i, Dienstag, 4. Feber 1936 16. Jahrgang Nr. 29 Ehmfcrtis 70 HtHtr (einichli.Slich$ HtHN MH DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME MS MONTAG TÄGLICH FRÜH,«edaktion uno vbwaltuhg«ag xiufochova a. TEiffOH sm. HEHAUSGEBH. SIEGFtlED TAUB. VEtANTWOtRICHEl REDAKTEUR i DL EMIL ST« AU SS, NAG. irgendeinem französischen Rußlands Beteiligung in Rom unerwünscht i|>ctro->?Positionen und bauen Fqtts an allen Punkten,, menäröeit^tuifrftcn Polen und dem Deutschen nicht beabsichtige, Europa in neue Schwierig keiten z« stürzen. für den Bau ven elf Linienschiffen, 36 Kreuzern und jährlich 18 Torpedobootjägern in Angriff genommen. Es werden jührlich2000Flug- zeuge gebaut werden. Znr Finanzierung dieses Planes wird eine mit 2 bis 2.5 Prozent verzinsliche Anleihe auf 20 Jahre abgeschloffen werden und die Staats- kaffa wird zu diesem Zwecke nach und nach dreimonatige Kaffenbons zur Ausgabe bringen. 1 die das umliegende Terrain beherrschen. einen Luftpakt? veröffentlicht eine Mel-' vollkommen vorbereitet ist, sondern deshalb, weil die Sanktionen zwischen den Ländern, die an dem Pakte mitwirken sollten, eine Spaltung hervorgerufen haben. Was die Beteiligung Sowjetrußlands betrifft,> ist au zuständigen italienischen Stellen davon nichts bekannt. In keinem Fall würde ein Eingreifen Sowjetrujlands in das Programm . fallen, demgemäß der Donaupatt vorgeschlagen wurde, da die zur Beteiligung an dem Pakte berufenen Staaten diejenigen sind, welche Nachbarn Oesterreichs sind, oder mit ihm gemeinsame Interessen haben. Paris. Die am Samstag begonnene» diplomatische« Unterredungen fanden am Sonntag und Montag ihre Fortsetzung. Die Unterredungen Litwinows in Paris, die der auffallend freundlichen Aufnahme in London folgten, find Gegenstand großer Aufmerksamkeit und verschiedener Vermutungen. Man behauptet» daß Sowjetrußland bereit sei, gleichzeitig mit den übrigen Großmächten die Garantie für die Unabhängigkeit Oesterreichs im Rahmen des Bölkerbundes zu gewähren, und daß England in diese Sache vollkommen eingeweiht sei. Am Sonntag standen die Unterredungen des französische» Außenministers F l a n d i n mit König Carol von Rumänien und dessen Außenminister Titulesru, die insgesamt drei Stunden dauerten, im Mittelpunkt des Interesses. König Carol hatte auch eine längere Unterredung mit dem Generalstabschef General G a m e l i«. Der Montag war vorwiegend Balkanbesprechungen gewidmet, zu denen neben dem türkische« Außenminister Tewfik Ruchdi Aras vor allem auch der bulgarische König Boris und der jug»slawische Prinzrrgent Paul in der französischen Hauptstadt eingetroffen find. König Boris stattete dem Präsidenten der Republik einen Besuch ah und empfing den Außenminister Flandin und de» Ministerpräsidenten Tarrant. An einige« politischen Stellen wird angedeutet, daß ein baldiger Beitritt Bulgariens zur Balkan-Entente nicht ausgeschlossen ist. Nach einem Kommentar des Berichterstatters des Tschechoslowakischen Pressebüros haben die diplomatischen Verhandlungen, die aktuelle Fragen der gegenwärtigen internationalen Politik betreffen, unstreitig eine hohe Bedeutung. Alle, üb Staatsoberhäupter oder Außenminister, betonen den Ungewöhnlich starken Eindruck, den das Interesse Englands für die Entwicklung der politischen Dinge in Europa, und zwar nicht bloß im europäischen Westen, sondern auch in Mitteleuropa, auf dem Balkan und in Osteuropa, auf sie gemacht hat. Dieses Interesse König Eduards VIII. sowie der englischen Regierung rief auch in Paris starken Widerhall hervor. Bei den Unterredungen, die König Carol und insbesondere Außenminister Titulescu mit dem neuen französischen Außenminister Flandin hatten, wurde konstatiert, daß es nicht die Schuld der Kleinen Entente ist, wenn es bisher nicht gelungen ist, das Verhältnis zwischen Oesterreich und Ungarn einerseits und der Kleinen Entente andererseits fester zu gestalten. Im Gegenteil werde sich in dem Augenblick, da Oesterreich und Ungarn bereit sein werden, die Grundsätze des Bölkerbundpaktes wirklich anzuerkennen, dieser Umstand natürlich für das Verhältnis und die Annäherung der Donaustaaten im Genfer Rahmen und unter der Aegide der Großmächte günstig auswirken. Tas setz« selbstverständlich voraus, daß die französische Außenpolitik, die fest auf der Tradition ihrer Borgänger und auf der Treue zu den Verbündeten Frankreichs beharrt, weder zu einer territorialen Revision noch zur Restaurierung der Habsburger ihre Zustimmung geben wird. In diesem Sinne werde die Antwort an den österreichischen Vizekanzler Starhemberg gehalten sein. ' Zahlreiche Pariser Blätter machen bei dieser Gelegenheit auf den Pariser Besuch des tschccho- Unsarn außer Spiel Der ungarische Außenminister Kanya hielt sich nur kurze Zeit in Paris auf und setzte Montag die Reise nach Budapest fort. Er hatte keine Zusammenkunft mit Politiker. slowakischen Ministerpräsidenten Dr. Hodza anfangs nächster Woche und dessen mehrtägigen Aufenthalt in Paris aufmerksam. Alle stimmen in der Annahme überein, daß dieser Besuch im Rahmen der gegenwärtigen Pariser Besprechungen über Mitteleuropa einen wichtigen Platz einnehmen wird. Starkemders läßt sich überreden Der österreichische Vizekanzler S t a r h e m- b e r g hatte Montag eine Zusammenkunft mit Staatsminister Paul-Bonronr»nd wurde vormittags von König Carol empfangen. Starhemberg erklärte, daß dir Restaurierung der Habsburger kein aktuelles Problem sei und daß Oesterreich insbesondere nach dem kürzlichen Prager Besuch deS Bundeskanzlers Dr. Schuschnigg London. Der diplomatische Redakteur deS Blattes»Observer" behauptet, die britische Regierung hätte die Absicht, den Effrktivstand der Arme« auf 500.600 Mann voll ausgebildeter Herresangrhörige» zu erhöhen. Diese Absicht wird mit den kürzlichen Londoner Beratungen in Zusammenhang gebracht, deren Ergebnis nach übereinstimmendem Urteil die Auffassung brachte, daß die ungenügende Verteidigungsfähigkeit Englands eine der Ursachen der Unsicherheit in Europa ist. »Sunday Chronirle" zufolge befaßt sich der Rrgierungsausschuß für Rationalverteidigung mit einem Plan zur Reorganisierung der Landesverteidigung, der einen Aufwand von 360 Millionen Pfund Sterling(ra. 43 Milliarden Rom. Die mntliche italienische Nachrichten- Agentur Stefani teilt mit: Zu den Nachrichten über die Pariser Besprechungen betreffend das Problem des Do'naubeckcns und die Beteiligung Sowjetrußlands an einem mitteleuropäischen Pakte, die den Zweck verfolgen, Oesterreich undllngarndemitalienischenEin- flußzuentziehen,— es handelt sich besonders um Nachrichten, die von der Balkan- presse veröffentlicht werde»— wird a» römischen politischen Stellen hervorgehoben, daß der Donaupakt derzeit nicht durchgeführt werden kann, u. zw. nicht deshalb, weil Italien durch den abessinischen Konflikt gebunden ist, da Italien in gleicher Weise auf seine europäischen Aufgaben Wie England aufrüsten muß 500.000 Mann stehendes Heer»Flottenbauten- Jährlich 2000 Flugzeuge Prüfung der Petroleum-Sanktionen Genf. Mittwoch vormittags trat in Genf der Sonderausschuß der Sachverständigen zusammen, der von der Sanktionskonferenz mit der Prüfung der Frage der Petroleums« n k- t i o n e n bettaut wurde. Der Ausschuß beriet über alle Bedingungen des Handels mit Petroleum und berücksichtigte dabei, ob es unter den gegenwärtigen Umständen tunlich und technisch möglich sei, Petroleumsanktionen gegen Italien durchzuführen."Der Ausschuß wird seine Arbeite Ende dieser Woche beendigen. Ein besonderes Subkomitee behandelt die Frage der Petroleumbeförderung. Vom politischen Standpunkt wird die Frage der Petroleumsanktionen vorläufig in Genf nicht behandelt werden, obwohl man allgemein der Meinung ist, daß dje Entscheidung über die Anwendung der Sanktionen jetzt nur noch davon abhängig ist, in welcher Weise die Regierung der Vereinigten Staaten das Problem des leumembargos.regeln wird. Oer Verbündete wird orientiert König Carol empfing Sonntag abends nach feiner Unterredung mit Außenminister F l a n- d i n den tschechoslowakischen Gesandten Dr. O s u s k h in Audienz, den er über die Eindrücke seiner Unterredungen in London und in Paris informierte. * OctrONc frcundsdiaft zwischen Deutschland und Polen —m. Warschau, Anfang Feber. Ein alter französischer Diplomat hat das berühmte Wort gesprochen, in jedem Bündnis zwischen zwei Staaten sei der eine der Reiter, der andere das Pferd. Das Dritte Reich Adolf Hitlers und die polnische Halbdiktatur der Pilsudski» Offiziere haben zwar kein Bündnis miteinander. Aber durch die Isolierung des nationalsozialisti« scheu Deutschland in der Welt und durch die wachsenden Gegensätze, in die Polen während der letzten Jahre gegenüber seinen anderen Nachbarn und zeitweise sogar gegenüber seinen Verbündeten geriet, ist die junge Freundschaft zwischen Berlin und Warschau eine anormale Erscheinung geworden, welche ringsum in Europa begreifliches Mißtrauen erweckte. Der polnischen Regierung ist dieses Mißttauen bereits recht unbequem geworden. Sie hatte nichts dagegen, sich von Hitler einen langfristigen Verzicht auf jede Aenderung ihrer Grenzen im Weichsel-Korridor und in Oberschlesien bestätigen zu lassen. Aber sie will auch nicht die Rückversicherung ihrer Unabhängigkeit von Deutschland durch ihr Militärbündnis mit Frankreich und die Mitgliedschaft im Völkerbunde entbehren. Mit zwei Eisen im Feuer hofft Polen ttotz seiner kleineren Armee und schwäche-' ren Wirtschaft im Verhältnis mit Deutschland der Reiter zu bleiben. Die wendige Diplomatte, mit der der polnische Außenminister Oberst Beck diesem schwierigen Ziele zuftrebt, hatte sich zuletzt im Falle der Freien Stadt Danzig zu erproben. Der Völkerbund, vorweg die Engländer unter der Führung Edens, verlangten Wiederherstellung des von den doMgtn Nationalsozialisten gebrochenen, unter internationalem' Schutz steherwen Verfassungsrechts. Polen hatte mit den Danziger Hitler-Leuten gute Geschäfte gemacht, die seinem eigenen Hafen Gdingen zu Nutzen kommen. Den einzigen Versuch des nationalsozialistischen Senats der Freien Stadt, sich gegen die wirtschaftliche Vorherrschaft des polnischen Staates durch einen törichten Handelskrieg aufzulehnen, hat die Warschauer Regierung im vorigen Jahr erfolgreich abgewehrt. Dafür hat sie die polittsche Gleichschaltung Danzigs mtt dem Reich hingenommen. Aber mit dem Völkerbund will Oberst Beck es doch auch nicht verderben, zumal jetzt, nachdem sich Genf im Fall des abessinischen Konflikts immerhin zu den ersten Sanktionsmaßnahmen auf- getzafft hat. So brachte die polnische Vermittlung das Kompromiß zustande, welches den Rechtsstandpunkt wahrt, aber schärfere Maßnahmen wie Deutschland gegen Der»M atin" düng seines Londoner Berichterstatters, in der behauptet wird, daß bei den Unterredungen des Ministers Eden mtt dem deutschen Außenminister von Neurath aufs neue die Frage des Flugpaktes im. Westen besprochen wurde. Neurath soll hiebei angedeutet haben, daß Deutschland den gegenwärtigen Augenblick als nicht geeignet für Verhandlungen über diese Frage ansehe.. Vor neuen Kümpfen an der Nordfront? London.(Reuter.) An der Nordfront mel-„„..., den die Abessinier im Abschnitt.Makale einenen. Manhat^ihr zwar erklärt, daß die national- große Schlacht und fügen hinzu, daß vor-! läufig weder die eine noch die andere Partei be merkenswerte Erfolge zu verzeichnen hat. Es ist möglich, daß die in der Nähe der Straße Auda— Makale gemeldeten Kämpfe der Vorhuten die Einleitung zu einer neuen großen Schlacht zwecks Eroberung der Straße sind, die über das Schicksal Makales entscheidet. Inzwischen handelt es sich jedoch bloß um nebensächliche Zusammen stöße zwischen den abessinischen Kolonnen, die aus dieser Straße Ausfälle unternehmen und den italienischen Abteilungen, welche die Straße ver teidigen. Die Italiener rechnen offenbar mit einem wetteren Angriff der Abessinier im Abschnitt bei Makale. Sie befestige» noch mehr ihre | sozialistische Rassenlehre jede weitere Germanisie- rung von Nichtgermanen ausschließe. Aber in der Praxis werden die Polen in den preußischen Ostprovinzen ebenso wie alle anderen Einwohner mit mehr oder weniger sanfter Gewalt in die Hitlerjugend, in den Arbeitsdienst, in die nationalsozia- listischen Wirtschaftsverbände und Propaganda- Organisationen hineingezwungen. Alle ihre Beschwerden dagegen haben nichts geholfen, wie ja auch im polnischen Staat nach dem Pakt zwischen Warscbau und Berlin die deutsche Minderheit mit ihrer Behandlung noch weniger zufrieden ist als vorher. Solche Erfahrungen tragen dazu bei, daß der Flirt der Pilsudski-Offiziere mit dem deutschen Nattonalsozialismus außer den Gegnern jeder Diktatur auch die polnischen Nationalisten I verstimmt. Noch abschreckender sind die bisherigen I Ergebnisse der wirtschaftlichen Zusam- |••..