Mittwoch, 19. Feber 1936 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller Porto) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung PRAG xii.,fochova a. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Gibraltar von Flüchtlinsen Die Rechte gibt das Spiel verloren überfüllt Geglückte Revolte in Paraguay Buenos Aires. Der Präsident der Republik Paraguay ist nach Ausbruch eines Aufstandes in das Marine-Arsenal und von dort auf ein Kanonenboot geflüchtet. Die revolutionären Truppen sind nach schweren Kämpfen vollkommen Herren der Lage. Sie haben die Kontrolle des öffentlichen Dienstes übernommen. Präsident Ayala hat seinen Rücktritt erklärt. Er erhielt seitens der Revolutionäre volle Garantie für sein Leben und für seine Freiheit. Fluggeschwader nehmen die Verfolgung auf London. Der Kriegsberichterstatter des Reuter-Büros meldet: Die Abessinier erklären zwar immer noch, daß sich bei Makalle nur kleinere Zusammenstöße ereignet hätten, doch ist es sicher, daß die Armee des Ras Mulugate eine blutige Niederlage erlitten hat und daß sich der Kriegsminister nur schwer in'Antalo halten wird, wenn die Italiener ihre Offensive sogleich fortsetzen werden. Der Italienische Bericht meldet: Die Armee des Ras Mulugeta flieht weiterhin in völliger Unordnung. Italienische Flugzeuge verfolgen die Fliehenden.■ . Nach der Schlacht im Enderta-Gebiet warfen italienische Flugzeuge in bloß zwei Tagen, u. zwar am 16. und 17. Feber auf die der Flucht befindlichen Truppen Mulughetas über 100 Ton- nen Erpkosiost.osse ab, . Wie aus Asmara gemeldet wird, haben die Abessinier in der Nacht vom 16. auf den 17, Feber an der Front des ersten italienischen Armeekorps einen'Gegenangriff unternommen, der jedoch von der italienischen Artillerie zurückgeschlagen wurde. Leon Blum am Krankenbett einvernommen Paris. Der Untersuchungsrichter besuchte Montag abends den verletzten Deputierten Leon Blum, um ihn einzuvernehmen und seine Zeugenschaft protokollarisch niederzulegen. Der Untersuchungsrichter blieb zwei Stunden bei dem Verletzten. Die Einvernahme wurde unterbrochen, da Deputierter Blum allzusehr ermüde t war. Mussolini verhandelt Der deutsche Botschafter nach Berlin abgereist Rom. Ministerpräsident Mussolini empfing Dienstag den britischen Botschafter und hatte mit ihm: eine längere Unterredung. Am selben Tage empfing Staatssekretär Suvich den deutschen Botschafter vonHassell zu einer Unterredung. Von Hassel hat sich daraufhin auf eine kürze Informationsreise nach Berlin begeben. Der Bundesrat beschloß ferner u. a. die Ausweisung eines Studenten wegen verdächtiger Beziehungen zu einer deutschen Polizeibehörde. Er ordnete ferner verschiedene Maßnahmen(Ber- Warnung, Entzug der Aufenthaltsbewilligung, Grenzsperre) gegen mehrere Deutsche und einen Oefterrricher an und stellte besondere Brrhal- tungsmaßnahmen für die deutscheStu- d e nie n s ch a f 1 i n d- e r S ch w e i z auf, die sich insbesondere gegen einen an deutsche Studenten verteilen Fragebogen und gegen die Mitwirkung von Äichtstndenten an der Leitung det Madrid. Die Linkspresse meldet, daß eine ganze Reihe von politisch exponierten Persönlichkeiten der Rechten, die seit dem Oktoberanfstand des Jahres 1934 eine hervorragende Rolle spiel- Caballero der Führer der spanischen Sozialisten ten, über d i e Grenze gegangen sind. So ist u. a. der ehemalige radikale Innenminister L a g n e r o, der den Oktoberaufftand niederschlug, in Gibraltar eingetroffcn. Tort befinden sich bereits gegen hundert kompromittierte Persönlichkeiten der Rechten aus Sevilla, Malaga, keres und Eadiz. Andere sind nach Portugal gegangen. Die Hotels von Gibraltar sind bis aus den lebten Platz beseht, den ganzen Tag laufen Hunderte telephonischer Anfragen nach weiteren Hotelzimmern ein. Ole Llnksmehrhelt gesichert Die amtliche Zuteilung der Mandate ist »och nicht erfolgt. Der Ministerpräsident Valladares teilt mit, daß an einigen Orten die Wahl wiederholt werde» müsse und daher das endgültige Wahlergebnis nicht vor Donnerstag bekannt sein wird. Das Sekretariat der Republikanischen Linken behauptet, daß dir Linksparteien im neuen Parlament 274 Mandate gesichert haben, andere Schätzungen sprechen von 251. selbst der spanische Innenminister, der sich bisher äußerste Reserve auferlegt hat, gibt jedoch z«, daß die Linke die absolute Mehrheit haben wird. Die Aufteilung der Mandate unter Studrntenorganisationen wenden. Schließlich lehnte der Bundesrat die Schaffung von Wirtschafts st eilen der NSDAP tn der Schweiz ab. Diese. Dkaßnahmen sind zum großen Teil wohl auf die entschlossene Haltung zurückzuführen,' die die Schweizer Presse nach dem Myrd an Güstloff gegen das Uebergreifen reichsdeutscher Agitations- und Orgänisationsformen auf Schweizer Boden eingenommen hat. Die Presse, weist scharf die Vorwürfe der reichsdeutschen gleichgeschalteten Presse zurück und prote« die einzelnen Gruppen der Linksfront ist bisher nicht bekannt. Man nimmt an, daß der bisherige Ministerpräsident Valladares spätestens Freitag zurücktreten und dem Führer der Sozialisten A z a n a Platz machen wird. Tie Ausländskorrespondenten schreiben den großen Erfolg der Linken znm großen Teil dem Umstand zu, daß die Anarchisten und die Mitglieder des Allgewerkschaftsverbandcs der Arbeit, die sich ursprünglich der Abstimmung enthalten wollten, massenweise für die Linksfront gestimmt haben. Ministerpräsident Vallarades teilte der Presse mit, daß im ganzen Lande Ruhe herrsche. Nur an einigen Orten hätten politische Ilnsamm- lungen stattgefunden, die aber von der Polizei mühelos aufgelöst werden konnten. In B a l e n- c i a.hätten die Gefangenen rebelliert, sie seien aber mit Hilfe von Polizeikräften wieder zur Ordnung gebracht worden. In A l i c a n t e habe die Menge ein Lepra-Hospital gestürmt und die Aussätzigen freigelaffen.' Aus zuverlässiger Quells verlautbart, daß bei der Gefangenenrevolte in Valencia ein Po lizeioffizier getötet und mehrere Personen verletzt wurden. Auch bei einer Revolte im Gefängnis von Cartagena, wo die Gefangenen bei dem Bekanntwerden des Wahlergebnisses ihre Freilassung forderten, gab es einen Toten und mehrere Verletzte. Der Aufruhr wurde auch hier unterdrückt. stiert dagegen, daß man der Schweiz eine Mitschuld an dem Mord anhänge; sie antwortet vielmehr, daß der Schweizer Boden nur rein zufällig der Schauplatz der Mordtat geworden sei, daß aber die Ursachen hiezu inDeutschland selbst geschaffen worden seien; dabei wird namentlich auf die lange Reihe von Morden an Feinden des Hitlersystems und auf den 30. Juni verwiesen. Das Organ der freisinnigen Partei „Der Bund" schreibt zu dem Beschluß des Bundesrates u. a.: Wenn der Bundesrat sich entschlossen hat, die Leitungen der NSDAP, zu verbieten, so ist der Ursprung für diese Maßnahme darin zu suchen, daß der Mord in Davos und die nachfolgenden Ereignisse, wie namentlich der offizielle Charakter der Trauerfeier deutlich erkennen ließen, daß dem Landesleiter von Deutschland aus eine ganz andere Bedeutung gegeben worden ist, als man in der Schweiz hatte annehmen können. Der Bundesrat ist der Auffassung, daß neben den offiziellen Stellen des Deutschen Reiches in der Schweiz— Gesandtschaft und Konsulate— keine inoffiziellen Stellen zu dulden sind, denen gewissermaßen öffentliche Funktionen.zukommcn. Wannenmacher trauert Der Sieg der spanischen Linken ist so durchschlagend, daß sogar die sudetendeutsche Provinzpresse, zu deren stolzer Tradition es gehört, sozialistische Erfolge geschickt zu verkleinern, diesmal den Ruck nach Links, der in dem einst zu den rückständigsten Ländern gehörenden Spanien erfolgt ist, zugeben muß. Auch die„Deutsche Presse", welcher die Kunde von der Niederlage des Katholikenführers Gil Nobles sehr unangenehm in die Ohren geklungen haben mag, berichtet,„daß die linke Volksfront nicht unbedeutende Erfolge errungen hat", wenn sich auch das christlichsoziale Blatt damit tröstet, daß ein Experiment mit der äußersten Linken nicht erfolgen wird. Nur ein Blatt macht angesichts des sozialistischen Wahlsieges krampfhaft beide Augen zu: das Organ des ehemaligen Börsenredakteurs Wanenmacher, zugleich Hauptorgan der„eindeutig sozialen" Sudetendeutschen Partei,„Dir Zeit". Sie sucht über den unangenehmen Tag hinwegzukommen und spendet ihren Lesern Trost, indem sie ihnen dreispaltig erzählt, daß„150.000 beim letzten Olympia-Lauf" waren und ihneir dazu als köstliche Delikatesse das Bild des„Führers"(nicht des Stammes, sondern des obersten Führers) serviert und dazu allen, die an Henlein glauben, die frohe Botschaft bringt, daß Tokio— Gott sei Tank, daß es noch die gelbe Rasse gibt— Verhandlungen ablehnt und„Litwinows Reisewunsch brüsk zurückgewiesen" wurde. Während also Henlein nach München gefahren ist, fährt Litwinow nicht nach Tokio, was wieder die Hoffnungen der Wotangläubigen höhersteigen lassen wird. Auch im Leitaufsah findet man kein Wort über die interessanteste und wichtigste Meldung des TageS, sondern aus Verzweiflung hat die auf der Prager Effektenbörse geschulte Redaktionsleitung der„Zeit" einen Artikel über— die friedliebenden Absichten Deutschlands veröffentlicht. Lebhaft wird darüber geklagt, daß„einer Welt, die, aus dem Kriege geboren, zum Kriege steuert und ständig nach einem Verantwortlichen sucht, dem sie die Schuld am eigenen schlechten Gewissen zuschieben könnte. ... eine klare und friedliebende Neutralität, wie die des Deutschen Reiches, unverständlich sein" müsse. So muß man also lange Zeit in der „Zeit" suchen, bevor man findet— ja was denn? Daß in Spanien Alarmzustand ist und nur iin Untertitel zu dieser Meldung wurde der Wahlsieg der Linksparteien vermerkt. Dabei ist in dem Bericht fett und breit gedruckt, daßdieBürse geschlossen wurde! Das hat den Herrn Wannenmacher an den Nachrichten aus Spanien am meisten gekränkt. Die verfluchten Marxisten, die einen solchen Wahlsieg errungen haben, daß sogar die Börse geschlossen wird! DieseS-Jnterösse des Hauptblattes der Sudetendeutsche» Partei für die Madrider Börse läßt uns einen tieferen Blick in die Brust der Henleinjünglinge in Prag tun als alle bisherigen Reden des Stammesführers — oder wie die Abessinier sagen Raz— Konrad Henlein. Den Preis aber in der Information des, sudetendeutschen Bürgertums muß jeder Unvoreingenommene der„Bohemia" zuerkennen. Sie hat Donnerstag einen Artikel ihres spanischen Fachmannes Dr. F. Wahl gebracht, in welchem sie auseinandersetzt, daß in keinem spanischen Wahlkampf so viel Geld ausgegeben wurde, wie diesmal„natürlich von jenen Kreisen, die über dis nötigen Mittel verfügen, und das sind im allgemeinen die offenen oder heimlichen Gegner der Republik". Dazu kommt noch, daß die Sozialisten „in mehrere feindliche Gruppen zerrissen" sind, was„die größte Schwäche der Links front" ist. So seien also die Aussichten Gil Nobles günstige und der Artikel schließt mit der Fragestellung— wer Aussichten hat, König von Spanien zu werden! Die Wünsche, die der spanische Berichterstatter der„Bohemia" geäußert hat, sind für das Denken gewisser Kreise unserer Landsleute ebenso charakteristisch wie der Versuch, der.