Sosialdemokrat ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK pdade albbA ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 16. Jahrgang Freitag, 31. Jänner 1936 Sarraut vor der Kammer Interpellantenansturm Die Haltung des sozialistischen Klubs Paris. Der Regierung Sarrauts harrte, ale| Bölkerbundsversammlung über die kollektive sie sich der Kammer vorstellte, eine Rekordzahl Sicherheit war ein historisches Ereignis. Belgien, bon Interpellationen, nämlich nicht weniger als die Kleine Entente, die skandinavischen Staaten, 63. Gleich nach der Verlesung der Regierungs- Südamerika, 50 Staaten, die Mitglieder des erklärung, welche von der Kammer- Rechten kühl, Völkerbundes find, erklärten einmütig, daß sie von der Mitte gleichgültig und nur von der Linken eine Politik der kollektiven Sicherheit bis in alle mit wiederholtem Beifall und Zustimmungstund- Konsequenzen führen wollen. Sowjetrußland hat gebungen aufgenommen wurde, unterbrach daher fich gleichfalls für dieses internationale Gefes der Kammervorjizende die Sizung und lud die ausgesprochen. Vertreter der einzelnen Klubs zu einer Bespre chung ein. Bei dieser Beratung wurde beschlossen, die Zahl der Interpellanten herabzusehen und die Redezeit zu verkürzen, damit die Kammer die Debatte morgen abends beendigen könne. Die Programmerklärung Zwel Fragen der Sozialisten Der sozialistische Klub beschloß im Verhält nie von 34 gegen 28 bei zahlreichen Stimmen enthaltungen, erst knapp vor der Abstimmung feine Stellung zur Regierung festzulegen. Der Klub beauftragte jedoch die Redner der Partei, die Regierung zu befragen: 1. welche Stellung fie zu den halbmilitärischen faschistischen Organisationen einzunehmen gedente und 2. welche neue Richtung die Regierung der auswärtigen Politik zu geben beabsichtige. Man rechnet damit, daß die Sozialisten, wenn sich im Zentrum die Lage gegen die Regierung plöblich zuspißen würde und das Kabis nett bedroht wäre, für die Regierung stimmen werden. Nach den bisherigen Dispositionen wird die Kammerfizung bis in die späten Abendstunden dauern. Freitag werden die Interpellationen fortgesetzt und beendet werden. Verschärfte Kriegswirtschaft Weitere Militarisierung Italiens/ Requirierungen Kreml Einzelpreis 70 Heller ( einschließlich 5 Heller Porto) Nr. 26 und Buckingham Palace Die russisch- englische Annäherung Die Fahrt des toten Königs zur Gruft von Windsor hat sich aus einem Att nationalen Trauergepränges und internationaler Höflichkeit sehr rasch in einen politischen Anlaß von größter Vedeutung gewandelt. Die Anwesenheit zahlrei cher Staatsoberhäupter und Politiker in Lodon, die der Politik des Kabinetts Baldwin- Eden viels leicht insofern ungelegen kam, als sie zu einem Abstoppen der Genfer Attion führte, einfach weil man diese nicht mit dem Austausch von Kondolationen und Gratulationen zeitlich verkoppeln wollte, diese Störung der britischen Politik ist sehr geschickt in ein Plus des Foreign Office ums gewandelt worden. Man hat die Anwesenheit der Gäste benüßt, um das System von Beziehungen, das sich England geschaffen hat. weiter auszus bauen und vor allem, um eine ennende Frage der Weltpolitik wenn auch nicht zu bereinigen, so doch einer Bereinigung näherzubringen. Das englisch russische Verhältnis Eduard VIII. und durch den festlichen Empfang bes Marschalls Tuchatschewskij bei Minister Eden über Nacht eine herzlichkeit angenommen, verschiebung in der Weltpolitik bedingt. die zugleich eine politische Kräftea Es ist merkwürdig, wie sich seit 1932-33 in der Weltpolitik gewisse Situationen wiederholen, die wir vor 1914 erlebt haben und in der Vorgeschichte des Strieges heute auch als feine Vors stufen begreifen. Auch damals ging die deutsche Politik von dem ftarren Dogma aus, daß der bris Fort Sch u ma abera, das bei der großen evige Grundtatsache der Weltpolitik sei. Nie Der abessinische Bericht besagt ferner: Das tisch- russische Gegensatz unüberbrückbar und eine Schlacht, die am 20. Jänner begann, in unsere werde, hieß es immer wieder in der BildnerHände fiel, ist trop wiederholter Angriffe der sprache des Auswärtigen Amtes in der Berliner 3taliener noch immer in unseren Händen. Wir Wilhelmstraße, die Feindschaft zwischen Bär und erbeuteten 13 Kanonen und 25 Maschinenge- Walfisch einer wirklichen Versöhnung weichen. wehre, womit unsere gesamte Beute bisher 23 Daher so schlossen die Holstein, Bülow, BethGeschüße und 125 Maschinengewehre beträgt. In der Regierungserklärung versichert die Regierung, daß sie unparteiisch die kommenden Wahlen durchführen will. Trotzdem die gegen wärtige gesetzgebende Periode ihrem Ende naht, wird die Regierung keine Arbeit zurücklegen, bor- Rom. In dem Ministerrat, der Donners- gung des besetzten Gebietes und Erkundungs- hat durch die Audienz Litwinows bei König nehmlich nicht auf dem Gebiete des Währungs- tag zusammentrat, wurde beschlossen, daß für flüge. schußes, sowie im Interesse des wirtschaftlichen jeden Staatsbürger ein Stammbuch eingerichtet Wiederaufbaues, der den inneren Frieden erfor werden wird, in dem regelmäßig amtliche Anga- Die Schrecken des Guerillakrieges dert. Auch wird dieser innere Friede durch die ben über den Gesundheitszustand und den Gang Arbeiten auf dem Gebiete der Nationalverteidi- der militärischen Ausbildung einzutragen find. matsch Sahle gehörige 19 Mann starke Wache Addis Abeba. Eine zur Armee des Dedschass gung und der internationalen Zusammenarbeit Für jeden, der Arbeit und Anstellung sucht, wird überfiel bei Makalle eine Abteilung weißer itagesichert werden. Die gesamten Bestrebungen der dieses Stammbuch unentbehrlich sein. Damit ist lienischer Truppen aus dem Hinterhalt und tötete französischen Außenpolitik werden auf Wahrung ein weiterer Schritt zur vollständigen Milita- 35 Italiener, worauf die übrigen die Flucht er aller aus der Freundschaft und dem Baft gegen rifierung Italiens gemacht worden. Weitere Begriffen. Den Angreifern fielen fünf Laftautomoseitiger Hilfe, den Frankreich im Rahmen des schlüffe betreffen die Sicherung von Material für bile, auf welchen sich Munition und Lebensmittel Bölferbunes gefchloffen hat, hervorgehenden Be- militärische Zwecke, vor allem die Requirierung befanden, in die Hände. günstigungen gerichtet sein. Frankreich ist bereit, von Wolle aus der nächsten Schur. Die Requirie= jedem Friedenswillen entgegenzukommen, und rungen werden so vorgenommen werden, wie dies das auch, falls er von Deutschland kommt. Was während des Weltkriegs geschah. Ter Verbrauch den bürgerlichen Frieden betrifft, wird die Re- ven Benzin ist auf das äußerste Maß eingeschränkt gierung ihrer Pflicht nicht aus dem Wege gehen worden und auch die Flieger haben strenge Sparund die Waffe des Gesezes gegen jeden ergreifen, vorschriften erhalten. Die Rede, welche Muffolini der diesen Frieden zu stören versuchen würde. im Ministerrat hielt, ist aber weiter auf ,, DurchHerriot gegen Lavals Außenpolitik balten und Siegen" abgestimmt. In der Debatte begründete Herriot seine Teilnahme an den Regierungen des inneren Burgfriedens vom Feber 1934 an. Der Hauptgrund, der ihn zum Austritt aus der Regierung beranlaßt habe, war die Außenpolitik Lavals, namentlich die Politik in der Sanktionsangelegen heit. Herriot erinnerte daran, daß Frankreich im Jahre 1924 in Genf an der Spike jener Staaten stand, welche das System internationaler Santtionen gegen einen Angreifer empfahlen. Als sich schließlich die britische öffentliche Meinung für diese Grundsätze aussprach, schlug die französ fische Regierung plötzlich eine entgegengesetzte Richtung ein. Bin ich ein schlechter Franzose gewesen, sagte Herriot, weil ich meine Zustimmung nicht dazu geben wollte, daß die traditionelle Politik Frankreichs angetastet werde und daß sich der Staaten der Kleinen Entente Befürchtungen bemächtigen? Die Rede Sir Samuel Hoares in der Paragraph 1: Waffengebrauch im Inland! Es wird Stimmung gemacht Schwedischer Protest gegen Falschmeldungen über das Rote Kreuz man, Kiderlen, Jagow durch zwei Jahrzehnte messerscharf- könne sich Deutschland den Lurus leisten, zugleich Weltpolitik und Flottenbau zu Gleichzeitig verbreitet die amtliche Agentur betreiben und als Schußherr Desterreich- Ungarns Stefani ferienweise Meldungen aus dem abeffiund der Türkei die Russen von den Meerengen nischen Hinterland, nach welchen dort alles in Stockholm. Das Außenministerium erhielt und die Serben von der Adria fernzuhalten. Von Auflösung sei. So wird ein Aufstand gegen den vom schwedischen Konsul in Addis Abeba eine Er- ihrem eisernen Ariom der britisch- russischen Negus angekündigt, der schon bald ausbrechen flärung, die auch mit den Aussagen des Perso- Feindschaft ausgehend, haben sie die englischen foll. In Addis Abeba sei es zu Demonstrationen nals gegenüber der Verwaltung des schwedischen Bündnisangebote abgelehnt, die anglo- französ gegen die ausländischen Berater des Kaisers ge- Roten Kreuzes übereinstimmt und in der auf das fische Entente nicht ernst genommen, Russen, Bris fommen( die den Italienern allerdings unbequem entschiedenste die Behauptung dementiert wird, ten und Franzosen abwechselnd und der Reihe sind) und der Negus habe schon die Absicht, in die daß die Ambulanz des Roten Kreuzes im Wider- nach 1908-09, 1911, 1912-13 und endlich im Hauptstadt zurückzukehren. Weitere Meldungen spruch zu der Genfer Konvention Munition be- Juli 1914 gereizt, um nicht zu sagen herausgebet jei und Ras Desta die Absicht habe, in ein bulanz könne nicht dafür verantwortlich gemacht nicht, aber sie glaubten sich etwas erlauben zu besagen, daß der Kriegsminister schwer verwuns sessen oder befördert habe. Das Personal der Am- fordert. Gewiß wollten sie allesamt den Krieg Kloster zu gehen. Aus Harrar seien die Truppen werden, wenn Munition in die Lastwagen der können, weil sie mit der Uneinigkeit der Andern abgezogen, weil in der Provinz Aruffi Aufstände Ambulanz geladen worden sei, nachdem sie in- rechneten. folge eines plöglichen Angriffes einer Damals hat Eduard VII. den Weg zu Ruße ausgebrochen seien. In auffallendem Gegensatz dazu begnügt sich motorisierten italienisch en A v- land gefunden. Zunächst in der Entente von Reder Heeresbericht mit dem Saß, daß von t ei lung verlassen worden war. Der schwedische bal, dann im Abkommen über Persien- das dies der Somalifront nichts Bemerkens Gesandte in Rom wurde beauftragt, in dieser ses Land dem Wüten der zaristischen Soldatesfa wertes zu berichten sei. Von den anderen Angelegenheit einen diplomatischen Schritt zu uns endlich in einem merkbaren ZuFronten meldet er nur die schon bekannte Festi- ternehmen. sammenspiel auf der Botschafterkonferenz im Jahre 1913 wurde der unüberbrückbare Gegens sah doch überbrüdt und Deutschland tam 66 in die 3ange. ,, Für ein Gleichgewicht der Kräfte Die Aufgaben des deutschen Militärs Politische Rede Berans auf dem agrarischen Parteitag Berlin. Das Reichsgesetzblatt bringt eine Verordnung über den Waffengebrauch der WehrIm Prager Gemeindehaus wurde Donners- Das politische Referat erstattete der Parteimacht, durch die gleichzeitig die bisherigen Ver- tag, den 30. Jänner, der Parteitag der tschechi obmann Beran, der u. a. ausführte: Die Reschriften über den Waffengebrauch des Militärs ſchen Agrarpartei eröffnet. Der Vorsitzende ge- publikanische Partei„ blieb der demokrati aufgehoben werden. Der Paragraph 1 der neuen dachte einleitend des verstorbenen Vorsitzenden fchen Linie ihrer Politik auch in ZeiVerordnung betrifft den Waffengebrauch beim der Partei Antonín Švehla und beantragte an ten tre u, in welchen anderswo die Demokratien Einschreiten der Wehrmacht im Innern. Danach den Präsidenten- Befreier T. G. Masaryk und stürzten und Diktaturen emporschossen. In einer steht, wenn zur Aufrechterhaltung oder Wieder an den Präsidenten der Republik Dr. Bene Zeit, in der europäische Staaten täglich eine herstellung der öffentlichen Sicherheit und Ord- Begrüßungstelegramme zu senden. Es wurde Biertelmilliarde Kronen für Rüstungen ausgenung von der Wehrmacht eingeschritten wird, den sodann festgestellt, daß an dem Kongreß 1754 ben, sind wir Freunde des Friedens und bleiben beteiligten Soldaten in Ausübung ihres Dienstes Delegierte teilnehmen, die 21.120 Lokalorgani- den demokratischen Ordnungen treu". Ueber die der Waffengebrauch ohne weiteres zu. Die Waffe fationen der Partei sowie verschiedene Standes- wirtschaftlichen Fragen sagte er, die Republika darf nur insofern gebraucht werden, als es für die und Wirtschaftsorganisationen vertreten. Bevor in nische Partei wolle,„ daß jeder im Volte Arbeit zu erreichenden Zwecke erforderlich ist. Die Schuß die Tagesordnung eingegangen wurde, wurden und Brot habe... es handelt sich um eine Verwaffe ist nur zu verwenden, wenn die blanke noch die Vertreter der tschechischen Gewerbepartei, ringerung der Zahl der Arbeitslosen und der Waffe nicht ausreicht. Wird mit Waffen oder darunter Minister Najman, und die Delegation Halbbeschäftigten. Die Sorge um die Ar anderen gefährlichen Werkzeugen angegriffen des Bundes der Landwirte mit Minister Spina beitslofen ist eine Sorge de 3 ganzen Volte 3." Ueber die prinzipielle oder Widerstand geleistet, so ist der Gebrauch der und Gustav Ha der begrüßt. Schußwaffe ohne weiteres zulässig. Ist der Ges Sodann erstattete den organisatorischen Bes Seite der Wirtschaftspolitik führte Beran aus: brauch der