I Freitag, 17. Jänner 1S36 Nr. 14 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (•InichliaSlich S H.llw Porto) U NTPäLORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH.»Aktion UNO Verwaltung PIAS xil.. fochova a. TOffON 53077. HERAUSGEBER) SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR, DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Hitlers Krankheit: Kehlkopfkrebs! Herrn Vranfs Erzählungen Auf der Suche nach einem Chirurgen z Verhandlungen mit einem bekannten berliner Institut z Hitler spricht von seinem Nachfolger In Ergänzung unserer Mitteilung vom 16. Jänner 1936(Gerüchte über eine Krebs- erkranknng Hitlers) erfahre« wir ans absolut zuverlässiger, reichsdeutsch-mediziuischer Quelle, daß es sich nicht um tendenziöse Mitteilungen irgendwelcher Kreise handelt, die es vielleicht gern sähe«, daß der Führer des Dritten Reiches diese Krankheit hätte, sondern/ daß Hitler tatsächlich an einerKrebserkranknng des Kehlkopfes leidet.. Wir geben nachfolgend einige die Leserschaft sicher interessierende Einzelheiten über die Entwicklung des Leidens beim Reichskanzler Httler. Als Professor E i ck e im vorigen Jahre den sogenannten Polyp des Kehlkopfes entfernt hatte, wurde dieser Polyp sofort auf seine histologische(zellenmäßige) Beschaffenhett untersucht und festgestellt, daß es sich um ein Fr ü h- karzinom(Frühkrebs) handle. Da diese Erkrankung äußerst gefährlich und dafür bekannt ist, daß sie immer Rezidive(Neubildungen) und auch Meta st äsen(krebsartige Schwestergeschwülstr) in andere« Organen bildet, hegte man natürlich die größte« Befürchtungen nm Hitler. Nicht nnr, daß sich im Spatsahr 1935 eine Neubildung zeigte, bemühte man sich eben im Herbst 1935 bei einem sehrbekannte» de utscheaForschnng s- i n sti tu t um dessen Heilungsmethode für die Krebserkranknckg. Das erwähnte Institut hat in den letzten Jahren große Erfolge sowohl in der Diagnose des FrühkrcbseS als anch dessen Behandlung gezeitigt. Da aber in diesem Institut ein j ü d i s ch e r Gelehrter eine nicht ««wesentliche Rolle spielt, wollte man nnr das Verfahren haben, Httler selbst aber nicht in die Behandlung der kettenden Aerzte des Instituts geben. Herr Dr. Magnus(der Leibarzt Hitlers) und Professor Eicke mußte« aber die Vergeblichkeit ihres Versuches, die Methode« des Verfahrens ansgelrefert zn erhalten, einsehen, znmal da sich das Institut bereit, erklärt - haste, den betreffenden Patienten(dessen Namen wohlweislich nicht genannt worde« war) in der eigene« Kinnszn behandeln. DaS Jnstitnt selbst mnßte sogar, da Dr. Magpns drohte, das Institut zur Ansliefernng des Verfahrens zwingen z« könne«, de« Schütz höchster Stelle« in Anspruch nehmen. Das oben genannte Verfahre« darf nämlich nur im eigene« Institut angewandt werde«, da'«ichtdentsche Geldgeber ihm die Mittel zur Verfügung stelle». Ans diesem Grunde sind auch die üblichen Zwangsmethoden^ des Dritten Reiches gescheitert. Im Verlauf des Winters verschlimmerte sich nnn das Leide« des Führers derart, daß man sich sogar an den Wiener Laryngologen Neumann wandte, der aber nicht, wtt gemeldet wurde, von Httler abgelehnt wurde, sonder« der selb st ablehnte, weil er einerseits dio Verantwortung nicht trage« und andererseits bei negativem Ausgang der Erkrankung dem„Weltjndentnm" den Vorwurf ersparen wollte, daß er in dessen Auftrag etwa dm Führer des Dritten Reiches bewußt fahrlässig behandelt habe. Die verschiedensten Meldungm und Dementis über die Erkrankung Hitlers werden einander wohl in nächster Zeit jagen. Interessanter als die Dementis ist die auffällig« Tatsache, daß Hitler sich gerade in den allerletzten Tagen in Detmold wieder mit der Frage seiner Nachfolgerschaft belaßt hat. Es geschah dies zum zweiten Male innerhalb kürzester Zeit; das erstemal sprach er davon bei jener Kundgebung in der Deutschlandhalle, bei welcher alle ausländischen Korrespondenten ausgeschlossen waren(wahrscheinlich, weil ihnen sonst die jetzige Art der Lautbildung Hitlers gegenüber früher aufgefallen wäre), das zweite- .mal jetzt in Detmold, wo er bekannt gab, daß das System nicht an eine Person gebunden und daß für die Nachfolgerschaft gesorgt sei. Es ist immerhin befremdend, daß ein Mann in den besten Jahren— Hitler wird im April 47 Jahre alt— sich in solchen Erwägungen ergeht; es fällt um so mehr auf, als Hitler früher gern betonte, daß er gesund sei und an seine Unverwundbarkeit glaube(man erinnere sich seiner Rede gegen Hindenburg, dem er triumphierend entgegenhielt, daß er, Httler, warten könne, weil «r jung und ganz gesund sei). Umsomehr glaubten wir, unseren Lesern die Information, die uns aus be si e r Q uelle zutommt,. nicht vorcuthättcn zu dürfen. Die Heil u n g s a u s s i ch t e n bei einem rezidiven KehlkopflrebS sind, wenn nicht besondere'Verfahren— um die man sich bisher wie eS scheint ohne Erfolg bemüht hat— in Anwendung kommen, auch bei operativem Eingriff nicht günstig, so daß die Sorgen der Machthaber de» Dritten Reichs um die Nachfolge begreiflich sind. Ast doch die Massenpsychose, die in Hitler den„Retter" sah, so sehr auch sie schon nachgelassen hat, heute datz letzte Mittel der Diktatur, die Unzufriedenen.zu vertrösten. Gegen einen Göring oder Heß würde die Opposition ganz andere AngriffSmüglichkeiten besitzen. Grazianis Sieg Uber den Ras Desta Und wieder ein Spital bombardiert! Der italienische Heeresbericht Nr. 98 meldet einen großen Sieg Grazianis bei Dolo und eine angebliche Vorrückung' in 70 Kilometer Tief«, was sich höchsteirs auf motorisierte Vorhuten beziehen kann. Die Truppen des Ras Desto Damptu gehen angeblich in Unordnung zurück. Der Erfolg Grazianis wird nicht anzuzweifeln sein. Ueber den Umfang deS.Sieges werden Sie Italiener wir bisher immer wohl erlogene Nachrichten ausgrgrben haben. Auch hier im Süden wird die strategische Krise des Feldzuges erst eintreten, sobald die Angriffsarmee etwa 150 Kilometer von ihrer Basis entfernt sein wird. Im Norden scheint es den Italienern weiter schlecht zu gehen. M a k a l l e ist hart bedrängt und A k'« m soll nach englischen Meldungen vor dem Fall stehen. jEinen»Sieg", den sie nicht melden, haben die Italiener neuerlich gegen«in Spital erzielt, in dem sie durch Fliegerbomben 14 Me n- schen töteten und 35 verwundeten. Und. der Völkerbund legt noch immer Wert darauf, daß Italien ihm angehört! Statt daß man die notorische» Rrchisbrüche endlich mit einer internattonalen Verfemung des ba^rbari-i sch en Land s beantwortet, fürchtet man nur, Italien könne seinerseits austreten. Für verwandte Regimes ist das die denkbar größte Ermunterung... . Rom. Ein soeben veröffentlichtes königliches Dekret bewilligt einen weiteren Betrag von 640 Millionen Lire für dieses Finanzjahr an «mige Ministerien für-„außerordentliche Bedürfnisse in Ostäfrika".,, Brest.(^>avas.) Die zweite Eskadre der französischen Kriegsmarine har die Fahrt zur weft- afrttanischen Küste angctreten. Schuschnigg in Prag Wirtschaftliche Zusammenarbeit bei politischer Unabhängigkeit? Prag. Der österreichische Bundeskanzler Dr. Kurt von Schuschnigg ist Donnerstag nachmittags um 17 Uhr in Begleitung seines Pri- vatsekrekarS Dr. FröhlichStal und deS Direktors der Amtlichen Nachrichtenstelle Hofrat Weber mit dem Balkan-Schnellzug in Prag eingetroffem Am Wilsonbahnhof erwarteten den Kanzler: Än Vertretung des Vorsitzenden der Regierung Dr. Milan HodZa der SektionSchef des MinisterratS- präsidinmS Dr. Bartos, als Vertreter des Außenministers Gesandter Dr. Krofta mit Lega- ttonSrat Dr. Tomes und von einigen Beamten deo-österreichischen Gesandtschaft. Um Salon des WilsonbahnhofeS wurde der Bundeskanzler von den ihn erwartenden Persönlichkeiten begrüßt? Nach einem kurzen Gespräch mit ihnen fuhr in das Hotel. * In dem Bortrag. den er im Rahmen des Jn- dustriellenflubs hielt, sprach der Bundeskanzler zuerst über die kulturellen Beziehungen zwischen Oesterreich und der Tschechoslowakei. Er wandte sich dann dem wirtschaftlichen Gebiet zu pnd sprach sich gegen die Autarkie-Bestrebungen einzelner Länder auS. Innerhalb der europäischen Wirtschaft komme Mitteleuropa eine be- scndere Bedeutung zu und eS sei verständlich, wenn man imuier wieder nach einer Sonderlösung für Mitteleuropa gesucht habe. Ausführlich beschäftigte sich Dr. Schuschnigg dann mit den Wirtschaftsbeziehungen zwischen. Oesterreich und der Tschechoslowakei, wobei er die Schwierigkeiten einer engeren Zusammenarbeit betonte und die Entwicklungstendenzen de» letzten Jahrzehnts an der Hand der Statistik erörterte. Die Situation- nach dem Kriege habe den wirtschaftlichen Bedürfnissen der mitteleuropäisch i Länder nicht entsprochen. Bon den vorgesehenen' Präferenzen, die der Friedenkvertrag in einem Zeitraum von fünf Jahren nach Abschluß der Verträge gestattete, konnte leider kein Gebrauch gemacht werden. Die empfehlenswerte Lösung sei die regionale bei schrittweiser Durchführung. Die Schlußfolgerungen au» all diesen Tatsachen müssen in der Erkenntnis münden, daß ein. Ausbau enger wirtschaftlicher Zusammenarbeit zumal auch zwischen den benachbarten Donaustaaten eine Voraussetzung der Gesundung sei und daß diese- Ziel am ehesten etappenweise erreicht wird auf dem Weg der wirffchaftlichen Annäherung und'Verständigung dieser Staaten bei vollkommener Außerachtlassung der politischen Seite. Di« Möglichkeit und Zweckmäßigkeit der gegenseitigen Gewährung von Präferenzen hat"ch erwiesen. Ein Aufeinanderabftimmen der industriellen Produktion mit der Zeit kann bei Intensivierung der zwischenstaatlichen Handelsverflechtung unter Nachbarn nicht möglich sein. Da- lineare Meistbe« günstigungSregime aber müßte, konsequent durchge- führt, zu einer unübersteigbaren Barrier«, und zwar früher oder später für alle unsere Staaten, werden. Für alle unsere Staaten ist e-, sagte(dr. Schuschnigg, von besonderer Bedeutung, daß.'er Auffassung entgegengewirft werde, die Jndustrie- und Handelsinteressen lägen in einer anderen Zone als jene der Landwirtschaft. Schließlich wäre cS ein erstrebenswertes Ziel, die wirtschaftlichen Verbindungen zu erleichtern und reibungslos zu gestalten, wenn der Gedanke einer fortschreitenden VereiNheitlichungde» Rechte», und zwar keineswegs etwa nur der engeren Wirt« fchqftSrechteS, sondern auch weiterer.Teile des eine Regelung durch internationale Abmachung durchaus vertragende Obligattonen- und Vermögensrechtes zur Erörterung gestellt würde. (Schluß auf Sette 2), Wie oft hat un» der„Benkov" schon Belehrungen darüber erteflt, daß in der Koalitton Zusammenarbeit und Verständigung notwendig sei. Der^Benkov" selbst befolgt diesen Ratschlag in der Weise, daß er täglich aufs Neue spaltenlange Angriffe auf den Sozialismus und die sozialistischen Parteien veröffentlicht. Täglich aufs Neue, aber keineswegs neue Angriffe, vielmehr verstaubte Ladenhüter aus den antimarxistischen Antiquitätensammlungen. So erzählt Herr Vranh, daß der Sozialismus den Weltkrieg verloren habe, als hätte der Sozialismus den Krieg geführt, so fügt er hinzu, daß die Sozialisten nunmehr auch den zweiten Krieg, den Kampf gegen die Wirtschaftskrise, verloren haben, als hätten wir uns nicht schon bis zum Ueberdruß mit dem' Taschenspielerkunststück auseinandergesetzt, das die unheilbare Krise des kapitalistischen Systems in ein Versagen des Sozialismus umzudeuten versucht. Es hat nicht viel Sinn, sich mtt diesen abgestandenen Schlagern zu beschäftigen, kommen wir zum Konkreten, soweit davon in den Auslassungen des Herrn Vranh die Rede sein kann. Auch hier nichts Neues, vielmehr die Wiederholung des alten Liedes, das Herr Vranh jetzt mtt Herrn Kahänek abwechselnd anstimmt: die Sozialisten haben im Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit versagt. Ist eS schon schön, daß der Sozialismus für die Arbeitslosigkeit verantwortlich gemacht wird, weil fett 1929 Sozialdemokraten das Fürsorgeministerium verwalten, al» hätte diese» Amt unbeschränkte Macht und als ginge das Problem der Arbeitslosigkeit die Gesamtregierung nichts an, so ist die Ausführung dieses Gedankenganges noch schöner. „Der Sozialismus— so lesen wir im„Ven- kov"— rühmte sich, daß nur er allein imstande sei, alle sozialen Fragen zu lösen. Der Sozialismus lehnte systematisch und hart nicht nur das Eingreifen anderer Interessengruppen und Parteien ab, sondern sogar ihr« Ratschläge, wie die Arbeitslosigkeit bekämpft werden soll." Was waren da» für Ratschläge, die wir von anderer Seite gehört haben und noch hören? Kürzung der Unterstützungen und Ausscheidung zahlreicher Gruppen aus der Statistik der Arbeitslosen. Gegen solche Pläne, welche nicht die Arbeitslosigkeit, sondern die Arbeitslosen bekämpfen, haben-wir uns mit Recht gewehrt. Herr Vranh soll doch einen positiven Vorschlag aufzählen, der von bürgerlicher Seite beigebracht und dessen Verwirklichung von den Sozialisten verhindert wurde I Sperren die Sozialisten die Betriebe und wehren sich gegen die Stillegungsverordnung? Sabotieren Sozialisten die Verkürzung der Arbeitszeit und die Organisierung des Arbeitsmarktes? Bremsen wir die Investitionstätigkeit des Staates und der Selbstverwaltung? Hemmen wir die Baubewegung? Stemmen wir uns Maßnahmen zur Exportförderung entgegen? Oder ift nicht alles, was auf diesen Gebieten überhaupt geschehen ist, gerade von den Sozialisten angeregt, immer wieder gefordert und— wegen de» bürgerlichen Widerstandes leider nur teilweise— auch durchgesetzt worden? DaS alles ist so bekannt, daß es uns gar nicht einfiele, wiederum darauf hinzuweisen, wenn eS dem„Benkov" nicht beliebte, die Tatsachen ins Gegenteil zu Verkehren und in einem Rückfall in die schlimmsten polemischen Gewohnheiten den Genossen Dr. Ezech persönlich zu verunglimpfen, indem er schreibt:* „Wer im Grenzgebiete lebt, hat voll erkannt, wie der langjährige Minister für soziale Fürsorge Dr. Czech diese- parteiische Almosengeben pflegte. Seine Aera bedeutet für den Sozialismus eine unheilvolle Periode in der Behandlung der Ar« beitslofigkeit, weil den Ursachen der Krankheit nicht nachgegangen wurde, solange Zeit war, die eigentliche Krankheit nicht geheilt, sondern nur ein eitriges Symptom unterdrückt wurde, der Lohnverlust.