16. Jahrgang Sonntag, 19. Jänner 1936 Nr. 16 Efazelpnls 70 Heller (einschließlich$ Heller Forte) 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN»ER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH,«ed Aktion und Verwaltung mag xiufocmova a. telefon E. HE»AUSGEBEI: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR■ DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Der König von England lebensgefährlich erkrankt S e r b a n. König Georg V. ist an einem Bronchialkalarrh, welche« Herzschwäche und Schwierigkeiten des Blutkreislaufs folgten, lebensgefährlich erkrankt. DaS letzte Bulletin, am Samstag-Nachmittag, welches von drei Aerzten unterzeichnet ist, besagt, daß sich im Lauf« des gestrige» Tages di« Herzschwäche und die Beschwerden der Blntzir- kulation leicht gesteigert haben und Befürchtungen erwecken. König Georg hat im Juni seinen 70. Geburtstag begangen. „Daily Telegraph" meldet aus Sandringham, wo sich der König befindet, die Aerzte hätten sich für Sauerstoffbehandlung entschieden. Lord Dawson und der Leibarzt Sir Stanley Hewett seien während der Nacht im Schloß Sandringham geblieben, wohin auch der Spezialist für Herzkrankheiten, Sir Maurice Cassidy, berufen wurde. Bon den Mitgliedern der königlichen Familie sind die Königin, der Prinz von Wales, der Herzog von Uork und die Prinzessinnen Elisabeth und Margareth Rose im Schlosse anwesend. Die Nachrichten über den KrankheitSzu« stand des Königs haben in ganz England große Erregung hervorgerufen..Die Zeitungen haben mehrere Sonderausgaben veranstaltet, die vom Publikum den Zcitungsverkäufern auf den Straßen Londons aus den" Händen gerissen wurden. Die Nachricht, daß die jungen Prinzessinnen Elisabeth und Margareth von Sandringham nach London gebracht wurden, hat unter der Londoner Bevöllerung geradezu Bestürzung hervorgerufen, denn man erblickt darin allgemein ein schlechtes Zeichen, was übrigens durch das letzte ärztliche Bulletin weitgeheird bestätigt. Wurde. Nentwichs Anklage gegen die SdP Regierungskrise in Ungarn Der seit langen gefürchtete Stichtag in großen Konflikt der Völkerbundmächte mit italienischen Friedensbrecher, der 20. Jän- steht unmittelbar bevor. An diesem Tage Budapest, 17. Jänner. Der seit den letzten Wahlen tobende heftige dem dem ner,_____ werden britische und französische Schlachtschiffe, Kreuzer und Zerstörer von höchster Qualität zwischen Toulon, Korsika, Bizerta, Malta und den griechischen und jugoslawischen Häfen manövrieren, die Cnrnisonen und die Fluggeschwader der Völkerbundmächte uw das Mittelmeer werden sich im Zustand ständiger Bereitschaft befinden. Nun, angesagte Ueberfälle und Kriege kommen meist so selten wie angesagte Putsche und Revolutionen. Im Augenblick scheinen beide Parteien kein Interesse daran zu haben, die Entscheidung zu beschleunigen.-: Oie Oelsanktion Für die Verhängung der Oelsanktion wäxe Wohl die Bahn frei, da Frankreich und einige kleinere Mittclmeerstaaten ihr« Unterstützung für den Fall eines italienischen Angriffs zugesagt haben.. Wenn England noch zuwarten sollte, was sich zur Stunde weder verneinen und bejahen läßt— so wird es wesentlich durch die zweideutige Haltung Amerikas, die. Haltung insbesondere des amerikanischen Kongresses, aber im Augenblick Wohl auch durch die ernste Erkrankung König Georgs und durch die schwere Krise des Kabinetts Laval bestimmt. Auch für den Fall, daß England das Embargo auf Oel jetzt wünscht, bleibt es unklar, welchen Weg eS wählen wird. Einige Andeutungfn EdenS lassen vermuten, daß einer der fleineren Staaten den Antrag stellen und daß England ihn unterstützen wird. Di« Rede, die E d e n vorgestern gehalten hat und die mit großer Spannung erwartet wurde, hat merkwürdigerweise überall Beifall ge- mit der Liste der Menschen zu vergleichen, die in der SdP eine Rolle spielen. Nentwichs Broschüre wird der SdP, auch! retten, wenn sie nur bestäligt, was man seit Monaten I.. In kürzester Frist wird di^ seit langem ungekündigte Broschüre des früheren SdP-Wgeord- neken Fng. N entwich über seine Erfahrungen und Erlebnisse in der„Volksgemeinschaft" erscheinen. Einem unserer Mitarbeiter ist es gelungen. Einblick in die Schritt zu nehmen, die eine sehr temperamentvolle und heftige Anklage gegen die SdP. vor allem gegen den Kameradschaftröuno und im besonderen gegen den Abg. May» den Abg. Rosche und den engsten Kreis um Henlein enthält In der Einleitung stellt Nentwich fest,>aß die Bewegung alles andere denn einheitlich sei und daß eS ihr bisher nicht gelungen sei, eine klare politische Linie herauSzuarbeiten.> In der SdP finde sich in großer Zahl'ftr ganz bestimmter Typus, der„Parteiführer jener Prägung, die man ja wohl immer elS Bonzen bezeichnet hat, Nullen. ohne Vorzeichens.' „Henlein Ist nicht Führer“ „Die SdP ist eine ungeheuere Versorgungsanstalt für den Kameradschaftsbund geworden“ Skameradschaftsbnnd... eine D e 1- ternwirtschaft im reinsten I"Ehmen Konsewatisnms" Sinne ist eingezogen." Nentwich behauptet, daß dies häufig Leute seien, in deren Leben es dunkle Punkte gebe und di« man bequemer finde als auftechte Männer, weil sie gefügig seien. In seinen Erwartungen, ehrliche Kameradschaft und Treue zu finden, sei:r enttäuscht worden. Um Konrad Henlein bestehe eine Mauer und es würden noch viel« Amtswalter, dir gegen sie anrenn««, ausgeschlossen werden. ES könne geschehen, daß aber, wenn man alle Menschen entferne, die nicht bereit seien, alles hinunterzuwürgen, die Herren um Henlein, vor allem der„KönigSmacher Dr. Walter Brand, Dr. Neuwirth, Rutha und Sebekow- fky mit mrnigen Getreuen auf weiterer Flur allein zürückbleiten". Nentwich druckt den Brief eines völkischen Turners ab, der ihm— bezeichnend für die Zustände in der Volksgemeinschaft— geschrieben hat: „Sie müssen sich auch darüber klar Mn, wie man gegen Sie Vorgehen wird. Sie werden durch einen S n m p f v o n S ch m« tz u n d D.r e ck waten müsse«. Man wird Ihne« illes Erdenkliche und nicht Erdenklich,«»dichten... Sie werde« aber kaum jemals i« der Lage so«, einen der Dunkelmänner zu fassen, von denen di« Gerüchte ansgrhen, die Die«mbringrn sollen." Dem Abg. May wird vorgeworfen, daß er eS mit der Wahrheit nicht genau nehme. Dafür sei Nentwich hxreit, den Wahrheitsbeweis anzutreten. Dem Abg. Dr. Rosche wird „E h r e n w o rtb c u ch" nachgesagt. Auch Nentwich behauptet, was heute freilich schon die Spatzen auf den Dächern pfeifen, was funden. Sanktionsfreudige und sanktionSgegne- rische Blätter loben sie und Italien zeigt sich weniger verstimmt als bei weit energischeren Kundgebungen Englands. Edens Grundhaltung scheint eindeutig umrissen, seine Taktik ist, wahrx scheinlich bis zum Beginn der Genfer Sitzung, em Geheimnis. Italiens Sieg an der Somalifront Die Italiener werden in Genf erscheinen und glauben anscheinend, im Glanze des frischen militärischen Lorbeers eher eine gewisse diploma- fische Nachgiebigkeit zeigen zu können. In Wahr heit haben sie natürlich aflen Grund» jetzt ein Kompromiß zu suchen. Der Sieg am GanaleDoria, über dessen Auswirkungen der Heeresbericht Nr. 100 behauptet, die Italiener seien 200 Kilometer weit vorgerückt und die Abessinier hätten 5000 Mann verloren, ist bei kritischer Betrachtung ein an- s e h n kicher Teilerfolg, aber auch nicht mehr. Die Abessinier behaupten, daß nur eine Borhut des Ras Desta geschlagen worden sei, die insgesamt keine 5000 Mann gezählt habe, i treffend. Die ungarische Öeffentlichkeit, verwöhnt Auch das dürfte nicht ganz stimmen, unwahrscheinlich bleibt aber, daß eine Armee von 40 bis 80.000 Mann so geschlagen wor den sein soll, daß der Gegner in zwei Tage« 200 Kilometer vorrücken kann, ohne, wie er meldet noch auf ernste Gegenwehr z« stoßen. Gerade dieser PaffnS im italienischen Heeres bericht ist ouffällig. Nur einer völlig vernich teten Armee gegenüber wäre eine solche Ver folgung denkbar» zumal da die Wege, auf denen sich Verfolgte und Verfolger bewegens in dem ' wasserarmen Land die gleichen sein dürften. Wenn man also Graziani glaubt, daß seine motorisierten Truppen im Tag 70 biS 100 '(Fortsetzungauf Seite 2), jeder halbwegS Eingeweihte SdP-Mann erzählt, ft A L|*! A L A1 ,J A daß eS mit der Führerrolle Henleins nicht weit uCilluivIluliUu „Konrad Henlein istnichtFüh- »er, er scheint es nur den meiste«. 