Sosialdemokrat ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077,2 16. Jahrgang lom.most Emile Vandervelde ein Siebziger Heute feiert der Führer der belgischen Arbeiterbewegung und langjährige Vorsitzende der Sozialistischen Internationale, Genosse Emile Vandervelde, seinen siebzigsten Geburtstag. In Vandervelde verkörpert sich die Geschichte der Arbeiterbewegung eines halben Jahrhunderts. Ist er auch nicht der einzige und legte Zeuge aus den Zeiten, da wenige Männer aus einer fleinen Sekte die große Weltmacht der So zialdemokratie schufen, so ist er doch neben Kautsky, dem Träger der wissenschaftlichen Tradition der Zweiten Internationale, der befannteste und politisch auch der markanteste Mann, der noch in der Spätzeit der Ersten Internationale murzelt, der die Geschichte der Vorkriegs- Internationale wirkend und schöpferisch erlebt hat und der noch in diesen Tagen einer der gewichtigsten Sprecher im Rate der internationalen Arbeiter flasse ist, auch wenn er zur Zeit der Exekutive der SAI nicht angehört. Vandervelde trat um die Jahrhundertwende in den Vordergund der belgischen und der internationalen Politik. Im Kampfe gegen den königlichen Schieber und Intriganten Leopold II. war die belgische Sozialdemokratie gleichermaßen wie im Wirtschaftskampf gegen einer der reichsten und übermütigsten Kapitalistenklassen und gegen eine bornierte Schichte flerifaler Kleinbürger, groß und mächtig geworden. Das kleine Belgien mit seinen sieben bis acht Millionen Einwohnern war dark HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Samstag, 25. Jänner 1936 Statistik und Wirklichkeit Der Fürsorgeminister über die Arbeitslosigkeit Das zeitliche Zusammentreffen von Meldungen über Besserungszeichen in der Wirtschaft Produktionssteigerungen, größere Waggonbeistellungen der Staatsbahnen, Steigen des Exportes, Rückgang der Zahl der Konkurse usw. mit dem Wachsen der Arbeitslofenziffern hat in der Deffentlichkeit Verwirrung hervorgerufen, die von gewissen Seiten zu politischen Zwecken mißbraucht wurde. Fürsorgeminister Genosse Ing. Nečas lud daher Freitag die Vertreter der Preffe zu sich, um sie über einige der am meisten diskutierten Fragen zu informieren. Einzelpreis 70 Heller ( einschließlich 5 Heller Porto) Nr. 21 Im Osten nichts Neues Die KPC auf dem toten Punkt Wir haben es schon lange aufgegeben, auf die täglichen Angriffe der kommunistischen Presse zu antworten und beschränken uns bewußt auf die notwendigen sachlichen Klarstellungen. Damit soll dokumentiert sein, daß die Sozialdemokratie feine Freude an der Führung des Bruderkampfes hat, denn sie erblickt nach wie vor ihre Hauptaufgabe in der täglichen Auseinandersetzung mit den bürgerlichen Feinden der Arbeiterklasse. Wir sind uns aber dessen auch bewußt, daß diese einseitige Zurückhaltung die notwendige prinzipielle Aläun aber dessen auch bewußt, daß diese einseitige Zurückhaltung die notwendige prinzipielle Mädert. Auch zu einem leidlichen Nebeneinanderleben gehören immer zwei und die Vernunft des einen ist kein Schutz gegen die Unvernunft des anderen. In seinen einleitenden Worten verwies Ge- ten gewinnen wollen. Eine Entlastung des Arbeitsnoffe Ne čas in Uebereinstimmung mit den marktes bedeuten fie nicht. Wie groß die Zahl solcher Nečas Worten des Ministerpräsidenten an die Journa- Anmeldungen ist, geht daraus hervor, daß bei der listen auf die Vorlagen zur Belebung der Bau- Bentraliozialversicherungsanstalt früher das durch- rung in den Reihen des Proletariats nicht för schnittliche Anfangsalter des Versicherten 17 Jahre bewegung der ( bei gleichzeitiger Abwehr 3. Viele früher im Gewerbe oder in freien BeTeuerungswelle bei Baumaterialien), die be- war, während es jetzt über 25 liegt! schleunigte Durchführung der Investitionen nicht rufen Tätige treten in ein sozialversicherungspflichnur des Staates, sondern auch der staatlichen tiges Dienst- oder Lohnverhältnis. Auch sie verrinFonds und der Selbstverwaltung, die Erleichte gern nicht die Zahl der Arbeitslosen und den Druck rung des Exportverfahrens u. ä. auf den Arbeitsmarkt. Ich könnte, sagte Genosse Nečas, die Bürde, 4. Die früher normale Entlastung durch Auswelche auf dem Fürsorgeminifterium liegt, nicht wanderung von jährlich 30.000 bis 50.000 Personen tragen, wenn ich nicht der Ueberzeugung wäre, iſt auf 5000 refunken. Auf diese Weise wuchsen in den Krisenjahren Hunderttausende zu. daß wir im Aufsteigen sind. Ich verhehle mir aber 5. Tausende beschränkt Arbeitende sind gleichnicht, daß der heurige Winter wegen der allge- zeitig sozialversichert und in den Verzeichnissen der meinen Erschöpfung noch eine sehr schwere Be- Arbeitsvermittlungsanstalten, da sie Anspruch auf lastung der Geduld vor allem der Arbeitslosen Unterstübung haben. 6. Unzureichende Renten arvingen, viele, bei den fein wird. Arbeitsämtern Beschäftigung zu suchen. Beschäftigtenzahlen- Arbeitslosenziffern Die Zahl der sozialversicherten Personen seiner wirtschaftlichen Struktur als Exportstaat, stieg am 1. Dezember 1935 gegenüber dem als ein Land des Bergbaues, der Savers und 1. Dezember 1934 um 131.000, gleichzeitig war Fertigwaren- Industrie, des Handels und der aber die Zahl der Arbeitslosen um 10.137 höher. Schiffahrt geradezu eine Musterschule des So- Aus diesem scheinbaren Widerspruch wurde u. a. zialismus, wie ihn der Marrismus Ende des 19. gefolgert, daß die Arbeitslosenstatistik falsch sei. Jahrhunderts organisiert und formuliert bat, des Die weitere Folge waren Angriffe auf die ArSozialismus als einer Bewegung der industriellen beitslosenunterstübungen, die Arbeitslosen und so Arbeiter. In der belgischen Bewegung hoben sich gar die Forderung, nach willkürlicher Aenderung aus der großen Zahl der Funktionäre bald einige der Arbeitslosenstatistit. Mit Entschiedenheit lehnte Stöpfe von scharfem Profil ab und der gländer Fürsorgeminier derartige Auslegungen und zende Redner, der gewandte Dias Forderungen ab und wies nach, daß ein mechanis lettifer und Iuge Staatsmann scher Vergleich der beiden Statistiken unzulässig, Vandervelde, ein Mann von umfassendem die aus ihm gezogenen Schlüsse daher vollkomWissen und vielseitigen Interessen, war nicht der men unberechtigt sind. lette unter ihnen. Die großen Diskussionen, in denen die Richtungen der Zweiten Internationale seit 1900 um die Klärung grundsätzlicher Fragen rangen, zeig ten Vandervelde als berufenen Führer interna tionalen Formats. Die Mittlerſtellung Belgiens zwischen Frankreich, Deutschland und England trug ihr Teil dazu bei, daß Emile Vandervelde als Vorsitzender an die Spitze der Internationale fam. So sind wir immer wieder vor die Notwen digkeit gestellt, grundsägliche Klarstellungen vor= zunehmen, die sich auf den Wesensunterschied zwischen sozialdemokratischer und kommunistischer Politik beziehen. Es sei kein Hehl daraus gemacht, daß die geänderte Sprache Dimitroffs auf dem letzten Moskauer Kongreß auch in unseren Reihen manche Hoffnungen erweckt hat. Viele gute Sozialdemokraten gaben sich der Erwartung hin, daß, wenn auch spät, aber doch, die Führer der III. Internationale die Schädlichkeit der Spaltung und 7. Die Beendigung der Investitionsarbeiten die Sinnlosigkeit des Bruderkampfes erkannt hätten. Mit dem Bekanntwerden der zum Referat bringt wieder Behntausende auf den Arbeitsmarkt. die wieder 8. Die Rationalisierung scheidet immer noch Dimitroffs beschlossenen Resolution ständia Arbeiter aus dem Arbeitspro aus. ganz im Geiste der bolschewistischen TotalitätsDas Fürsorgeministerium bereitet eine ansprüche gehalten war eine ansprüche gehalten war ist schon eine gewisse genaue Zählung der Arbeitslosen vor, welche die Ernüchterung eingetreten. Trotzdem blieb abzuUebersicht nicht nur nach einzelnen Gebieten, warten, ob die Reden Dimitroffs irgend einen fondern auch nach den verschiedenen Produktions- Einfluß auf die praktische Haltung der kommu zweigen geben soll. Genosse Nečas unterstreicht nistischen Parteien ausüben würden. Der Zweinochmals die Notwendigkeit des Gesetzes über die fel, ob die jüngsten Moskauer Angebote ehrlich allgemeine obligatorische Arbeitsvermittlung, gemeint waren oder lediglich ein neues Um welches den Interessen des Staates und der gehungsmanöver der Spaltungsstrategen bedeuArbeitslosen entsprechen würde. Die Arbeitslosenunterstützung teten, fonnten nur durch die tatsächliche Entwic lung, die ihnen in den einzelnen Ländern folgte, geklärt werden. Der Fürsorgeminister widerlegte dann die Für die Tschechoslowakei läßt sich nun nach Wenn die Bahl der Beschäftigten maßgebend Behauptungen, daß manche-Arbeitsloje an ver- längerer Beobachtungsfrist sagen, daß sich an der wäre, dürfte es z. B. in England heute keine Arbeits- schiedenen Stellen staatliche Unterstüßungen be- kommunistischen Politit nichts Wesentliches geänlofen geben, denn dort ist die Zahl der in Arbeit ziehen und stellt fest, daß der Staat auch bezüg- dert hat. Die Frage der Einheitsfront und noch Stehenden gegenüber 1929 um 10 Prozent größerlich der Unterstützung der gewerkschaftlich Orga- mehr die der völligen Wiedervereinigung der Araber es wurden aivei Millionen Arbeitslose gezählt! nisierten hinter anderen Staaten zurücksteht. Den beiterklasse hängt entscheidend von der Beurteilung war ist unsere Arbeitslosenstatistik nicht ganz ge- tendenziösen Berichten über Unzufömmlichkeiten der Aufgaben ab, die den sozialistischen Parteien naudies wäre nur durch eine Arbeitslosenber bei der Ernährungsaktion hält der Fürsorge- in diesem Geschichtsabschnitt gestellt sind. Dimisicherung oder durch die obligatorische Arbeitsvermitt- minister entgegen, daß von dieser Seite z. B. die troff hat sich für die Verteidigung der demokra lung erzielbar aber sie stellt nach den Worten des Tatsache übergangen wird, daß in manchen Ge- tischen Volksrechte, für die Wahrung der sozialen Präsidenten des Statistischen Staatsamtes, ein vermeinden- vor allem auf dem Lande- Ar- Errungenschaften gegenüber dem anstürmenden läßliches Barometer der Arbeitslosigkeit dar. beitslose zurückgewiesen wurden, um sie zur Faschismus ausgesprochen. Damit ist die Haltung Warum steigt die Arbeitslosenzahl? Arbeit um jeden Preis zu zwingen. der sozialdemokratischen Parteien dieses Landes Die erwähnten Widersprüche haben im Das Fürsorgeministerium hat wie die boll gerechtfertigt worden. An den Kommunisten lag es nun, die Konsequenzen aus dieser für sie Arbeitslosen selbst das größte Interesse an wesentlichen folgende Ursachen: neuen Erkenntnis zu ziehen. Sie taten einen hal 1. Der Bevölkerungszuwachs beträgt seit Ende einer Kontrolle der Unterstützungen. Die mecha- ben Schritt. Die Koalitionspolitik der Sozialde1930 fast eine halbe Million. Die grökte Belastung nische Streichung( durch die politischen Behörden. sein Land, aber es war ja gerade in diesem Falle bilden in der letztenzeit die Vierzehn- und Fünfzehn D. Red.) ist aber grausam, ungerecht und zwed- mokraten wurde nicht mehr wie bisher als Sozialzugleich ein Kampf für die Sache des internatio- jährigen, deren Zahl immer mehr wächst. 