Freitag, 7. Feber 1936 Nr. 32 16. Jahrgang Ehtztferalt 70 Hader (einschließlich 5 Heller Parte) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova a. Telefon 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Katzenjammer In Berlin/ Die Rolle des Herrn Starhembers ment arteiten, daß Starhemberg Oesterreich aus Parlamentarismus in der Sowjetunion? London zu reisen. in Nordchina operiert. als sicherste Stütze einer neuen Außenpolitik Oesterreichs gelten könnte, wird jeder von Star- Hemberg inaugurierten Politik mit Mißtrauen begegnen und die Nazi werden mit dem Argu- über die Bezahlung der aufgrlanfenen polnischen Guthaben für diesen Eisenbahntranfit gekommen. Wie aus dem offiziellen deutschen Kom- muniquee bekannt ist, wird von deutscher Seite der Verkehr zwischen Ostpreußen und dem übrigen Reich auf dem Seewege mittels des Dampfers„Preußen" ausgenommen werden, der diese Strecke dreimal in der Woche befahren wird. steckt die Lehren des Dritten Reiches predigen.. *. Die so notwendige Hebung des Exports wird nun im Wirtschaftsbeirqt beraten und die Zen- ttale der tschechoslowakischen Handelskammern hat eine Denkschrift ausgearbeitet, mit der wir zwar nicht in allen Puntten einverstanden sind, von der wir aber diesmal gerne sagen wollen, daß sie eine Reihe von Vorschlägen enthält, deren Verwirklichung geeignet wäre, unsere Ausfuhr zu heben und damit unseren Arbeitslosen Arbeit zu geben. So wird darin mit Recht hervorgehoben, daß es zu einem Ausgleich zwischen Industrie und Landwirtschaft kommen muß. Wir stellen uns daS so vor— nachdem ohne Einfuhr keine Ausfuhr möglich ist— daß sichInd u st r i e(s 0- wohl Unternehmer und Arbeiter) und Landwirtscha-fteini- gen müssen darüber, was und welche Mengen von Gütern eingeführt werden und aus welchen Ländern, damit im Kompenfationswege industrielle Waren in diese Länder ausgeführt werden. Sympathisch berührt auch in der Denkschrift der Handelskammern, daß die allgemeine Einführung von Exportprämien als unmöglich angesehen wird, well das insbesondere in den angelsächsischen Ländern als Dumping-Maßnahme angesehen würde und so unserer Ausfuhr mehr schaden als nützen könnte. Die Zentrale der Handelskammern schlägt daher verschiedene andere Maßnahmen vor. So die Bewilligung des zollfreien Veredelungsverkehrs, d. h. solche Rohstoffe, welche gebraucht werden, um Exportgüter zu erzeugen, sollen zollfrei eingeführt werden, damit die tschechoslowakische Industrie auf Amerika gibt Gold ab New Aork. Der Dampfer„Präsident Harting" ist aus dem New Korker Hafen ausgelaufen. Er hat 108 Kisten für Frankreich und sechs Kisten für England bestimmtes Gold an Bord. Der Dampfer„Majesiie" führt 1,700.000 Dollar in Gold nach Europa. Der Außenpolittker des„Daily Herald" berichtet über eine bevorstehende Verfaffungsände- rung in Sowjetrußland in einem längeren Ar- tikel, dem wir-— ohne Gewähr für die Verläßlichkeit der Information— folgendes entnehmen:. Die neue Sowjetverfaflung wird wahrschein-' sich dem allruflischen Sowjet-Kongreß dieses Jahres fertig zur Annahme vorliegen. Ihr bemerkenswertester Charakter wird darin bestehen, Nach Ostpreußen auf dem Seewege stimmen, bezeichnend für die gefährliche Stimmung in den Greuzge biete« und für de« Geist, der drüben herrscht. Wen« man es dort für möglich halt, daß plötzlich der Krieg anSgebrochen fei, und wenn man auf einen blinden Alarm hi« sofort die Grenze überschreitet, so laßt das ans gewisse Erwartungen und Vorbereitungen für eine«„Ernstfall" schließen, de« die Reichswehr an der Grenze anscheinend für recht nahe hall... Frankfurter— unpolitisch Bern.(SDA.) Die in der Wohnung Frankfurters, des Mörders GusÜoffs, vorgenommene Haussuchung erbrachte keine Belege für die Behauptung, daß sich der Mörder mit Politik befaßte oder revolutionäre Druckschriften las. Die Pariser Konferenzen haben ihren Ab- schluß gefunden und wenn ihr Ergebnis auch nicht in festen Verträgen niedergelegt wurde» so ist es doch bedeutsamer als irgendeine Uebereinkunft der letzten Monate. Nach der Lähmung der französischen Außenpolitik durch Herrn Laval hat sich Frankreich unter der Führung Flandins wieder in das europäische Kräftespiel eingeschaltet. Nicht umsonst werden Herrn Laval tagtäglich von den reichsdeutschen Zeitungen bewegte Nachrufe gehalten. Man weih in Berlin, was man an diesem Totengräber französischer Größe verloren hat! Flandin wird es, wenn er das Erbe Bar- thouS aufnehmen will, nicht leicht haben. Sein I Zusammenspiel mit London und Moskau aber ermöglicht ihm schon heute, eine wesenüich andere Rolle zu spielen, als sie Frankreich noch vor drei Wochen zu spielen hatte. Als gesichert kann nicht nur di« Ratifizierung des frankorussischen Paktes angesehen werden, sondern auch der Abschluß desrussisch-rumänischen Vertrages. König Carol, der lange Zett diesen Pakt konterkariert hat und nach Berlin tendierte, hat den französischen Journalisten gegenüber in demonstrativer Weise Titulescu seinen geliebten Freund genannt. Ferner ist Bulgarien der Ballan- Und der Kleinen Entente merkbar angenähert worden. Endlich bestehen Aussichten dafür, daß Rußland und England gemeinsam hie Garantie für denLxieden in Mittelestropa^übernehmen und daß demnächst schon eine feste Abmachung über die Anwendung des Artikels 16 deS Böllerbundpaktes gegen jeden Storer des Friedens in Mitteleuropa getroffen wird. Eine unglückliche Rolle hat Oesterreich gespielt. Die Heranziehung hat Molotow, der Vorsitzende des Rats der Volls- kommiffare, gesagt. Die Bauern werden auf gleicher Stufe mit den städtischen Arbeitern stehen, während daS gegenwärtige System den organisierten Industriearbeitern das Uebergewicht sicherte. Nicht nur der Mechanismus der neuen Volksvertretung, sondern das ganze Verfaffungssystem soll vollkommen erneuert werden und wird in einer Kom- misiion beraten, die seit Juli unter Stalins Vorsitz tagt und eine große Zahl von Subkomiteeö gebildet hat. Fragen wie die Berantwortlichkeff der Exekutive gegenüber den parlamentarischen Körperschaften(oder ihre Trennung wie in USA), wie die Freiheit der Rede und der politischen Organisation werden noch eifrig diskutiert. Das schwierigste Problem ist das Verhältnis des kommunistischen Parteiapparats zu den neuzuwählenden Körperschaften. Immerhin sind die Beratungen schon soweit fortgeschritten, daß die Fertigstellung der neuen Verfassung im Sommer erwartet werden kann. Bonze Kube verhaftet Berlin.(E. B.) Der bekannte braune Bonze Kube, der als Präsident des preußischen fene R äte s yste m abschaffen und dafür ein parlamentarisches System nach westlichem Muster einführen wird. Die bisherige Ausschaltung der„Bourgeois", der Prie- , ster usw. soll aufgehoben werden. Die Wahlen sollen geheim und direkt sein. Anstatt daß, wie bisher, Delegierte der lokalen Sowjets die Pro- vinzial-Sowjet-Kongresse bilden, die ihrerseits I Delegierte in den Zentral-Sowjet-Kongrcß senden, sollen die Abgeordneten nun direkt in die gesetzgebenden Körperschaften gewählt werden. ES wird ein zentrales Parlament für die ganz« Sowjetunion geben, ein Parlament für jede mitonome Republik und daneben lokale und kommunale Körperschaften. „Wir wollen versuchen, die besten Elemente - deS parlamentarischen Systems zu übernehmen". Eine Lebensfrage Es ist immer wieder notwendig auf die Frage der Hebung des tschechoslowakischen Exports zu sprechen zu kommen, denn diese liegt i m Lebensinteresse der industriellen Ar- | beiter, insbesondere ders u d etendeut« Aschen Industriearbeiter. jOhne eine ausgiebige Exportbelebung ist mit einer Wiedereinstellung der Massen'der sudetendeutschen Arbeitslosen nicht zu rechnen. Die Ausfuhr der Tschechoslowakei war im Jahre 1035 höher als im Jahre 1034(7415,50 Millionen gegen 7287.50 Millionen XL). Dieser wenn auch geringe Aufstieg ist umso erfreulicher, als der Index der tschechoslowakischen Ausfuhr schon im Jahre 1034 etwas höher war als der Weltdurchschnitt, Während nach den Veröffentlichungen des Völkerbundes der Wert der Weltausfuhr 1034 sich auf 34.4 Prozent des Jahres 1020 belief, betrug die tschechoslowakische Ausfuhr im Jähre 1034 85.6 Prozent des Jahres 1020 und ist im Jahre 1035 auf 36 Prozent ge- stiegen. Das zeigt, daß gewisse Voraussetzungen für die Hebung unseres Exports gegeb en sind, daß affo diesbezügliche Maßnahmen durchaus von Erfolg begleitet sein können. Sehen wir uns die Exportsteigerung im Jahre 1035 gegen 1034 näher an, dann bemerken wir: Die Ausfuhr der CSR ist gestiegen in die Clearingländer um 6.87 Prozent, in die Länder mit Goldwährung um 8.06 Prozent und in die Länder des Sterlingblocks um 0.88 Prozent, gefallen ist nur die Ausfuhr nach Deutschland, und zwar um 26.08 Prozents Man muß es einmal aussprechen, daß an der geringen Hebung des tschechoslowakischen Exports das Sinken der der italienischen in die französische^ Abhängigkeit Ausfuhr nach Deutschland schuld ist. D i e W i r t- , s ch a f t s p 0 l i t i k d e s D r i t t e n R e i» ich es ist es, welche dentschechoslo- , wakischen Export am meisten schädigt und damit die sudetendeutschen Arbeiter ums Brot bringt. Daß Deutschland aufrüstet, daß es keine Devisen hat, um seine Einfuhr zu. bezahlen, das ist die Ursache dessen, daß tausende sudetendeutscher Arbeiter hungern müssen, bzw. beschäf- tigungslos und auf die gewerkschaftliche und I staatliche Arbeitslosenunterstützung angewiesen Japan verstärkt Kwantung-Armee 1 Tokio. Wie das Blatt„Nishi Nishi" berich tet, erwägen zur Zeit die japanischen Militärbe hörden eine Erhöhung der Effektivbestände der .Kwantung-Armee, welche in der Mandschurei und dem Weltmarkt konkurrenzfähig wird. Wer auch in Nordchina operiert. im Inland erzeugte Waren konnten zwecks Ver führe. Es erweist sich, daß wir recht hatten, als wir die demokratischen Staaten immer wieder aufforderten, inOe st erreich zuerst für eine Wiederherstellung eines verfassungsmäßigen Re- gimesimJnnernzu sorgen. Ein demokra tisches, auf die Arbeiter und Bauern sozialistischer und christlichsozialer Gesinnung gestütztes Regime in Oesterreich hätte ganz von selbst die außen politische Wendung vollzogen und diese Wendung wäre dann als freie Entscheidung des Bolles ge-......