Einzelpreis 70 Heller ( einschließlich 5 Heller Porto) Tereinoxnetiole Sosialdemokrat ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TAGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 16. Jahrgang Donnerstag, 9. Jänner 1936 19 min 11 inted poli ini eni 0292 Nr. 7 Eine neue Verhaftungswelle feste ein. SunEin Kriegsbündnis Die braune Bestic schlägt um sichte und aber burn decifion, aus den Belieben Angst vor dem Volke Monster- Prozeß in Wuppertal derte Hunderte Menschen wurden Wohnungen gerissen, aus geschleppt, auf offener Straße in Ketten gelegt und in die Kerker geworfen. Weitere drei Arbeiter: Jericho, Scheffels und Giesebach, Seit Wochen läuft in Wuppertal ein Mons| heraus, in dem sie ihre Vertrauensleute auffors fanden in den Mordhöhlen den gräßlichen Tod. sterprozeß gegen 600 Gewerkschafter. Dieser Pros derte, die Namen aller, die im Verdacht stehen Insgesamt wurden etwa 1100 Mens zez wurde durch 1100 Verhaftungen und könnten, sich„ staatsfeindlich zu betätigen oder fchen verhaftet, ohne Rücksicht auf Alter unmenschliche Mißhandlungen, die zehn Todes- den Staatsfeinden Vorschub zu leisten", der und Geschlecht, ohne Unterschied der Weltans opfer zur Folge hatten, eingeleitet. Die zentrale Gestapo zu melden. Eine ähnliche Anweisung er- schauung und der politischen Zugehörigkeit. deutsche Presse berichtet darüber nichts. Sie ging auch an die Meister in den Betrieben. Sogar 628 Menschen, Parteilose, Sozialdemokras registriert nur hin und wieder die Massenprozesse die Lehrer in den Schulen wurden dazu angehalten, Kommunisten, Christen, Gewerkschafter, Arin den Provinzstädten, die gleichsam wie eine Flut ten, die Kinder darüber aufzuklären, daß es heitsfrontmitglieder, Vertrauensmitglieder, stehen durch das Dritte Reich jagen. In Effen fand nationale Pflicht" sei, auch die eigenen Eltern vor Gericht unter der Anklage ,,, am hochberräte fiirzlich ein Prozeß gegen 72 Angeflagte statt, in und Verwandte anzuzeigen, wenn sie den Staats- rischen Unternehmen" teilgenommen zu haben. Hamburg läuft ein Prozeß gegen 270 Angeklagte, feinden Vorschub leisten. Aber all' das half nichts. Die Prozeßführung in Wuppertal gegen 600. Die jeweilige lokale Presse ergeht sich in hemmungsloser Heze gegen Die Gestapo greift ein die Angeklagten, verdreht ihre Aussagen, entstellt oder verschweigt die Ursachen des wachsenden Widerstandes, terrorisiert die mit den Angeflagten sympathisierenden Bevölkerungskreise. Wuppertal Da griffen die zentralen Gestapostellen ein und entsandten die oft bewährte Mordkolonne, das berüchtigte Kommando zur besonderen Verwendung", We d e, aus Berlin nach Wuppertal. Hunderte Menschen wurden wahllos berhafmann. Zur Aburteilung dieser Sunderten von Ans geklagten sind der 1. Straffenat des Volksgerichtshofs und das Oberlandesgericht Hamm nach Wuppertal übersiedelt. Die Angeklagten werden nach Stadtteilen und Betrieben in größeren Gruppen abgeurteilt. Im ersten Teil des Prozesses wurden tet und mißhandelt, sieben zu Tode gefoltert: Buchthausstrafen bis zu 15 Jahren verhängt. Wuppertalfo heißen nach der 1928 bor muth, Kreitenbaum, Stein, Krä Die öffentlichen Prozeßverhandlungen soll genommenen Eingemeindung die zu einem Häume r, Bidard, Merten, 23 aterten dazu dienen, die Bevölkerung durch die Verfermeer verwachsenen Städte Barmen, Eberfeld, fiindung der schweren Urteile und ihre juris Vohwinkel, Cronenberg, Ronsdorf, Behenburg stische" Begründung einzuschüchtern. Aber das Gegenteil von der gewünschten Wirkung ist eingetreten. Die sich zu den Gerichtsverhandlungen drängenden Menschenmengen Hunderte stan den bereits um 7 Uhr morgens an, also zwei Stunden vor Beginn, viele mußten wegen Ueber füllung umkehren erhielten einen doppelten Anschauungsunterricht. Sie sahen die zynischen Handhabungen des neudeutschen Rechts", die Erbärmlichkeit der neudeutschen Richter und auf der anderen Seite das bestechend ehrliche Verhal ten der Angeklagten, ihr mutiges Eintreten für die von den Nazis zertrampelten und besudelten Menschenrechte. ist eine bekannte deutsche Textilstadt. Die Spezialartikel der Wuppertaler Textilindustrie sind: Bänder, Spizen, Hutligen, Gummibanderzeugnisse, Glanzstoffe, Futterstoffe. Die Wirtschaftskrise traf Wuppertal mit harten Schlägen. 1932 waren ca. 40 Prozent der Wuppertaler Arbeiter eriperbslos. Allein die Zahl der von der Bohlfahrt Unterstüßten erreichte 38.000. Die Zahl der tatsächlich Erwerbslosen in Wuppertal ist gegenwärtig feineswegs geringer als 1932. Die Wuppertaler Arbeiterschaft blidt auf eine langjährige revolutionäre Vergangenheit zurüd. Sie ist stolz auf ihre Stadt, in der Friedrich Engels geboren wurde und eine Zeitlang gewirkt hatte. Bei allen Reichstagswahlen erran gen die sozialdemokratischen Kandidaten die Mehrheit der Stimmen. Beim Kapp- Butsch erhoben sich die Wuppertaler Arbeiter wie ein Mann und schlugen vernichtend das Freikorps Lichtenschlag. Durch einheitliche Aktionen vertrieben sie die Terrorkolonnen der Nazis aus den Arbeiterviers teln und hielten sie bis zum Machtantritt Hitlers im Baum. Walter Krämer, ein bekannter Funktionär des Deutschen Textilarbeiterverbandes, Mit. glied des Reichsbanners, wurde Ende Feber 1935 verhaftet und nach vichischer Mißhandlung mit völlig zerfektem Körper ins Kranfenhaus„ Kapellchen" eingeliefert. Einige Tage darauf verstarb er unter fürchterlichen Dualen. Kreifenbaum, langjähriger Betriebsratsvorsisender bei Schäfer n. Homberg, Mitglieb vorsißender bei Schäfer 1. Homberg, Mitglieb des Deutschen Metallarbeiterverbandes, wurde im Polizeigefängnis, Bachstraße, erwürgt. Der Holzarbeiter Willy Muth wurde am 17. Jänner 1935 verhaftet. Am 23. Jänner teilte man seinen Verwandten mit, er habe sich „ erhängt". Sein ganzer Körper war mit Brandwunden bedeckt, die Füße mit glühenden Eisen durchbohrt. Jeder der Verhafteten wurde gezivungen, fünf Namen zu nennen, da die Gestapo erfahren haben wollte, daß die Gewerkschafter in Fünfers gruppen zusammengefaßt worden wären. Bis zur Verzweiflung getrieben, nannte manch einer wohllos fünf Namen, um nur den Folterungen ein Ende zu bereiten. Die Stimmung der Bevölkerung Die Maffenverhaftungen, die Mißhandlungen, die vielen Todesfälle bilden seit Monaten den Gesprächsstoff, in ausnahmslos allen Schichten der Bevölkerung. Im Flüsterton, im engsten Kreise von Freunden erzählt man sich von dem Wüten der Gestapobeamten, von den herzzerreißenden Szenen in den Familien der Betroffe nen. Man spart dabei nicht an eindeutigen und harten Worten gegen das Regime. das für den Frieden wirkt Der Abschluß des franko- britischen Militärbertrages, dem ewigen Labierer Laval augens scheinlich ebensosehr von Eden und der französis schen Linken wie vom französischen Generalstab abgerungen, ist in dem Stampfe um die Eindämmung des afrikanischen Konfliktes und die Bändigung des faschistischen Brandstifters in Rom nach den Sanktionen die zweite wirksame Ta t. Es steht zu hoffen, daß sie wirksamer sein wird als die erste, zudem sie ja den Weg freimacht für eine dritte, die von Mussolini so gefürchtete Delsanttion. Militärische Bündnisse wirken gemeinhin nicht für den Frieden, sondern provozieren im Gegenteil kriegerische Zusammenstöße. Es gibt von dieser Regel eine Ausnahme: wenn nämlich die Allianz- es muß allerdings dann eine offene Allianz sein eine so starte Macht schafft, daß die zum Krieg gesonnene Gegenseite die Hoffnungslosigkeit ihres Beginnens einsieht, dann wirkt ein militärisches Bündnis zweifellos für die Erhaltung des Friedens. Das ist aber bei der franko- britischen Abmachung in hohem Grade der Fall. Man erinnert sich bei solchem Anlaß mit Nußen der Situationen von 1905, 1911 und 1914. Gelegentlich der beiden Marokkokrijen von 1905 und 1911 hat Englands unzweideutige Parteinahme für Frankreich die Kriegslust der Berliner alldeutschen Streise sehr start abgefühlt und der deutschen Regierung ein Kompromiß er möglicht. 1914 ist Berlin in den Krieg eingetreten, weil es sich der Hoffnung bingab, Engs land werde, wenigstens fürs erste neutral bleiben. Man hat Sir Edward Grey immer wieder mit Recht vorgeworfen, daß seine Politik der Zweideutigkeit den Krieg heraufbeschworen habe. Hätte London Ende Juli 1914 erklärt, daß es an der Seite Frankreichs stehen werde Deutschland hätte nicht gewagt, die Wiener Politik zu unter stüßen. Hätte London erklärt, daß es neutral bleiben werde dann wäre Rußland zurückgeprellt. Hätte London erklärt, es werde in jedem Strieg auf Seite des Angegriffenen stehen-- feine Macht hätte gewagt, eine Striegserklärung abzusenden oder die Feindseligkeiten zu eröffnen. Die Geheimpolitik Greys hat allen Mut gemacht und den Krieg entfesselt. Britische Schiffe im Mittelmeer as to be an old song durch französische ersetzt Seit Monaten wurde die Gefahr eines Umso hemmungsloser, umso zügellofer Weltkrieges nicht so sehr genährt tobten sich hier die„ ,, Sieger" aus. Allein in den durch die schroffe Haltung Englands gegenüber ersten zwei Monaten hatte die Wuppertaler Italien als durch die Italiens Arbeiterschaft 18 Tote zu beklagen. Bald waren freundlichkeit der französi es ihrer 40, die Hunderte der zu Krüppeln Geichen Rechten und des Herrn Laval. Weil schlagenen gar nicht zu rechnen. Der ReichsbanMussolini Grund zu der Hoffnung hatte, er werde nermann aufer wurde vor dem Hause England als isolierten Gegner gegenüberstehen, feiner Eltern erschossen, der Arbeitersportler wagte er alles zu risfieren, auch den Krieg. Weil Dreyer am hellichten Tage auf offener London( AR.) Die britische AdmiraliFranzösische Flottenmanöver die Haltung Frankreichs ihm Hoffnungen auf Straße niedergestreckt, der 60jährige Redakteur tät teilt mit: Einige Flotteneinheiten, insbesonmilitärische Anfangserfolge gegen Malta, der sozialdemokratischen Freien Preffe", dere die Kreuzer Nelson"," Rodney", an der Küste von Korsika gegen Aegypten oder Syrien, gegen Griechenland Ostar Hoffmann, wurde den un- urious" und„ Cairo", werden gemein- Die Londoner Abendblätter verzeichneten die und Jugoslawien( als Faustpfänder für das menschlichsten Torturen ausgesetzt. Bei seiner fam mit der 21. Torpedobootzerstörer Flotille Meldung, daß ein französisches Flotten- unangreifbare England) weil sie ihm HoffEinlieferung in das Wuppertaler Konzentra- Mitte Jänner die übliche Früjahrsgeschwader am 12. Jänner Nebungen in der mungen auf ein mögliches Zusammenwirken gegen tionslager ,, Kemna" wurde ihm zunächst die kreuzfahrt unternehmen. Dagegen werden Nähe der Küste der Provence eine Allianz London- Berlin ließ, hat er dem Hälfte des Bartes geschoren. Dann mußte er einige Einheiten, die zu der in den Gewässern von und Korsikas durchführen werde, und be- Völkerbund zu troben gewagt. 