1933 be- los. Das Fürsorgeministerium strebt eine Aendenalen Rechts, ein Kampf gegen die militaristische trug fie 135.000, im Vorjahr 286.000, also um Gewaltpolitik, die Belgien gegen seinen Willen in 150.000 mehr. Von ihnen findet nur ein Teil fo-/ rung der Richtlinien für die Ernährungsaktion an. Stimmenabgabe für das Budget des FürsorgeIn die Aktion müßten die jugendlichen den Wirbel des Krieges gerissen hatte. fort Arbeit. Am Wiederaufbau der Internationale feit 2. In den Sozialversicherungsanstalten mehren Arbeitslofen aufgenommen werden und ebenso ministeriums. Konsequenz war nie die starke Seite dem Hamburger Kongreß von 1923 hatte Van- sich in startem Maße die Anmeldungen älterer Ber- müßten die Bestimmungen über Saisonarbeiter unserer Kommunisten und so konnten sie sich nicht dervelde gewaltigen Anteil. Auch die neue Inter- fonen, besonders vom Lande, die früher nicht geändert werden. Das Ministerium hat einen fol- entschließen, gleichzeitig für das von einem deutschen Sozialdemokraten verwaltete Gesundheitsnationale berief ihn an die führende Stelle. Erit berfichert waren und nun Alters- und Invalidenrenschen Antrag bereits ausgearbeitet und vorgelegt. ministerium au votieren. Die Zustimmung zu dem Der Krieg zerstörte das Wert, an dem Van dervelde mit Jaurès, mit Bebel, mit Viktor Adler, mit Martow und vielen anderen gearbeitet hatte. Vandervelde wurde leitender Minister der emigrierten belgischen Regierung. Er kämpfte für als er im Vorjahr Minister im Kabinett Van Zeeland wurde, schied er statutengemäß aus der internationalen Exekutive aus. Genosse Vandervelde ist mit seinen siebzig Jahren ein Mann vonjugendlichem Feuer und einer geistigen Lebendigkeit, die er in den letzten Jahren immer wieder unter Beweis gestellt hat. Er hat sich im letzten Jahrzehnt über die wichtigsten weltpolitischen Fragen nicht nur aus Büchern, sondern durch weite Reisen orien tiert. Geist und Temperament des wallonischen Franzosen paaren sich in Emile Vandervelde aufs glücklichste mit der Gründlichkeit und bedächtigen Klugheit des flämisch- niederdeutschen Volfes, in dem Vandervelde, wie sein Namen schon sagt, einen guten Teil seiner Vorfahren haben dürfte. Die Mischung, die Vandervelde darstellt, ist der Typus des guten Europäers. In seiner Gesinnung aber war er darüber hinaus immer vor allem ein glühender Sozialist. Wir beglückwünschen ihn zu seinem 70. Geburtstag und wir hoffen, daß ihm noch viele Jahre des Wirkens für die internationale Arbeiterbewegung gegönnt seien! Kabinett Sarraut stark nach links orientiert Flandin Außenminister Paris. Freitag nachmittags um 15 Uhr wurde das Kabinett Sarraut gebildet. Es ist abermals ein Konzentrationskabinett, steht aber bedeutend mehr links als das Kabinett Laval. Sarraut stützt sich nicht wie sein Vorgänger auf die Rechte oder die rechte Mitte, sondern hat dafür den linken Flügel der radikalfozialistischen Partei und die Gruppe der sozialistischen Vereinigung gewonnen, die in der Regierung durch vier Mitglieder vertreten ist. Neben 18 Ministern wurden noch fünf Unterstaatssekretäre ernannt. Aus dem Kabinett Laval wurden nur fünf Minister übernommen. 13 Kabinettsmitglieder gehören der Linken an( neun. Radikalsozialisten und vier Mitglieder der sozialistischen Einigung), neun den Gruppen der Mitte. Kriegsminister General Maurin, der kein Parlamentarier ist, gilt gleichfalls als Anhänger der Linken. Die Regierung dürfte die innere Politif in einem dem Programm der Links front nahestehenden Sinn führen. Darauf deutet vor allem die Anwesenheit zweier führender Mitglieder des linken Flügels der radikale. Partei, Guernut und 3 ay hin, die sich für eine Annäherung der Radikalen und der Volksfront einsetzen. Das Kabinett hat vorläufig eine Mehrheit gesichert, zumal man mit einer wohlwollenden Neutralität der Sozialisten rechnet. ( Kabinettsliste siehe Seite 2) berrat verlästert, sondern in manchen Punkten sogar toleriert. Ein Symbol dafür war die Außenpolitischen Exposee des damaligen Außen= ministers Dr. Beneš war mehr durch die Intereffen Sowjetrußlands diftiert. Ueber diese Ge sten tam jedoch die KPC nicht hinaus. Sie fonnte sich nicht dazu entschließen, durch die Zustimmung zum Militärbudget zu dokumentieren, daß fie auf den Boden einer aktiven Staatspolitik zu übersiedeln gewillt ist. Heute fann gesagt werden, daß es an gutgemeinten Bemühungen nicht gefehlt hat, die Kommunisten zu überzeugen, daß sie schon im Interesse Rußlands durch offene Bereitschaft zur Landesverteidigung den Verdacht der Staats feindlichkeit zerstören müssen. Bei den inneren Auseinandersetzungen, die in der KPC über diese Frage geführt wurden, hat schließlich das agitatorische Bedürfnis über die politische Notwendig feit gesiegt. Die Begründung, man habe nicht für den Wehretat stimmen können, weil in der Armee reaktionäre Offiziere sind, war eine schwache Ausrede. Niemand wird behaupten können, daß durch die negative Haltung der Kommunisten ein einziger Reaktionär aus dem Heer verdrängt worden wäre. Damit ist auch die Entscheidung gefallen, daß der immerhin 30 lbgeordnete zählende kom Seite 2 Samstag, 25. Jänner 1936 munistische Klub im Laufe der Wahlperiode für dann offen sein wird, wenn unsere Kommunisten eine Aenderung des innerpolitischen Kräftespiels nicht mehr nach Moskauer Befehlen, sondern nach kaum mehr in Betracht kommen wird. Mit ge den Notwendigkeiten des eigenen Landes Politit wohnter Zurückhaltung haben wir dann die komi- machen. Die III. Internationale ist von wahrem schen Sprünge der KPC vor der Präsidentenwahl Einheitswollen nach wie vor weit entfernt. Auf mit dem Mantel christlicher Nächstenliebe zuge- die Schalmeien Dimitroffs folgte unlängst aus deckt. Soviel fann jedoch gesagt werden, daß nach dem Munde Manuilstis die Parole zur dem kommunistischen Einheitsfrontrezept dieser Fortsetzung des Bruderkampfes. Er sagte vor entscheidende Kampf in einem vollen Sieg der Leningrader Arbeitern: Reaktion geendet hätte. Eine Einheitsfront- Kan= didatur der Sozialisten und Kommunisten wäre haushoch unterlegen. Zum Siege Beneš' hat da= gegen die politische Strategie der Sozialdemokra tie ihren Teil beigetragen, indem sie alle Versuche, die Arbeiterklasse zu isolieren, durchkreuzte. Wie„ Die Losung der Einheitspartei ist keine Losung der Spikenkombina= fen, eines zähen und schweren Kampfes, der die Gespannte Lage Menschen umschmiedet und zum revolutionären Bewußtsein erweckt. Und wir schleudern diese Losung unter die Mas= sen, weil die kommunistische Bewegung er starkt ist, weil sie sich heute schon nicht nur die Aufgabe der Bolschewisierung der kommunistischen Parteien, sondern der Bolsche wi= sierung der Arbeiterklasse stellen kann." Das Spiel aus dem Jahre 1920 em Jahre 1920 ti o n, fie ist die Lofung des Kampfes der Maf- von vorne beginnen? derum hat die sozialdemokratische Politik der Sarrauts Ministerliste Reaktion den Weg verlegt und wenn die Kommu nisten nachher ihren eigenen Anteil am Siege feierten, fonnten sie eines mitleidigen Lächelns aller Wissenden sicher sein. Die NPC steht nunmehr wieder am gleichen Punkt, wie vor dem Moskauer Kongreß. Sie weiß mit Dimitroffs Anweisungen nichts anzufangen. So will sie nun das Glück voll auskosten, daß die Sozialdemokraten weiter unpopuläre Regierungspolitik machen und nach wie vor unter dem Schutzdach der Demokratie muntere Agitationsreden halten. Zur Abwechslung nimmt sie in legter Zeit die Konkurrenz mit der nationalen Demagogie der Henleinpartei auf. Die nationalpolitischen Forderungen der KPC in allen Ehren, doch wenn sie gar so sehr nach Volksfreiheiten dürftet. dann müßte dies eigentlich ein Grund mehr sein, in die Regierung zu gehen und die wahrlich un erfreulichen Zustände ändern zu helfen. In der bestimmten Vorausseßung aber, daß man feine Gelegenheit zur Verwirklichung suchen wird, las= sen sich billig die kühnsten Forderungen erheben. 0881 080 A also 10 jolla Gesundheit: Nicolle( Deputierter der Mitte). HOORT SATHOM Flandin bekleidet. zum erstenmal den Posten des Außenministers. Er war von November 1934 bis Mai 1935 Ministerpräsident und nahm damals mit Laval, der sein Außenminister war, an den Beratungen von Stresa teil und war mit ihm auch in London. Flandin hat unter den englischen Politikern zahlreiche Freunde und man glaubt, daß seine Anwesenheit am Quai d'Orsay in England günstig aufgenommen werufgeno den wird. Unterrichtsminister Guernut war lange olatisd196 Beit Generalsekretär der Liga für Menschenrechte. who 3. Feber: Nr. 21 in Aegypten Wafd- Partei verlangt die ganze Macht London. Nachdem der Führer der Wafd, Nahas Pascha, es abgelehnt hat, sich an der Bil dung eines Koalition stabinetts zu beteiligen und nur ein reines Wafd- Kabinett zu bilden bereit war, ist in Aegypten eine recht verworrene politische Lage entstanden. Die Zeitung Al Ahram" behauptet in diesem Zuſammenhang, daß sich die gesamte ägyptische Armee in Alarmbereitschaft befinde. Nach einer Reutermeldung aus Kairo ist in der ägyptischen Gouverneure der Provinzen Befehl erhalten, Hauptstadt zur Zeit alles ruhig, doch haben die ihre Posten nicht zu verlassen. Rom meldet Sieg in Tembien Rom. Der letzte Heeresbericht meldet: Da das Oberkommando sichere Nachrichten erhalten hatte, nach denen beträchtliche abessinische Streit> kräfte unter dem Kommando des Ras Kassa während der letzten Tage im südlichen Tembien zusammengezogen worden waren, um eine träftige Offensive zu versuchen, wurde beschlossen, dem Feind zuvorzukommen und mit starken Kräften anzugreifen. Die für den Gegner überraschend die sich am 21., 22. und 23. Jänner fortsetten. Donnerstag, am späteren Abend, endeten diese Kämpfe mit einem vollständigen Siege unserer Truppen. Prüfung der Oelsanktionen fommende Aftion führte zu erbitterten Kämpfen, Genf. Der Präsident der Sanktionskonferenz hat den Sachverständigenausschuß für die Prüfung der Voraussetzungen einer wirksamen Durchprüfung der Delsperre auf Montag, den 3. Feber, einberufen. Dieser Ausschuß soll Ministerpräsident und Inneres: Albert Sar- ehestens einen Bericht über die Tätigkeit der allraut( radikaler Senator). fälligen Erweiterung der Sanktionen gegen Italien und des Embargos auf Petroleum für den Achtzehner- Ausschuß ausarbeiten. T Staatsminister: Senator Paul Boncour ( Borsitzender der sozialistischen Vereinigung). Aeußeres: P. E. Flandin( Vorsitzender der Partei der Mitte der demokratischen Alliance). Auch andere Zeichen deuten darauf hin, daß sich die Kommunisten für die unveränderte Fortsetzung der alten sterilen Methoden entschlossen haben. Nach kurzer Unterbrechung ist die alte Bellenarbeit so weit als möglich wieder aufgenommen worden. Wichtiger als der Aufbau einer eigenen Jugendbewegung erscheint den Einheitsfrontlern die Konspiration unter den sozialdemofratischen Jugendlichen. Da