Einzelpreis 70 Heller (einschlieftlich S H»ll»r Pofte) 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova a. Telefon 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 16. Jahrgang Samstag, 11. Jänner 1936 Nr. 9 Der Generalstabschef Siegfried Taub sechzig Jahre der Partei Beschleunigung der öffentlichen Investitionen Eine amtliche Mitteilung Prag.(Tsch. P.-B.) Die Arbeitslosenstatistik wies Ende Dezember 1935 nicht nur den üblichen saisonmätzigen Anstieg gegenüber dem Vormonate, sondern auch einen bestimmten Anstieg gegenüber dem Vorjahre auf, was von einem.eil der Öffentlichkeit mit gewissen Befürchtungen ausgenommen wurde.' Bekannt sind die Einwendungen gegen die Methode der gegenwärtigen Feststellung des Arbeitslosenstandes, welche die Zahl der bei den Arbeitsvermittlungsstellen sich um Arbeit beweroen- den Arbeitslosen angibt. Hiebei kann die Statistik zwischen ernsteren Fällen dauernder Arbeitslosigkeit von leichteren Fällen saisonmäßiger Arbeitslosigkeit. die auch in den Vorkriegszeiten im Winter regelmäßig auftrat, nicht unterscheiden. Sie kann auch jene Fälle von Arbeitslosen, die ständig nur auf den Lohn angewiesen waren, nicht von jenen Fällen auseinanderhalten, in denen ein kleinerer Familienbesitz eine gewisse materielle Stütze bietet. Es ist klar, daß in einer Zeit, da infolge der rückläufigen Emigration sich der gesamte Populationszuwachs auf dem heimischen Arbeitsmarkte auswirkte, seine Kapazität ungewöhnlich wird steigen müssen, um den gesamten Zuwachs der neuen Arbeitswerber besonders jetzt aufzunehmen, da die Angehörigen der kurz nach dem Umsturz geborenen stärkeren Jahrgänge in das reifere Alter gelangen. In den Monaten, in denen dies die Witterung gestattet, hat sich außerdem auf dem Ar- beitsmarkt des Jahres 1935 besonders in einigen Gegenden die Durchführung der Jnvestitions-, arbeiten günstig ausgewirkt, die den Arbeitsmarkt damals erleichterten, während jetzt in den Monaten mit ungünstiger Witterung eine empfindlichere Reaktion erfolgte. Heute ist eS am wichtigsten, daß die Vorbereitung der öffentlichen Investitionen für die Frühjahrsmonate 1936 beschleunigt werden und deshalb werden auf Anordnung des Vorsitzen- i den der Regierung mit allen auf die öffentlichen! Arbeiten Einfluß ausübenden ReffortS Ver-' Handlungen ausgenommen werden, damit dirj Ausschreibungen der zahlreichen vorbereiteteni öffentlichen Arbeiten so weit als möglich beschleunigt werden. Dadurch soll ermöglicht werden, daß der günstige Einfluß dieser Arbeiten auf den Arbeitsmarkt zur Auswirkung kommt, sobald das Frühjahrswetter ihre praktische Aufnahme gestattet. Ministerpräsident Dr. Hodia wieder im Amt Prag. Der Vorsitzende der Regierung Dr. Milan HodZa ist am Freitag von seinem vierzehntägigen Erholungsurlaub nach Prag zurückgekehrt und hat die Leitung seines Amtes übernommen. Italien wird umstellt Das„Prager Tagblatt" bringt eine United Preß-Meldung, derzufolge Mitte ISnner ei« Teil der englischen Kriegsflotte die jugosla» wischen Adriahäfen— Kotor (Cattaro) und Split(Spalato) anlaufe« wird. Da zu gleicher Zeit die französische Flotte bei Korsika krlegsmSßig manövrieren wird, dürfte Italien vor Beginn der Völkerbundsihung am 2V. Jänner und der eventuelle« Verhängung der Oelsankttonen auf der Linie Toulon— Korsika— Bizer- t a(Tunis)— Malta— Kotor — Split zur See völlig umstellt sei». Zugleich werden die Luftflotte« bereitgestellt und wird die lhbische Grenze gegen Tripolls gesichert. Der Glückwunsch an unseren Siegfried Taub, der heute das sechzigste seines für die sozialistische Arbeiterbewegung so unendlich reichenLebens vollendet, quillt uns allen aus der Tiefe unseres Herzens und wir müssen ihm, obzwar er sich mit aller Energie jedes Gedenken dieses Tages verbeten hat, doch sagen, wie gern wir ihn alle haben und daß es vor allem das G e f ü h l t i e f- st e r Dankbarkeit ist, das uns beseelt, wenn wir an ihn heute denken. Wir kennen ihn..He zu gut, um nicht zu wissen, daß er jedes Wort, das wir über seine Verdienste sagen, abtun wird mit der Bemerkung, er habe lediglich seine Pflicht getan. Gewiß, das tun wir alle. Was aber Taub vor den anderen auSzeichnet, sind jene geistigen und moralischen Gaben, die ihm das Schicksal gegeben hat: bewunderungswerte Vielseitigkeit, unerhörte Aktivität, Krastgefühl, das ihm entströmt und sich den anderen mitteilt, zähe Behärr- Moskau. Die sowjetamtliche Nachrichtenagentur Taß meldet aus Chabarowsk, daß sich am Donnerstag an der mandschnrisch-sowjetrussischen Grenze ein neuer ernster Zwischenfall ereignet hat. Rach den bisherigen Feststellungen der sow- ietruffischrn Behörden hat sich der Zwischenfall folgendermaßen abgespielt: Ein aus der Mandschurei kommendes japanisches Flugzeug sei nach Ucberflirgen der Grenze in der Nähe des Torfes Pokrowka, 35 Kilometer von der Grenze entfernt, auf Sowjetboden gelandet. Man habe beobachtet, wie das Flugzeug die Stadt Woroschilow(das frühere Nikolsk-Ussurijsk) überflogen hat«ud dann 5 Kilometer von dem Dorfe Pokrowka entfernt gelandet sei. In dem Flugzeug befanden sich zwei Japaner; einer von ihnen begab sich zu dem vorbeiführenden Wege und forderte einen örtlichen Bauern, der mit einem Fuhrwerk vorbeifuhr, auf, anzuhalten, und veranlaßte ihn gewaltsam, zu dem Flugzeug zu gehen. Der Japaner wurde von dem Bauern nach erfolgtem Zusammenstoß festgenommen und gezwungen, mit ihm nach Pokrowka zu fahren. Unterwegs überfiel der Japaner d e n-B a n e. n, und es kam zwischen beiden zu einem erbitterten Kampfe, in dessen Verlauf der Bauer dem Japaner den Säbel entriß und ihn verletzte, worauf der ihn wieder nach Pokrowka litnahm. Unterwegs begegneten ihnen Grenzwächter, denen der Bauer de« Lan- lichkeit, die ihn neben dem Genossen Dr. Ezech zum Repräsentanten der Partei, zum Generalstabchef der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterbewegung dieses Landes gemacht hat.. Die umfassende Vielseitigkeit seines Wesens ist, seitdem er in der Arbeiterbewegung wirkt, immer mehr zum Vorschein gekommen und hat ihm immer größere Aufgaben und ein immer größeres Wirkungsgebiet gestellt. Sowie Genosse Dr. Ezech ist auch Genosse Taub ein Mährer. Am 11. Jänner 1876 ist er in Telä zur Welt gekommen. Dort besuchte er die Volksschule und einige Klassen Realschule, um dann in Jglau, wo er in einem Kaufmannsgeschäft Lehrling wurde, von der Pike auf zu dienen. Rach der Auslehre wurde er Handlungsgehilfe in Jungbunzlau, wo er mit der Angestelltenbewegung bereits in Fühlung kommt und sich nach kurzer Zeit dort betätigt. Von da geht er nach Klagenfurt, wo er bereits tätiger Funk- dnngsplatz des Flugzeuges angab. Einige hundert Meter von dem Flugzeuge entfernt, wurden sodann die Grenzwächter von Seite des zweiten Japaners mit Schüssen empfangen. Sie begaben sich, ohne das Feuer zu erwidern, z« dem Flugzeug. Als der Japaner neuerlich und direkt auf die Grenzwächter schoß und mit dem Bajonett gegen sie vorgir.g, antworteten diese gleichfalls mit Schüssen und verletzten den Japaner. Beide verletzten Japaner wurden nach Pokrowka gebracht, wohin aus Woroschilow ein Chi- rurx beordet wurde, um ihnen Hilfe zu leisten. Eine genaue Untersuchung des Vorfalles wurde eingeleitet. Wie lange noch duldet die Welt diesen Größenwahn? Rom.(AP) Wir geben kommentarlos folgende Aeußerung des römischen Blattes„Teuere" wieder: „Ein ganzes Zelt voll Schweden oder Engländern oder Bölkerbundbeamten, selbst ein ganzes Lager von Rote-Kreuz-Zelten, ja die g a n z e verbrecherische Gemeinschaft der 50 San k t i onsländer,. das alles ist n i ch t sovielwert, wie ein Haar, das einem italienischen Soldaten vomKopfe geschnitten wird. Unsere Bombenflieger wissen das und werden danach verfahren". tionär in der Angestelltenbewegung sowie in der Partei ist und mit dem seinerzeitigen Abgeordneten Riese zusammengearbeitet hat. 1902 kam Taub nach B r ü n n, wo er eine Anstellung in einem Kurzwarengeschäft fand. Sofort warf er- sich auch dort mit dem Feuereifer, den wir alle an ihm kennen, auf die Handlungsgehilfenbewegung und gewann dort ein solches Ansehen, daß er bald nicht nur an die Spitze der Brünner Angestellten-Organisation, sondern in der gesamtösterreichischcn An- gestelltenbewegüng zu Bedeutung und Einfluß gelangte. Bestimmend für sein späteres Leben wurde der Eintritt als Angestellter in die Brünner Bezirkskrankenkassa im Jahre 1904, die 1896 unter Führung des Genossen Dr. Ezech von der Sozialdemokratie erobert worden war. Der Leiter dieser Krankenkassa war der verstorbene Matthias Eldersch, dessen Stellvertreter Taub 1907 und dessen Nachfolger er 1911 wurde. Von 1911 bis 1925 hat Taub die Brünner Bezirkskrankenkassa als Direktor geleitet und hat sie zu einem vorbildlichen Versicherungsinstitut Oesterreichs und später der Tschechoslowakei gemacht. Diese Anstalt hat als erste im nlten Oesterreich die, Familienversicherung eingeführt, wie denn Taub überhaupt einer der mutigsten und energischesten Vorkämpfer der Sozialversicherung geworden ist. Er hat schon im alten Oesterreich als einer der ersten Fachleute auf diesem Gebiete gegolten. In Brünn hat Genosse Taub auch geheiratet. Seine Frau Elsa, deren wir heute auch gedenken wollen, hat sich mit aller Kraft bemüht, ihren Mann so zu unterstützen, daß er sich der Arbeit für die Bewegung voll widmen konnte. Selbstverständlich war Taub auch in allen Körperschaften der Partei in Brünn tätig,-Ja hat sich dort als Organisator seine Sporen verdient und insbesondere als jahrelanger Kassier der Brünner Organisation tat er sich unvergängliche Verdienste erworben. In der mährischen Landespartei war er einer der ersten Funktionäre. Eine ausgebreitete Tätigkeit hat Siegfried Taub fünfzehn Jahre, von 1910 bis 1925, als Gemeindevertreter in Brünn entfaltet. Er hat in allen finanziellen und Verwaltungsfragen. in allen Wirtschastlichen/Fragen, in den städtischen Unternehmungen mitgearbeitet und dort eine umfassende Tätigkeit entwickelt. Von seiner Arbeit innerhalb der Brünner Arbeiterbewegung kann man sagen, daß sie tiefe Spuren hinterlassen hat und daß sie nicht vergessen werden wird, solange einer der Genossen leben wird, der Taub in Brünn an der Arbeit gesehen hat. Taubs Wirkungskreis hat sich insbesondere erweitert seit der Schaffung der Tschechoslowakischen Republik. Im Jahre 1920 wurde er zum ersten Mal zum Abgeordneten gewählt. Unser unvergeßlicher Seliger, der Taubs große Begabung und Arbeitskraft erkannt hat, hat sich damals mit Entschiedenheit für die Wahl Taübs zum Abgeordneten eingesetzt. Seitdem wurde Taub bei allen folgenden Wahlen im Jahre 1925, 1929 und 1935 wiedergewählt. 