3,, Kemna- Schnittchen" 3 Salzheringe, in Großbritannien stationierten Flotille gehören merkten hiezu, daß dieses Flottenmanöver ein Nunmehr weiß Mussolini, weiß alle Welt Petroleum oder Stauferfett getaucht, und gegenwärtig in Gibraltar weilen, wie Ergebnis der letzten britisch- französischen Unter- und damit auch das italienische Volk, daß ein schlucken. Der alte Mann trümmte sich vor Hood"," Ramillies"," Orion" und redungen in Paris sei. Krieg Italiens gegen England die Militärmacht Schmerzen, was für die SA- Mannschaft nur Neptun", in die englischen Ge ein Ansporn war, ihn blutig zu schlagen. In wässer zurückkehren. Ein genaues ProDie amtlichen britischen Kreise be it rei. Frankreichs auf den Plan ruft. Das bedeutet ten die Richtigkeit einer derartigen Auslegung aber, daß alle Hoffnungen auf friegerische Divers " gleicher Weise erging es dem Leiter des Rechts- gramm über die Bewegungen der Flotteneinhei und erklären, daß der diesbezügliche Beschluß der tonen auf dem Balkan und in Nordafrika zu rheinischen Gaues des Deutschen Textilarbei- ten wird in den nächsten Tagen veröffentlich franzöfifchen Regierung mit den Beratungen des Effig werden. Denn Tripolis, Mussolinis Aufs terverbandes, Pöhlmann. Dieser Terror aber vermochte die Arbeiterschaft Wuppertals nur für eine kurze Zeit einzuschüchtern. Die sich immer mehr verschlechternde Lage, die steigende Not erleichterten es den kleineren revolutionären Birkeln, die ihre Arbeit ununterbrochen weiterführten, breitere Massen um sich zu sammeln. Mitte 1934 bildeten sich in mehreren Betrieben illegale freie Gewerkschaften. die den Kampf für die wirtschaftlichen Forderun gen der Arbeiter aufnahmen. Ihre Barolen fielen auf fruchtbaren Boden, Hunderte Mitglie der der Arbeitsfront, der Vertrauensräte und selbst der NSDAP nahmen an diesem Kampf teil, überzeugt von der Gerechtigkeit der Forderungen, die ihre Führer doch selbst in unzähligen Reden aufgestellt haben. Durch den wachsenden Widerstand auch in den eigenen Reihen beunruhigt, gab die Kreisleis tung der NSDAP ein geheimes Rundschreiben werden. % Rom wartet ab britischen und des französischen Generalstabes in marschraum gegen Aegypten, wird von Tunis flankiert, Britisch- Syrien von Französisch Aus der Meldung ist nicht ersichtlich, ob die Paris absolut in keinem Zusammenhang stehe. Syrien, ein Angriff auf Jugoslawien und Grie Kreuzfahrt der erstgenannten Schiffe ins Mit- Aus das französische Marineministerium chenland würde die französischen Divisionen in telmeer führt, oder ob die aus dem Mittelmeer erklärt, daß die Standortverschiebung des zweiten die savonischen Alpen rufen und die U e ber abberufenen Schiffseinheiten tatsächlich ohne Er- Geschwaders der Kriegsflotte mit den derzeitigen legenheit zur See ist nicht fat bleiben werden. Eher scheint jedoch das letztere politischen Ereignissen in keinerlei Zusammenhang mehr im leisesten anzuz weifeln, der Fall zu sein. Trotz allen offiziellen Demenstche. wenn die britische und die französische Flotte zu= tis steht offenbar die schon gestern gemeldete fammenwirken und sich nicht nur auf Gibraltar, sondern auf Biserta und Toulon, vielleicht auf Nebungsfahrt des zweiten franzöfifchen Rom. Die Londoner Nachrichten über die Cattaro, die griechischen Häfen und die Dardas Geschwaders in die afrikanischen Gewäffer damit im Zusammenhang. Die franzöfifchen Schiffe fol. Zurückziehung einiger englischer Kriegsschiffe aus nellen stüßen fönnen. 24 franto- britische Schlachtdem Mittelmeer laffen, wie von zuständiger ita- fchiffe mit rund 660.000 Tonnen stehen dann len in Uebereinkunft mit dem abgeschloffenen fienischer Seite erklärt wird, vorerst vollkommen gegen vier italienische mit 86.000 Tonnen, zehn Militärpakt die englischen Schiffe ersetzen. Falls im Unklaren, ob es sich lediglich um den Ersay Flugzeugträger gegen einen, den zehn schweren Italien eventuelle Delsanktionen als militärische dieser Einheiten durch andere englische Kriegs- Kreuzern Italiens treten, auch wenn die Briten Maßnahmen auffaßt und feinerseits zum Angriff fchiffe der Heimatflotte handelt oder ob die Maß-| zum Teil anderswo gebunden sind, die zehn übergeht, so würde es im Mittelmeer der Ueber- nahme eine Erleichterung des englischen Drucks im gleichwertigen Frankreichs entgegen, Italiens macht der vereinigten britisch französischen Flotte Mittelmeer bedenten soll. Italien verhalte fich Stärke an leichten Schiffen- Rapidfreuzern und gegenüberstehen. daher vollkommen abwartend. Zerstörern wird ausgeglichen durch sieben Seite 2 Donnerstag, 9. Jänner 1936 Nr. 7 Flottenkonferenz gescheitert? Japan will keine Informationen Uber Schiffsneubauten geben Landen. Mittwoch nachmittags ist ans der Mottenkonferenz«ine ern st e Spaltung eingctreten. Di« Japaner weigern sich aufs ent- schirdenste, den britisch-franz-sisch-italienischen Plan des gegenseitigen AnstaascheS von Informationen über eventuelle Re«, bauten von Kriegsschiffen in Erwägung zu ziehen. Die Konferenz wurde bis Freitag vertagt. Bis dahin wird es sich entscheiden, ob es überhaupt noch einen Zweck hat, die Diskuffion fortzusetzen, falls die Japaner auf ihrer Weigerung beharren sollten. leichte Kreuzer und 70 Zerstörer der Franzosen, die zu den 38 Kreuzern der Briten und den ISS englischen Zerstörern stoßen, Italien- Ueberlegen- heit an U-Booten, den Engländern im Mittelmeer gefährlich, wird wettgemacht durch Frankreichs Flotte von SS SouSmarins mit insgesamt 82.800 tons, die größte Unterseeflotte der Welt. Noch immer bleibt ein von allen Seiten peinlich gehütete- Geheimnis, was Deutschland den Engländern durch den britischen Botschafter Sir Eric Phips mitteilen ließ, als dieser wegen der Haltung Berlins bei Hitler vorstellig wurde. Es verlautet, daß Deutschland für die Zusicherung loyaler, völkerbundsfreundlicher Haltung' sehr viel verlangt habe: Kolonien, die Legalisierung der größten Luftflotte unter allen Genfer Mächten, Preisgabe des franko-ruffifchen Vertrages, Militarisierung des Rheinlandes und Völker- bundSreform in Hitler'schem Sinne. WaS immer zwischen London und Berlin, Paris und Berlin verhandelt wurde, es wird zu einem Gegen- stand zweiter Ordnung angesichts der militärischen Einigung der Westmächte. Durch die Bereitstellung der britischen Luftflotte für Nordfrankreich, durch die Zusicherung, Englands motorisierte Divisionen hinter dem Festungsgürtel zwischen Rhein und Mosel aufzustellen, wird auch eine deutsche Drohung gegen Frankreich hinfällig, verliert ein eventueller deutsch-italienischer Plan zu gemeinsamem Vorstoß auf Lyon seine strategischen Schrecken. Mitteleuropa aber, das ttotz allem einem deutschen oder deutschitalienischen Vorstoß osfenliegt, wird durch di« Rückendeckung Rußlands einigermaßen gesichert. Zu bedauern bleibt freilich, daß es durch die österreichischen Februarereignisse von 1934 und die bisher bewiesene Unfähigkeit der Westmächte zu einer positiven, anti- 'italienischen, anti-hitlerischen, also auch anti» starhembergischen Lösung der österreichischen Frage, zu der Labilität an d.e r Donau, der Achs« jeder mitteleuropäischen Politik, gekommen ist. Man darf also hoffen, daß die britisch-französische Allianz ihre Wirkung-auf Mussolini nicht verfehlen wird. Auch sie kann natürlich Krieg bedeuten— denn wenn Mussolini in Italien selbst stärker bleibt als alle seine Gegenspieler und sich fähig zeigt, ein Land und eine Nation in«inen aussichtslosen BerzweiflungSlampf zu stürzen. Wenn aber eine Kombinatton den Frieden zu retten und zugleich den kriegslüsternen Faschismus auf lange Sicht zu bändigen vermag, dann ist es das Abkommen der Londoner und des Pariser GeneralstabcS. Neuer Protest Abessiniens in Genf „Kabinettskanzlei** des Verteidigungsministers „Planmäßige Ausrottung des Genf. Der abessinische Gesandte in Paris sandte dem Völkerbund eine Rote, in welcher er im Namen seiner Regierung ersucht, den RatS» Mitgliedern und den Regierungen der Mitgliedstaaten folgende Erklärung zur Kenntnis zu bringen: Ohne Rücksicht auf die durch die Bombardierung und Vernichtung des schwedischen Roten Kreuz-Krankenhauses hervorgerufene allgemeine Verurteilung setzen die italienischen Militärbehörden ihren politischen Terror fort und verwenden gegen die abessinischen Truppen im Nordabschnitt Giftgase. Außerdem bombardierten italienische Flieger das Rote Kreuz-Krankenhaus in Dagabur. Die abesfinischtz Regierung ersucht den Völkerbund dringend» er möge eine Unter- ♦ Temblen von den Italienern geräumt Addis Abeba. Offiziell wird mitgeteilt, daß am Dienstag, dem Hauptteiertag des koptischen WeihnachtSfesteS, die abessinischen Truppe» die Besetzung deS Kreises T e m b i e n, westlich von Makale, beendet haben. Die Italiener flüchten, ohne überhaupt Widerstand zu wagen. Von abessinischer Seite wird erklärt, daß die Italiener auf der Flucht alle abessinischen Dörfer in Brand stecke«. In Addis Abeba kursiert das Gerücht, daß RaS Desta an der Südfront dm italienischen eingeborenen Truppen eine große Niederlage bereitet habe. Die Meldung über diesen Sieg wurde aber bis jetzt amtlichnochnichtbe- st ä t i g 1. * Reuter meldet: Die neu eingetroffenen abessinischen und italienischen Meldungen über die Operationen im Tembien-Gebiet widersprechen einander vollkommen. Wenn die Behauptung dv Abessinier richtig ist, daß sie das Tembien-Gebiet östlich von Makale vollkommen in der Hand haben, so bedeutet dies, daß die Abessinier einige Borstöße unternommen haben, deren Ziel es ist, Makale zu umzingeln und die Italiener zu zwingen, sich gegen Norden zurückzuziehen. Demgegenüber haben nach Telegrammen aus eritreischer Quelle die Italiener die abessinischen Truppen, die bis zu den Höhen in der Nähe von Amba Aradam, 20 Kilometer südljch von Makale, vorgerückt waren und sich dort festzusetzen versuchten, durch Ariiltcriescucr zum Rückzug gezwungen. Das Artilleriefeuer wurde durch Flugzeuge gelenkt. Ankaltendes Regenwetter Mittwoch vormittags herrschte über der abessinischen Hauptstadt ein heftiges Ungewitter. Auch aus den einzelnen Provinzteilen wird anhaltendes Regenwetter gemeldet. Aus D e s s i,e eintreffende Reisende erzählen, daß die Sttaße beschädigt und an vielen Stellen unpassierbar ist. Die Flüsse führen Hochwasser und machen ein Ueberqueren sehr beschwerlich. Eine in Addis Abeba eingetroffene Karawane brauchte 24 Stunden, um drei Meilen zurückzulegen. abessinischen Volkes** fuchung der neuerlichen und wiederholten Verletzung der KriegSregeln und der Internationa- len Abkommen anordnen. Es handle sich nicht um vereinzelte Fälle oder«m von einzelnen hervorgerufene Vorstöße, sondern um die Durchführung eines Planes zur rücksichtslose« Ausrottung des abessinischen Volke-, die von der italienischen Regierung in der Presse angekündigt wordm ist. Die abessinische Regierung ersncht den Rat um rasche Feststellung dieser Verbrechen und um ein energisches Einschreiten. In Genf nimmt man an, daß wahrscheinlich ein Sonderausschuß eingesetzt werden wird, der prüfen wird, auf welche Weise sich der Völkerbund mit dieser Seite des italienischabessinischen Konfliktes befassen könnte. ** Auf einmal war es nur ein Versehen... Rom. Zu der zweiten Unterredung des schwedischen Gesandten mit dem italienischen Unterstaatssekretär Suvich wird von Zuständiger italienischer Seite ergänzend mitgeteilt, daß Italien die schwedische Darstellung, der Bombenabwurf habe dem schwedischen Feldlazarett gegolten, unter allen Umständen ablehnt. Bei den gegenwärtigen Besprechungen werden von beiden Seiten Informationen ausgetauscht, um eine Klarstellung zu erreichen. Der Chef der schwedischen Roten-Kreuz- Ambulanz Dr. H y l an der, der bei- der Bombardierung durch italienische Flugzeuge verletzt worden ist, wurde mit dem abessinischen Militärkreuz ausgezeichnet. Die Auszeichnung wurde ihm im Namen des Kaisers vom Außenminister überreicht. Auch Dr. L u n d st r o m, der seinen Verletzungen bekanntlich erlegen ist, wurde posthum daS abessinische Militärkreuz verliehen. Flugzeug bei Manövern verunglückt London. Ein Marineflugzeug, daS Dienstag abends zusammen mit anderen Maschinen das Flugzeugmutterschiff„F u r i o u 3" 311 Uebungs- zwecän verlassen hat, ist von seinem Flug nicht wieder zurückgekchrt. Mittlvoch nachmittag wurde bei Bognor die Leiche des vermißten Flugzeugführer-,’ eines Offiziers,. angeschwemmt. Das Flugzeugmutterschiff und eine Anzahl von Zerstörern hatten die ganze stacht den Kanal zwischen Portland und Spithead vergeblich ab-1 gesucht. Pariser Rechtskreise gegen Sowjetanleihe PariS. In Rechtskreisen wird eine heftige Protestpropaganda gegen die Gewährung einer Anleihe an Sowjetrußland getrieben. Die Bereinigung der Inhaber der ehemaligen zaristischen Renten hat einen Protestaufruf erlassen, und mehrere Blätter sprachen gleichfalls ihre Mißbilligung aus. Das Blatt„Le Jour" betttelt seinen Leitartikel:„Wir schulden Euch 100 Milliarden. borgt Ähr uns noch 800 Millionen?" Die tschechische Linkspresse befaßt sich eingehend mit der auf Anordnung des Nationalvertei- digungSministers Machnik erfolgten Errichtung einer„Kabinettskanzlei" des Minister». Es wird vor allem ins Treffen geführt, daß daS Bertei- digungsministerium selbst doch die Kanzlei des Ministers uyd daß es nicht notwendig sei eine eigene Militärkanzlet zu errichten, die eine Wand zwischen dem Minister und der Armee aufrichte. Welchem Zweck diese Kanzlei dient, geht daraus hervor, daß man sie wie das„Prävo Lidu" schreibt, in militärischen Kressen das„Kabinett der Bauernreiterei" nennt. Der Kabinettschef ist der Major Kropacek, der durch Jahre hindurch Mitarbeiter deS„Venkov" war. Im übrigen sei die Errichtung einer neuen Abteilung im Bertei- digungMinisterium nicht nur in der Kompetenz dieses Ministeriums gelegen, sondern dazu bedarf es der Zustimmung auch anderer Zentralinstanzen, zumal eS sich um die Aenderung des syste« misierten Standes der Beamten deS Ministeriums handle. Agrarier und Volkspartei Nach der Präsidentenwahl hat das Zentralorgan der tschechischen Agrarier„Venkov" die Bolkspartei und deren Führer Minister Erämrk heftig angegriffen, weil dieser die Front der bürgerlichen Parteien