Schüßwaffe zum Zerstreuen von richt Ing. 3ilka, der u. a. mitteilte, daß dem Menschenansammlungen erforderlich, so hat eine Stongreß 1494 Anträge vorliegen, die den einzelWarnung voranzugehen. nen Kommissionen zugeteilt werden. = Wir haben die Grundsätze des Privateigen tums und des Unternehmertums nicht aufgegeben, ( Fortfehung auf Seite 2) auslieferte Hitler und seine Ratgeber glaubten sich eine überaus aggressive Politik gegen Rußland leisten zu können, weil sie sich, wie ihre Vorläufer von anno 1900 und 1914 über den Grad der britischrussischen Feindschaft, über die Tiefe des Gegenfazes zwischen den beiden Mächten täuschten. Nicht überall macht man Politik mit Gefühlen. Weder in Moskau noch in London wird man die Interessen der Weltreiche, die man da und dort zu betreuen hat, auf die Dauer vom Gesichts= punkt des Haffes gegen Kapitalisten oder Bolschewifen aus beurteilen. Hitler mochte sich noch so aufdringlich als Vorkämpfer des westlichen Stapitalismus gegen die rote Gefahr gebärden, er bes tam keine Anleihe auf dem Londoner Markt und er bekam nicht den Blankoscheď zu einem Kriegszug nach Osten. Immerhin hat die englische Bos litit sich Hitler warm gehalten, folange er der willige Trabant britischer Politik auf dem Festland, ein brauchbarer Degen gegen eventuelle russische Diversionen an der indischen Grenze oder in China, und ein Gegner jener Bündnispolitik gewisser Reichswehr und konservativer Streise ivar, die Deutschland mit Rußland zusammenführen wollten. Sette 2 Freitag, 31. Jänner 1936 Nr. 26 Irr Addis Abeba durch Graziani bedroht! In Berlin hat man den Bogen überspannt. Man glaubte wieder wie vor einem Menschenalter, sich alles erlauben zu können, da man ja jederzeit optieren könne. Als England fich den neuen Forderungen Hitlers auf außen- und mili« tärpolttischem Gebiet widersetzte, antwortete Goebbels mit einem Propagandafeldzug für die Rückerstattung der deutschen Kolonien. Der Don der deutschen Presse in der abessinischen Frage schlug plötzlich um. Er wurde auffallend italienfreundlich. Die GesinnungS- und Interessengemeinschaft zwischen Deutschland und Italien wurde mit großem Nachdruck hervorgehoben. Man glaubte, Britannien in der entscheidenden Phase des Ringens um die Mittelmeerstellung unter Druck setzen zu können. Die Antwort darauf ist die Annäherung zwischen dem Kreml Und dem neuen Herrn im Buckingham Palace, die von der Weltpresse— mit Ausnahme der hitlerdeutschen, der es den Atem verschlagen hat— als Tatsache verbucht wird. Natürlich hat auch dasVorgehenJa- p a n s die Annäherung zwischen Moskau und London gefördert. Englands alter Alliierter am Pazifik hat sich einen gefährlichen Gegenspieler verwandest. Man wird unter Umständen Rußland gegen ihn brauchen können. So hat die Freundschaft Berlin—Tokio ihr Gegenstück in der Annäherung zwischen Moskau und London gefunden. Von beiden Seiten waren Vorurteile zu überwinden und mußten tatsächlich Gegensätze zurückgestellt werden. Den Russen ist der Weg nach London wahrscheinlich nicht leicht gefallen. Man hat schließlich fast zwei Jahrzehnte der Welt den englisch-russischen Gegensatz als ein Dogma des Leninismus vorgesetzt und ihn zu Unrecht in einen großen wettanschaulichen Konflikt umgedeutet. Aber unter den deutschen Drohungen hat fich Moskau entschlossen, einem toten König die ehr» erbietige Reverenz nicht nur der Regierung, sondern auch der Roten Armee zu zollen und bei diesem Anlaß eine alle Feindschaft, wenn nicht zu begraben, so doch zu vertagen. London hat nicht minder als Moskau vieles vergessen müssen. Welcher Abstand vom„Sinowiew-Brief", der raffinierten Fälschung, mit der die Tories 1924 MacDonald schlugen, zur 40 Minuten-Audienz Litwinows beim König und zum Gastmahl EdenS für den roten Marschall! Die Berliner Hasardeure halten den Schwarzen Peter in der Hand, ihre Trümpfe sind ihnen zunächst einmal aus der Hand geschlagen. Nachdem sie schon Herrn Laval zu betrauern, hatten, mußte ihnen auch das noch geschehen— ein bischen viel in kurzer Zett! Dabei ist es vielleicht nicht alles. In London ist mit den Königen und Ministern des europäischen SüdostenS viel konferiert worden. Wenn Starhemberg sich so lange bei Hofe aufhält, darf man wohl annehmen, daß nicht e r England, sondern England ihn auf eine neue politische Linie führt. Noch immer ist ja Oesterreich Hitlers größte Hoffnung. Seit dem Prager Besuch Schuschniggs ist man in Berlin in diesem Punkte hypernervös. Die Nachrichten aus London sind nicht dazu angetan, die Herren in der Wilhelmstraße zu erfreuen. Ein kunstvolles poli- tisches Gebäude erweist sich als Kartenhaus. Eines allerdings darf angesichts einer er» freulichen Wendung nicht übersehen werden: je deutlicher den Machthabern deS Dritten Reiches ihre Situation zum Bewußtsein kommen wird, destogrötzerwird die Gefahr, daß sie sich in letzter Stunde mit einer Brandstiftunghelfen, gegen die der Reichstagsbrand sich ausnimmt wie ein Kerzenlicht am Höllentorl In der Schlacht nordwärts Dolo, die von den Italienern nach dem Flusse Ganale Doria benannt wurde, hat die Armee des Generals Graziani durch einen Massenstoß von motorisierten Abteilungen, Tanks und eingeborenen Somalis, den besonders tüchtigen DubatS, den äußersten rechten Flügel der Armee des Ras Desta Damptu zer trümmert. Die Haupt macht des Ras Desta blieb, von der Niederlage ihres Flügels unberührt, zwischen dem Web und dem Webi Schebeli stehen. Die Italiener aber ver folgten überraschender weise nicht nach Norden oder versuchten etwa öst lich umfassend gegen die Hauptmasse des Ras Desta vorzugehen, son dern begann einen in der Kriegsgeschichte vielleicht einzig, mindestens als Rarität dastehenden Linksabmarsch. Während sie auf der allen Karawanenstraße von Dolo nach Addis Abeba nur langsam vorrücken, haben fie auf der moderneren nach Westen führenden Sttaße in wenigen Tagen mehr als 200 Kilometer zurückgelegt und treiben über Filtu und Neghelli ihre motorisierten Vorhuten gegen den großen Graben vor, in dem die Abai-, Sciala- und Suai-Seen liegen. Sie scheinen also doch ernstlich die Absicht zu haben» auf diesem Umweg an Addis Abeba heranzukommen, sich mindestens vor Beginn der Regenzeit noch eine Operationsbasis für den Herbstfeldzug zu schaffen. Dieses Unternehmen ist kühn und kann unter Umständen die Kriegslage zugunsten Italiens wenden. Es kann aber auch in eine Katastrchche münden. Im Kriege läßt sich das Ende einer strategischen Operation nie Voraussagen, weil der Gegner mitspricht. Die Abessinier haben zwischen Ual-Ual und dem Web drei Armeen— freilich nicht in einer Front, sondern in vielen Kordon-Stationen und mehreren Staffeln— insgesamt wohl an 100.000 Krieger stehen. Auf 400 Kilometer Front dürste ihnen Graziani im Augenblick, wenn er mit 18.000 bis 20.000 Mqnn auf den Seengraben zumarschiert und von Dolo nach Nor« ■ den vorstößt, nur Kordons von höchstens 40.000 Mann Stärke entgegensetzen können. Die opera« tive Chance der Abessinier und ihres Stabs-Chefs Wehib Pascha ist es, Graziani nach Westen marschieren zu lassen, unterdessen aber am Webi Schebeli offensiv zu werden und MogadiScio, also die Basis Ärazianis zu bedrohen. Das könnte diesen in die denkbar größte Gefahr bringen. Die zweite Maßnahme, zu der die Abessinier jetzt greifen können, ist eine Umgruppierung großer Teile ihrer Südarmee auf die Höhenzüge, in denen der Ganale Doria entspringt. Sie können dort Grazianis Angriff abwarten, der fich den Uebergang über die zwei zur Verfügung stehenden Pässe erzwingen muß, oder sie können ihn während seines Marsches in der Flanke angreifen und versuchen, ihn gegen den Dawa Parma, vielleicht sogar nach Britisch-Kenia zu werfen. Diese Operation setzt eine Beweglichkeit der Abessinier voraus, dje sie in der Konkurrenz mtt den motorisierten, auf guter Straße nach Westen marschierenden Italiener» nicht aufbringen dürften. Jedenfalls hat Graziani durch seinen Linksabmarsch am Dawa Parma und gegen die Seen die Blicke der Welt wieder auf den südlichen Kriegsschauplatz gezogen und vermutlich auch die Reserven Abessiniens vom Norden abgelentt. Wenn Makalle und Aksum italienisch bleiben, dann nicht wegen der Siege Badoglios in Tem- bien, sondern wegen der Sorge des Negus um seine von Südwesten bedrohte Haupfftadt. Verschärfte Kriegsgefahr Mandschukuo—Mongolei Die Läge an der Grenze zwischen Mandschukuo und der Autzen-Mongolei in der Gegend des Buir-Sees wird von Tag zu Tag gefahrdrohender. Fortwährend werden Zusammenstöße zwischen Grenzposten gemeldet, die beide Teile zu scharfen Protesten bei der Gegensette veranlassen. Eine Meldung aus Tokio behauptet, daß eine friedliche Lösung bereits unmöglich sei. Hinter Mandschukuo steht ganz offen die japanische Besatzungs-Armee in der Mandschurei, die sichtlich einen neuen Vasallenstaat— wenn nötig auch durch einen Krieg, in den Mandschukuo vorgeschoben würde— schaffen will. Eine japanische Durchdringung der Autzenmongülei würde die Sowjetinteressen in diesen Gebieten stark be- eirtträchtigen und darüber hinaus eine direkte militärische Gefahr für den russischen Fernen Osten bedeuten. Tendenziös gefärbte japanische Meldungen behaupten, daß aus der i n n e r e n Mongolei bereits 60.000 Soldaten an dem wichtigen strategischen Grenzpunkt Nejkulum zusammengezogen seien. Der Jahrestag der Diktatur Berlin. Am dritten Jahrestag der Hitler- Herrschaft wurden nach Berlin in Sonderzügen 25.000 SA-Leute gebracht, vor welchen Hitler eine Rede hiell. Die Bevöllerung gehorchte der Weisung zur Hissung von Fahnen. Der agrarische Parteitag (Fortsetzung von Seit« 1) da wir uns bewußt find, daß sie das treibende Moment des wirtschaftlichen Lebens sind. Wir stellen uns aber gegen die Auswüchse der libera- listischen Ordnung, in welcher der maßlose Egoismus zur Folge hat, daß die einen im Äeberfluß und die anderen in Not leben." Der Referent wandte sich dann dem Verhältnis von Landwirtschaft und Industrie zu: Die Ansicht, daß die Agrarpolitik gegen die Industrie gerichtet ist, ist irrig. Die Landwirte haben aus zwei Gründen ein Interesse an der Industrie: der Bebölkerungsüberschuß. der fich nicht mehr vom Boden ernähren kann, findet in der Industrie und im Geweübe Arbeit. Die Industrie- und Stadtbevöllerung bildet für die Landwirtschaft starke Märfte. Di« Agrar- politikhatdeShalbeinJnter- esse an der Stärkung des Arbeitseinkommens der breiten Massen der Bevölkerung... Wir wollen eine demokratische Zusammenarbeit nut der Industrie und überlassen es ihr zu entscheiden, wo in den heuttgen Zeiten ihr Platz ist. Ueberdie politischen Parteien sagte Beran, daß„die gegenwärttgen politischen Gefüge das Fundament der tschechoslowakischen parlamentarischen Demokratie find". Wenn davon gesprochen wurde, daß der Kongreß die Benennung der Partei ändern und daß ihr landwirtschaftlicher Charakter verlassen werden soll, um eine allständische Partei zu bilden, sei das falsch. Die Partei werde ihren Grundsätzen» Dienst an der Landwirtschaft und am Staate, nicht untteu werden.„Wir bleiben den Ideen der Demokratte treu. Niemals ist uns der Gedanke einer agrarischen Diktatur eingefallen und wird uns auch nicht einfallen, auch wenn wir vielleicht ausreichen würden den Staat zu beherrschen. Wir fordern eine feste und disziplinierte Demokratie... Die Demokratte ist für uns Vermächtnis der Vergangenheit und ein Gebot der Gegenwart und Zukunft. W e n n i r- gend jemand bei uns es wagen sollte, andieEinsetzungeinerDik» tatur zu denken, werden wir einen solchen Versuch gleich in den Anfängen zunichte machen. Unser« Mitbürger deutscher und ungarischer Zunge müssen begreifen, daß unsere Demokratie die Resultante einer jahrhunderte langen Entwicklung ist und daß es demnach für siekeinenanderen Weg gibt, als eine demokratische Zusammen» arbeitmituns". Bemerkenswert ist auch, daß,Beran das Recht'veb'Pärlei betobtt/dreÄ ro e'TFer schaft zu organisieren, weil Hunderttausende von Industriearbeitern auf dem Lande leben und gleichzei- ttg in der Landwirtschaft beschäftigt sind. Ueber die Stellung zur Regierungskoalition führte Beran aus, daß die Partei für weitere Zusammenarbeit in der bestehenden Koalition sei. „Wir kennen kein Diktat und wollen kein Diktat ... Das Voll in eine Rechte und Linke zu teilen, war niemals unser Ziel. Wir sind für ein Gleichgewicht der Kräfte, das der sozialen und wirt- schafrllchen Schichtung im Staate entspricht." Freitag wird zum Kongreß der Ministerpräsident sprechen. Am Nachmittag ttaten die Kommissionen zusammen, welche ihre Arbeiten bis zum Abend beenden sollen. KOVKI.I.E VON ONMK BAUM Musik lernten nur einige Auserwählte und die durften andere nicht unterweisen, damit nicht Unbefugte halbe oder viertel Stündchen der heiß umkämpften Uebungszeit an den wenigen Instrumenten heimlich durch allerhand Gegendienste erkauften. Berkl wußte längst, daß Lore die halben Nächte begehrte Handschriften, vor allem Noten abschrieb, um Unterweisung und Uebungszeit bezahlen zu können. „Jetzt wird es ernst, Lorchen," sagte er,„Dr. Lötz hat eben mit detü Herrn Direktor gesprochen." „Dr. Lötz?" ftagte sie verwirrt. „Hat er dich nicht auch gestern wieder in dieser Sache rufen lassen?" „Ja," sagte sie. Rur wie von einer fernen Möglichkeit, die allzu unwahrscheinlich und unausdenkbar war, um ernsthaft durchberaten zu werden, hatte Berll seit der ersten Bemerkung des Arztes von den Hoffnungen und Bedenken gesprochen. „Wir sollen zu deinem Vater gehen, seine Zustimmung einzuholen," sagte er. „Zu meinem Vater?" Lore lachte; sie lachte selten. ES llang überraschend hell und lauter als es die Sprechstimme vermuten ließ. Es hallte in dem hohen weiten Raum, in dem außer dem Klavier nur noch ein Notenschrank stand. „Das ist gesetzliche Vorschrift," meinte Berll verweisend. „Der Vater wird sich wundern." Nur selten kam eines der Geschwister sie besuchen. Den Vater hatte fie schon seit Jahren nicht mehr gesprochen. Sie gehörte zu den wenigen Zöglingen, denen bewilligt wurde, auch die Ferien in der Anstalt zu verbringen. Berll hätte eigentlich veranlassen sollen, daß eine der weiblichen Angestellten des Hauses Lore zu den Ihren begleite, aber er fürchtete, die Begleiterin könnte allzu geringschätzig mü den armen Leuten verkehren, und Lore, die in dieser unsi- chern Wartezeit sehr erregbar schien, in ihren Empfindungen verletzen.