Donnerstag, 30. Jänner Nr. 25 1936 16. Jahrgang Eftmbreis 70 Holler (•kudilMllch S H.ll«r Part») XENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, hdaktiom uno vhwaitumg nag xiu fochoya a. Telefon sm. HERAUSGESHti SIEGFRIED TAU*. VHANTWOtniCHEl ewAUNUA. ML EMIL STRAUSS, PRAG. I finanziellen Kreisen wird damit gerechnet, daß die Ansschreiönng einer Anleihe angezeigt sei« wird, welche zur Finanzierung dieser Maßnahmen verwendet würde. * Landon. Die Flsttenkoufereuz«ahm Mittwoch nachmittags ihr« Arbeiten wieder auf. Auf ihr wurde zunächst der brttische Vorschlag für den Austausch der Flottenbauprogramme behandelt, ferner die Frage der qualitativen Begrenzung der Grütze der künftigen Kriegsschiffe und ihrer Bestückung. Auf der Konferenz waren die Japaner zum erstenmal« in der Eigenschaft als Neurath und Starhemberg beim König London. Der König empfing Mittwoch den deutschen Reichsautzenminister von Neurath und den österreichischen Vizelayzjer Fürsten »kür Deutschland, Eine Erkisruns Segen Hitler I“ der deutschen Sozialdemokraten Zum dritten Jahrestag der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler veröffentlicht die Sozialdemokratische Partei Deutschlands eine Erklärung, die daran erinnert, daß Hitler damals einen neuen freien Volksentscheid nach vier Jahren in Aussicht stellte.„Nun deutsches Kolk, gib uns die Zeit von vier Jahren»und dann urteile und richte über uns!" hieß eS vor drei Jahren in dem Auftuf der Nationalen Regierung. Die sozialdemokratische Erklärung stellt fest, daß in de« drei Jahren der Diktatur alle BorauSsetzunge« zur Erfüllung diese- Versprechens systematisch zerstört worden find. And doch gebe es a«S der furchtbaren Lage Deutschlands keine« anderen Ausweg als die Wiederherstellung jener Voraus- setzungen, der politischen Freiheit, und die Anrufung des Kolkes zu einer neuen Entscheidung. Ter Kampf für die Erfüllung dieser Forderung und für den Sturz der Hitlerdiktatur sei in erster Linie Sache der Arbeiter, doch seien, abgesehen von einer gewiffen Oberschicht, alle Klaffen und Schichten berufen, ihn mitzuführen, um die Fettheit der Preffe, der Wissenschaft» der Kunst, deS religiösen Lebens und die Gleichberechtigung aller »bne Unterschied der Religion und Raffe zurück- zurrobern. Den Siegern über Hitler werde dann die Aufgabe gestellt sein, in phrasenloser und sachlicher Arbeit Demokratie und Sozialismus in Deutschland zu verwirklichen. Der Aufrus, der ttnen Versuch darstellt, breite Kolksmaffen aus eine gemttnsame Plattform im Kampfe gegen di« Diktatur zu einigen, trügt die Urterschttst:»Für Deutschland, gegen Hitler!"' Otto nicht, aber Zita? Paris. Die österreichische Gesandtschaft in Paris bezeichnet das Gerücht als unwahr, datz der österreichische Vizekanzler Fürst S t a r- h e m b e r g bei der Rückreise aus London in Vaduz mit Otto Habsburg Zusammentreffen werde. Nachrichten aus österreichischer Quelle zufolge soll Vizekanzler Starhemberg im Gegenteil beabsichtigen, in Paris Aufenthalt zu nehmen und hier Besprechungen mit polüischen Persönlichketten zu pflegen. Havas meldet am Abend aus Rom, datz di« ehemalige Kaiserin Zita, welche in den letzten Tagen in Livorno weilte, nach Paris abgereist ist. Verschüttung«I« Lage In Kairo Bel neuen Zusammenstößen 60 Studenten verletzt Kairo. Bei Zusammenstößen-wischen Hochschüler« und Polizei wurden am Mittwoch sechzig Studenten verletzt darunter zehn schwer. Unter den Schwerverletzte« befindet sich auch ein Verwandter des Wafdführers Nahas Pascha. All« Hochschule« und technischen Schulen in Kairo wurden jetzt ausnahmslos geschloffen. Ja der ganzen Stadt herrschen Unruhen. Sechs Provinz- Gouverneure habe« beim Jnnenministettum beantragt, auch in ihrer Provinz alle Hochschule« schließen zu laffen, da die Demonstrationen anhalten und überall ernste Zwischenfälle zu befürchten sind. Tintenstrahlen gegen heißblütige Demonstranten Die Polizei von Kairo wendet« am Mittwoch zum ersten Male ein neues Mittel gegen die manifestierenden Studenten an. Sie verwendete Feuerwehrsptttzen, die mtt einer Tinte von besonderer Zusammensetzung gefülll waren, welche für die Gesundhttt nicht schädlich ist, die aber nicht abgewaschen werden kamt. Auf diese Weile hofft die Polizei, nachträglich alle mit derartigen farbigen Flecken gekennzeichneten Personen verhaften zu können. Die Farbe der Tinte wird jeden Taggeändert werden, so datz die Untersuchung noch mehr erleichtert werden wird.( Die Pleite wird offenkundig Deutsche Millionenschuld an Polen urielnbringllch Polen droht mit Einschränkung des Korridor-Transits Warschau. Einige Warschauer Blätter brachte« die Meldung, daß die deutsche Reichsregierung dem polnischen Verkehrsministettum den Betrag von SO Millionen Zloty aus dem Tttel des deutschen Eisenbahntranfits über das pommersche Gebiet(den sogenannten Korridor) schulde und daß dieser Bettag von der deutschen Regierung nicht eingettieben werden könne. Die halbamtliche Rachttchtenagentnr„I i s k r a" behauptet, datz die Höh« der polnischen Forderungen an Deutschland auS dem Titel deS deutschen Eisenbahattanfites über Pommer« nur(!) SO Millionen Zloty(270 Millionen AL) betrage. Gleichzeitig teilt die Agentur mit, datz mtt Rücksicht auf das rapide Anwachsen dieser Forderungen die polnische Regierung die Absicht habe, den deutschen Eisenbahnttanfit über das pommersche Gebiet stark einzuschränken. Die polnischen Eisenbahnbrhörden haben bereit- die deutsche Eiseubahnverwaltung unter Berufung auf Artikel 5 der Pariser Konvention auf diese Möglichkeit aufmerksam gemacht. Di« eventuelle Einschränkung des deutschen EisenbahnttansttS über Pommerellen dürste bereit- am 7. Feber angeordnet werde«. Die Kursen In London herzlich aufgenommen London.(Havas.) Die sowjetrussischen Kreise in London bekunden grotze Genugtuung über die Att, mit welcher der sowjetrussische Bolkskommiffär für AeutzereS Litwinow in London empfangen wurde. Die Audienz, welche König Eduard Litwinov gewährte, habe über 40 Minuten gedauert., und der Ton, in welcher die Aussprache geführt wurde, sei ungewöhnlich aufrichtig und herzlich gewesen. Aus denselben Kreisen wird mitgeteilt, datz bei dem pttvaten Bankett, welches Minister E d e n in seinem Hause gab, Litwinow nicht nur mit dem Autzenminister, sondern auch mit dem Kriegsmini st er Duff Cooper zusammenttaf. Autzerdem wird mitgeteilt, datz der Chef des Generalstabes der Roten Armee Marschall Tuchaschewskij gegen Abend zunächst vom Kriegsmiitister Duff Cooper und dann vom Lustfahrtminister Lord Swinton empfangen wurde. Vie deutschen Sozialdemokraten bei Or. Hodza Eine Abordnung der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, bestehend«us dem Gesundheitsminister Dr. C z e ch, Senator Dr. Heller, den Abgeordneten Taub, Maeonn und I a k s ch, sprach Mittwoch vormittags beim Ministerpräsidenten Dr. H o d j a vor,«m mit ihm eine Rtthe aktueller politischer und wirtschaftlicher Angelegenheiten z« besprechen. Die Delegation brachte die schwere« Auswirkungen der Krise ans die deutsche industrielle Bevölkerung zur Sprache und stellte die entsprechenden A b h i l- fematznahmenzur Erwägung. Mit besmr- derem Nachdruck wurde dabei die Frage des A r- beitsplatzes behandelt und auf de« ungünstige« Eindruck hingewirse«, den derErlatz einer Zentralstelle in der deutsche« Oeffentlichkeit hervorgerufen hat. In Erörterung der Verhältnisse im deutsche« Gebiet urgierte die Abordnung auch die endlich« Errichtung eine- deutsche« Sender-. Der Herr Ministerpräsident befatzte sich in seiner Antwort mit besonderem Verständnis mit de« vorgrbrachteu Anregungen und Vorstellungen und stelltt die eingehende Behänd-, lang aller aufgeworfene« Probleme durch die zuständigen Regierungsstelle« in Aussicht. 150 Millionen Pfund für Englands Verteidigung Japan entsetzt über Hitlers Rassentheorien Tokio.(Hava-.) Der Sprecher des Außenministeriums beschäftigte sich mit der jüngste« Kundgebung Hitler- und erklärt: Wir waren entsetzt darüber, daß Hitler behauptet, Europa stt vorbestimmt, die wenigen zivilisierten Raffen zu beherrschen. Es wird nicht leicht sein, ttne Reattion auf diese Erklärung in der japanische« Preffe zu»erhtttdern, trotz de- Respekte-, den man gegenüber dem Staatsoberhaupt hegt, fall- Hitler auch weiterhin die belttdigende Diskriminierung fortsetzen wird. Der Sprecher deS japanischen Außenministerium- fügt hinzu, daß dieser Zwischenfall beweise, wie wett der angeblich japanisch-deutsche Vertrag von sttner Verwirklichung entfernt sei. London. Da- Kabinett befatzte sich Mitt woch in seiner regelmäßigen Wochensitzung mtt auswärtigen Fragen«nd mit der Frag« der Verteidigung. Hinsichtlich der Petro» leumsanktionen ist man der Ansicht, daß da- i Problem von Grund auf nach alle» Seist« auf» merksam geprüft werden>u»tz. In Angelegenheit der Verteidigung werde« die notwendigen Maßnahmen vorgeschlage»,»m die Verteidigung des Staates auf angemessener Grundlage regeln zu können, wobei daran er innert wird, daß die Berteidigungsmaßnahmen einen Aufwand von 100 bis 150 Millionen Pfund Sterling(12 bis 18 Milliarden Kd) erfordern. I« I Beobachter vertreten. Kapttallsmas oder — Demagogie? „Die letzten Entdeckungen der Phy« siologie beweisen, datz der Mensch gar nicht so viel Fettzufuhr nötig Hot, wie er glaubt". Diese Worte sprach der weniger durch sein« geistige Grütze als durch seinen Leibesumfang auffallende preußische Ministerpräsident, Reichsluftfahrtminister, Reichsicherjägermeister und General Hermann G ö r i n g. Niemand wird bezweifeln» datz die Fettzufuhr bei Herrn Göring vollkommen aufhören könnte, datz aber für Millionen von ausgemergelten Proletariern»die letzten Entdeckungen der Physiologie" einen sehr geringen Erkenntniswert haben. Wenn man einem Hungernden ein Rezept gibt, wie man das überflüssige Körperfett loswerden kann, wird er wenig damit anzufangen wissen. Und datz die Nahrungsmittelnot kein„Greuelmärchen", sondern Tatsache ist, dafür kann man den kompetentesten Mann in Deutschland als Zeugen anführen, nämlich den Ernährungsminister Darri, der in seinem Reujahrsaufruf keine frohere Nachricht für da- deutsche Voll übrig hatte, als datz es die.nationale Erhebung deS JahreS 1933" vor einem »Steckrübenwinter von 1916-17" bewahrt hätte. Gott fei Dank, datz es so ist, es könnt« noch ärger sein— das ist der krächzende Tenor des Herrn Darrk. Sind schon die Ernährungsschwierigkeiten dem herrschenden Regime nicht gleichgültig, eine ebenso ernst« Angelegenheit ist das Ansteigen der Arbeitslosigkeit. Die Anzahl der registrierten Arbeitslosen(wie viele sind nicht registriert?) ist auf 2.8 Millionen gestiegen und— was das bedenklichste ist— sie muh weitersteigen.»Die Zunahme der Arbeitslosigkeit", so erzählte Doktor Goebbels auf der Gau-Tagung des Gaues Groh-Berlin der NSDAP,»ist verursacht durch die Saisonverhältnisse, durch schlechte Witterung, durch die Rohstoff- und Devisenschwierigkeiten". Die schlechte Witterung werden die Rationalsozia- listen mit WotanS Hilfe vielleicht vertreiben, die Rohstoff- und Devisenschwierigkeiten werden all« Götter aus Walhall zusammen nicht beseitigen. Aber an eines hat Goebbels vergessen und das hat ihm der Leiter deS Wirtschaftspolitischen Amtes seiner Partei Bernhard K ö h l e r in Magdeburg— wir entnehmen einzelne dieser Bericht« Otto Strassers»Deutscher Revolution"—<• gesagt: „Die. künftige Entwicklung wird ihr Kennzeichen nicht darin haben, daß die staatlichen Aufträge inS Ewige fortgesetzt werden, die Entschlußkraft des Unternehmer- wird die staatlich« Hilf« ablösen." Bisher find nämlich die öffentlichen Arbeiten mittels der von Banken und Sparkassen finanzierten Arbeitsbeschaffungswechsel durchgeführt worden. Alle Kreditinstitute haben ihre Portefeuilles mit diesen Papieren— wenn nur in Deutschland so viel Kilogramm Butter wären, wie Arbeitswechsel I— vollgepfropft, es geht nicht mehr weiter., Was ist nun zu tun? Der erwähnte Bernhard Köhler hat die Formel gefunden.»Der Weg führt", so sagt er in einem Artikel,„über eine durchgreifende Rationalisierung der gewerblichen Wirtschaft". WaS Rationalisierung ist, wissen die Arbeiter: Entlas- sungeü. Herr Köhler gibt es auch offen zu:„Wir müssen die bisher erzielte Gesamtleistung mit weniger Arbeitskräften als bisher ausführen..." Wer aber noch zweifelt» datz hier ein Anschlag auf die Arbeiter geplant wird, lese den Artikel eines HanS W. A u st in der„Deutschen Zukunft" vom 12. Jänner— Aust ist ein Unterläufe! des Wirtschaftsministers Schacht—, in welchem dieser für. Steuererhöhungen«intrttt, aber nicht bei Besitzsteuern, sondern bei Einnahmequellen,„die weniger die Produktion als den entbehrllchen Verbrauch belasten". WaS die deutschen Großbourgeois, die hinter Schacht stehen, als entbehrlichen Verbrauch" der Volksmassen ansehen, kann man sich denken. Damit aber jeder