1929 und 1935 wurde er Vizepräsident des Abgeordnetenhauses. Das Arbeitsgebiet, das sich Taub zuerst als Abgeordneter erwählte, war das der Sozialpolitik. Seine bedeutsame Mitarbeit an dem großen Werk der Sozialversicherung ist noch in aller Erinnerung, 1924 wurde er in den engeren Ausschuß der Zentralsozialversicherungsanstalt gewählt, dem er seither ununterbrochen angehörte. Aber darüber hinaus eroberte er sich im Parlament ein immer größeres Wirkungs- und Arbeitsgebiet, er ist fest Jahren der Budgetreferent des Abgeordnetenllubs und dessen Geschäftsführer, er ist der eigentliche Unterhändler der Partei innerhalb der Koalition. Ohne ihn ist unsere Parlamentspolitik überhaupt nicht zu denken. Trotzdem Taub schon in den ersten Jahren seiner parlamentarischen Tätigkeit ganz. außerordentliche Arbeit geleistet hatte und eine der Stützen unseres Parlamentsklubs wurde, beginnt seine eigentlich große Zeit erst, da er 1925 SekretärderPartei geworden ist. Es war nicht leicht, nach dem Tode Eermaks (1924), der dem Genossen Seliger bald im Tode gefolgt ist, die organisatorische Leitung-der Parteiarbeiten zu übernehmen. Was Taub als Parteisekretär geleistet hat— man würde Seiten dazu brauchen, um das zu schildern. Von seiner Rührigkeit, von seinem Fleiß, von seiner Aufopferung können sich nur seine nächsten Mitarbeiter eine Vorstellung machen. Von zeitlich früh bis spät in die Nacht ist Taub tätig, unermüdlich als Organisator der Partei, als derjenige, der Ernster Grenzzwischenfall Kugelwechsel»wischen Bussen und Japanern in Fernost Seite 2 Samstag, 11. Jänner 1936 Rr. 9 Braunes Massenelend 18,5 Prozent Bedürftige km Dritten Reich im Jahre Hunderte, ja tausende Interventionen durchführt, der sich kurz und gut um alles kümmert, was in der Partei vorgeht. Man denke nur daran, was er in den letzten Jahren für die Presse der Partei geleistet hat. Er ist seit dem Jahre 1929, seitdem Genosse Dr. Czech in die Regierung eintrat, der Herausgeber unseres Zentralorgans, er ist Mitglied und die Seele des Presseausschusses, auf dem alle Sorgen für unsere Parteipresse lasten. Seit Dr. Czechs Ministerschaft ist er auch der Vertreter der Partei in der Internationale. Er ist es, der in der Tat mit dem Parteivorsitzenden Dr. Czech alle Sorgen der Partei teilt, an den sich alle wenden, die von der Partei etwas wollen und für die er alle in seiner großen Geduld eine Antwort und einen Rat übrig hat. Seine große Arbeitskraft quillt aus seinem tiefen sozialen Empfinden, die Leiden der deutschen Arbeiter insbesondere seit dem Anbruch der großen Wirtschaftskrise haben ihn tief bewegt und spornen ihn immer wieder an, Hilfe zu suchen und Hilfe zu leisten. Auch die deutschen und österreichischen Emigranten können erzählen, mit welcher Wärme und Energie er sich ihres Schicksals angenommen und wievielen ec geholfen hat. Taub arbeitet aber auch nicht nur am grünen Tisch, er hält nicht nur im Sekretariat alle Fäden der Bewegung zusammen, er geht ost und ost als Redner in Konferenzen und Versammlungen der Partei und versteht es, durch oie Wärme und Ueberzeugungskraft, die aus tiefem fittlichen Empfinden hervorkommt, die Menschen mitzureißen. Es ist wahrhaft das Bild einer umfassenden Tätigkeit, einer unerhörten Geschäftigkeit und eines Fleißes, wie man ihn nur bei wenig Menschen beobachten kann, einer fruchtbaren und wahrhaft segensreichen Arbeit, die uns aus dem Leben und der Tätigkeit des nun Sechzigjährigen entgegentritt. Wir haben uns darauf beschränkt, nur eine kurze Skizze des Lebens und ein flüchtiges Bild der Arbeit des Genossen Taub zu geben. Jedes Wort, das wir hier schreiben, ist dem Jubilar in seiner übergroßen Bescheidenheit zu viel. Aber die Partei hat ein Recht darauf, daß unserer Parteimitgliedschaft und unserer Jugend, aber auch der gesamten Oeffentlichkeit das Bild eines vorbildlichen Sozialdemokraten und Vertrauensmannes der Arbeiterbewegung hingestellt wird. Alle Worte, ihm zu danken, erscheinen uns, die wir ihn kennen und die seine unerhört— große Leistung für die Partei zu schätzen wissen, seinen Bienenfleiß, seine Opferfreude, seine große Begabung, seine hohe Sittlichkeit, sein warmes Gefühl fiir alle Bedrückten, zu schwach und deswegen wollen wir ihm einfach und schlicht, wie es seinem Wesen entspricht, sagen,» daß wir i hn lieben, daß wir den Wunsch haben, er möge der Partei noch viele, viele Jahre seine unersetzliche Kraft zur Verfügung stellen und uns-weiterführen auf dem' Wege" in eine"hellere Zukunft. Wir werden ihm freudig folgen! Die Schweiz gegen Devalvation Bern. Der Nationalrat beschloß mit 120 bürgerlichen gegen 38 sozialdemokratischen Stimmen, das Finanzprogramm zu genehmigen, das das Budget ausgleichen soll. In seiner Rede über das Finanzprogramm erklärte Bundespräsident Meyer, Vorsteher des Finanzdepartements u. a.: Der Bundesrat steht einer Ab- w e r t u n g der Währung mit aller Entschiedenheit entgegen und hält sie für einen unmöglichen Weg, um aus der Krise herauszukommen Während der Leipziger Sender tagtäglich und mtt sehr häufiger Zitierung der—„P r a- ger Morgenpost" des Verlags Mercy— über die Not in unseren Randgebieten zetert, ha/ der oberste Leites der Nazi-Winterhilfe, Pg. Hilgenfeld, öffentlich eingestanden, daß nicht weniger als zwölf Millionen„deutscher Volksgenossen" von dieser Sammelaktion unterstützt werden. Sie hat bisher, sagt Hilgenfeld, u. a. 12% Millionen Meterzentner Kartoffeln an Bedürftige verteilt. Wenn auch die Nazis selbstverständlich die Leistungen ihrer Winterhilfe möglichst großartig erscheinen lassen möchten, so haben sie natürlich Keilte Gefahr für die Demokratie Koalition bleibt In einer Betrachtung der gegenwärtigen politischen Lage befaßt sich das„PrävoLi- du" mit den Gerüchten, welche in verschiedenen Zeitungen über kommende Polstische Veränderungen enthalten sind und schreibt dazu: Die Koalition der Regierungsparteien, die seit dem Jahre 1929 arbeitet, kann durch keine andere Koalition erseht werden, und selbst wenn wir ihre Tätigkeit nicht übereinstimmend beurteilen würden, ist es unleugbar, daß sie in der Re- publik innere Ruhe, bürgerliche Freiheit und Demokratie zu erhalten vermochte und es verstand sich über die dringendsten Fragen des staatlichen und öffentlichen Interesses zu einigen. Auch wst kennen die Tätigkeit jener Leute in der Agrarpartei, denen manches von Faschismus sympathisch wäre, allein wir vergessen nicht, daß ihnen die Agrarpartei in bewegten Zeiten nicht unterlag. Heute, wo die Sonne wieder auf der demokratischen Seite des Zaunes zu scheinen beginnt, kann man ernstlich von einer derartigen Gefahr nicht reden. Aehnlichen Oprimismus äußert Ferdinand Peroutka in der Zeitschrift.Pkitomnost": Durch Europa schleicht ein Gespenst mit der wilden und unbarmherzigen Seel« des Höhlenmenschen: der Faschismus. Er sucht, was er verschlin» den könnte. Einige ZeiHaNg war di«' Frag«, ob wir— gelinde gesagt— nicht auch in seine Sphäre einbezogen werden oder weniger zart ausgedrückt, ob nicht auch wir gegenseitig im Bürgerkriege uns an die Gurgel fahren werden. Zwei faschistische Diktaturen in unmittelbarer Nachbarschaft und vernichtender Einfluß der Wirtschaftskrise auf die Psychologie der Bewohner— das war keine Kleinigkeit... Aber langsam wstd es nicht mehr notwendig sein, Bulletins über den Gesundheitszustand unserer Demokratie herauszugeben: Temperatur und Puls normal. Es scheint entschieden zu sein: wir bleiben Demokraten. Die Sozialisten tvürden vielleicht die Demo- auch das zwingende Interesse, die Zahl der Bedürftigen, die sich nicht aus eigenen Mitteln sattessen können, möglichst herabzudrücken. So wird die von Hilgenfeld angegebene Zahl der Bedürftigen keinesfalls über die Wahrheit hinausgehen, eher darunter? liegen. Aber nehmen wir sie als richtig an, so besagt sie nicht weniger, als daß volle 18,5 Proz ent der reichst» eut- schenBevölberung in diesemdrit- ten Hitlerwinter darauf ange- w i esen sind, Lebensmittelspenden sich schenken zu lassen. Diese Tatsache beleuchtet die wirkliche„Leistung" der Nazidiktatur allerdings ganz anders als ihre ständige Selbstverherrlichung. kratie allein nicht erhalten. Aber die zwei größten bürgerlichen Parteien haben sich zu' demselben Glauben bekannt. Daraus erfließt die Lehre, daß wir uns nicht bestreben sollen die Demokratie einzig und allein durch irgend eine Arbeiterfront zu erhallen, sondern, daß wst zu diesem Zwecke wie bisher di« breite Koalitton aller demokratischen Parteien benützen sollen. Aus allen Prüfungen und Versuchen entwickelte sich zum Schluß eine große ausgesprochene demokratische Mehrheit, entschlossen fest zu regieren und zu den am solidesten gegründeten Regierungsformen in Europa gehörend. Im„Slovenskh Denik", dem Hodza nahestehenden Blatt der slowakischen Agrarier, wird über den Jänner-Kongreß der Republikanischen Partei geschrieben, daß er„eine klare Sprache allen jenen gegenüber führen wird, welche an der ungeschwächten Kraft des demokratischen Gedankens und dem Gewicht der breiten Volksmassen im tschechoslowakischen Agrarismus gezweifelt haben und der Kongreß wird ein bedeutsamer Markstein in unserer inneren Polittk werden, welche auch weiterhin auf den Wegen der Zusammenarbeit und der Konzentratton der konstruktiven Elemente in unserem Staate zwecks innerer und auswärtiger Festigung der Republik schreitet." Das Blatt führt dann weiter aus,, daß die verantwortlichen Faktoren der Partei die Notwendigkeit der engsten Zusammenarbeit der Repräsentanten aller Elemente der breiten Massen des Volks sich bewußt sind und keine grundsätzliche Aenderung der innerpolitischen Konstellation vorbereiten.— Aus dieser Stimme des slowakischen Agrarblattes ist'zu sehen, daß däS slowakische Element innerhalb der Agrarparsti auch weiterhin das mäßigende Element in dieser Partei und das Gegengewicht gegen den rechten Flügel darstellt. Der Präsident der Republik empfing Freitag den Minister für Nationalverteidigung F. M a ch- n i k mit dem Generälinspektor General S y- rovh, mit dem Untergeneralstabschef General H u s ä r e k und mit dem Ministerialrat Dr. V o r e l vom Ministerium für Landesverteidigung in Anwesenheit des Vorstandes der Militärkanzlei des Präsidenten der Republik General B l ä h a. Es war dies die erste der nunmehr regelmäßig ftattfindenden Militäraudienzen. Grazianis Offensive besinnt AddisAbeba. Bei Dolo ist es zn sehr heftigen Kämpfen gekommen, wobei es auf beiden Seiten bedeutende Verluste gab. Rach einigen Meldungen sollen die Italiener um mehrere Kilo- mrter vorgerückt sein. Ras Desto habe um Verstärkung ersucht. Ungefähr 35.000 abessinische Soldaten sind im Bormarsch nach Sidomo.und kommen dem Ras Desta zu Hllfe. London.(Reuter.) Die Telegramme aus abessinischer Quelle geben, obwohl sie behaupten, daß die Abessinier bei Kerelle einen Erfolg verzeichneten, wie es scheint zu, daß die Italiener vorgerückt sind und daß Ras Desta Verstärkungen anfordert, was keineswegs auf einen abessinischen Sieg hindeuten würde. Nichtsdeswweniger waren die Bewegungen des Ras Desta bis zu einem bestimmten Maße von Erfolg gekrönt,- da seine Manöver den General Graziani veranlaßten, einige Abteilungen umzugruppieren und starke im Zentrum und im Osten der Ogaden- Front operierende Einheiten abzuberufen, durch welche Umgruppierung die Forffetzung des italienischen Vormarsches in der Richtung ans Dschid- schiga und Harrar erschwert wurde. Die Armer Grazianis, welche Ras Desta gegenübersteht, setzt sich, wie der Berichterstatter des Reustrbüros aus Mogadiscio meldet, größtenteils aus Weißen Truppen zusammen, denen Askari-Bataillone zugeteill sind. Die Truppen Destas sind nicht so stark, wie die Italiener anfangs geglaubt haben. Die Jtalien-r sind überzeugt, daß der Versuch des Ras Desta, den italienischen linken Flügel zu umfassen, gescheitert ist. Die Abessinier versuchen. Wie verlautet, ein anderes Flankenmanöver, und zwar in der Richtung auf Ual-Ual, doch mußten wegen Mangels an Wasser in diesem Gebiet die abessinischen Streitkräfte auf der erwähnten Linie vermindert werden. Nichtsdestowertiger dürften sie den großen italienischen Vormarsch, wie ihn das italienische Oberkommando beabsichtigt, zum Stehen bringen. Negiis meldet Beute Addis Abeba.(Reuter.) Eine abessinische Meldung besagt, daß bei den letzten Kämpfen zwischen Militärabteilungen des Gouverneurs Bali und italienischen Abteilungen in einer Entfernung von zirka 50 Meilen westlich von Gorahai von den Abessiniern sechs italienische Tanks, neun Maschinengewehre und Munition erbeutet wurden. Der Bankier des Todes Washington.