Sonntag, 2. Feber 1936 Nr. 28 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller («inKhli.Slich i Haller Feite) ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion und Verwaltung frag xil, fochova a. TELffON sk77. HERAUSGEBER) SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR! DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Eine Miliz-Dlviiion vernichtet? ist uns der Gedanke einer agrarischen Diktatur eingefallen", sagte der Parteivorsitzende Beran. Die Oeffentlichkeit wird sich, selbst wenn sie den Ausführungen des agrarischen Parteivorsitzenden vollen Glauben schenkt, doch daran erinnern, daß es Versuche den agrarischen Einfluß stärker zur Geltung zu bringen, als es in der heutigen Koa» lition möglich ist, doch gegeben hat. Die Erfahrungen, die allerdings die Agrarpartei im Dezember gemacht hat, da der Druck der übrigen Koalitionsparteien und der öffentlichen Meinung gewisse Pläne des rechten Flügels der Agrarpartei zum Scheitern brachte, nötigen die Agrarier ein bißchen bescheidener zu sein, als sie es vor einigen Wochen noch gewesen sind. Hätte der Parteitag der Agrarier im Herbst stattgefunden, so hätte der agrarische Parteiobmann vermutlich nicht auf der Hirtenflöte der Verständigung gespielt, sondern mit vollen Backen in die Kriegstrompete geblasen. Nicht Vorbeigehen kann die deutsche Oeffentlichkeit auch an dem, was der Innenminister Cerny über das VerhältniSzudenMin- Die Bilanz der produktiven Arbeitslosenfürsorge für daS Jahr 1835 zeigt, daß es sich hier um eine sehr fruchtbare Aktion des Ministeriums für soziale Fürsorge gehandelt hat. Insgesamt wurden 4422 Gesuche öffentlicher Bauherren genehmigt, für welche ein Kredit in der Gesamthöhe von 151,581.859 KL bewilligt wurde. Dadurch wurde Arbeitsgelegenheit geschaffen für einen Monat 17.477 Personen, für zwei Monate 25.051 Personen, für drei Monate 55.840 Personen, für vier'Monate 22.399 Per- Zum agrarischen Parteitag Der Parteitag der tschechischen Agrarier hat weit über die Kreise der Partei hinaus in der Die Abessinier und einige neutrale Preßbüros— Havas und United Preß vor allem — melden, daß die Kämpfe in der Provinz Tembiea nach etwa zehntägigem blutige» Ringe» am 30. Jänner mit einem volle» Erfolg der Abessinier geendet habe». Die berühmte Schwarzhemden-Divisio»„28. Oktober"(Tag des Marsches ans Rom) sei vollkommen vernichtet worden. Die Abessinier behaupte» neben Hunderten Gefangene« auch 23 Geschütze, 175 Maschinengewehre, 2654 Gewehre«nd Munition sowie Tragtiere in große» Menge« eingebracht zu habe«. Die Italiener meldete» zunächst ebenfalls de« siegreiche« Abschluß der Kämpfe, gebe« aber in einer weitere« Meldung, die ein Dementi des abessinische» Siegesberichtes darstellt, kleineBerluste, und zwar drei Kanonen»nd zehn MG z«, ohne in diesem sehr kleinlaute» Bericht die Tatsache des abessinischen Erfolges zu bestreiten. Auf dem Kongreß der Republikanischen Partei hielt der Vorsitzende der Regierung Dr. Milan HodZa eine Rede, in welcher er alle Fragen Les öffentlichen Lebens berührte. Er ging von den jahrhundertelangen Kämpfen der Bauern um ihre Befreiung aus und führte dän»' auS:” Wir werden die Befreiung des Landwirtes durch eine Regelung der Märkte seiner Erzeugnisse vollenden^aus denen wir die Ausbeutung durch die Spekulation ausgemerzt haben und aus denen jetzt ein nrneS System für ein« planmäßige Ausgleichung von Nachfrage»nd Angebot herauswächst. Den Lohn für die landwirtschaftliche Arbeit haben wir den Händen der einseitigen Bestrebungen des Finanzkapitals entwunden und ihn im Rahmen der vollswirtschaftlichen Möglichkeiten dem demokratischen Staat, in welchem wir mitentscheiden, anvertraut. Nach der Regelung des Produktenmarktes folgt die Regelung des Geldmarktes. Wir werden nicht zulassen, daß der infolge der Wirtschaftskrise verschuldete Bauer das Opfer eines einseitig orientierten Finanzsystems werde, aber wir bauen im Rahmen der demokratischen Verwaltung des Staates ein F i n a n z i n st i t u t auf, das die Aenderung der teuren und kurzfristigen Kredite iv langfristige und billigere verzinsliche durchführen wird. Wir sind und bleiben der zentrale und stärk st e Pfeiler der tschechoslowakischen Demokratie. Der jungen Demokratie der mitteleuropäischen Völler hat die Nachkriegszeit so viele ausbauende Aufgaben im Staate, in der Wirtschaft und in der Gesellschaft aufgebürdct, daß sie nur durch freiwillige feste Disziplin, nur durch Selbstverleugnung, nur durch den tiefen Sinn für einträchtige Zusammenarbeit und für die Verantwortung für das Ganze bewältigt werden konnten. Wo die Demokratie dieser Tugenden zu wenig hatte, unterlag sie Diktaturen. Die tschechoslowakische Demokratie ist nicht unterlegen. Sie hat ihre Nachumsturzkrise siegreich bewältigt. Sicherlich wächst heute.in der Tschechoslowakei ein neuer Typ der Demokratie, der für Mitteleuropa im höchsten Grade beachtenswert ist. Wenn die französische Demokratie durch ihren Hibevalismus und die englische Demokratie durch ihre Tradition fortbestehen, so ist die Voraussetzung der demokratischen Ordnungen in Mitteleuropa, die innere Diszipliniertheit, strenge Ordnung und Autorität, durch eigenes Gesetz festgelegt. Die Tschechoslowakei hat sich freiwillig der demokratischen Disziplin unterworfen, da unser Demokratismus aus dem Verlangen und aus allen Interessen der breitesten Schichten unseres Volles entsteht, da alle Schichten des Volles darin die einzige Möglichkeit, aber auch Garantie erblicken, sich im Staate zur Geltung zu bringen. Unsere Dcmo- sonen, für fünf Monate 80.025 Personen, für sechs Monate 18.352 Personen, für sieben Monate 14.730 Personen, sür acht Monate 7279 Personen, für neun Monate 4296 Personen, für zehn Monate 3633 Personen, für elf Monate 120 Personen und für zwölf Monate 42.396 Personen, insgesamt also 241.598 Personen. Die Arbeitsbeschaffung' für diese nahezu eine viertel Million Menschen ist sicher eine große soziale Tat.. j.. worden sind, haben ein Moment der Unsicherheit in die Innenpolitik des Staates und der Koalition gebracht, ja, sie haben die Zukunft der Koalition und noch mehr in Frage gestellt. Diese Vorgänge in der Agrarpartei haben zum Teil ihren Grund darin, daß diese Partei in den letzten Jahren stärker angewachsen ist, als es ihrer ursprünglichen Bestimmung, die Interessen der Landwirte zu vertreten, entspricht. Der Besitz der Regierungsmacht, der Einfluß im den Aemtern aller Instanzen hat eine gewisse Anziehungskraft auf Elemente ausgeübt, deren Interesse nicht mit jenen der besitzenden Landwirte zusammenfallen. Die Partei hat heute Beamten«, Angestellten- und sogar Arbeiterorganisationen, sie organisiert die Besitzer mehrstöckiger Zinshäuser im Prager Stadtzentrum ebenso wie Lehrer oder Professoren und greift auch immer mehr und mehr insbesondere durch ihren mährischen Flügel, in das Gebiet der Industrie über. Diese Entwicklung hat vielfach die Empfindung hervorgerufen, daß die tschechischen Agrarier aus einer Partei der Landwirtschaft eine allständische Partei werden wollen. Das ist nun allerdings nicht der Fall, der Name der Partei wird nicht geändert, aber immerhin hält die Partei des republikanischen und kleinbäuerlichen Landvolks, wie sie offiziell heißt, daran fest, auch andere Schichten zu organisieren, weil diese mit der Landwirtschaft verbunden sind oder auf dem Lande wohnen. Was allerdings die Hausherren am Wenzelsplatz mit der Landwirt« schäft zu tun haben, bleibt dahingestellt. Politisch bemerkenswert in den auf dem Parteitag gehaltenen Reden war daS uneingeschränkte BekenntniszurDemokratie Arbeit Mir eine Vicrtclmllllon Menschen Das Ministerium iQr soziale rarserge hat Im Verfahre durch die produktive ArbeltsloseniQrsorde 241.000 Menschen Arbeit verschallt Für Regierung der Bauern und Arbeiter Für die dirigierte Wirtschaft Eine Kundgebung des Ministerpräsidenten Dr. Hodia ynsiucyen gprnoinnes ervucren.