9« der Tat ist er der Geführte des Personenkreises, de« wir««ter, dem Namen Kameradschaft s» Kampf der gesamten Opposition ist bereits ent- h u n d kenne» oder besser gesagt schieden: Gömbös' Stellung gilt als nicht kennen".^erschüttert. Die Spatzen pfeifen es schon von ■ÄS W^üb-rdie Wirffchaftdie ÄJÄK ÄS Gunter der Führung des KB m der SdP auf- wuü>e noch nicht gefunden. Di- «Et-n hat. Auch hier bestätigen s-m-Enthullun- Stürmer und Draufgänger der Opposition for- M was man seit geraumer Zeit flus rt und ö Revanche die Befolgung der Gömbös- auch manchmal schon recht vernehmlich sagt:| Methode: Auflösung des Parlaments, AuSschrei- „Die SdP ist eine ungeheure bung überfallsartiger Wahlen und gewaltsame Dersorgnngsanstaltsür den Zertrümmerung der Gömböspart^i. Kameradschastsbund... eine D e t' I Diese Radikalkur entspricht nicht dem„vor- ~' der Führer der bür gerlichen Opposition. Sie sind keineswegs radikale , Umstürzler oder gar Revolutionäre. Sie vertre- Jnteressant wäre es» sagt Nentwich, eine ten ja die gleichen Klassenintereffen wie Göm- voNstänhige Liste aller Angrhärigen drS frü- bös. Sie fürchten nur, daß die tatenlose Hifler- heren«ämeradschaftsbundes, ihrer Verwand-. kopie in Gömbös-Ausführung früher oder später ten. Freunde und Bekannten anznlegrn«nd sie z» revolutionären Eruptionen der Bauern füh- ***"““‘'*'’* ren werde. Sie wollen keine Erschütterung, wollen Gömbös entfernen, aber die Regierungspartei werden mit derselben— oder erhöhten— Begeisterung dem neuen Regierungschef dienen. ivi« Herrn Gömbös. Die Geschichte des ungarischen Scheinparlamentarismus ist reich an ähnlichen glorreiche« Beispielen. Für den erhabenen Gedanken bei der Krippe bleiben zu dürfen: wird mag den bisherigen Führer opfern und statt Diktaturziele zu verfolgen, kann man jg strenge„Verfassungsmäßigkeit" beobachten. Klassenkampf oder Kampf der Oiiquen Die Kämpfe der bürgerlichen Parteien um Gömbös entbehren der Merkmale der Klaffenkämpfe. Weder Gömbös noch Eckhardt, Rassay oder Bethlen beabsichtigen den Großgrundbesitz zu entthronen. Die sogenannten Reformen, das Gesetz über die Entschuldung der Landwirtschaft, das Gesetz über die Fideikommisse und der Entwurf deS Siedlungsgesetzes bedeuten für die„drei Millionen Bettler des Bauernstandes" weder Erlösung noch Befreiung oder Brot. Die Herren Oppositionsführer planen ebensowenig einschneidende Reformen, und werden letzten Endes Bürger, Bauern und Arbeiter genau so betrügen wie Gömbös. Warum dann der heftige Kampf? Wo liegen die scheinbar tiefergreifenden Gegensätze? Der hrutale, gegen Wehrlose zu jeder Zeit angriffslustige k. u. k. Offiziersgeist des Generals Gömbös schwärmt für die glorreiche Diktatur des Dritten Reiches. Und kopiert geistlos die Methoden der Braunen. Die Folge davon ist, daß außer den beteiligten Nutznießern Has ganze Volk mit Unzufriedenheit und Empörung erfüllt ist. Die Mehrheit der Gentry bekämpft aber auf Leben und Tod die Diktatur, welche ihre wichtigsten Rechte, die Rechte der Komitate, planmäßig konfisziert und auf die als Reaktion die Revolution kommen kann. Die Gentrys haben noch viel an Macht, Einfluß und Gütern zu verlieren! Oie Qualitäten des Oiktators Bor kurzer Zeft erklärte Eckhardt in einer Wahlrede:„...Niemals wird das ungarische BolkS auf das geistige Niveau des Herrn Göm- . bös herabsinken...".Ein starker Tabak, aber sehr ..................................... I von Staatsmännern und Parlamentsrednern im Großformat— Kossuth, Szkchenvs, wenn auch reaktionäre wie Tisza. Wekerle, Apponvi. dann Ugron, Eötvös, Karolyi usw.— muß seit drei Jahren fürchterliche Gemeinplätze des selbster- nannten Führers über sich ergehen lassen. Die Reden und noch mehr die Improvisationen des Führers rufen entweder allgemeine Bestürzung oder Lachstürme hervor. Herr Gömbös beweist täglich, daß die geistigen Werte des politischen Lebens in den Bänken der Opposition zu finden sind. Und in puncto Moral? Noch niemals wurde so. offen und unverschämt Korruption getrieben. Hunderte von strammen Regierungsmännern wurden in Szolnok, Miskolc, SzikeSfehLrvar und Vie militärische und politische Lage am Vorabend der Genfer Tagung wenn sie nur bestätigt, was man seit Monaten Und außerdem soll man keine Angst haben: weiß, sehr unangenehm sein und es soNte uns! die^sikh radikal gebärdenden Reformpappenheimer nicht wundernehmen, wenn die KB-Leute durch* alle Kanäle alle ihre geheimen Beziehungen und Einflüsse würde geltend machen, um Nentwich mundtot zu machen. Aber auch wenn das gelingt, wird es nicht gelingen, die Wahrheft über die Zustände im Prager Braunen Haus, über die L u x ü S e i n r i ch t. u.n g in' den Führer- b u r o s dec„Volksgemeinschaft": über die K o- st e n des ganzen Führungsbetriebes, über die Tätigkeit der SdP-Bon- zeninden Prager Bars und Nobel restaurants, über die Vetternwirt schaft des KB und vor allem über die n a ck t e Erfolglosigkeit einer ziel- und rich- tungSlosen Politik ohne sozialen, Inhalt, ohne Programm und Sinn zu unterdrücken. Seite 2 Sonntag, 19. JSnner 1936 Nr. 16 anderen Städten wegen Korruptionsdelikten gerichtlich abgeurteilt. Der Leibgardist des Führers, der Abgeordnete, Dokumentenfälscher und Schwindler KenyereS-Kaufmann, bleibt für ewige Zeiten'das Wahrzeichen der Regierungsmethoden anno 1936. Den Verwandten, Freunden, Gevattern der Regierungsparteiler, den ärgsten Strebern des Landes werden, wenn notwendig mit Hilfe offener Gesetzesbrüche— wie im Falle des Bürgermeisters von Deberecen und des hauptstädtischen WaisenamteS— fette Pfründen zugeschanzt. Dagegen wird jeder öffentliche Beamte, der nicht willenlos der Regierung politisch dient, entfernt, und charakterloseste Streber statt ihrer eingesetzt./ Die Komitate in Gefahr! Der Diktator mit der Hemmungslosigkeit des GömböS gefährdet die Macht der GenttyS. „Die Autonomie der Komitate existiert schon lange nicht"— erklärte mit alarmierender Offenheit der hochangesehene Vizegespan deS größten Komitats Ungarns, Herr Lorant Erdelyi. Gömbös muß aber die Komitate erobern. Sonst kann er seine Partei nicht aufbauen. Er organisiert seine„Nep"(Nationale Bereinigung) genannte Partei L la Hitler. Der gesamte Verwaltungsapparat steht im Dienste der Parteiorganisation. Auch die KomitatSbeamten. Die Gesetze sollen je nach der Parteistellung des Bürgers angewendet werden. Alle dienstlichen Obliegenheiten werden der Partei untergeordnet. Diese gewaltsame und korrupte Parteigrün- dung für verhüllte diktatorische Ziele, war für die legitimistischen Aristokraten, Großgrundbesitzer, für die hohe Geistlichkeit, für die Mehrheit der Gentry und für die gesamte Großbauernschaft untragbar. Im stillen Einverständnis mit dem Staatsoberhaupt und unter Führung des Innenministers Kozma. entstand eine regelrechte Palastrevolution, die kategorisch die sofortige Enthebung der Verwaltung von der Parteiarbeit'forderte. Wutschäumend mußte der Wahlschlachtengeneral den Rückzug antreten. Vorläufig warf er, um sich selbst zu retten, das— Kanapee heraus. Der sehr einflußreiche Pressechef Antal wurde von feinem Posten entfernt. Neue Männer— neuer Kurs? Inzwischen nahm der Reichsverweser im Rahmen einer Jagd die Verhandlungen mit dem erbittertesten Gegner Gömbös', mit Herrn Beth- len auf— und entschied gegen Gömbös. Man nennt schon den Nachfolger: Innenminister K o z m a, ein gewesener Husarenoffizier, aber gebildeter Mann, Vertrauensmann des Reichster- wesers, soll die neue Regierung bilden. Känya bleibt Außenminister. Er war trotz seiner bekannten freundlichen Einstellung zum nationalen Deutschland Gegner der dilettantenhaften, abenteuerlichen.Naziorientierung, der Gömbösschen Außenpolitlk. Den Dirigentstab der Außenpolitik soll im Hintergrund Bethlen höchstpersönlich schwingen. Er beharrt vorläufig auf der italieni- scben Orientierung, will aber die Bindungen mit Deutschland nicht weiter verfolgen. Die neue Regierung soll auch die Stellver- tretuetz und Nachfolgerschaft deS Reichsverwesers sichern. Als Kandidaten werden— natürlich zwei Grafen— genannt: Graf Stefan Bethlen und Graf Julius K a r o l y i. Die bürgerliche Opposition wird die neue Regierung wohlwollend dulden. Man erwartet, daß die Regierung bald nach Amtsantritt eine Wahlrechtsvorlage auf Grund geheimer Stimmenabgabe dem Parlament vorlegen wird. Die Sozialdemokratie laßt fich von den Machtkämpfen der herrschenden Eliquen nicht täuschen. Sie unterstützt die Opposition in ihrem Kampfe gegen alle Diktaturoersuche, im Kampf für die ehrliche Demokratisierung Ungarns, für das schon seit Jahrzehnten fällige allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht. Sie wird cwer auch ihre weiteren Ziele energisch verfolgen. Sie ist die Vertreterin der arbeitenden Klassen. Sie führt den Kampf für die vollständige Beseitigung des Feudalsystems, für die Aufteilung des Großgrundbesitzes an die landarmen Bauern, für die politische, soziale und wirtschaftliche Befteiung der Bauern und Arbeiter, endlich gegenjede abenteuerliche mit dem Faschismus kokettierende Außenpolitik und für die Verständigung mit den Nachbarstaaten. Nur diese Politik entspricht den Bedürfnissen des ungarischen Volkes, und föroertdie Freiheitsbestrebungen der Nation und ,den,Frie.den in Mitteleuropa. Genf und Abessinien (Fortsetzung von Seite 1) Kilometer zurücklegen, so ist es nicht zu glauben, daß die Zehntausend« des Ras Desto so schnell geflohen sei« solle«. Sind sie aber nicht geflohen, wo stecken sie? Im Busch, in den Feldern? Dann könnten die Italiener nicht ohne Gegenwehr vorrücken. Wälzen sie sich als HeereStrümmer auf den Kara- wanenstraßen nach Norden? Dann müßten die Straßen verstopft sein oder die Italiener würden bei überholender Verfolgung mindestens 20.000 bis 30.000 Gefangene, riesige Beute an Gewehren, Saumtieren, Geschützen, Pferden, Munition melden können. Ist Ras Desta geschlagen? Richtig dürfte sein, was die deutschen und englischen Militärkritiker vermuten, daß nur einFlügelder Armee des Ras Desta Damptu geschlagen ist, daß aber Zentrum und linker Flügel, daß die Reserven dieser Armee intakt sind und Las Vesta Damptu daß der Vorstoß der Italiener, nachdem sie eine Flügeltruppe von 6000 bis 10.000 Mann tatsächlich überrannt, zerstreut oder gegen ihr Zentrum abgebogen haben, wieder einmal ein L u. t- st o ß ist, der allerdings in die fruchtbaren Gxbkett von Sidamo führt. Ist aber der Ras Desta mit zwei Dritteln seines Heeres unbesiegt, verfügt er über Reserven, hat er seine Hauptmacht weiter rückwärts versammelt, so ist er mit den Armeen des Ras A p t e Mikael und des R a s N a s i b u, die bei Sasa- beneh und vor Gorrohai zu suchen sind, eine Macht, die Grazianj viel zu schaffen geben wird. Die Frage ist weiter, ckb Graziani sich wirklich mit der Hauptmacht gegen Sidamo, also nach Nordweften wenden, oder ob er nach Sicherung seines linken Flügels wieder auf Sasabeneh und Harar vorgehen wird. In beiden Fällen beginnen die Schwierigkeiten erst. An der Rordftont steht es weiter schlecht für Italien. Wen« es sich nicht um einen planmäßige« Abbau der vorgeschobeuen Stellungen handelt» mnß man annehmen, daß von der „Front" de Bonos nicht mehr viel übrig ist, sondern daß sich die italienischen Detachements in den befestigte« Plätzen nur mühsam gegen die Abessinier halten, dir sowohl Aksum als auch Makalle ernstlich bedrohen." Laval— Herriot In dieser Situation kommt die wackelige Stellung Lavals den Italienern diplomatisch m- gute. War bisher gerade das Verbleiben Lavals ein ungeheurer Gewinn für Mussolini, so würde der Sturz der ftanzösischen Regierung in die>'eM Augenblick eine Aktion gegen Italien mindestens verzögern. Andererseits würde ein Kabinet: Herriot für Italien den entscheidenden letzten Stoß bedeuten. Die jetzige Kabinettskrise scheint von Herriot in reiflicher Erwägung des Moments herb-ige- führt worden zu sein. Nach der Abstimmung, bei de»- Laval noch 63 Stimmen Mehrheit hatte, erklärte Herriot plötzlich, als Staatsminister zurücktreten zu müssen. Sonntag soll der angeblich feststehende Entschluß publiziert werden. Da mit Herriot die fünf anderen radikalen Minister ebenfalls. zurucktreten wollen, könnte Laval sich nicht halten und Lebrun müßte wohl Herriot oder Da- ladier betrauen. Deutschland schiebt sich vor Die hitlerdeutsche Presse hat in den letzten Tagen mehrfach betont, daß es nicht gesagt sei, daß Deutschland auf jeden Fall an seiner„vorbildlichen Neutralität" festhalte. Es gebe Situationen, besonders wenn es zu einer Entscheidung im Donauraum komme, wo Deutsch!and nicht abseits stehen könne. Nu« hat Goebbels Freitag abends nicht nur Deutschlands Anspruch auf Kolonien angcmeldet, sondern auch eine offene Sympathie-Erklärung für Italien abgegeben. Die„veredelte(!) Demokratie"— wie Goebbels in dieser Rede Hitlers Staat nannte— scheint im Begriffe, die Karten zu einer Hasardpartie mischen zu wollen. Dabei spielt die Verstimmung über die englischfranzösische Entente, die Enttäuschung darüber, daß England für Deutschlands Hilfe nicht den geforderten Preis zahlen wollte, wohl eine Rolle, entscheidend für die deutsche Wendung ist aber die Situation an der Donau Deutschlands Politik lief ja darauf hinaus, durch die„vorbildlich« Neutralität" die andern in Sicherheit zu wiegen und Mussolini zu ermöglichen, daß er sich in Afrika recht fest verbeiße. Im Donauraum sollten indes die Früchte Hitlers reifen. Nun ist durch die Reise Schuschniggs nach Prag, durch die Neigung Oesterreichs, sich mit seinen Nachbarn zu verständigen, durch ein markbares Einschwenken in die Linie London— Prag—Moskau plötzlich die Gefahr entstanden, daß Hitler in Wien zu spät kommen könnte. Darum die Eile, sich in die große Partie einzuschalten. Die großzügige englischePolitik, die einzige, die einen wirklichen Plan hat und seit Monaten an einem System arbeitet, das zu langfristiger Sicherung des Friedens führen kann, wird zweifelsohne demnächst eine Gefahrenzone passieren, einen politisch-militärischen Engpaß. Das können Tage sein, aber auch Wochen, vielleicht unter Umständen nur Stunden(nämlich jene, da es sich entscheidet, ob Italien einen Krieg riskiert, weil Mussolini ihn riskieren möchte). Wer in diesen Stunden die besseren Nerven beweisen wird, kann auf 30 Jahre alle Trümpfe in ler Hand haben. Eindeutig günstig wäre die Lage Englands, wenn eine Aussicht bestünde, die d e f i- «itive Bereinigung der Donaufragen vor der Entscheid«ng im Mittelmeer durchzuführen, so daß Hitler optieren müßte, ehe England ganz gebunden ist. Aber z« solcher, vor allem in O e st e r- reich fälligen Enffcheidnng fehlt es im Augenblick an einigen wichtigen Voraussetzungen. Die so entstehende Lücke wird von Mussolini, vonHitler, vonStar- Hemberg benützt, um ihre Lage zu bessern. England wird versuche« müssen, durch eine ruhige Hand und einen festen Willen diese Widrigkeiten zu überwinden. Appell der..Vaterländischen Front** Unrahe in Oesterreich.— Totalitätsstreben Starhemberg» Wien. Fü Sonntag hat di«„Vaterländische Front" einen Amtswalterappell einberufen, an dem Bundeskanzler Schuschnigg, Vizekanzler Starhemberg und der Generalsekretär Adam sprechen sollen. In Wien herrscht allgemein die Auffassung, daß der Appell den Zweck hat, die „Vaterländische Front" als einzig bestimmende Organisation zu erklären, praktisch also einen neuen Staatsstreich durchzuführen. Nicht ganz im Gegensatz dazu erflärte zwar bei einer Presse- Konferenz Vizekanzler Starhemberg, daß die Programmerklärung, die bei dem Appell abgegeben werden wird, nichts anderes beinhalten werde als das, was seit der Gründung der „Vaterländischen Front" durch Dr, Dollfuß gesagt und publiziert wordeN ist. Starhemberg kündigte jedoch gleichzeitig an, daß die„Vaterländische Front" in Hinkunft mit besonderer Energie die geheimen und verkappten Staatsfeinde bekämpfen werde. Sie werd« auch fordern, daß alle vom Staate unterhaltenen und bezahlten Funktionäre, Beamte und Angestellten dem Staate treu seien, mit dem Staate fühlen und denken. Starhemberg dementierte neuerlich die Gerüchte über Differenzen zwischen ihm und dem Bundeskanzler, über Mißhelligkeiten in der „Vaterländischen Front" sowiß insbesondere darüber» daß der Vizekanzler die Funktion eines Reichsverwesers oder die Einführung der Monarchie anstrebe oder daß er sogar Otto Habsburg irgendwo verborgen halte. 