Sonntag, 9. Feber 1936 Nr. 34 16. Jahrgang Dnzelprefs 70 Heller (•InichlitBlich 5 Heller Forlo) IENTRALORGAH DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion und Verwaltung mag mufochova«r. Telefon E. HERAUSGEBERI SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS. FRAG. Russisch-Japanlsdic Krlcgsrorbcrcliungcn Sowjetführung außerordentlich von Wlädi- der Defensive macht diese Olympiade zu etwa- ganz anderem als einem einfachen internationalen Sportfeste, eS macht sie zu einer Manifestation des sittlichen Niederbruches der bürgerlichen Welt. Olympiade inrDritten Reich— das ist eine Weltschandel Konferenzen mit Dr. Hodia z Ratifizierung des Sowjetpaktes Verhandlungen mit England über die entmilitarisierte Zone lischeArmee besonders stark sein soll. Der neueste strategische Plan der SÄ scheint darin zu bestehen, das stark befestigte Festungsgebiet Wostok als den Hauptpunkt zu benutzen, um vom rechten Flügel aus, also der Mongolei her, mit starken motorisierten Abteilungen offensive Vorstöße gegen die strategischen Verbindungen zwischen der Mandschurei und Novdchina zu unternehmen. In diesem Zusammenhang gewinnen alle Versuche der Sowjetregierung, sich in dem Gebiete Baikal-Burjatien« Mongolei militärisch und politisch stark zu machen, besondere Bedeutung. Am 27. Jänner ist im Kreml von Stalin, Molotow und Wo- r o s ch i l o w. wie die Moskauer„Prawda" (vom 30. Jänner) mitteilt, eine burjatisch-mongolische Delegation empfangen Wörden, an der auch einige Militärs teilnahmen. Die Delegation erklärte, das ganze burjatisch-mougolische Boll sei bereit, gegebenenfalls sich in den Kampf für die Sowjetunion zu stürzen. Es sollen einige burjatisch-mongolische Brigaden organisiert werden. Ein Delegierter überbrachte Stalin die Kundgebung von 1060 KolchosenderB u r j a- tisch-Mon gälischen Re publik, in der die Sowjetregierung gleichfalls versichert wird, daß die dortige Bevöllerung bereit ist, ihre patriotische Pflicht zu erfüllen. leit der italienischen Erkundungsflugzeuge in den i letzten Tagen besonders eifrig war, obzwar den Flugzeugen das ungünstige Wetter sehr hinderlich ist. Die italienischen Flugzeuge haben fast ganz Südabesiinien bis zur Eisenbahnstrecke Dschibuti—Addis Abeba erkundet. In den letzten Tagen ist die Spannung an der mongolisch-mandschurischen Grenze wieder akuter geworden. Wie man dem Londoner„Daily Telegraph" aus der Mandschurei drahtet, sind alle Eisenbahnen an der russisch-mandschurischen Grenze von beiden Seiten für den Privatverkehr gesperrt. Ebenso unmöglich ist es, von der Mandschurei aus an die mongolische Grenze zu gelangen.. T r uppenverschiebungen hüben und trüben sind offenbar im Ganges Nach einer früheren Meldung des Peipinger Korrespondenten des„Daily Telegraph", die allerdings etwas tendenziös gefärbt ist, findet in der Umgebung von Urga(Ulan-Butor), im Norden der Aeußeren Mongolei, gegenwärtig eine große T r u p p enkonzentration statt. Dort soll sich unter Führung von sowjetrufsischen Offizieren eine Art„Fr e m d e nl e g i o n" gebildet haben, die aus verschiedenen sibirisch-mongolischen Völlerschasten besteht. Die Urgaer Truppen selten etwa, zehntausend Bajonette stark sein und aus Infanterie-/ Bergartillerie- und Kamelreiterabteilungen bestehen. Die Ausrüstung ist vollkommen modern, einige Batterien Feldartillerie, eine große Anzahl von großen und kleinen Tanks, Panzerauws usw. vervollständigen das I Bild. Aehnliche Truppen befinden sich auch in länderen Zentren der Aeußeren Mongolei, beson- Tagen im Einvernehme n mit der britischen Regierung behandelt werden wird. Die auf Dienstag nachmittags angesetztr Aussprache der Kammer über die Ratifizierung deS französisch-sowjetrussischen Bei st andspaktes bildete ebenfalls Gegenstand der Darlegungen Flandins. Der Außenminister hob hervor, daß dieses Abkommen gegen niemanden gerichtet ist, allen offensteht, im Rahmen des Völkerbundes ab geschloffen wurde und die in den anderen Abmachungen zum Beispiel in den Locarno-Verträgen enthaltenen Verpflichtungen Frankreichs in nichts, verletzt. Der ,,Temps" und der»Jntransi-' gönnt" erinnern daran, daß bereits der Vorgänger Wandins, Laval, dem Reichskanzler Hitler diese ausdrückliche Versicherung gegeben hat. „Jntransigeant" fügt hinzu: Deutschland kann demnach nicht das Gegenteil verteidigen und sich auch nicht zwecks Verwirklichung seiner militärischen Forderungen am linken Rheinufer auf die Ratifizierung dieses Abkommens berufen. Deutschland kann nur verlangen, daß die französische Regierung stets ihre gegenwärtige Auslegung des srunzöfisch-sowjetrussischen Abkommens aufrechterhalte. In politischen Linkskreise« wird insbesondere erwartet, daß dje Kammerdebatte über die Ratifizierung des französisch-sowjetrussischen Ab- Unerschrockene Predigt des Pfarrers Niemöller Berlin. Der ehemalige Unterseebootkommandant und jetzige Pfarrer Niemöller hielt in der, überfüllten Apostel-Paulus-Kirch« in Schöneberg einen öffentlichen Vortrag, in dem er unerschrocken den ganzen Zwiespalt zwischen Kirche und Nationalsozialismus schilderte. Er sagte u. a., jeder anständige Christ müsse sich hinter den Pfarrer Kruse stellen, der zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde, weil er gesagt hab«, das Dritte Reich werde untergehen, wenn sich der Nationalsozialismus mit dem Mythos von Rosenberg verbünde. Ebenso müsse man sich hinter den Vikar von Dortmund stellen, der vor kurzer. Zeit zu Gefängnis verurteilt wurde, weil er erklärt hatte, er könne nicht um 6 Uhr früh zu einem Gefangenen gehen» der um 8 Uhr hingerichtet werde, wenn er ihm weiter nichts sagen dürfe, als eine verhaßte Religion von Blut und W>ee. In seinem Vortrage sagte dann Niemöller weiter: Minister Kerrl, das Kirchengesetz und die Ausschüsse sind gegen die BekenntniSkicche, weil sie verlangen, daß die Chriswn neben dem Bekenntnis zu Gott ein Bekenntnis zum Nationalsozialismus ablegen. Diese beiden Faktoren hätten nichts miteinander zu tun und wenn man sie vermenge, so sei das eben«ine Irrlehre, wie jede Einmengung des Staates in die Kirche. Ende Juni Wahlen In Belgien Brüssel. Dir Parlamentswahten wurden für den 21. und 28. Juni festgesetzt. Auf dem Kriegsschauplatz nichts Neues London. Der Kriegsberichterstatter des Reu terbüro meldet: Wie eS scheint, hat sich in den letzten Tagen weder an der Nord- noch an der Südfront irgendetwas Wichtiges ereignet. An der Südfront befestigen sich andauernd die Italiener in den von ihnen besetzten Stellungen. Nach einer Meldung aus Addis Abeba ver-'%’ü{r7n'ö'r.'tabä'K^e'Üet manWü» sichern die abessinischen Behörden, daß die Tätig, rischen Grenze. "“j Mögen diese englischen Nachrichten auch übertrieben sein, jedenfalls bleibt es eine Tatsache, daß die Sowjetunion bereits eine starke Truppenkonzentration im Fernen Osten durchgeführt hat —- nach zuverlässigen Informationen sollen die drei russischen Armeen im Fernen Osten nicht weniger als 200.000 zählen—, wobsi der rechte Flügel der R i e s e n f r o n t vom Baikalsee bis Wladiwostok— 2800 Kilometer, beiläufig drei- : mal so groß wie die französische Front int letzten - Krieo—. die ioaenannte Daik al- M o n go» Dr. Hodia nach Paris abgere'st Prag. Der Vorsitzende der Regierung und Minister des Aeußeren Dr. Milan HodZa hat mit Gemahlin Samstag um 11 Uhr 80 seine Reise nach Paris angetreten, wo er an der Ma- saryk-Feier an der Sorbonne teilnehmen wird. Zur Verabschiedung hatten sich auf dem Wilfonbahnhof u. a. der französische Gesandte P. E. Naggiar, Gesandter Dr. K. Krofta, Sektionschef Barros und Sektionschef Dr. K. KI u L i n a vom Ministerratspräsidium, Ministerialrat Dr. Dobiäs vom Preffedepartement des Ministerratspräsidiums mit. den Beamten des Pressedienstes, der Direkwr des Tschechoslo-. wökischen Pressebureaus Regierungsrat L. T v a- I USA-Luftmanöver New Mark. 31 Marineflugzeuge traten Frei tag von Coco solo(Panamakanalzone) einen Ge-1 schwaderflug nach den 1200 Meilen entfernten man zu Kulturmenschen, Sportler aus aller Welt Galapagosinseln an. Sie nehmen an einwöchigen im. Dritten. Reich zusammengeströmt sind, das Luftmanövern teil.. Gleichzeitig gibt das Kriegs mat bekannt^ daß 24 Bomben- und Jagdflugzeuge am 21. Feber von Brouxville(TexaS) aus zu einem 1900 Meilen langem Gcschwaderflug nach der Panamakanalzone starte«: werden. Pari-. Außenminister F l a n d i n erstat- . tete Samstag im Ministerrat eine« eingehenden Bericht über di« Besprechungen, die er in de» letzten Tagen hatte und die sich namentlich um di« mitteleuropäischen Fragen drehten. Diese Besprechungen werden anfangs nächster Woche beim Zusammentreffen des Außenministers Wandin mit dem Vorsitzenden der tschechoslowakischen Regierung und Minister des Aeutzern Dr. Milan H o d j a ergänzt und präzisiert werde«. t t, I Minister Wandin referierte auch über die rujek und andere offizielle Persönlichkeiten entmili t ar i sie r t e n eingefunden. Im Salonwagen, welchen der Bor-*1* sitzende der Regierung mit seiner Begleitung be-"~-------—— stieg, verabschiedeten sich von ihm Frau Doktor Alice Masarykovä und Frau Olga Revilliodovä. Den Vorsitzenden der Regierung begleiten auf seiner Reise nach Paris Obersekttonsrat Schmoranz, Oberminifterialkommiffär Dok tor C e r n h und sein Personalsekretär Doktor S r d i n k o. Paris. Der französische Außenminister Flan- din hatte Samstag nachmittags eine Unterredung mit dem Gesandten Dr. O s u s k h» welchen er eingehenB über die diplomattschen Unterredungen informierte, welche er in den letzten Tagen in Paris mit den ausländischen Swatsoberhäup- tern und mit den Außenministern hatte. Es wur den auch die Modalitäten des Pariser Aufent haltes Dr. Hodzas sowie dessen Unterredungen mit den Mitgliedern der französischen Regierung vereinbart. Handln geht an die Arbeit Welts. Es liegen hier militär-theoretische Erwägungen im Sinne von S e e ck t ß Elite-Armee zugrunde, deren Konzeption sich mehr und mehr durchzusetzen beginnt, und wirtschaftliche und außenpolitische Erwägungen kamen hinzu. Die Aufschwemmung deS Heeres mit nationalsozialistischen Rekruten dürfte auch bedenklich gestimmt haben. Man könnte erstaunt darüber sein, daß also die Reichswehrgeneralität ganz plötzlich ihre Ansicht gewandelt habe. Es heißt jedoch dazu, daß der Gedanke der Berkündung der allgemeinen Wehrpflicht aus dem Kreise Reichenaus stammte, der damit die Naziftzierung der Armee fördern wollt«, und daß man ihn, den geheimen Berater Hitlers, der die Generalität überrumpelte, unter anderem auch deswegen strafversetzte. Die Denkschrift kündigt gleichzeitig eine EinheitSftont Blomberg-Neurath-Schacht an. Schacht verwies schon seit Monaten auf die finanzielle Untragbarkeit des Mastenheeres. Neurath aber wiegt sich in der Hoffnung, durch ! diese Geste auf England wirken und somit Deutschland auS der Isolierung herausmanövrieren zu können. ES würde sich also um einen»Abrüstungsbluff" handeln. Dieser Plan stößt aber auf den stärksten Widerstand der NSDAP. Rufer im Streit ist wieder Goebbels. Daher die Angriffe auf Schacht, dem förmlich Sabotage zur Last gelegt und vorgeworfen wird, er, der Freimaurer von hohen Gnaden, behebe absichtlich nicht die Fleisch- und Butterknappheit, um die Partei in Verruf zu bringen und sogar soziale Revolten zu provozieren, die dann eine Auflösung der Partei mit Hilfe der bewaffneten Macht ermöglichen sollten. Auch die Erfolglosigkeit der Anleihesuche wird ihm als Sabotage angerechnet, und man vermutet ihn sogar hinter der„Front der anständigen Deutschen". Ebenso sucht