* Gegen die Kurzsichtigkeit) die weder das parteiische Almosengeben der SBH steht,"Noch die Fülle der posttiven Leistungen des Fürsorgeministeriums unter Czech, Meißner uitt> Reöas, müssen wir den Mann wahrlich nicht in Schutz nehmen, der die produkttve Arbeitslosenfürsorge geschaffen, die erloschen« Baubewegung neu be- Seite 2 Freit rg, 17. Jänner 1936 Nr. 14 Die Kleine Kabinettsumbildung Im Parteivorstand der Agrarier hat Ministerpräsident Dr. H o d j a laut„Pr. Tagblatt" mitgeteilt, daß die g r o ß e Kabinettsumbildung vertagt worden sei. Dagegen soll in den nächsten Tagen der Abg. T u L n h(Nationalsozialist) zum Schulministrr ernannt werden. Professor K r L m ä r würde aus' der Regierung ausscheiden. lebt und während seiner ganzen Wirksamkeit'mit allen Kräften der Arbeitsbeschaffung gedient hat. Die Vorwürfe'gegen Dr. Czech fallen auf jene zurück, ,die seine warnende Stimme nicht gehört haben,'als er gleich zu Beginn der Krise um ihre aktive Bekämpfung rang. Vor mehr als vier Jahren, am 13. November 1981, hat Genosse Dr. Czech im BudgetauS- schuß In die Reihen jener, die ihn heute kritisieren, gerufen:' '„Nichts wäre verfehlter, als wenn wir mit verschränkten Armen den Dingen freien Laus ließen, und, ruhig und- in stumpfer Passivität an uns,herankommen ließen, tpaS sich vor- unseren Augen entwickelt. Im Gegenteil, wir müssen aus der Stellung, di« wir bisher zur Wirtschaftskrise eingendmmen haben, zur schärfsten Offensive übergehen und in den Umbau und die Umformung der: Wirtschaft mit klarem Ziel. und fester Hand eingreifen.* f>. Im Wahlkampf 1935 haben die Agrarier sv getan, als ob sie die Parole: Umbau der Wirtschaft nicht etwa bloß aufgegriffen, sondern geradezu erfunden hätten, heute möchten sie die Sozialisten dafür schuldig werden lassen, daß bürgerlicher Widerstand entscheidende Eingriffe in das wirtschaftliche Gefüge teils verhindert, teils durch Verzögerung und Verwässerung Minder wirksam gemacht hat. Heute beschuldigen sie die Sozialisten, daß sie die Arbeitslosigkeit nur als Unterstützungsvroblem auffaffen ulid vor mehr als vier Jahren hat Genosse Dr. Czech die schlagende Antwort darauf vorweggenommen, indem er in dem zitterten Expose sagte: „Es genügt absolut nicht, gegen die Krise mit bloßen Palliativmitteln zu kämpfen, sondern«S ist notwendig, das Uebel an der Wurzel zu fassen und den Kampf dagegen seinen tiefer liegenden Ursachen anzupaffen. Darum kann das Ministerium für soziale Fürsorge mit gutem Gewissen der • Legende entgegenhalten, als ob sich seine ganze Weisheit in der Verteilung von Unterstützungen und Lebensmittelkarten erschöpfte." Freilich, wo nähmen die Gegner des Sozialismus ihre Argumente her, wenn sie auf Legenden, solcher Art verzichten sollten! Herr Vrarch schließt seinen Arttkel mit der Bemerkung, daß es an den anderen Parteien rsnd Richtungen liege, sich mehr-und besser djun Problem der Arbeitslosigkeit zu- widmen. Rach sechs Krisenjahren eine etwas späte Erkenntnis! Wir haben die bürgerlichen Parteien oft genug darauf aufmerksam gemacht, daß die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit auch ihre Aufgabe ist. Aber es kommt darauf an, in welcher Weise sie sich dieser Aufgabe widmen wollen. Mit Maßnahmen, die tausenden Arbeitslosen die Unterstützung entziehen oder kürzen,, aber keinem einzigen Brot und Erwerb schaffen, wird das Problem nicht gelüst. Planmäßiger und energischer Stampf gegen die. Arbeitslosigkeit aber wäre nicht, wie Herr Vranh glauben machen möchte, eine Widerlegung der Sozialisten, sondern vielmehr die Erfüllung ihrer Forderungen. Eine kommunistische Büberei Illegale Flugblätter zur Täuschung der Oeffentllchkelt Indirekte Denunziation der österreichischen Emigranten Donnerstag vormittags brachte die Post einer Reihe von sozialdemokratischen Fünktionä- ren Briefe ins Haus, die ein hekto- graphiertes,ni chtgezeichnetesund mit keiner Herkuyftspartie, aber dem Poststempel Brünn, versehenes Flugblatt enthielten, das in der denkbar schärfsten Tonart den österreichischen Bundeskanzler Dr. Schuschnigg angriff, die Arbeiter aufforderte, jede politische Einigung der Republik mtt Oesterreich zu verhindern, und in dem die tschechoslowakische Regierung wegen deS Besuches Dr, Schuschniggs ebenfalls heftig an- 'gegriffen wurde.' Dieses Flugblatt wurde dann auch in verschiedenen Orten auf der Straß? v;r- t e i l t. IN der Bevölkerung entstand der Eindruck, daß es sich um eine sozialdemokratisch e ,Aktion handle, denn wenn»auch der Ton der Angriff« nicht Hem Stil unserer Polemiken entsprach,^-so wurde von den anonymen Verfassern doch sehr geschickt der Eindruck geweckt, daß dieses Flugblatt sozialdemokratischer Herkunft sei. InTeplitz suchte denn die Gendarmerie tatsächlich in sozialdemokrattschen Funktionärkreisen den Urheber der Flugblatt-Aktion und der „Aden d", die Nachmittagsausgabe des„Tep-. litz-Schönauer Anzeigers" behauptete schon, das Flugblatt sei ein sozialdemokratisches Erzeugnis, wenn eS auch in Widerspruch mit der offiziellen Haltung der deutschen Sozialdemokratie stehe. Abgesehen nun von der Frage, ob die Verfasser des Flugblattes durch die Form und die Tonart ibres Angriffes den österreichischen Sozialisten, den Arbeitern dieses Landes und bgt europäischen Demokratie nicht ungeheuren Schäden zufilgen, stellt die Aktton a«S zwei Gründe« eine t e» sondereJnfamiegegendieöster- reichischen Genossen dar: die kommun st ischen Verfasser deS Erpressungsversuch der Kladnoer Bergwerksbesitzer Im Kladnoer Braunkohlengebiet Hürde in den letzten Tagin den Belegschaften mitgeteitt, daß Mit Rücksicht auf den schlechten Absatz«in großer Teil der Arbeiter werde aussetzen oder entlassen werden müssen« Diese unbegründete Maßnahme hat eine Vorgeschichte, die charakteristisch für die bedenkenlosen Methoden der Grubenbesitzer sind. Um Einschränkungen' M Nkvikr' zu, verhindern, hak'das EisenbähnmlnWbium die Beritts Willigkeit ausgesprochen, im heurigen Jahr das frühere Quantum Braunkohle abzunehmen, wenn die Gruben eine Preisermäßigung von 12 KL pro Tonne zugestehen und sich verpflichten, bei Mehrabnahme von 45.000 Meterzentnern die Preisdifferenz zwischen der Kladnoer und der Ostrauer Kohle zu beseittgen. Die Direttorenkonferenz schien diesen Vorschlag anzunehmen. Aber einig« Tage später änderte sie die Taktik und eS begannen Treibereien regen das Eisenbahnministerium. Den Arbeitern wurde mitgeteitt, daß die Staatsbahnen eine f o f o r t i z e untragbare Preisherabsetzung verlangen, und daß der, Betrieb aus d:n Gruben'stark restringiert^werden müsse. Es Flugblattes— die inzwischen in Brünn von der Polizei eruiert wurden und geständig sind— haben die Aktion nnr in deutscher Sprache und im deutschen Gebiet unternommen, sie haben sie ferner, ohne Zweifd in wohlerwogener Absicht, von Brünn auSgehen lassen, wo bekanntlich daS Auslandsbüro der österreichischen Sozialisten seinen Sitz hat. Durch die an sich ganz sinnlosen Briese, mit dem Poststempel „Brünn" sollte offenbar nur erreicht werde«, daß die Behörde in Brünn die Autoren suche. Dadurch, daß es sich um eine deutsche, von Brünn ausgehende, sich sozialdemokratisch gebärdende Aktion handelte, mußte der Anschein erweckt werden, daß die Urheber des Flug- blattes im Alis fitzen. , Den Buben, die diese Sache angestiftet haben, muß natürlich bekannt gewesen sein, daß sie mit ihrer indiretten Denunziation unter Umständen ein b« h ö r d l i ch e S E i n s ch r eiten g e g e a die Tätigkeit des A l ö S bewirken konnten. Daß sie damit nicht Herrn Schuschnigg schaden würden, sondern ihm oder Starhemberg einen großen Dienst erwiesen' hätten, wissen sie Wohl auch. Es bedarf gegen diese Methoden keiner weiteren Polemik. Sie richten sich von selbst als Dokumente derselben Politik, mit der die Kommunisten seit 15 Jahren immer wieder in leichtfertiger Weise maßloses Unheil anrichten und die sie, wie es scheint, auch in der Aera ihrer, „Einheitfront- Angebote beibehal-1 ten wollen. Daß sie mit Bübereien dieser Art, die der gesamten Arbeiterklasse und die den österreichischen Sozialisten im besonderen schwersten Schaden zufügen können, nicht zur Besserung der Atmosphäre im Sinne der Verständigung der sozialistischen Parteien beitragen, müssen die Burschen natürlich auch gewußt haben! wurden Kündigungen auch auf Schächten avisiert, die zwei Tage vorher noch Arbeiter ausgenommen hatten und auch auf solchen, die mit genügend Aufträgen versehen sind. Auss allem geht hervor, daß in der Arbeiterschaft eine Stimmung hervorgerufen werden sollte, die das Eisenbahnmini- sterium zu Zugeständnissen an die U n t e r n e h- m e r zwingen sollte. Dabei gehen diese daran, den Arbeitern ohne Rücksicht auf die endliche Regelung Lohnkürzungen aufzuzwingen. Dienstag Parlament Das Präsidium des Abgeordnetenhauses hielt Donnerstag eine Sitzung ab, in welcher daS nächste Programm des Parlamentes festgeltHi wurde. Die erste Plenarsitzung im heurigen Jahr, auf deren Tagesordnung das Gesetz über dir Stabilisierungsbilanzen und das Gesetz über die Verlängerung der Gebührenerleichterungen hei Fusionen stehen, wird für Dienstag, den 21. Jänner 3 Uhr nachmittags einberufen. Die nächstfolgende Sitzung wird Mittwoch oder Donnerstag sein/. Schuschnigg über den Donauraum (Schluß von Sette 1). Die Konsequenz wäre eine Neuordnung und Umschichtung der Wirtschaftsstruktur einzelner Staaten-mit dem Ziele, den gegenseitigen Aufbau zu befruchten. Jede Volkswirtschaft wird sich der Grenzen ihrer Eigengesetzlichkeit bewußt sein und ihre pottttsche Bedingtheit im Auge behalten. Andererseits wird sich jede Politik, und zwar kann hie/ von Politik nur im klassischen Sinn die Rede sein, als von der Sorge um die bestmögliche Erreichung des bonum commune(allgemeinen Wohles) darüber im klaren sein muffen, daß sie zwangsbedingt ist durch die Wirtschaft. Gesunde Wirtschaft ist und bleibt die fundamentale Voraussetzung einer gesunden Polittk. Wenn wir um den wirtschaftlichen Aufbau kämpfen, dann sind wir uns darüber im klaren, daß dies auch ein Kampf um die Sicherung von Ruhe und Ordnung ist, somit ein Kampf um las kostbarste Gut, das zu schützen die oberste ethische Verpflichtung jedes Verantwortlich«» bleibt, rin Kampf um den Frieden. Unsere Politik, sagte der Kanzler, isi eine ausschließlich österreichische und' an dieser Jn- tereffenrichtung hat sich n i ch t 8 g e ä. n d e rt und eö wäre eine abwegige Vermutung, die nicht hier, aber anderwärts bisweilen ausgesprochen wurde, etwa von einer beabfichttgten Richtungsänderung der Innenoder Außenpolitik in Oesterreich zu sprechen. Hingegen ist es nicht nur wünschenswert, sondern notwendig, bestehende Vereinbarungen gerade auf wirtschaftlichem Gebiet zu ergänzen und ihren Bereich zu erweitern. Dies ist nicht uw- pisch bei aller Verschiedenheit der Auffassungen zu den einzelnen Fragen. Was in Wien und Prag aus gleicher Resonanz steht, das ist die Gemeinsamkeit einer Idee, das' was wir in unserem Staat je nach der Besonderheit und Eigenart ge« kennt betrachten, das ist die Methode. Die Idee aber, die unS einigt und die imstande ist, unsere Beziehungen gerade auf wirffchaftSpolitischem Gebiet zu verstärken,, ist zugleich ein Bekenntnis, das.Bekenntnis zu Europa, zu seiner Geistigkeit und zu seiner Kultur, das Bekenntnis zum Menschheitsideal, deffen Verwirklichung die Erhaltung und Sicherung deS Friedens voraus« setzt. Der Staat, der imstande ist, diesem großen Gedanken deS wahren Fortschrittes zu dienen und der seinen Beittag dazu leisten kaim, sei eS auch nur durch seinen Bestand, dieses große ideale Ziel zu sichern, der wird nicht nach Fläche und Bevölkerungszahl allein zu meflen sein." Wir brauchen in diesem Zusammenhang wohl nicht erst z« betonen, daß unserer Meinung nach der ß sterr« i cht sch e Nachbarstaat in der Form, die er seit 1934 angenommen hat, nnS nicht gerade alS ein Protottzp und Musterbeispiel des hier von Dr. Schuschnigg charatterisierten Gemeinwesens erscheint. So sehr wir die engste wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit der Böller im Tonanraum begrüßen, glauben wir, daß diese Zusammenarbeit nur dann dauerhaft und gedeihlich sei» wird, wenn sie sich tatsächlich auch auf das politische Gebiet erstreckt und wenn die einzelnen Staate« im Donauraum nicht nur jeder unabhängig von benachbarten Großmächten, sondern auch jeder fähig sein werden, die werktätigen Massen ihres Bolkes in die StaatSpolittk einzuschalten und diese auf solche Weise solid zu unterbapen. 