Dienstag, 11. Feber 1936 16. Jahrgang Elwzelprefs 70 Heller (•1niehll«6lich 5 Heller Porto) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH.«»AKTION UNO VERWALTUNG MAO XII..POCHOVA 42. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRI» TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: OR. EMIL STRAUSS, PRAG. DE?DE U S ENSOZIALD EMOKRAUSCHEN ARBEITERPARTEI IN PER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK Dr. Hodza in Paris ättss herzlich empfangen Paris. Ter Pariser Besuch des Borfi henden der tschechoslowakischen Regierung Dr. Hodja ist zum Mittelpuntt der Aufmerksamkeit sowohl der politischen Kreise, alS auch der Presse geworden. Alle politischen Abendblätter widmen diesem Besuche ihre Leitartikel, die durchwegs in freundschaftlichstem Tone sowohl in bezug auf die Tschechoslowakei, als auch deren Politik und auch in hczug auf die Persönlichkeit Dr. HodZas gehalten find. Paris. Der,Vorsitzende der Regierung und Außenminister Dr. Milan HodZa traf mit seiner Gemahlin Sonntag nachmittags in Paris ein. Auf dem Bahnhof, begrüßte sie der Chef des Kabinetts des Außenministers Rochat, der jugoslawische Gesandte P u r i c, ein Vertreter der rumänischen Gesandtschaft, Gesandter Dr. O s u» s k h mit den Mitgliedern der Gesandtschaft und des Generalkonsulats, der gewesene Chef des tschechoslowakischen Generalstabes General M i t- telhauser, Vertreter des Komitees füx europäische Zusammenarbeit und Vertreter der Tschechoslowakischen Kolonie in Paris sowie zahlreiche Pressevertreter. Der Vorsitzende der Regierung nahm im Hotel Crillon auf. dem Place de la Concorde Wohnung. Nach seiner Ankunft stattete Dr. Hodja dem rumänischen Außenminister Titulescu eiben Besuch ab, mit dem er längere Zeit konferierte. Abends besuchte er den türkischen Außenminister und nunmehrigen Vorsitzenden der Balkan-Entent«, mit dem er ebenfalls in längerem Gespräch verweilt«. Montag nachmittags begab sich Dr. Hodza zum Quai d'Orsay, wo er mit dein Generalsekre«. tär des Außenministeriums Botschafter AlexiS Leger eine- Unterredung hatte. Beim Dejeuner beim Gesandten Dr. Osuskh traf Dr. HodZa mit dem Ministerpräsidenten S a r r a u t, Außenminister F l ä n d i n und den übrigen Regierungsmitgliedern zusammen. Nachmittags konferierte er mit Außenminister F l a n d i n. Gegen Wend stattete der Vorsitzende der Regierung Dr. Hodza dem Präsidenten der Republik Albert Lebrun«inen Besuch ab, der ihm mit der höchsten Klasse deS Ordens der Ehren» legiost, dem Großkreuz, auszeichnete. Beim Berlaffen deS Palais Elaste antwortete Dr. Hodja den ihn beim Ausgang sehr zahlreich erwartenden Journalisten znsammenfassend auf ihre Fragen. Er konstatierte die absolute Identität der Ansichten zwischen den tsche- chosiowakischen und französischen Stellen im Hinblick auf sämtliche aktuellen europäischen Fragen und namentlich auch der mitteleuropäischen Politik. Die Masaryk-Feier in der Sorbonne und breiten Demokratie zu führen. Wir find stolz, sagen zu können, daß die tschechoslowakische Demokratie trotz der Katastrophen, die über Mitteleuropa hereinbrachen, unberührt blieb. Wir haben die klasfische Ide« der Demokratie der Psychologie unseres Volkes angepatzt. Hier find die Wurzel« der nicht zu erschütternden tschechoslowakischen Stabilität. DaS Volk unseres Landes unterwirft fich freiwillig der Autorität, die es fich selbst geschaffen hat. Di« geistig« Krise, die in allen Ländern wütet, hat unsere Demokratie nicht erfaßt. Dir Idee hat fich in der Ichrchoslowakischen Demokratie ihre Stelle bewahrt. Einerseits deshalb, weil eine große Demokratie am häufigsten in den eigene» Tiefe«, ohne UnverfitätSrrziehung zu brauchen, diszipli- K ö l n. Die politische Polizei verhaftete den Führer der Organisation der deutschen katholischen Jugend und etwa SO seiner Mitarbeiter, Es Wird ihnen zur Last gelegt, tüte gegen, das nationalsozialistische Regime gerichtet« Tätigkeit entfaltet zu haben. Wie aus guter Quelle verlautet, find' die Verhandlungen zwischen dem Katholischen Episkopat und dem nationalsozialistischen Kirchenminister Kerl unterbrochen worden, und zwar zunächst für eine unbestimmte Zeit, während welcher der Minister Kerl einen Urlaub antritt. Es ist vor allem die Frage der Jugend- erziehung, wo sich die katholischen Bischöfe den Forderungen des Nationalsozialismus nicht Snpassen können. Auf nationalsozialistischer Seite ist man andererseits schwer verstimmt über den Wortlaut d«S Hirtenbriefes, den die letzte Fuldaer Bischofskonferenz erlassen hat und der sich scharf gegen das Neuheidentum und gegen die zu große antireligiöse Beeinflussung der Jugendlichen ausspricht. Außerdem sollen aus Rom vomVatikan neue Instruktionen eingetroffen sein, wonach überhaupt eine prinzipielle Klärung der Haltung deS Nationalsozialismus zu religiösen Fragen abgewartet werden soll. Vor allem wünscht man auf katholischer Seite eine authentische Feststellung der Bedeutung des Artikels 24 des Parteiprogramms, worin es heißt, daß die «irrte Denker und geistige Führer findet«nd auch deshalb, weil«nser« Intel l e k t« l- le« ihrer demokratischen M iss io« tre« bleibe« und weder in verstandesmäßiger Hinficht, noch in gefühlsmäßiger, noch auch in politischer Hin ficht den Kontakt mit den Massen ver- linen. Die Tschechoslowakei verficht mit der Brgristr- rvng einer jungen Demokratie»nd mit stttlichrr Stärke, gestützt auf alte Tradition, die Z« s a m» mcnarbeil der Nationen in Mit- trleuropa. Wir waren»nd wollen auch in Zukunft Vermittler der fittlichen Werte zwischen West»nd Oft sei». Daher wolle» wir mehr denn je mit allen unseren mitteleuropäischen Nachbarn zu» fammeuarteiten. Es ist g»t, daß in dem Augenblick, da von der Sorbonne Frankreich Masaryk, dem großen Europäer»nd der lebendigen Verkörperung des demokratischen Mitteleuropa, seinen Gruß sendet, wir «nS hier feierlich als Europäer»nd B ü r g e r Mitteleuropas bekennens Keine Manifestation konnte»ns»nd brr ganze« Welt besser daS tiefe»nd wirklich freundschaftliche Einvernehmen«nserer Regierungen, unserer Rationen, unserer Ideen«nd Herzen zeigen alS die heutige Manifestation an der altehrwürdigen Sorbonne. Partei auf dem Boden eines positiven Christentums stehe. Ovationen für Kardinal Faulhaber München. Am Sonntag hielt Kardinal Faulhaber vor 8000 Andächtigen in der Michalskirche eine Predigt. Als er die Kirche verließ, umringten Tausendes ein« n W agen und brachten dem Kardinal laute Ovationen dar, während gleichzeitig ein Dutzend Nationalsczialisten eine kleine Gegendemonstration veranstaltete und«Heil Hitler I" riefen. Auch der päpstliche Nuntius, der dem Gottesdienste beigewohnt hatte, wurde laut begrüßt. In seiner Predigt verteidigte Kardinal Faulhaber den Papst und die katholische Kirche und sagte, erkönnenichtschweigen gegen die unwahren Anschuldigungen, die in der nationalsozialistischen Presse gegen den Heiligen Stuhl vorgebracht werden. Eine dieser L ü g e n behauptet, daß Moskau und der Heilig« Vater im Begriffe seien, ein Konkordat abzuschließen und zusammen daran arbeiteten, die Habsburger- Monarchie wieder herzustellen. Das sei der Gipfel journalistischer Erfindung. Ein anderes Blatt habe geschrieben, daß der Papst ein holländischer Jude sei. Auch das ist eine Lüge, erklärte Kardinal Faulhaber. Heiie Offensive gegen den Katholizismus Bekenntnis Dr. Hodias zur demokratischen Zusammenarbeit Paris. Montag abends fand im großen Amphitheater der Sorbonne die Feier zu Ehren des Präsidenten. Masaryk in Anwesenheit des Präsidenten der Republik Lebrun, unter dem Vorsitze des Ministerpräsidenten Albert S a r- raut statt. Dem französischen Ausschuß für die europäische Zusammenarbeit, der die Feier veranstaltet, hwben sich die Pariser Universität, die Hochschulen, der"Pariser Stadtrat, das Institut Francais und sehr viele große französische Jnsti- tuticnen, gesamtstaatliche Organisationen, Vereinigungen und Vereine angeschlossen. Die Feier eröffnete der Vorsitzende der veranstaltenden Vereinigung des Ausschusses für europäische Zusammenarbeit, Univ.-Prof. Deputierter Emil Borel..Nach ihm sprach namens der.französischen Hochschulen der Universitätspro- fessor und Direkwr, der Ecole Normale Sup0- rieure Celestin B o u g l i, ferner für das Institut Francais Henri Ttuchi, der Präsident der Akademie für geistige und politische Wissenschaften. Namens der französischen Regierung sprach Minister für auswärtige Angelegenheiten F l a n- d i n. worauf Dr. HodZa in bewegten Worten für die Ehrung des Präsidenten-Befreiers,T. G. Masaryk dankte. Er führte u. a. aus: .Thomas Garritzue Masaryk, während zwanzig Fahr« vergö.ilerter Befehlshaber der Armee,»er- stand eS, seine»! Staat auf. dem Wege einer festen Berlin befurchtet Isolierung Berlin. Die Sonntag-Morgenblätter kamen wiederum ausführlich auf die politischen Unterredungen zu sprechen, die in der letzten Woche von Staatsmännern und Diplomaten, in Paris abgehalten worden sind. In den Artikeln macht sich eine gewisse Nervosität geltend und wenn es auch nicht ausgesprochen wird, so scheint doch die Besorgnis vor einer Isolierung Deutschlands das Leitmotiv für die Ausführungen zu sein. So bringt z. B. der„Völkische Beobachter" einen Artikel seines Pariser Mitarbeiters, in dem es u. a. heißt:„Das abgenützte Schlagwort von der deutschen Gefahr scheint gegenwärtig wiedtr einmal Anfang und Ende der französischen Außenpolitik zu bilden: Am Quai d'Orsay geht fest dem Einzug des neuen Herrn wieder der Gei st Bart Hous und seiner Barrieren- Politik gegen Deutschland frei um, dem zu Lavals Zeiten nur beschränktes Gastrecht eiNge- räumt war. Die vom Führer konsequent verfolgte Friedenspolitik wird begatellisiert und als vorübergehende Opportunitätspolitik hingestellt.. Dem Reich werden tückische AngriffSabsichte« auf Ver- I träge oder auf die Gebiete des einen oder des anderen Staates unterschoben. Ab r i eg e- ! l u n g Deut sch l a n d s auf allen Wegen ist daS wiederaufgenommenL Programm der französischen Außenpolitik. Diesem Ziele diente dir erste Serie der soeben zu Ende gegangenen diplomatischen Besprechungen und eine zweite Serie dieser Verhandlungen soll in der kommenden Woche beginnen. Neue Grenzverletzung durch Reichswehrpatrouille Prag. Amtlich wird gemeldet: Am 8. Feber, nach 3 Uhr nachmittags hielt eine Patrouille der Gendarmerie-Bereitschaftsabteilung aus Braunau ans dem Jiräsek-Weg zwischen der Masaryk- Baude und der Hohen Mense(im Bezirk Neustadt an der Meltau) etwa 80 Schritte von der Staatsgrenze vier Angehörige der Reichswehr, von denen einer(ein Offizier) in Skiansrüstung war, drr übrigen in Uniform ohne Waffe«, alle auf Skiern, an. Zwei anderen Mitgliedern der Reichswehr gelang eS, im letzten Angenblick. von unserem Gebiet über die Grenze zu springen. Di« Angehaltenen behauptete» bei ihrer Einvernahme, daß sie aus Unkenntnis deS TerrainS infolge eines F r r t u m S die Grenze überschritten hätten. Sie seien Mitglieder einer Militär- Skigruppe. Sie wurden noch nicht entlassen. Der Vorfall wird von den Zivil- und den Militärbehörden eingehend untersucht. „Vir werden sie niederschmetteni.. Leipzig, im Feber. Immerwährend zerschmettert daS Hitlerregime seine Gegner. Immerwährend— das heißt: nie werden sie damit fertig. Massenverhaftungen, Massenprozesse, Massenvertreibungen schaffen es nicht. Immer wieder stehen die Gegner auf. Man kann es direü an den Reden der Machthaber nachzählen, wie ost sie nun schon ihre Gegner vernichtet haben. In einemfort siegen sie — aber das behaupteten ja die deutschen Heeresbericht« während des Weltkrieges auch. Schon im ersten Jahre der»inneren Wandlung" rühmte der sächsische Innenminister Dok-, tor Fritsch den nationalsozialisttschen Totalsieg über die Gegner.»Wir", so pries, er die sächsische Leistung,»sind sogar dem Reiche weit voran. So haben wir alleinüber das Doppelte an Schutzhäftlingen a l s d a s v i e l g r ö h e r e P r e u ß e n. Wir lassen keine Zweifel, daß wir jeden Versuch des Umsturzes rücksichtslos und brutal Niederdrücken werden. Jeden, ganz gleich, in welchem Lager er sich befindet, werden wir einsperren, wenn er Unzufriedenheit verbreitet."- Eingesperrt haben sie wahrhaftig genug. Aber sonderbar: die U n z u f r t ede neu habest sie hinter ZeUengitter und Stacheldrahtzäume verbannt, aber die Unzufriedenheit ist nach wie vor draußen und nimmt sogar täglich zu! Inzwischen kam der 80. Juni 1934. Auch dieses Gemetzel war ja schließlich eine Zerschmetterung von Widersachern, wenn es auch Rivalen in den eigene« Reihen waren. Die Gegner blieben. Schon kurze Zeit nach jenem Blutbad, am 9. November 1934, dem elften Jahrestage des Münchener HitlerputscheS, sagte Hitler selbst in eikkkr Ansprache vor den Münchner Parteirekruten:»Ihr werdet Kämpfer sein und müssen, denst noch sind viel«, viele Gegner unserer Bewegung in Deutschland vorhanden." »Noch sind viele, viele Gegner"— inzwischen kann man eher sagen: Noch? Nein— schon wieder! Darüber klagte auch G o e b b e l S in einer Rede, die er am 30. Juni 1935, am ersten Jahrestage der Ermordung Röhms und seiner Ba- saNen, auf dem Tempelhofer Felde hielt. Ziemlich kleinlaut mußte er, wenn auch nur»zwischen den Zeilen" eingestehen, daß der nationalsozialistische Sieg trotz qUem Terror nur ein teilweiser Sieg gewesen sei.