Goebbels geflissentlich die englische Orientierung zu durchkreuzen, und er forciert deshalb die Kampagne zur Wiedergewinnung der Kolonien. Angriffe gegen die Reichswehr wagt Goebbels natürlich nicht, aber indem er die Verkündung der Wehrpflicht als stärksten Erfolg des Systems preist, sucht er auch Blomberg- Plane zu torpedieren. Nimmt man noch die Kölner Red« von Goebbels hinzu, in der alle bisherigen Maßnahmen als Ouvertüre bezeichnet wurden, so sieht man seinen FeldzugS- plan, durch den er die Radikalen um sich zu scharen gedenkt, und man erkennt die Fronten, die sich hier in aller Schärfe gegenüberstehen. Das braune Netz Im Baltikum (I. H.) Die finnischen Zeitungen beschäftigen sich mit dem Verbot der finnischen faschistischen Organisation.Sinimusto", der eine Beteiligung an den Putschplänen in Estland vorgeworfen wird. Die Zeitung der finnischen Kleinbauernpartei »Suomen Saomat" hat vor einigen Tagen gemeldet, daß nach den Feststellungen, die sie machen konnte, die»Sinimusto" sowie die jungfaschistische Organisation Kalsta einen Umsturz in Finnland selbst vorbereiteten. Die Zeitung schreibt:.... sie nahmen sich ein Beispiel an Deutschland. Für jedes Werk und für' jede öffentliche Institution war eine besondere Stoßtrupperckompagnie Mit einem Führer bestimmt." UnS sind Namen von zwei hohen Persönlichkeiten bekannt,— setzt die Zeitung fort—, die derartig verantwortliche Posten bekleiden, daß wir nicht wagen, sie zu nennen. Wir kennen die Namen der Führer der Stoßtruppen. Zwischen der Organisation Kalsta und Sinimusta sowie der Partei der Lappo besteht völlige Uebereinstimmung. Dies geht schon .aus der Tatsache hervor, daß fit alle ihre Jnstruk- . Horten aus Deutschland bekommen, wo ihre Vertreter sich sehr»st aufhalten"... Es ist charakteristisch, daß die Nummer der „Strömen Saomat"", in der diese Nachrichten ver« ösfeMlicht wurden, beschlagnahmt wurde. Dih lettischen Zeitungen veröffentlichten am 28. Jänner 1988 di« Mitteilung d«S Deutschen Nachrichten-Büro». daß der deuffche Botschafter in Riga mit dem lettischen Premierminister«ine Unterredung hatte, in der er gegen die neuen, in Lettland promulgierten Gesetz«, die unter anderem die Enteignung des Vermögens der deutschen Tilden in Riga erlauben, protestierte. Dar Deutsche Nachrichten-Büro gab bekannt, daß der Botschafter den Premierminister darauf hinwieS, daß die lettischdeutschen Beziehungen durch diese Gesetze sehr erschwert werden. Beinahe gleichzeitig wird von der schwedischen Presse über die verstärkte Aktivität der deutschen Faschisten in Schweden berichtet. Bor kurzem wurde das Haus der deutschen Kolonie in Stockholm eröffnet. Dieser Tage soll eine Tagung der schwedischen, dänischen, norwegischen und finnischen Faschisten stattfinden. Die Leiter der deutschen Faschisten, Bartels und Neubert, sollen auS Schweden auSgewiesen worden sein, weil sie die, unter den in Schweden lebenden Deutschen für die Winterhilfe gesammelten, Gelder für faschistische Propaganda verwendet hatten. Im Zusammenhang mit dem dritten Jahrestag von Hitlers Machtergreifung ist der Oberst Miller au» Deutschland erschienen und hat in Göteborg einen Bortrag gehalten. Einen weiteren Vortrag soll er auch in Stockholm abhalten. Außerdem wird in Stockholm die Ankunft des Pressechefs des Dritten Reiche», Funk, erwartet. Die Radikalen gegen Verhältniswahlrecht Paris. Die Radikalen haben beschlossen, in den KammerauSschüffen und im Plenum in jeder möglichen Weise Obstruktion zu treiben, um die Verwirklichung des Wahlsystems der verhältnismäßigen Vertretung zu verhindern, für welche sich in der vergangenen Woche die Kammer durch Verbindung der Stimmen der Rechten und der Sozialisten ausgesprochen hat. Pari». Im„Journal de» Döbats" schreibt Pierre B e r n u», der unbedingt muffolinifteundlich ist und der den Laval-Hoare-Plan seinerzeit mit aller Kraft unterstützte, er könne heute zusammen mit allen anderen wahren Freunden Italien» diesem Lande nur raten, denKrieg zu liquidier e n, da eine militärische Entscheidung in absehbarer Zeit unmöglich sei. In der»Roten Fahne" rückt der Abgeord- neie Bruno Köhler aus, um uns zu belehren. Er hält uns nun schon einen zweiten Vortrag darÄer, daß die in den Rechen der SdP stehenden Arbeiter nicht alle Faschisten sind und daß wir daher sowohl mit den Henleinarbeitern, als auch mit den Kommunisten Einheitsfront machen können. Der Herr Köhler macht eS sich leicht: Er stellt eine falsche Behauptung auf, sagt, daß dies die Meinung des sozialdemokratischen Parteivorstandes sei und Überzeugt dann di« Leser der «Roten Fahne", daß diese Meinung falsch sei. Es ist so, als wenn man sagt, der Kaiser von China behaupte, zweimal zwei sei fünf, das sei nicht wahr und deswegen habe der Kaffer von China unrecht. Gestatten Sie, Herr Abg. Köhler, Ihnen höflichst zu sagen, daß wir nicht erst gestern auf die Welt gekommen sind. Wir wissen deswegen, was jedes Kind weiß, daß die Hen- leinarbeiter nicht ewig Faschisten bleiben werden. Wäre dies der Fall, dann könnte man ja an die Neberwindung der Reaktion innerhalb des Su- detendeutschtums überhaupt nicht denken. Gewiß, es müssen die Henleinarbeiter von Henlein losgerissen werden. Das kann aber nur geschehen, indem man den kapitalistischen, reaktionären, faschistffchen Charakter der Sudetendeutschen Partei enthüllt» indem man die Phrasenpolitik der SdP bloßlegt und zeigt, daß die Henleinleute durch ihren Wahlerfolg die politische Geltung der arbeitenden Massen des Sudetendeutschtums nicht gestärkt, sondern geschwächt haben— also durch eindeutigen Kampf gegen die SdP, nicht aber durch«in Anbiedern an die Henlein- Partei, wie es die Kommunisten versuchen, was nur Verwirrung in die Reihen der sozialiftffchen Arbeiterschaft tragen kann. 742.4SS.602 KC Das Ministerium für soziale Fürsorge berichtet über die Ausgaben für die Arbeitslosen im Jahre 1935. Wir lassen die Zusammenstellung ölgen: 1. Zulagen zur Unterstützung in der Arbeitslosigkeit nach dem Genter System ire 800.687.170 2. Produktive Fürsorge Ke 48.915.281 3. BerköstigungsAktion Ke 262.102.712 4. Milch-Aktion Ke 24,981.441 8. Brot-Aktion Ke 58.725.896 6. Beittag für ffchechofl. Staats- angehörige in Deuffchland Ke 12.000.000 7. Zuttikung von Zucker, Erset- zuntz von Steuern Ke 89.404 8. Abgaben und Transport für Kohlen Ke 298.640 9. WeihnachtSgaben für Kinder Ke 5.986.120 10. Schutz-Aktion für die arbeit»- lose Jugend Ke 2,000.000 11. Außergewöhnlicher Beittag für Bezirke und Industriestädte Ke 5,000.000 12. Bekleidungsaktion für Kinder der Arbeitslosen Ke 8.000.000 13. VerköstigungS-Aktion für Kin- der im Winter Ke 1.000.000 14. Winter-Notaktion Kk 20,000.000 Summe Ke 742,493.602 Diese Ausstellung ist ein überzeugender Be- weis fiir die Arbeit der Sozialdemokratie. Wäh- und O, Bauer: Zwischen zwei Weltkriegen f nur noch bis spätestens 15. Februar angenommen werden. Für spätere Bestellungen gilt der normale Preis. W. J ak sch: Volk und Arbeiter ist zu dem üblichen Organisationspreis lieferbar. rend die Herren von der Sudetendeutschen Partei lärmende Kundgebungen veranstalten, während die Kommunisten in Versammlungen und Zeitungen Phrasen dreschen, hak' die Sozialdemokratie gehandelt. Beratungen Ober die Sprengel-Bdrgerschulen Freitag fand im Schulministerium eine Beratung der Referenten dieses Ministeriums mst den Vertretern der Lehrerorganisationen über die Durchführung des Gesetzes über die Sprengelbür- gerschulen statt. Das Referat erstattete Obersektionsrat Dr. S l a v i k, woran sich eine Debatte anschloß. Es wurde ein Einvernehmen in folgenden Punkten erzielt: Das Gesetz soll etappenweise durchgeführt werden, das heißt, erst sollen überall neue Sprengel der bisherigen Schulen errichtet und dann soll erst über neue Schulen verhandelt werden. Die Sprengel sollen über Initiative der Behörde konstituiert werden, und zwar vor allem aus den Gemeinden, welche bis zu fünf Kilometer bis zur Schule entfernt sind, lieber diese Entfernung hinaus nur bei freiwilliger Anmeldung. Spätere Umschulungen können dann vorgenommen werden. Die BezirkSschulausichüssc sollen eine vorbereitende Kommission für die Ausarbeitung des Sprengelplanes für den Bezirk einsetzen. Der Sprengel übernimmt die Erhaltung des vierten Jahrganges dort, wo dieser gemeinsam von den Schulgemeinden erhalten wurde. Veränderungen in der ffchechoflowakischen Donaudampfschiffahrtsgesellschaft. Die parlamentarische Ersparungskommission hat dieser Tage Beschwerden über die Wirtschaft der tschechoslowa» kickten Donau-Attiengesellchaft verhandelt. Aus Grund der Ergebnisse der Untersuchung wird es zu Veränderungen an führenden Stellen der Ge» ellschaft kommen, wobei auch dem Staate eine angemessene Vertretung zuteil werden wird. 4 MANNER, FRAUEN I UND WAFFEN I < Roman von Manfred Georg Copyrlrht by vr. Manfred Gtorg, Prag Abends saß ihr Mieter stets zu Hause, ließ sich nur Teller, Gabel, Messer und Glas hereinbringen, verzehrte vom Selcher mitgebrachte» Fleisch und—»> schrieb Briefe. Fünf Minuten vor elf rannte er hinunter zum Briefkasten, immer etwas atemlos und gehetzt, als brächte das Versäumen der letzten Post ihm schweres Unheil. Einmal, als er krank war, muhte er sich der Hilft Frau Wiesners bedienen. Sie las im Schein der Straßenlaterne die Adressen: es waren die von Auskunfts- und Detektivbüros in Berlin, Paris, Warschau usw. Dann kamen auch Briefe zurück, insbesondere solche, die an ein Fräulein Gabriele Schumann oder einen Herrn Rudolf Schumann gerichtet waren. Sie trugen die Stempel der verschiedensten Länder mit dem Vermerk:„Adressat unbekannt" darunter. So war es wenigstens das erste Jahr gewesen. Dann hatte die Korrespondenz mit ,41n» bekannt" ziemlich aufgehört, und an seine Stell« traten Banken, Petroleumgeftllschaften und Handelsfirmen, di« als Absender der für Schumann einlaufenden Briefe zeichneten. Frau Wiesner schlief mit Schumann Wand an Wand. Eines Nachts war sie spät von einem Maskenball nach Hause gekommen und hatte sich gerade niedergelegt. Sie hörte wie immer durch das leichte Mauerwerk die Atemzüge ihres schlafenden Mieter» und lächelt« fast beruhigt dabei. 8ö war für sie stet» ein angenehmes Gefühl, so wie wenn sie auf ihre Standuhr im Eßzimmer blickt«, die sich, wenn sie abgelaufen war, immer von selbst aufzog und dahinttckte, als würde das immer so sein. Es vermittelte Frau WieSner ein Gefühl der Verbindung mit der Ewigkeit. In dieser Nacht aber bekam sie einen furchtbaren Schreck. Sie hörte nebenan plötzlich Schumann mit einem wilden Gebrüll hochfahren. Ihr von Angst geschärftes Ohr vernahm, wie er vergebens das Licht anzuknipsen versuchte, die Lampe polternd herunterwarf und einen Stuhl umschmiß. Schreckerfüllt stürzte sie au» dem Zimmer, trom- melte an die Tür de» Bankbeamten:„Herr Jaray, Herr Jaray, kommen Sie, kommen Sie heraus, bei dem Schumann ist was los!" Sie rüttelten an seiner Türklinke. Das Zimmer war versperrt. Drinnen tobte Schumann: ,L>ch schieß' dich nieder! Wo sind sie? Wo find sie?" „Um Gotteswillen, er ist verrückt geworden," flüsterte die WieSner. Auch Jaray war blaß, aber er versuchte, sich angesichts der entblößten, weißen Schultern Frau Wiesners Haltung zu geben.