und dort wird mal eine Kleinbauerngruppe für die Einheitsfront" eingespannt. Kampfbündnisse mit nichteriſtierenden Organisationen sind sehr beliebt, bei„ gemein demokratischen Gruppe der demokratischen Linken terstreik, der am 27. Jänner beginnen sollte, abfamen" Aufrufen oder Protesten kommt es auf fingierte Unterschriften nicht an. Fast hat es den Anschein, daß all die schäbigen konspirativen Methoden aus dem Jahre 1920 wieder frisch ausgepadt werden sollen. Und was ist das Ergebnis? Das Sehnsuchtsziel der wirklichen proletarischen Einheit wird wie der in die Ferne gerückt. Die Dauer der bürgerlich- agrarischen Vorherrschaft im Staate wird berlängert. Der Kampf um den Lohn des Arbeiters und um das Stück Brot des Arbeitslosen wird erschwert. Die Fortsetzung derkommu nistischen Manöver geht auf Kosten der politischen Geltung und der sozialen Eristenz der Ar beiterklasse. Es scheint in den kommunistischen Reihen nicht wenig Leute zu geben, welche dieses impotente tägliche Geschwäß über die„ Einheitsfront" und das gleichzeitige Arbeiten gegen die Einigung des Proletariats schon bis zum Halse herauf satt haben. Deshalb wurde offenbar der kommunistische Parteitag schon mehrmals verschoben, wenn nicht sein Stattfinden in absehbarer Zeit überhaupt in Frage gestellt ist. Wie auch die inneren Kämpfe in der KPC ausgehen mögen, soviel ist gewiß, daß der Weg zur Einigung erst Stellvertreter des Ministerpräsidenten und Justizminister: Yvon Delbos( radikaler DepuFinanzen: Marcel Régnier( Senator der und Radikalsozialisten). Krieg: General Maurin. Marine: Deputierter Pietri( republikanische Linke). Flugwesen: Marcel Déat( fozialistische Vereinigung). Handel: Georges Bonnet( radikaler Deputierter). Post: Georges Mandel( unabhängiger Deputterter). Oeffentliche Arbeiten: Camille Chantemps ( radikaler Senator). Englischer Bergarbeiterstreik vermieden London. Der Konflikt in der Kohlenindustrie wurde bereits liquidiert und damit der Bergarbei gewendet. Die Landeskonferenz der Bergarbeiterdelegierten gab nach einer langen Aussprache ihre 3uſt im mung zu den neuen Vorschlägen der Gewerke, welche beschlossen, in allen Gruben ganz Großbritanniens, demnach auch in Lancashire, den Tageslohn der Bergarbeiter u meinen Schil ling zu erhöhen, obwohl sie ursprünglich nur eine Erhöhung um neun Pence( 0.75 Schilling) vorgeschlagen hatten. Republikanischer Schwarzsender in Wien Nationale Erziehung: Gnernut( radikaler Wien.( Tsch. P.-B.) Am Donnerstag arDeputierter des linken Flügels). beitete in Wien ein Schwarzfender. Der Landwirtschaft: Trillier( Deputierter der Ansager stellte sich als Sprecher des aufgelösten republikanischen Linken). Republikanischen Schutzbundes vor und rief zu Kolonien: Jacques Stern( anabhängiger- ne u er Tätigkeit auf. Nach der Rede Deputierter). wurde auf einem Grammophon die InternatioArbeiten: Fr of sard( unabhängiger Depu- nale gespielt, worauf der Schwarzfender seine Sendung beendete. ( unabhängiger Deputierter der Linken). Pensionen: R. Beffe tierter der Linken). Handelsmarine: de Chappedelaine( Deputierter der radikalen Linken). UNSER GESICHT 58 Roman von Karl Stym Copyright by Eugen Prager- Verlag, Bratislava ,, Nein, Paul, du bist noch zu jung! Du wirs die Grube sollst du nimmer. Die Sonne wird dich gesund machen! Schau, es laufen doch so viele mit schlechten Lungen herum und werden alt damit!" ,, Laß!" ,, Du mußt leben wollen!" ,, Zu spät! Ich hätte nie in die Grube gehen sollen!" Ich möchte diesen Menschen da vor mir rütteln, weil er niemand anklagt, als sich selbst. Bald darauf ist er wieder eingeschlafen. Still, dünnatmig liegt er da. Ein halber Toter... Ich halte Wache und scheuche die Fliegen von seinem Gesicht. Es ist so still im Zimmer, daß ich sogar das Ticken meiner Taschenuhr höre. Vor dem Fenster steht ein Birnbaum. Er blüht hellweiß. Ein Star trillert darauf... Ich gehe zur Post und gebe ein Telegramm an Berta Mühler auf. Wenn sie morgen kommt, trifft sie ihn vielleicht noch am Leben. Vielleicht?... Die ganze Gegend ist voll Militär. Es ist ein förmlicher Spießrutenlauf ins Dorf hinunter. Mich wundert nur, warum sie nicht mit ihren blankgeputzten Bajonetten gleich zustechen... Sogar mein Telegramm beschnüffeln sie. Ich halte es empört dem Offizier vors arrogante Gesicht. Er liest. Berta komme. Paul stirbt. ,, Pardon!" stammelt er und gibt es mir zurück. ,, Ich dachte, es wäre etwas anderes!" ,, Schade, nicht wahr!?" Die Polizei hat insbesondere an der Peripherie des 10. Bezirkes strenge Nachforschungen angestellt und einige Hausdurchsuchungen vorgenommen. Sechs Personen wurden in Haft genommen. Ich kann nicht vom Fleck. Meine Augen verbeißen sich in das glatte Gesicht. Was weiß dieser Kerl von unserem end. Er hat keine andere Sorge, als sein Gehalt bei feilen Dirnen loszuwerden. ,, Abtreten!" Unmöglich. Ich kann nicht. Das Gesicht fängt an, sich um mich zu drehen. Immer schneller. Ich reiße meine Hände aus den Taschen. Im nächsten Moment liege ich auf dem harten Pflaster vor der Post. Die Soldaten lachen. Einer hält mir sein Bajonett vor die Nase und höhnt: ,, Riech'!" Die anderen wiehern vor Vergnügen. Der Offizier stellt sich breitbeinig vor mir auf und reißt mich in die Höhe. Ich sehe wieder in das Gesicht. Aber ich kann nicht mehr zuschlagen. Meine Hände hängen wie tot an mir. ,, Verdammter Hund!" Ein kräftiger Stoß wirft mich an die Wand. Ich fühle nichts, nur fort möchte ich. Schwerfällig setze ich einen Fuß vor den anderen. Meine Knie brennen. Sie haben die Hose durchstoßen und bluten stark. Ich gehe nicht nach Hause. Dort stirbt Paul... Auf der Tegelhalde setze ich mich auf meine Bank unter der mageren Birke und weine... Ich weine nicht vor Schmerz. Wahnsinnige, hilflose Wut stößt mir die Tränen in die Augen und erstickt mich fast. Ich verfluche mich selbst und die ganze Welt. Wie durch einen Schleier sehe ich das Mundloch des ,, Barbarafeldes" vor mir. Es glotzt mich wie ein ausgeronnenes Auge an. Ein Soldat steht schußbereit davor. Der Gewehrlauf blitzt in der Sonne... Alles ist aus. Röhlings Weib ist schon zu Hause. Sie sitzt auf einem niedrigen Schemel und sieht mit irren Augen auf ihr Kind, das sie fest an sich gepreẞt hält. Die Haare hängen wirr in ihr Gesicht. Mit einer Hand wühlt sie in ihrer Schürze. Die Hand ist blutig. Der alte Schropp hockt noch immer frierend am Ofen, Das Gesicht wird puterrot. Ich verbohre meine Hände in ganz in sich verkrochen. die Hosentaschen. Herrgott, jetzt zuschlagen dürfen... Ich trete leise auf, um ungesehen vorbeizukommen. Demgegenüber erklären nach einer Reutermeldung die Abessinier, daß die Schlacht noch nicht zu Ende ist und ohne Unterbrechung weiter fortschreitet. 300 italienische Ueberläufer in Kenya interniert Nairobi( Britisch- Ostafrita). Amtlich wurde mitgeteilt daß 380 italienische Eingeborenen soldaten, die desertiert sind, die Grenzen Die Ueberläufer wurden entwaffnet und der britischen Kolonie Kenya überschritten haben. in einem eigenen Lager bei Isiolo interniert. Verlängerung • der Ernährungsaktion Der letzte Ministerrat bewilligte die Mittel für die Fortsetzung der staatlichen Ernährungsaktion für Arbeit lose und der Milchaktion für Kinder für die laufende Periode. Ebenso wurde die weitere Erhaltung der Heime für jugendliche Arbeitslose bewilligt. Der Ministerrat nahm u. a. den Bericht über die Verhandlungen mit Deutschland betref= fend die Regelung des gegenseitigen Warenvers fehrs und die Liquidierung des tschechoslowakis schen Aktivsaldos gegenüber Deutschland zur Kenntnis, genehmigte einen Geseßentwurf über die Uebernahme der Kunstsammlungen der Gesellschaft der patriotischen Kunstfreunde in Böhmen und nahm eine Reihe von Regierungsverord= nungen an. Eine dieser Verordnungen sieht vor, daß bei kleinen Steuerzahlern auf dem Gebiete der Einkommens und allgemeinen Erwerbsteuer die Steuerbekenntnisse und Steuerbemessungen. auf einmal für zwei Steuerjahre getätigt werden können. Kaum habe ich die Klinke zu unserem Zimmer in der Hand, fährt das junge Weib auf. ,, Du?! Du stehst da und drüben wird geschossen!" Sie kommt auf mich zu. Ihre entzundenen Augen funkeln. ,, Du, hörst du, mein Mann ist tot und du lebst! Warum lebst du? Du hast keine Frau und keine Kinder. Fogger Schorsch ist auch tot und seine sieben Kinder können sich über den leeren Tisch anheulen. Du bist davongelaufen, du Feigling! Ich möchte dich schlagen, weil du lebst!" Ich sehe an dem unglücklichen Weib vorbei. Was sollte ich auch sagen. ,, Jetzt schämst du dich! Da schau her, das hab' ich vor. ihm noch gefunden. Ein paar Fetzen! Und um die mußte ich noch mit den Soldaten raufen!" Sie hält mir ihre Schürze entgegen. Blutige Fleisch- und Gewandfetzen liegen darin. Kaltes Grauen schüttelt mich. Die Lampengranate des kleinen Gallon! Er hat damit eigene Kameraden zerrissen. Ich wollte, er läge selbst irgendwo erschossen. ,, Was soll jetzt werden?" Ich führe Sophie zum Tisch und setze mich ihr gegenüber. Eine Fliege surrt an der Fensterscheibe. Ich höre es laut, wie ein furchtbares Brausen und Brüllen. ,, Sophie, wir sind alle unglücklich!" Sie weint still vor sich hin. Die Tränen fallen in das staunende Kindergesichtchen. Ich schäme mich, weil ich Martha! lebe... Eine wahnsinnige Angst erfaßt mich. Ich hatte seit heute morgen nicht mehr an sie gedacht. Sie ist drüben und vielleicht nein! Das wäre zu viel... Ich sehe noch schnell nach Paul. Er schläft. Ich lege ein Tuch über sein Gesicht, gegen die lästigen Fliegen. Dann laufe ich quer durch den Wald in den Hauptbetrieb. Martha! Jeder Schritt ist eine Qual. Die Sonne ist im Untergehen und glitzert in den Blutlachen vor der Direktion. ,, Blut!" Nr. 21 Danzig muß nachgeben Verfassungsmäßiges Regime versprochen Genf. Im Völkerbund wurde in der Danziger Angelegenheit zwischen dem Berichterstatter Minister Eden und den Vertretern der Freien Stadt Danzig ein lebereinkommen erreicht. Aus dem Bericht des Ministers Eden geht hervor, daß fch der Danziger Senat ver= pflichtet hat, alle Empfehlungen zu erfüllen, welche vom Völkerbundrat im Septem= ber v. 3. an ihn gerichtet wurden. Der Bericht schließt mit einer Resolution, welche der Rat nach kurzer Debatte annahm und in der der Danziger Senat aufgefordert wird, im Geiste der Verfassung zu regieren. Die Resolution stellt weiter fest, daß sich der Senat den Aussprüchen der Juristen unterordnet, welche fanden, daß einige Danziger Gesetze, welche der Verfaffung nicht entsprechen, a b geändert und ergänzt werden müssen. Für den Fall, daß der Danziger Senat auch diesmal die Empfehlungen des Rates nicht ers füllen würde, zieht der Rat in Betracht, ob es nicht angebracht wäre, eine Sonderkom mission nach Danzig zu entfenden. Labour Party gegen Einheitsfront London. Die englische Arbeiterpartei ht den Vorschlag der kommunistischen Partei, eine „ Einheitsfront" zu bilden, zum zweitenmal innerhalb eines Jahres abgelehnt. Samstag, 25. Jänner 1936 Waschen muss mandoch es geht auch ohne Plage! RADION RADION Überzeugen Sie sich! Waschen Sie einfach mit RADION! Radion ist ja jetzt so billig, Radion wäscht ohne Beihilfe eines weiteren Waschmittels, Radion schont die Wäsche und vor allem- Radion wäscht ohne Müh' und Plage! 