\ jujvuium: vclcilhluivöul Wir haben in diesem Staat gemeinsam mit! und die Ablehnung jedweder Totalität.-Niemals unseren Mitarbeitern in der Koaliticn im Jahre 1926 eine positive Minderheitenpolitik begonnen. Wir formulieren unseren Nationalis mus abermals keineswegs nach universellen— ich möchte fast sagen international angenom menen Vorbildern und Doktrinen der Romantik und des Liberalismus— sondern nach dem ele mentaren nationalen Fuhlen unseres Landwirtes, der in seinem ausgeglichenen Sinn das bildet, was wir konstruftiven Rationalismus nennen. Ein Nationalismus, der mit der internationalen Zusammenarbeit nicht im Widerspruch steht, son dern erst in ihr hervorragt und kulminiert, Es drängt sich mir jedoch die Frage auf, in welcher Richtung also eigentlich die Entwicklung geht— ob nach links oder nach rechts? Weder nach links, noch nach rechts! Die Entwicklung geht in der Richtung zum Zentrum! Wir heißen jeden willkommen, der Zentrum sein will. Je stärker das Zentrum, desto besser! für den Staat. Wir werden uns also-gegenseitig der heilen gesagt hat. Es ist sehr wenig und nicht drohen. Wir werden also nicht allzu viel klingt ein bißchen abgestanden, wenn der Jnnen- Schritte nach Rechts oder nach Links Machen, son-} Minister gesagt hat, die Agrarier wollen„zu den Lern alle Voraussetzungen einer organischen anderen nationalen Minderheiten gerecht und Zusammenarbeit aller vervollkommnen, loyal sein". Es ist di« Frage, was man unter Gerechtigkeit versteht. Wenn Herr Minister Eernh glaubt, es sei gerecht, daß nur diejenigen Firmen I Militärlieferungen bekommen, welche Berände- I tungen in der nationalen Zusammensetzung ihrer I Arbeiter- und Angestelltenschaft durchführens d. h. I die deutschen Arbeiter und Angestellten umS Brot bringen, so müssen wir sagen, daß nicht nur» die Geschmäcker sondern auch die Vorstellungen von nationaler Gerechtigkeit verschieden sind. Ebenso können wir als Sozialdemokraten das, was auf dem agrarischen Parteitag über die Wirtschafts» und Sozialprobleme dieses Staates gesagt wurde, nicht ruhig hinnehmen. Wenn der Vorsitzende der Agrarpartei gesagt hat, seine Partei wolle Bekämpfung der Arbeitslosigkeit planmäßig' Angriff neh men, so wird man dem von so? tischer Seite mit einigem Mißtrauen begegnen. Die Hebung des Exports, eine der Voraussetzungen der Wiedereingliederung, zehntausender sudetendeutscher Abessinischer Sieg in Tembien kratie erhält sich eiserne Disziplin in ihren poli- tischen Parteien, auf deren innerer Ordnung sodann der diszipllnierte Demokratismus im Staate! und in allen seinen Institutionen beruht. Heute i sehen wir mit aufrichtiger Genugtuung, daß Pie Demokratie aut m Mitteleuropa ihre akute Krise überwindet und mitherzlicherFreudebegrüßen wirunsereFre u n deundBrüderbei derRückkehrzu den leitenden Prinzipien derparlamentarischen Demokratie. Indem wir die Bedeutung der landwirtschaftlichen Demokratie im Staate würdigen, wollen und werden wir in keiner Weise die unentbehrliche Teilnahme aller übrigen Gesellschaftsgruppen am Aufbau unserer demokratischen Ordnungen unterschätzen. UnS ist die Demokratie gerade jene Form der politischen Tätigkeit, die die Teilnahme aller an der Leitung des Staates ermöglicht. Insbesondere konsequent überwinden wir unsere Differenzen mit der Industrie und mit der industriellen Demokratie. Insoweit die Industrie organisch mit dem Finanz, kapital verbunden ist, haben wir die Vorherrschaft des Finanzkapitals von unserem Markte beseitigt. Wir haben also unseren Wirtschaftskrieg gegen dasselbe gewonnen und seinen politischen Kampf har das Finanzkapital nicht gewonnen. Ich habe den Herrn Handelsminister und den Herrn Landwirtschaftsminister ersucht, in der Beratungskörperschaft für volkswirtschaftliche Angelegenheiten und weüers im Reichsbeirat beim Lairdwirtschaftsministerium die Beratungen über die wirtschaftspolitischen Aufgaben zu beginnen, deren Lösung die Voraussetzung nicht nur für das Einvernehmen, sondern auch für die dauernd organisierte Zusammenarbeit zwischen landwirtschaftlicher und industrieller Erzeugung ist. Es handelt sich vor allem um die Rohstoffe und um die Ausfuhrpolitik. Wenn wir von einer Einigung der Landwirtschaft und der M.L n«-..l,«i:. SS"’'**•' Vormarsch der Dcmokraiic das Einvernehmen und die Zusammenarbeit der breite» landwirtschaftlichen Demokratie mit der breiten indnstrirllen Demokratie. Es ist nicht m unserem Interesse, daß in diesem OeffeMlichkeitAuf^e^ksanck^gefuHdeM handelt Staate hunderttausende Arbeitslose existieren. cS fid, doch um die größte Koalitionspartei, welche Wir h a be n er n Interesse an her Ministerpräsidenten und drei Minister stellt ®’ n 1"uf s f a hrgkelt d er b tet. unb deren Beschlüsse für die Staatspolitik, wenn it st e ns ch t,ch.^e n d e r i n d ust c 1 eil en au( fj nicht entscheidend, so doch bedeutsam sind. Die Demokratie Wir hoffen, daß auch die j^eren Kämpfe, die in dieser Partei anläßlich Jndisstrie und die industrielle Demokratie sich ber Präsidentenwahl im Dezember ausgetragen stets ihrer realen Interessen an der Zahlungs-i------—- und Einkaufsfähigkeit der landwirtschaftlichen' Schichten bewußt fein werden. Wir haben den Eindruck, daß die Jnd»lstrie in ihrer gegenwär tigen Krise das Prinzip der diri gierten Wirtschaft annehmen könnte, das sich in der Landwirtschaft bewährte und das unter der Voraussetzung der richtigen Methode sich in einer ganzen Reihe von Branchen und Jn- dustrieerzeugung bewähren kann. Wir melden uns in diesem Staate zu der Aufgabe, in unserer Parteistruktur ei« feste- Zentrum auszubauen! Nicht ein ausschließlich konservatives Zentrum! Wir sind zwar konservative Demokra ten, aber wir selbst schaffen, um etwas konservie ren zu können. Wir melden uns also zum Auf bau des Zentrums der Erneuerung und Konsoli dierung. Wir find eigentlich Zentrum seit alters- her und die lange Reihe der Jahre politischer Ge schichte unserer Republik ist ein lebendiger Be weis, daß wir den verantwortlichen Aufgaben des politischen Zentrums niemals untreu gewor den sind und daß wir sie konsequent und zäh er füllen. Wirlhaben tS verstanden, Aügrifssattacken von links abzuwehren und mst der gleichen Ent schiedenheit und Enffchlossenheit und auch zur richtigen Zeit haben wir Ausschwingungen nach rechts verhindert. Nicht nur in der Wirtschaft, wo wir Uebergrifse des Kapitalismus unterdrückt haben und wo wir doch der mächtigste und eigent lich einzige sichere Schutz des privaten Unterneh mertums und seiner Prinzipien sind, in denen wir unentbehrliche Grundlagen des kulturellen und wirschnftlichen Fortschrittes erblicken. Geite 2 Sonntag, 2. Feber 1936 Nr. 28 Arbeiter in den Wirtschaftsprozeß ist nicht möglich, ohne daß unsere Einfuhr aus anderen Ländern gesteigert wird. Wenn' aber die Agrarier ihren Einfluß dazu benützen, jede Einfuhr zu erschweren» dann ist auch on eine Steigerung des Exports und damit an eine wirksame Bekämpfung der Krise nicht zu denken. Auch die wirtschaftliche Verknüpfung mit der Kleinen Entente kann nicht gefestigt werden, wenn man die Einfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse aus Rumänien und Jugoslawien verhindert. Es genügt nicht zu sagen, daß die Landwirtschaft auf die Industrie angewiesen ist und daß es im Interesse der Landwirtschaft ist, wenn die industriellen Arbeiter konsumfähiger sind, sondern man muß auch danach handeln. Das aber haben die Agrarier bisher nicht getan. Noch weniger zufrieden kann man mit dem sein, was über die Sozialpolitik gesagt wurde. Wenn die Agrarier etwa daran denken, unter dem Vorwande, man dürfe nicht allein die Arbeitslosen unterstützen, sondern man muß ihnen auch Arbeit verschaffen, aus dem Bau der