Mittwoch, 12. Feber 1936 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Halfer (•inKhli.Blich 5 H.lter Port») ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA«r. TELEFON 5X07. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICH« REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS. PRAG. 12. Februar gegeben. Sie hat bewiesen, daß der Faschismus I zum Kriege. Latz er zu unübschbaren Mensch- bestens 15 0.0 00 MannFrie- denSstandzn erhöhen. Ferner nahm der Ausschuß 45,540.177 Dollar zum treibt, auf die Dauer seine Anhänger nicht befriedigen kann. Darum finden sich in seiner Rede ein paar radikale Phrasen, wie die, daß er Kompromisse nicht liebe und daß seine Partei Mittel und Wege finden werde,.jedes Recht, daS uns gebührt» bis zum I-Tüpfelchen" zu bekommen,< Bezeichnenderweise fehlt diese l Stelle in der.Zeit", während sie in der„Bo- bcmia" angeführt ist!) Um unter seinen Anhängern. welche die alten Illusionen zu durchschauen beginnen, neue zu erwecken, ging Henlein nach London, er geht jetzt nach München, um den Glauben zu erwecken, daß das sudetendeutsche Problem außenpolitisch lösbar sei. Derartige Hoffnungen zu nähren ist ein schweres Vergehen am sudetendeutschen Volle.weil eS dessen innerpolitische Kräfte lähmt. heitskatastrophen führt. Europa mußte einsehen. daß eS an seiner verwundbarsten Stelle getroffen wurde, als der Faschismus nach Wien griff- Europa hat an den österreichischen Sozialisten viel gut zu machen, es hat eine schwere Schuld abzutragen. In Men haben vor zwei Jahren Tausende rote Kämpfer für eine Sache gefochten, deren ganze Größe nur die wenigsten Zeitgenossen ahnten. Es wird keinen Im amerikanischen Senat kam es z« einer Debatte über das japanische Vorgehen in China, gegen das der Vorsitzende des Außenansschnffes Pittman in den heftigsten Worten Stellung nahm. Pittman klagte die Japaner des wiederholten Bruches der Verträge und deS Völkerrechts an und beschuldigte sie, China z» einer japanischen Domäne machen z« wollen. Er wies in scharfen Ausdrücken die Auffassungen des japanischen Botschafters Baron Saito zurück,, der vou der asiatischen Monroä-Doktri« gesprochen habe. Japan schütz« keineswegs wie die USA es im Sinne der MonroS-Doktrin mit den lateinamerikanischen Staate» getan hätten, die Unabhängigkeit Chinas, sondern es vernichte sie. Der Attacke Pittmans schloffen sich andere Senatoren an. Einer von ihnen, LewiS sprach die merkwürdige Ansicht ans, daß I a p a» s i ch mit Rußland auf Ko st en der USA einigen wollen. Diese Meinung wirkte umso merkwürdiger, als sie zu einer Zeit erfolgt, da zwischen Moskau und Tokio die heftigste Pressefehde tobt und an den Grenzen täglich die Gewehre knallen. Der Staatssekretär Hüll erklärte, er habe mit Pittman über dessen Rede nichts vereinbart, habe aber auch keinen Grund, dir Rede zu kommentieren. Der japanische Botschafter Saito begnügte sich der Presse gegenüber mit der Arußr- rung, er halte einen Krieg zwischen Japan und den USA für ausgeschlossen. * Washington. er auf alle Fragen gibt. Nichts Programmati- scheS, nichts Klares, nichts Bestimmtes ist in die- „, feit Reden enthalten. Konrad Henlein tut nichts schuß 45,540.177 Dollar"imm» an einer anders als die g anze poli tischp A tmo- n»- L» s t f l o t t o von 565 Kampf- i sphä're be r n e b eln, damit-sein« Anhänger flugzeuge, an, d. s. um 58 Flugzeuge mehr als nicht sehen, waS rings um sie herum vorgeht, im Budgeworanschlag verlangt wurde. Dazu be-1 Konrad Henlein und seine Hintermänner willigte der Ausschuß über das verlangte Budget scheinen zu fühlen, daß dieses nebulöse Gerede, hinaus noch drei Millionen Dollar zur Verstär-. das er nun zweieinhalb Jahre berufsmässig be- kung der Verteidigung der Westküste der Ber einigten Staaten und weitere drei Millionen zum Ausbau der Verteidigung der Hawaiischen Inseln sowie 725.000 Dollar zur Verteidigung Pana mas. Im vorläufigen Budget befindet sich ferner ein Posten zur Verstärkung der Rationalgarde um 5000 Offiziere und Soldaten. Hiemit erreicht die Garde einen Effektivstand von 200.000 Mann. lkerem Maße aus die aktive Gegenwehr Iber friedliebenden Nationen stoße. Sowie der Faschismus die Gegenkräfte in - der Außenpolitik hervorgerufen hat, so find auch innenpolitisch die demokratischen Kräfte in den nichtfaschistischen Ländern wieder im Aufstiege, „der Wahlerfolg der englischen Arbeiterpartei, der Vormarsch des skandinavischen Sozialismus, das Wiedererwachen der spanischen Demokratie, die Stärkung der französischen Linken sind sein« markantesten Anzeichen. Noch lastet die Nacht der Diktatur über Europa, aber schon kündigt s i ch e in neuer Morgen der Demokratie a n." Diese Entwicklung, so sagte Genosse Taub weiter, kommt auch in der Tschechoslowakei immer mehr zum Ausdruck. Der Beweis dafiir war die Präsidentenwahl im Dezember und mit Recht konnte Genosse Taub lagen:„An der unerschütterlichen Festigkeit der Parteien des demokratischen Sozialismus, an dem eindeutigen Bekenntnis der katholischen Parteien zur Demokratie ist Scharfe Sprache gegen Japan im amerikanischen Senat Biesen-Rüstungsbudget der USA Frieden, keine Sicherheit,, 1 keine Ruhe in.Europa geben,! mWCI ehe nicht däs Unrecht von 1934! wieder gut gemacht ist. Daß dies heute zur Weltmeinung wird, daß heute der Kampf um die Befreiung Oesterreichs im Mit- telpunü der europäischen Polstik steht, mag denen eine Aufmunterung sein, die ausgeharrt haben im Kampf um ihr Recht und um unsere> Sache, es ist ein Lorbeerkranz auch auf das Grab' der Opfer, die vor zwei Jahren für der Gedanken ei n e s neuenEuropa gestorben find, das sich ihnen im Roter Wien am sinnfälligsten dar- stellte! Seite L Mittwoch, 12. Fever 1936 Nr. 86 150 Waggons Zucker für Arbeitslose DaS Ministerium für soziale Fürsorge ist bei brr Durchführung seiner segensreichen Win- terhilfSaktion sür Arbeitslose zu einer neuen großen Aktion gekommen. ES hat sich dazu entschlossen, in den nächsten Tagen den Arbeitslosen 16V Waggons Zucker zuzuteilen. Ter Zucker wird den Bezirken zugewiesen werden, worauf diese unter Mitwirkung der BrzirkSkommissione» den Zucker den einzelnen Gemeinden zuteilen werden, welche diesen an die Arbeitslosen weiterzugeben haben. Die Beteiligung der Arbeitslosen mit Zucker ist ein weiterer Beweis der emsigen Für- sorgetätigkeit der sozialistischen Parteien in der Regierung. Während der „Führer" der Gudetendeutschrn Partei nichts als Phrasendunst von sich gibt und Auslandsreisen im LuxuSauto unternimmt, sorgt die Sozialdemokratie für dir Aermsten der Armen. dtzr reaktionäre Vorstoß vollkommen zusammengebrochen: Das höchste Amt im Staate bleibt nach wie vor die feste Garantie für demokratische Entwicklung. Damit ist aber auchdieSudeten- d rutsche Partei geschlagen worden. Die Kläglichkeit ihrer Scheingröße ist enthüllt, ihre politische Ohnmacht vor dem Volke bloßgestellt. Die Voraussetzungen der demokratischen Zusammenarbeit in der Tschechoslowakischen Republik sind gefestigt und für die nächste Zeit gesichert worden." Diese optimistische Auffassung der außen« und innenpolitischen Probleme, wie sie Genosse Taub hat, verschließt aber unserem Abgeordneten durchaus nicht die Augen für die schlvierigen wirtschaftlichen und sozialen Aufgaben, vor denen wir stehen. Taub hat eine Reihe von klar umrissenen Forderungen aufgestellt, die notwendig sind, damit die sudetendeutsche Wirtschaft angekurbelt werde. Er verlangt eine aktive Handelspolitik, planmäßige Organisation der Exportindustrie, Beschleunigung der öffentlichen Investitionen, Unterstützung der Baubewegung, Verkürzung der Arbeitszeit, Organisierung des Arbeitsmarktes, Bekämpfung der Kartelle, Verhinderung der mutwilligen Stilllegung lebensfähiger Betriebe. Daraus erkennt man— wir wollen das einmal ruhig und ohne Leidenschaft aussprechen, damit es auch jene erkennen, welche noch nicht das genügende Verständnis für die Politik der Sozialdemokratie haben— in welchem Phrasendunst di« SdP die Politik gehüllt hat und wie klar dem gegenüber die Anschauungen der So« zialdemokratie sind. Jeder politisch reife Mensch wird von dem Politiker, dem er sein Vertrauen schenken soll, verlangen, daß dieser ihm nicht nur sagt, was er erreichen will, sondern wie der Weg sei, der zum Ziele führt. Darauf gibt Konrad Henlein keine Antwort. Die Unzufriedenheit aber in seinem eigenen Lager lehrt, daß die Zeit näher rückt, da die Sudetendeutschen die Antwort auf diese Frage verlangen werden. „Offener Konflikt“ Kunschak-Starhemberg Die Helmwehr verteidigt Ihr„Recht auf Diebstahl“! Wien.(Tsch. P. B.) Zwischen den oberösterreichischen Heimwehren und dem regierungstreuen GewerkschaftÄnind entstand in der letzten Zeit eine Spannung, die in Versammlungen und in der Presse einen lebhaften Widerhall findet. In der Werks-Genossenschaft(dem früheren Arbetterrat) der Automobilfabriken in Stehr wurden finanzielle Unzukömmlichkeiten aufgedeckt. Insbesondere zeigte sich, daß der Kassier der Werksgenossenschaft 3000 Schilling unterschlagen hat und dem Vorsitzenden der Werksgenossenschaft wird vorgeworfen, daß er eine ungenügende Aufsicht über die Kaffengebarung geführt, auch selbst sich ähnlicher Unzukömmlichkeiten schuldig gemacht und sich zweimal Reisespesen habe auszahlen lassen. Aehnliche Beschuldigungen werden auch noch gegen ein drittes Mitglied«der Werksgenossenschaft vorgebracht. Alle drei kompromittierten Funk t i o n ä r e sind Mit« gliedev; de.r'Heinrwehr.: Der Gewerk-: schaftsbund: hat die ganze Werksgenossenschaft aufgelöst und gegen die Beschuldigten Strafanzeige erstattet, sodann aber eine necke Werksgenossenschaft ernannt, in der nur ein Mitglied und zwei Ersatzleute der Heimwehr angchören. Dies« Ernennung der neuen Werksgenossenschaft rief unter den Heimwehrleuten große Erregung hervor. Schon in einer am Sonntag nachmittags abgehaltenen Versammlung de- Heimatschutzes wurden gegen den Gewerkschaftsbund und dessen Funktionäre scharfe Angriffe gerichtet, hauptsächlich auch gegen dessen Vorsitzenden S t a u d a, der als AnhängerKunschakS gilt. Dem ganzen Gewerkschaftsbund wird nachgesagt, daß er der ehemaligen christlichsozialen Richtung nahe stehe. Dienstag erschien daS Heimwehrblatt „Neue Zeitung", das«inen Tagesbefehl des oberösterreichischen Landesleiters des Heimatschutzes veröffentlicht, in dem«S heißt:„Der offene Konflikt zwischen dem Heimatschutz und den Kunschakleu- t e n im Gewerkschafsbund, den wir schon lange befürchtet haben, sst nun in Oberösterreich ausgebrochen. Ich fordere alle Kameraden auf, in den schweren Tagen, die herännahen, volle Ruhe und Disziplin zu halten; denn wir können nur durch unerschütterliche Einigkeit siegen!" Sie heben Augst I Wien.(Tsch. P.-B.) Montag und Dienstag wurden in Wien und Umgebung eine größere Zahl von Angehörigen der aufgelösten sozialdemokratischen und kommunistischen Partei in Haft genommen. Privaten Schätzungen zu» folge handelt es sich um etwa 120 Personen. Diese Sicherheitsmaßnahme wurde iPt Rücksicht auf den morgigen Jahrestag des Feberaufstaudes des Jahres 1934 ergriffen. Arbeitslosen-Aufruhr Athen.