„ kommen, während sie heute durch Starhemberg' sind. Hitler läßt die sudetendeutschen Arbeiter diskreditiert erscheint. Dazu kommt, daß man hungern, aber die Gewerkschaften, die sozialdemo- dem österreichischen Voll die neue Mitteleuropa- i statische Partei und der tschechoslowakische Staat Politik nicht schmackhafter macht, wenn man sie sind es, welche für sie sorgen. DaS muß einmal im Ausland dauernd als keine Abkehr von. mit aller Schärfe jenen gesagt werden, welche im Italien bezeichnet. Denn einig ist Oester-jsudetendeutschen Gebiete mehr oder minder ver- r e i ch heute vor allem in dem einen Punkt der Feindschaft gegen Italien und nur wer es aus den Ketten Mussolinis befreit, wird es für eine neue Polittk gewinnen können I W a t f> Henlein entfesselte nationale Sturm hat dröhnende Worte in den deutschen Eichenwald gerufen— und allenthalben ist man voll Spannung, wie es daraus erlösend widerhallen werde! Die bisher vernehmbar gewordenen Stimmen brachten wenig Ermutigendes. Nun mögen sich Enttäuschte willig an den Trost klammern, daß wirklich große Werke ihre Zeit brauchen; daß man auch erst die vielen Unreine.- und U n w ürd-rge n.auSscheiden.müsse,«he im, entscheidenden Ansturm der letzte Sieg errungen werden kann; daß erst nach völliger innerer Läuterung der Weg frei gegeben werden soll zu ienen Zielen, die eine neue Zeit bedeuten. Kein natto- naler Gegner, kein internattonaler Sozialdemo- ftat, kein schändendes Judentum kann die in der SdP gesammelten Menschen hindern, die von den Führern gepredigte und von begeisterten Massen zvm Glaubensbekenntnis erhobene„innere Erneuerung" zunächst an sich durchzuführen» alles von volksfremder Kunst» von verjuvet r Literatur, von sozialistischer Entartung in die Welt geschwindelte, wahrem deutschen Wesen widerstrebende Unreine auSzuttlgen,„auSzubrennen" mit Stumpf und Stiel. Ohne Reid, aber nicht ohn: freudige Genugtuung durfte man annehmen, daß alle Gliederungen der neuen Volksgemeinschaft bei allen Gelegenheiten ihres vom Gifte der Polit!: befreiten, ausschließlich der völkischen Eigenart gewidmeten häuslichen Lebens nur noch dem einen herrlichen Gedanken dienen werden: Pflege deutscher Art, Heiligung deutscher Sitten, Vertiefung deutschen Brauchtums. Und wo und wann immer die Jugend in den Kreis der Erfahrenen tritt, müßte man erwarten, daß ihnen nur ein Ideal begegnen köime: die in Zucht und Tugend erblühende oegt- sche Jungfrau; der in Treue und Keuschheit erstrahlende deutsche Jüngling! Nun, der zugunsten der Sudetendeut« schenVolkShilfe veranstaltete Kostüm- und Maskenball des Bundes derDeutschen b Kleinaugezdhat uns gezeigt, wie es in Wirklichkeit aussieht! Auch der böswilligste Gegner kaum hätte eine Verdächttgung erfinden können, dir art Schmutz und Niedrigkeit dem gleicht, was auf dem oben genannten Ball als schriftliches Dokument„sittlicher Erneuerung" aut der Hand gegeben wurde. Zwei Zigeuner-, mädchen, die einzigen Masken im Ballgetneb., verkauften Lose. Wohl zur Erhöhung des Wertes (oder war's zur Steigerung deutschen Frohsinns gedacht?) trugen die Lose neben den Glücksnummern vierzeilige Sprüche. Nun werdet ihr immer noch glauben, daß zu solchem Zwecke ein« Blütenlese aus deutschen Dichterworten gesammelt wurde- Grethe, Schiller, Kernstock, Körner.... daß Humor von Busch, Reuter, Thoma... Was nützt jeder Versuchs um die Wahrheit herumzukommen, die ja doch einmal gesagt werden muß. Wir bitten um Entschuldigung, wenn wir ein Fleckchen unserer Zeitung besudeln, indem wir zwei der„Gedichte" wiedergeben, die im Dienste deutschen Brauchtums und deutscher Fröhlichkeit von Mädchenhänden verbreitet wurden: I Zwee Mädchen gingten in en Gummiloden; Die eene kooft sich en poor Gummiwoden, Die andre noch viel rüd'cher Kooft sich en Selbstbefried'cher. Zwee Menner gingten in ein B. ff; Der eene ging die Treppe nuff,. Der andre mußte Worten, Der hotte noch keen h.. ten! Das hätte niemand erwartet! Niemand hätte geglaubt, daß die Erneuerung deutschen Weien? aus derart stinkenden Schmutzwässern erfließen soll. Sie wird es auch nicht! l Doch dafür werden— das zeigt das Beispi l Kleinaugezd mit aller Deutlichkeit— andere sorgen müssen. Sdp-Demonstrstlonen In Westböhmen Karlsbad.(E. B.) Für Donnerstag vormittags hatte die SdP in die westböhmischen Städte Arbeitslosen-Bersammlungen einberufen, in denen die Abgeordneten über die— natürlich nicht zu bestreitende, aber von der SdP trotz allen Versprechungen auch um nichts gemilderte—Notlage der Erwerbslosen sprechen sollten. In Karlsbad hatte die Polizei die Kundgebung verboten, die SdP aber hatte dieses Mittwoch abends erfolgte Verbot absichtlich oder aus Fahrlässigkeit ihren Anhängern nicht mehr mitgeteilt. Es versammelten sich also in der Masarykstraße einige hundert Menschen, gegen die seitens der Polizei vorgegangen wurde, wobei es einen Wirbel gab. Auch Unbeteiligte bekamen Schläge mit dem Gummiknüppel ab. Acht junge Burschen wurden angehalten, aber wieder entlassen. Unter den Zuschauern bemerkte man den Abgeordneten W o l l n e r, ausnahmsweise nicht im schwarzen Pelz, sondern als Arbeiter ver- kleidet. In Podersam löste der Regierungsvertreter die Versammlung auf. weil ihre Tagesordnung mit der behördlich bewilligten nicht übereinstimmte. Als die Gendarmerie den Saal räumte, kam es zu Reibereien und es sollen mehrere Personen verletzt worden sein. So begreiflich die Erregung der Arbeitslosen ist, so durchsichtig scheinen die Versuche der Fabrikantenpartei, die wachsende innerparteiliche Krise-auf Kasten der Arbeitslosen zu beheben, hie man in gefährliche Abenteuer hetzt. Sonderbarer„Kommunismus* Der„überparteiliche“ Arbeitslosenkongreß Einer unserer Vertrauensmänner aus dem Marienbader Bezirk übermittelt unS das Original eines Schriftstücks, das' über neue „Feinheiten" in den von den Kommunisten angewendeten allen Methoden interessanten Aufschluß gibt. Es handelt sich nämlich um daS handschriftliche Ansuchen von Arbeitslosen in Rauschenbach an ihr Gemeindeamt, dieses möge ihnen eine Geldspende zur Entsendung eines Delegierten zum„überparteilichen" Reichsarbeitslose^kongreß in Prag überreichen. Der„überparteiliche" Kongreß, von dem da die Rede ist und der für Mitte Feber angesetzt ist, ist eine eindeutigkommuni st ischeAn- gelegenheit. Und es ist nicht etwa so, daß die Rauschenbacher Arbeitslosen„spontan" Interesse für diesen Kongreß an den Tag legen, sondern dieses Schnorren bei der Gemeinde um eine Geldspende ist vonder kommunistischen Partei inspiriert. Der Bezirksführer der KPE, Fritz Pöpperl aus Sangerberg, reifte nämlich dieser Tage die betreffenden Ortschaften ab, arbeitete daraufhin, daß die Arbeitslosen in den Gemeinden Einsiedel, Rauschenbach und Sangerberg Versammlungen einberufen, ihn, den Herrn Pöpperl, zum Delegierten für den Prager Kongreß wählen und die Spesen für diese Delegierung durch solche Petitionen bei den Gemeindeämtern hereinzubringen versuchen. Eine, gelinde gesagt, eigenartige„kommunistische" Methode, Arbeitslose für demagogische Parteizwecke und Gemeindeämter für die Spesen einspannen zu wollen! Neue Hiobsbotschaft. Wie das„Trauie- nauer Echo" berichtet, ttägt sich die Firma Haase in Trautenau mit der Absicht, Mitte Feber den Bettieb, der seft einigen Monaten mit einer Belegschaft von mehreren hundertLeuten beschäftigt war, auf unbestimmte Zeit wieder stillzulegen. Sollte diese Maßnahme erfolgen, dann wird die ohnehin große Zahl der Arbeitslosen dieses Bezirkes eine weitere gewalttge Erhöhung erfahren und zu dem vorhandenen Arbeitslosenelend neues hinzuge- fügt werden. Prager Deutsche Sendung im Jänner Der Hörer in der deutschen Provinz Böhmens erwattet nun durch den Wechsel im Poftministerium endlich die Erfüllung seines langgehegten und vor uns zuerst erhobenen Wunsche-: denBaueines eigenen deutschen Senders. Bei alle. Mühe ist der kleine Sttaschnitzer Sender in der Provinz nicht zu hören und die wesentliche deutsche Abendsendung vom Lieblitzer Sender leidet in der letzten Zeit durch Abstimmungsfehler der Sendeleitung, die aber mit dem Beginn der tschechischen aufhören. Leider fehlt noch immer da- Rundfunkstörgesetz. WaS nützt eine Beschwerde beim zuständigen Postamt, waS nützt es, daß zwei Beamte in de: Wohnung des Hörer- erscheinen, dort zugeben, daß das Wohnviertel Tag und Nacht von Motorgeräu- schen gestört ist, wenn ste von der Postdirektton keine technischen Hilfsmittel erhalten, um den Störenfried ausfindig zu machen und die Störung zu beheben. So wird das Abhören der deutschen Sendung ost zu: Oual für Obr und Nerven. Wenig Lichtpunkte brachte der Monat Jänner dcm Hörer. Es fehlt noch immer die leitende Han), die alle Interessen zu einer hohen Gesamtleistung verpflichtet und diese eine wichttge Stunde für den deutschen Hörer in der Provinz zu dem macht, was sie sein soll: zum wichtigen kulturellen und erzieherischen Faktor unseres gesamten Lebens in diesem Staate. Im deutschen kulturellen Leben gibt eS dock eine große Zahl fähiger Menschen, die zur Gefta tt-ng des Programme» aufgesordert und herangezogen werden müßten. Denn nicht jeder, der vor dem Mikrophon e-lcheint, ist dazu geeignet. Mag schon da- Sprachliche erträglich sein, so ist der Vortragende und gerade ost der au» der deuttchen Provinz mi. seinen vielen Dialektfehlern nicht geeignet. W't