>» Q.V,|W,...•«• W.IV Vb.f, >1 Reich. Das erste umfassende Handelsabkommen, Diplomatische Hochkonjunktur Balkan und Donauraum in Paris Sowjetgarantie für Oesterreichs Unabhängigkeit? KE) erfordert und in kürzester Zeit der Regie rung vorgelegt werden wird. Der Plan ist für sechs Jahre berechnet und der erforderliche Kredit wird zu zwei Dritteln der Marine zugute kommen. In den Schiffswerften werden die Arbeiten| die- Entsendung eines Untersuchungsausschusses an Ort und Stelle vermeidet. Die Stellung Becks gegenüber Danzig wird jetzt trotzdem wieder schwierig, weil der nationalsozialisttsche Senatspräsident nachttäglich offen erklärt, daß er die Genfer Empfehlungen nur so weit ausführen wird, wie es ihm paßt, und im übrigen eine „Volksabstimmung" nach Hitlerschem Muster, das heißt mtt Nachhilfe der SA und der SS, gegen die Bölkerbundskontrolle ankündigt. Mit der gesamten polnischen Opposttion verlangt daraufhin nun auch die polnische Minderheit in Danzig ein schärferes Auftreten von Warschau. Auch die polnische Minderheit im Deutschen Reich ist von den bisherige» Ergebnissen der Freundschaft zwischen Hitler und Beck wenig erbaut und gibt das offen zu erken- Seite S DienStag, 4. Feber 1936 Nr. 20 Die Wahltaktik der französischen Genossen Im ersten Wahlgang selbständig, im zweiten mit der Linksfront Paris. Die sozialistische Partei, welche zu Wochenende in der Pariser Borstadt Boulogn« einen außerordentlichen Kongreß über die einzn- schlagende Wahltaktik abhielt» hat fast einstimmig beschlossen, daß im ersten Wahlgang die sozialistischen Kandidaten überall selbständig auftreten, sich jedoch im zweiten Wahlgang über einen gemeinsamen Kandidaten mit jenen der Parteien einigen werden, welche die gemeinsame LinkSfront bilden, also ebenso mit den Kommunisten wie den Radikalen. das die Warschauer Regierung nach langjährigem Zollkrieg mit Deutschland im November 1938 ab« schloß, ist bereits nach zwei Monaten praktisch wieder außer Kraft gesetzt worden. Da Doktor Schacht Devisen für die polnischen AgrarprWukte nicht zur Beifügung stellen will, ertiärte sich die Warschauer Regierung bereit, als Gegenleistung deutsche Waren im Verrechnungsverkehr zum Absatz in ihrem Lande zuzulassen. Aber infolge der hohen deutschen Preise und der Abneigung sowohl des in Polen vorwiegend jüdischen Handels wie auch sozialistischer und katholisch-kirchlicher Kreise gegen den Verkehr mit den Hitler-Leuten ging die deutsche Ausfuhr noch weiter zurück als in der Zeit des Zollkrieges. Der polnische Export nach Deutschland mutzte daheraufeinFünf- tel der vereinbarten Kontingente zurückgeschraubt werden! Selbst die Zahlungen für die Transporte der polnischen Bahn durch den Weichsel-Korridor hat die Deutsche Reichsbahn seit einem Jahr nicht mehr überwiesen. Das Warschauer Verkehrsministerium, dessen Haushalt dadurch in Bedrängnis kam, mutzte geradezu mit der Sperrung aller Durchgangstransporte zwischen Ostpreu- tzenunddemReich drohen und das Justizministerium Vergeltungsmaßnahmen für die Schädigung privater polnischer Gläubiger durch die deutsche Zahlungssperre ankündigen. Ob es tatsächlich zu diesen polnischen»Wirtschafts-Sanktionen" gegen das Dritte Reich kommen wird, bleibt abzuwarten. Berlin hat die Druckmatznah- men durch neue Verhandlungsangebote beantwortet. Immerhin mutzten vorher im Sejm selbst die nächsten Freunde des Autzenministers Beck so scharfe Töne gegen Herrn Dr. Schacht anschlagen, wie man sie zwischen wirklichen Freunden nicht zu gebrauchen Pflegt. Wenn nach der Ablösung von Hoare und Laval durch Eden und Flandin die Sowjetpolitik von neuem eine Annäherung an die Weftmächte versucht und den französisch-russischen Hilfspakt endlich unter'Dach und Fach bringen will, so werden Berlin und Warschau vorübergehend wieder einmal eine gemeinsame Abwehrlinie gegen solche Paktpläne beziehen, da sowohl Hitler wie Beck ihre diplomatische Aktionsfreiheit dadurch beengt sehen. Aber über solche rein negativen Einstellungen kommt die deutsch-polnische Zusammenarbeit nicht mehr hinaus. Wenn es zur Entscheidung kommt, wird auch Polen— wie bereits bei der Verurteilung der deutschen Aufrüstung durch den Völkerbund— durch seine wirtschaftlichen unpolitischen Interessen indie europäische Einheitsfront gegen das Dritte Reich Hine Ungezwungen werden. 5 das Leden im Licht KOVEUE VOM OMUIt BAUM Berkl mußte nun von Lore erfahren, wie sie das Anerbieten des Arztes aufnahm. Aber was wußte denn das weltfremde Kind? Sie durste nicht in die Hände dieses Menschen geraten. Man durfte sie ihm nicht auf Gnade und Ungnade ausliefern. Wenn sie einmal in seiner Gewalt wäre, hülfe ihr niemand mehr. Berll überwand alles, was ihn hemmte, und flog die Stufen zum ersten Stockwerk empor. Vielleicht saß Lorchen noch in seinem Zimmer und wartete. $ Jedes Gesicht, dem Lore in dieser Zeit begegnete, hatte ihr in irgendeiner Hinsicht eine Ueberraschung gebracht. Anfangs, als das viele Neue von überallher auf sie einstürmte, war sie besonders neugierig darauf gewesen, wie Berll sich vor ihren Augen enthüben würde. Um die Stunde, da er alle Tage zu ihr ins Spital zu kommen pflegte, hatte sie ein Gefühl wie auf dem Höhepunkt einer spannenden Erzählung. Aber er kam nicht. Wie war das zu erklären? Sie vergaß alle die übrigen Beunruhigungen dieser erregenden Zeit über dieser Frage. Als sie endlich das Spital verlassen konnte und das Haus wieder betrat, in dem sie vom Kind zum Menschen erwacht war und alle Gedanken ihrer Jugend erlebt hatte, traf sie niemand in der Vorhalle. Sie ging durch den Korridor der Knabenabteilung, den sie als Zögling nie betreten hatte. Sie wußte, daß Herr Berkl um diese Zeit immer auf seinem immer war. Es schien mit zu seiner un- begreiflichen kühlen Abkehr zu gehören, daß sie das Zimmer leer faird. Sollte sie wieder gehen? ßie sah sich im Zimmer um. Es war ganz schmuck- „Arbeite!) wir an einer gemeinsamen Kultur im gemeinsamen Staat** Stimme der Verständigung eines tschechischen Publlzlsteu In der„Nase Doba", der angesehenen tschechischen Zeitschrift, die vor dem Weltkriege von Masaryk redigiert worden ist, und deren gegenwärtiger Redakteur Abgeordneter Prof. Dr. M a c e k ist, veröffentlicht der be- kannte Publizist Zdenök Smetäkek einen längeren Artikel über die Frage der deutschtschechischenBerstän- d i g u n g, in welchem nicht so sehr konkrete Vorschläge erstattet, als vielmehr die g e i ft i- gen Voraussetzungen einer solchen Verständigung gezeichnet werden. Wenn es auch schade ist, daß der Verfasser nicht zu kon- freien politischen Schlüssen gelangt, ist der Arttkel wegen der vornehmen Gesinnung, die aus ihm spricht, bemerkenswert. Smetakek gelangt zu folgenden Schlußfolgerungen: Wer an die Bedürfnisse des Staates denkt, wer wünscht, daß er in seinen heutigen Grenzen erhalten werde, und wer weiß, daß er zu diesem Zwecke innerlich möglichst einheitlich sein müsse, muß sich die Frage stellen, wie der Abgrund überbrückt werden könne, den zwischen uns und den Deutschen die Theorie des Nationalstaates aufgerissen hat. Es wird ihm llar sein, daß, falls beide Parteien auf dieser Theorie bestehen und sie bis in die Konsequenz verfolgen, es nur drei Möglichkeiten gibt, wie die Frage zu lösen ist: Entweder wir enMationalisieren die Deutschen, oder die Deutschen uns, oder der Staat wird in seine nationalen Teile zerrissen. Diejenigen, welche bei uns auf der Theorie des nationalen Staates beharren und die irgendwie die Schwierigkeit erklären wollen, daß den tschechoslowakischen Deutschen die Zugehörigkeit zum deutschen nationalen Staat dauernd vorenthalten werden solle, verweisen auf die Existenz Deutschlands und Oesterreichs. Sie sagen: die Deutschen haben zwei nationale Staaten, in denen sie sich voll„ausleben" können und deswegen können sie einen Teil ihrer Nationszugehörigen opfern, damit der Nationalstaat auch für die Tschechosiowaken ermöglicht werde. Die deutschen Minderheiten im Tschechoslowakischen Staate haben ihren Nationalstaat sozusagen jenseits der Grenzen. Dieser Ausweg auS der Schwierigkeit hat zwei schwere Fehler- Vor allem verweist er die deutschen Minderheiten geistig und kulturell geradezu jenseits der Grenzen und entftemdet sie so dem eigenen Staat. Er bereitet eine Art Jrrendenta mit behördlicher Genehmigung vor. lind, zumzweiten.begeht er. einen Fehwr'durch kollektiöjssischeI Dfnvn," das ip eine Auffassung von„Deutschtum" und„Tschechen- tum" und keineswegs von konkret lebenden Deutschen und Tschechen. Was hat eS für die hiesigen Deutschen für einen Wert, daß«S irgendwo einen deutschen Staat gibt, wenn fit in Unserem Staate leben müssen? Ihr Vorteil aus jenem fremden Staat beschränkt sich etwa darauf, daß sie sich dort leicht verständigen und daß sie von dort Bücher kaufen oder sie dort herausgeben können. Auf diesem Wege kommen wir nirgends hin. Der einzige Weg, der uns zum Ziele führen kann, ist der Weg zu einer kulturellen und politischen Synthese. Schon regen sich da und dort Stimmen, daß es notwendig ist, eine Art neuer politischer tschecho- slowaksscher Nation zu schaffen, welche alle Nationalitäten umfassen würde, ohne ihnen die sprachlichen und kulturellen Freiheiten zu nehmen. Und schon werden diese Stimmen auch bei Deutschen nicht immer mit Abneigung und Schrecken ausgenommen. Wir müssen auf beiden Seiten den Ged auken einer s elbstgenügs a- menundreinen Rationalkultur uns aus dem Kopfe schlagen. Schon historisch ist das ein vollkommener Unsinn. Kein Voll ist in der Isolierung gewachsen und jede nationale Kultur ist ein« Zusammensetzung der verschiedensten Elemente. Es gibt allerdings lokale Besonderheiten, aber die wachsen auf dem Boden einer gemeinsamen europäisch-amerllanischen Zivilisation, welche in ihren Anfängen wieder starke Einflüsse aus dem Osten ausgenommen hat. Wieso kommt es, daß die Schwärmer von der nationalen Autarkie sich nicht einer so primitiven Sache bewußt werden, wie die, daß die Mehrheit der zivilisierten Nationen eine Schrift schreiben, eine Bibel lesen, die gleichen Dichter verehren, von derselben Wissenschaft und denselben technischen Erfindungen leben? Haben wir diese gemeinsamen Grundlagen im Sinne, dann können sich jene lokalen Besonderheiten, welche wir unbedingt verabsolutieren wollen, leicht nebeneinander vergleichen. Und sie verlieren gleichzeitig an Bedeutung und an Neberwertung. Keine der Nationalitäten unseres Staate? kann von ihrer ausschließlichen und besonderen Kultur leben. Einen großen Teil der heutigen tschechischen Städte haben Deutsche gegründet, einen großen Teil anderer Dinge haben wieder die Deutschen von den Tschechen übernommen. Wir haben tausende gemeinsamer Gedanken, welche wir nur durch eine verschiedene Sprache ausdrücken. Deswegen darf unsere Parole nicht Autarkie und Isolation sein, sondern Synthese im Geiste und in der Wahrheit. Arbeiten wir an einer gemeinsamen Kultur im gemeinsamen Staat. Finden wir uns in einem Geiste, wenn auch durch verschißene Sprachen verdolmetscht. Man kann vorläufig nicht alle organisatorischen und administrativen Einzelheiten anführen, durch welche die Staatseinheit durchgeführt werden kann. Sie werden von Fall zu Fall gesucht und gefunden werden. Es handelt sich vorläufig um die allgemeine Richtung, in der über die Frage der Staatseinheit gedacht werden soll. Alle Versuche des nationalen Ausgleiches und Friedens, welche bisher in Böhmen gemacht wurden, sind von der unrichtigen Auffassung ausgegangen, daß es hier verschiedene und nicht vergleichbare Elemente gibt, die man vereinigen, und.vergleich«, muß. Gehen wir vom gegenteiligen' Gedanken aus! Haben wir im Sinne, daß wir eines sind Und daß wir nur einige untergeordnete Besonderheiten haben, denen man ihren Platz zuweisen muß. Kehren wir wieder zur territorialen Vaterlandsliebe zurück. Lernen wir, daß dieses Land mit allen, was darauf ist und lebt, unsere Mutter ist und daß wir sie lieben und schützen müssen mit allem, was dazu gehört, mit ihrer Natur, mit ihren Städten, mit ihren Menschen, mit ihren Sprachen. Man muß alle diejenigen beruhigen, welche befürchten, daß eine solche Arbeit den Weg zu irgend einem Verfassungsumsturz bedeutet. Unsere Verfassung ist geradezu für solche Arbeit die geeigneteste Grundlage. Ihr Text kennt nicht die Theorie des Nationalstaates, sondern nur freie