53 Roman von Karl Stjrm Copyright by Eugen Prager-y erlag, Bratislava Der Unterschied zwischen ihm und Lorett ist der: Lo- rett hatte ein großes Maul, verstand aber was von der Arbeit Der„schöne Junge" hat zwar auch ein sehr großes Maul, nur versteht er von der Arbeit genau so viel, wie ein Ochse von Kinderpflege. Demgemäß ließ er auch den ersten Tag nicht vorübergehen, ohne sich gründlich zu blamieren upd sich für alle Zeiten bei uns zu erledigen. Das kam so: Es ist bergpolizeilich verboten, Pulver und Kapseln auf Vorrat in der Zeugkiste zu haben. Der„schöne Junge" sagte sich ganz richtig, hier könne er sich Lorbeeren in Form von Strafgeldern hölen, denn bei etwaigen Arbeitsanweisungen begegnete er nur sehr nachsichtigem Lächeln. Beim Häuer Watter fand er nun tatsächlich einige Patronen und Kapseln. Watter ist ein alter Häuer mit einem Gesicht wie ein geflicktes Hemd. Ein Versager verirrte sich einmal hinein und verschob die Visage so gründlich, daß es zehn Nähte bedurfte, um sie wieder halbwegs erträglich zu gestalten. Watter sagte zuerst nichts. Als aber der„schöne Junge" ins Oberflöz steigt und jetzt sehr kühn geworden, anfängt, die Arbeit zu bekriteln, wird’s dem Alten zuviel. „Pulver in der Kiste haben, das ja! Aber die Arbeit richtig machen, das nicht! Warum reißen sie diesen Fuß hier nicht aus?" Watter sieht den Aufseher an, als zweifle er an dessei .Verstand.... „Weil dann das Flöz niedergeht!" „Aber sie werden ihn ausreißen!" „Was?" Watter bohrt wütend in den Stock. Die Nahtnarben fangen an zu glühen. Sein Gesicht sieht dadurch aus, wie ein schmutziggraues, hellrotkariertes Tuch. „Den Fuß hier!" „Den Teufel werde ich!" „Wer hat hier zu schaffen?" geifert der„schöne Junge“., „Der von der Arbeit was versteht". „Wie sie wollen. Ich werde es melden!“ Da reißt Watter den Bohrer aus dem Stock, nimmt ihn wie eine Lanze in die Hände und brüllt: „Wenn du nicht sofort abfährst, steche ich dich’runter, du Rotzjunge!" Im Nu hat sich der„schöne Junge" hinter uns verkrochen. Ich gebe ihm Auskunft, wieso Watter so„rabiat“ ist. Durch den Kopfschuß ist er sehr nervös geworden. „Das hab’ ich nicht gewußt!“ stottert der Aufseher. Ich habe gute Lust, Watters Anfang mit ein paar zünftigen Ohrfeigen zu beenden. Aber wie er so vor mir steht, sehe ich, daß schon der bloße Schreck allein fürs erste genug ist. Er empfiehlt sich vorsichtigerweise auch sehr bald. Zuerst müssen wir uns mal tüchtig auslachen über das niedliche Häschen. Dann meint Watter: „Ich glaube, ich hätte ihn wirklich’runtergestochen, wäre er nicht abgefahren und macht er’s nochmal so, dann hol’ ich’s nach!" Am nächsten Tag ist der„schöne Junge" zu Watter auch ein braver Junge. Watter ist von nun an der beste Häuer und der„schöne Junge“ für uns der dümmste Kerl im Betrieb. Der,»schöne Junge“ ist erledigt, well er— Angst hat Das mit den frischgebackenen Aufsehern und Ingenien ren ist eine ganz eigene Sache. Diese Herren bilden siel ein, weiß Gott, was alles zu verstehen. Mag sein in der Theorie. Der Berg aber verlangt Erfahrung. Er läßt sich nicht sagen: benimm dich so, daß du nicht aus unseren Berechnungen herausfällst! Der Berg ist launenhaft, formelmäßig unberechenbar und nur in ihm altgewordene Arbeiter verstehen ihn ganz. Hier sollen sie lernen, diese Herrchen, und das Frotzeln lassen; für das haben sie noch immer Zeit. Was sich diese Leute alles leisten, zeigt folgendes Beispiel: Ein junger Ingenieur nahm eißsn alten Zimmerhäuer vor, ihn für seine Gedanken zu gewinnen. Der Mann kannte aber diese Art Gedanken schon und machte seinen Reim darauf. Der Ingenieur hatte den Einfall, von einem frischgeschlagenen Wald die Baumstrünke auszugraben und in der Grube als Stempelunterlagen bei weichem Grund zu verwenden. Bei Schichtschluß sprach der Häuer vor allen Leuten den Ingenieur an: „Herr Ingenieur, ihr Gedanke ist nicht schlecht, aber um dreißig Jahre zu spät!“ „Wieso?“ staunte der Uebergescheite. „Sehen sie, Herr Ingenieur, wären sie um dreißig Jahre früher gekommen und hätten schon damals Setzlinge In die Grube gepflanzt, so brauchten wir uns heute weder über Stempel, noch über Unterlagen den Kopf zerbrechen!“ Der junge Ingenieur von damals ist heute ein tüchtiger Mann. Er hatte sich diese Lektion gemerkt und den Arbeitern zugeschaut und gelernt »•• Wieder Frühling. Eine kribbelnde Unruhe ist in mir. Aus jedem Wort und Gegenstand glaube ich irgend etwas herausfühlen zu müssen. Ich laufe oft stundenlang durch den Wald, bin müde, aber nicht ruhig. Manchmal denke ich zurück, wie *ch als kleiner Junge den ersten Schneeglöckchen nachjagte und sie Leiner Mutter brachte, die mir dafür den erhitzten Kopf streichelte. Wie es mich als Studenten aus der dumpfen Bude hinausdrängte in den Wald, den ich hellhörig durchlief, auf irgendeine Offenbarung wartend. Nr. 1« Sonntag, IS. Jänner 1S3K Seite 8 tfudetendeutscftcr Zeitspiegef Schwerer Krach in der Neudeker SdP Die Arbeiter bekommen es satt— Ausschlüsse und„Sperren** Zu den vielen Symptomen der Zersetzung der angeblich in unentwegter Treue und Ge- schloffenheit zu Konrad Henlein stehenden SdP- Mitgliedschast, die sich allenthalben bemerkbar macht, kommt nun auch der offene Ausbruch von Differenzen innerhalb der Volksgemeinschaft von N e u d e k. Obwohl zwei oder drei Henlein- abgeordnete nach Neudek kamen, um den in der eigenen Häuslichkeit ausgebrochenen Streit zu schlichten, ist es doch nicht möglich gewesen, die Gegensätze vor der Oeffentlichkeit zu verbergen. Um Ruhe zu schaffen, wurden vor einigen Tagen drei Mitglieder der SdP in Reudek ausgeschloffen, über etwa 15 andere Mitglieder wurde die Sperre verhängt. Die drei Ausgeschlossenen wenden sich nun in einem gedruckten Flugblatt an die Oeffentlichkeit, aus dem hervorgeht, da- die sogenannten„besseren" Volksgenossen sich der Kameraden Arbeiter entledigen wollen! die Ausschlüsse nur deshalb erfolgt seien, weil die Ausgeschlossenen die Ueberzeugung hatten, daß sich Standesdünkel wrd Eigentumsrechte breit machen, und daß nach der Wahl die zugelaufenen Mandatsjäger mit den Arbeitern nur Witze machten. Die Arbeiter in der SdP. waren es, so hecht es in dem Flugblatte, die den anderen die Kastanien aus dem Feuer geholt haben; der Wahlkampf sei mit verwerflichen Mitteln geführt worden und nach der Wahl habe die Jagd nach den führenden Stellen begonnen, wobei einer gegen den anderen ausgespielt wurde. Es:st sicher kennzeichnend, daß, wie das Flugblatt angibt, in DiSkussionSabenden der ArbeiterstandeS- gruppe verlangt wurde, da- die Fra» deS Ortsleiters Baumann mehr»egrützt werden soll! wohl der reiche SdP-Fabrikant, der seinen Arbeitern Hungerlöhne zahlt» nicht aber sein Arbeiter, der nicht in der SdP organisier t ist. Es wird Aufgabe aller sudetendeutschen Parteien sein, die wahre, die echte Volksgemeinschaft zu pflegen» jene Volksgemeinschaft, die ihrem Wesen nach mit einer Parteitotalität n i ch t S zu tun haben darf. Da« Ernährungshilfswerk der Deutschen Jugendfürsorge im Winter 1SSS-3S schreitet rüstig vorwärts. Aus allen Teilen des Landes treffen bereits bei der Zentralstelle in Reichenberg Meldungen über die AuSspeisungen ein. Wenn, wie zu hoffen ist. die Ernährungsaktion gleich der vorjährigen gelingt, kann die Deutsche Jugendfürsorge wieder mit Genugtuung auf ihr Ernährungshilfswerk, das ja nur einen Bruchteil ihrer Tätigkeit ausmacht, zurücksehen. Im vorigen Jahre waren 1323 Ausspeisestellen für über 100.000 Kinder projektiert worden. Der Staat hatte hiezu eine Srchventionen von über KL 500.000.