Freitag, 14. Feber 1936 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (einKhtleSllch S Heller Porto) DERDEUTSChTnSOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IH OER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung pragxiufochova ü. telefon san. HERAUSGEBERt SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, PRAG. tt bürgerliche Regierung unter dem einer mächtigen. Massenbewegung die»ine oder andere Maßnahme welche im Interesse, des arbeiten- vor den Augen wird. Er hält der Parteiführung die folgende Strafpredigt: ... Die Führung der Partei hat auf eine alte Sache vergessen: Daß nämlich das Proletariat, damit eS auf die Lösung irgendeiner politischen Frage in seinem Interesse Einfluß nehme, in erster Linie und hauptsächlich seine eigene selbständige Massenaktion unten, in den Betrieben, Organisationen, auf der Gaffe antreten muß. Die Führung der Partei hat beteuert, beschworen, ge- bewn und gewarnt, alle möglichen Faktoren— Abgeordnete, Minister, die Regierung, die Exekutiv- auSschüffe verschiedener Parteien. Dir Führung der Partei hat Hampl,- Czech und Brnes zugeredet. Sie hat alles Mögliche und Unmögliche getan, um ihnen den guten Willen der Partei zu gemeinsamem Kampf gegen Reaktion und Faschismus zu erweisen. Nur eines hat sie sozusagen vergessen: di« Masse«. Darauf, daß es notwendig ist die Mässen aufzufordern, zu organisieren und zu führen, zur selbständigen Mtion unten, daß dies auf die Herren oben einen größeren Eindruck mache als die schönste Rede, als jedes Einreden und Ueberreden. Kurz und gut, die Führung der Partei hat manchmal dir Mobilisierung und Aktion der Massen durch parlamentarisch» Kombination ersetzt. DaS hat allerdings nichts Gemeinsames mit„lcktiber bolschewistischer Massenpolitik" von der Genosse Dimitroff gesprochen hat, damit wird nicht die Partei„ein politischer Faktor im Leben ihres Lande«*/ wie das der VH. Kongreß der Kommunistischen Internationale und das Interesse des arbeitenden Volkes erfordern— im Gegenteil, damit kann die Partei, ohne daß sie es subjektiv wollte, die Politik des Gegners erleichtern, wie sich dies z. B. bei der Abstimmung unserer Parlamentsfraktion für zwei Kapitel des staatlichen Voranschlages(Außenministerium und Fürsorge) gezeigt hat. Diese Abstimmung war ei» politischer Fehler. Nicht, daß jede Abstimmung für die oder jene Maßnahme einer bürgerlichen Regierung ein politischer Fehler wäre. Es kann eine Situation geben, in welcher die starken Drucke gezwungen ist, zu beantragen, den Volkes, im Interesse des Kampfes gegen den Faschismus und für den Frieden ist und wogegen sich alle Reaktionäre und Faschisten sträuben. An einem solchen Falle werden- die Kommunisten, indem sie sich auf die Massenbewegung, welche die Verwirklichung, dieser Maßnahmen fordert, stützen, pro stimmen. Nichts davon war bei der Abstimmung über den Voranschlag der Fall. Die Regierung hat nicht eine einzige Forderung deS arbeitenden Volks im Sinne der Parole*,Die Reichen sollen zahlen!" angenommen. Die Regietung hat nicht«inen Schritt gegen die Faschisten und für die Erweiterung der demokratischen Rechte getan, im Gegenteil, sie hat mit der faschistischen Reaktion paktiert, paktiert weiter mit ihr, ging und geht weiter nach rechts. Und wir haben dieser Regierung durch das Stimmen für zwei Kapitel des Voranschlages das Vertrauen ausgesprochen! WaS ist das anderes, als sich die Hände binden, auf eine selbständige Politik zu verzichten»nd dir Massen zu desorientieren? Gottwalds Urteil über die Parteiführung ist demnach ein vernichtendes: Die Tatsache, dass die Partei den konkreten Kampf für dir konkreten Rechte»nd Forderungen deS Volkes gegenüber dem heutigen Regierungsregime vernachlässigt hat, hat sie in den Augen der Massen in gefährliche Nähe mit diesem Regime gebracht. Noch mehr als' die Parteileitung seht Gottwaldvör den Augen der. gesamten Oeffentltchkeit das Z e n- tralorganseinerP art ei,das„Ru d i Prävo" herab. Das Blatt hatte nämlich am 27. November 1935 geschrieben: „Äein ehrlicher arbeitender Mensch in der Republik, ist heute gegen die Armee und gegen -Rüstungen! Der Armee gehört das beste und rüsten müssen wir! Gegen den Faschismus, der uns bedroht, werden wir alle mst der Waffe in der Hand-gehen-und wir wollen, damit wir von insbesondere die Reise des tschechoslowakischen Ministerpräsidenten und Außenminister Doktor HodZa werden hier als eine weitere Phase der Entwicklung zur praktische n'S ösung der Probleme der. Neuregelung im Donauraum gedeutet. Die wirtschaftlichen Beziehungen Ungarns zur Tschechoslowakei haben sich in den letzten Monaten gebessert. In der Politik sieht der tschechoslowakische Ministerpräsident Dr. HodZa mit Budapest einen'Schritt zur Anbahnung besserer Verhältnisse zwischen den beiden Staaten. Die Pariser Konferenzen bedeuten zweifellos die Einleitung- einer verschärften Aktivität zur internationalen Regelung des Donauproblems. Ungarn verfolgt diese Tätigkeit in Paris mit Aufmerksamkeit und mit Verständnis. Es bekennt sich von neuem zu p r i n z i p i e l- llerZusammenarbeit, lehnt die Rolle eines Friedensstörers ab und erblickt in der Entwicklung der letzten'Ereignisse einen' weiteren Grund zum Festhalten an der Linie seiner konservativen Außenpolitik.- i Kurswechsel der KPC Vernichtende Kritik Gottwalds an Partei undZentralorsan Leon Blum überfallen Royalisten attackieren und verletzen den Führer der französischen Sozialisten/ Arbeiter schlagen den faschistischen Angriff ab Paris. Beim Verlassen des Kammergebäudes wurde Donnerstag mittags Leo Blnm von Royalisten überfallen«nd verletzt. Rur dem sofortigen Eingreifen vo» Arbeitern, die in der Nähe waren, ist es z« verdanken, daß B l« m, der gefährliche Wunden erlitten hatte, rechtzeitig befreit werden konnte. Der Ueverfall, welcher in Paris größte Erregung hervorgerufen hat, hatte bereits die Ankündigung des Ministerpräsidenten zur Folge, daß die Regierung sich nicht mit Worten gegen die Rechtsverbände begnügen, sondern handeln werde. Rach der Kammersitzung beschloß der Ministerrat die Auflösung der royalistischen Organisationen. Vie der Ueberfall geschah Der Angriff ereignete sich unter folgenden Umständen: Kurz vor 13 Uhr begab sich Leon Blum zu Faß vom Parlamentsgebäude in seine Wohnung. Am Boulevard St. Germain herrschte reger - Verkehr, da diesen Boulevard gerade die Teil nehmer des Begräbnisses des royalistischen Jour nalisten Jacques Bairrville passierten. Als sich Blum gerade gegenüber dem Kammergebäude be fand, erkannten und bedrohten ihn vier royali stische junge Leute. Leon Blum entwand sich ihnen jodoch und stieg in daS Auto des sozialistischen ■ Deputierten Monnet ein, der gerade mit seiner Frau vorbeifuhr. An der nahen Straßenkreuzung war das Auto genötigt, anzuhalten und eine . Gruppe von etwa 400 Personen, von der einige " Leon Blum erkannten, umringte den Wagen. Es handelte sich größtenteils um Royalisten. Sie griffe« das Auto an, zerschlugen mit Stöcken di«-Türen«nd alle Fenster und verletzten Leon Blum mit Stockhieben am Kopfe und am Halse. Außerdem erlitt Blnm durch die umherfliegenden Glassplitter Verletzungen. In der Nähe beschäf tigte Arbeiter, die den Angriff beobachteten, kamen dem sozialistischen Führer z« Hilfe. Auch die Polizei griff dann ein. Blnm, der stark blutete, wurde in der Portierloge eines Hauses die erste Hilfe gewährt. Dann brachte man den Perletzten in das Krankenhaus. Auch die Gattin des Depu tierten Monnet wurde mißhandelt und verletzt. Die ärztliche Untersuchung ergab, daß die Verletzungen, die Leon Blum erlitten hat, zwar sehr schmerzhaft sind und er einen ziemlichen Blutverlust erlitt, daß jedoch die Verletzungen viel weniger ernst sind, als es ursprünglich schien. Leon Blum erhielt einen heftigen Stock hieb auf die Stirn, der an der Schläfe eine Ader öffnete. Er erlitt auch Schnitt- und Kratz wunden im Gesicht, am Halse und namentlich am Ohr durch die umherfliegenden Glassplitter. Durch den Blutverlust war Blum ziemlich ge schwächt, er wurde jedoch aus dem Krankenhaus bereits entlassen. Der Gerichtsarzt, der vom Untersuchungsrichter beauftragt wurde, den Zu stand Blums festzustellen, hat erklärt» daß sich Blum in etwa zwei Wochen erholen kann, vor ausgesetzt allerdings, daß keine unvorhergesehe nen Komplikationen eintreten. Erregung In der Kammer Die Attacke hat in der ftanzösischen Kammer allgemeine Erbitterung hervorgcrnfen. Die sozialistischen Abgeordneten sind gleich nachmittags zu einer gemeinsamen Sitzung mit den übrigen Linksgruppen zusammengetreten. Man er wartet, daß die Sozialisten di« Auflösung der royali stischen Organisation Action Francaise und wahr scheinlich auch die Verhaftung der Chefredakteure deS Blattes„Action Francaise" Leon Daudet und Charles Maurras fordern werden, welche die morali schen Urheber des heutigen Attentates sind. Vor 16 Uhr trat die Kammer unter großer Er regung zusammen. Der Kammervorsitzende Fernand Bouiffon verurteilte den au Blüm verübten Angriff, versicherte ihn der'Achtung der ganzen Kammer und wünschte ihm baldige Genesung. Sämtliche Deputier- ’ ten von Links bis nach Rechts erhoben sich und drück ten ihr« Zustimmung zu diesen Worten des Kammer« ‘ Vorsitzenden aus. Scharfe Worte Sarrauts i■ Sodann bestieg Ministerpräsident Albert Sar- raut die Rednertribüne und schloß sich unter dem ' Beifall der ganzen Kammer dem Wunsche nach , baldiger Genesung des verletzten Deputierten an. Der Ministerpräsident verurteilte in scharfen :■ Worten den tätlichen Ueberfall, erklärte jedoch, daß sich dir Regirrnng nicht mit der Verurtei lung durch Worte zufrieden geben, sondern handeln werde. Die Angreifer werden strenge/ lULLL'f Ulli VCl vv», auuuh bestraft werden. Tie Regierung sei fest ent- sFreien Presse mit: Die Pariser Beratungen-und schloffen, sehr energisch z« handeln, dmn sie halte es für unzulässig, daß die Sicherheit der Bürger im Lande bedroht werde und daß öffentlich tätige Personen zum Gegenstand von Provokationen und Gewalttätigkeiten werden. Der Ministerpräsident kündigt an, daß die Re- girrnng bereits eine gerichtliche Untersuchung angeordnet habe und daß sich der Käbinettsrat in seiner nächsten Sitzung sehr ausführlich mit allen Schritten befassen werde, welche die gegebene Sftnation erfordert. Der sozialistische Deputierte Vincent Anriol dankt dem Kammerpräsidenten«nd dem Vorsitzenden der Regierung für ihre Worte und berichtet dann die Einzelheiten des lieber- falles. Er erklärte, daß Leon Blum einzig und allein dank dem Einschreiten der Arbeiter, die ihm zu Hilfe eilten, seinen Angreifern entkam. Die Schuldtragenden, rief Vincent Auriol aus, sind die gleichen, welche dem Mörder von Jean Saures, die Waffe in dir Hand gedrückt haben! Herriot und namens der Mitte Franklin Bouillon verurteilten ebenfalls das Attentat. Als sich hierauf der Deputierte der' äußersten Rechten, PastorSoulier zu Worte meldete, ruft man ihm zu: Heuchler! Der Redner wird ständig durch stürmische Zwischenrufe unterbrochen. Ter Kammervorsitzende unterbricht die Sitzung. Aclion Franchise aufgelöst! Paris.(Havas.) Der zu einer austerordentlichen Sitzung zusammengetretene Ministerrat hat die Auflösung der Liga der Action Francaise, des Studentenverbandes der Action Fran- eaise und der sogenannten„Camelots du Roi", der eigentlichen Kerntruppe der Action Francaise, beschlossen. Der Ministerpräsident S a r r a u t hat aus Grund des Gesetzes vom 10. Jänner dieses Jahres eine entsprechende Verordnung dem Präsidenten der Republik zur Anterzeichnung vorgelegt. Eine Haussuchung bei der Liga der Action Francaise ist bereits im Gange. Der Herr Wg. Gottwald, aus dem sich die kommunistische Presse seit Monaten bemüht einen „Führer" zu machen, unter dessen Führung aber die kommunistische Parlamentsfraktion jedes Ansehen verloren hat, ist monatelang— fern vom Schuß— in Rußland gewesen und hat dort einen der vielen Sekretäre der Kommunistischen Internationale gemacht. Nun will er wieder mit der Autorität jenes, der die amtliche Punze der Moskauer Machthaber hat, in die tschechoslowakische Politik eingreifen und eröffnet das Bombardement auf Freund und Feind mit einem gewaltigen Aufwand von Rotationspapier und Druckerschwärze. Neuneinhalb Spalten lang kanzelt er im„Rudö Prävo" alles herunter, was da kreucht und fleucht— innerhalb und außerhalb seiner Partei. Verhäftnismäßig kurz befaßt er sich mit der Sozialdemokratie, es sind die alten Töne, die er seiner Trompete entlockt.„Für den Preis einiger Ministersessel", so lautet eine der alten schalen, abgestandenen» halbverfaulten Phrasen,„müssen die Regierungssozialisten der Bourgeoisie das an Händen und Füßen gefesselte Proletariat ausliefern. Nein, die Stärke der Arbeiterklasse liegt nicht in den Ministersesseln der bürgerlichen Koalitionsregierung, sondern in den Betrieben..."