„Gegen Abend finden wir wohl Deinen Vater am sichersten zu Hause?" fragte er. „Wir?" dachte sie mit einem Keinen Schauer der Freud« und des Staunens. Wollte Herr Beck! wirklich selbst mit ihr gehen? „Ein Brief würde ja genügen," hatte er dem Direktor vorgeschlagen, aber der meinte: Bor einem Schritt, der eine Schicksalswendung bringen kann, hat fich das Kind mit seinen Angehörigen zu besprechen. Das ist sittlicher Tall." Daran mußte Berkl denken, als er am Fuß der ungefügen Kellertreppe mit Lore vor der Tür schon ein Durcheinander von derben Stimmen und Arbettsgeräuschen hörte. In dem nicht sehr Keinen, aber nieder» und schlecht beleuchteten Raum roch es nach Pfeifenrauch» Seifenlauge und Kaffee. Der Vater stand mit aufgeschlagenen Hemdärmeln am Bottich und wusch Wäsche. Die Mutter lag krank im Bett. Die Geschwister, drei Jungen unb ein Mädchen, stritten mit einem fremden Burschen, der hier wohl in Untermiete wohnte. Er hatte ihnen einen Schlagring gezeigt, den er heute gekauft hatte, und das Ding war lötzlich unauffindbar. Mutter und Vater erschraken nicht wenig, als Lore mtt dem Lehrer eintrat. Sie dachten, Lores Ausbildung sei beendet und man sende sie nach Hause. Als Berll ihnen den Zweck des Besuches auseinandersetzte, unterbrach ihn der Vater nach den ersten Sätzen:„Zahlen kann ich nichts," sagte er, die Mutter wollte sich ins Mittel legen:„Wenn es sich um so'was handelt..." Berll tat sein Möglichstes, sie rasch zu beruhigen. „Ja, aber, warum sind Sie denn gekom men?" ftagten sie. Sie begriffen nicht, was man von ihnen wollte. Lore ging währenddessen in der Wohnung umher, streifte zärtlich an den Gegenständen hin, um festzustellen, was fich sett ihrer Kindheit hier verändert hatte. Da sprang der Vater plötzlich zur Tür dem ftemden Burschen in den Weg, der in der Hitze des Stteites seine Sachen zusammengepackt hatte und davon wollte.«Wo man nicht einmal seines Eigentmns sicher ist..." schrie er trotzig. Aber es war sehr gut möglich, daß er das Ganze ver- anstaltet hatte, um sich in der allgemeinen Aufregung davonzumachen, ohne die Miete zu bezahlen. Auf dem Heimweg erzählte Berll von der Rot seiner eigenen Kindheit. Es war eine schöne Nacht. Ueber die gespenstersttllen Vorstadtstraßen floß dünnes Mondmllch hin und täuschte Frost auf den Dächern vor. Biel zu früher Vorfrühling kündigte sich in dem warmen Wind an. Lore trabte hastig neben Berkl her. Die bescheidene Anstaltsuniform von derbem Swff, die zur edlen Zartheit ihres Gesichts so gar nicht paßte, erhöhte nur den Reiz ihrer lieblichen Erscheinung. Ihre Hand lag leicht auf seinem Arm. Sie sprach ganz gegen ihre sonstige Art ohne Aufhören. Morgen sollte sie ins Spital. Sie war wie betrunken von der Erregung, die sie nicht zuzestehrn wollte, die aber doch immer mehr von ihr Besitz ergriff. Sie war gut zwei Köpfe kleiner als er. Sie tat immer zwei Schritte, indes er einen machte. Sie war achtzehn Jahre und fünf Tage alt. Berll überlegte besorgt, ob sie nicht zu spät in die Anstalt zurückkämen und ob man es nicht überhaupt übel vermerken würde, daß er selbst mtt dem Mädchen gegangen war. Lore gestand, daß sie Dr. Lötz nicht mochte. Sie machte sich Borwürfe deswegen. Seine tänzelnde süßliche Sprache, seine Hände» die immer ein wenig auf ihrer Schulter, auf ihrem Arm liegen blieben, ihr über's Haar führen, ihr die Wange klopften,— es durchrieselte sie ein Widerstreben. Wenn er etwas wollte, war seine Rede wie eine klebrige Schlange, die sich wandt und krümmte und alles mitzog, woran sie vorbei- glttt. Es war doch ein so großes Glück, das fie ihm verdanken sollte, aber sie hatte eine unbeschreibliche Angst davor, weil der Gedanke von ihm auszing. Berll suchte fie zu beruhigen und abzulenken. Er erzählte ihr mit scherzhafter Uebertrei« bung, wie beliebt Dr. Lötz gerade bei jungen Mädchen sei. Lore konnte das nicht verstehen. „Warum?" fragte sie. „Er ist ein schöner Mann", sagte Berll. Sie blieb vor Verwunderung stehen:„Nein —, das ist doch ganz gewiß nicht möglich!" sagt« sie, lind in Sinnen verloren ging sie weiter. „Es wird ein Schnitt in den Augapfel gemacht." So hatte Dr. Lötz Berkl die Operation erklärt,—„um falsche Pupillen" zu schaffen, dann werden die zarten Gewebe zurückgeklappt, damit die kleine Oeffnung auch offen bleibe und die Haut über dem^uge wird zum Teil weggeschabt. Alles kommt natürlich auf die sichere Hand des Operateurs an." „Nicht wahr, Lorchen", sagte Berll, und nahm ihre Hand.„Auch wenn die Sache schief geht, ich meine: auch wenn es nicht so ausfällt wie Dr. Lötz es sich denkt, ist es gar nicht so schlimm? Wie?" * Berll erreichte durch einen schüchternen Bries an Professor Perl nur, daß Lore aus dem großen Saal mtt den vielen Kranken forttam und ein Einzelzimmer erhielt. Aber Lötz operierte. Als Berll im Namen der Anstalt unmittelbar nach der Operation sich erkundigen kam, sagt« Dr. Lötz:„Hauptsache, daß fie Geduld hat, ruhig zu liegen." .(Fortsetzung folgt.)! Nr. 36 Freitag, 31. Jänner 1936 Seite 3 tfudetendcutscfier Zeitepiegcf I I Vertreter des Bürgertums offen läßt, daß in den besonder- schwer betroffenen Gebieten die Felder der Kleinbauern teilweise unbestellt bleiben müßten, und verlangten die Beistellung von genügenden Mengen Saatgut und Futtermitteln zu erheblich billigem Preise für die bedürftigen Kleinlandwirte. Landwirtschaftsminister Z a d i n a versprach eine Berücksichtigung der Notstandsgebiete. Es sei beabsichtigt, 5^00. Waggons K.l.e i e und. Futtermehl zu ermäßigtem Preise für die Notstandsgebiete beizuflellem weiters 3000 Wagaöns Saalgetreide aus den Beständen des Monopols, das den Kleinlandwirten bis zur nächsten Ernte" kreditiert werden soll. Die Verwirklichung dieser Aktion hänge davon ah, ob es dem Finanzministerium möglich sei, denBetragvonzehnMillionenflö zu gewähren. 300 Waggon Saatgetreide sollen im Wege der Landeskulturräte bezw. durch den Elementarschadenfonds zugeteilt und aus den Fondsmitteln subventioniert werden. Landwirtschaftsminister Zadina sagte auch zu, für die BeistellungvonSaatkartoffelnzu sorgen, doch werde es kaum möglich sein, sie zu einem erheblich billigen Preise abzugeben. Die Vertreter des Kleinbauernverbandes drückten den Wunsch auS, daß die angekündigten Aktionen auch tatsächlich verwirklicht werden mögen. nach Einschränkung der Margarineproduktion in den tschechischen Gebiete« eine Reihe Unternehmungen entstanden sind, die ausreichende Kontingente auf Kosten der alten Erzeugerficmen erhielten. Die darin eingebetteten Tendenzen sind derart augenfällig, daß es wohl heute auch auf tschechischer Seite niemanden mehr geben kann, der zu leugnen imstande wäre, daß die Margarine zu einem nationalen Kampfobjekt geworden ist. Wir warnen die Regierung und verantwortlichenStellendes Staates, eine derartige Politik ungehindert passieren zu lassen; denn es geht dabei umdienacktenLe- bensinte res seit der deutschen Angestellten und Arbeiter. Es genügt keinesfalls in der Theorie den Grundsatz„Gleich' unter Gleichen" aufzustellen, wenn im praktische« Leben eine andere Sprache gesprochen wird. Dies.', die Existenz tausender deutscher Arbeiter und Angestellter ständig bedrohende, teilweise auch zerstörende Dissonanz in der Minderheitspolitik ist nicht dazu angetan, die Verbundenheit der davon betroffenen Angestellten und Arbeiter mst dem tschechoslowakischen Ätaate zu stärken und dieselben staaispolitischen Ueberlegungen zugängiger zu machen. Wirerhebendahernochrechtzei- tig unsere warnende Stimme. Die Regierung und sonstigen verantwortlichen Stellen des Staates haben es in der Hand, mit Hilfe des Margarine-Gesetzes eine Politik zu betreiben, die staatsmännisch gesehen nicht nur klug, sondern auch dazu angetan ist, Wege zur Förderung der Verbundenheit zwischen den deutschen Minderhefts« und dem tschechischen Mehrheitselement in der Republik zu bahnen. Die Kleinbauernvertreter beim Landwirtschaftsminister In der vergangenen Woche sprachen die Genossen Abgeordneter I a k s ch, Verbandssekretär Schmidt und Obmannstellvertreter Rupprecht beim Landwirtschaftsminister Zadina vor und übermittelten ihm die dringlichen Forderungen der Kleinbauern und Häusler in den Notstandsgebieten. Sie verwiesen auf die Auswirkungen der Mißernte und der hohen Futtermittel« preise in den Notstandsgebieten, wie die Not und die zerstörte Kaufkraft der Kleinbauern unausgesetzt zu Biehverkäufen zwingt und der Mangel an Saatgut und Saatkartoffeln die Befürchtung Um den deutschen Arbeitsplatz Margarinegesetz und deutsche Minderheit Vom Allgemeinen Angestellten-Verband (Reichenberg) wird uns geschrieben: Dem Margarinegesetz zufolge hätte die Festsetzung des Gesamtkontingents und auch dessen schlüsselmäßige Aufteilung auf die einzelnen Erzeugerfirmen bis längstens 1. November 1935 erfolgt sein müssen. Eine Einigung bis zu diesem Zeitpunkte und darüber hinaus bis Ende vorigen Jahres konnte nicht erzielt werden. Bei diesem Stande entschied deshalb der Ministerrat, daß das im Gesetz vorgesehene Höch st kontingent von5280Waggonsjährlichauchfür 1936 fe st gesetzt wird. Gleichzeitig wurde beschlossen, daß die Erzeuger-Firmen ein Zwölftel dieses Kontingentes für den Monat Jänner 1936 Herstellen dürfen. Diese Entscheidung des Ministerrates kann nuralseinevorläufigeLösungan- gesehen werden, weshalb wir die rascheste Festsetzung des endgültigen Kontingentes verlangen. Darüber hinaus fordern wir im Inte reff: der Sicherung des heimischen Kunstfettmarktes ein Gesamtkontingent von mindestens 7500 Waggons. Ganz entschieden müssen wir uns außerdem gegen die monatliche Ouotenfestsetzung aussprechen, weil dieselbe bestimmt zu Schwierigkeiten beim Erzeuger und auch Verbraucher führen muß. Allergrößten Wert legen wir aber auf dir gerechte Aufteilung des Gesamtkontingentes. Diese Frage ist keine Angelegenheit einzelner Unternehmungen oder deren Bereinigungen, sondern eine der breiten Oesfentlichkeit, insbesondere aber eine solche für die deutschen Angestellten nnd Arbeiter. Wir lenken die Aufmerl- samkeit der Oesfentlichkeit auf die Tatsache, daß im Zuge der Diskussionen der agrarischen Pläne Titel machen es nicht I Der„Zeit" beliebte es, über den Auszug aus einer Ausschuhrede eines SdP-Abgeordneten den nicht weniger als dreispaltigen Titel„Marxistischer Gewerkschaftsterror" zu setzen, für jene vermutlich, die nur die Titel lesen. Wer aber nach Enthüllungen begierig weiter las, mußte schwer enttäuscht sein. Zwar sparte der Herr Abgeordnete nicht mit großen Worten, es wimmelte nur so von„ungeheurem Terror", von„nicht zu beschreibendem Terror" und von„Terror" ohne schmückende Beiwörter, dann aber heißt eS kleinlaut:„Ich könnte Hunderte von Fällen nachweisen," wo nämlich Henleinleute wegen ihrer Einstellung auS den Gewerkschaften ausgeschlossen der Arbeiter und Angestellten Das Gerede von der Volksgemeinschaft wird treffend gekennzeichnet durch einen Vorgang in der Sitzung der Aussig er Stadtver- tret» n g. DaS städtische Elektrizitätswerk und das Gaswerk der Stadt Aussig, die bisher je eine eigene Verwaltung hatten, wurden aus Zweckmäßigkeitsgründen zu einem Jndustriewerk zusammengelegt. Dadurch wurde es nötig, neue Verwaltungsvorschriften zu beschließen, mit deren Verabschiedung sich die Stadtvertretersitzung am Montqg zu befassen hatte. Diese neuen Verwaltungsvorschriften sind aufgebaut auf den früheren Bestimmungen und sehen vor, daß im Berwaltungsausschuß sowohl die Arbeiter und Angestellten des Elektrizitätswerkes als auch die des Gaswerkes vertreten sind. Gegen diese Bestimmungen, die die Vertretungsrechte der Belegschaften sichern, wandte sich bei den Beratungen der Fraktionsführer des Bürgerblok» kes, Herr Vizebürgermeister Dr. Arnold(der vor gar nicht langer Zeit in einem Artikel im „Aussiger Tagblatt" dem Lohn- und Gehaltsabbau und der Verringung der Arbeitskräfte das Wort redete) und er verlangte schließlich bei der Abstimmung die Streichung des 8 7, der die Vertretungsrechte der Arbeiter- und Angestelltenschaft sichert. Für diesen Streichungsantrag stimmten alle deutschen bürgerlichen Vertreter. Sie blieben jedoch in der Minderheit. Der chri st lich soziale Stadtrat, Herr Nowak, stimmte nicht nur gegen die Vertretung der Arbeiterschaft, sondern sprach auch in der Wechselrede gegen den Antrag des Stadtrates, die Verwaltungsvorschriften in der' vorgelegten Fassung zu genehmigen. Herr Nowak ist Beamter In der„Großen Chemischen" und