hörten zum Beispiel zwei Vorttäge über Ski- und Rodelspott, darunter war einer, der für das Erz» gebirge warb. Aber der Sprecher sprach ein so mangelhafte» Hochdeutsch, daß er mehr humottstisch al» ernst wirkte. Er kannte kein hatte»„t"(a» sagte Audobu»), keinen Umlaut(auf den Berg- hei fern) und der Bottrag hatte Lbttgen» die Form des Schulaufsatzes. Ein anderer Bottragender wollte etwa» über da» Gebiet um den Tanneberg erzählen, da» leider noch viel zu wenig von de. Touristik erschlossen ist, hatte aber nicht die sprach- l:che Kraft, die Schönheit diese» Teile» Nordböhmens erschöpfend zu schildern. Der schwächste Te' unserer deutschen Sendung ist sicherlich der L a n d» Wirtefunk. Daß e» für den Landwitt nichtandere» geben soll al» die Aufklärung über dir Kunstdüngung oder die landwittschastliche Entschu'- dvng, da» wir^, sicherlich ernstlich bezweifelt werden müssen. Weder in der Zeit für längere Vorttäge noch in der für Jnformattonen wird nur mit einem Wotte auf andere Dinge, al» rein landwittschastliche WittschaftSinteressen verwiesen. Gibt e» denn kem- andere Probleme, die den Bauern berühren könnte I Was wird für sein« staatspolitische Erziehung getan? Da» ist eine wichttge Frage, die hier aufgeworfen werden und rasch zu einer posittvei Lösung gefühtt werden muß. Sonst ist e» kein Wunder, wenn sich der deutsche Bauer der faschisti- schen Ideologie so zugänglich erwies, weil er weder in seiner Presse, noch durch den Rundfunk unterrichtet wird, wie es wirklich in der Welt aussieht Da können wir wohl unsere.Aktuellen zehn M i n u t e n" als vorbildlich hinstellen. ES gibt kein politisches und kulttirelles Ereignis von Bedeutung für die Arbeiterflaffe nicht nur dieses Staates, son. j dern aller deutschen Arbeiter, daS da nicht seine ent. sprechende Erwähnung und seine bedeutsame Erklärung fände. Das wirtschaftliche Relief, das der Prager deutsche Rundfunk seinen Hörern übermitteln läßt, müßte sich auf neue Gedanken umstellen. Es genügt nicht, auf Aeußerungen unserer politischen Führer oder Wirtschaftsminister allein hinzuweisen- eS müssen alle Wege, die zu neuen Wirtschaftsfo-me, Hinweisen, bewachtet und objektiv dargeftellt werden. Mit der nun immer wiederholten Feststellung, wie groß sich die Krise bei unS auSwittt, ist es allein nicht getan. Genoffe Wondra k-Karlsbad verfiel dem Fehler, zu viel Zahlen zu nennen, als er über die Krisennot in Weftböhmen sprach. Ein sogenannter Technokrat(Jng. Schwarz), mit etwas zu großem Pathos und Sttmmaufwand, hatte den Mm, sich mit neuen Wegen und neuen Ideen(seiner Mei«! nung natürlich den einzig richtigen) aus der Ktt'e zu befassen, wobei nicht zu leugnen ist, daß d>e Technokraten nicht allein in der Kritik, sondern auch in ihren Forderungen sozialistisches Gedankengut geschickt verwerten. Kulturelle Vorttäge boten außer Genoffen John-Aussig(Ueber die kulturelle Bedeutung de: Gewettschaften) noch Genoffe Karl Kern, der in einer rethorisch wirksamen Weise über die Arbeit im Sozialistischen Jugcndverband sprach. Das Auftteten des Wiener Staatstheaterdirek- ttrs Röbbeling in unserem Rundfunk und sem Vorttag: Die Kaufmannsgestalt in der dramatischen Literatur wollen wir auf das Konto der Annäherung an Oesterreich gutbuchen, denn neue Entdeckungen brachte auch er nicht. Ein besonderes Vergnügen bilden immer d- Büchenchilderungen Dr. M o u ch a s, der e? versteh!, der Hörerschaft in eindringlicher Weise nicht allein das Buch, daS er propagiett, zu schildern, sonoern auch, wie man Bücher lesen und zu verstehen sich bemühen soll. Der musikalische Teil der deutschen Sendungen hat e» natürlich am leichtesten, so daß er auch der beste ist. Hervorzuheben sei der Vortrag Leo Schleißners über 800 Jahre Klaviermusik m.t Prof. Franz Langer am Flügel, sowie das Kon» zett unter der Leitung Dr. I a l o w e tz, das Alban Berg mit drei Bruchstücken aus.Wozzek", von Tilly de G a r m o ausgezeichnet gesungen, brachte. Rich» weniger hochstehend war die Wiedergabe de» 100. Psalm von Händel unter Leitung Prof. Franz mit den Schülern der Musikhochschule. Die Hörspiele beginnen allmählich höher- künstlerische Formen anzunehmen, waS wohl das Verdienst Viktor Sordans zu sein scheint. Rue soll vor Erpettmenten(Hörspiel:„Reise um dir Welt" von Mares) gewarnt werden. Sie sind wertlos und die Funktechnik kann mit dem Tonfilm noch nicht konkurtteren. Als wettvoll soll noch die volkstümliche R-chtS- beratung des Rats Weinhuber erwähnt werden, di« intereffant gestalttt ist. Dagegen verlieren sogenannte Zwiegespräche, wie sie über die B e r u f S- beratung geführt wurden, wenn sie nicht tatsächlich auS solchen herauSgewachien find. Besser war als die Dialoge über Berufsberatung daS Zwiegespräch über Schulzeugnisse, aber auch hier hätte mft mehr Mut auf die Art und den Wert der Klassift- kation binqewiesen werden müssen. Die folkloriftischen Sendungen in den Dialt kten auS den verschiedensten deutschen Teilen der Republik verdienen soweit Anerkennung, als hinter den Dar- knetungen auch ein künstlerischer Wille steckt. Nur se- vor zu viel Dilettantismus gewarnt, der mehr verderben als nützen kann. Richard B ä u m l. «eite 4 Frtttag, 7. Feber 1936 Re. 35 ÄMsneuigLeitek Nur ein Versprechen Der deutsche Sprecher des italienischen Rundfunks, der die Propagandanachrichten durchsagt, hat dieser Tage einmal in seinem Bericht über die Kämpfe in Tembien gemeldet, daß 16 Offiziere und 186 Millionäre gefallen seien. Er meinte natürlich: M i l i- zio n a r e. Er hatte sich versprochen, aber in diesem kleinen Sprachfehler liegt die ganze Tragik der Menschheit beschlossen. 186 Millionäre gefallen! Wenn das wahr und nicht nur ein Versprechen wäre und eines, in dem beileibe nicht etwas für später versprochen wird, sondern nur ein Münd lich versprochen hat, danngäbe es keinenKrieg mehr. Dann wäre alles nicht wahr. Dann wären die 186 eben nicht gefallen, die sterben mußten, eben weil sie keine Millionäre, sondern arme Milizionäre waren. Wenn die Millionäre auf die Schlachtfelder müßten, auf denen es zumeist um ihre Interessen geht, und wenn sie noch dazu nicht vereinzelt,.sondern in so stattlicher Zahl beisammen wären, daß ihrer 186 in einer. Schlacht fallen könnten, dann würden Zehntausende Chemiker, Ingenieure, Offiziere nicht an der Ausgestaltung der Waffentechnik arbeiten, sondern an der Abrüstung. Dann würden Hunderttausend Hände nicht Waffen schmieden, sondern Werkzeuge des Friedens. Dann würden Hitler und Mussolini nicht regie- ren, dqnn gäbe es. keine Presse, die den Völkern einredet, daß man aus nationalem Prestige Krieg führen müsse. Dann— ja dann gäbe es aber vielleicht auch die Millionäre nicht! Es ist eben, wie es gemeldet wurde, ein Unsinn, ein Versprechen,, das einen tollen Rattenkönig von Wahnvorstellungen auslöst. Wahr ist, daß es Millionäre gibt, wahr ist, daß sie daheimblechen, wenn andere für sie kämpfen und sterben, wahr ist, daß es Kriege geben muß, well es Millionäre gcht und Mil- lionäre, well es Kriege gcht, wahr ist, daß,in der glühenden Sonnenhitze von Tembien nicht 186 MMonäre, sondern viele Hunderte arme Mili-zionäre elendiglich starben. Aber daß es einmal anders sein soll— das sollten wir ü n s selbst versprechen! Der Bauer RediL bei Masaryk. Der 73jäh- rige serbische Bauer Jeremija Nedic, bei dem vor 26 fahren Präsident Masaryk zu Gaste war, als er in Serbien für seine politische Arbeit Informationen sammelte, trqf Donnerstag mittags mit seinem Schwiegersohn und Enkel zu Besuch in Läny ein, wozu ihn Präsident Masaryk im vorigen Jahre eingeladen hatte. Nach dem Mittagessen begrüßte Jeremija NediL herzlich den Präsidenten und übergab ihm dje Geschenke, die er aus Jugoslawien für ihn mitgebracht hatte. Einen Teppich, den die Enkelin NediL' geknüpft hatte, kleine, handgefertigte Opanken, die das Symbol der alten serbischen Vaterlandsliebe und Opferwillig- kett sind, und Pflaumen. In Erinnerung an den Besuch des Präsidenten im Heimatskreis Nediä' und an andere Reisen und Fahrten des Präsidenten nach jugoslawischen Gebieten verging das Gespräch, in welchem der Präsident mit seinen Gästen längere Feit verharrte. Die Unterhaltung erfolgte in serbischer Sprache. Nach der Jause kehrten die Gäste nach Prag zurück. Grenzwachen lerne« Rundfunksenden. Laut Anordnung des Innenministeriums soll die Poli- zeiwache in Karpathorußland in der Bedienung von Radiosendestationen weiter ausgebildet werden. Nach Absolvierung des ersten solchen Kurses, welcher bei der Polizeidirektion in Ujhorod veranstaltet wurde, haben die Teilnehmer Prüfungen abgelegt. Ein neuer Kurs wurde in Mukaäevo eröffnet. Hauptmann wird doch hingerichtet? Gouverneur Hoffmann erklärte, daß seine Anordnung, den Fall Lindbergh von neuem zu untersuchen, den Zeitpunkt der Hinrichtung Hauptmanns nicht beeinflußen solle. Hauptmann soll keinen neuen Strafaufschub erhalten. Er, Hoffman, werde die Polizei von New Jersey beauftragen, auch nach der voraussichtlichen Hinrichtung Hauptmanns die Suche nach den Mittätern fortzusehen. Falls keine neue Wendung in dem Falle Hauptmann eintreten sollte, wird Hauptmanns Hinrichtung zwischen dem 16. März und 11. April erfolgen. Bauernkrieg. Unter den Bauern der Gemeinde San Pedro Atlisco bei Puebla ist ein Streit um Grundstücke ausgebrochen. Aus dem Streit entwickelte sich eine Rauferei, bei der fünf Persone» getötet und zwölf Personen, davon zwei schwer, verletzt wurden. 500 Wagen vom Hochwasser eingekreist. In der polnischen Woiwodschaft Polesi sind mehrere Flüsse über ihre Ufer getreten. Durch das Hochwasser sind'ahlreiche Brücken eingerisscn und Wege vernichtet worden. Unweit von Presczylis lvurden etwa 500 Bauernwagen, die sich auf dem Wege-um Markt befanden, abgeschnitten. Ihre Der Dienstag erschossene nationalsozialistische Landesgruppenleiter der Schweiz, Wilhelm G u st l o f f. Vom Rundfunk taBtaWrnwartM au* den Pr ogr n SamStag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse. 12.10: Leichte Musik, 13.40: Leichte Musik, 15.00: Orchestettonzert. 