— Genug davon. Wem erzählt das der Herr Gottwald? Stellt er sich so dumm, daß er annimmt, wir wüßten nicht, worin die Kraft der Arbeiterklasse ruht, oder ist er wirklich so— herzensnaiv? Ist eS ihm nicht bekannt, daß die ftanzösischen Kommunisten es nicht ablehnen, an einer Regierung der„Volksfront" teilzunehmen. Wenn er tatsächlich der Meinung ist, daß die Teilnahme an einer Legierung, in der auch bürgerliche Vertreter sitzen, für proletarische Vertreter unmöglich ist, dann möge er a m W i ls o n bah n h o f eine Karte nach Paris lö^en, seine ftanzösischen Gesinnungsgenossen von der hohen Warte seines politischen Weitblickes belehren und überzeugen und dann möge er sich wieder melden. Aber den Sozialisten in der Tschechoslowakei das zu verbieten, wonach sich die ftanzösischen Kommunisten sehnen— das Herr Gottwald, geht nicht, da müßten Sie etwas früher aufstehen. Aber diese alte Melodie kennen wir schon und es ist nicht die Hauptsache des ermüdend langen Artikels, den man mit Mut und Geduld bezwingen muß. DaS Entscheidende ist die v e r- nichtendeKritikan derbis- herigenParteiführung, die Herr Gottwald wie ein strafender Gott übt. Was die Kommunisten während der letzten längeren Parlamentstagung getan haben, vor allem die Zustimmung zu zwei Budgetkapiteln, Eintreten für den Ausbau der Armee, das war eine solche Krümmung der Parteilinie, daß dem Gottwald schwarz Verschärfte Aktivität zur internationalen Regelung des Donaupaktes Eindrücke der Hodia-Relse In Oesterreich und Ungarn Wien. Die Pariser Verhandlungen des tsihe- i choslowakischen Ministerpräsidenten und Außen ministers Dr. HodZa sowie seine energischen Kundgebungen und Vorschläge zur Sicherung der Unabhängigkeit Oesterreichs rufen a n m a ß g e be n d e n österreichischen S f e l len große Befriedigung hervor. Allge mein besteht die Ansicht, daß unter dem Eindruck der Pariser Verhandlungen die weiteren Bera tungen über Mitteleuropa ein günstiges Resultat zeiftgen werden. Mit ausgespro chenem Optimismus werden speziell die tschecho- flowakisch-österreichischen Verhandlungen verfolgt. Die Wiener Presse widmet den Pariser Beratun gen HodZas bereits seit einigen Tagen ganze Spalten und quittiert mit großer Genugtuung, daß Dr.. HodZa zur Presse ungewöhnlich offen 'spricht.'. ließet die Gesinnung, die durch die Bcra- siingen HodZas in B u d a p e st hervorgernfen 'wird, teilt der dortige Korrespondent der Neuen Seite 2 Freitag, 14. Feber 1936 Rr. 38 ! Lin Beitrag zur braunen Olympiade: Berliner Arbeitersportler zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt Prag.(Eigenbericht.) In Garmisch-Partenkirchen ist der braune Olympiaderummel in bestem Gange. Während das nationalsozialistische Regime diese Keranstaltung in größtem Stile ihren propagandistischen Zwecken nutzbar zu machen versucht, vollzieht sich hinter den Kuliffen des Dritten Reiches die Tragödie des mit brutalsten Mitteln niedergeworfenen Arbeitersports. In Berlin wurde« am 11. Feber zwei junge Mensche«, der fünfundzwanzigjährige Erich Q u a g e und der fiebenundzwanzigjährige Hans M i ck e l n, wegen Fortführung einer verbotenen Sportorganisation z« lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Der Bruder Mickelns erhielt wegen des gleichen Deliktes 15 Jahre, der Mitangeklagte Willi Mayer 12 Jahre Zuchthaus. Der Staatsanwalt hatte in beiden erstgenannten Fällen sogar die Todesstrafe beantragt. Das ist das wahre Hitler-Deutschland im Zeichen der bürgerliche« Welt-Olympiade! Amerika! Oelaurfuhr nicht begrenzt Petroleum-Sanktion gegen Italien aussichtslos? . diesen Waffen soviel als möglich haben unv daß sie die besten sind! Der Herr Minister für Nationalverteidigung hat im Wehrausschutz das Programm der materiellen Forderungen der Armeeverwaltung vorgebracht. Es war genug. Aber es ist notwendig! Wenn nicht die Gewinn« wären, welche die Gesellschaft der Söhne und Schwiegersöhne in die Tasche steckt... hätte die Armee statt jedes Geschützes, das ihr die tschechoslowakischen patriotischen Rüstungsindustr'eilen liefern, zwei Geschütze, statt eines Flugzeuges zwei, statt eines Maschinengewehres zwei.*. Gottwald sagt uns darüber: Wer das mit eigenen Augen nicht gesehen hat, würde nicht glauben, datz etwas Aehnliches in kommunistischen Zeitungen erscheinen kann. Und doch, so stand es im„Rudt Prävo" am 27. November 1933. Der Schreiber des zitierten Artikels war zweifellos ein fremdes, demProletariatund d«r Partei feindliches Element. ... Und wenn gleich nach Erscheinen einer so unerhörten Sache ihr Urheber nicht mit eisernen Ruten als Agent des Klassenfeindes aus der Partei hinausgejagt worden ist— dann zeigt rS, daß es in der Partei keine« klaren konsequenten bolschewistischen Standpunkt in der Frage der Armer gegeben hat. Enthält schon diese Aeutzerung Gottloalds eine Drohung, so ist die nachstehende Stelle des bandwurmlangen Artikels die Ankündigung einer Auswechslung der Führungsgarnitur der Partei aus dem nächsten Parteitag, der bereits mehreremale — wir wissen jetzt warum— verschoben wurde. Mit erhobenem Zeigefinger sagt Lehrer Gottwald seinen Schülern: Wenn wir nun fünf Monate nach dem siebenten Kongretz der Kommunistischen Internationale die Frage prüfen, wie die Führung der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakisch. Republik, die neue Linie des siebenten Kongresses der KJ begriffen, erklärt und angewandt hat, dann müßen wir sagen, datz sie in dem Bestreben, leichte und rasche Erfolge zu erzielen, sie unrichtig und opportunistisch erklärt und angewandt hat... Der siebente Kongreß der Partei muh aus der vergan- genen Epoche alle notwendigen Schlüffe ziehen, damit die Partei sehe, worin die Wurzel der Fehler gelegen sei- DiealteFührungwirdalsoab- gesetzt werden, eine neue r— die wievielte— wartet schon tot dem Tore, Das Resultat Weitz jeder; Nach einem schüchternen Anlauf zu einer realen Innenpolitik, welche die Kommunisten in der Tschechoslowakei im Herbst und Winter gemacht haben, kehren die alten, abgebrauchten agitatorischen„Schlagworte wieder. So lange diß Demokratie bei uns bedroht Wchr, regle» stchdas Gewissen, jener kommunistischen Führer, welche unmittelbar unter dem Eindruck der Verhältnisse hierzulande standen. Die sozialistischen Parteien haben im Dezember die Sifuqtion gerettet— jetzt kann der Herr Gottwald und können jene, die nach seiner Pfeife tanzen, den Krieg gegen die sozialdemokratische Arbeiterschaft, diese stärkste Stütze der Demokratie und diesen besten Schutz gegen den Faschismus lustig weiterführen! Dazu braucht man wenig nachzudenken, nur ein paar Phrasen herunterleiern— aber die Geschichte wird über eine so hohle, gedankenarme, die Wirklichkeit nicht erkennende, nicht revolutionäre, sondern impotente Politik ihr Urteil fällen. Genf. Der Vorsitzende der Sanktionskonferenz, Vascencelos, übersandte der Regierung der Mitgliedsstaaten und der Staaten, die nicht Mitglieder des Völkerbundes sind, den Bericht des Ausschusses für die Petroleumsankticnen. Vascencelos forderte die Regierung der Mitgliedstaaten auf, den Fragebogen betreffend die Statistik des Handels mit Italien womöglich telegraphisch zu beantworten. Allen Anzeichen nach machen sich Bestrebungen geltend, die Tätigkeit der Sanktionskonferenz zu beleben und neuerlich zur Lösung des abessinisch-italienischen Konfliktes zu schreiten. In Washingtoner politischen Kreisen ist man der Ansicht, datz der Bericht des Genfer Petroleum-Sachverständigen sich bestrebt, alle Verantwortung einfach den Vereinigten Staaten zuzuschieben. In gut informierten Kreisen wird an- London. Der Kriegsberichterstatter des Reu- terschen Bureaus telegraphiert: In abessinischen Kreisen spricht man von einem neuen abessinischen Angriff auf die Tigre- front, doch besitzen die abessinischen Truppen offensichtlich nur wenig Munition. Nach abessinischen Meldungen, die in Defsie veröffentlicht wurden, sind bei den Kämpfen, in deren Verlauf die Abessinier Kurati in der Provinz Ogaden wiedererobert haben, 83 weißeita- lienische Soldaten und 150 Askari gefallen. Zahlreiche verletzte Italiener verbargen sich im nahen Dickicht, wurden jedoch später gefangengenommen. Die Abessinier erbeuteten eine grotze Menge Gewehr« und grotze Monturvorräte. Als jedoch die Abessinier die zurückweichenden Italiener verfolgen wollten, stietzen sie auf heftigen italienischen Widerstand. Ein eben von der Nordfront zurückgekehrter Augenzeuge schildert die Situation folgendermatzen: Täglich treffen an der Front neue und immer neue abesiimsche Soldaten ein. Es sind mindestens 10 Prozent Frauen, die Männerkleidung tragen. Sie besitzen Gewehre und Munition. Die Stimmung aller abeffinischen Soldaten ist erkannt, datz dieser Standpunkt eine gewiße Berechtigung im Hinblick darauf hat, datz die neuen Vorschläge betreffs der Neutralität Amerikas die Erwartungen des Völkerbundes nicht befriedigt haben. Staatssekretär Hüll hat über Befragen die Antwort erteilt, datz keine Verfassungsklausel besteht, durch welche die Ausfuhr von Kriegsmaterial auf einen normalen Durchschnitt eingeschränkt werden könnte. Auf die Frage, ob die Regierung weiterhin ihren Einflutz dahin ausüben wolle, eine allzu grctze Ausfuhr derartigen Materials zu verhindern, erteilte Staatssekretär mtt Rücksicht darauf, datz diese Angelegenheit soeben der Gegenstand der Beratung in der gesetzgebenden Körperschaft bildet, eine ablehnende Antwort. Wahrscheinlich wird der Kongretz den Neutralitätsantrag zum Gesetz erheben, ohne in denselben Maßnahmen zur Einschränkung der Ausfuhr auf ein normales Matz aufzunehmen. ausgezeichnet. Diese Soldaten sind auch gut verpflegt, leiden jedoch an Munitjonsmangel, denn keiner von ihnen erhält mehr als 150 Schutz Munitton. DaS ununterbrochene Eintreffen abeffinischer Verstärkungen deutet darauf hin, datz Ras Seyoum, Ras Kasa und Ras Jmbu eine neue Offensive planen, durch welche sie, wie sie .hoffen, die Italiener bis zur Grenze von Eriträa zurückdrängen werden. Die Moral der abeffinischen Soldaten wird durch die täglichen italienischen Anflüge nicht erschüttert. Die abeffinischen Krieger glauben zuversichtlich, datz in diesem Kriege das Gewehr und das Bajonett die Entscheidung und den Sieg bringen werden. Da man das Auftreten von Seuchen befürchtete, hat der Negus die Schaffung eigener Abteilungen von Nichttriegern zur Begräbung der Toten angeordnet. Der Kaiser hat diesen Befehl erlaffen, als er die Nachricht von der großen Zahl der Leichen erhielt, die auf dem Kampfplatz liegen, wo sie von Hyänen und Raubvögeln überfallen und angefreffen werden. Die von diesen zur Bestattting der Toten bestimmten Abteilungen eingelangten Meldungen bildeten die Grundlage für das gestrige Kommunique über die Zahl der in der Schlacht von Tembien gefallenen Italiener. Neue^Verlängerung für das Parteienauflösungsgesetz Im verfassungsrechtlichen Ausschutz des Abgeordnetenhauses kam am Donnerstag der von der Regierung schon im Herbst vorgelegte Gesetzesantrag auf Verlängerung des Gesetzes über die Parteienauflösung zur Verhandlung. Inzwischen ist die alte Ermächtigung zur Parteienauflösung mit 1. Jänner 1936 außer Kraft getreten. Die in der Preffe da und dort aufgetauchten Vermutungen, datz man überhaupt auf diese Ermächtigung verzichten werde, haben sich nicht erfüllt. Der Referent Dr. S u ch h betonte, daß die Notwendigkeit einer solchen Ermächtigung durch die Praxis erwiesen sei; schon die bloße Existenz dieser Ermächtigung habe dazu beigetragen, daß es sich im zwetten Jahre ihrer Wirksamkeit nicht mehr als notwendig erwies, sie tatsächlich anzuwenden. Dr. G o l d st e i n(Jüd. P.) erhebt formale Bedenken gegen die Prolongierung eines bereits abgelaufenen Gesetzes und schlägt schließlich auch namens des Klubs der tschechischen Sozialdemokraten, dem er als Hospitant angehört, vor, die Vorlage erst zum Gegenstand interner Parteiberatungen zu machen. Auch Dr. Stränsky (Rat. Soz.) tritt die formalen Bedenken und tritt eher dafür ein, ein neues Gesetz über die Organisierung der politischen Parteien zu schaffen. Er wirst jedoch die Frage auf, ob die normalen Mittel, richtig angewendet, nicht hinreichen würden, um zersetzende Faktoren in Schach zu halten. Seine Partei sei bereit, die Regierung mit den schärfften Mittel gegen umstürzlerisch« Parteien auSzustatten, doch dürfe man in den heuttgen Hungerzeiten beim Einschreiten gegen übersättigte Brunnenvergifter keine besondere Rücksicht kennen. Auch er tritt dafür ein, daß zunächst die Koalitionsabgeordneten sich die entsprechenden Direktiven von ihren Klubs einholen sollten. Auch Dr. Luschka(Ehr. Soz.) trat für ein modernes Parteiengesetz ein. Der Vorsitzende Dr. Patejdl unterbrach mit Rücksicht auf die geäußerten Wünsche die Debatte; Mer Antrag des tschechischen Genoffen Dr. Mares wurde eine weitere Fristverlängerung um einen Monat beschloffen. Das Abgeordnetenhaus wurde für den 18. Feber einberufen. Auf der Tagesordnung steht der Staatsrechnungsabschluß für das Jahr 1934. Die Schulkommission der böhmischen Landesvertretung hielt dieser Tage eine Sitzung ab, m der u. a. beschloffen wurde, Preise des Landes Böhmen für Literatur, Kunst, Musik, Theater, Film und Journalistik von je 5000 K£ auszusetzen. Ferner wurde auch über das Sprengel- bürgerschulgesetz gesprochen und dem Wunsch Ausdruck gegeben, daß während der Uebergangszeit der Durchführung dieses Gesetzes die Bewilligung von Schulklassen bzw. Weiterbelassung von Kla>« sen an Bürger'chulen in jttb'Ot k trirrtn e nder M e i s e gehandhabt werde. Ebenso.soll die deftni- tive Einführung der einjährigen Lehrkurse als organischer Bestandteil der Bürgerschulen beim Mt- nisterium betrieben werden. Schließlich wurde ein Antrag des Genoffen Landesvertreiers I l l n c r nach Vermehrung der Lehrerpraktikrn- t t n ft e II e n an Volks- und Bürgerschulen sowie sofortige Entschädigung angenommen. Der Präsident der Republik empfing am Donnerstag eine achtgliedrige Deputation der tschechoslowakischen Sektton