15 Minuten lang kochen, und die Hauptarbeit des Waschens ist getan: die Wäsche ist schneeweiß und hygienisch sauber. wäscht allein! RADION wäscht allein! Sudetendeutscfier Zeitspiegel Eine Abrechnung mit der Henlein- Kameraderie Pfeifer auch aus der Versammlung heraus SulRedakteur Pfeifer gegen Sebekowsky: 15 Jahre wurde gearbeitet-seid Ihr die größte Partei seid, wird nur geschwätzt... Donnerstag abends fand in Rumburg die| Versammlung der SdP statt, in der sich Sebe towity dem Redakteur der„ Rumburger Zeitung", Heinrich Pfeifer, zu einer Diskussion über die Politik und die Kampfmethoden der SdP stellte. Die Versammlung, zu der nur geladene Gäste Zutritt hatten, in die aber auch einzelne Gegner der SdP Einlaß fanden, war sehr starf besucht. Wenn sie auch ohne eine sichtbare Entscheidung endete, so war sie doch ein bemerkenswertes Symptom für das langsame Erwachen der Sudetendeutschen aus dem Rausch der Henleinschen Totalität. Die Partei habe troß ihrer Stärke keine Grfolge. Die größte Blamage sei die Präsidentenwahl gewesen. Ueberaus wirkungsvoll war es, als Pfeifer in den vollen Saal rief, es solle jemand einen Erfolg nennen und als der Saal darauf st um m blieb. tet, während der Zeit, da sie die größte Partei darstellen, wurde nur geschwätzt!" Beachtung verdient auch die Tatsache, daß furs fand. Einige Debattenrednerkri tisierten die SdP und bezeichneten die Ver: sammlung selbst und die Methoden der Hauptleitung als würdelos und als eine nationale Schande. Seit zwei Jahren, meint ein Redner, habe sich alles gewandelt. Man habe kein Vertrauen mehr zu den Führern, die Hauptleitung sei schuld daran. Die offiziellen Redner der SdP, Frank und Sebefotosfy, wurden in den Schlußworten ordinär und beschimpften Pfeifer und seine Freunde. Wäre die Opposition besser organisiert gewesen, so hätte die Versammlung leicht mit einer offenen Niederlage der SdP enden können. Aber auch in der Form, in der sie sich abspielte, beweist diese Diskussion, daß es mit dem Traum von in denen nichts geschehen sei.„ Nein Die SdP spreche immer von den 15 Jahren, Gleichschaltung und Totalität vorbei ist. Das Sudetendeutschtum erwacht, langsam freilich, aber in diesen 15 Jahren wurde gearbei unaufhaltfam. Sieben Sdp- Männer als Einbrecher verhaftet mir: Bisher 35 Einbrüche eingestanden In der Volksstimme"-Warnsdorf lesen falls wollen viele wissen, daß damit die Liste noch nicht erschöpft sein soll. Interessant ist, daß einer der Verhafteten noch vor kurzem gegen einen Rennersdorfer Einwohner eine Ehrenbeleidigungsflage einbrachte, zu der er durch die Sdp fostenlos einen Anwalt erhielt. Denn das wichtigste Ergebnis der VersammInng bleibt, daß ein scharfer Kritiker der SdP sich in einer längeren Rede durch zu fehen vermochte, daß Pfeifer die Politik Henleins, die Methoden der Hauptleitung aufs schärffte verurteilen konnte, ohne daß die Verfammlung ihn- wie es noch vor drei Monaten unausweichlich geschehen wäre niederschrie oder blutig schlug. Seit langem wurde Rennersdorf ( Bezirk B.- Kamnis) und Umgebung von einer Sebekowity richtete in seiner Rede heftige Einbrecherbande heimgesucht, die ungeheuer rafAngriffe vor allem gegen die von Dr. Beneš be- finiert arbeitete, so daß sie nie zu fassen war. Am gründete Außenpolitik der Tschechoslowakei. Wir tollsten war es 1934 und 1935. Fast alle 14 seien ein Vasallenstaat Frankreichs, unser Goid Tage ein Einbruch. Mit einem Male kam der fließe in die Keller der Bank von Frankreich und Stein ins Rollen. Hausdurchsuchungen der Genwir seien ein Bollwerk des Bolscheivismus. In darmerie, Verhaftungen, nochmals Haussuchun unserer Heimat sollen die Schüßengräben gegen gen, die immer überraschendere Ergebnisse brach Deutschland aufgerichtet werden. Er forderte ten, und plößlich gab es eine Sensation: ein Bündnis mit Hitlerdeutsch= land gegen den Bolschewismus. Dann sprach er von der Not der Sudetendeutschen ( die man bekanntlich in der Henleinvilla und in den Lurusbüros der SdP- Leitung am besten fennt). Die Tschechoslowakei sei die Insel der Not". Redakteur Pfeifer ist kein geübter Versamm Tungsredner und wurde durch systematische Zivi schenrufe nervös gemacht. Troßdem vermochte er in seiner kurzen Rede eine vernichtende Kritik der SdP zu geben. nen. Wirtschaftstendenz Seite 3 mäßig ansteigend Günstige Auswirkungen der Präsidentenwahl Im letten Monatsbericht der Tsches choslowakischen Nationalbank heißt es u. a.: Die internationale politische Unsicherheit dämpft zwar noch immer die Entwicklung der Weltwirtschaftsbelebung, die Dynamik dieser Belebung dringt jedoch überall dort durch, wo sich thr ein etwas freierer Weg bietet. Die Situation in der Tschechoslowakei ge= wann in den letzten Wochen durch das Manifestationsergebnis der Präsidentenwahl bedeutend cn innerer Ausgeglichenheit und Ruhe. Die Grundtendenz der Wirtschaftsentwicklung ist ständig mäßig ansteigen d, ansonsten komt= men eher nur die zu dieser Zeit üblichen Saison= anregungen zum Ausdruck. Auch die letztbekannten Daten über die Finanzeingänge der Staatsverwaltung reflektieren die allmähliche Umfassteigerung der Nationalproduktion. Der Produktion und dem Handel wurde der Hauptcharakter durch die Saison verliehen. Die Gesamtzahl der nicht untergebrachten Arbeitswers ber erfuhr zum Dezemberultimo zwar eine Ers höhung, in der Industriebeschäftigung fanden je= doch gegenüber dem verflossenen Zeitabschnitt teine bemerkenswerten Aenderuna gen statt. Die Geschäftsergebnisse der Weihnachtssaison waren in den größeren Städten bes ser als im Vorjahre, ansonsten waren fie in den einzelnen Orten ungleich. Es herrschte Interesse für billigere Bedarfsartikel vor. Die Kursentwicklung der Devise der tschecho slowakischen Krone blieb auch im vergangenen Monat unverändert stetig. In der Sitzung des Bankrates, in der der vorstehende Bericht erstattet wurde, wurde auch der Rechnungsabschluß für 1935 genehmigt, der einschließlich des Uebertrages aus dem Vorjahre einen Reingewinn von 30,088.628 Kč aufweist. Es wurde beschlossen, der für den 29. Feber einberufenen Generalversammlung die Auszahlung einer 6prozentigen Dividende( Kč 202.50) vorzuschlagen. Ueberfall auf das Gemeindeforsthaus von Staab Dienstag abends saßen in dem Gemeindeforsthaus von Staab die Frau des Försters Tonath, ihr Schwiegersohn und das Dienstmädchen; der Förster selbst war abwesend. Neben der Mutter lagen Zwillinge im Alter von 20 Monaten auf einem Bettchen. Plößlich gingen die Fen ster in Trümmer und große Steine teiner der Steine einen Menschen. Nachdem das famen in das Zimmer geflogen. Zum Glüd traf Zwillingspaar in Sicherheit gebracht worden war, trat der Schwiegersohn Steiner mit einer Flinte an das Fenster und schoß in die Luft. Da setzte aber schon im gleichen Augenblick eine Auge I= falbe der Angreifer ein. In der Wand des Hauses finden sich die Spuren von vier Ginschüssen vor, die sehr tief in das Mauerwerk eindrangen. Zum Glück verfehlten auch die Schüsse ihr Ziel. Von dem Vorfall wurde die Staaber Gendarmerie verständigt, welche die Verfolgung der Täter aufnahm. Sie scheint ihnen bereits auf der Spur zu sein. Die Prager deutsche Sendung bringt in dieser Woche: Sonntag, 26. Jänner, 14 Uhr 30 bis 14 Uhr 45: Vor sechzig Jahren( Paul Malle 3); Mittwoch, 29. Jänner. 18 Uhr 20 bis 18 Uhr 40: Krisennot und Krisenhilfe in Westböhmen ( Heinrich Wondrat Karlsbad) Der Bundeswinter Sporttag des Atus( Franz Myfura falfenau); Die Honoratioren des Ortes hängen die Köpfe; es paẞt eben gar zu schlecht ins Konzept, daß die Sop nun fast im eigenen Dreck erstickt. Wie die Leitung der SdP in Böhmisch- Kamnik darüber denkt, zeigen nachstehende Tatsachen: Am Dienstag, den 17. Dezember, fand in Vaters die ,, Herren" Wagner und Krasse, Spit- Gasthaus" in Rennersdorf eine Mitgliederverzenfunktionäre der SdP in Rennersdorf, wa- sammlung der SdP statt, die sich auch mit diesem ren die Organisatoren und Instrukteure, die Falle beschäftigte. Der Referent aus BöhmischHäuptlinge einer großen Einbrecherbande, Stamnitz hoffte auf eine Amnestie für seine Schäfchen". Ein Hinauswurf der Gesellen aus Sonntag, 2. Feber, 14 Uhr 30 bis 14 Uhr 45: der SdP wurde nicht beschlossen. Dem Herrn Referenten genügten wahrscheinlich 35 bis= her eingestandene Einbrüche noch nicht. Dabei soll dies, wie wir hören, noch längst nicht alles sein! welche jahrelang die ganze Umgebung unsicher gemacht hatte. Mit ihnen wurden noch weitere Mitglieder der SdP, insgesamt sieben, von der Gendarmerie hinter Schloß und Riegel gebracht! Ob das schon alle sind, wissen wir nicht, jeden" Vor einer neuen Konjunktur?( Friz Freys berg). Unsere Bezirksorganisation Znaim hielt am vergangenen Sonntag ihre Jahreskonfe renz ab, die ungewöhnlich stark beschickt war. Die Er legitimierte sich zunächst als einen Mann. Schlägerei in einer SdP- Ver- Als Referent trat der sattsam bekannte Ab- politischen Referate erstatteten die Genossen Seder ein Recht habe, in einer nationalen Sache zu geordnete Hollube auf. Als ihm in Zwischen- nator Nießner und Wellan. Die Berichte sprechen. Sein Blatt ſei drei Monate eingestellt sammlung in Holeischen rufen vorgehalten wurde, daß er ein Dieb sei, über den Stand der Organisation und der Presse gewesen und er hätte es durch einen Bittgang vor Für Sonntag, den 19. Jänner, hatte die gab der Staaber SdP- Bezirksführer Rüb a Be- lauteten durchaus günstig; im letzten Jahre wurdem schweren finanziellen Verlust bewahren tön sdp nach Holeischen eine Versammlung fehl zum Angriff. Einige unserer Genossen wur- den 270 neue Leser des„ Volkswille" ge= Er habe das nicht getan, sondern für die einberufen. Um den Anschein zu erwecken, als ob den blutig geschlagen. Aber obzwar die Gen- wonnen. Die Konferenz nahm" einstimmig eine nationale Sache das finanzielle Opfer gebracht. fie nur für ihre Anhänger zugänglich sei, wurden darmerie eingreifen mußte, ließ der Re- Entschließung an, in der dem Parteivorstand und Auch im alten Oesterreich sei er schon eingeitelli am Samstag nachmittag Einladungen nach§ 5 gierungsvertreter sonderbarerweise unseren Abgeordneten dafür gedankt wird, daß sie worden. Er habe ein Recht zu kritisieren. des V.