„Ich werde die Polizei holen, Mathilde," versprach er. Aber die Kniekehlen waren ihm sehr weich. Auch die Mieterin des kleinen nach rückwärts gelegenen Zimmers erschien jetzt auf dem Plan. Trotz ihrer Angst konnte sich Frau Wiesner eines leichten Abscheus nicht erwehren. Diese Person trug einen zarten, weichen gelben Pyjama Und ihr gelöstes kurzes, schwarzes Haar stand wie ein schöner Kranz um das bräunlich-helle Mulatten« Antlitz. Es war Haydee, ein Girl aus der Gyi- mes-Revue, die, angesichts ihres unsittlichen Berufes zu doppeltem Preis di« frühere Dienstbotenkammer in der WieSnerschen Wohnung innehatte. Da im Augenblick das Toben in Schumanns Zimmer verstummte, zögerte Jaray, sein Versprechen, die Polizei zu rufen, wahrzumachen. Er glotzte stumm auf Haydee, die ihm die „WieSnersche", wie er sie vor seinen Kollegen spöttelnd nannte, bisher verborgen hatte. Frau WieSner übersah sofort die Gefährlichkeit der Situation, sie bekam eine furchtbare Wut auf Schumann, dieser Kerl war wirklich an allem schuld. Sie schrie: „Machen Sie sofort auf, Herr Schumann, oder ich hole die Wachleute." Die Tür wurde von innen aufgeriegelt, Schumann erschien im Pyjama auf der Schwelle. Er hatte in der rechten Hand einen Revolver— den Revolver, der sonst an der Wand hing— sein Pyjama war über der Brust offen und die Augen flackerten: „Ich bitte sehr um Entschuldigung. Ich habe wohl geträumt. Es tut mir sehr leid, daß ich die Herrschaften gestört habe." Welcher Teufel Frau Wiesner in diesem Augenblick ritt, wurde ihr auch nachher nicht llar. Ihr Haß, durch die Nacht und durch die Aufregung nicht mehr gebändigt, schlug durch. Sie geiferte: ,Lier ist ein anständiges Haus, so was gibt'S bei mir nicht! Gehen Sie in ein Sanatorium, wenn Sie krank sind. Ich kündige Ihnen zum Ersten." Herr Jaray duckte erstaunt sein öliges, schwarzes Haupt und verschwand, Entschuldigungen murmelnd. Schumann aber hatte sich schon wieder in der Hand. Er wischte den Gespensterhauch des Traumes, der ihn offenbar angeblasen hatte, von der Stirn, steckte die Pistole in die rechte Pyjamatasche und verbeugte sich leicht: „Es ist eine ausgezeichnete Idee von Ihnen, mir ein Sanatorium zu empfehlen, gnädige Frau. Ich werde Ihren guten Ratschlag befolgen. Das Ganze muß wohl auf einen llnbeteilia» ten einen etwas komischen Eindruck gemacht haben, denn Frau WieSner und Schumann hörten plötzlich ein leises Gelächter. Es war Haydee, der die Sache höchst komisch vorkam, und dft spöttisch vor sich hinkicherte. ES klang Frau Wiesner wie Posaunen in die Ohren. Sie fegte auf die Tänzerin zu und zischte:„Sie sind auch gekündigt.. Ihr Lotterleben habe ich mir lange genug mit angesehen.' Solche Mieter wie Sie, kriege ich im Handumdrehen zehn." Als Frau Wiesner in ihrem-Zimmer verschwunden war, stand Schumann immer noch im Rahmen seiner Tür. Hayd«e kam einige Schritte auf ihn zu: „Entschuldigen Sie, bitte, daß ich gelacht habe, aber das war ja eine Szene wie in einem Film." Sie sah den Mann jetzt näher und erschrak. Dies Gesicht machte keineswegs den Eindruck, als sei es zu vergnüglich-romantischen Szenen nachts auf einem Korridor aufgelegt. „O, bitte, bitte," murmelte Schumann verdutzt und wunderte sich, wie scharf er jede Einzelheit der Figur Haydöes aufnahm. Das Wesentlichste allerdings, was er im Augenblick sah, war die außerordentlich*ohe, gewölbte Stirn, von der in makellosem Ansatz die dunfle Haarfülle blauschwarz nach hinten floß. „Ich bitte auch Sie um Entschuldigung," sagte er etwas verwirrt und fügte hinzu;»Letzt bin ich schuld, daß Sie hier ausziehen müssen. Ist das sehr schlimm?" „O ja, ich bin drei Monate die Miete schuldig. Werden Sie mir das bezahlen?" Er war etwas verdutzt über diese ungenierte Form der Forderung. Sie merkte eS: „Ich weiß, das chofiert Sie. Sie sind ein feiner Herr. Aber ich sehe gar nicht ein, warum ich Sie nicht um das Geld bitten soll. Sie sind doch wirklich schuld daran!" „Selbstverständlich," sagte er hastig,„ich werde es Ihnen morgen zustellen lassen." „Gott, drücken Sie sich gewählt aus! Werden Sie es mit einem Diener schicken? Bitte, seien Sie mir nicht böse! Geldsachen machen mich so nervös. Aber wollen wir hier ewig auf dem Flur stehen?" „Sicher nicht. Dann also gut« Rächt und auf morgen!" „Gute Nacht, Herr Schumann." (Fortsetzung folgt.) Nr. 34 Sonntag, 9. Feier 1938 icife 3 » Verlanget Volkszünder e m den nur ausgetragen werden, und die Schweizer Richter mögen das ihre dazu beitragen, eine derartige Zukunst zu verhüten. Dir Machthaber im Dritten Reich aber mögen bedenken, daß es ein alteS Sprichwort gibt:„WaS - Du säest, wirst Du ernten". Wer Blut und Terror sät, darf sich nicht wundern und fich nicht entrüsten, wenn er Mord erntet! Wir freuen uns vom Herzen dieser gerechten und mutigen Stimme aus dem katholischen Lager. Die Arbeitslosen-Tragödie«. In der Bor« Oer Grenzzwischenfall Diplomatisches Einschreiten angekündigt Prag. Zu der bereits gemeldeten Ueber- schreitung der Grenz: auf der Straße S ch l a- n e i—N achod durch eine reichsdeutsche Militärabteilung wird amtlich mitgeteilt, daß die Gendarmerie, als sie von Zeugen davon erfuhr, sofort eine eingehende Untersuchung eingeleitet und unverzüglich Bericht erstattet hat. Nach dem Endergebnis der Untersuchung wird die diplomatische Intervention eingeleitet werden. Wie aus dem Staatsvertrag mit dem Deutschen Reich vom 31. Jänner 1930 über Grenzberichtigungen hervorgeht, ist gerade an der Stelle der Grenzverletzung eine Fläche von 21.4 Hektar an die Tschechoslowakei abgetreten worden. Der Gebietsaustausch wurde am 10. Feber 1934 nach der Ratifizierung des Vertrages durch die Nationalversammlung durchgeführt. Das abgetretene Stück liegt -wischen der Mettau, die früher die Grenze bildete, und der oben genannten Straße, auf der die reichsdeutsche Abteilung vormarschierte. Während früher die Straße bis zur Mitte der Grenzbrücke über die Mettau ganz auf reichsdeutschem Gebiet lag, bildet sie jetzt in einer Länge von etwa 400 Metern vor der Brücke bereits die Grenze, gehört aber noch' zum reichsdeutschen Gebiet. Etwa 25 Meter von der Brücke ist auch bereits die Straße zur Gänze tschechoslowakisches Gebiet. Selbst wenn die reichsdeutsche Truppe den neuen Grenzverlauf nicht gekannt hätte, so hätte sie auf keinen Fall, wie berichtet wurde, die Brücke über- schreiten dürfen, da das Gebiet diesseits der Mettau auch stüher schon immer tschechoslowakisches Gebiet war. Dem Karlsbader„Volkswille" entnehmen wir folgende zwei Beispiele des chauvinistischen oder, bürokratischen Schindludertreibens mit Arbeitslosen: Auf der Strecke von Kaaden-Brun- nersdorf bis Komotau wird eine gründliche Umarbeitung der Eisenbahnstrecke vorgenommen. Nach Angabe der maßgebenden Stelle werden zu dieser Arbeü etwa 200 Arbeiter gebraucht, und mancher Arbeitslose hofft, zu den Glücklichen zählen zu können, di« dabei berücksichtigt werden. Aber weit gefehlt! Bor allen Dingen mutz der Arbeiffuchende zurBahnerhal- tungSsektion nach Karlsbad fahren. Die erste Frage, die ihm gestellt wird, ist nicht die nach der Bedürftigkeit oder Fähigkeit, sondern die inwieweit er die Staatssprache beherrscht. Mutz er dies verneinen, ist er.schon von vorneherein erledigt, und er hat die 30 llä, die er vielleicht gar erst borgen mutzte, umsonst hinaus- geworfen. Die zweite Frage ist die nach seinen Geburtsdaten. Hat der Betreffende das 35. Lebensjahr auch nur um einen Tag überschritten, war sein Weg ebenfalls umsonst. Kann er jedoch beide Fragen günstig beantworten, werden seine Angaben einer genauen Prüfung unterzogen, und daS Ergebnis ist, datz die meisten der Bewerbe- um eine elende Taglöhnerarbeit ebenfalls ourch« fallen. Denn, wie uns aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wird, hatten von rund 50 Bewerbern nur drei daS große Glück, Arbeit zu erhalten! * Seit langer Zeit ist die sozialdemokratische Partei daran, die Bachregulierung in Brunnersdorf als Notstandsarbeit durchzusetzen. Ihr Antrag ist in der Gemeindevertretung am 2 7. Oktober 1935 angenommen und dem Bezirksausschüsse in Kaaden zur Weiterleitung an die Abteilung 49 der Landesbehörde(Wildbachverbauung) übergeben worden. Die Gemeindevertretung Wistritz und die Stadtvertretung Kaaden haben fich dem Begehren angeschloffen, und der Bezirkshauptmann von Kaaden, Oberrat Masopust, hat am 13. Dezember|935 den Vertretern der Gemeinden Kaaden, Wistritz und Brunnersdorf erklärt, datz er alles tun werde, um daS Projekt zu fördern. An dem guten Willen des Genannten besteht nicht der geringste Zweifel. AIS aber am 31. Jänner bei der Abteilung 49 interveniert wurde, mutzten die Vertreter der Stadt Kaaden erfahren, daß dort von einem solchen Akte nichts bekannt sei. daß dessen Bearbeitung aber nach Einlangen sofort in Angriff genommen werde. Der t"t trägt die Nummer Af 36.13835, 11— 54—11 und liegtdieganzeZeitbeider Bezirksbehörde in Kaaden. Dabei zählen diese drei Gemeinde« rund 12 00ArteitS- l-s», die an« Mittel« der ErnährungSaktion unterstützt werden. Der»VolksWille" faßt sein Urteil über solch» Borkommnisse in den AuSruf zusammen:„DaS iste in fachnichtlängerzuertragen! London. Die Ziffern, die über das Rüstungsprogramm der englischen Regierung verlauten, steigen von Tag zu Tag. Während man ursprünglich mit einem Betrag von 100 bis 150 Millionen Pfund, verteilt auf sechs Jahre, gerechnet hatte, weiß„Daily Telegraph" nunmehr zu berichten, daß die britische Regierung beschlossen hat, den Ausbau aller britischen Streit- krisle so zu beschleunigen, daß der überwiegende Teil des Rüstungsprogrammes biS zum Jahre 1939 durchgeführt sein soll. Zur Deckung des damit verbundenen, aus etwa 300 Millionen Pfund(38 Milliarden Kö) geschätzten Aufwandes werde die Ausschreibung einer BerteidigungSanleihe notwendig sein. klzenes Munitionsministerium? „Daily Herald" meldet, daß der Plan zur Schaffung eines Munitionsministeriums, das die staatlichen und privaten Waffenfabriken zu koordiexen hätte, fast fertiggestellt sei. Aufgabe dieses AmteS wäre es, auch Maßnahmen zu treffen, die eS de« Fabriken ermöglichen würden, unvermittelt von der Friedens- auf die Kriegserzeugung, wenn dieS erforderlich wäre, üderzugehen. ein katholisches Wort zum Attentat in Davos Ein Aufsatz des christlichsozialen Blatt.'s „E z e r l a n d" über die Erschießung Gustloffs durch Frankfurter, schließt mit folgenden bemerkenswerten Sätzen: Ein Staat, der die Mörder deS Bundeskanzlers Dollfuß verherrlichte, ein Staat, der die Mörder eines Prof. Lessing, eines Jng. F o r m i S nicht ausliefert, sondern schützt und sich dadurch an ihren Untaten vor aller Welt schuldig macht, ein Staat, dessen traurige Wählzeichen die Konzentrationslager find, ei« Staat, der Hunderte von Fememorden als politische Heldentaten gefeiert hat, ein Staat, in dessen Namen Unmengen vondeutsch Blut vergossen wurden— dieser Staat hat nicht daS Recht, sich aus Entrüsteten aufzuspiele«. Dieser Staat hat daS Recht, sein Haupt zu senken und sich selbst schuldig zu sprechen an dem Mord van DavoS. Denn dieser Mord war eine Folge der Lehren und Taten deSRational- sozialiSmus. Mord bleibt Mord! Ein gnädiges Schicksal möge uns davor bewahren, daß politische und weltanschauliche' Differenzen mit dem Revolver Vie„Kote rahne" haut daneben Die Versammlungen des Genossen Hans Hedtoft-Hansen aus Kopenhagen, die bei unserer Arbeiterschaft das größte Interesse gefunden haben, sind den Kommunisten gar mächtig in die Glieder gefahren. Genosse Hedtoft- Hansen hatte zwar unfere Kommunisten in keiner Weise angegriffen, er schilderte lediglich lvahrheitsgetreu die Verhältnisse in Dänemark, wobei er die- nicht zu leugnende Tatsache registrierte, datz in seiner Heimat die kommunistische Sechs schlesische SdP-M3nner verhaftet Dieser Tage wurden neuerliche Verhaftungen von SdP-Leuten inWigstadtl und Jägern- d o r f vorgenommen. Es handelt