Arbeitslosenunterstützung irgend etwas herauszubrechen, dann werden sie auf einen Widerstand in der Koalition stoßen, den sie nicht unterschätzen mögen. Sie haben im Dezember geglaubt, der Koalition diktieren zu können, sie haben es mit einer Niederlage bezahlt. Wenn sie in Zukunft ihre Macht in sozialen Fragen Überspannen, dann laufen sie Gefahr, sich eine zweite Niederlage zu holen. Etwas angenehmer als durch die sonstigen am Parteitag gehaltenen Reden, wird man durch die Ausführungen deS Ministerpräsidenten H o d- o a berührt. Obzwar der Ministerpräsident keinen Zweifel darüber läßt, daß er entschlossen ist, die bäuerlichen Interessen mit aller Energie zu vertreten, so sagt er doch Konkretes darüber, was für die anderen Zweige der Wirtschaft und die Le- bensinteressen der übrigen Schichten der Bevölkerung getan werden muß. Auch was der Ministerpräsident über die Demokratie gesagt hat, klingt herzlicher, insbesondere jene Stelle seiner Rede, da er sagt, daß die Freunde der§SR die Rückkehr zur parlamentarischen Demokratie finden. Ebenso klang das, was HodZq gegen die politische Interessenvertretung des Finanzkapital- sagt, deutlicher als die meisten anderen Reden, die auf dem Kongreß gehalten wurden. HodZa hat die Agrarier als die Partei des Zentrums bezeichnet, das sowohl mft der Rechten als auch mit der Linken regieren könne. Er sagte, dies solle keine Drohung sein. Es kann auch heute keine Drohung sein, da der Staat schweren Erschütterungen ausgesetzt würde, wenn der Versuch gemacht werden sollte, ohne die sozialistischen Parteien dieses Landes zu regieren. In dieser Hinsicht haben die politischen Ereignisse der letzten Wochen die Demokratie und das bestehende Koalitionssystem so gefestigt, daß die geheimen Feinde, welche die Koalition mit den Sozialisten hat— und solcher Feinde gibt es in der agrarischen Partei genug— der Festigkeit der heutigen Koalition gegenüber ohnmächtig sind. Das aber ist das Verdienst des nichtagrarischen Teils der Koalition. absetzung der Verzugszinsen von sieben auf sechs Prozent; 2. die Regierungsverordnung, durch welche die Möglichkeit einer zweijährigen Steuervorschreibung für kleine Steuerzahler mit einem versteuerbaren Einkommen oder Ertrag bis 15.000 Kronen eingeführt wird. Bei der Einkommensteuer bilden solche Steuerträger mehr als 50 Prozent, bei der allgemeinen Erwerbsteuer mehr als 75 Prozent. Der Entfall eines derart beträchtlichen Pensums würde der Finanzverwaltung die Regelung der alten Steuerforderungen ermöglichen. 3. Die Regierungsverordnung, durch welche vorübergehend für das Jahr 1936 die Normen über die Abschreibung von Steuerforderungen vereinheitlicht werden und die Finanzverwaltung die Ermächtigung zu Bonifikationen an ordentlich zahlende Steuerträger erhält. Beschleunigtes Verfahren In besonderen Kommissionen Durch diese zeitweilige Kompetenzregelung werden die Steuerverwaltungen zur Abschreibung der Rückstände bis 50.000 Kronen, die Landesfinanzämter zu Abschreibungen bis 300.000 Kö ermächtigt. Da diese Aemter ihre bisherigen Befugnisse auf diesem Gebiete zum großen Teil nicht auSgenützt haben, da sie die Verantwortung für höhere Abschreibungen scheuten, gedenkt das Finanzministerium die Entscheidung piehrgliedri- gen Kommissionen zu übertragen, deren Beschlüsse in der Regel für die Entscheidung der Steuerverwaltung maßgebend sein werden. Bei den Steuerverwaltungen werden diese Kommissionen bestehen aus dem Vorstand der Steuerverwaltung(als Vorsitzenden), dem Steuer-und Exekutionsreferenten der Steuerverwaltung, dem Vorstand des Steueramtes und einem Mitglied aus den Kreisen der Bevölkerung(gewöhnlich einem Mitglied der Steuerkommission). Das Verfahren soll möglichst einfach sein. Das Steueramt und die Steuerverwaltung beurteilen zunächst jeden einzelnen Fall auf Grund ihrer Akten und Kenntnisse. Hierauf wird der Schuldner zum Steueramt geladen, um sich ins- besoWere auch darüber zu äußern, wie er seine Steuerschuld auszugleichen gedenkt. Das gesamte Material wird daun der Kommission vorgelegt, die grundsätzlich nicht selbst mit dem Schuldner verhandeln soll. Die Entscheidung wird durch Abstimmung herbeigeführt. Die Aktion ist auf dem Gedanken aufge- baut, daß die gesamte Steuerschuld eine- jeden Steuerzahlers, welcher Rückstände an direkten Steuern und an Umsatzsteuer für daS Jahr 1933 und die vorangegangenen ev. auch an Bermö- gensabgadr hat, überprüft werde. Durch die Her- gbsetzupg dex^ alten Schulden soll dey. Steuerträger«'nicht- n»r?mr wirtschaftlichen Belebung verhälfe« werden, sondern auch zur genauen Erfüllung der neuen Steuerverpflichtungen. Die Finanzverwaltung wird daher wohlwollend vorgehen gegenüber jenen, die ohne Verschulden ihren Steuerverpflichtungen nicht nachkommen können, aber die Bereitwilligkeit erweisen, de» erträglichen Dell ihrer Schuld auszugleichen. Streng und rigoros wird die Finanzverwaltung gegen jene Vorgehen, die ihre Verpflichtungen absichtlich oder aus Nachlässigkeit nicht erfülle«. Bonifikationen für rechtzeitig gezahlte Steuern Steuerträgern, die keine Rückstände aus den Jahren bis einschließlich 1934 haben, wird nach der eben genehmigten Regierungsverordnung eine Gutschrift von den im ersten Halbjahre 1936 geleisteten Zahlungen gewährt und zwar: 5 Prozent von jeder Zahlung bis Ende Feber 1936, 4 Prozent von'jeder Zahlung bis April 1936, 3 Prozent für jede Zahlung bis Juni 1936. Diese Bonifikation bezieht sich auf die direkten und die Umsatzsteuer, wobei jedoch die Verordnung einige Ausnahmen statuiert. lausch der Staatspapiere Im letzten Abschnitt seiner Ausführungen kündigte der Finanzminister einen Entwurf Wer den Umtausch der alten Staatsschuldverschreibungen gegen neue an. Es handelt sich dabei um die formalen Folgen der bisherigen Maßnahmen (Zinsfußherabsetzung), welche den Abschluß der Eingriffe in das Verhältnis des Staates zu den Inhabern dieser Papiere bedeuten werden. In keinem Fall werde es bei dem Umtausch zu einer Verkürzung ihres Nominalwertes kommen. Der Entwurf denke gleichzeitig an die Erneuerung der regelmäßigen Verlosung der Staatsschuld. Die schwierige Regelung des Schulden- vroblems kann ihre günstigen Ergebnisse nur dann zeigen, wenn auch die Voraussetzungen zur praktischen Geltendmachung der herabgesetzten Kreditsätze gegeben sind. Das Bestreben, die Bedingungen für eine Flüssigkeit des Geldmarktes und damit der Kreditbereitschaft der Geldinstitute zu schaffen» war bereits seit 1934 planmäßig vorhanden, wurde jedoch in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres gestört, so daß zu strengen Devisenvorschriften gegriffen werden mußte. Durch einen trotzdem erfolgten Rückgang der Flüssigkeit auf dem Geldmärkte infolge des Abströmens von Kapital ins Ausland traten leider Wirkungen auf, welche das Gegenteil der angestrebten Krediterweiterungen bedeuteten. Wenn die geplante Wirkung der Regierungsmaßnahmen nicht abgeschwächt wurde, muß dies dem systematischen Vorgehen auf dem Geldmärkte zugeschrieben werden. Auch die Erledigung des Staatsvoranschlages und die Durchführung der übrigen, vor allem der Zinsfußmaßnahmen er- »löglichten es, daß rechtzeitig, systematisch und auf demokratische Weise günstige Ergebnisse erzielt werden konnten. Steuerzahler und Finanzverwaltung Einsetzung einer Prüfungskommission beim Finanzministerium Der Finanzminister hat im Sinne der Ankündigung des Ministerpräsidenten eine unter seinem Vorsitz stehende Sonderkommission eingesetzt, deren Aufgabe es sein wird, Beschwerden von Jnteressenkörperschqjte.y. oder des Wirl- schastsbeirateS beim HandeMnmlsterium zu prüfen, die gegen das Vdrgehen der Fillänzverwal- tung und ihrer Organe erhoben werden. Durch die Tätigkeit dieser Kommission soll ein Ausgleich zwischen den Interessen der Bevölkerung und der Finanzverwaltung