durchbrochen hatte und für die Kandidatur Dr. Benes eingetreten war. ES scheint aber, daß sowie der Standpunkt deS„Ben- kov" im allgemeinen auch die Angriffe desselben auf Pater Srämek in der Agrarpartei nicht auf allgemeine Zustimmung stoßen. So erklärt der agrarische Senator Kroiher in seinem Organ „Posumavflh kraj" Folgendes: Wenn schon der Name Srämek genannt wird, muß ich sagen, es ist ihm ein Unrecht geschehe» mit der Behauptung, er habe die bürgerlichen Parteien verraten, weil er mit Benes ging. Er hat niemanden verraten, weil er niemandem etwas versprochen hat als Benes und diesem hat er sein Wort gehalten. Nach den Grundsätzen der Demokratte hatte er da» Recht, seinen Klub dorthin zu führen, wohin eS ihn und dem Klub beliebte. Auch diese Stimme bestärkt die Ueberzeu- gung, daß man die Gegensätze in der Koalition wohl feststellen, aber durchaus nicht überschätzen darf. Für Durchführung der Gemeindefinanzna- velle. Der böhmische Landesausschuß wies in seiner Mittwoch-Sitzung darauf hin, daß das Gesetz 69/36 über die Sanierung der Selbstverwaltungsfinanzen bisher nicht zur Durchführung gelangt ist, obwohl die Tätigkeit auf Grund diese- Gesetzes schon am 1, Jänner hätte begonnen werden sollen. Der Landespräsident wurde ersucht, die zuständigen Stellen auf die ungünstigen Folgen dieser Verzögerung für die Selbswerwal- tung aufmerksam zu machen. Der JmmunitätSauSschuß de» Senat- hält DienStag, den 14. Jänner 1S3S, um 10 Uhr ein« Sitzung ab. Roman von Karl S ty m Copyright by Eugen Prager-V erlag, Bratislava „DarUber habe ich wirklich noch nie nachgedacht. Es mögen so an die zehn Jahre sein oder auch mehr. Auf das kommt’s schließlich gar nicht an. Ich kenne schon fast alle Spitäler und Strafhäuser im Reich. Auch viele im Ausland. Am schlechtesten ist’s. in Polen. Die Leute dort sind schmutzig und geizig und haben nicht einmal was zum Stehlen. Man ist, ehe man sich umgesehen hat, schon wieder auf der Grenze!“ „Hast du denn keinen Beruf?“ „Doch, aber das ist schon lange her. Ich war Seilergehilfe und hätte mir viel erspart, wenn ich mir den letzten selbstgedrehten Strick um den Hals gelegt hätte. Mein Leben ist nun mal verpfuscht und die Straße läßt mich nicht mehr los. Von der Heimatsgemeinde wurde ich ausgewiesen, wegen meiner ersten Dummheit. Ich versuchte an mehreren Stellen mit ehrlichem Willen neu anzufangen. Wer aber einmal gestrauchelt ist, kommt nie mehr richtig iifc Geleise. Ich wurde ein Dieb, der stiehlt aus Freude am Gestohlenen und aus Wut, weil die anderen ehrlich genannt werden!“ Eland schweigt, als hätte er schon zuviel gesagt. Ich frage auch nicht mehr. In der Nacht ist er ernstlich krank. Die Nachtschwester muß ihn frisch verbinden. Die Wunde ist offen und die Naht durchgerissen. Eland will eben noch nicht gehen... Fast täglich kommt einer unserer Kameraden zu Besuch. Sie alle bringen Zigaretten mit Da Hell noch immer teilnahmslos ist, müssen ich und Eland sie rauchen. Mir ist der kleine Gallon dabei behilflich. Ich kann mit meinem unbeholfenen Fingerverband die Zigarette nicht selbst halten. Der Kleine setzt sich zu diesem Zweck auf mein Bett und steckt mir von Zeit zu Zeit die Zigarette in den Mund. Es geht ganz gut so und Gallon hat Geduld für zehn Mütter. Am ersten Sonntag kommt Rohling samt Frau, Berta Mühler und Martha. Berta weint leise an Pauls Bett und Paul sieht sie schmerzlich aus halbtoten Augen an. Röhling und Frau tap-, sen herum, wie Bären am Seil und getrauen sich nicht, laut zu reden. Martha füttert mich mit Süßigkeiten, als wären wir schon verheiratet Ich kann schon herumgehen. Der Nachmittag ist schön, aber mit Paul steht’s schlecht sehr schlecht Eland hat sich beim Eintritt unserer Freunde davongemacht, obwohl er vorher von argen Schmerzen geredet hat. Jetzt, nachdem Röhling und die Mädchen fort sind, kommt er wieder. Seine Augenränder sind rot, als habe er geweint. Er kriecht in seine Pritsche und kehrt uns den Rücken.— Armer Vagant, zu dir kommt Wohl niemand, nicht einmal, wenn du sterben solltest!— Nach vierzehn Tagen bin ich so weit, das Spital verlassen zu können. Ich gehe gern. Paul sagt mir nur:„Komm bald wieder!“ und dreht den Kopf weg. Der kleine Gallon und Eland gehen mit mir, das heißt: Eland schwindelt sich mit. Die Kastanien im Park haben die Blüten abgeworfen und in den Zierbeeten leuchten dunkle Rosen. Ich atme tief und frei auf. Die Menschen auf den Straßen bleiben stehen und sehen uns nach. Auf der einen Seite watschelt Gallon mit seinen krüppeligen Füßen. Auf der anderen geht Eland mit dem gleichgültigen Schritt der Landstraße, der nie weiß, wo er halten soll. Links ein Krüppel am Leben,'rechts ein Krüppel am Leib und ieh inmitten mit beiden Gebrechen... Vor dem Gerichtshaus nimmt Eland Abschied. „Lebwohl Regner!“ Ich halte die feine, weiße Hand in der meinen, die Hand, die einmal Seile drehte und jetzt stiehlt. „Auf Wiedersehen, Eland!" ttAuf Wiedersehen? Das gilt für uns nicht. Die Land straße hört nirgends auf und wir auf ihr kommen immer wieder als Fremde!" Das dünne resignierte Lächeln gibt seinem Gesicht ein unnatürliches Grau, als habe sich der Staub der Landstraße darin eingefressen. Die Strafhaustür schließt sich hinter ihm. Eland mag ein Verlorener sein, aber Schuft ist er keiner. Er ging selbst ins Gefängnis... Ist das richtig? Sollte man solchen Menschen nicht besser auf die Beine helfen, als sie einzusperren und dann wieder aufs Pflaster zu werfen? Müssen sie so nicht wieder stehlen?... aber wo käme man da hin und wo müßte man überall anfangen... Mit dem kleinen Gallon habe ich viel Plage. Seine kindlichen Fragen machen mich nervös und er will ausgerechnet in der Straßenmitte gehen, um nach beiden Seiten zugleich sehen zu können. Der Arme hat über ein halbes Jahr die Welt nur vom Krankenzimmer aus gesehen... Der Krankenkassenarzt bewilligt mir zwei Wochen Urlaub. Diesen verlängere ich durch meinen Gebühren-Urlaub und fahre nach Hause. Um Mutter nicht zu sehr zu erschrek- ken, ersetze ich den gefährlich aussehenden Fingerverband durch Pflaster. Das schaut weniger zum Erschrecken aus. Martha geht mit zum Bahnhof. „Ich lasse deine Mutter grüßen!“ sagt sie zaghaft. „Ich danke dir!“ Aber ich glaube, ich werde es nicht tun. Schaffner- und Büfettjugendgeplärre und langweilige Gesichter nehmen mich in eine neue Welt auf, die anders ist, als die des winkenden Mädchens in der Bahnhofhalle... Das rhythmische Knattern der Schienenstöße fließt in die zittrige Landschaft hinaus. Über den flüchtenden Wäldern, Wiesen und Dörfern liegt eine weiche Melodie: nach Hause. Je länger ich aber fahre und je bekannter mir die Gegend wird, um so stärker wird eine bohrende Ängstlichkeit in mir. Wie werde ich die Meinen zu Hause antreffen? Nach vier Jahren« Nr. 7 Donnerstag, S. Jänner 1936 Seite 3 Humor um die SdP Unterm Strich pflegt der Phantasie, der schriftstellerischen Erfindung Raum gegeben zu werden. Deshalb machen wir nachdrücklichst darauf austnerksam, daß die folgenden Zeilen nicht in unserer oder in einer anderen Redaktion erzeugt wurden, sondern Auszug aus einem tatsächlichen Brief sind, den ein uns dem Namen nach bekannter Deutschböhme an einen gleichfalls nicht unbekannten SdP-Funkim« när schrieb. Wir danken es dem Zufall, dctz dieser Brief, der voll satirischer Laune ist, in unsere Hände gelangte. Mein lieber.... eS ist wahrlich zuviel! Richt nur, daß Vaseline mir eine erfreuliche Ueberraschung zuteilte, daß im Reiche der NA-Studentenbund nun von den Verbänden tödlich umarmt wird, kommt da auch noch znm Schluß die Nachricht von Deinem junggcselligen Ableben... Freude häuft sich auf Freude! Die Volksgemeinschaft scheint sich wirklich nicht mehr verhindern zu lassen, da nun selbst mein Vater an der T e p l i tz e r Kundgebung teilgenommen hat. Ich selbst war nicht dabei und ich muß schon sagen, meine Phantasie reicht voPtändig aus, um mir mit Unterstützung der ,Lckt" nachher ein vollgültiges Bild zu machen. Ich bitte Dich aber, dem Verfasser der Byzantinismen mit folgendem noch an die Hand zu gehen: In die Luft geworfene Hüte und Kinder, vertrante Männer und Backfische, Greisinnen nach Gewaltmärschen, durchbrochene Gen- darmene. und Polizeiketten, minutenlanges Aufheulen der Massen ist nicht hinreichend. Im empfehle Dir, diesem Goebbelsschüler anzuraten, er möge für den nächsten Großtag— der sich, wie Feinhörige behaupten— in unserer traulichen Stadt ausleden wird, bereits jetzt schon vormerken und dann verwenden: Als Konrad gegen Komotau fuhr, da winkten ihm'aus den friedlichen OrtStriedhöfen an der Straße di« Toten zu, die Spitäler öffneten ihre Pforten und,sämtliche Krankenkaffenpatienten fühlten sich auf einmal gesund und folgten ihm. Selbst der Deutschritter am Fußballplatz wischte sich mit seinem Schild die Augen. Du wirst selbst diese Lücke enwfunden haben. Tenn der ständige Hörer des ReichSrundfustks kennt die Wendung deS Goebbels: Es war ein Kriegsbeschädigter zusammengestürzt. De- Fiihrer strahlte ihn an und freudig erhob sich der eben Verunglückte. Oder: Eben bricht die Sonne durch die Wolken... Bei der Saarbefreiung geschah Folgendes: Als bei der Autozielfahrt ein eben Ankommender gebeten wurde, auch etwas zu sagen, da meinte er: Als wir in Saarbrücken ankamen, da brach die Sonne durch die Wolken. Schallende Heiterkeit. Der Sprecher: Mensch, det is doch bischen zuviel. Sie sehen doch, daß es hier schon seit zwei Tagen regnet. Jng. Rudolf Staffen, technischer Revisor in Prag, 37 Jahre alt» ausgenommen. Er behauptet, keiner politischen Partei anzugehören» aber dem„Bund der Sudetendeutschen" nahegestanden zu haben. Er schilderte sodann zusammenhängend seine politische Entwicklung. Seit dem Umsturz bis zum Jahre 1925 stellte er sich zur Tschechoflowakei negativ ein. Erst im Jahre 1926 wurde^er Aktivist und er führt auch die Umstände an, die ihn zu dieser neuen Auffassung bewegten. Es war dies die Freundschaft zu einem tschechischen Soldaten, mit dem er diente, ferner das Leben in Prag etc. Steffen schildert ausführ, lich die Entwicklung deS deutschen AktiViSmus in der Tschechoflowakei und sagt über seine Mitarbeit im„Weg" aus. Er habe sich nicht grundsätzlich gegen die Republik gestellt, er forderte lediglich die durch die Verfassung' verbürgten Rechte der Sudetendeutschen.— Tie Verhandlung wurde sodann auf morgen vertagt. Der Dreizehnjährige nnd die Pistole. Ein dreizehnjähriger Junge aus Fischern bei Karlsbad hatte in einem Fischerner Waffengeschäft für 27 KL eine Flobertpistole erstanden und war dann mit einigen Spielkameraden gegen Altrohlau gegangen, um auf. einer Wiese, die Waffe auszüprobieren. Die Pistole versagte,-zunächst, ging aber dann doch plötzlich los, und das Projekfil verletzte den jungen Schützen an der rechten Hand, so daß ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mutzte. Der Arzt meldete den Vorfall der Polizei, die die Waffe beschlagnahmte und gleichzeitig gegen den Fischerner Waffen« Händler das Strafverfahren deswegen einleitete, weil dieser trotz des bestehenden Verbotes eine Pistole an einen Jugendlichen verkauft hat. blutiger Streik in Argentinien Buenos AireS.