(Tsch. P. B.) Auf der Insel Myti- lini griffen Arbeitslose di« Bäckerläden an und richteten große Verwüstungen an. Truppen und Polizei feuerten auf die Menge, die jedoch nach heftigen Zusammenstößen die Polizeibeamten zwang, sich in den Hof eines Gymnasiums zurückzuziehen. Daraufhin griffen die Arbeitslosen mit Steinwürfen das Gericht an, um sieben ihrer verhafteten Genossen zu befreien. Man befürchtet neue Unruhen. Um die Neugestaltung des Genter Systems Im sozialpolitischen Ausschuß des Abgeordnetenhauses wurde Dienstag dir Debatte über die letzten Erklärungen des Fürsorgeministers abeg- führt, die sich hauptsächlich mit der beabsichtigten Neuregelung desGenterSystems befaßt hatten, ll. a. erklärte der tschechische Genosse T a y e r l e, man sollte wieder zu dem ursprünglichen Gesetz zurückkehren. Ein Vertreter der SdP benützte die Gelegenheit, um gegen das Verbot ihrer Arbeitslosenkundgebungen in der Provinz zu protestieren. Im Laufe der Debatte nahm auch Fürsorgeminister Genosse R e£ a S nochmals das Wort. Für unsere Fraftion sprach Genosse Taub, der u a. erklärte, was der Minister über die Novellierung des Genter Systems gesagt hat, stelle dir Mindestforderungen auf diesem Gebiete dar. Er hpfst, daß in der Novelle auch unsere Forderungen hinsichtlich der jugendlichen Arbeitslosen Berücksichtigung finden werden. Weiters sprach Redner den Wunsch aus, daß die Geschäftsordnung, daß nicht gelesen werden oarf, wirklich gehandhabt werde. Man will doch wissen, daß der Redner seine eigenen Anschau- unzen und nicht die eines Dritten Vortritt. Auch wird eS nicht angehen, daß gewisse Parteien ständig mit Paus chalverdächtigungen kommen, sondern man wird parlamentarisch die Redner dazu anhalten müssen, konkrete Angaben zu machen. Die SdP lebt von der Not der Menschen. Wenn man ihr diesen Nährboden entzieht, wird ihre Bewegung wie ein Luftballon zerpläkin! Der Ausschuß beschloß, die eingelaufenen Anträge zum Genter System einem Subkomitee zuzuweisen, in das alle Parteien je einen Vertreter entsenden. Im Ausschuß wurde auch über einen Initiativantrag der Gewerbepartei aus Einführung der Selbständigenversicherunz sü rdieGewerbe treibenden verhandelt. Da keine Einigung erzielt werden konnte, unterbrach der Vorsitzende Dubickv die Sitzung m't dem Bemerken, daß er erst die nötigen Jnkorma» Zonen im Fürsorgeministerium einholen müsse. Senat Prag. Der Senat befaßte sich Dienstag nachmittags mit den beiden Vorlagen über die Konsumsteuer von Essigsäure und B a ck- Vorlagen entspann sich eine ziemlich lebhafte De> pu l v e r n, die der Staatskasse einen Ertrag von je acht Millionen jährlich bringen sollen. Zu den batte, in deren Verlauf der siowakische Volks» parteiler Dr. L a b a j eine stockreakfionäre Rede gegen die Arbeitslosenunterstützung hielt. Seine Partei- habe»grundsätzlich" nichts gegen die Unterstützungen einzuwenden, aber... sind jetzt kamen die sattsam bekannten, schon hundertmal widerlegten Anwürfe, daß die Unterstützungen „leichffinnig" ohne gründliche Prüfung der Be- dürftigkeit gewährt werden, daß sie sogar(!) die Saisonarbeiter bekommen und diese Leicht« fertigkeit in der Auszahlung der Unterstützungen direkt die Arbeiterschaft„demoralisiere". Der Herr Senator machte weiters die schrecksiche Entdeckung, daß sich die Linksparteien angeblich „auffällig der Arbeitslosen ännehmen", woraus am besten zu ersehen sei, daß sie sich aus ihnen „einen Kader von Wählern schaffen wollen". Diesen unsinnigen Behauptungen trat sofort der ffchechische Genosse N ö m e ö e k entgegen und MANNER, FRAUEN I UND WAFFEN I Roman von Man red C- eoro Copyright by Dr. Manfred Georg, Frag »Nein, eigentlich nicht. Nur einmal habe ich gehörff wie sie einer anderen Mieterin gesagt hat, das wäre eine religiöse Sache. Sie stammt doch von den Wilden. Ein Kulturgegenstand oder so." „Ach so, ein Kultgegenstand. KaHn ja sein. Das interessiert mich eigentlich sehr. Was ist sie Ihnen denn schuldig,?" „250 Schilling," erwiderte Frau WieSner, und nahm dabei ihren bei Schumann üblichen Aüffchlag. „Also hier ist das Geld. Ich werde mich mit der Dame selbst in Verbindung setzen. Wo tritt sie auf?" „In der Femina. Man sagt: ganz nackt. Ist das nicht eine Schande?" Schumann überging die Frage und meinte nur. das dürfte man hier in Wien doch wohl kaum erlauben. „Wie Sie meinen," erwiderte Frau Wiesner gekränkt.„Wohin soll ich übrigens die Post nachschicken?" „Ins Waldsanatorium Semmering, bitte, man hat es mir schon oft sehr empfohlen," Am Abend verschob Schumann plötzlich die Abfahrt mitten auf dem Weg zum Bahnhof. Er ließ das Taxi zu einem Hotel fahren, kleidete sich um und kaufte sich eine Karte zur GyimeS-Revue. Um seine Gewohnheiten gebracht, sah er sich notgedrungen gezwungen, in einem Restaurant zu Abend zu essen und trat in die Würstlstube von Biel, di« er loben gehört hatte. Er fand dort in einer Ecke vor einem riesigen Stück Rauchfleisch den Manager Billinger, einen noch jungen, korpulenten Mann, der berühmt dafür war, sämt liche Künstler und Künstlerinnen Wiens zu duzen und der beste Beantworter des internationalen Fragespiels«Wer mit wem" zu sein. Billinger, gewandt und begabt, hatte seine wienerischen Fähigkeiten durch einjge Berliner Lehrjahre auf Hochglanz gebracht und war gerade der, den Schumann sucht«. Er hatte mit ihm in einer Eisenbahnaktienaffäre, die nach Czernowitz hinüberspielte, zu tun gehabt, urw Billinger hatte ihm imponiert durch die erstaunliche Fixigkeit, mit der er, der Theater-Agent, sich in ihm vollkommen fremde Verhältnisse hineingearbeitet hatte. Die Frau, die er damals managet«, war die Tochter des größten Eisenbahnaktionärs gewesen, und Billinger hatte es großartig verstanden, die Fahrt von Czernowitz ins Theater an der Wien über den Umsteigebahnhof Schumann- scher Interessen zu leiten. „Sagen Sie," begann Schumann nach einigen allgemeinen Lobpreisungen auf die Bielschen Erzeugnisse, die Billinger rein aus Privatliebhaberei und dankbarem Magen propagierte,„kennen Sie eigentlich in der GyimeS-Revue eine gewisse Haydee Nazario?" „Aber selbstverständlich! DaS ist doch diese bildschöne Braune im dritten, sechsten und achten Bild. Eine Quinteronin, echte mulattische Vorfahren, vierte Kreuzung. DaS Mädel hock Temperament, daß sich der Direkwr jedeSmal fürchtet, sie könnte ihm die Kulissen einreißen.. Innig befreundet mit ihrer Partnerin in dieser Saison, der röllichen Dänin Brigitte Brandes. Ich kann Ihnen sagen. Herr Schumann, die beiden zusammen, das ist, als ob Sie Marlene Dietrich und Josephine Baker kombiniert auftreten ließen. Kann soviel« Männer haben, wie sie will. Hat noch mehr, aber nie Geld. Wo daS Geld bleibt» ist ein Rätsel. Kennen Sie sie? Wieso erkundigen Sie sich eigentlich? Sie sind doch sonst nicht so? Sie sind doch ein seriöser Mensch. Entschuldigen Sie, bttte, ich wollte Sie nicht beleidigen." Billinger verhaspelte sich. Hier spann sich doch etwas an. Wie kam dieser Schumann, von dem man wußte, daß er ein sogenannter stiller Reicher war, der sein Geld nicht herzeigte, und der nachgewiesenermaßen sein Herz auch nicht so- viel an etwas hing, daß er je irgend eine persönliche Frage gestellt hätte dazu, nicht nur zu Biel Abendbrot essen zu gehen, sondern sich sogar für die GyimeS-Revue und ein ganz bestimmtes Mädchen darin zu interessieren?" „Sie hat kein Geld. Sie pumpt Kollegen an. Sie bleibt sogar ihre Miete schuldig. Der Direktor hat mir erzählt, daß ihre Wirttn bei ihm war. Dabei ist sie heute mit dem und morgen mit jenem zusammen. Und braucht sie Kleider zum Auftreten? Sie hat doch sowieso kaum was an. Ich will Ihnen was sagen, Herr Schumann, das ist nichts für Sie! Das ist eine Wilde. Die ist wirklich aus Haitt. Nicht wie die anderen, die aus Lodz oder Jglau sind und sich westindisch geben. Sie ist vor zwei Jahren schon mal in Wien gewesen. Da" hat sie eine üble Polizei-Affäre gehabt. Sie trat in einem Neinen Kabarett auf, mit einem Franzosen als Tanzpartner. Eines Abends stach sie plötzlich auf ihn ein. Aus Eifersucht. Soll ich sie Ihnen vorstellen?" Schumann erhob sich und bezahlte: „Danke schön, lieber Billinger, ich kenne sie schon. Aber es war mir sehr interessant, durch Sie noch mehr zu erfahren. Sie bestätigen wirklich Ihren guten Ruf in außerordentlicher Weise." Grüßte und ging. Billinger warf sich versonnen erneut über sein Rauchfleisch. Man lernte doch nie aus! Jetzt" stelzte der steife Schumann hinter dieser„Negerin" her. In dieser Hinsicht war Billinger einem echten Amerikaner gleich. Die milchhellste Oktaverünin hätte bei ihm noch Vie Bezeichnung„Negerin" bekommen. Für ihn rauschte hinter ihnen allen sofort der Urwald. » Als Schumann in der engen Straße vor dem lleinen Theater eintraf, kam sie gerade von erllärte. daß es in der letzten Zeit ein sehr beliebtes Mittel fei, auf diese Art den Arbeitslosen ihre Unterstützungen vorzuwerfen, auch wenn sie nur 10 und 20 ssö wöchentlich auSmachen. Solche Pauschalvorwürfe müsse man auf das entschiedenste ablehnen. Genosse Rimeäek erinnerte weiters daran, daß die Zeiten vorbei sind, in denen di« Saisonarbeiter sich für den Winter etwas zu- rücklegen konnten» so daß ihre Unterstützung voll gerechtfertigt ist. Jnsolange man nicht allen Arbeitswilligen Arbeit verschaffen könne, müsse man sie unterstützen, damit sie leben und die Krise überdauern können.(Beifall.) Später nannte auch M i k u l i c e I(Komm.) Labäjs Ausführungen ein^„unchristliche Rede". SdP und Unternehmer In einer Front Nach Annahme der beiden Vorlagen leitete Genosse Modraöekdie Verhandlungen über die Stabilisierungsbilanz e n mit einem sehr instruktiven Referat ein, aus dem hervorging, welche unberechtigt großen Vorteile zu Lasten der Staatskasse der Bürgerblock seinerzeit den Unternehmern zugeschanzt hat. Kein Wunder, daß sich sofort Herr L i e h m von der SdP zu Worte meldete und nicht nur gegen die rückwirkende Geltung des Gesetzes protestierte, sondern sich auch bellagte, daß viele Bestimmungen der Novelle für die Industrie sehr drückend seien... Die SdP betrachte das ganze Gesetz aus juristtschen und wirffchastlichen Gründen als verfehlt! Die Regierungsvorlage über die Wandergewerbe kann von dem Senatssubkomitee derzeit nicht erledigt werden, weil Differenzen mit dem Handelsministerium aufgetaucht sind. DaS Subkomitee hatte sich gegen die Fassung des§ 9 gewendet, wor- nach die Ausübung von Wandergewerben in Kurstädten und Städten mit mehr als 10.000 Einwohnern nicht zulässig sein soll, und beschlossen, diese Grenze auf 20.000 Einwohner hinaufzusetzen. Handelsminister Rajman glaubt offenbar, im Interesse des Gewerbestandes auf diese Aenderung nicht eingehen zu können, so daß Wer diese Angelegenheit erst ein Koalitionsbeschluß wird herbeigeführt werden müssen. Die GerichtSentlaftungSnevelle, die gestern im verfassungsrechtlichen Ausschuß des Senat- zur Verhandlung stand, wurde dort über Anttag des Genossen Dr. Heller einem Subkomitee überwiesen, in daS jede Partei je einen Vertreter entsendet. Sodann wurde die Regierungsvorlage über den Schutz des Autorenrechtes(eine Novelle zum Gesetz 218/26) verhandelt, welche eine Angleichung unserer Gesetzgebung an das interna« tionale Recht zum Inhalt hat. Die Novelle wurde nach Vornahme einiger von den Genossen Dr. Heller trift) Dundr beänktagten Arnderüngrtl'ckngenommcn. private Besprechungen Dr. Hodtas Paris. Der gestrige Tag des Pariser Aufenthaltes des Vorsitzenden der Regierung Dr. Milan Hodja war zum größten Teil privaten Besuchen und Unterredungen gewidmet. Der Ministerpräsident empfing verschiedene Persönlichkeiten namentlich aus Journalistenkreisen. Nachmittags besuchte ihn der Präfekt des Pariser Departements Villey. Abends gab Gesandter Dr. Osuskh zu Ehren Dr. Hodzas ein Diner. der anderen Seite heran. Ein Mann ging an ihrer Seite. Eigentlich war die Bezeichnung „Mann" falsch. Auch ein Bursche war es nicht. Aus dem Schatten des Haustors, in das er getreten war, konnte Schumann nur schwer eine Definition finden. Unwillkürlich dachte er„ein Individuum" und legte persönliche und sachliche Abneigung in diesen Ausdruck. Der Fremde wär unbestimmt gekleidet, ziemlich schäbig, schien der heruntergekommenen Intelligenz anzugehören. Die Mütze, die er tief ins Gesicht gerückt trug, gab ihm einen saloppen Ausdruck. Er blieb mit Haydöe einige Schritte vor dem Theater stehen, geräde unter einer Laterne. Da sah Schumann, daß er, obwohl noch jung, ein zerfurchtes Gesicht hatte, ja fast ein abschreckendes. Eine Narbe lief von oben links über ein ganz zusammcngezogenes Auge bis hinunter zur Backe. Ob das Auge nicht mehr erhalten war oder sich nur unter den Falten deS Fleischwulstes verbarg, konnte Schumann nicht feststellen. Auf jeden Fall hatte er ein unangenehmes Gefühl. Es war so ein Luder-Geruch, schien es ihm, um den Mann. Haydöe verabschiedete sich sehr kameradschaftlich von ihm. Das war der richtig« Ausdruck dafür. Es lag weder Abhängigkeit noch allzu nahe Vertrautheit in der Art, wie sie ihm die Hand gab und zunickte. Der andere rührte leicht mit einem Firtger an die Mütze und verschwand rasch. Die Art, wie er sich in das Dunkel der Häuser schlug, hatte etwas von einem Tier, das sich mit einem Sprung beiseite drückt. Der Besuch der Femina-Revue, die berühmt dafür war, daß hier immer ausgesucht schöne Frauen austraten, war durchaus kein, verwirrendes Ereignis für Schumann. Aber die beängstigende Fülle der Menschen, ihre unmittelbare Nähe, ihr gräßliches Lachen gingen ihm auf die Nerven. (Fortsetzung folgt.) Str. 36 Mittwoch, 12. Feber 1936 Seite 3 tfudetendeutscfier Zeifspie^ef Auf den Rummelplatz mit der neuen Führung! Noch eine„symbolische“ Faschingsfeier Henlein In München Die„Zeit" meldet, daß Konrad Henlein einer Einladung der deutschen Reichsregierung zu,dem am Montag abends im Deutschen Museum in München anläßlich der Olympiade veranstalteten Empfang der Reichs- und der bayrischen Regierung«Folge leistete". Wieder einmal verrät die Sprache mehr noch, als man sagen wollte: Henlein hat die Einladung nicht angenommen, sondern hat ihr „Folge g e l e i st e t". Der Führer ruft, und der Unterführer kommt. Befehl ist Befehl— und wir wüßten nicht, was Herr Henlein lieber täte, als solchem Ruf zu frlgenl Denn erstens ist's ja von Asch nach München nur eine- Katzensprung, von Ftzhrerautos leichter zu bewältigen als die Strecke von Asch nach Prag, und zweitens war es Herrn Henlein sicher darum zu tun, die Lücken seiner politischen Bildung auszufüllen und sich wieder einmal in Deutschland umzusehen, von dessen Verhältnissen er ja, wie wir wissen, vor kurzeqr noch eine unzulängliche Vorstellung hatte. Wir oezweifeln allerdings, daß Hitler mit Henlein eine Spazierfahrt etwa ins Dachauer Konzentrationslager unternahm, damit dann Konrad, heimgekehrt» den sudetendeutschen Arbeitern genau erzählen könne, welche Segnungen sie erwarteten, wenn gewisse Bäume in den Himmel wüchsen. Wahrscheinlicher ist es, daß Henlein Herrn Hitler seinen Schmerz darüber klagte, daß eS in der SdP nachhaltig zu stinken anfing. Ob der„Führer" ein Rezept gab? Das vom 30. Juni ist hierzulande nicht anwendbar. Aber irgendetwas wird Konrad den Seinen schon aus München mitbringen.