und gleiche Bürger ohne Rücksicht auf Sprach«, Glaube und Rasse. Ihre Einleitung spricht zwar von der tschechoslowakischen Nation, aber gerade daran liegt es, welchen Sinn wir dem Worte„ffchechoftowakisch" geben. Lewer kschafteii für Roosevelts Wiederwahl Washington. Die Vertreter sämllichcr amerikanischer Bergarbeitergewerkschaften sind in Washington zu einer längeren Tagung zusammengetreten. Die Tagung beschloß einstimmig, für Roosevelt einzutreten und seine Wiederwahl mit Geldmitteln zu unterstützen. Man erwartet allgemein, daß weitere Arbeitergruppen dem Beispiel der Bergarbeitergewerkschaften folgen werden. Nach Deutschland gelockt Ein Sportverein als Köder Der dänische Atlethenverein„Alsia" in dem ehemals zu Deutschland gehörenden Sünder- b o r g verhandelte mit einem Sportklub in Flensburg, Schleswig-Holstein, über ein Treffen in der erstgenannten Stadt. Eines Tages schrieben die Flensburger, man müsse doch mündlich verhandeln und die Sönderburger zwei Delegierte schicken, darunter den Kassierer Peter Christensen, weil dieser in der Sache am besten informier sei. So machte sich denn dieser Tage Christensen, ein Arbeiter, mit seinem Kollegen auf den Weg. In der deutschen Grenzkon- trolle Krusaa verschwand Christensen spurlos. Seine Frau wandte sich an das dänische Konsulat in Flensburg und erhielt die Antwort, ihr Mann sei v e r h a f t e t, mehr aber könne das Konsulat von den deutschen Behörden nicht erfahren. Christensen soll früher irgendwie am Transport anfifaschistischer Literatur nachDeutsch- lanld beteiligt gewesen sein. Die Gestapo bediente sich einfach des gleichgeschalteten Sportklubs, um den Dänen ins Dritte Reich zu locken. Hoffentlich wird dieser traurige Fall die Nachbarn Hit- lerdeutschlands endlich vorsichtig machen! britische Arbeltslosenzlffem London. Die Zahl der Arbeitslosen in Großbritannien betrug zum 20. Jänner d. I. 2,159.722, d. s. um 291.157 mehr als am 16. Dezember v. I., aber um 165.651 weniger als am 28. Jänner des Jahres 1935. Neue Wirtschaftsverhandlungen mit Wien Wien. Die tschechoslowakische HandelSver- tragsdeleaatton ist Montag abends unter Füh- rung'des vttwllnBchfiMn MinistttsDk.'F r i e d- m a n n in Wien eingetroffen und wird Dienstag um 5 Uhr nachmittags im Bundeskanzleramt die Besprechungen mit der österreichffchen Bundesregierung aufnehmen. Macdonald erhält ein Unlverslt8ts*Mandat London. Bei den Nachwahlen der schottischen Universitäten zum Unterhaus wurde der Präsident des geheimen Staatsrates und frühere Ministerpräsident RamsayMacdonald mit einer Mehrheit von 7359 Sfimmen gewählt. Ramsay Macdonald erzielte insgesamt 16.393 stimmen. los, kein Bild an der Wand, nur ein Stundenplan, und überall auf dem Tisch, dem Schreibfisch, selbst auf dem Bett Bücher. Sie konnte schon Schwarzdruck mit einiger Mühe langsam lesen. Es waren ja fast die gleichen Buchstaben wie im veralteten Reliefdruck der ersten Blindenbibel. Mer sie legte das Buch wieder fort, nach dem sie gegriffen hatte. Wäre es, wenn sie die Titel untersuchte, nicht so, als wollte sie ohne sein Wissen in sein Leben eindringen? »Sieh' mal, Lorchen!" Berkl trat ein. »Darf auch ich dich endlich beglückwünschen?" Sie sprang auf, wie es sich beim Erscheinen des Herrn Lehrers gehörte. Er ergriff ihre beiden Hände und ertrug ihren begierigen forschenden, ein wenig erschreckten Blick.»Fabelhaft ist die Welt, wie?" sagte er hastig. Sie lachte:»Ich habe mir sie eigentlich noch fabelhafter vorgestellt". „Kaum zu begreifen", dachte er,„welche Verwandlung ein beseeües lebendes Auge in einem Gesicht zuwege bringt! Mer jetzt nur sprechen!"„Es ist jedenfalls alles ein Stück wirklicher, nicht wahr?" Es war immer, noch so, daß eine kleine Pause entstand, ehe sie antwortete und dann sprach sie mit ihrer leisen Sfimme ein wenig überstürzt:„Nein, es kommt mir alles jetzt eigentlich noch unwirklicher vor, vielleicht nur im Anfang." „Wer das schöne Leben, das beginnt, ist doch wirklich mit seinen unabsehbraen Möglichkeiten!" Es fügten sich ihm ganz andere Worte als die, die ihm auf dem eiligen Weg über die Treppe durch den Kopf liefen. „Als Befreiung empfindest du es wohl schon, von hier fortzukommen in die Welt ohne Stundenplan hinaus..." Es würgte ihn in der Kehle. Sie trat ans Fenster, die vertraute Gegend, den \ Garten, den Turnplatz, die Bank im Birkenwäld- I chen da hinten, auf der sie an Sommerabenden so I gern bis zum Glockenzeichen gesessen hatte, nun mit dem Auge kennen zu lernen. Da fühlte sie seinen Blick im Rücken. Ihr schien, daß er es so deuten könnte, als wollte sie von seinem Gesicht forffehen. Sie wandte sich um und überraschte seinen Blick, der eilig von ihr fortglitt. „Freust du dich auf deinen neuen Beruf", ftagte er Unvermittelt. „Ist das etwas, worauf man sich freuen kann, Herr Lehrer?" »Warum ergreifft du ihn dann Wer?" „Was soll ich denn sonst tun?" Sie sah ihn erstaunt an. Noch hatten die Pupillen einen rötlichen Hof, der sich wohl allmählich verlieren würde. »Ich finde den Beruf auch nicht übermäßig anziehend", meinte er.„Ns lebendes Reklameschild in der Sprechstunde des Dr. Löh zu fungieren; denn das ist doch der fiesere Sink!" „Gott, es ist sein gutes Recht, Herr Lehrer. Hat er nicht etwas Großes geleistet?" „Man hat die Nachricht nicht verschwiegen, und sie würde auch ohne solche Mittel wirffam sein." „Es scheint mir das Mindeste, was er verlangen kann. Es ist ja auch schließlich für mich ein Glück. Er nimmt mancherlei Schwierigkeiten mit in den Kauf, die ihm keine Unbeholfenheit auf Schritt und Tritt bereiten wird, im Anfang wenigstens. Es ist eben eine ein wenig komische Lage, wenn man so als beinahe erwachsener Mensch plötzlich nochmals auf die Wett kommt!" Wie sollte er ihr klarmachen, welche Gefahren ihr von diesem unberechenbaren Menschen drohten?„Lore", begann er sehr ernst,„du bist kein Kind mehr" Sie lächelte:„Ich glaube, ich war es auch früher schon lange nicht mehr, Herr Lehrer. Sie haben es nur nicht gemerkt." .„Wenn ein Mann", sagte er und räusperte sich,„wie Dr. Lötz gewohnt ist, den Frauen zu l gefallen.. Sie war mit eins an seiner Seite und legte die Hand auf seinen Arm. Es glühte über ihr Gesicht hin.„Bitte nicht!" Es hat doch keinen Sinn!" „Warum nicht?" fragte er erregt.»Du kannst nicht ahnen, Lore.. „Doch ja, Herr Lehrer! Ich ahne!" Sie blickte zu Boden, und das gab ihrem Gesicht wieder fast den Ausdruck von früher.„Fürchten Sie nichts. Es bleibt mir ja doch nichts anderes übrig..." „Und dann— ist er doch jemand, der Interesse an när nimmt. Hier gehöre ich nicht mehr her. Nirgendwohin gehöre ich, seit ich unter die Gesunden eingerciht bin. Selbst Sie, Herr Lehrer, der Sie doch immer so freundlichen Anteil an mir nahmen, kamen von dem Augenblick an, da es sich entschieden hatte, nicht ein einziges Mal mehr zu mir. Nun ja. Sie haben viel zu tun, ich weiß. Ich bin keine Ihrer Obliegenheiten mehr. Es ist vielleicht schon ein anderes, bedauernswerteres Geschöpf als Zögling an meiner Stelle hier." „Das ist:s nicht, Lore, ganz und gar nicht!" Er begann mit unregelmäßigen Schritten in dem kleinen Zimmer hin- und herzugehen. «Von Tag zu Tag hab ich gewartet, ob Sie nicht doch kommen würden, mir einen Rat zu geben— Sie wissen ja, ich habe niemand, der mich beraten könnte." „Wie hätte ich daran denken sollen, daß man jetzt schon über Deine Zukunft entscheiden wird? Wer ich hätte es ja wissen können. Ich wollte nicht, ich wollte nicht" Er schlug sich vor die Sfirn.»Wie konnte ich nur so vernagell sein" »Sie haben eben zu viele Pflichten, Herr Lehrer." »Wer das ist eS bo* nicht!" schrie er sie an. Und dann beherrscht:„ES war ein anderer Grund, ein ganz lächerlicher. Du kannst ibn nicht ahnen. (Schluß folgt.) xr. zv : U Dienstag, 4. Fever ins» fadetendeufeehe« muhte, daß ich meine E r w a r- '»ng e n viel, viel zu hoch gesellt hatte, hiest ich an der Heimatcent«och zu einer Zett fest, wo meine ^gehörigen längst die... der Füh- erkannt hatten. Als ich mich endlich nach viele« Enttäuschungen dazu entschloß, Vom wirtschaftlichen Kampfplatz J Von der Betriebsleitung der Firma & R. Löwy, Textilfabrik», in Warnsdorf, wurde vor kurzem den Schwabftuhl-Arbeitern eine sieb- )khn, bis achtzehnprozentige ^ohnherabsetzung angekündigt. Eine Aussprache in der Kanzlei des Deutschen Hauptbandes der Industrie zwischen der Betriebsjung und den Vertretern der Gewerkschaft, dem Betriebsausschuffe ergab einen B e r* ^>ttlu n gsvor schlag des Syndikus des putschen Hauptverbandes der Industrie Dr. Wütig, beinhaltend eine Lohnherabsetzung von M bis zehn Prozent, der auch von der Belegest voll angenommen wurde. E Die Firmalehntejedochweitere *krHandlungen brüsk ab und beerte auf restloser Anerkennung des Lohnkür- ^ngsdiktats. Dieses Verhalten der Firma hat Wu, wie wir bei Blattschluß erfahren, zu einem skfenenKonflikt geführt, da von der Be« Wbsleitung PressionSmaßnahmen gegen die be- Dffene Arbeiterschaft eingeleitet wurden. L Zuzug von Schwab-Welkern ist, solange eine Wlcgung des Konfliktes nicht erfolgt, strenge Krnzuhalten. ans der SHF auszutreten(es war dies Ende 1933), stand ich in Karlsbad „allein aus weiter Flur". Inzwischen hat sich der Kreis jener, die mit der Füh- rung der SdP nicht einverstanden sind, enorm erweitert... Die Henleinpartei suchte immer zu leugnen, daß sich ihr Kernstock aus ehemaligen Hakenkreuz- Nationalsozialisten rekrutierte; hier bestätigt es einer von denen selber schwarz auf weiß. Aber selbst unter diesen Teutonen der Treuen hat sich also der Kreis derer, die Henlein den Rücken kehren,„enorm erweitert". Ja, es ist enorm, wie rasch dieGötzewdämme- r u n g anzubrechen droht! *, Austrittsbeweguns Im Rumburger Gebiet I Im Bezirk Schlucken«» kann man jetzt fast täglich hören, daß dieser oder jener der SdP Elbogener Arbeitslager aufgelöst Wegen Beflaggung am Tage der Machtergreifung Samstag abends löste ein Beamter der Bezirksbehörde in Elbogen in Anwesenheit des Bürgermeisters und der Gendarmerie das in den früheren Räumen der Deutschen Agrarbank untergebrachte Arbeirtslager auf. Innerhalb von zehn Minuten mußte das gesamte Lager geräumt sein. Der Lagerleiter und der Koch— es handelt sich um geeichte Henleinleute— wurden von der Gendarmerie mitgenommen, der Bürgermeister erhielt ein Strafmandat auf 8000 XL. Außerdem wurde schriftliches Material beschlagnahmt. Der Grund zu diesem energischen Einschreiten der Behörden ist die Hiffung der städtischen ! Fahne am dritten Jahrestage der Machtergrei- i fung Hitlers. Der Verwaltung des Lagers gehörte I außer Vertretern der Stadtgemeinde ein Vertre- I ter des völkischen Turnvereines und der Sekretär ! der SdP Word an. Gegriißt wurde im Lager ! nur mit»Heilt" und erhobener Hand. Schon der | erste Lagerleiter hatte nach kurzer Zeit seine' Tätigkeit einstellen müssen, weil er mit dem ! Schuhgesetz in Konflikt geraten war. Die neue Leitung scheint nicht viel anders gewesen zu sein. vle alte Leier In der„R o t e n F a h n e" nimmt der Ab- geordnete Bruno Köhler zu dem Flugblatt unserer Partei Stellung, das die Massen zur Besinnung und zum Kampfe gegen die Henlein- Demagogie aufruft. Die Art, in der sich Köhler mit uns bzw. mit dem von ihm dauernd apostrophierten„Parteivorstand" auseinandersetzt, ist sehr bezeichnend für den Rückfall der Kommunisten in die alten Methoden ihrer Demagogie. Der Mann von der richtigen Linie belehrt die Sozialdemokratie, nachdem er einiges, was in unserem Flugblatt gesagt wird, als richtig bezeichnet hats fdlgendermaßen: Di« von der Henleindemagogie mitgerissenen Werktätigen einfach in Bausch und Bogen zu Faschisten stempeln und aus Aerger über die Wahlniederlage Rache au ihnen zu nehmen, wie es bisher der Parteivorstand tat, ist nicht nur politisch kurzsichtig, sondern für die Arbeitersache einfach verderblich. Die sozialdemokratischen Arbeiter sollen endlich in den verführten und betrogenen Henleinmassen nicht Objete sehen, an denen man sich rächt, sondern Werktätige, die wir aus dem Banne der Henleindemagogie befreien und für di« Sache d«S arbeitenden Volkes gewinnen müssen. Da daS der Parteivorstand nicht begreifen will, müssen dies die sozialdemokratischen Arbeiter selbst tun und mit uns Kommunisten umdieGewinnungderHenleinmas- sen für die proletarische Sache kämpfen. Daß die Sozialdemokratie an den Werftätigen im Henleinlager Rache nimmt, hat noch nicht einmal die„Zeit" zu behaupten gewagt. E? blieb Herrn Köhler Vorbehalten, diesen Schlager zu entdecken, aber wir und sicher, daß die Hen- leinpresic ihn prompt übernehmen wird.