< Reuter.) An dem Sympathiestreik für die Bauarbeiter, die sich bereits eine Woche, im Ausstand befinden, beteiligen sich mit Ausnahme der Eisenbahner all« in den Gewerkschaftsorganisationen vereinigten Arbeiter. Durch Ausschreitungen der Streikenden wurde der Eisenbahnverkehr an einigen Stellen unterbrochen und auch Autobusse wurden mit Steine» beworfen. In einigen umliegenden Gemeinden hält die tfudetendeutsdicE Zcitspie£el Ein Brief aus dem Egerland Einer unserer Freunde im westlichen Teil des Erzgebirges sandte uns dieser Tage einen sehr ausführlichen Brief über die Stimmung der Bevölkerung. Wir entnehmen diesem Schreiben folgende Stellen: ES ist in einer ganzen Anzahl Ortschaften unseres Erzgebirges offenes Geheimnis, daß eine erhebliche Unzufriedenheit und Katzenjammerstimmung, zeitweise sogar Aufruhrstimmung innerhalb der SdP herrscht. ES gärt und brodelt hinter dem Phrasennebel der Volksgemeinschaft. Die HenleinS veranstalten Diskussion S» abende, die jedoch nicht in öffentlichen Lokalen statffinden, sondern hinter verschlossenen Türen in den Wohnungen der Amtswalter. Im Dunkel der Nacht schleichen die Volksgenossen Amtswalter in ihre Diskussionshutzenstuben und reagieren dort ihre Verbitterung ab, indem sie einesteils tüchtig über dic eigene Ohnmacht schimpfen, andernteils die Walze der Flüsterparolen, neu auflegen. Die Frauen allerdings lassen diese sudetendeutschen Erneuerer hübsch zu Hause, weil nach arischer Sitte ja das Politisieren Männersache ist. Ein wichtiges Thema dieser Hutzenstubendiskussion ist die Gliederung der SdP in die S t ä n d e. Bei den Proleten beginnt es zu dämmern, daß sie als der allerniedrigste Stand betrachtet und entrechtet werden sollen. Der Volksgenosse Arbeiter in der SdP bekommt langsam einen Ahnungsschimmer, welcher Unterschied zwischen ihm und dem Volksgenossen Unternehmer besteht. Lebhaft wird diese Gliederung in Stände diskutiert und viele geben ihrer Erbitterung Ausdruck. Aber auch die Arbeitslosenunterstützung, die nach dem Plan der Herren SdP- Führer so sein soll, daß das Genter System abgeschafft und die Ledigen nur mit 29 KL, die Verheirateten mit nur 89 KL Unterstützung^abgefertigt werden, für die die Arbeitslosen noch Zwangsarbeit leisten sollen, hat sehr viel Staub innerhalb der SdP des Erzgebirges aufgew,irbelt. Es gab darob Aufruhr in den Huhenstubendiskuffionen und die entsprechenden V o r l a g e n, die den Ortsgruppen von ihrer obersten Führung zugeschickt worden waren, wurden vielfach wieder zurückgeschickt. Zum Vertrieb unter den Mitgliedern usw. sind den Ortsgruppen der SdP Kalender zugesandt worden, von denen ein Stück 16 KL kosten sollte. Ueber den hohen Preis für diese ganz gewöhnlichen Kalender herrschte in den Ortsgruppen eine derartige Empörung» daß sie diese Kalender- Pakete zurückschrckten, ohne einen einzigen zum Vertrieb gebracht zu haben.. In den letzten Tagen vor Weihnachten sind in allen Ortschaften diestaatlichenWinter- hilfsaktionen durchgeführt worden. Zur rechten Zeit kamen die Lebensmittel zur Verteilung und in sehr vielen Familien wurde so vom Staate große'Hrlfe und Freude gebracht. Der SdP aber ist ihre sudetendeutsche Volkshilfe vorbeigelnngen. Denn unter den Aermsten der Armen spricht heute nur selten einmal jemand von dieser SdP-Hilfsaktion, sondern überall geht das Gespräch nur um die großzügige staatliche Winterhilfsaktion. In ihrer Aus- wegSlosigkeit versuchen nun die SdP-Parolenschuster auch hier im Trüben zu fischen, indem sie das Märchen verbreiten, daß diese staatliche Winterhilfsaktion nur der SdP zu verdanken sei. Ja, in manchen Orten behaupten SdP-Leute in ihrer Verblendung.sogar, daß diese Aktion überhaupt die Winterhilfsaktion der SdP seil Oerterrelchtoche Arbelttlotenzlffern Wien. Ende Dezember wurden in„ Oesterreich 284.914 unterstützte Arbeitslose gezählt. Im Vergleiche zur letzten Zählung am 15. Dezember ergibt sich eine Zunahme von rund 22.490. Zwölf Hitler-Apostel der Landjugend unter Schutzsesetz-Anklage Darunter SdP-Sekretar Wir haben seinerzeit ausführlich über eine Schutzgcsehaffäre der Deutschen Landjugend berichtet, in die auch der Sekretär des SenatsklubS der SdP., Jng. WalterApPelt aus Aussig, verwickelt ist. Es handelt sich nm die Entsendung einiger junger Leute aus der Tschechoslowakei in reichsdentsche Landdienstlager, wo sicher die Loyalität gegenüber der Tschechoflowakei nicht gerade Hauptgcgenstand der politischen Schulung gewesen fein dürfte. Nunmehr hat die Staatsanwaltschaft in Leitmeritz gegen den Privatbramten Franz H o f- Appeit mann in Aussig, Funktionär der Deutschen Landjugend» und gegen weitere elf Beschuldigte, darunter auch gegen Jng. A p P e l t» die Anklage wegen Verbrechens nach Paragraph 2» Abs. 2 des SchntzgesetzeS erhoben. Die Angeklag- ten haben die Teilnahme an dem Landdienstlager teils vorbereitet und vermittelt, teils haben, sie selbst daran teilgenommrn. Die Hauptverhandlung, die voraussichtlich einige Tage dauern wird, dürste schon sür Ende Jänner oder Anfang Feber beim KreiSgericht in Leitmeritz durchgeführt werden. 141.000 Arbeitslose in Nordböhmen Wir haben Mittwoch über das Ansteigen der Arbettslostgkett im Dezember berichtet. Dieses Steigen kommt naturgemäß auch in dem Steigen der Arbeitslosenziffern im Gebiet der Arbeitsvermittlungszentrale in NordbSh- men in Reichenberg zum Ausdruck, wo am 30. November 129.009, Ende Dezember 141.074 Arbeitslose gezahlt wurden. Diese Erhöhung der Anzahl der Ar- bettslosen ist zum Teü auf die Einstellung bzw. Unterbrechung der Notstands« und Znvestitionsarbeiten zurückzuführen, die im Minter nicht vorgenommen werden Können, zum Teil aber auch Folge der Weihnackts- und Neujahrs au ssehungen der Arbeiter- schäft in manchen Industriebetrieben. Allerdings hat man, wie die Arbeitsvermittlungszentrale zu berichten weiß, in den meisten Betrieben wieder m i t d e r n o r m a l e« Arbeit begonnen. Weitere Verhaftunsen in Neuem Darunter vier Soldaten Pilsen.(Tsch. P.-B.) Die Erhebungen betreffend die antistaatliche Tätigkeit deuffcher Studenten im Böhmerwaldgebiet werden eifrig fortgesetzt. Die Zahl der Verhafteten hat sich gegenüber der Vorwoche um sechs Personen vermehrt, die zum größten Teil aus Neuern und Umgebung stammen. Unter den Verhafteten befinden sich auch vier Soldaten. Schulen im Kohlengebiet wesen Kohlenmansels geschlossen I AuS Karlsbad wird uns berichtet: Ein bezeichnendes Licht auf die im sudetendeutschen Randgebiete herrschenden Zustände wirft die Tatsache, daß die beiden Vollsschulen in der Ortschaft Neusattl bei Elbogen infolge des absoluten Mangels an Heizmaterial geschloffen werden mußten. Neusattl liegt mittenimKohlen- gebiete und weist mehrere Gruben auf, doch ist es der Schulleitung nicht möglich, die zur Beschaffung des erforderlichen Heizmaterials notwendigen Mittel aufzubringen. Sie hat sich deshalb veranlaßt gesehen, sich an die Bergunternehmungen deS Ortes mit der Bitte um Gewährung von Kohlen auf„Borg" zu wenden. Falls ihrer Bitte nicht entsprochen würde, müßten die Schulen weiterhin geschloffen bleiben. Frans Schuberts sudetendeutsches Vaterhaus Noch immer ist's nicht allgemein bekannt, daß Franz Schubert, der unsterbliche Wiener Meister des Liedes, einem nordmährischen Ge, schlecht fränkischer Herkunft entstammte. Zu Anfang des 17. Jahrhunderts kam Schuberts Ahn in die Mährisch-Alt st ädter Gegend und etwa hundert Jahre später erwirbt ein Karl Schubert von seinem Schwiegervater das Bauernhaus Nr. 41 in N e u d o r f. Der sechste Sohn dieses Karl, Franz, wird Schulmeister und zieht nach Wien. Dort wird ihm als zwölftes Kind— noch zwei folgten— Franz Peter Schubert, der nachmals große Tondichter geboren. Das Haus, in dem Schuberts Vater zur Welt kam, dient auch den derzeitigen Besitzern,' einer Familie Stanzel, noch als Wirtschaftsgebäude. Es ist aüersschwach geworden. Um so mehr sind die Bestrebungen der Schubertfteunde verständlich, durch Ankauf das Gebäude als„S ch u b e r t- haus" zu erhalten. Hoffentlich läßt sich dieser Plan, der die wärmsten Sympathien vor allem des Sudetendeutschtums verdient, bald verwirklichen. Di« Krise in den Kurorten. Eines der ältesten Kurhäuser Karlsbads, das im Jahre 1797 brauberechtigt gewesene, jetzt im Besitze des Franz Roscher befindliche Objekt„Weißer Löwe" ist über Betreiben der Fischerner städtischen Sparkasse unter Zwangsverwaltung gestellt worden, nachdem die Summe der Belastungen die stattliche Höhe von 5,783.720 KL erreicht hat. Die Sparkasse in Fischern, die das Begehren auf Zwangsversteigerung des Objektes gestellt hat, hatte eine Forderung von 753.835 KL angemeldet; die Zwangsversteigerung wurde indeffen vom Karlsbader Bezirksgerichte in eine Zwangsverwaltung umgewandelt. Noch im Jahre 1928 war das Kurhaus„Weißer Löwe" mit großem Kostenaufwand gründlich umgebaut und mit neuzeitlichem Komfort ausgestattet worden, doch hat die zunehmende Wirtschaftskrise, deren Rückwirkungen in den Kurorten, und darunter besonders in Karlsbad, katastrophale Formen angenommen haben, auch diesen alten Besitz unter Zwangsverwaltung gebracht. Im Prozeß gegen Dr. Patscheider«nd Genossen wurde Mittwoch das Verhör des Reichenberger Professors Dr. Lehmann beendet. Dann wurde das Verhör mft dem Angeklagten Roosevelt;: Ich- kenne keine Widersprüche, nur Wähler! Ich verwende mich gegen diese Dinge, weil meine, wenn auch mit undeutschem Namen gezierte germanische Haltung und'Nüchternheit derartige FasziSmen aus dem Lande, wo die Zitronen blühen, von Herzen ablehnt... ES scheint mir aber doch nunmehr höchste Zeit, einmal bißchen GaS zu geben. Denn ansonsten könnte es passieren, daß zum Schluß die ganze Hauptleitung auf die Galerie geschickt wird... Es scheint schon so zu sein. Die ewige Wiederkehr des Gleichen. Und selbst der vereckerte Lessing hat streckenweise mit der Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen nicht zu unrecht. ES mußte ein 89. Jänner kommen, damit ein Stahlhelm gegenüber der SA abfällt, und es gab da einen 89. Juni, und einen heurigen Parteitag, damit die SA nichts weiter wird, als ein Ueberstahlhelm. So ginge es noch weiter im Reiche, wenn man weitere- anführen wollte... Da gibt eS auch einen von mir sehr geschätzten Juristen Böhm, der nun in Taus in der Offiziersschule mir von Zeit zu Zeit bedrückende Briefe schreibt und da gibt eS auch Dich, der mir seit längerer Zeit überhaupt nichts mitgeteilt hat, obzwar eS Dir als Werbeleiter— abgesehen davon, wie unwichtig Du auch meine Nichtigkeit nehmen magst— immerhin und doch angelegen sein sollte, endlich auch mich für die sudetendeutsche Partei zu werben...' In Erwartung eines baldigen Schreibens von Dir bin ich mit den herzlichsten Grüßen für Dich und Derne grau Dein Polizei die Bahnhöfe mit Maschinengewehren besetzt. Bei einer Schießerei in Billa Urquiza kam ein Polizist«nd ein Führer der Streikenden«mS Leben. Auch Frauen rotteten sich zusammen und nahmen gegen die Polizei Stellung; sie bewarfen Straßenbahnwagen mit Steinen nnd stürzte« Fuhrwerke mit Lebensmitteln um. Präsident Justo ist mittels Flugzeugs in die Hauptstadt zurückgekehrt. Die Zahl der Verletzten bei den Zusammenstößen zwischen den Streikenden nnd der Polizei ist auf 171 gestiegen. 30 Personen wurden ver- ! haftet. An einigen Stellen wurden Autobusse und Straßenbahnwagen in Brand gesteckt. Malwahlen In Belgien? Brüssel. In hiesigen politischen Kreisen wird mit Jntereffe die Frage nach dem Zeitpunkt der Ausschreibung der Wahlen ventiliert. Die Regierung hat dem Parlament einen Entwurf vorgelegt, wonach die Wahlen bis zum Oktober verschoben werden sollen, und zwar mit der Begründung, daß man dem Parlament Zeit lassen müsse, damit eS seine Arbeiten unbeeinflußt vom |„Vorwahlfieber" erledigen könne. Trotzdem werden in parlamentarischen, haupffächlich sozia- ;listischen Kreisen Stimmen laut, die eine Aus- i schreiüung der Wahlen für den M a i fordern, Seite 4 Jagesneuigkeiten Auf der Suche nach Brot. Dieser Tage wurde aus dem Ort Engerau in der Slowakei ein Unfall gemeldet, der seiner symbolhaften Bedeutung wegen nicht einfach in der Rubrik der vielen kleinen", nämlich noch glimpflich abgelaufenen Unfälle untergehen sollte. Ein Vierzehnjähriger ist vom Boden des elterlichen Hauses fünf Meter tief abgestürzt und hat sich innere Verlegungen, dazu eine schwere Gehirnerschütterung zugezogen. Aber das Tragische an dem Unfall ist vor allem das Motiv, aus dem der Knabe den anscheinend hohen und schwer zugänglichen Boden erkletterte. Er suchte dort nicht romantische Geheimnisse, nicht eine tolle Jungenphantasie jagte ihn über Balfen und Sparren auf halsbrecherischem Weg empor, er suchte einfach Brot. Die Eltern hatten es, ehe sie in die Stadt aufbrachen, versteckt, das Kind, hungrig wohl, denn mutwillig jagt man höchstens Leckereien, nicht aber dem Brote nach, suchte, den verborgenen Schat und verlor beinahe das Leben. Wie vielen geht es so in dieser Zeit! Sie suchen das Primitivste, das Selbstverständliche: Brot. Sie geraten auf Abwege, müssen Umwege machen, ihren Ruf, ihr Leben, ihre Gesundheit riskieren und finden oft nicht, was sie suchen. Menschen werden zu Helden, zu Verbrechern, zu Selbstmördern, zu Weisen und zu Narren auf der Suche nach Brot. Jahre lang suchen es Millionen und finden es nicht. Welch klägliche Welt, die mit ihrem ganzen Fortschritt, ihrer blendenden Technik, nicht imstande ist, den Brotsuchern den Weg zum wallenden Weizenfeld zu zeigen, sondern den Weizen lieber verbrennt und verderben, die Menschen aber verhungern läßt! Zehn Menschen im Eis eingebrochen. Montag liefen viele Personen in Neuhaus auf dem Teich Bajgar Schlittschuhe. Plötzlich brach die Eisdecke durch und zehn Leute fielen ins Wasser. Da es