Zweifel schwindet, was die Kreise um Schacht wollen, sei noch folgende Stelle aus dem erwähnten Artikel des Herrn Aust hie« hergesetzt: „Die von Bernhard Köhler verlangte Ratio- , k nalijieruug bedeutet«uu|II* djä tz I ich e Holland besteuert Auslandsreisen Amsterdam Der Staatsrat hat einen Gesetzentwurf gebilligt, der die Einführung einer Sondersteuer für die ins Ausland reisenden Holländer vorsieh!. Die holländisch« Oeffentlichkeit äuhert sich recht abfällig über den Gesetzentwurf. Man fürch- ,tet.Gegenmatzmchnea anderer Staaten,<üsrg» Geile 2 Donnerstag, 30. Jänner 1936 Nr. 25 Rom dementiert wirtschaftliche Schwierigkeiten Rom. Mit aller Entschiedenheit erklärt man in politischen Kreisen Roms, daß die Auslands» nachrichten über eine katastrophale Lage der italienischen Wirtschaft als Folge der Sanftions- anwendung völlig übertrieben seien. Die italie» Nische Regierung habe keinerlei Besorgnisse wegen irgendwelcher wirtschaftlicher'Schwierigkeiten. Abkehr von der b i s h er ig en Rege- lung des Arbeitseinsatzes, die zwar zunächst nicht auf der ganzen Linie wirksam werden wird, aber doch bald in seiner größeren Freizügigkeit der Arbeitskräfte und in einer freieren D e w eg lichkeit der Unternehmerschaft zum Ausdruck kommen muß." »Freiere Beweglichkeit der Unternehmerschaft"! Das heißt nichts anderes als stärkerer Druck auf die Arbeiter, Deutschland muß ein Paradies der Kapitalisten werden, noch mehr als bisher. Die RüstungSindustriellen stopfen sich zwar die Taschen, aber das ist ihnen alles zu wenig. Sie wollen noch mehr: Niedrigere Löhne und größere Profite, mit Gott für Hitler und Kriegsgewinne, das ist die Parole! Werden Schacht und die Seinen diese Ziele, Deutschlands Wirtschaft durch erhöhte Ausbeutung des deutschen Proletariats zu sanieren, durchsetzen? In den Kreisen der Partei sieht man, daß ans einer zu deutlich erkennbaren kapitalistischen Wirtschaftspolitik schwere Gefahren für die Nationalsozialisten erwachsen können. Daher stellt man Schachts Forderungen die Goebbelssche Demagogie entgegen und der Propagandaminister hat seit Anfang Dezember eine große Presseaktion entfaltet, welche die gesunkene Stimmung beleben soll.„Der Sozialismus marschiert!" so schreit es aus dem„SA-Mann" vom 7. Dezencher 1938, und die„N. S. Z. Rheinfront" stimmt ihren Silvesterartikel auf das Motto:„Unsere Forderung an das neue Jahr: Parole Sozialismus!" Wie verlautet, soll diese Parole nächstens noch konkretifiert werden, es wird von Goebbels eine „Generaloffensive gegen die Banken", eine„Sozialisierung der Banken" hinausposaunt werden, was aber Schacht bald abstoppen wird, weil Deutschland eine auswärtige Anleihe wie einen Bissen Brot braucht. Zwischen der Wirtschaftspolitik Schachts und Goebbels Demagogie schwankt der„Führer" hin und her. Folgt er Schacht, so wird er in steigendem Maße die Stimmung der breiten Massen gegen sich haben, folgt er Goebbels Rat, hat er die„Wirtschaft", d. h. Großunternehmer und 'Banken gegen sich. Trotz des allgewaltigen Diktators geht der Kampf der Klaffen in Deutschland weiter, nur daß das Proletariat geknebelt ist und sich nicht wehren kann. Aber auf die Dauer kann sich keine Diktatur gegen den Maffenwillen erhalten. Mag sein, daß heute noch ein großer Teil des deutschen Volkes hinter Hitler steht— die Zeit naht, in der der Wille der Massen sich Bahn brechen muß. Auch daS kaiserliche Deutschland glaubte, man könne im 20. Jahrhundert regieren wie in der Zeit jener preußischen Könige, die mit dem Stock umhergingen und ihre Untertanen höchstpersönlich prügelten. So wenig wie der hohenzollersche Prügelstock wird auch die hitlersche Nilpferdpeitsche Bestand haben und der Lauf der Geschichte wird noch ganz andere Entdeckungen bervorbringen wie die Physiologie des Herrn Göring. Was Ist mit der Sanierung der Selbstverwaltung? In der Borstandssitzung des Verbandes der deutschen SelbswerwaltungSkörper am 29. Jänner 1936 erstattete der Finanzreferent des Verbände- Dr. Frank über die gegenwärtige schwi'rige finanzielle Lage der Gemeinde»^Und Bezirke uno über die Maßnahmen Bericht, die im Zusammenhänge mit der Regelung der Finanzwirtschaft der Selbstverwaltungsverbände in der letzten Zeit im Gesetzeswege und im Wege von Ermächtigungsverordnungen getroffen wurden und die noch in der allernächsten Zeit zu erwarten fein sollen. Aus diesem Berichte war u. a. zu entnehmen, daß oft im Gesetze 69/35 vom Staate für die Schuldenregelung der Gemeinden und Bezirke bestimmten Mittel von 181 Millionen KL nunmehr nach den Vorschriften de- im Dezember de» Vorjahres verabschiedeten Finanzgesetzes zum StaatSvoran- schlage 1936 auf ein ganz geringes Ausmaß herabsinken werden und daß die bereits im Gesetz 69/35 vorgesehene Verringerung der für die Gewährung von Landesbeiträgen an die Gemeinden und Bezirke bestimmten Mittel um 38 Prozent noch weitergehen wird, wodurch gerade den fman- ziell schwachen Gemeinden' und Bezirkt» eine wesentliche Bareinnahme entzogen wird. Dies: Neuregelung hat die zur Durchführung der kommunalen Schuldenregelung notwendigen Vorarbeiten so verzögert, daß eigentlich bis heute von den zuständigen Behörden noch nichts zur Sanierung der Schuldenverhältni,se der Gemeinden und Bezirke veranlaßt wurde, obwohl die gesetzlichen Bestimmungen für die Schuldenregelung schon seit 1. Jänner 1936 in Wirksamkeit getreten sind. Da nach den dem Verbände zugegangenen Mitteilungen eine weitere teilweise Novellierung einiger Vorschriften des Gesetzes 69/35 vorbereitet wird, hat die Verbandskanzlei den zuständigen Ministerien mehrere, die Schuldenregelung der Finanzwirtschast der Gemeinden und Bezirke betreffende Vorschläge vorgelegt. Auch zu dem Regierungsantrage über die Abänderung des Steuergesetzes 78/27 hat der Verband allen deutschen politischen Parteien Er- gänzungs- und Abänderungsvorschläge überreicht, die darauf abzielen, daß auch für die Gemeindeerwerbsunternehmungen der Grundsatz der Steuergleichheit mit den übrigen Privatwirtschaft« lichen Erwerbsunternehmungen voll zur Geltung gebrächt wird.' Der Verbandsvorstand nahm den Bericht zur Kenntnis und beauftragte seinen Geschäftsführenden Ausschuß, bei den kommenden Verhandlungen über die die Finanzwirtschaft der Selbstverwaltungskörper betreffenden Maßnahmen sofort alle notwendigen Schritte einzuleiten, damit den auf die Ermöglichung einer ordentlichen Wirtschaftsführung der Selbstverwaltungskörper abzielenden Forderungen in weitgehendstem Ausmaße und mit Rücksicht auf die Notlage der Selbstverwaltungskörper so rasch als nur möglich Rechnung getragen wird. Senat Prag. Mittwoch genehmigte der Senat in einstündiger Sitzung die Vorlage über den militärische» Vorspann» einen Vertrag mst Oesterreich über die Zollfteiheit von Modepublrkationen und die Vorlage über die Dividenden- steuer. Als Gegner dieser Steuer trat lediglich der frühere Nationaldemokrat Havlin (Rat. Ber.) auf, der in bewegte» Worten das Risiko schilderte, das mit dem Erwerb von Dividendenpapieren, verbunden sei, und seiner Unzufriedenheit Ausdruck gab, daß die Vorlage nicht auch die„ungeheueren Gewinne der Genossenschaften" treffe. Dr. Bas(Geto.-Part.) warnte das Publikum vor dem Spiel an der Börse und richtete dann Angrifft gegen die Einheitspreisgeschäfte, die an Unbeliebtheit bei den Gewerbe- parteilern sogar den Genossenschaften allmählich den Rang avlaufen. Nächste Sitzung Dienstag, den 4. Feber, um 16 Uhr. Die Verlängerung der Mieterschutzgesetze bis Ende März, die bekanntlich durch Regierungsverordnung erfolgte, wurde vom sozialpolitischen Ausschuß zur Kenntnis genommen. Gleichzeitig wurde der Fürsorgeminister ersucht, in einer der nächsten Sitzung des Ausschusses einen Bericht über die ibsichtigte Lösung des ganzen Wohnungsproblems zu erstatten. Der Parteitag der tschechischen Agrarier findet Donnerstag, den 30. und Freitag, den 31. Jänner, im Gemeindehause in Prag statt. Das Programm sieht wenige Plenarsitzungen des Parteitages vor, die Hauptarbeit wird in den elf Kommissionen de» Parteitages geleistet werden. 'Heute wird der Parteitag eröffnet und der Vorsitzende Beran wird den Parteibericht erstatten, am Freitag werden die Kommissionen berichten. — Der„Venkov" kommt in einem Artikel des Generalsekretärs der Partei, Jng. Zilka, auf die Nachrichten zu sprechen, daß die Partei ihren Eharakter insofern ändern wolle, als die rein landwirtschaftliche Grundlage verlassen und es zur Umwandlung in'eine allständische Partei kommen wird. In dem Artikel wird dargelegt, daß alle diese Nachrichten unrichtig sind. Beschränkung der Saatfläche für FrühjahrS- weizen. Das Landwirtschaftsministerium macht erneut die landwirtschaftliche Oeffentlichkeit darauf aufmerksam, daß die Anbaufläche für Weizen nicht in dem durch die Regftrungsverordnung 173/35 geforderten Ausmaß zurückgegangen ist und infolgedessen die Gefahr droht, daß die vorhandenen Weizenüberschüsse weiter bedrohlich anwachsen. Jiifolgedeflen macht die Getreidegesellschaft neuerdings auf die zitierte Verordnung aufmerksam, durch welche die Gesamtanbaufläche für Getreide auf das Ausmaß von Juni 1935, die Anbaufläche für Weizen aber auf 92 Prozent der Anbauflache des Jahres 1935 eingeschränkt wird. Landwirte, die diese Bestimmungen nicht befolgen, haben außer den festgesetzten Strafsank- tionen zu gewärtigen, daß ihnen der Ueber- nahmSpreis für daS Getreide bis um 20 Prozent gekürzt wird. Es ist unbedingt notwendig, daß in: Frühjahr an Stelle von Getreide und namentlich von Weizen in größerem Maßstab Futtermittel angebaut werden. Wo es möglich ist, fällen'"mach' H ü l s e n fr L H f« nn®'F l a ch S angebaut werden, deren Anbau rentabel ist. Für Südmähren, die Slowakei und Karpathorußland wird namentlich der Anbau brn Mais sehr empfählen. Stempelfreihcit für Stellengesuche Arbeitsloser? Der sozialpolitische Ausschuß des Abgeordnetenhaus«- nahm Mittwoch nach längerer Debatte einen Antrag der tschechischen Genossen an, in dem die Regierung aufgefordert wird, auf administrativem Wege oder durch Novellierung des Gesetzes Gesuche (und die dazugehörige» Gesuchsbeilagen) von Arbeitslosen und von mittellosen Schulabsolventen um öffentliche Stellen von der Stempelgebühr zu be- fteien. Die Bedeckung soll der Dotierung der Fonds für di« Arbeitslosenunterstützung entnommen werden.— Der tschechische Genosse Tay er le verlangte bei dieser Gelegenheit, daß auch der Ouit- Wie sie die Einheit verstehen In Verhandlungen mit dem sozialistischen Jugendverband in Norwegen haben die kommunistischen Jugendlichen sich„bereit" er- Kärt, in den erstgenannten Verband einzutreten, beharrten aber zugleich darauf, Mitglieder der KP zu bleiben! Außerdem verlangten sie, daß die sozialistischen Jugendlichen sich von der Arbeiterpartei trennen sollen! Unter diesen Umständen werden die Verhandlungen von der skandinavischen Parteipreisse als gesprengt bezeichnet. Die Zentralleitung der sozialistischen Arbeiterjugend Norwegens wird demnächst ihre Entscheidung fällen, die nicht zweifelhaft sein kann. tungsstempel für die Löhne der Arbeiter in den staatlichen Betrieben, der ein Prozent der ohnedies sehr kärglichen Lohnsumme beträgt, in Wegfall komme. Dieser Antrag wurde vom Aus» schuß in die Form einer Resolution gelleidet, die dem Finanzministerium vorgelegt werden wird. Zollerleichterungen für Musikinstrumente. Den beiden Häusern der Nationalversammlung wurde zur verfassungsmäßigen Beratung der Zusatzvertrag zum tschechoslowakisch-deutschen Wirtschaftsabkommen vom 29. Juni 1920 über gegenseitige Zollerleichterungen auf Musikinstrumente vorgelegt. Die tsche- choslowaftsche und die deutsche Musikinstrumentenindustrie hat sich seinerzeit auf gegenseitige Zollerleichterungen geeinigt, und zwar den reichsdeutschen Zoll auf Saxophone und die tschechoflowakiichen Zölle auf BlaSharmonikas, einfachere Ziehharmonikas und umsponnene Saiten. Dem Jndustrieabkom- men wurde durch den Zusatzvertrag vom 80. Dezember 1935 zum Wirtschaftsabkommen vom 29. Ium 1920 entsprochen. Dieses Zusatzabkommen wurde am 15. Jänner 1936 in vorläufige Wirksamkeit gesetzt. JnÄfiwcJ Warschau.(Havas.) 