„E R" hat„I H N" gesehen— na das ist doch auch schon allerhand für die Wun- dergläubigen! Wir sind davon überzeugt, daß Herr Henlein in München in vollen Zügen die dort so wundervolle demokratische Luft eingesogen hat, um noch„loyaler", als er es ohnehin schon war, in die Tschechoslowakei zurückzukommen... Uebler Faschingsscherz mit tödlichem Ausgang Am vergangenen Freitag war der vierzigjährige Kriegsinvalide Odo Seemann aus Czalositz, der nach einer Verschüttung im Kriege geistig und körperlich invälid geworden war und sich als Klavierspieler durch Musiziere« in Gasthäusern und bei kleineren Musikaufführüngen durchs Leben brachte, abends im Gasthaus S out u p, wo ihn die beiden anwesenden Gäste, der Kaufmann E r n st B e ck und der Pensionist Jaroslav Rottmann, im Trinken freihielten. Im Laufe der abendlichen Unterhaltung machten sich die beiden Gäste und der Wirt den „Scherz", in das Bier Seemanns Branntwein und Gewürze zu schütten, und als der Invalide trunken war, ihm das Gesicht mit Lack und Kienruß änzumalen. Gegen viertel 10 Uhr abends führten die unbedachten Menschen dann den trunkenen, angemalten Menschen aus dem ungefähr 200 Schritte vom Wohnhaus der Eltern Seemanns entfernten Gasthaus und setzten, ihn irrt Schnee vor das Haustor. Dort wurde der Unglückliche gegen 11 Uhr nachts von vorbeigehenden Personen in bewußtlosem Zustand aufgefunden und ins Haus seiner Eltern gebracht. Trotz sofortigem ärztlichen Eingreifen ist Seemann noch in der Nacht gestorben. Der Gastwirt und die beiden übermütigen G ä st e, die durch ihren üblen herzlosen Scherz den Tod Seemanns herbeiführten, wurden verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis beim Leitmeritzer Kreisgericht eingeliefert. Der Vorgang hat /begreiflicherweise großes Auffehen erregt. Zu der Bestattung Seemanns am Maytag in Leitinerih hatte iich eine zahlreiche Teilnehmerschaft«inge- funden. Verhungert... Bor mehreren Wochen meldeten wir, daß der wegen drückender Schulden nach Deutschland geflüchtete Egerer Architekt Mattusch den Landwirt Kräder aus Topissenreuth bei Eger durch listige Vorspiegelungen um das gesamte Vermögen gebracht hat. Kräder, der zu den reichsten Bauern seines Heimatdorfes gehört hat, war schließlich gezwungen, im Armenhaus der kleinen Gemeinde Sirmitz bei Franzensbad Unterkunft zu suchen und seinen Lebensunterhalt von Almosen, die er bei Verwandten und Bekannten etnsammelte, zu fristen— zur gleichen Zeit, als in Eger der Baumeister Mattusch noch ein Leben in Saus und Braus führte. Als diesem dann schließlich aber doch mit Rücksicht auf die wachsende Zahl der drängenden übrigen-Gläubiger der Bodest Egers zu heiß wurde, flüchtete er nach Deutschland, wo er, wie es heißt) bereits eine einträglich« Stellung gefunden haben soll. Und nun erfahren wir, daß der Bauer Kräder, das bedauernswerte Opfer des Mattusch, nicht mehr unter den Lebenden weilt: er wurde in dem ärmlichen Stübchen, das er zuletzt bewohnte, im Bett als Leiche aufgefunden. Der Arzt stellte als Todesursache di« völlige Entkräftung des ManneS fest. Er ist buchstäblich verhungert. Die„Rnmburger Zeitung" zitiert folgende Zuschrift, die sie erhielt: Bund der Deutschen—- Sudetendeutsche Volkshilfe, Ortsausschuß Olmsitz. Olmütz, 6. EiSmondS 1936. Geehrte Schriftleitung. Wir bitten Sie, beiliegende Merke in Ihrer nächsten Blattfolge in entsprechender Aufmachung zu veröffentlichen. Der ungeheure Auflchwung des völkischen Lebens in der Olmützer Sprachinsel, als dessen letzte weithin sichtbare Ausstrahlung die Wohl in der ganzen Republik Einzig dastehende Riesenfa- schingSfeier anzusehen ist, ist von symbo- lischer Bedeutung für das ganze Sudetendeutschtum, weshalb wir den allergrößten Wert darauf legen, daß unsere gesamte sudetendeutsche Oeffentlichkeit von diesem Ereignis Kenntnis nimmt... Die„Merke" selber nun sah so aus: Olmsitz.«(D ie große Faschings feier der Sudetendeutschen Volkshilfe in Olmütz), die am 1. Feber in sämtlichen Räumen des Deutschen Hauses und der Turnhalle abgehalten wurde, gestaltete sich zu eirHm Ereignis, dessen Bedeutung weit über die Olmützer Sprachinsel hinauSgreist. 4000 deutsch« Volksgenossen aus Stadt und Land, ohne Unterschied des Standes und Besitzes, fanden sich zu einer grobangelegten, überwältigenden Faschingsfeier zusammen, die ganz im Zeichen der Volksgemeinschaft stand. Und im Zeichen, der neuen Führung, der es gelang, über alle trennende Schranken hinweg das stark zersplitterte Sprächinseldeutschtum durch den einigenden Gedanken der großen Volkshilfe des Bunde? der Deutschen zusammenzuschmieden. Es wird im ganzen sudetendeutschen Sprachgebiet kaum' eine * solche Riesenfaschingsfeier gegeben haben, die gleichzeitig eine so erhebende Kundgebung deutschen Gemeinschaf tswillens gewesen wäre. Die Ol- mützer Sprachinsel, der„verlorene Posten", ist zu neuem Leben erwacht,■ allein schon der ü b e p- wältt gende E rs olg des-gr oß« n H4lfS- werkes redet eine Sprache, wie sie vordem in Olmütz nie gehört wurde. Damit hat sich Olmütz wieder ans lanqe Zeit hinaus die Führerstellung im nordmährischen Deutschtum gesichert. Dem Kommentar der„Rumburger Zeitung" zu diesen Auslassungen entnehmen wir folgendes: ... ein traurige? Zeichen dafür, wie weit die Berauatschung unseres öffentlichen Lebens schon gediehen ist, wenn man einen gelungenen Karnevalsrummel zu der blödsinnigen Behauptung benützt, daß sich„damit" Olmütz Keine Jnvestitionsbeiträge der Gemeinde für BezirkSsirchrnhäuser. Die Aussiger Bezirksbehörde hatte in der letzten Zeft die Gepflogenheit, von den Gemeinden nicht nur die BerpflegSkosten für Gcmeindeangehörige im Bezirkssiechenhaus, sondern außerdem noch einen sogenannten I n v e- stitionSbeitrag einzuheben. Da dies einen ungesetzlichen Vorgang darstellt, wandte sich Landesvertreter Genosse Dr. S t r a u ß an den Landespräsidenten von Böhmen, Dr. S o b o t k a, er möge die Aussiger Bezirksbehörde auf die Unmöglichkeit dieses Vorgehens aufmerksam machen. Der Landespräsident hat nun angeordnet, daß die auf diese Weise erhöhten Verpflegskost?nbeiträge boy den Gemeinden'nicht mehr abverlangt werden. Wieder ein„Anständiger" und„Sckstberer". Montag, den 10. d. M.< fand die Hauptverhand- lung gegen R. Löbel, Tyssa, gewesenen Vorsteher und Ortsschulratskassier statt/ der 11.400 XL unterschlagen hat. Das richterliche Urteil lautet auf sechs Monate schweren Kerkers, bedingt auf drei Jahre und Wiedergutmachung des Schaden?. Löbel nahm das Urteil zur Kenntnis. Der Staatsanwalt hat sich Bedenkzeit zur Einbringung der Berufung wegen zu niedrigen Strafausmaßes erbeten. Löbel gehörte seinerzeit der Nazipartei an und dürfte nach deren Auflösung wie so viele seinesgleichen unter die Tarnkappe der SdP gekrochen sein. Unsere Bezirksorganisation Reichcnberg hielt Sonntag ihr« Bezirkskonferenz ab, an der mehr als hundert Delegierte teilnahmen. Die Berichte lauteten zufriedenstellend, der. Wahlsieg Henleins hat nicht die kleinste Bresche in die Organisation geschlagen. Das politische Referat erstattete Genosse/ Hofbaue r-Prag. Zum Bezirksvertrauensmann wurde Genosse Alfred F r e n z e l gewählt. Zwei SA-Leute in der ßSR. verhaftet. Am Sonntag nachmittags verhaftete die Gendarmerie bei Göhren an der sächsischen Grenze zwei SA- Leute^die in Uniform zu dem Skitreflen der völkischen Turner erschienen waren. Sie wurden dem Kreisgericht in Brüx eingeliefert. „auf lange Zeit hinaus" wieder„die Führerstellung im nordmährischen Deutschtum" gesichert hab«. Wen« die ,g»ur Führung" nichts anderes erreicht hat, als das zersplitterte Sprachinsrldentsch- tum„im Zeichen der Volksgemeinschaft" zu einer„großangelegtrn, überwältigenden Fa- schingSfeirr", ja was sagen wir, z« einer„Riescn- faschingSfeier"„znsammenzuschmiedcn", dann soll sich diese„neue Führung" schleunigst dorthin scheren, wohin sie gehört,— nämlich auf einen Rummelplatz, wo man ihre Talente vielleicht gebrauchen kann. Es mutz einem elend zumute werden, wenn man wirklich glauben sollte, daß die Nordmährer nur bei einem Klamauk„Wer alle trennenden Schranken hinweg" zur„neuen Volksgemeinschaft" finden. Da wäre diese„Riesenfaschingsfeier" wirklich von„symbolischer Bedeutung für da? ganze Sudetendeutschtum",— nämlich dafür, daß es im Grunde nichts taugt und nur bei Jux, Maskenfreiheit und Tanzerei noch zusammenzukriegen ist,— und daß das aber schon als„überwältigender Erfolg" in alle Welt hin» ausposaunt werden mutz, well eS zu mehr nicht langt. Wir wissen, daß dem nicht so ist, denn wir kennen die deutschen Nordmährer. Was wir aber auch wissen und täglich* sehen und hören, ist dieser x üble Brodem, dieser durch und durch gekäute und verspeichelte Sprachbrri auS der Sudelküche jener zahllosen neuen Köche, die«nS mll ihren Wortgerichten schon so den Magen und das Hirn vrr- pappt haben, daß Leute mit Sprachgefühl gewisse Wörter, wie„Volksgemeinschaft",„neue Führung",„Führerstellung",„zusammenschmieden"»sw. usw. schon gar nicht mehr in den Mund nehmen, weil sie sie nur noch mit isolierenden Anführungszeichen ausfprcchen könnten. Es freut uns nur, daß man bei der„Riesenfaschingsfeier" nicht mit„Opfergeist" in„mannschaftlicher Disziplin" einen„Durchbruch"„erkämpft" hat. So müßte man nämlich«ine Kirchweihrauferei beschreiben, wenn man dem neusudetendeutschen Stil gerecht werden wollte... Bei diesen P h r a- sendreschern scheinen uns aber Verstand und rechter Sinn im weitesten Ausmaß zu fehlen, denn sonst würden sie nicht so reden. Und in dieser Hinsicht ist allerdings dieser kleine unscheinbare ■ Bericht(der nur für Hunderte und aber Hun» ' derte anderer Beispeile steht),„von symbolischer Bedeutung für das Sudetendeutschtum"... Und jetzt erinnere man sich noch, was-— wie wir kürzlich berichten mutzten— bei dem Fäschingsabend des BdD. und der SVH. in Klcinaugezd sich abgespielt hatl Darnach taugt die„neue Führung" nicht einmal auf einen Rummelplatz, sondern nür an Orte, die wir im Zusammenhang mit Begriffen wie„sudetendeutsch" und„Volk" gar nicht beim Namen nennen wollen! Ein„loyaler" Polizeiinspektor. Als die Polizei jn der Wohnung des ohne Erben verstorbenen Troppauer Polizeiinspcitors Gebauer die Wohnungseinrichtung protokollarisch aufnehmen wollte, stellte sie fest, daß die W o h n u n g massenhaft mit Bildern von Hindenburg, Hitler und Göring dekoriert war. Henlein«nterm Bett. Im Planer Bezirk erzählt man sich folgendes Geschichtl: Jn der Gemeinde Kurschin hatte sich nach den Maiwahlen die Ortsgruppe des BdL in eine der SdP verwandelt. Aeußer- lich kam das auch darin zum Ausdruck, daß man das Vereinslokal mit einem Bildnis des„Führers" in LebenSgrötzie schmückte. Nun aber gab's um Kurschin kürzlich eine Treibjagd, an der hauptsächlich Gäste aus der Nachbarschaft Gstom teilnahmen, allwo aber nach wie vor der BdL seine Ortsgruppe hat.. Als nun die Zeit heranrück^, da in Kurschin der Bunte Abend beginnen sollte, den die Heimischen für die Jagdgäste veranstalteten, saßen die Henleinisten bei« sammen und pflogen Rats, waS denn mit dem teuer» Bildnis des noch teuereren Führer? zu geschehen habe; denn man wollte nicht, daß die Freunde aus der Nachbarschaft und vom BdL sich an,dem Konterfei Henleins etwa stießen. Endlich fand man den richtigen Ausweg: man nahm das Bild von seinem Ehrenplatz herab und schob eS, im Nebenraum, unters Bett.