sich glücklicherweise nur um eine seichte Stelle des Teiches handelte, kamen die Verunglückten mit einem falten Bade davon. Sowjetdampfer gestrandet. Der sowjetrussische Frachtdampfer" Donez", mit einer Tragfähigkeit von 2650 Tonnen, der am 29. Dezember von Leningrad nach Hamburg und Rotterdam ausgelaufen war, strandete in der Nähe von Wiborg. Zwei Leichen wurden an der Küste angeschwemmt. An die Stelle, an der das Schiff wahrscheinlich den Schiffbruch erlitt, wurden zwei Sowjeteisbrecher entsandt. Die Frau und vier Kinder erschossen. In der Ortschaft Hal, in der Nähe von Brüssel, hat am Mittwoch ein Mann seine Frau und seine vier Kinder aus bisher unbekannten Gründen durch Revolverschüsse getötet. Als der Täter verhaftet werden sollte, flüchtete er auf das Dach des Hauses und drohte, in die Menge auf der Straße hineinzuschießen. Die Polizei hat das Gebäude abgeriegelt. Felsblock erschlägt Vater und Tochter. In Obholz auf dem Kitzbüheler Horn löste sich infolge Tauwetters ein großer Felsblock los, der auf das Haus des Bauern Andreas Reich er fiel, das Dach durchschlug und der 16jährigen Tochter des Bauern den Schädel zertrümmerte. Das Mädchen war sofort tot, während der Vater schwere Verletzungen davontrug. befallen werden können. Goebbels und der Gleichschaltung könnte man eine viel näherliegende Ursache der Papageienkrankheit entdecken! Donnerstag, 9. Jänner 1936 Ein Kraftwerk versorgt sechs Staaten 2 Arbeiter beim Einbau des größten Generators der Welt in das Boulder Dam m= Kraft werf im nordamerikanischen Staate Ne= bada. Fünfzehn solcher Generatoren werden aus diesem größten Kraftwerk, das je erbaut wurde, sechs Staaten mit elektrischem Strom versorgen, darunter Riesenstädte wie Los Angeles. Nr. 7 Aufgabe noch zu erschweren, hat er die Bedingung akzeptiert, daß es nur Blonde sein dürfen. Er bes gann mit dieser Refordküsserei, und zunächst ging alles ausgezeichnet. Die Mädchen waren willig, und als man in immer weiteren Kreisen von der Wette erfuhr, drängten sie sich förmlich, um einen Wettfuß zu erwischen. Der Mann hätte auch unbedingt die Wette gewonnen, wenn nicht trotz der Verschwiegenheit der Presse seine Frau bei diesem Massenbetrieb doch eines Tages dahinter gekommen wäre und nun die Scheidungsklage eingereicht hat. So lange die Scheidung läuft, sieht sich der Mann gezwungen, das Küssen vorläufig einzustellen. Rückgang des Branntweinverbrauches in der Sowjetunion. Im Jahre 1935 wurde in der Sowjetunion fast um 13 Prozent weniger konsumiert, als im Jahre 1931 und nur 56 Prozent der im zaristischen Rußland auf dem jebigen Territorium der Sctvjetunion konsumierten Menge. Hierbei mug in Betracht gezogen werden, daß die Einwohnerzahl der Sowjetunion von 138 Millionen im Jahre 1913 auf 175 Millionen im Jahre 1935 gestiegen ist. Goldfische werden rar. Man kann zur Zeit in Frankreich fast nirgends Goldfische auftreiben. Der Grund dafür ist höchst aktuell: der Mangel an Goldfischen ist eine Folge der Sanktionen gegen Italien. Denn fast alle Goldfische werden aus Jtalien eingeführt, nicht nur nach Frankreich, sondern auch nach allen anderen Ländern. Die italienische Goldfischausfuhr ist sehr erheblich und erreicht 30 Millionen Stück pro Jahr. Die Goldfische werden in den fumpfigen Teichen in der Nähe von Bologna, Rimini und Ferrara gezüchtet, deren Wasser einen starken Eisengehalt aufweist, was die Färbung der italienischen Goldfische besonders schön macht. Aber die Gold Deckung der Lira kann Mussolini mit ihnen eben doch nicht strecken! Achtung vor einem Schwindler. Das Präsi polizei eingestellt werden mußten. Ludendorff, der sich über diese Behinderung seiner religiösen Propaganda bitter beklagt, gibt der Hoffnung dium des Heilfonds macht darauf aufmerksam, daß Ausdruck, daß es im kommenden Jahr trotzdem in der Slowakei ein Unbekannter angeblich im gelingen möge ,,, immer mehr Verstehen für die Namen des Heilfonds Verträge mit Zahntechnikern Bedeutung deutscher Gotterkenntnis und die Le- abschließt und von diesen Vorschüsse einhebt. bensgestaltung nach ihr im deutschen Volke Plaz zu solchen Abschlüssen sind nur die Bezirksausschüsse zu verschaffen". des Heilfonds ermächtigt und sonst niemand. Das Präsidium des Heilfonds ersucht daher, falls sich ein ähnlicher Fall wiederholen sollte, sofort die nächste Gendarmeriestation zu verſtändigen. Der Pariser Kasationsgerichtshof hat die Bes rufung, die der erste Verteidiger der im Marseiller De3bon 3, gegen seine Streichung aus der AnKönigsmordprozeß angeklagten Ustachi, Rechtsanwalt Die öffentliche Zichung der Prämienkupons der waltsliste eingelegt hatte, zurückgewiesen. Damit ist Weihnachtszigaretten findet Freitag, den 10. d. M., Desbons von der Anwaltsliste endgültig gestrichen. um 17 Uhr im Ziehungssaal der Lotteriedirektion in Prag I. statt. Ueberfall auf einen Prager Chauffeur. Die Prager Polizeikorrespondenz meldet, daß Mittwoch abends von einer Autodroschke der Chauffeur Jan Masopust aus Prag XI., Palackého 40, ins Prager Krankenhaus eingeliefert wurde. Der Center hatte Masopust um 346 Uhr abends mit Verlegungen im Straßengraben zwischen den Ortschaften Dušnity und Chráštany aufgefunden. Masopust gab an, daß er nachmittags an der Ecke Jáma- Vodičkova in Prag von einem sprach und einen lichten Regenmantel trug, zur etwa 24jährigen hageren Mann, der deutsch Fahrt nach Beraun aufgenommen worden sei. Dort hielt sich der Passagier in der Handelsakademie etwa 30 Minuten auf, worauf sie nach Zum Falle Kozimov, des Beamten der Prager nochmals umtehren und nach Beraun zurückfah- russischen Behörden wir gestern berichtet haben, wird Prag zurückführen. Auf dem Rückweg mußte er Sowjetgefandtschaft, über dessen Auslieferung an die ren. Nach zehn Minuten fuhren sie neuerdings amtlich mitgeteilt, daß unzweifelhaft festgestellt in der Richtung gegen Prag zurück. Während der wurde, daß Kozimov seinerzeit lediglich die eiserne Fahrt versetzte der Passagier dem Chauffeur von Sandlasse mit einem Betrag von über 700.000 Kč rückwärts etwa fünf Hiebe gegen den Kopf und entwendet hat, während Dokumente politischen Inden Hals, warf ihn dann aus dem Wagen hinaus halts in der Kasse nicht enthalten waren. Die und fuhr gegen Prag davon. Der verletzte Chauf- Untersuchung habe auch keinerlei Umstände zu feur wurde auf der Klinik Schloffer in Behand tage gefördert, die darauf hinweisen würden, daß lung belassen. Der Täter fuhr mit dem Wa- dieser Diebstahl irgendeinen politischen oder einen gen 26.827 nach Prag. Dort fuhr er anderen rätselhaften Hintergrund hätte. Deshalb in der Pilsner Straße in Košič gegen eine an wurde Kozimov nach Erledigung der Formalitäten der Straßenecke stehende Tabakbude, ließ dar- nach Rußland ausgeliefert. Die Nachrichten, daß aufhin das Auto stehen und verschwand vor dem Kozimov verschiedene Namen benüßt und auch unter Eintreffen der Polizei. verschiedenen Namen polizeilich gemeldet gewesen sei, beruhen ebenfalls nicht auf Wahrheit. Konditorei als Waffenlager. In einer Konditorei in Saragossa fand die Polizei ein großes Waffen- und Munitionslager mit über 100 geladenen schweren Bomben. Erdbeben an der steirisch- jugoslawischen Grenze. Wie aus Graz gemeldet wird, wurde Mittwoch um 17 Uhr dort sowie in der Weststeiermark und an einigen Orten der jugoslawischen Grenze ein leichtes Erdbeben wahrgenommen. Nachrichten aus Jugoslawien besagen, daß dort das Erdbeben, besonders in Marburg und Laibach, stärker verspürt wurde. Andauern des warmen Wetters. An der Vora derseite sehr tiefe, aber entfernte Drudſtörungen, über dem Ozean wird dem Binnenland andauernd warme Luft aus dem Südwesten zugeführt. In unseren Gegenden herrscht leichter Frost bloß auf den höheren Bergfämmen, in den Niederungen bes trug die Temperatur Mittwoch nachmittags/ im ganzen Staatsgebiete durchschnittlich plus 5 Grad; vereinzelt fällt ein wenig Regen oder Sprühregen. Strenge Fröste bleiben auf den äußersten Norden des Erdteiles beschränkt. Wahrscheinliches Wetter von heute: Wechselnd bis vorwiegend bewölkt, keine bedeutenden Niederschläge, mäßig warm, in den Niederungen nur vereinzelt leichter Nachtfrost, überwiegend südwestlicher Wind. Vom Rundfunk Die Regenfälle in Frankreich haben seit Dienstag nachmittags aufgehört und die kritische Situation ist, wie es scheint, vorüber. Seit der Empfehlenswertes aus den Programment vergangenen Nacht ist das Wasser im Fallen Freitag: begriffen. An vielen Stellen, insbesondere in Brag, Sender 2: 10.05: Deutsche Presse, 11: den Unterläufen der großen Flüsse, werden zwar Schallplatten, 12.10: Leichte Musif, 12.35: Stonzert noch Befürchtungen über den gegenwärtigen des Muzitsalonquartetts, 13.40: Instrumentalsolo, Wasserstand gehegt, aber auch dort erwartet man 16.10: Krager Salonorcheſter, 17.05: Ruſſiſch für fein Steigen des Wasserstandes mehr. Die die Jugend, 18.10: Deutsche Sendung: Funkhör Situation in Nantes und Umgebung ist noch fasten, 18.15: Technokratie, ein Ausweg aus derNot, immer schwierig. Aus einigen Orten wird die 18.35: Arbeitersendung: aktuelle zehn Minuten. Gefahr von Erdrutschen gemeldet. Auch der Eisenbahnverkehr ist noch an vielen Orten Südund Mittel- Frankreichs gehemmt. 12.45: Deutsche Presse. Sender S: 7.30: Salon orchesterkonzert, 14.50: Deutsche Sendung: für die Frau, 15.30: Leichte Musik, 18: Opernarien. Brünn 15: Orchesterkonzert, 17.40: Sportberichte. Mährisch- Ostrau 18,10: Deutsche Sendung: LieBreßburg 20.10: Klavierkonzert. Ein Bierbrauer im Kampf gegen den Alkoholismus. Vor einigen Tagen verstarb im Alter von 85 Jahren Frederick Charrington, der seit 65 Jahren einen unerbittlichen Kampf gegen den Erstaunliches vom ,, Organisator". Der NobelAuf der falschen Spur. In Hannover sind Alkoholismus geführt hat. Der Anlaß zu diesem preisträger Prof. Spemann hat den Organisator- derkonzert. wieder zwei Opfer der Papageienkrankheit zu ver- Stampfe war sehr merkwürdig. Charrington hatte begriff in der Entwicklungsgeschichte eingeführt. Er zeichnen. Bei der Untersuchung des Falles stellte in jungen Jahren nach dem Tode seines Vaters fand, daß gewisse Steimesbezirke allein ausschlagsich heraus, daß in einer Vogelhandlung das ge- die bedeutendsten Bierbrauereien in England ge- gebend sind, um die Ausbildung eines Organes zu samte Tiermaterial durch die Krankheit verseucht erbt. Er wurde bald nach Antritt der Leitung der bewirken; solch ein Organisator ist z. B. die untere war. Die Bevölkerung wurde nachdrücklich über Brauereien zufällig Zeuge, wie in einer Kneipermundlippe" beim Froschkeim, welche die Bildung die Krankheit aufgeklärt und auch besonders dar- ein betrunkener Arbeiter seine Frau, die etwas des ganzen Achsenskelettes veranlaßt. Auf diesen auf aufmerksam gemacht, daß die vielfach gehal- von seinem Gehalt für ihre Kinder retten wollte, Arbeiten fußzend, hat nun Pierre Hatt( Paris) tenen Wellensittiche von der Papageienkrankheit bestialisch schlug. Charrington mischte sich ein und festgestellt, daß sogar der Organisator des HühnIm Lande des streckte den Säufer mit einem Faustschlag nieder. chens für die Formbildung des Molches zuständig Als er aber aufblickte, sah er über der Bar ein werden kann: Ein Stück des Hühnchenkeims, eben großes Schild: Trinkt die Charrington- Biere!" gerade der Organisator, ließ in den Molchkeim Der junge Mann begriff voll Scham, daß sein berpflanzt eine zweite Nervenrohranlage( zu Würdig der Amnestie! Dienstag wurde in ganzes Vermögen auf der Truntfucht basierte, de- der eigenen) hervorgehen! Daraus ersicht man, Warschau ein verwegener Raubüberfall auf eine ren Folgen er eben mit erlebt hatte. Er legte daß das Wirken des Organisators nicht arteigenLottokollektur und Geldstube in der Targowa einen Schwur ab, von nun an Zeit seines Lebens tümlich zu sein braucht, sondern daß er sogar bei gasse verübt. In das Lokal drangen drei Banditen einen leidenschaftlichen Kampf gegen den Alkoho- Tieren verschiedener Klassen arbeitet! ein und hielten die Kassierevin und die Beamten lismus zu führen. Er hat diesen Schwur gehalten. fanischer Ingenieur hat den Entwurf einer Istanbul mit vorgehaltenem Revolver in Schach. Sie Nicht nur, daß er fast sein ganzes Vermögen für raubten 20.000 3łoty in Bargeld und vermoch diesen Kampf zur Verfügung stellte, er beteiligte auf der europäischen Seite mit Skutari auf dem ten ungehindert zu entkommen. Die Polizei sich auch persönlich daran. Unter seiner Leitung asiatischen Ufer verbindenden