sich um die Angehörigen der SdP Alfred und Oskar Mader. Johann Strecker, Johann P r e t s ch, Alois Ehler und Josef L o s e r t. Diese fechs waren im Gasthaus des Alois Steffek in Tschirm mit dem sozialdemokratischen Arbeiter Koschak in Streit geraten. kritisierten abfällig die Verhältnisse in der Tschechoslowakischen Republik und sollen aus ihrer Begeisterung für Hitler gar kein Hehl gemacht haben. Auf dem Heimwege wurde unser Genosst von einem Unbekannten auf einem Fahrrad überholt. Der Unbekannte stürzte sich auf Koschak, raubteihmseineBrieftafche und verschwand sodann mit seinem Rade im Dunkeln. Die Gendarmerie nahm die sechs Genannten fest, da sic im Verdachte stehen, den Ueberfall auf Koschak organisiert zu haben. Der unbekannte Radfahrer konnte bisher noch nicht festgestellt werden. G Am gleichen Tage wurde der Jägern- d o r f e r Funktionär der SdP, Mexander Knopp, verhaftet. Knopp soll fich gegen das Schutzgesetz vergangen haben. fudetendeutsdm Zeitspiegel Englands Aufrüstung beschleunigt Binnen drei Jahren 300 Millionen Pfund Brief an den Zeitfpiegel Einfachen Zeilen, die eine Arbeiterin aus dem Glasarbeiterort Meistersdorf an den Zeitspiegel richtet, entnehmen wir Folgendes: Vielen von uns Frauen ist der schreckliche Weltkrieg noch in furchtbarer Erinnerung. Aber leider hat auch ein großer Teil die Wunden, die er uns geschlagen, vergessen. Es gibt schon wieder Leute, welche Angehörige in diesem Völkermorden verloren haben und dennoch sagen„es muß wieder Krieg werden, wenn es uns besser gehen soll". Es ist aber 19 H nicht besser geworden. Viele unsere Männer und Söhne mußten draußen elend umkommen. Die Frauen und Kinder litten zu Hause Mangel an den notwendigsten Nahrungsmitteln. Der Wucher blühte. Gut war es nur für diejenigen, welche gewissenlos genug waren, sich an der Zwei Beispiele des Schindludertreibens mit Arbeitslosen SdP>Blamage in Mähr.-Neustadt Unsere Genossen inMährisch-Neu- st a d t hatten für den vergangenen Samstag eine öffentliche Versammlung einberufen, um sich mit der SdP. auseinanderzusetzen. Auf diese Ankündigung hin gab die SdP-Bezirksorganisa- tion Mähr.-Neustadt sofort ein Flugblatt heraus. in dem„alle völkifchen Deutschen" aufgefordert wurden, unsere Versammlung„geschlossen zu besuchen". Außerdem benutzten die Henleins ihre Hauptversammlung am Tage vorher, um allen Mitgliedern den Besuch der soziald:- mokratischen Kundgebung nahezulegen und schließlich machte auch die„Nordmährische Rundschau" in diesem Sinne Propaganda. Im letzten Augenblick aber widerriefen die Henleins diese Parole und forderten„alle Volksgenossen" auf, der Versammlung fernzubleiben, damit sie nicht Gefahr liefen,„provoziert" zu werden und so„mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten"! Also die„Unüberwindlichen" kriegen es schon mit der Angst! Und da etliche Henlein-Anhänger die neue Parole nicht mehr erreichte, kamen doch sehr viele von ihnen nach Mährisch-Neustadt und hatten auf dem Heimweg unverrichteter Dinge Zeit, sich ihre Meinung über die Konsequenz ihrer Führer zu bilden. Unsere Versammlung selbst war von etwa 500 Menschen besucht— die Abrechnung mit der SdP vollzog Genosse Z i s ch k a— und wurde ein ausgesprochener Erfolg der Sozialdemokratie. wie die offizielle Kursaison erstrecken, ein späterer I Beginn und ein früheres Ende der Spielzeit ist nur ! mit Genehmigung eines separaten Stadtrats- I beschlusses zulässig. Den Marienbade" Bürgern und ' solchen, die während der Saison dort angestellt sind, find Preisbegünstigungen zu gewähren; als Theaterinspektor figuriert der jeweilige Bürgermeister. Dar Theater-Orchester hat möglichst die gleiche Entlohnung wie daS Kurorchester zu erhalten. Das technische Personal muß aus Marienbader Einheimischen bestehen. Bei Streifigkeiten des Personals und bezüglich Vertrag cnficheidet der Stadtra*-. Die Brünner Dentsche Arbeitersendung bringt in dieser Woche: Am Dienstag 17.40 bis 17.45 Uhr: Soziale Informationen; 17.45 bis 18.00 Uhr: Arbeiterschaft und Genera« tionsproblem(Erwin Sfiaßny).— Donnerstag, 13.35 bis 13.45: Arbeitsmarkt; 17.40 bis 17.57: Aktuelle Zeitprobleme (Josef Schramek). iLange Arbeitslosigkeit dürfte auch in diesem traurigen Fall Ursache der Verzweiflungs- i-tat-gewesen sein.,-- Pachtbedingnngen für das Stadttheater Marien- lad. In der Stadtratssitzung vom 31. Jänner 1936 wurden die Pachtbedingungen für die Vergabe des I Stadttheaters Marienbad für die Saison 1936 beschlossen, welche folgenden Inhalt haben: Der Pächter zahlt keinen Pachfichilling, verzichtet jedoch auf ! jedwede Subventionierung durch die Stadtgemeinde. | Die Stadt Marienbad ersetzt dem Direktor die Be- i Heizungsauslagen bis zum Höchstbetrage von 3000 d e r t7 Alle übrigen Behauptungen seien mit dem und übernimmt die Bezahlung der Beleuchtung-. Hinweis darauf erledigt, datz der Reallohn der^n- Feuerwehr und Polrze,gebühren. Der dänischen Arbeiter von 100 im Jahre 1914 auf j Dr-ektor hat eme Kaution von 30 000 K( zu erlegen 160 Einheiten im Jahre 1935 gestiegen ist. Wir und un Monat Mm em Schauspiel- in den Monaten überlassen es der Arbeiterüffentlichkeit, zu beur- Lum bis August auch em Operetten-Ememble zu teilen, ob diese Leistung der kommunistischen 1 unterhalten. Die Schauspieler muffen wahrend der Zwei-Männer-Fraktion zu danken ist, oder nicht Saison m Marienbad ihren ständigen Wohnsitz vielleicht doch der dänischen Sozialdemokratie, der h^ben. Du Spielzeit^mutz^^uuf^die glerche^Dauer von 46 Prozent der Wählerschaft politische Macht' gegeben und das Vertrauen ausgefprochen wurde. Und sonst wollen wir nur noch fügen, datz wir die dänische Arbeiterklasse dazu beglückwünschen können, datz sie— zu ihrem Nutzen— die Einheitsfront in derSozial- j demokratie hergestellt hat und daß wir es sehr wohl begreifen können, daß unsere dänische Bruderpartei und Genosse Hedtoft-Hansen mit aller Entschiedenheit gegen alle Feinde dieser wirklichen Einheit kämpfen. Woche berichteten wir über den Selbstmord des y O f der Massen zu bereichern. Nach dem Tischlers Hans Dinger auf den Schienen bei Plan. Kriege folgte eine Wirtschaftskrise der an- Wie uns jetzt die Ortsgruppe Plan des Verbau- deren. Heute stehen wir wieder dort, wo wir des der Holzarbeiter mitteilt, handelt es sich nicht 5924 gestanden und auch heute sagt ein Teil des Volkes:„Es muß wieder Krieg werden." Gerade der Faschismus ist es, der die Kriegsgefahr wieder heraufbeschwört. Die Frauen, welche die größte Ursache haben, den Krieg zu verdammen und mit allen Mitteln zu verhindern, stehen zum großen Teile im Lager dieser Kriegshetzer. Sie besinnen sich nicht darauf, daß auch und gerade sie es sind, welche die Kosten eines neuen Mordens zu tragen hätten, denn es geht nicht nur um unsere Männer und Söhne. Im kommenden Kriege, welcher mit den modernsten Mitteln geführt werden wird und in welchem die giftigen Gase eine große Kölle spielen werden, geht es auch um die Frauen und Kinder im Hinterlande. Was uns der Faschismus sonst noch brächte, das sehen wir in unseren Nachbarländern, in Oesterreich und Deutschland. Die Arbeiterschaft wird all ihrer Rechte und sozialen Einrichtungen beraubt. Wer sich der Willkür dieser faschistischen Regierungen mit einem einzigen Wort widersetzt, wandert in die Kerker und Konzentrationslager. Da werden rücksichtslos Familien auseinandergerissen. Besonders die Frauen hätten keine Ursache, sich der faschistischen Bewegung anzuschließen, ' denn diese ist ausgesprochen frauenfeind- I lieh. Sie spricht den Frauen das Recht ab, ! in den gesetzgebenden Körperschaften mit- i zureden. Die Sozialdemokratie ist die einzige Partei, welche die Frauen als gleichberechtigt behandelt und sie zur Mitarbeit heranbildet. Nur im demokratischen Staate, wo wir berechtigt sind, mitzubestimmen und uns unsere Vertreter in' die‘gesetzgebenden 'Körperschaften zu wählen, sind wir frdi. Deshalb sollte auch jede Frau und jede Arbeiterin wissen, daß ihr Platz in den Rei- 1 hen der Sozialdemokratischen Partei ist. Bewegung eine hoffnungslose Minderheit dar- stelle, die im Parlament über ganze zwei Man date verfügt. Trotzdem wurde er in der hiesigen kommunistischen Presse wütend angefallen und mit groben Verleumdungen bedacht. Sie können sich auch jetzt noch nicht beruhigen und widmen ihm in der Samstag-Nummer der„Roten Fahne" einen Zweispalter, der dadurch um nichts| besser wird, daß man sich in ihm auf Informa tionen aus Dänemark beruft; denn diese bewei-I sen nur, daß eS die dänischen Kommunisten im! um einen„nackten Selbstmord", vielmehr wurd- 1 Kampfe gegen die Sozialdemokraten mit der, Dingers Leichnam völlig bekleidet aufgefunden. \ Wahrheit ebensowenig genau nehmen wie unsere. I Wir wollen dem Genossen Hedtoft-Hansen, dem I wir das Geschreibsel der-„Roten Fahne" zur Kenntnis bringen, in seiner Antwort nicht vor greifen. wollen aber doch schon heute feststellen. daß gleich die erste Behauptung des kommunisti schen Blattes, daß im Jahre 1933 die dänischen Unternehmer Lohnherabsetzungen bis zu 20 Prozent durchgesetzt hatten, vollkommen i f a l s ch ist. Die Regierung Stauning bat nämlich— wie jeder Besucher unserer Ver sammlungen hören konnte— diesen Plan der Unternehmer restlos verhin- Seite 4 Tonntag, S. Fever 1936 Nr. 84 Agesnem-Kelteir Mn Menschenleben für ein Butterbrot In Preßburg hat kürzlich ein Lehrling Selbstmord begangen. Er gehörte zu der großen Zahl jener geschundenen Menschenkinder, die von früh bis spÄ alle möglichen und unmöglichen Arbeiten erledigen müssen und nur zu jenen nicht zugelassen werden, die sie lernen sollen. Aber nicht deshalb hat der Bursche sich un- ter die Schienen geworfen. Was ihn in den Tod trieb, schildert sein Abschiedsbrief: „Liebe Eltern! Wenn Ihr diesen Brief lesen werdet, werde ich nicht mehr sein,' denn ich mutzte in den Tod gehen. Heute morgens, als ich ins Geschäft ging, kam der Chef und sagte:„Gyula, komm in die Kanzlei!" In der Kanzlei war außer dem Chef noch der eine Kommis, so datz der A auch hören konnte. ■„Ich habe gehört, daß du stiehlst, und ich weiß es selber, daß du stiehlst!" Liebe Eltern, glaubt Ihr, daß ich jemals ge» stöhlen habe? Noch nie in meinem Leben habe ich je etwas gestohlen. Ich kann das nicht ertragen, daß man mir das ins Gesicht sagt. Ich wollt' mich verteidigen, aber der Chef stand auf und schrie mir noch ins Gesicht:„Ich weiß alles!" und ging in den Verkaufsraum, wo ich ihn nicht mehr sprechen konnte. Liebe Eltern, Euch und die An- gestellten rufe ich zu Zeugen,' daß ich nie-Uvas genommen habe, ich will keine Schande in unser; Familie bringen. So bleibt mir nichts anderes, als das Letzte übrig. Als man mich vor zwei Jahren in das Geschäft ausgenommen hatte, wurde mir gesagt, daß ich mir immer die Jause nehmen kann. Ich nahm mir nur, was mir befohlen würde. Mein Butterbrot, sonst nichts. Als wir in das neue Geschäft übersiedelten, arbeiteten wir nachts bis ein, ja bis zwei Uhr und so nahmich mirauch ein Butterbrot und schnitt mir ein Stück Pariserwurst herunter, das nicht einmal fünf Dekagramm gewogen hat. DaS hat aber immer die Chefin oder einer der Kommis gesehen. Dann nahm'ch mir ein Glaser! Soda, das hat mir auch gebührt, und ich habe mir nie etwas im Geheimen genommen. Ich habe niemals etwas gestohlen und will meine Ehre nicht beschmutzenlassen. Liebe Eltern, ich schließe das Schreiben, ich kann nicht mehr schreiben. Grüßt alle Verwandten und Bekannten Un> Freunde. Liebe Eltern, einen Gruß auch an Euch, Rebe Eltern, liebe Mutter, lieber Vater. Verständig; nicht den Loli