Agitator und Schirmherr der Deutschen christlichsozialen Gewerkschaft des Aussiger Bezirkes. Es ist bekannt, daß er sich bei allen möglichen Stellen bemüht, seine Schäfchen in städtischen Betrieben und Abteilungen unterzubringen. Diese Haltung eines Gewerkschaftsleiters wird natürlich den Gewerkschaftsmitgliedern nicht unbekannt bleiben nnd es ist die Frage am Platze, wie die christlichsozialen Gewerkschaftler das Verhalten ihres Leiters beurteilen. vle Botschaft aus dem Norden Unsere Arbeiterschaft hat seit jeher den internationalen Ereignissen, insbesondere der Entwicklung der Arbeiterbewegung in anderen Ländern, das größte Interesse gewidmet. Diese Einstellung erfließt zum Teil aus unerer grund sätzlichen internationalen Gesinnung, zum andern Teil aber auch aus der Tatsache, daß in einem Staate im Herzen Europas alle Reflexwirkungen internationaler Geschehnisse deutlich spürbar sind. Wir haben alle Schläge, die auf die Ar beiterbewegung in den Nachbarländern nieder- praffelten, als der Faschismus siegte, miterlebt und miterlitten. Wir freuen uns aber auch der Erfolge unserer Genossen in anderen Ländern aus ganzem Herzen, wenngleich wir be kennen müssen, daß wir— in falscher Beschei denheit und Zurückhaltung— es bisher nicht ausreichend verstanden haben, diese für uns aus zuwerten. Die vergangene Woche brachte einem statt lichen Teil unserer Arbeiterschaft im Sektor von Bodenbach bis Falkenau a. E. ein unvergeßliches Erlebnis. Der Generalsekretär der dänischen Sozialdemokratie Genosse Hans He d to ft- Hansen sprach in sieben großen Versammlun gen vor insgesamt mehr als 10.000 Arbeiterin nen und Arbeitern über die politischen und wirt schaftlichen Verhältnisse seines Landes und über die Arbeit der unter fester sozialdemokratischer Führung stehenden dänischen Regierung. Das Interesse, das diese Vorträge nicht nur bei unse ren Genossen, sondern auch in jenen Schichten der Bevölkerung, die Argumenten zugänglich und deren Gehirne von Henleinphrasen nicht ganz verklebt sind, gefunden haben, war unge wöhnlich groß. Man mußte diese Veran staltungen miterleben, man mußte die gespannte Aufmerksamkeit, mit der unsere Genossen den Ausführungen des Redners folgten, beobachten können, um die Wirkung der Vorträge richtig ein zuschätzen. Sie stieg von Ort, ebenso wie die Zahl der Besucher, die von den Sälen nicht mehr gefaßt werden konnten. In N e u d e k, Falke-! nau und Altrohlau z. B. nahmen an jedem gegen ifttSreSSenVertretung Vortrag weit über 1000 Personen teil und viele Hunderte, die sich nicht rechtzeitig einen Platz sicherten, mußten Weggehen, ohne den Red ner gehört zu haben. Die Vorträge des Genossen Hedtoft-i Han Leji waren für die Besucher nicht nur ein Erlebnis, sondern auch eine Stunde der Belehrung. Der Vortragende, der seine! Zuhörer durch die sympathische, offene Art seiner! Rede zzr fesseln wußte, betonte immer wieder, daß er keine Agitationsrsde halten, sondern| einen sachlichen Bericht erstatten wolle. Er ver zichtete auf tönende Phrasen und überzeugte durch die zwingende Logik der Tatsachen, die er vor trug. Für uns war besonders wertvoll, daß— trotz aller Verschiedenheit der ökonomischen Ver hältnisse•— deutliche Parallelen in der politischen Linie Herportraten. Das kardinale Problem ist in Dänemark wie bei uns die Verständi gung zwischen Arbeitern und Bauern. Freilich ist man uns in Dänemark ein mächtige- Stück voraus. Dort vollzieht sich diese Verständigung zum großen Teil bereits auf dem Boden der sozialdemokratischen Partei, die den Arbeitern ihren relativ hohen Lebensstandard erkämpfen— der Reallohn ist seit der Vorkriegs zeit um 60 Prozent gestiegenl— die Krise beseitigen, die Kaufkraft erhalten, die aber auch den Bauern anständige Preise, gesicherten Export und Befreiung von drückender Zinsenlast gewährleisten konnte. Der Unterschied ist ferner in den politischen Machtverhältnissen zu suchen, was sich in nüchternen Zahlen ausdrücken läßt: bei uns sanunelten die Sozialdemokra ten rund ein Sechstel der Wählerstimmen, in Dänemark jedoch 46 Prozent, bei uns sind von 16 Mini stern 4, in Dänemark von 13 Regierungsmit- gliedern 9 Sozialdemokraten! Daneben haben unsere dänischen Freund« uns, gegenüber eine stärkere Mitgliederzahl in der Partei(200.000), eine weiwerbreitete Presse, eine ausgezeichnete Erfassung der Jugend, eine noch größere Genoffenschaftsbewegung, Faktoren, die ihnen dauernd einen festen Rückhalt im Volke sichern. Manche Aufgabe, die wir zu bewältigen haben, ist uns noch stärker bewußt geworden. Ge meinsam ist unS mit unseren dänischen Freunden aber das rückhaltlose Bekenntnis zur Demokratie, die. w*« gerade der Norden be weist, eine ausgezeichnete Plattform für die Ver besserung der sozialen Lage der arbeitenden Men schen in Stadt und Land darstellt. Die Botschaft auS dem Norden war für uns eine froheWotschaft. Wir hwben sie mit freudiger Begeisterung vernommen und sie hat in unseren Herzen lauten Widerhall gefunden. Sie wird unS ein Ansporn sein:— das sei unser Gruß und Dank an die dänischen Freunde— auf unserem schwierigen Kampfboden auSzuharren und alle Kräfte zu siegreichem Vorstoß zum glei chen sozialistischen Ziel zu sammeln! Den Genossen zur Beachtung I In Zuschriften, die äußerlich nicht erkennen lassen, von wem sie ausgehen, wenden sich sogenannte„Arbeitslosenkomitees" an Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre, an Kulturorganisationen, Gemeinde- und Bezirksvertretungen usw. mit der Aufforderring, zu Arbeitslosenkonferenzen Delegierte zu entsenden und für die Forderungen der Arbeitslosen einzutreten. Zur Information teilen wir der Partei- und Gewerkschaftsöffentlichkeit mit, daß es sich hier um eine kommunistischeAktion handelt, mit der weder unsere Partei noch unsere Gewerkschaften etwas zu tun haben. Es bedarf auch keines besonderen Appells an unsere Funktionäre und an unsere Partei, wie auch an unsere Gewerffchaften, da diese stets und ständig ihre ganze Kraft einsetzen und eingesetzt haben, um den Arbeitslosen zu helfen und ihnen auch ohne solche Aktionen mehr an Hilfe gebracht haben, als ihnen die Kommunisten, von denen diese Aktion ausgeht, jemals bringen werden. wurden. Anzeigen und Beschwerden seien bisher erfolglos gewesen. Die plötzliche Zurückhaltung der sonst nicht an übertriebener Bescheidenheit leidenden Henleinleute hat ihren guten Grund. Sie können ganz einfach nicht die„Hunderte von Fällen" nennen, wo jemand aus den Gewerkschaften wegen seiner politischen Einstellung ausgeschlossen wurde. Und dieses Nichtkönuen soll durch starke Worte und Balkenlettern wettgemacht werden. Wahrhaftig eine schwere Arbeit! Ueberflüssig zu sagen, daß der Herr Abgeordnete über den Terror der Unternehmer nicht ein Wort verlor, obwohl er darüber sicher manches sagen könnte, wenn nicht.... Franzbranntwein bei Kreuzschmerzen und Gliederreißen „Miß Warnsdorf“ als„Spionin** Wie leicht man im heutigen Deutschland verhaftet werden und auf eine Nacht ins Kittchen wandern kann, darüber soll jetzt sogar die unlängst zur„Miß Warnsdorf" gewählte, Charlotte Ulbricht aus Niedergrund ein Liebel singen können. Besagte„Miß Warnsdorf" hielt sich nämlich, wie uns von einem Gewährsmann berichtet wird, vor kurzem im Gasthaus„Zum Bad" in Neuschönaui. S. auf, um dort dem Tanze zu huldigen. Sie hatte schon mit einem Korporal der Reichswehr getanzt und sich unter anderem von diesem auch sagen lassen, welche Bedeutung denn der Streifen auf seiner Uniform habe. Später tanzte sie mit einem anderen Soldaten der Reichswehr und fragte denselben nach seiner Waffengattung. Als ihr dieser antwortete, daß er bei der Artillerie sei, ftagte sie weiter, wo er denn da die Kanone habe, worauf wiederum der Soldat erwiderte, er habe sie zu Hause gelassen. Damit war das Gespräch vorläufig beendet. Kurze Zeit darauf tauchten jedoch im Saale einige SA- Männer auf, nahmen die„Miß Warnsdorf" kurzerhand in die Mitte und brachten sie in das Großschönauer Amtsgefängnis. Drr! mußte sie dann eine ganze Rächt zubringen und wurde erst am andern Morgen wieder auf freien Fuß gesetzt. Ihre Fragen hatten sie nämlich in den Verdacht gebracht, im Dienste einer ftemden Macht Spionage zu betreiben. Der Vorfall entbehrt gewiß nicht des Humors, da er aber verbürgt wahr ist, zeigt«r auch, daß heute in Deutschland schon der geringste Verdacht genügt, um einer. Menschen ins Kittchen zu bringen. Trotzdem gibt es hierzulande immer noch Leute, die solche Zustände auch bei uns erstreben! Ob die„Mi^ Warnsdorf" auch zu diesen gehört, wagen wir nicht zu beantworten. Der Verband der Gewerbetreibenden und Kaufleute(Sitz Aussig) hat in seiner Sitzung am 17. Jänner beschlossen, den für den 2. Feber nach Teplitz anberaumten Berbandstag aus technischen Gründen für den 22. März in Komo- tau(Städtische Parksäle) anzuberaumen. Anträge von Ortsgruppen sind bis längstens 8. März beim Sekretariat in Saaz einzubringen, bis zum gleichen Tage haben die Ortsgruppen dem Sekretariate die Namen der Delegierten einzusenden. Rassenheber zu sechs Monaten Kerker verurteilt. Der Schustergehilfe Rudolf K r e i m l aus Fischern war 1935 auf der Walz nach Deutschland gekommen; als er zurückgekehrt war und auf dem Stadtamt in Fischern sich um die Aufnahme in die Arbeitslosenliste bewarb, entfiel ihm ein Flugblatt mit dem Lied„Blaue Dragoner". Dieses Hetzgedicht pnd andere Ha« kenkreuz-„Lyrik", die Kreiml bei sich trug, las er sodann ass Ort und Stelle den Arbeitslosen vor. Da aber vor allem die„Blauen Dragoner" schwere antisemitische Ausfälle enthalten, wurde Kreiml verhaftet und die Staatsanwaltschaft Eger erhob gegen ihn die Anflage wegen deS Verbrechens der Aufreizung nach dem Schutzgesetz und der verbotenen Rasse- und Konfessionshetze. Bei der dieser Tage vor dem Egerer KreiS- gericht in dieser Angelegenheit durchgeführten Verhandlung wurde R. Kreiml zu einer Kerkerstrafe in der Dauer von sechs Monaten unbedingt verurteilt. Tragischer Tod zweier Hausgehilfinnen. Donnerstag vormittags wurden zwei im„Französischen Hof" in Teplitz-Schönau beschäftigte Hausgehilfinnen leblos in ihren Betten aufgefunden. Der sofort herbeigerufene Arzt konnte nur mehr den eingetretenen Tod konstatieren. Der Polizeibericht besagt, daß die Mädchen am Abend gebügelt und vergessen haben, den Haupthahn der Gasleitung zuzusperren. Dieses unglückliche Versehen dürfte also den Tod der beiden Mädchen herbeigeführt haben. Es handelt sich um die 23- jährige Anna Hanl aus Settenz und die 19jäh- rige Julie Küffner aus Netschetin. Seite 4 Freitag, 31. Jänner 1936 Das Frauen- Konzentrationslager Moringen Ein Stück Hitlerkultur Folgenden Tatsachenbericht über das Konzentrationslager Moringen stellt uns eine Frau zur Verfügung, die diesem hitlerdeutschen Kul turinstitut nach mehrmonatigen Leiden noch lebend entgangen ist. Der Bericht zeigt ia schon durch seine nüchterne Sachlichkeit, daß es der Schreiberin nicht darauf ankam, Greuelmärchen" in die Welt zu sehen, sondern die nackten Tatsachen darzustellen, die ja auch ohne Kommentar deutlich genug sprechen. Man denke nicht, daß es im Dritten Reich nur Konzentrationslager für Männer gibt. Ich wurde des Gegenteils belehrt. Auf Grund des Rückwanderergesetzes wurde ich in Frühjahr 1935 mit meinem Mann verhaftet und zunächst in das Frauengefängnis des Berliner Polizeipräsidiums eingeliefert. Auch in meinem Schußhaftbefehl stand nur, daß ich zum Schuße von Volt und Staat in Schubhaft genommen würde, zivecs Ueberführung in ein Gemeinschaftslager. Wie fich später herausstellte, war hiermit das Frauenkonzentrationslager Moringen gemeint. Das Lager war der getreuliche Abklatsch eines der fleineren Männerkonzentrationslager, nur daß wir nicht von SS oder bewacht wurden, was allerdings in den Jahren 1933 und 1934 noch der Fall war, sondern von Frauen der NS- Frauenschaft. Die Verpflegung war die übliche Lagerkoſt, die Mengen wohl ausreichend, doch das ewige EinerTei der vielen suppenähnlichen Eintopfgerichte richtete allerlei Unheil in unseren Körpern an, Der gemeinsame Schlafraum lag direkt unterm Dach. Wegen der Feuersgefahr durfte nicht geheizt werden, so daß eine grimmige Kälte herrschte und wir morgens und abends die Eiszapfen an den Querbalten und Betten wegtraßen mußten. Wir schliefen auf Strohsäcken, atvei Betten übereinander, zumindest 40 in einem Raum. Aufstehen mußten wir um 6 Uhr früh, um 9 Uhr abends war völlige Bettruhe. Wehe dem, der dann noch muckste! seins durchlebten. Wir hatten auch eine Nationalsozialistin im Lager. Angeklagt war sie, den Bürgermeister ihrer Stadt beleidigt zu haben. Auf meine Frage, zu welcher Richtung sie sich nach diesem Lageraufenthal befehren würde, antwortet mir diese Frau, die auch noch einen schweren Prozeß vor sich hatte, stolz:„ Ich bleibe doch Nationalsozialistin, ich bin doch eine alta Kämpferin. Wenn Adolf Hitler, mein Führer, tüßte, daß ich hier size, wäre ich hier längst her aus. Aber alles kann Adolf Hitler natürlich auch nicht wissen." Etwa 15 bis 30 Bibelforscherinnen hatten wir im Lager. Sie lasen ununterbrochen in der Bibel. „ Der Teufel regiert", sagten sie immer, innerlich ftimmte ich ihnen in diesem Punkt zu. Doch das Gute wird siegen und dann hat der Teufel abgewirtschaftet." " Auch eine Jrre war in unserem Lager. Diese Frau war bereits zweieinhalb Jahre im Irrenhaus als gemeingefährlich gewesen. Eines Tages ging fie auf