— ES ist dann weiter von der„verderblichen Koalitionspolitik" die Rede(die zu unterstützen sich die Kommunisten vor nicht so lanaer Zeit mehr minder deutlich erbötig gemacht haben! Und beim nächsten Schrei gibt die Lunge noch einen Ton mehr hkr, da ist es schon „einflußlose Katastrophenpol itik", die wir treiben und was immer Czech, NeLas oder sonstwer, was die Partei bewirkt, geschaffen, gemildert oder abgewehrt hat, zählt nichts gegenüber den revolutionären Erfolgen der Kommuni- I ften. Da der Parteivorstand„sich trotzig weigere", den Rücken gekehrt hat. Aus allen Orten des Bezirkes kommen die Rackrichten, daß die Austritts- bewrgung unter den SdP-Leuten anhält«nd daß immer mehr Menschen mit dieser„Bolksgemein- schast" mchtS mehr zu tun haben wollen. Daß der Arbeiter st an desvertreter deS Bezirkes Hainspach ausgetreten ist, wurde schon berichtet; außer ihm sind aber auch einige SdP-Mitglieder ausgetreten. Die Bersamm- l« n g in R u m b u r g hat der SdP dieses Gebietes einen schweren Schlag versetzt und es ist wohl kaum möglich, daß sie sich davon auch nur einigermaßen erholt. Dieser Tage wurde in Schluckrnau bekannt, daß am Freitag im SdP- Hrim eine Versammlung aller jener SdP-Mit- gljeder stattfand, die schon wankelmütig find und auszntreten beabsichtigen. Man wollte versuchen, sie nochmals an die Leine zu legen. Bielleicht gelang es diesmal unter allerhand Drohungen noch; ob eS auf di« Dauer gelingen wird, sei dahin gestellt. Wir sehen immer deutlicher, daß der Spuk der„Volksgemeinschaft", der in so viele Hirne verpflanzt wurde, zu verblassen beginnt und daß nun der Katzenjammer folgt, der folgen mußte. die bessere kommunistische Politik zu befolgen, müßten eben die Massen es tun.„Sie müssen mutig den Weg einer neuen Politik beschreiten". Die neue Politik aber— man lache nicht!— ist eben die alte, ewig gestrige kommunistische Taktik, mit' der die Arbeiter da und dort zwar in den Faschismus geschlittert sind» aber sonst nichts erreicht haben. Zu glauben, daß mgn diese Politik jemandem als etwas Neues aufbinden könnte, zugleich sich bockbeinig und halsstarrig gegen jeden tpirllich neuen Gedanken zu wehren, wie die Stalinisten es tun, und sich als Träger des Neuen anzupreisen, das ist ein W i tz, der in dieser ernsten Zeit nicht mehr zieht! Universitätsprofessor Dr. Mayer pensioniert In der Kanzlei des chemischen Instituts der Prager DeutschenUni- versität wurden vor kurzem Unregelmäßigkeiten aufgedeckt, als Beschwerden unbemittelter Studenten über die Praxis bei der Taxeneinhebung einliefen. Während der Untersuchung, die schließlich ein V e r s ch st.l.d e n d e r.I ü stitutsleilung ergab, verübte der Beamte Dr. H a l l q, der auch einvernommen worden war, S e l b st m o r d. In hinterlassenen Briefen beteuert er seine Unschuld und erftärt, daß Prof. Mayer, der Vorstand des Instituts, ihn in den Tod getrieben habe. Das Dekanat der naturwissenschaftlichen Fakultät erstattete den vorgesetzten Stellen Bericht und legte Prof. Mayer nahe, um seine Pensionierung anzusuchen. Tas Unterrichtsministerium entsprach diesem Gesuch sofort. Der Dekan der Fakultät, Prof. Dr. Pollak, erklärt zu diesem I Falle, daß eine strenge Untersuchung im Gange j ist und zur Herstellung der Ordnung eine Kommission eingesetzt wurde, die aus dem Dekan und den Professoren Kirpal und Böhm besteht. SdP*BezirksfQhrer Matzig. Raspenau, hat Pech Wir berichteten schon, daß Matzig durch die Klage des Landbündlers Windirsch zu zehn Tagen Arrest unbedingt und zur Tragung der Prozeßkosten verurteilt worden ist. Nun hat er schon wieder zu blechen. Der Kreiskonsumverein»Vorwärts" hatte ihn verklagt, Herr Matzig schloß einen Vergleich und zahlt. Die Zeitungen wimmeln von großen Erklärungen, die Herr Matzig natürlich bezahlen mutz. In der letzten„Friedländer Zeitung" sind gleich beide Erklärungen enthalten. Dip SdP schafft Arbeit für Gericht und Advokaten und für die Zeitungen Inserate. Doch halt! Für die Arbeitslosen hat ja Matzig auch etwas getan! Vor ganz kurzer Zeit hat er doch aufgefordert, bei den Bauern sollen in der freien Zeit freiwillige Dienste geleistet werden... Gestapo-Agent in Weipert verhaftet. Durch die Weiperter Gendarmerie wurde, wie der „Montag" meldet, mn Samstag ein Ge stapoft g e n t, der zum Zwecke der Ausspionierung von Emigranten in das Grenzgebiet nach Böhmen gekommen war, verhaftet und dem Kreisgericht Brüx zugeführt. Der Mann hat sich, wie festgestellt werden konnte, wiederhoft auch in Komotau aufgehalten und dort gleichfalls starkes Interesse für einige dort lebende reichsdentsche Emigranten an den Tag gelegt. Der Name des Gestapo- Agenten wird von der Gendarmerie noch geheim gehalten. Der Voranschlag deS Bezirkes JoachimStha! für das Jahr 1936 schließt, wie uns berichtet wird, mit einem Abgang von 1,030.000 XL, welcher durch Zuteilungen aus dem Landesfonds gedeckt werden soll. Brief an den Zeiffpieoel Ein Genosse schreibt uns u. a..* ,JSin Henleinanbeter zeigte mir mit Stolt und Begeisterung den„Taschenzeitweiserder SdP. 19 3 6“, in dem ich bei kurzer Durchsicht allerhand interessante Sachen fand. Da werden 30 Weltkriegsschlachten, in denen natürlich nur„erstürmt“, ..gestürmt“ und„gekämpft“, aber nie verloren wird, verzeichnet, daneben auch die Geburt und die Erschießung Schlageters und die Saarabstimmung 1935“ als Beitrag zur Befriedung Europas. Dann folgen Parolen: „Die Kultur und das arteigene Leben eines Volkes steigt und fällt mit seiner Sprache“, — ,Sprechen wir deutsch“,—„Schreiben wir deutsch",—„Singen wir deutsche Lieder“,—„Zeigen wir uns aber vor allem in der Namensgebung deutsch!“,—„Unsere Kinder sollen deutsche Namen tragen!“,—- „Sie sollen deutsch heißen, weil sie deutsch sind!“ Und zur Bekräftigung all dieser schönen Parolen finden sich weiter im Text Dutzende Fremdwörter. Uebrigens ist der „Jahrweiser", damit jeder den reindeutschen Namen auch verstehe, zum besseren Verständnis vorsichtigerweise in der Klammer mit„Wandkalender" übersetzt. Im Geschäftsteile wiederum werden„Clips", von dem sicher viele Deutsche nicht wissen, was es ist, angeboten, weiter„Photos", also nicht fälschlicherweise„Lichtbilder", des Herrn Henlein, der auch als„Sturmtruppführer des Weltkrieges" bezeichnet wird. Zum Schluß dieses kerndeutschen„Werkes" folgen Berichte aus den Kreisen 6, 7, 8,10,11 und llf. Keine Berichte haben eingeschickt die Kreise 3, 4, 5, 9 und lß. Also auch schon Schlampereif“ Sonderbare Zensur. Welch sonderliche Blüten die Einheitsfront treibt, die zwischen den Kommunisten und den völkischen Erneuerern in der Arbeitslosendemagogie besteht, hat dieser Tage die„Rote Fahne" selbst in ergötzlicher Weise dargetan. Da wurde berichtet, daß unlängst, als in Trautenau die von der überparteilichen Arbeitslosenversammlung beschlossenen Forderungen dem Bürgermeister überreicht werden sollten, das Kreissekretariat der SdP diese Forderungen zuerst vorgelegt erhalten hat. Die »überparteiliche Arbeitslpsenbewegung" steht also unter der Zensur der völkischen Erneuerer! Die Kommunisten aber, die doch sonst nie genug revolutionär sein können, haben auch diese völkische Zensur als ein Erfordernis der vüllisch-kommunistischen Einheitsfront hingenommen und dem Kreissekretariat der SdP diese Forderungen auch tatsächlich»zur Reinschrift".übermittelt! In Deutschland verboten. Unter den seit 1. September 1938 in Deutschland verbotenen Druckschriften befindet sich auch die in P r a g erscheinende Monatsschrift„Katholiken- Korrespondenz", die von A. Karl Hilgenreiner herausgegeben wird. Warum wird das und Aehnliches von der„D e u t- schenPresse" ignoriert? Doppelmord oder Doppelselbstmord? Dieser Tage wurden in einem Wald bei Hermannsei f e n die Leichen des 26jährigen Fritz Gottstein und der 20jährigen Anna Scharf gefunden. Beide hatten durch Revolverschüsse den Tod gefunden. Näheres über diese Tat wurde noch nicht bekannt. vle Karriere des Herrn Wannenmacher Und da heißt ea immer, die SdP. verzeichne keine Erfolge,, ,! J Seite 4 Dienstag, 4. Feber 1936 Nr. s» am Hauptausschusses, 3agmeuu$dtm sicherte die weit- die Stadt Boden- be- der be- nen Kunstwerke von einem dermatologischen Fachmann entfernt werden müssen. Herr Otto Schnitze darf sich bis dahin auch nicht nackt photographieren lassen. Ob sich die Enttatowierung in einer Klsnik oder im Konzentrationslager abspielen wird, verschweigt der Bericht. satz zu dieser Anwandlung von Pietät steht allerdings sein weiteres Verhalten. Er mietete ein Tax i und gab dem Chauffeur die Weisung „irgendwohin z« fahre«, wo es lustig ist." Gegen halb fünf Uhr begann der Mörder in einem Lokal Neuerlich zu zechen und machte die Bekanntschaft einer anderen Prostituierten, mit der er ein Stelldichein verabredete. Bei dieser Verabredung machte er eine charakteristische Bemerkung:„Ich bin kein.Siemandl'". Volkshalle in Bodenbach unter dem Vorsitze des Kreisvertrauensmannes der Partei Genossen Bruno Grund eine Sitzung von Vertretern aller sozialdemokratischen Organisationen und Orgänisationsstellen und des Jugendverbands- Borstandes statt, in der die Genossen Kügler und Geißler über die Bedeutung des Reichsjugendtages sprachen. Genosse Kügler gab außerdem bekannt, daß die Kreis- vrganisation der Partei für Pfingsten 1636 einen Kreisarbeitertag nach Bodenbach e>nbe« rufen habe, der gemeinsam mit dem Reichsjugendtag abgehalten wird. Der Vertreter der Bezirksorganisation der Partei, Genosse Richard Reitzner, erklärte, daß der Reichsjugendtag für die Bodenbacher Organisationen eine Prestigefrage sei. Die tschechischen Sozialdemokraten erklärten durch ihren Vertreter Genossen R u ß i c l a, daß sie ebenfalls alles zur Teilnahme möglichst vieler tschechischer Partei- und Jugendgenossen vorbereiten werden. Genosse Keßler, der Bürger- Rach Verlesung der Anklag^christ wurde die Oeffentlichkeit aus-geschlossen. Jur Urteilsfällung kam es bei der gestrigen Verhandlung nicht, denn das Gericht gab dem Antrag des Verteidigers auf Prüfung des Geisteszustandes des Angeklagten statt und vertagte die Verhandlung auf unbestimmte Zeit. Unter den Laien-Beisitzern des Jugendgerichtes befand sich auch dessen früherer Leiter OGR i. R. Dr. Hellriegel. rb. Um vier Uhr früh verließ er das Hotel, wo er sich übrigens mit seinem richtigen Namen und unter Angabe der Adresse seines Kameraden gemeldet hatte, wobei er dem Portier sagte, er solle seine Partnerin um sieben Uhr Wecken. Dem Portier war der Bursche dadurch ausgefallen, daß er kurz nach seinem Eintreffen noch einmal da? Zimmer verlassen hatte, um Wein und Zigaretten zu holen. AlS der Portier um sieben Uhr die Prestituierte wecken kam, fand er sie wt im Bett liege«. Sie war nackt, ihre Hände waren über der Brust gekreuzt. Der erste Lokalaugenschein ließ Selbstmord durch Gift oder plötzlichen Tod durch eine vorgeschrittene Geschlechtskrankheit, an der sie litt, nicht ausgeschloffen erscheinen. Die Obduksion ergab dann einwandfrei ToddurchErdrosselung. Die Tote wurde identifiziert als die Prostituierte Josefa K a m e n i k. Die Ausforschung des Mörders gelang binnen wenigen Stunden und er gestand den Mord auch ohne weiteres ein. Er erklärte, er habe die Prostituierte im Verlauf eines Streites erwürgt als sie sich weigerte, für die 80 KL Entlohnung länger bei ihm zu bleiben, bzw. die Erhöhung auf 50 KL forderte. Im Verlauf des Streites habe sie ', ihn ins Gesicht geschlagen, worauf er sie kurzerhand erwürgte. Ehe er das Mordzimmer verließ, hatte er einen Anfall von„Pietät", der in dem ganzen Zusammenbang schauerlich-grotesk anmutet. Er legte der Leiche die Hände über der Brust zusammen, wie man es lieben Verstorbenen zu tun pflegt. In kraffem Gegen- Die Jüdische" Tätowierung Herr Otto Schnitze aus Hamburg ist Seemann seines Zeichens. Eine kernige Natur, meerbefahren und sturmerprobt, ein echter„old sailor", der wie viele seinesgleichen eine. Vorliebe für bunte Körpertätowierungen hat. Sein von Wind und Wetter abgehärteter Organismus erhielt eines Tages einen kleinen Knacks und er mußte in ein Krankenhaus seiner Heimatstadt gehen. Der Arzt, der den biederen Matrosen untersuchte und seine prächtigenTäto- wierungen bewunderte, erstarrte vor Schreck, als er die schwtingvollen Inschriften auf der Haut als freiheitliche Glaubensbekenntnisse entzifferte. Sein Schreck verwandelte sich aber in panisches Entsetzen, als der Mann sich um- drehte und dem Ar^i eine ganze Porträt- g a l e r i e präsentierte. Jene Stelle, die man Nicht gern beim Namen nennt, trug das leicht karikierte Bild des geliebten deutschen Füh- r e r s. Ein