„Zeit" einfach nicht zu sehen, was in Spanien vorgeht. Aber der spanische Linkssieg ist doch so ausgiebig, daß er auch in den sudetendeutschen Städten und Dörfern ein Echo finden wird. Er ist eine Warnung auch für die sudetendeutsche Reaktion upd eine Hoffnung der sudetendeutschen Linken. Aus einem Besuch Konrad Henleins beim spanischen Kög'g wird in der nächsten Zeit wohl nichts werden. Es wird nichts anderes, übrig bleiben, als daß die sudetendeutschen Arbeiter mit Herrn Konrad spanisch reden. Hm Neuer Landesleiter MIC □CllWCIZ wird nicht mehr geduldet gegen NSDAP-Propaganda Bern. Ter Bundesrat hat auf Grund eines Berichtes der BundrSanwaltschaft über die Tätigkeit nationalsozialistischer Organisationen in der Schweiz und auf Antrag des Justiz- und Polizeidepartements beschlossen, eine Landesleitun g und Kreisleitungen der NSDAP in der Schweiz in irgendeiner Form künftig nicht mehrz n zulassen. Die grundsätzliche Frage der weiteren Zulassung von ausländischen politischen Bereinigungen in der Schweiz wurde dem Justiz- und Polizridepaxtemrnt in Verbindung mit dem po» litischrn Departement zur Prüfung und Berichterstattung überwiesen. Seite 2 Mittwoch, IS. Feber 193« Nr. 42 Steuergerechtigkeit tut not! Genosse Kemer für verschärfte Besteuerung der vermögenden Klassen Im Abgeordnetenhaus erstattete am Dienstag der tschechische Genosse R e m e 6 einen instruktiven Bericht über den StaatSrechnungs- abschlust für 1934, dessen relativ nicht allzu ungünstiges Ergebnis bereits aus früheren Veröffentlichungen bekannt ist. Remes beschäftigte sich u. a. ausführlich mit dem Problem der Steuerbelastung der einzelnen Bevölkerungsschichten und verlangte kategorisch Abhilfe, weil die Steuerlast keineswegs alle gleich treffe. Die Armen und sozial Schwachen sind immer am ärgsten daran, weil ihnen jede Krone an direkten und indirekten Steuern buchstäblich vom Mund weggerissen wird, während die wohlhabenden Schichten die Steuern nur ihrem überschüssigen Einkommen entnehmen. Es ist daher notwendig, die direkte Besteuerung der großen Steuerträger gehörig auozubauen, um ein Gegengewicht gegen das System der BerbrauchSsteuern zu haben. Wieviel Steuern zahlt die Slowakei? Interessant waren die Aufstellungen des Referenten über die Steueraufkommen nach den einzeliren Ländern. Demnach entfallen 83.7 Prozent der eingezahlten direkten Steuern aus die historischen Länder und nur 14.3 Prozent auf die Slowakei und Karpathenrußland. Dafür beträgt die Quote der beiden östlichen Länder au den Steuerrückständen nicht weniger als 22 Prozent. Fünf Sechstel aller direkten Steuern werden also von den historischen Ländern aufgebracht. Diese Ziffern sind der slowakischen Volkspartei schon mit Rücksicht auf die schwebenden Verhandlungen über ihren Regierungseintritt gewiß sehr unbequem, weil sie zeigen, daß jedwede Autonomie für die Slowakei ohne große Zuschüsse aus den historischen Ländern wirtschaftlich mit einem Debakel enden müßte. Deshalb suchte auch sofort der Hlinkamann Salat dem Hause im Gegenteil zu beweisen, daß die Slowakei noch verkürzt werde und auf die„zu stark favorisierten" Interessen der historischen Länder nur noch draufzahle. An dem Ziffern- material des Genossen Reines konnte er natürlich nicht im mindesten rütteln.— Die Aussprache über den Rechnungsabschluß wird Donnerstag vormittags 10 Uhr fortgesetzt werden. SdP unzufrieden Im Einlauf der Sitzung befand sich u. a. eine Reihe von Interpellationen der SdP., worin über einzelne Versammlung-Verbote etc. bittere Klag« geführt wird. Die Antwort der Regierung auf die Interpellation der SdPr„wegen der gesetz- und statutenwidrigen Tätigkeit einiger Gewerkschaften", womit freie Gewerkschaften getroffen werden sollten, die einige Henleinanhänger aus rein internen Gründen aus ihrer Mitte ausschlossen, dürste die SdP. schwer enttäuscht haben. Wir konunen darauf noch ausführlicher zurück. Innerpolltische Verhandlungen Dr. Hodzas Prag. Amtlich wird gemeldet: Der Vorsitzende der Regierung Dr. HodZa verhandelte Dienstag mit einigen Ministerkomitees zweckt Beendigung der Redaktion jener Gesetzentwürfe, über die in der letzten Woche noch keine Einigung erzielt wurde. Der Vorsitzende der Regierung wird diese Verhandlungen Mittwoch vormittags Mil dem Ziele sortsetzen, sie zum Abschluß zu bringen, so daß am Donnerstag, an welchem Tage auch der Ministerrat zusammentreten wird, das Abgeordnetenhaus weitere Regierungsvorlagen erhalten könnte. Mittwoch wird Dr. Hodza auch die Verhandlungen mit den bevollmächtigten Vertretern der slowakischen Volkspar- t e i fortsetzen. Das Ergebnis seiner bisherigen Verhandlungen mit dieser Partei über grundsätzliche Fragen wird dann der Vorsitzende her Regierung zum Gegenstand von Verhandlungen mit den Koalitionsfaktoren machen. O Für Freitag ist die Reise des Ministerpräsidenten nach Belgrad angesetzt, wo er sich bis Dilinstag, den 23. ds. aufhalten dürfte. Nach den bisherigen Dispositionen soll das HauS nach der Donnerstagsitzung erst wieder am 27. Feber zusammentreten, um sich mit der Vorlage über den Staatsfeiertag am 7. März, dem Geburtstag Masaruks, zu beschäftigen. Die Vorlage soll vom Senat, wo sie bereits die Ausschüsse passiert hat, in den ersten Tagen der nächsten Woche angenommen werden. Falls die Regierung dem Hause am Donnerstag bereits einige Vorlagen aus ihrem nächsten Arbeitsprogramm zustellen sollte, so würden sofort die Ausschüsse an die Arbeit gehen. Das Plenum des Hauses soll in der ersten Märzwoche wieder zusammentreten, um dann vor Ostern in intensiver Arbeit das dringendste Arbeitsprogramm zu erledigen. Gemeinsamer Aktionsausschuß der Klelnbauemverbfinde Die Vertreter der vier Kleinbauernverbäno: (Zentralverband der deutschen Kleinbauern und Häusler, Prag, llstkedni svaz domkarü a mülo- rclnikü, Praha, Svaz domkarü a malorolnikü. Plzen, Üstkedni jednota üeskoslov. malozemkdälcü, domkakü a Zivnoftnikü) haben sich in den letzter Wochen in mehreren Beratungen mit der gegenwärtigen Notlage des arbeitenden Landvolkes be schäftjgt. Die Untersuchung der Auswirkungen der von den Agrariern eingeleiteten neuen Wirt- schaftspolitik haben zur einmütigen Auffassung ge« führt, daß nur ein einheitliches Borgehen alle: Kleinbauernverbände einen nachhaltigen Widerstand gegen die agrarische ProtektionSwirtschast ermöglicht, die eine Verelendung des Kleinbauernstandes nach sich bringt. Die letzten Besprechungen führten zur Gründung eines Aktionsausschusses, der in allen landwirtschaftlichen Fragen für di- Durchsetzung der sozialen Forderungen des arbeitenden Landvolkes eintreten und mit den sozialistischen Parteien und deren Regierungsvertretern in ständiger Fühlungnahme bleiben wird Im Kampfe um eine gerechte Agrarpolitik bild:: drese Errichtung einer gemeinsamen Internationa- len Plattform der tschechoslowakischen Kleinbauernbewegung ein bedeutsames und erfreuliches Symptom. Wir wünschen und hoffen, daß es dem vereinigten Bemühen der Kleinbauern- verbändc gelingen möge, den Kampf um die Erhaltung der kleinbäuerlichen Existenz erfolgreich zu führen. Bald abgeregt... In der gestrigen Parlamentssitzung verursachten die Kommunisten zu Beginn einigen Krawall» um so gegen das Verbot ihres»Arbeitslosenkongreffes" zu protestieren. Dadurch sollte offenbar auch der neue, durch Gottwald inaugurierte scharfe Kurs gegen die Regierung und die Koalition zum Ausdruck kommen. Die erregten Gemüter beruhigten sich aber sehr bald. Als gegen Schluß der Sitzung der kommunistische Antrag, den Innenminister zum Zwecke der Berichterstattung über dieses Verbot vor das Haus zu zitieren, mit allen gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt wurde, machte sich nicht die leiseste Regung eines Widerspruches oder auch nur der Unzufriedenheit seitens der Kommunisten geltend. Gottwald und Kopeckh leisten die Angelobung. Gegen etliche Kommunisten war bekanntlich seinerzeit wegen eines vor der Präsidentenwahl im Mai 1984 herausgegebenen Flugblattes »Nicht Masaryk, sondern Lenin" ein Schutzgesetzverfahren im Gange, dem sich Gottwald und Ko- peckh durch Flucht ins Ausland entzogen, während Stötka deshalb durch gerichtlich. Verurteilung um sein im Mai 1938 neu erworbenes Mandat kam. Nach der Amnestie anläßlich der letzten Präsidentenwahl war die Luft nunmehr rein und Gottwald und Kopeckh konnten unbesorgt zurückkehren, um ihr Mandat anzutreten. In der gestrigen Parlamentssitzung leisteten nun beide die Angelobung als Mitglieder des neuen Parlaments. Im Ostrau-Karwiner Revier läuft am 31. März d. I. der Vertrag der Gewerkschaftsorganisationen mit den Gewerken über die Wechselurlaube und über djc Nichtentlassung von Bergarbeitern ab. Die Beschäftigung im Bergbau weist keine Befferung auf und daher berieten am Dienstag die Bergarbeitergewerkschaften über die Verlängerung dieses Vertrages um ein weiteres Jahr. Eine Redaktionskommiffion wurde gewählt, welche ein entsprechendes Ersuchen ausarbeiten und gleichzeitig die Direktorenkonferenz um eine Aussprache über einige Bestimmungen des Kollektivvertrages ersuchen wird. Um Bakas Reparaturwerkstätten. Ein Subkomitee des Gewerbeausschusses befaßte sich mit 82 Petitionen von gewerbeparteilicher Seite betreffend die Fabrik-Schuhreparaturenwerkstätten und Verkaufsstellen, deren es im ganzen Staat rund 2400 gibt. Da sich im Laufe der Debatte zeigte, daß die einzelnen Ausschußmitglieder den Standpunkt ihrer Fraktionen noch nicht genau präzisieren konnten, wurde beschloffen, die Ange- ’ttfteftMf' chllst vskASchsttz SitzitnH W^rrtajM, die in 14 Tagen stattfinden soll. Auch die anwesenden Vertreter des Handels« und des Fürsorgeministeriums nahmen zu dem Problem noch keine konkrete Stellung ein. Die Ausweisungen aus Polen. Bis zum Ende des Jahres 1933 wurden aus Polen 160 Tschechoslowaken ausgewiesen. Mit den Familienangehörigen ergibt sich insgesamt eine Zahl von 364 ausgewiesenen Personen. Weitere 65 tschechoslowakische Staatsangehprige waren gezwungen, Polen infolge des Verbotes der Beschäftigung zu verlassen. Ankauf der Ostrau-- Friedländer Eisenbahn durch den Staat. Die Regierung hat dem Abgeordnetenhaus einen Gesetzentwurf über die Erwerbung der Ostrau-Friedländer Bahn durch den Staat mit Rechtskraft vom 1. Jänner 1986 unterbreitet. Die Bahn besteht aus einer Hauptstrecke, die 32.6 Km. lang ist und von Mähr.-Ostrau nach Friedland führt, andererseits aus der in der Station Kuncice von der Hauptstrecke abzweigenden Lokalbahn, die sich in Tschechisch-Teschen an die Strecke der Kaschau- Oderberger Bahn in der Länge von 80.2 Km. än- schließt. Die beiden Bahnstrecken weisen bei verbürgter Kohlenbeförderung stets eine erhebliche Rentabilität auf. Der Staat hat die überwiegende Zahl der Aktien bereits ftüher angekauft und hat nur den Dienst der Prioritätsobligationen sowie den Ankauf der noch ausständigen Aktien zu übernehmen. Österreichische l-andesrezleruns Segen Helmwehr Linz.