- Sehr ausführlich beschäftigte er sich mit den verschiedenen Gegstern des Regimes, mit den Marxisten, mit der Kirche, mit»gewissen Verbänden" und vor allem natürlich nist den Juden. Es war das jene berüchtigte »Flohrede", in der Goebbels sagte:'»Glaubt denn eister, wir hätten Knöpfe statt Augen, um nicht zu sehen, wie sich gewisse Gegenströmungen in der Reichshauptstadt heute wieder ungescheut breitzumachen versuche« und wie bürgerliche Jst- tellektuelle sich wiederum anschicken, ihnen Hilfsbrüderschaft zu leisten, mit der dummen ustd albernen Phrase, daß der Jude auch ein Mensch sei. Ja, er ist es schon, aber was für einer. Mensch sein, daS. ist an sich noch gär nichts, ein Floh ist auch ein Tier, aber darum noch lange kein angenehmes Tier," Setzte sich Goebbels derart mehr»feuilleto» nistisch" mit den Gegnern des Regimes auseinander, so tat es Hitler halb darauf, am 11. August 1935 in seiner Festrede zum fünfzehnjährigen Bestehen der NSDAP-Gruppe Rosenheim in Bayern auf seine.staatsmännische" Art massiver. Es erinnertem die berühmte»Zerschmetterungsrede" Kaiser*Wilhelms II., wenn Hitler in Rosenheim schrie:»Im Kampf haben wir einst das deutsche Reich erobert und im Kampf werden wir es erhalten und bewahren. Die gegen uns stehen, sollen sich in uns nicht täuschen. Den Kampf haben wir noch nie gescheut; früher nicht und heute nicht. Wenn sie ihn wollen, dann können sie ihn hocken. Wir werd em s i e n i e« derschmettern, daß ihnen für die nächsten 15 Jahre die Gedanken an eine Fortsetzung dieses Kampfes vergehen werden." Sin Jahr zuvor waren es»noch viele, viele Gegner"— ein Jahr später mstß er ihnen immer noch die Zerschmetterustg androhen. Und wo er sie überall suchen muß! Sogar in den erzgebirgischen H u tz e n st uck« n, bei den Seife 2 Dienstag, 11. Feber 193t Nr. S5 Spielzeugschnitzern, Spitzenklöpplerinnen und Posamentenstickerinnen vom Fichtelberg bis ins Vogtland muZ Hitlers Gestapo nach ihnen fahnden. Die„Ufnbank" und der„Bugelbeerbaam" stnd revolutionäre Gefahren geworden. lind dann stutzte die Welt, als die konservative„Morningpost" berichtete, daß in der ersten Dezembcrwoche 1938 im Kriegsministerium in Berlin eine geheime Konferenz stattgefunden habe, an der höhere Offiziere der Armee, der Polizei und der SS teilgenommen hätten und in der über die Frage verhandelt wurde, wie gegen eventuelle Ausbrüche der Unzufrie- denheitinderBevölkerung vorgegangen werden solle. Der Heeresoffizier, der die Konferenz eröffnete, erklärte zwar, die Antvesen- den möchten nicht glauben, das; Deutschland am Vorabend einer Revolution stehe. Aber man unterhielt sich doch sehr ernsthaft über das Thema und das tat man sicher nicht nur als Zeitvertreib. Es hieß da, die Aruree wünsche ausdrücklich, n i ch t, in eventuelle Zusammenstöße hineingezogen zu werden, und man beschloß, daß es Aufgabe der Polizei und der SS sein werde, Unruhen zu unterdrücken, falls solche entstehen sollten. Jetzt wird das Ergebnis dieser Konferenz und wahrscheinlich noch weiterer Beratungen sichtbar. Am 30. Jänner 1936, dem dritten Jahrestage der nationalsozialistischen Machtergreifung veröffentlicht das Reichsgesetzblatt eine Verordnung der Reichsregierung über den Waffengebrauch der Wehrmacht bei inneren Unruhen. Der Wehrmacht—, nicht der SS; man hat eS sich seit Dezember also doch anders überlegt. Die Soldaten haben in den in der Verordnung angeführten Fällen zunächst von der blanken Waffe, und falls dies erfolglos bleibt, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Aus Anlaß der Eröffnung der Sitzungen des Exekutivausschusses der Russischen Föderativen Sowjet-Republik(RSFSR), dir bei weitem die größte der Republiken der Sowjetunion ist, äußert sich die Moskauer„Prawda"(vom 1. Feber) über die Verdienste des russtchen Volkes, das nicht nur seiner zahlenmäßigen Größe nach in der Sowjetunion„als erstes unter Gleichen" erscheint. Die Behauptung, das russische Volk sei vor der Revolution eine Ration von Faulpelzen gewesen, sei eine geschichtliche Lüge nnd rin schädliches Geschwätz. Das russische Boll habe ein«großeKnltur geschaffen, und gerade diese russische Kultur hat eine ungeheure Rolle in der Entwicklung der zahlreichen Völker der Sowjetunion gespielt. Biele tausende Seiten seien von de» käuflichen faschistischen Professoren geschrieben worden» um zu beweisen, daß die Russen überhaupt keine Menschen seien. In allen Tonarten wird dir Weisheit Hitlers nachgeplappert, nicht die staatsbil- dendrn Fähigkeiten des Slaventums hätten dm russischen Staat stark und mächtig gemacht; Rußland verdanke dies alles angeblich den deutschen Elementm. Aber diese deutschm Elemente haben bloß die arbeitenden Massm nicht nur des groß- russischen Balkes, sondern auch aller anderen Ra- tivnalitätm Rußland- bedrückt und ausgrbeutet. An dieser Verordnung ist vor allem die Tatsache interessant, daß man an der Schwelle des vierten Hitlerjahres überhaupt in dieser Weise von inneren Unruhen als von einer gegebenen Möglichkeit spricht. Wo man in so auffallender Heise inneren Unruhen vorbeugt, muß man sie doch befürchten! Nach restloser Zerschmetterung der Gegner, so oft sie auch angekündigt worden ist, sieht das eigentlich nicht aus. Und dabei läßt es das Regime an Terror und Schreckensjustiz doch wahrhaftig nicht fehlen. Allein im Wuppertal- Prozeß, der gegenwärtig in Wochenserien mehr„erledigt" als verhastdelt wird, zählt die Liste der angeklagten „Staatsfeinde" über fünfhundert Namen auf. Siebzig, achtzig Angeklagte werden auf einmal in den Verhandlungssaal getrieben. Die Verhandlung gegen eine solche Serie zieht sich immer eine Woche hin, aber die Zeit reicht kaum aus, die tändedicken Anklageschriften zu verlesen und die Personalien der Angeklagten festzustellen. Am prüfenden Bande werden die Urteile verkündet— Jahrzehnte, halbe Jahrhunderte an Zuchthausund Gefängnisstrafen in einerWoche I Summarisch berichten die Zeitungen über die Urteilsverkündungen; die Namen der Verurteilten dürfen überhaupt nicht genannt werden. ES ist eine fast lautlose Ausrottung ganzer Hekatomben von Gegnern des Regimes. Und trotzdem— immer wieder stehen die Gegner auf. Es scheint ein Kampf mit einer Hydra von„Staatsfeinden" zu sein. Für jeden abgeschlagenen Kopf— und das ist nicht nur ein Bild; es werden wirklich Köpfe abgeschlagen!— wachsen zehn neue Köpfe nach. Und niemals wird das braune Regime fertig, damit, seine Gegner zu zerschmettern. Esi st seinFluch, immer neue GegneraufdenPlan zu rufen, bis es eines Tages selbst zerschmettert am Boden liegen wird. Das Zentralorgan der Rote« Armee, „krasnaja Zvkzda"(vom 3. Feber), bringt folgende- Zitat ans einem Werke von Lenin, da- vor mehr als zwanzig Jahren erschienen ist:„Ist uns, großrussischen klassenbewußten Proletarier», das Gefühl des nationalen Stolzes fremd? Gewiß nicht." In der weiteren Entwicklung, meint dazu„Krasnaja Zvizda", hat da- russische Volk de» anderen zurückgebliebenen Böllern der Sowjetunion geholfen, um gemeinsam mit ihnen das Land in eine mächtige sozialistische Festung zu verwandeln.„Ein solches Boll ist wahrhaftig ein großes Volk!" Tuchatschewskl in Paris Paris. Sonntag abends ist der sowjeirussi- sche Marschall Tuchatschewskj aus London, wo r sich anläßlich des Begräbnisses des Königs Georg V. einige Tage aufgehalten hatte, in Paris eingetroffen. Der Marschall wird sich in Paris einen oder zwei Tage aufhalten. Montag nachmittags stattete er dem Generalstabschef G a m e- l i n einen Besuch ab, von dem er zum Essen geladen worden war. Dienstag wird er dem Vizeadmiral Durand-Viel und dem General Puj, dem Generalstabschef der Flugstreitkräfte, Besuche abstatten. Christlichsozlale und SowjetruBland In der„Deutschen Presse" vom Sonntag schreibt jemand unter dem Pseudonym Roland über Sowjetrußland in sicherer Weise als man es bisher in der christlichsozialen Presse zu lesen gewohnt war. Es wird da u. a. gesagt: In der Sowjetunion hat sich in den letzten zwei Jahren sehr viel gewandelt. Ich denke jetzt nicht an die zweifellos großen wirtschaftlichen Erfolge, welche das russische Boll unter furchtbaren Entbehrungen und Opfern in seinen gigan- tischen Aufbaubestrebungen erzielte. Ich meine den geistigen Umbruch, der sich im russischen Volle vollzogen hat bezw. vollzieht.... In diesen grundlegenden Wandlungen im Leben des russischen Volles manifestiert sich der triumphale Sieg göttlicher Ideen über das weltanschauliche Wollen des historischen Materialismus! Die russische Seele sucht offerchar nach neuen Werten geistiger Zielsetzung und dieses seelische Suchen tendiert zu Bezirken neuer Religiosität. Ob die Entwicklung der Sowjetunion sich tatsächlich so vollzieht, wie hier dargestellt wird, wollen wir in diesem Zusammenhang unerörteri lassen. Zweifellos wird in dem— wahrscheinlich von kirchlicher Seite inspiriertem— Artikel der politische Zweck verfolgt, die Bereit- s ch a f t der katholischen Kirche zueinerVer- ständigung mit der Sowjetunion darzutun. Das geht deutlich daraus hervor, daß in dem Artikel punktweise jene Forderungen aufgezählt werden, die katholsi-berseits als unerläßlich für die Verständigung angesehen werden. Es sind dies: 1. Bolle Glaubens», Gewissen r> und Lehrfreiheit auf dem gesamten Territorium der USSR. 2. Erlaubnis zur Schaffung religiöser Organisationen. 3. Garantie für die Durchführung und Einhaltung obiger Forderungen durch den Abschluß eines Konkordates mit dem hl. Stuhl. 4. Aufgabe der religionS- und kirchenfeindlichen Propaganda der Komintern in allen Ländern. Auf dieser Basis wäre vielleicht eine Verständigung in einigen Punkten mit den Kommunisten möglich. Inwiefern diese Schwenkung der Ehristlich- sazialen mit den Vorgängen in der europäischen Politik oder aber mit der Möglichkeit deS Eintritts der Partei in die Regierung zusammenhängt, wird man noch sehen. Immerhin ist die Stellungnahme der„Deutschen Presse" bemerkenswert. Einheitsfront überall — nur nicht in Sowjetrußland Wir haben vor einigen Tagen einen Bericht über das tragische Schicksill der Genossin Eva> B r o i d o gebracht, einer alten Revolutionärin, i welche von der Sowjetregierung aus einer Ber-| bannung in die andere mitleidlos gejagt wird,! obzwar es sich um eine Greisin handelt, die man die wenigen Jahre, die sie noch zu leben hat, in, Ruhe lassen könnte. Dieser Bericht wird nun von der„Roten Fahne", die— wie wir schon hier einigemal dargelegt haben— in einer bodenlos leichtfertigen und daher unproletarischen Weise redigiert wird, dazu benützt,' um zu behaupten, daß wir die Einheitsfront zer- 4^schlagen wollen! Die«Rote Fahne" bemüht sich Glicht etwa darzulegen, daß auch nur ein Wort unserer Darstellung unwahr gewesen ist, wir müssen also annehmen, daßsieanderRich- tigkeit unserer Darstellung nicht zweifelt, sondern behauptet— daß die Einheitsfront von Sozialderüokraten und Kommunisten in der Sowjetunion eine Gefahr für das Land wäre. Wir glauben im Gegenteil, daß die Freilassung alter revoluttonärer Kämpfer, wie es die Genossin Broido ist, die Sowjetregierung politisch und moralisch nur stärken würde und für das Verhältnis von Sozialdemokratie und Kommunisten nur günstige Folgen haben könnte. Die»Mote Fahne" scheint sich die Parole zurechtzulegen: Einheitsfront nur dort, wo die Sozialdemokratie stark ist, wo man ihr daher etwas abnehmen kann, dcnst aber, wodieKommuni- sten stark sind und die Sozialdemokratie schwach— dort besteht die Einheitsfront darin, daß man die Sozialdemokraten einsperrt. Für die Belebung der Bausaison Regierungsverordnung gegen Verteuerung von Baumaterialien bevorstehend Einige tschechische Blätter weisen mit Recht darauf hin, daß die Verteuerung der Baumaterialien eine Gefahr für die kommende Bausaison darstelle. Es sind gestiegen: Zement seit 1934 von 14 KC auf 24.70 Kö(abzüglich 1.50 KL Rabatt), Ziegel von 205 KL per 1000 St. auf 240 KL, Kalk von 14 KL aus 16 KL, Holz von 210 KL auf 280 KL, Bauholz von 185 KL auf 240 KL, Glas von 18 KL auf 23 KL(soll in den nächsten Tagen I um 1 KL erhöht werden), Halbspiegelglas von 106 KL auf 176 KL. Steingußröhren von 10.80 KL auf 16.20 KL, Eisengußröhren von 29 auf 38 KL. Das Ministerium für soziale Fürsorge plant im Hinblick auf die bevorstehende Bautätigkeit und die beabsichtigten Staatsinvestittonen eine -Novelle zur Regierungsverordnung über diePreis-Schiedskom- misssion. Diese Verordnung soll auf dem Ermächtigungswege diese Woche in Kraft treten, um die Verteuerung der Baumaterialien zu verhindern. Denn die maßgebenden Behörden stehen auf dem Standpunkte, daß die Preiserhöhung aus dem Baumaterialienmarkte die Vorteile der Zinssenkung wieder paralysiere, und die Baubewegung katastrophal gehemmt werden könnte, wenn nicht entschieden eingeschritten werden wird. Verstaatlichung der Knnstfrennde-Sammlnngen Dem Senat wurde ein Gesetzentwurf der Regierung