20.000 Arbeiter bei Spiritus- und Tabakmonopols sind in den Streik getreten, um gegen die Herabsetzung der Löhne und die Beschränkung ihrer Rechte aus dem Kolleftivvertrag zu protestieren. Durch den Streik wurde die Pro» duftion auf 25 bis 50 Prozent herabgesetzt. Stockholm. Die Direttion des schwedischen Roten Kreuzes sandte nach Addis Abeba an Doktor Hylander den telegraphischen Auftrag, die Ausrüstung seiner Ambulanz zu ergänzen und entweder mit einer mobilen Ambulanz oder mit einer Ambu« lanz.mit ständigem Sitz zu.arbeite». Paris. Der ehemalige Jnnenmnister im Feber- Kabinett Daladier, Deputierter F r o t, wurde Mittwoch nachmittags auf dem Champs Elhftes von einem der äußersten Rechtspartei angehörenden Arbeiter überfallen und geohrfeigt. Der Täter wurde verhaftet. Vorher hatte sich Deputierter Frot, der von Beruf Advokat ist, in den Couloirs des Juftizpalais eingefunden. Dort aber riefen die Advokaten gegen ihn solch« Ausschreitungen hervor, daß er den Justizpalast eiligst verlassen mußte. Athen. Ministerpräsident D e m e r i> j i s hat dem König das amlliche Wahlergebnis mit» geteilt und ihm gleichzeitig die Demission der Regierung unterbreitet» um ihm die Bildung einer Koalitionsregierung zu erleichtern. Wahrscheinlich wird die Kammer vor dem festgesetzten Termin einberufen werden. NOVEU.K VON OSKAR BAUM „Wie?" fragte Direktor Hanuschke nochmals. Seine Weiberhaft schrille Blechstimme llang im Telephon immer so, als sei er ungehalten. Diesmal aber hatte er allen Grund, nicht gleich zu verstehen. Es war der neue Augenarzt, Dr. Lötz. Er faßte seine Meldung vorsichtig, damit kein Vorwurf herausllinge.„Lore Friedrich," sagte er, „ganz recht!" „Sieben Jahre ist das Mädchen bereits in der Anstalt," hielt ihm der Direktor mit überlegener Verwunderung entgegen. „Ein ganz neues Verfahren," log der Arzt, „für das diese ohne Pupillen geborenen Augen einen Schulfall darstellen." „Und das melden Sie mir heute? Wann haben Sie denn da- Diädchen untersucht?" „Für so etwas übernimmt man nicht gern die Verantwortung allein. Ich versicherte mich zuerst der Zustimmung Professor Perls, ehe ich Sie, Herr Direktor, mit der Angelegenheit befaßte." Tie affektierte Nachlässigkeit seine- Salon-Wienerisch, seiner getrübten Vokale und nachgeschleiften Endsilben— man sah die elegante Erscheinung des etwas verlebten, nicht mehr ganz jungen Arztes vor sich. Des Direktors Zutrauen zu dem Manne war äußerst gering, aber seine gesellschaftlichen Verbindungen und Empfehlungen hatten es unmöglich gemacht, ihn al- Vertreter de- erkranften greisen Anstaltsarztes abzulehnen. „Schön", sagte der Direktor,„ich werde alles Erforderliche veranlassen." Er sah schon die Unannehmlichketten voraus, die ihm auch hier wieder erwachsen würden. Allgemeines Staunen, daß das Mädchen seit Jahr und Tag nicht untersucht worden war.„Keiner wird daran denken, daß ja bei ihrem Eintritt das amtliche Zeugnis ihrer unheilbaren Blindheit vorgelegen hat, und daß sie niemals eine Lidrandentzündung oder sonst eine Kleinigkett hatte, weshalb man sft hätte in die Ordination schicken sollen." Direftor Hanuschke hatte— zu allem übrigen durch eine kinderreiche Familie gesegnet— viel zu viel auf der Sorge. Er war verzweifeü über jede neue Schwierigkeit, neue Arbeit, die auftauchte, um so mehr, als er, pflichttreu und gewissenhaft von Natur, alles gern gut gemacht hätte und immer mehr sah, daß das unmöglich war. Heinrich Berkl, der junge Lehrer, den der Direktor rufen ließ, um ihm die Erledigung des Falles zu übertragen, geriet nicht in die bei solchem Anlaß zu erwartende Begeisterung. Er zögerte in ehrerbietiger Zurückhaltung:„Wenn aber die Operatton mißlingt," gab er zu erwägen, „und sie ist schwierig— die Enttäuschung könnte dem sehr empfindsamen Gemüt des Mädchens gefährlich werden!" Er hatte offenbar noch ganz andere Bedenken; die gatten wohl vor allem der Person des Arztes. „Neunzig Prozent Wahrscheinlichftit, daß dad volle Sehvermögen zu erzielen ist," sagte der Direftor.„Niemand geringerer als Professor Perl ist dieser Meinung." „Für das Vergnügen an Experimenten lind schon Tiere zu gut," brach Berft los,„u n S übergibt man die Kinder zu anderem Zweck." Es'ah ein wenig komisch auS, wenn er sich so erhitzte. Er trug einen schadhaften engen Anzug. Er war das Kind armer Häusler aus dem Erzgebirge. „Es würde mir noch fehlen, mich mit den Aerzten herumzuschlagen," sagte der Direftor. „Vielleicht heilt sie Dr. Lötz? Wollen Sie es auf« sichnehmen, ihn daran zu hindern?" Der Direk- tor machte eine resignierte Handbewegung:»Tun Sie, was ich Ihnen auftrug." Das hieß: Die Eltern, das Mädchen selbst, das Spital verstan« digen und dafür zu sorgen, daß möglichst wenig vvon der Sache unter die Zöglinge dringe. Er brach die Unterhaltung ab. Das Telephon surrte; auf dem Schreibtisch warteten Briefe. Der Lärm au- dem Schulzimmer drang bis herein. Die Befperpause war zu Ende, Heinrich Berkl stieg zögernd die Treppe zum Arbeitssaal der Mädchen empor.„Dieser Dr. Lötz hat es leicht, der Stärkere zu sein. Alles ist auf seiner Seite. Soll man noch im letzten Augenblick Lorchens Widerstand stärken und so die Leicht- ftrttgkeit vereiteln? Wie aber, wenn der Schnitt m das leere, weltentrückte Graudunkel dieser Augen doch gelingen könnte?" Ironisches Gold der Febersonne füllte das Stiegenhaus, unnütz, lügnerisch, ließ die blanken Stufen aufglänzen. Wie doch dies HauS— inmitten des Gartens nach allen Seiten frei— durch die vielen hohen Fenster überall bis in die letzten Winkel von Licht durchströmt war! Es schien, als ob es die Kinder mit ihren Leibern tränken und darum so fröhlich in den Räumen und Gängen umhertollten, ob in Unfug, ob in der Arbeit. Nichts scheint es auszumachen, daß jeden sein Stück Dunkel durch die Welt des Lichts begleitet, ungreifbar, unentrinnbar. Ins Leben hinaus, ins unbekannte große lockende Leben der anderen geht ihre Sehnsucht, für das sie sich hier nur ungeduldig rüsten, als hofften sie ganz auf dem Grunde ihres Herzens doch, irgendwo aus dem Gefängnis auszubrechen, an einer heimlich entdeckten Naht daS Dunkel zu sprengen. „Hat Lorchen etwas von dieser in unbewuß« rem Trotz genährten, hochmütigen Erwartung? Sicherlich! Tief im Innersten. Man merü s nur nicht, well sie so still ist, so insichgefthrt. Sie spricht leise. Wie ein zarter Seidenfaden ist die Stimme. Wenn sie sich noch so sehr bemüht— sie kann sie nicht erheben." Lore Friedrich hatte es nicht leicht. Es war nicht nur die Stimme, die ihrer Art etwas Eigenes gab, und weshalb die Kinder sie verspotteten. Bevor sie auf eine Frage antwortete, machte sft immer eine kleine Pause, aber dann sprach sie überstürzt und nicht ganz deutlich. Es kam wohl daher, weil sie als Kind erst spät zu sprechen begonnen hatte. Im Winkel einer Kellerwohnung hockte das Kind vergessen und verloren und spielte mü dem Schmutz, der sich dort angesammelt hatte. Mit Papierfetzcn, mit Kohlenbrocken. Die Eltern mußten zur Arbrir gehen und schloffen sft ein. Erst als ihre Geschwister, dft alle jünger waren, so weit heranwuchsen, sich um sie zu kümmern, wurde es anders. Mhre Schweigsamkeit rnd Schüchternheit mochte auf jene Zeit zurückzuführen sein, aber ihr Äeußeres stand in merkwürdigem Gegensatz zu solchem Bericht der Gemeindeschwester. Lore wußte nichts von dermbeschrew- lichen Schönheit ihres sanften Wesens, ihrer ,ier- lichen, dabei gar nicht schwächlichen Gestalt, ihres verträumten Gesichts, in dem die immer beinahe geschloffenen Augen dem Beschauer das Herz zusammenzogen. Wenn sie auf ihrem Platz zwischen den anderen Schülerinnen in der Klasse saß, schien sie reglos, ihre Umgebung vergessend, ganz an leidenschaftliche Träumereien verloren, eine edle phantasievolle Büste von Künstterhand. Fuhr sie dann auf, wenn man sft rief, öffneft den Mund und sprach ein einfaches alltägliches Wort, fühlte man ssch mit ihr beschämt; es war, als hätte man sie zu irgendetwas gezwungen, das ihr nicht ent- sprach. Berft fand Lore nicht im Arbeitssaal. Niemand wollte wissen, wo sie war. Er traf sie schließlich im Musikzimmer. Sie sprang bei seinem Gruß von der Klavierbank auf. Ein erschrok- keneS Rot fuhr in die Blässe ihrer Wangen. Sie hatte nicht das Recht, Klavier zu spielen, .(Fortsetzung folgt.), Nr. 25 Donnerstag, 30. Jänner 1936 Seite 3 tfudctcndeutscfier Zeifepie^cf Der KameradsdiaFtsbund-Gaul Der SdP.-Wähler:„Wohin reitest Du, mein Führer?“ Henlein:„Weiß ichs? Frags Pferd!“ Was breit ist, wird flach Noch ein völkisches Urteil über die SdP MaxKarg, unvergessen ehemaliger Hauptschriftleiter des nationalsozialistischen„T a g", jetzt Herausgeber eines„PragerZeitungs- d i e n st", an dem die Henleins wenig Freude haben, ließ dieser Tage einen Artikel los, dem wir an Hand der„Rumburger Zeitung" ein paar bemerkenswerte Stellen entnehmen wollen: „Man spricht jetzt viel von sudetendeutscher Volksgemeinschaft. Das geht so weit, daß dieses hohe und schöne Ideal auf dem Wege ist, ein S ch l a g w o r t zu werden. Es gibt Partei st eilen, die sich zur Ausgabe von Volksgemeinschaftslegitimationen berechtigt erklären und sogar Anspruch darauf erheben, einem Volksgenossen die Zugehörigkeit zu. Volksgemeinschaft zu-oder ab»u- erkennen. Diese Methode ist stets verbunden mit einer persönlichen oder politischen Diffamierung." Karg zieht zur Illustration dessen die R u m- bürge r Versammlung heran, die er also aburteilt: „Wir glauben, daß das unhaltbare Z u st ä n d t sind, die nicht nur dazu verleiten, eine Parteigemeinschaft mit der Volksgemeinschaft gleichzustellen und für eine einzige Partei das Monopol der Volksgemeinschaft mit Beschlag zu belegen, sondern auch eine unerhörte Verschärfung der Parteigegensätze und derpersönlichenKämpfe zur Folge haben! muffen. Am Schluß einer solchen Entwicklung kann nur eine maßlose Verbitterung und unheilvolle Verwirrung stehen." Der ehemalige Hakenkreuz-Radikalinski Karg nennt sodann den„jugendlichen Radikalismus", der die Politik derSdP kennzeichne,„verwerflich und schädlich" und richtet an die SdP und ihre verantwortlichen Führer die Mahnung: „die Phantasie im Zügel halten: also zuvörderst keine Luftschlösser bauen, weil dresr zu kostspielig sind, indem wir gleich darauf sie unter Seufzern wieder ein zu reist en haben... Die SdP hat ihren Eintritt in die Politik nicht mit neuen machtpolitischen Bestrebungen, sondern mit neuen sittlichen Grundsätzen begründet. Die Bewegung läuft jetzr Gefahr, Partei und nichts als Partei zu werden und die alten Grundsätze in einem llebermaßvoa Polemik und Unduldsamkeit zu verlieren und einer blinden Anbetung der Massenaufmärsche und des agitatorischen Erfolges zu verfallen. Was breit ist, w: rd flach.. Man könnte auch umgekehrt sagen: was flachist, wird breit; denn ohne ihre Flachheit wäre die Henleinfront niemals so in die Breite gegangen. Nun aber ist zwischen Flachheit und Breite eine so starke Wechselwirkung eingetreten, daß sogar Max Karg, der doch die Geister selber rief, vor ihnen Angst kriegt... Vie Wünsche der deutschen Universität Rektor Hilgenreiner beim Präsidenten der Republik Mittwoch vormittags sprach der Rektor der deutschen Universität Dr. Karl Hilgenreiner in Begleitung der Dekane und der Profefforen Spina und Grosser— welche beiden die Gesellschaft der Wissenschaften und Künste vertraten— beim Präsidenten der Republik vor und dankte ihm für die Förderung, die Dr. Benes allezeit der deutschen Wissenschaft und der Universität gewährt habe. Dann brachten Rektor Hilgenreinex und seine Begleiter die Wünsche der Deutschen Universität vor. Sie urgierten vor allem den Reubaudes Zentral- und Kollegienhauses der Deutschen Universität in Prag, die s o z i a l e F ü r s o r g e für die akademische Jugend, die laut nach einer Erhöhung und rechtzeitigen Flüssigmachung der staatlichen Beiträge rufen, den längst notwendigen Neubau von klinischenAn- st a l t e n der Universität, ferner die Notw,endig- keit, den in letzter Zeit eingeschränkten Personalstand der wissenschaftlichen Hilfsarbeiter, wie Assistenten, Demonstratoren u. dgl. wieher auf seine frühere Höhe zu bringen und deren rechtliche und materielle Stellung so zu verbessern, daß der wissenschaftlichen Arbeit wertvolle Kräfte erhalten werden können. Rektor Hilgenreiner schloß mit einer Loyalitätserklärung, der sich Professor Grosser anschloß. Der Präsident versprach die Förderung der deutschen Universität in allen Punkten. Die gewünschte Umwandlung der wissenschaftlichen Gesellschaft in eine Akademie sei'allerdings nur durch ein Gesetz zu regeln. , Verurteilt. Vor dem Marienbader Bezirks- I geeichte wurde in der Strafsache: Vorstand unv Aufsichtsrat der Deutschen gewerblichen Volksbank Marienbad gegen den Buchhändler Rudolf M i e tz n e r in Marienbad in einer seit längerer Zeit anhängigen Ehrenbeleidigungsklage das Urteil gefällt. Mießner hatte sich seinerzeit zu Aeußerungen und Beschuldigungen hinreißen lassen, von denen die Ausdrücke:„jüdisch-demokratische Sauwirtschaft",„Schwindelaffäre Fischer u. Deutsch",„Alle in der Volksbank haben sich au' Kosten der Einleger gesund gemacht, insbesondere Flauger, Wagner und Rieber", unter Klage gestellt worden waren. Außerdem hat der Ange- flagtk Hem Hofes Meißner gelss-etziIich,.siner.A^s-. einandersehung eine Ohrfeige verabreicht- Nach durchgeführter Verhandlung wurde Rudolf Mieß- ner wegen Uebertretung gegen die Sicherheit des Körpers und die Sicherheit der Ehre in zwei Fällen schuldig gesprochen und zu einer Geldstrafe von 600 kä oder zehn Tagen Arrest unbedingt sowie zum Ersatz der Kosten