— Wir wollen weder behaupten, day diese? Gschichtl besonders interessant, noch daß«S Werwältigend lustig ist; aber charafteristisch für di« leise Umwandlung im Denken der Menschen ist die Sache doch. Der tschechoslowakische Arbeiter-Esperantobmid, dessen. Organ»La Socialisto" ist, wirbt um die Mitgliedschaft- aller Arbeiter-Esperantisten. Monatsbeitrag 2 KL, für Arbeitslose 50 Heller. Der Bund will auch allen,' die sich für die Welthilfssprache inrer, essieren, Gelegenheit zu ihrer Erlernung geben und veranstaltet deshalb einen Esperanto-Korre- sfon.denz-Fernkurs. Anfragen(mit Rückporto) sind an Genossen Fr. Richter. Aussig, Fünfhaus 5, zu richten, wohin auch Mitgliedsanmeldun- gcn adressiert werden können. SA-Methoden der Brünner Henleinfraktton Die bedenkliche Tatsache, daß in Brünn derzeit 16.000 Arbeitslose zu verzeichnen sind, veranlaßte die Brünner Gemeindevertretung, am Dienstag in einer eigenen Sitzung zu dem Problem der Arbeitslosigkeit Stellung zu nehmen. Die Beratung hatte den Charakter einer Enquete, die die Regierung auf die bedrohliche Situation, in der sich die Stadt Brünn befindet, aufmerksam machen und Hilfe verlangen sollte. Eröffnet wurde die Debatte, an der sich Redner sämtlicher Parteien beteiligten, mit einem Bericht des Bürgermeisters Dr. Spazier über die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in Brünn, worin er auf. den wirtschaftlichen Niedergang der Stadt verwies, unter dem besonders die ärmeren Bevölkerungsschichten furchtbar zu leiden haben. U. a. nahmen auch die Genossen K a t s ch i n k a und Dr. E c e r das Wort. Unsere Fraktion brachte gemeinsam mit den tschechischen Gencssen mehrere Anträge ein, die verschiedene konkrete Maßnahmen zur Linderung der Arbeitslosigkeit vorschlugen. Die Vertreter der Henleinfraktion benützten auch diesen Anlaß zu einer ihrer schon bis zum Ueberdruß bekannten Loyalitätserklärungen und Betteleien um Auf- nähme in die Mehrheit, während sie zum Arbeitslosenproblem selbst überhaupt nichts zu sagen und auch keinen einzigen diesbezüglichen Antrag einzubringen wußten. Dafür aber haben sie in dieser Sitzung unsere Behauptungen, daß die Henleinpartei rein faschistische Tendenzen verfolgt und die Methoden de? Dritten Reiche- auch bei uns einführen möchten, klar und deutlich bestätigt.. Genosse W e l l a n hielt nämlich den Hen- leinleuten in temperamentvoller Art ihr demagogisches, unaufrichtiges und der deutschen Bevölkerung, insbesondere der Arbeiterschaft, schadenbringendes Vorgehen vor und sagt« ihnen gründlich die Wahrheit. Die sachlichen und zutreffenden Ausführungen des Genossen Wellan fanden den Beifall der gesamten übrigen Gemeindevertreter. Als die Henleinleute ihre Wut nicht länger zu zähmen vermochten» erinnerten sie sich Plötzlich ihrer Lehrmeister auS dem Dritten Reich und marschierten geschloffen vor die Rednertribüne» wo sie sich drohend vor dem Genossen Wellan anfpflanzten. Wenn sie aber geglaubt hatten, mit diesen SA- Methoden Eindruck zu erzielen, so hatten sie sich gründlich verrechnet. Durch die Reihen der Ge- mcindevertreter ging ein Sturm der E n t- r ü st U n-g über diesen Versuch, die Redefreiheit mit faschistischen Terrormethoden zu bedrohen, und die Herren von der SdP wurden von den übrigen Gemeindevertretern nicht gerade sanft angesaßt und auf-ihre Plätze verwiesen. Wie verprügelte Schulbuben mußten die Henlein- faschiswn wieder auf ihre Plätze zurückkehren und so endete ihr.heroischer" Vormarsch mit einem kläglichen Rückzug... Zuchthausurtelle gegen Nonnen Berlin.(DNB.) Jn dem Devisrnprozeß gegen die Schwestern des Canisius-Ordens aus Konstanz und Mainz und ihre dem Orden nahestehenden Plit- angcklagten verkündete das Berliner Sondcrgerichr nach viertägiger Verhandlung das Urteil. Die Konstanzer Oberin Breitner erhielt drei Jahre sechs Monate Zuchthaus, ihre finanzielle Beraterin, die Ordensschwester Schuhbier, drei Jahre Zuchthaus, während die dritte Mitangeklagte Ordensschwester Rupprecht mit zwei Wochen Gefängnis davonkam. Als Leiterin der Mainzer Filiale wurde die Oberin Deutsch zu zwei Jabren und zwei Wochen Zuchthaus und ihre Finanzberaterin, die Ordensschwester Gut, zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Gegen die Hauptangeklagten wurden neben den Freiheitsstrafen Wertersahstrafen und Geldstrafen von 100 bi? 20.000 RM verhängt und die Mithaftung des Ordens für die Nebenstrafen ausgesprochen. Berlin.(DNB.) Der„Volksgerichtshof" verurteilte heute die Kommunisten Erich Ouade und Hanns Mickinn zu lebenslänglichem Zuchthaus. Das Gericht hatte zunächst in Erwägung gezogen, ob nicht die Todesstrafe am Platze sei, doch sah es schließlich angesichts der Jugendlichkeit und der bisherigen Unbeschol-cnbeit der Angeklagten davon ab. Karlsruhe.(AP) Jn zahlreichen badische» Städten kam es auf die Nachricht von dem Attent f auf Gustloff zu antisemitischen Ausschreitungen bei denen die Schaufenster jüdis^er Geschäfte zertrün- mert wurden. Am heftigsten waren die Unruhen in der Grenzstadt Lörrach. Addis Abeba.(Reuter). Abessinischen Nachrichten auS Harrar zufolge haben die Abessinier nach lebhaftem Kampf die Italiener aus dem etwa 50 Kilometer von Saffabaneh entfernten Dorf Cu< rati verdrängt. Auf beiden Seiten waren die Verluste beträchtlich. Bragrad.(AP) Die Zahl der italiensicher Deserteure ist bereits so groß, daß in Bosnien jetzi schon das dritte Flüchtlingslager errichtet werden sop Sette 4 Mittwoch, 12. Fever 1938 Nr. 36 Vom Rundfunk empfehlenswert«* aus den Proaremmeni Donnerstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 11: Schallplatten, 17.15^Klavierkonzert, 17.45: Deutsche Sendung: Jugendstunde, 18.45: Deutsche Preffe, 22.30: Orchesterkonzert. Sender S: 7.30: Unterhaltungsmusik, 14.15: Deutsche Sendung, 14.50: Deutsche Presse.— Brünn 13.30: DeutscherArbeitsmarkt, 16.10 Orchesterkonzert', 17.40: Deutsche Arbeitersendung: Schrämet: Aktuelle Zeitprobleme, Dr. Simon: über Berufsberatung im gesellschaftlichen Leben.— Mährisch-Ostrau 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Billes: Der Winter ist da,— Bach: italienisches' Konzert, 20.45: Ostrauer Sängerquartett.— Preßburg 15: Orchestertonzert, 20.10: Lieder aus der Tarra. I i i Mit dem Kran versunken. Bei Arbeiten an | der Carrousel-Brücke in Paris, dir soeben erweitert wird, ritz einer der grossen Kreme los und j stürzte ins Wasser. Die Steuerkabine versank. Man glaubt, datz sie mit drei Arbeitern, besetzt war. Taucher begannen sofort mit den Bergungs- und Sucharbeitein, doch konnten sie bisher keinen der Vermitzten finden. 28 Frauen ertrunken. Wie Aus Ellore in der indischen Provinz Madras berichte', wurde, ist in der Nähe der Stadt ein Fährboot, auf dem sich 36 Frauen und zwei Männer befanden, gekentert. Infolge der starken Strömung konnte nur ein Teil der Insassen des Bootes gerettet werden. 28 Frauen ertranken. Gn arktischer Sturm, dex in den letzten 24 I Stunden über den Britischen Inseln tobte, hat bisher sieben Menschenleben gefordert. Im Aekmel-Kanal find viele Schiffe in Seenot geraten. Auf der Themse ging ein Achterruderboot der Universität Reading während einer Uebungs- fahrt unter. Ein Ruderer ertrank. Die Geliebte erschaffen. Am 11. FeberHegen 17"Ühr wurde die 23jährige Marie Bärtovä aus Zhuk bei Blödste von ihrem Geliebten durch einen Revplverschutz in die linke Schläfe.in einem Hotel in Prag XII Belehradskä ül. 1<), erschaffen. Der Täter lief nach der Tat erregt auf den Gang, wo er ungehalten, der Wache übergeben und in die Sicherheitsabteilung überführt'wurde. Der Täter ist, wie er anführt, noch nicht 18 Jahre alt, welcher Umstand bisher nicht festzestellt wer- > den konnte, weil er keine Dokumente bei sich ! hatte. Der Fall wird weiter untersucht. Das Mo- ' tiv der Tat ist in unglücklicher Liebe zu. suchen. Illegaler Sender: Schutzbund Wien Zum Gedächtnis des 12. Februar Ihr seid auf den Barrikgdcn gestanden, ihr habt sie geschlagen, die Februarschlacht. Man hat euch zerschossen, gefangen, gehangen, das hat euch nicht klein nud mutlos gemacht. des den„racketeers"„geschuldeten" Betrags. Andererseits gewähren die befriedigten„racketeerS" allerdings auch absolute Garantie der Ungestörtbeit, eine Garantie, die sonst der Staat seinen steuerzahlenden Bürgern zu gewähren hat. Wehe dem Outsider, der einen treuen Abonnenten der „racketeers" irgendwie behelligt! Heute wütet diese Seuche in Amerika. Morgen schon kann sie nach Europa importtert werden, zumal seit der Aufhebung der Prohibition für zahllose amerikanische Gangster kein Arbeitsfeld mehr vorhanden ist. Aber in Europa gibt es längst etwas Aehnlichcs: das faschistische Bandenwesen, das der Wirtschaft seinen Tribut auferlegt. I. E. sich mit den Ansprüchen einzelner Persönlichkeiten befassen wird, die diese auf Grund, verbriefter traditioneller Rechte geltend machen. Bei der Thronbesteigung Georgs V sind 23 solcher Anträge gestellt worden. Sie fiiJ) zum Teil höchst merkivürdig. So haben zum Beispiel sich drei Lords um Lie Ehre gestritten, wer las Schwert des Königs bei den Krönungsfeierlichkeitei. tragen dürfe. Dieses Recht ist seinerzeit Lord Hastings zugebilligt worden.. Der Bischof, von Bath glaubte den Anspruch zu haben, den König bei der Krönung am Arm zu führen. Auch dieses Recht ist anerkannt worden. Worum sich die hohen Herren in der Zeit, bis zur Krönung Eduards VIH. alle streiten werden, steht noch dahin. Zunächst gibt es jedenfalls für.' Anwärter, darauf, die. vier Stangen des Krönungsbaldachins zu tragen. Unterirdische Passage« als Luftschutzkeller. In. der nächsten Zett wird in Rom mit dem Baul einiger unterirdischer Stmtzenpaffagen begonnen• werden, welche zur Erleichterung des zu dichten und den•' Verkehr erschwerenden Stadtbetriebes dienen sollen.' Gleichzeitig werden diese unterirdischen Stratzenpaffagen als b o m b e n s i ch e re U n t e r st ä n d e. für die Bevölkerung im Falle eintS. Fliegerangriffes dienen. Diese Passagen sollen auch sehr moderne Geschäftshäuser aller Art beherbergen.. Der späte Winter. Wahrscheinliches W e t t e r h e u t e: Vorübergehende Frostmilderung, stärkere Bewölkung, unbeständig, Schauer, Nord- westwind.— Wetteraussichten für Donners t a g: Erneute Abkühlung aus Norden,, veränderlich. «.„a„ Sozialdemokrat" auf• i, wenn das Wiener Ge- vle frage der erblicken Blindheit Das SterilisationSgeseh in Deutschland hat ein» Flut von Literatür über vererbbare Augenerkrankun»'. gen zur Folge gehabt, vor allem Arbeiten, die sich mit der erblichen Blindheit auSeinandersetzen. Die Veröffentlichung von Profeffor v. B e r s ch ü r, dem Leiter. deS Bererbungsinstttutes in Berlin-Dablem. wonach durch Sterilisation 33 Prozent aller Erblindungen verhindert werden konMen, rief in Fachtrei- sen grotzen Widerspruch hervor. Verschür zählt nämlich den Erblindungsursachen auch die Kurzsichtigket: zu'und propagiert daher die Sterilisation Kurzsichtiger. Mit dieser Frage,insbesondere beschäftigt sich eine bemerkenswerte Schrift des Prager Augenarztes Dr. Dr. Alexe Za hol. Unter Beibringung eines grotzdn, instruktiven Materials kommt Zahoi in Uebereinstimmung mit Urt ri- len anderer Fachkollegen zu dem Schlnh, dah alle bisheriger^ als vererbbar erkannten Erblindungsursachen zusammengenommen, nur 11.1 Prozent aller Erblindungen als Erb-Erblindungen bezeichnet werden können, wobei es sich zu 6.6 Prozent um Blindheit von Geburt an und 4.5 Prozent um krankhafte.Dispositionen handelt, Kurzsichtigkeit als Er« blindungsursache in Berschur'schem' Sinne reyut Zahok, wie die mefften anderen Ophtalmologen unbedingt ab. Diese Ansicht findet eine weitere B:- stätigung, wenn man die Zahlen anschaut,, die Dr Zahoi aus der Statisttk der Blinden in Böhmen errechnet/ Im Jänner 1032 waren von den ermit- »teilen, über 20 Jahre alten Blinden, über 00 Prozent eine Ehe eingegangen. Von den, diesen Ehe« entstammenden 8802 Kindern sind 3622 als gut sehend, 260 als schlecht sehend, zehn als blind au- gPeben. Von diesen zehn. entstammt nür Eines, einer Ehe, in der. beide Elternteile blind sind, während aus 24 derartigen Ehen 42 putsehende Kinder zu verzeichnen sind. Die blinden Kinder machen in der Zahl der Kinder aus Ehen Blinder überhaupt nur 0.22 Prozent aus. Zur Abrundung.des Bildes sei noch hinzugefügt, datz von den 2400 Befragten«n Böhmen von 70 Personen Blindheit bei einem oder beiden Elternteilen und von 117 Personen Blindheit bei Geschwistern milgereilt worden ist. Die wichtigste Schlussfolgerung, die aus diesen Mitteilungen für das Blindenwesen zu ziehen ist, ist die, dah die Vermeidbarkeit von Blindheit durch Sterilisation, un Höchstfälle für rund elf Prozent in Betracht kommen könnte. Wichtiger aber ist eine rechtzeitig einketz nl>-. fachgrztliche Behandlung und eine sachkundige ratung und Aufklärung der Augenkranken und deren. Familien. einem Artikel der neuesten Ausgabe des„Archivs für Kriminologie"(Herausgeber: Heindl) wiedergegeben haben. Es gehört in New Dort heute also schon beinahe zu den legalen Steuern, datz Geschäftsleute erhebliche Beträge an die Banden abführen. Man sieht, Steuererhebung ist eine Funktion der realen Macht. Es mag einem New Yorker Kaufmann wohl gelingen, staatliche Steuern zu hinterziehen— bis jetzt drohte kein Finanzamt mit Stinkbomben und zerschnittenen Pneumatiks■— keinesfalls aber nur einen Cent I\— Noch ist nicht di« letzte Schlacht geschlagen» es warten Gewehre in Stein»nd Beton. Sie träumen von kommenden Tagen, dann bläst der Hornist: Revolution. Genosse Gustav Pollatschek gestorben. Aus Wien kommt die Meldung, datz Dr. Gustav Pol- —........ latschek, langjähriger Redakteur der„Arbeiter- Gemüse- und^Fischmärkte in New Aork werden gestorben ist. Genosse pollatschek war durch Drohungen, Stinkbomben, Zerstörung der Verkaufsbuden und Waren so lange eingeschüch- tert» bis sie an die Erprefferbanden einen gewis sen Prozentsatz ihrer Einnahmen regelmäßig ab- sühren und dieser Prozentsatz wird natürlich auf den Preis geschlagen, den der Konsument zahlen mutz. Eines der größten kaufmännischen Unter nehmen weigerte sich kürzlich, den von den Erpressern geforderten Tribut zu entrichten. Die so- die Opfer mysteriöser Ueberfälle. In den Ge schäftsräumen kamen mehrere Brände auf uner- klärlicke Weis« zum Ausbruch. Kleider, die zum tschechische Geschichte referiert, sondern einzelne j Verkauf ausgestellt waren, wurden mit Säuren tschechische Werke übersetzt. Eine seiner grössten I ,,Racketeers M"Seuche In USA New York unter der Herrschaft von Erpresserissnden „Racketeers" heissen in Amerika nicht die kidnappers, die Kinder stehlen und ein Lösegeld erpressen. Diese Sorte verbrecherischer Speziali sten ist immerhin vereinzelt.„Racketeers" heissen jene Erpresserbanden, bei denen man sich gewis- sermaßen' abonnieren-»nutz, um von ihnen eine kürzere oder' längere Zeit in Ruhe gelassen zu werden. Es gibt Kinderracketeers, die damit an fangen, dass sie auf grossen Automobilparkplätzen stehen unb jeden Besitzer eines parkenden AutoS sehr höflich begrüßen und die Bewachung seines Wagens anbieten. Dabei spielen sie mit einer großen Ahle oder anderen spitzigen Werkzeugen. Der Auwbesitzer weiß genau, wenn er sich nicht j für ein„Trinkgeld" die Bewachung seines Wa-1 gens durch diese Knaben sichert, so findet er ihn| mit durchlöcherten Reifen wieder. Er weiß aber j auch, datz er sich im Falle des„Abonnementsab- schlusses" absolut darauf verlassen kann, daß sei nem Wagen„kein Härchen gekrümmt" wird. In folgedessen zahlt er und geht beruhigt fort. Dies ist freilich die harmwseste Form des„racketeering" (Erpresserbändenunwssen). Die erwachsenen „racketeers" haben grosse-Organisationen und ty rannisieren heute tatsächlich ganz New Dort und die anderen grotzen Städte der USA, ohne datz die Behörden ernstlich gegen das Unwesen vor-: gingen. Sorben hat Mr. Thomas E. Dewey, der ES spricht nun zu euch ans den Radiotrichtern, „special prosecutor" der entsprechenden Untersu-: der Schutzbund von Wien, der nicht«nterging. chungsbehörde und einer der größten Kriminali- ES weicht nicht den weissen Henkern»nd Richtern, sten Amerikas, spezieller Kenner des„racketee- per Rote Richter, das Volk von Wien, ring" eine Mitteilung an die Behörden versandt,- die den erschreckenden heutigen Stand dieses Nebels in den Vereinigten Staaten schildert. In diesem hochinteressanten Bericht Deweys heißt es u. a., datz es gegenwärtig in^New Dork kaum, einen Geschäftszweig gibt, der nicht an die Un- Einst wird em Warm durch die Straßen schrein, tcrwelt Tribut zahlen muß. Es gibt keine Fa-' dann hört nicht der Schutzbund allein die Signale, milie in New Uork(man vergegenwärtige sich, Dann wird ganz Wien eine Fahne sein: was das bedeutet!), die nicht ihren Anteilen der Erpreffungssumme abführt, so oft sie eine Mahl zeit einnimmt. An jedem Pfund Mehl hängt ein Teil des Tributs an daS„Mehlracket", der auf den Brotpreis aufgeschlagen wird. Jedes Huhn, das in die Stadt New Uork eingeführt wird, zahlt seinen Tribut an das„Geflügelracket". Fast alle durch viele Jahre auch der Wiener Korrespondent unserer Prager Zentralredaktion. Pollatschek war Die Leiche wurde in das gerichtsärztliche Jnsti- ein erfahrener und überaus gewissenhafter Jour- tut überführt. nalist. Dabei war er ein starkes und lebhaftes| Z«r Nachahmung empfohlen! Die japanisch: Temperament und man sah seiner unscheinbaren Regierung hat soeben ein Gesetz erlassen, wonach d'e | Erscheinung nicht auf den ersten Blick an, welches Herstellung und der Verkauf von Lippenrot, mono- Feuer in dem kleinen Manne sprühte. Pollatschek polisiert werden, so datz dieses Requisit aller Frauen ' war schon vor dem Kriege Parlamentsredakteur. System der indirekten Steuern einbezogen „ o_....,! her„Aobeiter-Zeirung" und ein ausgezeichneter«strp. Lippenrot wird in Japan in sehr grossem Nm« fdrtigcn Folgen waren: Mehrere Angestellte des Kammer-Stenograph. Er stammte aus Mähren I fange verwendet, und das Finanzministerium hofft Unternehmens wurden auf dem Weg ins Geschäft, und beherrschte die tschechische Sprache. Er hat erhebliche Eingänge aus diesem Monopol. Nicht nur in den Zeitschriften der österreichischen Gleichzeitig soll die Einfuhr ausländischer Lippen- ^ÄÄ-I'^5Ä^Er tschechische Literatur und stifte dadurch gedroffett werden. | Schlangenwinter in Bulgarien. Der- Jänner- bespritzt, ohne'daß die PölizeidieTäter festste!- I Arbeiten auf diesem Gebiete, eine Uebcrtragung^“5 in Bulgarien so ungewöhnlich warm, dass dre «Ä ta------.«gT. He d-n Besuch m-»-. ¥” l!“'»“V i die Schlangen vorzeitig aus ihrem Winterschla! aufgewacht und haben grotzen Schaden unter dem Vieh angerichtet. Auch Moskitoschwärme, die sonst erst zivei Monate später erscheinen, sind festgesteltt worden.. Dagegen hat der warme Winter die Wolfsplage erheblich gemildert. Die Berge sind nur wenig verschneit, so dah die Tiere genügend Nahrung finden konnten und nicht, wie sonst, bis zu den Dörfern vordrangen. Feuerwehr und Straßenbahn. Zwischen Hobe und Osaka(Japan) stietzen ein Feuerwehrwagen und eine Tramivay zusammen. 16 Feuerwehrleute wurden getötet, der Feuerwehrwagen explodierte und verbrannte, so datz Hilfe unmöglich war. Berbriestr Ansprüche. Der erste Kronrät Eduards VIII. hat unter anderem beschloffen, datz eine spe- •. Silberner Herinsssesen zahlreiche Perscknen verletzt wurden. Andere Fir-! transponieren, blieb unverioertet, da inzwischen E" men, die die Tributzahlungen an die Erpresser-: die Rainersche«vejk-Uebersetzung erschienen war.! h 50 banden verweigerten, mußten die Erfahrung Pollatschek hat aber auch einige selbständige po- nmchen, daß plötzlich die Pneumatiks ihrer Liefer- pulär-wiffenschaftliche Arbeiten veröffentlicht, vcn wagen durchlöchert waren und die Motoren nicht denen seine.Habsburgerlegenden" die weiteste mehr funktionierten. Das ganze Baugewerbe(!) Verbreitung fanden.— Vor einigen Jahren trat in New Dork ist nach der Mtteilung Deweys, der- Pollatschek, der sich auch nicht mehr ganz gesund kein begabter Kriminalschriststeller, sondern Kri- fühlte, in den Ruhestand. Damals gab er auch minalist ist. den„rackets" tributpflichtig. Die die Berichterstattung beim■** i"* Baufirmen kalkulieren das von vornherein in den und wir hörten nachts, l. Preis ein. Ebenso das Restaurationsgewerbe. Die sprach kam, nicht mehr die lang vertraute Sttmme Erpresser fordern und erhalten nicht nur Geld von. unseres alten Freundes. Wir wünschten ihm da-1 den Lebensmittekfirmen, die das Restaurant be-' mals von Herzen, er möge einen friedlichen Le-' liefern, sondern auch noch vom Restaurateur. Der- bensabend im Wienerwald verbringen, wohin er Kunde, der in einem New Aorker Hotel oder Restaurant ein Schweinsrippchen verzehrt, sagt De- IIUUVUIU Vlll 1" y,.''. wey. zahlt also indirekt zweimal Lösegeld dafür, jahre wurde^ durch die Kanonen des 12.^Feber{ dass während der Mahlzeit keine Stinkboncke" neben seinem Tisch platzt. Dewey erklärt, daß sich die Polizei als völlig machtlos erwiesen habe. Er spricht" ferner die Vermutung aus. daß viele Po- lizcistellen auch gar nicht den Willen haben, gegen die„rackets" einzuschreiten. Er behauptet, daß auch seiner eigenen Untersuchungsfiihrung von namhaften Politikern Schivierigkeiten bereitet worden seien. Soweit die nüchternen Tatsachenfeststellun- gen des Kriminalisten, dessen Bericht wir nach An der Elbe- und Weser Mündung konnten di , Küstenfischer unerwartet grosse Heringsfänge machen. Hier sieht man sie, wie sie, auf Kisten stehend, die Beute zu bergen suchen, die drei Meter hoch geschichtet war. Aber unsere wahnwitzige Wirt schaftsordming wird ver mutlich dafiir sorgen, da' der Segen wieder ver- I fault. sich mit seinen Büchern und Erinnerungen zurückzog. Aber auch die Stille seiner verdienten Ruhe- IvULVC UULU) Ult: JLUHUIlCIt vtv QCUCL i zerrissen und er mutzte die Tragödie der Bewe- ,........ gung mitansehen, die er noch in den grotzen Ta-> zi-ll Kommission auch im Rat des'jungen Königs gen Viktor Adlers gekannt hatte. Nun kommt die trockene amtliche Nachricht von seinem Hinschei den gerade an dem Tage, da wir der Feberkämpfe von 1034 gedenken. Neben den unvergesslichen Opfern des blutigen Feber wird auch der brave zivile Kämpfer Gustav Pollatschek immer seinen Platz in unserem Herzen haben! , Lieber tot als ins Hitler-Reich. Der Schwei zer Vertreter des„Daily Herold" meldet seinem Blatt: Ein junger reichsdeutscher Ingenieur, des sen Bruder^ von den Nazis ermordet und dessen Schwägerin in ein Konzentrationslager geworfen worden ist, sollte nach Deutschland ausgelieferi werden, das seine Uebergabe wegen angeblichen Betruges verlangt hatte. Obgleich er sich als voll- tischen Flüchtling erklärte, beeilten sich die Behör den der demokratischen Schweiz, seine Ausliefe rung an ein Land zu bewirken, das dorthin ge flüchtete Mordnaziterroristen nie herausgibt. Der Ingenieur sollte nach Basel geschafft werden, uni dcrt den Hitlerschergen geliefert zu werden. Als jedoch itt der Station Goldau nach ihm gesehei wurde, hatte er sich in seinem verschlossenen Ab teil erhängt. Er wurde sofort in das örtliche Krankenhaus geschafft und es gelang dort, ihn ins Leben zurückzubringen. Als er wieder zu Be wußtsein kam, schrie er:„Ich will nicht näss' Deutschland zurück, es ist ein Land der Mörder!" Der Bericht meldet noch nicht, ob es trotzdem be der Auslieferung bleibt. Nr. 36 Mittwoch, 12. Fiber 1936 Seite 5 Japan und die Sowjetunion Japanische Annäherungsversuche? Aus Tokio wird dem»New Dork Herald" gedrahtet, daß dort zwei wichtige Konferenzen über die Beziehungen zu Rußland stattgefunden haben. An den Konferenzen nahmen die Vertreter des Außenministeriums, des Kriegs- und des Marineministeriums sowie die sich gegenwärtig in Tokio aufhaltenden japanischen Botschafter und Gesandten teil. Die japanische Regierung soll nun, auf Grund dieser Beratungen, be- schlossen haben, eine Beseitigung der heutigen gespannten Lage zwischen Moskau und Tokio anzustreben. Der Außenminister H i r o t ä habe den Vorschlag gemacht, einen russisch-japanischen Ausschuß zur endgültigen Feststellung der Grenze zwischen Mandschukuo und der Sowjetunwn einzusetzen. Weniger verständig klingt der weitere Vorschlag, der angeblich gleichfalls an Moskau gerichtet werden soll, nämlich die Herabsetzung des Bestandes der russischen Truppen im Fernost auf das Niveau der japanischen Kontingente in den Grenzgebieten. Ein solcher- Vorschlag würde die tatsächliche Situation im Fernost vyll- kommen übersehen, da die Japaner in einigen Tagen, höchstens wenigen Wochen nach Kriegsausbruch eine gewaltige Arme« auf das Festland werfen können, während die Russen eben aus dem Grunde eine große Truppenkonzentration im Fernost bereits mitten im Frieden vorgenommen haben, weil der Transport der Truppen aus Europa Monate dauern muß. Es ist deshalb leicht möglich, daß die angeblichen japanischen Kompro- mitzvorschläge in Wirklichkeit für die Sowjetunion gänzlich unannehmbar sind. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, daß die Japaner, angesichts der sich anbahnenden anglo-russischen Annäherung,, im Begriffe stehen, eine rasche Frontänderung vorzunehmen und eine wirkliche Annäherung an Rußland versuchen wollen. Durchstich des Isthmus von Kräh? Japanischer Versuch zur Umgehung von Singapore Die holländische Presse von Niederländisch- Jndien berichtet in aufsehenerregender Weise von der außerordentlichen Beschleunigung der vorbereitenden Arbeiten für den BaudesKanals U' v o n K r a h, besten Fertigstellung bereits im Jahre 1940 erwartet wird. Der Isthmus von Kräh befindet sich bekanntlich im Besitz des Königreiches Siam, das formell unabhängig, durch f bestimmte Verträge jedoch an Großbritannien gebunden ist. Siner von diesen Verträgen verbietet Siam, irgendeiner fremden Macht den Bau des Krah-Kanals zu übertragen. Diese Bestimmung scheint nun dadurch umgangen zu sein, daß der Bau deS Kanals formell in eigener Regie der siamesischen Regierung auSgeführt wird, in Wirklichkeit handelt«S sich aber um ein j a p a- nisches Unternehmen. In der Hauptstadt von Siam, Bangkok, solley vor kurzem Fabriken errichtet worden sein, in denen siamesische Arbeiter unter Führung japanischer Ingenieure die für den Kanalbau notwendigen Spezialmaschinen und Werkzeuge Herstellen. Der Kontrakt für den Bau des Kanals von Kräh sei bereits Ende Mai 1984 zwischen der siamesischen Regierung und japanischen Unternehmerfirmen abgeschlossen worden. Mit den vorbereitenden Arbeiten sind zurzeit mehrere hundert j a p a- nische Ingenieure und fast, 100.000 siamesische Kulis beschäftigt. Der Durchstich des Isthmus von Kräh, sollte er wirklich Tatsache werden, bedeutet eine kolossale Verkürzung des Seewegs vom Indischen nach dem Stillen Ozean. Vor allem ist aber di«, st r a- Dichter und Wirklichkeit Von Will Schaber In einem mehr äußerlich sensationellen, als dichterisch geglückten Drama»Der Wettlauf mit dem Schatten" hat Wilhelm von Scholz die Wechselbeziehung von Dichtung und Leben zu gestalten versucht. Die Arbeit des Schriftstellers an seiner Dichtung und das Schicksal der Figuren, die ihm zum Vorbild dienen, verlaufen nebeneinander in einer aufregenden Parallele. Wer wird siegen? Wird der Dichter den Modellen feinen^ eigenen Willen aufzwingen? Wird das Leben dem Gesetz der Dichtung gehorchen? Die Romangestalten und ihr Schöpfer liefern sich ein spannendes Duell. An solche Zusammenhänge wird man durch einen sehrstnerkwürdigen Prozeß erinnert, der kürzlich die französischen Gerichte beschäftigt hat. In seinem Mittelpunkt steht ein wackerer Bibliothekar. Herr Jean Lemoine, der vom Jahre 1903 ab als Archivar und Büchereileiter im französischen Kriegsministerium tätig war. Lemoine zeigte sich als ein emsiger und talentvoller Arbeiter, der nicht nur in seinem engeren Berufsfeld zielsicher waltete, sondern darüber hinaus durch eine Reihe populärwissenschaftlicher Abhandlungen von sich reden machte. So trat er 1908 als Kritiker des gerade auf den Brettern erschienenen Dramas »Die Giftmordaffäre" von Sardoü auf, dem er ein« ganze Anzahl historischer Schnitzer nachwies. Bis zum Jahre 1913 nahm das Leben Jean Le- moines einen durchaus normalen Verlauf... Da veröffentlicht Anawle France in der Zeittegische Bedeutung dieses neuen Kanalbaues wichtig. Es handelt sich, wenn sich die Nachricht bewahrheiten sollte, um eine Lahmlegung von Singapore als des strategischen Tores zum Indischen Ozean und damit zu Britisch-Jndien; die japanischen Kriegsschiffe könnten im Kriegsfälle, unter Umgehung der gewaltigen Seefestung Singapore, unmittelbar in den Indischen Ozean vorstoßen und die englischen Verbindungen arg gefährden. Ein Versuchsballon Mussolinis. In der einflußreichen Londoner Wochenschrift„O b s e r- v e r"(vom 9. ds.) ist«.hx langes Interview von Mussolini mit dem Unterhausmitglied Sir Arnold Wilson veröffentlicht. Sensationell klingt vor allem die Erklärung von Mussolini, er habe dem Ministerrat bereits eine Formel über die Billigung des Planes Hoare- Laval vorlegen wollen, als Rom die Nachricht von der Demission des englischen Außenministers erreichte. Dadurch, meinte Mussolini wörtlich, habt Ihr(die Engländer) den Krieg verlängert, und die ungeheure Verantwortung dafür liegt auf Euren Schultern. Ist es nicht bereits Zeit für die britische Nation, einzuseben, daß das heutigeEng» land das verurteile, was auf den schönsten Seiten seiner Geschichte ausgezeichnet steht? Empfindet Ihr tatsächlich Scham darüber, daß Ihr diese ungeheuren Räume kolonisiert habt?! Erscheint Euch wirklich alles, was Ihr in dieser Richtung im Laufe der letzten drei Jahrhunderte vollbracht habt, als ein verbrecherisches Abenteuer?! — Dieses Interview des italienischen Diktawrs stellt zweifellos einen Versuchsballon dar mit dem Zweck. Kompromißmöglichkeiten m i t L o n.d o n ausfindig zu machen. Die hochtrabende Sprach« der offiziellen Kundgebungen ist nicht imstande, die Tatsache zu verbergen, daß die faschistische Spitze, angesichts der militärischen Schwierigkeiten und der Entwicklung in Mitteleuropa, eine gewisse Unsicherheit empfindet. Der Stand unserer Filmindustrie Qualität— das Hauptproblem (R. F.) Die tschechoslowakische Filmindustrie hat, wie aus dem Jahresbericht der FilncheratungS- stelle(Filmovh poradni sbor) ersichtlich ist, q u a n- titativ eine beachtliche Entwicklung genommen« Die Produkt! onsstatistik der letzten fünf Jahren sieht folgendermaßen aus: Svielfilme tschcch.od. anderssvrachl. anders- insaes. slow.Alm« gfecfwnen fprachl.Rlme 1930 7 5 1 1 1931 21 18 ’ 8 — 1932 85 24 8 1 1933 35 29 4 2 1934 87 29 7 1 1935 80 21 6 8 Es ergibt sich daraus, daß beispielswesse im letzten Jckhre unter'den insgesamt dreißig in den Prager Ateliers hergestellten Filmen sechs von den im Original tschechischen oder ssowakischen Produktionen zu Exportzwecken fremdsprachige Versionen erhalten haben. Weiter drei Filme wurden wahrscheinlich mit Rücksicht auf die bei uns besonders günstigen Produktionsbedingungen, offenbar von ausländischen Firmen für ein ausländisches Absatzgebiet hergestellt. Die Entwicklung des Gesamtbedarfs der einheimischen KinoS und damit der mengenmäßigen Handels bi lanz während der letzten drei Jahre hat sich wie folgt gestaltet: Einfuhr auS: 1933 1934 1935 USA 20 19 154(1) Deutschland 80 77 75 Oestererich 8 12 20 Frankreich 26 21 15 England 9 28 -'10 Hs- Ungarn 1 2 ■ 7. Rußland 4 1 6 Italien 4 ■— 2 Schweiz i 1 1 Polen 7 2 — Dänemark 1 1 — Schweden 1 — — Einfuhr 162 161 290 Eigenproduktion 83 86 27 Insgesamt 195 197 817 Bezüglich der Sprache, in der die eingeführ- ten Filme gesprochen wurden, ist noch nachzutragen, daß ein französischer und fünf ungarische Filme in deutscher, zwei amerikanische Filme in spanischer und ein italienischer Film in engsischer Sprache gehalten war. Die„Sprachbilanz" ist also für das Jahr 1935 folgende: Englisch 163(152 USA, 10 England, l*Jta- lien), deutsch 92(75 Deutschland, 10 Oesterreich, 5 Ungarn, 1 Frankreich, 1 Schweiz), französisch 14 (Frankreich), russisch 6(Rußland), ungarisch 5 (Ungarn, spanisch 2(USA).— Dazu kommen aus der einheimischen Produktion: tschechisch oder slo- wakisch 21(Tschechoslowakei). Auf den ersten Blick liegt also eine übermäßig« sprachliche„U e b e r f r e m d u n g" des tschechoslowakischen Filmmarktes vor; ähnliche Erscheinungen sind aber in jedem Lande festzustellen, wo die Sprache des Hauptteiles der Bevölkerung nicht zu den Weltsprachen gehört. Mengenmäßig ist die Bilanz nicht schlechter als bei allen Mittel- und Kleinstaaten. Es muß bemerkt werden, daß selbst Deutschland weniger als die Hälfte seines FilmbedarfeS au» der eigenen Produktion deckt. Lediglich die Bereinigten Staaten haben es auf diesem Gebiete zu einer neunzigprozentigen Autarkie gebracht. Die Zahlungsbilanz ist 1935 mit 16 Millionen KC(1934: 9 Millionen) passiv. An Lizenzgebühren fiir den Export einheimischer Filme sind im Verlauf des vergangenen Jahres vier Millionen KL hereingekommen. Man kann also rechnen, daß etwa ein Fünftel(20 Millionen KC) im Ausland gedeckt worden sind. Dieses Ergebnis ist keineswegs ungünstig, wenn man bedenkt, daß nur bei sechs der 1935 hergestellten tschechischen oder slo- wakischcn Filme eine anderssprachige Version gedreht worden ist. Qualitätsfilme wie„Hej rup" und„Reka"(„Junge Liebe") konnten übrigens sogar in England in der ursprünglichen Version einen großen Erfolg erzielen. AuS alledem ergibt sich, daß das Problem der Weiterentwicklung der tschechoslowakischen Filmproduktion in erster Linie in der Frage liegt, wie die Qualität des Durchschnittssilms gehoben werden kann. Der tschechoflowakische Film genießt in Auslande dank einzelner dort bekannt gewordener Spii-- zenproduktionen«inen viel besseren Rvf als in der Heimat. Di« technische Leistungsfähigkeit unserer Ateliers hält den Vergleich mit der der Berliner und Londoner Produktionsanlagen aus. Die Produktionskosten find bei uns um die Hälfte niedriger als in Berlin. Ferner stehen unserer Filmindustrie künstlerische Kräfte zur Verfügung, die zwar nicht durch eine Millionen verschlingende Rellame in allen Weltteilen als„Stars" bekannt geworden sind, deren Kollektivleistung aber Weltformat erreicht. Die technischen und personellen Voraussetzungen für einen weiteren Aufstieg unserer! Filmproduktion sind also gegeben. Was fehlt, ist eine planmäßige Ausnützung der vorhandenen Möglichkeiten, dje durch geschickte staatliche Eingriffe wesentlich gefördert werden kann. Die Filmberatungsstelle hat sich gewiß einige Verdienste erworben, indem sie bei der AuSwabl der Filmsujets ihren Einfluß in der Richtung geltend macht, daß allzu große Geschmacklosigkeiten möglichst vermieden werden sollen. Immerhin muß man auf Grund trauriger Erfahrungen feststellen, daß die Tätigkeit der Filmberatungsstelle noch kei- Im Haushalt des Dompteurs Wie oft soll ich dir noch sagen, daß du den Löwenschweif nicht zum Lampenputzen benutzen darfst?! neu ausreichenden Schutz gegen Kitschfilme bietet.* In bezug auf die finanzielle Unterstützung' guter Filme liegt das Schwergewicht auf den Zuteilungen aus dem RegistrationssondS, der aus Jm- portgebühren gespeist wird. Im Jahre 1935 erreichten diese, die Höhe von 5,980.000 KL. Di« Unterstützungen auS dem Registrationsfonds verteilten sich 1935 wie folgt: 19 Subventionen je 140.000 KL-- 2.660.000 KL; 3 Subventionen je 60.000 KL- 180.000 KL; 8 Subventionen für fremdsprachige Versionen je 40.000 KL-- 320.000 KL; 2 reduzierte Subventionen je 80.000 KL— 160.000. KL, 17 Subventionen für K u l t u r f i l m e je 5000 KL 85.000 KL; 6 Ankäufe von Kulturfilmen 90.000. KL; 3 Subventionen für das F. i l m st u d i o: 20.000 KL— 60.000; 1 Ehre n p r e i s für Filmproduzenten 60.000 KL; 8 E h r e n p r e i s e für Filmkünstler je 6000 KL--^.15.000 KL; 1 Sub- vcntion für Wochenschaufilme 83.000. KL; 1 Preisausschreiben für ein F i l m d r a m a 45.000 KL usw. Der Barbestand belief sich am 1. Jänner 1936 auf 1.418.000 KL. Wie man sieht, hat der Registrationsfonds nicht unbeträchtliche Möglichkeiten, auf die Produktions- richsilAg-unfe^r Mlmindustrie mitbeAmmend ein«., zuwirken.> Die. Suiwne der Subventionen, die den ProdÜktionsfirmen direkt zugutegekommen find, beläuft sich auf 8,400.000 KL, also auf fast 20 Prozent der Produktionskosten, ebensoviel. Wie die Einnahmen aus den Auslandslizenzen betragen, deren Höhe sich ebenfalls weitgehend nach der Qualität richtet. Als weiteres Mittel zur Hebung der Qualität könnte di« Ermäßigung, gegebenenfalls der vollst-»« dige Wegfall, der Lustbarkeitssteuer bei der Vorführung von Filmen in Betracht gezogen werden, welche etwa von der FilmbeoatungSstelle, alskünstlerif ch wertvoll iü>er als volksbildend erklärt worden sind. Dieses System hat sich im— allerdings nicht nationalsozialistischen— Deutschland sehr gut bewährte Im Verein mit einer auf der Höhe ihrer Aufgaben stehend«» Film- k r i t i k würden die im Vorstehenden angeführten Maßnahmen sehr wesentlich dazu beitragen, um den ffchechosiowakischen Film zu einem wirklichen Instrument der Volksbildung und zu einem Mittel zur Förderung der internationalen Ansehen- unsere- Landes zu machen. schrist»Gil BlaS" seinen neuen Roman»Der Aufruhr der Engel". Und in diesem Roman, den Lemoine wie die ganze literarisch interessierte Welt mit Spannung verfolgt, sieht Lemoine mit wachsendem Entsetzen sich selbst abkonterfeit: haargenau bis in alle Einzelheiten hat der Dichter den ministeriellen Bibliothekar in der Figur Sariettes nachgezeichnet, nicht das kleinste Merkmal ist vergessen, Zug um Zug entspricht die Romanfigur dem lebenden Vorbild. Sariette ist genau so ast wie Lemoine; er ist katholischer Konfession wie Lemoine; er speist im selben Restaurant wie Lemoine; er war ursprünglich Hauslehrer und beeidet später das Amt eines Bibliothekars, genau wie Lemoine. Sariettes und Lemoines Krankheiten selbst sind in Art und Datum identisch. Und ebenso wie in Lemoines Bibliothek verschwinden in derjenigen Sariettes Bücher auf eine mysteriöse Meise. Anatole France hat diesen Umstand zum Anlaß einer ironischen Pointe genommen: er schildert, wie