Brücke über den Bosglaubt, daß es sich um Sträflinge handelt, die fanden förmliche Kreuzzüge in Soho und White auf Grund der letzten Amnestie entlassen wurden chapel statt, er scheute sich nicht, selbst in die und sich zu einer Bande vereinigten. Kneipen einzudringen und sich dort mit dem Es lebe der Negus". Wie mit Verspätung Personal, das alkoholische Getränke servierte, und zuverlässig bekannt wird, wurden zu Anfang mit den Gästen herumzuprügeln. Charrington eine Sonderkommission damit betraut, die Stelle zu Dezember die Häuser der Gemeinde Borgonuovo eröffnete riesenhafte Teestuben, in denen di Vezza d'Alba in der Provinz Cuneo mit In- Sonntags foſtenlose Bewirtung gab. Er hat eben- um die Modalitäten der Finanzierung dieses bestimmen, an der die Brüde errichtet werden könnte. Die Hinrichtung Bruno Hauptmanns schriften: ,, Es lebe der Negus, es lebe Abessinien! falls eine Anstalt gestiftet, in der unverbesserliche Brückenbaues vorzubereiten. wurde für den 17. Jänner um 20 Uhr angeord= nieder mit dem Krieg" versehen. Die Behörden Trinker sich Entziehungskuren unterziehen könAus dem Lande des unbegrenzten Blödsinns. net. Als diese Nachricht Hauptmann bekanntversuchten vergeblich die Täter zu erforschen. Es nen. Ein Mann im Mittelwesten, dessen Name höflich von gegeben wurde, lachte er und zuckte die Achseln. tourden einige Verhaftungen vorgenommen. Aber Der heilige Quell" und die Gestapo. Die den Zeitungen verschwiegen wird, um die Eifersucht Sodann erklärte er, er ſei überzeugt, daß er die kriegsgegnerischen Inschriften erschienen wie- von Ludendorff herausgegebene Zeitschrift„ Am feiner Gattin denn er ist verheiratet nicht zu nicht zum elektrischen Stuhl gehen werde. Einer berum an den Häusern. Auch die Aussetzung einer heiligen Quell deutscher Kraft" teilt mit, daß die erregen, hat mit einem Freunde die echt amerika- seiner Advokaten erklärte, daß die Bestimmung Belohnung von 500 Lire brachte die Urheber nicht vom Ludendorff- Verlag veranstalteten Vorträge nische Wette abgeschlossen, daß er im Laufe eines des Datums der Hinrichtung keineswegs ausan den Tag. auf Grund eines Verbots der Geheimen Staats- Jahres 50.000 Mädchen füssen würde. Um sich die schließe, daß Hauptmann begnadigt werde " es Eine Brücke über den Bosporus? Ein amerihoch und 2340 Meter lang werden und eine Breite bon 21 Meter aufweisen. Die türkische Regierung, der dieser Entwurf von einer türkischen Firma vorgelegt wurde, hat ihn grundsätzlich angenommen und vorus ausgearbeitet. Diese Brücke soll 350 Meter «r. 7 DonnerStag, 9. Jänner 1936 Sekte 5 “"X— ,4t der Jndustriewerte gen scheinen könnte, so würden die'Jndustriepa- piere bestimmt nicht diese starken Wertsteigerungen erzielt haben., laufet, an den Türen zu klingeln und fortzulaufcn. Bei einer guten Gelegenheit erwischte dieser Nachbar einen der Jungen und gab ihm- ein« Ohrfeig«. 'Daraufhin marschierte die Hitlerjugend auf, um die „Ehre" ihre- Kameraden wieder herzustellen. Sie verlangte, daß der Mann—Frontkämpfer, Familienvater von vier Kindern und Anfang der Fünfzig— sich vor der ganzen Front entschuldigen sollte. AIS er daS nicht tat und obendrein noch„wagte", flch in Tchimpfereien zu ergehen, wurde er von dem Hitlerjugendführer der Polizei gemeldet, welche daraufhin, gehorsam, den Mann verhaftete und für eine Woche einsperrt«. Der Mann verlor daraufhin seine Arbeit wegen„staatsgefährlicher Gesinnung". War steht doch auf dem Dolch der Hitlerjugend:„Blut und Ehre!" Im Ordinationszimmer eines Berliner Frauenarztes sitzt mit der Mama ein braves 15jährige» Mädchen. Der untersuchende Arzt stellt.zu seiner Ueberraschung fest, daß das Mädchen schwanger ist. Auf die entsetzte Frage deS Arztes, wie denn da» gekommen und möglich sei, antwortet daS Mädchen weinend:„Ich fein im Bund Deutscher Mädchen. Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädchen tagen zusammen und die Jungen- haben un- jeden Abend ausgelost." ihrem Schicksal. Sechs Stunden mußte die Hausthrannin in der abgesperrten Wohnung sitzen und ihre schließliche Befreiung vollzog sich auf ziemlich blamable Art. Die sekkierten Mieter beschlossen nämlich, nicht erst in die Wohnung zurückzukehren, sondern gaben den Wohnungsschlüssel auf dem Gemeindeamt ab, mit der Bemerkung, daß die ausdringliche Hausfrau in der Wohnung eingesperrt sei, weil sie sich widerrechtlich geweigert habe, diese Wohnung zu verlaffen. Der Gemeindesekretär selbst befreit« sie dann aus dem sonderbaren Arrest. Die Hausbesitzerin erstattete die Sttafanzeige wegen Freiheitsbeschränkung, um sich für das vermeintliche Unrecht Genugtuung zu verschaffen. In dieser Erwartung sah sie sich aber getäuscht. Denn im BcweiSverfahren zeigte sich, daß sie tatsächlich in der Wohnung ihrer Mieter nichts zu suchen hatte und also durch eigene Schuld sozusagen in die Falle gegangen war. Der Gerichtshof sprach die angeklagte Mieterin, die nur von ihrem Hausrecht Gebrauch gemacht hatte, frei. rb. Aus der Schule kommend, trotten drei klein« Httlerjungen im Atter von acht bis elf Jahren die Straße hinunter. An einer Straßenkreuzung ttcnnen sie sich voneinander. Mit gewichtiger Miene macht sie der Aelteste, anscheinend«ine„Charge", darauf aufmerksam, daß sie um drei Uhr wieder anzutreten hätten und haß nicht geschwänzt werden dürfe. Mit ebensolcher Miene geben dte beiden Jüngeren zur Anwort:„Na allemal, wir sind doch atte Kämpfer!" In einer Gartenkolonie sitzt in ihrer Wohnung ein« ältere Frau. ES ist Abend. Plötzlich hört man den Gleichschritt Marschierender. Kommandorufe— denn Sttllel Es klingelt. Di« alt« Frau öffnet. Hitlerjugend ist aufmarschiert mit der Front-um Haus, Der„Führer", der kaum über den Gartenzaun sehen kann, will wissen, ob in dem Hau- ein älterer Mann wohnt, mit graumeliertem Haar. Auf di» verneinende Antwort schallt der weißhaarigen Frau ein vielstimmiges„Lügen Sie nicht!" entgegen. Boller Empörung jagt die Frau d«n„Führer" von der Gartentür fort. AIS an der Rachbarpforte sich da-selb« wiederholen will, stürzt der Nachbar ans der Tür und jagt die Jungen auseinander. Tine Stund« später erscheint die Polizei und führt den Mann ab., Was war überhaupt geschehen? Hitlerjugend hatte sich wochenlang den„Spaß" cr- nehme ich nicht einfach mein Messer uuid renne es ihnen in den Leib,, wenn sie mir nicht das ab» laffen wollen, was ich haben will? Was für eine unwürdige Art, so an den Zigarren zu ziehen und Verträge aufzusetzenl Sätzchen soll ich einschmuggeln und Andeutungen fallen laffen! Warum dann nicht gleich lieber: das Geld her. oder ich schieße? Wozu eine» Vertrag machen, wenn man mit Holzsplittenmterdiefingernägeltreiben daS gleiche erreicht? Immer dieses unwürdige Sichverschanzen hinter Richtern und Gerichtsvollziehern! Das erniedrigt einen doch vor sich selber. Freilich ist mit der einfachen, schlichten 1 ad natürlichen Straßenräuberei heute nichts mehr zu machen. Sie verhält sich zu der Kaufmanns- Praxis wie die Segelschiffahrt zur Dampfschifffahrt. Ja, aber die alten Zeiten waren menschlicher!' Es verdiente noch viele-, hier erwähnt zu loer- den, wörtlich. Der Platz reicht nicht aus. Darum — lest dieses Buch. Gerade die Masten, jene Namenlosen, für die Bert Brecht kämpft, für die>.r, wie wir, in der Emigratjpn leben, haben nicht nur die Pflicht, sie haben daS Recht, den.Dreigroschen- Roman" zu kennen. Sie wiffen dann auch mehr von sich selbst und ihrem Schicksal. Bon dem Kampf, den sie fuhren müffen und— von seiner Notwendigkeit. G. L. klne schwachsinnige Kronzeugin Abenteuer einer Fünfzehnjährigen Prag. Erft fünfzehn Jahre zählt di« Kronzeugin, die vor dem Strafsenat Beck auftrat. wn'aeaen den 37jährigen Chauffeur Wenzel KukaLka Zeugenschaft abzulegcn. KukaLka war angeklagt der Beschränkung der'.ersönlichen Freiheit. Die Tatumstände wiesen auf ein versuchte» Sittlichkeitsdelikt hin. In den Abendstunden de» 17, Juli fuhr KukaLka mit zwei Fahrgästen auf der Brandeiser Reichsstraße. Hinter Ä b e l l wurde der Wagen von der 15jährigen Agnes B. angehalten, welche eindringlich bat. sie nach Altbunzlau mitzunehmen. Tatsächlich wurde sie in den Wagen ausgenommen. In der OrtSschast Vinor machten di« Passagiere in einem Gasthaus Station, während der Chauffeur und das Mädchen im Wagen blieben. Nach einer Weile wurden aus dem Auto Hilferufe vernehmbar. Die Leute liefen zusammen,"die Polizei erschien auf der Bildfläche und nahm den Chauffeur KukaLka in Haft. Denn Agnes B. beschuldigte ihn unter Tränenströmen und Schreikrämpfen, er habe ein unsittliches Attentat versucht, wobei er ihr die Unterwäsche zerriffen habe. Der Chauffeur verwahrte sich entrüstet gegen diese Beschuldigung und behauptete im Gegenteil, die Fünfzehnjährige habe ihn zu erotischen Intimitäten verführen wollen und habe, als er sich nicht willig zeigte, selbst ihre Wäsche-er« riffen, um ihn falschem Verdacht auSzusetzen. Als die Untersuchung eing«l«itet wurde, zeigt« sich, daß diese Fünfzehnjährige keine ganz einwandfreie Zeugin war. Abgesehen davon, daß sie einmal bereits in der Korrektionsanstalt interniert war, ist sie zweimal ihrem Etterichaus entlaufen und eben an jenem Tage befand sie sich wieder einmal auf einem solchen„Ausflug". Mit gutem Grund ordnet« daher der Untersuchungsrichter die psychiatrische Untersuchung der Kronzeugin an, um deren Glaubwürdigkeit durch ärztliche Begutachtung festzustellen. Das Gutachten lautete dahin, daß Agnes B. geistig schwer zurückgeblieben sei und an abnormalen Gefühlsaus« Hütchen leide. DaS Gutachten war durch zahlreiche drastisch« protokollarische Feststellungen belegt. Da aber bei der hier in Frage stehenden Angelegenheit der Sachverhalt durch zwei einwandfrei« und unbeteiligte Zeugen bestättgt wurde, nützte di« ärztlich festgestellte Unglaubwürdigkeit der Zeugin dem Angeklagten nichts. Er wurde zu vier Monaten Kerker verurteilt. und zwar unbedingt. denn KukaLka ist, wie behördlich festgestellt wurde, schon einmal«egen«ine» Sittlichkeitsperbrechens bestraft worden. schaltet, weil er verbraucht ist— nicht er,— sondern die Umwelt hat mit seinen Kräften nicht hauSgehalten— dieser Anblick ist an die Nieren greifend, gewiß, aber der Mann gewährt ihn nicht der Oeffentlichkcit. Man kann doch nicht Führungen durch die Armenviertel veranstalten wie über die Schlachffelderl Es fehlt ja auch nicht an Mitleid. Die Leute find ja überzeugt, daß da Wunden find, wo sie hingeschlagen haben. Sollten keine Ruinierten Weggehen, wo fie Geschäfte gemacht haben? Wenn sie für ihre Familien sorgten, sollten da nicht Familien unter die Brückenbögen gerate» sein?" Und noch einmal Mackie Messer, da er glücklich dem Gefängnis enttonnen ist, zvm soundsovielten Mal, und im Begriff, ein großer angesehener reicher Mann zu werden. Hört seine Reminiszenz über die modernen Geschäftsmethoden, getaucht in bluttgen Hohn und Ironie: „Sie warten nur darauf. Verttäge machen zu können. Dabei ekelt mich, den einstigen Stra« tzenräuber, dieses Gefeilsche an! Da sitze ich denn und schlage mich um Prozente herum. Warum Betrug da- Kurskapital am 30. Dezember 1984 4418,4 Millionen KL, so erreichte eS ein Jahr später die Höhe von 5858,5 Millionen KL. Da 1935 Aktten im Kurswerte von 135,6 Millionen neu eingeführt wurden, ergibt sich insgesamt eine Steigerung deS Kurswertes am 1,8 Milliarden KL. Rechnet man die Kurswertsteigerung vom Jahre 1934 hinzu, so ergibt sich eine Erhöhung von weit über zwei Milliarden KL in zwei Jahren. Es ist also an der Börse sehr gut verdient worden. Stünde es um die industriellen Unternehmungen wirklich so schlecht, wie es nach den Kla- Dle„Freiheitsbeschränkung“ einer Haustyrannin Prag. Nach dem Tatbestand des„Verbrechens der öffentlichen Gewalttättgkeit, begangen durch Beschränkung der persönlichen Freiheit", werden zuweilen recht kuriose Anklagen verhandelt. Sonderbar war auch dieser vor dem Strafsenat Beck verhandelte Prozeß. In einem Häuschen der Prager Umgebung wohnte neben der Familie der Hauseigentümerin, einer gewissen Frau B e z n o h a, als Mieter noch die Familie Kiehky, mit der sich die Hausfrau nicht vertrug. Schließlich gab die Hausbesitzerin ihrer Mietpartei zum 1. Ottober die Kündigung. Resolut und temperamenwoll, wie dies« Frau war, konnte sie das Ausziehen ihrer unsympathischen Mieter nicht erwarten. Zwei Tage vor dem Uebersiedlungs- termin kam sie in die Wohnung der Familie Kkehkh, um sich zu überzeugen, ob der Umzug entsprechend betrieben würde. ES war am Vormittag und Frau Kkehkh rüstete sich gerade zum Einkäufen und er- klärte der Hausfrau, keine Zeit für sie zu haben. »MbrigenS.haben Sie in meiner Wohnung nicht» zu suchen!", schloß sie ganz treffend. Das wollt« die Hausfrau aber nicht zur Kenntnis nehmen.