vorgelegt, durch den die Sammlungen der Gesellschaft der patriotischen Kunstfreunde in Böhmen verstaatlicht werden sollen. Die Sammlungen der Gesellschaft, d. s. Gemälde, Plastiken, Zeichnungen, Graphiken, die-Bibliothek und das Archiv, die^väh- rend deS 140jährigen Bestandes der Gesellschaft zu- sammengetragen wurden und einen Wert von 60 Millionen KL repräsentieren, gehen somit in das Eigentum deS Staates über, und zwar ohne Eriatz- leistung. Anfang des Jahres 1937 wird in das Staatsbudget nach 8 3 des Gesetzentwurfes ein Bettag von 1,000.000 KL für den Fonds zwecks Erweiterung der Sammlungen alter Kunst eingestell- werden. Die Organisierung und Verwaltung der Sammlungen sowie auch deS Fonds werden durch ein besonderes Statut geregelt werden. Wendung des Stalinismus zur Nation Die„Prawda** Ober die Verdienste des groBrusslsehen Volkes MÄNNER, FRAUEN I UND WAFFEN I Roman von Man.red Georg Copyright by Dr. Manfred Georg, Prag Sie reichte ihm nicht die Hand, sondern blieb mit verschräntten Armen stehen. Er schloß seine Tür und öffnete sie gleich darauf wieder. Er war Wohl unhöflich gewesen. Aber er sah das Mädchen bereits hinten im Korridor verschwinden. Als Schumann am nächsten Morgen erwachte, erinnerte er sich zuerst kaum des Vorgefallenen. Erst als Frau WieSner ihm mit feindseligem Blick das Frühstück hinsetzte, kam ihm die Erinnerung der Nacht wieder. Allerdings nicht die läppische Szene auf dem Flur, sondern beängstigend und Herzqual bereitend der Traum, der sich ja seit nunmehr 13 Jahren, immer wenn das Jahr wieder herum war, einstellte. Er hatte eine entsetzliche Angst davor. Er spürte unmittelbar das Kommen, wie Wi^d, das Raubtiergeruch wittert. Und er wußte, eines Nachts würde es ihn wieder überfallen, würde wieder durch flammende Höllen dieses Ungetüm auf ihn zuschreiten mit dem Korb und dem furchtbaren Inhalt und würde ihn zu erwürgen drohen. Vergeblich suchte er im Gedächtnis nach der Entstehung dieser Vision. Der Morgen von Gornitsch Ivar längst in ihm in die ttefsten Schlünde des Unbewußten gesunken. Aber das Gespenst der Nacht ließ ihn nie mehr los. Die einsame und asketische Lebensform Schumanns pflegte sich in den Vortagen des Traumes vollkommen zu ändern: er trcksik, er griff wahUoS Mädchen auf, die zwischen dem Grand Hotel und der Over lsin und her pendelten, und erschövftc sich m flüchtigen, immer erneuten Genüssen bis zum Kranksein. Wer nichts verscheuchte die Furcht. Weder die Betäubungsmittel der Aerzte, noch die Hände der Mädchen. Einmal hatte er im Burgtheater ein Stück von Pirandelle gesehen, in dem gezeigt wird, wie ein Vater seiner leiblichen Tochter im Bordell begegnet. Gabriele mußte jetzt 22, Thessa 17 Jahre alt sein— wenn sie noch lebten! Aber sie lebten ja nicht mehr! Mit ihrer Asche war ja längst schon das Feld von Gornitsch gedüngt, aus ihnen waren Blumen gewachsen oder Unkraut. Aber wenn sie doch lebten und ihn würden vielleicht aus einem kecken Gesicht, das er ansprach, die Augen Thessas oder Gabrieles anblicken?! Dieser Gedanke peinigte ihn bis zum Wahnsinn. Sich Gewißheit zu verschaffen, daß alles Unsinn war, daß tot eben tot war, hatte er kein Mittel unversucht gelassen, um seine Kinder aufzufinden. Aber wo er auch forschte, welche Geldmittel er auch investierte, von allen Enden und Ecken der Welt kamen die Briefe und Depeschen und schrieen„unbekannt, unbekannt, unbekannt". Von den Wänden seines Zimmers tönte es wider: „tot, tot tot". Und dann war er endlich so weit, es wirklich zu glauben. Glaubte es, bis er im CafL jäh aus einer Besprechung mit Geschäftsfreunden auffprang, um einem jungen Mann nachzulaufen, der die Züge Rudolfs zu tragen schien. Wer eine leblose, fremde Maske wandte sich erstaunt lächelnd um, als er ihn ansprach. Drei Bilder hatte Werner Schumann im Kopf, Drei Gesichter, die er sich willkürlich aus der Phantasie geformt hatte. So lange hatte er auf die verblaßte Photographie gestarrt, bis sich aus den Kindergesichtern die Antlitze zweier junger Mädchen und eines schon reifen Jünglings gelöst hatten, um in den Besitz seines Schauens einzugehen. Alle andern Menschengesichter aber waren dafür wie mit einem Schlage verschwunden. Schuxmnn sah sie alle nur wie Masken. Unterschiedliche Masken, mit Schnurrbärten, Spitzbärten, mit fein gezogenen Augenbrauen, roten Lippen, Flachmündern, Kreismündern, Tiermün dern, mit Pferdeohren, Schweinsohren, Affenohren, mit den wildesten Frisuren und den verschiedensten komischsten Arrangements von Kahlheit, Schütterhaar, Lockenhaar, Dünnhaar, wallenden Perücken, gut unterscheidbar, aber tot, vor fahlem Glanz unwahrscheinlich. Lauter in die Welt gesetzte Roboters, die arbeiteten, rechneten, sich stritten, mit ihm Geschäft spielten, Geld zahlten, auf Couches sich entblößten, forderten, sangen und klagten, weinten, aber tot alles, tot, unwahrscheinlich, zum Speien ekelhaft... Er war froh, wenn er vor allen diesen Larven in den Hafen seiner Stube geflohen, die Lampe angedreht hatte und aus dem Bild seiner Kinder sich Lebensatem holte. Rudolf saß unten am Boden und hatte an einer Schnur ein auf einem Holzbrett monttertes Schäfchen neben sich stehen. Die Hand auf seine Schulter gelegt, lächelte in gestärktem weißen Kleid Gabriele den Vater an, während Thessa, en profil den Geschwistern zugekehrt, wie eine Ballettänzerin in spe den rechten Arm in die Hüfte stemmte. Wachspuppen, Wachspuppen, dachte Schumann einmal in einer Aufwallung. Und erschrak gleichzeitig bis ins Innerste, als hätte er einem lebenden geliebten Menschen ins Gesicht hinein den Tod gewünscht. Vorsichtig stellte er die Photographie wieder hin, ging ans Fenster und sah auf die belebte Straße hinaus. Und obwohl eS - unten laut war, hörte er keinen Ton. Sein Ohr war nach innen gerichtet, und alles, was draußen war, war geheimnisvoll unlebendig, bewegte sich, fuhr, tanzt«, sprang und machte doch im Grunde kein Geräusch. In seinem Innern aber flüsterten tausend Teufel durcheinander, hetzten ihn zur Suche, beschworen ihn, nicht die Hoffnung aufzugeben, peinigten ihn mit Fragen und Zweifeln bis aufs Blut. Aus allem diesen Wirrwarv aber entstieg dann in den dunllen Vorfrühling-Nächten- wenn draußen auf den Feldern die Schollen barsten. Keime aufplatzten und die segnenden, fruchtbaren Stürme schwanger von Samen durch die wartenden Wälder fuhren, das Ungeheuer mit dem Korb und ttat zu ihm in die Sttibe, geradewegs auf sein Bett zu. Das Blut sickerte durch das Weidengeflecht der Traglast mitten auf die Teppiche der reinlichen Logierzimmer. Der Vorfall bei Frau WieSner hatte Schumann sehr erschreckt. Dieser Person war er wirllich zu Dank verpflichtet. „Also, ich gehe wirklich ins Santorium, Frau Wiesner. Hier haben Sie die Miete für das ganze Vierteljahr. Es-ist sicher schlver für Sie, beide Zimmer zu dem Preise, den ich gezahlt habe, rasch zu vermieten. Ich ziehe heute abend aus. Selbstverständlich können Sie über die Räume verfügen. Da fällt mir übrigens ein: ich wollte das Fräulein noch einmal sprechen, das da hinten wohnt." Frau Wiesner schnitt eine verächtliche Grimasse: „Die ist heute früh ausgezogen. Biel zu Pakten hat sie ja nicht gehabt— im Handumdrehen war die weg." „Hat sie denn bezahlt? Entschuldigen Sie, daß ich ftage." „Bezahlt? Die? Ein Pfand hat sie hier gelassen. Da, sehen Sie sich das an!" Sie holte aus ihrer Küchenschürze einen recht merkwürdigen Gegenstand. Es war ein ungefähr walnußlanges, oben sanft'gerundetes upd unten spitz zulaufendes Stück Goll» in Daumendicke, das grob und kunstlos gehämmert in einem seiner Figur angepaßten lederartigen Gehäuse saß, daS von der merkwürdigen Göldtraub« nur eine Seite fteiließ. Frau Wi/öner fügte hinzu: „Wissen Sie eigentlich, was das ist? Ist das ein Schmuckstück?" Schumann drehte das merkwürdige Ding in der Hand hin und her: „Schmuckstück? Es ist doch ganz ungearbeitet, kann doch gar nicht getragen werden. Hat die Dame nichts darüber gesagt?" (Fortsetzung folgt.) Nr. 35 Dienstag, 11. Feber 1936. Seite 3 bis- Ge- des ge- kln kinbreeher 6er„Volksgemeinschaft" Unter den Henlein-Leuten in Fischern befindet sich laut„BolkSwille" auch ein Mann, dessen rauhes Kämpsertum sich bisher nur in der Unterschlagung von Sammelgeldern, im Ausstehlen von Schweineställen und in nächtlichen Einbrüchen geltend gemacht hat. Dieser Mann, der jetzt zur Gewerkschaftsfrage Stellung nahm und der mit feurigen Worten zum Eintritt in die Nationale Arbeitergewerkschaft Gablonz aufforderte, hat vorher seine Gegnerschaft liegen die Freien Gewerkschaften dadurch zum Ausdruck gebracht, daß er in die Patschelder-Urtell erst Im MBrzI Mährisch-Oslrau.(Tsch. P.-B.) Die SdP-Abseordneter wirft einen Arbeitslosen von der Redner-Tribüne! Donnerstag fand im Schützenhaussaal zu Eger eine von der SdP einberufene Versamnr- lung.der Arbeitslosen und aller übrigen Stände" statt, in der vor Angehörigen aller Parteirichtungen der Abgeordnete Böhm referierte. In der Debatte sprachen u. a. Genosse H o a r namens der sozialdemokratischen Arbeitslosen und' der Kommunist Schafrane k. Dieser stellte fest, er hätte angenominen, daß es wahr sei, was immer behauptet wurde, nämlich, daß die Sudetendeutsche Bolkshilfe an die Bedürftigen ohne Unterschied der Parteieinstellung Unterstützungen ausgeben. Er hätte sich aber geirrt, denn als er sich um ein Lebensmit- telpaket bewarb, wurde er ab g e w i e s e n. Weiter kam der Redner nicht. 2n diesem Momente sprang der Abg. W o l l- n r r von seinem Tisch auf, packte den Arbeitslosen beim Kragen und warf ihn vom Rednerpodium herab. In dem entstandenen Tumult wurde die Versammlung aufgelöst und der Saal von der Polizei geräumt. Das Vorgehen des Abg. Wollner hat in Eger und darüber hinaus groß« Erregung ausgelöst.' Zwei Kinder In Flammen umgekommen Am Sonntag abends, kurz nach 8 Uhr, war in dem den Herren Ignaz und Josef F r i e s e gehörenden Wohnhaus Nr. 82 in Neuehrenberg bei R u m b u r g ein Brand ausgebrochen. Das große einstöckige Holzhaus, welches von drei Mietparteien bewohnt wurde, konnte infolge der ungünstigen Lage und der raschen Ausbreitung des Feuers von den herbeigeeilten Wehren nicht gehalten werden und brannte fast ganz nieder Entsehlicherweise fanden zwei Kinder der im ersten Stockwerk wohnenden Familie Hentschel im Alter von vier und siinf Jahren in den Flammen den Tod. Als man die Kinder, die zur Zeit des Feuerausbruches schon schlafen gegangen waren, suchte und in Sicherheit bringen wollte, waren sie in ihren Betten nscht mehr zu finden. Sie hatten sich aus Furcht inirgend- einen Winkel des brennenden Hauses geflüchtet, wo dann ihr junges Leben durch das entfesselte Element so frühzeitig beschlossen wurde. Der Brand hatte seinen Anfang in der Wohnung der Familie Hentschel genommen und soll durch Explosion der Petroleumlampe ckrtstanden sein. SdP will diktieren und blitzt ab! Montag, den 10. Feber, fand eine öfftnt- liche Sitzung der Saazer Bezirksvertretung statt, in der der Bezirksvoranschlag für das Jahr 1936 und der Rechnungsabschluß für 1934 nebst eini- anhängiger Fälle ein Amnestie- und AbolitionS- verfahren zu erwirken, ferner unberechtigt verdächtigte Organisationen von der drohenden Auflösung zu bewahren, eingestellten Vereinen-ui Wiedergenehmigung der Tätigkeit zu verhelfen und die weitere Mitarbeit des Sudetendeutschtums ... zu sichern—, so erweist es sich dennoch als zwingende Notwendigkeit, die infolge der Schrumpfung des sudetendeutschen Parteiwesens efttgeengte Grundlage des Arbeitsamtes entsprechend zu erweitern." Unterzeichnet ist da- Zirkular„f. d. Präsidium des Deutschpolitischen Arbeitsamtes: JUDr. Eugen Ledebour-Wicheln, Minister Univ.