16.50: Rundfunk für die Jugend, 17.25: Opernduette, 17.55: Deutsche Sendung: Sportbericht, 18.05: 800 Jahre Klaviermusik, 18.30: Friedrich Torberg liest aus seinem neuen Roman „Die Mannschaft", 18.45: Deutsche Presse, 21.15: Orchestettonzert. 22i30: Tanzmusik. Sender S: 7.30: Leichte Musik, 14.10: Deutsche Sendung: Lieder sudetendeutscher Komponisten, 14.40:, Kulturrelief.— Brünn 12.35: Orchesterkonzert.— 17.40: Deutsche Sendung: Funkspiel: Auf Probe gestellt.— Mähr.-Ostrau 16105: Rundfunkorchesterkonzert.— Preßburg 19.45: Blasorchesterkonzert. Aegyptisdie Studenten gehen mit Steinen und Wasserschiäuchen gegen die Polizei vor . In den letzten Tagen ereigneten sich in Kairo erneut schwere Zusammenstöße zwischen Studenten und der Polizei. Während man die Waffe des Wasserschlauches bisher nur in den Händen 5er Polizei kannte,'hätten fich hier die Studenten selbst mit Wasserschiäuchen versehen und gingen damit und mit einem Hagel von Steinen gegen die Polizei vor. Schließlich machte die Polizei von ihrer Schußwaffe Gebrauch, und cs gab mehrere Tote und^Verletzte. Grimmer Winter in Ost und West In den USA elngeschnette Städte— Rew Aork. Die Kältewelle, unter der der amerikanische Kontinent seit drei Wochen leidet, nimmt die Form eines sibirischen Winters an, wie ihn die Vereinigten Staaten seit Jahrzehnten nicht erlebt haben. Neue Blizzards über dem Mittel westen legten den ganzen Auto- und Eisenbahn verkehr von den Rocky Mountains bis zum Alleghanie-Gebirge lahm. Die Straßen und Eisen bahngeleise in Michigan, Illinois und Wisconsin liegen unter Schneewehen von zwei bis achtein halb Meter Höhe begraben. Eine große Reihe von Städten des Mittelwestens leidet bereits unter Nahrungsmittel- und Brennstoffknappheit. Die Temperaturen betragen 22'bis 43 Grad unter Rull. Die Füge treffen in Chicago mit Verspä tungen bis zu 24 Stunden ein. In der Nähe von Jackson(Wisconsin) fror am Montag ein Schnellzug in einer Schneewehe ein. Die 89 Fahrgäste konnten erst Mittwoch abends aus den vereisten Wagen befreit werden. In North-Dakota und in Minnesotta sind zwei Gitterzüge einge schneit. Sie konnten bislang noch nicht erreicht werden. In Desmoines, der Hauptstadt von Iowa, herrscht ernster Kohlenmangel. Der Zugs verkehr ist beinahe ganz eingestellt. Im Süden und an dex Pazifikküste hat die Schneeschmelze neues Hochwasser hervorgerufen. Di: Gesamt zahl der Opfer der Kältekatastrophe ist auf 500 gestiegen. im Seiden Heer eingefrorene Schiffe wenden, da die-Oberfläche des Eises holperig ist und an einigen Stellen auch Eisstücke bis zu einer Höhe von 30 Fuß(zirka neun Meter) aus dem Eise emporragen. Die Eisfelder ziehen sich bis 50 Meilen weit von der Küste hinaus. Biele Schiffe, die von den Eismaffen abgeschlossen wurden, be> fitzen nur mehr für eine kurze Zeit genügende Vorräte an Lebensmitteln und Heizmaterial. -» Belgrad. Auch Jugoftawien ist von einer plötzlichen Wetterverschlechterung, verbunden mit einem Kälteeiwbruch, Schneestürmen, Orkanen und Regengüssen heimgesucht worden. In der Umgebung der Plitvica-Seen(Nordosthang der Heinen Kapela) und in den westlichen Gebirgsgegenden mußte der Eisenbahn-, Telephon- und Telegräphenverkehr eingestellt werden, da viele Telegraphenstangen umgeworfen worden sind. In der Nähe von Banjaluka wütete ein ungewöhnlich heftiger Schneesturm. Banjaluka selbst ist von der Umwett vollkommen abgeschnitten. Die direkte Telephonverbindung zwischen Belgrad und Agram ist. für einige Tage unterbrochen u^d der Telephonverkehr ist über Sarajewo umgeleitet worden. Sechs Bauern aus ClanoveL, die mit ihren Fuhrwerken auf der Heimfahrt von einem Schneesturm überrascht wurden, werden vermißt. Auf dem Glänovece'r Plateau sind die Häuser der Bauern bis zum Rauchfäng eingeschneit oder verweht. Um mit der Bevöttevung in den vom lln- wetter heimgesuchten Landesteilen in Verbindung zu freien, wurde der Rundfunk benützt. Da jedoch die Belgrader Sendestation keine direkte Verbindung mit dem Agramer Sender unterhält, mußte über Wien und B udapesteine Verbi ndunghergeftellt werden. In Südserbien regnet es und die Flüsse führen Hoch- Lage ist äußerst gefährlich, denn vor und hinter ihnen sind alle Brücken von den Fluten niedergerissen worden, so daß die Bauernwagen weder vor noch rückwärts können. Die Behörden organisieren eine Hilfsaktion. Eine Falschmeldung. In einigen Blättern ist die. Meldung aufgetaucht, daß Eisenbahnminister Rudolf Bechyne erkrankt und zur Kur in die Tatra äbgereist sei. Diese Meldung ist f a l s ch. Der Eisenbahnminister ist in Prag. DaS hat dafürgestanden! Die Kosten des Stavifly-Prozesses sind nunmehr auf genau I, 157.981 Francs 73 Centimes berechnet worden. Immerhin haben dieKosten nicht annähernd die Summen erreicht, die Stavisiy unterschlagen hat. Ein Flugzeug stürzt in eine Münchner Sttaße. Bei einem Uebungsfluge über München stießen Donnerstag gegen 16 Uhr, anscheinend infolge unsicheren Wetters, zwei Einsitzer- Flugzeuge zusammen. Den beiden Flugzeugführern gelang es, sich durch Absprung mit dem Fallschirm zu retten. Das eine der beiden steuerlosen Flugzeuge schlug in einer Münchener Straße auf, wodurch drei Personen getötet und zwei verletzt wurden. Das zwette Flugzeug stürzte in Schwabing ab, ohne Schaden anzurichten. Ein Zeuge schicksalsschwerer Zeiten. In Berlin ist der pensionierte deutsche Botschafter Wil- helm Sols im 73. Lebensjahre gestorben. Wilhelm Solf war 1911 bis. 1918 Staatssekretär für Kolonien und wurde im Oktober 1918 in das erste parlamentarische Reichskabinett, das der Prinz Max von Baden blldete, als Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten ausgenommen. In dieser Eigenschaft hat er den denkwürdigen Notenwechsel mit Wilson und Lansing geführt, der die deutsche Kapitulation einleitete, die Ludendorff schon am 28. September gefordert hatte und die Hindenburg dann am II. November als unerläßlich bezeichnete. Solf wurde dann von dem weit begabteren Brockdorff- Rantzau abgelöst. Von 1920 bis 1928 hat Solf die deutsche Republik in Tokio vertreten. Alkohol und Blut. In Piastow bei Warschau hat ein Trunkenbold seiner Frau und feinen drei Kindern mit einem Rasiermesser so schwere Verletzungen beigebacht, daß sie inzwischen gestorben sind. Nach Lieser Bluttat durchschnitt er sich selbst den Hals und verblutete. Die gefilmte Briefmarkensammlung. Nach dem Tode König Georgs V. interessiert die Philatelisten der ganzen Welt die Frage, was aus der berühmten! Briefmarkensammlung des Königs werden wird. Sie umfaßt 600 Alben von je 60'Seiten und etwa| 750.000 verschiedenen Marken. Ihr Wett ist ungeheuer; man schätzt ihn auf ungefähr 200.000 Pfund, ohne aber einen sicheren Maßstab zu haben, weil der Wert mancher einmaliger Matten sich nicht bestimmen läßt. Aller Wahrscheinlichkett nach wird die Sammlung in ein Museum kommen. Uebrigens ist es die einzige Briefmarkensammlung der Welt, dre vor kurzem gefilmt worden ist. König Georg V. hatte die Erlaubnis dazu einem bekannten Schau- stneler, Fxank Godden, erteilt, der auch ein bekannter Briefmarkensammler ist. Dieser Film ist bereits im privaten Kreise vorgeführt worden und soll öffentlich am 9. Mai in New Dork aus Anlaß dec Internationalen Philatelistischen Ausstellung'n Gegenwart des Präsidenten Roosevelt seine Premiere erlebem Der englische KinigStitel. König Eduard VIII. ist mit dem Titel.Von Gottes Gnaden'König des bereinigten Königtums von Großbritannien und Irland, Kaiser von Indien und der überseeischen Besitzungen. Vetteidiger des Glaubens" proklamiert worden. Bis zur Regierung Eduards VH. hat der englische KönigStttel immer wieder Aenderungen erfahren. Der Zusatz, der von den überseeischen Besitzungen spricht, ist erst bei der Proklamation Eduards VII. hinzugeseht worden, und die erste Kaiserin von Indien war Oueen Victoria seit 1877. Der Begründer, der normannischen Dynastie,. Wilhelm der Eroberer, führte einfach den Tire!»König Ser Engländer", später kam die Beifügung»Herzog der Normannen" dazu. Der erste»König von England" war Heinttch II; Eduard Illi-nannte sich .Mönig von England und Frankreich und Herr von Irland": Der bezeichnende Zusatz„Vetteidiger des Glaubens" wurde erst von Heinttch VIII. eing-.- führt, dessen voller Titel lautet«:»König von England, Frankreich und Irland, Vetteidiger des Glaubens, auf Erden das höchste Oberhaupt". Die Herrscher aus dem Hause Stuart führten außerdem hinter der Bezeichnung»König von England" auch noch die »von Schottland". Im Boot über den Stillen Ozean. Mitten auf dem Stillen Ozean wurde ein Mann in einem kleinen Boot in völlig erschöpftem Zustande aufgeleseo und.nach Singapur inS Krankenbaus geschafft. Rach wochenlangem Schwttgen hat sich dieser Mann endlich dazu entschlossen, seinen Namen zu nennen. Es handelt fich.um einen Guayana-Sträfling namens Lang, der mit tuer Kameraden die Flucht ergttffen hat. Zwei von ihnen find infolge von Hunger und Durst gestorben; die beiden, anderen find durch die Entbehrungen wahnsinnig geworden und, haben nach Aussage von Long den Selbstmord den weiteren Oualen vorgezogen. Er allein hat durchgehalten und fich im Boot treiben lassen, ohne zu wissen, wohin Die Behörden sind diesen Aussagen gegenüber skep- » Schanghai. Längs der ganzen Küste Nordchinas beginnt sich das Meer mit Eis zu überziehen. Zahlreiche Dschunken wurden durch die Eisschollen vernichtet. Die Kulis befördern geschickt Lebensmittelvorräte über die Eismassen, um zahlreiche Schiffe, die von den Schollen eingeschlossen worden sind, zu versorgen. Es ist ganz ausgeschlossen, auf dem Eise Schlitten zu ver-> Wasser.