Sosialdemokrat ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 16. Jahrgang Die Repressalien Freitag, 21. Feber 1936 gegen die Schweiz Rasche Verwirklichung Bern.( Havas.) Das Außenministerium erhielt von der Schweizer Ge sandtschaft in Berlin die Nachricht, daß die deutschen Behörden das Verbot sämtlicher schweizer Vereine im Reiche bestätigt haben. Diplomatischer Schritt in Bern Berlin.( DNB) Der deutsche Gesandte. in Bern ist beauftragt worden, der schweizerischen Regierung eine Note zu übermitteln, in der nach drücklich Protest gegen den Beschluß des Bundesrates erhoben wird, der eine Landesleitung und Kreisleitungen der NSDAP in der Schweiz untersagt. Die deutsche Note wendet sich gegen die in diesem Vorgehen liegende politische Demonstra= tion. Sie spricht die Erwartung aus, daß der Beschluß des Bundesrates rückgängig gemacht werden wird. Italiens Bärendienst für die weiße Rasse Brüssel.( Reuter.) Der belgische Oberstleutnant Reut, der Chef der Freiwilligen Mission in Abessinien war, erklärte nach seiner Rückkehr in die Heimat, daß in den Reihen der abeff nifchen Bevölkerung der Haß gegen die Angehörigen der weißen Raffe ohne n= terschied zunehme. Diefer Haß nehme gefährliche Aus ma e an. Die abeffini schen Soldaten lehnen es ab, zwischen Italienern und anderen Europäern zu unterscheiden. Es seien die schlimmsten Folgen zu befürchten. Es wird welter gepumpt des Programmes der Linksfront Madrid. Die neue Regierung hielt Don-| ten Häftlinge betrifft, so können diese sofort freinerstag ihren ersten Ministerrat ab. Nach der Er- gelassen werden, sobald die Regierung die diesnennung einer Reihe von höheren Regierungs- bezügliche Entscheidung fällt. beamten wurden die einzelnen Punkte des bereits Auf die Nachricht von der Bildung der neuen vor den Wahlen zwischen Linksrepublikanern, So- Regierung bildeten sich in Madrid Umzüge. Vor zialisten und Kommunisten vereinbarten Regie- dem Innenministerium brachte die Menge Hochrungsprogramms durchbesprochen, um sofort an rufe auf die linksrepublikanischen und sozialistieine möglichst schnelle Durchfüh= schen Führer und auf die Republik aus. Die rung des Arbeitsplan e 3 heranzu- Manifestanten führten zum großen Teil rote gehen. Der Ministerrat genehmigte ferner den Fahnen mit und sangen die Internationale". Rücktritt des spanischen Botschafters beim Vatikan Ministerpräsident Azana erschien in BeBita Romero. Zur Verhinderung der Kapi- gleitung des Präsidenten der sozialdemokratischen als flucht wurde die Grenzkontrolle ver- Gewerkschaften Largo Caballero auf dem schärft. des Innenministeriums und richtete eine Ansprache an die Massen. Er erklärte, daß Das neue Parlament tritt am 3. März zu- das Regierungsprogramm ohne Abstriche ſammen. Der Ministerrat prüfte ferner die Lage der politischen Häftlinge, die nach den revolutionären Ereignissen des Oftober 1934 verurteilt worden waren. Sie werden lediglich he dingt in Freiheit gefeßt werden können. Das Sondergesetz über die Amnestie wird erst später erlassen werden. Was die bisher nicht verurteilItalien veröffentlicht ein britisches Geheimdokument London.( Reuter.) Die Veröffentlichung eines britischen Geheimberichtes über Abessinien im ,, Giornale d'Italia" hat in London eine politische Sensation hervorgerufen. Es handelt sich um ein amtliches Dokument, das Eigentum der britischen Regierung ist. Obzwar das Dokument nichts enthält, was verschiviegen werden müßte, wird die Frage, wie das Dokumentin fremde Hände geraten ist, zweifellos Gegenstand einer sorgfältigen amtlichen Untersuchung sein. Balkon " berwirklicht werde und daß am Donnerstag alle Gemeindeverwaltungen in ihrer parteipolitischen Zusammenseßung vom 12. April 1931, die auf Grund der Ereignisse vom Oktober 1934 aufge= hoben worden waren, wieder eingesetzt werden Der Ministerpräsident forderte dann würden. die Menge auf, mit Vertrauen der kommenden Arbeit der Regierung entgegen zu sehen. Eine katholische Rüge für Otto Habsburg Die fatholische und antihiflerische Wochenschrift Europa", die in Paris erscheint, aber bis zu einem gewissen Grade als Sprachrohr des österreichischen Katholizismus gelten darf, richtet an die Adresse des habsburgiichen Prätendenten folgende ebenso höfliche wie beutliche und für die gegenwärtige Situation