- Prof. Franz Spina, Großindustrieller Hermann Braß Konrad H enlei n". ■ ♦ Originell ist hier wirllich, daß Herr Konrad Henlein sich plötzlich über die„Schrumpfung des sudetendeutschen Parteiwesens" beklagt. Wer ist denn daran schuld, daß dir Parteien, welche bisher die Tröger des„Deutschpolitischen Arbeitsamtes" waren, nämlich die Landbiindler und die Christlichsozialen,„etngrschrumpft" sind? Der Hinweis auf die Nationalsozialisten uno Deutschnationalen kann den obigen Passus nicht erllären, da ja die„Sudetendeutsche Partei" fast viermal so viel Parlamentarier hat als die beiden aufgelösten bzw. eingestellten Parteien. Es ist geradezu köstlich, wenn der Herr Henlein wehllagt, daß das Parteienwesen des Sudetendeutschtums ei'igeschrumpft ist, wo dies doch nach seinen sonstigen Auffassungen ein Vorteil ist und ein Schritt rur politischen Vereinheitlichung des deutsche- volles! Hat das der geistige Vormund des Stammesführers, der Herr Dr. Brand, zu lesen vergessen? Grotesk wird die Sache aber noch dadurch, daß diesen Sprechchor, in dem Jammer üb-r die Schrumpfung der Landbiindler und Christlichsozialen angestimmt wird. Henlein und Spina zusammen anstimmen. Wohlklingend ist dieser Chor nicht. Wieder hundert deutsche Arbeitsplätze bedroht! Die Firma Weißhuhn in Freiheit, die etwa 200 Arbeiter beschäftigt, befindet sich in finanziellen Schwierigkeiten und sucht mit der Unionbank ein Abkommen, durch das ein Teil der Produktion an einen anderen Betrieb der gleichen Branche abgetreten werden müßte. Dadurch würden ungefähr sechbzig Prozent der jetzt bei der Firma in Freiheit beschäftigten Arbeiter brotlos werden. Die Freien Gewerkschaften setzen alle Mittel in Bewegung, um dieses Unheil abzuwenden. Die Belegschaft will auf jeden Fall zu verhindern suchen, daß das dem Betrieb verloren gehende Auftragskontingent dem Schwesterbetrieb in Schimowitz übertragen werde und durch die Rationalisierungsmethoden dem Freiheiter Betrieb völlig verloren gehe. Es geht also in diesem Falle um den deutschen Arbeitsplatz. „Vieser Widerstand wird zunehmen.. Wachsende Unzufriedenheit mit der Henlein-Partei In der„Rumburger Zeitung" beschließt„8. n" eine Kritik an den Spannschen Ideen und I ihrer Uebernahme durch den Kameradschaftsbund mit folgenden bemerkenswerten Sätzen: Und diese Kritik, dieser Widerstand wird zunehmen und wachsen, und zwar schon deswegen, weil die Kameradschaftsbündler für sich die Rechte deS„Staatsstandes" in Anspruch nehmen, die Führungsspitze dem Volke gegenüber darstellea wollen und sich gegenseitig ihre Unantastbarkeit und Unfehlbarkeit garantieren. Versagt einer der Kameradschaftler, wird er trotzdem im Bereiche der Führung gehalten, muckt einer aus dem Vollauf. wird er diffamiert und aus der Vollsgemein- schast verstoßen. Diese Methode wird aber eines Tages versagen, weil sie unvernünftig, unehrlich und unhaltbar ist. Dies« scheinbare Ruhe und Ordnung darf nicht darüber Hinwegtäuschen, daß es im Volk gärtund rumort. Das sind nicht nur Spaltpilze und ähnliche Spottgeburten, da regt sich der Geist des Volkes gege-n die Ver-führung! Die Auseinandersetzung kommt! Je länger aber der Kameradschaftsbund am Ruder ist und je länger dit Dogmen deS UniversalismuS sich auSwir- ken werden, desto stärker wird der Gegendruck und um so heftiger wird die Erschütterung des Vollskörpers werden, der wir unweigerlich entgegengehen l Unweigerlich! Das sagt einer, der sich„völkisch und sozial" nennt. Das also, neun Monate nach dem 19. Mai, die Frucht der„Erobemng" des Sudetendeutschtums durch Henlein! Es dämmert bei den Sudetendeutschen Wieder eine verkrachte SdP-Kundgebung Für Sonntag früch hatte die SdP in das Gasthaus„Zur Humbrechtswiese" nach Kost e n b l a t eine öffentliche Volksversammlung einberufen. Abgeordneter Köhler war als Referent über das Thema„Der Existenzkampf des Sudetendeutschtums". angekündigt. Achnliche Versammlungen werden jetzt überall durchgeführt. Die Plakate wurden im ganzen Gebiet verbreitet, eS sollte eine„riesige" Kundgebung werben. Die sczialdemokratischrn Arbeiter wollten sich einmal anhören, was denn die völkischen Erneuerer zu ihren sozialen Lebensftagen zu sagen haben und gingen in einer Stärke von etwa 200 Personen Ihnen hatten sich auch etwa 50 kommuni- < stische Arbeiter angeschlossen. Sie besetzten den Saal, bevor noch die Mannen der SdP einlangten. Es waren ihrer nicht viel! Wir zählten vier Fünftel und die Henleinpartei ein Fünftel. Angesichts dieses Kräfteverhältnisses verlangten unsere Genossen die Wahl eines Präsidiums und entsprechende Redefreiheit. Das paßte den Ein» berusern nicht, sie wollten sich einfach über das Verlangen der überwältigenden Mehrheit aller Veriammlungsbesucher hinwegsetzen. Da regnete es Zwischenrufe und bevor der„Führer" fein Licht leuchten lassen konnte, löste der Regierungsvertreter die Versammlung auf. Darauf gingen die Arbeiter ruhig nach Hause und die spärlichen Anhänger der SdP dürsten einen Grund mehr haben, darüber nachzudenken, daß sie in den Reihen der angeblichen„Vollsgemeinschaft" aus verlorenem Posten stehen und nur Mittel zum Zweck geworden sind. neunte Woche des Prozesses gegen Dr. Patscheider und Genossen wurde im Schwurgerichtssaale bei geringem Interesse des Publikums eröffnet. Außer Patschcider und Lamatsch war von den Angeklagten bloß Jng. Staffen anwesend. Der Prozeß wird noch mindestens, 14 Tage in Ansprch nehmen, so daß man das Urteil j gegen Ende Feber oder Anfang März I, I. erwarten> hin. kann. Ist das ein Faschingsscherz Henlein klagt über die„Schrumpfung des sudetendeutschen Parteiwesens" Das angeblich unpolitische„Deutschpolitisch.' Arbeitsamt", das im Jahre 1919 als Fortführung der Geschäftsstelle der ehemaligen sudetendeutschen Reichsrats- und Herrenhausmitglieder in Wien zur„Betreuung der jeweils neuerwachsenden mcinschaftsarbeiten und Verpflichtungen Deutschtums in der Tschechischen Republik" gründet wurde, ist in finanziellen Nötey. In einem Zirkular, das der aus den herigen drei Vorsitzenden bestehende und um einig politische und fachliche Vertrauensmänner erwei terte Ausschuß versendet, wird beweglich geklagt. daß sich das Amt augenblicklich in einer solchen Lage(Passiva 90.000 Xö) befindet, daß es wäh rend der nächsten zwei Monate überhaupt ausge lassen werden müßte, wenn die unternommeu- Werbeaktion kein entsprechendes Ergebnis zeitige.' sollte. Die in Verfolg eines gefaßten Beschlusses eingeleitete allgemeine Sammelaktion soll sich in persönlichen Werbebriefen, direkten Sammlungen der wichtigsten sudetenveutschen Organisationen und auf der Grundlage eines weiwerzweigten Netzes von Vertrauensmännern bewegen. Um die Arbeitseinstellung zu vermeiden, wirr es mit„Recht als«ine Pflicht aller volksbewußten und noch opferbereiten sudetendeutschen Volks kreise" betrachtet, das Unternehmen im Rahmen der Möglichkeit zu unterstützen. Zur Erleichterung des Zahlungsverkehrs liegt dem Zirkular, das auch an„undeutsche marxistische"— also dem sudeten deutschen Bürgertum verpönte— Körperschaften gesandt wurde, ein Erlagschein bei. Die„einzige über allen Parteiungen stehende nationalpolitische Zentralstelle des Sudetendeutsch tums" schreibt in dem Zirkular über ihre Tätig keit wörtlich: „Wenn es auch der werwollen Bemühungen der Funktionäre des Arbeitsamtes noch in letzter Zeit im Wege einer ständigen Unterstützung aller politischen Faktoren sowie der in Frage kommen den rechtlichen Vertretungen gelang, die einen großen Teil sudetendeutscher Stammesgenossen m ihrer Existenz gefährdenden Verdächtigungen zu zerstreuen und bezüglich der Liquidierung schon gen wichtigen Angelegenheiten zur Beratung! stand. Nachdem der Vorsitzende der Bezirksvertre-\ tung, Rehatschek, die Bedeutung des Rücktritts des Präsidenten Masaryk und der Wahl Doktor Benes' zum Präsidenten des Staates gewürdigt hafte, sollte also über die Beschlußfassung des Bezirksvoranschlages für daS Jahr 1936 verhandelt werden. Da nun meldete sich der FraktionSführer der Henleinpartei, U r n e r, zu Wort, um im Namen seiner Partei den Antrag zu stellen, daß vor der Beratung deS Bezirksvoranschlages von allen politischen Parteien in der Bezirksvertretung der SdPdie Zusicherung gegeben werde» soll, daß bei der Einstellung von 1 8 S t r a- üenwärtcrn sieben Stellen für ihre Partei Vorbehalten werden; das Verhalten der Parteien in der heutigen Sitzung werde für dir Henleinpartei maßgebend sein! Der tschechische Genosse Hlinomat wandte sich gegen dieses unberechtigte Verlangen und unser Genosse Schön empfahl den Henleinleuten, sich zuerst eine Geschäftsordnung zu beschaffen und sie zu studieren, da die Anfrage der Henlein- leute der Geschäftsordnung widerspricht und daher nicht zur Abstimmung gebracht werden kann. Der Vorsitzende ließ natürlich eine Abstimmung auch nicht zu. Die Henleinfraktion verließ hierauf den Sitzungssaal, so daß die Sitzung beschlußunfähig war. Nach der Geschäftsordnung wird innerhalb der nächsten 15 Tage eine neueSitzung einberufen, die auch ohne die Henleinfraktion be- schluß f ä h ig sein wird. Die Methoden der Henleinpartei find also fchlgeschlagen, übrigens fällt die Besetzung der Straßenwärterstellen gar nicht in die Kompetenz der Bezirksvertretung, sondern in die des Bezirksausschusses und war nicht einmal Verhandlungsgegenstand! Wohnung eines fteien Gewerkschafters e i n b r a ch. Soweit der„Volkswillc". Und Ivie weit noch Arbeiter in der„Gefolgschaft" solcher Menschen? Die Abwanderung aus der SdP. Wie die „Deutsche Landpost" meldet, haben sich vor einigen Tagen zwei bäuerliche Orts- gruppen der SdP. in den Bezirken Manetin und Tuschkau(Kamenahora und Anischau) bereits wieder a u f g e l ö st, weil die dortigen Bauern sich die von den Werbern der SdP. angekündigte Volksgemeinschaft etwas anders vorgestellt und weil sie rechtzeitig erkannt haben, daß zwischen den einstigen Worten und der jetzigen Tatenlosigkeit der SdP. ein zu großer Unterschied besteht. Ole Internationale Arbeitskonferenz tritt am 4. Juli zusammen Di« Tagesordnung der 20. Sitzung der Internationalen Arbeitskonferenz, zu welcher eben die Einladungen an die Regierungen der Mitgliedsstaaten verschickt wurden und die am 4. Juls beginnt, umfaßt folgende Punkte: 1. Regelung der Systeme der Arbeiteraufnahme, 2. Bezahlte Urlaube, 3. Herabsetzung der Arbeitszeit in öffentlichen, von den Regierungen unterstützten Betrieben, 4. Herabsetzung der Arbeitszeit in der Bauindustrie, 5. Herabsetzung der Arbeitszeit in der Eisen- und Stahlindustrie,^6. Herabsetzung der Arbeitszeit in den Kohlengruben, 7. Herabsetzung der Arbeitszeit in der Textilindustrie, 8. Sicherheisvorkehrungen in der Bauindustrie. Die Frage der Arbeitszeitherabsehung in verschiedenen Produktionszweigen, wie z. B. in der Eisen- und Stahlindustrie, in der Bauindustrie und in den Kohlengruben wird Heuer in zweites Lesung verhandelt werden. Außerdem wird bi.» Konferenz noch über einige Berichte zu verhandeln haben.' Der Spion Im Bundeskanzleramt — zweieinhalb Jahre Kerker Wien. Der Polizeikommissär Dr. Franz Sonnleithner, der seinerzeit der Chiffriere Abteilung des Bundeskanzleramtes zugetcilt wa: und die nationalsozialistischen Stellen in München lange Zeit mit den geheimsten Akten der Bundesregierung beliefert hatte, wurde am Samstag nach einer viertägigen geheimen Verhandlung wegen Hochverrats und Mißbrauchs der Amtsgewalt zu zweieinhalb Jahren schwerem Kerker verurteilt., i Größere Aenderungen im britischen Kabinett? London. Wie die„Morning Post" berichtet, werden sich die kommenden Aenderungen im Ka«. binctt, die in Anbetracht der Erweiterung des Rüstungsprogramms durchgeführt werden, nickst bloß auf Aenderungen im Marine- und Luft- fahrlsministerium beschränken. Auch andere bedeutende Ministerien sollen ihre Minister ändern. Einwöchlge Debatte Uber den Sowletplan Paris. Die Devutiertenkammer wird heute die Aussprache über die Ratifikation des fanzö- silch-rmsischen Vertrages über gegenseitige Hilfeleistung beginnen, der am 2. Mai 1935 von Minister Laval und Botschafter Potemkin paraphiert worden war. Die Aussprache dürfte etwa eine Woche dauern, da eine große Zahl von Rednern angemeldet ist. Dessle bombardiert Desfie. Während des Bombardements von i Dessie, wo sich das Hauptquartier des Negns bc- | findet, verursachten am Sc-nntag Brand» und Explosivbomben in der Stadt eine Reihe von Feuersbrünsten. Nach den bisherigen Feststellun- g«n sind zwei Personen getötet und vier verletzt worden. Rom.(Stefani.) In gut informierten Krei- sen wird die Nachricht dementiert, dah Reichskanzler Hitler vor einigen Tagen mit einem reichsdeutschen Flugzeug in einer norditalienischen Stadt eingetroffen sei und dort eine B e- ratung mit Ministerpräsiden- ten Mussolini gehabt habe. Rom. Der Mailänder Faschistenführer M i« dola hielt eine Ansprache, in der er erklärt«, wer behaupte, daß eS schlecht an der Front stehe, sei ein Defaitist und.Feind des Regimes. Gegen die Defaitisten aber dürfe man Gewalt brauchen, um sie zum Schweigen zu bringen. Wer wegen solcher Gewalr- anwendung verhaftet werde, werde sofort wieder be- fteit werden. Warschau. Der Sfteik der Zeitungsdrucker ist durch ein vorläufiges Abkommen beigelegt worden, so daß di« Zeitungen wieder in vollem Umfange erscheinen. Dienstag, 11. Feber 1936 Nr. 35 A-esneuigküteN' ♦ und eingerich- reS von einem Automo- Auto, das von merie die bisher einzige genaue Personenbeschreibung. Das Prager Gendarmeriekommando ersucht daher alle, die Sonntag in der Gegend von Jarov, Kärov, Brezany und Königssaal waren, um Angaben, wenn sie verdächtige Personen gesehen haben. Die Erhebungen, die durch den starken Schneefall gestört werden, welcher alle Fußspuren verwischt hat, werden von einem zahlreichen Gendarmerieaufgebot durchgeführt. Bei der Obduktion der beiden Opfer ergab * strecken unter 100 Meter Höhendifferenz wird die Strecke zweimal gefahren, die beiden Zeiten werden dann zusammengerechnet. In diesem Falle beginnt der letzte Läufer als erster. Der Läufer, der eine Fahne umwirft, muß auf Zuruf des Torwächters zurück und das Tor neuerlich passieren. So wie beim Springen, muß die Bahn nach jedem Sturz ausgebessert werden. Die Tore dürfen von beiden Seiten durchfahren werden, jeder Läufer wird jedoch die kürzeste Spur suchen. Es soll weder das bessere Wachs noch der günstigere Sturz den Sieg entscheiden, die Anbringung der Flaggentore darf Mährisch- L strau. Der dreifache Mord in Stauding ist bereits aufgeklärt: Noch am vergangenen Samstag fiel der Verdacht der Täterschaft auf den 27 Jahre alten arbeitslosen Schlosser LadislavSajtar aus Stauding, der dann auch.verhaftet wurde. Beim Verhör leugnete er jedoch jedwede Beteiligung an dem Mord. Erst als die Gendarmen die Hacke fanden und weitere Beweise sammelten, bekannte sich Sonntag nachts Säjtar endlich zu derUntat. Sajtar war überzeugt, daß er beim Ruheständler Honus einen größeren Geldbetrag vorfinden werde, da dieser im Dorf als ziemlich vermögend angesehen wurde. Er drang am Freitag abends in die Wohnung Honus' ein, betäubte vorerst Honus, dann dessen Gattin durch einen Schlag mit einer mitgebrachten Hacke, worauf er beide mit einem großen Fleischermesser tötete, das Honus für ein Schweineschlachten vorbereitet hatte. Als dann die Ziehtochter Honus', die Rustovä, heimkehrte, erstach er sie gleich im Gang des Häuschens. Der dreifache Raubmörder durchsuchte sodann alle Schränke und Laden, doch fand er bloß einen Betrag von XL 3.50. Der Mörder übersah in der Aufregung, daß sich unter den mis den Laden herausgeworfenen Sachen auch 2500 XL befan den, die später die Gendarmen fanden. Der Mörder stieß sodann das große Fleischermesser in den Fußboden,' die Hacke versteckte er und ging zum Fluß, um sich did Hände zu waschen. Sonntag um 23 Uhr wurde der Mörder nach dem Verhör zum Kreisgcricht nach Troppau transportiert. Die Leichen der drei Opfer wurden in die Totenkammer gebracht.