Porträt des Herrn Dr. Goebbels prangte auf dem einen Schullerblatt und als Pendant dazu auf der anderen Seste Herr Göring, dem der unbekannte Künstler die feüen Züge eines Schweines verliehen hatte. Der nazibeflissene Arzt bebte vor innerlicher Entrüstung und beeiüe sich, den Matrosen bei der Polizei zu denunzieren. So kam der Seemann vor Gericht wegen verbotener Propaganda und Gefährdung der öffentlichen Sicherheit. Aber ein Tätowlerungs-Delift ist im Gesetz nicht vorgesehen, es fällt nicht unter die Pressebestimmungen. Dein Körper gehört dir — allerdings nur, wenn du ihn nicht zu„poli- fischen Propagandazwecken" benutzt, was hier dagegen der Fall war. Die Richter waren stärker beeindruckt durch^den beleidigenden Charakter des Ortes, den Otto ausgesucht hatte, um dort die erhabenen Züge des Führers zu reproduzieren, als von dm Karikaturen selbst. Es wird behauptet, daß die staatstrmm Richter beim Anblick von Ottos bunten Körperflächen ein breites Schmunzeln nicht unterdrücken konnten. Die Verteidigung machte, in erster Linie gellend, daß die Schriften, deren Träger Herr Schnitze ist, keineswegs für die Oeffenllichkeft bestimmt sind und daß man dem aufrührerischen Matrosen keinen Akt öffentlicher Propaganda vorwerfen kann, in deren Verlauf er seine Gemäldegalerie gezeigt habe. Der. Verteidiger versicherte, daß der Angeklagte auch nicht darüber urteilm konnte, was man ihm auf die Haut des Rückens und die Sitzfläche tätowiert habe; er habe nicht gewußt, was hinter seinem Rücken geschah. Zweifellos sei er das unschuldige Opfer eines jüdischen Tätowierers geworden... Das Gericht schloß sich diesen rechtlichen Vom Rundfunk ■■»tahleniwwtM atia 4m PnarMMMi Mittwoch: Prag, Tender L: 10.05: Deutsche Preffe, 10.15:'Deutscher Schulfunk, 11: Schallplatten, 13.40: Deutscher Arbeitsmarkt, 16.10: MuZiksalon- quartett, 16.22: Theater für die Jugend, 18.10: Deutsche Sendung: Dr. MaraS: jüngste Prager Uraufführungen, 18.20: Arbeiterfun k: Adolf Schmidt: Auswanderungsländer, 18.40: Sozialinformationen, 18.45°: Deutsche Preffe, 20: Konzert, 20.35: Rundfunkorchester-Konzert, 21.20: Gespräche mit Schriftstellern. Sender S: 14.15: Deutsche Sendung: Kinderstunde, 14.50: Deutsche Preffe.— Brünn 17,40: Deutsche Sendung: Jng. Buhl: Flugzeug und Weltverkehr.- Mährisch- Ostrau 18: Groteskes Jazzkonzert, 20.45: Unterhaltungsmusik,.... z „Heute hab' ich eine im Hotel erwürgt, weil sie nicht.. Zu diesem Stelldichein kam es nicht mehr, denn gleichen Tag wurde der Mörder verhaftet. Alle und olles für den Rcldisjugcndtag! Konstituierende Sitzung des Ilauptaussdiusses in Dodenhadi Samstag, den 1. Feber 1934, fand in der i meister der Stadt Bodenbach, I gehendste. Unterstützung durch buch zu. Die erste Sitzung des durch welche die Vorarbeiten für den Röichs- jugendtag auf die breiteste organisatorische Grundlage gestellt wurden, hat schon gezeigt, daß der Gedanke, den Reichsjugendtag in Bodenbach abzuhalten, bei den Bodenbacher Organisafionen herzlichen Widerhall ausgelöst hat. In seinen Schlußworten forderte Genosse Grund nochmals zu intensivster Arbeit für den Reichsjugendtag auf. In Bodenbach herrscht unter den Genossin- nm und Genoffen schon b e g e i st e r t e Reichsjugendtagstimmung und mit Begeisterung und Emsigkeit wird alle organisatorische Arbeit für den Reichsjugendtag ausgerichtet. Diese unter Hochdruck stehenden Vorarbeiten zum Reichsjugendtag sollen aber gleichzeitig auch der Ruf an alle sozialdemokratischen Organisafionen und ihre Mitglieder in der ganzen Republik sein: Ein L«mp. In Joachimsthal besuchte in, den ' letzten Tagen ein Unbekannter die Geschäftsleute, um sie zur Insertion in einem angeblich von der Masarykliga herauszugebenden Prospekt zu ver- anlaffen. Da er sich mit der Bestätigung der Be- zirksbehürde und des Bürgermeisteramtes ausweisen konnte, gelang es ihm, eine ganze Reihe von Kaufleuten, die, um ihrer staatstreuen Gesinnung Ausdruck zu verleihen, das Angebot des Mannes nicht zurückweisen wollten, um recht ansehnliche Beträge zu erleichtern. Mit einer Beute von 2400 KL in der Tasche verließ der Mann Joachimsthal, ohne bisher wieder von sich hören zu laffen. Da schließlich einige von den Geschäftsleuten mißtrauisch wurden und Nachforschungen anstellen ließen, ergab sich, daß die von dem Unbekannten gelegentlich seiner Besuchs vorgelegten Bestätigungen gefälscht waren. Doch Selbstmord in Jungbunzlau? Obwohl die Aerzte bei Abfaffung ihres Gutachtens zu dem Ergebnis kamen, daß die vor einer Woche tot aufgefundene Paula Flodermann ermordet wurde, vertreten die Sicherheitsbehörden die Ansicht, daß kein Mott», sondern ein Selbstmord vorliegt. Die Untersuchung hat bisher zwar VprtzachtSgründe gegen bestimmte Personen ergebest, aber nicht vollständige Klarheit schaffen können. Schweres Autonnglück bei Tabor. Montag nachts kam es in der Nähe von Tabor zu einer Autokatastrophe. Ein großer Personenwagen, Marke Tatra, geriet auf der naffen Straße ins Gleiten und stieß an einen Baum an, wobei er vollkommen zertrümmert wurde. Von den vier Jnsaffen wurden zwei getötet. Zwei Sträflinge, die vor einigen Tagen während des Bahntransportes enfiprungen waren, wurden in Preßburg erkannt und verhaftet. Der dritte Flüchtling konnte bisher nicht gesunden werden. Karlsbader Professor irrsinnig geworden. Bei dem Professor des tschechischen Realgymnasiums in Karlsbad, Tvarosi, hatten sich schon vor einigen Tagen Anzeichen geistiger Störung gezeigt, die dazu führten, daß ihm von seinen Lehrkollegen der Eintritt ins Klassenzimmer verweigert wurde. Am Samstag in den späten Abendstunden erschien Tvaron auf dem oberen Bahnhof in Karlsbad, wo er«in so merkwürdiges Gehaben an den Tag legte, daß die Polizei fjch veranlaßt sah, den Professor aufzugreifen. Tva- roii sprach unsinnige Worte, betete, schrie und gebärdete sich so merkwürdig, daß er im Sanitätsauto ins Karlsbader Krankenhaus überführt werden mußte. Dort verweigerte der diensthabende Arzt Dr. Langhans die Aufnahme des Patienten, weil im Krankenhause angeblich kein Platz vorhanden war und so mußte der Professor, der sich plötzlich auch renitent zeigte, noch in der Nacht unter Bewachung in die Irrenanstalt nach Dobr- zan überführt werden. Der 6ei.feinen Schülern sehr beliebte Professor— er ist Witwer und Vater Ausführungen an, bestimmte jedoch, daß die schö- zweier Töchter— soll es sich sehr zu Herzen ge- Mord am 18. Geburtstag Vier Stunden vor Vollendung des achtzehnten Lebensjahres Prag. Gestern wurde vor dem Jugendgericht, ein Prozeß verhandelt, der vor- die Geschworenen bank gekommen wäre, wenn nicht durch eine eigen artige Fügung des Zufalls der Täter dem ordent lichen Gericht, sozusagen in letzter Minute, entzogen worden wäre, um dem Sondergericht für Jugendliche übergeben zu werden. Denn es stellte sich heraus, daß der Täter im Augenblick der Tat das achtzehnte Lebensjahr noch nicht ganz vollendet hatte es fehlten vier Stunde« zur Erreichung der Altersgrenze, jenseits deren der Staatsbürger unter dir Gerichtsbatteit der ordentlichen Straf gerichte fällt. So kam es, daß das Jugendgericht über den„jugend lichen' Täter" abzuurteilen hat, den der Staats- anwalt Dr. Eesäk des„Verschuldens des Mordes" anklagt. Die von Staatsanwalt Eesäk vertretene An klage, die gestern vor dem Jugendgericht(unter Vor sitz des Gerichtsvorstehers OGR Dr. Svoboda) verlesen wurde, enthüllt einen entsetzlichen Sachver halt— die unbegreifliche Schreckenstat eines völlig verwahrlosten jungen Menschen. Der Jugendliche, der da vor Gericht steht, stammt aus einem südböhmischen Dorf. Der Vater ist im Krieg gefallen, die Mutier gab' den Jungen zu einem Friseur in die Lehre. An seinen Lehrstellen hielt er es nicht lange aus und intereffierte sich über haupt weit mehr für allerlei, nicht immer einwand- fteie Kurzweil. Sein letzter Meister warf ihn hinaus. lieber den Verlust seines Postens machte sich der' Bursche keine Sorgen. Er beschloß, sich zu Fuß nach j Prag zu begeben, wo er sich ein vergnügteres Leben versprach als in seinem Heimatsdorf. Da ihm der Fußmarsch zu langweilig wurde, stahl er in einem Dorfe ein unbeaufsichtigtes Fahrrad, mit dem er den Rest der Weges zurücklegte. In Prag angekommen, machte er im Lokal der„Heil /'«Kommt alle zu Pfingsten zum Rekhsjugendtag nach Dodenhadi! arme e die Bekanntschaft emeS Kellners, der sich j seiner gutmüfig annahm und ihm in seiner Woh nung ein Nachtquartier anbot. Es war der 7. November und der Bursche er innerte sich, daß er seinen Geburtstag feiern müsse. Er ist in der Nächt vom 7. auf den 8 November geboren, genauer gesagt, un halb fünf Uhr morgens. Das Geld für diese„Feier" ver schaffte er sich durch den Verkauf des gestohlenen Fahrrades, der ihm 150 KL eintrug. Er ging mit dem Kellner ins Kino, danach ins Gasthaus, wo sie Karten spielten und schließlich begaben sie sich aus den Heimweg. Unterwegs wurden sie von zwei Pro stituierten angesprochen. Der angeklagte Jugendliche begab sich mst der jüngeren von ihnen in dar rüchtigte Absteigquartier„U Kuchynkü" in Altstadt, um die Geburtstagsfeier„würdig" zu schließen. Zur Bekämpfung von Flughafenbränden Anläßlich einer Tagung von 60 Flugorganisationen in London wurde dieser neuartige Asbestanzug zur Verwendung bei Flughafenbränden vorgeführt, der seinem Träger ge stattet, bis an das Feuer heranzukommen. 1 « r I r fe. t f l J( X i f t i( * l J t £ t y t T c x i .• t i i K 1 * j - i i . i 1 nommen haben, daß seine das Realgymnasium Kj besuchende Tochter als Siüennoie im Schulzeug-*< nis eine Zwei nach Hause brachte.•»-, Letzter Funkspruch:„Wir stürzen ab!" Das M< Verkehrsflugzeug der rumänischen Fluglinie I Temesvar—Klausenburg stürzte am Sonntag in VMi der Nähe von Reschitza in den Bergen ab. Dee M i Flugzeugführer, Hauptmann Jvanowici, einer E i der bekanntesten rumänischen Rekordflieger sowie Wsi ein Mechaniker und ein Funker, wurden getötet. 1 Die letzte Sendung der Bordfunkstation lautetet| „Das Flugzeug ist entzweigebroe g chen, wir stürzen ab."— Wahrscheinlich.A i hat die Maschine im dichten Nebel die Richtung! verloren und ist so gegen einen Felsen gestoßen. W i Der ums.Leben gekommene Flieger Jvanowici ist K-1 u. a. auch durch seinen Afrika-Flug berühmt M l geworden. 29 Bergleute vergiftet. Wie aus H u e l v a- (Spanien) gemeldet wird, wurden in der Eisen«-’ 5>. kiesgrube inRioTinto durch giftige Gase 29 c Bergarbeiter betäubt. Einer von ihnen ist der y erlittenen Vergiftung erlegen; das Befinden einer- Reihe anderer isi sehr ernst. Kraftwagen fährt in Soldatenkolonne. In'--' Detmold fuhr ein Kaufmann mit seinem M. Personenkraftwagen in eine Kolonne Soldaten. M Neun Soldaten wurden dabei verletzt, und zwar einer sehr schwer, drei schwer und die übrigen 1 leichter. Der Kraftwagenführer wurde sofort fest« s genommen. Frühling an der Adria. Die jugoslawischen Blätter schreiben, daß in Spalato Frühlings« 1 Wetter herrscht. Viele Pflanzen haben Blüten an«• gesetzt, so Rosen, Nelken, Tulpen, Veilchen, ja■ sogar Bäume, und es werden Fälle gemeldet, daß auf einzelnen Bäumen die Kirschen bereits 1 J reif geworden sind. Am Markt werden dieser Tags i heimische Kirschen für acht Dinar per Kilogramm W, verkauft. Nicht nur Gartenerdbeeren, sondern; auch WaldertBeeren sind dort bereits reif. In den Gärten tragen die Aepfel- und Birnbäume be« reits grüne Früchte; die Orangenbäume blühen bereits. Die Temperatur an der Sonne ist zeit«, weise auf 30 Grad gestiegen, so daß di- Leute im t Freien sitzen, Sommerkleider tragen und an man, .chen Stellen bereits baden. In dm Tod gerodelt. Beim Rodeln im Gebiete; Porder-Lainsach bei St. Michael in Obersteiermack J fuhren die beiden Brüder Reiter, der fünfjährige 1 Max und der achtjährige Josef, geradewegs in die angeschwollen« Mur und ertranken. Außerhalb der Treimeilen-Zone. Das Londo« ner Seegericht hatte Freitag die Beschlagnahme bei italienischen Dampfers„Feodora" angeordnet, M der im Kanal mit dem sowjetrussischen Dampfek| „Prawda" zusammengestoßen war. Trotz aller Be« j mühungen der Küstenbehörden konnte bisher die Be« schlagnahme nicht erfolgen, da sich das italienische z Schiff a u ß e r.h a l b d e r D r e i m e i l e n«« z o n e aufhielt. Am Sonntag verschwand der itasie« W nische Dampfer im dichten Nebel und dampfte nach j Osten ab. Im Schnellzug Sevilla— Madrid verhaftete'j die Polizei den Obersten K r a n t, einm interna«:4 tionalen Abenteurer, der sich in Gesellschaft ein^ j Polen befand. Krant«st bereits in Polen, Deutsch«| land, Belgien und Holland verschiedentlich abge« 4 straft worden. Er wird des Handels mit Weißes Frauen beschuldigt. 