des internationalen Verbandes der Invaliden und ehemaligen Frontkämpfer, geführt vom Berbandsvorsitzenden Dr. Lev Sychrava. Ferner empfing der Präsident den UniversitätSpro- feffor Oskar Janowsti aus New Nork und den britischen Fliegerattache Major Frank Beaumont. Offensive an der Nordfront? MÄNNER, FRAUEN I UND WAFFEN I Roman von Man.red Georg Copyright by Dr. Manfred Georg, Prag Er stand schuljungenhaft da, den grauen Kopf vornüber gebeugt, mit unsicheren Augen. Die Hände hingen aus d','n Aermelröhren wie zwei harte etwas verbogene, schmale Imitationen aus Leder. Dann ging ihr Blick wieder zurück zu dem aufeinandergepreßten Mund, der aussah, als- hielte er seine Flüche zurück, und der in dem Gesicht eingebettet lag wie eine farblose Frucht. Sie hatte plötzlich Lust, diese Frucht mit ihrer Zunge aufzuschneiden. Sie sagte aber nur: „Sie können das behalten. Nachdem ich es eiiunal weggegeben habe, ist es schon fast egal, wer es besitzt." Schumann wollte nach der Bedeutung des primittven Schmuckstückes fragen. Statt deffen hörte er sich plötzlich sagen: „Ich fahre morgen früh auf den Semmering. Auf vier Wochen. Wollen Sie mitkommen? Sie warf ihm einen forschenden Blick zu: „Und nach den vier Wochen?" Er drehte an seinem Handschuh: „Man wird ja sehen." „Also gut. Vom Südbahnhof, nicht? Wenn sch nicht irre, um 10 Uhr? Dabei kramte sie in ihrer Handtasche, nahm ein Billett heraus, ein kombiniertes, aus vielerlei Fahrscheinen bestehendes Ticket, und begann es langsam zu zerreißen. Er las auf den zu Boden fallenden Fetzen die Namen Budapest, Lemberg, Kiew. „Vernichten Sie da Ihre Vergangenheit oder Ihre Zukunft?" Sie gab keine Antwort, sondern begann mit großer Aufmerksamkeit, sich die Brauen nachzuziehen. Als sie damit fertig war, drehte sie sich. sehr erstaunt darMer, daß er noch da war, um: „Also um 10, nicht wahr?" Er enffernte sich ungeschickt, stieß an die Tür, gelangte über eine Anzahl unbequemer Gänge und Stufen ins Freie und ging sehr be- nommen ins Hotel. Sie lagen nebeneinander auf der großen Terrasse des Sanatoriums, von der aus sie die herrlichste Aussicht auf das Wolken-Theater hatten, das täglich seine erstaunlichen Schauspiele Mer den Gipfeln der Rax veranstaltete, sahen hinunter nach Gloggnitz zu, von wo der Rauch der Fabriken hertrieb und sprachen wenig miteinander. Schumann lag den ganzen Tag mit wachen Augen, aber ohne sich zu rühren und gab sich ganz dem Atmen hin. Es war ihm, als hätte er tausende von Litern verbrauchter Lust in sich, und als würde es noch sehr lange dauern, bis er die letzten Reste aus den Lungen herausgepumpt hätte. Und auch Haydee schien unberührt von dem Betrieb ringsherum. Hier trug sie das Haar wie ein Eton-Boy, es saß ihr wie eine feste, glänzende Kappe dicht ums Haupt. Sie lag immer ein wenig auf der Seite, uin den neugierigen Blicken der andern Kurgäste, die diese reizvolle Fremde tuschelnd bestarrten, wenn sie mit ihren Brunnengläschen vorbeikamen, nicht standhalten zu müssen. Doktor Fisch, dem Leiter des Sanatoriums, waren diese beiden Gäste gerade recht. Werner Schumann, Rittmeister a. D. und Haydee Nazario, ohne Beruf— niemand kannte sie, niemand konnte, was sonst doch an allen Sanatorien ein Leichtes ist, eine verwandtschaftliche Verbindung über einen Vetter dritten Grades oder einen Geschäftsfreund in Kattowitz herstellen. Die große SqnatoriumS-Hyäne, eine spitzmausartige ungarische Gräfin, die prinzipiell nur auf Männer ging, die sie verheiratet oder sonstwie anderen Frauen verpflichtet wußte, und die sich rühmte, fast noch jeden männlichen Jnsaffen des Sanato- riums ausprobiert zu haben, traute sich an Schumann ebenso wenig heran wie ihre Konkurrentin, eine Levantinerin. Bor Schumann hatten beide merkwürdigerweise Angst, und ihr Empfinden deckte sich dabei mit dem Dr. Fischs, der nach der ersten Konsultation den neuen Gast eigentlich gar nicht hatte aufnehmen wollen. Er fühlte sich später durch deffen vollendet zurückhalteMes Benehmen angenehm enttäuscht und saß häufig zwischen den beiden Liegestühlen dieser Gäste. Fisch war kein junger Mann mehr. Er trug an diesem Sanatorium schwer. Mühsam schleppte cr die Schuldenlast von einer Saison in die andere und faßte an jedem 1. Jänner vergeblich den Entschluß, in dem betteffenden Jahr bestimmt seine wissenschaftliche Arbeit fortzusetzen. Das Sanatorium staß ihn auf. Schumann war ihm eine Erholung. Er weckte seinen Ehrgeiz. Die Geschichte mit dem Traitm, die er, ohne weiter auf die Vergangenheit einzugehen, erzählt hatte, zog Fischs verschütteten Ehrgeiz an. Er hätte so gern eine Analyse mit Schumann gemacht. Erstens hätte er ihn dann, bei der Schwere des Falles mindestens drei Jahre an der Angel gehabt, dann aber lockte ihn auch dieses leichte, irre Flattern, das in Schumanns Augen stand. Aber leider weigerte sich dieser standhaft, auf eine solche Behandlung einzugehen. Er wollte nur Ruhe. Nachdem er einmal um Morphium gebeten hatte und Fisch es ihm mit einer vernünftigen Begründung abgeschlagen hatte, war er darauf nicht wieder zurückgekommen. Ein angenehmer, stununer Patient. Und diese Mulattin, oder was sie war, die mit ihrem geschmeidigen Gang im Speisesaal die Blicke raffend hinter sich Herzog, war in ihrer vollendeten Körperlichkeit, die er beim Frühturnen. das er selbst leitete, sofort erkannt hatte, ein Aufatmen zwischen den übrigen Frauen, denen nur allzu ost kokett die Busen aus den viel zu jugendlich geschnittenen Badeanzügen heraus-1 quollen, und die bei den Kniebeugen ächzten wie Lokomotiven. Kummervoll hob Doktor Fisch seinen Blick zur Rax und schlürfte dabei, gutes Borbild zugleich, seine morgendliche Joghurt. Dann neigt« er sich sanft zu Herrn Schumann und fragte mit der milden Sttmme eines Irrenarztes: „Wir veranstalten heute abend, wie wir eS einmal in jeder Saison zu tun pflegen, einen kleinen interessanten Vortrag Mer Experimental» Okkultismus. Es kommt Herr Mardrier, der schon voriges Jahr hier war, und hält eine Seance ab. Es ist ganz wiffenschaftlich. Herr Madrier ist noch jung. Aber er ist schon von Schrenck-Notzing in München und Ottokar Fischer in Prag einmal geprüft worden, und die Britische Gesellschaft für Parapsychologie hat ihm ebenfalls ein Empfehlungsschreiben gegeben. Ich glaube, es wird sehr interessant. Sie werden doch sicher kommen? Und das gnädige Fräulein auch?" „Ungern," brummte Schumann. „Ach, ich möchte gern," sekundierte Haydöe Doktor Fisch, der sie dankbar ansah, denn er wußte, datz sie ein neues Kleid anziehen würde und das brachte bestimmt sämtliche Gäste in den Bortragssaal. Solche telepathischen und Hellseh- Sitzungen Met waren ihm als Arzt von großem Wert, denn er erfuhr aus der Beobachtung seiner Patienten auf diesen Söancen von ihnen mehr als in zwanzig Sprechstunden uM konnte sie später mit seinen Kenntniffen verblüffen. „Also, um 8 Uhr", bestätigte er Schumanns nicht gemachte Zusage und schlurfte mit treuherzigem Seehund-Watscheln auf den zuckerkranken Millionär Preißel zu, mit dem er eine unangenehme Geschichte— Preißel hatte, von seiner Diät gereizt, versucht, sich an den Süßigkeiten einer Krankenschwester schMlos zu halten— durch eine ziemlich starke Heraufsetzung des Pensionspreises beizukegen hatte. iFortsetzung folgt.) F 1 Nr. 38 Freitag, 11. Feber 1836 Seite fudetendeutsdier Zeitspiele! Die Hiobsbotschaften aus dem sudetendeutschen Industriegebiet (. tfltaot einen Weg zu finden, der es den Drechsel- JnJ^firzc_J| t stuiturausiajuB, worin er ita; jur eine p-'-j'«„H’?„"r"'«'.’’? !ösung der Assistentenfrage eingesetzt„ na^ 2^stnreritz eingelrefert. Heraus zum Frauentag: 8. März1 Paris.(AP) Die Agrarpartei hat sich gespalten. Die Delegierten von 22 Provinzorganisatwnen erklärten ihren Austritt wegen der faschistischen Tendenzen der Partei und beschlossen die Gründung einer„Republikanisch-Sozialen Agrarpartei". den. Bezüglich der 75.000 XL gehen die Erhebungen noch weiter. Verhängnisvolles Spiel mit einem Revolver. Der 11jährige Schüler Ewald Tausche in Schönbach bei Oberleutensdorf manipulierte mit einer Flobertpistole. Dabei löste sich ein Schuss und das Projektil drang dem Knaben in das(Gehirn, der Donnerstag im Brüxer Krankenhaus gestorben ist..' Die Drechselbleiche in Dittersbach wird stillgelegt! Arbeitern erspart, auf immer in das im Braunauer Gebiet ohnehin schon langsam unerträglich groß gewordene Heer der Arbeitslosen hinemgc- stoßen zu werden. Was die zuständigen gewerkschaftlichen und Parteistellen dazu tun können, um, wenn irgend möglich, ein positives Ergebnis zu erzielen, wird sicher geschehen, wenn gleich die Hoffnung hiezu, wie offen zugegeben werden mutz, nich: sehr groß ist. Rotstandshllfe für Arbeitslose. Das Ministerium für soziale Fürsorge hat im Zuge der Winter-Notstandsaktion dem Bezirk Leip- m e r i tz neuerlich folgende Zuwendungen bewilligt: 600 Kilo Fett, 1700 Kilo Mehl, und zwar ,140 Säcke zu zehn Kilo und 60 Säcke zu fünf Kilo, 800 Kilo Graupen(140 Säcke zu fünf Kilo und 66 Säcke zu drei Kilo), und 300 Kilo Kaffee. In die ausserordentliche Notstandsaktion wurden ün Bezirke Leitmeritz die Gemeinden Schüttenitz, Pokratih und Auscha einbezögen. Dir„Fraurnschaft" der Znaimer SdP aufgelöst. Die Vorwürfe, die Mitglieder der SdP gegen FrauJelenek, die Führerin der Znaimer„Frauenschaft" erhoben, haben nun zur Einsetzung eines Disziplinarausschus- s e s gegen die edle Dame geführt. Nicht genug damit: die Ortsleitung hat die Auflösung der Frauenschaft verfügt, weil in ihr eine„heillose Schlamperei" herrsche...— Dieser Tage gab es auch Krach in der Znaimer„Standes- gruppe der Arbeiter". Für den neuen „Standesvertreter" stimmten 81 Genasführte, 57 gegen ihn. Und diese Opposition verliess dann unter Geschrei die Versammlung, die sich förmlich unter Tumult auflöste. Vorbildliche Zustände I Verhaftung— Schuhgesetz. Am Montag und Dienstag wurden in B e n s e n ein gewisser Eervo Alois und ein gewisser Lorenz verhaftet. Die beiden haben sich Aeutzerungen zu schulden kommen lassen, die gegen das Schutzgesetz verstossen. Die Obgenannten wurden sofort Keine kntiessunzen in Joachlmsthal Die Genossen Abg. Taub und die Hauptfunktionäre der Union der Bergarbeiter Verbandsobmann Zinner und Zentralsekretär Haase sprachen Tvnnerstag beim General- Große Investitionsarbeiten im Troppauer Bezirk Wie die staatliche technische Verwaltung in T'roppau mitteilt, sind für das kommende Frühjahr große Jnvestitionsarbeiten vorgesehen, bei denen über 700 Arbeitslose Beschäf- tiFungfinden sollen, was zu einer fühlbaren Erleichterung des Arbeitsmarttes im Troppauer Bezirk führen wird. Vor allem werden F I u tz- regulierungen durchgeführt, die für das Gebiet von großer Bedeutung sind. Das Bezirksamt wurde vom Innenministerium und vom Ministerium für öffentliche Arbeiten angewiesen, die Pläne so rasch als möglich auszuarbeiten. Mir den Investitionen, die in den Rahmen des Arbeits- bcschaffungSprogrammes der Regierung fallen, soll bald begonnen werden. Für die Verlängerung der Winterhilfe Dienstag, den 11. Feber, fand in Pilsen eine erweiterte Sitzung unserer Partei-KreiSexe- kutive Pilfrn-BudweiS statt, in welcher auch alle wirtschaftlichen und sozialen Fragen einer eingehenden Erörterung unterzogen wurden. Vor allem wurde die Frage der Arbeitslosigkeit und die Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung beraten. U. a. sprach sich die Kreisexekutive Pilsen-Budweis einstimmig für eine Verlängerung der staatlichen außerordentlichen Winterhilfe um mindestens zwei Monate aus AuS Braunau schreibt man uns: Freitag, den Feber d. I., fanden bei der Bezirksbehörde in Braunau die Verhandlungen über die von der Firma A. Drechsel in Dittersbach bei Halbstadt beantragte gänzliche Betriebsstillegung statt, an der der Firmeninhaber Anton Drechsel, für den Hauptverband der Industrie der Henlein- Advokat Dr. Köhler, für die Arbeiter die Union derTex tilarbeiter mit den Genossen Erben und R a m b a u s k e, die DAG, der Mgemeine Angestelltenverband und der THV teilnahmen. Die Bezirksbehörde war durch Oberkommissär Dr, Sumpr, das Ge- werbeinspektorat durch Rat Jng. Szmitka repräsentiert. Die Firma schilderte durch Dr. Köhler, daß sie durch die plötzliche Kreditsperre der Böhmischen Unionbank gezwungen worden sei, den Be- I trieb aänzlich einzustellen bzw. auf zwei unwesentliche Abteilungen einzuschränken. Es handle sich daher nicht mehr um eine gänzliche Stillegung, sondern um ein Ansuchen wegen Bewilligung zu: Massenentlassung. Der Betrieb beschäftigt heute noch rund 120Arbeiter, hatte aber in guten Zeiten bis 350 Beschäftigte aufzuweisen und ist technisch gut und modern eingerichtet, so daß man ohne Ueber- treibung behaupten darf, daß es sich um einen aus der Höhe befindlichen Betrieb, um eine lebensfähige Produktionsstätte handelt. Die Vertreter der Union der Textilarbeiter .traten dafür ein, daß die Verhandlungen nach Norman Thomas verhaftet Brooklyn. Mittwoch wurde in Brooklvn NormanThomas verhaftet, der zweimal für die Sozialisten auf das Präsidentschastsamt der Bereinigten Staaten kandidiert hatte. Er wird beschuldigt, sich gegen die öffentliche Ordnung und Ruhe vergangen zu haben, da er in einer aufreizenden Rede die Angestellten eines große» Geschäftes in Brooklyn aufgefordert hatte, die Arbeit niedrrzulrgen und auf die Straße zu gehen. Thomas wurde nach Erlegung einer entsprechenden Kaution auf freien Fuß gesetzt. Vier männliche und vier weibliche Angestellte drS betreffenden Geschäftes, die der Aufforderung Tho- mas' Folge geleistet hatten, wurden in Polizeihaft belassen. BdL. Bitter schließt die„Deutsche Landpost" ihre Betrachtungen über Mayer mit folgenden Bemerkungen:„Es kommt nicht darauf an, ob einer erst als Alldeutscher, dann Agrarier und BdL-Abgeordneter, dann als Sudelendeutscher Landbun dobmann und schließlich als SdP-B auernführer eine Rolle spielt und in zwanzig oder mehr Organisationen Obmann, Präsident, Aussichtsrat, Vorstandsmitglied ist, sondern darum, wie er vom Volke eingeschätzt, wie die Geschichte ihn einst beurteilen wird. In dieser Richtung— um in Mayerschen Wendungen zu sprechen— läßt sich feststellen, daß das Gegenteil eintreten wird von dem,' was Herr Mayer vielleicht annimmt oder erwartet." Ein Gauner-Ehepaar verhaftet/ Bon der Gendarmerie wurde in Turn bei Teplitz der 38- jährige ehemalige Versicherungsagent Karl Kaden und seine 33jährige Gattin Anna verhaftet. Das Paar hatte sich erst am 6. d. M. beim Brüxer Standesamt trauen lassen und bewohnte seither eine luxuriös eingerichtete 4-Zimmer-Wohnnng in Turn. Die Gattin Kadens war bis zu ihrer Verehelichung Wirtschafterin bei dem ledigen pensionierten Bergoberinspektor Franz Seefeld- ner in Nieder-Gcorgenthal. Während sich dieser auf einer Erholungsreise befand, behob die Wirtschafterin das ganze Guthaben ihres Dienstgebers bei der Brüxer Sparkasse in der Höhe von 75.000 Xc. Außerdem nahm sie aus dem Besitz Seefeldners das Personenauto im Werte von 70.000 XL, den gesamten Schmuck im Werte von 30.000 XL, ferner zahlreiche Flaschen Wein und Lebensmittel in ihren neuen Haushalt mit. Tie Lille. 