- tisch und haben den Verdacht, daß Lang seine Kameraden über Bord geworfen hat, um die spärlichen Vorräte an Wasser und Nahrung für sich aller» zu haben. Ei« Beteran fttedlicher Kämpfe. Der franzöfi- sche Pasteur- Film, dessen Uraufführung anläßlich der Jungfernfahrt der»Normandie" auf dem Schiff siattgefünden hatte, hat in Amerika das Interesse für Joseph Meister erweckt. Dieser tritt im Film als Knabe auf und ist der erste gewesen, an dem die Pasteuttche. Tollwutimpfung gelungen ist; heute dient ex als alter Mann als Hausmeister im Institut Pasteur. Er ist nun von der franzöfisch- amettkanischen Handelskammer. zu einer vierzehntägigen Reise eingeladen worden und wird sich in den amettkanischen Seruminstituten als lebendes Beispiel für die großartige Entdeckung Pasteurs vorstellen. Endlich Winterwetter. Trotzdem der Luftdruck in Mitteleuropa bedeutend über den Normalwert gestiegen ist, dauett noch immer das unbeständige Wetter an. Der Kern deS Druckhochs verharrt nämlich über der Nordsee und dem angrenzenden Teü Skandinaviens, von wo andauernd kalte Lust südwärts strömt. Bei fttschem nördlichen Winde tttten bei uns zahlreiche Schneeschauer auf; außer im Karpathengebiet herttchte Donnerstag nachmittags auch im Flachlande vielfach leichter Frost. Die Schneekoppe hatte um 14 IPHr minus 12 Grad bei starkem Sturm.— Wahrscheinliche»^Wetter von heute: Veränderliche Bewölkung^■ im Westen deS Staates etwas aufklärend. Besonders im Rordosten auf den Bergen noch Schneeschauer. In den Niederungen verstärkte nächtliche Abkühlung.— Wetteraussichten für Samstag: Andauer deS winterlichen Wetters. Allmähliche Beruhigung. Nr. SS Freitag, 7. Fever 1936 Seite 5 Wie Filmattualitäten erzeugt werden. Am Abend nach dem Tode des englischen Königs konnte man bereits in den großen Pariser Kinos einen ziemlich langen Film unter dem Titel„Aus dem Leben Georgs V" sehen. Wie hat man das in der kurzen Zeit zustande gebracht? Um S Uhr früh hat man bereits im Archiv einer großen Kinofirma alle alten Filmstreifen, die irgendeinen Bezug auf König Georg V. hatten, einer Durchsicht unterzogen. Nach einer knappen Stunde hatte man alles beisammen, von der Krönungsfeier 1911 bis zu den jüngsten Jubiläumsfeiern. Run ging es an die Montage, wobei natürlich viele Szenen, die vor 10,15 oder sogar 25 Jahren ausgenommen worden waren, vertont werden mußten, da eS ja damals nur stumme Aufnahmen gegeben hat. Für diese nachträgliche Vertonung gibt eS eine „T o n b i b l i o t h e I", aus der man jede beliebige„Tonbegleitung" in wenigen Minuten aussuchen kann: Trauermärsche, Parademusik, Maschinengcwehrgeratter usw. Die ausgesuchten Tonplatten werden dann mit Hilfe eines besonderen Apparates, der sogenannten Tonmischers, verarbeitet, so daß der Hörer später das Orchester, das Lärmen der Volksmenge, das Aufschla- gen der Pferdehufe usw. gleichzeitig hört. Dieser „Tonsalat" wird dann auf die Platte mit den entsprechenden Bildaufnahmen übertragen. Die während der Begräbnisfeier Georgs V. in London und Windsor gemachten Aufnahmen wurden stündlich mit besonderen Flugzeugen nach Paris versandt. Kidnapping ans journalistischem Elfer. Der Berichterstatter der Zagreber Zeitung„Nvbosti" in der kleinen Stadt Vukovar bedauerte seit Monaten, daß es ihm nicht vergönnt war, eine sensattonelle Nachricht an sein Blatt zu richten. Um seinen journalistischen Eifer zu beweisen, beschloß er, auf eigene Faust eine Sensation zu schaffen. Er verfiel auf die Idee, Drohbriefe an begütert« Familien zu schreiben, in denen die Entführung der Kinder ganz nach amerikanischem Muster angedroht wurde, wenn nicht eine größere Summe Geldes an einem bestiuanten Orte deponiert würde. Aber selbst die Bürger von Vukovar wissen, daß man in derlei Fällen am besten zur Polizei geht, und dieser gelang eS auch sehr schnell, den Briefichreiber festzunehmen. Er bekannte freimüfig seine Schuld und stellte an die Polizei nur die Frage, was denn ein Journalist in Vukovar tun sclle, wenn sich dort nicht einmal eine Kidnapping- Affäre ereignete. Die Polizei wußte darauf auch keinen Rat und ließ den übereifrigen Journalisten vorläufig frei; es erwartet ihn eine empfindliche Strafe. Eleaner Powell und Rodert Taylor in dem MGM-Film.Melodie der Welt 1936". Zwölf Jahre für Prag. Der zweite BerhandlungStaa des monströsen Prozesses gegen Bojttch Zajac vollzog sich gleichfalls unter Ausschluß der Öffentlichkeit. Immerhin hatte man Gelegenhest, die Hauptbeteiligien dieses Falles, die erst gestern als Zeugen geladen waren, auf dem Korridor vor dem Schwurgerichtssaai zu Gesicht zu bekommen. Da ist zunächst die verwundete Bäuerin D. Sie ist heute 52 Jahre alt. klein, dick und ihre stechenden Augen sprechen von Energie und Rücksichtslosigkeit. Sie erschien in ein großer Tuch eingewickelt, welches die Stirnwunde verhüllte. Ja ihrem Gang und Wesen läßt nichts erkennen, daß sie eine so furchtbare Verletzung erlitten bat. Reben ihr bewegt sich ihre heute 15jährige Tochter, ein ziemlich dickes aber nicht unhübsches Mädchen, beträchtlich Mer die Jcchre entwickelt. Die zahlreichen Gerüchte, die seit ihrem zwölfien Lebensjahr im Dorfe über sie kursieren, sind ja wenigstens zum Teil durch die vorliegende Affäre bestätigt worden. Reben enigen Nachbarn war ferner der 76jährige Varer der Bäuerin D. zu Gericht gekommen— ein äußerst rüstiger alter Mann, dem niemand sein Alter ansehen würde. Er kargte auch nicht mit allerlei Mitteilungen, sondern zeigte sich im Gegenteil sehr gesprächig, wie denn überhaupt, bei keiner dieser Personen nach allem, was sich seit dem Avril des Vor- Vojtech Zajac iahres abgespielt hat, irgendeine Bedrücktheit wahr- zunehmen ist. Diese Leute aus dem Einödhof im Sazawatal sind offenbar ein Geschlecht von einer Widerstandsfähigkeit, di« für normale Vorstellungen unfaßbar bleibt. Der Vater der Bäuerin sprach von seiner Tochter nicht eben mit besonderer Zärtlichkeit, dafür lobte er seinen Schwiegersohn, den armen Kranken, der mit schwerer Kehlkopfwberkulose dcchinsiccht. An seiner Tochter fand er nur. ihr« geschäftliche Tüchtigkeit zu loben, im Wrigen bezeichnete er sie mit sehr eindeutigen Ausdrücken. Die sonstigen Zeugen steuerten in ihren Gesprächen noch allerhand Einzelheiten bei. die nur das ÄW bestätigten, das wir bereits kennen. Erst nach vier Uhr nachmittags öffnete sich die Tür des Schwurgerichtssaales zur Verkündigung des Urteils. Tie Geschworenen erkannten Zajac mit acht Stimmen des nicht vollbrachten Meuchelmörder und mit neun Stimmen des Verbrechens der Schändung schuldig. Der Schwurgerichtshof verurteilte hieraus den Angeklagten zu zwölf Jahren schweren und verschärften Kerkers. rb Ctuslan4 Die Aufrüstung der USA-Marine Washington.(Reuter.) Der Vorsitzende der Marine- Kommission des Senats Trammel legte dem Hause vier Gesetzentwürfe zur Verstärkung der Flotte vor. Trammel fordert 1) ein Gesetz zur Freimachung von sechs Millionen Dollar für die Modernisierung von 14 Panzerkreuzern, 2) die Ausstattung weiterer acht Linienschiffe mit den modernsten Waffe«, 3) eine Vollmacht für den Präsidenten, laut der er, wann immer er eS für angemessen hält, die notwendigen Mittel zum Bau von 221.000 Tonnen neuer HilfS-KriegSschiffe im Einklang mit dem Wortlaut der Verträge ausgeben kann, und 4) eine Vollmacht für den Präsidenten, die ihm die Möglichkeit gibt, durch einfache Verordnung veraltete Kriegsschiffe im Sinne deS Londoner und Washingtoner Vertrages durch neue zu ersetzen. Trammel fügte zu diesen Entwürfen ausdrücklich hinzu, daß der Wortlaut der von den Bereinigten Staaten unterzeichneten Verträge über die Begrenzung der Seerüstungen in vollem Umfang ringehalten werden müsse. Ueseliina c 7• 7' der rumänischen Schulden- Paris. Finanzminister Regnier hatte DienS, tag nachmittags mtt dem rumänischen Finanzminister Antonesou eine längere Unterredung. Die beiden Minister vereinbarten eine finanzielle Regelung, welche gleichzeitig mit dem fian« zösisch«rumänischen Handels- und Wirtschaftsvertrag, welcher derzeit vor dem Abschluß steht, unterzeichnet werden wird. Der jugoslawische Prinzregent Paul wird Mittwoch dem Präsidenten der Republik Lebrun einen Besuch abstatten. Prinz Paul wird Paris nicht vor Donnerstag verlassen/ Amerika annekttert drei brittfche Insel». Wie „Sundah Expreß" meldet, annektterte Amerika drei im Stillen Ozean gelegene britische Inseln. Es sind dies drei Korallen-Jnseln, die auf der Hälfte deS Weges zwischen Hawai und Australien liegen und die Namen JaraiS, Baker und Howland führen. Sie wurden in den Jahren 1832, 1835 und 1842 von einem amerikanischen Kaufmann entdeckt. Sie haben aus dem Grunde Bedeutung, weil sie den Flugzeugen als Wegweiser dienen. Auf den Karten sind die Inseln als britisches Besitztum bezeichnet und als solches sind sie auch beim brittschen Kolonialamt eingetragen. Wie verlautet, beabsichttgt Amerika auch noch die Annexion der sMlich von Hawai liegenden Insel Natal vorzunehmen. Amerika behauptet, daß das Besitztrecht Englands auf diese Inseln nicht zu Recht besteht, da sie von ihm nicht okkupiert wurden. Mitteilungen aus dem Publikum. Die Grippe läßt sich nicht unterschätzen! Wer eS versucht, sie zu übergehen, oder sie mit Nichtachtung zu strafen, an dem rächt sie sich ost bitter!— Am besten ist eS, man läßt sie erst gar nicht an sich heran und beugt beizeiten vor! Regelmäßige Einreibungen und Mundspülungen mit Alpa-Franzbranntwein kräftigen den Körper und desinfizieren: so ist der Grippe am Vesten borgebeugt! DaS sagen auch die Aerztel Füße und Wehrfähigkeit. Die reichsdeutsche Zeitschrift„Deutsche Wehrbeiträge" veröffentlichte kürzlich interessante Statistiken der deutschen Affen- tierungskommisiionen, die die Ursachen der Unfähigkeit zu Militärdiensten veranschaulichen. Rach diesen' liegen die Hauptutsachen(24 Prozent der. Untaug- jlichenM-m-, tAttsGetzeM».. FußlÄdeN(i. Schweißfuß usw.)