-G. ausgetragen, auf welchen ausdrücklich die Henleins im übrigen ruhig gewähren. Unsere stets und erfolgreich die Interessen der ArbeitenDie Politik der SdP nannte Pfeifer I ä chr vermerkt war, daß der Zutritt nur gegen Vor- Genossen blieben auch nach der Schlägerei in der den vertreten haben und daß sie die Notaushilfe I ich. Er lehne sich aber vor allem gegen die dit weisung dieser Einladungen bewilligt wird. Bei Versammlung, in der dann Genosse Otta, der für die Arbeitslosen durchsetzten. Zum Obmann tatorischen Methoden auf, mit denen die Mitgites der Bezirksbehörde aber hatten sie die vorher ebenfalls zu Boden geschlagen wurde Genosse Friz Urbane t gewählt. der niedergehalten werden. Versammlung als öffentlich angemeldet und worden war, sehr wirksam zu Wort kam. Hollube Die 40 Punkte des Parteistatuts seien nichts als solche auch bewilligt erhalten! Erst Sonntag begnügte sich mit einem Schlußwort von DreiFescher SdP- Betrieb in Znaim. Vor wenials Befehle und Drohungen der Haupt- gegen Mittag erfuhren unsere Genossen, daß es minutendauer. gen Tagen wurde die Führerin der Znaimer Hen leitung. Die Mitglieder haben keine Rechte. In sich um eine öffentliche Versammlung handelte Teinfrauen, eine Frau Jellinek, aus der SdP allem befehle die Hauptleitung, fie se- und sie gingen daher ohne jedwede Vorbereitung Die Zukunft" fündigt den Henleins an, ausgeschlossen. Ueber die Gründe dieses Ausstimme alle Funktionäre, fie kommandiere das hin. Es ist aus dem oben angeführten Umstande daß ihnen der Schwindel mit der§ 5- Versamm- schlusses schweigt sich die„ Partei der Reinheit Schiedsgericht. Auch die Barlamentarier" eien begreiflich, daß unsere Leute in der Minderheit lung kein zweites Mal gelingen werde und wenn und Ehre" aus. Jedenfalls setzt die SdP auch in waren. Es waren etwa 200 Henleinanhänger aus Alles Reden von Demokratie in der Henlein dem ganzen Bezirke zusammengetrommelt wores in Holeischen noch einmal blutige Köpfe geben verlautet, daß in der demnächst stattfindenden an, denn es vartei sei Bluff, aber Bluff feien auch die Ber- den, wogegen von unseren Genossen nur etwa 50 sollte, so werden sie bestimmt nicht unsere Ge- Jahresversammlung der Ortsgruppe deren Zeis noffen davontragen! nicht frei in ihren Entscheidungen. fprechungen gewesen. anwesend waren. " ter, Theodor 3illy, abgesetzt werden soll, Seite 4 Samstag, 25. Jänner 1936 Rr. 21 Dr. Schier schuldig gesprochen In der fortgesetzten Verhandlung gegen Dok« tor Schier-Ruppersdorf(bekanntlich erregte der Slowakei geübt, soweit diese Praxis der! Amtsbefugnis der Stuhlrichter(Bezirkshaupt- leüte) untersteht. In dem Artikel war die Rede davon, daß jede gute Aktion der Regierung von korruptioneller Bürokratie durchkreuzt werde, wobei auf die engen Beziehungen zu der agrarischen Partei verwiesen wurde. Dadurch erachteten sich; 74 slowakische Stuhlrichter in ihrer Ehre gekränkt’ und die Staatsanwaltschaft schritt in deren Na-! men ein. Genosse Koudelka bot den Wahr-; heitsbeweis an, mit dessen Durchführung! sich das Gericht eben beschäftigt. U. a. waren als Zeugen beantragt der Generalsekretär unserer Bruderpartei Genosse D u n d r und der Uzhoro- der Sekretär K e k u s. Namentlich die Aussage des Genossen D u n d r brachte außerordentlich bemerkenswerte Details. U. a. verwies der Zeuge auf konkrete Beispiele dafür, daß Arbeitslose von der Bezirksbehörde verhalten wurden, bloß für Näturalentlohnüng zu arbeiten, bezw. daß die! Beteilung mit Lebensmittel-! karten vonunentge ltlich erArbeits- leistung abhängig gemacht wurde,! was im Widerspruch zu den Vorschriften steht. In U z h o r o d habe der Stuhlrichter aus einer Zuwendung von eineinhalb Millionen, die ausschließlich für Arbeitslose bestimmt waren, der orthodoxen jüdischen Gemeinde 50 000 XL zukommen lassen. Der Zur Unterstützung der hungernden Arbeitslosen beschaffte Mais sei meist schlechter Qualität üyh dabei teuer gewesen. Im Jahre 1933 wurde ein von| der sozialdemokratischen Parteiorganisation in B r u st u r a bestellter und bereits bezahlter Waggon Mais in der Station U st l o r n a beschlagnahmt und an die Mitglieder der agrarischen Partei zur Verteilung gebracht. Die Verhandlung wurde neuerlich vertagt.. rb. Athen Im Zeichen des Wahlkampfes Ueber alle Plätze und Straßen Athens sind Schnüre mit den Bildnissen der Kandidaten für die kommenden griechischen Parlamentswahlen gehängt. Profit und Uedermut Die Herren Aktienbesitzer haben wirklich keinen Grund mehr zum Klagen, auch wenn man ihnen durch die neue Dividendensteuer einen Teil ihres Gewinnes wegsteuern wird. Wenn man die Börsenberichte der letzten Monate verfolgt und die Kursziffern mit denen des Vorjahres vergleicht, kommt man auf Milliarden- gewinne, die den Aktieninhabern zufließen, wobei in den meisten Fällen ihre ganze dafür zu leistende Arbeit in dem nervenaufreibenden Kuponschneiden besteht. 20 Prozent Dividende und darüber stehen bereits wieder auf der Tagesordnung. So veröffentlicht die„Reichenberger Zeitung" am 22. Jänner 1936, in ihrem Wirtschaftsteile die nachfolgenden Geschäftsnotizen: (Fast verdoppelt« Brosche-Dividende?) Prag, 21. Jänner. Die F. X. Brosche A.-G. weist für das abgelaufene Geschäftsjahr, welches 20 Monate umfaßt, nach Abschreibungen von 0.9 Millionen einen Reingewinn von 3.32 Millionen XL aus, welcher Betrüg sich nach Hinzurechnung des Vortrages auf 8.87(i. B. 2.19) Millionen XL erhöht. Der Verwaltungsrat schlägt die Auszahlung einer Dividend« von 22 ü Prozent— 90 XL(i. V. 50 XL) vor. (Die Spiritus-Jndustrie-A.-G. in Mähr.-Ostrau) schließt nach Abschreibungen von 0.66(0.76) Millionen XL mit einem Reingewinn von 2.1(1.99) Millionen XL. Der Generalversammlung wird die Ausschüttung einer unveränderten Dividende von 20 Prozent— 80 XL vergeschlagen. Da läßt es sich schon wieder leben! Aber gleich beginnen die Sorgen, wie man wohl diese Profite am zweckmäßigsten verbrauchen soll. Wir haben an dieser Stelle wiederhost Beispiele da- sür angeführt, wie aufreizend und übermütig in bet heutigen Zeit des Massenelends die Lebensweise der hochkapitalistischen Kreise ist. Ein Beispiel mehr in der unendlichen Reihe ist Wohl die nachstehende Notiz, die wir der„Reichenberger Zeitung" vom gleichen Tage entnehmen: -(Luxusschiff« für. Hunde.) Während noch vor wenigen Jahrzehnten Passagiere nach Nebersee den Ozean unter verhältnismäßig primitiven Bedingungen befahren mußten, reisen heute die Hunde der Leute, die es sich leisten können, in einem Luxus, der übertrieben anmutet.(Wirklich? Anm. d. Red.) Die modernen Schiffe haben besondere Räume für ihre vierbeinigen Passagiere vorgesehen, in denen sich sür jeden Hund eine Hüfte befindet, die durch Zentralheizung erwärmt und durch Ventilatoren gelüstet wird. Auf den meisten Schiften befinden sich diese Räume auf dem Sonnendeck, wo die Hunde ihren Auslauf haben und viel in frischer Luft sind. Di« Besitzer können ihre Tiere jederzeit sehen und zü bestimmten Stunden mit sich nehmen. Es gibt auf einigen Schiffen sogar gdruckteSpeisekarten, aus der di« Besitzer die für ihre verwöhnten Vierbeiner geeignete Mahlzeü herqus- suchen können. Mit dem Steward werden genaue Abmachungen getroffen, wie jeder Hund behandelt werden mutz, und die Schiffsleitung übernimmt die Verantwortung, daß den Anweisungen genau Folge geleistet wird. Wir haben gewiß nichts gegen die Hunde, aber allLS gegen manche ihrer Herren. Und wenn es soweit wäre, daß diese endlich wie verdient im Zwischendeck reisen und i n Erd löchern hauien wie heute nur die Opfer ihrer„Wirtschaftskunst", dann sollen von uns aus die Hunde ge- druckte Speisekarten haben... 1683 Fischer treiben auf einer Eisscholle. Wie die Taß aus Curjew am Kaspischen Meer meldet, sind dort auf Eisschollen 1683 Fischer und 1480 Pferde durch einen heftigen Sturm auf das offene Meer abgetrieben worden. Die Fischer stehen in drahtloser Verbindung mit der Stadt Curjew. Sie haben mitgeteilt, daß sie mit Lebensmitteln und Heizstoffen für 40 Tage versehen find. Pest in Mexiko!„Prensa" meldet aus Guadalajara, daß dort die schwarze Pest aufgeraucht sei; in zwei Tagen seien bereits zwölf Fälle gezählt worden. Flugzeugabsturz. Auf einem Probeflug bei Berlin stürzte ein Flugzeug, das von dem Flugkapitän Neuenhofen gesteuert wurde, ab. Die beiden Insassen, Kapitän Neuenhofen und ein Ingenieur, wurden auf der Stelle getötet. Ein Farmer rottet seine Familie aus. Im Staate Illinois in der Nähe von Danville wurde am Donnerstag eine furchtbare Familientragödir aufgedeckt. Die Familie eines dortigen Farmers namens William Albers war von den Nachbarn seit drei Wochen nicht gesehen worden, weshalb sich diese schließlich bei einer Kälte von 29 Grad Celsius am Donnerstag einen Weg zur Farm des Albers bahnten. Als sie endlich das Farmhaus in Sicht bekamen, sahen sie Albers vor der Tür stehen und, als er sie gesehen hatte, sofort ins Haus zurücklaufen. Wenige Sekunden später schlugen aus dem Haus Flammen empor. Im Hause bot sich den Nachbarn dann ein entsetzlicher Anblick. In den verschiedenen Zimmern lagen die Familienmitglieder des Albers, seine Frau und ihre fünf Kinder, tot. Albers selbst fanden die Nachbarn erschossen in einem Seitenzimmer auf. Die Leichen der Kinder und der Frau hatten offenbar schon über eine Woche in den Räiunen des Hauses gelegen. Es wird angenommen, daß Albers in einem Anfall von Geistesgestörtheit seine Familie umbrachte. New Nork friert. Die schwere Kälte, die seit einigen Tagen die Mittelwest-Staaten heimsuchr, ist jetzt bis zur atlantischen Küste vorgedrungen und herrscht bereits seit Donnerstag morgens in der Stadt New Jork. Innerhalb weniger Stunden fiel hier die Temperatur von minus 1 Grad auf minus 18 Grad Celsius. Dieser geradezu katastrophale Temperatursturz wurde begleüet von einem Sturm, der mtt etwa 83 Kilometer Stun- dengeschwindigkett durch die Straßen fegte. Aus dem oberen Teil des Staates New Jork kommen Meldungen, die besagen, daß dort ein neues Wintergewitter gewütet hat. Zahlreiche Ortschaften sollen vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten sein. Tausende von Automobilen und zahlreiche Eisenbahsizüge liegen auf den Strecken und können nicht weitpr. Nicht weniger als 54 Menschen sind in diesen Gegenden erfroren. Das hundertste Ministerium der Dritten Republik. Die Dritte Republik könnte eigentlich ein Jubiläum feiern: das Ministerium Sarraut ist das Hundertste seit ihrem Bestehen. Wer man hüt keinen Grund, diese Tatsache an die große Glocke zu hängen, und wird alles tun, um dies Jubiläum möglichst ohne Auffehen Vorbeigehen zu lassen. Denn für kaum 66 Jahre sind hundert Ministerien wirklich nicht allzu wenig. Die Uebersicht über die verschiedenen Legislaturperioden macht die Sache nur noch schlimmer. Es gibt überhaupt nur eine einzige Periode von 1906 bis 1910, in der die Regierung nur einmal gewechselt hat; damals folgte Briand auf Clemenceau. Wer nach dem Kriege haben in vier Jahren im Durchschnitt immer neun Ministerien einander abgelöst, und die letzte Legislaturperiode schlägt alle Rekorde, indem nunmehr das elfte Ministerium berufen wird. Gasschutz als Schulfach. Auch die Türkei ist jetzt in die Reihe der Länder getreten, die ihre Jugend möglichst fiühzeitig mit den Gefahren von Gasangriffe» und mit dem Gasschutz bekannt- Die Opfer des Taborer Auto-Unfalls Tabor.(Tsch. P.