400 Bergarbeiter in den Gruben von LenS weigerten sich. Donnerstag die Arbeit auf- I zunehmen, um dadurch ihre Solidarität mit ihren Genossen, denen Disziplinarstrafen auferlegt worden waren, zu bekunden. Londim. 2500 Bergarbeiter in der Frickley- Zeche in South Elmsall. einer der größten englischen Kohlengruben in der Grasschaft Aorkshire, I traten in den Streik. Paris. Sn der Kammer wurde die Aussprache I über den Geietzentwurf betreffend die Einführung von Kandidatenlisten mit verhältnismässiger Vertretung und die Ausnützung der Reststimmen, die nicht zur Wahl eines Abgeordnete» genügten, eröffnet. Berichterstatter ist der sozialistische Deputierte Bracke. London. Der Stteik auf dem Londoner Fleischmarkt Smithfield ist heute nach einer■ Dauer von ^zehn Tagen beendet worden. Die Fleischhauergescl- len und Arbeiter nahmen ihre Arbeit wieder auf, > nachdem ihnen Lohnverhandlungen in Aussicht ge- Prag verlegt werden, weil bei der Bezirksbehörd- in Braunau die entscheidenden Faktoren nicht zu-. gezogen werden können und daher maßgeblicher I Einfluß nicht auszeübt werden kann. Inzwischen. sollen die Entlassungen unterbleiben und die Be-1 legschasten als ausgesetzt betrachtet werden. Die■ beiden Abteilungen„Seide" und„Mangel" werden inzwischen im Betriebe gehalten. Dieser Forderung schlossen sich auch die übrigen Gewerkschaftsvertteter an. Dr. Köhler und die Firma widersetzten sich zunächst dem Verlangen, die Verhandlungen in Prag zu führen. Schließlich gelang es doch, zu einem Einvernehmen zu kommen, nach welchem bei der Braunaüer Bezirksbehörde die Angelegenheit nicht verhandelt werden wird, sondern erst bei den zuständigen Ministerien in Prag. Inzwischen werden die bei dec Firma beschäftigten Arbeiter nicht entlassen, sondern gelten als auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Man kann also nur hoffen, daß es doch noch Am Mittwoch früh erhielt die Frau einen über die^Ber^ältnisse in JoachimSthal gepflogen teilte, daß er nicht mehr in die'Tschechoslowakei Einwirkung der ausllindischen Konkurrenz^ aus zurückkehren werde. Bruder bei Kocaü vorgenommenen Haus- suchung wurde Material gefunden, das unter Beweis stellt, dckß Kocab Mitglied der reichsdeut schen—„Gestapo" ist und in anderen Orten der Republik Helfershelfer hat. Einer der Helfers helfer wurde bereits verhaftet und hat ein volles Geständnis abgelegt. Die Verwendung der Arbeitsanleihe. Wie' der Präsident des Obersten Rechnungskontroll- 1 amtes Dr. Horak im Budgetausschuß mitteilte,{ wurden aus dem Erlös der Arbeitsanleihe bis -Ende 1935 insgesamt 1354 Millionen verwen det. Hievon entfallen auf die Fonds 296 Mil lionen, auf die staatlichen Unternehmungen 542 Millionen, auf die staatliche Administrative 301 Millionen und auf die Selbstverwaltung 215 Millionen. Der Anttag auf Aufhebung der Stempelge bühren für Gesuche Arbeitsloser um Aufnahme in den öffentlichen Dienst wurde auch vom Budget- auSschutz genehmigt, ebenso die Resolution, die seinerzeit vom sozialpolitischen Ausschuß beschlossen wurde. Die Novelle zum Gesetz über die direkten Steuern kam Donnerstag im Budgetausschutz zur Verhandlung. Der tschechische Genosse Remes rügte scharf die Art, wie solche wichtige Vorlagen dem Ausschuß vorgelegt werden. Es müßte zu mindest der alte und der neue Text übersichtlich nebeneinander gestellt sein, damit die beabsich tigten Aenderungen klar zum Ausdruck kommen Redner beantragte daher, daß die Subkommis sion, die sich mit der Novelle befassen wird, vom Finanzministerium die Neuadjustierung der Vor lage in diesem Sinne verlangt und überhaupt n sich t früher verhandelt, bevor düs Finanzministerium dieses Verlangen nicht erfüllt. Der Antrag wurde auch angenommen. Der Re ferent Dr. N o v a k erstattete in Gegenwart des Finanzministers ein ausführliches Referat über die Vorlage, an das sich die Generaldebatte anschloß. Nach Abschluß der Generaldebatte wird die Su b k o mm i s s i o n an die Arbeit gehen. Das neue Assistrntengesetz. Am Donnerstag sprach eine Deputation der Assistenten der tsche- choflowakischen Hochschulen beim Schulminister Dr. Franke vor und dankte ihm für seine Er klärung im Kulturausschuß, worin er sich für eine hatte. Der Minister erllärte, daß er über die be-® et& e' u,b Henlem-Leute. absichtigte Vorlage bereits eingehend mit dem Finanzminister verhandelt habe, und fügte hinzu, daß sie beide zur Ueberzeugung gekommen seien, I daß die sofortige, Lösung dieses Problems nicht nur notwendig, sondern auch möglich sei. Der Minister versprach, die Forderungen der Assisten-, ten im Interesse der Hochschulen und des wissen-J schaftlichen Betriebes voll zu unterstützen. Ein eigenartiger Wettbewerb, der selber durch aus als Zeitspiegel anzusehen ist, wird jetzt von der Karlsbader Urania organisiert; nämlich ein Stratzensänger- und Stratzenmusi- k e r-W ettbewerb, zu dem sich bereits 25 Gruppen von Strahensängern und Musikern mel deten. Ein Komitee wird nunmehr die Aufgab- haben, unter diesen Meldungen, die bisher ein langten und jenen Meldungen, die gewiß noch er folgen werden, die richtige Wahl für die Beteili gung zu treffen. Die Straßensängerkonkurrenz wird am 5. April 1936, nachmittags, im großen Saale des Grand-Hotels„Schützenhaus" in Karlsbad vor ssch gehen. Ein unparteiisches Schiedsgericht, das aus Fachleuten zusammen-'' gestellt wird, soll gemeinsam mit dem Publikum"»» die Wahl der besten Gruppen treffen. Diese Grup pen erhalten Geldpreise und Diplome und sollen zu eventuellen anderen Veranstaltungen in ver schiedenen Städten engagiert werden. Die von der„Urania" zur Beteiligung bestimmten Grup pen erhalten frei Eisenbahnfahrt hin und zurück und Mittagessen samt Jause. Gegen ein gering'? Eintrittsgeld hat jeder Gelegenheit, diesem Wett bewerb beizuwohnen und selbst seine Stimme für die Wahl der besten Gruppen abzugeben. Neu- nunosschlutz für die Teilnehmer ist der 29. Feber 1936. Zuschriften und Anmeldungen sind an di» „Urania" in Karlsbad zu richten. Die Betriebsausschußwahlen in der Hutfabrik Hsickel in Neutitschein, welche am 8. d. M. stattfanden, hatten folgende? Ergebnis: Wahlbe rechtigt 1637(1483), abgegebene gültige Stim men 1204(1003), Wahlzahl 101(84); es er- hielten der Bekleid üngsarbeiterver- band, Sitz Reichenberg, 291 Stimmen und drei Manda ti(343—4), Esl. Hutarbeiterverband Prag 229 Stimmen und zwei Mandate(166— 2). tsch. Christlichsoziale 120 Stimmen und ein, Mandat(131—1), deutsche Christlichsoziale 227"E worden snw. Stimmen und zwei Mandate(238—3), Deutsche' Arbeiter-Gewerkschaft(Henlein) 164 Stimmen und ein Mandat(nicht kandidiert), Kommunisten 173 Stimmen und zwei Mandate(nicht kandi diert). Der Kampf wurde von allen Seiten aus schließlich gegen die freie Gewerkschaft gessihrt, di: aber trotz der mit allen Mitteln geführten Angriffe ehrenvoll abgeschnitten und ihre Stellung als stärkste Gruppe behauptet hat. Ei» Porträt des Herrn Josef Mayer, be greiflicherweise nicht schmeichelhaft, wird von der „Deutschen Landpost" entworfen. Das Blatt zi tiert eine Erklärung, in der sich der bekannte Herr Mayer seinerzeit verpflichtete, sich jeder weiteren politischen Tätigkeit zu enthalten, falls die damals (1931) geführten Verhandlungen zwischen dem BdL und Mayers damaligem„Sndetendeutschen Landbund" scheitern sollten. Die Bethandlungen damals sind gescheitert, aber Mayer hielt sein Wort nicht und obwohl ihm zu jener Zeit der BdL noch die Wiederwahl in den Aussichtsrat des Genossenschaftsverbandes(mit„nicht zu unter schätzenden Einkünften") sicherte, bekämpft Mayer jetzt von der SdP aus, zu der er hinfand, den Kocab ins Ausland geflüchtet Die Staatsanwaltschaft beim Kreisgericht in Leitmeritz hat gegen den Aussiger Redakteur Sepp Hans Kocab einen Hausdurchsuchungs- und Verhaftungsbefehl erlassen, da er mehrere Ver gehen und Verbrechen nach dem Gesetze zum Schutze der Republik dringend verdächtig ist. Dem Ansuchen der Leitmeritzer Staatsanwaltschaft wurde seitens der Aussiger Staatspolizei Diens tag, den 11. Feber, entsprochen, Redakteur Kocab wurde von den Amtsorganen in seiner Wohnung, nicht angetroffen. Seiner Frau hatte er hinter-.,. lasten, daß er in Sachen mehrerer Presseprozesse Direktor der staatlichen Grubenverwaltung Doktor nach Leitmeritz zum dortigen Kreisgericht fahre, stauch vor, wobei eine gründliche Aussprache Am Mittwoch früh erhielt die Frau einen über die Verhältnisse in JoachimSthal gepflogen Brief aus Dresden, in dem der Flüchtige mit- J^urbe. Tr. Sta uch schilderte die ungünstige ; die Gestaltung der Radiumpreise und die Wirtschaftlichkeit der Gruben. Schon seit längerer Zeit Hat die wirtschaftliche Lage der Joachimsthalsr Betriebe den von der Verwaltung gegenüber manchen Wünschen der Arbeiter eingenommenen Standpunkt beeinflußt. In der Zeit der Krise müssen hingegen nach Ansicht des Generaldirek« >tprs Dr. Stauch die staatlichen Betriebe trach- I ten, den Arbeitern die Beschäftigung zu erhalten und so die Vermehrung des , Arbeitslosenheeres zu verhindern. Dr. Stauch e| versicherte den genannten Genossen, daß es in * i JoachimSthal$u feinen Entlassungen i kommen werde. Damit ist also derzeit die Geis a h r für die Joachimsthaler Bergarbeiter b e- seitigt. Freitag. 14. Fever 1M6 Nr. 38 Seite 4 Bildungswesen Nachrichten der Zentralstelle für das bildunsswesen „Fälscher, Führer, Weltbrandschürer“. Unter diesem Titel ist soeben Material für eine politische Revue erschienen. Es ist bei der Zentralstelle für das Bildungswesen in Prag II, Slezskd 13, erhältlich. Das Aufführungsrecht wird durch Ankauf von 5 Exemplaren. die Kö 20,— kosten, erworben. Ein neuer Lichtbildervortrag: „Moderne Waffen im Zukunfts- krie g“. Dieser Vortrag behandelt das ganze Problem des modernen Krieges, insbesondere des Gaskrieges und Gasschutzes, in eingehender, wissenschaftlich einwandfreier und doch allgemein verständlicher Weise. Er umfaßt 105 Diapositive und kann bei der Zentralstelle für das Bildungswesen angesprochen werden. Rassenschande— umgekehrt! In der in Franken weit verbreiteten„B a tz- rischen Volksmacht" lesen wir: München, 22. Januar. Die Große Sttaf- kammer des Landgerichts München I hatte sich am Mittwoch erstmalig mit einem Verbrechen gegen das am 15. September 1935 erlassene Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre zu befassen. Der Angeklagte, ein junger, unerfahrener Btensch von 21 Jahren, hatte sich von seiner HausgeNvssin, einer 38jährigen V o l l j ü d i n, in ihre Netze locken u. n d verführen la s s e n und das Verhältnis auch trotz aller Vorhaltungen seiner.Wirtin und seines .Vaters nach dem Erlaß des Gesetzes fortgesetzt. Er war geständig und gab auch zu, das Gesetz im großen und ganzen zu kennen, wollte aber die Be- deutung. und die Folgen nicht ganz erfaßt haben.'Unter. Zubilligung mildernder Umstände erkannte das Gericht auf 7MonateGefäng- n i s, abzüglich 3 Wochen 20 Tagen Untersuchungshaft. Der Haftbefehl wurde jedoch aufrechterhalten. Die hitlerdeutschen„Rassegesetze" bestrafen für den„normalen" Fall und im allgemeinen den seinen„entarteten Blutsinstinkten" dienst, baren Juden,' der sich eines„deutschen Mädchens" bemächtigt. Kompliziert und so gar nicht mehr der Entrüstungspsychose des Dritten Rei- ches angepaßt wird aber der Fall, wenn u m- g e k e h r t ein Deutscher das irdische Gesetz der Liebe mit einer Jüdin erfüllt! Das kann ja auch, wenn auch stattstisch nicht so ost, mitunter Vorkommen, wie der obige Fall zeigt. In jedem Fall ist dann der eigentliche Missetäter immer nur ein„jüngerer unerfahrener Mensch", der selbstverständlich auch jetzt noch nicht recht weiß, was seinerzest mit ihm geschah. Natürlich wurde er in irgendwelche„Netze" nur so„gelockt", natürlich ist er nur ein ganz armer„Verstihrter" l