..DaS Matt empfiehlt,. diesem. Umstand besondere Aufmerksamkeit zu schenken, da eS sich hier um Mängel handelt, die durch fachgemäße Fußpflege teils völlig beseitigt, teils wenigstens gemildert werden Rinnen. Nur eine ausgedehnte Organisafion mit umfangreichen Mitteln kann einen Kampf"gegen diese allgemein verbreiteten Fußleiden führen. Diese muß allen Schichten der Bevölkerung zugänglich sein. In dieser Hinsicht ist die Tschechoflowakei in Europa am besten gestellt, dank der Initiative der Batawerke, die hier eine ausgedehnte Organisafion einer Volksfutzpflege geschaffen haben, die sich auf tausende geschulte .Pedikeure in den SchuhverkaufSstellen der Firma in allen Orten der Tschechoslowakei stützt. Diese Organisation der BolkSfußpflege, in der 8000 Menschen in neuen Berufen tätig sind, hat einen ungewöhnlich günstigen Einfluß einerseits auf die Wehrfähigkeit deS Staates, anderseits auch auf die Erwerbs« fähigkeit, weshalb sie auch Gegenstand eifrigsten Studiums des Auslandes ist. Derzeit zeigen insbesondere England und Frankreich ein erhöhtes Interesse an einer Organisierung von Bolksfuß- pflegeanstalten nach dem fichechoslowakischen Muster. Ausweis für den Monat Jänner (Die erste Zahl bedeutet Parteifonds, die' einge« klammerte Wahlfonds.)- Bodenbach:!« 4880.—(XL 1220.—), B r ü n n: XL 4320.—(1080.—), K ar.l Sbadi Kä 9540.—(2280.—), K e z m a r k: XL 186.— (20.—), San d S kro n: KL 400.—(100.—1. P i I s e n- B u d w e i S XL 2120.—(460.—), Preßburg: fit 237.50(55.—), Reichen- 6erg: Kö 70.— Sternberg: K4 2540.— (600.—), T e p l itz- Saaz: XL 8860.— (860.—), Trauten a u: Kä 1480.—(870.—)'. T r o p p a u: XL 2080.—(520.—).- Volkswirtschaft oad Sozialpolitik Der sinkende Frauenlohn Obwohl die Entlohnung der Frauenarbeit in allen Berufen durchwegs geringer ist als die der Männerarbsit, ist sie bis in die letzten Monate hinein fast noch stärker gesunken als bei den Männern. Die Bewegung der bei den der Zen- rralsozial- Versicherungsanstalt angeschlossenen Krankenkassen versicherten Frauen weist bis in die jüngste Zeit eine Zunahme in den unteren Ber- sicherungSflaffen und eine Abnahme in den höheren Versicherungsklassen auf. Bon je 100 ver- sicherten Frauen sen an: gehörten den einzelnen Klas- Lohnklasse Oktober 1935 Okwber 1934 1 11.1 10.2 2 88.9.. ..38.0 8 23.0 23.0 4 12.8 13.0 5 7.9 8.8 6 . 3.6.. 3.8 7 1.1 1.4 8 . 0.7 0.8 9 0.4 0.4 10 0.5 0.6 Nach dieser lleberficht bezogen demnach im Oktober 1935 genau die Hälft« aller arbeitende« und versicherten Frauen eine« Wochenlohn bis z« höchstens 60 Kronen in der Woche.- 73 Prozent erhielten bis ( zu 84 Kronen Wochenlohn. In den drei höch- i strn Klassen, in denen ein Wochenlohn von über 151 Kronen gezahlt wird, waren nnr 1.6 Prozent Frauen versichert. Es geht daraus hervor, wie außerordentlich -schlecht die Entlohnung der Frauenarbeit in'Industrie, Handel und' Landwirtschaft ist, und daß trotz dieses-liefen. Standes. und bei. gleichzeitig fortschreitender Teuerung eine weitere Verringerung stattgefunden hat. Unter den arbeitenden Frauen, die mit solchen Löhnen, die weit unter dem Existenzminimum liegen, abgefunden werden, befinden sich viele, die selbständig sind und ,ein ober mehrere-Kinder zu ernähren haben.. Wer kann daS Elend ahnen, in das die arbeitenden Frauen bei derartigen Löhnen gezwungen werden? Auf die Frauenarbeit kommt ührigens auch der Direkwr des Internationalen Arbeitsamtes, Butler, im Schlußkapitel seines kürzlich erschienenen Berichts zu sprechen.' Er schreibt da: .Häufig genug können die Rückkehr zu der Ansicht konstatieren, daß Frauen, welche arbeiten, den Männern Platz wegnehmen. Daß diese Ansicht illusorisch ist, erweist die Tatsache, daß in Ländern, wo man die Frauenarbeit durch die Arbeit der Männer ersetzen wollte, sehr armselige Ergebnisse erreicht wurden. Abgesehen von Erwägungen der reinen Gerechtigkeit ist es klar, daß „Volk In China“ Durch die nebelerfüllten Straßen einer europäischen Großstadt gehe ich am Abend. Ich sehe die tausend Lichter gespenstisch durch den Rebel dringen und sehe doch keine einzeln Licht. In verschwommenen Umrissen steigen die Häuserriesen in die Luft, um sich in dunkler, nasser Unendlichkeit zu verlieren. Ich sehe sie und sehe sie doch nicht. Vorstellung, aus zahllosen Erinnerungsbildern geboren, und Wirklichkeit verschwimmen ineinander. Gestalten eilen vorüber; es sind sicher Menschen nach Form und Bewegung. Vielleicht sind meine besten Freunde, vielleicht meine ärgsten Feinde unter diesen Schattenbildern hastender Menschheit. Ich weiß nicht, ich sehe sie und sehe sie doch nicht. Sie haben Form und zerfließen. Ich ahne die Straße, durch die ich gehe und erkenne sie nicht. Alles ist in Rebel gehüllt, alles ist geahnt, angedeutet und nichts erkannt. — So ging es mir, als ich heute zum ersten Male in der Chinesenstadt, aber am hellichten Tag und bei strahlender Sonne war. Das find die ersten Worte,. die Professor T a n d l e r bei seinem ersten Shanghaier Aufenthalt in sein Tagebuch schrieb. Und mit diesen Worten beginnt sein knapper Bericht„Volk in T h i n a", der vor kurzem im Thalia-Verlag Wien XVI. erschienen ist. Vom chinesischen Volk berichtet Tandler in seiner meisterhaft einfachen und anschaulichen Weise. Von den Bauern, die 85 Prozent des 400 Millionen-Volkes ausmachen; die keine Boden besitzer, sondern fast ausschließlich Pächter sind; die in einem Jahr harter Arbeit kaum 150 Sil- berdollar(etwa 1500 XL) verdienen,.ein Betrag, der gerade für die elende Ernährung, aber nicht für Kleidung, Wohnung, Licht oder dergleichen auSreicht; die durchschndittlich 45 Prozent ihrer Ernte als Naturalsteuer abgeben müssen; und die unter der Last von Vermittlern seufzen Diese Parasiten, die für ihre Einnahmen keine Steuer bezahlen, verdienen beispielsweise für die Vermittlung von Baumwolle an eine einzige Fabrik und die Vermittlung der Fertigware an den Kaufmann mühelos 430.000 SWertwlllrr im Jahr. Und von den Handwerkern spricht Tändlet, die mit ihren primitiven Werkzeugen- und in offenen Geschäftsläden auf dem Boden hockend wahre Wunder der Handfertigkeit vollbringen. Und von den Arbeitern, die in einem acht- bis zehnstündigen Werttag monatlich 12.60 bis 15.17 Silberdollar verdienen und hungern. In den Shanghai-Spinnereien verdienen die Frauen gar nur 18.50, die Kinder 8.58 Silberdollar. Sie wohnen in kleinen Strohhütten und zahlen vier SWerdöllar Monatsmiete. Allerdings sollen ge- genwärfig— nach den ersten beiden erfolgreichen Versuchen— neue Serien von Wohnhäusern erbaut werden. An ihrer Einrichtung wird auch Prof. Tandler als Vertreter der weltberühmten Wiener Sozial- und Wohnungsfürsorge beteilig sein.. Und von den Kulis ist in diesem Buch die Rede, vor allem von den 40.000 bis 50.000 Rik scha-Kulis, die die reichen Europäer und Thinesen in kleinen Wagen durch die Straßen ziehen und kein höheres Einkommen als 30 Cents(drei XL) täglich haben. Während die Eigentümer der Rikschas die Gestehungskosten dieser Wagen, die fünf Jahre laufen, in einem Jahr amortisieren und außerdem noch einen mehr als Hundertprozenfigen Gewinn erzielen. Und von den Transpqxtkulis erzählt Tandler, di« ungeheure Warenmengen auf merkwürdig konstruierten Schubkarren durch das ganze Land führen, da es in China nur wenige Eisenbahnlinien und nur ein paar tausend Kilometer neue Auwstraßen gibt. Und von den Dschunken und der märchenhaften Fahrt durch den Kaiserkanal. Auch vom fiesen Aberglauben, gegen den der Arzt in China zu kämpfen hat, von den„Er- werbsgemeinschasten" chinesischer Aerzte, die in Europa oder Amerika studierten und in ihrer Heimat Spitäler gründen, die in erster Linie natürlich den Wohlhabenden zugute kommen, und von der Errichtung neuer Krankenhäuser und Ambulatorien für die Armen spricht der Professor. Er beschreibt die Gründung von Mütterberatungsstellen und Hebammenschülen. Er berichtet vom Erziehungswesen, das in den letzten Jahren eminente Fortschritte gemacht har und zum Teil besser organisiert ist, als das europäische. Gegenwärtig wird sogar eine vereinfachte Schrift auS- gearbeitet« um auch den Kulis das Lesen» und Schreibenlernen zu ermöglichen. Und er bringt uns dem Ahnenkult näher, diesem Skull, der eine so ungeheure Steigerung der Geburten bedingt — in China werden jährlich etzoa zwölf Millio nen Menschen g.boren—- aber andererseits auch zur Folge hat, laß die Kinder armer Leute oft verschenkt, verkauft oder einfach ausgesetzt und damit getötet werden. Im. Lauf, des letzten Lahres wurden in Shanghai nicht weniger als 32.000 Kinderleichen gesammelt und begraben. Und schließlich erhebt Tandler eine groß angelegte Klage gegen alle Staaten, die um des Profits willen Hunderttausende, Millionen von Chinesen mit Opium vergiften. Leider hat auch der Völkerbund im Jqhre 1924 ein Einschreiten dagegen aügelehnt, wie Tandler durch die Veröffentlichung deS Wortlauts eines hochinteressanten Dokuments bekannt gibt. Viele Bücher wurden über China geschrieben. Dicke Bücher. Ausführliche Bücher. Professor Tandler hat seine Erfahrungen, seine Erhebungen, seine Erlebnisse auf 50 kurzen Seiten zusammengedrängt. Er hat soviel gesagt, hat vielleicht mehr gesagt als andere auf der zehnfachen Seitenzahl. Jede Zeile, jedes Wort gibt Atmosphäre. Leder Absatz gibt Wissen. Dieses Nein« Buch ist die Quintessenz langer, eingehender Studien. Und eS ist groß in seiner Einsachheit, Klarheit und Lebendigkeit. Groß in seinem Ernst, groß in seiner Objekfivität und Schärfe und groß in seiner leisen Ironie. Professor Tandler— und das heißt ein Denkender, ein Sehender, ein Fühlender, ein Aufrechter— hat über China geschrieben. Hat nicht für wenige Gelehrte oder Forscher, sondern für die breiten Massen der sich Interessierenden geschrieben.' Jeder, der über China orientiert sein will, muß dieses Buch gelesen haben. Sems „Sozialdemokrat Freitag, 7. Feber 1936. Nr. SS für gewisse Beschäftigungszweige Frauen geeigneter und befähigter sind als Männer und. ihre Ausscheidung hieße, dem Grundsatz der Wirt- schaftlichkeit entgegenzuhandeln. Solange die Löhiie der Männer nicht wenigstens zur Deckung des dringendsten Bedarfes eines zivilisierten Familienlebens hinreichen, werden Millionen von Mädchen und verheirateten Frauen gezwungen sein, die Unzulänglichkeit der Familieneinkünfte dadurch zu ersetzen, daß sie bezahlte Beschäftigung suchen. Selbstverständlich mutz das verhindert werden, was wir„illoyale Konkurrenz" zwischen Männern und Frauen nennen könnten. Die Formel„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" ist zwar nicht leicht durchzüführen, da nicht jede „Arbeit" mit mathematischen Methoden meßbar ist, um so mehr aber verdient die Frage der Frauenerwerbsarbeit ein genaueres und unvoreingenommeneres Studium als bisher." 