des Strafverfahrens und zum Schadenersatz verurteilt. Gegen Urteil und Strafausmaß meldete Mießner die Berufung an das Kreisgericht in Eger an. Nackter Selbstmord. Zu einem grausigen Vorfall kam es am Dienstag nachmittags auf der Eisenbahnstrccke Plan—Marienbad. Bei der Einfahrt des Zuges in die Station Plan stürzte sich ein völlig entkleideter Mann schreiend vor die Lokomotive. Obwohl der Lokomotivführer mit allen Kräften bemüht war, den Zug zum Halten zu bringen, gelang es ihm nicht. Die Räder der Lokomotive zerstückelten den Lebensmüden m fürchterlicher Weise. Nur mit größter Mühe gelang es, den Toten als den 20jährigen Tischlergehilfen Hans Dinger aus Plan zu identifizieren. Die Kleider Dingers fand man unter der nahen Eisenbahnbrücke. Geldnot dürste den Tischler zu seiner furchtbaren Tat veranlaßt haben. Entmannung in Eula«. Die Gemeindevertretung von Eulau hatte seinerzeit gegen die Stimmen der deutschen bürgerlichen Gemeindevertreter die Verleihung des Heimatrechtes an Heinrich Mann beschlossen. Einigen gegen diesen Beschluß eingebrachten Rekursen wurde von der Bczirksbehörde Tetschen jetzt stattgegeben, so daß der Beschluß aufgehoben erscheint. Hausbesitzer und Bettelkmd. Ein mysteriöser Vorfall ereignete sich dieser Tage auf der Straße zwischen Lauterbach und Sangerberg. Ein Kind aus Sangerberg, das sich nach einem Bettelgang auf dem Heimweg befand, wurde von einem Manne überfallen und seiner Bettelkreuzer beraubt, worauf der Unbekannte flüchtete. Die Gendarmerie leitete in dieser Angelegenheit die Nachforschungen ein, die schließlich, da sich gegen den in Lauterbach wohnhaften Hausbesitzer I. S. schwerwiegende Verdachtsmomente ergaben, zur Verhaftung des S. führten. I. S. ist Gewohnheitsbettler, obwohl er in Lauterbach ein eigenes Haus besitzt. Ei« KurS über Maschine» für LebenSmittel- gewerbe an der deutschen Staatsgewerbeschule in Reichenberg wird die maschinellen Einrichtungen für Bäcker und Fleischer sowie zur Erzeugung von Mollereiprodukten, Speisefetten, Konserven Mahlprodukten, Teig» und Zuckerwaren, Kakao und Schokolade behandeln. Aufnahme finden Absolven- te» der höheren Staatsgewerbeschule chemischer und mechanisch-technischer Richtung und der Werkmeister- b'zw. Fachschulen einschlägiger Richtung, ferner Angehörige der betreffenden Gewerbe bei entsprechender Vorbildung und Praxis. Kursdauer drei Monate (jeden Montag und Mittwoch von 18 bis 19.3C Uhr). KurSgebühr 45 sic. Einschreibung täglich im Sekretariat und spätestens bei Kursbeginn Mittwoch, den 5. Feber 1936. „Luft-Berufe" aus dieser Zelt... Der Zauderer, der Egerland-Breitbart und die„Saison-Clowns“ Diese verworrene Zeit treibt die Entwurzelten seltsamen Berufen in die Arnre, Berufen, die eigentlich substanzlos sind und mit denen doch der verzweifelte Willen bewiesen wird, nicht völlig unterzugehen, nicht gänzlich in der erbarmungslosen Mühle des Schicksals zermahlen zu werden. ES ist etwas Gespenstisches um diese„B^rufSumschichtung", die auS dem Hunger der Arbeitslosigkeit geboren wurde. Berufe ohne Vorbildung, ohne Gewerbeschein, ohne gesellschaftlichen Sinn und Zweck. Scheinberufe, mit denen der Ertrinkende sich, über Wasser hält, die endlosen Monate der Arbeitslosigkeit hindurch. I. Da ist, zuerst, jenes verwitterte, ausgehungerte Männchen unbestimmbaren Alters, das als Zauberer von Städtchen zu Städtchen, von Dorf zu Dorf wandert, die Requisiten in einem verschmutzten Rucksack und die handgeschriebenen.Eintrittskarten" in den zerfransten Hosen. „Sehen Sie, Herr", sagt er und zieht ein Geldstück aus der Tasche,„früher kannte ich solchen Humbug nicht. Hatte ein ehrsames Gewerbe—. War Tischler... Aber jetzt... Jetzt muß ich mich damit durchs Leben schlagen, weil ich schließlich nicht| verhungern will.Aber fassen Sie doch mal das Geldstück an..." Ich tue ihm den Gefallen. Das.Geldstück" ist aber gar kein Geldstück, sondern eine Attrappe, die 'einen Knall von sich gibt, wenn man sie anrührt. Ich zucke ein wenig zurück.»Sehen Sie", sagt der Zaubereibefitzer und lächelt ein wenig, wobei er den Mund mit den breiten Zahnlücken öffnet,»das wirkt immer—. Bei Hochzeitsschmäusen in den Gasthäusern fällt stets etwas für unsereinen ab, wenn man mit dem Hokuspokus kommt—." Plötzlich gibt etwas unter mir einen höchst un- anständigen Ton von sich. Verwirrt springe ich auf. „Bleiben Sie ruhig sitzen, junger Mann", meckert das Männchen,„daS waren nicht Sie, sondern ich... I Ich habe Ihnen nämlich die? Gummikiffen untergeschoben. Mein FaschingSschlager. Wirkt immer famos. Besonder- in Damengesellschast—I" „Woher haben Sie all' das Zeug...?" fragte ich interessiert. „Bon einem Juxbudenbesitzer, der pleite gegangen war—. Der gab es mir für meine letzten paar Kronen, für ein Spottgeld—l" II. In das trübe, verräucherte Lokal, in dem eine bierschläfrige Stimmung herrscht,, kommen zwei jüngere Menschen. Der eine, höchstens Ende der Zwanzig, stellt sich als„ehemaliger Maurer" vor, den.die Ungunst der Zeit gezwungen habe, Artist zu werden". Der andere dürfte ein paar Jahre älter sein, er trägt das„Handwerkzeug" deS Kollegen und ist prozentuell am„Geschäft" beteiligt. Der Maurer, ein stattlicher Mensch mit breitem Brustkorb, ist ein„Breitbart"-Jünger. Er knickt Eisenstäbe über dem Nasenbein... Der Nasenrücken ist angeschwollen und blutunterlaufen; im unteren Teil durch die Produktion ganz breitgedrückt... Asch schluckt der Maurer Feuer; aber er kann es noch nicht recht und hustet schrecklich, während hektische Flecke auf seinen Wangen erscheinen. Dann sammeln sie, doch nur wenige geben... Es kommt nicht viel ein dabei—. III. Der merkwürdigste unter diesen Zwischenschicht- Berufen ist wohl der des gemieteten Fasching- Clowns. Es laufen eine ganze Anzahl solcher Menschen herum, hie von den Vereinen und Gastwirten für ein paar Glas Bier und ein paar Würstel „gemietet" werden. ES sind Arbeitslose, die soviel in ihrem Leben gehungert haben, daß selbst ihre Späße von einer trostlosen Traurigkeit sind. Man steckt sie in irgendein knallig-lächerliches Kostüm, gibt ihnen etwas zu trinken und schärft ihnen vor allem ein, möglichst lustig zu sein. Der Gastwirt hat ein wachsames Auge darauf, daß der vertragsmäßig festgelegte Humor auch voll und ungehemmt zur Geltung kommt... Ich sprach mit zwei„Berufs-ClownS".,. Es waren beide Menschen, die einmal einen ordentlichen Beruf hatten und die dann von der Wirtschaftsanarchie in den Abgrund d«S Sumpfes gespien wurden...„Im Fasching geht eS ja noch", sagt der eine, und Tränen der Angst zittern in seiner Stimme,„aber was macht man nachher, wenn die Bälle vorüber sind?" Ernst Dittmer. Bundeswintersportfest In St. Doachimsthal 1936 auf den 15. und 16. Feber verschoben Wegen anhaltenden Frühlingswetter wird das Bundeswintersportsest auf den 15. und 16. Feber 1936, also um 14 Tage verlegt, auch für den Fall eines im letzten Augenblick etwa eintretenden Schneewetters, da die notwendigen Vorarbeiten(Schanze und Slalomstrecke) nicht mehr geleistet werden können. Die Meldungenbe- halten ihre Gültigkeit, aus der Verlegung''ch ergebende Ummeldungen sind sofort vorzunehmen. Nach dem bisherigen Ueberblick ist mit einer Gesamtteilnahme von 350 Einzelwettkämpfern und 160 Mannschaftsläufern zu rechnen. Weiter haben sich schon 1000 Arbeiterwinterspoktler als Gäste gemeldet. Dank der Solidarität der JoachimSthaler Bevölkerung ist der Hauptteil der Festregie durch den Vertrieb der Festbroschüre gedeckt. Im Bezirk St. Joachimsthal allein wurden gegen tausend Stück umgesetzt. Wer den Arbeitersport weiter unterstützen will, der kaufe das Festabzeichen, welches al? Borverkaufskarte zu 3 sic ausgegeben wird. Vom Kriez5schaupiatr Der Reuterberichterstatter in Addis Abeba telegraphiert, das Hauptinteresse in Addis Abeba gelte jetzt der Lage an der S ü d f r o n t, wo entlang des Schebeli-Flusses eine neue Offensive des Generals Graziani auf die Stadt Dschinir erwartet wird. Die Abessinier sind sich auch dessen wohl bewußt, daß die Italiener mögl.»erweise auch einen heftigen spontanen Ausfall aus Cherlogubi mit motorisierten Abteilungen unternehmen werden, dessen erstes Ziel die Stadt D a g a b u r wäre. Trotzdem ist es möglich, daß die stets anfangs Feber beginnende Regenzeit diese Offensive sehr erschweren, wenn nicht unmöglich machen könnte. Die abessinischen Hilfsabteilungen» die aus allen Richtungen herangezogen wurden und auf die Stadt Allata vormarschieren, deuten offenbar darauf hin, daß die Abessisiier in der Gebirgsgegend'westlich von düe Ebene, in der die italienischen Abteilungen operieren, konzentriert werden. In der abessinischen Hauptstadt herrscht fast einmütig die Ueüerzeugung, daß Ras Desta in kürzester Frist durch einen anderen Kommandanten ersetzt werden wird. * Rom. Die italienische Presse verzeichnet mit Erbitterung die Nachricht, daß auf Autacars des schwedischen Feldlazaretts an der Somalifront 27 Kisten Munition gefunden wurden. Die italienischen Blätter fragen, ob das schwedische Rote Kreuz die Verantwortung für diese Tatsache auf sich nehme und erklären, daß sich mit dieser Frage auch das Italienische Rote Kreuz selbst beschäftigen sollte. Addis Abeba. Das abessinische Rote Kreuz dementiert in aller Fcrm den italienischen amtlichen Bericht, daß Lastautomobile des sckwedi« schen Roten Kreuzes, die von den Italienern bei Malkamurri erbeutet wurden, Munition enthalten hätten. Bellen befestigt Maas-Brückenköpfe Brüssel. Wie„Gazette de Charleroi“ meldet, hat die belgische Regierung beschlossen« die Verteidigung der Nebergänge über die Maas zwischen Lüttich und der französischen Grenze gegen eventuelle Ueberfälle zu organisieren. Dieses Berteidigungssysteui soll so fest sein, um Geschützen und Mörsern großen Kalibers zu widerstehen. Es werden einige Millionen Franks für die Befestigungsarbeiten an diesen Uebergänge« aufgewendet werden. Die Arbeiten sollen bis Ende des Jahres beendet sein. Sarraut heute vor der Kammer Paris. Mittwoch gegen Abend trat neuerlich der Kabinettsrat zusammen, um den Text der Regierungserklärung vorzubereiten. Die Klubs werden größtenteils erst im Laufe deS Donnerstag, einige von ihnen erst knapp vor der Abstimmung über das Vertrauensvotum für die Regierung, ihren Standpunkt einnehmen. Man rechnet damit, daß die Aussprache zwei Tage dauern wird. Die Lage ist ziemlich delikat. Wenn die Sozialisten beschließen werden, für die Regierung zu stimmen, wird die Regierung bei den Gruppen der Mitte die Unterstützung verlieren, aber insgesamt 320 bis 340 Stimmen erhalten. Wenn sich die Sozialisten der Stimme enthalten werden, wird die Regierung die Unterstützung der Mitte erhalten, aber nur 240 bis 270 Stimmen gegen 160 bis 180 Stimmen der Opposition haben. Sette 4 Donnerstag, 30. Jänner 1936 Nr. 25 Tschechoslowakisch-schwedische Kultur-Ausstellung Aula und Wladlslawsaal In seiner Ansprache an den Präsidenten der Republik, über die wir an anderer Stelle berichten, sagte der Rektor Dr. Hilgenrei» ner u. a.: „Die Deutsche Universität stellt Ihnen alle Kräfte voll und ganz zur Verfügung im Dienste jenes Staatswesens, das Sie mitbegründet und durch siebzehn arbeitsreiche Jahre befestigt und ■ ausgebaut haben. Unsere Universität fühlt sich Ihnen zu vielfachem Dante verpflichtet. Sie haben gleich Ihrem ehrwürdigen Vorgänger unserer Alma mater jederzeit warmes Jntereffe entgegengebracht. Sie sind ihrinschwierigstenZei- ten kundiger Berater und treuer F r e u n d gewesen, dem die Rektoren der Univer- . ft tat sich mit Vertrauen erschließen konnten, so ost ‘ ihr Gefahren drohten. So ist der Name Eduard Benes nicht nur in der Matrikel unserer Universität für das Wintersemester 1913/14, sondern auch in unserer dankbaren Erinnerung eingetragen als der Name eines Staatsmannes, der unbeirrt durch äußere Strömungen sichfürdieRechte unserer höchsten Kulturstätte eingesetzt hat." Nicht ganz so unbeirrt wie der Präsident für die deutsche Universität scheinen die Professoren immer sür die Person Dr. BeneZ' eingetreten zu sein. Es verdient in diesem Zusammen» Hang immerhin daran erinnert zu werden, daß zahlreiche deutsche Hochschullehrer führende Mitglieder der SdP sind, sich offen zur Partei Hen- leins und zu diesem selbst bekannt haben, daß viele von ihnen den Besuch eines Konzerts der SHF-Kapelle jedem änderen künstlerischen Ge- nuß oder der Lektüre eines Buches— für die sie laut gewissen Enqueten gewöhnlich keine Zeit übrig haben— vorziehen und daß sie beim Abspielen aller möglichen Märsche, die als Adolfs oder Konrads Lieblingsstückeln bekannt sind, mit Begeisterung stramm stehen. Man sollte meinen, daß die Kunde von den Verdiensten Dr. Beneö' um die deutsche Wissenschaft, eingegraben in die Herzen der Professoren, von diesenauchbiszudenParla- mentariern der Henleinpartei gelangt sein könnte. Am 18. Dezember aber hat man