61 Roman von Karl Stym Copyright hy Eugen Prager-Verlag, Bratislava Zwei Tage später nehme ich resigniert das winselnde Bündel auf die Arme und gehe neben der asthmatisch pro* Stenden Hebamme ins Dorf. In der Vogelbeerallee kommen uns einige junge Arbeiter entgegen. Sie lachen so unverschämt, daß ich ihnen am liebsten Rohlings Produkt um die boshaften Gesichter schlagen möchte. Daß die momentane Situation nicht gerade zum Weinen angetan ist, ist mir selbst klar, aber ich kann doch nichts dafür. Ich tue es ja selbst mit dem Gefühl, als liege ein schwerer Kohlenbrocken auf mir. Während des Taufaktes übergebe ich den Kleinen der Hebamme. Aus zwei wichtigen Gründen: erstens spüre ich auf meinen Armen etwas Nasses und zweitens gehen mir die schreienden Lebensbeweise langsam auf die Nerven. Der Kaplan lächelt nachsichtig. i „Der schreit sich starke Lungen!“ „Und fast vier Kilo wiegt er, der Kerl!“ trumpft die Hebamme stolz auf, als habe sie ihn gemacht Dazu spitzt sie die runzligen Lippen und schmatzt dem nunmehrigen Fritz Röhling ins heulende Gesichtchen. Ich trage Klein-Röhling über die magere Halde, an den spießigen Königskerzen vorbei, zu seiner Mutter. Fritz Röhling, werde ein aufrechter Mensch, aber kein Bergmann. Das lege ich dir als mein bestes Patengeschenk in die Wiege... Vor einigen Tagen war Lorett den letzten Weg getragen worden und heute trag ich Röhllngs Kind den ersten. Kiner geht, einer kommt Das war wohl immer so; nicht immer aber war die Zeit wie die heutige. Geht einer, so stehen zehn bereit, die Lücke auszufüllen. Was hat aber der, der eben geboren wird, einmal für Möglichkeit?— In unserer Zeit hat hur das Sterben berechtigten Zweck. Das Gebären aber ist Sinnlosigkeit wird es bleiben, so lange nur fünfzig Prozent der Menschen als lebensberechtigt angesehen werden können. Der schönste und idealste Sinn des Lebens hat keinen Sinn mehr, weil er die Bedingungen des Lebens erdrückt! *»•* Der Sommer geht langsam in satten Herbst über. Paul ist wieder da, gesund und mit neuer Kraft wie er selbst sagt Er sieht besser aus, als vor eineinhalb Jahren. Aber das Richtige ist es nicht Ich erlebte schon einige Male, daß Lungenkranke aussahen wie das blühende Leben und in einer einzigen Woche zu Skeletten zusammenschrumpften. Berta Mühler kommt sonntäglich aus der Kreisstadt An diesen Tagen wandern vier glückliche Menschen über die herbstlichen Hügel. Was wir nicht alles träumen! Einmal sind es zwei kleine Häuschen, Irgendwo im Wald versteckt und Paul und ich zwei behäbige Rentner. Dann wieder zwei Beamtenwohnungen in der Stadt; ein ganz besonders ergiebiges Feld für die beiden Mädchen, die im Nu die ganze Einrichtung beisammen haben. Jede dieser Wanderungen ist uns ein Erlebnis und hebt uns himmelhoch über unsere Kümmerlichkeit hinweg. Da können wir uns wie Kinder über jede Kleinigkeit freuen, lachen, singen und sind restlos glücklich. Abends werfen Paul und ich unsere Grubenkleider unter die Betten, um sie nicht sehen zu müssen... An einem jener wunderbaren Herbsttage, die dem sterbenden Jahr nochmals einen kurzen, bunten Frühling geben, muß ich zu Hause bleiben. Berta und Paul gehet allein. Ich liege mit brummendem Schädel im Bett und Martha macht mir kalte Umschläge. Ein unnennbares Grausen ist in mir, zugleich aber auch eine ebenso große Freude. Etwa so, wie ein Träumender fühlt, der von einem Kirchturm herunterfällt und sich vor dem Aufschlagen am Pflaster fürchtet, trotzdem er weiß, daß ihm nichts passieren wird. In solchen Momenten fühlt man erst richtig, wie sehr man doch am Leben hängt, trotzdem man gezwungen ist, es täglich wie schmutzige Wäsche zu behandeln. Einige winzige Zentimeter haben nur gefehlt und mein Kopf läge jetzt vom Häls abgedrückt in der Totenkammer. Ich lehnte am Ulm und hörte die Schüsse ab, da sprengte der gegenüberliegende Ulm aus und fiel auf mich. Mein erster Gedanke war: aus ist’s! Aber durch einen jener Zufälle, die wir Bergleute unbedingt brauchen, um überhaupt alt zu werden, kam mein Kopf in eine Aushöhlung zu liegen. Das war mein Glück. Ich befand mich zwar trotzdem In einer ziemlich unangenehmen Lage und mußte mich unter ganz erbärmlichen Schmerzen fast eine halbe Stunde gedulden, bis man mich frei bekam. Etwa drei Tonnen Kohle waren gekommen. Drei Tonnen Kohle und mein Kopf nur wenige Zentimeter nach vorn oder rückwärts... Martha ist ein gutes Mädchen. Sie fragt nicht viel und ihre Hände sind weich und gütig wie die einer Mutter. „Schon besser?“ „Ja!— Wenn nur dieses verfluchte Jahr einmal zu Ende ginge. Zweimal ging’s mir knapp, das dritte Mal kann vielleicht weniger Glück dabei sein!“ „Fritz!“* Das Mädchen sieht mich vorwurfsvoll an. Ich hkbe plötzlich das Bedürfnis, den Gedanken weiterzuspinnen. „Und wenn es tatsächlich mal so käme?“ Die grauen Augen werden dunkel. „Was dann?“- „Red’ nicht so dumm!“ Martha ist die Tochter eines Bergmannes und ist jeden Tag vor die Möglichkeit gestellt, den Vater, den Bruder oder den Geliebten zu verlieren. Sie weiß das, fürchtet es an jedem Morgen, spricht aber nie davon, aus Angst es dadurch wahr zu machen, Nr. 14 Freitag, 17. Jänner 1838 Seite 3 tfudetendeutscficr Xeifepicgcf Anton Schäfer scheidet aus dem Parlament Der älteste Parlamentarier der deutschen Sozialdemokratie in der Tschechoslowakischen Re« SdP als Aufsichtsbehörde! Dreiste Einmischung in die Verwaltungsgeschäfte der Gemeinden In der letzten Zeit mehren sich die Fälle, da sich wie SdP Amtscharakter aneignet und die Tätigkeit der Gemeinden zu kontrollieren und auch zu regulieren versucht. An zwei Beispielen soll gezeigt werden, daß unsere Behauptung nicht aus der Luft gegriffen ist. In E i s e n st e i n im Böhmerwald hat die Ortsgruppe der SdP eine Beschwerdeschrift unter dem Titel:..Einbeziehung von unbefugten Personen in die Gemeindesozialkommission und Teilnahme derselben an der Verstellung" im Bürg-r- meisterämte eingebracht. In der Beschwerdeschrift befaßt sich die SdP mit der Durchführung der Unterstützungsaktion des Fürsorgeministeriums und leistet sich dabei eine Reihe von Denunziationen atme r Teufel, die nach Auffassung der SdP die L e b e n s m i t t e I zu unrecht bekommen haben. Schließlich befaßt sich die Beschwerde auch mit der Zusammensetzung der Kommission und einzelnen ihrer Mitglieder derselben. Noch krasser aber ist der Eingriff der SdP in die Gemeindegeschäfte inKottwitzb. Arnau a. d. E. Dort mußte der alte Gemeindesekretär wegen Unregelmäßigkeiten entlassen werden und man bestelüe den Sekretär einer Nachbarge meinde zum provisorischen Gemeindesekretär. Nun kam die SdP und legte in einer Zuschrift an die Gemeindeverwaltung dar, daß die Anstellung einetz Sekretärs in der gegenwärtigen Zeit eine große Verantwortung mit sich bringe und man solle mit der Besetzung des Postens solange z u- warten, bis die Gemein de Wahlen durchzeführt sein werden. Die jetzige Vertretung entspreche nicht mehr dem Ml- len der Mehrheit in der Gemeinde und man lade mit der Anstellung des Sekretärs eine' schwere Schuld auf sich. Das ist gelinde gesagt eine Dreistigkeit! Denn soweit, daß vor einem notwendigen Beschluß erst bei der Leitung der SdP angefragt werden mi'ßte, ob dieser Beschluß von ihrem Gesichtspunkte aus erträglich sei, sind wir noch nicht. Und soweit wird es auch bei uns nicht kommen. Aber diese Einmischung einer politischen Partei in die Berwaltungsgeschäfte der Gemeinden haben soviel Aehnlichkeit mit Erpressungen, daß sich die Behörden da einmal rechtzeitig umsehen müßten, wenn man nicht will, daß so wie in Deutschland auch bei uns an SteUe der Gemeindevertretung die politische Partei den Vorstehern und Bürgermeistern die zu fastenden Beschlüsse diktiert. Deutsche Fabrikanten wollen deutschen Arbeitern den Arbeitsplatz rauben Deutsche Sozialdemokraten verhindern es Die Leitung der Odrauer Optimit-Werke diktierte vor einiger Zeit ihren Arbeitern einen 25- bis 80prozentigen Lohnabbau mit der Begründung, daß das Unternehmen nicht konkurrenzfähig sei, wenn der'Lohnabbau nicht vorgenommen werde. Die Arbeiter nahmen die empfindliche Lohnkürzung hin, weil man ihnen auch versprochen hatte, daß sie dann wieder vollzählig beschäftigt werden könnten. Der Lohnabbau trat ein, was aber nicht eintrat war die Verbilligung der Preise der in den Optimit-Werken erzeugten Artikel. Das Geld, das man den Arbeitern abzog. jDutbe zmnA.n.k'a üf ein es' F a b vikD- o b j e k t e s in F r a n'k-r e i-ch verwendet.-- Die Leitung des Unternehmens richtet dort eine neue Gummifäden-Abteilung ein. Maschinen wurden schon abmontiert und nach Frankreich geschafft: die Leitung hofft, das neue Unternehmen bald in Betrieb setzen zu können. Die Firma beabsichtigt die gänzliche Stillegung der Gummifädenabtei- lung in Odrau. Was aus den Arbeitern, die jahrzehntelang für das Unternehmen schufteten, werden soll, scheint die Direktion nicht im geringsten zu be kümmern. Die Hauptsache ist der Profit und um des lieben Profites willen geht man sogar soweit, die einheimischen Arbeiter vollkommen brotlps zu machen. Die Herren, die für diese Verschiebung deutschen Industriegutes verantwortlich sind, find „gut national" gesinnt.'Bei. jeder Gelegenheit pochen sie auf ihr„Deutschtum"., Sie finden ei aber als gute Deutsche ganz in der Ordnung, deutschen Arbeitern die letzte Lebensmöglichkeil zu rauben. Es bleibt den„vaterlandslosen", „volkstumfeindlichen" Sozialdemokraten überlasten, für die durch kapitalistische Profitsucht in größtes Elend gestürzten deutschen Arbeiter von Odrau zu sorgen. Die. sozialistische».Parteien» denen man bei jeder Gelegenheit Nationsverrat vorwirft, waren es, die vorderhand die Ausführung der sauberen Pläne dieser sogenannten „guten Deutschen" verhinderten. Die Vorgänge in den Odrauer Optimit-Werken sind ein Schulbeispiel dafür, wie die Herren von der deutschen Volksgemeinschaft bedenkenlos den deutschen Arbeiter in Elend und Not stürzen, wenn es im Interest» des Geldsacks gelegen ist. Der ehern, deutschnationale Abgeordnete Dr. Keibl verhaftet Im Zuge der in Bodenbach von der Müssiger Staatspolizei vorgenommenen Verhaftungen, über die wir bereits gestern berichteten, wurden, wie wir in Erfahrung brachten, weitere Personen nunmehr auch auD Tetschenin Haft genommen und dem Kommissariat der Staatspolizei in Aussig überstellt., Zwei dieser Vorführungen wirkten in Tet- scheE und Bodenbach geradezu sensationell. Es^ handelt sich dabei um den ehemaligen Abgeordneten der deutschen Rationalpartci, Lan- dcsgerichtsrat i. R. Tr. Keibl und den Advokaten Dr. Büngener aus Böhmisch-Kamn'N. Der Tritte ist der S ch w a g e r Dr. K e i b l S, namens G o t t st e i n. Was den dreien zur Last gelegt wird, konnten wir-nicht erfahren. SdP-Leute, die sich aus ihrer Partei eine Hetz' machen Am 14. Jänner war in der»Reichen» h e r g e r Zeitung", die der SdP eine eigene Rubrik eingeräumt hat, u. a. folgendes zu lesen: (Reichenberg.) Die Hauptleitung de» SdP hat in ihrer sonntägigen Versammlung le- schlossen, den Kameraden E l st n e r und K o t s ch» war für besonders kameradschaftliches Berhalten die belobende Anerkennung auszusprechen. Aber am 15. Jänner eröffnete die»R. Z." die teure Rubrik mit folgender Notiz:, In der gestrigen Abendausgabe dieser Zeitung erschien uMer den Nachrichten aus der»Sudetendeutschen Partei" auch eine Meldung über eine angeblich Sonntag stattgehabte Versammlung der Hauptleitung, in welcher ein Beschluß gefaßt worden sein soll, der sich mit unserer Person befaßte. Wir halten diese Nachsicht, die unter Mißbrauch des RamenS eines Funktionärs der Partei in die Zeitung gelangte, für einen höchst un passenden Scherz und ersuchen den»geistreichen" Urheber, hei Wiederholung ähnlicher Scherz« unserePerson gefälligst a u s d e m Spiele zu lassen. Mit Genehmigung der übergeordneten Parteistellen, einschließlich der Hauptleitung der SdP, stellen wir fest, daß Sonn. Vas internationale Treffen der Arbeiter-Wintersportler am 18. und 19. Jänner 1936, Im Gebiete der beiden Naturfreundehäuser Morbachhütte und Vorder- Zinnwald, muß infolge ungünstiger Schneeverhältnisse auf unbe-| stimmte Zeitverscho- b en werden. »AVWVWWWMWWMWWWU tag eine Versammlung der Hauptleitung überhaupt nicht stattgefunden hat.