In einem solchen Falle graust es den Nazis vor der eigenen Besttalstät. Aus der deutschen Gerichtsbarkeü haben die Hitler-Leute beides gemacht, wie man sieht: die Schreckensherrschaft, aber auch die Harlekinade! In jedem der beiden Fälle gibt es aber drüben sogenannte„Studierte" genug, Leute mit Tstel und Leute mst Schmissen, die sich dazu hergeben. Malcolm MacDonald und Randolph Churchill. Der eben nut dem Siege von MacDonald jr. beendete Wahlkampf hat abgesehen von seiner polittschen Bedeutung, einen sehr interessanten und malerischen Hinter gründ, der für die Sitten des alten und ewig jungen England bezeichnend ist. Die Schaubühne des Wahlkampfes selbst ist sehr eigentümlich: es ist Nordschottland, das Bergland von Schnee und Eis, die ,Heimat d e r D ud e ls a ck p fei- f e r, wo noch alles so geblieben ist, wie vor Jahrhunderten. Für London ist dieser Wahlkampf bÄ allem ein politisches Ereignis gewesen, in den Dominien hat man ein reges Interesse deshalb empfunden, weil der junge MacDonald kurz vorher zum Minister für Dominien ernannt wurde. In Schottland selbst ist das, im Grunde genommen, nichts anderes als ein Wettstreit zwischen dem Nachkommen einer der ältesten englischen Hochadelsfamilie, der Herzöge von M a l- b o r o u g h, Randolph Churchill, und dem Sproß eines nicht minder berühmten und alten Geschlechts der Macdonalds, eines mächtigen s ch o t t i s ch e n K l a n s, der in einem der Bürgerkriege am Ende des 17. Jahrhunderts fast vollkommen ausgerottet wurde. Eine besondere Note hat in den Wahlkampf die Jugend der beiden Bewerber hineingebracht; in England liebt man die„Jungen", die junge Generation, ustd ist stolz auf sie; man vermerkt mit großen Humor und Behagen alle Streiche der beiden jungen Kandidaten. So hat Randolph sich vor den Bauern unsterblich blamiert, als er einen Ochsen mit einem Bullen verwechselte. Malcolm hat sich dafür beim Schneeballs p^el mit einem enthusiastischen Wähler eine Augenoder Näsenverletzung zugezogen. Churchill müßte Morgen beginnen die WlHtcrsportwctfliainpic in 51 Joadilmsthal! Mit den Abfahrtslauf werden morgen, Samstag, den 15. Feber, um 9 Uhr die Winter- Iportwettkämpf« ihren Anfang nehmen. Gegen 100 Abfahrtsläufer und Läuferinnen haben sich gemeldet. Die Abfahrtsläufer aus den Bezirken Weipert und Komotau treffen direkt am Keilberg über Stolzenhain ein, ein Teil wird in der Ar- beitersporrhütte übernachten. Die übrigen Läufer werden von Joachimsthal in Autobussen auf den Keilberg gebracht. Der /Start erfolgt in Zeiträumen von 1 Minute. Um 1 Uhr.mittags gehen die 30-, 15- 6- und 4-Kilometerläufer an den Start. Die Ausgabe der Diplome für die Samstagkonkurrenzen. soll bereits am Festabend stattfinden, welcher um 8 Uhr im Hotel Schuhmann stattfindet. Der Wohnungsausschuß befindet sich im Hotel Volkshaus. Privatquartiere sind bereits restlos an die gemeldeten Wettkämpfer vergeben. ES kommen für Gäste Massenquartiere in geheizter Schule (Decken mitbringen) oder Hotelquartiere zu 4, 6 und 8 XL in Bettacht.. Die StartnammerauSqabe erfolgt ebenfalls im Hotel Volkshaus. Die Auslosungen erfolgen: Abfahrtsläufer Samstag 7 Uhr früh, Langläufer 30 und 15 Km. um 10 Uhr vormittags, 6 Km. Jugend und 4 Km, Sportlerinnen 11 Uhr vormittags. Die Mannschaften losen bereits Samstag um 5 Uhr nachmittags aus. Slalomläufer am Sonntag früh um 8 Uhr. Springer Sonntag vormittags von 41 bis 12 Uhr Kampfrichter für das Springen. Der Bundes- wintersporiausschuß hat folgende Funktionäre als Kampfrichter für das Springen bestimmt: 1. Do- lensiy-Trautenau, 2. Paul Pfob-Bärringen, 3 Hönig-Dessendorf. Alle eingeteilten Statter, Zeitnehmer, Wertungsrichter und Helfer haben sich in der technischen Kanzlei im Volkshaus sofort nach Einttefien zu melden. Sitzung des Wintersportansschnffes der Sport- internationalr. Freitag, den 14. Feber, findet um 6 Uhr nachmittags im Hotel BolkshmiS eine Sitzung des Sasi-Wintersportausschusses statt. Die Sitzung wird über das im Winter 1937 in JohanniSbad im Riesengebirge stattfindende internattonale Wintersportfest(Winter-Olympiade) beraten. Teilnahme nur für geladene Funktionäre möglich. Die Kreiswintersportwarte der D. T. I. und des Atus werden teilnehmen. Abg. Genaffe Taub spricht Sonntag, den 16. Feber, um 11 Uhr bei der„Grenzlandkundgebung". Vorher wird die bekannte. Be.rgkapelle. von St. Joachimsthal am Plätze vor dem Bolkshaus konzer- tteren. Wichtig für die Sonntagsgäste! Sonntag, den 16. Feber, fahren von Karlsbad nach Joachimsthal zwei direkte Sporksonderzüge. Zum ersten. Zug, welcher um 7.11 Uhr früh.von Karlsbad abgeht, besteht sofortiger Anschluß durch, den Personenzug, welcher um 5.50.Uhr ab Eger und 6L8 Uhr äb Falkenau fährt. Der zweite Sportzug fährt um 8.25 Uhr ab Karlsbad und ist vorwiegend für die Gäste aus. dem Karlsbader Bezirk vorgesehen. Die Finanzkanzlei befindet sich in St. Joachimsthal gegenüber dem Volkshaus im Parteisekretariat im Konsumgebäude. Festkarten, Festschriften und Festabzeichen sind dort abzurechnen. Das Bundeswintersportfest muß eine Massenveranstaltung werden. Die gesamte Arbeiterschaft wird im Wintersportgebiet dem■ Atus neuerlich ihre Verbundenheit beweisen und im Grenzgebiet für Demokratie und Völkerverständigung demonstrieren. Die Atus-Wintersportler und deren Gäste aus anderen Verbänden werden durch kameradschaftliches Verhalten, durch Disziplin und Pünktlichkeit zeigen, daß der Arbeitersport ein wertvoller Teil der Arbeiterklassenbewegung ist. * Tie ungarische Delegation ist bereits Dienstag in St. Joachimsthal eingettofien. Sowjet-Marschall Tuchatschewski In Paris Der sowjetrussische Marschall Tuchatfchewski traf von London kommend in Paris ein, um dort Verhandlungen zu führen. Unser bild zeigt T u ch a- tschesky(rechts) mit dem sowjetrussischen Militärattache in Paris beim Verlassest des französischen Kriegsministeriums. Zeit vom 18. Juli bis 9. August 1936 in Karlsbad unter dem Protektorate des Stadtrates statt."Zu dieser Ausstellung können sowohl Amateur- als auch Berufsphotographen Bilder einreichen. Teilnahms- bedingungen versendet der Photoklub in Karlsbad; sie können kostenlos dort angefordert werden.. ZulaffnngSgrenze für Geschäftsdrucksachen herabgesetzt. Mit Gültigkeit vom 15. Feber 1936 setzt die Poswerwaltung die bisher für die Bewilligung theologische Disputationen mit den schottischen presbyterianischen Pastoren führen, die ihm, dem Anhänger der„hohen" anglikanischen Kirche, kein richtiges Vertrauen schenken wollten. Dagegen hat der junge MacDonald viele Stimmen dadurch für sich gewonnen, daß er ehrenwörtlich beteuert hat, er halte die Sonntagsruhe streng ein, spiele Sonntags nie Golf, sondern verbringe den heiligen Tag in Gesellschaft seines Vaters, dem er die Bibel v o r l e s e. ES soll übrigens nicht verschwiegen werden, daß'die weiblichen Wähler mehr, mit dem aristüttatischen Churchill ihmpakhisierten, während die'M ä n n e st dem' MacDonald den Vorzug gaben. Bier Militärflieger bei Malackh verunglückt. Mittwoch um 8 Uhr abends kam es bei einer militärischeir Nachtübung bei Malackh in der Slowakei zu einem Zusammenstoß zweier zweisitziger Flugzeuge, wobei vier Persosten getötet wurden. Einer der Piloten versuchte mit dem Fallschirm abzuspringen, infolge der geringen Höhe öffnete sich jedoch der Fallschirm nur teilweise und der Flieger erschlug sich. Die übrigen drei kamen in den Trümmern der abstürzenden Flugzeuge ums Leben. Es handelt sich um den Zugsfuhrer Maximilian Knopp aus Schönbrunn, Bezirk Wagstadt, und den Zugsführer Werner Beyer aus Schattau bei Znaim, den Gefreiten Josef H o l C i I aus OLkov bei Nove Mesto n. V. und den Zuzsführer Josef R u z i c t a aus Stare Cevtce bei Pardubitz. Das Verteidigungsministerium hat im Flugzeug eine eigene Untersuchungskmnmiffion an die lln- fallsstelle entsendet. Lepejs Komplice schreibt Drohbriefe. Das Präsidium des Landesamtes in UZHorod hat eine Belohnung von 5000 XL für die Ergreifung des berüchtigten Räubers Jura K l e v e c, des Komplicen des erschossenen Ilka L e p e j,. ausgeschrieben. Klovec hält sich im Bezirke Bolovs versteckt und hat. einige Drohbriefe geschrieben, in denen er verschiedene Personen, von denen er annahm, daß sie Lepej der Gendarmerie verraten haben, mit Mord und Brandstiftung bedrohte. Klovec wurde in der letzten Zeit in der Nähe der Gemeinde Toruna gesehen und hält sich vielfach auf polnischem Gebiet auf, wo er sicherer zu sein glaubt. Berhaftung und Freilassung in der Mord- sache Birl. Nach allzu langem Zögern entschloß sich die Gendarmerie, durch Ruwdfunl den Namen und das Aussehen des Mannes bekanntzugeben, welchen sie der Morde bei Königsaal verdächtigt. Auf diese Nachricht hin meldete sich der Gesuchte, ein Handlungsgehilfe, selbst bei der-Polizei und bot sein Alibi fiir die kritische Zeit an. Er hatte zwar seine Stelle wegen gewisser Verfehlungen verloren, und Prag verlassen, hielt sich aber in den letzten Tagen bei Verwandten in der Ortschaft Chodov bei Prag auf. Da seine Angaben von glaubwürdigen Zeugen hinlänglich bestätigt wurden, wurde er wieder auf fteien Fuß gesetzt. Die Suche nach dem Mörder stockt wieder vollständig. Ein gräßliches Unglück, das mehrere Familien in ttefice Trauer versetzte, ereignete sich in Gleißenberg in Bayern. Die Frau des Brauers und Gastwirtes Hispert wollte den mit Eisfahren beschäftigten Arbeitern Schnaps bringen, vergriff sich aber in der Flasche und gab ihnen ein Gisst, das im Betrieb für die*Reinigung von Fässern Verwendung findet. Drei von den Arbeitern, alle Familienväter, starben nach einer halben Stunde. Ein vierter, der sich erbrochen hatte, schwebt in Lebensgefahr. Die Frau, die das Unglück verursacht hatte, ist völlig zusammengebrochen. Lebenslängliches Zuchthaus für einen Spion. In der Berufungsverhandlung beim Obergericht in Kaschau hatte sich Donnerstag der 35jährige ungarische Staatsangehörige Stefan Fülöp aus Budapest wegen des Verbrechens der Spionage zu veranttuorten- Im Oktober vorigen Jahres war Fülöp vom Preisgericht in Kaschau zy 20 Jährest Zuchthaus verurteilt. Der Berufungssenat des Obergerichtes änderte nun die Anklage im ganzen Umfang und erhöhte die Strafe Fülöps auf lebenslängliches Zuchthaus. Der Angellagte hat die Strafe angenommen. Drei elegant gekleidete Verbrecher führten am Hellen Tage in einem großen Juweliergeschäst auf der Madison-Avenu in New Dork einen Raubüberfall aus. Sie hielten mit ihren Revolvern den Juwelier und die anwesenden Kunden im Schach, raubten 15.000 Dollar und flüchteten sodann. Gattenmord? Vor einigen Tagen starb in Prag die 34 Jahre alte Ludmila KrejLik. Die Kremation sollte Donnerstag stattfinden. Knapp vorher wurde aber die Verbrennung von der Polizei verboten und der Mann, der 45jährige Wenzel KrejLik, unter dem Verdacht verhaftet, daß er den Tod seiner Frau, die er erst vor acht Monaten geheiratet hatte, herbeigeführt hat. Die erste Internationale knnftphotegraphische Ausstellung des Deutschen LichtbiltzmerverbandeS in der Tschechoslowakischen Republik findet in der Sofia. Di« Zahl der bei Schneestürmen und Schneewehen getöteten Personen hat sich um 24 erhöht und beträgt nunmehr 54 Personen. Hiezu müssen 15 bei dem Zugszusammenstoß in der Bahnstatton Asparuchowo getöteten Personen hinzugezählr werden. Das Befinden der bei der Katastrophe verletzten 8 Personen verschlechtert sich immer mehr. ÄM Burgas brachen bei dem Sturm 32 Brände aus. die nur mitt großen Schwierigkeiten gelöscht werden konnten. Bei der Bahnstation Gralfa in Ostbulgarien entgleiste ein Hilfszug, der die Bahnstrecke säubern sollte. Ueber das Schicksal der Schiffe, die gestern vom Schwarzen Meer SOS-Rufe ausschickten, ist bisher nichts bekannt. Aus den Schneewehen auf dem Lande wurden viele Automobile und Wagen, die durch den Schneesturm auf den Straßen überrascht worden waren, geborgen. An vielen Orten überfielen Rudel von Wölfen das' Vieh in den Gehegen. In einer Vorstadt von Nova Zagora drangen Wölfe in den Schulhof ein, von wo sie die Polizei mit Revolverschüssen vertrieb. Der Orientexpreß traf in Sofia heute früh mit 15- stündiger Verspätung aus Istanbul ein. Istanbul. Ein mächtiger Orkan, der mit starken Schneefällen verbunden war, hat einen großen Teil der Türkei von der Außemvell abgeschnitten. Von der Pontonbrücke im Goldenen Horn des halben Portos notwendige Anzahl von jährlich mindestens 150.000 Geschäftsdrucksache i auf 100.000 herab. Der Vorteil des halben Portos steht sonnt allen Firmen oder Körperschaften zu, die sich in einem Gesuch an die Postverwaltung verpflichten, jährlich mindestens 100.000 Geschäftsdrucksachen aufzugeben, und die gleichzeitig für mindestens 10.000 XL für diese Beförderung vorgeschriebene. Sondermarken kaufen. . Der Temperaturanstieg der letzten Tage dürfte nunmehr aufhören. Aus Finnland, wo es. sich Donnerstag wieder stärker abgekühlt hat-l^is auf minus 20 Grad) dringt eine neue Kältewelle, südwärts vor,.die voraussichtlich am meisten im Karpathengebiet zu Geltung kommen dürste.— Wettervorhersage für heute: Veränderllch, strichweise Schneeschauer, Winddrehung gegen Norden, wieder etwas kälter, namentlich im Osten des Staates^ Wetteraussich t e n f ü r Samstag:-: Im Karpathengebiet wieder ziemlich starker^.Frost. Vom Rundfunk empfehlens wertes au*«Sen Programmen i Samstag. Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 12.10: Leichte Musik, 16: Militärkonzert. 