nichts davon gemerkt. Man weiß heute, daß es keineswegs ein Verdienst der SdP ist, wenn sie keine Gelegenheft hatte, für den Nationalisten Römer zu summen. Daß sie n i ch t für BeneZ stimmt, kann sie jedenfalls nicht leugnen. Warum sie es nicht tat, wird gerade nach der feierlichen Erllärung der Alma mater immer weniger erüärlich— mindestens für den, der nicht weiß, daß die Rußlandpolitik des Driften Reiches für die SdP wichftger ist als die deutsche Universität und daß man von Asch näher nach Nürnberg hat als nach Prag. 160.000 Zigarette« verschwunden. Aus derp Lager der Mukaöevoer Tabakfabrik sind in rätselhafter Weise einige Kisten Rauchmaterial abhanden gekommen. Die Kisten enthielten 100.000 Aegyp- tische, 60.000 Memphis und 1800 Päckchen feinen Zigarettentabaks. Eine in Mukakevo weilende Revisionskommission der Zentraltabakregie hielt zusammen mit der Polizei 14 verdächtige Personen an. Eine Frau überfallen. In Jiöin wurde am Dienstag vor 19 Uhr die Wirtschaftsverwalters- gattin Vlasta Matousovä von einem etwa 30- jährigen, mit einem kurzen Zeltblatt-Ueberrock bekleideten unbekannten Mann überfallen. Die Matousovä befand sich auf dem Rückwege von Einkäufen in der Stadt. An einer wenig beleuchtete Stelle versetzte der Unbekannte der Matou- Sovä mit einem Maurerhammer einen Schlag auf den Hinterkopf. Ms die Angefallene zu schreien begann, warf der Angreifer den Hammer fort und verschwand in der Finsternis. Der Schlag mft dem Hammer wurde durch den Pelzkragen stark abgedämpft, so daß dis Frau nur einen blauen Fleck davontrug. Die Gendarmerie hat sofort die Nachforschungen nach dem Unbekannten ausgenommen und noch in der Nacht eine ganze Reihe verdächtiger Personen verhört. Die Nachforschungen, die durch den weggeworfenen Hammer eine gewisse Stütze erfahren, werden fortgesetzt. Ei« Dampfer überfällig. Der Fischerdampfer „Madonna Paradiso", der Dienstag ausgelaufen war, kenterte. Ein Rettungsdampfer fand nurmehc Trümmer des Schiffes vor. Man befürchtet, daß di« ganze Besatzung ums Leben gekommen ist. Skiausflug mft de« Lebe« bezahlt. Der 17jährige Rudolf Lindebner aus Innsbruck unter« nahm am Sonntag einen Skiausflug auf die sogenannte Seefeldspitze, von welchem er nicht mehr zu- rückkehrte. Eine Rettungsexpedition hat ihn Dienstag tot aufgefunden. Die Untersuchung ergab, daß Lindebner in einem Felsen 100 Meter ttef abstürzte, auf eine Schneebrücke fiel, die durchbrach, so daß der Skifahrer einen zweiten Sturz von etwa 100 Meter machte und tot liegen Unter dem Protektorat des in Prag anwesenden schwedischen UnterttchtsministerS Artur Eng» berg, des Schulministers Dr. Franke, des schwedischen Gesandten Joen de Lagerberg und des tschecho- slowakischen Gesandten in Stockholm, Vladimir S. Hruban ist in der National- und Hniversitätsbiblio- thek(Klementinum) eine schwedisch-tschechoslowaki- Ausstellung organisiert worden, die am Mittwoch feierlich eröffnet wurde. Sie enthält denkwürdige Dokumente der schwedisch-tschechoslowakischen Kulturbeziehungen aus Prager und Stockholmer Biblio- theksbesitz. Die ältesten Dokumente sind die kostbaren lateinischen und tschechischen Manuskripte aus dem 14. und 13. Jahrhundert, die von der Verehrung der schwedischen Heiligen Brigitta in Böhmen Kunde geben und wertvolle ffchechische Handschriften aus dem 16. und 16.. Jahrhundert, die von der schwedischen Regierung im Jahre 1878 dem Brünner Landesarchiv zurückgegeben wurden, well sie den Weg von Böhmen und Mähren nach Schweden im 30jährigen Kriege nicht fteiwillig angetreten hatten. Die Reformattonszeit und die KriegSzüge der Schweden auf böhmisch-mährischem Gebiet haben einen besonders reichen Niederschlag in der tschechi- chen Literatur gefunden, und die Ausstellung zeigt sowohl Zeugen der katholischen Propaganda gegen die schwedischen Ketzer und Plünderer, als auch die Hymnen der böhmischen Exulanten auf den Schwedenkönig Gustav Adolf und die Briefe des großen tschechischen Protestanten Komenskh, die er im Exll an den schwedischen Kanzler Oxenstjerna richtete, während schwedische Ausgaben des„Orbis pictus" von der. Wirkung der pädagogischen Lehren Ko- menskhs auf die schwedische Wissenschaft Kunde geben. An eine spätere Episode der Religionskämpfe erinnern Dokumente, die sich auf die Delegation lowakischer Protestanten zu dem Schwedenkönig Karl XIl. beziehen. Die beiden bemerkenswertesten Ereignisse in den schwedisch-böhmischen Kulturbeziehungen der folgenden Jahrhunderte, den Besuch des Naturforschers und späteren Mystikers Swedenborg Erklärung. Wir haben in der Nr. 279 un- erer Zeitung vom 30. November 1935, belei- ligende Behauptungen über Herrn Karl Kraus aufgestelü. Wir ziehen sie zurück.— Die Re- laktion. Im Salz erstickt. Im Ammoniakwerk Merseburg(Leunawerke) wurden bei Arbeiten in einem Salzsilo zwei Arbeiter durch herab« kürzende Salzmassen verschüttet und getötet. :■> Ein Wunderrezept. Dreitausend Mitglieder Von zahnärztlichen Gesellschaften waren in New Dock zugegen, als in einem Vortrag der, Zahnarzt Dr. Lerroy L. Hartmann sein Rezept preisgab, wie man Zähne schmerzlos plombiert. Dr. Hartmann behauptet, die Wirkung seines Verfahrens in 500 Fällen erprobt zu haben. Er er- zielte bei den Pattenten absolute Schmerzlosigkett des zu behandelnden Zahnes für die Dauer von zwanzig Minuten bis zu einer Stunde. Für seine Entdeckung bot ihm eine Firma 50.000 Pfund, falls er ihr das Alleinrecht zur Herstellung des Präparats überlassen würde, aber Dr. Hartmann lehnte ab mft der Begründung, sein Verfahren solle allen Zahnkranken zugute kommen, denn die Herstellung des MfttelS sei so spottbillig und einfach, daß eine Patentierung eine ungerechtfertigte Verteuerung bedeute. Das probate Rezept lautet angeblich folgendermaßen: 1% Teile Thymol 1 Teil Methylalkohol 2 Teile Schwefeläther Gleich nach Bekanntgabe der Erfindung beeilten sich eine Reihe von Pharmazeutischen Fabriken, die Mischung herzustellen. Sie arbeiten zum Teil mft voller Belegschaft auch in Nachtschichten, um das Mittel in genügenden Mengen an die Dental-Depots liefern zu können. Es wird also hoffentlich bald das Plombieren der Zähne ebenso schmerzlos vor sich gehen, wie das Zahnziehen. 71 Jahre glücklich verheiratet. Das am längsten verheiratete Ehepaar dürste zweifellos Herr und Frau John Bellamy in Sttckney-Lincshire (England) sein, die in diesen Tagen ihren 71. Hochzeitstag feiern. Frau Bellamy ist 93 Jahre ast und der Gatte ein Jahr„jünger". Er erklärt, seine Frau sei ein wunderbares Wesen, was man ihm nach so langer Ehe wohl glauben muß. Das Paar hat 72 lebende Nachkommen. Auch das stellt sicher einen Rekord dar. Fünflinge, ein rentables Unternehmen. Die kanadischen Fünflinge des Ehepaares Dijonne sind noch immer eine Quelle großen Verdienstes. An manchen Tagen zähst man bis zu 2000 Autos, die Besucher und Neugierige heranbringen; die Fünflinge müssen allerdings ziemlich„schwer" arbeiten. Täglich zweimal um 11 und um 3 Uhr werden sie den Besuchern vorgeführt. Diese kaufen dann Unmengen von Postkarten mft den Photographien der fünf Kinder und sonstige Gegenstände, auf denen die Fünf abgebildet find- Bis jetzt durften die Kinder etwa 200.000 Dollar auf diese Weise an Reinverdienst buchen. Allerdings kostet der„Bettieb" etwa 1000 Dollar monatlich, wenn man die Gehäüer der Pflegerinnen und Angestellten berücksichtigt, unter denen sich auch zwei Detektive befinden, die sie vor möglichen Gangsterübe'allen schützen sollen. Zur Zeit find die Fünflinge anderthalb Jahre alt, also im besten Mter, um auf Rellame-Photographien zu erscheinen. Sie besitzen einen eigenen Reklamechef, im Jahre 1733 in Prag und den Aufenthalt Smetanas um 1860 in Göteborg, verweist die Ausstellung mit einer reichen Sammlung von Briefen, Bildern, Autographen, Zeitungsausschnitten und Konzertprogrammen(auf denen der Name Mahlers nicht fehlt). Daß in Schweden das Interesse an der Kultur und Geschichte der Tschechoflowakei bis in die Gegenwart wachgeblieben ist, beweisen die Bücher des sHvünschen Gelehrten Alfred Jensen über tschechische Literatur und den Kampf der Slawen im Weltkriege. Zu der Eröffnung der"Ausstellung waren erschienen: der Vorsitzende des Senats Dr. Soukup mit zahlreichen Mitgliedern beider Häuser der Nationalversammlung, der Vorsitzende der Regierung, Dr. Milan HodZa, Schulminister Dr. Franke, Minister für Gesundheitswesen Dr. C z e ch, sowie zahlreiche Vertreter der Ministetten, weiters der Kanzler des Präsidenten der Republft Dr. Sämal u. a. m. Anwesend war auch die in Prag wellende schwedische Mission mit Minister Eng berg an der Spitze und beglettet von den Mitgliedern der Prager schwedischen Gesandffchast. Der Protektor der Ausstellung, Minister für Schulwesen und Vollskultur Dr. Franke, sagte in seiner tschechisch und ftanzösisch gehaltenen Rede, daß die Ausstellung bestrebt sei, aufzuzeigen, was auf kulturellem Gebiete die schwedische und tschechoslowakische Nation geeinigt hat. Der schewedische Minister Engberg entwickelte in einer längeren französischen Rede ebenfalls die Bedeutung der Zusammenarbeit der. Völker auf dem Gebiete der geistigen Arbeit und führte als Beispiel einer solchen Zusammenarbeit der verschiedenen Völker auf kulturellem Gebiete die Bedeutung der Tättgkeit Kamenskys im geisttgen Leben Schwedens hervor. Er würdigte sodann die demokrattschen Prinzipien, von denen das kulturelle und politisch« Leben in der Tschechoslowakischen Republik und in Schweden geleitet wird. dem Hunderte von Offerten der verschiedensten Firmen für Kosmetika, Kindermehl, Milch und ähnliches vorliegen. Da die Firmen immer Wert auf eine exllufiv für sie bestimmte Aufnahme legen, werden die Fünflinge dauernd geknipst, aber man kann den Anforderungen trotzdem nicht genügen. Der Straßenbahner und seine Fra«. Der Sttaßenbahnführer Robert Clark aus Hollywood hat dem Gericht«ine Scheidungsklage gegen seine Frau eingereicht. Er begründete sie folgendermaßen: Di« Frau redet von früh bis spät; er hab« keine« Augenblick Ruhe und bettete nervös den Führerstayd, so daß er für die Sicherheft der Fahrgäste nicht mehr garantteren könne. Außerdem Haffe er infolge seiner zerrütteten Ehe die Frauen so, daß es ihm schwer solle,«ine Frau nicht zu überfahren, wenn er die Möglichkeit habe. Wenn dies als Scheidungsgrund nicht genüge, bitte er das Gettcht, wenigstens seiner Frau das Reden zu verbieten. Ein neuer amerikanischer„Weltrekord". Die amerikanische Rekordsucht hat einen neuen Ausdruck gefunden. Man hat die überaus wichttge Frage lösen wollen, wie lange ein Mensch, nur mit dem Badetrikot bekleidet, auf einem Eisblock fitzen kann, und ob die Sitzfläch« anfriert oder ob vielmehr der Eisblock schmilzt. Selbstverständlich wurde der in seinem wissenschaftlichen Wert nicht zu übertteffende Versuch unter Teilnahme schöner Girls und natürlich in Florida, wo«S nur so von schönen Frauen unter Palmen wimmelt, in Form einer Schönheitskonkurrenz durchgeführt. Den Preis errang Miß Netty Baß d'Oüando mit ihrem Eisblock, auf dem sie am längsten von all.« ausgehalten hat. Sämtliche Zeitungen veröffentlichen das Bild. Ein Auto stürzt inS Wasser. Bei Dompierce (Frankreich) stürzte ein Auto in einen Kanal, wobei elle zehn Insassen des AutoS ertranken. Vorzeitige Explosion. Auf der Kohlengrube „Max" in Michalkovice explodierte vorzeitig eine Dynamitpatrone, wodurch vier Arbeiter schwere Verletzungen erlitten. Einer der Verletzten starb auf dem Wege ins Spital. Das Wett von Lenin. Zum Todestage Lenins werden die Zahlen veröffentlicht, die die ungeheure Ausbreitzmg des literarischen Wettes von Lenin beweisen. Im Laufe der 18 Jahre seit der Re- bclution sind von Lenin nicht weniger als 2389 Bücher und Schttften in 75 Sprachen erschienen. Die Gesamtauflage beträgt 84 Millionen Exemplare. Etwa 73 Millionen davon entfallen auf die russische Sprache, in der jedoch„nur" 1265 verschiedene Titel zu verzeichnen sind. Dabei teilt das Buchamt mit, daß diese Zahlen nicht vollständig sind und daß man heute bereits mit einer Gesamtauflage von annähernd 100 Millionen für die Schriften Lenins rechnen muß. Heber dem Mittelmeer plus 20, in Nordruß- land minus 40 Grad. Heber dem Festlande bestehen nunmehr sehr bedeutende Temperaturgegensätze: Im Gebiet des Mittelmeeres, von wo unseren Gegenden warme Lust zugefühtt wird, wurden Mittwoch nachmittags plus 15 bis plus 20 Grad Celsius verzeichnet. In Rordrußland betrug die Temperatur gleichzeitig minus 30 bis minus 40 Grad Celsius. Die Kältewelle, welche den Nordostzipfel Polens bereits erfaßt hat, breittt sich nur sehr langsam weiter gegen Mitteleuropa aus. In den nächsten Tagen dürsten unsere Gegenden in die unmittelbare Nähe einer schroff enTemperaturgrenz« gelangen und das Wetter wird dabei voraussichtlich eine Verschlechterung erfahren.