die Wärterin mit einem Messer los und war nicht mehr zu bändigen, auch des Nachts bedrohte fi uns im Schlafraum. Sie bekam fürchterliche Schläge von der Gendarmerie und wurde dann in eine Einzelzelle gesperrt, über ein halbes Jahr blieb sie im Lager. Nr. 26 trante Frauen ins Lag er zu bringen. Kura| Grenzwache in Varh bei Berehovo gegen einige bor mir wurde in das Polizeigefängnis Berlin eine Schmuggler, die beim Schmuggel von Waren aus Frau eingeliefert, die gleich mir als Rüdivanderin Ungarn über die Theiß schwammen, hon aus dem Ausland gekommen war. Sie fam aus der Waffe Gebrauch. Der 19jährige Franz Bod Brasilien, nachdem sie dort sieben Monate an Typhus wurde durch einen Schuß schwer verletzt. Er wurde und gelbem Fieber gelegen hatte und dort elend zu- ir. das Landeskrankenhaus nach Berehovo gebracht, grunde gegangen wäre. Sie fehrte nach Deutsch wo ihm wahrscheinlich ein Bein wird amputiert wer land zurüd, um sich zu furieren. Es half kein Attest den müssen. obwohl die arme Frau keine Nacht vor Schmerzen Strafaufschub für Hauptmann. Gouverneur schlafen konnte, weil ihr auch jede ärztliche Behand Hoffman hat die Wiederaufnahme der Unterfulung am Aler in den drei Wochen Haft abgelehnt chung über den Raub des Lindbergh- Kindes anwurde. Obwohl ihre Beine vollkommen geordnet, die Suche nach jeder in die Affäre vereitrig waren, wurde sie mit uns zusammen ins wickelten Person fortzusehen. Er glaube nicht, ager transportiert. Dort blieb sie noch fast vier daß das Verbrechen durch eine einzige Person Monate und die letzten 14 Tage wurde sie tagtäglich berübt worden sei. Aus dem Prozeßprotokoll liege bem Lagerarzt an beiden Beinen geschnitten, bis sich genügend Beweismaterial dafür vor, daß die eines Tages der Arzt zu der Feststellung bequemte. Hauptzeugen des Prozesses und die Mitglieder daß sie Knochenhautentzündung habe und er feine der Anklagebehörde seine Ansicht teilten. Er habe Verantwortung übernehmen könne. Trotzdem dauerte jetzt genügend Beweismaterial, damit ein Strafes noch fast drei Wochen, bis die Gestapo sich dazu aufschub Hauptmanns gerechtfertigt sei. entschloß, diese schwverleidende Frau zu entlassen. Am meisten zu leiden hatte die Wirtin tea Man schreckte auch nicht davor zurück, schwers schon bereit! Tagesneuigkeiten Nicht nur lesen und loben beherzigen! Chinesische Idylle. Reuter meldet aus Pei„ Nationalheros" Horst Wessel. Seit Anfang 1933 ping: Hinjuken teilte mit, daß er den Banditen faß sie im Gefängnis und ist die ganze Zeit enorm gestattet habe, ihre Macht in Tschinpintschau zu behalten, und zwar als Angehörige der mißhandelt worden; auch jezt bei uns im Lager Miliz. rissen die Qualen bei dieser Frau nicht ab. Auch fie ist eine von denen, die während des Hitler- wanderungsbereite Personen ist es schwer, richtige Auskunftsstelle für Auswanderer. Für ausRegimes niemals herauskommen wird, ja, man hat Informationen über solche Länder zu erhalten, ihr höhnisch und gemein gesagt, sie könne froh sein, wo noch eine Ansiedlungsmöglichkeit vorhanden ist. daß sie hier bei uns in Schußhaft sei, denn, wenn Das hat den Sekretär des Zentralverbandes der sie herauskommen würde, so wäre die Kugel für sie deutschen Kleinbauern und Häusler Adolf Schmidt in Prag dazu veranlaßt, eine Ausfunftstelle für Auswanderung zu errichten, welche vom Ministerium für soziale Fürsorge genehmigt den 62 Jahre alten Sodawassererzeuger Wolf un worden ist. Die neue Einrichtung hat mit 1. Jän scinen Neffen Franz. Diese beiden hatten diner 1936 ihre Tätigkeit aufgenommen, sie führt Flodermann längere Zeit ausgehalten. Nach ber den Titel„ Auskunftsstelle für Auswanderung, schiedenen einander ergänzenden und bestätigenden Landwirtschaftliche Beratung" und hat ihren Siz Zeugenaussagen waren sie in der kritischen Zeit in Prag VII., Stroßmayerova 8. Sie ist eine am Tatort, wie schließlich auch der junge Wolf selbständige Einrichtung und unabhängig von zugab, während sein Onkel es entschieden in Ab- allen Partei- und sonstigen Organisationen. rede stellt. Franz Wolf wurde verhaftet. Für sie verantwortlich ist aus fchließlich der Sekretär Adolf Schmidt. Auswanderungsbereite erhalten bei Der Präsident der Republik empfing am Donnerstag, den 30. d. M., die Vertreter der Deutschen Technischen Hochschule in Prag. der vorgenannten Auskunftsstelle gegen Voreinabeffendung von Kč 8.- in Briefmarken jederzeit entsprechende Informationen. Kälte- Welle im Anrollen? Der Zufluß warItalienischer Bomber abgeschoffen. Ein finisches Communiquee besagt, daß eine Eskadrille Im sudetendeutschen Gebiet wird ein WerEinige Fälle und Gespräche werden am besten beblatt tolportiert, das einen offenen dieses Frauenlager beleuchten und zeigen, unter wel Brief des Grazer Professors Jo= then Leiden und Hoffnungen, Aengsten und Bangen hann ude an Mussolini enthält. wir die Tage, Wochen, Monate, ia vielleicht Jahre 1 de, Professor der Theologie, vierfacher Dofdiefes unfreiwilligen und unschuldigen Eingesperrt tor, ein sehr tapferer Mann, der schon durch Tembien bombardierte, die Kirchen in Mardicha mer Luft aus dem Mittelmeer- Gebiet, welcher mit feinen Kampf gegen Seipel und den Heimwehr- marfed und in Mihaeltangu in Brand gesteckt hat. geringen Unterbrechungen bereits seit WeihnachZunächst der Arzt, der sonst vielleicht noch faschismus bekannt geworden ist, flagt Musso- Einige Abessinier beschossen die Flugzeuge aue ten anhält und nicht nur in den Niederungen, son nicht der Schlimmste war( von der Frau aus gesni in heftigen Worten des Kriegsverbrechens alten Gewehren und es gelang ihnen, eines dern auch in den Gebirgslagen des Staatsgebietes der Flugzeuge zu treffen, das in Flammen auf- in der letzten Zeit ungewöhnlich hohe Temperatu ging. Einer der Insassen des Flugzeuges sprang ren gebracht hat, beginnt zu erlahmen. Wie die mit dem Fallschirm ab, berfing sich jedoch in den sich in dieser Woche über den verschneiten Gebiete: Staatsanstalt für Meteorologie mitteilt, haben Zweigen eines Baumes, wobei er sich gleichzeitig Nordost- Europas Kaltluftmassen angesammelt, in die Seile verwickelte und erhängte. Zwei weitere Flieger verbrannten in den Trümmern des Flugzeuges. sprochen!), jedoch für den, den er aus irgendwelchen Gründen nicht leiden konnte, ein Teufel fein konnte. Er behauptete einer schwangeren Frau gegenüber, die bereits sieben Monate eingesperrt war, sie sei eben erst im vierten Monat und damit basta! Als die Frau den Fall richtigstellen wollte, wies er ihr die Tür. Drei Wochen später hatte sie eine Fehlgeburt. Ein nicht lebensfähiges Kind, welches bereits nach acht Tagen stirbt. Die Frau bekommt Kindbettfieber und der Lagerdirektor meldet es pflichtgemäß der Zentrale nach Berlin. Nun kommt das Grausfige. Die Frau liegt im höchsten Fieber und jetzt kommen drei Gestapobeamte aus Berlin und vernehmen in diesem Fieber die Frau stundenlang, erbarmungslos. Das ganze Lager ist in höchster Erregung! Eines Tages werden wir alle im Lager vers nommen. Gleich vier Gestapobeamte aus Berlin sind da. Zwei Stunden müssen wir ununterbrochen stehen, jede wird vernommen, besonders scharf sind sie in dem Raum, in welchem die Frauen jüdischer Nonfession untergebracht sind. Es fehlt nicht an den ge= meinsten Redensarten und Behauptungen, alles wird von diesen Beinigern in den Dred gezogen und zum Schluß schleudern fie uns die Worte ins Gesicht: ,, Viele von euch werden überhaupt nicht mehr aus diesem Lager herauskommen, damit ihr nicht die Boltsgenossen bergiften könnt!" Lähmendes Entseben packt uns. Wen meinen diese Bonzen, wer wird nicht mehr herauskommen? Diese Nacht schläft keine. Ein weiterer Fall: Eine Funktionärin ist in Berlin von der Gestapo beim Bettelverteilen ge= schnappt worden, zugleich mit ihrem Verlobten. Allerdings wurden die Bettel bei ihnen nicht mehr borgefunden und ein Beweis für eine staatsfeindliche Betätigung konnte nicht beigebracht werden. Troßdem Einlieferung in die Prinz- Albrecht- Straße. Eine Nacht und einen Tag stehen ohne Essen, die ganze Nacht geht ein Metronom. Alle givei Stunden wechseln die Aufpasser. Einer schlägt ihr mit einem Rohrstock über das Ohr, daß das Blut her borsprint. Der gemeine Schläger bringt sie selbst zum Arzt, der sie fragt:„ Was haben Sie da? Hat man Sie etwa geschlagen? Wer war es?" Die an und spricht ihm vor allem das Recht ab, im Namen des Christentums und der Kultur Abesfinien mit Mord und Brand zu überziehen. Es heißt in dem Offenen Brief: Zitronen- Sanktion. Auf einem Londoner Güterbahnhof wurden am Mittwoch 400 Aisten Zitronen, die im Widerspruch zu den Sühnemaß nahmen aus Italien nach England eingeführt werden sollten, von Zollbeamten beschlagnahmt. Es handelt sich um den ersten Fall dieser Art seit der Verhängung der Sühnemaßnahmen. Oder glauben Sie vielleicht, daß Sie einen gerechten Abwehrkrieg führen? Glauben Sie einen gerechten Grund zu haben, um in abessinisches Gebiet mit Waffengewalt einzufallen und das arme abessinische Volt mit Bomben zu bewverfen? Daß Sie bei diesem Unternehmen die Männer Ihres Volkes, auch unsere deutschen Stammesbrüder in Südtirol zu Hunderttausenden dem ungewohnten mörderischen Klima von Abessinien ausliefern und so schon de ren Gesundheit und deren Leben schwer gefährden, macht Ihnen anscheinend nicht die geringsten Die Witwe Stawistys hat in einem New Gewissensbeschwerden. Sie persönlich Yorker Broadway- Kabarett eine Stelle als Girl bleiben ja hübsch daheim, im ficheren Hinterland und werden sich sicherlich nicht in gegen einen Wochengehalt von 50 Dollars angenommen. welche in langsamer Ausbreitung gegen Mitteleuropa begriffen sind. Im Zentrum der Kältewelle, dem nördlichsten Rußland, sind die Tem peraturen in der Nacht auf Donnerstag bis auf minus 40 bis minus 50 Grad gefallen. Auch Zentral- Rußland meldet bereits Temperatur- Minima bon minus 10 bis minus 20 Grad. Die Grenze der Ganztags- Fröste hat bereits die Randgebiete Polens erreicht. Auch bei uns ist eine Drehung des Windes nach Nord- Osten mit allmählicher Abfühlung zu erwarten, Wahrscheinliches 23 etter von heute: Vorwiegend umz- gen, namentlich auf den Bergen strichweise Schne fall, allmähliche Abkühlung. Nordost bis Ostwind Wetteraussichten für Samstag: Weitere Abkühlung! Samstag: die vordersten Reihen Ihrer Soldaten stellen, wie es eigentlich ehrlichen wahren„ Führern" zufäme. Sträflinge während des Transports entWenn Sie mir aber nun sagen: Sie führen flohen. Donnerstag vormittags wurden von der einen Krieg, um dem ,, wilden" Volke der Abessi- Lundenburger Schubstation in das Arbeitshaus nier, wo noch die Sklaverei daheim iſt, christlich in Ilava in der Slowakei drei Häftlinge, und Vom Rundfunk europäische Kultur zu bringen, und vor allem, um für Ihr übervöltertes Land neuen Boden und zwar Josef Prekop, Vasil Ilkow und Josef Empfehlenswertes aus den Programment neue Lebensmöglichkeiten zu schaffen, so muß ich Adamik befördert. Alle drei waren gefesselt und darauf erwidern: Sie selbst, ob Sie ein Christ befanden sich in einem Eisenbahn- Sonderabteil. sind und als solcher leben oder nicht, Sie selbst Während der Eisenbahnfahrt gelang es den Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 12.10: werden kaum im Ernste daran glaus Häftlingen, ihre Fesseln zu lösen, hinter der Sta- Unterhaltungsmufit, 13.40: Schallplatten, 16.05: ben, daß man christliche Kultur tion Malaca zwischen Plavecký Štvrtok und 30- Tanzmusit, 17.55: Deutsche Sendung: Meister aus mit Maschinengewehren, Kano hor überfielen sie ihre Eskorte und sprangen ratsmarkt und Brautschau im Braunauer Ländchen, der Blütezeit des a capella Gesanges, 18.15: Heinen und Giftgasbomben verbrei durch das Fenster aus dem fahrenden Zug. Die 18.45: Deutsche Presse, 22.15: Chansons auf tet. Nur ein der Paralyse Verfallener könnte Geflüchteten wurden von Zohor aus verfolgt; Schallplatten. Sender S: 7.30: Unterhaltungsmusik, daran glauben. Und wenn sich jetzt auf einmal das ,, christliche" Europa über die Sklaverei in Abes- bisher jedoch erfolglos. Wie es scheint, sind zwei 14.10: Deutsche Sendung: Der Herr, der nicht finien aufregt ficher ist die Sklaverei als Ver- von ihnen schwer verletzt. tanzt, 18.45: Leichte Musik. brechen zu verurteilen fo möge das christliche Europa, Italien nicht ausgenommen, zuerst vor chesterkonzert, 17.40: Deutsche Sendung: Tänge auf zwei Klavieren. Mährisch- Ostrau 17.15: Schallplatten: Schumann. Breßburg 17.50: Tanz musik. Kaschau 15: Orchesterkonzert. Schmuggler beim Durchschwimmen der Theis der eigenen Türe kehren und möge die ungl. ver- angeschossen. In der Nacht auf Donnerstag machte brecherische Sklaverei des Finanzkapitalismus und eine aus zwei Mann bestehende Patrouille der damit die entsetzliche Ausbeutung von Millionen und Millionen arbeitender Menschen und die schreckliche Arbeitslosigkeit beseitigen Hier wäre ein dankbares Arbeitsfeld für Sie, Herr Duce. Frau gibt darauf keine Antwort, doch der junge Sudetendeutschtum wird das Wort Udes hier Bei der Stimmung in Desterreich und im SS- Mann meint höhnisch zu ihr:„ Mein Täubchen, Sie können ruhig sagen, wer es getan hat." Doch und dort willige Ohren und zu st i mfie zieht es vor, weiter zu schweigen. mendes Echo finden. Zu wünschen aber Nun kommt sie ins Polizeigefängnis Alexanders wäre, daß die Menschen, die im katholi. plak, mit verschärfter Einzelhaft und vollkommenem fchen oder im nationalen