„Die Wohnung ist mein!" erklärte fie energisch.„Ich werde hier bleiben, so lang« es mir gefällt." Das war allerdings, vom juristischen Standpunkt aus, eine irrige Meinung. Die Mieterin, Frau Kkehktz, löste die Situation aber auf ebenso einfache, al» für die Hausftau unangenehme Art! Sie ging nämlich ihres Weges, sperrte die Wohnung von außen ab und überließ die diktatorische Hausfrau loHM Ä LIM Goldene Zelten für Spekulanten 1,3 Milliarden KS Kurswert zuwachs der Industrieaktien Die Jndustriekapitalisten haben tin vergangenen Jahre nicht aufgehürt, über die ungeschwächte Notlage ihrer Unternehmungen zu klagen. Immer wieder behaupteten sie in ihren Kundgebungen, daß die Industrie mit so schweren steuern und Sozialabgaben belastet sei, daß«ine ertragreiche Fortführung der Betriebe unmöglich gemacht werde. Im völligen Widerspruch zu diesen Klagen steht die Entwicklung dös Kurswertes der Jndustrieaktien, die an der Prager Börse zugelassen sind. Es ergab sich schon im Jahre 1934 eine beträchtliche Erhöhung des Kurswertes, der für alle an der Börse gehandelten Jndustrie- aktien über 710 Millionen KL ausmachte. Im Jahre 1935 hat sich diese Entwicklung in stürmerischerem Tempo fortgesetzt. Die Kurse beinahe aller Jndustriepapiere haben Steigerungen aufzuweisen, die bei einzelnen ganz außerordentlich beträchtlich sind. Aus der nachfolgenden Tabelle, in der die an^>er Prager Börse gehandelten Jndüstrieaktten in Gruppen zusammengefaßt sind, und der Kurswert vom 30. Dezember j.933 dem deS. gleichen Vorjahrtgges gegenüber-, gestellt ist, ist die Erhöhung klar ersichtlich. ES betrug der Kurswert: Jndustrieaktien Kurswert am Zunahme Motto: Ach, jeder Mensch wär lieber gut alS roh. Doch die Berhältniffe, sie sind nicht so. Genau vor einem Jahr erschien Bert Brechts „Dreigroschen-Roman". Wer redet noch davon? Niemand. Dies spricht nicht gegen das Buch, nicht gegen den Dichter, der das Schicksal so vieler begabter Schriftsteller unserer Zeit teilt. Denn diese Zeit— unruhig, unbeständig, aufge wühlt, sensattonslüstern und jeden Tag von neuem erschüttert durch furchtbarste, wahnwitzigste Gesqeh- niffe— sie geht über die Ereignisse hinweg, bat morgen vergessen, waS gestern geschah und lebt nut dem Heute. Mancher ist wert, vergessen zu werden. Nicht verdient er Bert Brecht. Nicht sein Dreigroschen- Roman. Denn er sagt Wahrheiten in diesem Buch deren anklagender Sinn bestehen bleibt, solange eS den Kapitalismus gibt, mtt all seinen Schrecknissen und Auswüchsen, mit seinem Gefolge von Not, Lüge, Elend und Verbrechen. Die Dreigroschen-Oper, bei deren Premiere auch die Berliner Bourgeoisie, sich wohl getroffen fühlend, dennoch jauchzend in den Beifall einftimmte, war im Grunde nur von lumpenproletarischer Ideologie erfüllt. Milieu, Musik und Text, dazu «ine glanzvolle Aufführung machten sie zum Ereig nis der Weltstadt. Im Dreigroschen-Roman ist daS lumpenproletarische Element dem proletari schen gewichen. Ist alle» bewußter und geklärter. Der in.der Emigration gereiste Dichter hat mit den Waffen des Zweifel», der Ironie und der sozia len Erkenntnis wohl die unerbittlichste Sattre auf da» kapitalistische System geschaffen, die eS bisher gab. Jauchzt man nicht förmlich auf vor Freude, wenn man die Belehrung liest, die Mackie Messer, hier genannt Macheath, seinem alten Einbrecher- Gefährten Grooch erteilt?' „Grooch", sagte Macheath,„Sie sind ein alter Einbrecher. Uhr Beruf ist Einbrechen. Ich denke nicht daran, zu sagen, daß es seinem inne ren Wesen nach veraltet wäre. DaS wäre zu weit gegangen. Nur der Form nach, Grooch, ist er ' zurückgeblieben. Sie sind Keiner Handwerker, damit ist alle- gesagt. DaS ist ein untergehender Stand. daS werden Sie mir nicht bestreiten. WaS ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in ein« Bank gegen die Gründung einer Bank? WaS, mein lieber Grooch, ist die Ermor dung eines ManneS gegen die Anstellung eines ManneS? Sehen Sie, noch vor«in paar Jahren haben wir eine ganze Straße gestohlen, sie be stand aus Holzwürfeln, wir haben sie ausgesto chen, aufgeladen und weggeführt. Wir meinten wunder, waS wir geleistet hatten. In Wirklich keit hatten wir un» unnötige Arbeit gemacht und un» in Befahr begeben. Kurz darauf hörte ich, daß man sich nur al» Stadtrat etwa» um die Auftragsverteilung kümmern muß. Dann be kommt man eine solche Straße in Auftrag und hat mit dem Verdienst dabei für eine zeitlang ausgesorgt, ohne etwas riskiert zu haben. Ein anderes Mal verkauft« ich«in Haus, da» mir nicht gehörte; e» stand gerade leer. Ich brachte ein Schild:„Zu verkaufen, Erkundigungen bei AX." Da» war ich. Kinkerlitzchen! Wirkliche Unmoral, nämlich unnötige Bevorzugung ungesetzlicher Wege und Mittel! Man braucht doch nur mit irgend welchem Geld eine Serie baufälliger Einfami lienhäuser aufzurichten, fie auf Abzahlung zu verkaufen und zu warten, bi» den Käufern da» Geld ausgeht l Dann hat man die Häuser doch auch, und daS kann man mehrere Male machen. Und ohne, daß«» die Polizei etwa» angeht!" Oder der erschütternde, das Grauen weckende Monolog von Herrn Peechum, dem„Bettler- Unternehmer": „Ich lese in den Zeitungen, daß in letzter Zeit zu viel gebettelt werde. Dabei sieht man nur alle paar Kilometer einen Bettetttden und immer denselben. Wenn man nach der Zahl der Bettler ginge, könnte man glauben, eS gäbe»ein Elend. Ich hab« mich oft gefragt: wo sind eigentlich die Elenden? Die Antwort lautet: überall. Sie verbergen flch hinter ihrer Massen haftigkeit. ES gibt außerdem ganze Riesenstädte, die nur von ihnen bewohnt werden, aber sie ver stecken flch gleichsam in ihnen. Sie lassen sich nicht blicken, wo«S hübsch ist. Sie meiden di« angenehmen Straßen. Meisten» arbeiten sie. Da» verbirgt sie am besten. Daß sie nichts kaufen können, wa» ihren Hunger stillt, bemerkt man nicht, weil st« nicht in den Läden erscheine», um nicht» zu kaufen. E» sind ganze Völker, die in den Hinterhäusern dahinsiechen. Die"zeitgemäße Form ihrer Vernichtung ist eine fast unmerkliche (abgesehen davon, daß e» eine anonym« ist!)., Sie werden vernichtet, aber die Vernichtung dauert Jahre. Verfälschte Lebensmittel und da von noch zu wenig, verpestete Wohnungen, Be schneidung aller LebenSftmktionen, da» alles braucht lange, bis eS den Mann unten hat. Der Mensch ist unglaublich haltbar. Er sttrbt nur ganz langsam ab, stückweise. Dies« eigentümliche Art unterzugehen, macht eS schwierig, den so massenhaften, unermeßliche» Untergang wahrzu nehmen: Ich habe oft darüber nachgedacht, wie man diese» Elend, daS wahre Elend, zu irgend einer Wirkung bringen könnte.• Aber e» ist un möglich. Wie soll man den an sich gewiß erschüt ternden Blick einer Mutter verwenden, mit dem sie, ihr krankes Kind im Arm, das Wasser die Wand hinablaufen sieht? Auch der Anblick eine vierzigjährigen ManneS, dem eS zu Bewußtsein kommt, daß er aus dem Konkurrenzkampf aus- bringen werde! Mül die Verhältnisse, sie sind nicht so» Zu Bert Brechts„Drelgrosdien-Roman“ „Wieso kommt Ihr denn zu a e c h b t als heilige drei Kö* nige?“ „Wissen Sie nicht, daß jeder König auch einen Diktator vor sich hat“ Jugend im Dritten Reich Aus Berlin wird uns geschrieben: „Sie haben's geschafft", sagte dieser Tage ein auswärtiger begeisterter ahnungsloser Hitler- anhänger. Er wollt« damit die Vollkommenheii aller Dinge im Dritten Reich andeuten. Bor allen Dingen die heuttge Jugend, die habe doch„Zug in den Knochen". „Sie haben's geschafft", sagt« eine Mutter, und meinte damit«inen anderen Grad von Vollkommenheit der heutigen Jugend, als jener bewunderung»- fteudige Herr. Und sie erzählte folgendes: In einem Berliner Vorort tritt in einer Straße Hitlerjugend an. Der.„Führer", etwa zwölf bis dreizehn Jahre, der Jüngste der Gefolgschaft ein kleiner Knirps, etwa sechs Jahr« alt. Nachdem unter viel Geschrei der„Führers" die Gefolgschaft sich ausgerichtet und abgezählt chatte, kam der Befehl:„In Gruppen schwenkt, marsch!" Bei der Schwenkung war eS dem Kleinsten nicht möglich, rechtzeitig nachzukommen. Mit energischen Fußtritten in das kleine Gesäß belehrte sie der„Führer", daß er es den„schlappen Kerlen" nach bei- Transport 30.12.1984 30.12.1985 86,2 238,7 in Millionen KL 824,9 Zucker 495,1 588,8 98,2 Elekttizität 80,5 96,8 16,8 Chemische Industrie 978,9 1.184,0 160,1 Brauereien 88,9 100,3 18,4 Bauindustrie 389,8 482,1 92,8 Maschinen 257,5 841,9 84,4 Textil 156,0 145,9- - 10,1 Kohle 846,4 604,5 257,1 Eisen 1.858,6 1.988,1 «84,5 Verschiedene 87,0 96,7 9,7 *03201 Seite 6 .Sozialdemokrat" Donnerstag, 9. Jänner 1936. Nr. Trager Leitung nerlei Aufnahmen Non DA und SS sehen. Trotz« dem hat daS Organ der Reichswehr, die.Berliner Börsenzeitung", den Film scharf kritisiert und chm vorgeworfen, datz er fein richtiges Bild von der Tätigkeit deS deutschen HeereS gebe und nicht geeignet sei. wahren.Wehrgeist" im Volle zu erwecken. Aentralfriedhof in Cbodov. Der böhmische Landesausschuß genehmigte gestern den Beschlub der Prager GemÄnde auf Errichtung eines Zentra lfriedhofeS in Chodov mit einem Aufwand von 11 Millionen und eine Anleihe der Stadt Prag von 2.7 Millionen zur Erweiterung der Masaryk-AlterShäuser in KrL. Kopfzerbrechen im Filmatelier. Auf dem Bar« randow zerbricht man sich den Kopf, wie man den Kopf des Golem zerbrechen könnte und zwar so, datz es den Vorschriften des Drehbuches genau entspreche. Das Drehbuch verlangt nämlich, datz der Kopf deS Titelhelden„in Staub und Asche zerfalle" und da es sich um einen Film handelt, darf es natürlich das Wort„unmöglich" nicht geben. Es werden zurzeit die verschiedensten Versuche angestellt, es ist aher sicher, datz es den Filmleuten gelingen wird, auch dieses„Wunder" zu verwirklichen. Betriebsunfall vor Torschluß. Vorgestern abends richtete ein Schleppwagen der Iler-Linie noch knapp vor seiner Einfahrt in die Remise ein Unglück an; als er nämlich bereits abgekuppelt war und in hie Wagenhalle einfahren sollte, geriet der 60jährige Schlaffer der elektrischen Unternehmungen, Josef Sinecktz aus Straschnitz, unter die vordere Plattform und erlitt schwere innere Verletzungen, sowie eine Verletzung des linken AugeS. Der Schleppwagen mutzte von den Angestellten von den Geleisen gehoben werden, um den Verunglückten zu, befreien; dieser wurde von der Rettungsgesellschaft ins Weinberger Krankenhaus auf die Klinik Poläk gebracht. Drei internationale Taschendiebe, die allerdings sämtlich aus der Tschechoslowakei stammen, wurden im Zuge einer Razzia während der letzten beiden Feiertage verhaftet. Am 6. d. M. gelang es, vor dem Lucernasaal den aus dem Bezirk Rahove in Karpathorutzland stammenden Josef Braun und den 44jährigen. aus der Tschechoflowakei ausgewiesenen derzeit polnischen Staatsbürger Ludwig Nosek zu verhaften. Am nächsten Tage wurde der 68jährige, ebenfalls als internationaler Taschendieb bekannte Josef Vondruska aus Podkbrad verhaftet, als er einem gewissen Otto Horejsi aus Smichow eine Brieftasche mit 1200 K6 aus der Hinteren Hosentasche ziehen wollte; dieser erwischte ihn bei der Hand und übergab ihn der Polizei. Er war geständig. Originellerweise war er erst vor wenigen Stunden gegen Revers aus der Haft entlaffen worden, da er aus Prag abgeschafft ist. Ei« Sportzug in de« Böhmerwold fährt jeden Samstag um 14.47 von Smichov ab. Rückfahrt von Eisenstein jeden Sonntag um 17.56. an Prag- Wilsonbähnhof 22.45. Preis dritter Klaffe K£ 55.—, zweiter Kö 73.