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Allmähliche Wetterverschlechterung, Zunahme der Bewölkung und stellenweise Niederschläge. Anfangs noch milde, später bereits etwas kühler.— Wetterausfichten für Freitag: Vorwiegend umzogen, vielfach Niederschläge, auf den Bergen Schneefälle, allmählich kühler werdend. vreclr von drüben und eine gelungene Antwort Bon glaubwürdiger Seite wird, uns nachstehende vielsagende Episode berichtet, die sich am letzten S i l v e st e r zu P a s f a u, an der bayrischösterreichischen Grenze ereignete: Die auf der bayrischen Grenzseitt stationietten SA-Männer sandten den österreichischen Grenzern als Neujahrsgruß zwei Kübel, gefüllt mft Kot und Schmutz, und mft einem Begleitschreiben folgenden kurzen Inhalts: ,L e d e m das Seine!". \ Die österreichischen Beamten wuschen die Kübel aus, füllten sie mit Butter» schickten sie zurück und schrieben, sticht Müder lakonisch, dazu: ,Z e d e r w ie er k a n n l" Wie uns weiter berichtet wird, wurden nach diesem Vorfall die SA-Männer abgezogen und an ihrer Stelle Gendarmen zu dem Dienst beordett, der, wie man sieht, die Hitlerkultur, die nach Oesterreich getragen werden soll, bis dahin auf das Treueste besorgte. Vom Rundfunk (■empfehlenswertes aus«len Progrsrnnsai Freitag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse,12.10: Opernfantasien, 13.30: Leichte Mufft, 13.40: Arbeitsmarkt, 17: Russisch für die Jugend, 18.45: Deutsche Sendung: Funkhöttasten, 18.35: Arbeitersendung: Aktuelle zehn Minuten. 20:'Frauenchöre, 22.20: Tanzmusft. Sender S: 14.15: Deutsche Sendung: Leseproben aus Büchern:„Ein Arzt erlebt China",„Die Mutter" etc. 18: Bakulesänger. — Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Das Rassenproblem in Europa und in der Tschechoflowakischen Republft von Dr. Iltis.— Mährisch Ostrau 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Roland-Lorenz: Dr. Oto- kar Fischer und sein Werk, 21: Buntes Programm. Fordflugzeuge am laufenden Band? Nach langen Vorbereitungen hat Henry Ford diesen eigenen Flugzeugtyp entwickelt, dem er, wie seinen Wagen, durch Herstellung am laufenden Band Vettireitung in aller Welt verschaffen will. Der Anttieb wird durch einen Auwmobilmotor besorgt, der im hinteren Teile des Rumpfes gelagett ist und so das Gleichgewicht besser halten soll. Die zwischen zwei Sitzen hindurchgeführte Welle überträgt die Kraft auf den Propeller. Die Maschine selbst hat keine Schwanzsteuerung, sondern wird mft- tels der Flü^lspitzen in die gewünschte Flugrichtung gebracht. Nr. SS Donnerstag, 30. Jänner 1936 Seite 8 Diskussion: Reventlow-Radek In der Jänner-Nummer des„Reichswatt" des Grafen Reventlow, der sich den LuxuS leistet, eine von der Generallinie de Neurath- Ribbenttopp-Rosenberg etwas verschiedene Austen« Politik zu treiben, ist die Denkschrift B i s- marcksan Wilhelm l. vom 27. Mai 1888 veröffentlicht. Die Moskauer.I s w e st i j a" drucken aus diesem alten Dokument bemerkenswerterweise zwei Zitate ab: 1.„Deutschland ist keineswegs daran inter- esiiert, Rußland daran zu hindern, sich mehr»ach Asten alS nach Europa zu orientieren. In dem Falle, daß die russische Armee nicht in Asten beschäftigt ist, wird ste zwangsläufig«in« Beschäftigung an der russischen Westgrenz« suchen." 2.„Unsere Pflicht gegenüber der deutschen Ration besteht vor allem darin, alles zu vermeiden, waS Großbritannien von der russischen Feindschaft befreit«nd diese Feindschaft gegen Deutschland richtet." K. Radek(Biator), der als Sprachrohr des russischen Austenministeriums gelten kann, legt im Zusammenhangs damit dem Grafen Re- ventlow, mit dem er, wie erinnerlich, vor 15 Jah ren das Problem der deutsch-russischen revolu- tionären Allianz gegen Westeuropa diskutiert hat, folgende zwei Fragen vor: „Erstens können diejenigen, die durch ein« Allianz mit Japan dir Sowjetunion im Fernost binden wollen,«m eine« Schlag gegen st« in Europa zu führen, fich verrechnen. Die Sowjetunion kann doch schließlich z« der Leberzeugung kommen, daß der Hanptfeind sich an ihrerWestgrenze befindet. F st d a s Ihre Meinung, Herr Reventlow? „Zweitens kann die deutsche Gefahr, die nach 1905 zu einer Annäherung zwischen Rußland»nd Großbritannien geführt hat, heute dieselbe« Folgen habe«. Haben wir Sie richtig verstanden, Herr Reventlow?" Dies« Fragen von Karl Radek sind ein Beweis dafür, daß man erstens die Gefahr einer deutsch-japqnischen Allianz in Moskau als höchst aktuell bewertet und daß man zweiten» dort durchaus gewillt ist, daraus die nötigen Konsequenzen zu ziehen, waS man selbstverständlich nur begrüßen kann. WM nil Sozialpolitik Schlechte Kartoffelernte Aus den Ergebnissen der vom Statistischen Staatsamt durchgefühtten Erhebungen über die Ernte von Hackfrüchten und landwirtschaftlichen Handels- und Jndustriepflanzen im Jahre 1938 geht hervor, daß die Kartoffelernte in der Tschechoslowakei zu den schlechtesten gehört, die seit Jahren eingebracht werden konnte. Ihr Gesamtertrag ist gegenüber 1934 um rund 19 Millionen Zentner oder etwa 20 Prozent niedriger. Im vergleich mit den früheren Jahren stellt fich der Ausfall noch ungünstiger. Es gestaltete sich der Ernteertrag in Zentnern: Frühkartoffeln Spätkartoffeln im ganze» für 1 Ha. im ganzen für 1 Ha. 1838 2,710.127 67,7 74,064.175 104,5 1834 8,841.171 77,7 82,682.868 131,8 1833 8,875.287 88,2 78,845.846 118,1 1832 8,416.878 88,7 88,846.252 128,8 1831 8,367.582 88,2 88,885.551 187,8 Demnach liegt bei den Spätkartoffeln der Durchschnittsertrag fü 1 Hektar um rund ein Drittel tiefer als 1931, während sich bei den Früh- kartoffeln eine Differenz von rund 25 Prozent ergibt. E» ist eine Aufgabe der Wirtschaftspolitik, zu verhindern, daß sich aus der geringen Ernte Nachteile für die Ernährung der Bevölkerung ergeben. Insbesondere muß einer zu befürchtenden Preiserhöhung rechtzeitig entgegengewirkt werden. Andererseits sind es die Klein- und Mittelbauern, die unter dem starken Rückgang des Ernteertrages in Kartoffeln besonders hart zu tragen haben, während die getteidebauende Großlandwirtschaft sich durch die hohen Getteidepreise schadlos hallen kann. Es entsteht also die Frage, ob hier nicht zwischen den verschiedenen landwirtschaftlichen Erzeugergruppen ein Ausgleich gefunden werden kann dergestalt, daß anch die Lage der HäuSler, Klein-«nd Mittelbauern erträglicher gestaltet wird, ohne daß fich daraus neue Lasten für die Konsumenten ergeben. » Die Ernteerttäge für Industrie- und Handelspflanzen nehmen in den letzten zwei Jahren diese Entwicklung(in Zentnern): 1885 1« ganzen für 1 Ha 1834 im ganzen für 1 Ha. Raps n. Rübsen 47.877 12,8 14.571 11,0 Mohn 88.686 7,8 115.856 7,1 Flachsfasern 67.688 6,0 55.546 5,8 Flachssamen 57.285 4,3 42.561 4,5 Hanffasern 57.558 7,8 60.872 8,2 Hanfsamen ir 88.586 4»2 -40724 Zichorie 441.013- 187,0 903.403 193.9 Zuckerrübe 86,528.461 238,1 42,408.848 267,0 Futterrübe 88,788.864 241,6 40,052.825 297,0 Kopfkraut 2,975.887 184,7 4,210.496 186,0 Auffällig ist daran die bedeutende Zunahme der Ernte in Flachsfasern und Flachssämen, die auf eine starke Ausdehnung der Anbauflächen zurückzuführen ist. Dagegen ist die Anbaufläche für Zichorie von 1934 auf 1935 um mehr als 80 Prozent zurückgegangen. Da außerdem noch der DurchschnittS-Heltar- ertrag eine Abnahme erfahren hat, ist die Gesamternte für Zichorie um über bOProzent niedriger als im Jahre vorher. Für Zuckerrüben, Futterrüben und Kopflraut ist in der Anbaufläche keine wesentliche Aenderung zu verzeichnen, so daß die geringere Ernte ausschließlich durch den Rückgang der durchschnittlichen Hektarerträge erklärt wird. Vie Inneren K&mpfe In Mexiko (AP.) Die inneren Kämpfe in Mexiko, die im Grunde schon seit 1811 andauern, scheinen einem neuen Höhepunkt zuzutteiben, seitdem der ehemalige Präsident Calles nach Mexiko zurückgekehrt ist und die Offensive gegen den gegenwärtigen Präsidenten CardenaS eröffnet hat. ES wäre weit gefehlt, wenn man glauben wollt«, daß es sich um den persönlichen Cliquenkampf zweier Rivalen handel«.-In Wahrheit find die Gegensätze viel ttefer und gründen sich auf die Verschiedenheit der Konzeption in polittscher, wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht. In Mexiko spricht man förmlich von einem„CalliSmuS" und einem„CardenisnmS", um diese Gegensätzlichkeit der Systeme zum Ausdruck zu bringen. DaS Eigen- artig« ist dabei, daß sowohl CalleS wie CardenaS der gleichen Partei, der„Nationalrevolutionären Partei" angehören. Tie ist die einzige Pattei, die in Mexiko anerkannt ist und man kann demnach auch an dem mexikanischen Beispiel die Folgen de» Einpar- teienshstemS, das die Differenzierung eben doch nicht aus der Welt schaffen kann, studieren. Der Kampf zwischen Tallisten und Cardenisten erstreckt fich auf alle Angelegenheiten und Körperschaften de» öffentlichen Lebens. Er zeigt fich in Kammer und Senat, in jedem Ministettum. in der Armee, er wirkt sich aus in dem Ringen um die Konttolle der Gemeinden, der„municipioS", um die Posten der Gouverneure in den einzelnen Bundesstaaten, er ttttt zutage in der Besetzung der ArbeittäMter,die Vie Anwendung der sozialen Gesetzgebung zu überwachen haben. Ueberall stehen fich Gemäßigte und Radikale, Rechte und Linke, Konservative und„Jakobiner" gegenüber. Dabei stützt fich CalleS mehr auf die alte Parteimitgliedschaft und das Bürgertum, der linke Tar- denaS dagegen auf die breiten Massen der Arbeiter und Bauern und deren von Lombards Toledano geführte„Confederocion Generale de ObreroS h CampesinoS de Mexiko"(Allgemeine Vereinigung der Arbeiter und Bauern Mexikos). Sie ging aus der„Confederacion regional de ObraroS MexikanoS" hervor, die von MonoreS, einem TalleS-Änhänger geleitet wurde. CalleS hat übrigen» in letzter Zeit den Versuch gemacht, seinen rechten Flügel abzuspalten und eine neue Pattei mit sozial-konservativem Charakter zu gründen. Unter CalleS und noch unter CardenaS Vorgänger Rodttguez waren die mexikanichen Privatunternehmungen in jeder Hinsicht begünstigt worden. Die Arbeiter waren aber mit diesem Regime unzuftteden, die Bauern for» betten eine Bodenverteilung, die ihnen einst von CalleS verheißen worden war, die Kleingewerbetreibenden Waffen dem Regime die Bevorzugung der großen Trusts vor. Die Massen protestierten gegen die Nichteinhaltung der nationalkedoluttonären Versprechungen und die zahlreichen amerikanischen Kapitalinvestitionen und erklärten, daß der„CalliS- muS" Mexiko an di« Wallstrett verkauft habe. Da die Geistlichkeit gleichzeitig die alten Positionen zurückerobern vettuchte, wurde von antklettkaler Seite auch dies dem Regime zur Last gelegt. In dieser Situation kam CardenaS zur Macht. Sowjetfeinde. Die brasilianischen Aemter verboten den Mitgliedern der sowjetrussischen Handelsdelegatton, welche die brasilianischen Häfen bereisen, das Festland zu betreten. Einbrecher wünschen fröhliche Weihnachten UebeMechende Andenken am Tatort Prag. Die sechsköpfige Diebsplatte, die vor dem Strafsenat Trost aufmarschierte, ist ein fein organisiertes Konsortium. Die ersten vier Ange- flagteiLKid sozusagen dir ausübende» Mitglieder, stark O p a t ist 40 Jahre Alt und 27«»! vorbestraft, seine Geliebte und BerufSkollegin Karola Cerny ISmal. Dieses Pärchen hatte würdige und trefflich geschulte Mitarbeiter in dem Ehepaar Benjamin und GeorgineKlima. Dieses Quattett hatte sich mit großem Ettolg auf Wohnungsdiebstähle verlegt. Die zwei weiteren Angeklagten, die Frauen Bojena S t ä st n y und Barbara Kiivänek, betätigten sich als Hehlettnnen und halfen den Wohnungsdieben, ihre Beute in Geld umzusetzen. Gegenstand der vorliegenden Anllage sind drei Einbrüche, die Ende September unternommen wurden und bei denen den Dieben allerlei Wäsche und Kleidungsstücke. Swffe, Wettsachen und Bargeld im Gesamtbetrag« von etwa 18.888 llö in die Hände fielen. Einer dieser Einbrüche, ist, wie sich bei der Verhandlung ergab, bemerkenswert durch die Begleitumstände, deren drastische Schilderung Vie» Heitetteit erregte. Am 28. September suchten nämlich die vereinigten Einbrecherpärchen den Laden einer gewissen Josefa Kraeik heim, die an der Grenze von Vie zwei Zoo s Von Mary Chadwick An einem Sonntag beschlossen Phöbe und ich in den Zoo zu gehen. Es war ein Lieblingsott des Kindes und sie überredete jeden, der einen Ausflug vorschlug, sie dorthin mitzunehmen. Wir gingen den Droadwalk entlang gegen das Nordtor, wobei Phöbe beharrlich sich weigerte, die kleinen Eichhörnchen zu füttern, die uns mu- gierig beäugten, als wir an ihnen vorübergingen. „Ich mag diese grauen Eichhörnchen nicht", sagte sie entschieden.