(Reuter.) Auf Grund der Zeu- genaussagen, welche im weiteren Verlaufe der Verhandlungen vor dem die Waffenlieferungen untersuchenden SenatsaUsschüffe gemacht wurden, sinh 84 P r özent des Kriegsmate« r i a l s, welches die Verbündeten in den Bereinigten Staaten vor dem Eintritt derselben in den Krieg angekaust haben, durch Vermittlung I. P. Morgans geliefert worden. In den drei Borkriegsjahren wurden aus den Vereinigten Staaten Waffen und Kriegsmaterial für 125% Millionen Dollars exportiert, in den Jahren 1915, 1916 und 1917 aber für 2187% Millionen Dollar, demnach mehr als zehnmal soviel. Auf das Ersuchen, den Einfluß der Kriegsgeschäfte aus die Bevölkerung Amerikas einzuschätzen, ewiderte I. P. Morgan: Die Amerikaner wollten diese Geschäfte, sie wollten sich aber nicht ihnen zuliebe in den Krieg einlassen. UNSER' 46 Roman von Karl Stym Copyright by Eugen Prager-Verlag, Bratislava „Die Schottergrube da draußen ist im Betrieb. Es arbeiten aber nur Italiener. Ich sitze oft stundenlang hier am Fenster und sehe zu. Das darf auch ich!“— Später kommt die Mutter aus dem Schlafzimmer. Ich erschrecke, so alt ist sie geworden. „Fritz, endlich kommst du nach Hause?“ „Ja, Mutter!“ Tränen hocken dicht hinter meinen Augen. Sie schmerzen unsinnig, weil ich sie nicht weinen darf. Mutter fragte nach diesem und jenem und ich weiß nicht, was ich dieser alten Frau sagen soll. Die vier Jahre haben aus ihr eine Greisin gemacht und was das furchtharste ist, sie ist mir fremd geworden. Ich möchte so gerne ihre Hände streicheln, doch eine bange Verzagtheit hält mich zurück. Sie sitzt noch lange an meinem Bett und erzählt von der Zeit, die ich fort war. Ihre Stimme ist müde und tut mir weh. Ich war die ganze Zeit über bemüht, meine Hände so wenig wie möglich sehen zu lassen. Aber Mütter sehen an ihren Kindern alles. „Fritz, du bist nicht angestellt?! Deine Hände sind hart —— und hast du dir weh getan?“ „Ein bißchen!“ „Armer Junge!“ Mutter frage nicht mehr. Quäle nicht uns beide! Und schließlich hast doch du mich in diese Welt gestellt... Ich presse mein Gesicht in den Bolster. Mutter! Mutter!— Vater ist noch immer der gleiche. Die Untätigkeit, zu der ihn seine Pensionierung zwingt, läßt er allen deutlich fühlen. Wir beide verstanden uns nie besonders aufeinander, und jetzt noch viel weniger. Er kann es mir nicht verzeihen, daß ich nicht angestellt bin und dadurch seine diesbezüglichen Hoffnungen zerstört habe. Die Schwester geht mit eingezogener Brust und gelbem Gesicht umher. Sie ist in einer Glasfabrik beschäftigt. Die Arbeit hat ihr förmlich die Geschlechtlichkeit genommen. Nur der wiegende Gang erinnert in ihr an das Weibliche, sonst möchte man meinen, einen sehr mageren Jungen vor sich zu haben. Ich gehe in die Stadt. Bei Tag sehen die Häuser, Parks und Straßen etwas freundlicher aus, aber trotzdem habe ich das Gefühl, eine riesige Spinne hocke darüber und jeder, der mir begegnet, ducke sich unter den Klauen. Am Kai bleibe ich stehen und sehe zu den Fenstern über den Kanal hinüber. Es ist doch komisch, über welche Kleinigkeiten man im Leben stolpert. Und gerade solche Kleinigkeiten wühlen in uns am stärksten.— Hinter diesen Fenstern dort wurde ich geboren, ging die ersten Schritte und— es ist doch Blödsinn, sich selbst zu quälen... Ein Straßenbahnführer ruft mich an. Ich sehe in ein be» kanntes Gesicht. „Komm*'rauf auf meinen Kasten!“ Es ist Bauer, der mit Vorzug maturierte und jetzt Tramführer ist. Er schimpft über die Zeit, das Studium und über das ganze zweibeinige Gesindel, aber zwischendurch bemerke ich, daß er allen Göttern dankbar ist, daß er den gelbroten Kasten durch die Stadt fahren darf. Es ist fast Mittag, als ich aus Bauers Wagen klettere. Ich habe auf billige und obendrein bequeme Art in drei Stunden die ganze Stadt gesehen. Es ist doch gut, Freunde zu haben, auch, wenn sie nur in blauer Kluft stecken... Abends sitzen in der„Paradeisstube“ fünf Maturanten des Maschinenbaufaches, aber kein einziger tatsächlicher Techniker. Rand ist Altwarenhändler, Bauer Straßenbahnführer, Meier Zugsführer bei der Wehr, Modelack ohne Beschäftigung und ich Bergarbeiter. Rand ist sehr splendid, fast, als wolle er damit etwas gutmachen. Als Student war er fanatischer Schöngeist. Jetzt aber scheint er sich seines Stammbaumes erinnert zu haben, hat einen schmierigen Lüsterrock aus seines Vaters Jugendzeit angezogen und handelt als rassereiner Jude mit altem Zeug, haut die vertrauende. Menschheit übers Ohr und lebt dabei sehr gut. Immerhin ist das auch besser, als ein arierbegeisterter, nichtarischer Hungerleider zu sein, wovon noch keiner satt geworden ist. Modelack riecht Konjunktur und„borgt“ sich für einige Wochen hinaus Zigaretten. Das„Borgen“ ist überhaupt sein Element, schon als Student. Ich glaube, er hat sich selbst ausgeborgt, aber anscheinend das Pech als Gläubiger mitbekommen. Er ist ein armer Teufel und noch dazu ein wenig exzentrisch. Vor einigen Jahren las ich in einer Zeitung eine sehr große Dummheit von ihm. Er„borgte“ sich in der Nacht eine Maschine aus dem städtischen Flugzeugschuppen und wollte sie mit seinen dürftigen Chauffeurkenntnissen in die Höhe bringen. Das Ding aber war sehr störrisch und bohrte sich in einen Heuhaufen hinein. Resultat: eine verbogene Maschine, ein beträchtlicher Sachschaden und hinterdrein auch noch ein etwas ungemütliches Quartier. Modelack verteidigte sich mit seiner Notlage und behauptete, durch einen eventuell gelungenen Flug die Leute auf sich aufmerksam machen zu wollen. Der verständnislose Richter meinte aber, ein Zeitungsinserat hätte das gleiche getan und wäre jedenfalls weniger kostspielig und dumm gewesen. Daß aber Modelack einer Jause vor einem aussichtslosen Inserat den Vorzug gibt, war für das Paragraphengehirn über dem Talar zu plebejisch gedacht. Der Abend wird uns allen zu einem Erlebnis. Wir werden um vier Jahre jünger und sind ausgelassene-Studenten. Modelack bestreitet fast allein die Unterhaltung. Wir andern haben mit Lachen genug zu tun. Sein Magen hat keinen Boden und sein welkes Gehirn ist ein staubtrockener Schwamm. Er versichert immer wieder, zuletzt sogar mit Tränen in den verschwommenen Augen, er habe seit vier Jahren nichts Schöneres erlebt und wäre sofort bereit, reiq Flugzeugexperiment von neuem zu versuchen, Nr. S TamStag, 11. Jänner 1936 Seife 3 fudetendeutsefier Zeifepie^ef Gescheiterter Erpressungsversuch am Internationalen Metallarbeiterverband Der Erpresser beruft sich auf die SdPl „Internationaler Metall- arbeite r", das Organ unseres Komotauer Verbandes, veröffentlicht im Wortlaut das vom 30. November 1938 datierte Schreiben eines Anonymus, der sich im Brief als Funktionär dieses Verbandes vorstellte, unter Berufung auf zwei SdP-Funktionäre dem Verband unsaubere und gesetzwidrige Manipulationen Mit Mitglieds- und Unterstützungsbeiträgen vorwarf und einen Betrag von drei» ßigtausend Kronen für die Nichterstat- tung der Anzeige forderte. Der Bri's schloß mit folgende„Anordnungen* über die Ausfolgung des erpresserisch geforderten Betrages: Am Dienstag, dem 3. Dezember 1935, soll ein Herr von unserem Verbände mit dem Zuge Nr. 5307, welcher in N e u d e k um 11 Uhr vormittags eintrifft, in Neudek sein. Derselbe hat den Betrag bei sich zu haben. Der Betrag soll in einem Paket sein, welches in gelbem Papier umhüllt ist. Dieses Paket hat der Herr unter dem Arm oder in der Hand zu tragen. Er soll bei Eintreffen des Zuges die Bahnhofstraße hinuntergehen und dann bis am Marktplatz kommen und im Hotel„Herrenhaus" das Paket abgeben und sagen, daß ein Herr aus G r a s l i h mit Namen Fischer es abholen wird und ihm zu übergeben ist. Ich selbst werde den Herrn beaufsichtigen, das Paket aber durch einen anderen abholen lassen. Ich bitte, daß man diese Anordnungen, welche ich hier getroffen habe, einhält. Im entgegengesetzten Fall ich, sollte man mir mein Vorhaben.mit irgend etwas zu vereiteln suchen, diese Affäre der SdP abtreten würde. Der Erpresser verhaftet Sofort nach Empfang dieses Erpresserbriefes, der nichts als Unwahrheiten enthält, erstattete der Verbandsobmann die A n z e i g e bei der Gendarmerie gegen den vermeintlichen Erpresser, der am nächsten Tage schon Per neue Vorstand des Jugendverbandes Der Verbandstag des Sozialistischen Ju- gendverbandes wählte eine neue Verbandsführung. Dem VerbändSvorstand gehören an: Karl Kern, Troppau, Verbandsvorsitzender; Willi W a n k a, Pilsen, zweiter Vorsitzender; Heinrich W e i s b a ch, Schluckenau, dritter Vorsitzender; Alois Patz, Bodenbach, Kassier; Josef Kleiner, Teplitz-Schönau, Kassierstellvertrcter; Ferry Schimmel, Bodenbach, Schriftführer; Rudolf Geißler, Teplitz-Schönau, Sekretär. Als Beisitzer wurden außerdem in den Verbandsvorstand geivählt: Erich Ernst, Karlsbad; Luise Sedlakek, Neu-Titschein; Willi Schön, Sternberg; Hermann Preibisch, Graupen; Josef Styber, Komotau; Josef Philipp, Haida; Karl Korschinsky, Chotöschau; Walter B lud au, Reichenberg; Fanny Kohle rt, Graslitz; Franz Schober, Trautenau. Zwangssyndikat der Glasindustrie Das bereits gemeldete Zwangssyndikat der Glasindustrie ist nun Wirklichkeit geworden. In der Sammlung der Gesetze und Verordnungen ist die betreffende Regierungsverordnung erschienen. verhaftet werden konnte. Es is der derzeit stellenlose Metallarbeiter Gustav Riedl aus Eibenberg bei Graslitz. Riedl, der erst leugnete, gab dann unter dem Kreuzverhör der Gendarmen zu, den Brief geschrieben zu haben, erklärte aber immer wieder daß er sich an die Sudrtendeutsche Partei gewendet habe und daß Funktionäre dieser Partei ihm den Rat erteilt hätten, diesen Brief z« schreiben. Das dokumientiert Riedl au*•! einem weiteren Briefe an den 7)erbandsvorstand vom 7. Dezember und übrigens wurden bei der Durchsuchung seiner Wohnung folgende zwei Briefe gefunden: M. P. 543.. Graslitz. Postlagernd. Wir bestätigen den Empfang Ihres Schreibens vom 12. November. Geben Sie uns Ihre Forderungen bekannt oder teilen Sie uns Zeit und Ort mit, wo wir mit Ihnen diese Angelegenheit besprechen können. Am 29. November 1935. M. P. 543. Graslitz. Postlagernd. Im La..fe der nächsten Tage werden wir Ihnen weitere Nachricht zu kommen lassen. Wie bei der Post festgestellt werden konnte, waren beide Briefe in Eger aufge- geben worden. Auch die Herren, mit denen Riedl in Bleis>.dt zusammengekommen ist, waren aus Eger, was durch dix Feststellung der Nummer des Autos sichergestellt werden konnte. Die Gendarmerie hat den Akt bereits an die Staatsanwaltschaft abgetreten, die sich nun mit der Sache weiter zu beschäftigen hat. Der erste Teil der Verordnung handelt von der Errichtung neuer und der Wiederinbetriebsetzung eingestellter Betriebstätten für die Glaserzeugung, wozu eine Bewilligung notwendig ist. Der zweite Heil der Perordnung gehandelt, die Organisation der Glasindustrie. Wenn mindestens 70 Prozent der Erzeugung auf bestimmte Art geregelt wird, wozu auch die Arbsitsverhaltniffe gehören, dann können diese Einrichtungen für die gesamte Industrie festgelegt werden. Ein Schiedsverfahren ist vorgesehen. Vie Präger deutsche Sendung bringt in dieser Woche: Sonntag, 12. Jänner, 14.30 Uhr bis 14.45 Uhr: Der Bolkskörper und seine sozialen Veränderungen(Dr. Robert Baumgartl), M i t t w o ch, 15. Jänner, 18.20 Uhr bis 18.40 Uhr: Lernet tschechisch!(Franz Müller- Langugest), Freitag, 17. Jänner, 18.35 Uhr bis 18.45 Uhr: Aktuelle zehn Minuten, Sonntag, 19. Jänner, 14.30 bis 14.45 Uhr: Uebrr die Einkommensteuer(Dr. Posamenter). Var Mädchen Agathe Von Julins Mader Der winterliche Himmel ließ die Herzen rö- steln. In. die beklemmenden Schluchten der Stadt hing sein Grau wie trübselige Fetzen an unsichtbaren Leinen. Agathe stand in der Frühstunde dieses mürrischen Werktages neben ihrer Schreibmaschine und hielt ein beschriebenes Wachsblati prüfend gegen das fahle Licht. Da sagte der alte Herr, der eine geraume Weile hinter ihr gestanden und aussah wie ein Berggeist, mit leiser, n.'l- der Stimme:„Kind, haben Sie aber schöne Hände." Agathe, deren etwas zu breites Gesicht ausgeblaßte Sommersprossen tupften, wandte sich um, tief erstaunt.