—. Mitteilungen ans dem Publikum. Stuhlverstopfung. Spezralärzre für Verdau» ungskrankheiten erklären, datz das natürliche „Franz-Jos«f"-Ditierwaffer älS ein sehr zweckdienliches Hausmittel wann hu empfehlest sei. 8148/d Irr 3Km Film-Neuigkeiten In London ist der neue Film R enk ClairS erschienen,_ der den Titel.Der Geist geht nach Westen" trägt und die Uebersiedlung eines altenglischen EchloßgespenfteS nach Amerika erzählt. Die Hauptrolle spielt der in der Rolle Heinrichs VIH. bekannt gewordene Charles Laughton(dessen erfolgreicher letzter Hollywood-Film»Der Musterdiener" in Prag noch immer nicht erschienen ist). Renk Tlair ist nach Beendigung d«S Films Wiede» nach Frankreich zurückgekehrt, scheint aber, wie aus einem Interview mit einem Vertreter der Zeitschrift.Pour Vous" hervorgeht, auch seine künftr« gen Filme in England herstellen zu wollen. Die von Max Reinhardt in Hollywood hergestellte Verfilmung von Shakespeares»Sommernachtstraum" hat in London übereinstimmend ablehnende Kritiken erhalten. Dennoch— oder gerade deshalb— ist Reinhardt mit seinem ersten Film zum Anreger geworden: denn seit dem Erscheinen des Reinhardtschen.Sommernachtstraums" kündigen fast alle englischen Filmgesellschaften Sha- kespeare-Verfilmungen an, darunter»Wie es Euch gefällt" mit Elisabeth B e r g n e r,.Hamlet" mit Robert Donat und.Was Ihr wollt" in der Regie KlausftCo. Relchenbers rospekte kostenlos Günstige Teilzahlungen •efOttfte, Me in andern ZaatMeUunati* inserieren, aber trn nicht berücksichiiaen. bekunden damit, bah sie die wirt- schaslliche Bedeuiuna der «auikrast unserer Leier noch ntryt erkannt baden»der nicht er. kennen wollen, geituna lesen betsit. auch den«Nteiaenteil beachten und beim Einkaut die Inserenten bedorjmaen. Niemand wird sich Se» schäsiSieuten ausdränaen. die Arbeiterkundschast nicht m f<9äften totff en Laufendes hsera', laufender Gewinn! Vasil Deans.(der mit dem Film„Die treue Nymphe" bekannt wurde). Im Auftrag Adolf Hitlers hat Leni Riefe n st a h l(die inzwischen von Goebbels den Auftrag zur Herstellung des Berliner Olympiade-Films erhielt) auch den letzten Nürnberger Nazi-Parteitag verfilmt. Wie aus den Presseberichten hervorgeht, ist der Film diesmal nur sehr kurz geworden.. In 80 Minuten Dauer zeigt er lediglich die Parade der Reichswehr und die Ansprache Hitlers und läßt kei- Felix Breffart» der bekannte Filmkomiker, wird bei der Vorstellung seines besten Filmwerkes„Die Privatsekretärin" persönlich anwesend sein. Die weiteren Rollen in diesem Film sind besetzt durch Renate Müller und Hermann Thimig. Felix Dies« sart hält bei dieser Gelegenheit in der Pause eine Ansprache. Die Vorstellung findet Freitag, den 10. Jänner, um halb 11 Uhr abends im Bio Alfa, statt. Mala ist eine Hauptdarstelleri« in dem MGM-Film„E s k i m o". Xunst und Wissen. Zu Ehren des neuen Staatspräsidenten: Festvorstellung„Prodanä nevesta Im Nörodni dlvadlo Auch die Kunst feiert, wie selbstverständlich, di« Tatsache der neuen Staatspräsidentschaft. Bor wenigen Tagen eröffnete den Reigen künstlerischer Fesweranstaltungen zu Ehren und in Anwesenheit des neuen Präsidenten der Republik die. Tschechische Philharmonie mit einem solennen Konzert im Smetana-Saal, Montag wird Präsident Dr. Benes einer ihm zu Ehren veranstalteten„Zauberflöte"- Vorstellung im Deutschen Theater beiwohnen. Und g e st e r n fand als wohl zentralste unter diesen künstlerischen Feiern im Nationaltheater eine Festvorstellung der„B e r k a u f t e n B r a u t" statt. Die tschechische Nation genießt das hohe Glück, in ihres Smetana«Verkaufter Braut" nicht nur ein eigenes Werk unübertroffener Meisterschaft zu besitzen, sondern zugleich auch eine Oper, die durch ihren im edelsten Sinne nationalen Charakter, durch ihre beispiellose Volkstümlichkeit und durch ihre geniale Mischung von Ernst und Heiterkeit die idealste künstlerische Schöpfung auch für jeden festlichen Anlaß darstellt. Und so war auch gestern abends die Erhöhung des festlichen Gefühls schon durch die Erwartung der„Prodanä nevesta“ auf das glücklichste vorbereitet. Das Nationaltheater erstrahlte im Glanz aller Lichter, in der Mitte der Bühne lag ein großer Kranz mit einer breiten Schärpe in den Nationalfarben, die Präsidentenloge war vornehm behangen. Bis auf das letzte Plätzchen war das Haus gefüllt. In den Logen sah man fast sämtliche Mitglieder des Kabinetts— in einer Parterreloge die deutschen Minister Genoffen Dr. Czech und Dr. Spina— die Präsidenten beider Häuser der Nationalversammlung, Vertreter aller Parteien, Abgesandte der Zentralbehörden, der Armee, der hohen Geistlichkeit, der Presse. Punkt halb acht betrat Präsident Eduard Benes mit seiner Gattin die Loge. DaS gesamte Publikum erhob sich und empfing das Oberhaupt des Staates mit langem» starkem und herzlichem Beifall. Feierlich intonierte das Orchester die Staatshymnd. Dann setzte das Brio der unsterblichen Ouvertüre zur„Verkauften Braut" ein. Das Nationaltheater hatte für diese Vor« stellung natürlich alle Verfügbaren unter seinen ersten Opernkrästen ins Treffen geschickt, so daß ein Abend respektablen Niveaus vorweg gesichert war. Und als ob das Freudige des festlichen Anlasses besonders betont werden sollte, spielte und sang sich gerade das Buffomäßige der Oper in den Vordergrund. Vor allem besitzt die Prager tschechische Staatsoper inVilkmZttek einen hervorragenden Kecal, eine außerordentlich starke künstlerische Persönlichkeit» Meister des Schöngesangs, der Deklamation, der Darstellungskunst, die Bühne schon beim ersten Auftreten mit Humor erfüllend, mühelos alle Höhen und Tiefen der Partie bewältigend, die Figur in jedem Augenblick scharf und doch ungemein sympathisch zeichnend. Und nicht minder froh wurde man des Basel, den Mirko Stork auf die Bühne stellte, Ueberreife der Erscheinung mehr als wettmachend durch vollendete Reife des Stils, so recht nachweisend, daß charakteristische Züge vermischter Einfalt» Schlauheit und Herzenswärme so eigentlich doch nur tschechischen Darstellern gewisser Smetana-Partien urvertraut bleiben. In der Nordenovä besitzt das Nationaltheater ein« Makenka mit blühender Sopranstimme, in Herrn Berlik einen jugendfich-ambitionierten Jenik; in der Besetzung der kleineren Partien fielen die K r ä s o v ä und die Herren M u j und Otava auf. Vom Pult her sorgte C h a r v ä t für Schwung, ohne jedoch die Herrlichkeiten dieser Partitur durchaus so zu verlebendigen, daß Orchester, Chor und Solisten in allen Stücken ihre Qualitäten 1>oll zur Bewirkung grandioser Stimmung entfalten konnten. Ausgezeichnet gelangen die Tänze. Alle Mitwirkenden ernteten nach den Aktschlüssen reichen Beifall. L. G. „Große Liebe** Gastspiel der Josephstädter Man braucht Molnärs Stücke nicht umständlich zu zergliedern, ihre Handlung nicht nachzuerzählen, es genügt wohl, wenn man wie bei einer Uhr aus guter Fabrik, wie bei einem Piano oder sonst einer anspruchsvollen Markenware feststellt, datz es ein echter und guter Molnar ist. Das heißt seit langem, datz zwar keine originellen Ideen und Themata, kaum noch neue Gestalten austauchen, datz man sich aber bei glänzender Konversation gut unterhält und— insbesondere, wenn ein so gepflegtes Ensemble, wie die Schauspieler aus der Fosephstadt, das Stück betreuen— solides und herzerfreuendes Theater genietzt. Auch in der Komödie„Große Liebe" sind eS bekannte Molnär-Figuren und ist eS die alte Skepsis, die alteLiebensivürdigkeit eines Routiners. der immer gerade noch hoch genug über seiner eigenen Routine stand, daß man eS ein wenig dichterisch finden konnte, auch hier sind es die brillanten Wendungen im Dialog, das geistreiche Nweau, daS in der Konversation durchgehalten wnrd, die einen erfreuen. Im Mittelpunkt steht wieder die gescheite, gütige, schlagfertige und energische alte Aristokratin, dieser echt österreichische(und anscheinend auch ungarische) Damentypus, den eS wirklich gab oder noch gibt, eine verewigte Maria Theresia. Als dea ex machina lenkt„die Exzellenz" die Schicksale der jungen Leute zu ihrem wohlverstandenen Glück. Adrienne Getzner spielt, obschon sie mit der Stimme nicht immer durchdringt, die Exzellenz doch so in den Spuren der Bleibtreu und der Kramer-Glöckner, die— in Nuancen deS TonS und des Temperaments verschieden— derlei Rollen vordem mit Virtuosität kreiierten, daß sie das Publikum zu ehrlicher Begeisterung bringt. L i l i DarvaS verkörpert einen modernen Frauentypus mit bezwingender Eleganz und einer Herzlichkeit, die man ihr in der ersten Szene nicht ansieht. die aber dann in einer wirklich großen Szme deS Verzichts, dem stärksten künstlerischen Erlebnis des Abends, elementar»md alle bezwingend durchbricht. Sehr gutes Theater spiele» die beiden Liebhaber, der Herzensbrecher HanS Jaray und der Schwxrenöter Karl Parhla, überzeugend find auch die Darsteller der kleineren Rollen, bis auf hie merkwürdigerweise' an wichtiger Stelle eingesetzte und recht dürftig wirkende H o r t e n s e R a k y, die es einem schwer macht, an die Leidenschaft des jungen Mannes zu glauben, der sie nach Hollywood entfuhrt.• Das bis auf den letzten Platz gefüllte Haus war sichüich entzückt von dem Stück und von der Darstellung. E. F. Mitteilungen der Theaterkanzlei Festvorstellung„Die Zaubrrflöte", in Anwesenheit des Herrn Präsidenten der Republik, Montag halb 8 Uhr, im Deutschen Theater.(C 1) Festkleidung erbeten I Nachtvorstellung zugunsten des FerialfondS. Samstag halb 11 Uhr. Einziges Gastspiel Felix Bressart:.Bouleboule gewinnt".( Rur KL 3.— bis 35.—.. Sonntag Erstaufführung von Josef MühlbergrrS „Wallenstein"(B 2) mit Ball(Wallenstein), Klippel(Piccolomini),.Schmerzenreich, Voller, Tra- bauer, Fried, Padlesak, Brix, Mariä, Dörner, Wickerhauser, Taub; Weffely(Gräfin Kinkky), Wünsche(Gräfin Piccolomini). Regie: Liebl. Bühnenbild: Pirchan. Sonntag 11*4 Uhr einmalige Tanzmalinke Balefla Gert, in der Kleinen Bühne. KL 8.— bis K£ 16.—. Richard Wagner-Zyklus im Deutsche» Theater. I. Teil— 5 Abende: 14. Jänner: Tannhäuser(A 1); 26. Jänner: Meistersinger(B 1); 1. Feber-: Tristan (A 2); 14. Feber: Lohengrin(D 1); 27. Feber: Holländer(C 1). Zyllus-Abonnement. Einzelpreise eines guten Ballonsitzes ab 18 KL. eines guten Parkettsitzes ab 24 KL. Galerieplatz schon ab 8 XL. Vor- verkauf ab heute. Die Abonnenten, die eine oder zwei Vorstellungen im Abonnement haben, können die übrigen. drei, respektive vier Vorstellungen zum Zykluspreise beziehen. Spielplan des Reue» Deutschen Theaters. Donnerstag halb 8: Figaros Hochzeit. Gastspiel K. A. Neumann, C 2.— Freitag 8 Uhr: DaskleineBe^irksgericht, Dl.— Samstag 7 Uhr: Das Land des Lächelns, Theatergemeinde der Jugend, Abonnement aufgehoben, halb«ft Uhr nachts: Bouleboule gewinnt, Erstaufführung, Gastspiel Breffart, Abonnement aufgehoben. Spielplan der Kleinen Bühne. Heute, Donnerstag, 8 Uhr: Annasagtnein.— Freitag 8: W i r werden beobachtet.— Samstag halb 8: Die Dame mit denTür« k i s e n. Erstaufführung. Aas dec Partei Sitzung deS BrzirkSfraurnkomitreS am Freitag, den 10. d. M„ um halb 7 Uhr abends im Parteiheim. Um das Erscheinen aller Mitglieder wird ersucht ‘üecemsntttfeckfilen. RW-Genoffen. Heute abends, 8 Uhr, im Parteiheim wichtige Besprechung. Bestimmtes Erscheinen aller Genossen ist Pflicht. Freie Bereinigung sozialistischer Mademiker. Ausschußsttzung: Donnerstag, 9. Jänner, um 18.30 im Parteiheim, NürodNi trida Nr. 4.' SPD-Flüchtlinge. Donnerstag, den 0. Jänner, von 6 bis halb 8 Uhr Zusammenkunft mit Ausschuß« neuivahl im Heine-Restaurant. Fochovä tt. 25. Spw• Spül- JCöcpecpffegc Eine Firma, dir den Arbeitersport schätzt. Die bekannte Firma N e st l e in Vevey(Schweiz) hat dem Satus für das Jahr 1935 aus ihrem Reklamebudget einen Betrag von 5000 Franken zugesprochen. Nachdem die schweizerische Bundesversammlung unter nichtigen Gründen, wie bekannt,'ne Unterstützung des Kurswesens des SatuS verweigert hatte(weil wahrscheinlich die Subventionierung der Beschickung zur Nazi-Olympiade wichtiger war), ist die Subvention der Firma Nestlk um so begrüß, ns» werter, weil sie beweist, daß diese Firma auch den Arbeiter als Konsumenten schätzt. Der erwähnte Betvag dient in erster Linie zur Finanzierung von Kursen— drei konnten bereits durchgcführt werben — und zur verbilligten Abgabe von Spielbällen aller Art, die unter der Bezeichnung'„Nesfle-Bälle" an di« Vereine geliefert wurden. Lteratur Der„germanistische" Müller. Gestern hat in unserer Besprechung des Buches„Müller" von Mehring der Setzer aus dem germanischen Söldner einen germanistischen gemacht. Das Versehen sei hiemit gutgemacht. Büdiereinlauf Prof. Friedrich Tramer, Karlsbad: Gibt eS ein Sittengesetz in der Natur? Selbstverlag Professor Friedrich Tramer. Karlsbad, Haus„Speranza". 45 Seiten. MUTr. Ctibor Bezdkk: DaS Rätsel von Krankheit und Tod. Verlag Rascher. Zürich 202 Seiten. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Hau? oder bei Bezug durch die Pott monatlich XL 16.—. vierteljährig Ki 48.—. halbjährig Kö 96.—. ganzjährig Kd 192.—.— Jnkerate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Di« ZeitungSftankatur wurde von der Post- und Tcle. graphendirektion mit Exlaß Nr. 13.800/VH/1S30 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-. Verlags« und Zeitunas-A.»G.. Prag.