— bewilligt, die von der Deutschen Landeskommisston für Kinderschutz und Jugendfürsorge den einzelnen Bezirksjugendfürsorgen zugeteilt wurden. Dank der Opferbereitschaft der deutschen Bevölkerung war es den Bezirksjugendfürsorgen außerdem möglich, fast 2.5 Millionen Kronen im eigenen Wirkungskreise fi'ir die Ausspeisungen aufzubringen und das Ernährungshilfswerk im großen Umfange durchzuführen. Es konnte 85.000 Kindern in 1258 Ausspeisestellen geholfen werden. Das Flugblatt hat überall großes Aufsehen erregt. Es verdient noch bemertt zu werden, daß, was jetzt bekannt wird» die Arbeiter und Arbeitslosen, die der SdV angehören, seinerzeit bei dem blutigen Zusammenstoß in der Neudeker Turnhalle im Vordergründe standen, während sich die Führerin einem sicheren Versteck ver- Es heißt in dem Flugblatt, daß in den OrtS- und Bezirksleitungen der SdP Demagogen am Werke seien, die eigenmächtig Arbeiterkameraden den Dolchstoß von hinten versetzen, daß ein Verleumdungsfeldzug arrangiert. wird und daß i sperrt hatten. ch** Methoden der SdP Wir haben bereits über das dreiste Auftreten der SdP in Eisenstein und Kottwitz geschrieben und können nun durch Hinweis auf einen besonders krassen Fall von Einmischung in die Gemeindegeschäfte und der Denunziation von Arbeitslosen, die bereits geäußerte Meinung verstärken. Der in Braunau erscheinend«„Deutsche Bote", der von dem Henlein-Abgeordneten Birke redigiert wird, brachte dieser Tage eine groß aufgemachte Rottz, in welcher die Behörden aufgefordert wurden, sich mit den Praktiken und der Zusammensetzung der Sozialkommiffionen zu befassen, damit den„vorherrschenden Ungerechtigkeiten" ein Ende bereitet werde. Der„Bote" verlangt, in Awbettacht der in den Sozialkommiffionen bestehenden Einseitigkeit, deren Neubildung, oder richtig.verstanden, ihre llebergabe an die Henleinleute. Aber nicht genug damit, die Henleinmannen brachten bei der Bezirksbehörde in Braunau eine Beschwerde ein, in der sie einige arme Teufel beschuldigten, zu viel Lebensmittel aus der UnterstützungSaktion des Fürsorgeministeriums bezogen zu haben, worauf die Bezirksbehörde einen Beamten nach Wiesen bei Halbstadt, wo sich die Sozialkommiffion nach der Angabe des Herrn Abgeordneten Birke nicht einwandfrei benommen haben soll, entsandte, um eine Ueberprüfung der Arbeit der Sozialkommiffion vorzunehmen. Al- der Beamte in Wiesen einttaf, gesellten sich ihm zwei Mitglieder der SdP. bei. die mit ihm in die Gemeindekanzlei in Wiesen gingen. In Abwesenheit des Vorstehers erklärte deffen Tochter, daß die Revision erst n„h Beendigung deS Dienstes des Vorstehers vorgenommen werden könne, da er die Schlüssel des Schreibtisches und der Schränk« bei sich habe. Daraufhin mengten sich die beiden Henleinleute H o hu b und Wittich in die Auseinandersetzung und lärmten in der Gemeindekanzlei herum, als ob sie AmtSorgane wären und ihre Aufträge ohne Widerspruch zu befolgen wären. Der Beamte der Bezirksbebörde war leider zu schwach oder hatte nicht den Mut, die beiden Burschen zur Ordnung zu weisen. Sie blieben dort, bis der Vorsteher kam, und setzten nun mit diesem den bereits begonnenen Stteit sott, weil sich der Vorsteher mit Recht weigerte, in Anwesenheit der beiden irgendeine Aussage zu machen. Die schließlich durch- gefühtte Revision stellte die Haltlosigkeit der Anzeige sofort heraus und zeigte, daß die Anzeige nur deshalb erfolgt war, um di: Heinlrin- brüder in die Sozialkommiffionen hineinzubringen, damst sie von hier aus ihre Politik machen können. Die Brünner deutsche Arbeitersendung bringt am Dienstag, den 21. d. Dl.(18.00 bis 18.15): Steuerfatierung(Karl Kulka) und Donnerstag, den23. d. M-(17.40bis 17.57): Krankheiten de- Proletarierkindes (Dr. Hedwig Kreisler). Die Ostrauer deutsche Arbeitersendung bringt in der nächsten Zeit, immer ssm 18.10: 20. Jänner: Vom Zweck der Welt und des Lebens(Professor Berner), 27. Jänner: Die Geschichte eines wissenschaftlichen Betrüge-(Profeffor Rapp), 3. Feber: Hugo Schmidt(Pointner), 10. Feber: Worte Friedrich Engels, an zeitgemäßen veispielenerläutert(Kamler), 17. Feber: Die englische Arbeiterpartei(Dr. Frey), 24. Feber; Bursch und Mädel in ter heutigen Zeit(Leonhard Hübsch). Wenn man in Betracht zieht, daß der eine der hier als Amtsorgane sich betätigenden Henleinleute, Holub, schon früher einmal gegen den Vorsteher tättich und deshalb auch bestraft wurde, weiter, daß der gleiche Mann-— der nur Holub und nicht Ho- lube heißt— wegen Diebstahls bei der Bahn entlassen werden mußte und in der ganzen Gemeinde als gefährlicher Mensch gefürchtet ist, dann muß man doch die Frage aufwerfen, wielange man noch dem anmaßenden Treiben gewisser Elemente der Sudetendeutschen Partei untättg zusehen will. Oirlstllchsozlale gegen SdP In bemerkenswert scharfer Weise wendet sich der»Christlichsoziale Nachrichtendienst" gegen die Sudetendeutsch« Partei. Diese Stellungnahme wird noch dadurch unterstrichen, daß die»Deutsche Pressü" den-Artikel an lcirender Stelle, bringt. Wir zitteren daraus:•<. »Daß die SdP auf wirkliche Erfolge Hinweisen könnte, wer kann das behaupten? Groß sind die Herren von der SdP im Ankündige n vor Erfolgen, die da kommen sollen. Die Zeit zwischen den Mißerfolgen der Gegenwart und den erträumten Erfolgen der Zukunft muß natürlich ausgefüllt werden. Und da erweisen sich die Regisseure der SdP als Meister. Ihre Aufgabe besteht darin, zwischen dem Egerländer Regimentsmarsch und dem Hohen-Friedberger »flammende Hochziele" zu verkünden, die vielfach nichts anderes sind als Schlagworte, die über Mißerfolge hinwegtäuschen sollen. »Volksgemeinschaft!" Das war so ein oft besprochenes Thema. Daß die SdP im Anfang den herrlichen Gedanken der Bolksge- mrinschast in Zehntausenden gequälten Herzen entzündet hat, soll nicht geleugnet werden. Dieselbe SdP hat aber aus der Volksgemeinschaft eine nackte Parteiherrschaft erstehen lassen, die von reichlich vielen Geschäftsführern(lies Sekretären) und Amtswaltern(Funkttonären) gemacht wird. Heute zählt zur Volksgemeinschaft nicht das ganze sudetendeutsche Volk. Heute gehört zur Volksgemeinschaft Die Aufmerksamkett der Oeffentlichkeit ist durch die in den letzten Tagen in der Presse veröffentlichten Mitteilungen über die drohende Stillegung der Porzellanfabrik HaasLCzj- zekin Schlaggenwald bei Elbogen abermals auf den unaufhaltsam fortschreitenden Sterbeprozeß der Industrie im sudetendeutschen Randgebiete hingelenkt worden. Zur gleichen Zett kommt ein neuer Hilferuf aus dem Erzgebirge. Neben der stillgelegten Feinblecherzeugung im Rothautal im GraSlitzer Bezirk, neben der gleichfalls fett langem darckkederliegen« den S p itzenklöppelei im Neudeker. Weiperter und Preßnitzer Bezirk, neben der abgestorbenen Eisenindustrie im@e6ietNeudek geht nun auch ein im GraSlitzer Kreis sozusagen beheimatettr Zweig erzgebirgischen Handwerksfleißes seinem Ende entgegen: die Perlmutterknopferzeugung, die einst Tausenden von Erzgebirglern Beschäftigung und Verdienstmöglichkett geboten hat und die nunmehr einerseits im Wettkampfe mit der ungeheuer billig arbeitenden japanischen Konkurrenz unterlegen ist und andererseits infolge der mangelnden Ausfuhrmöglichketten nur mehr einem Der Betrieb in der SdP. Ingenieur F i- scher, der Bezirksleiter der SdP in Franzensbad, ist laut Meldung der»Zeit" „wegen parteischädigenden Verhaltens" aus der SdP ausgeschlossen worden. Dieser Herr Jng. Fischer hat, wie wir berichteten, kürzlich in einer Versammlung in Graslitz den Mund so voll genommen, dah ein Schutzgesetzverfahren gegen ihn eingeleitet wurde. Sollte das der Grund sein, weshalb man ihn hinauslehnte? Jedenfalls scheint eS in der SdP jetzt wunderbar zuzugehen. Die „Deutsche Landpost" behauptet sogar, daß gewisse Kameradschaftsbündler die SdP derzeit als einen „großen Sauhaufen" bezeichnen. Allerhand! 