71. Jahresbericht der Hypoteöni banka teskä v Praze (früher Hypothekenbank des Königreiches Böhmen) Hypothekardarlehen 1.824 Millionen. Einlagen 883 Millionen. Depositen 2.187 Millonen. In der am 5. Feber 1836 abgehaltenen Direktionssitzung wurden die Rechnungsabschlüsse der Zentrale und der Filiale in Bratislava mit der Expofitur in Koöice für das Jahr 1838 genehmigt. (Die vorjährigen Ziffern sind in Klammern). Bilanz. Aktiva Kassastand Sofort fällige Guthaben,. Wechsel Eigene Effekten•*■•• Hypothekardarlehen.... Sonstige durch Wertpapiere gedeckte Forderungen (Schuldner)...«. Realitäten ,,,,»» Inventar....«.. Transitorische Aktiva... Deponierte Effekten••. Zusammen KC 7,789.676.88 (6,650.011.30) 271,376.412.27 (136,288.971.07) 48,654.783.20 (19,831.740.90) 813,968.718.51 (574,237.066.77) 1.824,235.341.81 (1.842,770.849.81) 82,823.80274 (116,459.825.55 9,838.720.— (10,061.800.—) 2— 84,097.863.88 (28,921.777.98) 2.157,436.298.87 (2.180,744.984.76) 4.900,186.114.58 rrns" Eigene Reserven nach der Zuteilung ,,,,,,, Betriebsfonds der Filiale in Bratislava...... Pfandbriefe im Umlauf.. Unbehobene Pfandbriefkupons Einlagen auf EinlagSbüchel. Einlagen in laufend. Rechnung Kreditoren....,«, Transitorische Passive,,. Deponierte Effekten... Zusammen 4 M 101,188.528.64 (100,208.686.17) 16,000.000.— (16,000.000.—) 1.703,079.000.— (1.717,971.100.—) 994.290.15 (872.571.20) 289,412.249.60 (296,017.159.—) 593,804.602.88 (565,149.122.01 1,288.004.50 (8,038.240.74) 87,038.144.94 (35,964.166.21) 2.157,436.293.87 (2.130,744.984.76) 4.900,186.114.58 Berlnst- und Gewinn-Konto: Verlust Kä Zinsen,....... 112,129.609.24 Kursverlust an Effekten.. 4,908.100.— RegieauSlagen u. Pensionen. 15,717.871.65 Steuern u. Gebühren... 1,898.110.15 Abschreibungen...«» 224.310.— Reingewinn(zur Gänze den eigenen Reserven zugewiesen. 741.982.72 185.619.488.76 Gewinn XL Zinsen............ 129,495.924.98 Pegiebeiträge., 4,267.605.— Diverse Einnahmen..«• 1,^96.098.88 Erträgnis der Realitäten.. 359.804.90 185.619.433.76 In der-Westen Hälfte deS Jahres verkaufte die Bank fast den ganzen Vorrat an Pfandbriefen und das lebhafte Interesse für dieselben dauerte bis Jahresende an. Infolgedessen war es der Bank ermöglicht, alle Nachfragen nach Hypothekardarlehen zu befriedigen,. soweit sie den Satzungen entsprachen. Die Nachfrage blieb jedoch hinter den vorhergehenden Jahren zurück, nachdem die Bautätigkeit stagnierte und auch infolge des allgemein normierten Zins- sußes kein, Anlatz zur Konversion vorlag. Die Einlagen auf Einlagebücher und in laufender Rechnung weisen ein« mätzige Steigerung auf, ebenso wurden die Reserven verhältnismätzig verstärkt. Die Kredite der planmäßigen Elektrifizierung wurden in der Slowakei und Karpatho« rutzland erweitert. 3258 flro.xr Rettung Verkehrsunfälle. Frau Gabriele Cechobskä aus' Dejwitz versuchte gestern nachmittags in der Stefa- nststratze in Smichow ein Pferdefuhrwerk mit ihrem Personenauto P—28.100 zu überholen, wobei sie mit der Deichsel zusammenstietz und sie abbrach. Hiebei wurde eines der Pferde am Hinterfuß verwundet. Die Pferde erschraken und gingen mit dem Wagen durch, so daß es dem Kutscher Anton Petiina aus Radlitz erst beim Wirtshaus„U An- dAa" gelang, sie zum Stehen zu bringen. Beim Auto wurde die Karosserie beschädigt und das Dach durchstoßen. Das Verfahren wurde eingeleitet.— Der Chauffeur Franz Pazour aus Nufle fuhr gestern nachmittags mit seinem Auto durch die Ko- menskhstratze in Smichow, als ihm der 20jährige Glaser Ladislaus KriZek aus Smichow auf seinem Motorrad entgegenkam. Um einem Zusammenswß vorzubeugen, bremste Kkissek so unvermittelt, daß er aus seinem Sitz gerade gegen das Hinterrad des Autos fiel und mit einer Gehirnerschütterung und einer Quetschung des Kieferknochens bewußtlos liegen blieb. Die Rettungsgesellschaft brachte ihn auf die Klinik Schlosser.— Der Chauffeur Karl Bajda aus Zizkov stieß gestern am Ende der PodL- braderstratze in Zizkov mit einem Personenauto zusammen, das er— er selbst fuhr«in schweres Lastauw— umwarf, wobei sein Auto eine hölzerne Umzäunung durchbrach und sich dann Wenfalls überschlug. Der Chauffeur ist unverletzt, zwei Jn- saffinnen des Auws jedoch, Anna Surka und Bo- zena Prkno aus Zizkov, erlitten Gehirnerschütterungen und Quetschungen. Sie wurden ms allgemeine Krankenhaus gebracht. Beide Autos wurden stark beschädigt.— Dem Chauffeur Olbrich RezäL aus Holleschowih lief gestern vormittags, als er mit seinem Auto P—23.778 den Bubnaer Kai herunter- fuhr, der 58jährige Fleischer Franz Michälek aus Zijkov in die Fahrbahn und wurde, obwohl RezäL das Signal gegeben hatte, überfahren. Michälek wurde mit einem Bruch des rechten Beines und einer Kopfwunde von der Rettungsgesellschaft ins Krankenhaus auf der Bulovka gebracht. Dem Chauffeur wurde der Führerschein entzogen. Ausflugszüge der Staatsbahndirektion in Prag. Samstag, den 8. d. M. Motor-Sonderzug ins Riesengebirge mit Verpflegung KL 75, ins Erzgebirge für KL 79.— Vom 8. bis 16. d. M. Sonderzug in die Hohe Tatra. Abfahrt Samstag um 21 Uhr Fahrkarten-Ausgabe am Samstag von 8 bis 12 Uhr. Anmeldungen werden noch angenommen:— Vom 16. bis 24. Feber Sonderzug nach S l i a L und Banska Bistrica für KL 140. Möglichkeit zum Besuch der 2. Makkabi-Weltfpiele. Anmeldungen im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Tel. 383-85 und Wenzelsplatz 60, Tel. 350-55. Pepublikaniscks Wehr, Prag Feberkundgebung Donnerstag, den 13. Fever 1936. — Beginn 8 Uhr abends.— Handwerkerserein (Großer Saal), Prag II.» Smeiky 22. ^ncsttssaak Oer Kanzleioffiziant als Protektor Prag. Es ist kein erfreulicher Anblick, einen Gerichtsbeamten unter Anklage betrügeriicher Manipulationen vor dem Strafgericht zu sehen, zumal wenn diese Manipulationen mtter Mißbrauch seiner Amtseigenschaft begangen wurden. Gestern wurde vor dem hiesigen Strafgericht eine Anklage gegen den 32jährigen Kanzlewfstzianten‘ des Schlauer Bezirksgerichtes Josef Rychtaiik verhandelt, der beschuldigt und überführt war. verschiedene ahnungslose Leute, die mit dem Gericht zu tun hatten, unter der Vorspiegelung, er werde zu ihren Gunsten eingreifen, ansehnliche Bettäge ber- ausgewckt zu haben. Diese Vorspiegelungen waren so plump und unmöglich, daß sie geradezu ein Schulbeispiel für die nur allzu bekannte Tatsache. darstellen. wie völlig ahnungslos der durchschnittlich« Staatsbürger immer noch dem Verkehr mit den Behörden gegenübersteht. Die Anklage führt eine ganze Reihe von Fällen an, in welchen der Angeklagte als kleiner Kanzleibeamter„Protektionen" in Aussicht stellen konnte, die kein noch io boher gerichtlicher Funktionär gewähren könnte. Und doch glaubten die Klienten Rych- takiks Diesen haarsträubenden Unsinn und ließen sich die borgespiegelte Protektton Geld kosten. Was Rych- takik betrifft, so hat dieser mit seiner Existenz in ruinöser Weise hasardiert, denn daß die Betrügereien früher oder später auffliegen mußten,«mutzte ihm klar sein. Dennoch betrieb er seinen^ strafbaren Nebenerwerb so unverschämt, daß er mit seiner Protektton geradezu hausieren ging. Hier sei nur ein Beispiel angesÄhrt. wie er dabei verfuhr. Eine Schlauer Hebamme war wegen Fruchtabtreibung in Prag zu vier Monaten Kerker bedingt verurteilt worden und das Oberste Gericht verschärfte das Urteil dahin, daß es diese Strafe in eine unbed'ngte umwandelte. Die Hebamme suchte nun im Wege des Schlaner Bezirksgerichtes um Strafaufschub an. wobei sie mit R»ch- tarik, der in der Strafabteilung arbettete. in Verbindung kam. Dieser offerierte sofort seine guten Diensw und stellte ihr.church seine Verbindungen" nicht nur Strafaufschub, sondern sogar Begnadigung in Aussicht. Dafür verlangte er zunächst 500 KL. Nach einiger Zeit wollte er weitere 1200 KL, für welche er zstvei Prager Staatsanwälte gewinnen wolle(I). Auf diese Weise ging es weiter, bis schließlich die Verurteilte, als der erhoffte Erfolg ausblieb, Verdacht schöpfte. Rychtaiik fuhr daraufhin mit ihr nach Prag, führte sie ins Gerichtsgebäude. wo er sie stehen ließ und auf eine Welle verschwand. Dann kam er hochbefriedigt zurück und erklärte seiner KlienttN. alles sei schon günstig erledigt. Natürlich rechnete er sich für diese Jnterven- tton 50 KL Verpflegskosten. Die Freude der Verurteilten währte nicht lange, denn kurz daraus bekam sie Auftrag. ihre Strafe anzutreten. Solcher Fälle find eine ganze Reihe und unter den Beschwindelten auch Leute befferer Schulbildunr und prak- ttscher Lebenserfahrung. Josef Rychtailk wmLe zu fünf Monaten Kerker verurteilt. rb. Xunst tuul Wtesea Teplitzer Theaterbrief Wachsende Erfolge Der Schritt vom alten ins neue Jahr wurde mit Hopwoods„Mustergatten" getan. Der als Bil- lie zum erstenmale als Darsteller mittuende Direktor Curth Hu rrle dokumentterte bei dieser Gelegenheit, daß er allen Hemmniffen und Schwer- niffen gegenüber auf den Humor vettraue. Run— wenn man ihn so in allen Muskeln fitzen hat, kann man schon ein großes Stück damit riskieren; sogar das Wagnis auf sich nehmen, damtt die Teplitzer chronische Theaterkrise unterzukriegen l— Nach diesem urfidelen Abstecher in die exzentrische Groteske kehrte der Spielplan man Hatvanys„Kette" in di« Seelenbezirke aristokratischer Dichterinnen ein, um sich dort mit Schauerromantik und Drüsensentimentalität laben zu lassen.