und Karli, sie sollen nicht wissen, dann wird ihnen der Schmerz nicht so nahe treten. Nicht einmal die Hände konnte ich Euch drücken. Liebe Eltern, verzeiht mir, vergeßt, was ich mrschuldig tue. Noch den letzten Gruß, es grüßt und küßt Euch Euer Julis." Der Brief bezeugt, daß der junge Mensch, der in den Tod ging, w^il sein Bro therr ihm das Stück Brot mißgönnte, mehr Ehre in f i ch hatte als ein ganzes Regiment jener Kapi- talssöldlstige, die vom Mißbrauch des Wortes Ehre leben. Dieser Brief bezeugt auch, daß ein Menschenleben, das durch die grausame Moral kapitalistischen Geschäftsgeistes vernichtet wurde, mehr wert war als die meisten Repräsentanten und Lobredner ebenjener Ordnung, die dieses Opfer forderre. Soldatenselbstmord. Samstag nach Mitternacht wurde in Prag-Kosite„na Cibulce" schwer verletzt der Soldat des Infanterieregimentes Nr. 46 Komotau, Jaroslav H l a d aufgefunden, der sich mit einer Armeepistole den Kopf durchschossen hatte. Der Schwerverletzte wurde sofort ins Divisionskrankenhaus übergeführt, wo er jedoch nach der Operation starb. Der Genannte desertierte von seinem Regiment und, wie aus zurückgelassenen Briefen und durch Untersuchung festgestellt wurde, bilden seine privaten Verhältnisse die Ursache seiner Tat. Bei einem schwere« Brande im ältesten Stadtteil Amsterdams, am Oude Zijds Achter- bupgwall, kamen in der Nacht auf Samstag acht Personen, darunter fünf Kinder, ums Leben. Bier weitere Personen wurden schwer verletzt; ihr Zustand ist besorgniserregend. Das Feuer war im ersten Stockwerk zweier ineinandergreifender mittelalterlicher Gebäude ausgebrochen und hatte die Treppenergrif- f e n. Die unglücklichen Opfer des Brandes haben daher offensichtlich versucht, über den Dachboden zu entkommen. Das gelang ihnen jedoch nicht und sie verbrannten bis zur Unkenntlichkeit. Bisher war es noch nicht möglich, die Identität der Verunglückten festzustellen. In einem Anfall von Raserei erschlug in M e o l o(Provinz Venedig) eine Landwirtssohn seinen eigenen Vater, seine eigene Mutter sowie /ine Verwandte durch Äxthiebe. Schließlich zündete der Mörder den Gutshof der Verwandten an. Er- konnte später überwältigt werden.— Bereits vor Jahren war der Rasende von seinen eigenen Eltern wegen Gewalttätigkeiten und Bedrohung angezeigt worden. ktn Gangster—7 Bei der furchtbaren Kälte mutzte sich die amerikanische Bevölkerung, die im Freien arbeitet, auf alle mögliche Weise zu schützen suchen. Dieser ZeitungS- verkäufer sieht mit dieser eigenartigen Schutzmaske wie ein Verbrecher aus einem Roman aus. Das Wetter. Unter dem Einflüsse eines Druck- Hochs, welches sich aus Deutschland gegen unser Gebiet verlagert, jedoch gleichzeitig an Intensität einbüßt, hat sich der Himmel in her Republik bereits vorwiegend ausgeheitert. Der Zufluß kalter. Luft aus höheren geographischen Breiten hört auf und in den Niederungen des Karpathengebietes stieg am Samstag die Nachmittagstemperatur nach erfolgter Ausheiterung und Beruhigung des Windes stellenweise über plus 5 Grad an. Auch auf den Berges tritt bereits Frdstmilderung ein. In den Niederungen und Tälern mutz jedoch in der Nacht mit einer verstärkten Abkühlung infolge Ausstrahlung gerechnet werden, und zwar besonders dort, wo eine zusammenhängende Schneedecke liegt. Die Druckstörungen über dem Norden des Erdteils dürften am Sonntag noch keinen Einfluß auf das Wetter in Mitteleuropa erlangen.— Wahrscheinli ch e s Wettervonheute: Vorwiegend heiter, in den Niederungen und Tälern vielfach verstärkte nächtliche Abkühlung, auf den Bergen fortschreitend« Frostmilderung, ziemlich ruhig.— Wetterau S« sichten für Montag: Wechselnd bewölkt und im allgemeinen etwas wärmer. Im Norden der Republik wieder allmähliche Wetterverschlechterung. Vom Rundfunk taptahlMiwwt«« aus«lau Proyaamsi Montag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 11: Schallplatten: Dvorak, 11.35: Opernszenen, 12.10: Opernfantasien, 15: Schallplattenkonzert, 17: Kinderecke: Märchen, 18.45: Deutsche Sendung: Ehin- ger:'mit Ski und Rodel ins Erzgebirge, 18.30: Dr. Schmid: Der Weg vom Individuum, zur Gemeinschaft im Spiegel der deutschen Lyrik, 10.1h: englisch für Anfänger, 23.05: Deutsche Nachrichten. Sender S: 14.20: Deutsche Sendung:. Sordan: Song-Revue, 14.50: Deutsche Presse,. 19.15: Liederzyklus— Brünn 13.30: Arbeitsmarkt und Sozialinformationen, 17.40: Deutsche Sendung: Jng. Golda: Blut ist ein ganz besonderer Saft, 19/30: Volksblasmusik.— Mährisch-Ostrau 1810: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Kamler: Worte von Engels,— Liederkonzert.. Dienstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 11.05: Deutscher Schulfunk, 12:10: Opernouvertüren, 12.35: Salonorchesterkonzert, 13.40: Chansons, 17: Jugendfunk. 18.10: Deutsche Sendung: Redakteur Demi: zum 60. Geburtstag von E/se Lasker-Schüler,— Kompositionen von Kornauth, 18.45: Deutsche Presse, 19.10: Saxophonsolo, 20.50: Rundfunkorchesterkonzert. Sender S: 7.30: Unterhaltungsmusik, 14.50: Deutsche Sendung: Schindler: Wanderung durch unser Sonnensystem, 14.35: au? Operetten, 18: Schrammelkonzert.— Brünn 17.40; Deutsche Arbeitersendung: Sozialinformationen, Stiassnh: Soziale und kulturelle Aufgaben des Films.— Mähftsch-Ostra« 17.35: Liederkonzert, 18.10: Deutsche Sendung: Konzert.— Preßburg 16.10: Orchesterkonzert. Das Biindcswinicrsporficst in Joadilmsihal «miet am IS. und 16. Feber NM statt. Die Schneelage ist gut und stellt die' Durchführung des Atus-BerbandSwintersportfesteS sicher. Auf dem Bergen fällt noch immer Schnee. Das Atus-Wintersportfest ist die große Probe für die Arbeiter-Wintersportolhmpiade. Aus allen Wintersportländern der Sozialistischen Arbeiter-Sport- Jnternationale find große Vorbereitungen für die im Wmter 1937 in Johannisbad im Riesengebirge stattfindende Wintersport-Arbeiterolympiade gemeldet/ Für die Arbeiterwintersportler der Tschechoslowake: gilt das Treffen in St. Joachimsthal als die große Probe. Wie DTJ mitteilt, gilt das Atus-Winter- sporffest auch für deren Wettkämpfer als Verbandswettkampf. Sportsonderzüge bis St. Joachimsthal. Laut Mitteilungen der Staatsbahn» !dnektion Pilsen werden Sonntag, den 16. Feber folgende Sporffonderzüge Karlsbad—Joachimsthal abgefertigt: Ab Karlsbad 7.11, an Joachimstha'. 8.12.— Ab Karlsbad 8.25, ab Schlackenwerth 8.5 l, an joachimsthal 9.30; Rückfahrt: Ab Joachimsthal 17.30, an Schlackenwerth 17,57, an Karlsbad 18.83 Dieser Zug hat in Schlackenwerth zu den Zug Nr. 2804 in der Richtung Komotau Anschluß.— Ab Joachimsthal 18 Uhr, an Karlsbad 19 Uhr. Verbilligter Autobusverkehr: Weiter hat die Direktion ausnahmsweise am 15. und 16. Feber die verbilligte AutobuSfahrt für die Autobusse Schlackenwerth—Joachimsthal und zurück bewilligt, und zwar: ab Schlackenwerth: Nr. 13— ab 13.05, Nr. 15— ab 15.10, Nr. 19— ab 18.02; ab Joachimsthal: Nr. 20— ab 17.35, Nr. 22— ab 18.35 und Nr. 24— ab 19.50. Außerdem alle für die Beförderung der Teilnehmer eingestellten Sonderautobuffe. Die Meldungen. Zu den Wettkämpfen haben sich gemeldet: Springen 55, 30-Kilometer« Langlauf der Sportler 40, 15-Kilometer-Speziallauf und Kombination 80, Abfahrtslauf der Sportler 80, 6-Kilometer-Jugendlauf 70, 6 Kilometer für Alterssportler 20, Slalomlauf 40, 4 Kilometer für Sportlerinnen 30, weiter haben sich 45 Mannschaften zu je vier Teilnehmer für den 6-Kilometer- Mannschastslauf angemeldet. Westböhmens zwei besten Skispringerwerden am Start sein. Es find dies die Genossen Held(Abertham) und Görisch(Pechbach). Uebernachtung in St. Joachimsthal. Für etwa 400 Wettkämpfer stehen kostenlose Privatquartiere zur Verfügung. Weiter werden in der geheizten Schule Maffenlager vorhanden sein (Decken sind mitzubringen). Durch das Entgegenkommen der Pensionshäuser und Hotels stehen auch billige Gastzimmer zur Verfügung. 'Der Festabend in St. Joachimsthal wird Vorführungen der Atus-Dereifle Graslitz, Falkenau, Alttohlau, Neudek, Maierhöfen, und St. Joachimsthal bringen. Das Programm am Samstag, den 1 5. Feber: 8 Uhr vormittags: Anfahrt der Abfahrtsläufer, 1. Start 9 Uhr vormittags, 2. Star: ab 10 Uhr. Die Abfahrtsläufer fahren, soweit sie nicht am Keilberg(Arbeitersporthütte) übernachten, mittels Autobus auf den Keilberg. Nachmittags: Ab 1 Uhr: Start— 30 Kilometer, 15 Kilometer, 6 Kilometer Jugend, 4 Kilometer Sportlett'siren.— Sonntag, den 16. Feber, vormittags: 8 Uhr: Beginn der Mannschaftsläufe, 9 Uhr: Beginn des Slalomlaufes, halb 11 Uhr: Grenzlandkundgebung. Sonntag nachmittags: 1 Uhr: Abmarsch aller Festteilnehmer zur Sprungschanze ins Rauschererbtal. Ab 2 Uhr: Springen. An alle Photosektionen der„Naturfreunde". Die Photosektion Aussig hat zahlreiche gute Photo-Wandermappen zusammengestellt. Fordert sie mit einer Postkarte an! Auflösung der Kommunistischen Akademie. De' Rat der Volkskommissär« und der Zenttalvollzugs- ausschuß der Kommunistischen Partei haben, eine neue Verordnung erlassen, worin es als unzweckmäßig erklärt wird, daß in der Sowjetunion zwei wissenschaftliche Akademien existieren, nämlich die Kommunistische Akademie und die Akademie der Wissenschaften. Es wird die Auflösung der Kommunistischen Akademie und die lleberführung alle» ihrer Institute und Kräfte auf die Akademie de: Wissenschaften der Sowjetunion empfohlen. Ei« historisches Fallbeil unter dem Hammers In den nächsten Tagen kommt ein« Sammlung historischer Gegenstände zur Versteigerung, die unter anderem auch ein ebenso wertvolles wie grauenhaftes Erinnerungsstück enthält. ES handelt sich um nichts andere- als um das Fallbeil der Guillottne, mit dem Ludwig XVI. hingerichtet worden ist. Das Fallbeil ist etwa 30 Zentimeter lang und ruht auf einem schwarzen Sockel, auf dem sich die Inschrift befindet, daß damit auch Marie-Anttonette enthäutet worden ist. Es ist nicht sicher festzustellen, ob dies auch zuttifft. Das Fallbeil gehörte ein Jahrhundert lang aus Traditton den Scharfrichtern von Paris. Erst 1893 verkaufte es die Witwe des Scharfrichters Roch an eine«' Brüsseler Sammler, dessen Erben nunmehr den düsteren Gegenstand nicht mehr bewahren wollen./Man spricht davon, daß dar Muse« Carnevalet, dessen Rebolutionssammlung weltberühmt ist, das Fallbeil ersteigern will. Aber es ist durchaus möglich/ daß von amerikanischer Sette höhere Angebote erfolgen.\ Unfug mit Kettenbriefen. In der letzten Zeit haben die Kettenbriefe insbesondere in Nordostböhmen eine große Ausbreitung erfahren. Die Gendarmeriefahndungsstation erhielt zahlreiche solche'. Briefe aus dem Jiffchiner Gebiet und es wurde ihr berichtet, daß diese Briefe auch in Reu-Bydzov. Chlumec, Königgrätz und Umgebung verbreitet werden. Auf dem Postamt in Pettovice bestehe eine Ueberschwemmung von Fünftronenpostanweisungen Bei einigen Postämtern besteht geradezu ein Mangel an Postanweisungen, der nur mit den obgenannte.