(Jntro.) In dem immer Heftigeren unterirdischen Kampf zwischen der Heimwehr uno. den alten Christlichsozialen, hat die Heimwehr’’ nun eine Niederlage erlitten. Vor einer Woche ist in Oberösterreich zwischen Heimwehr und Christlichsozialen ein Konflikt ausgebrochen, weil die letzteren die Entfernung dreier hoher Heim- wehrfunktionäre, die sich Unterschlagungen zuschulden kommen ließen, aus den Steyerwerken erzwungen hatten. In einer deshalb einberufenen Heimwehrversammlung wurden scharfe Angriffe gegen die alten Christlichsozialen gerichtet, welche dann in der klerikalen»Rieder Volkszeitung" energisch zurückgewiesen wurden. Daraufhin ließ. der oberösterreichische Sicherheitsdirektor, der monarchistische Heimwehrführer Graf R e v e r- t e r a(der übrigens vor kurzem mit der Delegation Starhemberas in Steenokerzeel gewesen ist), das Blatt beschlagnahmen. Es war dies die erste Beschlagnahme eines christlichsozialen Blattes in Oesterreich. Nun hat aber die Landesregierung dem Heimwehrsührer eine empfindliche Niederlage bereitet, indem sie mit Erlaß 1/7/47 ex 36 die Beschlagnahme der»Rieder Volkszeitung" als ungesetzlich aufhebt. In Oberösterreich haben sich die Gegensätze zwischen Christlichsozialen und Heimwehr scharf zugespitz und hier zuerst zu Auseinandersetzungen geführt, in deren Verlauf christlichsoziale Bauern Heimwehrleute verprügelten. Neuer Flüchtllnsskommlssar Genf. Die Ernennung des englischen Gene- ral-MajorS Neill Malcolm zum einstweiligen Oberkommissar für die deutschen Flüchtlinge wurde Dienstag vom Völkerbundsekretariat durch ein Telegramm des stellvertretenden Generalsekretärs an den Ernannten bekanntgegeben. Neill Malcolm ist damit Nachfolger des Ende vorigen JahreS zurückgetretenen Macdonald. Flüsterpropaganda in Oberschlesien Warschau. Die polnischen Behörden haben in Oberschlesien eine geheime deutsche Organisation, die sich»deutsche nationalsozialistische Be- loegung" nannte, aufgelöst. Es wurden 33 Deutsche verhaftet. Das Organ der polnischen Sozialisten»Robotnik" schreibt, daß die deutsche Propaganda unter den Angehörigen der deutschen Minderheit in Polen Nachrichten verbreite, daß es im nächsten Jahr in Oberschlesien zu einer Volksabstimmung kommen werde. MANNER, FRAUEN UNO WAFFEN Roman von Man red C eorg I ■imiiii■■mm ii iiif»» nut—— Copyright by Dr. Manfred Georg, Prag Fisch klappte das Buch zu und stand befriedigt auf. Für ibn war der Fall erledigt. Er seinerseits liebte die klaren Dinge und würde jetzt auf Nummer 45 den längst fälligen Einlauf machen. Eigentlich hatte Schumann mit Mardrier noch am Morgen sprechen wollen. Aber er war nach der in angstvollen Visionen"durchwachten Nacht zu erschöpft gewesen. Er tröstete sich auch damit, daß Mardrier ja keineswegs aus der Welt ging. Man brauchte nur der Spur seiner Vorträge zu folgen, um ihn bestimmt zu erwischen. Gegenüber der Ungewißheit der Vergangenheit schien so kleine Trennung von diesem neuen großen Leuchtturm der Hoffnung, der plötzlich wie durch ein Wunder aus dem Boden getaucht war, kaum der Rede wert. Er hatte mit Haydöe kein Wort über den Vorfall gewechselt. Sie saßen allein im Abteil. Hinter Payersbach begann er: „Sagen Sie, eine Stadt mit Palmen und Schutzleuten unter weißen Sonnenschirmen ist eigentlich nur eine sehr schwache Beschreibung, es gibt doch hunderte, ja tausende solcher Städte. Im Süden, in Westindien, in Südamerika. Glauben Sie, daß er ein Schwindler ist?" Haydöe antwortete sehr prompt und überzeugt: „Ich halte ihn für einen der größten Lügner, die es gibt. ES ist doch kein reines Hellsehen, was er gezeigt hat. Die Vorstellung der Finger- vi rletzung Gabrieles war doch in Ihrem Bewuht- scin. Was hat sie eigentlich? „Ein Hund auf dem Hofe hat sie gebissen. Der Finger ist etwas kürzer, hat keinen Nagel, sondern nur eine etwas vernarbte Fleischkuppe. Aber der Zusammenhang ist doch befremdend. Er liest meinen Namen, läßt mich heraufkommen, weiß die Geschichte mit dem Dorf und dann— diese südliche Stadt ist doch eine ganz detaillierte Vorstellung als solche, wenn sie natürlich auch für mich nicht ausreicht. Hängt also alles davcn ab, ob er noch zu weiteren Aussagen zu bringen ist. Denn, daß Gabriele in irgendeiner solchen Umgebung ist, lag außerhalb meines Bewußtseinsradius." Haydee sah einen Augenblick vor sich hin. Es war, als entschlösse sie sich zu etwas, das ihr sehr unangenehm tvar. Sie beugte sich vor und betrachtete zärtlich das gequälte Antlitz des Mannes. Er spürte die Wärme ihrer Augen fast körperlich. hatte ein ihm selbst unerklärliches heißes Gefühl, als ob sic die Arme auSstreckte, ihn herüberriß, wie um ihn zu schützen oder zu nehmen. Aber nicht dergleichen geschah. Ihr Blick wurde nur dringender, forschender, und hinter diesem Blick verhandelte-sie offenbar mit sich selbst. Es schien ihr sehr schwer zu werden, war wie ein Abschiednehmen, wie ein Entschluß von großer Tragweite. Dann schöpfte sie tief Atem und ließ sich fallen. So oder so mußte es gehen. Man konnte wohl hier nicht schweigen. Sie sah durchs Fenster, auf aufgeweichte Wiesen, in deren Pfützen eine fahle Sonne waffermilchfarbige Reflexe spiegelte und sagte gegen die Fensterscheibe: „Ich weiß nicht warum, ich habe Angst vor Mardrier. Menschen, die so sanft sind wie er, fast mädchenhaft, und bei denen die Brutalität so maskiert ist, sind meist zu allem fähig. Schon be! der Nennung seines Namens mußte ich unwillkürlich Mardrier mit Meurtrier assoziieren. Aber, was er Wer Gabriele gesagt hat. ist— glaube ich— wahr. Vielleicht beginnt morgen ihr Leben. Ich denke, daß alles anders werden wird. Vielleicht besser. Das kann niemand wissen. Es ist mir nur ein beklemmendes Zeichen, daß es dieser Mann ist, den daS Schicksal an die Wende gestellt hat. Werden Sie ihn ertragen, oder wird er stärker sein als Sie? Er ist sicher nur ein Werkzeug. Er ist wie'eine Tür, durch die man hindurchgehen muß. Man muß sich vorsehen, daß man auf der Schwelle nicht ausgleitet." „Sie werden mir nicht helfen?" „Vielleicht. Nicht immer. Wer weiß, wo Sie in einem Monat sein werden. Und ich. ich habe doch eigentlich einen Beruf. Machen Sie keine so verächtliche Miene. Der Beruf ist für mich sehr wichtig. Ich wäre längst vor die Hunde gegangen, weml ich ihn nicht hätte. Er allein löst die hundert Spannungen, die in mir sind. Er befriedigt meinen Körper, er genügt meiner Eitelkeit, er füttert meine Erfolgssucht, ja— sogar manche Lust wird dadurch, daß ich sie ausstelle, gesättigt. Sie wissen nicht, was für Menschen meiner Rasse der Tanz bedeutet, den wir auf dem Asphalt und den Parketts uns ewig fremder Städte tanzen. Er ist die einzige Verbildung mit der Vergangenheit, die mich von Kopf bis Fuß füllt. Aber das braucht Sie nicht zu überzeugen. Warten Sie ab, was ich tun werde. Wir wissen wenig voneinander. Für meine Abhängigkeiten haben Sie sich jedenfalls nicht viel interessiert. Aber Sie brauchen sich deswegen nicht zu entschuldigen. Ich will Sie ja. Es lockt mich, jemanden so auf der Grenze des Lebens balancieren zu sehen. Sie haben ein Uebevmaß an Gefühl. daS die meisten Männer Ihres Schlages noch nicht einmal ahnen. Wenn es zu greifen wäre,> würde ich Ihnen einmal nachts die Brüst aufschneiden, um es i' der Hand klopfen und pulsen zu fühlen. Das habe ich neulich geträumt. Wenn Sie Ihr Gefühl mästen, wird es Sie eines Tages an die Lust sprengen. So wie es uns, die wir etwas besser noch mit dem Schoß, der uns getragen hat. verbunden sind, bisweilen zum Platzen bringt. Wehe der Frau, die sich da nicht auffängt. Die sich einfach auflöst, ausläust, kraftlos versinkt in dem Schatten der Selbstaufgabe. Da ist dann der Gedanke an Selbstmord etwas Verlockendes. Er flüstert so überzeugend, wispert des Nachts am Bettrand, hockt in den Lichtreklamen der Bars, in denen man sich besäuft, oder rinnt einem auf der Straße als Regen zwischen Hals und Mantelkragen. Sehen Sie sich doch die Frauen an, die sich nicht in der Hand hcwen. Alle die armen Mädchen, die verzottelt ihre Hängebusen unter den Laternen hin- schlrifen, verstriemt von den Gelüsten herumlungernder Tiere in Pelzpaletots, hatten sich einmal nicht in der Hand. Es gibt freilich auch andere, die verkommen aus lauter Angst davor, einmal ihr Gefühl wirflich zu erproben. Sehen Sie sich die behüteten Fertpopos an, die am Nachmittag die Stühle der Konditoreien in den Städten drücken und sich Süßigkeiten in die roten Herz- mündchen stopfen, daß ihnen bald das faltige Fleisch über die Hüsten quillt. Und auch die braven, blassen Mädchen, die eines Abeirds am Fensterkreuz hängen, das höchst tugendhaft in Debet und Kredit auf Null übgerechnete Haushaltsbuch ihres Lebens auf dem Tisch, die, von schwachen und willenlosen Eltern gezeugt, oft schon in der Wiege verpfuscht waren.— Ich halte Ihnen eine Predigt wie ein Mann. Mag sein." Der Zug rollte mit hohlem Donnern über einen Viadukt. Schumann vergaß einen Augenblick bei dem leidenschaftlichen Ausbruch Haydses sich selbst. Und dieses Vergessen war ein angenehmes Gefühl, war wie ein Schluck Wasser nach langem, schwerem Durst. „Warum erzählen Sie mir das?" „Weil Sie des Nachts in der Tür Ihres Zimmers, verglast, fern und doch von einer seltsamen Nähe für mich waren. Alle unsere Begegnungen sind Erinnerungen. Die können lange zu- rückliegen. Die kann ein Ahn, der in uns lebt, schon gehabt haben. Ich weiß nicht, warum ich im Augenblick damals so plötzlich durchzuckt war von Ihrer Nähe. ^Fortsetzung folgt.) Nr. 42 Mittwoch, 19. Feber 1936 Seite 3 fudetendeutscher Zcitepiegcf I der litt- * nur den Troppauer Stadttheater gesichert In der lehten Sitzung der Troppauer Stadt- Vertretung wurden Beschlüsse gefaßt, die den Betrieb des Stadttheaters für die nächste Spielzeit mitallendreiSpielgattungen sichern. Tie Oper wird also nicht aufgelassen, was nicht nur von künstlerisch-kultureller Bedeutung ist, sondern auch einer ganzen Anzahl von Sängern und Musikern Wirkungsmöglichkeit und Existenz sichert Die Troppauer Stadtvertretung hat weiter die Absicht, in der kommenden Spielzeit der Direktion einen monatlichen Zuschuß von 18.000 XL auf die Löhne der Bühnenarbeiter zu bewilligen. misch-Partenkirchen gefahren war, erhielten di- Arbeiter ihren Lohn für mehrere Tage nicht ausgezahlt und auch die Lebensmittelkarten nicht auS- gefolgt. Was sagt der AufsichtSrat der Braukommune dazu? Weil der Herr Kassier sein Herz in Garmisch hat, stehen hungrige Arbeiter am Wochenende ohne Lohn und Brot da! Washington. Das Repräsentantenhaus hat die Ausgaben für die Annee im Betrage von 558 Millionen Dollar angenommen, von welchem Betrage 390 Millionen für rein militärische Ausgaben bestimmt find. Es ist dies der größte Bettag, der jemals für di. Armee in Friedenszeiten vom Repräsentantenhaus ange-, noulmrn wurde. Warschau. Auf Einladung der belgischen Regierung wird sich Außenminister Beck am 2, März nach Brüssel begeben. Bald darauf wird der belgische Ministerpräsident Van Zeeland Warschau besuchen. Charbin. Das mundschurische Außenministerium übermittelte dem sowjetrussischen Generalkonsul Slawutskij eine scharfe Rote, in der die Kameraden erzählten Morgenstern und Liehmann, daß sie bei diesen Gelegenheiten gut zu essen, und zu trinken,' aber auch Geld bekamen. Es wurde auch beraten, wie nach österreichischem Beispiel Bomben und Böller herzustellen sind. Versuche, die Morgen st ern im Feber 1934 unternahm, schlugen fehl. Später erhielten dir Beschuldigten Böllrrmuster aus Deutschland, Die Hauptverhandlung wurde unter Ausschluß der Oeffentlichkeit durchzefiihrt. Bon den Angeklagten sind Knöchel und G r über nicht erschienen und es ist unzweifelhaft, daß wenigstens Gruber sich in Deutschland befindet. Nach der Einvernahme der vier Angeklagten sagten die Belastungszeugen, Gendarmen des Teplitzer Postens, aus, worauf die V e r- Handlung vertagt wurde. Aus Deutschland nicht zurüdcgekehrt... Vor einigen Tagen verließ der Dienstmann Eberle seinen Wohnort Joachimsthal iN der Absicht, für seinen 18jährigen Sohn, einen Kellner, einen Arbeitsposten ausfindig zu machen. Eberle, der sich im Besitze eines gültigen Rcise- paffeS befand, wandte sich vorerst nach Weipert. scheint aber, nachdem seine Bemühungen dort offenbar, erfolglos geblieben sind, die Grenze be» Bärenstein überschritten zu haben, denn es fehlt seither von ihm jede Spur. Ein ähnlicher Fall ist der des Arbeiters Lebnhart aus Ioachims- thal, der sich vor Wochcnfrist einen achttägigen Urlaub nahm, um seinen in Deutschland lebenden Verwandten einen Besuch abzustatten. Bon diesem Ausflug über die Grenze ist Lehnhart nicht zurückgekehrt; doch erhielt seine Frau von feiten ihrer Verwandtschaft in Sachsen die Nachricht, daß Lehnhart aus unbekannten Gründen verhaftet worden sei. JohnSdorf".., Aber das nicht minder gutvölkische..Deutsche'Slawutskij soll diese Note in entschiedenster Weise Vvlksblatt" in Komotau Hatte schon am 11. Feber abgelehnt bähen. Snmsl zwei erfreuliche Nachrichten Betriebs-Wiederaufnahme in Ostböhmen Der Webereibetrieb der Firma A. Heinze! in Heinzendorf wird in den nächsten Wochen, wenn auch nur