geschaffen werden, wobei Gegenstand der Verhandlung nur grundsätzliche Fragen bzw. Mängel, nicht aber konkrete Fälle sein können, die einzelne Steuerzahler treffen und vor die zuständigen Verwaltungsinstanzen gehören. Mitglieder dieser Kommission find einerseits Beamte des Finanzministeriums, andererseits Vertreter der Wirtschaftskreise, darunter von deutscher Seite Genosse Dr. S ch w e l b und der ehemalige Senator S t ö h r. Regelung der Steuerrüffistände Finanzminister Dr. TraPl informierte SamStag die Presse über das Programm des Ministeriums, welches eine Regelung vor allem der rückständigen Steuerschulden anstrebt, die nicht nur eine Belastung der Finanzverwaltung, sondern auch ein Problem der Staatsfinanzen darstellen und nicht in letzter Reihe ein Hemmnis der wirtschaftlichen Entwicklung des einzelnen Steuerträgers wie der Gesamtheit bilden. Einleitend berührte der Finanzminister die bisher getroffenen Maßnahmen, zu welchen in erster Linie die Erzielung des Budgetgleichgewichts, die Verbesserung der Selbstverwaltungsfinanzen und die Zinsfuß- sowie die Schuldenregelung gehören. In diesem Zusammenhang sind auch einige Steuervorlagen aus der letzten Zeit zu erwähnen, durch welche eine größere Steuergerechtigkeit erzielt werden soll. Es mußten also jene ungünstigen Bestimmungen der Steuerreform vom Jahre 1927 und des Gesetzes Wer die Stabilisierungsbilanzen geändert werden, welche den wirtschaftlich Stärksten die Möglichkeit gegeben hatten, wirtschaftlich unbegründete Erleichterungen zu erlangen. Herabsetzung der Belastung Im Rahmen der Schuldenregelung und mit dem Ziele einer Herabsetzung der öffentlichen Belastung geht die Finanzverwaltung an eine Revision der Forderungen an die Steuerzahler heran. Sie bezweckt damit nicht nur die Liquidierung der Steyerrückstände, sondern stellt sich die große und verantwortungsvolle Aufgabe» Ordnung in die Finanz-Administrative zu bringen. Wenn heute allgemein der Weg zur Belebung der Wirtschaft dadurch gesucht wird, daß durch eine Reihe gesetzlicher Vorkehrungen die Schuldenlast verkleinert werden soll, ist es notwendig, daß diesen Weg auch die Finanzverwaltung beschreitet, indem sie ihre Steuerforderungen im Hinblick auf die heu- tigen wirffchaftlichen Verhältnisse der Schuldner überprüft. Bekanntlich wurde der Versuch einer generellen Lösung dj-ser Frage versucht, als im Zusammenhang mit der Arbeitsanleihe Begünstigungen gewährt wurden. Kaffenmähig war das Ergebnis dieser Aktion nicht schlecht, denn es wurde auf diese Weise rund eine halbe Milliarde Kronen Steuerrückstände liquidiert. Die Begünstigungen erhielten Wer auch weniger bedürftige Steuerzahler und die Ordnung in den Steuerkonten wurde nicht erreicht. Die Steuerrückstände betrugen Ende 1934 insgesamt 6370 Millionen, davon an direkten Steuern 2467, an Umsatzsteuern 1718» an Gebühren 771 und an autonomen Zuschlägen 1714 Millionen, nicht gerechnet rmrd 500 Millionen rückständige BermögenSabgabe. Individuelle Regelung Um zum Ziele zu gelange« und zu einer Regelung nach Maßgabe der Tragkraft des Steuerzahlers zu kommen, kann nur zu einer individuellen Lösung gegriffen werden, welche jedoch von einem festen System ausgeht. DaS ist der jetzige Plan der Finanzverwaltung, zu dessen Durchführung sie die Regierung um einige Ermächtigungen ersucht hat. Es sind dies vor allem 1. die Regierungsverordnung Wer die Her4 das Leben m Licht Komu VON OSKAR RAUM Seine äußere Erscheinung bleibt also doch wohl das getreueste und aufschlußreichste Zeugnis dessen, was er ist. Berkl hatte als Kind sehr darunter gelstten, daß seine Mutter ihn nicht mochte. Sie war keine böse Frau, sie galt im Dorfe allgemein als gefällige uW gutmütige Person. Aber sie konnte ihn nicht vor sich sehen. Es faßte sie Widerwillen, wenn er ihr in den Weg kam. Sie nannte ihn „Haderbiegel", das hieß in der Gegend so viel wie „Nachtmahr", Schreckgespenst. Das mochte wohl mit daran schuld sein, daß ihn ein gewisser Schauder vor sich selbst durchs Leben begleitete, eine übertriebene Vorstellung von der abstoßenden Wirkung seiner Erscheinung, die ihn vielleicht auch in dieses Haus der Nicht-Sehenden geführt hatte. Es war am frühen Nachmittag. Er s«ß in seinem Zimmer. Er hätte fortgehen sollen. Er hatte den freien Nachmittag vom Fräulein aus der Mädchenabteilung eingetauscht, weil er Wichtiges in der StWt zu besorgen hatte, Wer er ging nicht. Er holte eine Photographie aus einer LWe, ein Gruppenbild, das er während eines Anstaltsausflugs ausgenommen hatte. Die Zöglinge auf einem Abhang vor einem Wirtshaus zur Rast gelagert. Lore hatte einen Platz vorn an der Seite und toar gut getroffen. Er wollte den Kopf herausnehmen und vergrößern lassen. Sicherlich beschäftigte es Lore jetzt auf dem Wege hieher, wie er aussehen mochte. Bei jedem ihr' vertrauten Menschen, dem sie begegnete, war das wohl jetzt ihr erster Gedanke. Es war keine leere Neugier. Warum es als belanglos hinstellen, wie einer aussieht? Auch was er gar nicht von sich weiß, drückt es aus, sein Unwillkürliches, sein vergeblich Bekämpftes, was ihm von seiner Abstammung aufgezwungen ist und wohin er gehört. Jetzt näherten sich auf dem Gang draußen Schritte der Tür. Wie, so bald? Es konnte natürlich auch jemaW anders sein. Da fiel ihm plötzlich ein, was denn Lore jetzt mit ihrem Leben beginnen würde. DarWer hatte gewiß noch niemaW nachgedacht. Wollte man sie als vollgülligen Menschen, unausgeblldet, hilflos in die Well hinaus unter die Schwierigkeiten dieser entsetzlichen Zeit stellen? Aus dem behüteten Winkel hier war sie vertrieben, weil sie normal war. Wer sie war doch nicht gerüstet für das, was man so schön„die Freiheft" nennt. Es llopfte. Ja, ja, Ivollte er rufen. Wer es war doch viel wichtiger, daß er zum Direktor hinunter eilte, ehe der wegging. Oft ging der Direk- tor um diese Zeit schon fort, wenn er Wege zu den Aemtern hatte oder bei Gönnern der Anstalt vorsprechen mußte. Berkl glitt lautlos zur Seitentür hinaus. Während er durch den Schlaffaal der Knaben lief, hörte er noch die Tür seines Zimmers gehen. „Lärchen wird doch gleich wieder umkehren, wenn sie das Zimmer leer findet!" Nein! Sie stand still, als überlegte sie, rückte eine» Stuhl und setzte sich. Einmal müsse er ja kommen, dachte sie wohl. Der Direktor war durchaus nicht erfteut, wenn jemand so eilig, mit vergeblich bekämpfter Atemlosigkeit bei ihm eintrat. Mit ehrerbietigen hastigen Entschuldigungen unterbrach ihn Berkl im Entwurf des Jahresberichtes. Er hörte geduldig zu, ohne die Feder aus der HaW zu legen. „Da Herr Direktor mir seinerzeft die Erledigung des Falles Lore Friedrich Wertrugen, wollte ich mir nur zu ftagen erlauben, was bezüglich der weiteren Entwicklung beschlossen ist." „Was für eine weitere Entwicklung?" Der Direktor sah ihn gereizt an.„Heim kann man leider das Mädchen nicht schicken, das Elend dort ist zu groß." Der Lehrer machte eine kleine Pause. „UW ehe sie sich in einen Beruf einleben kann, vergeht Zeit. Sie wird zunächst noch mft den elementarsten Vorbedingungen, mit Lesen und Schreiben z. B. ihre Schwierigkeiten haben. Und welchen Beruf soll man ihr denn Werhaupt raten? Heute— da sich so viele der gewaWtesten und vielseitigsten Menschen keinen Rat wissen..." Des Direktors Augen verdunkelten sich unheimlich. Er sah Berll an, als ob ihm der Mann eine Beleidigung zugefügt hätte.