„Sie nehmen es als ausgemacht, daß man sie beachtet. Außerdem haben sie alle roten aufgefressen, und die waren vor ihnen da. Mami sagt, sie sind viel hübscher. Was meinst du, Tante?" Um bei der Wchrheit zu bleiben, mußte ich dem kleinen Mädchen zustimmen und sie schickte sich an, mir noch mehr Vertrauen zu schenken. „Du weißt doch, daß es wirklich zwei Zoos gibt, ich glaube, daß es drei gibt, aber ganz sicher weiß ich es nicht. Mami nimmt mich zu einem und Daddy zum andern. Und glaubst du nicht, daß in der Nacht einer is, wenn eS niemand sieht? Ich möchte mich schrecklich fürchten, die ganze Nacht dazubleiben. Wohnt wer im Zoo, ich meine ob Leute da wohnen?" Phöbe stellte ost Fragen, ohne die Antwott abzuwarten, so wie eben jetzt. Sie plaudette weiter, waä ihrer Meinung nach des nachts sich ereignen möge. Was sehr interessant anzuhören war. „WaS ist der Unterschied zwischen Daddys Zoo und Mamis Zoo?" fragte ich meinerseits respektvoll. „Das weißt du nicht? Daddy kennt alle die Wärter und wir gehen hinten rum, um all die Baby-Tiere zu sehen. Die sind so herzig. Einmal sind wir hingegangen, um di« Klapper zu hören, diese Klapperschlangen, weißt, klappern! Ich war ein winziges bißchen änglich und blickte ein wenig zurück. Der Hauptwärter, den ich besonders gern mag, hob mich hoch, damit ich besser sehe, und da hab ich mich nicht gefürchtet, wie er mich gehalten hat. Er sagte, er hat zu Hause auch ein Mäderl in meiner Größe, als ich ihn fragte. Wir gingen auch hinauf und was glaubst? Ich habe eine große Büchse gefunden mtt einer Menge Kröten drin. Und da war noch wer oben, der fragte mich, ob ich sie leiden mag, da hab ich alles über meinen. Jonathan erzählt, und daß Nannie gesagt hat, di« speien Feuer und wir beide haben darüber gelacht, weil wir alle» darüber wußten." Die Geschichte von Daddys Zoo schien in Gefahr, verloren zu gehen, so fühtte ich sie denn zur Sache zurück. „Weißt, ich fürcht mich nicht wirklich, die Dinger zu füttern, wenn Daddy mit dabei ist. Er sagt me, so wie Mami:„Gib acht, Phöbe, das Tier wird dich beißen!" Die mögen das nicht leiden, wenn man das sagt, drum beißen sie. Daddy scheint sich immer geradeso zu unterhalten, wie ich,, und wir streicheln die Nasen von allen unsern besonderen Freunden, die wir schon so lange kennen. Hast du gewußt, daß man schon s^hr gut Freund mit wem sein muß, wenn man jemand die Nase streichelt? Sicher haben sie das gern, wenn sie die Finger riechen und fühlen. Man muß sie nur sehr sachte streicheln und langsam. Es ist eine Gefälligkeit, sagt Daddy wenn sie einen streicheln lassen. Mami tupft nach ihnen und zieht immer ihre Hand zurück, da glauben sie, man will sie puffen. DaS können sie nicht vertragen. Mami scheint immer zu glauben, daß es gar so ein Unterschied ist, zwischen uns und draußen und denen dttnnen. Ich nicht. Und du?" Ich schüttelte den Kopf. Je mehr ich von den lebenden Geschöpfen vor und hinter dem Gitter sah, desto mehr Aehnlichkeiten untereinander fielen mir auf. „Mami is immer in solcher Eile. Sie scheint die ganze Zett wo anders hingehen zu wollen. Und der Zoo wird dann so groß. Unser Zoo mit Daddy wird Kein. Wir hwben unsere eigenen Namen für alles, und wissen, wie sie füttern. Was wir nur alle» für Futter mitschleppenl Mami sagt, das ist blöd. Die Wärter füttern sie anständig und«S ist Verschwendung, ihnen so viel zu geben. Sie glaubt nämlich, es wird ihnen schaden. Mami will immer Manieren beibringen. Aber Daddy erzählt einem Geschichten über sie. Ich glaube, er weiß von allen lles. Wenn man aber wissen will, wie eins heißt und Mami fragt, so sagt sie immer, sie weiß nicht oder muß auf die Tafel schauen." „Welche Tiere hast du am liebsten, Phöbe?" fragte ich." Oder sind die Vögel deine Lieblinge?" „Oh, nein! Blöde kleine Dinger. Sie können nix, als am Baum sitzen und sagen:.Schau mich an!', wie Mami sagt, daß ich's tu, wenn ich mein schönste» Kleid anhab'. Aber einmal bin ich gegangen und hab' ein armes, kleines, häßliches gefunden, das ganz allein im Schmollwinkel gesessen hat. Ich gab ihm eine Rosine aus meinem Kuchen und es hat sich so ge- fteut. CS hüpfte'rum und hat mich dann gekittet, nächsten Sonntag mit ein' Haufen Rosinen wiederzukommen. Aber die andern haben das nicht gehört. Die schwätzten so viel, nicht wahr? Und glaubst du nicht, sie kränken fich, wenn man sie auslacht, weil sie häßlich find?" „Glaubst du, sie wissen, warum man lacht, Phöbe?" „Denk Mr, Anna, tob hab' ein vierblättriges Kleeblatt gefunden...“ „und da mußtest Da Lump natürlich gleich mitsaufen!“ Weinberge und ZiZkov ein Altwarengeschäft betreibt und trugen verschiedene Waren im Wert von etwa 15.888 Kä fort. Ehe sie sich enffernten, hinterließen sie in dem auSgeplündetten Laden ein übelduf- tendeS Andenken, d. h. einer der Diebe bzw. Diebinnen entleette seinen Darminhalt auf das Ver-. kaufspnlt. Diese Zeremonie wurzelt übttgenS in einem alten Diebsaberglauben, denn es gibt heute noch Gauner alter Schule, die glauben, durch solche Besudelung de» auSgestohlenen Raumes sich vor der Entdeckung zu sichern. Im Kriminaljargon nennt. man daS„einen Mann setzen". Die jüngere Gene- ration der Kriminalbrüder hat freilich für solchen Aberglauben nur ein verächtliche» Lächeln, denn sie weiß, daß der„gesetzte Mann" schon manchem Einbrecher verhängnisvoll geworden ist und durch mikroskopische Untersuchung des Kotes zur Ueberführung des Täters fühtte. Die hier in Frage stehende Bande hat fich Übrigens kaum von überlebten abergläubischen Boruttei- len leiten lassen, sondern sich eher einen„Jux" leisten wollen. Neben dem unappetitlichen„Andenken" fand fich nämlich ein Zettel mit der gedruckten Inschrift:„Fröhliche Weihnachten uno glückliches Neujahr!", der offenbar aus einem Reklameplakat stammte und dem die hand- schttstliche Widmung an die Ladenbefitzettn beigefügt war:„Alte, be....Dich!" Es war damals zwar noch recht weit bis zur fröhlichen Weihnachtszeit, aber ein herzlicher Glückwunsch wird-immer gern vernommen. Die Diebe wurden indessen sehr schnell erwischt und unter AnKage gestellt, mit ihnen auch ihre bei«, de« Hehlettnnen BoHena S tä stn-h- Und Barbara K i i v än e k.' Nach altem'ZunftbttrUch' gestände»« die Angeklagten alle», was picht'zu leugnen war. Hinsichtlich deS letztgenannten Einbruchs bei der. Josefa Kracck kamen sie mit einer humottstischen Verteidigung. Sie hatten gehött, daß die Kracik einbruchSversich* war und eS nicht un«' gern gesehen hätte, we>.„ ihr jemand„das Zeug davongetragen hätte". So hätten sie also auS purer Gefälligkeit diesen Einbruch unternommen. Die Angeklagten waren sichtlich konstelniett, als sie hörten, daß die Versicherung der bestohlenen Kracik 12.888 liö auSgezahlt hat und.namentlich die weiblichen Mitglieder der Kumpan« ließen es nicht an giftigen Ausfällen fehlen. DaS Urteil lautete für Karl Opat auf drei Jahre schwere« Kerker und nachfolgender Anhaltung in der Zwangsarbeitsanstalt. Benjamin Klima erhielt rin Jahr, seine Gattin nenn Monate. OpatS Geliebte und Mitarbeiterin Karola Cerny kam mit siebe« Monate« davon. Die beiden Hehlettnnen Gtäftny und Kkivänek erhielten je vier Monate zudiktiert. rb. „Aber ich lach sie nie aus!" erwiderte das Kind ganz erschrocken über meine Zumutung.„Ich den nicht dran. Ich such immer nur die häßlichen. Daddy auch. Oder die trauttgen. Besonders die Hirsche, die ihre Hörner verloren haben. Die sind dann unglücklich und versuchen sich zu verstecken, bis wieder neue gewachsen sind, und gradso die Bogerl, die mausern und die Schlangen, die sich häuten. Hast du gewußt, daß alle sich verstecken? Sie rollen sich in«in' Winkel zusammen. Daddy sagt, gradso, als ob sie in ihr' Ei wären und ihre Augerl sind mit einer Haut überzogen, so daß sie nicht sehen können. Wer wenn sie schon fettig sind zum auskttechen, platzt die alte Haut, sie stecken ihre Köpfchen heraus und sie kriechen aus mit wunderschönen glänzenden Augerl und ein' herzigen glatten Fell mit ein' blauen und roten Glanz drauf." „Die mußt du mir alle zeigen, Phöbe, du weißt über sie ja viel mehr als ich und hast über den wirklichen Zoo viel mehr erfahren, als ich je gewußt habe." Das Kind tanzte voraus.„Du willst also nicht, wie Mami sein und nur die hübschen ansehen?" jubelte sie.„Oh, das wird herrlich werden!" Sie lief zu ihrem Freund im kleinen Fenster deS Torwächterhäuschens. „Heut hab' ich meine Tante mitgebracht, verstehst", sagte sie,„und wir wollen uns zuerst die häßlichen anschauen und ich habe ein ganzes Paket Rosinen bekommen für den Binturong und die mausernden Bogerl und Mami wird nicht da sein und sagen: „Gib acht auf deine Finger! Leb wohl für heute, wir haben furchtbare Eile, wttßt?" Deutsche autottsiette Uebersetzung von Alice Steiner. Seite 6 „Sozialdemokrat" Donnerstag, 30. Jänner 1936. Rr 25 OLIVER DIE ZEIT DER TANZ-UNTERHALTUNGEN STEHT VOR DER TUR- und mit ihnen zugleich die Sorgen milden Tanz-Schuhen.* Dieser Box-Halb-Schuh mit Lack verziert, wird Ihnen die ganze Faschingszeit ein treuer und angenehmer Begleiter sein. Zu diesem Schuh, haben wir Ihnen auch herrliche Kunst- seiden-Socken„Praktik" für Kc 4— vorbereitet Sie sind nicht nur schön und elegant sie sind auch dauerhaft Photoausstellung Karel Häjek Ein Meister des Schnappschusses Absicht.eine Morphiuminjektion in Len linken Vorderarm gemacht hatte. Das Motiv seiner Lat weigerte er sich anzugeben. Auto und Chauffeur in Flammen. Gestern mittags wollte der Chauffeur I. König aus Bubenftch vor dem Smichower Bahnhof den Motor feines Lastautos in Gang setzen, als plötzlich der Motor explodierte und den vorderen Teil des Autos in Brand setzte. König versuchte, das Feuer selbst zu löschen, wurde jedoch von den Flammen ergriffen. Herbeieilende Paffanten konnten ihn bald befreien, so daff er nur unerhebliche Brandwunden erlitt; das Auw verbrannte jedoch völlig. Der Verkehr der Straffenbahn blieb durch den Unfall etwa zwanzig Minuten unterbrochen. Skelett mit Gewehr gefunden. Arbeiter, die auf dem ehemaligen Wysoftchaner Uebungsplatz Löcher zur Einpflanzung von Bäumen gruben, fanden gestern vormittags etwa«inen halben Meter tief unter dem Boden ein männliches Aelett. neben dem der Kolben eines Vorderladers und zwei verrostet« Dolche lagen. Das Gerippe wurde nach Besichtigung durch den Polizeiarzt zur Beerdigung freigegeben. Die Waffen wurden dem Nationalmuseum übersandt Die StaatSdahndirrktiou in Prag veranstaltet folgende Exkurfionen: Vom 81. Jänner bis 4. Feber ins Adlergebirge für 205 Ke, in die Beskiden für 275 Kd, ins Riefengebirge für 220 KL. In den Tagen vom 8. bis 16. Feber in die Hohe Tatra für 560 KL. Am SamStag einen Sonder-Motorzug nach Johannisbad mit Verpflegung für 75 KL. Anmeldungen nimmt das AuSflugSzugSreferat im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Telephon 888-35, oder Wenzelsplatz 60, Telephon 350-55, entgegen. Seztallsflsffic Jugend. Kreis Krag beruft ein für den 29. Feber und 1. März 1936 ihre Kreiskonferenz Tagei»,rduuugr 1. Die Gegenwartsprobleme der sozialistischen Jugend; Aufgaben und Wege der Aelteren» arbeit 2. Arbeitsbericht. 3. Diskuffion über die geleistete Arbeit. 4. Neuwahlen. 5. Unser ReichSjugendtag. 6. Freie Anträge und Ausblick. Ort und Zett wttd bekanntgegeben. P r a g, am 29. Jänner 1936. DieKreiSlottnng. Xiuist und Wisst«. Ring-Marder. Ein Mann, der sich als Ander Pick aus Budapest vorgestern bei der Firma Brüder Frostig am Wenzelsplatz vorstelltt, lockte den Inhabern vier goldene Ringe im Gesamtwerte von 20.000 KL heraus, indem er vorspiegelte,«inen Käufer zu haben, nachmittags unter dessen fingiertem Namen anrief und die Ringe abholen kam. Es wurde ihm allerdings ein Vertreter der Firma mitgegeben, der ihn zum Käufer begleiten sollt«, doch Pick führte ihn vor ein Durchhaus und ließ ihn dort stehen. Noch am selben Tag gelang es. Picks wirkliche Wohnung in Prag I., Hastalflä 33, zu eruieren, wo er mit einem Komplicen, dem 25jährigen Otto aus Baden in Oesterreich, verhaftet wurde, mrr dem er gerade wegen Verkaufs der Ringe verhandelte. Lebensmüde Jugend. Der 18jährige Lehrling eines Geschäftes in Prag-Smichow, Franz Sira, versuchte sich gestern vormittags zu töten, tnbem er fich aus dem ersten Stockwerk des Hauses seines Arbeitgebers über das Treppengeländer in den Keller stürzte. Er wurde mit gebrochenen Beinen und einer schweren Gehirnerschütterung auf die Klinik Schlaffer gebracht.