— Das Leichenbegängnis findet wahrscheinlich Dienstag oder Mittwoch statt. großer Temperaturunterschied ausgebildet: Moskau hatte Montag nachmittags minus 24 Grad, Warschau minus 12, Prag minus 5, Biaritz plus 18 Grad und Valencia in Spanien plus 21 Grad. Das winterliche Wetter wird in unseren Gegenden voraussichtlich anhalten, trotzdem am Mittwoch unter dem Einfluß einer neuen Störung, die über dem Polarmeer aufgetaucht ist, eine vorübergehende Frostmilderung eintrete» dürfte. — Bahrschei-nlichesWettervonheu t«: Bis auf ganz vereinzelte Schneeschauer schön,'Abflauen des Windes, in den Niederungen strichweise noch weitere Abkühlung durch nächtlich« Ausstrahlung.— Wetteraussichten für Mitt» Noch: Winddrehung gegen Westen, vorübergehenve Frostmilderung. an. indem die Studios einer englischen Filmfirma auf einem Flächenausmaß von über fünf Hektar fast vollkommen vernichtet wurden. Der Brand breitete sich mit ungeheurer Schnelligkeit aus, forderte jedoch zum Glück keine Opfer an Menschenleben, doch sind durch den Brand 2000 Beamte und Arbeiter brotlos geworden. Theaterbrand. In der Nacht auf Sonntag wurde das königliche Theater in Turin,'das bis 1861 die Hofbühne des Hauses Savoyan war, durch einen Brand vollkommen eingeäschert. Das Brandunglück erforderte keine Opfer an Menschenleben, weil das Feuer kurz nach Beendigung der Abendvorstellung ausgebrochen war. Greta Garbo bleibt in Stockholm. Die Meldungen von einer Rückkehr Greta Garbos nach Hollywood entbehren laut N. U. P. jeder Grundlage. Wenn überhaupt, so kann zumindest jetzt an eine Filmwirksamkeit dxr großen Künstlerin nicb^ gedacht werden. Ihr Gesundheitszustands der schon bei ihrer Ankunft aus Amerika zu Besorgnissen Anlaß gab, hat sich nicht gebessert und ihr . körperliches Befinden ist nach wie vor äußerst unbefriedigend. Ueber die Krankheit selbst verlauten keine näheren Einzelheiten. Greta Garbo wohn! schon seit längerer Zeit bei ihrer Mutter in Stockholm, lebt aber so zurückgezogen, daß man dort bis jetzt nicht einmal gewußt hat, daß sie in der Stadt lebt. Ein Zeichen dafür, daß die Garbo fii* längere Zeit nicht daran denkt, nacki Amerika zu fahren, ist es, daß sie nunmehr selbst eine kleire Wohnung am Norr Mälarstrand, in einem neuen Wohnviertel Stockholms, gemietet tet hat. Eduard Herriot ist Samstag bilunfall glücklich entronnen. Sein Der Mörder von Stauding verhaftet und geständig! Ein neuer Doppelmord in Ostmähren I Mährisch- O st rau. Im Bezirk Mährisch-Weißkirchen hat sich ein zweifacher Mord ereignet. In der Gemeinde Schmiedsa» wurden Sonntag nachmittags die Eheleute Jofef und Anna Krmkel in ihrer Wohnung tot aufge- funden. Wie die Gendarmerie mitteilt, handelt es sich um einen Raubmord, der am SamStag gegen 20 Uhr verübt wurde. Die Ortsgendarmerie und die Gendarmerie-Fahnduugsstation von Rru-Tit- schrin fahnde« nach den Mördern. sich, daß beide noch eine zweiteSchu tz- wunde im Hinterkopf aufweisen. Offenbar sind sie beide zunächst von rückwärts angeschossen worden. Als sie tödlich ver- wundet zu Boden sanken, dürfte der Täter erst aus unmittelbarer Nähe den zweiten Schuß gegen die Schläfe abgefeuert haben. Schon aus der Gleichheit der Schußverletzungen kann man mit Bestimmtheit den Schluß ziehen, daß als Täter in beiden Fällen eine und dieselbe Person in Betracht kommt. ** Geheimnisvolle Morde bei Prag Ein älterer Mann und ein Mädchen erschossen Die ganze Welt lacht— nicht! Das Dritte Reich verkündet eine Schonzeit f ü r I u d e n während der Dauer der Olympiade. Die braune„Kultur" will Ge- schäfte und Propaganda machen und dafür ver- zichtet sie für einige Zeit auf die Jagd im jüdischen Revier/ Indem man aber den Juden Schmizeit einräumt wie sonst den Hasen und Rebhühnern, gesteht man zwar vor aller Welt ein, daß der Jude im Dritten Reiche dem jagdbaren Wilde gleichgestellt ist, doch trotzdem: die ganze Welt lacht— nicht! Nein, sie lacht nicht über diesen plumpen Trick. Hochachtungsvoll tritt.sie zur Olympiade an. Und das braune Regime wird höhnisch schmunzelnd beides machen: Ges ch ä f t u n d P r o p a g a n d a! Nachher aber, wenn die Olympiadefahnen wieder eingezogen sein werden, wenn Goebbels am olympischen Feuer sein Süppchen gekocht haben wird—• dann ist auch die Schonzeit zu Ende. Dann tritt der Streicher wieder in seine Rechte ein. Dann darf der Jude wieder gejagt werden. Und die Welt wird schweigend zusehen müssen, denn sie sanktionierte ja alles, was deutschen Juden angetan wird. Sie erkannte das Jagd- recht an, indem sie die Schanzest gelten ließ! Grenoble nach Lyon fuhr, wurde von einem andern Auto heftig karamboliert und vollkommen zertrümmert. Ein Dorf in Asche. Wie aus Kairo gemeldet wird, kamen bei einem Großfeuer in der Ortschaft Baträ in der Provinz Gerbieh zehn Personen ums Leben. Zwanzig Personen wurden verletzt. Das Feuer hat beinahe die ganze Ortschaft vernichtet. Hunderte Menschen wurden obdachlos. . De Pakeras Sohn tödlich verunglückt. Dee 20jährige Sohn des Vorsitzenden des ExekutivauS« schusseS des Freistaates Irland Brian de Valera fand Sonntag durch einen unglücklichen Zufall beim I Reiten den Tod. Er galoppierte durch einen Dyb- s lmer Park, stieß hiebei gegen einen herabhängende,i j Ast und stürzte vom Pferd. Er wurde ins Kranken- ! hanS überführt, wo er ein« Stunde nach der Einlieferung seinen Verletzungen erlag. Drei Wochen nach der Tat... Am 21. Jänner d. I. wurde von unbekannten Tätern ein Anschlag auf den Zug Nr. 4046 auf der Strecke Nemotice- KoriLany auf die Art begangen, daß auf das Geleise 28 größere Steine gelegt wurden. Der Lokomotivführer wurde jedoch dank seiner Geistesgegenwart der Steine rechtzeitig gewahr, so daß er den Zug anhalten und dadurch eine drohende Katastrophe verhindern konnte. Die Staatsbahndirektion in Brünn hat im Interesse der Sicherheit des Berkeh- auf die Ergreifung der Täter eine Belohnung 500 XL ausgeschrieben. 150.000 Nichtwähler amnestiert. Bei den letz- Reichstagsivahlen in Budapest haben etwa Der Slalomlauf am Bundeswintersportfest In ft. Joachimsthal nur dem besseren Techniker Aussichten auf Erfolg beS Staate- in den fünf Großstädten Prag, Pilsen, Brunn, Mahrisch-Ostrau und Pretzburg wohnen. Die neue Kältewelle, welche sich in der Nacht am Montag vom Nordosten her über unsere Gegenden ansgebreitet hat, ist bereits zur Linie London- Zürich—Belgrad gelangt. In den Niederungen Mitteleuropas herrschte am Montag überall Frost, auf den Bergen wurden nachmittags minus 10 brs minus 20 Grad verzeichnet. Zwischen Nordost- und Südwesteuropa hat sich nunmehr ein ungewöhnlich Vom Rundfunk empfehlenswertes aus den Programme» Mittwoch: Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Presse, 10.15:. Deutscher Schulfunk, 11.05: Unterhaltungskonzert, 12.35: Ostrau, MUitärmusik, 13.40: Deutscher Arbeitsmarkt, 15.00: Brünn, Orchesterkonzert, 18.10: Deutsche Sendung. Dr. Anton Moucha, Neue Bücher. 18.40: Sozialinformationen. 18.45: Deutsche Presse. 20.00: Konzert der Tschechischen Philharmonie, Dirigent Zemlinsky.— Sender S: 14.15: Deutsche Sendung: Kinderstunde. 14.50: Deutsche Presse.— Brünn 15.00: Orchesterkonzen. 17.40: Deutsche Sendung, Das Wundergrammophon, Hörspiel.— Mährisch-Ostrau 12.35: Militärmusik. 18.00: Schlesische Lieder. 19.25: Unterhaltungsmusik. Früh übt sich In London hat jetzt ein internationales Schachturnier für Mädchen unter 21 Jahren begonnen. Auf unserem Bilde sieht man die erste 9^ Jahre alte Elaine Saunders beim Turnier. ten 150.000 Wähler nicht gewählt. Gegen sie wurde ■ nunmehr auf Grund des Wahlgesetzes die Anklage erhoben. Allen drohten zum Teil empfindliche Geldstrafen." Der Innenminister hat nunmehr das Buda- I pester Rathaus verständigt, daß alle 150.000 amne- j stiert worden sind. Wieviel« Gemriuden zählt die Tschechoslowakei? Nach den Ergebnissen der Volkszählung im Jahre 1930 gibt es in der Tschechoslowakei insgesamt 15.734 Gemeinden. Davon zählt der Großteil (14.600) weniger als 2000 Einwohner, 868 waren Kleinstädte von 2000 bis 5000 Einwohnern, zwischen 5000 bis 10.000 Einwohner beherbergten 162, mehr als 10.000, aber noch nicht 20.000 Einwohner wiesen 67 Orte auf, 20.000 bis 50.000 Ein- ivohner zählten immerhin noch 30 Orte, über 50.000 bis 100.000 finden sich nur mehr zwei Gemeinden, während über 100.000 Einwohner immerhin fünf Städte nachweisen können. Bemerkenswert ist, daß über die Hälfte der Gesamtbevöllerung (52.2 Prozent) in Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern siedelt und andererseits doch mehr als 10 Prozent der gesamten Einwohnerschaft Nicht immer kann eine Abfahrt auf offenem Gelände erfolgen. Sträucher, Felsen und Wald verlangen von dem Wintersportler mehr als eine gute Schußfahrt. Nicht allein der Mut soll beij der Bewertung des Abfahrtsläufers bestimmend sein, rasche Beurteilung der Hindernisse und Entschlußfähigkeit in Verbindung mit vorzüglicher Skibeherrschung entscheiden den Erfolg beim Slalomlauf. S lato m, ein norwegisches Wort für ,Ab- fahrtslau f. unterscheidet sich von dem bei uns bisher gebräuchlichen Abfahrtslauf durch die kürzere Strecke und durch die zahlreichen künstlichen Fahnenhindernisse. Während der Abfahrtslauf bis zu 10 Kilometer Länge und 800 Meter Höhenunterschied aufweisen kann, weist der Sla- lomlanf höchstens 200 Meter Höhenunterschied auf. Die Slalomstrccke soll auf einem übersichtlichen Hang abgestcckt werden, Flaggentore von 3.50 Meter Abstand zeichnen genau den Weg vor, das Auslassen nur eines Tores zieht Ausscheidung des Läufers nach sich, i Die Bahn muß abgetreten sein, damit jeder Läu- ser die gleichen Bedingungen hat. Bei Slalom-1 Zeh» Kinder ohne Vater. In der Nähe von Mährisch-Trübau wurde der Arbeiter Joses Scheg von einem Lastauto überfahren. Der Chauffeur des Wagens, ein gewisser Kastak aus Mährisch-Trübau, ließ den Schwerverletzten hilflos auf der Landstraße liegen. Die schließliche Hilfe kam zu spät, Scheg, der Vater von Zehn unversorgten Kindern ist, starb auf dem Wege ins Krankenhaus. Der mörderische Chauffeur' ist in Hast genommen worden. Drei Kinder ertrunken. Am Montag versuchten zwei Mädchen auf der dünnen Eisdecke eines Teiches inTraiS-Horloffin Hessen Schleifen zu ziehen. Wenige Meter vom Ufer entfernt brachen die beiden Kinder plötzlich ein und gingen unter. Ein achtjähriger Knabe, der ihnen zu Hilfe kommen wollte, brach ebenfalls ein. Alle drei Kinder ertranken. Aus de»„vierzehn Jahren der Schmach". Eine der Sehenswürdigkeiten des kommenden Berliner Autosalons wird eine Ausstellung sämtlicher Kraftwagen sein, die Hitler 14 Jahre hindurch benützt hatte, bevor er zur Macht gelangt ist. Wahrhaftig eine einzigartige Leiter der sozialen Karriere I Der arktische Winter dauert im amerikanischen Mittelwesten an. Chicago meldet den schlimmsten Schntesturm dieses Jahrhunderts. Zwanzig Personen sind erfroren, zwölf Eisenbahnzüge sind in Illinois, Iowa und Michigan eingeschneit. Der Eisenbahnverkehr ist teilweise völlig stillgelegt. Die Temperaturen in Minnesota betragen bis zu 45 Grad Celsius. Ueberall ist Kohlenmangel, Milchknappheit und Wasser« mangel infolge eingefrorener Wasserleitungen zu verzeichnen. Sieben Mitglieder des Arbeitsdienstes treiben auf einer Eisscholle in der Nähe von Cap Cod südöstlich von Boston. Die Bemühungen des Küstenwachtdienstes die Schiffbrüchigen zu erreichen, waren bisher erfolglos.— Belgrad meldet, daß die Zahl derTodesopfer infolge des letzten Schneesturmes in Jugoslawien nach i den bisherigen Berichten auf elf gestiegen sei.