die Engel, die in der Bibliothek die Werke Renans und anderer liberaler Schriftsteller gelesen haben, den orthodoxen Glauben verlieren und sich in Menschen verwandeln. Lemoine sieht sich in despektierlicher Weise bloßgestellt. Der Schatten Sariettes verfolgt ihn Tag und Nacht. Der MinisteriaMeamte sagt in ziemlich kräftigen Worten seine Meinung über den Dichter, er tobt vor Entrüstung. Und. diesen Umstand benützt seine Gattin, um ihn ins Irrenbaus bringen zu lassen. Das war im Mai 1918. Elf Jahr« lang bleibt Lemoine interniert; elf Jahre lang erllären die Aerzte, es sei unmöglich, ihn zu entlassen, da er an Verfolgungswahn leide. »Der Aufruhr der Engel", sagen die Fachleute, habe Lemoine derart auS dem geistigen Gleichgewicht gerissen, daß er bei seiner Freilassung »die öffentliche Ordnung gefährden" würde. In der Zwischenzeit wurde der dramatische Faden noch weiter gesponnen: Anatole France hat in der Buchfassung des Romans das Schicksal Lemoines vervollständigt. Während in dem Vorabdruck der Zeitschrift der literarische Doppelgänger Sariette noch eine durchaus harmlose Gestalt war, wird er in der Buchausgabe des Romans zum Irren, der zur selben Zeit wie Lemoine in die Irrenanstalt eingeliefert wird. Erst 192^ ist Lemoine durch eine Berwal- tungsentscheidung aus dem Irrenhaus entlassen worden. Er setzte sofort alles daran, um seinen Ruf zu rehabilitieren. Zeugen attesfierten ihm, daß er immer im vollen Besitz seiner geistigen Kräfte gewesen sei. Zunächst erwirkt Lemoine die Scheidung von seiner Frau^ deren Jntrigue ihn ins Unglück gestürzt hatte. Dann setzte er die Zurückberufung in seine Stellung im Kriegsministerium durch. Bald erschien auch eine Schrist, in der Lemoine seinen Fall von grundsätzlichen Gesichtspunkten aus aufrollte. Und endlich brachte Lemoine beim Gericht eine Schadenersatzklage gegen die Erben des Dichters Anatole France und dessen Verleger Calinan-Levy ein. Dieser Klage wurde stattgegeben; das Gericht anerkannte di« Identität von Lemoine und Sariette und bestimmte 20.000 stanz. Franken als Entschädi« gungsfiimme. So ist das Problem für Herrn Lemoine, den Bibllothekar im französischen Kriegsministerium, befriedigend gelöst. Seine Odyssee hat ein Happyend gefunden. Aber das Problem, inwieweit es den Dichtern gestattet sei, ihren Figuren die Züge von lebenden Modellen zu leihen, bleibt immer rwch bestehen. Denn zwischen grobem Schlüsselroman, die einen eindeuttgen Sachverhalt eindeutig schildern und die klare Absicht erkennen lassen, durch die Bloßstellung gewisser Personen Staub aufzuwirbeln, und zwischen dichterischen Werken» in denen der äußere Tatbestand nur Mittel zur künstlerischen Formung ist, liegt eine ganze Welt. Man hat auch dem deutschen Dichter Thomas Mann öfters zum Borwurf gemacht, er habe diese und jene Figur zu stark den lebenden Modellen gemäß gezeichnet; aber Thomas Mann.hat ,dar- aüf treffend erwidert; auch Schiller, Wagner und vor allem Shakespeare hätten ihre Stoffe lieber gefunden als erfunden. Das Stoffliche, sagte Thomas Mann, beziehe sich»allein auf das Pit- toreske, die Maske, die Geste, die Aeußerlichkeit", und erst die Füllung des schemattschen Rahmens mache das Dichterische aus. Durch das»völlige Einswerden des Dichters mit seinem Modell" aber werde»aller Kränkung die Spitze abgebrochen".. Aus diesen Gründen wird man das Urteil des stanzösischen Gerichts sicherlich nicht alS salomonisch ansprechen dürfen. Wir gönnen Herrn Lemoine sein Glück von Herzen— sind aber andererseits der Meinung, daß den Dichter Anatole France an Lemoines elfjährigem Unglück keine Schuld trifft und daß man gerade dem echten Künstler daS Recht, in gewissen Grenzen das gegenwärtige Leben und seine Gestalten zu porträtieren, nicht strittig machen darf. Seite 6 „Eoziakdemvkrnt Mittwoch, 12. Feber 1936. Nr. 36 Trager feituna Vor einem Baugerüst * Wo noch vor kurzem das Hotel„Blauer Stern" stand, ragt nun ein Baugerüst, bedeckt mir bunten Reklamen, auf denen Hustenbonbons, Kaffee, Kleider, Seif« und alles mögliche durcheinander angepriesen werden. Dahinter klafft abgrundtief die Baugrube, aus der mit unterirdischen Stockwerken übereinander der Neubau herauswachsen wird. Es vollzieht sich das Schöpferische der Baukunst: Dass ein Bauwerk erst einmal in der Vorstellung des Architekten entstanden und vorhanden sein mutz, ehe der erste Spatenstich getan werden kann, datz Raum mst allen Vorkehrungen für seine künftige Bestimmung schon in der Phantasie gedacht, berechnet und durchschritten sein mutz, bevor er existiert. DaS trifft auf jedes Kunstwerk zu. Nur: ein schlecht konstruierter Roman braucht nicht einmal dem Autor zu schaden; ein fehlerhaft konstruiertes Bauwerk aber stürzt ein. Im leeren Luftraum steht, unsichtbar für unS. in der Anschauung des Architekten schon der fertige Bau. Und dann wächst er allmählich in die Wirklichkeit, und eines Tages steht er fertig da und dient seiner Bestimmung. Ein Jahrhundert, einige Jahrhunderte möglicherweise— bis eine andere Zelt mir anderen Bedürfnissen ihn abträgt und den Raum tilgt, den der Bau umschloss, der durch das architektonische Gebilde erst zum Raum wurde in der leeren körperlosen Luft. Leben begibt sich in diesen Räumen, wechselndes, immerwährend durch die Zeit fließendes Leben, ein fortwährendes Zusammenschiehen von Kristallen gleichsam zu menschlichem Schicksal. Und manchmal verdichtet«S sich zur historischen Szene, in der das Schicksal ganzer Völker entschieden wird. In diesem Hotel„Blauer Stern", das nun verschwunden ist, begab sich eine solche Szene in dem Zimmer, in dem am 23. August 1866 der preußisch- österreichische Krieg durch den Frieden zu Prag be- Republikanisdie Wehr» Prag Feberkundgebung Donnerstag, den 13. Feber 1936. — Beginn 8 Uhr abends.— Handwerkerverrin (Großer Saal), Prag II., Smekky 22. schloffen wurde. Bon 1864 her, von den Schanzen von Düppel, von Alsen, von den Friedensverträgen von Wien und Gastein und dann 1866 über die Schlachtfelder von Trautenau, Nachod und König- grätz führen die Ereigniffe in dieses Zimmer, in dem das besiegte Oesterreich die Vormachtstellung Preußens anerkennt. ' Ein halbes Jahrhundert später löscht die Geschichte aus, was in diesem Zimmer besiegelt worden war. Die G-'mer von 1866, Sieger und Besiegte von damals, kehren 1918-als geschlagene Bundesgenoffen aus dem Weltkrieg heim, und zu den Fenstern dieses Zimmers schallen die Triumphgesänge einer befreiten Ration herauf. Es blieb nichts von der Szene als ein Pergament in den Archiven und ein Zimmer, das noch einen Hauch der historischen Szene zu bewahren schien. Und nun gibt es auch dieses Zimmer nicht mehr. Wer vermag im leeren Luftraum noch die Stelle zu bezeichnen: da war es, da stand der Tisch, auf dem der Friedensvertrag unterzeichnet wurde, und da lag der Teppich, über den die Sieger sporenklirrend schritten? Nichts— leere Luft, die ein Spatz durchfliegt. Unaufhaltsam sinken historische Ereigniffe in die Vergessenheit zurück. Die Zeit löscht ihre Spuren. Nichts bleibt als ein Hall, und neue Zeitalter bauen in den leergewordenen Raum. Lerbrüht. Ein indirektes Opfer der Kälte wurde vorgestern abend» die elfjährige Schülerin Mari« Hokejsi, die sich, in der Wohnung ihrer Eltern in Bubentsch wärmen wollte und sich dabei so ungeschickt benahm, datz sie einen Topf mit kochendem Waffer herunterritz und sich verbrühte. Mit Brandwunden zweiten Grades wurde sie auf die Klinik Samberger und von hier ins tschechische Kinderspital gebracht. Verkehrsstörung durch Telcphondraht. Gestern früh ritz— wahrscheinlich infolge der Kälte— der Draht der Telephonleitung in der Kladnoer Stratze in Wotowitz und fiel auf die Stromleitung für die Stratzenbahn, so datz Kurzschluss entstand und der Strassrnbahnverkehr etwa auf eine Sturze unterbrochen wurde. Verwundet wurde niemand, da der diensthabende Polizist verhinderte, datz sich Passanten den herabhängenden Dryhten näherten. Einbrecher verhaftet. Gestern wurde in der Person des 22jährigen S. CH. der Täter eines am Sonntag verübten WohnungseinbrucheS bei der Adele Bärta in Wrschowitz verhaftet.. Der Täter war durch den. Lichthof ins Klosett geklettert, war von dort in die Wohnung gedrungen und hatte Schmucksachen im Werte von 2006 KC entwendet, die der Bestohlenen nun zurückerstattet wurden. Ueberfahrrn. Gestern um 1 Uhr mittags überfuhr der 48jähriqe Inhaber einer Bäckerei, Jan Bartos aus Stkrbohol mit seinem leichten Lastauto C 39 796 die 21jährige Beamtin Irma Weinberger aus Prag-Weinberge, die ihm direkt in die Fahrbahn lief, so datz er nicht wehr, bremsen konnte. Mit einer schweren Gehirnerschütterung wurde die Verunglückte ins Weinberger Krankenhaus gebracht. AuSflugSzüge. Die Staatsbahndirektion in Prag fertigt am Samstag, den 15. d. M.. einen Motor- Sonderzug nach der Sokolbaude für 96 KL, nach Johannisbad für 75 KL aind ins Erzgebirge. für 79 KL ab. Im Fahrpreise mbegriffen ist die Weiterfahrt mit dem Autobus, der Seilbahn, die lleber- nachtung. da» Frühstück und di« Versicherung. Anmeldungen und Informationen durch das Referat für Ausflugszüge im Basar neben dem Wilsonbahn- hof, Tel. 383-35 und VäclavskL näm. Nr. 66, Tel. 356-55. (jedMszaat Schwurgericht In geheimer Verhandlung Prag. Rach der Serie der Mordprozeffe, die bisher vor dem Schwurgericht zur Verhandlung kamen, folgt eine Reihe von Prozessen über S i t t- lichkeitsv-rbrechen, die natürlich unter Ausschluss der Oeffentlichkett vor sich gehen. Gestern stand der 30jährige Josef Kardynia vor den Geschworenen unter Anklage der Notzucht. Die Anklage legt diesem Mann(der übrigens aus Russland stammt, aber in Deutschland geboren ist) zur Last, am 10. Okwber v. I. bei der Ortschaft Repo- rye auf dem Heimweg aus dem Gasthaus eine junge Frau überfallen und vergewaltigt zu haben. Der Prozess endete mit der Verurteilung des Angeklagten zu zwei Jahren schwerenKer- k e r s. rb. Kunst und Mrsen Ausstellungen Sieben Künstler aus Mahrlsch-Ostrau haben sich im S. V. U.„Manes" zu einer Ausstellung vereinigt. Es sind sieben ganz verschiedene künstlerische Charaktere, deren Werke aber doch zu einer gewissen Einheit zmammengefatzt erscheinen durch einen gemeinsamen Grundton. in dem die schwere Stimmung des Kohlenrevier» von fernher anklingt. Direktes Motiv ist sie nur in den brandigen, russigen Tönen, in denen JanSlädek seine Hüttenszenerien zeichnet, und in der Plastik eines Bergmanns mit dem Presslufchohrer von dem Bildhauer Augustin Handzel, von dem auch eine interessante Gruppe dreier Landarbeiter hervorzuheben ist. Unmittelbar spricht die mährische Landschaft aus den Bildern Hans HLrinks. Er malt die.einfache Erde mit braunen Flächen und fernen grauen Hügelsäumen unter hohem Himmel, einsame Kornpuppen im glühenden Lichte der Spätuachmittaas- sonne. einen Bach im schmelzenden Schnee. Ein Feldrücken, gegen den Himmel gewölbt, genissst ihm als Motiv. Seine Landschaften, in einfachem Vortrag dargestellt, ruhen in sich selbst. Ganz anders mall Bohumii Dvorskh. in dessen Bildern die Landschaft lodert und flackert iu schweren Plauen I und grünen Faschen, die er mft gleichsam tuheliffem I Pinselstrich breit ineinander züngeln lässt. Ao» kur» zen, schnell hingesetzten Farbflecken entsteht das Wirr«, Flirrende eine» Blumenstrausses. Am stärksten zum Ausdruck kommt seine Eigenart in der Herbstlandschaft, in der die Leuchtkraft des Farbenwirbels in Blau, Braun, Rosa durch das feste Gelb eines Türmchens wirksam gesteigert wird. Vladimir Kristin stellt nur ein Bild aus. das den Landschaften Dvorskhs nicht nur räumlich benachbart ist. Bilkm Hlobil zeigt neben den schweren Farbenstimmungen feiner Interieurs die lichte Leichtig- kett zweier Pariser Motive. Ein Einzelgänger unter den Sieben, von fern« an Franz Marc und Rousseau erinnernd, ist Jan Schwarz. Er stellt eine weissblaue Kuh in kreidigblaue Flächen, die sich zu blauem Baumwerk ballen. Er vereinfacht Kühe zu einer Simplizität der Form, die an Kindersvielzeug erinnert, und stellt sie hell holzfarben neben schwarz« Holzstapel in ein hartes, flächiges Grün, das sich andeutungsweise zu Hügeln und Bäumen formt. So drückt er mit den einfachsten Mitteln und trotz der Vereinfachung der Form bis zur Primivität einen traumhaften, märchenhaften StimmungSgehaü au» und erinnert auch darin wie in der Form an die einfache Unmittelbarkeit, die man mitunter an Zeichnungen von Kinderhand bewundern kann. Man verweilt vor diesen holzfarbenen Kühen in der festen grünen Fläche, obwohl auf dem Bilde fast nichts zu „sehen" ist. ld. * Die erste Ausstellung der„Unabhängigen** findet gegenwärtig zusammen mit der der sieben Mährisch-Ostrauer und der Kollektiv-Ausstellung des Werkes von Släva Tonderovä-Zätkovä im„Manes" statt. Dreißig Künstler stellen 91 Bilder und Plastiken aus, ein vielstimmiges Beieinander aller.Mich- tungen" von Realismus bis zu den obftratten Konstruktionen. wie sie Hannes Beckmann zeigt, und bis zu der.Originalität", einen wirklichen Kerzenstummel auf einen gemalten Leuchter zu kleben, wie es Vladimir Dolejal tut und womit er übrigens die kubinhaste Phantastik seines Bildes verdirbt. Den stärksten und nachhaüigsten Eindruck behält man von den zwei Bildern, mit denen B o ü d a n Heimanskh vertreten ist, einem breit und flott hmgestrichenen Selbstbildnis in Grün vor mörtelfarbenem Hintergrund, sehr frisch und lebendig, und dem Porträt einer Frau mit Anemonen, fast wie aquarelliert wirkend, japanisierend in der Auffassung — ein äußerst fesselndes Bild, das man am liebsten besitzen möchte. Dann ist Ferdinand Kotvald mü einem Selbstbildnis zu nennen, da» an Ban Gogh denken lässt. An diesen und an CLzanne gemahnen auch die ansprechenden Blumenstücke von Dagmar Cijkovä. Mit einem„Buffet" und zwei Porträts fällt Karel Cernh auf, nächtig, schwer in der farbigen Stimmung, interessant in der Darstellung. Bon Hana Dostalovä fesseln sehr frischeAguarelle ausMachov. Von Josef Liesler ist eine Landschaft zu nennen, die das Eisig«, Fro stige, Klirrend« einer verschneiten Einsamkeit empfinden lässt. Von Olga StudniLkovä interessieren einige farbige Zeichnungen. Unter den Plasttten wirken Selbstbildnisse in Gips von RianaBaka- kovä und eine Porträtbüste in Bronze von K. T- Neumann durch überzeugende Lebensnähe.