17.55: Deutsch ei S e»du n a: Max Brod liest aus seiner Novelle:'-Der Tod ist ein vorübergehender Schwachszpftand. 18.10: Heiteres in Wort, und Lied. 19.15:'. Volkslieder.- Sender S: 7.30: Unterbal- tunqsisitzsik. 14710: Dentsche Sendung: Ja- netschetr Musikalische Zeitgeschichte. 14.30: Bauernkapelle, 18: Opern-Ouvertürc.— Brünn: 17.40: D e u,t s'ch e' S« n d u n g: Missik für das Kind'.— Mätzr.-Ostrau: 17.30: Schallplatten. batten sich Ivährend des Sturmes zwei Pontons losgerissen, die sieben Motorboote rammten. Bei zwei Dampfern' waren die Änkerketten gerissen; Sie trieben gegen ein Cafehaus am Ufer des Goldenen. Horns und zerdrückten es. Allenthalben wurden die Dächer abgedeckt. Viele Hütten sind eingestürzt. Die gesamte Telephonverbindung mit Ankara ist durch den Schneesturm unterbrochen. In Thrazien wurden 6 Personen unterwegs vom Sturm überrascht, sie ersteren. Ein Personenzug rannte, auf der Station Tschadaltscha auf den Simplon-Orientexpreß von..hinten auf. Der Speisewagen wurde zertrümmert. Die Maschine entgleiste. Menschenleben sind nicht 3ü beklagen. DerOrient-Expreß ist im Schnee stecken geblieben. ^n der Umgebung von Smyrna, steigt die Ueberschwemmuug stündlich. Die Dörfer sind völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Die Bevölkerung, die ausquartiert werden mußte, leidet große Rot.' *. Athen. Das Unwetter hält im ganzen Lände an und die Verbindungen sind vielfach unterbrochene In Saloniki sind infolge der Schneefälle und der Stürme 22 Todesopfer zu beklagen, darunter 10 Ertrunkene. Außerdem wurdest 500. Personen verlotzt. Beim Untergang eines griechischen Schiffes kamen der Kapitän und ztvei Manmder, Besatzung ums Leben. Schreckenstage auf dem Balkan Nr. 38 Freitaa, 14. Feber 1936 Seite 5 Tas größte Hotel der Welt— z» klein. Chicago besitzt neuerdings das größte Hotel der Welt, was in diesem Falle keine Uebertreibung ist. Der Bau umfaßt neben den üblichen Sälen und Läden nicht weniger als 8000 Appartements. Trotzdem hat sich vor kurzem der Fall ereignet,.daß in diesem Hotel kein Zimmer zu bekommen war. In Chicago fand nämlich der Kongreß der Konservenfabrikanten statt, und diese hatten das Hotel bis auf das letzte Bett belegt. Der verschwundene Zug. Die syrischen Zeitungen teilen eine ganz erstaunliche Angelegenheit mit. Der Zug, der vor einigen Tagen von Damaskus' nach Aleppo abgefahren ist, ist spurlos, verschwunden. Er ist in Aleppo nicht angekommen und trotz sorgfältiger Nachforschungen konnte man bisher nicht das geringste von ihm entdecken. Höhenflüge von fliegenden Zügen. Ende Feber wird von Moskau nach der Ukraine ein fliegender Zug— ein Flugzeug mit fünf Segelflugzeugen im Schlepptau— abgehen. Gleichzeitig wird ein zweiter fliegender Zug(ein Flugzeug mit zwei Segelflugzeugen), von weiblichen Piloten gesteuert,«inen Flug innerhalb des Moskauer Gebietes unternehmen. Beide fliegenden. Züge werden ihre Flüge in 3000 bis 5000 Meter Höhe ausführen. Ein Sportluftschiff. In Moskau wird'daS Projekt eines Miniatursportschiffes mit einem Rauminhalt von 800 Kubikmetern ferttggestellt. Das mit einem kleinen Motor ausgerüstete Luftschiff wird eine Geschwindigkest bis zu SO Stundenkilometern entwickeln.. Die Gondel ist für zwei Personen bestimmt. Neu» Gedenktafel für Alfred Nobel Für den Erfinder des Dynamits und Stifter des segensreichen Nobelpreises, Alfred Nobel, wurde am Stadthaus in Stockholm diese neue Gedenktafel enthüllt der Bekenntniskirche zum großen Teil auch Mitglieder der illegalen Organisationen sind und daß auch enttäuscht« Nationalsozialisten die Bekenntniskirche ermuntern zum Kampf gegen die in Deutschland herrschens« geistige und politische Tyrannei, so ist das eine Ta: von Unschätzbarem Wert für die Befreiung des deutschen Volkes. Und wenn dieser mutige Pfarrer, wie das aus der Wiedergabe einer Unterredung im»Prager Tagblatt" festgestellt wird, festhält, daß der Gedanke der sozialistischen Umgestaltung in allen Schichten der Bevölkerung Wurzel geschlagen hat. daß die antikapitalistische Sehnsucht der Masten verlangt, daß überalterte Befitzverhältnifle weggeräumt werden müssen, daß dieser Sozialismus mit der evangelischenWeltanschau« ung vereinbar ist, so ist das eine fruchtbringende Botschaft, die erst voll gewertet werden kann, wenn man weiß, mit welcher Inbrunst evangelisch» Geistliche die Hitlerpropaganda förderten. Vomper- sönlichen Eintreten für die Hitlerdemagogie bis zum Mißbrauch der Kirche für die Hitlerpropaganda war , alles vorhanden. Vor der Entscheidung in Spanien Ausflugszugsreferat im: Basar neben dem Wilson-1 Maße zugespitzt worden sind, bahnhof, Telephon 883-85, oder Wenzelsplatz 60, Kompromißlösungen auf einer, wenn Telephon 350-55. Bezeichnende Wandlung. Zu einem im»Prager Tagblatt" veröffentlichten Bericht über die Auslassungen eines Pfarrers der reichsdeutschen B-.- kenntniskirche schreibt uns ein Kenner der früheren deutschen Verhältnisse: Neben vielem Unerträglichen hat das Hitler-System doch auch das Eine gezeitigt, die Erkenntnis weiter Kreise, daß im früheren demokratischen Deutschland die Menschen ffei und unaü- hängig waren. Auch die evangelische Kirche, welch« die Forderung der Sozialdemokratie auf Trennung der Kirche vom Staat nicht verstehen wollte und a's kirchenfeindlich bezeichnete, ist heute anderer Auffassung geworden, nachdem ihr Bestand durch das Regime und die»Deutschen Christen" in Frage gestellt wurde. Wenn heute ein evangelischer Geistlicher feststellt, daß es sich bitter räche, daß die protestantische Kirche Deutschlands niemals eine eigene Organisation war, sondern immer an die Staatsmacht gebunden war, so ist das zwar eine sehr ipäte Erkenntnis, doch eine, die sich für die künftige Em» > Wicklung in Deutschland nur günstig auSwnken 'tarnt. Und wenn zur Zeit»bereits ein evangel°,chei Geistlicher freimütig bekennt, daß Mitglieder den Wahlaufrufen der ihm angehörenden Parteien beherrscht werden, bildet selbstverständlich ein nicht leicht zu nehmendes Hindernis für die Wahlpropaganda der Linken und dies namentlich deshalb, weil der geringe Bildungsgrad der Massen bei diesen den Eindruck bewirkt, daß der Rechtsblock eine Macht repräsentiere, gegen die seine Gegner einen aussichtlosen Kampf führen. Richt zu unterschätzen ist auch der Einfluß der klerikalen Agitation auf die weiblichen Wähler. Was der Linksblock all dem entgegenzustel- len hat, ist vor allem der Hinweis auf das, was die spanische Reaktion im Verlaufe ihrer zweijährigen Herrschaft am spanischen Volk gesündigt hat. Der taffächliche Verlauf der Ereignisse in Asturien, die Greueltaten der F r e m d e n l e g i o n ä r e, die Erlarvung der Schauermärchen, die die Reaktion über die kämpfende Arbeiterschaft verbreitet hat, dies alles sind Argumente, die ihren Eindruck bestimmt nicht verfehlt haben. Dazu kommen die Schlag auf Schlag erfolgenden Enthüllungen über die Miß« w'.i.r.t s ch a s t, des reaktionären Regimes, über die. 200 Millionen,, die den Jesuiten als.»Entschädigung" geschenkt worden sind— seftstver- ständlich unter restloser Rückerstattung aller konfiszierten Güter—, über das 250- Millionenge- schenl an die Eisenbahngesellschaften, über die „Sanierung" des Großgrundbesitzes, die weitere 200 Millionen gekostet hat, die Bereicherung der Hausbesitzer durch fortgesetzte Mieterhöhungen, die an Korruption streifenden Manipulationen im Zucker- und Mehlhandel usw.— und auf der anderen Seite die völlige Unfähigkeit, etwas gegen die Wirtschaftskrise zu unternehmen, die Vernichtung aller sozialen Errungenschaften der Jahre 1931 bis 1933, die eindeutige Rolle des reaktionären Regimes als ausschließliche Vertreterin der großkapitalistischen und feudalistischen Interessen. Alle diese Taffachen sprechen eine Sprache, die bestimmt in allen Schichten des städtischen und ländlichen Proletariats— trotz der verräterischen Wahlenthaltungsparole 'der anarchistischen Gewerkschaftsführer — und auch bei der jungen bürgerlichen Intelligenz durchschlagen wird. Es besteht doch eine gewisse Aussicht, daß der R e ch t s- blockge sch lagen wird. So geht es an diesem 16. Feber darum, die Folgen der kleriko- fäschistischen Herrschaft in Spanien zu liquidieren und an deren Stelle ein System der fortschrittlichen, vom sozialen Geiste erfüllten Demokratie zu setzen, die der sozialistischen Bewegung die Dlöglichkeit bietet, in zielbewußter Auftauarbeit an der Berwirllichung ihrer geschichtlichen Aufgabe zu wirken.- „Onkel, ein Bub hat gesagt, daß ich dir ähnlich sehe..." „Und was hast du gesagt?“ „Nichts— er war nämlich stärker als ich.“ Die ärztliche Radiozentrale, die vor einigen Monaten in Rom unter dem Vorsitz Marconis geschaffen wurde, um mit Hilfe der Radiovetzdindung an Bord von Schiffen erkrankten Personen Hilfe zu leisten, verzeichnet durchgreifende Erftlge. Die ärztliche Zentrale beschränkt sich nicht nur auf die Gewährung ärztlichen Rates, sondern verfolgt die Krankhest der Patienten, besonders wenn es sich um emste Fälle handelt, während der ganzen Fahrzeit mittels radiotelegraphischer Verbindung mit dem Schiffskapitän. Der Dienst der ärztlichen Zentrale wurde kürzlich noch durch die Möglichkeit der Verwendung von Flugzeugen in dringenden Fällen, in denen der Patient der Spitälsbehandlung bedarf, ergänzt. Außerdem will die ärztliche Zentrale einen neuen Apparat des Senawrs Pende verwenden, durch den die Herztätigkeit der Kranken auf dem Schiffe abgehört und der Atem verfolgt werden kann. Aiesstnienkrieg al- Scheidungsgrund. Der italienisch-abessinische Krieg hat neuerdings nicht nur politische Rückwirkungen gezeitigt. Er hat auch tief in das Privatleben eingegriffen und unter anderem die Ehe von Mr. Williams zerstört. Mr. Williams heiratete vor einigen Jahren eine Italienerin und lebte glücklich und ruhig mit seiner Frau. Als aber jetzt der Konflikt ausbrach, gab es gleich zu Anfang heftige Meinungsverschiedenheiten über die Gerechtigkeit der italienischen Sache. Diese steigerten sich andauernd, und das Zusammenleben beider Gatten wurde vollend- unerträglich, als Mr. Williams für Eden zu schwärmen begann, den seine Frau nur verabscheuen konnte. Endlich beschlossen die Gatten fich zu trennen, und klagten beiderseits auf Scheidung wegen Verschuldung des anderen Teiles. Der Richter erkannte zwar an, daß die Ehe zerrüttet sei, hütete sich jedoch, dem einen oder dem anderen Teil recht zu geben, schon um kein politische? Präjudiz zu schaffen. Er erkannte auf Scheidung — aber aus Verschulden beider Teile. Ausflugszüge der Prager Staatstahndirrktion. 15. Feber: Sondernwwrzug zur Sokol-Baude für SO flö, nach Johannisbad für 75 KL und ins Erzgebirge für 7S KL, einschließlich Fahrt, Autobus, Trahffeilbahn, Nachtlager und Frühstück: Vom 15. bis 23. Feber: Sonderzug nach Spindlermühle für 370 KL; vom 22. Feber bis 2. März: nach Karpatho- rußland für 390 XL und nach Lubochna für 435 K£: vom 29. Feber bis 9. März: ein Sonderzug„Eine Woche auf den Kämmen des Riesengebirges" für 490 XL. s (R. F.) Nächsten Sonntag findet in Spanien der erste Gang der Parlamentswahlen statt. Es ist bereits aus früheren Pressemeldungen bekannt geworden,, daß sich zu diesen Wahlen zwei Blocks gebildet haben. Der Linksblock unter Beteiligung der Sozia- l i st e n unter Genossen Largo Caballero, der Kommunisten, der„Anarchistenpartei" unter Angel Pestana und der Partei der„marxistischen Einigung"(ehemalige rechte KPO) als proletarischen, und der Radikals ozialiften unter A z a n a, der oppositionellen Radikalen unter Barrios und einiger weiterer Gruppen als bürgerlichen Flügels, hat in einem Manifest die Mindestziele aller beteiligten Gruppen aufge- zählt. Der Kampf des Linksblockes ist darauf gerichtet, die Folgen des Sieges der Reaktion bei den Corteswahlen vom Jahre 1933 wieder auszumerzen, die Schuldigen der faschistischen Greuel der Oktobertage des Jahres 1934 zu bestrafen und alles Unrecht wieder gut zu machen, das damals von der herrschenden Reaktion begangen worden ist,... i'."'Dtt' R e ch t s bist cf, ein Bündnis der Monarchisten, der Klerikalen/ der Agrarier und der Reste der großbürgerlichen Parteien hat seine innere Homogenität schon dadurch augenfällig ins Licht gerückt, daß es sich als unmöglich erwies, zu einem gemeinsamen Wahlprogramm zu kommen, das vor der Oeffentlichkeit oder auch nur vor den eigenen Anhängern der so„zusammengeschlossenen" Parteien diskutierbar gewesen wäre. Dies ist, in kurzen Zügen angedeutet, die ideologische Position der beiden miteinander kämpfenden Hauptgruppierungen. Dazu tritt die von der gegenwärtigen Regierung offiziell als die ihrige anerkannte Partei des„l i n- k e n Zentrums", die unter der Parole: „Weder Bürgerkrieg von rechts, noch bolschewistischer Umsturz von links" bemüht ist, die Wähler- >' schäft auf einer Linie zu sammeln, die ihrer An- ! sicht nach den ruhigen, demokraffschen Fortschritt | sicherstellt. Im Verlaufe des Wahllampfes haben i sich mit Sicherheit zwei-Taffachen ergeben: er- ...._„I stens, daß die Gegensätze in Spanien durch Informationen und"Anmeldungen beim! die zweijährige Herrschaft der Reaktton in einem ''-■-'"\ das keine Kompromißlösungen auf einer, wenn auch noch so gut gemeinten„mittleren Linie" möglich macht; zweitens, daß der Rechtsblock ein gewaltiges finanzielles, der Linksblock dagegen ein ebenso unbestreitbares moralisches Ueber- gewicht besitzt. Das materielle Uebergewicht des