— Wie aus dem Murgebiet gemeldet wird, stürzte dort im Dorfe Gatsch ein Haus-ein, wobei eine| vierköpfige Familie getötet wurde: In Bosnien verirrten sich s^chs Bauern im Schneesturm und erfroren. Ein« Filmstadt niedergebrannt. In E1- st r e e, dem sogenannten„englischen Hollywood", richtete ein großer Brand erheblichen Sachschaden Prag. Auf einem einsamen Hohlweg zwischen Jarov und Kärov in der Nähe von Königssaal wurde Sonntag vormittags von einem Passanten die Leiche des arbeitslosen Elektromonteurs Jaroslav B i r 1 aus Prag XII gefunden. Virl war durch einen Revolberschnß in die Schläfe getötet worden, der ausnächsterNähe abgegeben worden lein mußte, weil die Haut rings um die Einschußöffnung versengt war. Weder an dem Toten noch in der Nähe waren Spuren eines Kampfes feststellbar, so daß der Tod einen nichtsahnenden Menschen überrascht haben mußte. Es war ein Raubmord, wenn auch die Beute nur gering war. denn Virl hatte außer einigen Lebensmittelm die er in seine Weekendhütte mitnehmen wollte, nicht mehr als 15 Kronen bei sich. Während noch die Gendarmen nach Anhaltspunkten für ihre Forschungen suchten, wurde ihnen ein zweiter Mord gemeldet, der einige Kilometer entfernt in der Mittaaszeit entdeckt wurde. Das zweite Opfer, die 16iährige Fabrikarbeiterin Jirina Chaloupkova. wurde genau auf dieselbe Weise getötet, wie Virl. Auch sie wurde von der Kuael aus allernächster Nähe in den Kopf getroffen. Das einzige, was sie mit sich trug, eine Handtasche mit einigen Kronen, hatte der Mörder geraubt. Das Mädchen wurde unweit vom Orte Bkezäny ge- ftinden, wohjn es aus seinem Heimatsort Zä- behlice geganaen war, um die Mütter abzuho- len und ein Maskenlleid für einen Kostümball auszuborgen. In beiden Fällen wurde die Tat kurz nach der Verübung entdeckt, aber trosidem hatte niemand einen Verdächtigen in der Nähe gesehen. Erst im Laufe des Sonntagnachmittags und des Montans meldeten sich einige Leute, die zur kritischen Zeit einen jungen Landstreicher in der Gegend beobachtet hatten. Am genauesten ist die Aussage eines Vraaer Advokaten, der nicht weit von den Mordstellen von einem Unbekannten angehallen wurde und ihn nur durch die Drohung mit einem Revolver ver- tteiben konnte. Diese Aussage gibt der Gendarlassen. Die Strecke soll alle Bogenarten vor-! schreiben, die Schwierigkeit hängt nicht allein von der KrAmmUNg ab. sondern von der Geschwin- digkeit, Steilheit und der Lage gegcniiber der vorherigen und folgenden Tore. Die Strecke darf erst amWettkampftag ausgesteckt werden; damit sind Vorteile der Ortskundigen hintangehalten. Wer die Strecke oder ein Stück derselben vor dem Wettkampf durchfährt, wird aus der Konkurrenz ausgeschiedcn. 1 Nr. 35 Dienstag, 11. Feber 1936 Tunnel unter« Don. Die Entwürfe für den Bau eines grandiosen Tunnels unter dem Don in R, o st o w sind vollendet worden. Der Tunnel wird nach dem Entwurf von Jng. Powaljajew, der zwei Galerien für verschiedene Verkehrsmittel vorsieht, erbaut werden. Seine Länge wird 1300 Meter betragen. Wenn Taubstumme sich scheiden lasten... Der Taubstumme Charles Davis hat bei den Gerichten des Staates Indiana die Scheidung von seiner Frau beantragt, mit der er lange Jahre im besten Frieden gelebt hatte. Aber vor kurzem mutzte er zu seinem grenzenlosen Ekel feststellen, datz seine Frau den Hund in einem grotzen Kessel badete, in dem für gewöhnlich die Suppe gekocht wurde. Beim Termin konnte sich das Gericht, waS ohne weiteres verständlich ist, mit den Parteien nicht verständige». Es muhte ein Dolmetscher in Aktion treten, der wiederum verständlicherweise Lehrer an einer Taub- stummen-Schule war. Nachdem man sich nun allerseits verständigt hatte, wurde die Ehe geschieden. ' In jeder japanischen Schule befindet sich ein Bildnis des Mikado und wird von. der Verwaltung .und den Schülern fast wie ein Heiligenbild verehrt— ist doch der Mikado„Sohn des Himmels". Nun verschwand das Mikadobild vor kurzem aus der Schule der Stadt Nyami. Alle Nachforschungen blieben ohne Erfolg. Aber nach einigen Tagen erhielt der Direktor«inen anonymen Brief, in dem, ganz nach den Methoden der amerikanischen Kidnappers, 800 Den Lösegeld für das Bild verlangt werden, widrigenfalls das Bild vernichtet werden würde, was eine schwere Schmach für die Schule bedeutet hätte. Der Direktor versuchte, mit dem Unbekannten zu verhandeln und bot 200 Den am Erst als nichts zu erreichen war, hetzte er einen Detektiv auf die Spur. Der Räuber des Mikadobildes war bald gefasst. Es war ein Schüler der Anstalt, der bei seiner Verhaftung erklärte, dass Kriminalromane ihn auf die Idee der Erpressung gebracht härten. DaS Geld habe er gebraucht, um eine Geisha loSzukaufen. England und UDSN im Fernen Osten. Wie man der Agence Havas auS Tokio meldet, ist man dort über die russisch-englische Annäherung bcunruhjstt. Der Sprecher des Auswärtigen Amtes hat folgende Mitteilung den AuslandS- journalisten zukommen lassen:„In Japan hat niemand die Gerüchte über eine angeblich japa- nisch-deutscheAllianz ernst genommen. Diese Gerüchte, die von Moskau aus nach London und Paris lanciert wurden, sind durch den japanischen Botschafter in Paris, Sato, offiziell dementiert worden. In den englisch-rassisch e N Bez i e hu n ge n einerseits und den russisch-französischen andererseits sind allerdings Veran^d e r u»gen«tngetretrn. Diese Veränderungen sind so plötzlich eingetreten» dass die Japaner zunächst noch nicht Stellung dazu genommen haben. Jedenfalls haben diese Verschiebungen in der europäischen Situation keine unmittelbare Beziehung zu Japan." Italienische SchwieriAmen. Das gut informierte Pariser Organ„Oeuvre" hält die wirtschaftliche Lage Italiens für sehr gefährdet. Der Goldvorrat betrage nicht mehr als drei Milliarden Lire, während monatlich 500 bis 600 Millionen verausgabt werden. In der letzten Sitzung des Obersten Faschistischen Rateö hebe Marschall d e B o n o zu einem K o m p r o- Besserung des Außenhandels erreichen. ES 6ericktssaat Mitteleuropa hinauSzud rängen. England fei an allem schuld. Die durch die Pariser Verhandlungen geschaffene Situation verlang» von Italien eine ganz besondere Aufmerksamkeit. Die britische Initiative, die durch Frankreich unterstützt werde, zerstör«, die letzten Restz.der frü^ Heren europäischen Solidarität und arte, in ei.:: direkte ProvokmtiongegenLber Italien und einigen anderen Staaten aus. England rolle neue Probleme auf. und man müsse zu deren Lösung neue Methode", an wenden. m i ss geraten. Mussolini habe geantwortet,«i habe dafür nicht genügend Trümpfe in der Hand. Es sei vorher notwendig, einen entscheidenden Siez in Ostafrika zu erringen.— Der Vatikan soll sehr besorgt sein. Der Papst unterstütze Mussolini, da er befürchte, der Fall des Diktator-würo.- di« Revolution entfesseln. Deshalb such« der. Vatikan seinen ganzen Einfluss in Paris und London zur Erreichung eines Kompromisse» einzusetzen. — Das italienische Propagandaministerium dementiert die Gerüchte über die Unstimmigkeiten in der letzten Sitzung des Obersten Rates, dieses Dementi klingt aber seinem ganzen Tone nach nicht besonders überzeugend. Rom über di« Pariser Verhandlungen ungehalten.„G i o r n a l e d'J t a l ia", das mehr und mehr zum Sprachrohr des Offiziellen Rom wird, stellt in einem nervösen Leitartikel fest, dass die Pariser Verhandlungen einen neuen und fruchtlosen Versuch darstellen, Italien aus nenn Fahre« schweren und verschärften KerkerS..' mit der Kleinen Entente und Obwohl die Tschechoslowakische Republik mit Jugoslawien und Rumänien in der Kleinen Entente in einem stabilen politischen Bündnis vereinigt ist, ergaben sich in den gegenseitigen Ivirtschaftlichen. und handelspolitischen Beziehungen wiederholt ernste Schwierigkeiten. Die eigene wirtschaftliche Struktur der drei Länder erschwerte ein harmonisches Abstimmen bestehender Interessengegensätze, so oft auch von der politischen Seite her zu ihrem Ausgleich eingegriffen tvur^e. Aber diese Schwierigkeiten waren vor allem für die in unserem Lande massgebenden Faktoren nur immer wieder der Anlass? fortgesetzt nach neuen Möglichkeiten einer engeren wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu suchen. Der ständige Wirtschaftsrat der Kleinen Entente wurde Es ist demnach 1935 die Einfuhr aus Jugoslawien und Rumänien gegen 1933 um 215 Millionen Kronen gestiegen, die Ausfuhr in diese Länder dagegen um 282 Millionen Kronen! Für alle Balkanländer ergibt sich«ine Einfuhrerhöhung in den gleichen Jahren um 243 Millionen Kronen, während die Ausfuhr um über 400 Millionen Kronen zugrnommen hat. Mehr al» ei» Viertel der gesamten Aus- suhrsteigerung der Tschechoslowakei entfällt also auf die fünf Balkanländer. Diese günstige Entwicklung kommt auch in dem Wachsen des prozentuellen Anteils der Kleinen Entente und der Balkanländer an der tsche- choflowakischen Ein» uird Ausfuhr zum Ausdruck. Betrug der Anteil Rumäniens und Jugoslawiens an der Einfuhr unseres Staates 1933 etwa 6,9 Prozent, so erhöhte er sich 1935 auf 9,3 Prozent. Alle Balkanländer zusammen vermoch- den Balkanländern Untermauerung des po l i tischen Bündnisses zielbewusst eingesetzt. Unverkennbar sind denn auch in den letzten Monaten in den wirtschaftlichen und handelspolitischen Beziehungen der Tschechoslowakei mit Rumänien und Jugoslawien einige Besserungen eingetreten. Am deutlichsten sind sie auf dem Gebiete des Auhenhandels zu erkennen. Der tschechoslowakische Außenhandel verdankt seinen Wiederaufstieg in den letzten zwei Jahren sehr wesentlich der Zunahme des Umsatzes mit den Staaten der Kleinen Entente. Aber auch nach den übrigen Balkanländern konnte die Tschechoslowakei 1935 im Vergleich zu 1933 eine wesentliche Umsatzsteigerung ten ihren Einfuhranteil von 9,9 Prozent auf . n a x,-*. i«nioeaun« maskieren. Lnesmai narre er Peru,«em l 2« Prozent Sustergern. Bonder gejamten tsche-«xinstelgen war doch nicht ganz lautlos gegangen litt Maske und Revolver Gangsterstück eines Entgleisten den Einbrecher ziemlich übel zugerichtet. Gleichwohl wäre dieser wohl entkommen, aber der zur Maskierung angezogene Schlafrock wurde ihm verhängnisvoll, denn er blieb beim Uebersteigen de» Zaunes mit den flatternden Schössen hängen und wurde verhaftet. Man fand bei ihm ein sorgfältig zusammengestelltes Verzeichnis von zehn weiteren Wohnungen, die er mit seinem Besuch zu beehren gedachte. Wie trefflich er alle« vorbereftet hat, geht daraus hervor, dass er durch mehrere Tage, hindurch sich hemüht hat, sich mit dem Hund deS Herrn Fak- tor änzrckreuaden, damit, dieser ibm^glS altem Br», kanntenbeim"Ansteigen"in'Hdie Wähssüng" kesssti' Schwieristketten mache,'h'; Der Angeklagte war im wesentlichen geständig und bestritt bloss, als alterfahrener Kriminalbruder, den Revolver»in friedseliger Absicht" gebraucht zu haben. Die Einbrüche begründete er damit, dass er sich vor seiner Heimkehr habe^ordentliche Kleider kaufen" wollen. Die Verhandlung dauerte bi- in die siebente Abendstunde. . Den Geschworenen wurden insgesamt s ü n f» z e h n S ch u l dfr a g e n vorgelegt, die insgesamt einstimmig oder mit grosser Mehrheit besaht wvrden. Der Schwurgerichtshof verurteilte den Angeklagten zu Rumänien, Bulgarien, Griechenland und die Türkei ist eine Steigerung des Ausfuhranteils von 9,1 Prozent auf 12,6 Prozent zu ver zeichnen. Damit hat der tschechoslowakische Aussen handel von dem Krisenverlust, den er erlitten hat, bei den Balkanländern schon wieder einiges auf geholt. ES find ihm auch weiterhin einige Chan cen gegeben. Ob er sie aber voll ausnützen kann, das hängt sehr entscheidend mit ab von der, sozial», Wirtschafts» und handelspolitischen Ver« i wehrt und mit einem in der Eile aufgerafften Meiscl einbarung unseres Staates, die wenigstens in der vergangenen Zeit nicht immer unserer Ausfuhr die Bahn freigemacht hat. Mittel erschöpft waren. Eintänzer. Schließlich kehrte er arm und abgerissen" nach Prag zurück,, i Seine Verwandten wendeten sich auch Uzetter- Hin nicht von ihm ab, sondern setzten ihm eine Monatsrente von 700 K£ au», mit der er allerdings nicht seln AuÄangen fand. Nach verschiedenen fragwürdigen Stückchen, die ihn mit der Polizei in Berührung brachten, erfolgte die unausbleiblich« Rückkehr zum Einbrechergewerbe. Die, zwei Einbrüche, die bei der gestrigen Verhandlung in Frag« standen, zeugen von der Raffiniertheit und Verwegenheit des Angeklagten. Irgendwo hatte et aufgeschnappt, dass in der Weinberger Wohnung des Herrn Felix Pollak etwas zu holen sei.. Er liess sich am Abend de». 