212 neue Leser hat in den letzten Tagen die „Volk s w a ch t" gewonnen, unser in S t e r n- b e r g' erscheinendes Parteiblatt."', FrühlingSahnen im Erzgebirge. Das ungewohnte milde Wetter der ersten Jännerwochen hat in unserem Erzgebirge eine eigenartige Erscheinung zur Folge gehabt: an viüen Hängen und Wiesenflächen zeigten sich in den letzten Tagen zahlreiche Gänseblümchen, Sumpfdotterblumen und Buschwindröschen, denen wohl bei dem inzwischen wieder eingetretenen Frostwetter kein langer Dasein beschieden sein dürste. Selbstmord einer Greist». In Mtrohlau bei Karlsbad hat sich die im 80. Lebensjahre stehende Frau Anna Kühnl erhängt. Die Lebensmüde, die an einem Krebsleiden erkrankt war und in der letz- ten Zett Von heftigen Schmerzen gequätt wurde, hatte schon früher einmal einen Selbstmordversuch unternommen. Postbeutel mit Geld gestohlen. In Kuttenplan, während des Transport? vom Bahnhof bi- zum Postamte in der Stadt, ist ein Postbeutel mit Geld abhanden gekommen. Der Transport erfolgte mft- tels Postwagens. Wahrscheinlich dürfte«S sich um einen Diebstahl handeln. Bom Postantte ist über di« Höhe des Betrage»: keine Auskunft zu erhalttn, was die Nachforschungen sehr erschwert. ganz Keinen Teil der einst davon lebenden Menschen deS Gebirges noch eine sehr bescheidene Lebensmöglichkeit bietet. Gewissermaßen zenttali« siert war die Perlmutterknopferzeugung in F r ü h b u ß, einer Ortschaft, deren Bewohnerschaft einst zur Hälfte von der Erzeugung von Perlmutterknöpfen ihr Dasein zu ftisten vermochte. Es gab dort und in der nächsten Umgebung fünf Fakwreien, die jahraus, jahrein voll beschäftigt waren. Heute sind drei davon überhaupt stillgelegt, während die restlichen zwei nur kärglich beschäftigt sind, so daß die Leute, die in diesem ErzeugungSzweig tätig sind, in der Woche bei angestrengtester Arbeit, da es nur an einigen Tagen Arbeitsmöglichkeit gibt, einen Wochenloh» von durchschnittlich 20 bis 2b KL beziehen, von welchem Betrage ganze Familien ihr Leben fristen sollen. Die Billigkeit der japanischen Ware macht den Wettlauf mit diesem schärfsten Konkurrenten immer aussichtsloser, und so ist sehr zu befürchten, daß birmen kurzem auch dieser jetzt noch in bescheidenem Maße beschäfttgte Zweig unserer Crzgebirgsindustrie völlig vernichtet sein wird. Das Industriesterben Im knzeblrze Abgevürgte Heimindustrie— Japanische Konkurrenz Armeebefehl des Präsidenten Prag. Das Amtsblatt des Ministeriums für nationale Verteidigung veröffentlicht einen Armee-Befehl des Präsidenten der R:pu- blik. in welchem es heißt: „Mit dem Amte des Präsidenten der Republik übernehme ich nach der Berfassungsurkunde auch den Obeichefehl der gesamten Wehrmacht. Dabei gedenke ich— und sicherlich Ihr alle mit mir— vor allem unseres ersten Oberbefehlshabers, des Präsidenten-Befreiers T. G. Masaryk. Im Kriege Führer unserer Legionen im AuSlande, war er daheim als Präsident und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, ein Muster in der Erfüllung seiner Pflichten. Die Kenntnis deS Zieles, Ueber- legung, fester Wille und dabei Menschlichkeit waren die Quellen seiner Erfolge. Wir wissen ihm Dank dafür, daß er diese Eigenschaften vor allem unier-e Wehrmacht einzuimpfen wußte, die er so lange führte. Wir werden alles tun, was in unseren Kräften steht, um dieses kostbare Erbe noch zu vermehren.£ Aufgabe der tschechoslowakischen Wehrmacht, selbst Vorbild der Ordnung und Disziplin, ist eS, den Frieden zu sichern, die Heimat gegen auswärtige Gefahren zu schützen und dauernd die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Güter unser aller zu sichern. Zu diesem Zwecke werde ich auch weiterhin gemeinsam mit der Regierung die internationale Politik in unserem bisherigen Bemühen um den Frieden konsequent fortsetzen. Wir wollen aber, daß dabei nach allen Seiten Klarheit herrsche: wir wollen niemandem etwas nehmen, werden aber das Unsere mit allen Kräften bis in alle Konsequenzen und mit den äußersten Opsern verteidigen. Unsere Armee wird weiter dahin arbeiten, die Fortsetzung der Schule des Lebens zu sein. Wir wollen, daß sich unsere Soldaten vom Militärdienst für das Leben möglichst viel Lehren und Erfahrungen und dauernde und schöne Erinnerungen mitbringen. Unser Militärdienst muß aber von dem Bestreben durchdrungen sein, festen Willen, zähe Ausdmier, das Gekübl der Verantwortlichkeit bei der Erftilluna seiner Pflichten und militärische und menschliche Kameradschaft, die die demokratischen Angehörigen aller Nationalitäten. Klassen und Parteien zusammenkaßt. zur höchsten Vollendung zu entwickeln. Militärische Kameradschaft müssen auch das Verhältnis zwischen Kommandanten und Untergebenen aller Grade durchdringen. Die moderne Armee ist eine ungeheuere technische Oraanisation, die die lebten Errungenschaften der Wissenschaft verwendet. Wir werden daher all"? firn, um in diel-r Beziehung mit en ersten Staaten in Europa Schritt zu halten. Solchermaßen'"ständig' vorbereitet, sind und werden "wir unverwundbar sein. Ich bin mir des Ernstes der Zeit bewußt Ich sihe i'doch als Qh-rbeseh^shaber der Wehrmacht mit Rübe und Entschlossenheit der Zukunft ent- aeaen. Ich bin sicher, daß d>e Schwieriakeiter. der heutigen Zett von uns siegreich überwunden werden. Offiziere. Rotim-ister, Unteroffiziere und nnd Reftrv-männer—- zur Erfüllung all dieser vaterländischen Aufgaben seid jeden Ana-nblick bereit! In diesem Geige werd« ich mit Euch allen meine Pflichten als Oberbefehlshaber erfüllen. * Einen Armeebefehl hat im-Änschluß an die Worte des Präsidenten an die Wehrmacht auch der Minister für.rationale Verteidigung erlassen. Ein Dementi zum Schuschnlga«Besu erstickt, wenn es nicht alles hat, was es will." Dar Phöbe sich bewußt der treuen Wiedergabe des Familienbildes in der Puppenfamilie? Und wie viel menschliche Weisheit vom Augenblick ihrer Beobachtungen um sie herum sie sammelte? Ich machte keinen Versuch, zu wider- sprechen, denn ich weiß nur zu güt, daß alles, was sie sagt, sehr wahr ist. Nur hoffte ich, daß es mir einmal vergönnt sein möge, ihr Bild vom Familienbenehmen ihren Lieblingen und den andern gegenüber jenen zu zeigen, die eS verursachten— so daß des KindeS Standpunkt Beachtung fände. .(Autorisierte. Uebersetzung von Alice Dieiner.). 'eite G „Sozialdemokrat" Sonntag, 19. Jänner 1936. Rr. 16 Trager HMmg Eine Büste Dr. Lev Winters wird Dienstag, den 23. d. M., um 19 Uhr abends im Vortragssaal des Ministeriums für soziale Fürsorge enthüllt''werden. Um'19:30 Uhr spricht dann Gesandker Dr. Z. Fierlinger über„Das heutige Stadium der Weltwirtschaftskrise". Feier und Vortrag, welche vom Soziales Institut veranstaltet werden, sind allgemein- zugänglich. Die Theatermusikor des Reuen. Deutschen Theaters erlegten, wie der.„Ruf", das Nachrichtenblatt derSu-etendeutschenPar- t e i für den Bezirk Prag, in seiner Jännernummer tneldet, 250 XL zugunsten der S u d e t ende u.tschen Volkshilfe. Nun weist also jedermann, wohin die Orchestermitglieder des N.D.TH. gehören und dah sie leider- nicht wissen, wohin»sie gehören...... - Raufendes Ehepaar altz Verkehrshindernis. Gestern vormittags begannen auf der Plattform eines Motorwagens der 22er Lime die arbeits- und wohnungslosen Eheleute. Josef-und Bojena Levinskh, 35, bzw. 37 Jahre alt, zu raufen und machten einen solchen Lärm,, dah sie die Wache auf dem Klarov aus dem Straßenbahnwagen holen mutzte. Da sie auch, auf der Strotze nicht ruhig wurden, entschlstz sich die Wache, sie vorzuführen; aber während die Lovinskä nur mit Geschrei antwortete, nützte-Levinskh, der den weihen Stock und das Schild der Blinden trug, die Tatsache, datz das Publikum gegen die Polizisten Stellung nahm, aus, um sich auf die Erde zu legen, umsichzuschlagen und jedes Weitergehen zu verweigern. Infolge des grohen Menschenauflaufs, der sich allmählich gebildet batte, war der Verkehr auf dem Klärov unterbrochen. Die Polizei mutzte die Rettungsgesellschaft alarmieren, um Levinskh auf die Wache zu bringen. Dort wurde festgestellt, dah die Le- vinskä, das Objekt des Streites, nämlich 342.70 XL in bar sowie zwei Einlagsbücher auf den Betrag von XL 1272.87, bei sich hatte, wozu sie erklärte, dah das Geld teils ihr, teils ihrem Manne gehöre, der es erbettelt habe. Dieser dagegen behauptete, das Geld durch Verkauf von Zeitungen ettoorben zu haben; seine Frau erwerbe ihren Lebensunterhalt dadurch, dah sie eine Reihe vcn Bettlern hüte, bzw. vor der Ankunst der Wache warne, wofür sie Prozente vom erbettelten Geld erhalte. Levinskh, der keine Blindenlegitimation besitzt, und den weihen Stock unberechtigterweise trägt, scheint sehr gut zu sehen, was jedoch eine ärztliche Untersuchung erst ergeben soll. Ferner wurde bei ihm ein Stempel der Blindenfürsorgezentrale gefunden; er behauptet, ihn noch nicht benützt zu haben, doch wurde er vom Wachmann, der ihn vyrfuhrie,' widerleg, oa auf der Legitimation, mit der er.sich ausgewiesen hatte,, sich ein Stempel der Blindenfürsorgezentrale befand. Levinsth wurde in Hast belasten. Drei Selbstmordversuche. Gestern früh wurde die 39jährige Frau Gabriele des städtischen Angestellten Stach auf die Klinik Schlosser gebracht. Sie hatte sich mit einem Rasiermesser die Pulsadern, der linken Hand durchschnitten. DaS Motiv der Tat ist eine Herz- und Nervenkrankheit.