vorübergehend, auf einige Monate seine Arbeiter und Arbeiterinnen wieder in die Arbeit einstellen, da ihm eine größere Staatslieferung zugewiesen wurde. Genoffen Erben und Rambauske gelang es, die Anerkennung des im Bezirke gültigen Kollettivvertrüges und die regelmäßige tur- nuSweise Beschäftigung aller betriebszugehörigen Arbeiter sowie die Anerkennung des früheren BetriebsauSschuffeS durchzusetzen. Das bedeutet gegenüber dem vorjährigen Zustande eine um zehn Prozent bessere Bezahlung, ist also ein unbestreitbarer Erfolg, der erst nach langer und mit aller Leidenschaft geführter Auseinandersetzung erzielt werden konnte. Im Verhändlungsprotokoll würd' ferner festgelegt, daß eine Bevorzugung gewisser Arbeiter, die nicht der freigewerkschaftlichen Union angehören, vermieden werden muß. „Pack die Koffer wieder aus! die bei Novotny zerlegt wurden und als Muster für selbstverferttgte dienten. Diese sollten am 1. Mai in einen Umzug der Sozialdemokraten, Kommunisten oder der Tschechen geworfen werden. Etwas„Interessantes** Bei der Durchsuchung wurden am 30. April bei Novotny Skizzen gefunden, aus welchen hervorging. wo sich die NS-Jugend mit den reichsdeutschen Hakenkreuzlern zu ttefien pflegte. Am 11. April kamen zu Morgenstern drei Männer aus Deutschland. Am 24. April erfuhr Novotny von einem ihm dem Namen nach nicht bekannten NSJ- Mitglied aus Wisterschan, daß Morgenstern und andere für den 1. Mai etwas„Interessantes" vor bereiten. Zwei Tage später erkundigte sich M o r gen st ern bei Novotny nach einigen Din aen, die für die Böllerherstellung in Bettacht kamen und am 25. April versuchte Liehmann bei Novotny Hakenkreuze aus Blech herzustellen, die später mit zur Füllung der Böller verwendet werden sollten. Eine Hausdurchsuchung bei Morgenstern und Liehmann förderte zahlreicher Material zutage, welches die Tätigkeit der Angeklagten und ihre Pläne beleuchtet. Die beiden Verhafteten gestanden zunächst, am 1. Mai in Teplitz Hakenkreuz« gemalt zu haben. Morgen st ern gab später zu, in Verbindung mit dem Hakenkreuzler Mauritz Richter getteten zu sein, der früher nationalsozialistischer Parteisekretär in Teplitz gewesen war und jetzt im Dienst der Dresdner Propagandakanzlei steht. Von Richter erhielt er Instruktionen, die er an seine Freunde weiterleitete. Liehmann gestand, an Herstellung der Böller mitbeteiligt zu fein. Alfons: Diesmal war es oicdts. auch inGörkau, Böhm.- Leipa und an- derswo tobten sich die Hakenkreuzler durch Beschmieren von Häusern und Straßen mit Hakenkreuzen, Hissen von Fahnen und ähnliche Bravourtaten aus. Anschläge mit Böllern wurden auch inTeplitz-Schöna» rechtzeitig aufgedeckt und verhindert. Tie Untersuchung aller Fälle führte zu dem Schluß, daß diese Aktionen im Einvernehmen und mit Unterstützung von Personen vorbereitet wurden,' die nach Deutschland geflüchtet sind und dort gemeinsam mit reichsdeutschen Stellen gegen die Republik arbeiten. Dieser 1. Mai hat nun ein gerichtliches Nachspiel. Bor einem Straffenat des Leitmeritzer Kreisgerichtes begann Dienstag die Verhandlung gegen sechs Angehörige der ehemaligen nationalsozialistischen Jugend, welchen die Anklage Verbrechen und Vergehen nach dem Schutzzesetz, ferner Uebertretung des Waffenpatents und in einem Falle auch Diebstahl zur Last legt. Gegen alle Beschuldigten, und zwar den Friseur Lothar Morgen st ern, den Schlosser Ferdinand Liehmann, beide aus Teplitz, den Friseur Josef Novotny aus Proffeditz, den Zuk» kerbäckergehilfen Alfred Knöchel aus Teplitz, den Beamten Karl H ü t t l aus Kolleschau und den Friseur Siegftied Gruber, genannt„Fips", aus Teplitz bestand seit längerer Zeit der Verdacht, daß sie die T ä t i g k e i t der NSDAP f o r t s e tz- t e n und mit reichsdeutschen Stellen in Verbindung waren. Von dem unvorsichtigen Novotny erfuhr die Gendarmerie, daß er mit Liehmann und Morgenstern am 11. April 1934 in Sachsen war, wo sie eine geheime Zusammenkunft mit SA-Leuten hatten. Splonare für Deutschland Dabei sah Novotny eine Karte des Teplitzer Gebietes, auf welcher mit Fähnchen die Objekte bezeichnet waren» die zu Spionagrzwecken photographiert worden waren oder noch tzhofographjrtt werden sollten. Solche Besprechungen* fanden wiederholt statt. SdP-Terrorlsten nach dem Terrorgesetz verurteilt Am Vortage der letzten Parlamentswahlen, am 18. Mai 1935, war der Arbeiter Franz M a x a n d aus L o b o s i tz nach Mille- s ch a u als Wahlagitator für die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei gekommen und hatte am Ortsplatz Wahlflugzettel verteilt. Dabei war er mit einer Gruppe von SdP-Leuten in eine politische Auseinandersetzung geraten, da man ihm am Austtilen von Aahlflugzettel hindern wollte und ihm zurief, daß er aus dem Orte verschwinden möge. Die Situation lag für unseren Genossen so, daß er bei dem ihm bekannten tschechischen Postmeister Hora Schutz suchte. Während dieser in seine Wohnung ging, um sich die Schlüssel zur Postamtskanzlei und zum Telephon zu holen, wurden er und Maxand.'der sich ihm angeschloffen hatte, von einigen Personen verfolgt. Dieselben Personen haben dann,— laut Gendarmerieanzeige— versucht, gewaltsam in die Postamtskanzlei einzudringen, als der Postmeister noch in der Tür stand und er habe sich der Andrängenden nur dadurch erwehren löimen, daß er ihnen einen Revolver entgegengehalten habe, während man ihm zurief, daß man noch wegen einer früheren Sache mit ihm abrechnen werde. Ein Straffenat des Leitmeritzer KreiSgerich- tes erkannte die Angeklagten Kinkal und Schlegel der Ueberttetung des Terrors nach 8 1 des Terrorgesetzes schuldig. Kinkal wurde zu zehn Tagen Arre st unbedingt, Schlegel'zu acht Tagen Arrest bedingt mit einer einjährigen Bewährungsfrist verurteilt. In den übrigen Punkten und fiir die weiteren Angeklagten erfolgte ein Freispruch. Wobei bleibt's? In der Henlein-„R u n d- schau" vom 15. Feber lgs man: ,^lam. Abg. Nemeh sprach in den gut be suchten öffentlichen Bersamm«... lungen in Eidlitz. Priesen und in,Sowjets beschuldigt werden, daß sie die Tätig- Johnrdorf". feit der Banditen in Mandschukuo unterstützen. Bomben und Böl er nach reichsdeutschem Muster Hakenkreuzlugend vor dem Leitmeritzer Kreisgericht Der Bonze Dieser Tage veröffentlichte die Presse Hen- leins folgende parteiamtliche Mitteilung: An dem allwöchentlich festgesetzten Be suchstage bei Konrad Henlein können nur solche Angelegenbetten vorgebracht werden, die mit der Bewegung im Zusammenhang stehe«._* Borsprachen in Stellen angelegenheitr«,!Schänlinde wurden drei Bomben beschlag» ...mit Konrad Henlein Am 24. Mai wurde dann auch Knöchel verhaftet, in dessen Wohnung belastendes Material gefunden wurde. Kennzeichnend sind die bei ihm vorgefundenen Anmeldungen Liebmanns, Gr ubers und andererHa- kenkreuzler zur SHF! Ferner wurde H ü t t l verhaftet, da man bei Morgen- st e r n Material gefunden hatte, welches H ü t t l bei der Auflösung der NSDAP dort versteckt hatte. In Hüttls„Fahrtenberichten", dir in die Hände der Gendarmerie kamen, ist die Aufforderung zum Einttitt in die SHF enthalten, die mit den Worten endet:„...dann schließt die Reihen und zieht mit Konrad Henlein derdeutschen Freiheit e« tgtg« st. Sie g Heil!" über die Eidlitzer Versammlung Folgendes berichtet: „D er Besuch ließ sehr zu wünschen übrig» wohl mit Rücksicht darauf, daß am Tage vorher der völkische Ball bei sehr zahlreicher Beteiligung stattgefunden hatte." Was ist also wahr? Hatte Nemetz in Eidlitz„eine gut besuchte öffentliche Versammlung", wie die „Rundschau" schreibt, oder„ließ der Besuch zu wünschen übrig", wie das„Volksblatt" mitteilte? Ein falscher Dachdrckrrmeifter. Ein Mann aus Mensdorf bei Manetin namens Karl Wenisch hatte sich, um auf leichte Weise zu Geld zu kommen, die Rolle eines Dachdeckermeisters zugelegt, in welcher er in verschiedenen Orten Westböhmens insofern« mit Erfolg aufzutteten vermochte, als es ihm immer wieder gelang, neue Opfer zu finden. So „reparierte" er in Hartenberg bei Falkenau das Dach der dortigen Schule und ließ sich von dem Oberlehrer, von dem er erst nicht weniger als 1400 Ke verlangt hatte, für seine„fachmännische Arbeit" 120 ttö ausfolgen, wobei sich zeigte, daß sich d-. Herr Wenisch damit begnügt hatte, einige Zeit auf dem Dache des Schulhauses herumzuklettern und bi- zu tun, als ob er arbeiten würde. Besser glückt: ihm sein Trick in Einsiedel bei Marienbad, wo er für eine„Dachreparatur" ein beträchtliches Honorar ein- kassierte und damit verschwand— nachdem er au? dem Dache statt einer Reparatur durchzuführen, an den Ziegeln beträchtlichen Schaden ängerichtet hatte Bor einigen Tagen nun kam Wenisch auch nach Posteiberg, wo es ihm gelang, die Synagoge zum Decken zugewiesen zu erhalten. Ein Versuch, auch die Reparatur der Dächer der Pfarrkirche und der tschechischen Schule in Aufttag zu bekommen, mißlang, doch hatte sich inzwischen die Gendarmerie näher für die Person des Herrn Wenisch interessiert und nahm ihn fest. Neben den Geschädigten, di« Wenisch in seiner Rolle als falscher Dachdeckernie!- ster hereingelegt hat. beklagen auch mehrer« Gastwirte den Verlust von Zechschulden von mehreren 100 Kö. Weil der Kassier zur Olympiade fuhr! Dieser Tage wurden von der Bürgerlicher Brauerei in Plan einige Arbeitslose, die Lebensmittelkarten beziehen» zum Eis-Einlagern bcrangezogen. Ta aber der Herr' Kassier der «Brauerei auf Urlaub zur Olwnuiade nach Gar- Frauen, f heraus zum Frauentags Der 1. Mai 1934 war von den deutschböhmischen Hakenkreuzlern z« Aktionen ausersehen, die unter Umständen Menschenleben gekostet hätten. ÄnWarnKdorf wurde vor das Partei- i heim eine Bomb« geworfen, die zwar explodierte, glücklicherweise aber niemand verletzte. In persönlichen Unterstützungen und sen-!nahmt, die unter Benützung von Dynamon her- Eln neuer Schlag gegen die katholische Presse Berlin. Die zur Veröffentlich:«^ kirchenbc- hördlicher Anordnungen bestimmten katholischen und evangelischen Zeitschriften waren bisher von der Anwendung des Schriftleitcrgesctzes ausgenommen. Nunmehr hat der Reichspropagaicha- minister angeovdnet, daß diese Befreiung in Zukunft nur noch für solche kirchliche Zeitschriften gilt, die sich streng an die Bestimmung halten, daß sie n u r kirchenbehördliche Anordnungen und sonstige kirchliche Verfügungen veröffentlichen dürfen. Zeitschriften, die sich nicht auf diese Veröffentlichungen beschränken, sind als politische Zeitschriften anzusehen, unterliegen den Bestimmungen des Schriftleitergesetzes und dürfen nur rmter der Verantwortung eines in die Berufsliste eingetragenen Schriftleiters erscheinen. In Variation eines bekannten Sprichworts könnte man da sagen: Kleine Meldungen— große Ursachen. Nicht einmal der voraussehendste unter denen, die das Ende von Henleins Volks- gemeinschastsfahrt prophezetten, hätte annehmen können, daß Henlein selber sobald für die Zer störung des Idols sorgen werde, das aus ihm gemacht wurde. Nun ist er schon so wett, daß er nurnochinParteiangelegen- h e i t e n empfängt. Wer dem„Führer" erzäh- len will, wo es klappt oder wo eS stinkt in der SdP, der darf zu ihm. Wen aber der Schuh drückt, wer in Not und Elend ist, wer sein Herz ausschütten will— der darf nicht zu Henlein, der sich eben noch zum Abgott der Sudetendeut- schen machen wollte. Für alle, die nicht P a r- teireferate zu erstatten haben, ist der Thron Henleins beretts unerreichbar und nahbar geworden...» Will man einwenden, daß daö doch eine Zwangsmaßnahme sein dürfte, die vielbeschäftigten Führer vor einem Massenzu- sttom der Bittsteller schützen will und muß? Nun denn, man gehe in die Amtsräume un serer Pattei, unserer Abgeordntten und sehe dott nach, wie unsere Vertrauensmänner, auch wenn sie noch überlastet