-B.) In Ergänzung unserer Meldung über das Automobilunglück bei Tabor veröffentlichen wir die Namen der getöteten und verwundeten Soldaten: Drei der marschierenden Soldaten wurden getötet und zwar: Gustav Stögbauer aus der Gemeinde Kintring(Bezirk Kruma«), Josef Grünberger aus der Gemeinde Buchers (Bezirk Kaplitz), Josef Hopfinger and der Gemeinde Böhm.-Röhren(Bezirk Prachatitz). Schwer verletzt wurde Franz Zimmermann aus Krijowitz(Bezirk Krnmau). Leicht verletzt wurden: I. Bartsch aus Zahok(Bez. Prachatitz), E-Pösl aus Wmterberg(Bezirk Prachatitz) und Stephan A m o r t aus Rohn (Bez. Prachatitz). Den letzten Nachrichten aus dem Taborer Krankenhaus zufolge hat sich der Zustand des Soldaten Zimmermann bedeutend gebessert. machen, woflen. Das Unterrichtsministerium hat neuerdings verfügt» daß die Schüler in regelmäßigen Schulstunden über die Bedeutung und den Kampfwert der Giftgase im Kriegsfall zu belehren sind. Diese Stunden sollen in den Chemie- Unterricht eingefügt werden. Darüber hinaus aber sollen auch praküsche Hebungen mit Gasmasken in den Schulen durchgeführt werden. Totschlag bei der Hochzeit. In der Gemeinde BeloveZ bei Bardajov(Slowakei) wurde eine Hochzett gefeiert, an welcher junge Burschen aus der Gemeinde der Umgebung teilnahmen. Zwischen ihnen enfftand eine Rauferei, bei der ein gewisser Josef Marek von den Raufbolden mtt Messern so schwer verletzt wurde, daß er kurz darauf starb. Sieben Exzedenten wurden von der Polizei auf der Stelle verhaftet. Die Verhafteten gestanden die Tat ein. Die allgemein« Strahenkontrolle der Motorfahrzeuge wird von motorisierten Gendarmerie- Abteilungen und insbesondere von Gendarmerie« Sttaßen-Kontrollstationen durchgeführt, deren Wirkungsbereich jetzt auf das ganze Gebiet der Tschechoslowakischen Republik ausgedehnt wurde. F ü r d i o Gendarmerie-Str aßen-Kont'roll- stationen hat das Innenministerium folgend« Signale eingeführt: 1. Ein Sirenensignal, 2. eine Signalscheibe.— Die Sirene(akustische, die Gendarmerie charakterisierendes Warnungsinstrument) besteht aus drei elektrischen Hupen verschiedener Tonlage(a, cis, d), die in kurzen Intervallen hintereinander und dann auf einmal ertönen, so daß ein auffallendes und immer gleich« bleibenes Signal entsteht. Die Signalscheibe ist eine runde Scheibe mit einem äußeren Durchmesser von 260 Millimeter, versehen mit einem walzenförmigen Griff. Die Scheibe trägt in ihrem oberen Teil die Auffchrist„Kontrola", am unteren Teile die Aufschrift„Stop". Die Grundfläche ist rot, die Aufschriften milchweiß. Eine Beleuchtungseinrichtung ermöglicht die Sicht dieses Signales auch während der Dunkelheit. Die Stratzen-Konttollftationen stoppen den Verkehr dadurch, daß sie entweder mit der Sirene oder durch Aufzeigen der Signalscherb« ein Zeichen geben. Ertönt die Sirene oder wird die Signalscheibe sichtbar, dann muß sämtlicher Verkehr in beiden Richtungen eingestellt werden. Di« übrigen Gendarmerie-Organe bringen die Motorfahrzeuge dadurch zum Stehen, daß sie sich gegen die Fahrtrichtung des in Bewegung befindlichen Fahrzeuges aufstellen und die rechte Hand erheben. In der Dunkelheit oder bei Nebel geben die Organ« das Zeichen dcwürch, daß sie die elektrische Dienstlampe im Kreise bewegen. Wetterbericht. Trotzdem es sich Freitag im Binnenland meist noch etwas abgekühlt hat, sind die Temperaturen noch immer um einige Grade Wer dem Normalwert. Winterliches Wetter mit Ganztagsfrost haben bei uns nur die hohen Berge. Im Zusammenhang mit einer Druckstörung in der Umgebung der iberischen Halbinsel beginnt von Süo- westen her wieder wärmere Lust gegen das Binnenland vorzudringen. In Mitteleuropa kommt die Erwärmung zunächst nur auf den höchsten Gipfeln dec Alpen zur Geltung, wo sich der Frost bedeutend ge« mildett. hat.— WährscheiulichesWet»er von heute: Wechselnde, allmählich zunehmende Bewölkung, in den Niederungen und Tälern zumeist neblig und leichter Nachtstost, auf den Bergen Frost« Milderung und Winddrehung gegen Süden.— Wetteraussichten für Sonntag: Fort- j schreitende Wetterverschlechterung, mäßig warm, Südwestwind. Vom Rundfunk Im pfählen* wertes aus«tau Programmen! Sonntag Prag, Sender L.: 7.30: Konzert aus Karlsbad. 9.20: Schallplatten: Smetana. 12.20: Revueoperette. 14.00: Deutsche Sendung: Uebenragung von den Skimeisterschaften des THW aus Harrachs« dorf. 15.85: Russische Lieder. 17.35: Deutsche Sendung: Gesamtergebnis der Skimeisterschaften. 17.40; Prager Rundfunkorchesterkonzert. 18.50: Deutsche Presst. 20.20: lonzett aus dem Smetanasaal: tschechische Philharmonie. 22.25: Deutsche Presse.— Sender S.: 14.30: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Malles: Vor 60 sichren. 14.45: Mozart im Utteil seiner Zeitgenossen.— Brünn: 10.20: Salonorchester.— Mähr.-Ostran: 19.05: Leichte Orchestermunk.— Prestbnrg: 16.00: Heiterer Nachmittag. 20.30: Violoncellokonzert.— 1r«schon: 11.20; Klassische Musik, Nr. 21 Samstag, 25. Jänner 1936 Seite 5 Japan vor den Neuwahlen • Eine Diebsbande ausgehoben. Dieser Tage gelang es der Türmitzer Gendarmerie und der AussigerFahndungsstation, einer Diebsbande, die zahlreiche Einbrüche in diesem Gebiet verübt hat, auf die Spur zu kommen und den gefährlichen Räuber Ant. Podojil zu verhaften. Durch die Untersuchung wurde festgestellt, daß sein Helfer der gefährliche Einbrecher Lad. Köpper ist, der aber noch nicht gefaßt werden konnte. Auch der Hehler dieser Bande, F. Ber- nasek aus derTeplitzerGegend, konnte eruiert werden. Durch eine Haussuchung wurde sichergestellt, daß diese Gesellschaft eine ganze Reihe von großen Einbrüchen, im ganzen sechs, auf dem Kerbholz hat. Diese Einbrüche wurden sämtlich in Nordböhmen verübt, wobei es den Dieben gelungen ist, über 20.000 XL zu erbeuten. Die Befürchtungen, daß das Hochwasser, das Donnerstag in der Ostslowakei durch die starken Regengüsse und das Tauwetter verursacht wurde, anhalten werde, haben sich zum Glück nicht bestätigt. Der leichte Frost und das eingetretene trockene Wetter trugen stark zu einer Beruhigung bei. Bei fast allen Flüssen in den Gebirgsgegenden geht der Wafferstand zurück und das Hochwasser beschränkt sich nurmehr auf die Unterläufe der Flüsse. Der photographierte Taschendieb. Durch einen höchst merkwürdigen Zufall ist in Neapel ein Taschendieb entlarvt und festgenommen worden. Dort fand ein Preisschießen statt, und der Dieb machte sich an die Schützen heran und zog ihnen die Börse aus der Tasche, als sie gerade auf dem Stand waren und ihre ganze Aufmerksamkeit durch dar Zielen in Anspruch genommen war. Auch die Besucher kümmerten sich nur um den Schützen, und der Taschendieb hatte gute Ausbeute. Was er aber nicht wußte, war eine technische Neueinrichtung, die jeden Schützen,- der ins Schwarze traf, automatisch photo- graphiert. Und als dann die Bilder entwickelt und den stolzen Siegern in diesem Preisschießen übergeben wurden, konnten diese ganz deutlich sehen, wie ein Mann sie beraubte. Die Bilder wanderten auf die Polizei, und es war dieser leicht, den Täter nach so ausgezeichnetem Signalement festzustellen und zu überführen. Russische Miniaturen Von Hugo Lieven Unter Nikolaus I. muß eine sonderbare Art von Soldatenspielerei Mode gewesen sein. Fürst Peter Kropotkin, der berühmte russische Sozialkritiker und»Anarchistenführer", schildert beispielsweise in seinen Memoiren seinen eigenen Vater als den»Typus" des höheren Offiziers jener Periode, nicht ohne im gleichen Atemzuge zu bezweifeln, daß er nur eine einzige Nacht seines Lebens am Wachtfeuer zugebracht oder auch nur einmal an einer Schlacht teilgenommen habe. Doch das schadete gar nichts, denn, als»echter Krieger" galt man ohnehin nur dann, wenn man einfach in seine Uniform genügend verliebt war und den zibilen Trachten anderer Leute die dementsprechende Verachtung entgegenbrachte. Höchstens war noch erfc-rderlich, daß man seinen Untergebenen einige Kunststückchen eindrillte. Dem Offizier etwa, dessen Soldaten es gelang, beim Gewehrpräsentieren den Flintenkolben zu zerbrechen, war ziemlicher Ruhm gewiß. Schauspielerische Protzerei mit den Soldaten war das allein Wes-ntliche, sei es nun, daß man sie die albernsten Verrenkungen vorführen oder daß man sie unbeweglich wie Blei stehen ließ. Da allerdings forderte man sehr viel:»Sehr gut", sägte der Großfürst Michael einmal von einem Regiment, nachdem es»eine volle Stunde lang in strammster Haltung vor ihm präsentiert hatte, ,,sehr gut immerhin,— aber sie atmen!" Allerdings, gab es nun doch einmal ienen regelrechten Feldzug, und zwar anno 1829. Kropotkin senior war es indessen gleich gelungen, sich dem Stabe des Höchstkommandierenden zuteilen zu lassen. Natürlich erlebte er da nicht viel. Tokw(E. B.) Die soeben ausgeschriebenen Neuwahlen für das japanische Unterhaus hätten auch ohne die vorzeitige Auflösung im Frühjahr 1936 stattfinden müssen. Aber die Auflösung des Unterhauses hat dennoch eine politische Bedeutung. Seit dem Sommer 1932 ist ir Japan die Parteiregierung, die mehr oder minder nach europäischem Muster aus der Unterhausmehrheit hervorging, durch das bürokratische Regiment ersetzt worden. Auch die alten.parlamentarischen" Parteien sind eigentlich bloß Kulissen für außerparlamentarische adlige Klane, höfisch-milftä- rische Kliquen und Großkonzerne gewesen. Die beiden einander ablösenden Regierungen der Admirale Saito und Okada brechen auch äußerlich mit der parlamentarischen Tradition, wobei die alten Parteien sich diesem Vorgehen nicht nur fügen» sondern sogar an den„autori- tären" Regierungen teilnehmen. Die gegenwär- tige Regierung Keisuke Okada ist weder eine offen antiparlamentarische, noch eine deklarierte Kriegsregierung. Mer der relativ junge japanische Parlamentarismus ist bereits kraftlos, innerhalb der alten Parteien kämpften Kliquen, die sich auf verschiedene außerparlamentarische Kräfte, vor allem auf militärische Gruppen und Geheimgesellschasten, stützen. Der politische Boden ist unterminiert durch halbfaschistische und faschistische Gesellschaften, die mehr oder minder bereit sind, terroristische Methoden anzuwenden. — In dem aufgelösten Unterhaus besaß die alte Partei der S e i y u k a i die Mehrheit. Diese Partei wird von dem Riesenkonzern M i t s o u i (Rohseide, Reishandel), der aus dem alten Han- delspatriziertum hervorgegangen ist, ausgehalten. Seiyukai hat zugleich alle Beziehungen zum Armeeklan Choshu. In der letzten Zeit hat diese Partei gegen die Finanz- und Steuerpolitik der Regierung eine demagogische Agitation entwickelt und versucht, sich als Beschützerin der Reisfarmer aufzuspielen. Dem Premier Okada ist es jedoch gelungen, durch das altbewährte Mittel der Spaltung Seiyukai zu schwächen: Ende Dezember hat sich aus der Partei eine kleine, aber einflußreiche Gruppe gelöst, zu der drei und wenn ihn später seine Kinder drängten, ihnen doch bitte ein paar selbstgemachte Heldentaten zum besten zu geben, so hatte er überhaupt nur zwei Sachen auf Lager. Das eine Mal war er überdies blc<ß von einem Rudel ganz gewöhnlicher