„Ein Versorgungshaus für Gesunde kann ich nun leider nicht ins Leben rufen," sagte er. Dabei sah man Wer deutlich, wie es hinter seiner Stirn verzweifelt arbeitete, etwas Rechtes zu finden, das sich in dieser Sache tun ließe. „Ja, Wrigens!" rief er glücklich, erlöst,„ich vergesse Wer doch schon alles! Die Sache ist ja in schönster Ordnung. Dr. Lötz hat für sie bei sich zu Hause VerweWung, wie er mir dieser Tage einmal sagte. Am Telephon, als Hilfe für seine alte Wirtschafterin, zur Instandhaltung seiner Bibliothek, seiner Instrumente usw. Die alte Wirtschafterin kann nicht mehr alles leisten. Es hat den Vorteil, daß sie noch eine Zeitlang unmittelbar unter ärztlicher Aufficht bleibt. Die Arbeit ist leicht, braucht keine Vorbildung— ein vortrefflicher Gedanke, nicht wahr? Ein edler Mann, der sich Wer die berufliche Pflicht hinaus um die Zukunft des Mädcheüs sorgt. Es scheint, wir haben uns beide in ihm geirrt. Sie und ich. Wie sagt der Dichter:„Ein Arzt nicht nur— ein Mensch!" Berkl schwieg. „Sind Sie nicht dieser Ansicht?" ftagte der Direktor etwas spötttsch. Es war für Berkl schwer» etwas zu erwidern. „Es ist in einem solchen Falle nichts damft getan, nur eine Beschäftigung zu schaffen," fuhr der Direktor fort,„das hat Dr. Lötz erkannt. Eine auskömmliche Existenz tuts nicht. Man muß sich dem Mädchen die erste Zeit zumindest— widmen, muß sie anleiten.. „Ja," sagte Berkl. Der Direktor bettachtete ihn verärgert.„Was— Ja?" Berkl nahm einen Anlauf:„Für den Fall Wer, daß Lore Friedrich nicht wollte," begann er schüchtern. „DaS wäre noch schöner!" brauste der Di- rektor auf. „Oder für den Fall, daß sie sich als ungeeignet für eine solche Stelle erweist— das ist doch möglich! Sie wird im Anfang sehr unbeholfen, unsicher uW viel zu langsam sein..." Er legte mit zunehmendem Mut uW wachsender Begeisterung dar, wie Lore mit ihrem Verständnis für die Bedürfnisse ihrer früheren Kameraden als Hilfslehrerin der Anstalt von ungewöhnlichem Wert herangebildet werden könnte.„Man gehe ja mit dem Gedanken um, einen Kindergarten zur Borschulung anzugliedern," sagte er. Wäre da nicht ihr Platz?" „Aber, ich bitte Sie!..." Der Direktor hob beschwörend die Hand:„Die vorschriftsmäßige Fachausbildung zur Lehrerin oder Kindergärtnerin würde eine Menge Zeit und Geld kosten." Berkl hätte noch vielerlei zugunsten seines Vorschlags vorzubringen gehWt, Wer der Direktor wandte sich wieder seinem Manuskript zu. Berll war entlassen. Lokomotivsührerheizel, Stefan Mogzes begab sich, nachdem er ferne Pension übernommen hatte, in ein Gasthaus. Der 21jährige Sohn ging auf die Suche nach seinem Vater und als er ihn im Gasthaus fand, nahm er an dem Zechgelage teil und kehrte früh mit dem Vater in angeheitertem Zustand nach Hause zurück. Als sie sich schlafen legten, zertrümmerte der Sohn seinem Vater mit der Axt den Schädel. Der junge Vatermörder wurde verhaftet. Der staatsgefährliche Hausbaltl In einem Hause im 16. Wiener Bezirke fand ein Hausball statt, zu welchem auch der ehemalige sozialdemokratische Abgeordnete S e v e r geladen worden war. Am nächsten Tage fand in dem Hause eine strenge Durchsuchung statt, worauf zahlreich: Hausbewohner zu einem Verhör vorgeführt wurden. Vom Sumpfe verschlungen. Der Bauer Ludwig Lenkai aus dem Orte Imola blieb Freitag nachts mtt einem Ochsengespann auf sumpfigen Boden stecken und versank mit dem Fuhrwerk sowie mit den Zugtieren, bevor ihm Hilfe gebracht werden konnte. Man kennt sie! Alle Mmeen haben seit dem Weltkrieg den Stahlhelm als Schutz des Kopfes einzeführt. Natürlich wird er im Frieden nur bei Hebungen und feierlichen Aufmärschen getragen. Nur Deutschland— und zwar schon das vorhit- lerische— hat sozusagen den Stahlhelm auch bei vereinzeltem Auftreten von Offizieren und feierlichen Anlassen vorgeschrieben. So fuhren denn die Vertreter des deutschen Reichsheeres zur Beisetzung König Georgs nach England, jeder mit seinem Stahlhelm imKoffe r. Während sonst alle Milttärs im Leichenzug die Mütze, Kavalleristen die Czapka und der dänische König eine Art Pickelhaube trugen, erschienen die vier deutschen Offiziere mit dem Stahlhelm auf dem Kopf. Der„Daily Herald" bringt unter seinen vielen Bildern von dem Königsbegräbnis auch eine Aufnahme dieser Gruppe mit der einzigen Unterschrift:„Steelhelmet mourners" (Trauernde mit Stahlhelm). Mit keinem Wort wird gesagt, was das für Landsleute sind. Man überläßt es ruhig dem Leser zu raten und ist gewiß, daß er ohne weiteres das Richtige treffen wird. Italien widerruft Musik-Gegensanktionen. Der italienische Unterstaatssekretär für Presse und Propaganda Tino Alfieri erklärte bei der Tagung, der ^Internationalen Konföderation der Autoren und Konchonisten in Paris, daß die italienische Regierung in den nächsten Tagen das Verbot der Aufführung dramatischer und musikalischer Werke von Autoren jener Staaten, die die Sankttonen durchführen, aufheben und wiederum zu der früheren normalen Situation, zurückkehren werde. Das IV. Internationale Verbancistreffen der Arbeiter* Winter-Touristen und Sportler wird in der Zett vom 9. bis 23. Feber 1936 im Jsergebirge, Standort Naturfreundehaus „K L n i g s h"> h e", abgehalten. Jeder Winter-Tourist und»Sportler, iss als Gast willkommen, insoweit er unsere Grundsätze respekttert und sich der allgemeinen Disziplin fügt. A) Schulungskurs vom 9. bis 14. Feber: für Skikursleiter, Skiwarte und Weiterausbildung von Skifahrern. B) Sportliche Veranstaltungen am 15. und 16. Feber. Eröffnung am 15. Feber, Samstag, nachmittags: 15 Uhr: lä-Km.-Lauf der Sportler und Sportlerinnen(kombiniert mit 4-Km.-Lauf Sonntags); 16 Uhr: Kleine Fuchsjagd; 21 Uhr: Begrüßung der Anwesenden und Konferenz dec Sportler. 16. Feber, Sonntag: 8 Uhr: Jugendliche 16—20 Jahre, 4-Km.-Lauf; 9)4 Uhr: Sportler und Sportlerinnen, 6-Km.-Lauf; 9.30 Uhr: Anfänger, Sportler über 20 Jahre, 6-Km.-Lauf; 9% Uhr: Sportler über 32 Jahre, 6-Km.-Lauf; 10.30 Uhr: Mannschastslauf(3 Mann und 1 Ersatz), 6 Km.; 13 Uhr: Als Kombination zum 15-Km.-Lauf ein Hindernislauf von 4 Km.; außer Konkurrenz ein Slalomlauf; Preisverteilung. C) Führungen ins Jsergebirge und Riesengebirge ab 16. Feber. Alle Meldungen der Gäste, der Urlauber, der Kursteilnehmer und Wettkämpfer sind direkt an Genossen Ernst Hügel, Raturfteundehaus „Königshöhe", Post Johannesberg, zu richten. Im Falle schlechter Schneeverhältnisse wird das Treffen verschoben. MeldunghierüberinderAr- beiterpresse am 12. Feber. Ein Double z« der Täborer Tragödie. Im Bezirke Ples fuhr auf der nach Krakau führenden Straße ein Lastauto in eine von einer Hebung zurückkehrende Soldatenabteilung hinein. Ein Soldat wurde sofort getötet, vier andere schwer verletzt. Der Chauffeur des Lastautos wurde verhaftet.* Japanischer Personenzug unter einer Lawine. Nördlich von Tsuruga in der japanischen Provinz Fukui verunglückte ein Personenzug durch den Absturz von Schneemässen. Drei Wagen wurden durch den Anprall umgeriffen. Nach den ersten Feststellungen wurden 50 Tote und Verwundete gezähü. Entsetzlicher Famllien-Selbstmord. In grauen« Hafter Weise hat der Arbeitslose Mac Braid aus Fort Wane im Staate Indiana seine ganze Familie und sich selbst ums Leben gebracht. Er hatte neun Kinder, deren jüngstes ein Jahr-alt war, und'eine Frau erwartete das zehnte Kind. Braid mietete ein Auw, verstaute darin die Frau und die Kinder und fuhr los. Bei einer Eisenbahnüberquerung machte er kurz vor dem heruntergelassenen Schlagbaum Hall. Als der Zug in unmittelbarer Nähe war, gaö er plötzlich Vollgas, durchbrach die Sperre und was im gllichen Augenblick wie die Lokomotive auf dem Geleise ein. Der Zusammenprall war entsetzlich. Sämtliche elf Personen sind im Augenblick gewtet worden. Entgleist. Ein Personenzug, der von Williams» Port nach New Dock fuhr, entgleiste. Dabei wurden drei Personen getötet, 32 verletzt. DaS Sanwetter hält an. Wahrscheinliches Wetter Sonntag: Vorwiegend bis wechselnd bewöllt, Südwestwind, zeitweise Niederschlag, und zwar namentlich an der Aufwindseite der Berge. Temperatur im allgemeinen ohne wesentliche Aenderung.— Wetteraussichten für Montag: Unbeständig, Riederschlagsneigung, nur geringfügige Abkühlung. Vom Rundfunk tavtaMaiMwartM mm 4m ProaramMi Montag Prag, Sender L.: 6.15: Salonorchester. 