10. Okwber in dem HauS(in der Sladkovfkystraße) einsperreN, drang in den. Dachboden ein und liess sich an einem ' Seil im Lichtschacht his ins dritte Stockwerk herab, wo Pollak wohnt. Durch das Klosettfenster, gelangte er in die Wohnung. Gleich im Vorzimmer fiel,ihm ein Ileberzieher in die Hände, aus dessen Brusttäsche - er eine Brieftasche zog, die 1700 Ke enthielt. Dann verließ er aus dem gleichen halsbrecherischen Weg das Haus./ 7.';7‘7 Drei Tage später unternahm er einen wetteren Einbruch, und zwar gleichfalls auf den Weinbergen. Diesmal suchte er die Wohnung eines Herrn Leopold Faftor heim. Dieser Einbruch verlief indessen nicht, so glatt wie her erste, sondern führte zu dramatischen Komplikationen., Der Angeklagte hätte die gleiche Methode gewählt, wi« beim ersten Einbruch. Er liess sich abermals au einem Seil in den Lichthof hinab und drang maskiert in die ausersehene Wohnung ein., Sein erstes Werk war(wie hei dem ersten Einbruch), die Telephondrähte abzu- schneiden, sein zweites, den Schlafrock des Hausherrn anzuziehen, der ihm von ungefähr in die Hände fiel. Er wollte sich für den Fall der i Entdeckung maskieren. Diesmal hatte er Pech. Sein »tm- Mü. i ärSWijS STiT™ und Rumänien 1933 7,2 Prozent, 1935 dagegen Köchin ist«ine Frau, die in der Familie ihres Dienst- 9,5 Prozent auf. geberS alt geworden ist. Als sie den ersten Schrecken Für alle Balkanländer, also Jugoslawien,| überwunden hatte, stellte sie hch dem Eindringling entgegen. Es entspann sich ei» Handgemenge, in dessen Verlauf Rusticka seinen Revolver zog. Zuerst feuerte er zwei Schüsse ah und als der Hausherr und sein Söhn herbeieilten, um den Eindringling festzunehmen, schoss der Einbrecher weiter..Insgesamt hat erfünfSchüsse abgegeben und es ist nur einem glücklichen Zufall zuzuschreiben, daß der 76jährige Hausherr, auf dessen Bauch der Lauf der Waffe-gerichtet war, im letzte« Moment zur Seite wich. Die alte Köchin hat sich Übrigens tapfer ge- als ein Mittel der wirtschaftlichen betrug: ms: 1933 ten .280,9' 1765 Ausfuhr nach: Jugoslawien. Rumänien E i 1935 in 3 362,5 260,0 »fuhr c 1934 killionen Kror 199,8 185,7 1935 in 318.2 383.3 1934 Millionen i 252,9 271,1 1933 krönen 197,4 222.2 Kleine Entente 622,5 385,5 407,b 701,5 524,0 419,6 Bulgarien 70,7 28,5 47,1 91,7 23,7 19,5 Griechenland 55,1 51,7 41,6 63,6 51,8 23,0 Türkei 74,4 85,4 83,0 77,8 154,6 69,8 Balkanläder inSgsamt 822,7 501,1 579,3 934,6 754,1 531,8 Vor zwanzig Jahren i Verdun In den nächsten Tagen werden eS zwanzig Iaht« sein, dass die blutigste Schlacht der Weltgeschichte begann, jene» furchtbare Gemetzel, auf das man Schillers Wort anwenden könnte:„Ein Schlachten war's, nicht eine Schlacht zu nennen"! Für Deutschland und Frankreich ist der Raum um Verdun das Massengrab einer ganzen Generation geworden. Monatelang war die Hölle von Verdun loSgelassen, wurden in der Blutmühle die Heere der beiden Völker zerrieben. Mit Verdun war aber auch der m o r a l i s ch e Wendep u n k t deS K r i e ge S erreicht. Im Grauen dieser Schlachten wurden die Völker zuerst von dem grossen Zweifel, von dem tiefen Abscheu erfaßt, die seit 1917 in allen Ländern die Strömungen gegen den Krieg genährt haben.— Unser Bild zeigt den Eingang zu dem Fort Dauaumont. nach der Erstürmung durch die Deutschen. Prag. Der schmächtige, gut angezogene und gewählt sprechende junge Mann, der gestern auf der Anklagebank' des Schwurgerichtssaales Platz nahm, sieht nicht nach einem Schwerverbrecher aus: Und doch legt ihm. die von Staatsanwalt Dr. M e j- st r i k vertretene Anklage schwere Straftaten zur Last. Dieser Karl R u st i ö k a siebt unter Anklage der nicht vollendeten Mordes, des doppelten schweren Einbruchsdiebstahls und der öffentlichen Gewalttätigkeit und die- Strafkarte dieses erst LOjähri« gen Menschen weist bereits eine Reihe schwerer Vorstrafen aus. Rustiökas Lebenslauf zeigt alle Merkmale der Laufbahn eine» früh Entgleiste«, der trotz günstiger Leberts umstände nicht die Kraft und den inneren Halt aufbrachte, ein neues Leben zu beginnen, obwohl ihm die Möglichkeit dazu offenstand. Karl Rustiöka ist der Sohn eines FrisrurS aus Böhmisch-Skalitz. Seine Eltern sind nicht unvermögend. Sie schickten ihn auf die Königgrätzer Handelsakademie. Sein Studium endete mit einem Skandal. Karl wurde überführt, einem Kollegen die Taschenuhr gestohlen zu haben. Die Folge war sein Ausschluß und seither gehörte er zu den sozialen Außenseitern. Obwohl seine Eltern ihn nicht verstossen hatten, trieb er sich umher und fristete sein Leben auf verschiedene Weise. Als 18jähriger wurde er in Olmütz zu neun Monaten Kerker verurteilt. Diese Sttafe besserte ihn nicht. Er ging nach Prag und wurde Kassenknacker. Als solcher entwickelte er ein« ausgedehnte Tätigkeit und als er zum zweiten Male vor Gericht kam, wurde ihm eine Sttafe von vier Jahren schweren Kerkers-diktiert. Unter anderen Einbrüchen fiel ihm damals der Einbruch im Hottl Beranek zur Last, aus dessen. Panzerkasse er 98.000 K£ davontrug. Als er wieder freikam, nahm er sein abwegiges Leben.von neuem auf. Sein« Eltern hatten den ungeratenen Sohn auch nach seinen weiteren Fehlttitten nicht im Stich gelassen. Da er als tuberkulös und nerventtank galt, qabe« sie ihm daS Geld kür eine Kur an der Adria. Unterwegs machte er indessen di« Bekanntschaft eines Dämchens, dem er sich anschloß, obwohl sie keineswegs nach dem Süden fuhr, sondern nach Baden- Baden. Dört verpulverte er das für hey Kurgebrauch bestimmte Geld und wurde schliesslich, als seine Werden Emigranten In der„Fiipanka“ mißhandelt? Prag. Am Montag sand beim Strafkreisgen'cht. in Prag(Senat OGR. Novotnh) die Haupwer». Handlung gegen den reichsdeutschen Staatsbürger. A. Blumenthal wegen des Verbrechen» der falschen Anschuldigung gemäss§ 209 St--G. statt. Dem Angeklagten wurde zur Last gelegt, dass er in einem anonymen Schreiben an das Innenministerium sowie bei seiner Einvernahme beim Untersuchungsrichter Beamte der Polizeidirekttvsi beschuldigt habe, sie hätten den Auftrag gegeben, Emigranten zu misshandeln. Weiser, dass er Wachleute.der. Prager Schubstation(„Fispanka") beschuldigt habe, sic hätten Emigranten mißhandelt. Der Angekläftte bestritt, den anonymen Brief geschrieben zu haben Und führte an, dass er selbst geschlagen worden sei. In der Voruntersuchung.-war ein Sachverständiger aus dem Schriftfache«invernommen worden', welcher«Märt hat, der anonyme Brief rühr« von der Hand des Angeklagten her. Der ärztliche Sach- vcrständigck hat angegeben, dass«ine Beschädigung deS Gebisse» vorliege, über das Alter, der körperlichen Beschädigung könne er sich jedoch nicht äußern. Der Verteidiger Dr. Wehl«(Kanzlei Dr, Schweb) brachte vor, daß der Tatbestand des Verbrechens der falschen Anschuldigung(früher Verleumdung)»ach 8 209-St.-G. nicht gegeben sei, da die Behauptungen des Angeklagten wahrsesen und er im übrigen dafür, wa» er vor dem Untersuchungsrichter angeführt hat, strafrechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden kann. DaS Gericht schloss sich dem Standpunkt des Verteidigers, dass ein Tatbestand nach 8 209 St,-G. nicht gegeben sei, an und- sprach den Angeklagten frei. Der Staatsanwalt meldete die Nichtigkeitsbeschwerde an und das Gericht beschloss über seinen Antrag, den Angeklagten, der schon seit Sep- ember 1935 in Untersuchungshaft ist, weiter iu Haft zu belassen. Seite 8 „Sozialdemokrat" Dienstag, 11. Feber 1936. Nr. 35 Trager Rettung ' Diebstähle per Draht. Drei Slowaken, der 21< jährige Juraj Kreseg aus Nfindid, seine28jährig>- Frau Katharina und der 31jährige Emil Odenasek aus Potkanid. alle drei zuletzt in AiZkov wohnhaft, wurden gestern verhaftet, da ihnen etwa dreißig un neuen Jahr verübte Diebstähle, nachgewiesen werden konnten. Es handelt sich in den einzelnen Fällen meist um Kleinigkeiten, Lebensmittel, und dgl., die sie mit Hilfe' von Drähten durch die vergitterten Fenster von Speisekammern und ähnlichen Orten hervorzogen. Eine Menge gestohlener Gegenstände wurden bei einer Haussuchung gefunden.- Ausgrglitten und das Rückgrat gebrochen. Der 49jährige Heizer Anton Kolar aus KobyliS, der Sonntag abends auf dem Denisbahnhof den Kompressor einer Lokomotive schmierte, glitt auf dem gefrorenen Trittbrett aus und brach das Rückgrat; außerdem schlug er sich die Vorderzähne aus und erlitt eine Quetschwunde am Scheites Die Rettungsgesellschaft brachte ihn auf die Klinik Schlaffer; die Verletzung ist lebensgefährlich.— Kurz vorher entgleiste in-Dejwitz ein Schleppwagen eines Motorwagens der 20er-Linie, der aus der Badeni- in die Belcredistraße fuhr und stieß mit der rechten Seite so heftig gegen die Plattform eines entgegenkommenden?2er-Wagens, daß auch dieser aus dem Geleise geschleudert wurde. Die Wagen wurden beschädigt, zwei Fenster zerschlagen und zwei Passagiere des Schleppwagens leicht verletzt. Unfall beim Angeln. Der 68jährige Fischer Josef Chvatal aus Prag VII, der Sonntag nachmittags am Holleschowitzer Kai Fische fing, wurde hiebei plötzlich von einem Unwohlsein befallen und fiel kopfüber in den Fluß. Ein Polizist, der von den Passanten aufmerksam gemacht worden war/ zog ihn heraus und ließ ihn, da er aus einer Stirnwunde, die er sich beim Fall auf einen scharfen Stein im Flüsse zugezogen hatte, stark blutete, ins Allgemein» Krankenhaus schaffen. Nachfolgende AuSflugSzüge werben abgefertigt. Vom 15. bis 23. Feber nach Spindlermühle für Kd 370.—; vom 22. Feber biK 2. März nach Karpatho- rüßland für KL 390.—• und nach Lubochna für Kd 433.—; vom 29. Feber bis 8. März wird ein Sonderzug unter dem Motto„Eine Woche auf den Kämmen des Riesengebirges" für Kd 440.— peran- anstaltet werden. Anmeldungen und Informationen im Basar neben dem Wilsonbabnhof. Tel. 383-35 oder Vacl. näm. 60., Tel. 350-55. Nmst luul Mssen- Der See Mereve.(Exotisches Spiel von Bladi- slav Bandura, Ständetheater.) Das Spiel behandelt das Problem der Kolonialpolitik, der freien wissenschaftlichen Forschung, der Solidarität der Ras- sen, die Auflehnung gegen ditz Unterdrückung der FarbiAff dlltch hie' Weißen; FrUen, die dramatisch, und erschütternd wirken; vor allem die geistige Verbundenheit deS französischen Forschers, Fordes, der am Ukerevesee in Uganda gegen die, Schlafkrankheit ankämpft, WAder roden und die Sümpf« trockenlegen läßt, um die Trägerin der Krankheit, die Fliege Tle-tse, zu vernichten. mit dem berühmten Bazillenforscher Koch in Berlin, der wirksame Heilmittel gegen die Krankheit sucht. Die erste Szene, im Berliner Reichstag, veranschaulicht den Kampf der militaristischen Imperialisten gegen die von Koch vorgeschlagene wissenschaftliche Expedition nach Uganda, die übrig«» Bilder sind an das Ufer des Ukerevesees verlegt, wo der französische Forscher seine Studien inmitten der somalischen Eingeborenen in der Gefahrzone der schrecklichen Krankheit fortsetzt. Die Eingeborenen, vom entlaufenen Matrosen Charpeau aufgehetzt, verlangen Heilmittel gegen die Krankheit, wo Forde nur den Erreger und Träger der Krankheitskesm- zu'bekämpfen sucht und vermag, da ein wirksames Heilmittel noch nicht erfunden ist. Professor Koch kommt mit der Militärmission nach Uganda, lädt den Forscher nach Berlin«in, um gemeinsam mit ihm das Studium der Krankheit fortzusehen, doch Ford: weigert sich im letzten Augenblick, der zuerst freudig angenommenen Einladung zu folgen, da er die Eingeborenen ihrem Schicksale und seine Frau Le«, die Tochter des Häuptlings, der Leidenschaft des Abenteurers Charpeau nicht überlassen will. Die Soma- len bereiten einen Aufruhr vor, dem di« Nerven des Forschers nicht mehr standhalten: er läßt in di-. Eingeborenen Schußsalven abseuern und in demselben Augenblick, als er sich seiner inneren Abkebr von dem Dienste an cher Menschheit bewußt wird, ereilt auch ihn das Geschick durch den Stich einer Tse-ts« mit der furchtbaren Ansteckung. Im Schlußakte zwingt ex unter Aufgebot seiner letzten Seelenkräfte leinen Gegner Charpeau, mit ihm gemeinsam dem Morden Einha'* zu tun und seinen Glauben an Solidarität, Menschentum und Frieden zu verkünden. Der Telegraph meldet gleichzeitig auS Berlin, daß ein wirksames Mittel gegen die Krankheit gefunden wurde. Aus Banduras Drama spricht der Arzt, der an d>- hohe ethische Sertdnnq 8er Wissenschaft glaub*' er zeigt die imverialiftisch« Politik und den säbelrasseln« den.Militarismus der Handelsviraten und Generale im schroffen G-qenlatz zu dem stillen Heroismus der Wissenschaft. Die Regie Frejkas suchte den Eindruck d«S Dramas zu vertiefen. waSffbr in einigen Szenen ungemein zwingend gelang. Heber dem an und für sich interessanten- Sujet des Dramas dürfen di« Leisiungen der Mitwirkenden nicht vergessen werden. In erster Reihe wäre Kabout-in der Nolle deS FordeS zu erwähnen. Stkpänek bat in seinem Matrosen CSarveau ein« ganz« Reihe. Typen■ verkommener Menschen um eine beme-renS- werte L-istuna vermeßet. Pras-ssgr Koch mit hi-steln» der. nihiaer Stimme ist nabel D e v l. Frau S- i- k> alovä war eine zivilisierte dezente, in ihren Ge- Naturkind in Schmerz-und Wildheit. Die-Musik JejekS ist, hauptsächlich im Trauerchor der Frauen. . bemerkenswert. Der Verfasser wurde stürmisch gerufen und- durfte sich für die überaus freundliche Aufnahme des Stückes bedanken. m. i. Im Rationaltheater wird demnächst Nikolai Mal k o eine Neueinstudierung der„C a r m e n" dirigieren; die H a d r a b o v ä ist in ,L w e i W i fto e n" und in„P i q u e- D a m e", Marie N e J ädalovä in„D a l i b o r" und als T o s c a angesetzt. Wohltütigkritsveranftaltung der Pfrffermühlr am Montag, den 17. Feber, abends 20 Uhr 15 im Unitaria-Saal, Prag II, Andnska näm.. zu ermäßigten Preisen.. Kartenvorverkauf bei Optiker Deutsch, Koruna-Paffage. Spielplan des Deutschen Theaters. Dienstag, Hh 8: llnentf chuldigte S tu n d e, A 1.