- Sendungen erflärt werden kann. Da es sich um Massenbettug handelt, verfolgen die Gerichte alle Beteiligten wegen Hasardspiels. Dreifacher Mord in Asuding Lawinentod. In der Nähe von Salzburg wurden unterm Schnee zwei Skifahrer gefunden, und zwar die 23jährige Santoll, die bereits tot war, und der 36jährige Max W e n t l, der mit schweren Erfrierungen ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Es wurde festgestellt, datz die beiden Skiläufer voneinemSchneesturm überrascht und kurz darauf von einer Lawine verschüttet wurden, wrckei die Santoll«inen Herzschlag erlitt. Ein Leuchtgasunfall, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen, hat sich Samstag im 10. Wiener Bezirke ereignet. Der 62jährige Pensionist Robert Lüftner und seine Lebensgefährtin Marie Felbeynayer wurden mittags in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Die Hähne der Gasleitung standen offen. Nach den-bisherigen Erhebungen handelt es sich um eine« Unfall.. Belgische Sozialistinnen für die Abessinier. Die sozialdemokratischen Frauenorganisationen in Belgien haben beschlossen, grotze öffentliche Kundgebungen zu veranstalten, in denen zur Solidarität mit den Verwundeten und den Kindern in Abessinien aufgefovdert wird. Die gesammelten Gelder werden dem schwedischen Roten Kreuz übermittelt werden. Auswüchse der Stachanow-Bewegung. Nun findet man aber in der»Leningradskaja Prawda" vom 17. Jänner einen Bericht über eine Tagung der Stachanow-Artilleristen vom 16. Jänner im Haus der Roten Armee und in der gleichen Zeitung vom 20. Jänner einen Bericht über eine Konferenz der Stachanow- Tankfahrer, die am 20. Jänner in der Kriegsakademie für Mechanisierung und Motorisierung in Moskau tagte. Auf beiden Tagungen berichteten die Referenten über die Erfolge der Stachanow-Bewegung in ihren Abteilungen und propagierten den Uebergang von den Einzelleistungen zur erhöhten Leistung der Unterabteilungen und höheren Formationen. Chauffeur überfährt drei Kinder. In Pa- lencia nördlich von Valladolid fuhr ein Lastkraftwagen in eine Gruppe spielender Kinder. Drei Kinder wurden auf der Stelle getötet. Die Fussgänger gerieten so in Erregung, dass sie den Fahrer lynchen wollten; er Wurde nur durch das rechtzeittge Eingreifen der Polizei vor dem Tode bewahrt. Kongreß der sowjetrusstschen Schriftsteller. Di« Hauptstadt Weißrußlands, Minsk, bereitet sich zu dem am Montag beginnenden Kongreß der Schriftsteller der Sowjetunion vor. Die Sitzungen werden im Regierungsgebäude statffinden. Die Teilnehmer kommen aus allen Enden des Landes in Extrazügen, die in Moskau, Leningrad und Kiew zusammengestellt werden. Man erwartet zirka 400 Delegiert«, von denen 300 die 45 nichtrussischen Republiken de: Sowjetunion repräsentteren werden. Premiere eines neue« Chaplin-FllmS. Diese: Tage sand in New Uork die Premiere des neuen Chaplin-Filmes„Moderne Zeiten" statt."or dem Biographen am Times Square hatte sich ein: riesige Menschenmenge, besonders Frauen, angesammelt, welche sich von Chaplin, der an der Premiere persönlich teilnahm, ein Autogramm beschaffen wollten. Schließlich mußte die Polizei in d«: Stärke von,100 Mann eingreifen und die Menge zerstreuen. Obwohl das Eintrittsgeld etwa 125 Kd für den Sitz betrug, war der Film vollkommen aus- verkauft. Es hatten sich Besucher aus allen Teilen der Vereinigtest Staaten, ja sogar aus Mexiko, Kanada und England eingefunden. Der Film hatte einen Riesenerfolg. ES ist dieS der erste Film Chaplins nach fünfjähriger Pause. Mährisch-Ostra«. I« Stauding wurden Sonntag früh in ihrer Wohnung der 75jähr. Eisenbahn-Pensionist Vinzenz H o n u s, seine 59jährige Gattin Rosalie und d« Adoptivtochter Anna Ruskova tot aufgefunden. Sie sind von nnbekanntenTätern ermordet worden Samstag früh kam der Stiefbruder Snajdr der Fra« Honus in das Haus des Honus, um bei der Schlachtung eines gemästeten Schweines behilflich zu sein. Als er den Gang des Hauses betrat, sah er auf dem.Boden viel Blut und nahm an, datz man daS Schwein ohne ihn geschlachtet habe. Er ging weiter, als er plötzlich zu seinem Enffetzen auf den L e i ch' n äist der R u s k o v ä stieß. Er trat dann in die Küche ein, wo im Lehnstuhl mit zerschmettertem Schädel und mit einer Stichwunde Honus saß. Er war be- r e i t s t o t: Auf dem Fußboden lag die Gattin des Honus, ebenfalls tot. In der Wohnung war alles durcheinandergeworfen, so datz es sich anscheinend um einen R a u b m o r d handelt. Snajdr rief die Ortsgendarmerie herbei, welche mit Hilfe der Gendarmeriefahndungsstation aus Neu-Tiffchein die Mörder sucht. In dem Hause wohnt noch, die 95jährige Mutter des Honus, die taub und blind ist und keine Aufklärungen zu geben vermochte, Man weiß auch nicht, was geraubt wurde. Die Gendarmerie fand in der Wohnung 1000 KL in Bargeld. Man nimmt an, datz es die Diebe auf das gemästete Schwein abgesehen hatten, baß sie jedoch durch Lärm die Familie weckten und daß die Adoptivwchter auf den Gang nachsehen ging, was es gebe. Sie wurde erstochen und das gleiche Geschick traf auch das Ehepaar Honus. Die Blutspuren der Mörder führten zur Oder. Nr. 34 Sonntag, 9. Fever 1936 Sette 5 Flugverkehr Prag—Dubrovnik ab 1. Juni. Im Belgrader Ministerium des Aeutzeren wurden die Beratungen über die Fluglinie P r a g—D ubrov« nik erfolgreich abgeschlossen. Nach dem getroffenen Abkommen wird der Verkehr am 1. Juni unter der Boraussetzung ausgenommen werden, dass die Flughäfen in Split und Dubrovnik rechtzeitig fertiggestellt werden. Polnisch« Pogromisten von der Polizei erschossen. In der Ortschaft Zagyrwv bei Lodz kam es während eines Jahrmarftes seitens der Bauernschaft zu antisemitischen Ausschreitungen. Die Exzedenten plünderten alle jüdischen Geschäftsläden aus und misshandelten zahlreiche Juden. Die Polizei nahm unter den Exzedenten mehrere Verhaftungen vor. Im Laufe des Samstag setzte die Polizei die Verhaftungen unter den Teilnehmern der antijüdischrn Exzesse fort. Während der Aktion der Polizei im Dorfe Szttlewek wurde diese aus dem Hinterhalte von einer grossen Bauernmenge angegriffen. Die Angreifer versuchten, die von der Polizei verhafteten Personen zu befreien. Die Polizeifunktionäre waren schliesslich gezwungen, von der Schusswaffe Gebrauch zu machen. DreiderAngreiferwurdenhie- bei getötet, acht erlitten teils schwere, teils leichte Verletzungen. Echt amerikanisch. Die amerikanische Regierung hat seinerzeit beschlossen, in den Schwarzen Felsen in Süd-Dakota von dem Bildhauer Gutzon Burglum die Büsten der vier grossen Präsidenten Amerikas, und zwar George Washingtons, Thomas Jeffersons, Abraham Lincolns und Theodor Roosevelts aurhauen zu lassen. Die ersten zwei Büsten sind be» reits fertig; jede von ihnen ist 188 Meterhoch. Sie find aus Basalt auSgehauen und man rechnet damit, dass sie eine halbe Million Jahre erhalten bleiben werden. Ausserdem wird in dem Gebirge, daS eine Art Nationaldeukmal Amerikas bilden soll, in meterhohen Buchstaben eine SOOWorte umfassende Botschaft deS ehemaligen Präsidenten Coolidge ein- gemeisselt werden. Das ganze Werk wird in drei Jahren beendet sein. Das Frühstück auf dem Grave. Einer der angesehensten Bürger der kleinen Stadt Eprija hatte in seinem Testament verfügt, dass es am Tage seiner Beerdigung aus seinem Grabe sehr lustig zugehen sollte. In Ausführung seines Testaments bereiteten seine Freunde nach seinem Tode ein„Frühstück" vor, bei dem auf dem Grabe ein Lamm gebraten und ein halbes Fass Wein ausgetrunken wurde. Dazu sangen und spielten die Zigeuner die Lieblingslieder deS Verstorbenen. DaS Frühstück dauerte vier Stunden lang. Ein Doppelgänger König Eduards VM. Man hat in Paris«inen Doppelgänger König Eduards VM. entdeckt. ES ist der Kramwarenhändler Joan I a r d i n, der in einem kleinen CafL seinen Stand hat. Seine Aehnlichkeit mit dem König von England ist so frappant, dass die Leute auf der Strasse stehen bleiben, weil sie annehmen, dass der König inkognito in Paris weile— im Augenblick, wo Paris von Fürsten geradezu wimmelt, keine so absurde Idee. Joan Jardin ist sich dieser Aehnlichkeit bisher garnicht bewusst gewesen. Nun aber freut er sich über sein Bild in den Zeitungen und noch mehr über den unverhofften Andrang der Kundschaft. Der bedrohte Scharfrichter. Der Scharfrichter der Staaten New gott, New Jersey, Massachusetts, Pennsylvania und Delaware, Robert Elliot, erhält seit Wochen Tausende von Drohbriefen, in denen ihm angekündigt wird, daß die Hinrichtung von Bruno Hauptmann seine letzte Funktion sein würde. Zu seinem persönlichen Schutz sind ihm jetzt auf seinen Dienstwegen einige Detektive beigegeben worden. Robert Elliot ist bereits 60 Jahre alt und hat über 200 Hinrichtungen vollzogen. Aber die Tätigkeit eines Scharfrichters in Amerika beschränkt sich ja schließlich nur darauf, den elektrischen Strom«inzuschalten. Darum kann er seine Funktion auch ohne weiteres in so vielen Staaten durchführen. Der zweite KOntgsmord-ProzeA In Abc In Aix-en-Provence begann soeben der zweite Prozeß gegen die drei Kroaten Pospichil, Raitch und Krajl» die der Beihilfe'zum Mord an Köniz Alexander von Jugoslawien in Marseille angeklagt sind. Der erste Prozeß mußte bekanntlich vertagt werden, weil dem Verteidiger de St. Auban die Amtsbefugnis wbgesprochen worden war. Unser Bild zeigt die drei Angeklagren während der Verhandlung und davor die Verteidiger. Lebenslänglicher Kerker für den Gattenmörder RohllCek Prag. In der Verhandlung gegen Josef Rohliöek trat eine lange Reihe von Zeugen auf, deren Einvernahmen den Nachmittag des ersten Verhandlungstages und den gestrigen Vormittag ausfüllten Das Beweissystem, das die Anklage aufbaut, wurde Punkt um Punkt von den Zeugen bestätigt. Die erdrückenden Indizien reihten sich zu einer nahezu lückenlosen Kette. Zweifellos fest steht die Anwesenheit des Angeklagten zur kritischen Zeit'N der Wohnung, fest steht der heftige Streit, der nach lautem Hilferuf der Frau jäh ab» brach, fest steht, dass Rohliöek die Leiche seiner Frau in den Keller geschleppt und die Wohnung vom Blut gesäubert hat, ohne jemanden von dem Tod seiner Frau zu verständigen. Die Zeugen bestätigen auch, dass der Angeklagte ein schwerer Säufer und Gewalttäter und ein äusserst brutaler Mensch ist. Stellenweise gestaltete sich das Zeugenverhör recht dramatisch, besonders als der eigene Sohn schwere Anklagen gegen seinen Vater erhob, der ihn als 13jährigen grundlos aus dem Hanse gejagt hat.: Eine einzige, dem Angeklagten günstige Aussage stammte von einer gewissen Frau, mit der Rohliöek ein Verhältnis unterhielt Und die sich bemühte, ihn von der besten Seite zu schildern. Men schweren Belastungsmomenten gegenüber beharrte der Angeklagte hartnäckig, auf seiner sehr unwahrscheinlich klingenden Verteidigung, er wisse von der Mordtat nichts. Er habe lediglich im Verlaufe des Streites seiner Frau mit einem Stuhl .versehentlich" einen Schlag versetzt, der aber keinerlei schwere Folgen gehabt habe. Dann sei er fortgegangen und wisse nicht, was weiter geschehen sei. Es müsse sich um einen Selbstmord, oder um einen Mord durch einen der angeblichen Liebhaber der Toten handeln. Der Angeklagte bediente sich in seiner Verteidigung häufig zynischer Bemerkungen und widerlicher Anspielungen auf die angebliche Untreue der Toten. Für eine tatsächliche Untreue dieser abgerackerten, früh gealterten Frau, die mit ihrer Hände Arbeit die Familie erhielt, vermochte er allerdings nicht die Spur eines Beweises zu erbringen. Zwei Zeugen, die er ehebrecherischer Beziehungen zu der Toten bezichtigte, nahmen in sichtlich ehrlichem Zorn gegen ihn eine solche Haltung ein, dass die Aufseher zwischen sie treten mussten. ES ist nun festgestellt, dass nach jener Szene kein Fremder die Wohnung betreten hat und daß ebenso Selbstmord ausgeschlossen erscheint. Bei der Obduktion wurde nämlich konstatiert, dass oie ermordete Karoline Rohliiek zuerst durch einen tödlichen Stich in dieBrust, der die Schlagader durchtrennte, verwundet wurde und erst später mehrere Hammerhiebe gegen den Kopf erhielt, und zwar von hinten. Bei solcher Situation kann von Selbstmord keine Rede sein. Die Beschuldigung der Untreue gegen seine tote Frau hatte aber offenbar einen doppelten Zweck. Einerseits sollte dadurch der Mordverdacht gegen dritte