— Elstuer m. p., Kotschwar m. p. W a s da im Einzelnen vorgegangen ist. wissen wir nicht. Aber reizende Verhältnis s e in der SdP werden auf solche Weise kund. Da gibt es also SdP-Leute, deren Namen solch guten Klang bei der»Reichend. Ztg." haben, daß diese von ihnen VersammlungSbeschlüsse aufnimmt, die sich aber hinterdrein als Falschmeldungen Herausstellen: es gibt SdP-Funktionäre ä la Elstner und Kotschwar, aus deren»besonders kameradschaftliches Verhalten" die anderen Kameraden sich eine Hetz machen: und dann müssen öffentlich die Gehänselten feststellen, daß sie eine »belobende Anerkennung" nicht erhalten hätten, was wiederum über ihre tatsächlichen Verdienste erst recht nachdenken läßt. "Wir wollen annehmen, daß, man die beiden Herren»bei ,.W iederholung ähnlicher Scherze" wunschgemäß aus dem Spiele läßt—- und dafür andere anSz-ickmet. Die Mithilfe der»R. Z." scheint ja für alle Fälle garantiert zu sein... Oer Deutsche Schulfunk bringt für die Oberstufe am 21. Jänner ab 11,05 Uhr:«Der Meister am Werk", Funkszenen über den Prager Aufenthalt Mozarts anläßlich der Uraufführung des„Don Juan", und am 28. publik, Genosse Anton Schäfer, hat sich mit Rücksicht auf sein Mter entschlossen, sein Parlamentsmandat niederzulegen. Damit verläßt einer der bekanntesten und beliebtesten» einer der treuesten aus der Garde Jänner ab 11.05 Uhr: Einem Tag auf einer Eisscholle im Eismeer, Kurzvortrag von Dozenten Dr. Mhounek;„Scotts Reise nach dem Südpol", Funkszenen nach den Tagebüchern des Polarreisenden von Tilla Bunzel.— Für die Unterstufe am 22. Jänner ab 10,15 Uhr:„In einer Riesengebirgsbaude", Funkszenen von E. Schier und am 28. Jänner, ab 10,15 Uhr:„Leiden und Freuden des Winters", eine Liederfolge, zusammengestellt von L. Stuchlik-Deutelmoser. Anonyme Briefe za»„Bereitschaft".Prozeß. Bei Eröffnung der Donnerstag-Verhandlung gegen Dr. Patscheider und Genossen erklärte dar Senatsvorfitzende, daß er wieder zwei anonyme Schreiben erhalten habe. In dem ersten, tschechisch geschriebenen, wird Gerechtigkeit für die Angeklagten gefordert und in dem zweiten, deutsch geschriebenen, sind Angaben enthalten, welche nur geeignet sind, die Angeklagten zu belasten. Es wird nämlich dem Gerichte angedroht, der»Komödie" endlich ein Ende zu bereiten, anderenfalls die„wirkliche Bereitschaft" in Troppau Ordnung machen würde. Der Verteidiger Abgeordneter Neuwirth aus Prag effuchte, daß°diese beiden Schreiben mit einer Anzeige gegen unbekannte Täter der Staatsanwaltschaft abgetreten werden mögen. Der Senatsvorfitzende lehnte dies mit dem Bemerken ab, daß der Senat vor diesen anonymen Schreiben nicht erschrecke und ließ die Briefe verbrennen. verschafft Rheumatikern große Erleichterung „Dachdecker" mit 100 Ki Stundenlohn! Vor einiger Zeit erschienen beim Oberlehrer von Hartenberg im Bezirke Falkenau zwei Männer, die sich als Dachdecker ausgaben und behaupteten, beauftragt zu sein, sowohl das Dach als auch den Blitzableiter der Hartenberger Schule zu reparieren. Sie stiegen auf das Dach und beschäftigten sich durch etwa sieben Stunden damit, einige gelockerte Ziegel zu befestigen und ein wenig an dem Blitzableiter herumzumanipulieren, worauf sie in die Wohnung des Oberlehrers kamen und von ibm für die insgesamt sieben Stunden dauernde Tätigkeit einen Lohn von sage und schreibe eintausendvierhundert Kö forderten, einen Betrag, der dem Oberlehrer so hoch erschien, daß er die Bezahlung ablehnte. Nach langem Handeln erklärten sich die beiden Männer— es handelt sich um die bereits wiederholt vorbestraften Karl Wenisch und Albin Böhm— mit einem Lohn von 1100 Xi einverstanden, mit welchem Betrage sie abzogen. Es stellte sich nachträglich heraus, daß die beiden Burschen keineswegs befugte Dachdecker sind, sonoern einfach einen Trick angewendet hatten, um auf leichte Weise zu Geld zu kommen. Da sie bei ihrer Arbeit keinerlei Material beistellten, läßt sich der Effeft ihrer»Arbeit" auf dem Dach des Hartenberger Schulhauses leicht einschätzen... Brandlegung. Wie uns aus Falkenau a. d. E. berichtet wird, ist in der Ortschaft RobeS« g r L n in der Scheuer des Landwirtes Pfeifer ein Brand auSgebrochen, der alsbald auch auf das Wohnhaus Übergriff und beide Objekte in kurzer Zeit einäscherte. Die an der Brandstätte erschienenen Feuerwehren vermochten ttotz angestrengter Tätigkeit daS Wohnhaus nicht mehr zu retten und mußten sich auf die Lokalisierung des Feuers beschränken, da mehrere Nachbarhäuser in großer Gefahr waren. Der Abbrändler ist nur sehr niedrig versichert: Als Ursache der Feuersbrunst wird Brandl e^ung angenommen. Ein Wüstling überfällt ein Mädchen. Ein in A u s ch o w i tz wohnhaftes Mädchen wurde, wie uns auS Marienbad gemeldet wird, in der fünften Nachmittagsstunde auf dem Wege zwischen Marienbad und Auschowitz von einem Burschen namens Josef P r o ck l. der angeheitert war, überfallen und zu vergewaltigen versucht. Als das Mädchen sich wehrte, schlug der Mann so heftig auf es ein. daß es är-tliche Hilfe in Anspruch nehmen und sich in die Pffege deS Krankenhauses begeben mußte, da eS erhebliche Verletzungen im Gesichte und am Halse erlitten hatte. Gegen den Wüstling, der sich dahin verantwortete, betrunken gewesen zu sein und sich an nichts mehr erinnern I zu können, wurde da» Strafverfahren eiugelcitet.| unserer Abgeordneten das Parlament. Man kann sich den deutschen sozialdemokratischen Abgeordnetenklub nur schwer ohne Anton Schäfer vorstellen. Schäfer war nicht nur einer der intelligentesten, sondern auch einer der erfahrensten Parlamentarier, auf dessen Urteil und Rat man immer gern hörte und außerhalb des Parlaments auch weiter hören wird. Schäfer gehörte auch zu den besten Rednern unseres Parlamentsklubs, sein Auftreten im Parlament fand immer Aufmerksamkeit, weil er es verstand, zu den schwierigsten Fragen in klarer ebenso grundsätzlichtreuer wie taktisch-geschickter Weise zu sprechen. Schäfers große Erfahrung rührt daher, daß er bereits seit dem Jahre 1807 Abgeordneter war. Er spielte bereits im alten Oesterreich eine führende Rolle, war neben Seliger der Vertreter Böhmens in der Parteileitung und der repräsentative Vertreter der zentralen Gewerkschaften Böhmens. Im österreichischen Parlament vertrat er den Wahlkreis Reichenberg-Land, den er auch 1811 zu behaupten wußte. Im Wiener Abgeordnetenhause befaßte er sich vor allem mit sozialpolitischen Fragen, war häufig Redner auf Parteitagen, Referent auf Landesparteitagen und Gewerkschaftskongressen. Bedeuffames hat Schäfer nach dem Umsturz geleistet. Man kann ihn wohl zusammen mit Genossen Macoun als den Schöpfer der deutschen Gewerkschaftsbewegung in der Tschechosiowakei bezeichnen, der die riesigen Schwierigkeiten bei der gewerkschaftlichen Zusammenfassung der deutschen Arbeiter nach dem Umsturz überwinden half. Auch in der Partei hat Schäfer nach dem Umsturz eine hervorragende Rolle gespielt; er hat seit 1820 ununterbrochen den Trautenauer Wahlkreis im Parlament vertteten, hat an allen Beratungen führend teilgenommen und es ist sein besonderes Verdienst, das Verhältnis von Partei und Gewerkschaften so harmonisch gestaltet zu haben, wie es ist. Seine großen Erfahrungen haben auch den Gewerkschaften bedeutende Dienste geleistet, es ist mit sein Erfolg, wenn eS gelang, zu einer Zusammenarbeit mit den tschechischen Gewerkschaften zu kommen und so den jahrelangen gewerkschaftlichen Streit zu begraben. Genosse Schäfer arbeitet überall, wo er wirkt» aktiv mit, er verschließt sich niemals den neuen Erkenntnissen, die aus den geänderten Nachkrie^s- verhältnissen hervorgegangen sind. Die Wirklichkeit ist ihm der große Lehrmeister in Politik und Gewerkschaftsbewegung. Dabei hat Schäfer einen weiten Jnteresienkreis, er lernt stets, viel und gern, er liest viel, sein Interesse gilt auch der Wissenschaft und Kunst. Wenn es Schäfers Wunsch war, sein Mandat niederzulegen— er hat nach den vielen Jahren Arbeit das Recht dazu—, so wird er der Partei sicherlich nicht seinen Rat entziehen. Wir werden noch ost bei Beratungen der Partei und Gewerkschaften ihn gerne hören und mit ihm gemeinsam zum Wohle der sudetendeutschen Arbeiterschaft, der er weiter dienen wird, arbeiten. Aber wir können den Tag nicht vorübergehen lassen, ohne unserem Anton Schäfer unseren herzlichsten und aufrichttgsten Dank für das darzubringen, was er als Parlamentarier in 28 Jahren geleistet hat. Seine Intelligenz, seine Geschicklichkeit und seine Erfahrungen werden in unserer parlamentarischen Vertretung weiter beispielgebend bleiben. * Der Nachfolger des Genossen Anton Schäfer als Abgeordneter des Trautenauer Wahlkreises ist Genosse Franz K r e j i t. Zu einer Messerstecherei ist es im Gasthaus »Reichsgrenze" in Schönbach bei Eger zwischen mehreren Gästen, einheimischen und reichsdeüt- schen, gekommen, nachdem sich bei der Debatte in der Wirtsstube Meinungsverschiedenheiten politischer Art zwischen den Gästen ergeben hatten. Schließlich setzte sich der Streit auf der Straße fort, wobei der völlig unbeteiligte Herbert Dick au» Markneukirchen einen Stich in den linken Oberarm erhielt. Die Täter fluchtete». Veite 4 Freitag, 17. Jänner 1836 Nr. 14 Der Außenhandel der Tschechoslowakei 1935 Ausfuhr nur um ein geringes höher als 1934.;; Nach Äi!- Erhebungen des Statistischen Staatsamtes weist der Außenhandel der Lsche- choflowakischen Republik im Monat Dezember 1838 folgende Daten auf: Es betrug die Ausfuhr im reinen Warenverkehr(also abzüglich edler Metalle) im Dezember 1835 693,044.000 gegen 557,274.000 XL im Dezember 1834, die Einfuhr 754,275.000 gegen 607,122.000 XL. Während also die Ausfuhr einen Rückschlag erlitten hat, ist die Einfuhr gestiegen, so daß die Handelsbilanz des reinen Warenverkehrs im Dezember 1935 mit dem Betrage von 61,281.000 XL passiv war, während der Dezember 1934 ein Aktivum von 150,152.00 XL aufgewjesen hat. Nachdem die Ergebnisse deS Monats Dezember bekannt sind, gewinnt man nun einen Ueber» blick Wer den gesamten Außenhandel der Tschechoslowakischen Republik im Fahre 1984. Es betrug die Ausfuhr 7415,478.000 XL gegen 7.277,608.000 XL im Jahre 1934, die Einfuhr 1935 6.781,083.000 XL gegen 6899,777.000 XL im Jahre 1934. Danach find also sowohl Ausfuhr als auch Einfuhr im Jahre 1985 höher als im Jahre 1984, wobei das Steigen der Einfuhr rascher erfolgte als das der Ausfuhr.. Was die Handelsbilanz deS Jahres 1985 betrifft, ist diese mit dem Betrag von 684,395.000 XL aktiv, während sie im Jahre 1934 ein Aktivum von 888,826.000 XL aufwies (auch das betrifft den reinen Warenverkehr, d. h. ohne die Ein, und Ausfuhr von Gold). Die Ausfuhr aus der Tschechoslowakischen Republik weist also im Jahre 1935 nur eine geringe Steigerung gegenüber jener von 1934 aus. die Förderung des Exportes bleibt weiter eine der großen und wichtigen Aufgaben einer Wirtschaftspolitik, deren Ziel die Arbeitsbeschaffung für die Arbeitslosen ist. Um die Besetzung der Arbeitsgerichte. ES kommt sehr häufig vor, daß ein von einem Arbeitsgericht zu entscheidender Prozeß mehrere Verhandlungen nötig macht. Zahlreiche Arbeitsgerichte haben die Praxis ausgebildet, in solchen Fällen zu den verschiedenen, in der gleichen Angelegenheit anberaumten Verhandlungen nicht immer die gleichen Beisitzer zu berufen— auch ohne daß dafür ein zwingender äußerer Grund vorläge. Diese Praxi- wird al- ungesetzlich von den Gewerlschaftsverbänden schon lange bekämpft. Die Verbände stehen auf dem Standpunkte, daß gemäß Paragraph 14 und 15, der Regierungs» Verordnung vom 22. Dezember 1931 über daS Verfahren vor dem Arbeitsgericht und nach den Bestimmungen der Zivilprozeßordnung die geschilderte Praxis vieler Arbeitsgerichte unzulässig fei. Diesem Standpunkt Geltung zu verschaffen, ist das Ziel einer Aktion, die jetzt vom Einheitsverband der Privatangestellten eingeleitet worden & Lavals jüngster Sieg: 63 Stimmen Mehrheit Paris. Die Regierung Laval hat Donnerstag in der Kammer einen neuen Sieg errungen und bei der Abstimmung eine Mehrheit von 63 Stimmen bei einem Stimmenverhältnis von 315 gegen 252 Stimmen erhalten, als sie erklärte, daß sie den Interpellationen über die landwirtschaftliche Politik den Vorrang einräume, während die Kammerlinke die Behandlung her Interpellationen über die allgemeine und die auswärtige Politik gefordert hatte. Das Wortgefecht zwischen der Linksopposition und der Regierung war diesmal weniger heftig als bei der letzten Debatte. Die der Kammerdebatte vorangegangenen Ereignisse haben den Sieg der Regierung in hohem Maße erleichtert. Der radikalsozialistische Klub lehnte den Antrag ab, die Klubmitglieder disziplinarisch zu einer obligatorischen Abstimmung zu verpflichten. Zahlreiche Radikale erklärten, daß sie aus wahltaktischen Gründen den Sturz der Regierung. in einer untergeordneten Frage nicht herbeiführen wollen. PariS.