sind, jeden empfangen, der sie sucht: man werfe einen Blick in unsere Bezirks- und Kreissekretariate, vor allem aber in unser Prager Zentral sekretariat und überzeuge sich, daß un sere Männer selbswerständlich jeden anhören, jedem zu raten und zu helfen suchen, mtt wel- chem Anliegen immer der Betreffende komme und gleichviel, ob er und es zur Bewegung ge- hott oder nicht! Unendlich traurig für den einfachm Mann, auS dem Volke, für das schlichte Mutterl, für jund^Novotny nahm eimgemal an^ihnen teil.. Ihren den romantischen Jüngling, daß sie alle, für die Henlein Heiland war, sich nun sagen müssen, daß sie zu„ihrem Führer" nur dürften, wenn -sie ihm Patteimüteilungen zu machen hätten! Harte Enttäuschung, diese rapide Verbonzung, für Zehntausende. Aber lehrreich und heilsam! „Brot und Arbett für alle" hat er seinerzeit ver sprochen— und jetzt hat er nicht einmal mehr ein Wort für sie. Ein Henlein hat gekräht und sie nahmen's für das Zeichen der Morgendäm- merung. Und jetzt sehen sie nur Finsternis. sti,e« rein privaten Angelegenheiten j ge ft el[ t waren. In beiden genannten Otten, aber könne» nicht Gegenstand dieser Besuche sein. Dr. Walter Brand e. h. Seite 4 Mittwoch, 19. Feber 1936 Nr. 42 In treuem Gedenken an Koloman Wallisch „Es kann der echte Keim des Lebens Nicht ohne Frucht verloren gehn." (Storm.) Zwei Jahre sind es heute, daß tückische Gewalt— tückisch, weil sie sich mit dem Mantel de» Rechtes drapiert hatte— dem Kampf- und Ar- beitsleben eines der treuesten, edelsten Söhne d« Arbeiterklasse ein grausames Ende machte. Zwei Jahre sind es heute, daß Koloman Wallisch hingerichtet wurde. Das war der„große Gedanke" der Austro- faschisten gewesen, den gefangenen Gegner zu beschimpfen, ihn zum Verbrecher zu stempeln, als Verbrecher zu behandeln, wie einen Verbrecher hängen zu lassen. Denn, so meinten sie, wenn der Arbeiterführer als Verbrecher gehängt und verscharrt wurde, mußte er in dieser Gestalt in der Erinnerung fortleben, mußte sich Furcht und Pi- scheu mit seinem Namen verbinden. Aber das natürliche, gerade Rechtsempfinden der Massen siegte über jesuitische Ueberschlauheit, die einfache Menschlichkeit einfacher Menschen triumphierte über die juristisch verkleidete Un- Menschlichkeit der Henker. Anders als der österreichische Faschismus es gewollt, lebt die Erinnerung an Koloman Wallisch fort. Oesterreichs Bevölkerung— ausgenommen natürlich die klein- gehirnigen Spießer und die mostschädeligen Ge> folgsmannen der Heimwehr— sieht Wallisch so, wie er war: als den Tapferen, als den Treuen, als den Aufrechten, Unerschrockenen, als dei heroischen Kämpfer! Und sie sieht in seinen Gegnern, was sie waren: feige Henker! Und mit der Bevölkerung Oesterreichs sehen die sozialistischen Arbeiter allüberall in Koloman Wallisch den einfachen schlichten Arbeiter, der groß- wurde, überlebensgroß durch seine leidenschaftliche Freiheitsliebe! Er starb für die Freiheit— und damit starb er auch für uns, starb er für alle, denen die Freiheit Lebensinhalt'ist! Und wie tapfer starb er! Tapfer war er in der Stunde seines Todes, wie er es gewesen war in allen Situationen seines Lebens. Wie herrlich die Treue zur Idee und zu den Genossen, die ihn und seine tapfere.Gattin am 12. Feber, dem Tage des Ausbruches der Kämpf» 'der österreichischen Arbeiter gegen den Verfassungsbruch, zu seinen Freunden nach Bruck an der Mur! Wie herrlich das Heldentum dieses Mannes und seiner Mitstreiter auf verlorenem Posten! Wie heroisch die Odyssee Koloman. Wallisch» und seiner Schar durch das verschneite Gebirge,— wie erbärmlich dagegen die Hatz gegen den flüchtende' Freiheitskämpfer! Ein Judas fand sich, der ihi verriet! Ach, diejenigen, die so oft schmähend von Judas sprechen, konnten nur mit Hilfe eines Judas den verhaßten Arbeiterführer in ihre Hände bekommen! Wie niännlich, wie stolz, wie groß die Haltung des Verlorenen vor jenem Gericki, das vor der Verhandlung seinen Tod bescklosien hatte! !Ind wie erbärmlich die lüsterne Gier nach dem Tode des Feindes bei jenem„Staatsmann", der während der Verhandlung telephonisch anfrage.» ließ, warum denn der Wallisch noch nicht zum Tode verurteilt sei! „Freiheit!" Der von der Schlinge des Henkers erstickte letzte Schrei des Helden... Aus Gräbern/sprießen nickt nur Blumen. Aus den Gräbern der für die Freiheit Gestorbenen wachsen immer wieder die Freiheitsgedanken. Aus den Gräbern der Kämpfer in Katalonien und Asturien, aus den Gräbern der standrechtlich gemeuchelten spanischen Freiheitskämpfer wuchs de: große herrliche Sieg des spanischen Volkes übe»' seine Bedrücker. Aus den Gräbern in Wien und Steyr und Bruck an der Mur und aus dem Heldengrab auf dem Friedhöfe in Leoben werden die kommenden Siege der Freiheit der österreichische i Arbeiter erblühen. Denn: Es kann der eckte Keim des Lebens nicht ohne Frucht verloren gehn! Wallisch' Treue zur Arbeiterschaft und zur Freiheitsidee, sein: Tapferkeit im Leben und sein Heldentod sind echt' Keime des Lebens, die reiche Frückte in den Herzen Hunderttausender tragen werden! Das warme Wetter schädigt die Konfektionsbranche. Tie Lager der Kleiderfabriken in Proßnitz und deren Verkaufsstellen in der ganzen Revichlik sind mit Winterwaren und Skianzügen überfüllt. Die warme Witterung, die zu Weihnachten begann, war die Ursache, daß niemand Wintersachen kaufte, und die Kälte der letztvergangenen Tage bat bereits keinen Einfluß auf den Konsum, da jedermann bereits den Frühling erwartet. Deshalb stockt die Arbeit in den Proßnitzer Kleiderfabriken und man beginnt dort mit Kurzarbeit. Außer den Angestellten sind auch die Schneider, die als Heimarbeiter geführt werden, nur einige Tage in der Woche beschäftigt. Silvester Maluschka, der seinerzeit das Attentat auf einen Schnellzug bei Bia Torbagy unternahm, verübte im Gefängnis in Stein einen Selbstmordversuch. Zwischen Europa und Java wird ein regelmäßiger Z eppelin-Verkehr schon im nächsten Jahr eingeführt werden» Kerker, die sich jetzt öffnen Der Führer des katalanischen Aufstandes, Prästdent Companys(Mitte), mit den gleichfalls angeklagten Ministern im Gefängnis in Madrid, aus dem sie jetzt, nach dem Wahlsieg der Linken, entlassen werden. Ziehung der Klassenlotterie Unverbindlich. Prag. Bei der Dienstag-Ziehung der III. Klaffe der 35. tschechoslowakische«. Klassenlotterie wurden nachstehende Gewinste gezogen: 10.000 Kd: 30.920, 54.086. 5.000 Kd: 72.298. 2.000 Kä: 7581, 40.220, 54.737, 56.022, 88.478, 63.958, 68.633, 69.709, 94.946. teiligt gewesen ist. Jedenfalls ist sie unmittelbar nach Ausbruch der Feindseligkeiten an die Front gegangen, wo sie jetzt eine italienische Kugel erreicht hat. Ein Schwerverletzter in einem zertrümmerten Auto. Sonntag nachts wollte der Landwirt Vymzal in einem Personenauto aus Tovakov nach Hause zurückkehren. Bei der Fahrt geriet jedoch das Auto ins Schleudern und fuhr mit voller Geschwindigkeit gegen einen Baum. Vymazal blieb in dem zertrümmerten Auto mit einer ernstlichen Verletzung am Kopfe. Fußgänger brachten den Landwirt in das Krankenhaus. Aus den Schneewehen werden Tote geborgen. In Bulgarien kam es bei den Aufräumungsarbeiten der Schneewehen, die durch die letzten heftigen Schneestürme verursacht wurden, des öfteren zu ergreifenden Szenen. Bei Jambol wurden aus einer tiefen Schneewehe die Leichen einer Mutter und ihrer Tochter gebor- Die neue Sowjetaristokratie I etwas stärkere Bewölkung und ganz vereinzelt wenig Regen. gen; Mutter und Tochter hielten einander innig umschlungen. Im Stadtpark von Sumen wurde die Leiche eines Blinden aufgefunden. Bei Krumovgrad in Südbulgarien wurden die Leichen von drei Türken ausgegraben, die samt ihren Pferden umgekommen waren; ferner fand man die Leichen von vier wandernden Zigeunern, die noch krampfhaft ihr« Musikinstrumente umklammert hielten. An einem anderen Orte entdeckte man unter den Schneemaffen einen Schäfer mit seiner gesamten Herde von 150 Schafen, dir bis zum letzten erfroren waren. An anderer Stelle glückte die Freilegung eines Auwmobils mit drei noch lebenden Reisenden, die volle 18 Stunden unter der Schneedecke zugebracht hatten. Es bleibt warm. Aus dem Gebiet strenger Fröste über Rußland, wo sich ein mächtiges Druckhoch ausgebildet hat, ftießt kalte Luft wieder gegen die Ostsee zurück. In Polen und Nordostdeutschland herrscht auch tagsüber leichter Frost. In unseren Gegenden ist es dagegen ruhig und relativ warm. Nach einer teilweisen Ausheiterung stieg die Temperatur bei uns Dienstag nachmittags stellenweise bis auf plus 9 Grad an. Unter dem Einfluß einer tiefen Druckstörung über den Brittschen Inseln dürfte der Zufluß wärmerer Luft aus Süden gegen Mitteleuropa noch anhalten. Nur die Niederungen Schlesiens können wieder von kälterer Luft erfaßt werden. Wahrscheinliches Wetter heute: Andauer des bisherigen Witterungscharakters. Wechselnd bewölkt, strichweise noch nebelig. Im allgemeinen mäßig warm. Im Westen des Staates wieder ein Diese„Massen" sind natürlich für diese Leute Hekuba, aber der„Verantwortliche" fühlt, daß der Sowjetstaat aus dem gräbst"' heraus ist und daß man aus dem vollen leben könne. Während der Tckrchschnittslbhn eines Moskauer Ar- 190 bis 200 Rubel monatlich beträgt, erhält der„Verantwortliche" rund 1500 bis 2000 Rubel den Monat. Nicht fetten steigt sein Gehalt auf 7000 monatlich, lind das ist keineswegs die Höchstgrenze. Wenn'Sie sich über die Zifter verwundern, so wird der„Ver- antwortlicke" mit verächtlichem Augenzwinkern Ihnen bedeuten:„7000! Und das hatten Sie für ein hohes Gehalt?! Aber der Genosse A. erhält ja 14.000 Rubel und der Genosse B. sogar etwa 40.000 Rubel monatlich..."— Die allgemeine Ansicht geht dahin, daß die Hauptsache doch das Geld sei. Wer wenig verdient, ist eben selbst daran schuld. Die Lebensgewohnheiten der„Berantwort- " sind entsprechend: teure, glänzend Der illegale und ausgezeichnet informierte Moskauer Korrespondent des menschewikischen „Sozialistischen Boten", eines sehr ernsthaften Organs, das an der Sowjethetze der weißrussi schen Emigrantekipresse nie teilnimmt und eher einen sowjetfreundlichen Standpunkt einnimmt, schildert in der letzten Nummer des Blattes in ausführlicher Weise die neue Schicht der Sowjetaristokratie, der er den be zeichnenden Namen gibt„Iubilare und Sieger". Das sind jene Leute, die auf ihren Autos geschäftig in den Straßen herumschwirren, die vordersten Plätze in den Theatern einnehmen und als die besten Kunden der teuren Restau-! lichen rants erscheinen. Dieser Schicht den Namen der möblierte Wohnungen, Hauspersonal, Auws.. Sowjetbourgeoisie zu geben, wäre zu grob, sie. Der Korrespondent des„Soz. B. als Sowjetaristokraten zu bezeichnen, das wäre' vielleicht zu fein. Sie selbst nennen sich nur „verantwortliche Menschen". Der „verantwortliche Mensch" ist gut gekleidet, seine Wangen sind voll. Jin Cafe verlangt er nach aus gefallenen Getränken und Vorspeisen:„Das habe ich in New Dort getrunken, das muß nmn unbe dingt bei uns einführen. Unsere arbeitenden Men schen müssen das kennen lernen." Eskimos Grönlandss in den letzten Tagen herrschte, zum Opfer gefallen. Die Kunde von ihrer Erkrankung drang erst nach zwei Tagen in den nächsten Ort, wo es einen Arzt gab. Dieser machte sich sofort auf den Weg, aber als er nach wiederum zwei Tagen in die Siedlung kam, in der Mala wohnte, war sie bereits verswrben. Rassen-Brotraub. Am Rande einer Großstadt des Dritten Reiches lebt ein Arheiterehepaar mit seinen zwei Kindern in einem winzigen Holzhäuschen, das nur für den Aufenthalt im Sommer geeignet ist, jetzt von Nässe trieft und das sie auf Weisung der Gesundheitspolizei räumen sollen. Der Mann war früher in der Radioindustrie beschäftigt, ist aber seit vielen Jahren arbeitslos und hatte zwischendurch nur einige Monate wieder Verdienst. Wohlfahrtsunterstützung samt Winterhilfe erlauben der Familie nicht, sich satt zu essen. Dementsprechend sehen sie auch aus. Die noch jungen Eltern, dem Nazitum aber schon ganz fernstehend, sind verzweifelt. Die junge Frau ging jeden Sonntag zu einer jüdischen Familie kochen und bekam dafür jedesmal drei Mark und reich- liches Essen. Da sie aber noch nicht 35 Jahre alt ist, darf sw kraft Nürnberger Rassegesetz von der jüdischen Familie nicht mehr beschäftigt werden. Ersatz für den Verdiemtentgaug gibt.ihr das Dritte Relchnarüruchnichr. Eine abessinische Pompadour. Wie man erfährt, ist die Prinzessin Aster Mangascha an der Ogaden-Front gefallen. Sie war in der Fremdenkolonie.von Addis Abeba unter dem Namen„Die abessinische Pompadour" bekannt. AlZ der Ne- gus noch'Ras Tafari war, hat er sich in Woezero Aster Mangascha, die eine ebenso schöne, wie herrschsüchtige Frau war, verliebt. Ihren Intrigen hat Haile Selassie es zum Teil zu verdanken, daß er den Thron der Königs aller KL- ,nige besteigen konnte. Nach seiner Thronbesteigung wollte er eine Zeitlang sich vrn der Kaiserin trennen, um die Prinzessin zu heiraten. Aber der Oberste Gerichtshof erkannte die Gründe nicht als zureichend für eine Scheidung an, da die Kaiserin stets eine treue Gefährtin des Negus gewesen ist. Die Beziehungen zur Prinzessin haben nie aufgehört und bildeten das Lieblingsthema aller Couloirgerüchte. Man sagt auch, daß die Prinzessin führ aktiv an der Organisierung des Widerstandes der Abessinier im heutigen Konflikt be- Vom Rundfunk ■mptehlenswertes aus«len ProgramaMni Donnerstag: Prag: Sender L.: 10.05 Deutsche Presse. 