— lieber die sehr interessante Kollektivausstellung von Släva Tonderovä-Zätkovä bleibt noch zu berichten. ld. Drittes philharmonisches Konzert Man hatte dieses Konzert als„F r a n z ö s i- schen Abend" veranstaltet und eS der produktiven ftanzösischen Tonkunst ebenso gewidmet wie der reproduktiven. Das heißt fein Programm enthielt ausschliesslich Werke ftanzösischer Autoren, urü> Solistin des Konzertes war die Pariser Pianistin Mad. Germaine Leroux. Reprä- sentariv für die ftanzösische schaffende Tonkunst war das Programm dieses Konzertes nur insofern, als zwei der bedeutendsten ftanzösischen Meister Berücksichtigung gefunden hatten: Hektor B e r l i o z, der sicher genialste und markanteste ftanzösische Tonsetzex des vorigen Jahrhunderts, der Schöpfer der modernen JnstrumentationSkunst, der erste große Apostel der Programm-Symphonie, und Claude Debussy, der Begründer des Impressionismus in der Musik, der Meister des Klangraffinements in der Instrumentation, also gewissermassen ein Nachfolger Berlioz' in der Kunst der Drchestertech- nik. Berlioz war im Programm deS Konzertes leider nur mit Bruckstücken aus seiner grossen symphonischen Dichtung„FaustS Verdammung" vertreten, den abgespielten symphonischen Sätzen„Menuett der Irrlichter",.„Sylphentanz" und„Ungarischer Marsch", Debussy mit der Fantasie für Klavier und Orchester, einer früheren Komposition, die im Orchestersatz und Klavierpart aber schon alle Merkmale Debussyscher Klang- und Farbenkunst trägt. Als Vertreter der zeitgenössischen modernen Musik war im- Programm des Konzertabends A. R o u s- s e l mit seiner symphonischen Dichtung ,Le festin de l'araignke" enthalten. Wenn man will, ist auch dieses Werk bezeichnend für die ftanzösische Jnstru- mentationskunst, für ihr Klangraffinement und ihren Ausdrucksreichtum. Ihrem Titel, einem „Festmahl der Spinne", entspricht die symphonische Dichtung RouffelS vor allem durch die Durchsichtigkett und Sordiüiertheit ihrer, meist tänzerisch anmutig bewegten Musik. Mehr interessant als repräsentativ im Sinne ftanzösischer Symphoniemusik wirkte die C-Dur-Symphonie(die erste von dreien) des Opernkomponisten Georges B i z e t, ein zwar gefälliges, aber durchaus eklekttsches, an Beethoven und Schubert anknüpfendes Jugendwerk des„Carmen"-Komponisten. Es ist klar, daß in einem einzigen Symphoniekonzert nicht all« massgebenden und repräsentativen französischen Tonsetzer vertreten sein können. Immerhin hätte man an Stelle der Symphonie BizetS lieber zwei wirklich« repräsen- ttve moderne Franzosen gehört, wie etwa Pavel, Dukas oder Milbaud. Musikalischer Leiter des Konzertes war Kapellmeister Fritz Z w« i g, der seiner Aufgabe mit viel Ambttion, und Temperament nachkam, aber mitunter noch genauer im Rhythmus und sauberer im Jnstrumentalbild hätte sein können. In der Solistin Madame Germaine L e r o u x lernte man«ine Pianistin kennen, di«- vor allem durch die Glätte ihrer Techntt überzeugt, in der Klang- und Anschlagskultur aber noch vollkommener sein könnte, wenn es um die Jnterpre- tatton ihres LandSmanne» Debussy geht. Das Konzert war nur sehr mäßig besucht. E. I. Kleine Bühne, etwas rückfällig. Das Prager Deutsche Theater hat in den letzten Wochen so viel Ausgezeichnetes geboten, dass man ihm den- kleinen Rückfall verzeihen kann, den gestern die Kleine Bühne erlebte. Die da„deutsch uraufgeführte" Komödie — wann endlich wird man bei solchen E r st- aufführungen die falsche Reklame mit dem„ur" weglaffen?-— heisst„Christian" und ihr Autor angeblich I v a n N o e. Hol' uns der Teufel, wenn das ein Pariser ist! Bon Charme und Esprit ist jedenfalls keine Rede; höchstens von Sentimentalität, mit der da» verpfuschte Leben und Erleben eines zur Spießbürgerlichkeit verurteilten Ministrrial- beamKn geschildert wird, der sich von Zeit zu Zett einen Abend des Doppellebens leistet und bei solcher Gelegenheit einmal auf eine Frau stösst, die sich in den alten romanttschen Steiger wirklich verliebt. Wenn man unter Kitsch richttg jede ins Kunftgebiet eindringend« Leistung versteht, die auS der Banalttät eine Angelegenheit zu machen versucht, dann ist diese Komödie„Christian" ein Muster an Kitschig- keit. Und ist eS so gründlich, dass der Auwr seloer zum Schluß das in solchen Fällen unvermeidliche happy end nicht wagte; wahrscheinlich wäre nämlich dann herzlicher gelacht worden, als es in einigen gelungenen Szenen des Stücks sich ereignete. Ueftü- genS wird blühender Unsinn und unkünstlerischeste Alltäglichkeit stellenweise sehr geschickt serviert; und da dieser Christian eine sogenannte gute Rolle ist, erzielt natürlich ein so vortrefflicher Schauspieler wie Hans Götz mit Humor, Liebenswürdigkeit und Rührbarkeit einen Erfolg, an dem auch die anderen(vor allem die Moncasi und Lotte Stein) teilhaben. Die Regie(Taub) sah sich anscheinend vor die Aufgabe gestellt, aus einem Schmachffetzen Kammermusik zu machen; bei einem Teil des Publikums, das freudig applaudierte, scheint ihr das gelungen zu sein.-Wir hoffen aber, dass die Kleine Bühne recht bald wieder zu der neuen und besseren Tagesordnung zurückkehrt. I*. G. Kongreß für Musikerziehung. Der Vorstand der Gesellschaft für Musikerziehung bat in seiner letzten Besprechung unter Vorsitz des Ministers Dr. Krosta die Anmeldungen ausländischer Regierungen, führender Fachleute und Publizisten für den Kongress für Musikerziehung, der vom 4. bis 9. April in Prag stattfinden wird, zur Kenntnis genommen und das definitive Programm genehmigt. Zur Mitarbett im Vorstand der Gesellschaft wurde Profeffor Gustav Becking. der Ordinarius Mr Musikviffenschaft an der deutschen Universität in Prag eingrladen..der auch mit einem Referat über die Musikerziehung in. den deuffchen Gebieten der Tschechoslowakischen Republik beim Kongress vertreten sein wird. Ferner wurde beschlossen, eine besondere Seftion zu errich- Speisereste zwi schen den Zähnen sind oft die Ursache üblen Mundgeruchs; piek ärger ist es, wenn die Speisereste in FäulsiiS übergehen. Es bildet sich dann Milchsäure, die den kostbaren Zahnschmelz zerstört. Darum abend' als Laut es vor dem Schlafengehen die Speisereste auS den Zahnzwischenräumen durch gründliche Reinigung mit Chlorodont-Zahnpaste entfernen. Morgens als Erstes die Zähne mit Chlorodont- Zahnpaste putzen, deren köstlicher Pfeffer- minzgeschmack noch lange nach dem Gebrauch ein Gefühl der Frische und Sauberkeit im Munde hinterläßt. Chlorodont, schäumend oder nichtschäumend, beide Qualitäten find gleich gut. Tube Kr 4.—. 3 SpHtr.er Sbloroioat-Mundwasser ta bas Mundsp0>- glas erböbea du arfrlscbeads Wirkung der regelmäßigen Lahn- and MaadpHage aut Chloiadom. ten. die sich den Aufgaben der musikalischen Volksbildung in den deutschen Gebieten widmen soll. Die Leitung dieser Sektion wird der bekannte Faivmann für Bolftbildung, Archivrat Dr. Anton Moucha. übernehmen; zu den Mitgliedern gehört u. a. Profeffor Fidelio Finke, der Rektor der Akademie kur Musik und darstellende Kunst in Prag. Die Tänzerin Lilian Harmel, eine Schülerin der Schwestern Wiesenthal, tanzt Donner-tag abends in der»Urania". Auf dem Programm findet sich auch eine Uraufführung: Die Tänz« des Königs David, eine Tanzballade nach der Rhapsodie von Mario Castelnuovo-Tedesco. Spielplan des Reuen Deutschen Theater». Heute. Mittwoch halb 8: Ein Verbrechen, deutsche Erstaufführung, B 2.— Donnerstag halb 8 Uhr: Der heilige Antonius. Erstaufführung, CI.— Freitag 7:Lohengrin, Wag- nerzhflus IV, Dl.— Samstag halb 8: Kata- rin a*J Smailowa, D2.— Sonntag halb 3: Was Ihr wollt, Arbcitervorstellung, halb 8; D er heiligeAntoniuS, Al. Spielplan der Kleinen Bühne. Heut«, Mittwoch Hr C h r i st i a n, Bankbeamte ll und fteier Berkaus.— Donnerstag 8: JmLondoner Nebel, volkstümliche Vorstellung.— Freitag 8: Unentschuldigt« Stunde,.Theatergemeinde deS KulturverbandeS und freier Verkauf.— Samstag 8 Uhr: WaSJHrwollt.— Sonntag 3:UnentfchuldigteStunde, 8 Uhr: Christian. üuL cker Partei Generalverfammlnng der Bezlrksorganisatftn Prag. Die Jahresversammlung der BezirksorgckNi- sation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Partei findet Freitag, den 28. Feber 1988, Um 8 Uhr abends statt. Die befreundeten Organisationen werden gebeten, diesen Tag für die Generalversammlung der Bezirksorganisation, fteizuhalten. Sektion der sozialdemokratischen Bankbeamten. Donnerstag, den 13. Feber, um> lb 19 Uhr, im Parteiheim Prag ll., Närodnk tk. Nr. 4, wichtige Sitzung, zu der das Erscheinen aller Mitglieder erbeten wird. Heute Gruppenabend um 8 Ubr abends: Zentrum(Ligaheim): Kunst im Faschismus.—• Wein- berge-Smichov(Närodni 4): Heinrich-Heine- Feier.— Hollesch o w i tz: kein Gruppenabend. DonnerStag, den 13. Feber, alle zur RW-Kundgebung im blauen Hemd, und Sonn tag, den 16. Feber, Treff Wanderung um 11 Ubr an der Zbrasla- ver Brücke. 8pHr»-§piek Xörperpfleg« Die Olympischen Winterspiele. Am Dienstag wurde mit den Bobrennen begonnen, die nicht ohne Stürze abgingen. Weiter begann das Pflick'- laufen der Eiskunstläuferinnen, die Eisschnelläufe und die Zwischenrunde der Eishockeyspiele. Bei den Pflichtübungen der Eiskunstläufer, welche Montag abends beendet wurden, blieb erwartungsgemäss der Wiener Schäfer mit 250.9 Punkten in glatter Führung, gefolgt von dem Kanadier Wilson und dem ErVsiinder Sharpe. Der Tschechoslowake Sadllek belegte mit 193.2 Punkten den 22. Platz.— Im Eisschießen siegte der Oesterreicher Reiterer und der Tschechoslowake Wolfinger plazierte sich auf den dritten Platz!— Das Eisschnelläufen über 500 Meter ergab einen norwegischen Doppelsieg: Ballangrud wurde in 48.4 Sek. Erster vor seinen Landsmann Krog, der in 43.5 Sek. den zweiten Platz besetzte. Die Tschechoflowaken Turnovskh und Bohac kamen nicht zur Geltung.— Die Zwischenrunde der Ei s- Hockey-Spiele begann auf dem Riffersee mit den Begegnungen Amerika—Tschechoslowakei und Schweden—Oesterreich. DaS tschechoslowakische Team erhielt seine erste Niederlage, die mtt 2:6 wohl knapp auSfiel, aber immerhin den Amerikanern nie gefährliche Gegner waren. Mit 1:6 verlor Oesterreich gegen die Schweden. Im Eisstadion wurden die restlichen Spiele durchgcführt, u. zw. gewannen die Deutschen gegen Ungarn I:l. Sensationell schlug England den Weltnkeister Kanada mtt 2:11— DaS Viererbobrennen sieht nach zwei Fahrten den Bob Schweiz 2 mit der Gesamtzeit von 2:41.23 in Führung vor Schweiz 1 und England 1. Die beiden tschechoslowakischen Bobs schieden aus. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins SauS oder bei Bezug durch die Poft monarlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.—. halbjährig KL 96.—. ganzjährig KL 192*--.— Jnierate werden laut Tarik billigst berechnet« Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Manuskrivlen erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZettunaSftaukatur wurde von der Post- und Lele- gravhendirektion mtt Erlass Nr. 13.806/VH/1036 bewilligt.— Druckerei:„Orbis'. Druck«. Verlags- und ZettungS-L-G.. Prag.