(Tsch. P.-B.) In den Couloirs verlautet, daß Staatsminister Herriot alle radi kalen Minister des Kabinetts(im ganzen sechs) zu einer Beratung zu sich eingeladen habe. Es wird behauptet, daß Herriot a«S der Regierung austreten will, doch werde er alle seine radikalen Ministerkollegen ersuchen, ihre Aemter in der Regierung Laval beizubehalten. Zahlreiche Führer der radikalen Partei dringen, wie es heißt, in Herriot, daß er für den Fall, daß er nicht Mitglied deS Kabinette- sein wird, seine Demission als Parteivorfitzender widerrufe und weiterhin Borfitzender der radikalen Partei bleibe. Ole Internationale berät* Paris. In Paris traten Mittwoch die Vorstände der Sozialistischen Arbeiter-Internationale und der Gewerkschafts-Internationale zu einer Besprechung zusammen. Donnerstag.hielten d>e beiden Internationalen eine gemeinsame Sitzung ab, in welcher sie hauptsächlich Wer das Verhältnis zum italienisch-abessinischen Konflikt berieten, — Das Präsidium des J.G.B. wird hauptsächlich Vorbereitungen für den heuer in London zusam» mentreteWen internationalen Allgewerkschaftlichrn Kongreß treffen. Oer abessinische Kronprinz auf einer Inspektionsreise an der Nordfront Bor kurzem unternahm der abessinische Kronprinz eine Besichtigungsreise in den Stellungen der abessinischen Nordfront. Unser Bild zeigt ihn auf einem prächtig gezäumten Pferd während seiner Besichtigung-reife. Geburtstagfeier Im Dritten Reich Aus Berlin meldet man dieser Tage, daß Hit- lerS intimster Mitarbester und Reichstagsbrand, ftifter Göring, seinen dreiundvierzigsten Geburtstag gefeiert habe.. Bei welchen Formen und mit welchen Mitteln, darüber lassen wir am besten einen Bericht der„News Chronicle", der im bürgerlichen„Prager Lagblatt"«schien, er- zählen. Er heißt da: „Gör'mgS Grburt-tagSmahl.„News Chro- nicle" läßt sich aus Berlin melden. General Gö- riyg feierte vor zwei Tagen seinen dreiundvierzigsten Geburtstag mit dem größten Festmahl seiner Leben-— einen Ball in der Staatlichen Oper, der bis vier Uhr früh dauerte und der in seiner Pracht die Tage des deutschen Kaiserreiches wachrief. Es waren 2100 Gäste gekommen und die meisten von ihnen hatten ihre Eintrittskarte mit ’-BO Mark'(450 XL) bezahlt. Niemand durfte einS> Karte kaufen, der nicht persönlich dem Generäl Goring bekannt war und der nicht von ihm besonders eingeladen wär. Hitler und der Propa-! ganbaminister Goebbels waren nicht anwesend. DaS Opernhaus war einige Tage vor dem Fest geschlossen worden, da große Jnnenarbeiten und die Umwandlung in einen großen Ballsaal durchgeführt werden mußten. In den Ecken spielten Leuchtbrunnen, Blumenarrangements standen zu Hunderten im Saal verstreut. Meilen von Seide und Silbersamt zierten di« Wände, die Ballone und dir Decke. Der Kronprinz erschien in seiner Galauniform der Totenkopfhusaren, ebenso war Prinz Auwi in SA-Uniform anwesend. In einer anderen Loge saß der Exkönig von Bulgarien, Ferdinand. In Görings Loge saßen die Tochter des Königs von Italien, Mafalda, und ihr Gatte, der Herzog von Hessen. Es wurden mehrere tausend Flaschen Champagner zum Preis von 15 Mark j- pro Flasche verkauft. Ein kaltes Fleischgericht kostete drei bis sieben Mark. Der englische Botschafter Sir Eric Phipps und fast alle diplomatischen Vertreter waren erschienen. Es war seit dem Sturz des Kaiserreiches die größte gesellschaftliche Prunkfeier." 50 Mark Eintritt, Champagner die Flasche zu 15 Mark, ein belegtes Brot für sieben Mark, Leuchtbrunnen, Meilen von Samt und Seide, Hunderte Blumenarrangements und 2100 Gäste, das find die Merkmale einer Geburtstagsfeier der Führer im Dritten Reich. Bonzen im Speck! Aber das war früher! Genosse Laurenz Genner, von dessen Selbstmordversuch wir gestern berichteten, ist ein Wald- viertler. Er ist in den ärmlichsten Verhältnissen ausgewachsen. Seine hohe Intelligenz weckte in dem Ortspfarrer den Wunsch, aus dem kleinen Lenzl einen Geistlichen zu machen. So kam er aufs Gymnasium nach Wien, mußte sich aber seinen Lebensunterhalt zum größten Teil selbst, durch Stundengeben, verdienen. Einige Einsendungen an die„Arbeiter-Zeitung", zu der es ihn viel stärker zog als zum Geistlichenberuf, machten Max Winter auf ihn aufmerksam und so kam Genner in daS schöne HauS an der Rechten Wienzeile. Er arbeitete noch an der kleinen„A. Z. am Abend" mit und dann in den ersten Nach- kriegSjahren an dem großen„Abendblatt der Arbeiter-Zeitung". Die Hungerjahre seiner Jugend und seine hochaufgeschossene schmale Gestalt machten ihn recht anfällig für Luitgenleiden. In den letzten Jahren redigierte er einige niederösterreichische Provinzblätter der Partei. Die Unterdrückung unserer Bewegung in Oesterreich hat ihn um die Existenz gebracht. Im vorigen Jahr schrieb-r einem Freund«, wenn eS ihm auch weiter nicht gelinge, den Lebensunterhalt für seine Frau und sich zu erwerben, so werde ihm nichtanderes als der Selbstmord Wrig bleiben. Ein Kind verbrennt. Die Frau des Beamten Kostohrys in Prag-Liaben mußte, um eine Besorgung erledigen zu können, ihren zweijäh» rigen Knaben kurze Zeit allein in der Wohnung lassen. Während ihrer Abwesenheit näherte sich das Kind dem Ofen, seine Kleider wurden von herausschlagendem Feuer erfaßt und als die Mutter zurückkehrte^ fand sie ihren Jungen in Flammen gehüllt mit schweren Brandwunden auf. Das Kind starb trok sofortiger Hilfe. Ein Fabrikant von Einbrecherwerkzeng wurde von der Prager Polizei mit Hilfe der Gendarmerie bei Jirny verhaftet. Es ist der 44 Iahte alte Schmied Oskar D u ch a n, welcher die Prager Unterwett mtt dem modernsten Werkzeug für ihr« Tätigkeit.versorgte. 12.800 Kilometer Aktionsradius. Der »Daily Telegraph" will erfahren haben, daß der neue Bomber des englischen Typs»Vickers» Wellesley" mit einer einzigen Benzinladung jede europäische Hauptstadt mit großer Geschwindigkeit erreichen und wieder zu seinem Ausgangspunkt-zurückkehrrn. könne. Da daS neue Flug-. -zeug, ohne Zwischenlandung 12.800 Kilometer zurücklegen kann, sei es in der Lage, den Langstreckenrekord wieder für England zu gewinnen. Lawine begräbt einen Zug. Wie aus Sgcra- mento in Kalifornien gemeldet wird, wurde ein Personenzug bei der Einfahrt in den Bahnhof von Eder von einer gewaltigen Schneelawine be- graben. Die Zahl der verschütteten Personen ist bisher nicht bekannt. Aerzte, Krankenschwestern und Ambulanzabteilungen sind nach dem Unfalls-- ort unterwegs.* Justiz wie im Schundroman! Aus Trenton wird gemeldet: Während die Anwälte Hauptmanns in Washington zum zweiten Male einen Begnadigungsantrag an das BundeSobergericht eingereicht HWen, verdichten sich die Gerüchte immer mehr, daß Gouverneur Hoffmann dr,° schriftliche Geständnis eines unge- na nuten Mannes(I) in Händen habe, der angebllch an der Ermordung des Lindbcrgh- KindeS beteiligt gewesen sei. Die Gerüchte wurden von den Anwälten Hauptmanns entschieden dementiert; es ist aber bekannt geworden, daß der Gouverneur in der Nacht zum Donnerstäg in einem New Uorker Hotel eine geheime Besprechung mit dem Chef der Bundesgeheimpolizei Edgar Hogver hatte. Hoover hatte vorher Unterredungen mit dem New Aorker Bü> hermeister Laguardia, dem New Docker Polizeipräsidenten Valentine und dem Obersten Schwarzkopf von der New Dorker Polizei. Vom Saulus zum PauluS geworden ist der hohe schottische Geistliche Reverend H. S. Mac C l e l l am d in Glasgow. Er hat soeben dem „DailyHerald" folgende Erllärung zur Veröffentlichung Wergeben:!„Ich bin nicht länger Hit- lerianer. Ich habe erkannt, daß daS Nazitum die Unterdrückung alles dessen bedeutet, was wir Christen unter Brüderlichkeit und Kameradschaft verstehen. Bor zwei Jahren fuhr ich nach Berlin, wo ich bei einem hohen Nazi vorsprach. Dieser zeigte mir Briefe von Juden in Deutschland, um Greuelberichte zu widerlegen. Die Erfahrungen der zwei Jahre seither haben mich überzeugt, daß ich geirrt habe und daß ich durch diese Briefe getäuscht worden bin, die entweder mtt dem vorgehaltenen Revolver erpreßt worden siW oder gefälscht waren. Ich habt meine lüdi- schen Freunde um Verzeihung gebeten wegen des Fehlers, den ich begangen habe, als ich mithalf, den Eindruck zu erwecken, daß die Berichte über Greueltaten der Nazis unwahr gewesen waren." Chicago in PariS. Die Räuber, die vor den Feiertagen in Paris einige Gangsterhandlungen nach amerikanischem Muster vollführt hatten, haben zwei neue Stückchen auSgeführt, die allgemeine Erregung hervorgerufen. haben. Auf dem lebhaften'Saint Germain-Boulevard er- Aufschub für Hauptmann Drei Tage oder drei Monate? Trenton(New Jersey). Gouverneur Hoffmann gewährte Hauptmann einen dreitägigen Strafaufschub. * Trenton.(Reuter.T w$5er Aufschub der Hinrichtung Hauptmann- um 30 Tage(?), welche der Gouverneur des Staates New Jersey Hoffmann dem Verurteilten gewährt hat, bedeutet, daß Hauptmann nicht vor Ablauf von mindestens drei Monaten hingerichtrt werden kann, denn nach dem Ablauf der Frist von 30 Tagen muß er neuerlich abgeurteilt werden, was mindestens weitere zwei Monate in Anspruch nehmen wird. schienen fünf bewaffnete Banditen mit Revolvern in der Hand in einer Bankfiliale und entwendeten aus der Kassa 200.000 Franken in barem, die sie vor den Augen des Beamten untereinander verteilten, worauf sie flüchteten. Kurz darauf drangen in der Blomet-Straße im 15. Bezirk vier junge Leute in die Wohnung eines reichen Architekten ein, die sie ausrautzLN.- wollten. Sie betäWten den Architekten, doch riefen die Nachbarn, durch den Lärm aufmerksam gemacht, die Polizei herbei und drei der Jünglinge konnten auf der Flucht ergriffen werden. Görings neuester Titel. Göring, dem es bekanntlich an Titeln ebenso mangelt, wie an Uniformen, hat sich nun eMich, wie der„Angriff" vom 10. Jänner meldet, einen neuen Titel errungen. Dieser neue Titel lautet:„Ehrenflugkapitän d e r L u f t h a n s a". Der„Angriff" schreibt leider noch nihts darüber, welche Uniform zu diesem Tttel angefertigt werden wird.( Internationales Denkmal der Polarforscher. Der Plan eines internationalen Denkmal-, da- zum Andenken an die Polarforscher aller Nationen in Bergen errichtet werden soll, ist soeben von einem Komitee angenommen worden. Auf einem sehr großen Sockel, der von Bronzen, die Renntiere und Polarhunde darstellen, umrahmt ist, werden die Statuen aller großen Polarforscher angeordnet ,ein. Sie werden wiederum die Vorläufer der Polarforschung umgeben, die aus einem gewalttgen Block herausgehauen sind. Dieser Teil des Denkmal- wird wie eine Eisbank wirken, aus der die reliefartigen Porträts hervorspringen. Abessinische Katzen. Soeben fand in Pari-, weil es anscheinend keine anderen Sorgen gibt, eine internationale Katzenausstellung statt, die sich außergewöhnlichen Besuches erstellte. DaS Publikum drängte sich vor allem, um zwei Katzen, die höchst aktuelle Namen trugen..Sft hießen^Woua und.^Ahoua und i stammten,aus dem zur Zeit, allen u>ertrauftn Aethio» pien. Sie erhielten'auch gemeinsam mildem goldäugigen Kater Woodrooff« Zeus den ersten Preis. Im llebrigen muß man bemerken, daß abessinische Katzen selbst in Abessinien sehr rar sind, und daß man auf sie wie auf anderes Edelwild Jagd macht. Trauung zu Dritt. Zu einem austegenden Vorfall kam es dieser Tage in einer Bukarester Kirche. Während der Trauung eines jungen Paares erschien plötzlich ein Mädchen und verlangte von dem Geistlichen, an Stelle der Braut verheiratet zu werden. Ehe man sie verhindern konnte, erzählte sie, daß der Bräuttgam zwei Jahre mit ihr gelebt hätte und Vater ihres Kinde- sei. Di« Zeremonie mußte unterbrochen werden und die legitime Braut verzichtet nun auf die Ehe, da ihr da- Vorleben ihre- Bräutigams nicht paßt. Liestrung von AnsrüstungSgegenständen für Probe-Gendarmen im Jahre 1936 schreibt im Em- vernehmen mit dem Innenministerium daS Handelsministerium im Amtsblatt der Tschechoflowakischen Republik vom 14. Jänner 1936 auS. Die Frist für die Einbringung der Offert« endet am 80. Jänner 1986. Ferner schreibt es auS dieLieferungvon Geweb st offen für Bettbestandteil«, von Roßhaar-Kopfpolstern, Decken und Eisenbetten für den Bedarf der Gendarmerie im Jahre 1986. Die Frist zur Einbringung der Offerte endet am 5. Feber 1936. Lieferungsbedingungen mil^Angebot- formularen sendet den Interessenten in beiden Fällen daS Oekonomat des Handelsministeriums über Ersuchen gegen eine Gebühr von 5 Xi pro Formular zu. Schon wieder Regm! Wahrscheinliche- Wetter am Freitag: Vorwiegend bis wechselnd bewölkt, Südostwind. In den Niederungen strichweise nebelig, verringerte Temperaturschwankung zwischen Tag und Nacht. Auf den Bergey Frostmilderung. Wetteraussichten für SamStag: Weiterer Temperaturanstieg. Unbeständig, strichweise etwas Regen. Vom Rundfunk empfehlenswertes aus deti Prouremmeai SamStag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 11: Salonorchesterkonzert, 12.10: Opernarien, 12.85: Aus der Jankovec»Operette„Der Kuckuck" 13.40: Schallplatten: Weber, 15: Klavierkonzert, 15.20: 2. und 8. Akt au-„Carmen", 16.50: Rundfunk für 'die Jugend, 17.25:„Berühmte Geiger auf Schallplatten, 17.50: Rundfunk für die Jugend, 17.55: Deutsche Sendung: Uebertragung aus der„Urania": Jugend spielt, für Jugend, 18.45: Deutsche Presse, 21.20: Orchesterkonzert, 22.15: Opernarien. Sender S: 7,30: Leichte Musik, 14.10: Deutsche Sendung: Chr. Sindrng zum 80. Geburt-tag, 14.50: Deutsche Presse, 18.: Opernszenen.