11.05 Jazzorchester. 12.10 Leichte Musik. 13.40 Leichte Musik. 15.35 Opernszenen. 17.45 Deutsche Sendung: Heitere Jugendstunde mit Musik. 18.10 Machunzo: Arbeitslosigkeit, das Schicksal unserer Tage 18.45 Deutsche Preffe. 19.15 Englisch für Anfänger. 19.40 Vollskonzert.— Sender St.: 14.15 Deutsche Sen» düng: Winternitz: Dienst und Rat als Kunderuver« bung. 14.3«) Schallplatte«. 19.10 Volkslieder.— Brünn: 13.30 Deutscher Arbeitsmartt. 17.15 Opernarien. 17.40 Deutsche Arbeilrrsendnng: Jnrda: Di« Fran in der Soziawersschernng.— Mähr.-Ostra«: 18.10 Deutsche Sendung: Dr. Michalitschke: lieber neue Bücher; Lpernarien. Selbstmord auf den Schienen. Dienstag um 6.45 Uhr wurde im Kilometer 225.1 der Strecke Brünn—Böhm.-Trübau die Leiche einer über fahrenen Frau gefunden, in der die 65 Jahre alte, ledige Mathilde Schab aus Grandorf fest gestellt wurde. Es handelt sich um einen Selbst mord. Von welchem Zuge die Frau überfahren wurde, konnte noch nicht festgestellt werden. Lawine begräbt Goldsucher. Eine Lawine ging auf eine teilweise verlassene 3600 Meter hoch gelegene Goldgräberfiedlung in Coldorado nieder. Mehrere Häuser wurden in eine 500 Meter tiefe Schlucht gerissen. Bisher wurden 6 Tote geborgen. 11 Personen wurden verletzt. Streiknnruhen in Mexiko. Zu ernsten Un ruhen kam es in der Stadt Mazatlan im Staate Sinaloa. Die Stadtverwaltung hatte den Schlachthof für einen lebenswichtigen Betrieb er klärt, in dem kein Streik geduldet werden könne. Die Streikenden zpgen daraufhin vor dem Schlachthof und es kant zu schweren Züsammen- stötzen mit der Polizei. Dabei wurden vier Per sonen getötet und mehrere verletzt. Die Opfer der„Jtälo-Chilena". Aus den Trümmern des durch einen Brand zerstörten Ge bäudekomplexes.der Filmgesellschaft„Jtalo- Ehilena" in Valparaiso wurden bisher 35 Lü cken geborgen. Die' Feuerwehr'suchte die gaNM Nacht hindurch nach weiteren Opfern der Kata strophe, Naphthafimd in Ungarn. Bei der Gemeinde Mihattsi in der Nähe der ungarisch-österreichischen Grenze wurde eine Naphthaquelle entdeckt. Eine amerikanische Finanzgesellschaft hat von der unga rischen Regierung die Konzession erworben und bereits die Porarbeiten ausgenommen. Große Aeberlandflüge von Schraubenflug zeugen. In diesem Jahre sind in der Luftfahrt der Sowjetunion zum erstenmal« praktisch mehrere große Flüge von Schraubenflugzvugen vorgesehen. An diesen Flügen werden Schrauben flugzeuge eines neuen Typs teilnehmen, die so genannten„flügellosen" Schraubenflugzeuge. Die Rolle dec Flügel wird bei diesen Flugzeugen von den Flächen einer horinzontalen Schraube übernommen. Das„flügellose Sowjetschrauben- flugzeug" zeigte bei den Probeflügen gute Flug- eigensckasten und entwickelte eine Stundenge- schwindigleit bis zu 130 Kilometer. Ter Auslauf des„flügellosen" Schraubenflugzenges beträgt bei der Lmidung nur 2 bis 3 Meter.'”. Sanktionsfolgen. Infolge der Einfuhrver bote italienischer Erzeugnisse sind in England Ivie auch anderswo Zitronen knapp und teuer gewor den. Nun sind aber gleich auf einmal 4 Mil lionen Limoni im Londoner Hafx, n eingetr-offen. Der Handel war in großer Verlegenheit, aber man beruhigte sich, als festgestellt wurde, daß diese Lieferung bereits vor dem 19. Oktober v. I., dem Inkraft treten der Sanktionen, bestellt war. Das Han delsamt hat sich bereits im gleichen Sinne ge äußert und so dürften die vier Millionen Zitronen alsbald aus den: Markt erscheinen.— Anders ist es mit dem in England sehr beliebten G or gon- z o l a. Diesen grünen Käse gibt es im Ver einigten Königreich überhaupt nicht mehr, aber nicht nur wegen des Einfuhrverbots, sondern weil in Mussolini« n jetzt viel K ä s e st o f f(Ka sein) auf— Wolle verarbeitet wird.Die Aktion„Buy British"(Kaust englische Waren!) verweist das Publikum auf den ähn lichen heimischen Stiltonkäse. Der Tod eines Eskimo-Stars. In dem Film, den der berühmte Forscher Knud Rasmussen sei nerzeit unter dem Namen„Kajak" herausgebracht hat und auch in dem jetzt laufenden Film „Eskimo", spielt die Hauptrolle ein Eskimomäo- chen Mala. Sie ist seinerzeit wegen ihrer Na türlichkeit und ihrer unzweifelhaften Begabung vom Kinopublikum der ganzen Welt bewundert worden. Sie hatte auch zahlreiche Angebote von Filmfirmen bekommen, lehnte aber ein Engage ment ab, weil sie in ihrer Heimat bleiben wollte. , Sie ist jetzt einer Angina-Epidemie, die unter den j befterö oder Angestellten beschreibt ein Bankett der„Verantwortlichen", bei dem er zugegen war(als Lohnkellner vielleicht). Mitternacht ist längst vorbei, Sektpfropfen fliegen hoch» man zählt nicht mehr die Anzahl der geleerten Gläser... Stalin wird natürlich in den Himmel gehoben...„Was bin ich früher gewesen?! Und jetzt!"— Gegen Ende des Gelages wurde aber die Stimmung ttüber. Ein Besoffener klagte mit Tränen in den Augen:„Viel haben wir aufgebaut, allerdings, aber ist das Sozialismus?... Wenn ich heute in die Fabrik komme» läuft mir der Portier hundert Meter entgegen» um mir die Gummischuhe abzunehmen» so sieht unser Sozialismus aus! Schlag jedem in die Fresse, der da sagt, wir seien Sozialisten! Ich sage dir, schlag ihm in die Fresse!" Nr. 42 Mittwoch, 19. Fiber 1936 Seite 5 Vergnügungen und Wirtschaftskrise Neue Kältewelle in Amerika. Der amerikanische Mittelwesten ist von einer neuen Kältewelle hcimgesucht, die sich längs der Allamiktuste südwärts bewegt. In den verschiedensten Gegenden wurden am Dienstag Temperaturen gemessen, wie man sie seit fünfzig Jahren nicht mehr erlebt hat. Aus Littlefalls im Staat« Minnesota wurden 46 Grad unter Null gemeldet. Von anderen Orten gingen Meldungen über Temperaturen von 18 bis 40 Grad Celsius ein. Ter letzte Kutscher von Paris. Vor einigen Tagen wurde dem letzten Kutscher von Paris bei einem feierlichen Empfang im Rathaus die Medaille der Stadt Paris überreicht. Die ehemals so zahlreichen Droschken sind selbstverständlich vom Autc verdrängt worden. Man konnte noch in den letzten Jechren im Sommer am Bois de Boulogne an warmen Abenden einige vorsintflutlich« Gefährte stehen sehen, di« von Liebespärchen dann und wann benutzt wurden. Aber das Geschäft rentierte sich nuht mehr, und so verschwanden sie eines nach dem anderen. Der letzte, der übrig blieb, heißt symbolische rwcise Chevalieraut, wörtlich übersetzt: der Pferdelenker. Er hat seinen Beruf seit 1891, d. h. seit 43 Jahren ununterbrochen ausgeübt. Ei« Riesen-Touristenhotel in Leningrad. Die „Leningradskaja Pravda" berichtet am ö. Feber 1936, daß am Newa-Ufer auf einem Territorium von dreieinhalb Hekmr ein elfsröckigeS Hotel fü? ausländisch« Touristen gebaut wird, das im Jahre 1987 vollendet werden wird. ES ist für 2000 Touristen berechnet und wird mit allem Komfort, wie Spielsälen, Wintergarten, Schlvimmbafsins, Golf- und Tennisspielplätzen usw., ausgestattet sein. Nebeu den 350 Appartements von einem bis zu sechs Zimmern AuSmah gibt es auch eine Garage für 300 Autos. Man sieht: Leningrad richtet sich auch aus allerhöchsten Besuch ein! Wozu ein Orden gut ist. Aus der Aussage der Acrzte im Uftasa-Prozeß erfuhr man erst jetzt, baß der beim Marseiller Attentat schwer verletze General Georges nur wie durch ein Wunder dem Tode entgangen ist. Di« Kugel, die ihn getroffen hatte, ist an einer Medaille abgeprallt und hat so ihre tödliche Wirkung verfehlt. Seltsamerweise war es gerade die serbische Kriegsmedaille, die inmitten vieler anderer Orden von der Kugel des Attentäters getroffen wurde. Der Borsitzende der„Katholischen Jugend Deutschlands" verhaftet. Blättermeldungen zufolge wurde dieser Tage der Vorsitzende der anderthalb Millionen Mitglieder zählenden Katholischen Jugend Deutschlands, der Führer der„Deutschen Jugendtraft" und der Generalpräses des Katholischen Jungmännerverbandes Deutschlands, Pater Ludwig Wolker in Düsseldorf verhaftet. Mit Ludwig Wolker wurden gegen dreißig weitere Mitarbeiter Walkers in der Berbandszentrale des Katholischen Jungmännerverbandcs Deutschlands inhaftiert. Damit scheint nun— so schreibt dazu die „Deutsche Presse"— die Tragödie der reichsdeutschen Katholiken'ihren Höhepunkt zu erreichen. Dir Amerttanisterung Kanadas. In England macht man sich Sorge um die fortschreitende Amerikanisierung Kanadas, die«inen immer größeren Umfang annimmt. Der„Spectator" führt aus, daß die amerikanischen Kapitalsimvestierungen dreimal so hoch seien, als die englischen, die amerikanischen AutoS 30 Prozent billiger als die englischen. Die amerikanischen Werbeplakate überschwemmten das ganze Land, die Zeitungen bezögen ihre Nachrichten aus amerikanischen Ouellen und ahmten die amerikanischen Borbilder noch. Die Filme käme» fast nur noch aus USA, das Radio stehe vollkommen unter amerikanischem Einfluß. Der Absatz amerikanischer Zeitungen übertreffe den englischen um daS Zwan- zigfachel R. F. Es ist psychologisch interessant, zahlenmäßig festzustellen, wie der Einkommensrückgang bei den breiten Massen auf die Ausgaben für Unter- haltungsstätten gewirkt hat, und in welchem Verhältnis deren einzelne Kategorien an dem von vorne- hsrein anzunehmenden Einnahmenrückgang beteiligt find. Im„Filmovy kurir" finden wir eine Statistik, die in diesem Punkte einige Einblicke gewährt. Die Entwicklung der Einnahmen der K i n o s und der der übrigen vergnügungssteuerpflichttgen llnternehmungen gestaltete sich ab 1929 prozentual folgendermaßen: Riuo- übrige Unteruehmimgen 1929 100 100 1930 117 102 1931 108 93 1932 93 76 1938 84 67 1934 76 67 1935 77 63 Wie man sieht, hat sich das Kino in der Krise noch am besten behauptet und hatte im letzten Jahre bereits wieder eine kleine Zunahme der Besucherzahl, während die übrigen Vergnügungsanstalten weiterhin stagnieren oder sogar einen weiteren Verfall zu verzeichnen haben. Diese Erscheinung dürft« zum Teil darauf zurückzuführen sein, daß das Kino, als b i l l i g st e Gelegenheit, sich etwas Unterhaltung zu verschaffen, einen vermehrten Besuch aus jenen Kreisen erhält, die sich einen vergnügten Abend früher mehr kosten lassen konnten. Die erwähnte Stattstik gibt außerdem noch