wilder Hunde angegriffen worden, jedoch das andere Mal,-— ja da hatte er er sich allerdings das. Sankt-Anna-Kreuz für Tapferkeit" verdient. Die Kinder erwarteten also Großes von seinem Bericht, doch hörten sie wiederum von keinem männermordenden Kampf. Statt dessen war in dem Orte, wo der Generalstab lag, lediglich ein an sich ganz unmilitärisches Feuer ausgebrochen, und nun ergab es sich, daß bei der allgemeinen Aufregung in irgendeinem Haus ein kleines Kind zurückgeblieben war, das alsdann von einem gewissen Frol au? den Flammen gerettet wurde. Dieser Frol aber war ausgerechnet der Diener des allen Kropotkin, und da nun zufällig der Höchstkommandierende persönlich Augenzeuge der rühmlichen Tat gewesen war, zögerte dieser keinen Moment, sondern griff in die Tasche, packte das»Tapferkeitskreuz" aus und heftete es an die Brust. Allerdings nicht dem Frol, sondern dem Krcpoüin, dessen Kinder das dann komisch fanden. Aber die Maßnahme war durchaus»logisch" begründet, da jener Frol doch Kropotkins»Leibeigener" war. Und jedenfalls hatte Kropotkin absolut kein Verständnis für die Einwände seiner Kinder. Eigentlich hätten sie ihm hier doch mit der Frage begegnen könnm, wer denn dann mit der Tapferkeitsauszeichnung geschmückt worden Wäre, falls der gute Frol nicht jenes Kind, sondern etwa den tapferen Pappi selbst aus dem Fener geholt hätte. Je nun, die amtliche Logik jenes Landes hätte dieses heikle Problem wahrscheinlich mit Kabinettsminister gehören. Noch früher(Mai 1935) ist durch ein kaiserliches Dekret der sogenannte Nationale politische Rat geschaffen wovden, eine Institution, an der die Führer aller bürgerlichen Parteien teilnehmen sollten, eine Jnstittltion, die, im Grunde genommen, das Unterhaus ersetzen oder jedenfalls in den Hintergrund drängen sollte. Seiyukai hat dic Teilnahme an diesem Rat verweigert, wodurch bereits das Schicksal des jetzt aufgelösten Unterhauses besiegelt wurde. Der Riß zwischen der Parlamentsmehrheit und der Regierung ist unüberbrückbar geworden. Noch kurz vor der Auflösung ist es dem Premier Okada durch die Ernennung des Mmirals Saito zum Lord-Äeheim- fiegelbewahrer gelungen, die Stellung der Regierung noch fester zu unterbauen. Der neue Geheimsiegelbewahrer wird die Rolle eines Vize- Genro spielen und wird als der Nachfolger des fast 90jährigen letzten Genro(„alten Staatsmannes"): Prinzen Kimochi Saionji, angesehen. Damtt will die Klique Okada-Saito die Ernennung der Regierung, die ja von dem Genro abhängt, monopolisieren. Der außenpoli- tischeSinndes Kampfes zwischen der Seiyukai und der Regierung Okada besteht darin, daß diese Regierung unter dem Einfluß des Marine- klanes Satsuma steht, der mtt dem schwerindu- striellen Konzern Mitsu-bishi liiert ist. Satsuma verfolgt überlieferungsgemäß eine starke ozeanische Außenpolitik, die Japan in einen scharfen Konflikt mit Amerika und wahrscheinlich auch mit den Briten hineintteibt. Seiyukai dagegen und der hinter ihr stehende Armeeklan wünschen eine freundlichere Politik gegenüber den angelsächsischen Mächten. Die für den Feber ausgeschriebenen Wahlen finden auf Grund des seit 1928 bestehenden allgemeinen Wahlrechtes für alle Männer über 26 Jahre statt. Ueber die Wahlaussichten der Seiyukai und der mehr regierungsfreundlichen Partei Minseito ist heute schwer etwas bestimmtes zu sagen, aber die Regierungspolittk und besonders die Außenpolitik der Regierung wird von dem Ausgang der Wahlen kaum beeinflußt werden. Kegen an der Nordfront Addis Abeba. Seit zwei Tagen regnet es un- unterbrochen in Sttömen an der ganzen Nordfront. Der Regen ist von starken Hagelschlägen begleitet, so daß die Straßen für die nächste Zeit unbenutzbar sind. Nach Meldungen von der Nordfront haben hier tagelang starke Bombenangriffe im Uollait-Gebiet, besonders am Setitfluß, stattgefunden. Es soll den Abessiniern gelungen sein, bei einem Angriff von vier Flugzeugen drei davon abzuschießen. Die Gesamtzahl aller bisher abge- schoffenen Flugzeuge bettage jetzt 13. QmMteaat Der Krach der JindriSskä Zälozna Eine feine Sparkasse.— Freisprüche und mildeste Strafen. Prag. Freitag wurde nach langstündiger Verhandlung der Brozeß gegen zwölf Funktionäre eines merkwürdigen Geldinstitutes zu Ende geführt, das vor drei Jahren gegründet wurde, um nach kaum halbjähriger Tätigkeit zu verkrachen. Es handelt sich um die Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder der der gleichen Argumentatton gelöst. Eine andere Geschichte möge hier als Parallele dienen. Sie bandelt von Alexander Herzen, der, ähnlich wie Peter Krcpotkin, ein Gegner des Regimes war, und wurde von ihm selbst, in den„Erinnerungen", als charakteristtsches Verwaltungskuriosum mstgeteilt. Man wird sich erinnern, daß Herzen in den vierziger Jahren seiner Gesinnung wegen in die abgelegenste Provinz verbannt worden war» darf aber nicht vergessen, daß diese„Verbannung" trotz allem noch verhältnismäßig gemütlich ausfiel. Dies war allerdings allein dem Umstande zuzuschreiben, daß Herzen den allerhöchsten Gesellschaftskreisen angehörte, und dieser Umstand brachte es überdies sogar mft sich, daß dem„Verbannten" ein seinem Stande und seiner Ausbildung entsprechender Posten angewiesen wurde. Kurzum, er bekleidete die höchste Verwaltungsstelle in seinem Verbannungsgebiet. Diese Tatsache setzte indessen keineswegs die allgemeine Bestimmung außer Kraft, wonach alle Vierteljahre Berichte über das Wohlverhalten des Verbannten in die Residenz zu senden waren. Diese Berichte nun, die üblicherweise von irgendwelchen mittleren Polizeiinstanzen verfertigt wurden, bedurften alsdann noch der Unterschrift des Oberhauptqö der örtlichen Verwaltung. Und so geschah es ganz logisch, daß die QuartalÄierichte über den Verbannten Herzen zunächst einmal zur fälligen Unterschrift an diesen selbst gingen, mft der versehen, sie dann in aller Korrektheit der zuständigen Zentrale eingeliefert wurden. Wer wollte jetzt also, angesichts solcher Berwaltungs- praxis, noch zweifeln, daß, in dem angenommenen Falle, dem geretteten Kropotkin seine Tapferkettsmedaille sicher gewesen wäre? Kreditanstalt der Deutschen r. G. m.b.H., Prag. Durchführung aller Geldgeschäfte. Verwaltungs-Kapital 930 Millionen W. Haftungs-Kapital 92 Millionen M 81 Niederlassungen. käzälojna". ner gewerblichen Sparkasse, di« sich in der HeinrichSgaffe etablierte und sich daher .Heinrichs-Sparkaffe" nannte. Angeklagt waren: die Vorstandsmitglieder Johann K a d l e c, Stanislav H'tLkjun., Bohumil Brodsky und Josef Lexa und die Aufsichtsratsmitglieder Staniflav Hotek sen., Josef Roväk, Wenzel Makes, Josef R u d olf, Anton Bild und Josef Kadlec und die Beamten dieses Unternehmens Josef.I e z e l und Franz Haut. Die Anklage lautet für alle An- geklagten auf das Vergehen der fahrlässigen Krida, der unzureichenden Buchführung und für den Erstgenannten Johann Kadlec außerdem noch des Verbrechens der Veruntreuung. Gegen diesen und Hottk sen. wurde indessen die Klage ausgeschieden, weil der eine von ihnen vom Schlag gerührt, der andere von einem Blutsturz bettoffen wurde. Diese„Heinrichts-Sparkasse" war wirklich ein originelles Unternehmen. Als Genoffenschaft konstituiert, wurde sie am 18, Jänner 1933 in das Genoffenschaftsregister eingetragen und nahm alsbald ihre Geschäfte auf. In welcher Art diese, geführt wurden, davon zeugt die Tatsache, daß durch Monate überhaupt keine Geschäftsbücher angelegt, sondern alle geschäftlichen Aufzeichnungen auf lose Papiere gemacht wurden. Obwohl nach den Feststellungen der Anklage kein hinreichendes Kapital zur Verfügung stand, wurden doch durch Agenten nach Kräften Kommittenten geworben. Die Kunden dieser Sparkasse muhten vorerst 100 XL als Genossenschaftsanteil erlegen, weiter 60 XL Einschreibegebühr und verschiedene weitere Beträge unter dem Titel unterschiedlicher anderer „Gebühren". Wer ein Darlehen haben wollte, mußte zunächst«in Drittel des Darlehensbeittages einlegen, worauf ihm eist nach einem Jahr ein Anspruch auf das Darlehen zustand. Von dem eingelegten Drittel wurden weitere 30 Prozent aE Zinsen angesehen und. von vornherein von der Einlagenverzinsung ausgeschloffen. Zwei Buchhaltungsbeamte, die zusammen vorerst 31.000 XL Kaution erlegen mußten, warteten dann vergeblich auf die versprochene Anstellung und schließlich stellte sich heraus, daß das Vorstandsmitglied Johann Kadlec diese Gelder kurzerhand eingesteckt hatte,„um sich für die gehabten Auslagen schadlos zu halten". Kadlec ist daher auch der Unterschlagung angeklagt, aber wegen angeblicher Krankheit derzeft. nicht vernehmungsfähig. Später wurden auf ähnliche Art noch weittre Beamte und Beamtinnen veranlaßt, zusammen 80.000 XL an Kautionen(unter dem Tites von „Einlagen") zu erlegen. Die Anklage stellt ausdrücklich fest, daß für. die Geschäfte nicht hinreichende Mittel vorhanden waren und daß überhaupt außerordentlich leichtsinnig gewirtschaftet wurde. Im März 1983 wurde bereits die erste Sttafanzeige erstattet, doch amtierte das feine Unternehmen vorerst ungestört Wetter md bei einer Ausschußsitzung zu dieser Zeit stellte der An- geklagte Roväk sogar fest, daß das Unternehmen mtt eineinhalb Millionen a ktiv(I) sei, obwohl bereits im April der desolate Zustand dieser Sparkaffe allgemein bekannt war. Originell ist, daß der Angeklagtt Josef Kadlec, von Beruf Dachdeckermeister, Diener«nd Aufsichtsratsmitglied in einer Person war. Jeder der Angeklagten beteuerte vor dem Sttaf- senat N e b u s k a seine Unschuld oder doch seinen guten Glauben.' Einer erklärte sogar, bis heute von der Passivität der verkrachten Dparkaffe nicht überzeugt zu sein. Der Angeklagte N o v ä k verflieg sich sogar zu der Behauptung, daß die„Heinrichs-Spar- kaffe", wenn man sie nur ruhig hätte weiteramtieren lassen, heute eine der größten Sparkassen der Republik sein würde(l). DaS Netz der strafgesetzlichen Tatbestände ist im Sektor unseres Wirtschaftsstrafrechtes ganz außer- ordentlich weitmaschig, insbesondere wo es uw di« strafrechtliche Verantwortlichkeit von Funktionären solcher Geldinstttutt geht. Der Krach der„Bo- hemia"-Bank", der Tausende von Existenzen ins Verderben riß, endete mit dem strafgerichtlichen Freispruch sämtlicher„verantwortlicher Funktionäre" und wir könnten eine lange Reihe ähnlicher Urteile anführen. Das Urteil in diesem Prozeß lautete dahin, daß lediglich zwei der Angeklagten, und zwar Stani« slav H o t 11 jun. und Josef I e I e k zu je drei Monaten strengem Arrest verurteilt wurden(der erstgenannte'noch dazu unbedingt). Alle übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Freilich sind zwei der Hauptakteure— laut ärztlichem Zeugnis — nicht vernehmungsfähig und das Verfahren gegen sie ausgeschieden. rb. Wieder dröhnen die KrJegstrommeln Nach den letzten Meldungen hat der Kaiser von Abessinien eine neue und vollständige Mobilmachung verkündet, die jeden wehrfähigen We ffinier unter die Fahnen ruft. Die Bekanntgabe erfolgte wieder durch die uralten Kriegstrommeln, unser Bild eine in Addis Abeba zeigt. .