—• Brünn 17.40: Deutsche Sendung:— Mährisch-Ostrau 17.80: Walzer von Strauß, 18: Männergesangs- kvnzert.— «r. 14 Freitag, 17. Jänner 1936 Seite 5 Rußland baut eine Hochseeflotte Marschall Tuchatschewski über die Kriegsbereitschaft der R. A. Moskau.(Taß.) In der Debatte zum einheitlichen Staatsetat sprach der stellvertretende Volkskommissar für Landesverteidigung, Sowjetmarschall Tuchatschewsti. Er verwies u. a. aus die im Fernen Osten seitens Japans sowie auf die im Westen von Deutschland drohende Gefahr. Diese Situation verlangte die ernste Revision aller Verteidigungsmaßnahmen. Der Grundsatz der notwendigen Bereitschaft zur völlig selbständigen Verteidigung an beiden Fronten bleibp in Kraft. Bis zum Jahre 1936 besah Sowjetruhland 74 Prozent territorialer Divisionen und nur 26 Prozent Kaderdivisionen. Zwecks Verstärkung der ständigen Kampfbereitschaft der Armee oder mit anderen Worten zwecks Erhöhung der MobilisationSbe« r e i t s ch a f t der Armee zur Abwehr plötzlicher Ueberfälle wurde die Rote Armee in dem Sinne umorganisiert, dah jetzt 77 Prozent Ka- derdi Visionen und nur 23 Prozent territorialer Divisionen zur Verfügung stehen, wo-, bei der Personalstand der Kaderdivisionen dem Kriegsfuß angenähert wurde. Die Entwicklung auf Grund dieser Prinzipien sei allerdings sehr kostspielig. Auf Verlangen der Regierung könne die Rote Armee in jeden beliebigen Augenblick an den Ost- und an den Westgrenzen der Sowjetunion dem Feinde eine immer bereite bewaffnete Macht entgegenstellen. Auf die Flotte übergehend, erklärte Marschall Tuchatschewski u. a.: Die Sowjetunion baut eine starke Hochseeflotte, dabei vor allem ihre Bemühungen auf die Verstärkung der Unterseeboot-Flotte richtend. Alle bftefe Maßnahmen zur Landesverteidigung hatten die unvermeidliche Vergröherung aller bewaffneten Kräfte zur Folge. Im Jahre 1936 stieg die zählenmähige Stärke der Roten Armee auf 1,300.000 Mann an. Die Rote Armee verfügt über 13 Kriegsakademien verschiedener Art und sechs Militärfakultäten an Zivilhochschulen. Allein an den Kriegsakademien studieren mehr als 16.000 Hörer. Bedeutend entfaltet sich auch das Netz der Flughäfen, Schieß» stände und-Uebungsfelder zur Erhöhung der Truppenausbildung. Abschliehend konstatierte Marschall Tuchatschewski, dah die Qualität der gesamten Tätigkeit der Roten Armee sich von Jahr zu Jahr verbessere und dah ein ständiger Kampf um die Ausmerzung aller Mängel geführt werde. Zeitung und Verbrechen. Es gibt kaum eine französische Zeitung, die täglich nicht mindestens ein Verbrechen in großer und sensationeller Aufmachung auf der ersten Seite bringt, und man kann sehr oft in den Boulevard-Blättern grauenhafte Polizeiphotographien finden. Ueber die Zweckmähigkeit einer so ausführlichen Berichterstattung gehen die Meinungen sehr auseinander. Man wendet, sicher msi Recht, ein, dah diese Berichte einen unheilvollen Einfluh, namentlich aus Jugendliche haben. So hat die Berichterstattung über die Marsailler Kindesentführung, die tagelang ganze Seiten der Presie füllte, schon zur Folge gehabt, dah ein vierzehnjähriger Junge sich als Kidnapper versucht hat. Andererseits aber wird argumensiert, dah in den wenigsten Fällest die Verbrecher als Helden auftreten, und dah die Darstellung ihrer Taten nur abschreckend wirken sann. Um diese Frage zu klären, hat jetzt die Zeitung„Figaro" eine Umfrage bei ihren Lesern veranstaltet, ob sie solche Berichte in aller Breite lesen wollen oder nicht. Man darf sehr gespannt sein auf,den Ausfall dieser Umfrage. Die rkvzenrn behalten ihre Röckchen. Die Restauration des hellenischen Königtums hat eine Frage entschieden, die nach der letzten griechischen Revolution eifrig diskutiert wurde." Die Evzonen, die griechische Gardetruppe, sind neben den Schotten tie einzigen Soldaten, die Röcke tragen. Es wurde seinerzeit gemeldet, dah die pittoreske, aber durchaus unpraktische Tracht aufgegeben werden soll. Bon dieser Absicht ist man jetzt endgültig abgekommen, und die Evzonen werden als Königsgarde in ihren schmucken Ballettröckchen weiterhin Dienst tun. Die Dick« und die Dürren. Bon jeher gelten dick« Leute als sanftmütig, während die Dürren im allgemeinen als bösartig angesehen werden. Nach der medizinischen Wissenschaft hat sich jetzt auch di« Jurisprudenz dieser Frage in Gestalt eines statistikbeflissenen New flotter Anwalts zugewandt, der genau die Boten von dicken und dürren Geschworenen feftgestellt hat. Seine Beobachtungen lassen keinen Zweifel über di« Richtigkeit der alten Erfahrung. Meistens haben die Dicken ein Herz für den Angeklagten und sind für weitestgehende Milde, während die Dürren sich als sehr streng erweisen. Der erstaunlichste Fall, den er berichtet, ist derjenige, dah zufällig in einem für seinen Mandanten völlig verzweifelten Fall alle Geschworenen sehr wohlbeleibte Herren waren, von denen niemand unter 90 Kilo wog. Und prompt wurde der Angeklagte zu der zulässigen Mindeststrafe verurteilt.>Die Gangster werden sich über diesen.strengwissenschaftlichen" Hinweis auf die Methoden, das Gericht zu beeinflussen, freuen. Sanatorium Südpol- Zum Andenken an den Südpolforscher Robert Scott, der mit dreien seiner Gefährten das Leben im Kampf mit der Antarktis lieh, besteht in Cambridge das Scott-Südpolfor- schungsinstitut. Sein Leiter, Professor Fvank De» bcnham, einer der Ueberlebenden der Scott-Expedition, hat in einer Unterhaltung mit dem naturwissenschaftlichen Mitarbeiter des Londoner»Daily Herald" folgendes geäußert: Das Südpolargebiet umfaßt mehr als acht Millionen Quadratkilometer. Unter dem 666 bi- 8300 Meter dicken Eis vermutet maN Oel- und Kohlelager, aber wenn sie auch nicht dort wär«, gibt eS doch jn der Antarktis ungeheuere Kraftquellen. Ueber das Ak^lieland braust unausgesetzt ein ungeheurer Luftstrom, der über einen Bergrücken mit einer vielfach größeren Wucht herab- srürzt als die stärksten Wasserfälle, die wir kennen. Die Möglichkeit zur Ausnutzung einer solchen Energie läge in gewaltigen Windmowren, aber man wird schon warte« müssen, bis die drahtlose Ueberinitt- lung der gewonnenen Kraft in die bewohnten Gekörte der Erde möglich sein wird. Wer heute schon find di« Polargegenden di« gesündesten Zonen auf unserem Planeten. Di« vollkommen keimfreie Luft gesellt sich zu der acht Monate währenden ultravioletten Sonnenstrahlung und beide? zusammen hat die senk« bar besten Wirkungen auf den menschlichen Organismus. Dir haben das selbst an unS im Hauptlager der Scott-Expeditton erfahren. Die Antarftis wird einmal das größte und beste Sanatorium der Welt sein. AuS unserer Forschungsanstalt geht eine Generation von Düdpolfahrern hervor. So manche sind schon mit grönländischen Fischdmnpfern hingefahren. Eine solch« Sommerreise kostet nur 50 Pfund und mehr als einer unserer Studenten'd nur leichter« Unfälle auf sein Konw zu setzen gewesen. Bei der Aufnahme der Personalien ftagt« ihn der Richter nach seiner Familie. Der Angellagt« antwortet« stolz: „Roosevelt".»Welcher Roosevelt?" wiederholte der Richter.„Au» der berühmten Dynastie, die noch immer herrscht,.aber aus einer Nebenlinie", antwortete der junge Cornelius. Millionäri» in Betrug-Verdacht. Bor kurzem erregte es in Jglau nicht geringer Auffehen, al» in einem Kaffeehaus«in eleganter Fremder verhaftet wurde, der sich polizeilich als Franz Fleischmann angemeldet hatte, in Wirklichkeit aber mit dem polnischen Staatsangehörigen Richard Welt identisch ist, der im Jahre 1932 für dauernd aus der Tschechoslowakei ausgewiesen wurde und der nachher wegen groher Betrügereien von mehreren Gerichten and Gendarmeriestationrn gesucht wurde. Welt, der perfekt mehrere Sprachen spricht, befaßte sich mit dem An- und Verkauf von Gütern und war in der internationalen Gesellschaft bekannt. Wie verlautet, soll es sich in dieser Affäre auch um Fälschungen alter Meistergemälde handeln. Eine Spur^ führte die Sicherheitsbehörde auf den Grundbesitz Stkpanov bei Chotkboi. Knapp vor ihrer Verhaftung wurde di« Pächterin de» Gutsbesitzes Fräulein Elvira Müller flüchtig. Sie wurde jedoch an der Grenze angehalten, verhaftet und nach Jglau gebracht, wo sie ebenso wie Welt der Haft eingelieftrt wurde. Wie weit die verhaftete Millionärin in die Affäre verstrickt ist, wird erst die Untersuchung demnächst klären. Neben Devisenschmuggel wird sie auch beschuldigt, Welt, als dessen Verhaftung bevorstand, mit ihrem Kraftwagen nach Deutschland gebracht zu haben. Vie Veit In 100 Jahren Ein utopischer Film von H. G. Wels Der neue grandiose Film von H. G.. Wells, dem bekannten englischen Schriftsteller, der die nächsten hundert Jahre behandelt, und an dem seit über einem Jahre fieberhaft gearbeitet wird, geht seiner Vollendung entgegen. H. G. Wells hat nicht nur das Szenario geschrieben, sondern auch dauernd selbst die Aufnahmen überwacht. Man hat bisher nur wenig« Aufnahmen aus diesem Film zu Gesicht bekommen, und erst jetzt erfährt man Nähere» über die Handlung. Sie beginnt im Jahre 1940 in einem Städtchen»Every- town", das heißt,»Ein« beliebige Stadt". Der Weltkrieg bricht au». Dieser Krieg dauert(und hierin unterscheidet sich H. G. Wells von allen übrigen Zukunstspropheten) nicht weniger als volle dreißig Jahre. Man erlebt, wie in diesen dreißig Jahren di« Stadt»Everytown" zerstört und wiederaufgebaut wird, wie eine Generation untergeht und eme neue hcrauskommt. Und nun kommt da» hochpolitische Mittelstück dieses grandiosen Filmversuch»: nach Abschluß des Kriege» reißt«in Dittator hie Macht an sich,«in grober und ungebildeter Gewaltmensch, der den Frieden zu einer anderen Art bei Krieges macht. Endlich wird„Everytown" von dieser Diktatur durch«inen Flieger befreit. Der drtite Teil zeigt„Everytown" im Jahr« 2087. Der Krieg ist vergessen, ebeno wie die Nach- kriegSdiktatur..Die Wissenschaft kann endlich allen da» tägliche Brot sicherstellen. ES gibt kein« ökonomischen Kämpfe mehr, sondern nur noch Ideenkämpfe. Da» Leben im vollen Bewußtsein der Freiheit d«S Individuum» ist nach vernünftigen Grundsätzen geordnet. Die Welt wird groß, sie wird zum Weltall, und die letzte Szene zeigt den triumphalen Abflug auf den Mond. Dieser Zukunft-Phantasie entsprechen phantastische Bauten, phantastische Moden, Menschen voller Phantasie und voll Geist. Di« Mitarbeiter von H. G. Wellt erklären bewundernd, daß dieser Film di« unerreichte Gestaltung der Hoffnungen einer ganzen Epoche ist. loMMl nid WM Kohlenwirtschaft 1935 Der Kohlenbergbau ist für die tschechoslowa- kische Wirtschaft von hoher Bedeutung. Er ernährt nach der letzten Bevölkerungs- und Berufszählung vom Jahre 1980 nicht nur unmittelbar mehr als 320.000 Menschen, sondern er versorgt alle Zweige unserer Wirtschaft mit dem unentbehrlichen Arstoff und stellt noch große Mengen für die Ausfuhr ftei. Welche Entwicklung hat die tschechoslowakische Kohlenwirtschast im vergangenen Jahr genommen? ES betrug die Förderung: Jänner bis Jänner bis November 1936 November 1934 in Millionen Tonnen Steinkohle 9.9 9.7 Braunkohle 18.8 13.9 Steinkohlenkoks 1.4 1.2 Während die Steinkohlenförderung und die Kokserzeugung 1986 etwas höher liegt als im Borjahre, hat die Braunkohlenförderung einen kleinen Rückgang erfahren. Der Inlandsverbrauch an Kohlen entwickelte sich folgendermaßen:\ Jänner bis Jänner bis November 1938 November 1934 Gesamter Jndustrie- verbrauch Heizkohlenverbrauch Gesamter Kohlenverbrauch im Staatsgebiet in.Millionen Tonnen 7.15 7.12 2.62 2.65 14.18 13.64 ES ist demnach der Kohlenverbrauch im Inland gegenüber der gleichen Borjahreszeit leicht gestiegen. Bei der Entwicklung des Heizkohlenherbrauchs, der ebenfalls eine leichte Erhöhung aufweist, muß berücksichtigt werden, daß er in den Krisenjahren eine ganz beträchtliche Verminderung