ein Bild darüber, ob die Krise die Unterhaltungslust und-Möglichkeit in den K l e i n- und Mittelstädten stärker beeinttächtigt hat, als in der Großstadt. Die Entwicklung der Besucherzahl der Kinos hat in dieser Ausgliederung folgeichen Gang genommen: Am beit Städten mit über 20.000 bi- 10.000 bi- 50.000 Eiuw. 50.000 Einw. Besucher 20.000 Einw. 1929 100 100 100 1980 117 123 110 1931 102 121 113 1932 90 102 92 1933 82 91 83 1934 75 81 77 1985 77 71 73 An dieser Stattstik fällt auf, in wie ungleichem Matze in der Grotzstadt, in den Mittelund m den Kleinstädten auf den Kriseneinbruch reagiert worden ist. Bis zum Jahre 1981 hielten sich die Städte unter 50.000 Einwohner am besten. Vom Jahre 1933 an trat eine umgekehrte Entwicklung ein, daS heißt, die Schnelligkeit des Rückganges in den Großstädten verringerte sich, während sie in den kleineren Orten größer wurde. Im letzten Jahre sind alle auf fast genau dem gleichen Niveau ange- lar.gt, der Krisenverfall wirkt sich nurmehr verhältnismäßig wenig aus, während nunmehr die Depression der Gesamtlage ihren Stempel aufdrückt. Die verhältnismäßig große Widerstandsfähigkeit der Städte von 20.000 bis 30.000 Einwohnern dürfte darauf zurückzuführen sein, daß der Mittelstand, der von früher her noch Ersparnisse hatte, dort einen größeren Anteil an der Gesamtbevölkerung ausmacht als in der Großstadt und in den bäuerlichen Gebieten, bzw. in den Arbeitersiedlungen. Die Entwicklung in den Städten über 50.000 Einwohner dagegen zeigt mit aller Deutlich- keit, wie die Krisenfolgen gerade dort sich am frühesten bemerkbar gemacht und sich am schwersten ausgewirkt haben— bis die Widerstandsfähigkeit des kleinstädttschen Mittelstandes im letzten Fahre ihre letzten Reserven verlor und so die Angleichung an das vollzogen wurde, was die Krise dem Großstädter an entgangenem— wenn auch manchmal zweifelhaftem— Lebensgenuß bereits früher eingebracht hat. Vereiste Straßen in New York— Sonne auf Florida Welche Temperaturunterschiede das riesige Gebiet der Vereinigten Staaten von Nordamerika aufweist, das beweisen diese Bilder.— Mit Preßhämmern geht man in New Dort den vereisten Straßendecken„zu Leibe"; während in Miami auf der Halbinsel Florida die Strandschönen zur gleichen Zeit ein Sonnenbad nehmen. britische Anleihe an Frankreich London. Dem„Daily Telegraph" wird aus Paris gemeldet, daß die Verhandlungen über eine brittsche Anleihe an Frankreich erfolgreich abgeschlossen worden seien. Das Anleihe-Abkommxn werde in Kürze unterzeichnet werden. Einzelheiten über die Anleihebedingungen sind noch nicht bekannt» jedoch soll während der Verhandlungen die Summe von 40 Millionen Pfund bei einem Zinssatz von drei Prozent, rückzahlbar nach neun Monaten, erwähnt worden sein. Volkswirtschaft and Sozialpflitik Das Bankwesen In der Tschechoslowakei In den Mitteilungen des Statistischen Staatsamtes sind kürzlich die Daten über das Bankwesen in der Tschechoslowakischen Republik für das Jahr 1934 veröffentlicht worden. Wir greifen aus der umfangreichen Statistik das wichtigste heraus. Demnach hat das gesamte Bankwesen, also die Aktienbanken, die Banken ohne Allienkapital und die Bankgeschäfte betreibenden Gesellschaften m. b. H. in den letzten Jahren die folgende Entwicklung genommen: Iadr gabt der Anstalten Nktienkavital bzw. Reserve- u. Betrieb-grundkondS sonstige gondt in Millionen Ki 1926 190 2349.8 1348.4 1929 141 2322.5 2078.1 1930 128 2321.3 2226.1 1931 123 1915.7 1719.5 1932 120 1651.4 1661.3 1933 108 1612.7 1671.2 1934 105 1634.2 1717.2 Demnach hat sich die Zahl der Banken und Geldinstitut« in der Tschechoslowakei seit 1925 ständig verringert. ES dürften in der Hauptsache die kleineren Anstalten verschwunden sein. Davon ist auch die Entwicklung des Aktienkapitals und der Betriebsfonds beeinflußt, die seit 1925 bis 1933 ebenfalls rückläufig war. Erst 1934 ist wieder eine Erhöhung zu verzeichnen. Im Gegensatz dazu sind die von den Banken und sonstigen . Geldinstituten ausgeschriebenen Teilschuldverschreibungen seit 1925 ununterbrochen gestiegen. , Sie erreichten in jenem Jahre die Höhe von etwas über 8 Milliarden KL, während sie 1934 nahezu | 6.8 Millionen Kö betragen. Im Jahre 1935 ver- fügten die im gesamten Staatsgebiet denen Banken und Geldinstitute über: vorha st in Bödmen, ill Slowakei Mäbren- uKarpatho« SLieslen.. ruyland Filialen........ 508 192 Exposituren 79 14 Aktienkapital, bzw. Betriebs Millionen Kc grundfonds.... 1362.7 411.8 Eigenes Kapital insgesamt 2425.8 417.2 Bucheinlagen.... 9192.0 2287.7 Fremdes Vermögen inSges. 25898.4 3046.9 Jntereffant ist, daß das Verhältnis des eigenen zum fremden Vermögen in Böhmen und Mähren-Schlesien bei den Aktien-Banken 1 zu 8,9 beträgt, bei den Banken ohne Aktienkapital 1 zu 34.1. In der Slowakei und Karpathoruß- land steht bei den Geldinstituten das eigene Kapital zum fremden im Verhältnis wie 1 zu 7.3. An» Ende des Jahres 1934 waren bei allen Banken und Geldinstituten insgesamt 11.200 Angestellte beschäftigt. Waggonindustrie gut beschäftigt. Di« tschechoslowakische Waggonindustrie ist infolge bedeutender Auslandsaufträge und der Bestellung von 246 Waggons für die tschechoslowakischen Staatsbahnen gut beschäftigt. Der gegenwärtige Auftragsbestand läßt hoffen, daß diese günstige Entwicklung bis über den Sommer hinaus anhält. Menschen sogen Maschinen Von Josef Wechsberg Drei mittelgroße Räume, angefüllt mit allerlei seltsamen Maschinen und Apparaten. Kontakte an den Wänden, graphische Tafeln, Bilder. Unwillkürlich erinnert man sich an die Phy- sitstnnden des Gymnasiums, an die Laboratorien der Hochschulen. Aber diesmal geht es um mehr als früher in den Schulstunden. Draußen sitzen ztvanzig Burschen, der Aclteste von ihnen kaum fünfzehn Jahre alt. In wenigen Minuten wird man sie hereinrufen und mit den. seltsamen Apparaten ringsum kämpfen lassen. Gewinnen sie — so haben sie fürs erste zum Leben gewonnen. Man wird sie aufnehmen und ausbilden. Denn dies ist das Psychotechnische Laboratorium des großen Werks und wer hier versagt, hat keine Hoffnung jemals hier unterznkommen. Die Psychotechnik ist eine grausame Wissenschaft und wer ihren raffinierten Problemen nicht zu entsprechen vermag, wird an frühere, stillere Zeiten zurückdenken, da man eben dann. Leute aufnahm, wenn freie Plätze waren. Eine lange, schwere Prüfung. Die Borprü- ftmg, da nur die Sinnesorgane kontrolliert werden und die eigentliche Hauptprüfung, bei der »mn die speziellen Fähigkeiten und Fehler prüft: Schall-Lakolisation, das Tiefensehen, Mehrfachbewegung, Geistesgegenwart. Noch ahnen die Prüflinge nicht, was ihrer harrt. Bor allem müssen sie einen Fragebogen ausfüllen. Dieser Fragebogen ist zweifellos ebenso modern und fortschrittlich wie die Wissenschaft, die hier gepflegt wird. Neben den üblichen Vermerken enthält er eine Rubrik:„Warum wollen Sie den Beruf ergreifen?"— Die Mehrzahl der jungen Leute sehen eine stereotype Antwort darunter: „Aus Vorliebe",„weil ich ihn mir wünsche",„er gefällt mir eben". Einige sind schon von Pflichtbewußtsein erfüllt und schreiben:„weil ich die Eltern unterstützen möchte". Kein einziger aber — und das ist eine erstaunliche Tatsache, die den Psychologen Arbeit geben würde— kein einziger von ihnen schreibt die naheliegendste.Antwort auf: „weil ich Geld verdienen möchte". Ist der Anreiz des Geldverdienens in unserer heutigen materiellen Zeit wirklich so schwach? Oder sind sie alle unaufrichtig und wollen nicht die Wahrheit sagen? Die ersten Prüfungsgegenstände sind nicht schwer. Das Gehör wird geprüft, aus einer vielfarbigen Fläche müssen bestimmte Farben gesucht werden. Die Schärfe des optischen Erinnerungsvermögens kontrolliert ein Apparat, auf welchem für den Bruchteil einer Sekunde kleine Figuren erscheinen. Der Geprüfte, der kaum einen Augenblick hingeschaut hat, muß'das Geschehene definieren. Eine allgemeine Jntelligenzprüfung (Rechenaufgabe) vervollständigt den ersten Teil der Prüfung. Heikler wird es schon bei den Apparaten, welche die Reaktionsfähigkeit und Geistesgegen wart prüfen. Stäbe, die plötzlich herunterfallen, müssen aufgefangen werden, Lampen flackern auf und sofort muß der Geprüfte auf einen Knopf drücken, der die betreffende Lmnpe verlöscht. Ganz arg wird es dann in einem Raum, der einen Miniaturbahnhof darstellt: Geleise, Weichen und viele Lichter aller Farben. Der Prüfling sitzt oben wie in einem Stellwerk und hat einige Hebel neben sich. Von allen Seiten flammen Lichter auf: grüne, gelbe, rote, weiße, blaue. Immer, wenn ein rotes Licht erscheint, muß der Prüfling den betreffenden Hebel herumreißen, möglichst schnell, damit das Licht zum Erlöschen koinryt. Das hört sich leicht an, aber es ist verteufelt schwer, da oben zu sitzen, während die Lichter unten einen tollen Tanz aufführen, Räder rattern, Glocken klingen und es rollt und kracht, als ob der Orient-Expreß durch die Halle sausen würde; und dann plötzlich ein Krach, oben flammt ein Blitz auf, einen Augenblick ist man wirflich erschrocken, hat vielleicht auch die Hebel losgelassen— und da flammt bereits die Beleuchtung auf und unser Führer sagt lächelnd:„Erschrecken dürfen Sie aber nicht, sonst werden Sie die Prüfung nicht bestehen. Ich habe einen Kurzschluß ausgelöst, um Ihre Schreckhaftigkeit zu prüfen. Was würden Sie erst tun, wenn Sie als Kranführer oben auf der Maschine stehen und plötzlich ettvas geschieht, nur daß es dann nicht so harmlos sein wird?" Eine heimtückische Wissenschaft, diese Psychotechnik! Oder ist es vielleicht fair, einen Men schen an einem Apparat arbeiten zu lassen; plötzlich gibt eS einen Ruck, der Boden bricht ein und wenn der Geprüfte, wie es meist geschieht, zusammenzuckt und erschreckt die Hände loSläßt, hört er wieder die strenge Stimme seines Prüfers, der ihn darüber belehrt, daß dieser Programmspunkt wissenschaftlich vorgesehen war und die Eignungen zu dem und jenem Berufe nicht die besten sind, da man zu leicht erschrecke. Wenn man dann schon erschöpft ist, so wird noch die Assoziationsfähigkeit gemessen, die ruhige Beherrschung der Hand, die Kunst, sich mit mehreren Dingen gleich- zeitig zu befassen. Man kommt sich vor wie Tammo in der„Zauberflöte", der doch durch die gewissermaßen natürlichen Gefahren des Feudrs und Wassers schreiten mußte, währen- man hier gegen die Findigkeit einer modernen Wissenschaft kämpft. Arme TaminoS von 1935! Ihnen winkt nicht eine reizende Braut, sondern bestenfalls die Möglichkeit, Lehrlinge zu werden und sich drei Jahre ausbilden zu lassen. Und dann, nach diesen drei Jahren? Aber das hat schon nichts mehr mit Psychotechnik oder Wissenschaft zu£un. Dann werden sie ausgenommen werden, wenn ein Bedarf da ist, wenn nicht... ja, dann werden sie eben arbeitslos und unglücklich dem-lieben Gott den Tag stehlen. Vielleicht kommt auch einmal jemand und findet dagegen eine wissenschaftliche Abhilfe. Ihm winkt größerer Ruhm als den Erfindern der Psychotechnischen Eignungsprüfung. Leite 6 „Sozialdemokrat" Mittwoch, 19. Feber 1936.