„Haben Sie aber schöne Hände." In der Wiederholung lag noch mehr Bewunderung. Weil es das erstemal war in ihrem Leben, daß ihr jemand solches sagte, vermochte Agathe m ihrer Verwirrung nichts als dunkel zu erröten. Die Augen in dem braunen furchigen Gesicht gegenüber lächelten und übersahen die mädchenhafte Verlegenheit. Ob er denn sein Manuskript bi? morgen Abend haben könne?„Ganz bestimmt, Herr Professor", sagte Agathe nun wieder unbefangen und merkwürdig hell.«Ihr Wort?" Sie reichte ihm scherzhaft die Hand, die er behutsam und dankbar drückte. Das war alles, was sich an diesem grauen Vormittag in der Kanzlei ereignete. Agathe'aß wieder vor ihrer Maschine beim Fenster und arbeitete. Einmal kam der Chef hereingeschosscn und sprudelte:„Fräul'n, die Abzüge für den Professor müssen unbedingt morgen fertig sein, verstanden?" Agathe nickte nur, ohne aufzusehen. Nach sechs stieg sie müde, ein lindes Stechen in den Schulterblättern, die Treppe hinunter. Unten wartete Karl auf sie, her lange, gutmütige Junge, und dann wanderten sie langsam heimwärts durch die erleuchteten Straßen, über die Brücke, in die Vorstadt. Agathe lag diese Nacht länger wach als sonst. Wie sie so ganz reglos lag, empfand sie ein völlig neues, unsägliches Gefühl. Es Hub zart und schüchtern an, wurde immer stärker, stieg mit dem Blute in die entlegensten Teile» tönte, brauste— zum erstenmal wieder, seit der Märchenzeit ihrer Kindheit, erlebte Agathe Freude, Jubel am Leben. Als sie schließlich von Müdigkeit überkommen dre Augen schloß, ruhten ihre Hände in der Grube zwischen den Mädchenbrüsten wie zwei Tauben in einem zärtlichen Nest. Verklärung lag jetzt manchmal auf Agathens Gesicht und rundete sanft ihre etwas eckigen Bak- kenknochen. Allen fiel es auf, alle sagten es ihr in den folgenden Tagen mit leiser Verwunderung. Es war so offenbar, daß Karl sie eifersüchtig xu quälen begann. Aber Agathe wußte nicht einmal Rechtes zu antworten. Sie ertappte sich des österen dabei, wie sie verzückt auf ihre Hände niederstarrte; deren Haut war gleich dunkelgetöntem Elfenbein. Wenn sie untätig dasaß, schienen sie ihr zwei junge schmächtige Tiere, die in ihrem Schoße kauerten. Agathe las in der Zeitung, daß der alte, freundliche Professor einen Vortrag halte,'»hr genügten sonst Bücher aus der Leihbibliothek und Anpreisung nazistischer Verlagswerke in unseren Schulen Die Beharrlichkeit, mit der gewisse reichsdeutsche Verleger an unseren Schulen Kunden zu werben suchen, ist geradezu rührend. In den letzten Tagen z. B. erhielten die Mrektionen unserer deutschen Mittel sch ulen einen Prospekt der ehemals rühmlichst bekannten pädagogischen Verlagsfirma Moritz Diesterweg, Frankfurt am Main, in welchem dringend zum Bezüge der vom „Nationalsozialistischen Lehre rb und, Reichsfachschaft 2: Höhere Schule" herausgegebene Zeitschrift„Die Deutsche Höhere Schule" eingeladen wird.(Das Blatt erscheint vierzehntägig und kostet trotzdem monatlich bloß 30 Pfennig— je niedriger der Bezugspreis, desto höher die staatliche Subvention.) Dem Prospekt ist das Inhaltsverzeichnis der beiden ersten Jahrgänge 1934 und 1935 beigegeben. In der Rubrik„Grenz- und Auslandsdeutschtum" werden die Tschechoslowakei und„Sudetendeutschland" als zweigesonderte Ländergebiete behandelt... Groves Internationales Treffe» der Arbeiter-Wintersportler am 11.«nd 12. Jänner 1936, im Gebiete der beiden Natnrfreundehänser Morbach- Hütte und Border-Zinnwald, muß infolge ungünstiger Witterung auf den 18. und 19. Jänner verlegt werden. Programm wird beibehalten. Arbeitslos— Freitod Aus Königsberg et. d. E. wird uns berichtet: Der mit seiner Familie— drei Kindern— seit langer Zeit in bitterster Not lebende S ch Werin v a l i d e G. E b e r l, ein 39jähriger Mann, äußerte wiederholt Selbstmordabsichten, weil er mit seinen Angehörigen von der sehr kleinen Rente, die er bezog, nicht zu leben vermochte, jedoch keinerlei Arbeit und Verdienst finden konnte. Eberl hat nur einen halben linken Arm und ist dadurch zu schwerer Arbeit nicht geeignet. Dieser Tage äußerte er sich zu seiner ältesten Tochter, daß er die Not nicht mehr länger ertragen könnte und daß er nicht lange mehr leben werde. Tatsächlich hat er sich kurz darauf von daheim entfernt und ist bisher nicht wieder zurückgekehrt, so daß angenommen werden muß, daß der Verzweifelte Hand an sich gelegt hat. Der Reichsjugendtag. Die Werbung für den Reichsjugendtag wurde durch einen Rund- funkvortraa eröffnet, den der Verbandsvorsitzende am 8. Jänner abends über den Liblitzer Sender hielt. An der Vorbereitung des Reichsjugendtages wird bereits in allen Kreisen fieberhaft gearbeitet. Der ausgeschriebene Wettbewerb hat bereits schöne Ergebnisse gezeitigt. Die Parole ist: Jung und alt zu Pfingsten nach Bodenbach! Spart und werbt! Staffen schon wieder patriotisch... In der fteitägigen Prozetzverhandlung gegen Dr. Patscheider und Genossen wurde das Verhör des Angeklagten Jng. Staffen fortgesetzt, der u.«. erklärte, die tschechoslowakischen Deutschen feien nach dem Umsturz froh gewesen, daß die Slowakei der Republik einmal wöchentlich Kino. Nun aber flammte sie vor Neugier. Sie kaufte sich einen Sitz in der ersten Reihe, zog an dem Abend ihr bestes Kleid an und ging hin. Der kleine Saal war halb>eer. Neben älteren und alten Herren und einigen Frauen war sie das einzige junge Mädchen. Sie fiel auf. Der Professor trat, von lautem Beifall begrüßt, ans Lesepult, setzte sich eine Brille zurecht und begann langsam aus einem Manuskript vorzulesen. Agathe horchte auf den Klang feiner Stimme.' Waren es die strengen Brillengläser, die ihn so veränderten? Ab und zu hob er die Augen und spann einen Satz fort..Meist starrte er dabei in den dunklen Hintergrund des Saales. Agathe war verzweifelt. Vielleicht sollte sie sich ihm zu erkennen geben? Sie hob die gefalteten Hände bis zu Mundhöhe— und hielt den Arem an. Die kaum merkbare Bewegung in der ersten Reihe war dem Vortragenden nicht entgangen, streifte Agathe mit einem ungehaltenen Blick und setzte unbeirrt fort:„ denn alles anschau lich Denkbare, sogar das Abstrakteste von diesem, die Zahl, stammt au? beiden Prinzipien, vereinigt in sich göttlichen, henogenen und chaotegenen Einschlag." Agathe machte sich flein und schmal auf ihrem Sitz und hielt still bis zu Ende. Sie war die erste bei der Kleiderablage und zog den Mantel an, während sie die Treppe hinunterlief. Zn Hause fand sie einen wütenden Brief von Karl Er wisse längst, daß sie ihn betrüge und darum wolle er endlich Schluß machen. Da warf sich Agathe, so wie sie war, in Mantel und in ihrem besten Kleid übers Bett und begann erbärmlich schluchzen. angeschlossen wurde, da damit die flowakischen Deutschen vor der ihnen drohenden baldigen Magyarisie- rung bewahrt wurden. Montag, den 13. Jänner, werden der Verhandlung alle Angeklagten» beiwoh- nen. Verhört werden noch der Bankdirektor Anton Kiesewetter aus Prag und der Sparkassendirektm Emil Breuer aus Reichenberg. Die Angelegenheit der Angeklagten Schatt aus Teschen dürfte wahrscheinlich ausscheiden, da die Schatt erkrankt ist. Schulfperre und Kohlennot. Zu der von uns wiedergegebenen Meldung, Wer die Schließung der Knaben- und Mädchenvolksschule in Neusattl bei Elbogen infolge Kohlenmangels, wird uns aus Karlsbad berichtet, daß die Gemeinde Neusattl von den Falkenauer Graphitwerken jetzt einen größeren K r e d i t für Kohlenlieferungen erhalten hat, wodurch die Möglichkeit der Wiederaufnahme des Schulbetriebes gegeben wurde. Auf furchtbare Art tödlich verunglückt. In den Herrschaftswaldungen Beaufort in Grün- Unterhammer bei Petschau verunglückte, wie uns aus Marienbad berichtet wird, der 37jährige Holzhauer Josef Breitfelder auf furchtbare Weise. Er hatte zusammen mit seinen zwei Brüdern eine große Fichte zu fällen, einen sogenannten Zwillingsbaum. Während die drei Brüder mit dem Abbruch des einen Teiles des Zwillingsbaumes beschäftigt waren, brachte der während des Absägens einsetzende heftige Wind den anderen Teil zum Sturz. Dabei wurde Josef Breitfelder, auf den der Baum fiel, buchstäblich zerschmettert, so daß er auf der Stelle tot war. Der Unglückliche hinterläßt eine Witwe mit drei unversorgten Kindern. Raubüberfall. In einem Hause auf dem Keilberg in der Nähe von Reichenberg trug sich Donnerstag abends ein Raubüberfakl zu. Als der dort wohnende Kausinann Johann Scholze um 7 Uhr abends seinen Laden gesperrt hatte, drangen vom Hausflur zwei Männer in den Laden ein, von denen einer mit drohend erhobenem Revolver Geld verlangte, während sich der andere der Kassabarschäft zu bemächtigen suchte. Scholze stürzte sich auf diesen unbewaffneten Eindringling, worauf der zweite einen Schuß abgab, der dem Kaufmann jedoch nur den Arbeitsmantel versengte. Hierauf ergriffen die beiden Männer die Flucht. Der eine von ihnen, der reichsdeutsche Emigrant Erich Merz, wurde von einem Passanten festgenommen. Der zweite Räuber wurde um 10 Uhr abends in Gablonz verhaftet und in > ihm der 23jährige aus Hohenfurt stammende Automechaniker Felix Pfromberg, ein seit längerer Zeit gesuchter Einbrecher, sichergestellt. Beide Verhafteten wurden dem Reichenberger Kreisgericht eingeliefert. Angriff auf Alexandria von britischen Streitkräften erprobt Alexandria. Britische Schiffe und Flugzeuge nahmen am Freitag an einem Angriffsmanöver teil, das bei Morgengrauen durchgeführt wurde, um die Verteidigungsfähigkeit der Stadt Alexandria zu prüfen. Einen Teil der Manöver bildete der Angriff„feindlicher" U-Büote und ihr Vorstoß in den Hafen von Alexandria sowie die Torpedierung der dort vor Anker liegenden Schiffe. Besonders intensiv tvar der Luftangriff. Bundesgericht hebt Vereinsverbot auf Wien. Der Verein„Eisenbahnererholungsheim", der den sozialdemokratischen Gewerkschaften nghestand, wurde nach den Feberunruhen des Jahres 1934 aufgelöst; sein Barvermögen im Werte von 100.000 Schilling.sowie seine vier Erholungsheime in Nieder-Oestcrreich, Ober- Oesterreich, Kärnten und Vorarlberg wurden beschlagnahmt, trotzdem 14 Tage vor den Feberunruhen sämtliche Vereinsmitglieder der Vaterländischen Front beigetreten waren. Gegen diese Entscheidung wurde Beschwerde erhoben. Der Bundesgerichtshof hat nunmehr die Auflösung des Vereins und die Beschlagnahme seines Vermögens aufgehoben. Neue Zuchthausurtelle Die Genossen Landtagsabgeordneten Gustav Adolf Müller und Werner Zorn aus Lett- z i g sind nach viele Monate währender Untersuchungshaft zu zwei Jahren und zu einem Jahr sieben Monaten Zuchthaus verurteilt worven. Sechzehn weitere Angeklagte wurden freigesprochen, aber sofort ins Konzentrationslager überführt/ Der Berliner kommunistische Funktionär Fritz Walter wurde vom Volksgerichtshof wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Neues Flüchtlingsamt In Genf? Genf.- Donnerstag früh wurde ein Entwarf veröffentlicht, der dem Völkerbundsrate vorgelegt wurde und die Errichtung eines neuen Organs des Völkerbundes betrifft, dem die Fürsorge für eine Million russischer, deutscher.und armenischer Flüchtlinge übertragen werden soll. Der Ausschuß für internationale Flüchtlingshilfe empfiehlt im Gedenken an das Werk Nansens, daß an die Spitze aller Hilfsorganisationen für die Flüchtlinge irgendeine hervorragende Persönlichkeit gestellt werden solle. Seite 4 Samstag, 11. Jänner 1936 Nr. S Sturm vom Atlantik Schrecken Uber Instand/ Blume und Türme gefüllt London.