Personen plausibel gemacht werden, dann aber hoffte Rohliöek wohl, dass ihm schlimmstenfalls die vorgeschützte„krankhafte Eifer» s u ch t" in Verbindung mit seinem schweren Alkohol lismus eventuell zur Zuerkennung der geistigen Unzurechnungsfähigkeit oder doch zu einer milderen Strafe verhelfen werde. Wir haben schon erwähnt, dass diese angebliche Eifersucht sich erst ausserordentlich spät eingestellt hätte, nämlich im 85. Lebensjahre der Frau und nach mehr als 25jähriger Ehe! Staatsanwalt Dr. Trjickh erklärte denn auch in seinem Plädoyer, in welchem er die fast Rickenlosen Belastungsmomente sununierte, die angeblich« Eifersucht Rohliöeks als durchsichttgeS Manöver und seine sonstige Verteidigung für bemitleidenswert ein« sättig. Die psychiatrischen Sachverständigen haben den Angeklagten zwar für geistig zmückgeblieben, aber doch für zurechnungsfähig erklärt. Der Schwurgerichtshof legte den Geschworenen eine einzige Hauptschuldfrage auf Mord vor, nebst der obligaten Zusatzfrage nach der Niedrigkeit und Unehrenhafttgkeit der Mo- ttve. Der Wahrspruch der Geschworenen lautete erwartungsgemäss mtt zwölf Stimme«: schuldig! Staatsanwalt Dr. TrjjickH beanttagte hierauf angesichts der zahlreichen belastenden Momente Kelch und Schwert Der im Jahre 1821 in DuSnü bei Pikbram geboren« deutsche Dichter Moritz Hartmann bekundete lebhaftes Interesse für das Schicksal des tschechischen Volkes, für seine Geschichte und für die Lebensweise der ländlichen Bevölkerung Böhmens. Dem Gedichtband, welchen er 1845 in Leipzig her- ausgab, gab er einen hussitischen Titel.Kelch und Schwett", was schon ein grosses Aufsehen in Deutschland erregte. Einen Abschnitt dieses Gedichtbuches benannte er„Aus Böhmen", bestehend aus acht „Böhmischen Elegien" sspäter wurden es zwölf) und einigen anderen Gedichten mit böhmischen Motiven. Jetzt nach 88 Jahren erschienen zehn dieser Elegien sowie einige andere Gedichte in tschechischer Uebersetzung und im Selbstverlag eines Enkels seines Bruders, des Prager Advokaten Dr. Karl Hartmann:„Kalich a mrL. Eestt elegie". DaS bibliophil ausgestattete Buch enthält gut gelungene llebersetzungen und wird den Lesern di« interessante Tatsache verdolmetschen, dass im Jahre 1848 deutsche Dichter aus Böhmen sich zur Idee eines böhmischen Patriotismus bekannten. Eine Vorrede zu den Gedichten schrieb Prof. Ernst Kraus. Diese„Böhmischen Elegien" könnten auch heut« noch Anlass zu politischen Erwägungen geben. Es ist interessant, wie der Dichter Böhmen und daS tschechische Voll in seinen Elegien besang.„Unglücklich bist du und du schweigst", apostrophiert er gttich am Anfang Böhmen, welches sich„selber einst genannt, zur Zeit der rächenden Huffiten, daS heilige, gelobte Land".„O, Böhmen, armes Mutterhetz, wie traurig schleichen deine Söhne", sagt er weiter und tief traurig klagt«r:„Verkannt ist aller, was dir blieb, verkannt ist deine Rache, verkannt dein Hass und deine Lieb', verkannt ist deine Sprache." Er bekennt sich zum Tschechischen als zu seiner Muttersprache(„O, meiner Mutter Wiegenlied, daS mich in Schlaf gesungen"), nennt daS tschechische Volk„dreimal unselig Boll" und„das stille Prag"„flawisches Jerusalem". Die letzte dieser Elegien, welche aus begreiflichen Gründen nicht übersetzt wurde, enthiett Hartmanns politisches Glaubensbekenntnis, mit welchem aber niemand im tschechischen Lager übereinstimmen konnte. Der begeistette Anhänger deS jungen, frei» heitlichrn Deutschland warnte die Tschechen vor dem Panslawismus und gab ihnen den Rat, sich an Deutschland anzuschliessen.„An Deutschlands Halse wein dich aus, an seinem schmerzverwaridten Herzen, geöffnet steht sein weites Haus für alle grossen heil'gen Schmerzen." Böhmen möge nur gegen Westen sein Gesicht kehren, denn„die Freiheitssonne kommt auS Westen", dagegen im Osten ist eS Nacht und kalt, dort sitzt der Zar, die blutige Gestalt, auf j einem Dhron von Bruderleichen. Böhmen möge„den allen Groll" vergeffen, denn„auch Deutschland fühlt, daS Mass ist voll und büße seine allen Sünden". Hartmann wollte deshalb ein„tteuer Herold" seines Vaterlandes„in deutschen Landen" sein. Diese- Angebot wurde sofort und auch nach drei Jahren, im Jahre 1848, abgelehnt, als Hartmann für die Beschickung deS Frankfurter Parlaments auch unter den Tschechen agitierte. Hartmann wurde für den Leitmeritzer Wahlkreis in das Frankfurter Parlament gewählt. Hartmanns Gedichtband wurde in Oesterreich beschlagnahmt. Der Wiener Zensor, der Verfaffer der österreichischen Kaiserhhmne, Johann Gabriel Seidl, erklärte das Buch für aufreizend, in hohem Grade anstössig und zensurwidrig. Hartmann war nach SvidlS Gutachten ein grosses, ungewöhnlich reiches heimisches Talent, welches bei der Fülle seines inneren Fonds es nicht nötig gehabt hatte, sich auf das politische Lied zu werfen, um Aufmerksamkett zu erregen. Der Verfaffer leiht„nicht nur seinen eigenen Freiheitsträumen Worte, verrät nicht nur sein inneres Huffitentum mtt unvorfichttger Offenheit, sprudelt nicht nur seinen Unwillen gegen daS Bestehen rückhaltlos heraus, sondern er sucht auch aufzustacheln, mitzureissen, zu entflammen". Trotzdem Seidl zum Schluss seiner Zensurberichtes I„nachsichtige Schonung" für Hartmann empfahl,' konnte sich der Dichter drei Jahre nicht in die Heünat wagen. Als er 1848 zurückkehrt«, wurde gegen ihn die Untersuchung eingeleitet, aber bald wieder eingestellt. Rach den RevolutionSereigniffen 1848 musste er wieder ins AuSlarü» flüchten, verbrachte viele Jahre in England. Irland, Frankreich und der Schweiz und kehrt« 1868 nach Wien zurück, wo er 1872 starb. Äusser.gleich und Schwert" gab er 1847 ,Heuere Gedichte" und 1848„Reimchronik des Pfaffen MaurittuS" heraus, in welcher er die Ereignisse deS Jahres 1848 ironisierte. Bon seinen Prosaarbetten verdient am meisten Beachtung seine längere Erzählung„Der Krieg um den Wald", welcher einen Bauernaufstand in Westbähmen schildert. Moritz Hartmanns Sohn war der bekannte Wiener Historiker Genosse Ludo Moritz Hartmann, welcher in der Vorkriegszeit mehrere Jahre österreichischer Gesandter in Berlin war. Rudolf Jllovh. Schinkenfleckerl r~^~i schmecken fein, wenn man mit dem Schinken nicht spart, der sie so pikant macht. Das braucht einer Hausfrau niemand zu sagen. Aber auch der Kaffee braucht genügend AECHT FRANCK, damit er so voll und wohlschmeckend wird, wie man ihn gern trinkt Aechtlrancks’ zu jedem Kaffee! die Verhängung der schwersten Strafe, der Verteidiger bat um mildes Urteil. Dann zog sich der Gerichtshof mit den Geschworenen zu der durch das Gesetz über die Todessttafe vorgeschriebenen gemeinsamen Beratung über das Strafausmass zurück. Das Urteil lautete auf leienSlönglichen schwere« Kerker. Nach der UrteilSverkündigung zeigte sich Rohliöek zum erstenmal während deS ganzen Berichtes erschüttert und brach in Tränen auS. Eine Verurteilung zu lebenslänglichem Kerker ist übrigens seit Jahren vor dem hiesigen Gericht nicht mehr erfolgt. Auch nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes über die Todesstrafe wurden bisher aus- nahmslos befristete Freiheitsstrafen verhängt. England widerlegt römische Propaganda-Lügen Genf. Die englische Regierung Hal dem Sekretariat des Völkerbundes eine umfangreiche Note übermittelt, in welcher sie auf die Beschuldigungen der italienischen Presse«nd ans die Beschwerden der italienischen Regierung antwortet. Diese Beschwerden«nd Beschuldigungen beziehen sich auf die angebliche Belieferung AbessinienS mit Dum-Dnm-Geschoffen durch englische Firmen. Die englische Note geht auf jede einzelne Beschuldigung der Waffe««nd Munition erzeugenden englffchen Firmen ein«nd widerlegt generell die Behauptung, wonach diese Firmen der abessinischen Armee Dum-Dum-Geschoffe liefern'. 3« dem reproduzierte« Telegramm, durch das nach italienischer Behauptung die abessinische Regierung jüngst in England eine bedeutende Mu- nitionSmrnge und die Hälfte davon als Dum- Dum-Geschoffe bestellt hat, sagt die Rote der englischen Regierung in betonter Form, dass es sich um einen absichtlich abgeänderten Text eines Telegrammes handelt und daß das Original des Telegramme- Explosivgeschosse überhaupt nicht erwähnt. Rom organisiert Studentenunruhen In Paris Seit einigen Wochen dauern bereits die Studentenunruhen an der Pariser Universität an, die sogar zu einer zeitweiligen Unterbrechung der Vorlesungen geführt haben. Die rechtsstehenden Studentenorganisationen organisierten einen Boykott gegen den berühmten französischen Rechtslehrer Gaston I ä z e, der im Völkerbundrat als Bettreter Abessiniens aufgetreten ist. Die faschistischen Studenten erblicken darin eine Verletzung der„lateinischen Solidarität" und sind überhaupt der Meinung, daß Professor Jäze gegen die Interessen Frankreichs gehandelt hat. Die Unruhen an der Universität uttd besonders an der Rechtsfakultät haben einen bedeutenden Umfang angenommen, die neue Regierung unternimmt alles, um die Ruhe wiederherzustellen und Professor JLze die Möglichkeit zu geben, seine Vorlesungen fortzusetzen» während die rechtsstehenden Studentenorganisationen mit den allergröbsten Mitteln, wie Stinkbomben und Krawallen, die Vorlesungen von Jäze verhindern wollen. Die gesamte Linkspresse ist davon überzeugt, daß die Studentenunruhen auf italienische Einflüsse zurückzuführen sind. Man bttngt auch das neueste Manifest von Mussolini an die europäische Studentenschaft, in dem der italienische Diktator die gesamte europäische Jugend gegen die Sanktionspolitik des Völkerbundes aufzuhetzen versucht, in Zusammenhang mit den Pattser Studentenunruhen. So schreibt der sozialistische „P o p u l a i r e": In seinem Kampfe gegen die Sanktionen nimmt Mussolini zu einer doppelsei- tigen Methode Zuflucht: er ruft einerseits zu einem Bürgerkrieg innerhalb der Sanktionsstaaten auf und dtoht, andererseits, mit einem europäischen Kriege. Mussolini hetzt die französischen Studenten gegen ihre Regierung auf.—- Das Organ von H er r i o t, „Ere Nouvelle" meint, es sei ganz offenbar, daß die Studentenunruhen in Paris vonRomaüs organisiert sind. Frankreich sei ein liberales Land, aber wir können nicht zulassen, daß die öffentliche Ruhe durch einen Aufruf eines fremden Regierungschefs gestört wrde. Die französische Regierung habe ganz ttchtig gehandelt, als sie ihren Botschafter in Rom beauftragt hat, dagegen zu protestieren. Seite 6 „Sozialdemokrat" Sonntag, 8. Fever 1936. Nr. 34 Trager AeÜMg' Die Nicht-Arie * Eine in Prag lebende jüdische Emigrantin erhielt dieser Tage den nachstehenden satirischen Zuspruch aus dem Dritten Reich: .