— Der 24jährige Medizinstudent Heinrich Balogh aus Prag XIV. wurde gestern nachmittag? auf die Klinik Nonnenbruch gebracht, da er, wie er angab, sich kurz vorher in selbstmörderischer Katharina Ismailowa Oper voh Dimitri Sbhofitakowltsch; deutsche Erstaufführung*n Prager Deutschen Theater Das große Interesse, das sich für diese Oper des sowjet russisch en Komponisten Dimitri Schostakowitsch kundgab, ist begreifzeitweise die Führung in der Musikmoderne über» i nrmmen. Da man von der jüngsten sowjetrusfis- scheu Musik in den letzten Jahren fo gut wie nichts wußte und erst in der allerjüngsten Gegenwart ein stärkeres Vordringen der neuen sowjetrusstschen Symphoniemusik nach Mittel- und Westeuropa festzustellen ist, war man auf eine neue sowjetrusfische Oper doppelt neugierig. Dimitri Schostakowitsch, der Komponist der Oper„Katharina Ismailowa", die mit dem Untertttel„Lady Macbeth in der Kleinstadt" heißt, ist ein noch ganz junger Musiker von kaum achtundzwanzig Jahren. Trotzdem hat er be- reits mehrere symphonische Werke geschrieben, die in der Heimat und im Auslande erfolgreich zur Aufführung gelangten, und ist nun sogar mit einer großen Oper vor die internationale Oeffentlichkeit getreten. Diese musikdramattsche Schöpfung ist schon ihrem Texte nach ein durchaus russisches Werk, das den Stoff allerdings nicht aus dem modernen Sowjetrußland schöpft, wie man vielleicht erwarten ' durste, sondern aus einer imzaristischenRuß- l a n d spielenden Novelle von LeSkow. Die Angelegenheit, die musikdramatisch behandelt wird, Hai also leider mit modernen russischen Problemen im engeren Sinn, aber auch mit modernen sozialen Problemen im allgemeinen nichts gemein. Sie wird vom Milieu der ruffischen Kleinstadt beherrsch und zeigt eine dramatische Begebenheit in realiftisch- veristischer Weise auf, die eher sensattonell als revo- luttonär wirkt, weil sie den Giftmord, den Mord in noch anderen Varianten, den Selbstmord und Sexuelles in anschaulichster Deutlichkett und musikalischer Schilderung auf die Szene bringt. Der Untertttel der Oper weift darauf hin, daß ihre Heldin verwandte Züge zur Lady Macbeth Shakespeares trägt; den der rücksichtslosen Selbstsucht und Grausamkeit vor allem, wo es gilt, persönliche Wünsch« und Ziele durchzusetzen, der eigenen Leiden, schaftlichkeit Platz zu schäften. Dabei ist auch die Katharina JSmailowa Leskows ebenso wie die Lady Macbeth Shakespeares nicht nur ein schönes, sondern auch ein geistig bedeutendes Weib. Aber während die Handlungen der Shakespearschen Heldin der Ehrgeiz dikttert, geschehen die Verbrechen der Heldin LeSkowS aus Liebe und rasender Leidenschaft. (R. F.) In der Städttschen Bibliothek am Marienplatz ist vor einigen Tagen eine Ausstellung der photographischen Werke Karel Häjeks er öffnet worden, die sich schon bei flüchtiger Betrach tung als etwas erweist, was jeder Freund guter Photographie gesehen haben sollte. Nicht nur, um einen ästhetischen. Genuß daraus zu ziehen, sondern auch um zu lernen» was wirkliche Lichtbildkunst bedeutet. Man Karel Häjet vielfach atS Photore porter hingestellt. Aber seine Stärke liegt keines wegs gerade auf diesem Gebiet. Was ihn vor allem auszeichnet, ist fein ausgeprägter Blick für das, was man in der französischen Fachsprache eigentlich un--- übersetzbar als„photogönique" bezeichnet- sein!^-.D-nn dr-russischen Tonsetzer haben schonbot sicheres Gefühl für plastische Schwarz-Weißwirkung, E-r-chtung der Sowi-ttepublck durch ihre neuwcttge wie sie in fast jedem gewöhylichen Gegenstand ge- bedeutende Kunstdre mufikalrsche Welt aufhor- funden, aber nur durch einen wirklichen Lichtbild- i ch-n g-macht un^ttt Musikern lme ettva Strawmsky künstler erfaßt und gestaltet werden kann. Die Ausstellung zeigt denn auch fast alles, was eS überhaupt zu photographieren gibt: Straßen szenen, Menschen, Menschengruppen, Menschen- maffen— aber immer nur bildhaft, nie eigentlich „reportermäßig" gesehen, Ereigniffe des Alltags, Und vor allem: Menschengesichter. Der größte Teil der Ausstellung könnte unter dem Motto stehen: t „Menschen sehen dich an". Und gerade in diesen Bildern enthüllt sich dem Beschauer aufs eindring lichste, wie eine künstlerisch gehandhabte Kamera uns alltägliche Dinge in einer Weise zeigen kann, in der wir sie sonst niemals sehen— weil wir sie für gewöhnlich überhaupt nicht sehen. Wir kennen das von den Ruffenfilmen her. Aber Häjek zeigt uns, wie dasselbe auch rein bild» haft, als Porträt nähergebracht werden kann. Und in dieser Hinsicht gehört Karel Häjek zu den größ ten seines Fachs und seiner Kunst, mit dem sich ver- ttaut zu machen einem jeden zu empfehlen ist, der für diese Dinge Jntereffe und Verständnis hat. Katharina findet an der Sette ihres unbedeutenden Gatten weder Glück noch Befriedigung. Da tritt der Knecht Sergej in ihr Leben,' ein Kraftmensch, von dem sie die Erfüllung ihrer Liebesle^den- schaften erhofft. AIS der Schwiegervater sie in flagrantt mit dem Geliebten überrascht und diesen auSpeiffcht, zögert sie keinen Augenblick, ihn zu vergiften und, um Sergej heiraten zu können, mtt dessen Hilfe auch ihren eigenen Mann aus dem Wege zu räumen. Ihr tragisches Geschick erfüllt fich sehr bald. Sergej und sie werden zur Sühne des gemeinsamen Verbrechens nach Sibirien verbannt. Aber Sergej liebt Katharina nicht mehr, sondern eine andere. In rasender Eifersucht stößt Katharina die Nebenbuhlerin in den Fluß und sucht dann selbst den Tod in den Fluten. SchostakowttschS M u s i k ist dem tragischen und düsteren Tharafter des Opernbuches durchaus angepaßt, daS heißt, sie ist stark realistisch-veristisch, von stärkster dramatischer Ausdruckskraft in den auf- peitschend wirkenden dramattschen, von wundervoller Stimmung in den reflexiven' und lyrischen Stellen daher ungewöhnlich konttastreich. Aber so wenig wi- dak Opernbuch modern« russische Probleme behan- delt, ebenso wenig ist Schostakowiftchs Musik modern im Sinne neuer musikalischer Probleme. Sie beweist eher die Neigung zum Konservativismus Bon einer neuen Revoluttonierung des Musikstiles durch sie kann schon überhaupt nicht die Rede sein. Schostakowiftch knüpft mufikstilistisch nicht nur an seine russischen Musikvorfahren aus dem vorigen Jahrhundert an, denen er auch in der Verwertung nationaler russischer Mufikelemente folgt, sondern auch an die westeuropäische Musikkultur von gestern und vorgestern, namentlich an Richard Sttauß. Dem Stile Richard Sttauß' enftpricht Schostakowiftchs Musik auch fmmal als ununterbrochen fließende Opernsymphonie, die in breit angelegten symphonischen Nach- und Zwischenspielen ihre Höhepunkte hat und der es— just ähnlich wie Richard Sttauß— auch nicht darauf ankommt, die Stileinheitlichkeit durch einen reißerischen Rhythmus- zu stören. Wesentlich intereffanter und auf vergangene Opernkunst hinweftend ist die Behandlung des Gesangspartes durch Schostakowiftch. Statt vom Gesang zum Sprechgesang als musikalisch gesteigerter Rede zu kommen, stützt fich der Komponist auf den Gesang als gebundene Melodie. Ihm ist, wie er selbst bekennt,„die Oper vor allem ein vokales Werk, und die Sänger haben sich darin mit ihrer unmittelbaren Aufgabe zu beschäftigen,—• zu fingen, aber nicht zu sprechen oder zu deklamieren." Darum läßt Scho» stakowitsch seine Opernmenschen, wo es der dramati- sche Affeft erfordert, überhaupt bloß sprechen. WaS an dieser ErstlingSoper Schostakowiftchs vor allem imponiert, ist ihre vitale Kraft, die ganz erstaunliche Meisterschaft im Technischen, die auS ihr spricht, die fast souveräne Beherrschung der musikalischen Aus- dtuckSmittel zur'Erreichung der gegensätzlichsten Wirkungen im lyrischen und dramattschen Sinn«, insbesondere aber ihre außerordentliche Kunst der Instrumentation und orchestralen Farbenmischung. Auch in der Behandlung der großen Formen der Oper, in der Führung und im Aufbau der Chor- ensembleS und Finales zeigt sich Schostakowiftch als erstaunlich reifer Meister. Die künstlerische Tat, die das Prager Deutsche Thettter mit der deutschen Erstauffü h r u n g der Katharina Ismailowa" Schostakowitschs vollbrachte, gipfelt« in der ganz außerordentlichen reproduktiven künstlerischen Leistung Opernchefs Prof. Georg S z 4 l l s, der das schwierige Werk einstudiert hatte, und seines in allen Instrumentengruppen aufopfernd musizierenden Orchesters. Szells musikalische Wiedergabe zeichnete sich ebenso durch peinlichste Sorgfalt wie durch wirkungsvollste Gliederung im rhythmischen und dynamischen Sinne aus; in der unbedingten Uebereinstimmung zwischen Orchester, Chor und Solisten war fie vorbildlich, in der packenden Ausdeutung der lyrischen und dramatischen Stimmungen von eindringlichster Ausdruckskast. Renato M o r d e s Regie sorgte namentlich für Lebendigkeit und dramatische Gestaltung der Szene, während Prof. Pirchans Bühnenbilder den typisch ruffischen Charafter und tragischen Ton der Handlungen nicht immer gleich glücklich trafen. Sehr gut bewähtte sich dagegen der Gedanke, die Gescheh- niffe im Hause Ismailows durch Aufschnitt seiner Wohnräume zugänglich zu machen, was insbesondere die größere dramatische Schlagferttgkeit des Bühnengeschehens förderte. Die Haupttolle der Katharina Ismailowa gab Frl. Hilde Konetzni; mit glänzender Enftalttmg ihrer schönen und großen Stimme, auch in der Darstellung dramaftsch lebendig, aber doch mehr zurückhaltend und gutarttg als leiden» schaftlich und rücksichtslos. Eine echte Type eines skrupellosen Naturburschen und temperamentvollen Kraftmenschen hatte Kurt Erich P r L g e r als Katharinas Geliebter Sergej auf die Szene gestellt; auch seine bedeutende gesangliche Leistung ist zu be- ronen. Ausgezeichnet charakterisiert im darstellerischen und stimmlichen Sinne war auch der Schwiegervater Katharinas durch Jul. Guttmann. In den übrigen mehr oder weniger bedeutenden Nebenrollen wirften durchaus ämbittoniert und verdienstlich mit: die Damen Merz, Grab und R a y n, sowie die Herren Göllnitz, Libal, Hey, Hagen, Fuchs und Andersen. Das sehr zahlreich erschienene Publikum stanb ganz unter dem Eindrücke eines bedeutungsvollen Opernabends und spendete Premierenhasten, vor allem an die Adreffe Kapellmeister Szells gerichteten Beifall. E. J. Erika Mann und daS Ensemble der„Pfeffermühle" bringen ab 1. Feber in der„Unitaria" die vor kurzem in der Schweiz mit groß«» Erfolg uraufgeführten zwei literarischen Revuen„Agentur für Wunderliche" und„Die Familie". Beginn 20.15 Uhr. Vorverkauf: Wetzler, Truhläi. Luise Ullttch in„Viktoria". SamStag einmaliges Gastspiel Kammersängerin Anny Konetzni in„Tristan und Isolde".(A2.) Uebrige Hauptpartien: Kindermann, Fischer, Andersen, Scheidl. Dirigent: Zweig, Regie: Scheidl. Spielplan deS Reuen Deutschen TheaterS. Donnerstag, halb 8 Uhr: Die unenta schuldigte Stunde, Erstaufführung, CI.—» Freitag, halb 8:EineNachtinVenedig, Dl, — Samstag, halb 7: Tristan und Isolde, Gastspiel A.,ny Konetzni, A2. Spielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag, 81 Was Ihr wollt.— Freitag, 814: Da« unkannte Mädchen, volkstüml. Vorst.— Samstag, 8: Was Ihr wollt. Der Dku Film Beratungsstelle. In der verflossenen Doch« wurden zwei folgende Fillne zur Einfuhr in di» Tschechoslowakei freigegeben: zwei österreichische Filme„Einmaleins der Liebe"(Koruna-Film), „Zirkus Saran"(Lloyd-Film), drei franMrsch« Filme„Die klugen Frauen von Boom"(Slavia« FiM)..Mttejia Borgia"(ElÄä-FiM),.Ligeu- nerhochzeit"(Fox-Film) und fünf«merikanftcho Filme„Oeffentlicher Feind Rr. 1",„Fran in Fesseln"(MGM-Film),„Diese Mattosenl",„Der Mann, der die Bank von Montt Carlo sprengte" und„Mettopolittrn"(Fox-Film) sowie mehrere Kurzfilme verschiedener Herkunft. Qua dec Mattel Bezirksverein„Arbeiterfstrsorge", Prag. Freitag, den 31. Jänner, um 7 Uhr abends im Odborovy dum wichtige Ausschußsitzung. mmmxmxmxxximxxnuxn Bezirksorganisation Prag der deutsche« sozialdem. Arbeiterpartei Freitag, den 31. Jänner 1936, im großen Saale des Gewerkschastshauses, Prag Li Perötyn, nm acht Uhr abends Wki-MWkkHkkslMlW Referent: Genösse Abgeordneter Wenzel I a k s ch. „Die tschechoslowakische Demokratie vor neuen Aufgaben". 8pocl-8piek-Köcpecpslege Arbeiter-Turn» und Sperwerband, 5. KreiS (Fußball.) Samstag, den 1. Feber, nachmittags halb 4 Uhr, findet in Aussig,„Bolkshaus" die fällige Kreisspielausschußsitzung statt. Der Bezirks- sprelleiter des 2. Bezirkes, im Verhinderungsfall dessen Stellvertteter, hat in der Sitzung mit zu erscheinen und das Abrechnung-material mitzubringen. Der 9. Bezirk möge bis Samstag seinen Stand der Herbstserie dem Kreis mitteilen, um eine Stanstik zu ermöglichen. Der Kreisfußballertag dürste am 23. Feber oder den 1. März 1936 in Aussig stattfinden. Die Vereine und Bezirke haben schon heut« Vorbereitungen zu tteffen; Meldetermin der Spieler am 23. Feber 1936. Meldelisten erhallen die Bezirke zugesandt.— Die Kreisspielleitung. Mitteilungen aus dem Publikum Stuhlverstopfung! Spezialärzte für Verdau« ungskrankheiten erklären, daß das natürlich« „Franz-Josef"-Bitterwaffer als ein sehr zweckdien« 1 licheS Hausmittel warm zu empfehlen ist. 8148/d ll Bezugsbedingungen: Bet Zustellung ins Haus oder bet Bezug durch die Post monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.—. halbjährig KL 96.—. ganzjährig KL 192.—.— Jnierare werden kaut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manustrivten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die"eitungsfrankatur wurde von der Post- und Leie, araphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/V1I/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck«. Verlags- und ZestungS-A.-G.. Prag.