Lager Sprech- und Schreibverbot. Tag für Tag, bier diesen tapferen Worten Beifall zollen, in sich Wochen lang, bringt man sie zum Verhör zur Gestapo gehen und mit der gleichen Folgerichtigkeit und herüber. Und eines Tages wird sie ihrem Verlob- Leidenschaft auch die anderen Dittaten, der inzwischen im Columbiahaus gepeinigt toren und Nachäffer der Diktatoren, die wurde, gegenübergestellt. Nicht wiederzuerkennen ist Sitler, Henlein, Starhemberg er, taum fann er noch stehen und angeblich soll er alles gestanden haben. Doch sie schreit ihn an, er anklagen, und daß sie vor allem se I b st folle zur Besinnung fommen und alles, was er ge- etwas dazut un, daß dem verbrecherischen sagt habe, sei doch Unsinn, denn sie hätten doch nichte Treiben ein Ende bereitet werde! getan. Der Mann widerruft alles und nun hat man diese Frau zu uns nach Moringen gebracht, ſpäter bekommt sie noch einen Prozeß, fie wird nie frei tommen. Im Lager hat sie entbunden und auch dieses Kind wird ihr genommen werden, weil sie nicht fähig ist, dieses Kind im nationalsozialistischen Sinne Bu erziehen"! Eine Verhaftung in Jungbunzlau. Um der Mord an Paula Flodermann aufzuklären, hat di Genda nerie bisher 85 Personen einvernommen. Der Verdacht richtete sich vor allem gegen einz Freundin der Ermordeten, dann einen wegen Diebstahls flüchtigen Kellner, der verhaftet wurde, abec jein Alibi nachweisen konnte, und schließlich gegen Brünn 12.35: Or Frankreichs ,, Jubiläums- Kabinett" bei der ersten Sitzung Das Kabinett Sarraut tann den Ruhm" für sich in Anspruch nehmen, die hundertste Regierung seit der Ausrufung der französischen Republik im Jahre 1870 zu sein. Man sieht hier die Kabinettsmitglieder bei der ersten Beratung im Palais Matignon. Nr. 26 " Der Arbeiter Frankreichs." der| das Freitag, 31. Jänner 1936 Beite 5 Lehten Berteilung der Cherniegion echielt Die Auslandsdeutschen im Dritten Reich GEDENKET Kreuz auch ein gewisser Charles Guilbert, Grabeur von großer Handfertigkeit und Talent. Die hohe Auszeichnung ist Mr. Guilbert auf Vorschlag des Kriegsministeriums unter der Bezeichnung dem besten Arbeiter Frankreichs" verliehen worden. Guilbert steht im 55. Lebensjahr und betreibt sein Handwert seit 36 Jahren; er hat in dieser Zeit Medaillen für das Kriegsministerium entworfen. Kaffenbote überfallen. Mittwoch abends wurde in Berlin ein Kassenbote auf dem Hof eines Hauses am Kurfürstendamm von zwei noch unbekannten Tätern überfallen und niedergeschossen. Den Räubern fielen Bargeld und Schecks im Werte von 15.000 Mark in die Hände. Der Ueberfallene liegt mit lebensgefährlichen Verlegungen im Krankenhaus und konnte bisher nicht vernommen werden. Die ,, doppelte Buchführung" des Systems Von einem Auslandsdeutschen", der die lange nur noch von seiner stillen Wut gegen die aus" bei allen Anlässen Eine ganz andere Frage ist es allerdings, inRechtsansprüchen der„ Auslandsdeutschen" durch ihre wieweit die flaue Unterstüßung von Beschwerden und Konsulate geeignet ist, diese Auslandsdeutschen" für nazistische Erpressungen in solchem Grade gefügig zu machen, daß die erpreßten Handlungen oder Duldungen mittelbar oder unmittelbar zum Schaden des Heimatstaates der Auslanddeutschen" selber führen können. Verhältnisse in der ſeit anno 38 start ange- landsdeutsche Konkurrenz überboten wird; noch weit der Arbeiterfürsorge! schwollenen auslandsdeutschen und insbesondere weniger liest und kauft das Blatt jene zahllose polifudetendeutschen Kolonie in Berlin sehr gut tische Bohème von„ Auslandsdeutschen", die der tennt, erhalten wir nachfolgende Betrachtung, DA, der„ Sudetendeutsche Heimatbund" und ähnWarum bemüht sich Herr Dr. von Loesch um die eine Reihe bemerkenswerter Fragen auf rollt und auf einige wichtige Punkte in der liche Irredentistenverbände in der angegebenen Ab- Radauberichte und Photos über sudetendeutsche Not, Tätigkeit des Hitlersystems hinweist. sicht unterstützt, eine Reservearmee für künftige ,, Ab- die vom Grafen Steenbock- Fermore sein und stimmungen" über die vorwiegend deutschen Rand- Deutschland betreffen könnten? Warum will Fischer Es gibt ganze Provinzen außerhalb Deutsch gebiete der Tschechoslowakei anzusammeln, die sich Photographenexpeditionen ins Erzgebirge schicken lands, die insgesamt so intelligent sind, wie der eine ihr Stimmrecht erhalten muß und deshalb nicht ein- wie nach Afrika, ungeachtet des Schweigens neureich„ Auslandsdeutsche" als lästige Ausländer selbst rung und der Zulassung zu regulärer Arbeit in Slum- Volksküchen in Kantstraße und Werner Sievan der Lubbe. Unbelehrbar dadurch, daß das Hitler gebürgert werden darf. Da zwischen der Einbürge- deutscher ,, Kameradschaft" vor den grauenhaften dann ausweist, wenn sie Sa- Leute waren, aber zu Deutschland der bekannte Cireulus vitiosus besteht, mensstraße in Charlottenburg, wo die Menschen Militär- oder Industriespionagesweden nicht weiter ist es flar, daß die Reservearmee mit Ausnahme allein von der chinesischen Unsauberkeit der Steſſel gewillt oder tauglich find. Unbelehrbar bleibt die einiger Weniger, die sich irgendwie„, unentbehrlich" frank werden? Luftgeschäfte haben ihre gottgewollten Greta Garbo- Briefe. Einen Teil ihrer Bopus auslanddeutsche Provinz gegen Sinn und Gebrauch zu machen verstanden, nur vom Schnorren und poli- Grenzen. Wird der Delegierungsbetrieb zu einer Tarität verdankt Greta Garbo der Tatsache, daß jeder des Wortes„ Auslandsdeutscher" überhaupt, das in tischer Kurzarbeit überhaupt existieren kann. Daß seitlich und mengenmäßig nicht mehr beschränkten an sie gerichtete Brief beantwortet wird. Und das Hitlerdeutschland wie die gezeichnete Karte eines be- eine ,, Abstimmung" staatsrechtlich unmöglich und eine Industrie, so sehen und fühlen" die Delegaten ist bei rund 1100 Briefen täglich keine Kleinigkeit. rufsmäßigen Falschspielers angewandt wird. In Abtretung der deutschen Gebiete allein für Deutsch- mehr, als sie sollen. Sie kommen verschnupft und Aber ihr Sekretär Norbert Haller hat eine ausge- der offiziellen deutschen Rechtssprache gilt als Aus- land wirtschaftlich geradezu intereffenwidrig ist, weiß aufgeklärt heim. Und einer sagts dem andern. zeichnete Methode gefunden, die schwierige Aufgabe landsdeutscher" überhaupt nur der Reichsangehörige, der VDA. Warum sammelt und unterstüßt er eine zu bewältigen. Er hat nämlich zwanzig Stans der zufällig seinen ständigen Wohnsiz im Ausland Reserbearmee lästiger Ausländer dardbriefe geschaffen, die für alle vorkommen hat. In der Sprache des VDA, des Propagandas Billigung der reichsdeutschen Behörden? Warum mit Wissen und den Fälle ausreichen müssen. Diese Briefe find ministeriums, des Dr. von Loesch und der gesamten wird der Schnorr des VDA nicht nur halbamtlich numeriert, und er braucht nur die Nummer anzu- Nazipreffe bedeutet aber das Wort gerade das in der Universität betrieben, sondern oft an ganzen geben, damit die entsprechende Antwort erteilt wird. Gegenteil: den deutschen Ausländer, der darauf spe-„ Sammeltagen für das Auslandsdeutschtum" derart Uebrigens sind„ nur" zwei Drittel der Briefe an fuliert ,,, heim ins Reich" geholt zu werden. Sobald öffentlich und offiziell, mit allem Trommelfeuer die Garbo ausgesprochene Liebesbriefe. Ansonsten man ihn nicht mehr braucht, holt man rasch die einer gleichgeschalteten Breffe einbegleitet, daß sich werden Auskünfte aller Art erbeten. offizielle Wortbedeutung hervor und beweist dem die bange Frage erhebt: hat der offizielle Nazischnorr Kirchenraub und Pogrom. Die Wallfahrts- Erstaunten mehr oder minder schlagend, daß das nur ausnahmsweise sein Monopol mit dem VDA firche von Tschenstochau wurde beraubt. In der Be- Gesez und die Weihnachtsbotschaft des Herrn Heß geteilt, oder ist der VDA überhaupt nichts anderes sen Raub ausgeführt haben. Die erregte Menge sprechen; und daß der Patient also gar nicht ist, was ziellen Schnorr? Warum besteht für deutsche ausplünderte jüdische Geschäftsläden. Viele Personen er ist, sondern ein I äftiger Ausländer. ländische Studenten ein offen zugegebener 3wang, Denn Treue reimt sich auf nordische Schläue. wurden verhaftet. der studentischen ,, Untergliederung" des VDA, dem Das ist leider kein Wortspiel, sondern die DASt, anzugehören, mit der Begründung, daß Sache: es gibt eine bewußt doppelte Buch dieser bessere Verbindung ins Ausland habe und führung in der Behandlung der die ,, auslandsdeutschen" Studen Auslandsdeutschen", auch wenn sie ten besser tontrollieren könne? weder bequeme Marristen noch unbequeme SA- Warum wohnen ,, Amtswalter" und Stipendisten der Leute find. Im Juli 1935 waren die Vorzimmer VDASt förmlich kaserniert in dem weiland ,, Demader Berliner Generalkonsulate bevölkert von Aus- Gogen"-Staatsgefängnis, dem Schloß Köpenick bei landsdeutschen", bei denen typisch dieses Schicksal wiederkehrte: jahrelang, zum Teil von Geburt in Deutschland, werden sie von einem Vertrauens rat"( Betriebsrat) unter Drohung mit Denunziation wegen staatsfeindlicher Gesinnung" gegen den Willen des Arbeitgebers aus dem Arbeitsplats, freiwillig" hinausgeworfen. völkerung verbreiteten fich Gerüchte, daß Juden die troß aller Gleichſchaltung nicht dasselbe Deutſch als Vorſpann und Vorwand für den üblichen offi Volkswirtschaft und Sozialpolitik Zivile Gefängniskontrolle. Der Justizminister hat für dieses Jahr u. a. den Genoffen Senator adenberg mit der bürgerlichen Gefängniskontrolle in der Anstalt für kranke Sträflinge in Müra u betraut. Der Drachenwagen. Die britische Botschaft erhielt vom Taschilama aus Kokonor in Tibet eine Beileidskundgebung zum Ableben König George, geschrieben in der Sprache des Tibet, in der es in sehr farbigen Ausdrüden heißt: Ich erfahre, daß der König den hohen, von einem Drachen gezogenen Wagen bestiegen hat. Ich spreche dem neuen Herrscher und dem britischen Volke meine herzlichen Glückwünsche aus. Ich hoffe, daß sie sich über den schweren Verlust trösten werden." " # In der letzten Zeit hat ein tschechoslowakischer Zur Näson gebracht. An der Rechtsfakultät der Straffenat im Beweisverfahren eines SchuhgefeßPariser Universität wurden Montag in aller Ruhe prozesses fich mit einer Anfrage an das Außenminidie Vorlesungen wieder aufgenommen, an welcher fterium gewandt. Es wurde ihm fragwürdig, wieso die normale Studentenzahl teilnimmt. Professor deutsche Ausländer in Deutschland einesteils selbst Jeze, gegen den bekanntlich die studentischen Demoniener spärlichen Rechtswohltaten weitgehend beraubt strationen gerichtet waren, wird Donnerstag seine werden, die durch gegenseitige Staatsverträge als gesichert gelten sollten, während andernteils eine Vorlesungen aufnehmen. Berjüngung sogar auf den Thronen. Nach faum landesübliche Ueberschüttung deutscher Ausdem Tode Georgs V. herrschen nunmehr in den mei- länder mit Courteoisien, Gastfreundschaften und ſten Monarchien Könige, die einer jungen Gene- Subventionen erfolgt, ja der deutsche Ausländer auf ration angehören. König Karol von Rumänien und manchen Arbeitsplätzen geradezu faft eine Privile König Boris von Bulgarien sind beide Anfang der gierung vor dem Inländer genießt. Vierziger, also gleichaltrig mit König Eduard VIII. König Leopold von Belgien ist gerade 40 Jahre alt. Der jüngste der europäischen Könige ist Peter II. von Jugoslavien, der erst 12 Jahre alt ist. Der älteste aller regierenden Fürsten ist der König von Schweden. Am längstens herrschen Viktor Emanuel III. von Italien und die Königin Wilhelmine der Niederlande. Das Ende des Schuldgefängnisses Von Hugh Jones( London) An der Nachricht, daß mit Beginn des neuen Jahres das Schuldgefängnis in England abgeschafft ist, dürfte fontinentale Leser vor allem der Umstand in Erstaunen sezen, daß es das bisher noch gegeben hat. " Gerade hundert Jahre ist es her, daß Charles Didens in seinen Bidwidiers" in der ihm eigenen halb humoristischen, halb sentimentalen Art die grotesken Rustände in dem damaligen Londoner Schuldgefängnis in der Fleet Street beschrieben hat. Darin hausten einerseits Leute, die ihre Schulden nicht zahlen wollten, son dern sichs lieber innerhalb der Gefängnismauern, in von forrupten Sterkermeistern um teures Geld gemieteten Zimmern, nach ihren Begriffen gut gehen ließen, den ganzen Tag rauchten, foffen, rauften, Karten spielten, so daß das berüchtigte Fleet" mehr einer wüsten Kantine glich als einem Gefängnis; auf der anderen Seite aber der Armenseite", wie sie genannt wurde " Berlin? Ein Unternehmer für Verkürzung der Arbeitszeit In der Wirtschaft" veröffentlicht der Direktor der Witkowizer Werke Emil or net einen polemischen Artikel gegen den National bankgouverneur Prof. Dr. Engliš, in welchem er sich auch mit der Frage der Arbeitszeitberfürzung befaßt. Korner schreibt: Warum wird in der Hochschule für Politik Der Spartrieb, der die Erweiterung der Pro gegen alle Randstaaten Deutschlands, einschließlich duktionsapparatur ermöglicht, muß zwangsläufig der Schweiz, gehezt und geschimpft? Warum gehen und folgerichtig zu Steigerung des Einkommens im Haus des Verlages Volt und Reich", Potsda- oder Herabseßung der Arbeitszeit führen. Beides merstraße 7a, Kuriere einer bekannten judetendeut- ist vom Gesichtspunkt der in der Volkswirtschaft schen Front ein und aus und werden dort von dem berbundenen Gesamtheit als zur Verwirklichung fudetendeutschen Irredentisten Rudolf Fischer aus des menschlichen Ideals gewollt zu betrachten: Gablong empfangen und erhalten Weisungen? War- Maximum an Einkommen erzielt durch Minimum können die beiden Gablonzer Jrredentisten an Arbeitszeit. Bürger in der Potsdamerstraße 118a ein illegales fudetendeutsches Korrespondenzbüro unter dem Namen Schula" unrichtig bei der Polizei gemeldet haben? Warum besorgt die Polizei den Vertrieb und die Einmahnung von Fragebogen des Sudeten deutschen Flüchtlingskomitees in Dresden? um Ohne Betätigung der Schraube Arbeitszeit" mußsparenzwangsläufig zur Krise führen, jenem tranthaften Bufand, der aus dem Burfickbleiben des Güterverbrauches gegenüber der Güter Erzeugung entstanden sich am fühlbarsten in der ArbeitsWarum hat bei den nicht seltenen Naziflagen losigkeit großer Massen bis dahin werktätiger Beoder offiziellen Demarchen noch niemand darauf völkerung äußert. Wenn und weil Vergrößerung aufmerksam gemacht, daß selbst der Wortlaut des der Apparatur nicht mit entsprechender Vergrö Paragraphen 301 Reichsstrafgesetzbuch ausdrücklich gerung der Nachfrage korrespondiert, muß sie Ein paar Tatsachen:- die„ auslandsdeutsche" nur für berbündete" Staaten die Gegenseitigkeit leberproduktion auslösen. Das hat mit UeberRevue Volt und Reich", Potsdamer Straße 7a, der Vorfolgung von Angriffen auf auswärtige fättigung nichts zu tun, sofern man geringe Arsteht unter Aufsicht und Protektorat des Propas Staatsoberhäupter" gewährleistet, und die min- beitszeit als menschliches Ideal, desen Verwirk gandaministeriums. Sie ist ersichtlich ein fostspieliges destens halboffizielle Pragis der Berliner Hoch- lichung gewollt ist, betrachtet. Unter Strise ist eben Buschußunternehmen. Die dickflüssige Halbwissen schule für Politit jedenfalls den leisesten Ansatz zu jener Zustand zu verstehen, der zur Arbeitslosigschaftlichkeit ihrer Abhandlungen liest fein Mensch, solcher Gegenseitigkeit vermissen läßt, da sie sonst feit führt, weil bei achtstündiger Aram wenigsten der Inländer, dessen Ahnungslosigkeit ihre prominentesten Dozenten und VDA- Führer beitszeit mehrerzeugt wird als abund Interessenlosigkeit für„ auslandsdeutsche" Be- maßregeln müßte? gesezt werden kann. " den langsamen Qualen des Hungertodes erliegen schütternde Geschichten zu erzählen; so die von| Nichteinbringungsfalle", wie es so schön heißt, müßten, wenn sie nicht von ihren Mitgefangenen einem einundsiebzigjährigen beinahe blinden wurden bisher hier, und werden noch in den meiMr. Pidwid und dessen getreuen Sam Weller zu 42 Tagen Haft verurteilt worden war, ob- Fünf Shilling oder eine Woche"," Dreißig aus dem Fleet- Gefängnis befreit und sie in der wohl seine Mittellosigkeit feststand, oder die eines Shilling oder einen Monat", das war die übliche Postkutsche davonfahren läßt, da läßt er den stets gar vierundachtzigjährigen, der mit einer Raten Formel, und lief das Geld zur festgesetzten Zeit unterstüt würden." und als er ſchließlich seinen Mann, der wegen Nichtbezahlung seiner Steuern ſten anderen Ländern, Haftstrafen vorgesehen, gutgelaunten Diener ausrufen: ..Ich wollte nur diese Pferde, da wären ihre guten drei Monate im Fleet getvesen, Sir." „ Und warum, Sam?" fragte Mr. Pickwick. „ Ei, Sir", rief Mr. Weller, sich die Hände reibend, die würden laufen!" zahlung im Rückstand geblieben war und diesen nicht ein, so erschien. automatisch ein PolizeioffiRückstand nicht tilgen konnte... Und ich weiß von zier mit dem Haftbefehl in der Wohnung des noch schlimmeren Fällen", fügte Dr. Univin hin- Sünders und holte ihn ins Gefängnis ab. Von zu... nun ab wird der Mann nochmals zu Gericht ziAuf der anderen Seite gab es allerdings tiert werden und der Richter hat sorgfältig die auch heitere Begleiterscheinungen der Schuldhaft. Ursachen der Nichtzahlung zu prüfen. Er fann Zum Beispiel Stammgäste des Schuldgefäng- nicht bloß Zahlungsaufschub und Teilzahlungen So schlimm nun wie in dem alten Fleet" nisses, die sich alljährlich pünktlich auf ein paar bewilligen, sondern auch die Strafe ganz erlass ist es in Brixton und den übrigen Gefängnissen, Wochen einfanden und auf diese Weise ihre ſen, wenn es sich herausstellt, daß der Verurteilte in denen die säumigen Schuldner Englands bis- Steuern bezahlten. Sehr rationell freilich war ein armer Teufel ist. her gehalten wurden, natürlich bei weitem nicht dieses Verfahren gerade nicht; der um seine Auch sonst atmet das Gesetz mit seinen DurchSteuern betrogene Staat mußte die Steuerscheuen führungsbestimmungen durchaus modernen, s0= nun noch aus den Geldern der pünktlichen Steuer- zialen Geist. Bei der Verhängung von Geldstrazahler wochenlang erhalten. mehr gewesen. Auch war es nicht mehr so, daß einfach jeder Gläubiger sein Opfer auf unbe schränkte Zeit in den Schuldturm werfen lassen fonnte. Die überwiegende Mehrzahl der Schuldgefangenen war vielmehr in Haft gefeßt worden, weil sie die ihnen auferlegten Geldstrafen, 黃 fen ist auf die wirtschaftliche Lage des Anges flagten Rücksicht zu nehmen; ein Pfund Ster ling für irgendeine Verkehrsübertretung bedeuSteuern oder Unterhaltsbei- fchon lange darauf, die Reste der alten Schuld- Rolls Royce als für den Taxichauffeur, der von Die englische öffentliche Meinung drängte ter ganz etwas anderes für den Herrenfahrer im träge an Frau und sind nicht bezahlt hatten. haft, die fich so zäh erhalten hatten, zu beseiti- feinem Lohn eine Familie zu erhalten hat. Bei Leute, die ihre Schulden nicht zahlen konnten. Immerhin hatte ihre Zahl bis zuletzt nicht weni- gen. Zwei Oberhausmitgliedern der Arbeiterpar der Eintreibung von Alimenten ist vor allem dar mehr als tei, den Lords Snell und Arnold, gelang es endDie Lage dieser Menschen war um so furchtbarer; ger als 20.000 im Jahr betragen auf zu sehen, daß die Frau zu ihrem Geld kommt, fte fonnten weber für Roſt noch Logis bezahlen ein Drittel der gesamten Gefängnisbeböl- lich, die Gesetzgebungsmaschinerie in Bewegung nicht darauf, daß der Wann bestraft wird; davon zu sehen. Vor einem halben Jahre wurde das Geund wurden aus den Geldern, die bei menschen- ferung Großbritanniens! Und bereinzelt zumindestens gab es unter fetz über das gerichtliche Verfahren bei Geld Auch Steuern fönnen ermäßigt oder erlassen werdaß er in der Zelle sibt, kann sie nicht leben! freundlichen Leuten für sie zusammengebettelt morden waren, auf das jämmerlichste verpflegt. ihnen auch Fälle, die den von Dickens geschilder- zahlungen" beschlossen. Nunmehr ist es in Kraft den. Handelt es sich nicht um beabsichtigte Hinten an Tragik kaum nachstanden. Im vergan- getreten. terziehung, so fährt der Staat gar nicht schlecht genen Sommer erst ist ein Buch erschienen: The Es macht es fürderhin unmöglich, daß dabei. Er wird durch das neue Gesetz jedenfalls Scandal of Improsonment for Debt"( Der Leute, die ihre Steuern, Strafen oder Alimente rund ein Drittel der Ausgaben für die GefanStandal der Schuldgefangenschaft"). Der Ver- nicht zahlen können, deswegen ins Gefängnis ge- genen ersparen. faffer, Dr. J. D. Unwin von der Universität ſetzt werden. Nur diejenigen, die sie weigern, die Cambridge, hatte 498 Schuldner im Gefängnis vom Gericht vorgeschriebenen Zahlungen zu leibesucht und ihre Fälle genau geprüft. sten, obwohl sie die Mittel dazu haben, oder die Nur langsam und schrittweise werden die Aber das Erbarmen der Vorübergehenden 3m allgemeinen fam er zu dem Ergebnis, sich durc, schuldhafte Nachlässigkeit" diesen Zah- Ruinen der Vergangenheit in England niedergescheint nicht allzu groß gewesen zu sein. Denn daß diese Menschen wie hilflose Fliegen in die lungen absichtlich entziehen, fönnen, wie in an- rissen. Aber Humanität und Common sense" Dickens schrieb:„ Steine Woche geht über unsere Maschen des Gefeßes und einer Verwaltungspra- deren Ländern auch, eingesperrt werden. Ja, die errichten solide Bauwerke des zwanzigsten JahrSäupter dahin, ohne daß in jedem unserer ris geraten waren, die ihnen so gut wie feinen Situation für die zu Geldstrafen Verurteilten ist hunderts an ihrer Stelle. Schuldgefängnisse mehrere dieser Unglücklichen Ausweg ließ". Im einzelnen hat er manche er- jetzt hierzulande günstiger als anderwärts. ,, 3m In der Mauer des Fleet- Gefängnisses war eine Art eiserner Käfig angebracht, in den ein beson ders hungrig aussehender Gefangener gestecki wurde, der von Zeit zu Zeit mit einer Gelbbüchse raffelte und in fläglichem Tone rief: Erbarmi euch der armen Schuldner! Erbarmt euch der armen Schuldner!" * Scite 6 TAX Prager Zeitung ,, Sozialdemokrat gewonnen wird. Ferner wurde auf diese Weise die Anlegung eines Kinderspielplages ermöglicht und eines Parkes, der gleichfalls ein Glied des grünen Gürtels" bilden soll, vorbereitet. Durch eine ein amatay2 29 schneidende Regulierung der Wege wurde aber auch die früher vollkommen abseitsliegende und recht verwahrloste Kolonie 3 a oro u" durch zwei orFahrt durch Prager Notstands- Arbeitsstätten niche Straßen an die Hauptstraße angeſchloſſen, Eine Presse- Exkursion Prag. Gestern veranstaltete die technische Sektion des Prager Stadtrates unter Führung des Oberrates Ing. Vondrous et und des Ing Vanický eine dankenswerte Presseerkursion, die den Journalisten Gelegenheit geben sollte, sich von der Durchführung und Organisation der im Rah der Arbeitslosenaktion durchgeführten Notstandsarbeiten an verschiedenen Arbeitsstätten durch eigenen Augenschein zu unterrichten. Diese Exkursion bildete eine Ergänzung zu dem Presseempfang vom 20. Jänner durch den Primatorſtellvertreter Dr. Stů I a, bei welchem die zuständigen Referenten theoretische Informationen über den Stand und die Ziele dieser Hilfsaktion erteilt hatten. men Bekanntlich setzt sich die Arbeitslosenfürsorge Prags in ihrer neuen Organisation das Ziel, soweit als nur möglich eine produktive Fürsorge zu sein. An Stelle der früheren Unterstüßungen traten unter städtischer Subvention ordentliche rbeitsverhältnisse bei Ausführung gemeinnüßiger Arbeiten, wodurch an 16.000 Arbeitslose wenigstens teilweise in Arbeit gefekt wurden. Der Beschäftigungsgrad ist nach dem Familienſtand abgestuft von zwei bis fünf Arbeitstagen pro Woche zu Kollektivvertragslöhnen und allem Zugehör eines regelrechten Arbeitsverhältnisses( Sozialversicherung usw.). Unverständnis und böser Wille haben in gewissen Blättern diese Notstandsarbeiten als überflüssigen Lurus hinzustellen versucht. Zur Abwehr dieser Angriffe lud nun der Prager Magistrat die Presse zunächst zu einer informativen Aussprache, an die sich auf Wunsch der Journalisten eine Besichtigung anschloß. * Gebietsmäßig sind die Prager Notstandsarbeiten in zehn Rayons eingeteilt. Sachlich umfaffen sie folgende Gruppen: 1. Besonders massive Regulierungsarbeiten großen Stils( Masaryk- Stadion, Bulovka, Žižkaberg u. a. insgesamt elf); 2. Regulie rungen verschiedener Kommunikationen( Neu- und Umbauten bon Straßen, ferner Ausbau von Siedlungen insgesamt an vierzig); 3. Arbeit in Steinbrüchen, Sand- und Lehmgruben, die als Materialbasis dienen; 4. Regulierung und Neuanlegung von öffentlichen Parks, Spielplägen u. a. sozialhygienischer Einrichtungen( insgesamt 20); 5. Aufforstung neuer Waldbestände in der Prager Umgebung( Grüner Gürtel); 6. Kanalisations- und ähnliche Erdarbeiten; 7. Arbeiten zur Straßenerhaltung. * Die Exkursion hatte Gelegenheit einen Ueberblick über die Organisation aller dieser Arbeitsgruppen zu gewinnen. Die Besichtigung erstreckte sich freilich nur auf einen der zehn Gebietsrahons, und zwar auf den Rayon Vysočan Lieben Hloubětin Prosek und nahm, obwohl die von der Stadt beigestellten Autos sich sehr beeilten und die mehr als zwanzig Aufenthalte auf ein Minimum eingeschränkt wurden, den ganzen Vormittag in Anspruch. Die erste Station galt dem Zifabergplateau, deffen Regulierung zu den großen Projekten der Notstandsarbeiten gehört. Nach den Anpflanzungsarbeiten auf dem Karolinenthaler Abhang und dem Wegbau zwischen Zizkov und Karolinenthal ist die Anlegung einer repräsentativen Zufahrt zu der Gedenthalle projektiert, nebst gründlicher Regulierung aller sonstigen Wege. Von dort ging die Fahrt zu den Steinbrüchen oberhalb der ,, Bezovka" und neben der Kapselfabrik, wo im Rahmen der Notstands arbeiten gutes und billiges Steinmaterial gebrochen wird, wobei weitere Einsparungen durch die Verbilligung des Transportes sich ergeben, da das Material in der Nähe der übrigen Arbeitsstätten liegt, was um so notwendiger ist, als was sich bald in günstiger Weise auswirken wird, wie verschiedene Neu- und Umbauten bezeugen. Nicht unerwähnt darf bleiben, daß sich der Zufluß beitseinkommens unter der berelendeten Bevölke= rung heilsam geltend macht. muß, um den Lohnanteil so hoch wie möglich zu eines, wenn auch schmalen, aber doch ständigen Argestalten. Die Umgebung dieser beiden Steinbrüche wird übrigens für Anlagen und Spielpläge hergerichtet und wird einmal einen Bestandteil des fünftigen grünen Gürtels" bilden sehr begrüßenswert für eine Stadt, die so arm an Anlagen ist, wie Prag. Von dort führte die Fahrt über Vysočan, wo bei mehreren Regulierungsarbeiten an Straßen und am Bachbett des Rofytkabaches zahlreiche Arbeitslose Beschäftigung finden. Bemertensivert ift das Anpflanzungsprojekt auf dem Gelände des ehe maliges Hrdložezer Ererzierplages, auf welchem 1200 Kirschbäume gesetzt wurden, bei gleichzeitigem Ausbau der verkehrstechnisch wichtigen Verbindungsstraße Lieben- Hrdlořezy. Besonders ins Auge fallen aber die im Rahs men der Notstandsarbeiten