„... zwitschere auch mal ein bißchen. Es muß ja nicht gerade eine Arie sein.. Arien find, scheint mir, den Ariern Vorbehalten. Singe eine Nicht-Arie, zum Beispiel«in hübsches deutsches Volkslied, vielleicht die Loreley von Heinrich Heine..." Diese amüsante Frechheit, einer Nicht-Arierin das Singen von Nicht-Arien zu empfehlen und so anzüglich daran zu erinnern, daß das»hübsche" deutsche Volkslied„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten..." von dem Juden Heinrich Hein« stammt, ist auf einer offenen Postkarte begangen und von der Deutschen Reichspost prompt befördert worden. „Di« Stellung der Intelligenz in der hentigen Gesellschaft".. Im Rahmen dieses Vortragszyklus sprechen Dienstag, den 11. Feber, um halb acht Uhr abends im Bortragssaal des Fürsorgeministeriums (Prag ll:, Palacköho nllm.) Dr. Emil Svoboda über das Thema„Der Jurist und die Gesellschaft" und Dr. Jan Hertl über„Das Verhältnis der Intelligenz zur ländlichen Umgebung." Rach dem Selbstmordversuch zur Polizei. Der 26jährige Chauffeur Bohumil Novotny aus Smichow erschien gestern um 8 Uhr vormittags aus der Palmovka in Licken beim diensthabenden Polizisten und teilte ihm mit, daß er sich socken im Hotel.Nitra" in der Königsstraße in Karolinental ein« Kugel in die Brust geschoffen habe. Gleichzeitig übergab er dem Wachmann seinen Revolver. Der.Polizist" brachte Novotny rasch auf die Wachstube und verständigte die Rettungsgesellschaft, deren Arzt tatsächlich einen ziemlich gefährlichen Durchschuß des linken Lungenflügels feststellte. Novotny wurde ins KraÄenhaus auf der Bulovka gebracht, weigerte sich aber, das Motiv der Tat anzugeben. Die gestrige schwarze Chronik verzeichnet außer diesem noch vier Selbstmorde, bzw. Selbstmordversuche. Nm 8 Uhr früh lieferte die Rettungsstation die 23jährige Gattin Anna des Maschinenschlossers Fort aus Karolinental auf die Klinik Prof. Schmidt ein.. Sie hatte kurz vorher in selbstmörderischer Absicht L8 Schlafpulver genommen. Das Motiv der Tat ist Krankheit.— Eine Stunde später wurde das 23- jährige Dienstmädchen Anna Sykora aus Wrschowitz eingeliefert, die kurz vorher im Heroldpark in Wrschowitz ohnmächtig gefunden worden war. Sie hatte«ine größere Menge Lysol getrunken. Motiv der Tat: Unglückliche Licke.— Ebenfalls auf die Klinik Schmidt wurde im Laufe des Vormittags der 27jährige Handlungsgehilfe Anton Veverka aus Scksko bei Beraun gckracht, der in einem Weinberger Hotel in selbstmörderischer Absicht eine Flasche Tusche ausgetrunken und 40 Aspirintabletten genommen hättt. Wie ävS HWMMM«rieten her«' vorgeht, hat er die Tat aus materieller Not begangen. ES ist die Pflicht einer irden Fra«, durch täglichen Gebrauch einer kleinen Menge natürlichen „Franz-J»srf"-Bitt«rwafierS, für regelmäßigen und ausgiebigen Stuhlgang zu sorgen! Aerztlich empf. S148 Iümst und Mssen- Anna KrömLrovä, die vorgestern im städtischen Büchereisaal ein eigenes Konzert gab, ist heute zweifellos eine der besten Pianistinnen Prags. Ihr Klavierspiel zeichnet sich nicht nur durch technische Reife und vielseitige Anschlagskultur auS, sondern auch durch geistige Beherrschtheit und Vortragsintelligenz. Und ob die Künstlerin alle oder neue Meister spielt, sie läßt ihnen die gleicht liebevolle Sorgfalt im Detail und in der Gesamtinterpretation zuteil werden. Diesmal spielte Anna Krömükovä Stücke von Chopin, zwei Impromptus von dem alttschechischen Meister B o r i s e k. «ine Sonate Von W. A. M o z a r t, das„Präludium, Choral und Fuge" von Cösar Franck und eine Reihe von unter dem Gesamttitel„Präludium" vereinigten kleineren Charakterstücken des jungen sowjetruffischen Tonsehers Dimitri Schostako- w. i t s ch, Kompositionen, die ihn als Meister der Form zeigen, ohne sich übermäßig modern zu gebärden. Besuch und Beifall dieses Konzertes zeigten die Beliebtheit der rasch zu Ansehen gelangten heimischen tschechischen Künstlerin. E. I. Di« Pfeffermühle Erika MannS bringt heute ihr neues, erfolgreiches Programm um 15 Uhr zu ermäßigten Preisen. Beginn der täglichen Abendvorstellung 20.15. Unitaria I., Annenskö 5. Arbritervorftellung„Was ihr wollt", Lustspiel, neueinstudiert und mit großem Beifall ausgenommen, am Sonntag, den 16. Jänner, um halb 3 Uhr. Karten. täglich(8 bis 2,.4 bis 6) bei Optiker Deutsch, Koruna.. Wochenspielplan d«S Reuen Deutschen Theaters. Heute, Sonntag, nachmittags halb 3 Uhr: Die er st«Legion, halb 8: Der Bettelst u d e nt, Abonnement aufgehoben.— Montag 8 Uhr: III. P hilharmonisches Konzert, Abonnement aufgehoben.— Dienstag halb 8: Unentschuldigt« S t u n d e, A 1.— Mittwoch halb 8: Ein Verbrechen, deutsche Erstaufführung, B 2.— Donnerstag halb 8 Uhr: D« r h« ilige Antonius. Erstaufführung, CI.— Freitag 7: Lohengrin, Wagnerzyklus IV, DI.— SamStag halb 8 Katarina Ismailowa, D 2.— Sonntag halb 3: Was Ihr wollt, Arbeitervorstellung, halb 8: Der h^iligeAntoniuS, AI. Wochenspielplan der Kleine« Bühne. Heute, Sonntag, nachmittags'3 Uhr( DerKönig mitdemRegeufchirm, abends 8 Uhr: Was Ihr wollt.— Montag 8 Uhr: War Ihr wollt, Bankbeamte I.— Dienstag halb 8: Christian, deutsche Erstaufführung.— Mittwoch 8: Christian, Bankbeamte II und freier Verkauf.— Donnerstag 8: Im Londoner Nebel, volkstümliche Vorstellung.— Freitag 8: Unentschuldigte Stunde, Theatergemeinde des KulturverbandeS und freier Verkauf.— Samstag 8 Uhr: WasJhrwollt.— Sonntag 3:UnentschuldigteStunde, 8 Uhr: Christian. ixinxxinximxxuHHixxxnxxH Republikanische Wehr» Prag Feberkundgebung Donnerstag, den 13. Acker 1936. — Beginn 8 Uhr abends.— Handwerken»erein (Großer Saal), Prag IL, Smecky 22. Mitteilungen aus dem Publikum. Eine Begebenheit im Kaufmannsladen. Es war Samstag nachmittags und der Laden voll Leute; die Hausfrauen machten ihre Sonntagseinkäufe. Die noch nicht an die Reihe kamen, unterhielten sich inzwischen; es wurde geklatscht, man hörte einige gute Witze und so ging eS im Laden lustig zu. Plötzlich verstummte die Unterhaltung. ES sinn eine ältere, aufgeputzte Dame mit rotgelackten Fingernägeln und einem Schoßhündchen auf-dem Arme hereingestürzt, drängte sich zum Pulte vor und begann:„Was kostet 1 Kg. Butter... geben Sie mir 5 Dkg." Dann fragte sie wieder:„Wie teuer ist ein Schock Eier?"... und kaufte 1 Ei; und so kaufte sie noch einige Kleinigkeiten, die sie immer zum Kaufmannspreise haben wollte. Zum Schluß verlangte sie auch ein Paket Zichorie. Die Verkäuferin zeigte ihr einige Sorten und auch ein Paket einer wenig bekannten Marke, das schon durch langes Liegen unansehnlich geworden war. Die Dame hatte anscheinend noch me Zichorie gekauft, denn sie fragte zur größten Ueberraschung der anwesenden Hausfrauen, welche Zichorie gut sei. Die Verkäuferin wußte gleich, wieviel es geschlagen hatte und sagte: „Gnädige Frau, wenn ich Ihnen raten darf, nehmen Sie diese(dabei deutete sie auf das alte, schmutzige Paket), diese Zichorie ist gut abgelegen." Das war so etwas für unsere erfahrenen und praktischen Hausfrauen! Als die Dame fort war, gab es im Laden ein schallendes Gelächter und es fielen allerhand Bemerkungen:„Der ist sicher das Dienstmädchen daböngeläufen,' daß sie selber einkKfen muß"j meinte die eine. Und eine andere sagtd wieder:„ES ist eigentlich sehr traurig, daß es heute noch Frauen gibt, die nicht einmal Zichorie zu kaufen verstehen". Da sagte eine junge Frau:„Mir kann so etwas nie zustoßen, ich sage immer:„Geben Sie mir eine Schachtel Aecht Franck"... und habe die Gewißheit, daß ich nur erstklaffige Ware bekomme." Der Titm Der Denunziant Nach der Erzählung> des irischen Dichters O'Flaherty, der ncken James Joyce als der beste Schilderer des von Elend, Katholizismus und antienglischer Verschwörerromantik beherrschten Lckpns auf der„grünen Insel" Irland gilt, ist ein amerikanischer Film entstanden, der sich beträchtlich über den Durchschnitt des Gewöhnten erhckt. Mit einer Intensität, die beinahe schon wieder formzerstörend wirkt, wird die Tragödie eines Verschwörers gezeigt, der aus seiner Organisation wegen Nichtbefolgring eines*Mordbefehls ausgeftotzen Wurde, immer tiefer ins Elend gerät und seinen Freund an di« Polizei verrät, um die Belobung von 20 Pfund. zu erwerben, die ihm und seinem Mädchen di« lieberfahrt nach Amerika ermöglichen könnte. Aber um> sein Gewiffen und die Furcht vor der unausweichlichen Rache der Verschwörer zu betäuben, vertrinkt er den Judaslohn und endet gehetzt, verachtet, von der Geliebten wider Willen verraten, aber mit dem versöhnenden Bewußtsein, daß ihm die Mutter seines Opfers verziehen hat, durch die Kugeln der Rächer. Der Regisseur John Ford,hat in dem naturalistischen Stil gearbeitet, den wir von King Vidor kennen: er hat die ncklige, von Mord und Verrat erfüllte Atmosphäre der irischen Hauptstadt Dublin (im Jahre 1822) beklemmend veranschaulicht, und er hat das Ende des verkommenen, verzweifelten, aber animalisch am Leben hängenden Verräters mst der Strenge und Einfachheit antiker Schicksalstragödien abrollen lasten. Der Darsteller dieses Schicksals ist Victor Mac L e g l e n, den man bisher nur auS Sensationsfilmen minderen Wertes kannte. Und wenn ihm auch die Lust zu Uebertreibungen und Kraftprotzereien in dieser Rolle noch anhaftet, so versucht er doch ehrlich und imponierend, menschlich glaubhaft, triebhaft und mit einfachen Mitteln ergreifend zu wirken.—eis— Clus, da Partei Generalversammlung der BezirkSorgauisatio» Prag. Die Jahresversammlung der Bezirksorgam- sation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Partei findet Freitag, den 28. Feber 1836, um 8 Uhr abends statt. Die befreundeten Organisationen werden gelten, diesen Tag für di« Generalversammlung der Bezirksorganisation freizuhalten. Sekti»n der sozialdemokratischen Bankbeamten. Donnerstag, den 13. Feber, um l:lb 18 Uhr, im Parteiheim Prag H., Närodnt tr. Nr. 4, wichtige Sitzung, zu der das Erscheinen aller Mitglieder erbeten wird. VerelnsnacAricAten Deutsche BolkSstnggemeinde Prag. Am Dienstag Probe der Frauen um 7 Uhr und der Männer um 8 Uhr abends. Es wird um pünktliches und vollzähliges Erscheinen gcketen. 8pvri-8piet-Xörp«rpskege Olympische Winterspiele. Die Eishockey-Spiel: am Freitag wiesen ncken verspäteten Anfang auch überraschend wenige Zuschauer auf. Mannschaften wie Kanada und Amerika hatten im Eisstadion nur sehr wenige hundert Zuschauer. DaS Spiel Tschechoslowakei—Belgien am Ristersee ging gar fast unter Ausschluß der Oeffentlichkeit vor sich. Am Donnerstag gaben di« Nazi als Verspätungsgrund das hef- tigL Schneetreiben an; am Freitag war aber kein schlechtes Wetter, jedoch dieselbe Schlamperei.— Die Internationale Eishockey-Liga hielt eine Sitzung ab, die, um ihr wohl den repräsentativen Charakter zu nehmen— als Hauptpunkt einen Protest Kanadas gegen England»bearbeitete". Die Kanadier beschwerten sich darüber, daß England gesperrte Kanadier beschäftigte. Wieviel der Protest etwas nützte, beweist der Umstand, daß zwei gesperrte Kanadier ruhig im englischen Olympiateam weiterspielen!— Am Samstag kam der Slalomlauf dec Frauen zur Austragung. Es gab viele Stürze und von den tschechoslowakischen Fahrerinnen konnte sich nur noch Beinhauer etwas behaupten. Siegerin wurde die Deutsche Cranz, welche, obwohl sie im Abfahrtslauf Sechste wurde, durch ihre sichere unschnelle Fahrt im Slalom das verlorene Terrain aufholen konnte und die alpine Kombination der Frauen für da- Dritte Reich gewann. Unnötig zu bcwnen, welches»Geschrei" das bei den Nazis auslöste. Die Siegerin im Abfahrtslauf, Schou-Nielsen, stürzte im ersten Gang und däS brachte ihr in der Gesamtklassifizieruug nur den dritten Platz ein.—> Die Eishockey-Spiel« brachten der tschechoslowakischen Mannschaft wiederum einen Sieg über die recht hart kämpfenden Ungarn ein, welche 3:0 geschlagen wurden. Polen schlug Lettland 8:2 und England siegte über Japan 3:0. Interessant war die Begegnung Kanada—Oesterreich, wobei dir „Lehrmeister" nur 5:2 gewannen. Ueberraschungen fehlten ebenfalls nicht: Die eine war, daß Frankreich gegen Belgien erst nach Verlängerung mit 4:2 ge- Luise Ullrich und Paul Hörbiger in dem Lustspiel„Einmaleins der Liebe" | 5. Roter Klubabend der S1 Präs \ am Sonntag, den 9. Feber,18 Uhr| > im Paläc Kotva, RevoluCni trida j — Programm— Eigene Kapelle, I Klubbetrieb— Ueberraschungen b Gäste willkommen! wann und das Match Amerika gegen Italien benötigre ebenfalls eine Verlängerung und.brachte den USA- Leute eine 2:1-Niederlage! DaS letzte Spiel des Tages war das Spiel Schweiz—Deutschland, welches die Eidgenoffen mit 0:2 verloren. Mtteiütngea.