«, 42 und Merle Oberon, Frrderik March und Herbert Marshall in dem amerikanischen Film„Der schwarz« Engel" Di« Ausflngszüge der Tschechoslowakischen Staatsbahnen veranstalten vom 22. Feber bis 1. März eine Winterreise nach Karpathoruhland für 390 Kd, vom 29. Feber bis 8. März eine Woche am RiesettgebirgSkamm für 440 Kd. in den Tagen vom 6. bis 8. März eine Sonderexkursion ins Riesengebirge kür 140 Kd. Am Samstag, den 22. Feber, geht ein Motor-Sonderzug ins Riesengebirge für 75 Kd, ins Erzgebirge für 79 Kd, einschließlich Fahrgeld, Autobus, Uebernachtung, Frühstück und Versicherung. Anmeldungen beim Basar neben dem Wilsonbahnhof. Telephon 38335. Verteidiger gern, Glauben schenkte, als er erklärte, er habe nach der Rücksprache mit seiner Klientin trotz eineinhalbftündiger Bemühungen nichts Vernünftiges aus ihr herauÄiringen können. Was nuN den mitangeklagten Emanuel Grüner betrifft, so ist dieser- ein ähnlich sozial tragischer Fall. Auch er ist geistig zurückgeblieben, in-seiner Erziehung schwer verwahrlost, hat die Korrektions- anstalt absolviert und einige kleinere Vorstrafen. Tie Leitung der Schule, die er besuchte(auch er brachte es nur bis in die dritte Klasse), stellt ihm kein gutes Zeugnis aus, beschließt aber den Bericht mit den vielsagenden Worten: „Seine Verwahrlosung wurzelt in dem großen sozialen Elend"... Dieser Satz könnte als Motto Mer. vielen Prozeßberichten stehen. Im sozialen Elend— im materiellen, wie im moralischen wurzeln die Grundübel unserer Zeit. Emanuel Grüner bestritt aufs nachdrücklichste, irgend etwas von der ihm zur Last gelegten Tat zu wissen und das Beweisverfahren erbrachte auch kaum etwas Tatsächliches, was zur Klärung des Sachverhaltes hätte beitragen können. Man fand unweit der Brandftücke, die Flasche, von der die Anklage annimmr, daß sie das Petroleum enthalten hab« und nachzuweisen versucht, daß sie der Schwester Grüners gehöre, bei der dieser wohnte. Dagegen versuchte Grüner einen A l i b i b e w e is. der. allerdings nicht vollkommen glückte. G e g e n die Angeklagten sprach ferner eigentlich nur die begründete Annahme, daß her Brand gelegt wurde und kein Anhaltspunkt für die Täterschaft anderer Personen festzustellen war. Die Geschworenen ließen sich indessen von der Schuld der Angeklagten überzeugen unh beantworteten sämtliche Schuldfragen mit zehn Stimmen bejahend. Das Urteil lautete für Emanuel Grüner auf sechs Jahre, für Rosa«roubek auf vier Jahre schweren und Das Geständnis einer Schwachsinnigen Ein tragischer Prozeß Dämmerung der Prager Bierstätten (N. P.) Sie kommt nicht wieder, die alte, blühende Zeit der vielgeliebten, vielbesuchten Gaststätten, wo allabendlich dieselbe Gesellschaft und fast dieselben Gespräche beherbergt wurden. Noch eine. Zeit lang nach dem Umsturz herrschte ruhiges Leben in diesen" Bierlokalen, aber die rasende Modernisierung der Großstadt fegt diese Trinkstuben eine nach der anderen weg, in die Vergangenheit. Und doch bildeten die schwindenden Bierstuben das Milieu Prags, wo die Altbürger ihre komischen Vorrechte genießen konnten, denn kein Mensch durfte ihren Stuhl besetzen und an ihrem Tisch ohne Einwilligung Platz nehmen. Der Eigentümer war mit der ganzen Familie seiner Gäste sehr gut bekannt und erfüllte alle Wünsche, bevor man sie-noch ausgesprochen hat. Ein: runde Mühe mit Quaste war das Abzeichen seiner Würde. Selber bediente der Wirt feine Gäste und wenn, jemand eine Portion Würsteln wollt«, brachte ihm die Wirtin das Gewünschte. An der Wand hingen Jägerbilder und eine alte Zeitung lag am Schanktisch.- Das alles vergeht, verschwindet. Der Prager hat keine Zeit mehr für gemütliche Biergespräche. Der Prager"trinkt den Morgenkaffee im Büfett seiner Straße, Mittagessen ißt er einmal hier, einmal dort, wobei er einen gewiffen konservativen Zug zeigt, indem er womöglich dieselben Orte aufsucht. Das Abendbrot genießt der Prager dort, wo er eben am Abend entweder Arbeit zu verrichten oder Besuch ab- zustatten hat. -Die Modernisierung der Stadt hat die Bierstuben in die Vorstädte gedrängt. Die Kleinseite hat noch viele von diesen Bierstätten, aber auch hier find schon manche verschwunden. Die Biertrinker, di« Alten pilgern heute weit, wenn fie die Atmosphäre der alten Zeiten wieder erleben wollen. Im Zentrum Prags gibt es zu viel Lärm, zu viel Licht, zu viel Eile und das sind Eigenschaften, welche den eigentümlichen,"aus der Vergangenheit stammenden Reiz der biederen Bürgerlichkeit zerstören. Kampf um das tägliche Brot. Sie war ungeschickt, zu blöde, um sich in einem Posten längere Zeit zu halten., So erging es ihr auch beim Landwirt Slegl in Rhnholec. Die Gendarmen begannen sie also zu verhören siehe da— die Schwachsinnige gestand. Es war ein ausführliches Geständnis, das dazu führte, daß Emanuel Grüner gleichfalls verbaf- tet wurde. Die Schwachsinnige erzählte den Gendar men, sie habe nach ihrer Entlassung durch Vermitt lung der Schwester Grüners, einer Frau Baleben, die ihr«in Nachtlager gewährte,«inen neuen Posten suchen wollen. Emanuel Grüner habe ihr verspro chen, dabei behilflich zu sein und außerdem habe er die Bemerkung fallen laffen, er werde sie an S l e g l rächen und„diesem Lumpen ein hübsches Feuer anzünden". Dafür habe er 120 Kd verlangt und sie habe ihm diese Summe auch versprochen. Am 31. Oktober habe sie dann Grüner zu dem Hof Slegls geführt, und habe ihm eine Seitentüre zu der Scheuer geöffnet. Grüner habe dann einen drei Meter langen Strick mit Petroleum getränkt, außerdem noch die Balken der Scheunen damit be strichen und dann angezündet. Dieses in den Gendarmerieprotokollen verzeich nete Geständnis der Rosa Sroubek bildete nun den Hauptpfeiler der Anklage, die gegen die beiden überreicht wurde. Es scheint, daß die Schwachsinnige diesen Sachverhalt nach entsprechend gründ lichen Verhören sich gut eingeprägt hat, denn sie erhielt ihre Darstellung auch vor dem Un tersuchungsrichter aufrecht. Aber schon den Gerichts ärzten gegenüber sagte fie anders aus und bei der Hauptverhandlung erklärte sie, v o n dergan-,—--■-■~.— zen Sach« nichts zuwissen. Von einem verschärften Kerkers. formellen Widerruf kann man nicht gut sprechen. Die Sroubek brach in Tränen aus. Grüner denn, es war kein leichtes Verhandeln mit der erklärte mit apathischer Stimme:„I ch b i n u n- Schwachsinnigen, die fich so benahm, daß man ihrem is ch u l d i g verurt e i l t worden! Prag. Bor einigen Tagen wurde vor dem hiesigen Schwurgericht ein Knecht zu fünf Jahren verurteilt, der sich für seine Entlastung dadurch rächte, daß er einen 13jährigen Schuljungen dazu anstiftete, die Scheuer des Dienstgebers anzuzünden. Der gestrige Söwvurgerichtsfall ähnelt in einem Punkt jenem Prozeß. Angeklagt war vor dem Schwurgericht unter Borfitz des GR. Dr. Svambera einerseits der 22sährige Emanuel G r ü n e r des Verbrechens der B r a n d ft i f t u n g, anderseits die 24jährige Dienstmagd Rosa S r o u b e k der Anstiftung zu diesem Verbrechen und auch deraktivenMittäterschaft. Die von Staatsanwalt Dr. Svoboda vertretene Anklage bezeichnete den Vorfall, um den sich dieser Prozeß dreht, als Racheakt. Um neun Uhr abends des 81. Oktober v. I. ging die Scheuer des Landwirtes Slegl in Rhnholec in Flammen auf und brannre in kürzester Zeit nieder. Das Feuer brach so schnell aus, daß sofort der Verdacht entstand, daß" der Brand g« l e g t sei, und zlvar unter Zuhilfenahme eines leicht entzündlichen Stoffes, wahrscheinlich Petroleum. Der angerichtete Schaden beträgt 41.500 Kd. Die Untersuchung wurde natür- lich in der Richtung geführt, wer an der vermuteten Brandstiftung Interesse haben könne. So kamen die Gendarmen auf die angeklagte Rosa S roubek, die einige Tage vorher von dem Landwirt Slegl wegen Unbrauchbarkeit entlasten worden war. Sie nahm die Kündigung nicht ruhig hin, sondern beschimpfte Slegl, der schließlich den Ortspolizisten kommen ließ, der fie von dem Hof führte. Dabei rief sie ihrem gewesenen Dienstgeber zu„er werde etwas zu sehen bekommen". Rosa Sroubek wurde ins Verhör genommen und das Ende diese? Verhöres war ihre Verhaftung. . Hier müsten wir vorwegnehmen, was hinsichtlich der Angeklagten während der Verhandlung zutage kam. Diese Rosa Sroubek ist zlveifellos ein bedauernswertes Geschöpf. Die Gerichtspsychiater bestätigen"ihr rn ihrem Gutachten hochgradigen S ch w a ch s i n n, der allerdings im Sinne unseres längst überlebten Strafgesetzes die„Zurechnungsfähigkeit nicht ausschließt". Nun— diese mit allen Merkmalen der Degeneration gezeichnete junge Person(auch ihre Mütter war schwachsinnig!) erscheint auch dem Laien als absolut minderwertig, als«ine jener Bedauernswerten, mit denen rohe Menschen ihren„Spaß" zu treiben*pflegen. Ihr bis- herigks Leben ist denn auch eine einzige Kette typi- scher sozialer Mißerfolge. In dex Schule kam sie als schwer zurückgebliebene Schülerin nicht über die zweite- Klaste hin,-s. Eine Zeitlang war sie in einer Erziehung anftalt i d do kam ein aussichtloser Juutsi tmd Wissen. Ein Festkonzert wurde anläßlich des 75jährigen Bestandesfestes des Präger DeutschenMännergesangver- eines in Szene gesetzt. Das Prager Deutsche Theater, das dem jubilierenden Vereine als Helfer im Opernchor verpflichtet ist, hatte das Theater als Abhaltungsort, das Theaterorchester und die Gesangssolisten zur Verfügung gestellt, während den ge. mischten Chor(unter Mithilfe der Sängerinnen und Sänger der Prager Deutschen Lehrerbildungs- anstalt) und den Dirigenten der jubilierende Verein gegeben hatte. Tas Festwerk des Konzertes war Anton Bruckners Messe in F-Moll, gr- meiniglich als seine„Große Messe" bezeichnet. Ter Entstehungszeit nach gehört diese Messe, die zweite Bruckners, in die Schaffenspcriode der ersten Symphonien. Sie bedeutet bereits einen Schritt zur Großdimensioniertheit des Brucknerschen Tonschaf- fens. Ihrer Zeitdauer und großen Anlage, nach gr« hört sie nicht mehr zur kirchlichen Zweckmusik, sondern ist als Konzert-Messe anzusehen. Die liturgischen Teil« der Messe sind zwar streng eingehalten, aber sie sprengen in der musikalischen Anlage den kirchlichen Rahmen. Festlich wird diese Messe durch die Pracht» und den Glanz ihrer Musik (Gloria-Fuge insbesondere) und durch die stark hervortretende Stellung des Orchesters; die Gesangs- solis haben im Verhältnis zum Chor nur untergeordnete Bedeutung. Den Eindruck des symphonisch gegliederten Aufbaus dieser Meffe als Konzertwerkes verstärken weiter di« breitangelegten langsamen und weihevollen Teile, wie das Kyrie oder das als richtiges Symphonie-Adagio wißende Benediktus. die den belebten und festlichen kontrastreich gegenübergestellt erscheinen. Wie symphonisch und konzertmäßig diese Messe gedacht ist, beweist die Tatsache, daß Bruckner ihr diese und jene Stelle für seine zweite Symphonie entnommen bat. Mit Rücksicht auf den im heurigen Jahre zu begehenden 40. Todestag Anton Bruckners kam der Aufführung seiner F-Moll-Messr auch die besondere Bedeutung einer ehrenden Gedenkfeier zu. Eingeleitet wurde das Konzert durh Beethovens kurze Ouvertüre zu dem heroisch-allegorischen Ballett„Die Geschöpfe desPrometheus", einem Jugendwerk des großen Musiktitanen, das zwar heroisch-pathetisch in dr- Grundstimmung ist, aber nicht so titanenhaft wirkt. wie es der ältere Beethoven dem Titelhelden entsprechend komponiert haben würde, und das auch se-.- nem Charakter nach kaum der Festgelegenheit entsprach. Die Aufführung, die der Bruckner-Meffe untre der Stabführung Dr. Heinrich Swobodas zutei. wurde, war künstlerisch befriedigend, ohne Bruckners Bedeutung und Größe zu offenbaren. Sie litt unte- dynamischer Gleichförmigkeit und war in den Chorleistungen überzeugender- als im instrumentalen Sinn.. Aber auch dem Chor glückte nicht alles; Jntonationsunsicherheiten und Unreinheiten, rhythmische Ungenauigkeiten und dynamische Ungleichmäßigkeiten trübten sehr oft das-Klangbild. Unsicheren Eindruck machte auch das Soloquartett der wenig zusammenklingenden Stimmen Rose B o o k s, Lydia Kindermanns, Kurt Baums und Josef Hagens. Das Konzert, das auch im Rundfunk gesendet wurde, war nur sehr schwach besucht, bewies also neuerdings die Bruckner-Antipathien des Prager Konzertpublikums. E. II Wochrnspielplan drS Reuen Deutschen Theaters. Heute, Mittwoch, halb 8 Uhr: Der heilige Antonius, BI.— Donnerstag 7)4: KatharinaJsmailowa C 2.— Freitag 7VJ: Unentschuldigte Stunde. D 2.— Samstag: Der Freischütz, neu- .inszeniert. B 2.— Sonntag 2