(Reuter.) Die britischen Inseln wurden in der Nacht zum Freitag von einem stürmischen Unwetter betroffen, das mindestens zehn Menschenleben als Opfer forderte. Am Flusse Merzey überraschte der Sturm ein Frachtschiff und trieb es auf eine Sandbank, wobei fünf Matrosen ertranken. Ein sechster Mann konnte sich erst zwei Meilen von der Unfallstelle entfernt ans Ufer retten. Die Leichen der fünf Ertrunkenen wurden später aus dem Wasser gezogen. Auch die Grafschaft Lancashire wurde schwer betroffen. Der Bürgermeister von Manchester forderte die Bevölkerung durch den Rundfunk auf, die Häuser möglichst nicht zu verlassen. Ein Schnellzug stieß mit einer Stunden- geschwindigktit von 50 Meilen gegen einen vom Sturm entwurzelten und auf die Schienen geworfenen Baum. Obwohl der Anprall heftig war, kam kein Passagier zu Schaden. Infolge des Sturmes mußte der gesamte Schiffs- und L u f t v e r k e h r e in« g e st e l l t werden. Die Telephon- und Telegra- phen-Verbindungen wurden in einem großen Teile des Landes unterbrochen. Die Geschwindigkeit des Sturmes überstieg 180 Stundenkilometer. Außer den bereits gemeldeten fünf Matrosen, welche bei Braddy ertranken, wurden bisher, weitere fünf Menschenopfer gemeldet, davon drei aus Lancashire. Viele Menschen wurden durch stürzende Mauertrümmer verletzt. Besonders große Schäden wurden in W a l e s angerichtet, wo die berühmte Hängebrücke, welche die britische Insel Anglesea über die Meeresstraße von Menais hinweg mit Wales verbindet, beschädigt wurde, so daß der Verkehr über diese Brücke eingestellt werden mußte. In einigen Ländesteilen wurden die elektrischen Leitungen zerstört und manche Städte waren infolgedessen in Finsternis Mit Ketten an die Hölle gefesselt...! Hitlers Propagandisten beglückten die Umwelt der braunen Diktatur mit einer Mitteilung, daß die Neigung der Deutschen, nach dem Ausland auszuwandern, stark zurückgegangen sei. Der Direktor der Reichsstelle für das Auswanderungswesen, Oberregierungsrat Dr. Schmidt, meinte in einem Ueberblick über die Entwicklung der deutschen Auswanderung im„Arbeitsmann", daß diese Erscheinung nicht nur auf die Einreisebestimmungen namentlich der Vereinigten Staaten zurückzuführen sei, sondern vor allem auch auf die Aufwärtsentwicklung in Deuffchland, die wieder zahlreiche Existenzmöglichkeiten erschlossen habe. Die„leichte Zunahme der Auswanderun- gen" in den Jahren 1933 und 1934 führt der Artikelschreiber einzig und allein auf die Auswanderung der Juden zurück.! Besonders begrü- ßensweN sei es, daß die Zahl der Bauern und Arbester, die früher mit das Hauptkontingent der Auswanderer stellten, stark zurückgegangen sei, weil gerade jene erkannt hätten, daß ihre Arbeit in der Heimat besonders notwendig ist. Zahlreiche Existenzmöglichkeiten erschlossen? Gerade jetzt wird bekannt, daß die Zahl der Arbeitslosen im verflossenen Dezember sich um eine halbe Million vermehrte. Die Zahl der Arbeitslosen stieg um 522.354 auf 2,506.806. Dazu müssen gerechnet werden all die Menschen, die aus dem Arbeitsprozeß gedrängt wurden, und die im Arbeitsdienst und in der Landhilfe beschäftigten jungen Leute, die in einem eigentlichen Arbeitsverhältnisses nicht tätig sind... Uns will übrigens dünken, daß für den Rückgang der Auswanderung andere als die angeführten Ur fachen maßgebend sind. Manuel Humbert teilt im„Pariser Tageblatt" mft, daß von den Berliner Sklavenhaltern ein Erlaß herausgegeben wurde, der bestimmt, daß kein junger Mensch Deutschlandmehrver« lassendarf. Jeder Junge bis zum 18. Lebensjahr und jedes Mädchen bis zum Alter von 21 Jahren bleibt ehern an das Land ge- fessell, das ein Land der Verheißung werden sollte, in Wirklichkeit längst eine Hölle der Unterdrückung geworden ist. Aus eigener Ersah- rung wissen wir, daß junge militärpflichtige Männer einen Auslandspaß selbst für kurze Zeft nicht erhalten. Die Einschließung aller Menschen, auch der jungen Leute, die sich inmitten der kulturellen Wildnis des heutigen Deutsch, land noch einen Rest freien Denkens bewahrt haben, in dem nationalsozialistischen Kerker, das sind in Wahrheft die Ursachen des Rückganges der Auswanderung. Davon sollten auch Kenntnis nehmen die hftlerfreundlichen Zeitungen unseres Landes, die jeden nationalsozialistischen Erguß kritiklos wiedergeben. Bei der Verhaftung erschossen.' Zwei von den drei Banditen, die kürzlich am Hellen Tage ,inen Raubüberfall in dem Geschäft eines staatlichen Lotterieeinnehmers in Warschau verübten gehüllt. Im Tale des Medvay-Flusses stehen viele Gemeinden völlig unter Wasser. Zwei Tote in Düsseldorf Düsseldorf. Ein schweres Unwetter, das Freitag mittags über Düsseldorf niederging, war von starkem Hagelschlag und einem gewaltigen Sturm begleitet. Soweit man bisher feststellen konnte, sind zwei Tote, 13 Schwer- und zahlreiche Leichtverletzte zu beklagen. Ein Klrdifnrm abgedreht! Köln. Eine Windhose brauste Freitag nachmittags über den Ort Hamm an der Sieg hinweg. Sie richtete schwere Verwüstungen an. Der 45 Meter hohe gotische Turm der alten evangelischen Kirche wurde von der Windhose gepackt und in 80 Meter Höhe glatt abge- dreht. Die hochstehende Spitze saust« dann aus das Dach der Kirche, das schwer beschädigt wurde. Von den auf die Straße prasselnden Trümmern wurde glücklicherweise niemand getroffen. Der 25 Meter hohe Feuerwehrturm des Ortes wurde ebenfalls von dem gewaltigen Sturm, der etwa vier. Minuten anhiell, umgekippt. Sämtliche Dächer des Ortes sind beschädigt und eine große Anzahl vollständig abgedeckt. Die Feuerwehr nahm mit der SA die Aufräumungsarbeiten auf. Windstärke 10 Emden. Der über der Nordsee wütende Sturm erreichte Freitag nachts Windstärke 10. In der Nähe von Borkum geriet nachts ein englischer Dampfer in Seenot. Aus Norderney wird gemeldet, daß der holländische Motorfrachter„De Hope" vermißt wird. Das Fahrzeug befand sich auf der Reise von Hamburg nach Norderney. An Bord befanden sich drei Mann Besatzung und die Frau des Kapitäns. Mit dem Verlust des Schiffes muß gerechnet werden. und dabei einige tausend Zloty raubten, sind nach einer umfassenden Polizeistreife, an der 120 Mann beteiligt waren, in einem Schlupfwinkel, im Hinterzimmer eines Verbrechercafes, aufgespürt worden. Da die Verbrecher bei der Verhaftung Widerstand leisteten» war die Polizei zum Gebrauch der Schußwaffen gezwungen. Einer der Verhafteten wurde erschossen, der zweite so schwer verwundet, daß er im Krankenhaus starb. In dem Versteck wurden sechs Revolver und 2000 Schuß Munition sowie ein Teil des geraubten Geldes gefunden. Der dritte der Banditen konnte zur gleichen Zeit auf der Straße verhaftet werden. Schicklgruverstadt. Wie die französischen Blätter melden, wird am 18. Jänner, dem Jahrestage des Saarplebiszits, die Stadt Saarlouis, welche diesen Namen nach Ludwig XIV. führt, in Hitler-Stadt umbenannt werden. New Kork.(Reuter.) Der Gouverneur des Staates New Jersey, Hoffmann, erhielt einen mit dem Namen I. I. Faulkner unterfertigten Brief, in dem der Schreiber ihn auffordert, Hauptmann zu entlassen. Der Gouverneur beabsichtigt, diesen Brief in der morgigen Presse zu veröffentlichen. Der unbekannte„Faulkner" hinterlegte seinerzeit in einer New Dorker Bank einen Betrag von 2980 Dollar in Banknoten, die von Lind- bergh als das Geld bezeichnet wurde, das er den Entführern seines Söhnchens als Lösegeld aus- Die Verlosung der Prämien-KupouS der Weihuachtsaktion der tschechoslowakischen Tabakregie wurde am 10. Jänner um 5 Uhr nachmittags im Ziehungssaal der Direktion der Staatslotterien in Prag vorgenormAen. Die Ziehungen nahmen drei Mädchen aus dem Auditorium vor, die sich freiwillig gemeldet hatten. Die 18 Haupttreffer fielen auf die Prämienkupons mit folgenden Nummern: 61.709(1. Preis im Werte von 3000 XL), 809.346 (2. Preis im Werte von 2000 XL), 121.922 (3. Preis im Werte von 2000 XL), 169.474 (4. Preis im Werte von 1000 XL), 229.102 (5. Preis im Werte von 1000 Xi), 219.902 (6. Preis im Werte von 1000 XL), 278.879 (7. Preis im Werte von 500 XL), 140.073 (8. Preis im Werte von 800 XL), 177.210 (9. Preis im Werte von 500 XL), 247.131 (10. Preis im Werte von 500 XL), 16.159 (11. Preis im Werte von 200 XL), 23.463 (12. Preis im Werte von 200 XL), 296.019 (13. Preis im Werte von 200 XL), 115.685 (14. Preis im Werte von 200 XL), 40.987 (15. Preis im Werte von 200 XL). Mordepidemie... In den letzten Tagen sind ganze Seiten der französischen Zeitungen Morden und anderen Verbrechen gewipmet. Beispielsweise melden die Blätter heute, daß unweit von Dijon in einem Wirtschaftshofe drei Leichen aufgefunden wurden. Des Mordes verdächtig ist ein Knecht. Unweit von Amiens ermordete ein Enkel seine Großmutter und beraubte sie. In Sovoyen drang ein unbekannter Einbrecher in ein vereinsamtes Gut«in und verletzte mit einem Hammer eine Frau und zwei Kinder tödlich. Die Polizei und die Presse suchen die Identität eines Jungen zu ermitteln» dessen Leichnam vor einigen Tagen aufgefunden wurden Ein anderer Junge wird vermißt. Außerdem forschen die Blätter nach dem Mörder einer reichen Rentnerin aus Nizza. MondesfinsterniS fordert acht Menschenleben. In Kruschewatz in Altserbien erttanken bei einem Bootsunglück auf der Morawa acht Personen. Bei der Fahrt wurde die Gesellschaft plötzlich von der Mondesfinsternis überrascht, die ihr jeden Ueberblick unmöglich machte. Das Boot geriet in eine Stromschnelle und versank. Nur ein Bauer konnte sich retten und Bericht über di« Schreckensfahrt erstatten. Mörder Alkohol. Im 18. Bezirk in Men spielte sich eine Familientragödie ab, die drei Menschenleben forderte. In seiner Wohnung wurden durch Leuchtgas vergiftet der 63jährige Pensionist August Steinbauer und seine zwei Söhne im Alter von 24 und 21 Jahren gefunden. Durch die amtliche Untersuchung wurde festgestellt, daß die beiden Söhne ihren Bater, der dem Alkohol verfallen und Zeichen einer geistigen Umnachtung zeigte, einer Anstalt für Geisteskranke übergeben wollten. Der Bater hat jedoch davon erfahren und den Entschluß gefaßt, seine zwei Söhne und sich aus der Wett zu schaffen. gezahtt hatte. Die Polizei hatte damals vergeblich versucht, diesen Mann stellig zu machen. „New Kork Daily News" veröffentlichen ein Schreiben Faulkners, in welchem es heißt, Hauptmann sei an dem Verbrechen unschuldig, dessentwegen er zum Tode verurteilt wurde. Der Briefschreiber fügt hinzu, aus persönlichen, Gründen keine weiteren Informationen geben zu können. Schristkenner glauben, daß der Briefschreiber mit jener Person identisch sei, die sich bei der Vorlage einiger Banknoten aus dem Lösegeld in einer New Dorker Bank auf dem Bankzettel unterzeichnete. Ole Madonna soll den Briganten helfen! Mit der Alpendivision„Pusteria" wurde auch das bekannte Gnadenbild der Madonna di Faenza in Neapel nach Ostafrika eingeschifst. Kardinal Ascalesi hat alle Söhne Italiens jenseits des Meeres unter den Schutz dieses wundertätigen Bildes gestellt.— Die fromme Geste paßt besonders gut zu der italienischen Kriegsfiihrung,. die nicht einmal das Rote Kreuz achtelt Ein Hoffnungsschimmer für Hauptmann Der geheimnisvolle Mister Faulkner meldet sich Professor Jize der seinerzeitige Vertreter Abessiniens im Schlich- tungsausschuß des Völkerbundes wurde dieser Tage der Zielpunkt wütender Demonstrationen der faschisttschen Studenten an der Pariser Sorbonne. Der Krawalle wegen mußte die Rechtsfakultät der Pariser Universität gesperrt werden. Drakonische Strafen gegen Diebe am Volksgut. Das Swerdlower Gericht verurteilte den Direüorstellvertreter und den Buchhalter des Fell- Händler-Trusts zum Tode, weil sie innerhalb zweier Jahre mehr als eine Million Rubel für Reisen in Sanatorien und für andere Reisen verausgabt haben. Das Swerdlower Gericht spricht eine rauhe Sprache, aber vermutlich die einzige, die ein Korruptionist versteht. Ist es schon so weit? Die Hafenpolizei von Barcelona machte an Bord des nach Amerika abfahrtbereiten Dampfers„Augustus" folgenden Fund: 35 Kilogramm Gold, sieben Kilogramm Platin und 1.3 Millionen Lire in Banknoten. Man stellte fest» daß dies Eigentum der Familie des Grafen Cian o, des Schwiegersohnes von M u s s o l i n i, ist.