— lieber die tschechoslowakische Uraufführung des werwollen Volksstückes „Orrlls Wunderschön" wurde hier gesondert berichtet. Unterdessen wurde es abgelöst von Hermann Bahrs„Konzert", zu welchem man den jetzt in Aussig wirkenden, hier in bester Erinnerung bewahrten Viktor Gschmeidler als Heink geladen hatte, der— unbeschadet der Vorzugsrechte des Gastes— den Erfolg mit Liselott Reger Marie) und Karl Ranninger(Pollinger) zu teilen hatte.— Den Abschluß des Berichtsabschnittes gab„Der Herrscher", ein neues Schauspiel von dem unter vier verschiedenen Pseudonymen auf der Bühne beheimateten Proteus Harald B r a t t. Wenn man weiß, daß dieser Sudermann-Epigone sich nur sehr mühselig durch den Verdacht früherer sozialistischer Führerschaft hindurch den Anschluß an die neuen Machwerhältnisse schaffen konnte, wundert man sich nicht übermäßig, datz sein„Herrscher" noch tiefer in die Lügenwelt der Reaktion taucht, als man das schon bei der„Insel" beobachten konnte. Die Unverfrorenheit, mit der hier Arbeitervertreter in einem Konzern-Direktorium ganz mtt bewußt böser Absicht lächerlich gemacht werden, übersteigt aber das Anrecht auf objektive Duldung jeder andersgearteten lleberzeugung sind«ntweret das sonst unt routinierte» Mitteln, überaus geschickt gebaute Stück, im wesentlichsten: der A n st ä n d i g k e i td e r G e- sinnungl Die außerordentlich dankbaren Rollen gaben besonders Herrn Walter G y n t h. Fräulein Felicitas Corda und Karl Ranninger Gelegenheit zu starker künstlerischer Gestaltung. In der Operette bewährt sich das Bestreben, dem guten Alten neue Werte abzugewinnen. Dafür ist vor allem dem Oberspielleiter Adi Berger Dank und Anerkennung zu sagen. Der Erfolg zeigt sich in der immer lebhafteren Teilnahme der Besucher und dem auffallend starken Interesse der Theaterfreunde aus der Umgebung; an Sonntagnachmittagen gibt es nur ausverkaufte Häuser und stets Enttäuschte, die keine Karte mehr bekommen konnten. 'Eyslers„Ein guter Tag im Paradies", Lehars „Friederike", Brodszkhs„Verliebte Königin", Millöckers„Sieten Schwaben" kamen allen Geschmacksrichtungen entgegen. Ein Erfolg besonderer Art wurde der Revue-Operette„Zum heilige« Antonius" mit der ganz reizenden, aus slowakischen Volksliedern emporwachsenden, stets von feinstem Stilgefühl beherrschten Musik von Jara Benes.— Die klimatischen Eigenarten eines um den Winter bewogenen Jahres verleiteten zu einem vorzeittgen Ausflug in die„Frühlingsluft" von Strauß. Arge Fehler in der Besetzung deckten den Irrtum auf, daß eben zwei Schwalben in einem ganzen Ensemble auch noch keinen Frühling machen. Für die Lttnder, und sehr zu ihrem Vergnügen, gestierte an drei Tagen ein„Max und Moritz"-En- semble. Einen Abend belegte die von einer treuen Hörergemeinde stets,stürmisch gefeierteDela Li- pinskaja. Traditionsgemäß ordnete sich die Gemeinschaft aller dem Theater Zugehörigen mit der „Te-The-Re"(Teplitzer Theater-Redoute) in das Faschingsleben der Stadt ein; dem Vernehmennach hat die Kunst auch da mit vollem Erfolg repräsentiert, was sich insofern sozial werwoll auswirkt, als die Einnahmen dem Unterstützungsfonds zufließen. Das Premierentempo ist sich gleich gehliehen. wenn auch ein« kleine Erleichterung eingetreten ist durch den erfreulichen Umstand, daß einige besonders zugkräftige Stücke die durchschnittlichen Aufführungszahlen übersteigen. Brachte doch„Das kleine Bezirksgericht" die ungewöhnliche Zahl von bisher 13 Aufführungen— nicht einbezogen die Gastabende im Brüxer Theater, das ja an jedem Montag vom Teplitzer Schauspiel versorgt wird. Da der Vertrag der Stadt mit Direktor Curth Hurrle in kurzer Zeit abläuft, darf dem Bericht« die Üeberzeugung beigefügt werden, daß sein künstlerisch« Ernst das Theater gewissenhaft und mit schätzenswertem Erfolge betreut hat und daß auch das Ensemble ausreichende künstlerische Werte enthält, um bei einigermaßen hilfsbereiter Förderung durch theaterfreundliche Kreise unseren Bühnen über schwere Zeiten Hinwegzuhelfen und ihnen die Möglichkeit zu aufsteigender Entwicklung zu sichern. Ernst Thöner. Montag Hl. Philharmonisches Konzert. Französischer Abend. Unter dem Protektorate des Fran- ! 8. Roter Klubabend! der SJ. Präs ( am S&nntag, den 9. Feber,18 Uhr! i im Paläc Kotva, RevoiuCni trida —•— v Programm— Eigene Kapelle ■j Klubbetrieb— Ueberraschungen h Gäste willkommen! zösischen Gesandten. Programm: Bizet, Rouffel, Debussy, Berlioz.(Drei Erstaufführungen.) Dirigent: Zweig, Solistin: Germaine Leroux. Philh. Extra-Abonn. Preise: KL 3.50 bis 85.—. Spielplat» des Reuen Deutschen Theaters. Heute, Freitag, halb 8 Uhr: Der junge Herr Renke, D 2.— Samstag, halb 7: Die Mei.« ftersinger von Nürnberg, C 1. Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag 8: Was Ihr wollt, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag, 8: Der Lügner und d«e Nonne, volkstüml. Vorst. 8po«-8piet-Xörp«pAge Das Sportfest des Faschismus Im Dritten Reich herrscht ettel Wonne und Freude, denn am Donnerstag konnten dse O l h m- pischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen im Beisein von 28 Nattonen ihren Anfang nehmen. Von den Machthabern des Dritten Reiches waren denn auch alle da, vom großen bis zu den kleinsten Führern; alle Nazistellen und die Reichswehr. Hakenkreuze an allen Ecken und Kanten, die spärlichen Olympischen Fahnen verdeckend. Und ein Pomp, der gegenüber das jährliche Nürnberg nur ein Abklatsch ist. Mtt einem Wort: ein Sportfest der Nazi, zu dem u. a. auch demokratische Staaten in Verleugnung besseren Wissens erschienen sind. Der Rundfunkreporter konnte es sich demzufolge auch leisten, mtt Ironie zu sagen, daß„alle gekommen seien, die uns auch sonst nicht freundlich gesinnt" seien. Voller Stolz wurde von dem Einmarsch der Nationen etwas berichtet, besonders jedoch, wenn die eine oder andere den„deutschen Gruß" vor dem „Führer" leitete. Wir konnten da hören, daß auch Vertreter aus demokratischen Ländern—' wie Frankreich, England, Kanada—unter Beifall der massenhaft hindirigierten Nazis,'. darunter waren. Geschmacklosigkeiten M Ansagers—- wahrscheinlich wollte er Witz arteigen— beinhaltete di« Apostrophierung der derzeit für Belgien startenden ehemaligen WienerinLandSbeck, die als ,chlon» der Schädel" ,—„Scheitel" geschildert wurde- Der österreichisch!! Sportführer Ttarhemberg kann aus seine.varrrländischen" Sportler ebenfalls„stolz" fein: sie grüßten auch mtt dem„deutschen Gruß". Die Tschechoslowakei wurde vom Reporter fühlbar widerwillig angesagt. Rach dem Aufmarsch hielt v. Hast eine Ansprache, mit„Mein Führer" zu Beginn, in der er u. a. auch bekannte Thesen des„Führers" verzapfte und meinte, daß sich nun die Wett überzeugen könne, datz die Deut- fchen ein Volk des Frttdens wären. Hitler sprach mit wenigen und nicht angenehm klingenden Worten die Eröffnung. Ein nichtssagender.Olympischer Eid"— und die Eröffnung der Olympischen Spiele mit ihren hehren Idealen der Freiheit und Gleichheit hat unter dem Zeichen des Hakenkreuzes eine„Weihe" erhallen, an die alle jene noch denken werden, welche die Verantwortung für diese Kulturschande tragen. Unter den Nazi-Sportlern befand sich auch der jüdische Eishockey-Spieler Rudi Ball, welcher sich in nichts von den„Reinrassigen" unterschied, denn er grüßte„seinen Führer" mit dem deutschen Grutz... * Die Ergebnisse der ersten-Eishockey- Spiele: Amerika gegen Deutschland 1:0, Ungarn gegen Belgien 11:2, Kanada gegen Polen 8:1, Schweden gegen Japan 2:0. Vrrütlsgackneilteo „Rote Falken", Achtung! Wir gehen schon S ä m s t a g ins Kino(ZL4 Uhr vorm Bio „U vejvodu"); die Heime fallen aus technischen Gründen aus.— Sonntag gehen wir wandern: 9.30 Endstation der 19er, Spokilov; Ziel Schwerin« denkmal hei Störbohol.— Fallenhelfer» und Führerrat: Samstag, 19 Uhr, in der Kamenickä. Thema: Die Aussiger Tagung. Bringt Eure Bekannten mtt zu unseren Heimen. Fahrten und anderen Veranstaltungen! Touriftenverein„Die Naturfreunde", Ortsgruppe Prag. F r e i t a g, den den 7. Feber 1936, um 7 Uhr abends Generalversammlung im VereinSheim in Prag n., Narodn' tr. 4/n.st., mit der üblichen Tagesordnung. DaS Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht.— Unser« Hütte im Brdywald ist jeden Samstag, Sonntag unter Aufsicht geöffnet. Es wird ersucht, sich immer jeden Freitag anzumelden, damit für eine Näch- tigung garantiert und eine gemeinfame verbilligt« Autobusfahrt vereinbart werden kann. Urania-Kino, KlimEntshä 4. Fernsprecher 61623. „Das lustige Kleeblatt“ Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bet Bezug durch die Post monatlich KL 16.—. mcrteljäbria KL 48.—. yalbiähna KL'96.— ganzjährig KL 192.—.— Inte rare werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Ein'chaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Rctourmarken.— Die Zeiiungsfrankatur wurde von der Pott« und Tele. gravhendirektion mtt Erlaß Nr. 18.800/VH/1980 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-. Verlags- und Zettungs-A.-G.. Prag.