erfahren hatte. Im Außenhandel präsentiert sich die Kohle mit folgenden Posten: Einfuhr Ausfuhr Jänner bis November Jänner bi» November 1938 in Millionen XL Tonnen 190.7 1.37 36.8.4 8.13 1934 in Millionen K6 Tonnen 196.3 1-.34 411.3 3.39 Die Kohleneinfuhr ist mengenmäßig leicht gestiegen, wertmäßig jedoch zurückgegangen. Die Kohlenausfuhr ist in den ersten eis Monaten 1933 um beinahe 260.000 Tonnen geringer als im Vorjahre. Dem Werte nach ist die Abnahme sogar höher als 10 Prozent. Di« Steinkohlenvorräte haben sich im November 1936 gegen den gleichen Bor« jahreSmonat von 487.000 Tonnen auf 461.000 Ton. erhöht, während die Borräte an Braunkohle von 660.000 auf 696.000 Tonnen in der gleichen Zeit zurückgegangen sind. Auch die KokS- vorräte sind mit 203.000 Tonnen um 20.000 geringer. Die Beschäftigung im Kohlenbergbau war im Jahre 1935 nur wenig geringer als im. Jahre vorher. Gleichzeitig ist auch die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen etwas niedriger; sie' schwankt zwischen 18.000 und 14.000. Daß eS zu keiner größeren Abnahme der Beschäftigten gekommen ist. ist dem Prager Abkommen zu verdanken, daS Massenentlaffungen unmöglich macht. Das außerordentlich niedrige Einkommen der Bergarbeiter hat 1935 keine Erhöhung erfahren. ES wird im Gegenteil durch die zahlreichen Feierschichten weiter stark herabgedrückt. Einen güten Ausgang nahm dqs Lahr 1935 insofern, als es den Bergarbeitern noch die S a- nierung der Bruderladen brachte und die Union der Bergarbeiter neue gewerkschaftliche Kämpfer gewinnen ließ. ' Bauernregeln und Wissenschaft Dr. Hermann Kaserer, Professor an der Hochschule für Bodenkultur in Wien, hat in seiner Abhandlung„Bauernregeln und Lostage in kritischer Betrachtung" festgestellt, daß es neben den Bauernregeln, die sinnlos sind oder unS sinnlos erscheinen, auch viele solche gibt, die einen richtigen Kern haben. Gar zu streng darf man freilich auch die sinnlos erscheinenden Bauernregeln nicht beurteilen, denn manche darunter sind nichts anderes als Offenbarungen bäuerlichen HumorS: Erzeugnisse bäuerlicher Spaßmacher, die nicht lehren, sondern unterhalten und vielleicht auch die Leute, die die Bauernregeln allzu wörtlich nehmen, ein wenig verspotten wollten. Alle jene Bauernregeln, die betonen, daß ein klarer, mäßig kalter, an Schnee nicht mangelnder Winter die Vorbedingungen für eine gute Ernte schaffen, betrachtet'Professor Kaserer als. solche, die«inen richtigen Kern haben: Zum Äeispiel folgende:„Januar warm— daß Gatt erbarm".—„Januar muß vor Kälte knacken — wenn die Ernt« gut soll sacken".—„Jänner je kälter und heller— Scheuer und Faß desto Völler" Diese und noch viele andere Bauernregeln weisen aber eher darauf hin, daß nicht ein mäßig kalter, sondern ein recht strenger Winter das ist, was die„Dichter" der Bauernregeln ersehnen. Und diese Sehnsucht ist taffächlich in vollem Einflange mit den Tatsachen der" Erfahrung und mit den Forschungsergebnissen der Wissenschaft, jedenfalls ist der Wunsch nach einem kalten'und schneereichen Winter in den Bauernregeln allgemein. Hier eine Auswahl: Kalter Dezember mit Schnee, Gibt reichlich Korn auf der Höh'. Kalter Dezember und frostreich Jahr Sind vereinigt immerdar. Auf kaltem Dezember mit tüchtigem Schnee, Folgt ein fruchtbare» Jahr Mit reichlichem Klee. Grüner Chrifttag, Ostern weiß, Macht zunichte deS Bauern Fleiß. Tanzen im Januar die Mucken, Muß der Bauer nach dem Futter gucken. Im Januar viel Regen, viel Schnee, Tut Bergen, Tälern und Bäumen weh. Im, Januar viel Regen, Tut dem Land« kein Segen. Ist im Jänn« dick das Eis, Gibt im Mai ein üppig Reis. Jayuar muß krachen, Söll der Frühling lächen. Ein Januar wie März, Ist dem Bauer ein schlechter Scherz. Januar hart und rauh Nützet dem Getreidebau. Friert es nicht im Hornung(Februar) ein Wird ein schlechte» Kornjahr sein. Warum bedeutet der Frost Segen für die Aecker? Weil-r imstande ist: bei der Herstellung jenes Zustandes des Bodens hilfreich mitzuwirken, den man Lodengare zu nennen pflegt und die da» Ziel jeder Bodenbearbeitung ist. Durch die Einwirkung des Winterfrostes zerfallen die Schollen und der Boden erhält so die gewünschte Krümelstruktur. Besonders gute Dienste leistet der Winterftost auf Tonboden, die gegen die besten Bodenbearbeitungsgeräte ost einen sehr harten Widerstand leisten. Der Winterfrost bricht aber diesen Widerstand und macht di« Schollen zu dem, wa» sie sein sollen, um ihren Daseinszweck zu erfüllen. Die wirtschaftlich« Bedeutung der Frostgare ist sehr groß. Der bekannte deutsche Forscher Roemer rechnet daher auch die Nutzbarmachung der Frostgare zu den größten Fortschritten auf dem Gebiete der Landwirtschaft, die Deutschland in den letzten Jahrzehnten erzielt hat. Unschätzbar ist, nach seiüer Meinung, die Frostwirkung auf schweren Böden. Die Nutzbarmachung des Froste», erfolgt so, daß man den Boden, der im Frühjahr bestellt werden soll, schon im Herbst pflügt, um die vom Pflug aufgewühlten Boden» schickten so gründlich wie nur möglich der Frostwirkung auszusetzen. Die europäischen Rekordernten de» Jahres 1929, die einem außergewöhnlich strengem und langem Winter folgten, zeigen genau, daß eS sich da nicht nur um einen Wunsch- iraum gelehrter Theoretiker und bäuerlicher Rciinsckmiede handelt. ES erscheint unS selbstverständlich, daß die Bauernregeln den al» Wohltäter der Aeckern allgemein anerkannten Schnee al» solchen gelten lassen. Auch von Schnee ist aber allzuviel ungesund. Damit seine Wohltat nicht zur Plage wird, darf er nicht lange liegen bleiben. Ist die Zeit da, dann mutz er den Platz für, den Frühling räumen. Er hat feine Schuldigkeit getan, er kann gehen. Dieser Meinung sind auch viele Bauernregeln, wie zum Beispiel diese: Wärzenschnke Tut dem Bauettt weh. Märzenschnee V Tut Frucht und Weinstock weh. Langer Schnee im März Bricht dem Korn da» Herz. Diese Gedanken stehen, nach Meinung von Professor Kaserer, au» verschiedenen Ursachen in vollem Einklänge mit den physiologischen Anforderungen der Kulturpflanzen. Dafür gibt es aber auch eine viel näherliegende Ursache. Bleibt der Schnee zu lange liegen, dann hindert er die Bestellungsarbeiten im Frühjahr. Schon dies genügt, um zu, verstehen, warum dem Bauer der Märzschnee wehtut. In Rußland bemüht man sich heutzutage, den lästigen Märzschnee vom Flugzeug aus zu bekämpfen. Das Moskauer Jnstttut für laüd- wirtschastliches Flugwesen hat bereitc drei verschiedene Verfahren des künstlichen Schneeschmelzens geprüft. Besonder» erfolgreich erwies sich da» Bestreuen-der Schneeflächen mit Holzkohle oder Asche.' Nicht weniger als zehn Tage hat man dadurch im vergangenen Jahre für die Frühjahrsbestellung gewonnen. Je Hektar wurden Vierhundert Kilogramm Holzkohle oder achthundert.Kilogramm Asche gestreut. Da» rechtzeitig« Verschwinden de» Schnees kommt fteilich auch den physioscgjschen Bedürfnissen der Pflanzen zugute. Wissenschaft sind Technik werden schon dafür sorgen, daß der Märzenschnee dem Bauer Nicht wehe tut. Dr. I. R. Srite 6 »Sozialdemokrat" Freitag, 17. Jänner 1936. Nr. 14 Präsident Masarhk besuchte Donnerstag Prag und verblieb zum Mittagessen heim Präsidenten der Republik Dr. Eduard Benes auf der Prager Burg. Dir BolkS- und Universitätsbibliothek in Prag teilt mit, daß ihre neuen Telephonnummern lauten: 34.546-49, nach den Amtsstunden Portier 34.545. Zwei brennrndr Autos in der Garage. Gestern nachmittags füllte der Chauffeur Jaroslav Crha aus Prag IV. aus einer Blechkanne Benzin in ein Lastauto in seiner Hloubiitiner Garage, wobei vom Akkumulator«in Funke übersprang und das Benzin in Flammen setzte. Das Lastauw wurde sofort vom Feuer ergriffen und zerstört; ein daneben stehendes Personenauto geriet ebenfalls in Brand, doch war hier nur das Dach verbrannt, ehe die Feuerwehr eintraf. Der Chauffeur selbst hat Verbrennungen an der linken Hand erlitten. Petroleum statt Wei« gestohlen. Zwei bekannte Verandadieb«, der 19jährige, wohnungslose Schlosserlehrling Adalbert Heyduk und der 33jährige, Anton Navratil, die gestern verhaftet wurden, hatten ihre Spur durch eine weggeworf«ne Petroleumflasche verraten, di« sie irrtümlich für Wein gehalten hatten. Sot.übrigen wurden ihnen acht, von Ende Dezember bis Anfang Jänner verübte Verandadiebstähle, hauptsächlich in Zijjkov, nachgewiesen, bei jedem von welchen sie einen Schaden von etwa 1090 Kd angerichtet hatten; gestohlen wurden Herrenwäsche. Bücher, Lebensmittel, ein gebratener Hase etc. Job getrunken. Gestern nachmittags versuchte in Brsovice der 22jährige Schneider Alois Noväk aus Michle Selbstmord zu begehen, indem er eine Flasche Jodtinktur auStrank. Er wurde bewußtlos von Passanten aufgefunden, die ihn von der Ret» tungsstatwn auf die Klinik Pelnäi bringen ließen. Das Motiv seiner Tat ist unbekannt. AusflugSzüge der StaatSbahnen mit vollständiger Verpflegung in den Tage« vom 31. Jänner bis 3. Feber in die Beskiden Kd 245.—, ins Adlergebirge Kd 180.—; vom 8. bis 16. Feber in die Hohe Tatra Kd 560.—; vom 15. bis 23. Feber nach Spindlermühle Kd 370.—; am 18. und 19. Jänner ins Riesengebirge Kd 75.—, auf die Sokolbaude Kd 90.—(Rotorsonderzug). Anmeldungen und Angaben im Referat'für Ausflugszüge, Basar neben dem Wilsonbahnhof, Telephon 38.335. Das Unglück auf der Hlavkabrücke Prag. In der Nacht auf den 22. Juni kehrte, kurz'vor Mitternacht, die fünfte Kompagnie des in Karolinenthal garnifonierenden Genieregimentes von einer NachkWtmg auf thr'ein zwischen dem Baumgarten und Trsfa gelegenen Uebungsgelände in die Kaserne zurück. Die Marschkolonne passierte eben den Brückenkopf der Hlavka^ücke beim DeniSbahn- Hof, als ein in der gleichen Richtung fahrendes Personenauw der Diarke.Tatra" sich, anschickte, die marschierende Truppe zu überholen. Der Wagen, gelenkt von dem 20jähriaen Rechtshörtr .Georg Bi z e k, fuhr nach Angabe der Augenzeugen mit 35 bis 40 Stundenkilometern. Die Stelle war gut erleuchtet und keinerlei Fahrthindernis vorhanden. Als der Wagen der letzten Dreierreihe der Marschkolonne vorgefahren war, fuhr er plötzlich aus unbekannten Gründen aus seiner Fahrtrichtung«chars nach lircks mitten in die«Marschierenden Soldaten hinein. Die Folgen waren sehr schwer. Der Soldat Rudolf Damm blieb mrt Schädelbruch tot am Platze. Zwei weiwre Soldaten, Rudolf B a ü ä s e k und Karl S p a d o n a, erlitten schwere Verletzungen, drei wurden leicht verletzt. MtlM Der Lenker des Wagens hatte sich Donnerstag vor dem Autosenat Sykora wegen des Vergehens der fahrlässigen schweren Körperverletzung zu verantworten. Er versuchte den Unfall mit einem Versagen der Steuerung'zu erklären, welche Verteidigung aber durch das Gutachten der Sachverständigen widerlegt ist, die die Maschine in bester Ordnung fanden. Alkoholisiert war der Angeklagte nicht. Er kam sehr glimpflich davon, denn das Urteil lautete auf dreiMonate Arrest bedingt.' Die Sache bat natürlich ein Nachspiel vor dem Zivilgericht, vor welchem die Verletzten bzw. die Hinterbliebenen des Toten ihre Schadenersatzansprüche geltend machen. rb. Bankier als Wilddieb und Gewalttäter Prag. Prozesse gegen Wilddiebe find in unseren Gegenden selten. Ganz vereinzelt dürfte ter Fall dastehen, daß sich ein festgenommener Wilderer als Inhaber eines Bankgeschäftes entpuppt. Donnerstag stand vor dem Straffenat Rose! der hiesige Bankhausbefitzer Cenkk S h k o r a unter Anklage der Uebertretung des Diebstahls(dknn als solcher gelangt Wilderei zur Aburteilung) und des Verbrechens der öffentlichen Gewalt« tätigteti Am 3. März v. I. wurde der staatliche Oberheger Vojtech C e r m ä t und die Heget Krop und Konöpäsek bei nächtlichem Streifgang im staatlichen Revier M h t o bei Kaffee durch mehrere Schüsse alarmiert. Es gelang ihnen, drei Männer zu stellen, von denen zwei unerkannt entkamen, während der dritte festgenommen werden konnte. Zum Erstaunen der Forftangeftellten legitimierte er fich als Bankier Sykora. Als man ihn abführte, riß er sich beim Ueberschreiten eines steilen Bachbettes los, versetzte dem Oberheger Cermak e fiten Fausthieb ins Gesicht, so daß Cermak in. den Bach kollerte, und lief davon. Der.romantische" Zwischenfall kam dem Herrn Bankier teuer zu stehen. Das Gericht verurteilte ihn zu vier Monaten Kerker, und zwar unbedingt. rb. Unappetitliebe Nachklänge zu einer „Sportsensation“ Prag. Am 6. September gab es in Prag eine „Sport"-Sensation, nämlich den Boxkampf um die Weltmeisterschaft im Weltergewicht zwischen dem tschechoslowakischen Meister H r a b ä k und dem Inhaber des Weltmeistertitels, dem Reichsdeutschen Eder, die mit der Niederlage Hrabäks'endete. Es ist noch in frischer Erinnerung, daß dieses.sportliche" Ereignis mit allerhand unschönen Auseinandersetzungen um unbezahlte Rechnungen abschloß, die der Weltmeister hinterlassen hatte, der schließlich erst nach mancherlei