— Während die andern Italiener Gold für Eisen gaben, nahmen die Mussolinis wie eS scheint jenes für dieses. Im übrigen ist die Sendung ein gutes Vorzeichen. Der Namensvetter. In der„Jswestija" findet sich folgende interessante Notiz:„Hitler, Salomon, Sohn des Wolf Hitler, aus dec Stadt Kamenez-Podolsk(Ukraine), wohnhaft in Lenino, Moskauer Gebiet, ändert seinen Namen in Kamenski." Die Brille verloren— das Rathaus explodiert. In Pendletob(Indiana) wurde während der ersten Sitzung des neugewählten Gemeinderates durch eine furchtbare Explosion das Rathaus in die Lust gesprengt. Bisher konnten die Rettungsmannschaften vier Tote bergen, 13 Personen erlitten teilweise schwere Brandwunden. Die Explosion entstand, als ein Schlosser, der in einem Schacht unter dem Rathaus gearbeitet hatte, seine Brille verloren hatte und beim Suchen ein Zündholz anzündete, wodurch das im Schacht angesammelte Grubengas explodierte. Temperaturen wie anfangs April. Unter dem Einfluß einer außerordentlich tiefen Druckstörung, deren Zentrum in der Nähe der norwegischen Küste liegt, herrscht in ganz Westeuropa stürmisches und dabei warmes Wetter. In der Umgebung des Golfes von Biskaja, von wo warme Lust dem Binnenlande zugeführt wird, wurden Freitag nachmittag? stellenweise bis zu plus 22 Grad verzeichnet. Bei uns kommt die Erwärmung am meisten in Böhmen zur Geltung, Prag hatte um 14 Uhr plus 11 Grad, was den normalen Temperaturverhältniffen. von Anfang April enffpricht. Eine Käl e- welle, die sich von Island südöstlich ausbreitet, dürfte unsere Gebiete zunächst nicht unmittelbar erreichen. Trotzdem muß in den nächsten Tagen mit einem allmählichen Temperaturrückgang gerechnet werden.— Wahrscheinliches Wetter von heute; Veränderlich bei erheblicher Bewölkung, strichweise Schauer, noch relativ warm. In den böhmischen Ländern zeitweise windig. Auf den Bergen später etwas kühler und strichweise Schneefall.— WetterauSsichtenfürSonnt. g: Unbeständig; von Nordwesten her allmähliche Abkühlung. Vom Rundfunk ImsMiImiwwIu aus Um Proarammaai Sonntag Prag: Sender L.: 7.80 Konzert aus Karlsbad. 9.10 Gesangvereinskonzert. 11.30 Mozart: Quintett für Klarinette. 12.20 Konzert. 18.45 Schallplatten. 17.50 Deutsche Sendung: Orchefterkonzert aus M.- Ostrau. 20.00 Konzert aus dem Smetanasaal:"-ym- phoniekonzert. 22.25 Deutsche Presse.— Sender St.: 14.30 Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Dr. R. Baumgärtel: Der Bolkskörper und seine sozialen Veränderungen. 14.45 Lieder. 15.05 Die Geretteten, Spiel von Fleischer.— Brünn: 10.00 Populäres Konzert. 11.20 Schallplatten.— Mährisch- Ostrau: 17.50 Opernstunde.— Preßburg: 14.20 Russische Lieder. 19. IQ Blasmusik, 9Jr. S Samstag, 11. Sännet 1938 Sette 5 Drei Sozialisten in Florida gelyncht (P. G.) Die amerikanische Sozialistische Partei veröffentlicht Einzelheiten über eine entsetzliche Gewalttat, die im Dezember gegen drei Sozialisten in Tampa(Flcrida) verübt wurde und die das Loben eines der drei Opfer gekostet hat. Der Tote ist Joseph S h o e m a k e r, der bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen und 24 Stunden lang in einem Graben liegen gelassen wurde. Die beiden anderen sind Eugene P o u l n o t, Borsitzender der Arbeitslosenorganisation in Florida, und S. D. Rogers, ein Mitglied der Sozialistischen Partei. Diese drei Genoffen hielten mit drei anderen eine Sitzung in der Wohnung eines Gewerk- schaftssekretärs ab, als zehn uniformierte Polizeibeamte eintraten und sie verhafteten. Als sie nach Anwendung des»dritten GradeS" freigelassen wurden, wurden sie vor dem Rathaus vcn einer Menge maskierter Leute empfangen, unter denen sich auch ein Polizist befand. Die andern drei wurden ausgelassen, Shoemaker, Rogers und Poulnot hingegen im Auto nach einem entlegenen Platz verschleppt, wo sie ausgepeitscht, geteert und gefedert und dann liegen gelaffen wurden. Der Arzt, der Shoemaker nach seiner Auffindung behandeÜe, erklärte, daß er fürchterlich verstümmelt und bei der Einlieferung ins Spital in einem so entsetzlichen Zustand war, daß ihm nicht mehr geholsen werden konnte.. In Tampa wurde ein Komitee gegründet, das sich zur Aufgabe setzt, die Schuldigen an dieser grauenhaften Untat auszuforschen, die Familien der Opfer zu unterstützen und für die Wahrung der Freiheit der StaatÄiürger zu kämpfen. Italienische Propaganda im Kongo Rom.(A. P) Italien treibt im belgischen Kongo eine lebhafte Propaganda, die sich nicht nur auf die italienischen Einwanderer erstreckt. Auf Beranlaffung des italienischen Konsulats wurde in Elisabethville ein italienischer Propagandafilm vorgeführt, der sich gleichzeitig scharf gegen die Sanktionen wandte. In Katanga wurden Sammlungen zugunsten der italienischen Soldaten durchgeführt. Man versucht auch, die Eingeborenen gegen die Abessinier mit dem Hinweis darauf aufzuhetzen, daß sie Sklavenhändler seien. Dennoch kam es in Boma zu Negerdemon- srrationen gegen Italien, und in Leopoldsville protestierten schwarze Angestellte gegen bestimmte Artikel der italienischen Zeitung„Ottobre". Die Araber und Inder, die den Kleinhandel nn Osten des Kongo und in Ruanda-Urundi beherrschen, stehen unter dem Einfluß der mohammedanischen Presse ebenfalls auf der Seite des abessinischen Volker. Luftfahrt und Versicherung. Infolge der häufigen Flugzeug-Unfälle find die Versicherungsprämien gegen die Gefahren des Fliegens in den letzten Wochen auf dem Londoner Mark erheblich gestiegen. Die Verluste der Versicherungsfirmen sind im Jahre 1938 höher gewesen als je zuvor. Mehrere günstige Jahre müßten verstreichen,«he diese Verluste ausgeglichen werden können. Im allgemeinen sieht man die Hauptursache der zahlreichen Unfälle in der zu schnellen Entwicklung des regelmäßigen LuftdienfteS und in dem Mangel an erfahrenen Piloten. Die Entwicklung der Flugsicherheit konnte damit nicht gleichen Schritt halten. Die schnelle Vermehrung der Luftfahrtlinien ging Hand in Hand mit der Aufstellung von genauen und streng einzühaltenden Fahrplänen, die nur allzu ost den meteorologis.en Bedingungen des Augenblicks nicht gerecht werden. Der Londoner Bersicherungsmarkt gegen die Gefahren der Luftschiffahrt ist der erste in der Welt. Die Summen, die in der Versicherung eines großen Flugzeuges investiert werden, sind sehr bedeutend und werden immer höher. Der Apparat muß versichert werden, dann das Leben der Besatzung und der Passagiere, weiter die meist wertvollen Frachten und gewöhnlich noch die Haftpflicht gegen Dritte. Ein einziges Flugzeug ist ost mit einer Totalsumme von 200.000 Pfund Sterling versichert. Der jüngste Prediger Amerikas. Man weiß, welche Ausdehnung religiöse Setten aller Art in Amerika haben und welchen Zulauf beliebte Prediger verzeichnen können. Dies ist nicht nur in New • Uork und bei den Negern der Fall, mich nicht nur in der Provinz, sondern selbst in der Filmstadt Los Angeles-Hollhwood, wo vor kurzem ein„Engel" in der Gestalt einer gewissen Aimie MacPherson erschien. Ihre Sette hat jetzt einen neuen„Star" aufzuweisen, der sich rühmen kann, der jüngste Prediger der Staaten und, natürlich, der ganzen Well zu sein. Es ist der fünfjährige Charles Jaynes; zu seinen Versammlungen muß er von einem Kindermädchen gebracht werden. Aber die Rednertribüne betritt er ganz allein und hält leidenschaftliche Predigten, vor allem gegen den Alkohol, das Rauchen und das Tanzen. Er steht unter dem persönlichen Schutz des„Engels" Aimee, der mit Hilfe feines begabten Schützlings feinen„Tempel" dis aufs letzte Plätzchen füllt. Mitteilungen ans dem Publikum. Bor Erkältungen schützen Die sich, wenn Sie rechtzeitig Togal-Tabletten nehmen. Togal verdank seine Beliebtheit den ausgezeichneten Erfolgen, die mit diesem Mittel in aller Welt erzielt wurden- In allen Apotheken, ö Im französischen Ucbcrsdiwcmmungsgcblct Ein riigzeugbcrldit von Plidiel Corel (Copyright by Mitropreß.) Bordeaux, 8. Jänner. Vor zwei Tagen stand ich mit meinem alten Freund, Monsieur Dupont, auf dem Pont de l'Alma, und wir betrachteten die Seine. Der Fluß führte Hochwasser, die grauen Wogen brachen sich an den Brückenpfeilern, und Monsieur Dupont machte ein besorgtes Gesicht. Das Bombardement des Roten Kreuzes in Abessinien, die Rede von Roosevelt, das weitere Vordringen der Japaner in China ließen ihn ganz kalt. Das Hochwasser der Seine aber machte ihm Angst. „Das ist ja eine wahre Katastrophe", sagte er,„glauben Sie es mir nur. Sie sind zu jung, Sie wissen nicht, was das bedeutet. Aber ich erinnere mich noch sehr gut des Hochwassers von 1910. Wir alle haben damals geglaubt, der letzte Tag für Paris sei gekommen? Ja, ja, mit diesem Unglück begann es. Und dies zog alles nach sich, den Krieg und die Krise... Und nun stehen wir wieder am Rande einer solchen Katastrophe..." Ich versuchte, Monsieur Dupont, der ein alter Spießer ist, zu beruhigen.„1910 stiegen die Wasser der Seine sechs Meter über den normalen Stand. Heute sind es kaum anderthalb. Die Welt wird nicht zugrunde gehen wegen des bißchen Wassers. Wir sind heute weiter als vor 28 Jahren." Und mtt diesen Worten verließ ich meinen guten Freund und überließ ihn seinen pessimistischen Gedanken. Aber zu Hause erwartete mich ein Telephonanruf:„Es ist noch ein Platz im Flugzeug des „Exelsior" frei, das morgen früh das Ueber- schwemmungsgebiet Werfliegen wird. Kommen Sie mit!" Und so sah ich mit meinen eigenen Augen die Apokalypse einer Ueberschwemmung, das furchtbare Hochwasser, das nichts verschont. UW ich gestehe: an diesem Tage vergaß ich vollkommen, daß es den Negus, Roosevelt und Japan gibt... Aus dem Notizbuch eines Reporters Acht Uhr früh. Der Himmel ist grau, als sich das Flugzeug vom Erdboden löst. Im letzten Moment, als sich der Propeller schon drehte, kam ein Mann angelaufen und bat flehentlich, mitgenommen zu werden. Er hatte eben erfahren, daß der Zugverkehr nach Nantes eingestellt war. Aber das Flugzeug war vollbesetzt,'uW er mußte zurückbleiben.. Zwölf Uhr mittags. LaWung in N a n t e s. Eine volle Stunde lang kreisten wir über der Stadt. Der Pilot suchte nach einer Möglichkeit, niederzugehen. Aber der Flughafen ist ein einziger großer Teich. Rings um uns Wasser, Wasser, Wasser. Wir scheinen schon Wer dem Ozean zu schweben, in den sich die Loire erst etwa 20 Kilometer weiter ergießt. Zuweilen ging das Flugzeug bei den Manövern so tief herunter, daß wir die grünlichen Wasser des uferlosen Flusses streiften. Auf den Wogen schwimmen eine Unzahl von Gegenständen. Tische, Schränke, Truhen, Türfüllungen, eine Wiege, eine Nähmaschine, ein Bild. UW,, gleißend, eine Gipsbüste von Napoleon. Endlich landen wir auf einem Hügel, nicht ohne Schwierigkeiten und Gefahr. Ein Polizeiauto kommt heran, der Photograph, zwei Kollegen und ich dürfen mitfahren. Das Auto ist vielmehr ein Boot, das auf wilde» Wassern schwankt. Zwei Uhr nachmittags. Wir haben eben eine wirkliche Tragödie miterlebt. Wir waren Zeugen, wie die Polizei ein DutzeW Bauernhäuser evakuierte. Die Bauern wollten ihren Besitz nicht verlassen.