10.05: Deutsche Presse. 12.10: Schallplatten. 13.30: Bun, tes Programm. 13.40: Chansons. 15.00: Aus„Carmen" von Bizet. 18.10: Deussche Sendung: Dr. Wohryzek: Der Wen der Unpolitischen zur Politik. 18.45: Deussche Presse. 22.20: Russisch für Fortgeschrittene.— Sender S.: 14.00: Leichte Musik. 14.20:(Deutsche Sendung: Dr. Swoboda: Overn- Ouvertüre. 19.10: Liederkonzert.— Brünn: 13.30: Arbeitsmarkt und Sozialinformationen. 17.40: Deussche Sendung: Dr. Fefta: 40 Jahre Film.— Mähr.-Ostrau: 17.15: Violinsolos. 18.10: Deutsche Arbeitersendung: Pointneu: Hugo Schmidt, ein Arbeiterführer.— Preßburg: 19.30: Buntes Programm. DienSta« Prag, Sender L.: 10.05: Deussche Presse. 11.00: Schallplatten. 12.10: Bolksliederpotpourris. 12.35: Konzert. 15.30: Konzert. 17.20: Violinkonzert. 18.10: Deussche Sendung: Wannenmacher: Wirtschaftliches Relief. 18.25: Kreal: Kumba-Lie- der. 18.45: Deutsche Presse. 21.00: Lieder. 22.15: Tanzmusik. 22.45: Englische Nachrichten.— Sender S.: 7.30: Unterhaltungsmusik. 14.15: Deutsche Sendung: Ina. Petrik: Radio im Dienste des Flugwesens. 14.25: Slawische Volkslieder. 14.50: Deutsche Presse. 18.00: Schramnielkonzert.— Brünn: 17.20: Leichte Musik. 17.40: Deutsche Arbeiters e n d u n g: Sozialinformattonen. Schmerda: Demokratie und Arbeiterschaft.— Mähr. Ostrau: 17.00: Jugendsendung. 20.05: Volkskonzert.— Preßburg: 17.50: Violinkonzert. 21.00: Opernarien.— Kaschau: 21.00: Bollsmelodien. Nr. 28 Sonntag, 2 Feber 1936 Seite 3 Habe ich's nicht gesagt, daß der„Führer" kein Stimmleiden hat! 68 neue Alphabete. Wie aus Moskau berichtet wird, find im Laufe der letzten zehn Jahre in Sowjetrußland 68 neue Alphabete für Schreibmaschine und Kurzschristsysteme ausgearbeitet worden. Die Alphabete werden für die Sprachen benötigt, die von 25 Millionen Sowjetbürgern der verschiedensten Raffen gesprochen werden, die bis dahin kein eigenes Alphabet kannten, geschweige denn Schreibmaschine und Kurzschrift. Die Goldfestung der USA. In den einsamen Granitbergen des Staates Kentucky ist in den letzten Monaten eifrig gearbeitet worden. Hier ist die Goldfestung der Bereinigten Staaten errichtet werden, in der der staatliche Goldschatz, gesichert vor allen möglichen Gangsterüberfällen, ruhen soll. Die Stahlkammern find tief ins Gebirge eingebaut worden, so daß kein Bombenangriff ihnen gefährlich werden kann. Kein Kriegsfort könnte stärker geschützt sein; ein ganzes Regiment mit Panzerautos und sogar schwerer Artillerie wird die Festung bewachen sobald die Goldbarren herangeschafst worden sind. Schon in den allernächsten Tagen soll der erste Goldtransport eintreffen, und zwar nicht weniger als 50 Millionen Dollar. Der ganze Goldschatz wird den ungeheuren Wert von 8 Milliarden Dollar ausmachen. Der Transport wird natürlich unter den allergrößten Vorsichtsmaßnahmen vor sich gehen. Ein Panzerzug wird in Dienst gestellt werden, und eS ist eigens eine Eisenbahnstrecke gebaut worden, die unter besonderer Bewachung steht und auf der nur Goldzüge rollen werden. Dir Wiffrnfchast von den Rose«. In Sofia ist ein wiffenschaftlicheS Institut gegründet worden, das sich ausschließlich mit.Rosen, uo.d. Rosenzuchr geschäftigen soll.. Bulgarien.. hat ein beyj^ätzz „Rosen-Tal" und ist der größte Rosenöl-Erzeuger der Welt neben Persien. Die Rosenwirtschaft, die sich auf jahrhundertealte Traditionen stützt, soll jetzt modernisiert werden; insbesondere will man durch Laboratoriumsversuche diejenigen Rosenarten ermitteln, die das reinste und ergiebigste Rosenöl liefern. DaS Altor der„Stars". Tas Alter der„Stars" ist nur durch Indiskretionen herauszubekommen. Die offiziellen Nachschlagebücher machen Angaben, die Liititla Bonaparte Zu Ihrem hundertsten Todestag am 2. Feber Von Hermann Wendel Der Aufstieg Napoleons ist gewiß danach angetan, dem Betrachter den Atem zu verschlagen. Vom kleinen Artillerieleutnant ohne Ahnen, ohne Geld, ohne Verbindungen in kaum mehr als einem kurzen Jahrzehnt Kaiser der Franzosen und Gebieter Europas— wann schoß je ein ähnlicher Meteor am historischen Himmel aufl Immerhin, Napoleon war ein Genie; die Brosamen, die vom Tisch seines Geistes sielen, reichten aus, ein Dutzend Durchschnittsdiktatoren üppig zu nähren. Seiner Mutter Lätitia Schicksal aber erscheint weit erstaunlicher, weil in ihrem Wesen nichts Außergewöhnliches lag. Bestimmt war sie, eines gleichgültigen korsischen Advokaten gebärtüchtige und häusliche Frau zu sein und zu bleiben, und was erlebte sie? In den Jahren, da der Stern der Bonaparte am höchsten stand, war ihr viertes Kind, Napoleon, der Herr des Erdenrundes, aber auch sonst hatte die Frucht ihres Leibes es zu etwas gebracht: von ihren Söhnen war einer König von Spanien, ein zweiter König von Holland, ein dritter König von Westfalen, von ihren Töchtern jene Königin von Neapel, diese Großherzogin von Toscana, eine andere Herzogin von Guastalla, und ihre Schwiegertochter, die Habsburgerin Marie-Louise, rühmte sich, die Enkelin vieler deuffcher Kaiser zu scinl Mit Recht trägt das Grabmal Lätttias in Ajaccio, wohin die Reste der am 2. Feber 1836 zu Rom Gestorbenen 1850 überführt wurden, die Inschrift: Mater Regum, Mutter von König en. Als Napoleon, zum Oberbefehl der Armee nach Italien abreiseno, seine Mutter bei der Trennung in die Arme schloß, sagte er ihr:-»Du muht gesund bleiben und lange, lange leben, denn wenn du mir stirbst, habe ich bald keinen Menschen m e i n e r Ä Ff mehr um mich". Er empfand, daß er mehr von ihr als von seinem leichtlebig lustigen Vater mitbekommen hatte, und namentlich gingen die korsischen Züge seines Wesens auf Lätitia zuoffensichtlich lächerlich sind. Im amtlichen Filmjahrbuch Amerikas für das Jahr 1936-liest man zum Beispiel, daß Gloria Swanson heute 85 Jahre alt ist. Sie hat aber schon vor 20 Jahren gefilmt, war viermal verheiratet und hat eine erwachsene Tochter. Norma Shearer soll erst 80 Jahre alt sein; als sie vor 18 Jahren entdeckt wurde, war sie bereits Mannequin— offenbar für Kinderkleider. Loretta Ioung wird mit 22 Jahren angegeben; es steht jedoch fest, daß sie bereits acht Jahre verheiratet ist, und sie hat vor sechs Jahren bereits Triumphe gefeiert. Bebe Daniels soll 35 Jahre alt sein; sie war aber schon zu den Zeiten des stummen Films ein Star u.d hat nachweislich vor 24 Jahren gespielt; mit ihren damaligen„elf Jahren" eine erstaunliche Leistung! ein Donauwirtschaftsplan Forderungen der Arbeitsgemeinschaft der mitteleuropäischen Angestelltenverbäude Die Arbeitsgemeinschaft der Angestellten« verbände Mitteleuropas hat Vorschläge für die wirtschaftliche Reorganisierung Mitteleuropas ausgearbeitet. In diesem»Donauwirtschaftsplan" werden neben der Handelspolttischen Verständigung Vorschläge für gleichgerichtete Verkehrs-, währungs-, industrie- und agrarpolittsche Maßnahmen gemacht. Zur Marktaufteilung werden zwischenstaatliche Kartelle angeregt. Es kommt nach diesem Plan nicht nur darauf an, den mechanischen Ausgleich der Handelsbilanzen von Land zu Land anzustreben, vielmehr müsse eine Prosperitätder gesamten Donauwirtschaft erreicht werden. Die vereinigten mittleren und kleinen Donauländer wären eine wirtschaftliche Großmacht etwa im Ausmaß Deutschlands, die den Wettstreit mit den übrigen europäischen und den überseeischen Staaten aufnehmen könnte. Die Donauwirtschaftsgemeinschast soll nicht zur Donauautarkie führen. Sie wird im Gegenteil als ein einheitlich gerichtetes Wirtschaftsgebiet die verhängnisvolle Autarkie kleiner Wirtschaftsgebilde überwinden und ihre organische Eingliederung indie Weltwirtschaft bewerkstelligen. Die nächste Auswirkung der Prager Besprechungen vom 16. Jänner 1936 wird sich in den l laufenden Verhandlungen über den tschechoslo- wakisch-österreichischen Handelsvertrag zeigen müssen. In der Porzellan- und in der Papierindustrie bestehen schon Abkommen, die der Handelsvertrag zu bestätigen hätte. Die übrigen Präferenzforderungen der beiden Länder, die Differenzen über die Zahlungsbilanz, und son- -stige Schtvierigkcitcn lassen«8 wünschenswert er-, .scheinen^ über Einzelabmachungen hinaus das Ziel der Ausdehnung des ganzen Außenhandelsvolumens in den Vordergrund zu stellen. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit wird um so erfolgreicher und dauerhafter sein, je mehr es gelingt, in der europäischen Konstruktion die Unabhängigkeit Oesterreichs zu sichern und in Oesterreich eine Entwicklung herbeizuführen, die die Arbeiter und Angestellten demokratische Freiheiten und Einfluß auf Staat und Wirtschaft zurückgewinnen läßt. flusldn4 Kongreß der französischen Sozialisten. Samstag trctt in der Pariser Vorstadt ein außerordentlicher Kongreß der sozialistischen Partei zu einer zweitägigen Session zusammen, um hauptsächlich die Taktik der Sozialisten bei den Kammerwahlen zu beraten. Die Sozialisten werden sich aller Wahrscheinlichkeit nach dafür aussprechen, daß die Sozialisten im ersten Wahlgang überall selbständig kandidieren und, daß erst im zweiten Wahlgang die Solidarität der Volksfront der Linken für jenen Linkskandidaten angewendet werde, der beim ersten Wahlgang die größte Stimmenzahl erhielt und die größte Hoffnung auf die Wahl gegen den Kandidaten der I Rechten hat. Auf der Tagesordnung steht auch die Taktik des sozialisttschen Kammerklubs, der für die Regierung Sarraut gestimmt hat. Neues Liebeswerben um Italien. Anläßlich des dritten Jahrestages der Machtergreifung in Deuffchland durch den Nationalsozialismus wurde auf der deutschen Gesandtschaft in Rom eine Feier Veranstalter, bei welcher Botschafter von H a s s e l l eine Rede hielt. Er erklärte, während seines letzten Aufenthaltes in Deutschland Gelegenheit gehabt zu haben, ein allgemeines und allseitiges V e r- ständnisfür die Situation des neuen Italien zu beobachten, gegen das sich die offenen und verborgenen Kräfte, welche früher gegen Deuffchland gerichtet waren, vergeblich zusammengeschlossen haben und die auch heut« noch ihr vergebliches Bemühen forffetzen. Zur Geschichte der deutsch-japanischen Allianz. Die Pariser Zeitung„Liberty" teilt folgende Einzelheiten zur Geschichte der deutschjapanischen Verhandlungen mit, die sehr glaubwürdig erscheinen. Als Urheber dieser Verhandlungen erscheint Prof. General Karl Haushofer, das Haupt der deuffchen geopolitischen Schule, Verfasser ewiger Werke über den Fernen Osten und früherer kaiserlicher Militärattache in Tokio. Haushofer galt seit langer Zeit als der Verbindungsoffizier zwischen Tokio und der Hitlerregierung. Er ist ein großer Anbeter des„japanischen Heldenvolkes". Die ersten Sondierungen seitens der Reichsregierung haben im Jänner 1934 stattgefunden. Tokio hat sich im Anfang gegenüber den Annäherungsversuchen Hitlers sehr kühl verhalten. Nachdem aber die Aufrüstung des Reiches Tatsache geworden ist, ging die japanische Regierung auf die deuffchen Vorschläge ein. Im Laufe des vorigen Jahres wurden Verhandlungen unter Beteiliaung des japanischen Militär- attachis in Berlin, der Vertreter des deutschen (sftn.erglstM?„pnd deß.Hxrrn von Ribbentropp geführt, die angeblich zu dem von Tokio allerdings bestrittenen g e Heimen Militär- abkommen geführt haben, das am 4. Jänner 1936 unterschrieben wurde. Differenzen in Tokio. Die japanisch« Zeitung „Teite Niffi Niffi", die meist sehr gute Informationen über die Interna der Tokioter Regierungsküche hat, erwartet in den nächsten Wochen eine Verschärfung der Beziehungen zwischen dem Kriegsministerium und dem Auswärtigen Amt. Es handelt sich bei diesem Konflikt um die alte Kaufen Sie das jeden Tag? Wir sind überzeugt davon, daß Sie Ihren Lieben statt dieser teuren Dinge eher das gute und billige Obst unseres Landes geben. Und nun versuchen Sie auch einmal den wohlschmeckenden und gesunden PEROLA, der mit AECHT FRANCK zusammen ein wundervolles und billiges Getränkt ergibt. Skrjota& Auch zu Perola: S Aechf Franck. JSL Frage» wer eigentlich die japanische Außenpolitik in China zu bestimmen hat. Die Kwantung-Armee hat in den letzten Jahren diese Funktion für sich beansprucht und nicht ohne Erfolg.-Der japanische Botschafter in China mußte eine Mittellinie zwischen den Direk- ffven des Auswärttgen Amtes und den Forderungen des Militärs einhalten. Um diesen„Dualismus" zu beseittgen, hat die Kwantung- Armee die Abberufung des Botschafters Ariosi und seine Ersetzung durch Arita durchgedrückt. Dieser letztere soll sich mehr als Vertreter des Militärs^als des Außenamtes fühlen. Aber da der Appettt bekanntlich erst beim Essen kommt, verlangt nun die Militärklique, daß sich das Außenamt gänzlich jeder„Einmischung" in die Außenpolitik gegenüber China enthalte. Das ostasiatische Büro des Auswärttgen Amtes soll liquidiert und alle seine Funktionen der„Sektion für ostasiattsche Polttik" bei dem mandschurischen Büro der Regierung übergeben werden. Als Vorsitzender dieses Büros fungiert der Kriegsminister, so daß die Durchsetzung dieser Forderung eine ettdgülttge Abtretung der ganzen ostasiati- schen Politik Japans an die Militärllique bedeuten würde. Ei« gutes Vorzeichen. In einigen Monaten hat Dänemark einen Teil seines Landsthings n'eu- zuwählen, jener Kammer, die sich bisher stets als Bremsklotz an den forffchrittlichen Plänen der Arbeiterregierung und ihrer Folkething-Mehrheit erwiesen hat. Nach dem großen Wahlsieg im vergangenen Jahre bei der Folkethingwahl erwartet unsere dänische Bruderpartei, das die Landsthingserneuerung- eine- starke Verkleinerung der anttsozialistischen Mehrheit'd'iksÄ'HäüssS'>Vrnigtsi tEtz.-'NuN habest soeben die Bewohner der^F alt, C 2.— Freitag, halb 8: Der junge Herr R e n i e, D 2.,— Samstag, halb 7: Die Meistersinger von Nürnberg, C 1. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Sonntag. 3: DieDamemitdenTürkisen. volkstümliche Borst.; 8:DerLüg nerunddieNonne. neueinstudiert.— Montag, 8: Kameraden, volks- tüml. Borst.— Dienstag, 8: Was Ihr wollt. — Mittwoch, 8: Der Lügner und die Nonne, volkstüml. Vorst.— Donnerstag, 8: Un- entschuldigte Stunde.—Freitag 8: Was Ihr wollt, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— SamStag, 8: Der Lügnerund d-e Nonne, volkstüml. Vorst. Germaine A u s s a y und Harry B a u r in dem neuen historischen Film„Der Golem" Mitteilungen aus de» Publikum. Heute gefiel sie allen! Sie tanzte mit so viel Anmut und ihr elastischer Gang war bezaubernd. Und sähen Sie erst ihre schlanken Fühe in den schönen Ballschuhen! Auf die vielen Anfragen, wo sie ihren Schuhbedarf decke, gab sie an, sie kaufe nur hei Bata und sei so zufrieden, dah sie nächstens wieder nur Bata-Schuhe kaufen werde. Denn diese sind leicht und elastisch. rückbleibt. Man hat den Eindruck, dah L'Herbier hier an eine Aufgabe herangegangen ist, die ihm nicht gelegen hat. dah er einen Kolonialfilm machen muhte, weil Kolonialfilme in Mode sind, und dah sein Bemühen. das Abenteuerlich-Kriegerische der Handlung psychologisch zu verfiefen und kammerspielhaft zu konzentrieren, der Sache mehr geschadet als genützt hat. Diese Film-Novelle, die einen(schon einmal als Verräter verdächtigten) englischen Leutnant in eine Situation bringt, in der er aus Rücksicht auf die(ihm von früher her wohlbekannte) Frau seines Obersten den Gehorsam bricht und über seine Gründe schweigen muh, so dah ihn der Oberst als Verräter zur Erschiehung verurteilt, worauf dann noch ein heldisches happy end des durch einen feindlichen Angriff Geretteten folgt, wirkt wie ein Pariser Konversationsstück. das versehentlich in Mesopotamien unter englischen Offizieren spielt, deren Französisch das Ganze nur noch unechter erscheinen lässt. Solange der Film im Offizierskasino spielt, ist er diskutabel, sobald aber die Schlachtszenen beginnen, wirkt er befremdend. und die Erstürmung der Kurden-Festung Ksur, die an das Ende des Films von den„drei bengalischen Reitern"erinnern soll, siebt reichlich overnhaft aus. Der Hauptdarsteller Pierre RichardWillm ist ein gutaussehender Liebhaber, der hier den ehrgeizigen Helden spielen muh. Käthe von Ragy zeigt zwar, dah sie fliehend französisch sprechen kann, aber dah sie Seelenkämpfe veranschaulichen kann, bleckt zu bezweifeln. Und der intereffante Typendarsteller Pierre Renoir bleibt diesmal sehr im Hintergründe.