— Gestern nachmittags schotz sich der 31jährige Privatbeamte Karl Pokcrnh in seiner Wohnung am Wyschehrad in die linke Brustseite. Auf der Klinik Jiräsek wurde ein Lungendurchschuh konstatiert. Den Grund der Tat weigerte er sich anzugeben.— Die 16jährige Hausgehilfin Katharina Jckovic wurde vorgestern abends in der Wohnung ihrer Herrschaft in Holleschowitz mit Leuchtgas vergiftet aufgefunden. Sie wurde auf die Klinik Hynek gebracht. Das Motiv ihrer Tat ist unbekannt. Bei Rervenreizbarkeit, Kopfschmerzen, Schlaf- losigleit, Mattigkeit, Niedergeschlagenheit, Angstgefühlen hat man in dem natürlichen„Franz-Josef"- Bitterwasser ein Hausmittel in bet'Hand, um die meisten Aufregungen, von welchem Teil».des Ber- dauüngSwegeS sie. auch immer aukgehen mögen, allfogleich zu bannen. Aerztlich bestens empfohlen. 3148 Die Emigranten'Berhafttmgen. Zu den Blättermeldungen über die Verhaftung von Emigranten in Prag teilt die P o l i z e i d irek t i o n in Prag folgendes, mit: In den letzten Tagen wurden bei der regelmätzigen vierteljährlichen Kontrolle Adolf Wohlbrück alS„Student von Prag" der stemden Staatsangehörigen-Emigranten im Bezirke der Prager Polizei-Direktion wegen formaler und anderer Mängel insgesamt zwölf Personen angehalten und in Hast behalten, gegen die das zuständige Strafverfahren grötztenteils nur wegen polizeilichen Uebertretungen der Patz- und Meldevorschriften eingeleitet wurde. Nur in einem Falle wurde das Verfahren wegen des Verdachtes des Verbrechens nach Paragraph 144 des Strafgesetzes eingeleitet., tüchtige Maschinen-Schloster oder Dreher, werden um ihre Adreste ersucht. Bedingung: Freigewerkschaftlich organisiert. Zuschriften an die Administr. d. Blattes unter„Arbeitersport 112". 8225 Nmst und Mrsen- Bon Fall zn„Fall". Vor Jahren spielte man mit schönem Erfolg den„S ützenKavalier" von Leo Fall, eine Operette mit einem ganz netten Libretto, einer Bomben-Hosenrolle und einer eingängigen, gefälligen Musik. Jetzt haben sich auf den„Süßen Kavalier" zwei„Bearbeiter" gestürzt; der Zettel des Deutschen Theaters nennt als Lstlng- librettisten Herrn Ernst Welisch und als Neukompo- siteur Herrn Krasznay-Krauß. Ihr„Werk" heißt „Der junge Herr Ren e". Wir vermögen, so weit wir unserem Gedächtnis vertrauen dürfen, auch nicht eine handlungsgemäße oder musikalische Kleinigkeit anzugeben, die im Original nicht um vieles bester gewesen wäre. Jedenfalls ist die Prosa, die da dem Herrn Welisch nachgesprochen werden muß, nur schwer erträglich, und vollends in der Musik muß man mindestens zwei Stunden ab« sitzen, ehe man einen erfreulichen Einfall gewahrt; die Spärlichkeit der„Erfindung" ist fast nicht zu unterbteren, die Instrumentation kaum schülerhaft zu nennen. Die Schauspieler, besonders die Komiker, irren in der Wüste und für die Sänger ist fast alles unglücklich gesetzt. Alles in allem: ein schwerer Fall von Fall zu„Fall". Frau Käthe Walter kann weder durch ihre bildhafte Schönheit, noch durch ihren Charme, noch durch ihre acht oder zehn Kostümverwandlungen in beiden Geschlechtern tiefe Oede bannen und Fräulein Coty schmettert vergebens kräftige Töne ins Haus. Auch Fräulein Carpentier bemüht ihre Frische umsonst. Und was die beiden Komiker, die Herren D ö r'n e r und Dudek, anlangt, so wollen wir zu ihren Gunsten annehmen, daß zumindest^ der allergrößte Teil ihrer nweaulosen banalen Scherze eben den Auwren anzulastcn ist. Wir verzeichnen noch, datz in der männlichen Hauptrolle Herr L i b a l zu sehen und zu hören war, datz musikalisch Herr Rieger und regiemäßig Herr D u d e k die Verantwortung tragen müssen, daß es sogar„Chöre" und„Ballett" gabttmd daß— unser Geschmack ist, hoffentlich wenigstens zum Glück für die Kassa,, nicht entscheidend—. einige Nummern mäßigen Szenenapplaus fanden, der Schluß des zweiten Aktes sogar mit mehreren Vorhängen ausgezeichnet wurde. Wir meinen: wenn schon 3wll, dann Fall. Eine Aufführung etwa der„Dollarprtn- zeffin" oder des„Fidelen Bauer" wäre hundertmal besser gewesen. Doch Schwamm drüber l L g- Arbeitervorstellnng„Eine Nacht in Venedig", Operette von Johann Strauß, am Sonntag, den 2. Feber, tun halb 3 Uhr. Karten ab Dienstag, täglich von 8—2 und 4—6 Uhr. bei Optiker Deutsch, Koruna. Wochenspielplan deS Reuen Deutschen Theaters. Sonntag, nachmittags halb 3 Uhr: Das Land des Lächelns, halb 8 Uhr: Rigolettt». Gastspiel Desi Halban-Kurz, DI.— Montag halb 7 Uhr: Hoffmanns Erzählungen, Theatergemeinde der Jugend, Abonnement aufgehoben.— Dienstag halb 8: Die erste Legion, A 2.— Mittwoch halb 8: Ser jungeHerr R e n e e, B 1.— Donnerstag halb 8: H o f f- manns Erzählungen, C 2.— Freitag halb 8: Gentleman. Ensemblegastspiel des Deutschen Volkstheaters Wien' mit Albert und Else Bassermann, Abonnement aufgehoben.— Samstag hallst 8: Die Lebenslüge, Ensemblegastspiel des Deutschen Volkstheaters Wien mit Albert und Else Bassermann, Abonnement aufgehoben.— Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute Sonntag 3i4: Annasagtnein, 8 Uhr: Die Dame mit den Türkisen.— Montag 8: Der andereNapoleon, Bankbeamte I.— Dienstag 8:- Ser König mit demRegen schirm, volkstümliche Vorstellung.— Mittwoch 8: Die D a m e mit den Türkisen, Bankbeamte H und freier Verkauf. — Donnerstag 8%: Sa§ kleine Bezirksgericht.— Freitag 8: A n n a faßt netn, Theatergemeinde des Kulturverbandes und steier Verkauf.— Samstag 8: Im LondonerRe- b el, volkstümliche Vorstellung.— Dereinsnackrickten Freie Vereinigung sozialistischer Akademiker. Gruppenabend: DienStae 21. Jänner, 20 Uhr, Parteiheim, Närodni tt. Nr. 4. Referat und Diskussion über:„Ungarn und der Völkerbund." Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Sonntag. den 19. Jänner 1936, roter Klubabend, um 6 Uhr nachmittags in der neuen Urania.„Bericht von un.erem Winterlager". Gäste willkommen. > Alle Genoffen, Genossinnen und A Freunde des Atus treffen sich beim Atus- Masken- und Ko» jgnrA stümballam Samstag, den 25. ",ärmer. Sie Devise„Fahrendes PK 4G Volk", die für diese Veranstaltung rnau gewählt wurde, wird auch in der Mitternachtsszene zum Ausdruck kommen. Dabei wirken mit: die 8 Atus-Girls, die Zigeunerkapelle LajoS Pußta, die 8 lustigen Handwerksburschen, weiter Straßensänger und sonstiges fahrendes Volk. — Für Nichttänzer ist auch gesorgt: Wiener- Schrammelmusik mit dem Stimmungssänger Vater (bekannt durch den Rundfunk). Die Veranstaltung findet im FeuerwehrhauS, Prag XII., Rimsftl 45 (Malä opereta) statt. Beginn 20 Uhr. Eintritt 10 XL inkl. Steuer. Karten bei den Funktionären und im Bildungsverein deuffcher Arbeiter, Prag II., SmeLky 27, täglich von 5—8 Uhr abends. Kinderfreunde Prag Montag, den 20. Jänner, im Parteiheim, Rärodni tk. 4, Elternabend Wir führen den Filmstreifen„Rote Falken ans Auslandsfahrt" vor und berichten über das Winterlager 193536. Beginn 3 Uhr. Eintritt frei. Sonntag, den 19. Jänner, rbenfalls im Partriheim Klndernachmlttag mit ähnlichem Programm. Beginn halb 4 Uhr. Die AtuS-Kinder und Freunde der Bewegung find herzlichst eingeladen. ettXttSXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXKK» Der Mnr Das Fort der Verdammten Ein französischer Film von der Fremdenlegion, zwar von der spanischen, aber wohl doch auf französischem Boden in Marokko ausgenommen, so daß die Landschastskuliffen das Echteste an ihm sind. Der mit den Filmen ,L)avit> Golder" und„Poil de carotte" berühmt gewordene Regisseur Julien Du« b r v i e r(der jetzt gerade seinen Prager Golem- Film beendet) hat sich im wesentlichen an Vorbilder aus Hollywood gehalten, wo schon eine ganze Reihe von Fremdenlegionsromanen verfilmt worden sind, und auch an den amerikanischen Weltkriegsfilm„Die verlorene Patrouille" erinnert vieles, besonders das Ende: der qualvolle Tod der Besatzung deS Wüstenforts., dessen Belagerung nur einer überlebt. Dieser eine ist ein Polizeispitzel, der einem in die Legion eingetretenen Mörder auf