, die sich für den Dinar, den sie in den Sammelteller fallen ließen, unbedingt auch freuen wollen» bringen Phantasie genug mit. Sie machen es so, wie Kinder es bei ihren Spielen treiben, die aus einem Stück Holz eine Puppe und aus dieser primitiven Symbolpuppe ein zu betreuendes Kind phantasieren. Darum wird die Enffeffelungstünstlerin auch nicht verhöhnt. Später kommt sie mtt ihrer Schwester wieder, um einen Hopak zu tanzen. Bei dieser Gelegenheit wird sie mit Beifall begrüßt. Dieser Beifall wird ihr, der nun schon Bekannten, als Gruß gegeben. Er gift ihrer Person und nicht ihrer Leistung. Nach dem Hopak wird Theater gespielt. Das geschieht auf die primitivste Art der Welt. Für den kurzen Sketsch, der da aufgeführt wird, braucht man keine Ausstattung. Drei Personen stellen den Vorgang dar. Eine ältere Frau, der die Vorderzähne fehlen, tritt in Zivil auf. Diese Frau ist die Inhaberin des ganzen Unternehmens und wohl die Mutter der jungen Arttstin. Ihr Partner im Spiel, wie im Leben, ist ein magerer Mann, der die traditionelle Maske des Hanswurstes trägt. Als 3. Person im Spiel wirkt eine der jungen Tänzerin, en von vorhin mit. Der Text des Stückes ist einfach genug. Der August soll sich irgendwohin begeben. Aber auf dem Wege findet er das Mädchen, das ihm schweigend den Weg verstellt und nicht weichen will. Nun gibt es komische Beratungen zwischen dem dummen August und der Frau. In drei Sprachen, serbokroatisch, ungarisch und deutsch, versucht der Hanswurst dem Mädchen begreiflich zu machen, daß es aus dem Wege gehen muß. Natürlich hat er keinen Erfolg und selbstverständlich erhätt er schließlich von allen Partnern Ohrfeigen. Wie alle derartigen Szenen ist auch diese auf nichts als auf die Leistung der Darsteller gestellt. Das Publikum findet die Darstellung ausgezeichnet. Es gibt seine Zufriedenheit durch ein recht kräftiges Gelächter zu erkennen. Vielleicht ist der Scherz uralt, vielleicht haben über diese Szene schon im Altertum und im Mittelalter Menschen gelacht. Nach dem humoristischen Spiel kommt der dramatische Höhepunkt der ganzen Vorstellung. Beherzte Männer aus dem Publikum können ihre Kraft an einem der beiden Bären erproben. Sie dürfen mit Meister Petz ringen.. Findet sich jm Publikum kein freiwilliger Gladiator, dann führt der hübsche, schwarze Zigeuner» der die Bären betreut, den Kampf selbst vor. Heute ist das nicht nötig. Ein mittelgroßer Mensch tritt in den Kreis, legt Jacke und Hemd ab und erhält einen alten Rock und eine graue Sportmütze. Damit angetan, wird er dem Bären gegenübergestellt. Natürlich ist dafür gesorgt, daß der Kampf nicht bös ausgehen kann. Der Bär trägt einen ledernen Maulkorb, kann also nicht beißen. Auch trägt das arme Tier einen Ring in der Rase. Jm schlimmsten Fall genügt ein Ruck an der Kette, die vom Ringe hängt, um ihn wieder gefügig zu machen. Der Bär richtet sich auf. Vorhin schien er klein, nun zeigt es sich, daß er so groß ist wie ein Mann. Er brummt, vielleicht ist er gereizt, vielleicht aber hat man ihm beigebracht, daß er vor dem Kampf zu brummen hat. Nun beginnt zwischen dem Manne und dem halb gefesselten Tier eine Balgerei. Der Ausgang wäre nicht zweifelhaft, wenn der Bär sich frei bewegen könnte. Aber auch so scheint es, daß er dem Menschen zu schaffen macht. Es gelingt ihm jedenfalls, dem Gegner die Mütze vom Kopfe zu nehmen. Aber da erfaßt der Mann die Riemen, die vom Maulkorbe des Bären zum Hinterkopf gehen. Ruck und Zug, der Bär geht zu Boden. Damit ist die Vorstellung aus. Das Publikum drängt zu den Schießbuden. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KC 16.—. vierteljährig KL 48.—. halbjährig KL 96.—. ganzjährig KL 192.—.— Jnirrate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post« und Tele- graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:.Orbis". Druck«. Verlags- und Zeüunas-A.-G.. Prag.