—eis— Michälek in Prag-Weinberge. Da die Michälek die Beziehungen zu ihm lösen wollte, begann er Streit, ■ schlug sie ins Gesicht und begann sie zu würgen. Dtr Michälek rih sich los und lief aus den Gang, wo sie in Ohnmacht fiel. Lizner ergriff die Flucht. Nach ihm wird geforscht. Tobender Sträfling. Der 31jährige arbeitslos: Schuster Ottd Dolejs aus Tabor, der von einem Taborer Gemeindeangestellten gestern mittags in die hiesige Zwangsarbeitsanstalt transportiert werden sollte, bekam auf dem Wege in der Havlikekgaffe in Prag II einen Tobsuchtsanfall, warf sich auf die Erde und schlug um sich. Die Rettungsgesellschaft brachte ihn zum Polizeiarzt, der eine Geisteskrankheit bei ihm feststellen konnte und ihn in die Landesirrenanstalt überführen lieh. Der Vorfall hatte einen grohen Menschenauflauf zur Folge. , Eine Tote und eine Verwundete als Opfer des Verkehrs. Vorgestern um 6 Uhr nachmittags warf der Chauffeur Peter Buzin aus Straschnitz mit seinem Lastauto gegenüber dem Gebäude der Riunione in der Jungmannsgasse in Prag kl die 65jährige GerichtSratSwitwe Klara Wagner aus Bubentsch zu Boden, die ohnmächtig liegen blieb. Wit einer schweren Gehirnerschütterung und einem Bruch der Schädelbasis wurde sie auf die Klinik Jirasek gebracht, wo sie um 11 Uhr nachts starb. Das Verfahren wurde eingeleitet.— Auf dem Karlsplatz wurde vorgestern abends die 84jährige Chauffeursgattin Marie Pakssek aus Radeschowitz vom Auto P 5.861 des Chauffers Franz PruSa aus Hlupoöep überfahren. Eine vorbeisahrende Droschke brachte sie mit einer schweren Gehirnerschütterung und einer Rihwunde am Kopf auf die Klinik Jirasek. Dem Chauffeur wurde der Führerschein entzogen. Bei JfchiaS erfolgt auf ein Glas natürliches „Franz-Josefi'-Bitterwasser, früh nüchtern genommen, beschwerdelos ausgiebige Darmentleerung, an die sich ein behagliches Gefühl der Erleichterung an- zuschliehen pflegt. Aerztlich bestens empfohlen. 3148 Rabiater Liebhaber. Gestern vormittags kam| neben Erfta Mann selbst, die abermals in der Conoer 26jährige arbeitslose Kellner Jan Lizner aus iference behutsam den Stil ihres Vaters parodiert, Raudnitz in^die Wohnung seiner Geliebten Anna iund eigene Dichtungen nachdenklich und leckenschast- lich zur Geltung bringt, die elementare Therese G i e h s e genannt werden, die in einem„Dreiakter" als Anti-Telephonprophetin ein in seiner ganzen vulgären Dämonie erfahtes, bis in den Tonfall und die Phrasierung hinein unheimlich getreues Ebenbild des„Führers" verkörpert. An Stelle der Tänzerin Lotte Goslar ist Cilli Wang getreten, ein grohes st nges Talent, durchaus eigenartig trotz mancher Aehnlichkeit mit Trude Schoop. Sie reiht mit ihren satirischen und doch nie groben Tänzen, in denen sie den Blut- und Boden-Kitsch ebenso abfertigt wie Erika Mann den irrationalen Aberglauben und den Schlagerstumpfsinn, die Zuschauer hin. Von den anderen sind vor allem noch Paul Lindenberg und Katharina Mattern zu nennen, daneben die Komponisten Magnus Henning und Auerbach un> der Klavierbegleiter Winternitz. Sie alle haben Teil an dem begeisterten Beifall, den die„Pfeffermühle" bei ihrem gestrigen Wiederaustreten in Prag fand, ein Beifall, der nicht nur der reizvollen Kunst dieser jungen Truppe, sondern ebenso ihrer mutigen und gläubigen Gesinnung galt.—eis— Deutsche B»lkSsinggemeinde Dienstag dringende Probe. Frauen um 7 Uhr und Männer dreiviertel 8 Uhr abends.— Um 7 Uhr Ausschuhsitzung. „Der Kongreß tanzt", Maskenball der Union der Geschäftsreisenden und Vertreter, findet am SamStag, den 8. Feber d. I., um 8 Uhr abends im Steinersaal des Lidovh düm, Praha H., Hybernskä 7, statt. Reklamationen im Sekretariate der Union, Praha kl.. Na Zborenci 18. Telephon 42, 43. Der traditionelle Angestellten-Ball gruppe Prag des All-A-Ver findet am (Samstag) im Hein es aal statt. Z nen an die Ortsgruppenleitung, Prag II., Füg- nerovo näm. 4. Die Elenden Die Franzosen haben die„Miserables", den berühmten Roman ihres— tkotz Balzac, Flaubert und Zola— gefeiertsten Romanciers Victor.Hugo vor kurzem als Trilogie verfilmt. In Hollywood hat mau sich kürzer gefaht. Ter.Regisseur B o l e- s l a w s k i, gar keiner von der ersten Garde, hat es unternommen, das grohe Werk zu einem Film von anderthalb Stunden zu machen, und das Wunder ist geschehen: die grohartige Erfindungsgabe des Dichters Victor Hugo, seine romantische Phantasie und sein Eindringen in die soziale Wirklichkeit, seine menschliche Gröhe und seine grohe Menschlichkeit sind auch in diesem Film sichckar geworden, der sich eigentlich nur äuf eine, allerdings dramatisch aufgebaute Inhaltsangabe beschränkt. Die Geschichte vom■ geschundenen Galeerensträfling Jean Valjean, dem ein wahrhaft christlicher Bischof den Glauben an die Gerechtigkeit wie- dergibt, und seines Widersachers Jabert, dtr seine Herkunft aus den Tiefen der Gesellschaft durch unmenschliche Verteidigung des Buchstabens des Gesetzes auslöschen will und den zum Fabrikanten, Bürgermeister und Wohltäter gewordenen Valjean entlarven und ins Gefängnis zurückbringen will.— diese seltsam aus romantischer Phantasie und sozialer Erkenntnis aufgebaute Geschichte vom göttlichen und menschlichen Gesetz, von der Grausamkeit blinder Justiz und von der Heilsamkeit gläubiger Liebe, diese revolutionäre Anklage gegen gesetzliche Barbarei ist hier von der Leinwand her wieder ergreifend wirksam geworden. Man mag versuchen, über allzu romanhafte Einzelheiten und manche Primi- tivität der Regie zu lächeln, man wird sich dem grohen Eindruck doch nicht entziehen können. Bor allem deshalb nicht, weil die decken Hauptrollen des Sttäflings Valjean und des Gesetzesfanatikers Jabert von zwei überragenden Schauspielern dargestellt werden: von dem kraftvoll bezwingenden Frederic March und dem(als Heinrich der Achte berühmt gewordenen) Charles L a ug h t o n, der sich hier als feffelnder Charakterdarsteller erweist.—eis— 478—41, 8248 der OrtS- 29. Feber Reklamatio- Kindermund In der Sowjetunion Ein kleines Mädel sieht im Zoo zum erstenmal in ihrem Leben einen Elefanten und meint, indem es den Riesenrüffel des Tieres betrachtet: „Das ist doch kein Elefant, das ist eine Gasmaske!" Der fünfjährige Bube, der neben der Schwester steht, guckt sich den Elefanten lange von allen Seiten an und fragt schliesslich die Mutter: „Wem gehört eigentlich dieser Elefant? Dem Staate antwortet die Mutter. „Also gehört er ein bihchen auch mir", meint der Knirps mit sichtlicher Genugtuung. Auch in Moskau spielen die Kinder„Ärieg in Ostafrika". Die.^Italiener" haben einen Steinhaufen erklettert und bombardieren die„Abessinier" mit Schneebällen. Diese erwidern natürlich das Bombardement mit groher Lebhaftigkeit. Das ganze soll einen Luftangriff auf Addis Abeba darstellen. Ort der Handlung ist der Hof eines Moskauer Kom- munalhaufeS. Da stürzt eine ängstliche Mutter aus ihrer Wohnung und fordert die Kinder zur sofor- ttgen Einstellung der„Feindseligkeiten" auf. Ein sechsjähriger.Italiener" erwidert ihr jedoch mit seinem klaren Stimmchen der allgemeinen Heiterkeit der Kinder: „Sieh mal an, was für ein Völkerbund!"(Im Russischen ist Völkerbund—„St(ja Razij" weiblichen Geschlechts).— Und schon hat der„Abessinier" den Schneeball abgekriegt. Mitteilungen