Schwierigkeiten in das Dritte Reich heimkehren konnte. Donnerstag wurde vor dem Strafbezirk?! g e r i ch t die Verhandlung über eine Angelegenheit eröffnet, die gleichfalls mit diesem ruhmreichen Kampf um den Weltmeistertitel verknüpft ist und keineswegs appetitlicher anmutet als die übrigen Affären um diese Sportsensation. Der Boxkampf endete nämlich mit einer Sauferei größten Formate sim Tabarin.Corso" auf den Weinbergen, dessen Inhaber, Tlapal, gleichzeittg Kasfier der.Boxerunion" ist. Der Wein floß in Strömen und die Gesellschaft war in gehobenster Stimmung. U. a. war auch der gewesene Baron Artur 2an< kisch-Hoernitz, der sich dem deutschen Boxmei- ster bei dessen Prager Aufenthalt aufs engste angeschlossen hatte. Die Zeche betrug nicht weniger als 1600 Kd und als der fröhliche Abend zu Ende ging, zeigte sich, daß keinerderFestgästebereit war, die Zeche zu bezahlen. Es wirst ein merkwürdiges Licht auf die.spartanische" Lebens- baltung des BoxmeisterS Eder, wenn dieser nach Bekundung des Hauptbeteiligten an jenem Abend gemeinsam mit seinem Manager BleSgen für 8 70 Kd Wein und noch stärkere Ge- rrämke vertilgt hat! Die unbezahlte Zeche führte nun zu weiteren Komplikationen. Der Besitzer des.Corso" ist,>-ie erwähnt. Kassier der Boxerunion, ehemaliger Boxer und Ringrichter. Von ihm als Kollegen lieh sich der Manager Blesgen 2000 Kd aus, da das Honorar für den Boxkampf noch nicht liquidiert war, Eder aber Geld zur Heimreise brauchte. Da die Banken schon geschlossen waren, lieh sich Tlapak, der nicht genug Geld zur Hand hatte, den Betrag wieder von Herrn Lankisch-Hoernitz aus, dem er auch einen Schuldschein ausstellte. ÄlS Lankisch dann erschien, um daS Darlehen einzukassieren, war Tlapak nicht anwesend, hatte aber die 2000 Kd bei dem Zählkellner hinterlassen. Dieser präsentierte nun aber Herrn Lankisch dje Rechnung über jenen stöhlichen Abend und folgte ihm nach Abzug von 1600 Kd nur 400 Kd aus, mit der Erklärung, daß Larckisch für die unbezahlte Zeche hafte. Herr Lankisch-Hoernitz erstattete hierauf gegen Tlapak die Strafanzeige wegen H-1» auslock« nq von 1600 Kd, so daß nun daS Strafbezirksgericht mit dieser Sache befaßt ist. Die Verhandlung wurde vertagt. rb. Kintgerfreunde Prag Montag, den 20. Jänners im Parteihrim, Närodni tk. 4, Elternabend Wir führe« den Filmstreifen„Rote Falken ans AnSlandSfahrt" vor und berichten über das Winterlager 193536. Beginn 3 Uhr. Eintritt stet. * Sonntag, den 19. Jänner, ebenfalls im Partriheim Klneleraaclamlttas mit ähnlichem Programm. Begin» halb 4 Uhr. Tie Atus-Kinder und Freunde der Bewegung find herzlichst ringeladen. ; Nmst mut Msssn. Siebente Arbeiter-Lorstellung, Sonntag, den 2. Feber 1936:.Eine Nacht in Venedig", Operette in drei Akten von Zell und Genre, Musik von Johann Strauß. Der allgemeine Vorverkauf beginnt Dienstag, den 21. Jänner, bei Opttker Deutsch, Graben, Koruna. Spirlplan des Neuen Deutschen Theaters. Heute, Freitag 8 Uhr: Wallenstein, D 2. — Samstag hast, 8 Uhr: Derjunge Herr R e n e, Erstaufführung, C 2.—.. Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag 8: D i e Dame mit den Türkisen. Theaterge- metnde des Kulturverbandes und steter Verkauf.— Samstag 8^ Die Dame mit den Türkisen.— Veremsnackrickten, ® Ortsgruppe Prag. Unsere neue Hütte im Brdy-Wald ist während des ganzen Jahres jeden Samstag-Sonntag unter Aufsicht geöffnet. Wir ersuchen die Mitglieder, die übernachten wollen, fich immer am Freitag in der Geschäftsstelle, Telephon-Nr. 48369, anzumelden, damit für eine Uebernachtung garantiert und eine gemeinsame verbilligte Autobusfahrt■ vereinbart werden kann.— Am Samstag, den 25. Jänner, Turnvereinsball .Fahrendes Bolt" in der.Malä Operetta", zu i em auch unsere Mitglieder herzlichst eingeladen sind. Ma» Roten Meer ("Schluß.) ,FLaibl"— das bedeutet„gut"— wendet fich der Matrose zu mir und mit einens Lächeln entblößt er seine weißen Zähne und zeigt auf die fertige Arbeit. ,Zaibl" antworte ich und/ reiche ihm eine Schachtel Zigaretten. Der junge Matrose legt zum Zeichen des Dankes seine Hand auf Herz und Sttrn, zieht aus der Schachtel eine Ziga'rette, die er in die Falten seiner Kopfbedeckung steckt, springt von einer Stufe auf die andere und verschwindet im Zwischendeck... Eineinhalb Tage leidet die ganze Dampfergesellschaft unter der unerträglichen Hitze: Europäer, Afrikaner, Asiaten, Affen, Kühe und Hühner. Der Kapitän beruhigt die Ungeduldigen:„Frühmorgens werden wir in Muffaua sein!" .,. Ich erwache bei Sonnenaufgang. Es ist nicht unser weicher, steudiger, sommerlicher Sonnenaufgang. Eigentlich gibt es hier keinen Sonnenauf« gang'. Nur' eine schwer erfaßbare kurze Grenze zwischen Nacht und Tag, den plötzlich erscheinenden prallen Strahlen der tropischen Sonne. Stille. Aus der Kabinenüflnung sieht man auf dem fernen Ufer eine lange Reihe noch'nicht auSgeschalleter elektrischer Laternen. Rote und grüne Signale verblassen im Hafeneingang. Große Schatten der Ozeandampfer wanken im Hintergrund des Hafens. Schnell kleide ich mich an und steige auf das Deck hinauf. Die grelle Sonne ergießt auf den Hafen und auf die entlang des glatten Kais liegende italienisch- »rabische Sradt ihre strahlende Hitze. Weiße, im maurischen Sttl gebaute Häuser mit breiten, bedeckten Terrassen recken ihre Fassaden auf den Kai. Rings in den Gärten safttgeS Grün der tropischen Pflanzen. Die ganze Stadt ist unter die flachen Dächer der hellweißen Häuser gepreßt. Auf dem Ufer kleine Gruppen dunkelfarbiger, halbnackter Eingeborener und in helles Leinen gekleidete Weiße mit Tropenhelmen auf den Köpfen. Bor mir ist Maffaua— vollendeter Typ einer gut eingerichteten Seeresidenz einer europäischen Kolonie in Afrika. Im Hafen ein dreistöckiger Dampfer. Zwei fleinere sind am Ufer veranstrt. Hie und da winken leise mit ihren großen dreieckigen Segeln einige Sambuki. Magere, halbnackte Bootsleute schwanken wie dunfle Flecken auf den Sambuki. DieSambuki-BootSleute: Araber, Somalier und Neger, durchqueren regelmäßig mit Waren das Rote Meer von Maffaua nach Hodejda und zurück. Jetzt warten sie auf neue Waren, um mit ihnen furchtlos den schweren Weg anzu treten. Der Dampfer ankert unwett deS UferS. Italienische Polizei und Hafenbeamte steigen mittels einer Strickleiter hinauf. Die gewöhnliche Prodezur der Paßkontrolle. JmpfungSzertifikate werden verlangt. Leute, die dieses Dokument nicht besitzen, wer-. den auf dem Dampfer vom Schiffsarzt geimpft. Ich steige in ein fleineS Boot und in fünf Minuten bin ich am Ufer. Beim Zollamt ein ernster Polizeibeamter barfuß. Ein hoher, roter Fez auf dem Kopfe,«ine Tunika und kurze Hosen, mit einem Bambusstock. So überwacht er die Ordnung. Ein Gruppe junger, schreiender, halbnackter Somalier, Kupfermedaillen der Träger auf der Brust, werfen sich auf meine zwei lleinen Koffer, die sie nach allen Seiten reißen. Für die Hafenarbeiter, diese halbnackten und hungrigen Proletarier, ist jeder Reisende eine Bei« dienstquelle. Das tradittonelle Bakschisch ist der »rechtmäßigste" Tribut, den jeder Europäer, der den afrikanischen oder arabischen Boden betritt, zu zahlen hat. Der Polizeibeamte schreit mit seiner Gurgelstimme den Trägern etwas zu, sie lassen meine Koffer und stellen sich abseits, ihre Unzufriedenheit gegenüber dem Polizeibeamten laut bekundend. Sieben Uhr morgens. Das Zollamt wird um acht geöffnet. Ich überlasse mein Gepäck einem Träger und schlendre den Kai entlang, an Gebäuden, Lagern, Läden, Anstalten, primttiven Geschäften, schmutzigen• Basars- vorbei. Ucberall leer und still. Die Stadt ist noch nicht auf der Straße. Hier herrscht ein besondere- Tempo. In den afrikanischen Kolonien folgt man einem arabischen Sprichwort: „Die Eile ist vom Teufel!" Um acht Uhr aber ist alles auf der Straße. Lärm, Schreie, Schimpfen, ein ungewöhnliches Hin und Her, ein typisches Bild des orientalischen Basars. Ich kehre zum Zollamt zurück. Der Vertreter der Adener Firma, der am Ueberfluß seiner Perlen litt, steht unweit auf dem Hafenkai an der Seite eines weißgefleideten Europäer-. Als ich sie sehe, erinnere ich mich, daß Maffaua ein Zentrum des Handels mit Perlmutter ist. Adener Perlen und Maffauaer Perlmutter. Vom Grund deS Roten Meeres, in mörderischen Verhältnissen, für eine Bettlerbezahlung, fischen die' Eingeborenen sie tausendtonnenweise. Diese Beute legen sie den kolonialen Geschäftemachern zu Füßen. Und diese schnüffeln überall und suchen den Ausweg aus der Sackgasse. Auf diesem von heißer Sonne verbrannten Boden besitzt die eingeborene Bevölkerung ein nicht weniger heißes Herz. Diese Herzen suchen gleichfalls einen AuSweg aus der Sackgasse, in die sie die Weißen Europäer hineingetrieben, haben. Nacherzählt von I. U l e S- Victor Franken und Annaiella in„Klar zum Gefecht" 6us der Sorfoi Deutsche sozialdemokratische Franenorqanisation, Prag. Freitag, den 17 d. M.. findet um 8 Uhr abends im Parteiheim, Prag H, Närodni tk. 4, 3. Stock, ein Schallplattenabend statt, zu dem wir alle Genossinnen und Genossen herzlichst«inladen. Das Bezirksftauenkomitee. Mitteilungen aus dem Publikum. .„HauSmUtel" find nicht zu unterschätzen! Sie beruhen meist auf jahrhundertealten Erfahrungen und letzten Endes geht ja auch die Zusammensetzung aller modernen Präparate auf die längsterprobte Wirkung solcher Mittel zurück! Mit Recht wird darum ein guter Franzbranntwein, also der Alpa» Franzbranntwein hochgeschätzt: als Einreibungs- und Massagemittel, als DeSinfektions- und Schmerzberuhigungsmittel leistet er in zahlreichen. Fällen ganz außerordentlich wertvolle Dienste! Ein« Fernstraße durchs Marsgebirge. Im Rahmen des Straßenbauprogrammes zur Verbindung der Slowakei mir Mähren erwägt man unter anderein den Ausbau einer kürzesten Verbindung zwischen Brünn und dem mittleren Waaggebiet. Diese würde über Zlin nach Puchov führen. Im ersten Abschnitt handelt es sich hier um den Ausbau der Verbindung Brünn—Batov über Budovice und Strtlky. Der westliche Teil dieser Straß« ist bereits sichergestellt, da er mit der projektierten Fernftraße von Brünn über Ungarisch Brod nach Nove Mesto nad Bädom zusammenfällt. Der mittlere Tell führt in einer Länge von ca. 20 Km. durch das Marsgebirge nach Batov. Der Abschnitt Batov—Zlin ist bereits fertiggestellt und der Teil zwischen Zlin und Bisovic« ist gerade in Arbeit. Der Ostabschnitt würde teilweise die Fernftraße von Troppau nach Bsetiw— Bylnice—Vlara benützt. Der Westabschnitt der ganzen Fernstraße dürfte erwartungsgemäß in absehbarer Zeit verwirflicht werden, zumal das Marsgebirge den starken wirtschaftlichen Verkehr in West- Oftrichtung unterbindet. Die neu projektierte Straße würde die Verbindung Brünn—Zlin um 84 Km., also um rund eine Reisestunde verkürzen. Die Fertigstellung des gesamten Straßenzuges bis Puchov würde dem mährisch-flowakischen Grenzgebiet und einer Reih« mittelmährischer Städte erhebliche wirtschaftliche Gewinne aus dem Fremdenverkehr von Brünn bieten. Bakaflieger— 1935 achtmal um die Erdkugel. Wenn auch das Zliner Flugwesen im vergangenen Jahre keine großen Fernflüge wie in früheren Jahren(Afrika, Indien) unternahm, so kann eS doch auf eine fast gleiche Zahl von Flugkilometern wie im Jahre 1934 Hinweisen, nämlich 322.000 Kilometer: DaS ist achtmal um einen Erdmeridian, Davon wurden 191.000 Km. auf dem Gebiete der Republik, 131.000 Km. im Ausland geflogen. Die einzelnen Piloten brachten eS dabei auf etwa 40—50.000 Km. — Bon den 2660 Reisenden, die die Dienste der Baka-Flugabieilung zwecks rascherer Abwicklung ihrer Arbeit in Anspruch nahmen, flogen beispielsweise der Chef der Werke, I. A. Bata, rund 9000 Km., der Letter der Einkaufsabteilung, Jng. Fikfl, 18.000 Km., Direktor Jng. Vavredka 14.285 Km., und der Prokurist der Firma, D. Cipera, sogar 14.879 Km.— Die Bata-Berkehrsfllegerei Vetfmst' heute über 15 Flugzeuge(zwei große Flugzeuge für AuSsichtSrundflüge nicht eingerechnet), di« mit Motoren von einer Durchschnittsleistung von 8110 PS. ausgerüstet find.'— Im kommenden Jahr soll daS Baka-Flugwesen den Erfahrungen, die der bekannte Baka-Pilot Serhamt in Amerika gesam- bekannt« Baka-Pilot Serhamt in Amerika' gesammelt hat, entsprechend weiter auSgebaut'werden. Urania-Kino, Kllmentshä 4. Fernsprecher 61623. idi war Ja» Mortimer Der aufregendemit Wohthrüa, Klopfer, Spbille Schult«. Bezugsbedingungen: Bet Zustellung ins Hau» oder bei Bezug durw die Post monatlich Kd 16.—. vierteljährig Kd 48.—. halbjährig Kd 96.—. ganzjährig Kd 192—.— Jnftrate werden laut skarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß. Rückstellung von Manuikrivten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitunchSfrankatur wurde von der Poft- und Tele- graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.80Q/V11/1930 bewilligt. Druckerei:„Orbis". Druck«. Verlags« und ZettungS-A.»G.. Vraa.