getätigten Leistungen im Raum zwischen Kyje. Hrdlořez und Hloubětin, den die Exkursion von mehreren Richtungen aus besich tigte. Vor allem geht es hier um die Anlegung von Wegen und Straßen über den unwegsamen Hügelfamm zwischen Kyje und Hloubětin, der für den regen Verkehr zwischen den beiden Orten ein schweres Hindernis bildet. Hier ist ganz Außerordentliches geleistet worden, wobei wiederum das Material höchst rationell aus einem nahegelegenen Steinbruch 26 Diebstähle eines Ehepaares. Der 37jährige Schlosser Franz Matejka und seine Frau, die 22jährige Milchhallenbesizerin Karla Matejka aus NeuSibřin, wurden gestern wegen zahlreicher Diebstähle verhaftet, die sie bei Privatauktionen und ähnlichen Anlässen berübt hatten. Während Matejka die zum Verkauf angebotenen Gegenstände begutachtete, ließ seine Gattin einen Teil davon mitgehen. Zwei andere Frauen, die an Stelle Frau Matejkas Matejka häufig assistiert hatten, wurden ebenfalls verhaftet. Insgesamt wurden dem Ehepaar bisher 26 Diebstähle nachgewiesen. Verkehrsunfall. Auf der Liebener Brüde turden vorgestern abends der 24jährige Arbeiter Wenzel Kulič aus Prag- Weinberge und der 31jährige Schus fter Heinrich Hybs aus Chodov beim Ueberschreiten der Fahrbahn vom Personenauto 22.612 des Chauffeurs Josef Valenta aus Lieben überfahren und schwer verletzt. Beide erlitten eine schwere Gehirnerschütterung, Hybs außerdem einen Bruch der Halswirbel, der tödlich sein dürfte. Sie wurden vom gleichen Auto auf die Klinik Jirasek gebracht. Kunst und Wissen Die Exkursion führt bis weit außerhalb des Stadtgebietes, bis gegen Běchovice, wo im Rahmen der Anpflanzungsaktion 1600 Nußbäume gesezt wurden. Die Teilnehmer hatten Gelegenheit, sich von den scharfen Maßnahmen zur Sicherung einer Lohntontrolle Freitag, 31. Jänner 1936. Nr. 26 Sozialistische Jugend, Krels Prag beruft ein für den 29. Feber und 1. März 1936 thre Kreiskonferenz Tagesordnung: 1. Die Gegenwartsprobleme der sozialistischen Jugend; Aufgaben und Wege der Aelterenarbeit. 2. Arbeitsbericht. 3. Diskussion über die geleistete Arbeit. 4. Neuwahlen. 5. Unser Reichsjugendtag. 6. Freie Anträge und Ausblick. Ort und Zeit wird bekanntgegeben. Pra g, am 29. Jänner 1936. Die Kreis itung. Vereinsnachrichten zu überzeugen, die durch eigene Organe darüber wacht, daß die Arbeiter nicht verfürzt werden. Mit besonderem Stolz zeigte der Exkursionsleiter zum Schluß den Straßenbau von Střižkov, der zu den großen Projekten gehört, auf deren Organisation die technische Leitung besonders stolz ist, um so mehr als diese Straße nicht nur ein Segen für Der beliebte Faschingsball des Klubs deutscher die Bewohner dieser weglosen Gegend bedeutet, sondern als bedeutende Ader des Prager Durch- Buchdrucker in Prag findet 1. Feber, 8 Uhr abends, gangsverkehrs im Straßennez des mittleren Böh- im Deutschen Handwerkerverein, Smetschkagasse, statt. Urtomisches Mitternachtsprogramm. Musik mens eine Rolle spielen wird. Zum Abschied betonte der Exkursionsleiter, daß fapelle Papert. Eintritt 13 Kč einschließlich Steuer. die in solche Notstandsarbeiten investierten Beträge nicht nur eine Hilfe für 16.000 Arbeitslose bedeuten, sondern gleichzeitig sozial produktive Aufwendungen im Interesse der Allgemeinheit. rb. nen Else Brömses) durch unverkennbares Gesangs talent, schön geführte Soubrettenstimmen und bes achtliche Musikalität. Im übrigen aber hörte man Sänger und Sängerinnen, die man besser der Oeffentlichkeit noch nicht vorgeführt hätte und denen man einen Wechsel der Lehrmethode anraten möchte. I. g. Vier volkstümliche Vorstellungen in der Kleinen Bühne: Heute 84 Uhr„ Das unbekannte Mädchen"; Sonntag 3 Uhr ,, Die Dame mit den Türtisen"; Sonntag 8 Uhr„ Der Lügner und die Nonne"; Montag ,, Kameraden"( zum ersten Male boltstümlich). Bei den genannten vier Vorstellungen Preise: Nur Kč 6.- 12., 18.-. Erika Mann und das Ensemble der Pfeffermühle" bringen ab 1. Feber in der„ Unitaria" die vor kurzem in der Schweiz mit großem Erfolg uraufgeführten zwei literarischen Revuen Agentur für Wunderliche" und" Die Familie". Beginn 20.15 Uhr. Vorverkauf: Wezler, Truhlář. " Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Freitag, halb 8: Eine Nachtin Venedig, 21. Samstag, halb 7: Tristan und Isolde, Gastspiel Any Konezni, A 2. Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag, 8: Das unbekannte Mädchen, volkstümliche Vorstellung. Samstag, 8: Was Ihr wollt. Die Deutsche Musikakademie stellte am Mitt aus der Partei ,, Der Kongres tanzt", Maskenball der Union der Geschäftsreisenden und Vertreter, am 8. Feber b. J. im Steinersaal des Lidový dům, Prag II., Sybernsská 7. Reflamationen und Tischbormerkungen im Sekretariate der Union, Prag II., Na Zbořenci 3248 Nr. 18. Der traditionelle Angestellten- Ball der Orts gruppe Prag des All- A- Ver findet am 29. Feber ( Samstag) im Heinesaal statt. Reklamatio= nen an die Ortsgruppenleitung, Prag II., Fügnerobo nám. 4. Bezirksorganisation Prag der deutschen sozialdem. Arbeiterpartei Freitag, den 31. Jänner 1936, im gro en Saale des Gewerkschaftshauses, Prag I., Perštýn, um acht Uhr abende Bartei- Mitgliederversammlung Referent: Genoffe Abgeordneter Wenzel I affch. Die tschechoslowakische Demokratie vor neuen Aufgaben". Mitteilungen aus dem Publikum Früher nannte man es Influenza, aber die Zeiten haben sich geändert und auch die Influenza ist ,, mit der Zeit gegangen" und hat sich zur bösFreisartigen Grippe ausgewachsen! Um so mehr muß ihr woch ihre Leistungsfähigkeit und Existenznotwendig feit trefflich in einem hortonzert unter Beweis, das durchwegs religiöser Klassischer Kunst Bezirksverein Arbeiterfürsorge", Prag. gewidmet war. Schon in den ,, Drei biblischen Szenen" von Heinrich Schüz, mehr noch mit der Bach- tag, den 31. Jänner, um 7 Uhr abends im Odborobh dum wichtige Ausschußsizung. Kanatate ,, Eine feste Burg.." und vollends mit einem Händel- Psalm ließen schön und diszipliniert musizierende Streicher und der intelligente und erstaunlich flangstarte gemischte Chor aufhorchen, eratt und energisch betreut von Kapellmeister Leo Franz, der insbesondere mit der Bach'schen Choralfuge und dem Händelschen Schluß- Choral aus Sängern und Instrumentalisten Erstaunliches herausholte, immer getreu und überzeugend den Stil wahrend, dynamisch fein schattierend. Nicht ganz se glücklich wie Chor und Orchester( und übrigens auch der sicher das Continuo betreuende Heinrich Berg) schnitten diesmal die Gesangssolisten ab. Zwar erfreuten die jungen Akademikerinnen Melitta die sonstige Regie weitgehend entlastet werden Scharf und Anny P o II at( beide Schülerin Die Stadt im Teufelsloch Wir haben, von Tripolis fommend, die Höhe des Parnongebirges in steilen Serpentinen erflommen. Ein tiefer, gewaltiger Taltessel liegt plötzlich vor uns, von Nebelschwaden über lagert. In beängstigend schneller Fahrt geht es die steilen Bergabhänge hinunter, der Ebene zu. Betlemmende Ungewißheit schreit uns von unten entgegen! Wohin geht die sausende Fahrt? Noch streitet der Tag mit der weichenden Nacht. Der Himmel hat eine schmuziggraue Töund rechtzeitig! begegnet werden: der AlpaFranzbranntwein, tropfenweise dem Gurgelwasser zugefeßt, desinfiziert die Mundhöhle und Atmungsrege und zu regelmäßigen Einreibungen benut, Arzt! Der beiliegende Erlagschein ist zur belebt und stärkt er den Körper! Fragen Sie Ihren Bezahlung der Abonnementsgebühr zu verwenden! schädigt Wer im Rückstande bleibt, die Partei und deren Tresse dill Die Verwaltung Urania- Kino, Klimentská 4. Fernsprecher 61623. ,, Das Schwarzwaldmädel" 22 Buftiae Everette. n52 Was das Auge aber am meisten bannt, ist sich vorhält, daß das heutige Sparta taum sechs| in ihrem Leben noch keine Eisenbahn gesehen. der riesige Gebirgsstock, der die Ebene gen Westen tausend Bewohner zählt. Wer aber von der lufabschließt: Der Taygetos! Dunkelgrau die tigen Höhe von Villehardonius Feste das riesige vordere Kette. Dahinter baut sich eine zweite auf. Trümmerfeld überschaut, das sich vom Fuße des Wuchtiger und gigantischer. Ewiger Schnee liegt Berges bis zur halben Höhe hinanzieht, erkennt, auf den höchsten Gipfeln, die in den blauen Him- daß auf diesem Fled Raum für viele Tausende mel hineinragen. Beklemmnis legt sich einem auf war. Aber in seinen Mauern herrscht noch unverfälscht der alte hellenische Geist, der Gastfreundschaft übt und nicht duldet, daß der Fremdling unbeschenkt die spartanischen Gefilde verlasse. Der Fremde( und es fommen viel zu wenig Besucher in das freundliche Städtchen) wird sogleich zum goldgelben Landivein eingeladen, der ein herrliches Aroma hat und so füffig schmeckt. aus Arna, Kastoria, Slabochori, die Seele! Was für eine Landschaft!..Die schönste Seine Wiedererstehung hat Sparta behördganz Griechenlands" nennt sie der Bonner Geo- lichen Maßnahmen zu verdanken. Nach der BeNur einmal in der Woche weist Sparta so graph Philippson. Heroisch und anheimelnd freiung vom Türkenjoch zwang die Regierung die zugleich" Gerhart Hauptmann, Deutsch- Bewohner der Bergabhänge, in die Ebene über- etwas wie großstädtischen Anstrich auf, wenn lands größter Dichter. zusiedeln. Sie taten es ungern, denn die ver- nämlich am Markttag die lakedämonischen Bauern Wir nehmen in rascher Fahrt die letzten fumpfte Eurotasebene beherbergt Abermillionen hereinströmen, um ihre Produkte abzusetzen und nung. Aber schon tagt es im Osten. lleber den Kurven, donnern über eine Eisenbrücke, und schon von Stechmücken, die Sumpffieber und Malaria zugleich einmal wieder großstädtische Luft zu östlichen Gebirgskämmen leu htet es rosarot; und stehen wir mitten drin im Landstädtchen. Vom verbreiten, Dämonen, die die Menschen frej atmen. Aus Trypi und Mistra kommen sie, ehe wir noch die nächste Straßenbiegung genom- alten Sparta ist nicht viel übrig geblieben: Das fen und dahinjiechen lassen. ehe wir noch die nächste Straßenbiegung genom Grabmal des Leonidas, einige farge Das heutige Sparta ist von Natur und Wassara, Arachowa, Xerolampi und men haben, steigt der goldene Wagen Apolls Altertümer, die ein kleines Museum bi gt, und Obrigkeit stiefmütterlich behandelt worden. Es aus Gythion. Selbst Maniaten aus der langsam über die Bergzinnen. Wie von Zauberhani weggewischt ist der die Akropolis, die noch immer der Ausgra- liegt abseits von Verkehr und Zivilisation. Sein fernen Maina lassen sich sehen, ein besonderes bungen harrt, welche uns ein genaues Bild ihrer Hafen Gythion liegt fünfzig Kilometer fern- Völkchen, das sich selbst die Elefterola= graue Himmel. In zartem Blau strahlt er jetzt. einstigen Größe und Schönheit vermitteln sollen. ab. Sein Fluß, der Eurotas, ist reißend und dul- tones", die freien Latonen" nennt. Ihnen Die Nebelschwaden über der Ebene zerfliegen. Welch eine Pracht tut sich vor unseren Augen auf! Die gewaltigen Zeugen der Vergangenheit, an det teine Schiffahrt. Die Eisenbahn führt von geht der Spartiate gern aus. m Wege. Der MaWelch eine Pracht tut sich vor unseren Augen auf! denen auch das alte Sparta reich war, sind ver- Tripolis aus nach Salamata, der rei- niate ist wortkarg und fähzornig und hält sich Die ganze Ebene ein einziges Farbenmeer! Silschwunden. Sie haben als Baumaterial dienen chen messenischen Handelsstadt und meidet das nicht lange bei Vorreden auf, sondern greift gleich bergraue Olivenhaine, hellgrüne Weingärten, müssen für Villehardonius frußige Berg- freundliche Landstädtchen. Wer den Weg zur Zivi- zum Messer. Wahrscheinlich haben wir in ihm in dunkelgrüne Galerien von Platanen und Zypres= sen; und dazwischen gelbe Maisfelder. Ein fil- feste Mist ra, die sich sechs Kilometer von lisation finden will, hat eine beschwerliche Reise der Tat den echten, unverfälschten Nachkommen bernes Band schlängelt sich durch die Ebene. Das Sparta entfernt auf hohem Bergkegel erhebt. über Land von siebzig Kilometern zu unter der alten Spartaner zu erbliden. Noch nie hat er fremdes Joch getragen. Weder die Römer, noch ist der Eurotas 1 Weiße Häuser lugen aus Aber auch fie liegt in Trümmern. dem Grün hervor: Sparta, das alte, glor= Es hat eine Zeit gegeben, wo das alte Die Abgeschlossenheit von der übrigen Welt die Franken, noch die Türken haben ihn zu unter reiche Sparta! Und die Ebene, der wir ent- Sparta völlig vom Erdboden verschwunden war. hat Sparta eine altfränkische Note bewahrt. Es iochen vermocht, und selbst nach Errichtung des gegensausen, ist& atedämon, das Loch der Seine Bewohner siedelten sich in Mistra an, das gibt fein Kino dort, und das Radio hat erst in freien griechischen Staates hat es Jahrzehnte geDämonen, das Teufelsloch! So nennen es in seiner Blütezeit über vierzigtausend Einwoh- allerjüngster Zeit seinen Einzug gehalten. Und dauert, bis er sich in der Staat einfügen ließ. Dr. Willy Meher. seine Bewohner. ner gehabt haben soll; unglaublich, wenn man viele Spartiaten haben, so unglaublich es flingt, Inserate werden laut Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bet Beaua durch die Voit monatlich Kč 16.-. vierteljährig Kč 48.-, halbjährig Kč 96.- ganajābria Kč 192.-. Die Zeitungsfrantatur wirde von der Post- und TeleRückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken. Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß. araphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/ VII/ 1930 bevilligt. Druderei: Orbis". Drud. Verlags- und Reitungs- A.- G.. Braa. Billonil asisid nehmen.