Rechtsblocks, das sich besonders augenfällig dadurch be- merftar macht, daß die Wände fast restlos von MiM M WM Handelspolitische Differenzen Obwohl es eine weitverbreitete Erkenntnis ist, daß der Welt-Außenhandel nur dann zu einem kräftigen Aufschwung kommen kann, wenn die in den letzten Jahren von der Mehrheit der Länder aufgerichteten Handelshemmnisse wieder abgebaut werden, wird von den Regierungen und den für die Handelspolittk verantwortlichen Faktoren meistens im Widerspruch zu dieser Erkenntnis verfahren. Eine Vereinfachung des Handelsverkehres zwischen den Ländern wissen die Zeitungen nur selten einmal zu melden; dagegen häufig von einer Kürzung der Kontingente für, bestimmte Waren, von neuen Erschwerungen des Kompensations- und Zahlungsverkehrs und. von Sperren, die aus irgendeinem Grunde über die Warenausfuhr aus diesem oder jenem Lande verhängt werden. Unter derartigen Maßnahmen leidet auch fortgesetzt die Entwicklung des Außenhandels der Tschechoslowakei. Berechtigt schon einmal die Zunahme des Außenhandelsumsatzes mit einem Lande zu einigem Optimismus, so wird sicher bald darauf durch irgendwelche Eingriffe- dieser günstigen Entwicklung der Boden entzogen. So geschah am Anfang dieses Monats, als die R e- g i e r u n g von Griechenland plötzlich mit sofortiger Wirksamkeit die C l e a r i n g s sistierte und die Einstellung der Verzollung tschechoslowakischer Waren anordnete. Das bedeutete eine sofortige Einfuhrsperre, von der selbst jene Waren betroffen wurden, die bis zum Bekanntwerden dieser Verordnung in der Tschechoslowakei bereits zum Versand gekommen waren. Auf den Einspruch des ffchechoflowakischen Gesandten in Athen hin konnte eine Milderung der Maßnahme erreicht werden: es wird künftig die tschechoslowakische Warenausfuhr einem besonderen Bewilligungsverfahren unterworfen, das ab 6. März in Kraft gesetzt wird. Bis zum 5. März wickelt sich demnach die Ausfuhr nach Griechenland nach dem laufenden Clearingvertrag ab. Nach diesem Termin müssen sich die tschechoslowakischen Exporteure vor dem Versand durch Vermittlung ihrer Abnehmer eine' Bewilligung der griechischen Ausfuhrkommission zum Erlag des Gegenwertes der Ware auf dem ffchechoflo- wakisch-griechischen Clearing beschaffen. Die griechische Regierung hofft, damit ein weiteres Ansteigen der ffchechoflowakischen Aktivspitze zu verhindern. Für unsere Ausfuhr nach Griechenland, die von 1934 zu 1935 um rund 12 Millionen Kronen zugenommcn hat, bringt diese Maßnahme zweifellos einen.Rückschlag. Äie£frkei hat Sen mit der Tschechoslowakischen Republik bestehenden Clearing- und Kontingentvertrag zum 3. März aufgekündigt. Rach der ffchechoflowakischen Auffassung kann jedoch die Vertragskündigung frühestens zum 15. Mai erfolgen. Da die Verhandlungen, mit der Türkei, für die sofort die Vorbereitungen begonnen worden sind, frühestens Ende März beginnen werden, muß leider mit einem Vacuum in den beiderseitigen Handelsbeziehungen gerechnet werden. Für die Türkei ist ebenfalls das Anwachsen der Clearingspitze zugunsten der Tschechoflowa- kei, sie betrug Ende Jänner 1935 rund 64 Millionen Kronen, der, Anlaß zur Vertragskündigung. Das tschechoflowakische Aktivum im Außenhandel mit der Türkei hatte 1934 die Höhe von 119 Millionen Kronen, 1935 erreichte es nur wenig über drei Millionen Kronen. Während 1935 die Ausfuhr nach der Türkei im Vergleich zum Vorjahr um mehr als die Hälfte zurückgegangen ist, stieg die tschechoslowakische Einfuhr aus der Türkei um mehr als das Doppelte. Frankreich, das bisher ein guter Abnehmer der Gablonzer Glas- und Bijouteriewarenindustrie war, hat für das laufende Quartal eine 40^ ige-Kürzung des Kristallerie angeordnet. Diese Maßnahme, die für die Gablonzer Industrie ein schwerer Schlag ist, wird damit begründet, daß im vorigen Jahre das Kontingent bedeutend überzogen worden sei. So wird die Handelspolitik täglich vor neue Schwierigkeiten gestellt und ihre Aufgabe, den gesamtwirtschaftlichen Interessen zu dienen, gestaltet sich immer komplizierter. Aufstieg des Prager Metallarbeiterverban- des. Wie der Metallarbeiter(Prag) meldet, betrug die Gesamtzahl der Mitglieder des Verbandes gegen Ende des Jahres 1935 72.768 Mitglieder, das ist um 4493 mehr, als im Jahre 1934. Es ist dies der größte Zuwachs in den Krisenjahren seit dem Jahre 1929, wo 63.710 Mitglieder auSzewiesen wurden. Mitteilungen aus dem Publikum. „Hausmittel" sind nicht zu unterschätzen! Sie beruhen messt auf jahrhundertealten Erfahrungen und letzten Endes geht ja auch die Zusammensetzung aller modernen Präparate auf die längsterprobtc Wirkung solcher Mittel zurück! Mit Recht wird darum ein guter Franzbranntwein, also der Alpa- Franzbranntwein hochgeschätzt: als Einreibungsund Mafsagemittel, als Desinfekttons- und Schm.cz- beruhigungsmittel leistet er in zahlreichen Fällen ganz außerordentlich wertvolle Dienste! r.So’Jnfbemofrnf" Freitag, 14. Feber 1936. Rr 38 Scilf 6 Trager Zeitung Gesicht hielt, traf ihn ein Schutz aus nächster Nähe Wildenten auf der Moldau f Wenn draußen die Teiche vereisen und weder Körnchen noch Wurm als Nahrung zu finden sind, dann kommen die Wildenten in die Stadt, auf die noch offene Moldau. Schnellen Fluges schwirren sie beran; einer geflügelten Sektflasche gleicht ihr Klugbild. Flach gleitend setzen sie auf dem Wasser auf, ritzen den welligen Spiegel mit spitzem Kiel. Ohne weiteres ist das nun ihr Bereich, der glatte Stau vor den Wehren, die schaukelnde Strömung an der hohen Kaimauer, die dunkle Spiegelung unter der raunenden Brückenwölbung. Ueberall, wo?ll>- fälle ins Waffer geworfen werden, wo verweilende Menschen ihnen einige Brotkrumen zuwerfen, schwimmen sie in lockeren Flotillen hin und her, immerfort spähend, und kein Krümchen bleibt unbemerkt. Leicht wie Kork, kleinen Schiffchen gleich, von der leichtesten Welle gehoben, mit lässigem Paddelschlag der roten Latschen steuern sie dahin und dorr- hin. Auf weich schlappenden Wellen, auf denen das Spiel blanker Lichtflächen und ruhelos in dunklen glatten Flecken sich lösender Spiegelungen immerwährend sich neu erzeugt. Und wenn Sonnenlicht schräg die Wasserfläche trifft, dann tanzen auf den Wellen gleißende Funken in blitzenden Sprüngen, in deren blendendem Geglitzer die Enten"kaum noch als schwarze Punkte erkennbar sind. Braun, licht und dunkel gefleckt und gestrichelt sind die Weibchen. Die Erpel aber tragen schon das Hochzeitskleid. Alles an ihnen ist bunt, metallisch grün Kopf und Hals, zitronengelb der Schnabel, weiß das Halsband, samtbraun die Brust, seidengrau mit braunen Wässerungen, schwarz und schneeweiß das übrige Gefieder, pfauenblau die Schwingenspiegel, korallenrot die Füße. Es ist ein« elegante Tracht, die sie aber nicht hindert, ebenso hastig und gefräßig auf einen Brocken loszuschieben wie die. bräunen Weibchen, sich flügelschlagend darum zu balgen und herrisch das Weibchen fortzubeitzen, das die Beut« crchaschen will. Sie tragen schon den Hochzeitsschmuck, aber sie denken noch nickst daran, lyrisch zu balzen. Es ist noch eine harte Frist bis zur Liebcszeit im März. Auch die Moldau schlägt der späte Winter in eisigen Bann. An den Rcstchern der Eisflächen stehen die Wildenten in lockerer Postenkette, als hielten sie Stromwache. Doch das Eis wächst ihnen unter den Füßen immer näher an das zischende Wehr heran und immer schmäler wird das offene Wasser, auf dem sie den Winter fristen. - Kalt, weiß und blau leuchtet der Tag. Die Karlsbrücke steht auf Eisflächen. In ruhiger Kälte erhebt sich der Hradschin. Eilig, ohne Lust zum Verweilen gehen die Menschen am Kaigeländer entlang, die Gesichter schräg gegen den schneidenden Moldauwind geneigt. Niemand bleibt stehen, um Wildenten zu füttern. Auf dem Eise stehen die Vögel, Kopf und Schnabel ins Gefieder geschmiegt, eine Postenkette am Rande des Wassers, das reibend und knirschend an der eisigen Fessel nagt, in der die Moldau kalt und weiß erstarrt. AutovuS gegen Auto. Der Chauffeur Anton Nlachäöek des" städtischen Autobusses P—12.073 wollte gestern nachmittags in der Trocnobskä in Zijkov ein leeres Fuhrwerk überholen, wobei er mit dein Auto P—25.910 des Paul Cajzl aus Wrscho- tvitz zusammenstieß. Hiebei geriet das Auto unter den Autobus, wurde etwa zwei Meter weit geschleift und zertrümmert. Verwundet wurde niemand. Der Autobus wurde beschädigt. Der Vorfall hatte einengroßen Menschenaüflauf zur Folge. Abenteuer eines Kellners. Ter 30jährige Kellner Josef Erlebach ans Prag II. ging vorgestern abends mit 3600 Kc in der Tasche auf«inen Streifzug durch die Wirtshäuser der Kleinseite. Nach 11 Uhr geriet er. bereits etwas angeheitert, in das Gasthaus „B läznich". Nach kurzer Zeit verließ er es. um frische Luft zu schöpfen und lehnt« sich einige Häuser toeiter an die Mauer. In diesem Augenblick fühlte er, wie ihst jemand am Mantel zog; und als er sich instinktiv umdrehte. und den Arm zur Abwehr vors in den linken Ellenbogen. Darauf wurde ihm schlecht und er fiel in Ohnmacht. Als er erwachte, fehlte ihm die Brieftasche mit dem Geld; er ging, noch halb• benommen, nach Hause, konnte aber vor Schmerzen in der Schußwunde nicht einschlafen, so daß er sich gestern vormittags entschloß, sich auf der Polizeidirektion einzufinden, wo er sich untersuchen ließ und sein Abenteuer berichtet«. Vom Täter kann er auch nicht die entfernteste Beschreibung abgeben. Die Schußwunde ist völlig ungefährlich und aus allernächster Nähe abgegeben. Der Kellner lebt in finanziell sehr drückenden Verhältnissen; doch ist die naheliegendste Vermutung hoffentlich falsch. Bier Selbstmörder. Gestern abends schoß sich hinter dem Kinderspital in der Legergasse in Prag II. der 26jährige arbeitslose Beamre Georg Pero eine Kugel in die Brust. Er wurde in bewußtlosem Zustande auf die Klinik Jiräsek gebracht und ist aus seiner Ohnmacht noch nicht erwacht.— Die 23jährige Köchin Anna Janäk schnitt sich gestern in ihrer Wohnung in Karolinental mit einem Rasiermesser die Pulsader der linken Hand durch, begab sich jedoch sofort selbst zum Arzt.— Die 27jährige Hausgehilfin Gisela Skalickh kenn gestern zur Hausmeisterin eines Hauses in der Budeögasse zu Besuch, verschwand nach kurzer Zeit auf dem Abort und schnitt sich hier die Pulsadern auf. Die Rettungsgesellschaft brachte sie auf die Klinik Jiräsek.— Der 62jährige ehemalige Schneider Josef Nemeöek erhängte sich gestern in seiner Wohnnng in Prag- Zi.skov. Das Motiv der Tat dürfte Krankheit sein. Tie Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. Neuer Winter— neue Sorgen«m warmes Schuhwerk. Bata hat an Sie gedacht. Baka verlängert seinen Verkauf von Winter-Schuhen und Strümpfen mit 20% Nachlaß. Benützen Sie diese günstige Gelegenheit. 14 Xunst und WUsea Der heilige Antonius Man hatte das liebe, wiegende, beispielhaft volkstümliche Lied vom„Heiligen Antonius", das nach Jara B e n e s's großem Operettenerfolg vor etwa vier Jahren in ganz Prag gespielt, gesungen und gepfiffen wurde, schon fast vergessen. Und nimmt man es wieder gerne mit nach Hause, aus dem Deutschen Theater, in das nun das reizende Singspiel eingezogen ist. Auf dem Umweg über Wien ist das Textbuch, das ohnehin von gaiigbaren Artikeln dieser Branche aus etlichen Jahrzehnten zehrt, noch unbekümmerter geworden und der österreichische Ton samt dem wienerischen Dialekt stimmt so gar nicht zu den slo- wakiichen Trachten, Farben und Torfbildern. Aber sie Unbekümmertheit und Naivität der Aukvtrn, dks noch durch die Bearbeitung hmdurchleuchtot und di« aut Ruhe- und Höhepunkten musikalisch so liebenswürdig unterstrichen wird, nimmt trotzdem neuerdings gefangen. Und was liegt daran, daß Jara Benes's Musik ohne Johann Strauß, Kalman und Lehar ebensowenig denkbar wäre wie ohne Smetana und Dvorak? Entzückend ist sie, gefühlsbetont, fesch in den Rhythmen, so daß man am liebsten mit- tanzen oder mitmarschieren möchte. Und wenn das Lied an den„heiligen Antonius" aufklingt, versteht man, daß sich Zehntausende in ihn verliebten. Die Aufführung am Deutschen Theater hatte einen ausgesprochenen Erfolg. An den Aktschlüssen wurde großartig applaudiert, nach allen Gesangsnummern gab es Beifall. Dieser Erfolg ist, was die Wiedergabe anlangt, vor allem der frohen Laune aller Mittvirkenden zu danken, dann der erfrischend natürlichen Szene(Regie M o r d o), den heiteren Bühnenbildern(P iperger und K o tulan), den hübschen Tanzanordnungen(Bisam) der lebendigen Art, mit der Herbert Popper dirigierte. Tas Gesangliche war allerdings— wenn man vom Damenchor äbsieht— sonst nur bei Frau Rahn(Andula) gut aufgehoben, die mit ihrem süßen, zu Herzen gehenden und tadellos geführten Stimmchen den erfreulichen Eindruck ihrer Erscheinung erhöhte; die Prosa müßte freilich etwas deutlicher sein. Rühmenswert, wie anderseits Fräulein Macheiner(Marina) sich auch singend und tanzend ins Operettenfach fügte. Bei ausgezeichneter Laune Dudek als Fiala, drastisch wirksam Dörner als„Repartier". Singend aufzutreten hatten ferner die Herren Padlesak und Schmerzenreich; sie machten es sehr nett. Uebrigens berührte es doch einigermaßen seltsam, die Uniform des tschechoslowakischen Soldaten auf unserer Bühne zu sehen; der Operettenleutnant vor den» Kriege konnte so lange als hübsche Angelegenheit hingenommen werden, bis der bunte Rock sich plötzlich mit dem Blut der Millionen zu färben begann; heute, da man dem Militarismus ganz allgemein anders ins Gesicht zu sehen sich genötigt sah, kostet es wohl jedermann erst einige Ueberwin- dung, bis er sich darein fügt, daß dieses ernsteste aller äußeren Abzeichen auch wieder einmal zu Spiel und Scherz herhalten soll! Bleibt noch zu verzeichnen, daß Anny C o t h (Daisy) sehr elegant aussah, daß über alte und neue Witze kräftig gelacht, daß der Komponist vor der großen Pause und nach der von ihm dirigierten Zwischenmusik lebhaft gefeiert wurde und daß der ganze Abend so amüsant verlief und so dankbar auf- gerwmmen wurde, daß man mit vielen Wiederholungen rechnen darf. L. G. Zizka«der Chelöickh? Uraufführung eines festlichen Bühnenstückesa n Zizka z Troc- nova" mit einem Vorspiel: ,Zan Hus" von Fran t-i sek Zavkel im Weinberger Stadttheater. Zavrels Zizka ist die Inkarnation des Militaristen; er kündet das Wort Gottes mit Flamme und Schwert; er will nicht nur den Feind im Felde, den Antichristen Sigismund vernichten, sondern auch den Pazifismus, der. geweckt durch die Lehre Peter Chelöickys. in den Reihen seiner Soldaten immer mehr Boden gewinnt. Sigismund weiß er mit stets neuen und überraschenden strategischen Zügen zu besiegen, die Lehre Chelöickys(daß der wahr« Christ kein Recht habe, zur Waffe zu greifen, auch wenn das Wort Gottes in Gefahr ist), kann er nur durch unbarmherzige Härte unschädlich machen, um sein Heer vor der inneren Zersetzung zu bewahren. Er läßt vor der großen Schlacht mit Sigismund vier Soldaten hinrichten, weil sie mit Berufung auf die Schrift kein Schwert mehr anrühren wollten; ihnen läßt er den Priester der Taboriten nachfolgen, um dann, völlig blind, und doch voll visionärer Sehkraft, einen entscheidenden Sieg zu erringen.