„Wir sind hier geboren, laßt uns hier sterben!" Sie flüchteten vor der Pollzei mehr noch als vor den Wassern auf die Dächer ihrer Scheunen. Man mußte sie von dort mit Gewalt herunterholen. Auf einer der Scheunen stimmten sie plötzlich einen religiösen Gesang an. Nantes, das alte bretonische„Naoned", ist eine religiöse Hochburg gebliebe». Bier Uhr nachmittags. Nach der menschlichen Tragödie die der Tiere. Wir durchquerten die überschwemmte Stadt, wo alles Leben erstorben ist, alle Geschäfte verschlossen, die Keller und das Erdgeschoß unter Wasser stehen, und kamen zum Schlachthaus. Hunderte von Schweinen, Hammeln und Kühen wurden hier in Hast aus Lastwagen verladen. Hunderte sind in der allgemeinen Verwirrung von den Wogen davongetragen worden. Sie sind dem Tode durch die Hand des Schlächters entgangen; sie fallen dem Wasser zum Opfer. Man spricht in der Stadt voll Angst von übermorgen. Uebermorge» ist Hochflut. Wird der Ozean, der ganz in der Nähe ist, das Zerstörungswerk der Loire vollenden? Im Rathaus spricht ein sozialistischer GemeiWerat mtt einem Pater.„Bitten Sie Gott, uns zu retten", sagt der Sozialist.„Ich halte es mit Pascal: da man das Dasein Gottes weder beweisen noch bestreiten kann, soll man ruhig zu ihm beten." 5 Uhr 30, Saintes. Wir haben vor einer halben Stunde Nantes verlassen uW sind in Saintes niedergegangen, auf dem halben Wege nach Bordeaux. Wir werden Wer auch hier kein Unterkommen finden. Auch Saintes ist vollständig von den Wassern der Charente Werflutet. Wir werden Zeugen des Todes eines kleinen Mädchens, der achtjährigen Renke Petit. Sie ist im Stadtviertel Nieul-les-Saintes von dem Flüßchen Arnoult, das hier in die Charente mündet, mitgerissen worden. Man sucht sie noch immer, ohne den kleinen Körper finden zu können. Auf einer der Barken befindet sich ihre Mutter, die herzzerbrechend weint. Ihre Rufe„Renee, Renke!" klingen uns noch in den Ohren, als wir Saintes wieder verlassen. 8 Uhr abends, La Rochelle. Wir haben in Saintes keinen Benzin bekommen und eine Zwi- schenlandung in La Rochelle vornehmen müssen. Der Ozean dröhnt. Seine Wasser vermischen sich in dieser stürmischen Brautnacht mit den Fluten der Ströme Frankreichs. Man erzählt uns vom Untergang des Dampfers„Petit Leon", dem der kleine Schoner„Nungesser" zu Hilfe gekommen ist. Nungesser, der große Flieger, ruht in der Tiefe des Ozeans, das Dampferchizi, das seinen Namen trägt, entriß brave Matrosen dem Seemannstod. Mitternacht, Bordeaux. Todmüde sind wir endlich angelangt. Die furchtbaren Bilder dieses Tages HWen uns erschöpft. Nun sitzen wir vor Wein uni Kaviar. Es ist französischer Kaviar, der erste, den man gerade dieses Jahr gezüchtet hat. Die Störe der Gironde geben gute Ausbeute. Am Tisch nebenan sagt jemand:„Wenn ich an der Stelle von Roosevelt gewesen wäre.. Wir müssen uns erst erinnern, wer Roosevelt ist..„Wenn man aus einem Lande zurückkommt, das ohne Licht ist", sagt Edgar Allan Poe,„fällt es schwer, sich an das Licht zu gewöhnen." Wir HWen eine Landschaft der Finsternis gesehen. Volkswirtschaft und Snzialpnlitik Boykott des Weltkongresses für Freizeitgestaltung in Hamburg 1936 Im Anschluß an die. Olympischen Spiele in Los Angeles wurde im Lahre 1932 in den USA ein Kongreß für Freizeitgestaltung veranstaltet. ES bildete sich ein internationaler Beratungsausschuß, dessen Präsident, der gleichzeitig Vorsitzender der amerikanischen Freizeitorganisation ist, einer fteudigen Ankündigung der deutschen Nazi« presse zufolge die deutsche Organisation„Kraft durch Freude" beauftragt hat» in VerbiWung mtt den Berliner Olympischen Spielen einen zwetten Weltkongreß für Freizeitgestaltung zu organi-1 fieren. Dr. Ley, der die deutschen fteien Gewerkschaften vernichtet und ihr Gut geraubt hat, hat Kreditanstalt der Deutschen r. G. m. b. H., Prag. Durchführung aller . Geldgeschäfte. Verwaltungs-Kapital 930 Millionen KC. Haftungs-Kapital 92 Millionen KC 81 Niederlassungen. den Organisationswalter Rentmeister mtt den Vorarbeiten zu dieser Veranstaltung betraut. Der Kongreß soll im Zeichen von„Straft durch Freude" stehen und sich das Schlagwort„Freude und Frieden" zu eigen machen. Die Räüber der Freizeit des deutschen Volkes wollen zeigen, wie dieses seine Freizeit gestaltet! Sie, die den Frieden bedrohen und'den Krieg als höchstes Ziel eines Volles bezeichnen, wollen„mit dem Gedanken der Freizeitgestaltung zur Versöhnung der Böller beitragen" l Der Internationale Gewerkschaftsbund lenkt in einem Rundschreiben die Aufmerksamleit der Landeszenftalen und der Arbeiterbildungsorganisationen auf dieses faschistische Propagandaunternehmen in der Form eines Weltkongresses für Freizeitgestaltung. Er fordert sie auf, dahin' zu wirken, daß dieser Kongreß, der nur der Verherrlichung der faschisttschen Organisation»Alraft durch Freude" dienen soll, von den Volksbil- dungsorganisationen boykottiert wird. fadchtz&aal Die fromme Glöcknerin Mit Axt und heißem Bügeleisen gegen die Nachbarin Prag. Frau Theresia D r ä b e k genießt in ihrem Heimatsdorf den Ruf einer sehr frommen Frau, die mit allen kirchlichen Gebräuchen und Zeremonien aufs beste vertraut ist. In dem besagten Dorf lebt ein altes Mütterchen. dem die Ehre zufällt, die Glocke der Dorikavelle früh, zu Mittag und zum Ave zu läuten. Einmal erkrankte nun dieses Mütterchen und eS erhob sich die schwierige Frage, wer an ihrer Stelle der Auszeichnung des stellvertretenden Glockenläutens als würdig zu erachten sei. Zwei Kandidatinnen meldeten sich hitzig zu diesem Ehrenamt. Die eine war Frau Theresia Dräbek, die zweite eine ihrer Nachbarinnen, mit der diese ttotz aller christlichen Nächstenliebe seit längerer Zeit in Zank und Unfrieden lebte. Die erttankte alle Glöcknerin ttaf selbst die Wahl und ernannte die Theresia Dräbek zu ihrer Stellvertreterin. Denn diese wußte ausgezeichnet Bescheid in solchen Dingen und ließ erwarten, daß sie auch die während des Läutens vorgeschriebenen drei Gebete nicht versäumen würde. Trotz diesem verheißungsvollen Beginn endete gleich das erste Auftreten der Vize-Glöcknerin übel. So übel, daß die fromme Frau Theresia, sehr unfrommer Dinge angeklagt, gestern vor dem Strafsenat Jan Lik erscheinen mußte. Ms sie nämlich von ihrem ersten Läuten heimkehrte. kam sie an der geöffneten Wohnungstür jener Nachbarin vorbei, die seinerzeit als Glöcknerinkandidatin unterlegen war. Diese ließ ein höhnischer Wort fallen. Theresia reagierte mit einer giftigen Antwort, ein Wort gab das andere und nach einer Weist waren die beiden frommen Frauen in höchst unchristlicher Wut. Besonders Theresia ging zu Taten über, die schwere Folgen hätten hWen können. Sie schien- bette eine an dem Türstock lehnende Axt gegen die mißgünstige Konkurrentin. Und nicht genug daran: Sie rannte, in ihre Wohnung, holte von dort ein heißes Bügeleisen und warf es gleich- fallS in die Sttibe der Nachbarin, in der sich neben dieser noch deren Mann und drei keine Kinder befanden. Verletzt wurde niemand, da Wer Axt und heißes Bügestisen gefährliche Wurfgeschosse sind, hatten sich fünf Personen in ernster Gefahr befunden.—- Das Ende vom Lied war eine Anklage wegen des V e r b r e chen s der öffentlichen Gewalttätigkeit. Die ftomme Theresia erwies sich vor Gericht als Frau von unheimlichen Temperament. Der Vor« sitzende hatte seine Mühe, ihren unheimlichen Rede- strom zu hemmen. Die als Zeugin auf tre tende Nachbarin war nicht weniger beredt, so daß die Verhandlung an schrillen und krischend«! Zankduetten keinen Mangel hatte. In ihrer Verteidigung suchte die ftomme Theresia ihre Entrüstung mit der Behauptung zu erklären, dst Nachbarin habe„garstige Schimpfworte" vor den eigenen Kindern gebraucht. Dadurch sei-die ftomme und sittliche Frau Theresia so sehr aufgebracht worden. Der Gerichtshof betrachtest diese Verteidigung nicht als ausreichend und verurteilte die gewalttätige Fromme zu f ü» f Monaten Kerker, bedingt auf drei Jahre. rb.. hilft rasch bei Schmerzen in den Gelenken und Gliedern, Kopfschmerzen und bei Erkältungen. Haben Sie Vertrauen zu Togal. Ein Versuch überzeugt. Viele Xrztegutachten. In allen Apotheken erhflltt. KL 12-u. 23'-. APERITIF ANiSS -iMWWWWU ÄjlMWWWWWMWMck^ZMM Straßenverkehr in einer überschwemmten Stadt Seite 6 „Sozialdemokrat" Samstag, 11. Jänner 1936. Nr. 9 VereinsnackuiMen D. Kunst und Mssen. HERZLICHEN DANK WIR BITTEN ALLE WIR WÜNSCHEN ALLEN PI076 TELEFony Radio Kinderfreimdr, Prag. Montag nm 20 Uhr Ausschußsitzung im Parteiheim. Jdvidus i* /fflwrfg Freie Vereinigung sozialistischer Akademiker BRUDER KNOTER Praha-ttarä Strainice tp.300 einzige Frau als verderbliches,- störendes Moment des wunderbaren Zusammenspiels männlicher Solidarität, Ehre und Treue, auftritt,, vom weiblichen Gesichtspunkt aus geschrieben wurde. Der vermögende Glühbirnenfabrikant opfert sein Vermögen, Zeit und geschäftliche Erfolge der Erfindung kalten Lichts, die eine Umwälzung der elektrischen Beleuchtung bedeuten soll, als ergebener Helfer seines genialen Freundes.- Im Augenblicke des Zusammenbruchs seines geschäftlichen Unternehmens, der durch die Konkurrenz beschleunigt wird, nachdem seine Frau verraten hat, woran die beiden arbeiten, find die aufreibenden Vorarbeiten von. Erfolg gekrönt. In derselben Stunde erfährt er, daß ihn sein Freund und Mitarbeiter, den er nach dem Kriege bei sich aufnahm, dem er sich für das gespendete Blut bei der gefährlichen Kriegsverletzung verpflichtet fühlt, mit seiner leichtsinnigen Frau'betrogen hat, und der Vater seines Sohnes sein soll. Nach der erfolgten Scheidung von seiner Frau rettet er die kleine Glasfabrik, arbeitet hier weiter an der Erfindung, bis die unerwartete Rückkehr des Freundes zeigt, daß auch dieser seine geniale Erfindung weiter verfolgt. Die Arbeit und das Ziel, die Zukunft des Sohnes bringen sie zusammen. Has kühle, aber leuchtende Gefühl der Männer für die Sache, für den Dienst an der ganzen Menschheit feiert hier, als Verkörperung der männlichen Tugend, Triumph über den naturgegebenen Egoismus der Frau. Das' Stück erreicht seinen dramatischen Höhepunkt im,zweiten Akte, in der fiebernden Stunde des Gelingens nach jahrelanger Mühe, unter der Hochspannung der Erwartung des geschäftlichen Krachs und des ehelichen Konflifts. Darnach wirkt blaß der dritte Akt, der gefühlvoll und versöhnlich alles wieder gut werden läßt. Mit Ausnahme der Frau natürlich, die mü einem Gigolo bestraft wird. Das Stück wurde akkla- miert, die Berfafferin durfte fich mit den beiden männlichen Darstellern für Blumen und Beifall bedanken. m. i. „Martha"(mit Käthe Walter) als Arbeitervorstellung am Sonntag, den 12. Jänner, um halb 3 Uhr nachmittags im Neuen Deutschen Theater. Karten bei Optiker Deutsch, Koruna. Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Samstag 7 Uhr: Das Landdes Lächelns, Theatergemeinbe der Fügend, AbönnemeNt aufgehös ben, halb 11 Uhr: Boule boule gewinnt, Erstaufführung, Gastspiel Breffart. Abonnement aufgehoben.— Sonntag halb 3 Uhr: Martha, Arbeitervorstellung, haD 8 Uhr: Wallenstein, Erstaufführung, D 2.— Montag halb 8 Uhr: Die Zauberflöte, Fe st Vorstellung in Anwesenheit des Herrn Präsidenten der Republik, CI.— Dienstag 7 Uhr: Tannhäuser, Wagnerzhklus I,'A 1.— Mittwoch 8 Uhr: Das kleine Bezirksgericht, B2.— Donnerstag halb 8 Uhr: Eine Nacht inBene- d i g. C 1.— Freitag 8 Uhr: Wallenstein, geschätzten Anhänger unserer Erzeugnisse, die sich infolge unzureichenden Lagervorrates einen Empfänger nicht zu beschaffen vermochten, in ihrem Entschlüsse für einen MIKROFONA beharren und sich noch einige wenige Tage gedulden zu wollen. Wir arbeiten mit größter Beschleunigung an weiteren Serien, um alle bisher unerledigten Bestellungen ehest erledigen zu können. allen unseren geschätzten Kunden, den Besitzern von Radio-Empfängern »MIKROFONA«, die uns zufolge ihres Verständnisses für heimische Erzeugnisse die Herstellung und den Absatz von mehr als 8000(achttausend) Empfangsgeräten im Monate Dezember ermöglichten. Diesem Verständnisse verdanken 770 durchwegs gute Arbeitskräfte nicht nur während des größten Geschäftsaufschwunges ih der Vorweihnachtszeit lohnende Beschäftigung, sie haben dieselbe im Hinblick auf die vollständig geräumten Lager auch für die kommende Zeit gewährleistet. D 2.