der Spur ist, wodurch' zum allgemeinen Heldenkampf der„Männer ohne Vaterland" noch ein prwater Kampf zwischen dem Flüchtling und seinem Verfolger kommt, in dem auch ein Arabermädchen eine Rolle spielt, das der Flüchtling geheiratet hat. Man kann nicht behaupten, daß durch die Nebenhandlung die Wahrscheinlichkeit und Einheitlichkeit des FilmS gefördert worden ist, der den stärksten Eindruck dort macht, wo weder von Liebe und Polizei, sondern von Hunger. Durst und Todesnot die Rede ist. Jean G a b i n, der Hauptdarsteller, fft ein anständiger, wenn auch kein hinreißender Schauspieler, und Annabella hat. als Arabermädchen maskiert, keine sehr ergiebige Rolle. Am meisten wirkt der schon aus„Klar zum Gefecht" bekannte Pierre Renoir, der hier einen unzarten und verkrüppelten, aber menschlich und soldatisch tapferen Hauptmann einprägsam charakterisiert,—eis— Katherina die Letzte Daß der einzige deutsche Film, der in dieser Woche in Prag erschienen ist, ein außerhalb des Dritten Reiches und unabhängig von Goebbels entstandener ist, weckt die Hoffnung, daß di« hiesigen Filmverleiher wirklich eine Abwechslung beziehen wollen, die— wenn sie zur erhöhten Produktion nichtgleichgeschalteter deutscher Filme ermuntert— lebhaft zu begrüßen wäre. Daß■ die Franziska Gäal» Filme, deren neuester also für diese Woche die deutsche Filmkunst zu repräsentieren hat, auf keinem besonders hohen Niveau zu stehen pflegen, ist bekannt. Aber die Gäal ist immerhin ein Operettentalent, und wenn.der Ehrgeiz, mehr rührend als spaßhaft zu wirken, auch nicht gerade glücklich ist, so widmet sie sich ihm doch mit beachtlichem Eifer. Die Handlung des Films, für den der Schlagertext „Du paßt zu mir, so gut wie Zucker zum Kaffee" bezeichnend ist, macht aus einem Wiener Adeligen und einer Küchenmagd nach mancherlei Umständen ein glückliches Paar. Er überwindet also spielend dte Klassengegensätze,— nur nicht den Gegensatz zwischen guten und schlechten Filmen. Außer der Gäal und einem Herrn Holt, derwie eine wienerische Ausgabe des Herrn Wohlbrück wirft, haben alle Mitwirkenden Nebenrollen, darunter bekannte Komiker wie Paul Morgan, Ernst B e r e b e s und Otto Wällburg. Die Regie Nikolaus Brodskys hat für Spässe und Einlagen gesorgt, unter denen der Gesang der„Comedian Harmonifts" am erwähnenswertesten ist. „Fort mit den Sorgen" heißt ein Film der bekannten und wegen ihrer umständlich betonten Groteske beim anspruchslosen Teil des Publikums beliebten amerikanischen Komiker L a u r e l und H a r d y,— ein Film, Wer den nichts Wetter zu sagen wär«, wenn er nicht den Weltkrieg zum Anlaß für alberne Späße nähme. Andere mögen diese Geschmacklosigkeit komisch finden- Wir finden sie abscheulich.—«iS— WtteUuflfleadcr»Urcuua« Univ.-Prof. Dr. Karl Walk«:»Blutdruck« und Gefätzerkrankungen". Blutdruckver- hältniffe— Arteriosklerose— Thrombose— Embolie. Mittwoch, 8 Uhr. Karten XL 4.— bis 12.—, Mitgl. Ermaß., Urania, Andri, Wetzler. „Unvergeßliche Filme":»Victor und Victoria". Thimig, Müller. Wohlbrück. Montag. Mettel 9 Uhr. Volkstümliche Borstellungen im Urania-Kino. Jeden Sonntag-Vormittag der jeweils laufende Film zu niedrigen Preisen XL 2.— bis 5.—. Heute halb 11 Uhr:.Ich warJack Mortimer". Culbcttfon-Bridgekurs für Anfänger und Fort- geschrittene. Kostenloser Einführungsvortrag Mo«- t a g, 8 Uhr. „Dichter a»S dem Böhmerwald." Hans Multerer liest Ernstes und Heiteres aus eigenen Wetten, aus Werken von W a tz l i k und L e p p a. Dienstag. 8 Uhr. „Frigo unter den Indianern"—„Mi-kn bei der Fenerwehr". Auf der Bühne:»Großes Rätselraten". Kindernachmittag. Mittwoch, 3 Uhr. „Ursache» von Autounfällen und.deren Verhütung." Lichtbildervortrag Jng. Schwarz, gerichtlich beeideter Sachverständiger. Donnerstag. 8 Uhr. Katten: Urania. AndrL, Wetzler. „Zeugen antiken Geistes und Lebens." Auf vielfachen Wunsch eine zweite Reihe dieser Vorträge. Es sprechen zunächst: Prof. Ehrenberg, Prof. Hopfner, Prof. Kühn, Prof. Slotty, Prof. Stein. Erster Abend: Prof. A. Stein:.Pompeji". Freit äg, 8 Uhr. Bnrgtheatrrdirrftor Hermann RöbbeUng spricht Wer das hochaktuelle Thema:»Das Theater als völkerverbindender Faktor". Am M o n t a g, den 27. d. M.. 8 Uhr. Karten: Urania. AndrL, Wetzler, Arania-Kino „Ich war Jack Mottimer." Spannender Kriminalfilm mit Wohlbrück, Schmitz. Klöpfer. Heute, halb 11 Uhr vorm.(ermäßigte Preise), 2, 4, 6, viertel 9 Uhr. Filme in Prager Lichtspielhäusern Urania:»Ich war Jack Mottimer."— Adriar „feie Festung der Verfluchten." A n n a b e l la. Fr. — Alfa:„Die Kreuzritter." Ä.— Avion:»Katharina, die Letzte." Franziska Gaal. D.— L 36 Kotva: »Königin Chttstine." Greta Garbo. A.— Beranek:„Klar zum Gefecht." Annabell«. Fr. — Fenix:„Fort mit den Sorgen." Laurel u. Hardy. A.— Flora:„Klar zum Gefecht." Fr.— Gaumont:„Stradivari." S.— Hollywood:„Stradivari." D.— HvLzda: Mickey-Program a. — Julis:„Janosik." Regie: Mac Frii. Tsch.— Kinema: Journale, Groteske, Repottage. Halb 2 bis %7.— Koruna:„Die Schatten von Sing-Sing." A.— Lacerna:„Fort mit den Sorgen." Laurel und Hardy. A.— Metro:»Sie Brautschau der Rannnka Kultch." Tsch.— Olyurpic:„Klar zum Gefecht." Fr. Passage:„Katharina, die Letzte." Franziska Gaal. D.— Praha:»Todesrennen." Warner Baxter. A.— Radio:„Musikus Florian." D.— Skaut:»Klar zum Gefecht." Fr.— Svötozor:»Janosik." Tsch.— Alma:„Der Wagen Seiner Majestät." Harvey. A.— Baikal:»Einer zuviel an Bord." S.— Belvedere:„Klar zum Gefecht." Fr.— Beseda:„MusttuS Florian." D. — Carlton:„Sie Schatzinsel." WallaceBerry, I. Cooper. A.— Illusion:»Ich war Jack Mortimer." S.— Kapitol:„Episode." Paula Wesse l y. S.— Konvikt:„Ich war Jack Morttmer." D. Lid» II:„Bachstelze:" Tsch.— Louvre:„Einer zuviel an Bord." D.— Marrska:„Ich war Jack Mortimer." D.— Roxy:„Klar zum Gefecht.." Annabella. Fr.— Spott:„Das Geheimnis im Nachtexpreß." A.— U Bejvodu:„H e j rup." BoS- kovec und Werich. Tsch.— Baldek:»Einer zuviel an Bord." D.— Belttrhy:»Der grüne Domino." D. Mitteilungen ans dem Publikum. Wer glaubt schon die Wahrheit! Eine Samt fuhr einmal mit einem Kapuziner-Mönch im selben Abtett in die Tschechoslowakei. Sie war in Paris gewesen und hatte„Einiges" eingttauft. Als sich der Zug der Grenze nähette, wurde das Fräulein unruhig und wendete sich endlich mit ftommem Augenaufschlag an den Mönch, indem sie ihm vor, zwitscherte, datz sie sich auS der Tschechoslowakei für ihre Pariser Reise Lippenstifte und Nagellack mitgenommen hätte, daß sie sie aber nicht gebraucht habe und daß sie jetzt, wenn man ihr daraustäme, Zoll zahlen müßte, weil ibr ja doch niemand glauben würde, daß sie diese Dinge schon von zu Hause mitgebracht habe. Nachdem sie ihn solcheratt etwas mürbe gemacht hatte, stagte sie ihn schließlich offen heraiks, ob nicht er, da er ihr doch glaube, diese- Dinge an der Grenze in seine Kutte nehmen wolle. Der Mönch, der selten mit Frauen zusammenkam, glaubte ihr und tar eine Reihe von Lippenstiften und ttnige Fläschchen Nagellack, wie geheißen, in seine Kutte. Der Zollbeamte kam:„Haben Sie etwas zu verzollen?" Das Fräulein aptwottete rasch und mtt voller Ueberzeugung:„Nein, gar nichts l".Der Mönch blickte von seinem Brevier auf und sagte ganz ernsthaft: ,La, Lippenstifte und Nagellack." Der Beamte lachte, weil er das für einen guten Witz hielt' nnd ging Wetter. Ja, so ist eS. Es wird soviel zusammengelogen, daß selbst die Wahrheit nicht mehr geglaubr wird. Viele der Leser unserer Zeitung werden ia auch geglaubt haben, daß eS bloß Redens« arten sind, wenn die Fabttk selber immer wieder behauptet hat, datz Perola-Kornkaffee mtt Aecht Franck ein ausgezeichnetes und dabei billige- Frühstücks» und Jansengetränk ist, bis sie sich selbst davon überzeugt haben. Bezugsbedingungen: Btt Zustellung ins HauS oder btt Bezug durch die Post monatlich XL 16.—; vierteljährig Xi 48.—, halbjährig XL^b.—. ganztägig XL 192.—.— Inserate werden laut Tattf billigst berechn«. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuikrivten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmatten.— Di« ZeitungSftankatur wurde von der Post, und Tel«- eraphendirektion Erlaß Rr. 13.800/VU/1930 bewilligt.— Druckerei: Orbis'. Druck-. Verlags- und ZeitunaS-A.-G„ Prag.