— Ein großes Aufgebot an Regie und Ausstattung war notwendig, um den Sieg der Stärke und Macht Wer : die Idee glaubwürdig zu machen und trotzdem ist eS nicht restlos gelungen. Der Zizka, der durch das erste Bild nur^ als Drohung, unbesiegbares strategisches Phänomen, das festliche Feldlager Sigismunds stört, steht im zweiten Bilde da, während seine tapferen Bauern gegen eine fünffache Ueber« macht des Feindes einen verzweifelten Kampf aus- fechtin,-Wer den Sinkt des Levens medsitereisb. H?.iK PliydMs gMürt'ihn,^ konzentriert und mathematisch dre Lage des Schlachtfeldes abzuschätzen, während seine sehenden Hauptleute den »schwankenden Kampf vor den Augen haben. Er steht da, ein alter, verbissener Mann, der dem Leben nur eine Seite abgewonnen hatte, den Sieg seiner fixen Idee. Sein Gegner Sigismund ist trotz seiner Heeresmacht ein Schwächling, sein Widersacher Chelcicky eine abstrakte Kraft ohne äußere Macht. — Herr Hilmar als Zizka bot«in von üblicher Vorstellung stark«^weichendes Bild in der ungewohnten Maske, Herr' Majer als Sigismund hatte«ine moderne Ausdruckswcise; im Vorspiel waren der Hus des Herrn Plackt) und der Kardinal des Herrn Kreuzmann echte Vertreter zweier Weltanschau- ungen. m. i. Arbeitervorstellung„Was ihr wollt", Lustspiel, am Sonntag, den 16. Feber, halb 3 Uhr. Karten täglich(8 bis 2, 4 bis 6 Uhr) bei Optiker Deutsch, und Koruna. Biicherschau „Dir letzten sechs Nächte des Heinrich Heine." Von WalterVictor. Das kleine Büchlein, das im Kultur-Verlag Fr. Schwarz in St. Gallen erschien und 90 Rappen kostet, ist mit einer Zeichnung nach der Totenmaske Heines geschmückt. Sein Verfasser ist wohl manchen Lesern bekannt durch sein Engels-Buch„General und die Frauen" und seine Biographie„Mathilde", der« französischen Frau des deutschen Dichters. Das kleine Büchlein zeichnet, inan kann sagen in der Form einer Vision der nächtlichen Visionen des sterbenden Dichters, schmerzlichliebevoll das Ausklingen des seit Jahren von Qualen durchglühten Lebens des in die Matratzengruft gebannten Poeten. Heine-Worte, Dichtungen und Bekenntnisse, Worte, und Verve aus ferner und näherer Zeit, quellen empor und formen die Fieber- pbantasien und erfüllen die Träume der letzten Nächt- d-s Hinsiechenden. Rückschau auf ein an Lieb« und Klampfen überreiches Leben werden so die sechs Nächte, jede zu einem„Gerichtstag über das eigene Ich", zu einer ergreifenden Gestaltung des Todes- kampfes Heines wird die Darstellung dieser dunklen Jännerwoche.—Heine-Freunden- wird Victors Büchlein eine willkommene Gabe zum Gedächtnis des deutschen Dichters sein, dessen Todestag sich am 17. Feber zum achtzigsten Male jährt. Tschechische Bücher Marie M a jerova ist- nicht nur eine hervorragende Prosaschriftstellerin, sondern auch Dichterin. Zwar bat sie nur wenig« Gedichte in gebundener I:rm geschrieben, aber ihr dichterisches Talent zeigen viele ihrer Prosaarbeiten. Gedichte in Prosa sind ihre jetzt in neuer Auflage im„Dkdictvi Ko- menskeho" erschienenen Schilderungen aus Böhmen „Mä»last"(„Mein Vaterland"). Majerovä beschreibt in wunderschöner Sprache Böhmens Fluren, Wälder und Berge und legt ihr sWjektives Fühlen und ihre Erwägungen über Menschen und Natur in alles hinein. Welch herrliches Prosagedicht ist z. B. die erste dieser Schilderungen„Die Linde"! Oder wie meisterhaft vermag sie unter dem Nachhall von Smetanas Symphonien und Opern Schönheiten und Denkwürdigkeiten des Landes vor die Augen zu zaubern! In gleicher Weise beschreibt sie die böhmischen Bäder, Karlsbad und Franzensbad, die Umgebung Prags, Südböhmen, den Böhmerwald uns' ein Gebirgsdorf. Sie verbirgt nicht ihren Sozialismus und schildert die Maifeier in Kladno, wo die Bergarbeiter wissen, daß ihnen einst die Welt gehören wird. Wer ein schönes und gutes Tschechisch lesen will, möge zu diesem Buch greifen. Der sozialistische Publizist Dozent Dr. Josef Fischer gab im Verlag des„Ein" ein wissenschaftliches Werk„Bälka a mir v anticke filosofii" -(„Krieg und Frieden in der antiken Philosophie") heraus. Während in Homers„Ilias" der Krieg verherrlicht wird, lobt schon die„Odyssee" den Frieden als Gnade der Götter. Tvrtäus erklärt in seinen Gesängen als das höchste Glück, für das Vaterland zu fallen, Pindar hebt jedoch den Frieden hervor, nach welchem jeder Bürger streben muß, denn den Krieg lobt nur, wer seine Schrecknisse nicht gekostet hat. Auch AeschyloS ist kein blinder Kriegsbewunderer, entschiedener Kriegsgegner ist jedoch Aristo- fanes. In seinem„Frieden" verstecken die Götter den Frieden und wollen die griechischen Gemeinden vernichten, da sie nicht imstande sind, den Krieg zu beenden.'In der„Lyfistrate" bemächtigen sich Frauen allen Reichtums, um Kriegsgewinne unmöglich zu machen und verweigern den Viännern di: Liebe, solange sie nicht den Krieg beenden. Sokrates Einstellung ist nicht ganz klar, Plato will nicht, daß der Zweck des Krieges Eroberung sei, und Aristoteles lebnt den groben StaatSegoismus ab. Sein Staat gehört dem Frieden und nicht dem Kriege. Pionier des griechischen Friedens und der griechischen Hu manität ist Jsokrates, welcher den Frieden mit der Demokratie und Gerechtigkeit in Zusammenhang bringt.— Fischer befaßt sich schließlich mit der römischen Kriegs- und Friedensphilosophie und mit dem Einflüsse des Judentums und Christentums auf die antische Philosophie. Das Buch zeugt von Fischers gründlicher Kenntnis der Philosophiesysteme. Die„Volnä myslenka" gab Kurzerzählungen aus dem Gebiete der Bürgerkunde und der Laienmoral„SW povtdek"(„Hundert Erzählungen") von Alois Machovec und die Schrift von Sir Arthur Keith„O pbvodu cloveka"(„lieber den Ursprung des Menschen") in Uebersetzung von Dr. Bohuslav S e k l a, behandelnd die Darwinsche Theorie, heraus. r. i. „Auf dem Wege zur Planwirtschaft"(„Ra ceste k planovitemu hospodärstvi") betitelt sich die Publi» katron Rr. 64 des SozialinftitnteS.' Dr. V. Vern n ä c hat in dieser Broschüre eine Reih« von Vorträgen bedeutender Autoren, die im Sozialinftitur über das erwähnte Thema gehalten wurden, zusam- mengestellt und durch weitere Beiträge vermehrt. Es wird die Entwicklung des Gedankens der Planwirtschaft bei uns und im Auslande, vor allem in der SSSR, USA, Italien, Deutschland und in anderen Ländern, behandelt. Die Regulierung der Wirtschaft wird als unbedingte Notwendigkeit hiage- stellt; Ansätze hiezu finden sich bereits beinahe in allen Staaten. Auch bei uns find solche vorhanden. Die planmäßige Wirtschaft an Stelle des Wirt- schaftS-Chaos' ist eine alte Forderung der Sozialisten. Eine ganze Reihe von Problemen, steht mit ihr im Znsannnenhange. Ihre Lösung wird einer höheren Gesellschaftsordnung vorbebalten sein. Die erwähnte Broschüre gibt unS einen guten Ueberblick darüber, wie weit der Gedanke der Planwirtschafi in den einzelnen Ländern gediehen ist, und sie stellt somit einen wichtigen Behelf zum Studium der Frage der Planwirtschaft dar. B. S. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Heute, Freitag, 7 Uhr: o h e n g r i n", Wag- nerzykluslV, DI.— Samstag halb 8: K a t a» rina Ismailowa, D 2.— Sonntag halb 3: WaS Ihr wollt, Arteitrrvorstellung, halb 8: Der heiligeAn t o n i u s, A 1. Spielpla» der Kleinen Bühne. Freitag 8; Uhr: llnentschuldigte Stunde, Theatergemeinde des KulturverbandeS und freiem Verkauf.— Samstag 8 Uhr: WasJhrwollt.— Sonntag 3: U»entschuld igteStunde, 8 Uhr: Christian. §port-8piek-Xvrprrp|iege Olympische Winterspiele. Am Donner'stag war wieder mal ein großer Tag: ER war gekommen! Das merkte man auch an der Wichtigtuerei der verschiedenen SA-, SS- und sonstigen„Wehr"» gruppen. Sportlich interessierten die Sprungläufe für die Kombination. Der Finne Walonen blieo Sieger mit 52 und 54.4 Metern. Von den Tschechoslowaken sprang Lahr 49 und 53, Berauer 45 uno 42, Simunek 44.5 und 43.5 und Brana 48.5 und 49 Meter. Sieger in der Kombination wurde der Norweger Hagen mit 420.3 Punkten vor seinen Landsleuten Hofsbakken mit 429.8, Brodahl tnt; 408.1, dem Finnen Walonen mit 401.2 Punkten. Ausgezeichnet ist die Plazierung des Tschechoslowaken Ssinunek mit 394.3 Punkten als Fünfter. Labr belegte den 9.(387.4), Berauer den 14.(379.1) und Vrana den 26. Platz(359.4 Punkte).— Im Eisschnelläufen über 1500 Meter siegte diesmal der Norweger. Mathiesen in olympischer Rekordzeit ft 2:19.2 Min. vor seinen Landsmann Ballangrud in 2:20.2 und Wasenius(Finnland) in 2:20.9 Lstin. Der TscEchoslowake Turnovsky konnte lediglich den tschechoslowakischen Rekord auf 2:30.52 Min. verbessern.— Im Eiskunstläufen für Paare siegt« das deutsche Paar Herber—Bayer mit Platzziffer 11 und 11.5 Punkten vor das Wiener Geschwisterpaar Pau- sin, das Platzziffer 19 und 11.4 Punkte erbielt.— In den"letzten Eishockeyspielen der Zwischenrunde gab es folgende Ergebnisse: England gewann gegen Ungarn mit 5:1 und wurde Sieger in der A-Gruppe. Die Tschechoslowakei siegte auch gegen Oesterreich, und zwar recht glücklich und knapp mit 2:1. Am Abend war wieder Großkampf, doch die Hoffnungen der Nazi, daß ihr Team wenigstens ein Unentschieden den Kanadiern abtrotzen könnte, wurden zunichte gemacht durch den Willen und das Können der lieber- seeler, welche mit 6:2 Werlegener und sicherer Sieger blieben. Damit haben die Nazis, jenes Schicksal erlitten, das sie insgeheim den anderen immer wünschten. Amerika trug sein letztes Gruppenspiel mit Schweden aus und gewann mit 2:1. In die Schlußrunden steigen demnach auf: England, Kanada, Amerika und die Tschechoslowakei. das- dec ffarkl Deutsche sozialdemokratische Frauenorganisation Prag Frauenabend am Freitag, den 14.F^der, um 8 Uhr abends im Parteiheim, Prag II., Narodn' ltida 4. Es spricht Genosse Kreisky zu dem Thema:„Arbeiterbewegung und Konsumgenossenschaften".' Frauen-Bezirkskomiter. Freitag, den 14. d. M., um 7 Uhr im Parteiheim wichtige Sitzung. Deutsche sozialdemokratische Bezirks.rganisa- tion Prag. Dienstag, den 18. Feber, um 8 Ubr abends im Parteiheim, Närodni 4, wichtige Sitzung der B e z i r k s v« r t r e tun g, zu der alle Mitglieder erscheinen mögen. Generalversammlung der BezirkSorganisatlon Prag. Die Jahresversammlung der Bezirksorgam- sation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Partei findet Freitag, den 28. Feber 1936, um 8 Uhr abends statt. Die befreundeten, Organisationen werden gebeten, diesen Tag für die Generalversammlung der Bezirksorganisation freizuhalten. Veceinznachdcfikn Rrstfalken, Achtung! S a m S t a g, um 1L4 Uhr im Parteiheim Beginn der Probe zum Märchenspiel. Rollenverteilung. Kommen aller Restfalken ist Pflicht. © Ortsgruppe Prag. Achtung, Skifahrer! Samstag, den 15. Feber 1936, Zusammenkunft um halb 3 Uhr und um halb 5 Uhr bei der Autobusbaltestell«„Jas" in Smichov beim Cast Westend. Fahrt nach Mnisek. Gemeinsame Skiwanderung über die Skalka zur Hütte. Am Sonntag Skikurse. Es wird ersucht, sich am Freitag in der Geschäftsstelle anzumelden, damit für eine Uebernachtung garantiert werden kann. Diejenigen, die erst am Sonntag früh kommen, können mit dem Auwbus um 7, 8 und um 9' Uhr fahren. Wir empfehlen aber auch diesen, sich in der Geschäftsstelle anzumelden, damit eine gemeinsame ermäßigte Autobusfahrt vereinbart werden kann. Gäste sind herzlich willkommen. Urania-Kino, Klimentxkä 4. Fernsprecher<1623. Der Kampf mit dem Drachen Ein urkomischer ssilm. Bezugsbedingungen: Bet Zustellung ins Haus oder der Bezug durch die Post monatlich XL 16.—. vterteljähria Kö 4!tz—. halbjährig KC 96— aanzjäbrm Kd 192—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.—' Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Tie Zeitungsfrankatur wurde von der Post« und Teie- graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VIi/I93v bewilligt.— Druckerei:„Orbis" Druck- Verlags« und Zeitunas-A-G. Prag.