„JlndrrssknZivnostensk o-o b ch o d n r c- Seite 6 „Sozialdemokrat" Samstag, 23. Jänner 1936. Nr. 21 Ein gefährlicher Lausbub. Vorgestern abends ging Sie 30jährige Vlasta Stötka aus Michle mit ihrem Mann nach Hanse, als einige Schritte von ihrem Hause entfernt plötzlich ein Schuh ertönte und Frau Stötka von einem Projektil in die Schläfe getroffen zusammenbrach., Indessen war dies mehr di« Folge des'Schreckens gewesen; auf der Klinik Jirafek, wohin sie die Rettungsstation gebracht hatte, wurde festgestellt, daß die Kugel abgeglitten war und nur eine ungefährliche Fleischwunde verursacht hatte. Es wurde festgestellt, datz ein elfjähriger Schüler aus Michle den Schuh aus einer Flobertpistole aus der Wohnung seiner Eltern abgefeuert hatte. Das Verfuhren wurde eingeleitet. Häuslicher Zwist führt zu Selbstmorde». Gestern vormittags txank die 28jährige Frau eines^Fensterputzers, Bozena Havelka, in ihrer Wohnung rn Holle- schawitz Lysol- Die Rettungsstation brachte sie auf dje Klinik Pelnai, wo sie häusliche Zerwürfnisse als Grund ihrer Tat angab.— Zur gleichen Zeit wurde die 2Sjährige Hausmeisterin Ludmila Jirak im Keller des Hauses in Bubentsch, wo sie wohnte, erhängt aüfgefunden. Sie wurde in die Leichenhalle gebracht. Auch sie hat, wie aus einem hinterlassenen Brief hervorgeht, ihre Tat wegen häuslicher Zwistigkeiten begangen. Die Staatsbahndirektion in Prag veranstalte» folgende Ausflugszüge: Jeden Samstag einen Sonder-Motorzug mit Verpflegung nach Johannisbad für 78 Kd. auf die Sokolbaude zum Preise von PO Kc. Weiter in den Semesterferien dieses Jahres, d. i. vom 31. Sännet bis 4. Feber ins Adlergebirge für 210 Kd, in die Beskiden für 278 Kd und ins Riesengebirge für 220 Kd.■ lümst und Mssea Bassermann im Neuen Deutschen Theater Wes das Herz voll ist, dem geht der Mund über— und er fönst mit„ich" zu sprechen an. Run: ich weih nicht, zum wievielten Male es mir nun geschieht, daß ich mich fast ohnmächti- fühle, nach einer Theaterbegegnung mit Albert Bassermann rasch in Warte zu fassen, was zu sagen Recht und Pflicht ist. wo es doch am schönsten und richtigsten wäre, schweigend die Stunden nachzugeniehen, die ihm zu danken sind. Gestern spielte er den Coster in Sidney Philipps Komödie„Gentlemen", den Arzt, der um der Menschlichkeit willen und aus geheimer Vaterliebe das Berufsgeheimnis bricht. Woher die Superlative nehmen, die dieser Gesamtleistung und den hundert Nuancen entspricht, die jene begleiten? Wieder, wie in jeder Rolle, ist Bassermann auch ass Costyr der„wahrhaft königliche Schauspieler", dir wtc.kein anderer Herz und Gemüt ersaht, so dsitz der Betstanb etft hinterher oazukommt, sich noch gesondert»u freuen, der Beglückung nachzuspüren, die von diesem Zauberer ausoeht. von seinem njännlichen Charme, von seiner elementaren Kraft, von seiner atemversetzenden Verhaltenheit, der dann so organisch die atemberaubende Explosion folgt, von der Eleganz seiner Haltung, von dieser in jedem Augenblick selbstverständlichen überzeugenden Gestik und Mimik, von dem Ineinander von Tragik und Heiterkeit, von der wie nachtwandlerisch sicheren Pointierung, von der Bannkraft dieser Sprache, die aus sprödem Material Feuer schlägt. Doch das alles sind nur Worte und vermag keine Ahnung von einer schauspielerischen Genialität zu vermitteln, die in unserer Zeit, seit Jahrzehnten, auf der deutschen Bühne nicht ihresgleichen hat. Man kann auch nur immer wieder bewundern, seiner Verehrung Ausdruck geben und Dank stcnnmeln. Dank auch dafür, dah Albert Bassermann, der rauschenden tiefstgefühlten Beifgll erntete und vor dessen Gröhe das Publikum applaudierend sich von den Sitzen erhob» daß Bassermann keine Stichwortbringer um sich schart, sondern beste' Schauspieler des Wiener Deutsch en_V o l k s th e ater s; die bildhaft schöne, überlegen, fesselnd und zum Schluss ergreifend wirkende Dagny Servaes. in Maria Hilde eine durch Armut, Natürlichkeit und starkes darstellerisches Talent rührende junge Künstlerin. Herrn Egon von Jordan(den man leider in Prag ziehen lieh), den jungen Elegant, der so starke komische Wirkung auslöst, aber auch in seiner ernsten Szene als Fürst Constantin ausserordentlich hohes Niveau nachweist, dann noch Ludwig Donath, einen zweifellos gleichfalls sehr begabten Schauspieler und — zuletzt, doch nicht die Letzte unserem Herzen— Bassermanns Gattin, Else Basserm ann. diesmal mehr noch als sonst aus dem Schatten des übergrossen Mannes heraustretend, brillant in der Derbheit eines■ sein Herz verbergenden Wesens, in der drastischen Komik des östlichen Fräuleins. Szenenapplaus zeigte der Künstlerin, wie hoch man sie schätzt. Wieder, wie wohl innner,.wenn man Basser- mann sah. darf und muh man sagen: ein herrlicher, unvergesslicher Abend I Ein Erlebnis, wie es nur die Kunst und nur durch wiche Persönlichkeit wie Albert Bassermann geben kanm Und drum der innige Wunsch, dass er(der.ja heute abends wieder ziusehen ist) so oft wie möglich zu uns kommen möge. L. G. Ausstellung des Verbandes Deutscher Graphiker Mehr als zwanzig Künstler sind in der Vierten Ausstellung des Verbandes Deutscher Graphiker der Tschechoslowakei vertreten, die am Donnerstag st» den Räumen des KunsWereinS für Böhmen eröffne: wurde. Diese Fülle der gezeigten Werke macht«irre Auswahl nicht sticht, zumal erfreulicherweise festge- stellt werden kann, dass unter den mehr als 200 Gemälden, Zeichnungen, Radierungen und Holzschnitten kaum einS ist, das für einen kunstliebenden Be- trachtet nicht in Betracht käme: ein wirklich guter Durchschnitt handwerklichen Könnens und künstlerischen Strebens, der freilich auch nicht allzuhäufig von großen Einzelleistungen überragt wird. Unter den Graphikern ist vor allem W. I. Krick mit feinen technisch meisterhaften Holzschnisten zu nennen, in denen allerdings die Starrheit dieser Technik weniger gelöst als in bewußter Stilisierung festgehalten scheint. Der Radierer R. Mather prästn- liert sich mik Arbeiten, die im Sujet und in der Durchführung von lebendigem soziastm Gefühl zeugen, wqßrend R. Jakubek das Phantastische bevorzugt und sich von Märchengestalten inspirieren läßt. Einen besonderen Platz nimmt selbstverständlich der berühmte Prager Buchkünststr Hugo Steiner ein, der farbige Zeichmmgen ausgestellt hat, ruhig getönte Landschafts- und Vorstadtbilder, die wie nüchterne Idyllen wirken, einfach, ehrlich und künstlerisch ausgeglichen. Reich vertreten find A B r ö m s e mit farbig und stilistisch sehr interessanten kirchlichen Gemälden, Karl May, dessen Zeichnungen auS Italien und Jugoslawien überzeugender wirken als seine großen Malereien, F. Meinhard, der als Maler und besonders mit Zeichnungen, die an Käthe Kollwitz und Daumier zugleich erinnern, starkes Talent verrät, und Frau Thiele- P e s ch k a, deren interessante Porträts auffallen. Die weitaus anregendsten Arbeiten aber stammen von R. S t u b n e r, einem Zeichner und Aquqset- listen von vehementem Ausdruckswillen, der zwar noch um Gestaltung ringt, aber in jedem seiner Bilder eine Bewegtheit und eine Eigenart spüren läßt, die nicht nur Aufsehen erregt, sondern Achtung, erzwingt. Seine Bilder von Passau und seine Kinder-Studien gehören zu dem Unkonventionellsten und Lebendigsten dieser Ausstellung.—ei-— Ausstellung über Musikerziehung. In Zusammenhang mit ihren ersten internationalen Kongreß veranstaltet die Gesellschaft für Musikerziehung eine Ausstellung. Die Abteilung in der Zentralbibliothek der Stadt Prag wird eine historische Uebersicht über die Musikerziehung in der Tschechoslowakei vom ,rü- hen Mittelalter bis zur Gegenwart enthalten, die Abteilung in der Spiegelkapelle der National- und Universitätsbibliothek(Klementinum) eine internationale Schau über den Stand der Musikerziehung in 20 Kulturstaaten. Bo» der Deutsche« Musikakademie. Mittwoch, den 29. Jänner, 20 Uhr, Produktenbörse. Heinrich Schütz:„Drei biblische Szenen", I. S. Bach: Kantate„Ein' feste Burg ist unser Gott" und G. Fr. Händel„100. Psalm". Soli, Chor und Orchester .der Deutschen Musikakademie. Leitung: Kapellmeister Leo Franz. Vorverkauf: E. Metzler. Deutsche Uraufführung der Oper„Katarina Ismailowa"(Lady Macbeth in der Kleinstadt) voic Dimitri Schostakowitsch, dem führenden jungen russischen Komponisten, Mittwoch im Deutschen Theater. Hauptpartien: Hilde Konetzni, Präger,- Gutmann. Dirigent: Szell, Regie: Mord», Bühnenbilder: Pirchan.(B2.) Montag einmaliges Gastspiel Dela Lipinskaja. Chansons, Figurinen, Volkslieder, Parodien usw. 2.50 bis 20 Kd. Shakespeares Lustspiel„WaS Ihr wollt" Dienstag'neuinszeniert und neu ausgestattet in der Kleinen Bühne. Regie: Gellner. Wochenspielplan deS Neuen Deutsche» Theaters. Samstag, halb 8: Di,e L'e b en s lü ge, Ensemblegastspiel des Deutschen Volkstheaters Wien mit Else und Albert Bassermann, Abonnement aufgehoben.— Sonntag,-halb 3: Das kleine Bezirksgericht; halb 7: Die Meistersin- gervon Nürnberg, Bl.— Montag, 8: Gastspiel Dela Lipinskaja, Abonn. aufgehoben.— Dienstag, halb 8: Der junoe Herr Reuse, Al.— Mittwoch, halb 8: Katarina Jsmaj- lowa, B 2.— Dormerstag, halb 8: Die unent- schuldigte Stunde, Erstaufführung, C1.— Freitag, halb 8: E i ne Nach tin V ened ig, D 1. — Samstag, halb 7: Tristan und Isolde,. Gastspiel Anny Konetzni, A2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Samstag, 8: Im Londoner Nebel, volkstüml. Vorstellung.— Sonntag, 3: Wir werden beobachten; 8: Fremdenverkehr, volkstüml. Vorstellung.— Montag, 8: W ir werden beobachtet, Bankbeamte I.— Dienstag, halb 8: Was Jhrwollt,neuinszeniert.— Mittwoch,8: Anna sagt nein.— Donnerstag, 8: Was Ihr wollt.— Freitag, 8%: Das unbekann te Mä d ch e n, volkstüml. Vorstellung.— Samstag, 8: Was Jhrwollt. Der Mstp Die rote Zarin Das Sensationellste dieser Marlene- Dietrich- Films liegt darin, daß die Dietrich hier bewußt den Vergleich mit Elisabeth Bergner herausfordert, die vor ihr als.Katharina die Große" die gleiche Filmrolle gespielt hat. und daß der Regisseur Josef von Sternberg den prunkvollen Historienfilm-Stil der Engländer amerika- nisch-phantastisch übertrumpfen wollte. Beide haben es ernst, gemeint: Marlene Dietrich singt kein einziges Chanson, sondern konzentriert sich ganz auf die Rolle der ahnungslosen deutschen Prinzessin, die in die essige Luft des russischen ZarenhofeS gerät, unter die Tyrannei einer herrischen Zarenwitwe und ihres halbirren Sohnes, den die junge Gattin, da sie ihn weder bessern noch bändigen kann, beseitigen muß, Die Bergner hat aus dieser Rolle einen am Schicksal reifenden Menschen gemacht, die Dietrich macht nur eine interessante Kinofigur daraus, mit unschuldigem Staunen am Anfang und später mit unbewusster Frivolität und gewitzter Sinnlichkeit. Bezirksorganisation Prag der deutsche» sozialdem. Arbeiterpartei F r e i t a g, den 31. Jänner 1936, im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Prag I., PerstHn, um a