— Samstag halb 8 Uhr: D er junge Herr R e n L, Erstaufführung, C 2.— Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Samstag halb 8: Die Dam e mit den Türkisen, Erstaufführung.— Sonntag 11A: Tanz? m a.t i n e e V a le.s.ka.G er t, 3: W i r wer- denbeo dachtet, 8: DieDamemit denTürkisen.— Montag 8: Die Dame mit denTürkifen, Bankbeamte I.— Dienstag 8: Die Dame mit dey T ü r k i- sen.— Mittwoch 8: Der andereNapo- l e o n, Bankbeamte II und fteier Verkauf.— Donnerstag 8%.: Das unbekannte Mäd- ch e n, volkstümliche Vorstellung.— Freitag 8: Die Dame mit den Türkisen, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.—• Samstag 8: Die Dame mit denTürkisen.— Eskimo Der Film, den der Regiffeur Van Dyke nach dem Eskimo-Roman des Dänen Peter Freuchen vor drei Jahren geschaffen hat, gehört zu den sehenswertesten, die uns Amerika bisher gesandt hat. Wenn nichts anderes in ihm wäre als die großartigen Bilder polarer Schneelandschaften, die atemraubenden Aufnahmen eine Walfischfangs und einer Renntierjagd, schon dann wäre er ein Erlebnis. Mit diesen Bildern der Schneewüste, der Eisschollen und der Stürme, der dürftigen Eskimo-Zelte und der pelzverbrämten, findlich klugen Mongolengefichter ihrer Bewohner sind alle Wirkungen vorweggenommen, di« ddr Fatbenfilln erzielen konnte: denn für die arm« sche Landschaft genügt der Schwarz-Weiß-Kontrast, der in diesem Film zur Kunst gesteigert ist. Van Dyke, dem wir schon die Filme„Weiße Schatten" und„Trader Horn" zu verdanken hatten, hat auch hier wieder ein ganz atelierfernes, vom Reiz einer fernen Welt und von Schönhett und Leid der Naturvölker erfülltes Werk zustandege- bracht. Man hat freilich den Eindruck, daß er die Eskimos ebenso romantisiert hat wie seinerzeit die Malaien und die Neger,— aber es ist anständiger, eine ftemde Rasse zu romantisieren als— nach neuestem europäischem Brauch— seine eigene. Es unseren geschätzten Kunden und Gönnern, die ihren Rundfunkempfang mit unseren Apparaten bewerkstelligen bzw. bewerkstelligen werden, angenehmen Empfang und vollen Erfolg.im Jahre 1936 „Figaros Hochzeit", Mozarts beglückende Buffo- Oper, wurde vorgestern wieder in den Spielplan des Prager DeutschenTheaters ausgenommen. Musikalischer Leiter des Werkes war wieder Kapellmeister Fritz Z w e i g, der ihm vor allem als schön differenzierender Dhnamiker gerecht wird, während der Rhythmus noch exafter und mitunter auch beschwingter sein könnte. Die Besetzung der Haupttollen der Oper ist im allgemeinen die frühere geblieben. Nur die Susanne sang zum ersten Male Frl. Harriet Henders, der diese Soubrettenrolle gesanglich und darstellerisch überraschend gut liegt. Denn diese durch außerordentliche Musikalität auffallende Künstlerin zeigte als Susanne nicht nur Charme und dezente Schalkhaftigkeit in der Darstellung, sondern auch gesangliche Kultur und Vottragsnobleffe. In den großen Ensembles vermochte sich ihre schöne Stimme sogar quantitattv durchzusetzen. Den Figaro sang als Aushilfsgast Karl August Neumann von der Berliner Staatsoper; ein Sänger des guten Durchschnittes im allgemeinen und ohne besondere Note als Figaro. Seine Stimme ist weder groß noch schön, entbehrt der klingenden Tiefe, klingt rauh und gaumig und macht eher einen verbrauchten als frischen Eindruck. Als Darsteller ist er mehr der forsche Drausgänger und zur Ironie geneigte schneidige Junker als der liebenswürdige und durch sonnigen Humor ausgezeichnete Pfiffikus. Vielleicht finden wtt doch endlich unseren eigenen Figaro?— Ein arger Regiefehler ist anzumetken: Wenn Susanne das verschlossene Zimmer verläßt, muß sie es beim Zurückkommen auch wieder absperren, damit nicht alles weitere Geschehen als Unsinn erscheint. E. I. Das kalte Licht. Eine Komödie von Olga Schein- pflugovä, Weinberger Stadttheater. Im Geleitworte zu ihrem Schauspiel bezeichnete die Verfasserin ihr neues Stück als.eine'männliche Komödie", als ein Gegenstück zu ihrer seinerzeit gespielten Frauenkomödie„Die Liebe ist nicht-alles". Sie verhehlt gar nicht, daß diese neue Komödie, in der eine Wieder rin Mauerkletterer..Eine Mieterin eines Hauses in der Prager Stefansgaste fand, als fie in der Nacht auf gestern nach Hause zurückkehrte, einen Unbekannten auf den Stiegen liegen, der sie bat, sie möge ihn im Hause übernachten lasten. Da er ihr verdächtig vorkam, kehrte sie jedoch wieder um verschloß die Haustür und verständigte die Polizei, während welcher Zeit der Unbekannte einen Fluchtversuch unternahm, durch das Parterrefenster in den Hof sprang und über die Mauer in den Hof des Nachbarhauses kletterte. Die Polizei erwischte ihn in dem Augenblick, als er versuchte, mit einem Dietrich das Tor des Hauses Nr. 10 in der Schulgaffe zu öffnen. Bei dem Unbekannten, der auf der Wach- stube als der 30jährige derzeit arbeits- und wohnungslose Schlosser Anton Cerny identifiziert werden konnte, wurden verschiedene Einbruchswerkzeuge. Zangen, Schrauben und ein Schlüffelbund, sowie eine Blendlaterne gefunden. Er gestand, einen Einbruch in«inen Laden in der Schulgasse geplant zu haben, leugnet jedoch zwii Bilder gestohlen zu hoben, die im Hausflur, wo er lag, gefunden wurden. Zwei Pferde überfahren. Ein Motorwagen der 21er-Linie stieß gestern um 7 Uhr morgens auf dem Rasinkai so heftig gegen das leere Kohlenfuhrwerk des Kutschers Jaroslaus Baumruk aus Branik, daß die beiden Pferde aufs Pflaster geschleudert und verletzt, die Deichsel zerbrochen und der ganze Wagen mit den Pferden noch etwa 20 Schritte geschleift wurde, ehe die Eleftrische zum Stehen gebracht werden konnte. Der Kutscher wurde nur leicht an der Wade verletzt, den beiden Pferden wurden die Hinterbeine gebrochen; der Sttaßenbahnwagen und das Kohlenfuhrwerk beschädigt. „DaS Frankreich des 19. Jahrhundetts." Mittwoch, den 15. Jänner 1936, 8 Uhr abends. Katta Sterna tanzt Offenbach. KätheWalter singt französische Chansons, Joseph Bunzl liest Stendhal, BLranger, Benjamin Constant, Zola, Vittor Hugo, Verlaine. Rimbaud. Ausflugszüge der StaatSbahndirrttion in Prag. Samstag wird ein Sonder-Motorschnellzug mit Verpflegung und Führung für KL 75.— ins Riesengebirge und für KL 90.— auf die Sokol-Baude abgeferfigt. Anmeldungen mit Angabe nimmt das Ausflugszugsreferat im Basar neben dem Wilson- bahnhof bis Samstag 10 Uhr entgegen.(Telephon 383-85). Trinkerteratung. Die Beratungsstelle der Guttempler-Loge„Prag" ist von nun ab wieder jeden Samstag von 4 bis 5 Uhr geöffnet. Prag II., Bofist? 22, Büro der„Sozialen Hilfe". Einen angenehmen Empfang im neuen Jahre gewährleisten Ihnen alle Modelle der Mikrofon«- Empfänger. Beliebtheit der Dezember-Umsatz von mehr als 8000 Stück dokumentiert. Von dem Bestreben geleitet, auch jene;! Hörer« zu dienen, die bisher auf bequemen Empfapg mit einem modernen, mit dynamischem Üaüisprecher ausgestatteten Empfang verzichten und sich mit Kristallgeräten begnügen mußten, bringt die Mikrofon« einen Zweikreis- Ortsempfänger Baby zum Preise von nur 495 KL auf den Markt. Aber auch für die Anspruchvollsten wurde ein technisch absolut verläßlicher und im Preis durchaus erschwinglicher Empfänger, der Luxus- Superdual zu 1666 KL konstruiett. Zögern Sie nicht länger mit der Anschaffung eines Empfängers und verlangen Sie unverbindliche Vorführung der Mikrofona-Modelle in allen Radiogeschäften. Sie werden zufrieden sein. 31—54 ateWoe i. 3». Leitender Arzt Dr. A. Daube. Phys-diiitet. Heilanstalt für alle inneren und Etofswechsel- trankhelten, rheumatisch« Erkrankunaen, Ischia«, Nervenkrankheiten. Proipekte g und Auskünfte durch die Verwaltung. Telefan 32. 2888 ist anständig, auf das Anrecht hinzuweisen, das den Naturvölkern geschieht, wenn die Europäer ihre Taten nach Gesetzen beurteilen, die ihnen fremd sind. And aus Hochachtung vor solcher Anständigkeit Unterlasten wir es zu fragen, ob die Geschichte vom Eskimo Mala, der einen Weißen Kapitän umgebracht hat, und der dann der kanadischen Polizei entflieht, restlos wahrscheinlich ist, ob das Gefühlsleben des EsfimoS hier nicht letzten Endes doch europäisch gesehen— und ob das happy end nicht eine Konzession ans Publikum ist. . Die echten und halbechten Esfimos, die— neben einigen Amerikanern— in diesem Film mitwirken, stellen ihre Rollen und Gestalten mit eindrucksvoller Einfachheit dar.—eis— * e?U9Lbedingunarn: Bei Zustellung ins Haus oder bet Eezugdurck- die«ost monatlich KL 16.-. vierteljährig KL 48.—. halbjähttg KL 96.—. ganzjährig KL 192.—..— Inserat« werden laut Tarif billigst berechnet. Be, öfteren Einschaltungen Preisnachlaß— Rückstellung von Manusft.vten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSftankatur w»rd« von der Post, und Tele. graphendtteftwn mit Erlaß Nr. 13.800/V11/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-. Verlags« und Zeitmigs-A.-G„ Mitgliederversammlung am Dienstag, den 14. Jänner, 19.15 Uhr, im Patteiheim, Närodni ttida 4. Da es um wichtige inneryrganisatorische Fragen geht, ist v o l l z ä h- lrges Erscheinen geboten. Anschließend, um 20.15 Uhr, Referat von Genossen Jng. E. F e k e t e über „Das Dorf und der Sozialismus“ Zu diesem Referat und zur folgenden Diskussion find Gäste willkommen. RW. Sonntag, den 12. Jänner 1936, Ausmarsch nach Okor. Treffpunkt 8 Uhr, Endstation der Iler Elektrischen in Dolni Liboc. Alle Genossen, Genossinnen und Freunde deS Atus tteffen sich beim Atus-Masken- undKo- st ü m b a l l am Samstag, den 28. Zänner. Die Devise„Fahrendes PRAC Volk", die für diese Veranstaltung " gewählt wurde, wird auch in der Mitternachtsszene zum Ausdruck kommen. Dabei wirken mit: die 8 Atus-Girls, die Zigeunerkapelle Lajos Putzta, die 8 lustigen Handwerksburschen, weiter Sttaßensänger und sonstiges fahrendes Volk. — Für Nichttänzerist auch gesorgt: Wiener- Schrammelmusik mit dem Stimmungssänger Vater (bekannt durch den Rundfunk). Die Veranstaltung findet im Feuerwehrhaus, Prag XII., Rimskti 45 (Mala opereta) statt. Beginn 20 Uhr. Eintritt 10 KL inkl. Steuer. Karten bei den Funknonären und im Bildungsverein deuffcher Arbeiter, Prag II., SmeLky 27, täglich von 5—8 Uhr abends. Filme in Prager Lichtspielhäusern Urania:„Schön ist es, verliebt zu sein.".— Adria:„Sturm über dem Gran Chaco." A.-— Alfa:„Königsmark." Fr.— Avion:„Seine kleine Freundin."— A.— Sh. Temple.— B 36 Kotva: .Königin Christine" A.—Greta Garbo. Gillbett. — Bcranrk:„Episode." D.— Paula Wessely.— Fenir:„E s k i m ö." A.— Flora:„Der grüne Domino." D.— Gaumont:.Stradivari." D.— Hollywood:„Stradivari." D.— HvLzda: Neues Mickey-Programm.— Julis:„Einer zu- viel an Bord." D.— Kinema: Journale, Grotesken, Repottagen(sh2 bis%7).— Koruna:„Charlie Chan in Paris." A.— Warner Oland.— Luccrna: „ES k i m o." A.— Regie W. S. van Dyke.— Metta:„Die Brautschau der Nanynka Kulich." Tsch. — Olympic:.Liebesleute." D.— Passage:„Ich war Jack Morttmer." D.— Praha:„Charlie Chan in Patts." A.— Radio:„Liebesleute." D-— Skaut: „Marhscha." Tsch.)— Svitozor:„Ich war Jack Mortimer." D.—» Almnr„Der verhängnisvolle Augenblick." Tsch.—:■ Bajkal:„Zigeunerbaron." D. — Belvedere:„Die weiße Schwester." A.— Beseda: „Der grüne Domino." D.— Carlton:„Episode. D.— P a u l a Wessely.— Illusion:*„Es geschah in einer Nacht." A.— Clark Gable.• Lido II.: ,L)i arkt der Eitelkeit." A. Farbenfilm.— Louvre:„Die weiße Schwester." A.— MaeeSka:„Die weiße Schwester." A.— Roxy: „Liebesleute." D.— Sport:„Es gab einmal zwei Schelme." Laurel u. Hardy.— U Beyvodu:„Heinrich der Achte." Engl.— Laughton.— Bälde!: „Marhscha." Tsch.— Brletthy:„Episode." D.— PaulaWesselh.