10-KL-Münze« aus Zinn und Blei. In TrhotM 1 Sviny in Südböhmen wurden die Brüder Josef mck: Franz E u r d a, beide Maurer von Beruf, wegM s. des Verdachtes der Geldfälschung verhaftet., Laufe der Erhebungen wurden einige Gipsabgüße!aj gefunden, die beweisen, daß die Brüder Curda aick l. einer Mischung von Zinn und Blei falsche Müa« H zen hergestellt Haber». Es ist dies binnen kurzer Zeit s schon der dritte in diesem Gebiete festgestellte Faa W von Falschmünzerei. Str. 2S Dienstag, 4. Feber 1936. Seite 5 Vom Bau der Luftschiffnalie in Rio Für den„Grafen Zeppeli n", der nach seiner jeweiligen Landung in Südamerika stets nur am Ankermast lag, wird jetzt bei Rio de Janeiro eine Halle gebaut, deren Gerüst bereits vollendet ist. Ueber der Halle kreuzt das Luftschiff, ausgenommen während seiner letzten Fahrt nach Südamerika. Bestrafte Schatzgräber. Das Bezirksgerichi in Kaschau verurteilte neun angeklagte Arbeiter zv einer Gesamtstrafe von 4500 XL, welche im Falle der Uneinbringlichkeit in 57 Tage Gefängnis umgewandelt wird. Die Angeklagten halte:, einen Teil des Goldschatzes verheimlicht, der von dem Arbeiter Peter Stach im August v. I. bei de: Grundaushebung für das Gebäude der Finanzdirektion in Kaschau gefunden worden war. Dec ganze Schatz wurde von Numismatikern aus 600.000.XL geschätzt; davon hatten die Arbeiter 123 Goldstücke im numismatischen Wert von 30.000 XL unbefugt auf die Seite geschafft. Die Handgranate im Schraubstock. Montaq vormittags kam in die Klempnerwerkstätte Maye, in Vrsec(Jugoslawien) der 25jährige russische Student Samonow und brachte eine Handgranate. Er wußte wahrscheinlich nicht, worum es sich handelte, spannte sie in den Schraubstock und beganndaran zufeilen. Es erfolgte eine Explosion, durch die die Werkstatt vollkommen demoliert wurde. Samonow und einem gleichzeitig in der Werkstätte anwesende? Schlosser, der von Frau Mayer gerade die Werk statte übernahm, wurde der Bauch aufgerissen. Frau Mayer wurde tödlich verletzt. Teuer bezahlte Verleumdung. Ein Zivilgerichts-Tribunal hat den Herausgeber einer belgischen Revue zu einer Geldstrafe in der Höhe von 600.000 belgischen Francs verurteilt, weil er in der Zeitschrift einen Artikel veröffentlicht hat, in dem behauptet wurde, daß der Ministerpräsident van Zeeland Freimaurer sei und in der Regierung stets die Interessen der Freimaurer schütze. Ein unglückseliger Schuß. In der oberösterreichischen Gemeinde Schachen ereignete sich Sonntag nachmittags ein schwerer Unglücksfall. Der 33jährige Landarbeiter August R ad- mei e r manipulierte unvorsichtig mit seinem Gewehr, wobei plötzlich ein Schutz loSging und die Verwandte Radmeiers, Marie Geßwagner, tödlich getroffen zusammenbrach. Als Radmeier sah, was er angerichtet hatte, richtete er den Lauf des Gewehres gegen seine Schläfe und drückte los. Er verschied an Ort und Stelle. Künstlerstädtchen bei Moskau. Wie der Moskauer Korrespondent des„Observer" seinem Blatt meldet, begann man in einer Vorstadt Moskaus mit der Errichtung eines„Maler-Städtchens". Dieses„Städtchen" wird zunächst einmal aus elf achtstöckigen Häusern bestehen, die in einem Park, weit vom Lärm der Stadt entfernt— liegen werden. Den Häusern angeschlosien werden die Ateliers, in deren Nähe sich ein künstlicher Teich zum Bootfahren und eine Reihe von Lauben befinden werden. Das erste HauS ist bereits seit längerer Zeit fertig und es wohnen darin etwa 100 Maler beiderlei Geschlechts. Die Wohnungen» die aus zwei und drei Zimmern bestehen liegen an langen und breiten Gängen. Später will man dem Kunstmalerstädtchen auch noch eine Druckerei und eine Textilfabrik angliedern, in'der man Stoffe nach Zeichnungen und Mustern der Kunstmaler aus dem„Städtchen" fabrizieren wird. Eltrmündung im Rebel. In der Nacht zmn Sonntag herrschte Wer der Elbemündung starker Nebel, der sich so stark verdichtete, daß Sonntag morgens der Schiffsverkehr völlig lahmgelegt wurde. Bis in die späten Nachmittagsstunden lagen etwa 80 Schiffe der verschiedensten Nationen an der Elbemündung vor Anker. Dort stießen auch der holländische Dampfer„Sembilan" und der dänische Dampfer„Dagmar" zusammen. Beide Fahrzeuge erlitten Außenbordschäden über Waffer. Der dänische Dampfer mußte infolgedessen bei Cuxhaven ankern. Luftschiff versorgt Insel mit Lebensmitteln. Die etwa 90 Meilen von Washingwn in der Chesepeak- Bucht liegende Insel T a n g i« r, di« sonst ein beinahe südliches Klima aufweist, ist seit mehreren Der Geburtstag des Herrn Plckw'ck Hundert 3ahre einer köstlichen Figur In wenigen Wochen wird ganz England den hundertsten Geburtstag des Herrn Pickwick feiern, der im Laufe seines langen Lebens seinen Landsleuten etwas Aehnliches geworden ist, wie den Spaniern Don Quichote; nebenbei gesagt, zogen sie beide, der edle Ritter und Mister Pickwick, von einem wunderbaren Diener begleitet, durch die Welt; in diesem Fall hieß der Diener Sam Weller. Es ist ganz auffällig, wie wenig eigentlich die Literaturgeschichte Wer Mr. Pickwicks Vater, Charles Dickens, zu berichten weiß. War es der Umstand, daß die Engländer der Frühzeit der Königin Viktoria die Schönen Künste zwar schätzten, aber nicht die Künstler? Jedenfalls ist es so, daß die Engländer von heute viel mehr über D. H. Lawrence wissen, vom Obersten Lawrence ganz zu schweigen, als Wer Charles Dickens. Vielleicht aber lag auch eine instinktive Abneigung der viktorianischen Moralisten vor, die ahnten, daß es mit der„bürgerlichen" Moral des Künstlers Dickens nicht zum besten bestellt war; sie hatten recht: viel später gesteht Dickens die Komplikationen in seinem Ehe« und Familienleben ein, bekennt, daß er nie seine Frau geliebt habe, sondern seine Schtoägerin, neben der er bestattet zu werden wünscht. Jedenfalls war aber der Dichter des Mr. Pickwick zur Zeit von dessen Geburt ein simpler Stencgraph, gerade avanciert zum Journalisten, neugebackener Autor der„Skizzen" von Boz. In diesem Zeitpunkt ersuchte ihn ein Verleger, einen Tagen von riesigen Eisfeldern umschlossen. Nachdem verschiedene Schnelldampfer vergeblich versucht hatten, das Eis zu durchbrechen, brachte nunmehr ein Luftschiff den etwa 1800 Inselbewohnern Lebensmittel und Medikamente und rettete sie so aus schwerster Not. Der Rordteil von Neuseland wurde von einem ungewöhnlich heftigen Orkan, der durch 24 Stunden wütete, verwüstet. Der Orkan verursachte Schäden, die bisher noch nicht abgeschätzt werden konnten. In Nord-Auckland steht der größere Teil des Landes infolge einer Ueberschwemmung unter Wasser. Es sind tausende Schafe und anderes Vieh zugrunde gegangen. In Biarritz schlug des Nachts ein Blitz in den Transformator der Starkstromleitung ein und sprang in bisher nicht aufgeklärte Weise über eine Anzahl von Sicherungen hinweg auf das städttsche Stromnetz über, wobei in wiederum noch nicht geklärte c Weise(durch Zusammenschmelzen von Drähten?) in einem Familienhäuschen einige eiserneBetten unter Spannung gesetzt wurden, in denen die Familienmitglieder schliefen. Der Familienvater und drei'seiner Söhne wurden vom elektrischen Strom augembli'ckli ch g e rötet, während die Hchip- frau schwere Brrbrennungenierkitü-In einigen benachbarten Häusern brach aus der gleichen Ursache Feuer aus, das aber rasch gelöscht werden konnte. Vom Westen her dringt über unser« Gegenden eine mäßige Abkühlung vor. In Böhmen war es Montag bereits etwas kühler, strichweise traten Schauer auf. In der Westhälfte der Republik herrschte auf den höheren Bergen wieder leichter GanztagSfrost. Heute dürfte der Zufluß kälterer Luft aus der Umgebung der brittfchen Inseln anhalten. — Wahrscheinliches Wetter von heute: Veränderliche Bewölkung, auf den Bergen noch stellenweise Schneeschauer, im allgemeinen kühler. Westlicher bis nordwestlicher Wind.— Wetter» aussichten für Mittwoch: Räch einer küh- lcren Nacht wieder allmähliche Wetterverschlechterung und später von Südwest her fortschreitende Erwärmung. Sn Parteijubiläum in Polen 14 Jahre deutscher Minderheitssozialismus Die Deutsche Sozialistische Arbeitspartei in Mittelpolen feierte dieser Tage das Jubiläum ihres vierzehnjährigen, Bestandes., Nach der Gründung des polnischen Staates erwies sich die Notwendigkeit, die Organisationen der deutschen sozialistischen Arbeiterschaft zusammenzufassen. In der Industriestadt Lodz hatten schon zur Zeit des Zarismus Ansätze einer deutschen Arbeiter- bewegung bestanden: Dazu,kamen aus der ehemals österreichischen Sozialdemokratie die Genossen aus dem Bielitz-Bialäer Gebiete.- Schließlich fiel auch durch die Teilung Oberschlesiens ein Sektor der reichsdeutschen Arbeiterbewegung an Polen, der sein Zentrum in Katto- w i tz hat. Die neugeschaffene Bewegung steht auf dem Boden der sozialdemokratischen Ideenwelt und hat auch in den Gewerffchaften und Kultur-- Organisationen gute Arbeit geleistet. Mit der sozialistischen Partei Polens ist sie durch enge Zusammenarbeit verbunden. Das publizistische Oy-, 'ackn-dltk' Pcktft?" Vft 3 M' Lodz' Ketsch«inende "BvkksHeikMtz^, wttWrffft'Polnisch-Dbrrschlesien unter dem Titel„Volkswille" und„Bielitz-Biala" unter dem Namen„Volksstimme" erscheint. Wir wünschen dem tapferen und treuen Fähnlein der deutschen Sozialisten Polens zu diesem Jubiläum guten Erfolg in seinen weiteren Arbeiten und Kämpfen. Arbeitsbeschaffung in England London. Im Zusammenhang mit den Ar- bektsbeschaffungsplänen der englischen Regierung wurde am Donnerstag in der City von London eine Anleihe in der Höhe von 27 Millionen Pfund Sterling zu dem niedrigen Zinssatz von 2.5 Prozent aufgelegt. Der Erlös dieser Anleihe ist für die Modernisierung der vier großen englischen Eisenbahngesellschaften besttmmt, Text zu liefern, der die Zeichnungen des großen Karikaturisten Seymour begleften könnte. Dies war also der Beginn des großen Romans, der weltberühmt werden sollte.„Mr. Pickwick" erschien in Fortsetzungen; nach der siebenten beging aber Seymour Selbstmord, und der Verleger mußte für ihn einen Nachfolger finden, da es sich nachgerade erwiesen hatte, daß der Text noch mehr Anklang fand als di« Zeichnungen. Seymours Nachfolger hieß Halbot K. Browne, der Nachwelt aber bekannter als Phiz. Phiz' Zeichnungen find unsterblich geworden. Wir können uns keine einzige der Dickens'fchen Figuren anders vorstellen, als sie Phiz geformt hat, und die Regisseure des„David Copperfield" haben uns die Figuren dieses Romans nicht anders im Film dargestellt, als wir sie in den alten Dickens-Ausgaben, von Phiz gezeichnet, sehen. Das Buch hatte einen unglaublichen Erfolg in England erlebt, als Dickens plötzlich des Diebstahls beschuldigt wurde: die Witwe Seymours, des toten Zeichners, erklärte, nicht Seymour sei Dickens zugeteilt worden, sondern umgekehrt, man hätte kein Recht gehabt, das Werk des Toten fortzusetzen und dergleichen. Aber sie verlor den Prozeß, den sie anstrengte. Trotzdem fühlte sich. Tickens von dieser Verleumdung tief getroffen und litt jahrelang darunter. Denn Mr. Pickwick war einer seiner Lieblinge und blieb es auch. Es war Dickens dasselbe zugestoßen, was Cervantes widerfahren war: im Beginn machen sie sich über sich selbst und ihren Helden lusttg; aber dann verlieben sie sich in ihn, der dichterische Gehalt des Werkes verstärkt sich, ebenso der philoscphische. Durch den„Mr. Pick- tvick" schuf sich Dickens erst seine Romantvelt, in der er dann sein ganzes Leben lang blieb, Eine I Welt, die nicht sehr von heute ist, in der das Gute rosig geschildert ist, das Schlechte schwarz, ein« Welt, in der es noch Tugend, Reinheit, Güt«, Mitleid gab. Strenge, zu strenge Kritiker warfen ihm daher vor, ein elender Menschenkenner zu sein, der die Tugend immer den gerechten Lohn und das Laster die gerechte Strafe empfangen läßt. Mer so einfach liegen di« Dinge nicht. Die Dickens'fchen Helden, angefangen mit dem Mr. Pickwick, der zwar köstlicher, aber ltterarisch noch „unentwickelter" Dickens ist, sind durchaus feste Charaktere, die in sehr energischen Kämpfen mit ihren Widersachern liegen. Und es ist also nicht die romantische Tugend, sondern die Festigkeit des Charakters, die bei Dickens zmn Schluß ihr Recht erkämpft. Bon all diesen literaturkritischen und historischen Erwägungen abgesehen, bleibt doch dir Tatsache bestehen, daß Mr. Pickwick 10^ Jahre alt geworden ist, ohne etwas von seiner Popularität einzubüßen. Gewiß, man sieht ihm an, daß er ein etwas älterer Herr ist— aber hundert Jahre sind denn auch eine nette Zahl. Zum Entzücken aller seiner Leser verfolgt Herr Pickwick mit seinem treuen Diener seinen Kreuzzug für das Gute, und es hat, trotz allen soziologischen Wiffens seiner heutigen Leser, doch nicht den Anschein, als wollten diese an ihn den strengen Maßstab des Erlernten anlegen. Daß Herr Pickwick aber allen Geistesrichtungen seit hundert Jahren erfolgreich widerstehen konnte, das beweist eben eines: daß er nicht nur ein großer Held ist: sondern auch ein sehr liebenswürdiger und liebenswerter, und daß er eine ganze Menge tiefst menschlicher Eigenschaften in sich vereinen muß, wenn er die Liebe so vieler erwerben konnte. MTP. ‘ Eine Million polnischer Kinder ohne Unterricht. Im Budgetausschuß' des Sejm schilderte Unterrichtsminister Swientoslawski. bei der Debatte über das Budget des Unterrichtsministeriums die mißliche Lage des Bolksschul- wesens in Polen und stellte fest, daß-aus Mangel an Schulgebäuden und infolge der ungenü- genden Zahl der BollSschullehrer über eine Million sch ulpfwichtiger Kinder keinen Unterricht genießen. Die Lehrerzahl müßte zumindest um 30.000 erhöht werden. Der Minister kündigte an, daß bei der dritten Lesung des Budgets die Regierung einen Antrag auf Erhöhung der Ausgaben des, Unterrichtsministeriums um 7,800.000 Zloty einbringen wird, welcher Betrag hauptsächlich zur Erhöhung der Zahl der Lehrer an den Volksschulen /und zur Errichtung von Schulgebäuden verwendet werden wird. Die Arbeiterpartei Neuseelands geht jetzt nach ihrem jüngsten Wahlerfolg an die Herausgabe eines Labour-Tagblattes. Zwei Regie- rungsmitglieder» Finanzminister Nash und Eisenbahnminister S u l l i v a n zeichnen als Herausgeber. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Preise Im Dritten Reich Interessanter als die offiziellen Wirffchafts- berichte in der gleichgeschalteten Presse des Dritten Reiches sind die privaten Informationen, die die großen Bankinstitute regelmäßig an ihre Kunden und Freunde herausgehen lassen. Einer solchen Uebersicht der Dresdener Bank, die zu Jahresende erschienen ist, können höchst aufschlußreiche statistische Angaben über die Preisentwicklung in Deutschland entnommen werden. Waren die Preise für Kohle, Erze, Eisen und Stahl im Laufe der letzten Jahre nur ganz geringfügigen Aende- rungen unterworfen, was einerseits an der engen Kartellierung dieser Jndusttiezweige, zum andern aber auch an dem regen und stettgen Bedarf der deuffchen Kriegswirtschaft liegt, so haben die Preise für Texttlien entsprechend dem Preiswandel auf dem Weltmarkt« und infolge der Einfuhrverknappung auch noch darüber hinaus einen regen Wechsel aufzuweisen. Während der Bäumwollpreis leichte Abschwächungen zeigt und der Wollpreis sowie die Flachspreise' in gewissen Umfange gestiegen sind, liegen die Krefelder Seidenpreise bedeutend über denen des Vorjahres. Das gleiche gilt für Jute, die ja ebenso wie Seide ein' ausgesprochener Importartikel ist. Am interessantesten ist freilich die Entwicklung der Lebensmittelpreise. Die Steigerung beim Weizen. ist bereits im Vorjahre erfolgt; während sein Preis pro Tonne 1932 und 1933 noch um 190 Reichsmark schwankte, steht er jetzt konstant aüf K0^^iHSmöwt?Der Tokinekipre^Mr Roggen ist beim Erzeuger von etwa 150 bis auf 170 Reichsmark gestiegen, auch bei Gerst« und Hafer sind Preissteigerungen nicht unerheblicher Art festzustellen. Die Kartoffelpreise haben eher nachgegeben, allerdings liegen sie um nahezu ein Drittel höher als 1933. und etwa doppelt so hoch wie 1932. Die Zuckerpreise haben ebenfalls nachgegeben gegenüber 1932, während sie höher liegen als im vorigen Jahre. Am eindrucksvollsten ist die Entwicklung bei Bieh. und Fleisch. Wir stellen die Preise kurz vor Beginn des Hitler-Reiches, also Ende'1932 denen vom Ende des Jahres 1935 gegenüber. Der Preis versteht sich in Pfennigen pro Pfund Lebendgewicht auf dem Berliner Markte: Ende 1932 Ende 1935 Ochsen 21'—33 42" Bullen. 18.— 28 42 Kühe 12— 25 27— 42 Kälber 16— 40 42— 78 Schafe 20— 33, 32— 58 Schweine . 33— 40 48%—54% Ochsenfleisch ist per 50 Kilogramm von 50 auf 75 RM gestiegen, Kalbfleisch von 30 bis 82 auf 75 bis 123 RM, Hammelfleisch von 40 bis 66 auf 73 bis 112 RM und Schweinefleisch von 54 auf 71 RM. Die Eierpreise haben pro Stück von 6% auf 8% bis 11% angezogen. Während die Milch pro Liter von 13.85 auf 14.50 Pfennig gestiegen ist, hat sich der Butterpreis pro Zentner auf der behördlich festgelegten Höhe von RM 130 gehalten; aber es ist ja bekannt, daß die Butter zu diesem Preise in Deutschland recht rar geblieben ist. Man könnte die Liste der Preissteigerungen auch bei Kunftfetten, Oelen,.Fischen ufiv. fprtset- zen. Wir wollen uns aber darauf beschränken, zum Abschluß die'Auswirkung der deuffchen Autarkiewirtschaft auf die Preisgestaltung eines so wichtigen Nahrungsmittels wie Kakao festzustellen. Von 12.50 RM für 50 Kilogramm zu Ende des Jahres 1933 ist er auf 22.40.RM für dasselbe Quantum Ende 1935 gestiegen. Auch die Gewürze haben kräftig angezogen. So ist der Hamburger Preis, für 50 Kilogramm Pfeffer von 41 RM zu Ende 1932 auf 98 RM zu Ende 1935 herqufge- klettert. Das nennt man gepfefferte Preisei O. F. GEDENKET bei allen Anlässen der Arbeitertürsorge! «Seite L „Sozialdemokrat'" Dienst«s, 4. Feber 1836. Nr. 28 ImgerZMmg ?retestversemmleng der Geschäftsreisenden und Vertreter Sichert die Existenz von 50.000 Angestellten! Prag. Die„Union der Geschäftsreisenden un d Vertreter"(im Ein- heitsverbande der Privatangestellten) veranstaltete Sonntag im großen Saal des Prager Volkshauses eine öffentliche Kundgebung, deren Aufgabe war, die Oeffentlichkeit und die Behörden auf unhaltbare Verhältnisse, durch die dieserStand existenziell bedroht erscheint, aufmerksam zu machen. Die Prager Kundgebung war ein Glied und zugleich der Höhepunkt einer großzügigen Protestaktion, die dieser Tage im gesamten Staatsgebiet organisiert wurde. Die verschiedenen Kundgebungen waren überall sehr gut besucht und nahmen durchwegs einen gelungenen Verlauf. Dies gilt in besonderem Ausmaß von der sonntägigen Manifestation, zu der sich auch Vertreter zahlreicher anderer Organisationen und Amtsstellen eingefunden hatten. Das Referat erstattete Genosse Abg. Robert Klein, der nach Eröffnung der Versammlung und Begrüßung der Gäste durch den Vorsitzenden der Union Pacovskh, das Wort ergriff. Der Abwehrkampf der Reisenden und Vertreter konzentriert sich seit Jahren auf zwei Hauptprobleme: Beseitigung der rechtlichen Unsicherheit, der die Angehörigen dieses Berufes ausgesetzt sind und für welche zahlreiche Arbeitsgerichtsprozesse tragisches Zeugnis ablegen und ferner die S t e u e r p r a x i s, die den Vertretern gegenüber gehandhabt wird. Die Entwicklung, die diese seit jeher unerquicklichen Zustände in der Krisenzeit genommen haben, führen zu unerträglichen Konsequenzen, von deren Auswirkungen rund 50.000 Angestellte mit ihren Familien existenziell gefährdet sind. Genosse Abgeordneter Klein verwies auf die große Bedeutung dieser Berufsgruppen gerade in der Krisenzeit. Der Reisende und Vertreter, der in dieser Zeit der allgemein gesunkenen Kaufkraft an der Erhaltung/ bzw. Belebung der Geschäftstätigkeit größten Anteil hat, befindet sich heute in größter Bedrängnis. Besonders dieProvisionsvertre- t e r sind heute in eine unerträgliche Situation gedrängt worden. Durch die S^ruchpraxis der obersten Gerichtsinstanzen wurden diese Vertreter als selbständige Unternehmer klassifiziert und unterliegen als solche der Erwerbsteuer. Referent betonte, daß die Art, in welcher die Steuerbehörden diese Steuer eintreiben eine schwere Anklage gegen unser e Besteuerungspraxis bedeutet. Es sind Fälle bekannt, wo die Steuerämter die Erwerbsteuer dieser kleinen Steuerzahler r ü ck- wirkend bis auf sieben(!) Jahre vorschrieben, was mit den gesetzlichen Vorschriften in schärfstem Widerspruch steht. Die Steuerbehörden befleißigen sich bei der Eintreibung gegenüber diesen kleinen Existenzen einer Rigorosität, die in sonderbarem Gegensatz zu der Tatsache steht, daß die Steuerrückstände reicher Großunternehmer und sonstiger Kapitalisten heute noch imm^r an s e ch s Milliarden Kö betragen, ohne daß gegenüber solchen kapitalkräftigen Steuerträgern ein ähnlich energisches Einschreiten bemerkbar wäre. Es gilt heute also einerseits energischen Kampf gegen eine solche Praxis, anderseits aber den Kampf um eine grundlegende Reform des veralteten und unsozialen Gesetzes über die direkten Steuern. Die Ausführungen des Genossen Klein fanden einmütigen Beifall. Die Versammlung nahm hierauf eine Resolution an, in der die Ausscheidung der Vertreter aus der Erwerbssteuerpflichtigkeit im Wege einer Gesetznovelle zum Gesetz über die direkten Steuern verlangt wird. Ferner wird die Forderung nach gesetzlicher Normierung der Dienstverhältnisse der Vertreter im Sinne des Angestelltengesetzes erhoben, durch welche diese bisher so stiefmütterlich behandelte Angestelltengruppe endlich eine ausreichende Sicherung ihrer Anstellungsverhältnisse und Einschaltung in die Kranken- und Pensionsversicherung erreichen soll. rb. Einbruch bei eine« Zivnobankdirrktor. Sonntag verübten unbekannte Täter einen Einbruch in der Wohnung des Direktors der Zivnobank, Leo Bruckner, während alle Angehörign des Haushalts außerhalb Prags weilten. Den Einbrechern fielen Wertsachen für einige tausend XL in die Hände. Feme? Publikum. Der Ingenieur I. M. merkte beim Verlassen der gestrigen Nachmittagsvorstellung im Bio Alfa, als er bei der Garderobe stand, daß jemand in feine hintere Hosentasche griff, und vermißte im selben Augenblick feine Brieftasche mit 700 XL, seinen Waffenpatz, Führerschein und anderen Dokumenten. Er bemerkte zwei Männer, die sich eilig entfernen wollten, eilte ihnen nach und ersuchte das Publikum, einen Wachmann zu holen, mußte aber erleben, daß die Leute gegen, ihn Stellung nahmen, ihn auslachten und daß Rufe laut wurden, daß ihm ganz recht geschehe! Er mußte stch also an einen Angestellten des Kinos wenden, der die beiden, die der Ingenieur solange festhielt, einem Polizisten übergab; doch riß sich einer von ibnen, und zwar, wie später festgestellt wurde, gerade der„Besitzer" der Brieftasche los und konnte bisher nicht festgenommen werden. Der andere heißt Isaak Diemand, ist 1889 in Regnow in Polen geboren uno nach Warschau zuständig. Selbstmord-Chronik. Die 16jährige Jaromira Kusy sprang aus dem Fenster der im dritten Stock eines Hauses in Prag-Weinberge gelegenen Wohnung ihrer Eltern und blieb mit einer schweren Gehirnerschütterung und zahlreichen Knochenbrüchen auf dem Pflaster liegen. Das Motiv der Tat dürfte unglückliche Liebe sein.— Die 71jährige Zimmermannswitwe Marie SevLik aus Holleschowitz sprang in selbstmörderischer Absicht vom Liebener Kai in die Moldau. Die in der Nähe beschäftigten Arbeiter Josef Sloupa aus Brevnov und Jan Krejci aus Wysotschan retteten sie.— Der 56jährige Versich:- rungsdirektor Rudolf Kerner aus Prag V sprang vom Balkon seiner im vierten Stock gelegenen Wohnung auf die Straße. Die Rettungsgesellschaft brachte ihn ins Allgemeine Krankenhaus, doch starb er am Wege.— Der 48jährige Tapezierer Jan Sobotka erhängte sich in seiner Wohnung in Bubentsch. DaS Motiv der Tat ist in allen drei Fällen unbekannt. Ein Bierröhren-Dieb. In einer Straße in ZiZ- kov wurde nachts der Sljährige beschäftigungslose Jaroslaus Mika aus Meinst feftgenommen, weil er ein verdächtig schweres Paket trug, das, wie stch später herausstellte, 50 Kilo zinnerne Bierröhren enthielt. Diese Bierröhren, die einen Wert von 3000 XL darstellen, hatte er im Wirtshaus des Ladislaus Ondrak in Dablitz gestohlen. Einen ähnlichen Diebstahl hatte er in der Nacht auf den 28 Jänner in einem Wirtshaus in Piedboj verübt. LauteS Sprechen und dir Folge». In der Nach- auf Sonntag besuchte der Fuhrmann Franz Durdst aus Zizkov seinen gleichfalls in Zizkov, Luxemburger Gaffe, wohnenden Freund, wobei ihm bald das überlaute Sprechen dreier Männer aufftel, die vor dem Hause Aufstellung genommen hatten und deren Stimmen bis in die Wohnung zu hören waren. Als er hinunterging und die drei aufforderte, die Nach^ ruhe nicht zu stören, stürzte sich einer der Männe- auf ibn und stieß ihm ein Messer in die linke Schulter, worauf die drei davonliefen. Durdst erschien um 2 Uhr nachts auf der Zizkover Polizeiwachstube und erzählte sein Abenteuer; er wurde, da er stark blutete, auf die Klinik Jirasek geschafft, wo festgestellt wurde, daß es sich um eine ziemlich schwere Verwundung handelt. krrte Schwurgerichtsperiode 1936 eröffnet Zehn Jahre wegen zwei«»gezündeter Strohschober Prag. Unter Vorsitz des Kreisgerichts-Vizepräsidenten Charypar wurde Montag die erste SchwurgerichtSsesfion des Kreisgerichtes mit eine» Anklage wegen Brandstiftung eröffnet. Angeklagt war der 30jährige Josef Bekovskh aus Hoftivai, den die Anklage alS fremdem Eigentum höchst gefährlichen, arbeitsscheuen Landstreicher bezeichnet. Die Anklage legt ihm zur Last, aus Rache für schlechte Behandlung die Strohschober des Grundbesitzers Jos. Cerny und deS Grundbesitzers L u st i g bei Hosti- var angezündet zu haben. Der Schaden übersteigt 100.000 XL, ist aber größtenteils durch Berficherung gedeckt. Der Angeklagte hat im Zuge der Voruntersuchung mehrfach Geständnisse abgelegt und später widerrufen. Den psychiatrischen Sachverständigen, die seinen Geisteszustand untersuchten, erklärte Bekovskh, er habe die Strohschober angezündet, um ins Kriminal zu kommen. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage einstimmig und der Gerichtshof verurteilte Bekovskh zu zehn Jahren schwerem und verschärftem Kerker. rb. Ex-Advokat Siegfried Kersch neuerlich vor Gericht Unterschlagungen an der ErbschastSmaffe des Dr. Hugo Salus Prag. Siegfried Kersch, ehemals Doktor der Rechte und Advokat, stand Montag neuerlich vor Gericht, um sich wegen schwerer Unterschlagungen zu verantwort«». Die vielversprechende Karriere dieses erst 37jährigen Mannes, der seinerzeit in der Prager deutschen„Gesellschaft" eine hervorragende Roll« spielte, endete jäh und auf skandalöse Art, als ,-u« tage kam, daß er sich an anvertrauten Geldern seiner Klienten schwer vergriffen hatte. Kersch, der als Advokat eine beträchtliche Anzahl Klientel an sich zog, hatte seine aussichtsreich« Zukunft allzu leichtsinnig belehnt. Er führte ein Leben, das seine Mittel bedeutend überstieg, mietete eine Villa fü: 60.000 XL jährlich, sammelte Gemälde und betrieb anderweitige kostspielige Passionen. Es fehlte nicht an Bemühungen, einen halbwegs unauffälligen Rückzug dieses Gescheiterten zu ermöglichen, als dessen gesellschaftliche und berufliche Position in Prag bereits unmöglich geworden war. Kersch verschwand aus Prag, aber eine neue Existenz vermochte er sich nicht zu schaffen. Das Ende vom Liede war ffin- Verurteilung zu drei Jahren.Kerker vor dem Kreisgericht Pilsen. Montag befaßte sich der Straffenat Trost neuerlich mit einer kriminellen Angelegenheit des verunglückten Advokaten, die bisher noch nicht zur gerichtlichen Austragung kam, obwohl sie bereits sieben Jahre zurückliegt. Siegfried Kersch zählte zu seinen Kunden auch den bekannten Prager Dichter, Menschenfteund und Arzt Dr. Hugo Salus und hatte sowohl die Verlaffenschaft von dessen Gattin Olga, als auch später die Verlassenschaft des Dr. Hugo Salus zu verwalten. In seiner Eigenschaft als Verlaffenschaftsverwalter unterschlug Kersch Wertpapiere(Mehlanleihe und Kriegsanleihe) im Wert von 240.000 XL. Die Situation war klar. Mit Rücksicht auf dir inzwischen verhängte dreijährige Kerkerstrafe verhängte der Gerichtshof nur eine Zusatzstrafe von vier Monaten Kerker. rb. Der betrügerisch«„Schuldnerberater" Rudolf Leben Hard, über dessen Fall wir bereits eingehend berichtet haben, wurde nach dreitägiger Verhandlung am Montag zu zweieinhalb Jahren schweremKerker verurteift. rb. Xlmst>uul Wissen- Die sonntägige Artritervorstellung bedeutete nicht nur kassamäßig einen Höhepunkt in der heurigen Reihe; bei glänzender Stimmung im total ausverkauften Haus, die in steigender Wechselwirkung von uns zu der Bühne strömte, lösten die bezaubernden Melodien und prickelnden Rhythmen der genialen Straußschen Musik Entzücken aus und so wurde di«„Nacht in Venedig" zu einem reizenden Nachmittag in Prag'Vor allem die Herren Baum und P r e g e r brillierten als Sänger, Preger außerdem noch im Verein mit Dörner in übermütiger Laune- Die Damen Coch, Rayn und Wanka, Rieger in bester Disposition am Pult, Orchester, Chor und Ballett trugen das ihre zu einer herzerfrischenden. stark applaudierten Vorstellung bei. G. Mißgeschick TalichS. Als Professor Väclav Talich Sonntag abends im Stockholmer Konzertverein Beethovens Neunte Symphonie dirigierte, überfiel ihn plötzlich ein Unwohlsein, so daß er nach dem ersten Satz das Podium verlassen mußte. Nach einer Viertelstunde wurde mitgeteilt, daß der Arzt Talich verboten habe, weiter zu dirigieren. An Stelle Talichs dirigierte der erste Hostapellmeister der königlichen Oper Grevillius die Symphonie zu Ende. Am Montag war das Unwohlsein wieder geschwunden und sein Gesundheitszustand wiederum durchaus befriedigend. ES handelte sich nur um eine vorübergehende, durch Ueberarbeitung hervorgerufene Schwäche. Konkursantrag gegen daS Theater a. d. Wien. Wie der„Wiener Morgen" meldet, hat ein großer Wiener Bühnenvertrieb im Auftrage eines reichs- deutschen Verlegers gegen die Direktion deS Theaters an der Wien wegen nicht gezahlter Tantiemen Konkursantrag gestellt. Ueber den Antrag wir!) in der nächsten Woche definitiv entschieden werde«. Ausstellung outodidaktischer Kunstmaler in Moskau. Dieser Tage wurde in Moskau eine der interessantesten Kunstausstellungen der Welt geschlossen. Es handelte sich um die erste öffentliche Schau der Gemälde, die von Künstlern geschaffen wurden, die reine Autodidakten sind. Nach Schluß der Ausstellung gab es für die Aussteller einen Festabends bei welcher Gelegenheit die talentiertesten Aussteller prämiiert wurden. Es wurde übrigens behördlicherseits beschlossen, für die Autodidakten ein Spezialstudio zu schaffen und ihnen auf diese Weise Gelegenheit zur Ausbildung zu geben. Wochenspielplan des Nene« Deutschen Theaters. Heute, Dienstag, abends halb 8 Uhr: Katharina Ismailowa, A2.— Mittwoch. halb 8: Unentschuldigte Stunde, B. 1.— Donnerstag, halb 8: Was Ihr wollt, E 2.— Freitag, halb 8: Der junge Herr RenLe, D 2.— Samstag, halb 7: Die Meistersinger von Nürnberg, C 1. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute, Dienstag, abends 8 Uhr: WasJhrwollt. — Mittwoch, 8: Der Lügner und die Nonne, volkstüml. Vorst.— Donnerstag, 8: U n- entschuldigte Stunde.— Freitag 8: Was Ihr wollt, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag, 8: Der Lügner und d-e Nonne, volkstüml. Vorst. 8port Spiek-Xöffterpstege Amerika-Vorbereitungen der DTJ-Frauen Nach den gelungenen Wettkämpfen der Turner fanden am Sonntag in Prag-Zißkov diejenigen der Turnerinnen der DTJC statt. Vor sehr zahlreichem Besuch stellten sich 14 Turnerinnen, welche je eine Pflicht- und Kürübung am Gerät und in zwei Abteilungen Frei- und rythmisch-gymnastische Uebungen vorführten. Die nicht gerade leicht zu bezeichnenden Pstichtvorführungen boten eine gure Uebersicht des technischen Könnens der Frauen, obwohl durch einzelne die Leistungen in der Kür noch eine Steigerung erfuhren. Da wäre in erster Linie die Brünnerin Klusäkovä zu nennen, welche am Barren mittels ihres Könnens nicht nur den stärksten Beifall fand, sondern auch als einzige volle zehn Punkte erzielte. Die Siegerin Langrovä(Mähr.- Ostrau) sicherte sich den ersten Platz durch ihre flüssigen und exakten Vorführungen verbunden nü'. musterhafter Körperhaltung. Zwei Wettkämpferinnen■— Poläckovä(Preßburg) und Nesnidalovä (Pilsen)— schieden durch Verletzungen aus. Die Veranstaltung und ihr Verlauf sowie Erfolg waren sehr gut und der Beifall der Zuschauer ein schönes Zeugnis dafür. Von den erreichbaren 190 Punkten erzielte hie Turnerin: 1. Langrovä(M.-Ostrau) 178.25, 2. Praz- mova 174, Baronovä 172.' 7 5, 4. Vyhnällovä 171.50 (alle Prag), 5. Dlapovä 167.25, 6. Klusäkovä 163.25, 7. Machälkovä 161.25(alle Brünn), 8. Hä- kovä(Jungbunzlau) 153.50, 9. Satrovä(Pilsen) 150.25, 10. Patrmanobä(Proßnitz) 141.75, 11. Hebrovä(Pilsen) 139.25, 12. Lipenskä(Pardubitz) 135.50 Punkte. Die Mannschaffsaufstellung der Turner und der Turnerinnen für die Amerika-Fahrt wird in einer am 16. Feber stattfindenden Vorturner-Konferenz erfolgen. IJnderteam gegen Brann 4:2(1:1) Am Sonntag wurde auf dem Slaviaplatze ein Trainingsspiel des Auswahlteams, das am kommenden Sonntag in Paris gegen Frankreich spielen foCC mit einer Brünner Elf— Mor. Slavia und Zidenic« — ausgetragen, das schließlich keinen gar so schlechten Eindruck hinterließ. Di« Brünner faßten das ganze nicht von der leichten Seite auf und gaben den .Auserwählten" einen recht harten Gegner ab, welcher sich erst geschlagen gab, als die physischen Kraft« nicht mehr ausreichten. Die.Auserwählten" hatten es im Anfänge nicht angenehm und hauten mtt teilweiser Billigung des Schiedsrichters etwas über die Schnur... und so war die erste Hälfte noch Spiel; der Rest aber nur Kampf, wobei die„Internationa« len" den Ausschlag gaben, anscheinend weil es ihre? Ehre" nicht zuträglich war, auf anständige Art und Äeise einen Sieg zu erringen. DFC und CAFE spiele« 6:1(2.-0), Dazweite Trainingsspiel des DFC zeigte wohl eine« kleinen Forffchritt— doch war auch der Gegner dar« nach! Ob jedoch das schon alles genügen wird, am kommenden Sonntag im ersten Ligamatch gegen Mor. Slavia wenigstens entsprechend durchzuhalten, darüber kann man Zweifel hegen. Sonstige Fnßballergebnisse. Prag: Cechi« Karlin gegen SK Liberi 3:3(3:1), SK Pilsen«egen SK Nusle 5:4(2:1), Viktoria Zizkov gegen Bo- bemians 5:3(2:1).— Kladno: SK. gegen Viktoria Nusle 6:0(0:0).— Nachod: SK gegen Olympia Königgrätz 8:1(4:0).— Te plitz: Tgtid gegen Warnsdorfer FK 3:2(1:1).— Saazr DSV gegen DFK Aussig 5:3(4:1).—. Brünn: DSV gegen Slavia Hussowitz 10:1.— Mähr.« Ostrau: Deutsche gegen tschechische Auswahlmannschaft 4:3(0:2).— Proßnitz: SK gegen Mo- ravia Brünn 8:1(1:1).—- Preßburg: Hakoäh Wien gegen CSK 2:1(0:1).— Budapest: Hungaria gegen Ujpest 5:1(1:0), Ferencvaros gegen Salgotarjan 6:2(0:1).— W i en: Admira gegen FAC 5:1(2:0), Austria gegen Linzer AC 9:0; Vienna Hegen Ostbahn 11 4:2(0:1), WAC gegen Helfort 2:1(1:1). Eishockey. In St. Moritz trug das Kanada- Team ein Trainingsspiel gegen eine Trainer-Mannschaft aus, daS es 9:4 gewann.— Paris: Francais Volants gegen komb..Team von London 11:4. — London: Stade Francäis gegen Wembley LionL2:1."“ Internationales Skispringen. In Garmisch- Partenkirchen wurde am Sonntag ein Skispringen verqnstaltet, an dem 40 Springer von elf Rationen teilnahmen. Die Schneeverhättniffe sind derzeit sehr triste. Die ganze Umgebung ist ohne Schnee, Samstag und Sonntag regnete es und der noch in den höheren Lagen vorhandene Schnee vermindert« sich stark. Die Strecken, welche für die Olympia- Wettkämpfe bestimmt sind, sind ebenfalls ohn» Schnee... Um das Springen zu ermöglichen, wurde in Körben der Schnee herbeigeschafft, welcher abex stumpf war und viele Stürze verursachte. DaS Springen brachte insofern' eine Ueberraschung, daß die Nordländer, Amerikaner und ein Japaner(!) die ersten 13 Plätze belegten. Der beste Tschechoslowake, Steinmüller, kam mit Sprüngen von 66 und 72 Metern und Note 198 auf den 19. Platz. Sieger wurde Sven Erikson(Schweden), Note 329.3, 80 und 81 Meter vor Birger Ruud(Norwegen), 222.6, 74 und 76 Meter; Roy MikelseU (USA), 216.5, 76 und 78 Meter. Der Japaner Jguro(7.) erhielt Note 212.3 und sprang 73 uno 76 Meter. Die Weltmeisterschaften im Eisschnelläufen. IS Davos wurden die Eisschnellauf-Weltmeisterschaften der Männer ausgetragen und endeten mst dem Gesamtsieg des Norwegers Ballangrud vor Wasenius(Finnland), Schröder(USA) und Staks» rud(Norwegen). Ueber 500 Meter siegte Delbert Lamb(USA) in 42.6 Sek.; die 1500 und 5000 Meter fielen an Ballangrud, welcher 2:17.4 bzw. 8:32.5 Min. benötigte und die 10.000 Meter gewann WaseniuS in 17:51.4 vor Sttepl(Oesterreich) in 17:52.4 Min.— Die ersten Frauen-Weltmeisterschaften fanden in Stockholm statt und brachten als Endsiegerin die Amerikanerin Klei« vor Lesche(Finnland), Kitani(Japan) und Li» (Norwegen). Die 500 Meter gewann Klein in 53 Sek., über 1000 und 5000 Meter siegle Lesche in 1:53.6 bzw. 10:15.3 Rin.(Weltrekord). Weltrekord im Frauenschwimmen. In Kopenhagen stellte die erst 15jährige Dänin Hveger über 400 Hards Freistil in 5:29.9 Min. einen neue« Weltrekord auf. Der alte Rekord wurde von Knight (USA) mit 5:30 Min. gehalten. 'üetdngnacfcricfetw Deutsche BolkSsinggemeinde Prag. Dienstag dringende Probe. Frauen um 7 Uhr und Männer dreiviertel 8 Uhr abends.— Um 7 Uhr Ausschußsitzung. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bet Bema durch die Bost monatlich XL 16.—. vierteljährig XL 48.—. halbjährig XL 96—. ganzjährig XL 192.—-.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Rerourmarken.— Die Keiwnassrankatur wurde von der Post» und Tele- graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei: jDt6i«" Druck- Verlags- und Zeitungs-A-G. Praa.