— Mittwoch halb 8: Ein Verbrechen, deutsche Erstaufführung, B 2.— Donnerstag halb 8 Uhr: Der heilige Antonius,'Erstaufführung, CI.— Freitag 7: Lo h e n g r i n, Wagnerzyklus IV, DI.— Samstag halb 8: Kata- rina Ismailowa, D 2.— Sonntag halb 3: Was Ihr wollt, Arbeitervorstellung, halb 8: Der heilige A n t o n i u S, A 1. Spielplan der Kleinen Bühne. Dienstag, 148: Christian, deutsche Erstaufführung.— Mittwoch 8: C h r i st i a n, Bankbeamte II und freier Verkauf.— Donnerstag 8: JmLondoner Nebel, volkstümliche Vorstellung.— Freitag 8: Unentschuldigte Stunde, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8 Uhr: WasJhrwollt.— Sonntag 3: U n entschuldigte Stunde, 8 Uhr: Christian. Dorothea Wieck in„Student von Prag" Der Dinr Nippon Eine japanische Filmtrilogie, di« nach dem Schema„und abermals nach fünfhundert Jahren" dreimal das Thema von Liebe und Ehre variiert: um das Jahr 1000 muß der Jüngling mit seinem treuen Freund das geliebte Mädchen ästs der Gewalt eines despotisch grausamen Priesters befreien, um 1500 muß d«r junge Ritter äusziehen, um dem feindlichen Samurai das geraubte Familienschwert zu entreißen und am Ende die Braut erschlagen, weil sie einem anderen gegeben wurde, loährend im 20. Jahrhundert der junge Ritter sich in einen Lokomotivführer und Erfinder verwandelt hat, der gegen«inen Ingenieur zu Felde ziehen muß,' der ihm sein« Erfindung stehlen. will, bis schließlich der junge Held die gebührenden Ehren erringt und mit seinem Mädchen glücklich werden kann. Filmisch sind alle drei Episoden recht primitiv gemacht,, wenn auch diepPhotographie sehr gut ist. Bei den beiden historischen Szenen handelt es sich weniger um Filme, als. um verfilmtes japanisches Theater, und nur als solches sirü» sie interessant. Sie zeigen den traditionellen Stil der japanischen Bühne, die historischen, im Lauf, der Jahrhunderte kaum veränderten Kostüme, ein paar kultische Maskentänze und. so öst wie nur irgend möglich die wilden Fechtszenen, in denen der japanische Schauspieler alten Stils den Gipfel seines Könnens zeigt. Im dritten modernen Teil der Trilogie erfahren wir vom heutigen Japan kaum mehr als wir ohnehin, wissen: daß es den Ehrgeiz hat, Amerika im Tempo und die Preußen im Drill zu überbieten, daß seine Großstädte den alten Sfil- der Bauten und der Trachten bedenkenlos geopfert haben, ohne einen neuen zu finden, und daß nur in den alten Schriftzeichen, in den tiefen Verbeugungen der Untergebenen und in der Sitte des hok- kenden Sitzens sich die Tradition bis in die technisch-imperialistisch« Gegenwart erhalten zu haben scheint. Dieser japanische(offenbar für den Export nach Deutschland hergestellte und hier notdürftig mit tschechischen Titeln versehene) Film ist nicht so exotisch, wie ein Teil des Publikums erwartet, und nicht so aufschlußreich, wie der andere gehofft hatte, —eis— Melodie der Welt. Ein großes Schaustück aus Hollywood mit Jazzmusik, GirlS und Gigolos, mit Fracks und Toiletten, mit Drehbühne, Scheinwerfern und VerwandlungSeffekten, mit Lärm. Gesang und Tanz und mit einer Reihe neu entdeckter Stars, die in der Riesenmaschinerie dieser Revue kein« Eigenart -eigen können. Eine phantastische Unterhaltung für Leute, die ins. Kino gehen, um etwas zu sehen und nicht die Hoffnung haben, es müsse sich dabei auch rtwas denken lassen. Ter kleine Oberst. Ueber Shirley Te m p l e ist nichts Neues zu sagen. Immer wieder verblüfft die Routine eines Kindes, das nicht wie ein Kind spielt, sondern wie«in Star, und selbst da, vo es spielt, nur ein spielendes Kind zu spielen 'cheint. Der Film von„kleinen Oberst" ist nach dem rührseligen Schema der meisten Shirley Temple- Filme gemacht und zeigt uns den blondgelockten Liebling wieder einmal als helfenden und verhöhnenden Engel im häuslichen Streit. Den grimmen Großvater mimt Lionel Barrymore, einer der besten Chargenspieler von Hollywood, der aber hier zugunsten der kleinen Hauptdarstellerin auf die volle Entfaltung seines Könnens verzichtet zu haben scheint.—eis— Republikanische Wehr. Prag Feberkundgebung Donnerstag, den 13. Feber 1936. — Beginn 8 Uhr abends.— Handwerkerverein (Großer Saal), Prag II., Sm'ky 22. 8por»-8piet-Körperpjkege Die Olympischen Winterspiele finden wohl großes Zuschauerinteresse— soweit man dies bei dem massenhaften Auftreten der diversen Nazi-Organisationen so bezeichnen kann—, jedoch dieses konzentriert sich nuc auf jene sportlichen Ereignisse, welche u. a. von Nazi-Sportler unter Er- fclgsaussichten mitbestritten werden. Die ausländischen Sportler werden hingegen beinahe kaum beachtet. Ausländische Zuschauergäste sind aber nut sehr wenige anwesend. Nach dem Reiche des Hakenkreuzes zu fahren blieb nur den Sportlern der bür- gerlichen Verbände zum Teil auch aus sehr demokra- trschen Ländern Vorbehalten. Die Affäre Sonja H« nie hat großes Aufsehen erregt und bei den Nazis arge Mißstimmung erweckt. Ueberhaupt, diese„Amateure"! Da braucht man nür all die bürgerlichen Kanonen zu betrachten, wie z. B. Birger Ruud, welcher schon seit Beginn des Winters im Dritten Reich herumsportelt oder der Nazi Lantscher, der als einziger, jedoch getarnter Sportlehrer an der Olympiade teilnimmt Es ist nicht zu viel gesagt, daß die meisten dieser Olympia-Sportler nur sehr wenig mit dem Amateu- rjsmuS gemein haben.' und daß sie am allerwenigsten Ppn ihrer Hände Arbeit leben. Am Sonntag wurde die alpine Kombination für Männer mit dem Slalomlauf beendet. Sieger in dieser Disziplin wurde der Deujsche Psnür, während Birger Buud, der Abfahrtssieger, den vierten Platz in der Gesamtwertung nach Alde(Frankreich' besetzt. Bon den tschechoslowakischen Teilnehmern kam' Hollmann auf den 16. Platz. .: Die Eishockey-Spiele ergaben einen weiteren Sieg der tschechoslowakischen Mannschafi. Welche Frankreich 2:0 schlug und damit. Gruppenmeister wurde. Die übrigen Ergebnisse waren: Oesterreich gegen Lettland 7:1 und Schweiz gegen Italien 1:0. In die Zwiichenrunde steigen auf: Kanada, Amerika, Tschechofiowakei, Oesterreich, England, Schweden, Ungarn und Deutschland. Im Eiskunstläufen wurde am Sonntag mit den Pflichtübungen der Männer begonnen und Montag beendet. Einen beachtenswerten Erfolg errangen d-e tschechoslowakischen Skitahrer am Montag im 4X10 Kilometer-Staffellauf' sie besetzten den fünften Platz, die Razi-Sportler welche lebhafi.angefeuert" wurden von den auf de: Strecke verteilten.Freunden", hinter sich lassend, und das noch, obzwar die Nazi über jede Einzelheit der Strecken gut im Bilde sind. Sieger wurde Finnland in 2:41:33. aesalgt von Rorweaen in 2:41:39. Schweden in 2:43:03. Italien in 2:50:05 und Tschechoslowakei in 2:51:56. Sonja Henles„Amateurismus“ und Preisrichter-Schiebungen Der bürgerl'che Sport hat immer seine»Sensationen" mü> fühlt sich äußerst Wohl dabei. So war es auch in der Sitzung der Internationalen Eislauf-Union in Garmisch-Partenfirchen ES ist«in altes Lied um die.Amateur"-Eigenschaft der norwegischen Eiskunstlauf-Weltmeisterin Sonja Henie. Und daß etwas bei ihr nicht sfimmt, da? haben wir ia anläßlich ihres Prager Auftretens festgestellt. Aber das waren nur Ansichten. Nun aber, in der obigen Sitzung, packte der schwedische Delegierte einiges Material über die große.Amateurin" auS und das muß nicht wenia aewesen sein, denn den meisten Delegierten verschlug es das Reden. Nur der deutsche Delegierte erklärte, daß eine«ven» tuelle Disqualifikafion der Norwegerin eine schwere finanzielle Schädigung—: der Veranstalter bedeut-n würde. Wenn eS bei den Bürgerlichen um die Moneten gebt, dann wandern alle noch so outen Vorsätze über Bord. Vorläufig wird noch.verhandelt" und daS Ergebnis wird dem vorhergegan- qenen Sah sehr wahrscheinlich entsprechen. Drei Preisrichter— sie sollen bekanntlich ein reineS Herz und ebensolche Hände besitzen— wu'den in derselben Sitzung zu Kvei Jahren Disoualifikation verdonnert. Es sind dies Vieregg(Deutschland), Jarmv(Ungarn) und Beaumont(England). De- eine wie der ander« von diesen.Preisrichtern" ha- sich Schiebungen zuschulden kommen lassen. Sie haben nämlich jeweilig ihre Landsleute für b e s« s e r befunden und dementsprechend.bewertet". Eia Vergehen, welches bestraft werden muß und für welche leichter Ersatz gefunden werden kann als für eine Weltmeisterin, die sich gut honorieren läßt und auch einen Batzen Geld einbringt.,. Tschechoslowakei gegen Frankreich 3:0 13:0). Das am Sonntag in Paris stattgefundene Fußball- Länderspiel endete mit dem sicheren Siege des Ische» choslowakischen Teams, das das bessere Zusammenspiel aufwies, währenddem bei den Franzosen der Angriff versagte. Die Tore der Tschechoslowakei erzielten Pud, Boudek und Rejedly. DFC Prag gegen Mor. Slavia Brünn 1:0 11:0). DaS erste Ligaspiel, das die Prager— in Brünn— austrugen, wurde von ihnen verdient gewonnen, obwohl die Schußtüchtigkeit des Sturmes zu wünschen übrig ließ. Die Brünner waren technisch dem DFC unterlegen und versuchten nach der Pause, ihr Können durch Unfairnis zu beweisen, welches jedoch auch zu keinem Erfolge führte. Für den DFC ist der Gewinn beider Punkte ein großer Fortschritt, denn er brachte ihn von der gefährlichen letzten Stelle weg. Vorläufig— falls die Stürmer nicht das Schießen ordentlich lernen! Prager Fußtall. Im Dannerstadion fand eine Doppelve ranstaltung statt, die zwei Ueberraschungen brachte: SK Pilsen schlug Viktoria ZiZkov 4:1(1:0) und Bohemians verloren gegen SK Nusle 2:3(1:1). — In Lieben fand ebenfalls«in Doppelmatch statt, in welchem die Divisionsvereine keine gute Rolle spielten: SK Liben gegen Slavoj VIII 4:0(3:0), Meteor VIII gegen Cechie Karlin 2:2(0:2). Sonstige Fußballergebniffe. Kladno: SK gegen SK Rakonitz 4:0(2:0).— Pardubitz: SK Nachod gegen AFK 3:2(1:1).— Pilsen: Viktoria gegen Petrin 4:0(3:0).— Saaz: TSV gegen DFK Komotau 6:2(1:1).— Teplitz: TFK gegen SK Rosenthal 5:2(1:1).— Turn: Hvdzda gegen VfB Teplitz 7:3(3:2).— Brünn: Zaboviesky gegen DSV 5:1(3:1).— Protznitz: SK gegen Han. Slavia 7:1(2:0).— Budapest: Ferencvaros gegen Budai 3:1(1:1), Hungaria geg. Szeged 5:0(2:0), Ujpest gegen Kispest 4:2(2;1). — Wien: Wacker gegen Rapid 3:2(2:1). Vienna gegen WAC 2:1(1:1), Liberw° gegen Germania Schwechat 3:1(1:1), Sturm Graz gegen Hakoah 3:2, FAC gegen Helfort 2:2.— Marseille: Admira Wien gegen Olympiaue 12j2.— Besan« con: Beogradski SK gegen FC Sochaux 4:1. Englands kanadische Eishockeyspieler startberech- tigt. Und warum? England wendete daS bekannte und ofi bewährte Rezept des Vergleiches an,-»dem es erklärte, daß, wenn die in England spielen Kanadier gesperrt würden, es die Olympische verlassen würde und auch alle übrigen Spieler in den verschiedenen Teams gesperrt werden müßten. Um das und anderes zu vermeiden, hat die Internationale Eishockey-Liga wie der Strauß den Kopf in den Sand gesteckt... flue- der Partei Deutsche sozialdemokratische Frauenorganisation Prag Frauenaoend äm Freitag, den 14. F:b«r, um 8 Uhr abends im Partziheim, Prag II., Rarodm rtida 4. ES spricht Genosse Kreisky zu dem Thema:„Arbeiterbewegung und Konsumgenoffenschafte»". Generalversammlung der Bezirksorganisation Prag. Tie Jahresversammlung der Bezirksorgam- sation Präg der Deutschen sozialdemokrafischtn Partei findet Freitag, den 28. Feber 1936, um 8 Uhr abends statt. Die befreundeten Organisationen werden gebeten, d^sen Tag für die Generalversammlung der Bezirksorganisation freizuhalten. Sektion der sozialdemokratischen Bankbeamten. Donnerstag, den 13. Feber, um' lb 19 Uhr, im Parteiheim Prag II., Närodni tk. Nr. 4, wichtige Sitzung, zu der das Erscheinen aller Mitglieder erbeten wird.* ‘üeremseacfcrkfeten. Deutsche Bolksfinggemeinde Prag. Am Dienstag Probe der Frauen um 7 Uhr und der Männer um 8 Uhr abends. Es wird um pünktliches und vollzähliges Erscheinen gebeten. Der traditionelle Angestellteu-Ball der Ortsgruppe Prag des All-A-Ver findet am 29. Feber (SamStag) im Heinesaal statt. Reklamatio- nen an die Ortsgruppenleitung, Prag II.. Fög- nerovo näm. 4. Lteratur Angestelltrn-Kalendrr 1836 Reisendenkalender 1936. Herausgegeben vom Allgemeinen Angestelltenverband, Sitz Reichenberg, Turnerstraße 27. Dies« beiden Kalender sind außerordentlich prakfische Behelfe für die Angestellten im allgemeinen und für die Reisenden im besonderen. Sie enthalten außer Kalenderübersichten wichtige Bestimmungen auS dem Angestelltenrecht, sowie aus den anderen Gebieten deS Rechts und der Sozialpolitik, wodurch die beiden Kalender zu unentbehrlichen Handbüchern I für jeden Angestellten bzw. Reisenden werden. Der brllige Preis von Kd 7.50 macht jedetn die An- 1 schaffung möglich. ^gzre-»„nn-gch»n aber echt» Tach^-r d-r Trauen ein Bezugsbedingungen: Bet Zustellung ins HauS oder bet Bezug durch die Post monatlich Kd 16.- vierreljähria Kd 48.—. halbjäbrra Kd 96.— ganzjährig Kd 192—.— Jnierate werden laut Tarif billigst'berechnet- Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Me ZeitungSfrankatur wurde von der Post- und Tele- graphendirektio» mit Erlaß Nr. 1S.800/V1I/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis" Druck- Verlags» und Zeitungs-A.-G. Prag.