bezeichnende Rüge:. ,, Erzherzig Otto ist ein Privatmann. So sagt man uns wenigstens, und fügt hinzu, als Privatmann hat er das, Recht, jederzeit, wann und wie es ihm beliebt, dahin und dorthin zu reisen, aber auch nach Paris, selbstverständlich. Unbestreitbar. Einzelpreis 70 Heller ( einschließlich 5 Heller Porto) Nr. 44 Kommunistisches Ringelspiel „ Wenn wir nun, fünf Monate nach dem VII. Kongreß der KJ die Frage untersuchen, in wieweit die Führung der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei die neue Linie des VII. Kongresses der KJ verstanden, ausgelegt und an gewendet hat, dann müssen wir sagen, daß sie sia im Bestreben, leichte und schnelle Erfolge zu bekommen, unrichtig, opportunistish ausgelegt und angewendet hat... Viele Pacteimitglieder werden sich bestimmt fragen: We konnte es dazu kommen, daß bei der Durchfüh rung der Parteipolitik sich so grobe Ent stellungen der Partei linie zeigen fonten?... Aber bei uns ging es schon schlieflich nicht mehr um neugeborene fleine Fehlerchen. sondern um opportunistische Fehler, welche in die Kommunistische Partei wie die Fau aufs Auge paßten. Nun, sagen wir, ein touch unerhörter Artikel, wie es der Artikel des„ Rudé Právo" war, der zur Erhöhung der Rüstungen aufrief. Oder die sich ewig wiederholenden abstoßenden Verbeugungen an die Adresse Hampls, Nečas u. ä. umgefärbte„ Linke". Oder die Abstimmung für zwei Kapitel des Regierungsbud gets. Oder das verschiedentliche Geschwätz über die„ Milderung der Klassenspannungen" Und fo weiter. Könnte das die Parteileitung dulden oder bazubeitragen, wenn bei ihr revolutionäre Wadisamkeit gewesen wäre? Hätte die Parteileitung nicht rechtzeitig die Köpfe zusammengesteckt und ernst untersucht, wo eigentlich dieser oppor tunistische Schmutz entspringt, wenn sie revolutionäre Wachsamkeit besessen hätte? Konn ten unsere Organisationen, unsere Mitglieder so lange dulden, daß die Linie des VII. Stongresses der K in so wichtigen Fragen opportunis stisch entstellt wird, wenn man ihnen revo Intionäre Wachsamkeit bestanden hätte? Sicher lich wäre jede opportunistische Tendenz in dez Partei schon im Reine erstickt worden, wenn die Parteileitung und die gesamte Partei genügende revolutionärte Wachsamkeit an den Tag gelez: hätten. Abgeordneter Klemens Gottwald in der Berlin.( DNB) Als Ergebnis der vom ,, Roten Fahne" vom 14. Feber 1936. 10. bis 20. Feber d. I. zwischen den Vertretern der ausländischen Gläubigerkomitees und dem Die Kommunistische Partei hat, wie aus den deutschen Ausschuß als Vertreter der Schuldner- Es handelt sich um den Bericht des Unterobigen Ausführungen ihres Gott sei's geklagt interessen geführten Verhandlungen ist der Be- staatssekretärs des Kolonialministeriums Sir " Führers" hervorgeht, schivere Fehler beganfchluß gefaßt worden, die Verlängerung John Maffey, der den Vorsiz in der im Jahre Und wenn der Thronprätendent in Begleitung gen. Das kann bei einem Menschen vorkommen, des deutschen Kreditabkommens 1935 zum Studium der britischen Interessen in des Legitimistenführers, Exzellenz Wiesner, in Paris bas kann auch einer Partei geschehen. Immerhin mit nur unbedeutenden Aenderungen für die Abessinien gebildeten Ministerkommis erscheint, so erscheint er nicht mehr als Privatmann, wird man, wenn eine Partei ununterbro= Dauer eines weiteren Jahres, nämlich bis 28. fion führte. Die Kommission gelangte erst Mitte sondern als der Anwärter auf den Thron der Habs- chen Fehler begeht, wenig Vertrauen zu ihr haben. Feber 1937 zu empfehlen. Die Gläubiger- Komi- Juni zum Abschluß. burger. Die KPC aber hat während der verhältnismäßig tees vertraten die Banken folgender Länder: BelDer Bericht spricht von dem Dreis Das verpflichtet ihn zu gefurzen Zeit ihres Bestandes schon so viele Fehler gien, Tschechoslowakei, Frankreich, Groß- Britan- machte vertrag aus dem Jahre 1906 und wissen Rücksichten auf die politi begangen, die Garnituren wurden schon so oft ausnien, Holland, Schweden, Schweiz und die Ver- auch von italienisch abessinischen sche Lage seines Landes und auf gewechselt, daß man sie gar nicht mehr zählen einigten Staaten von Nordamerika. Da alle ita- Angelegenheiten sowie von britischen Inter- die europäische Situation über- fann. Hunderte von Menschen sind aus der Fühlienischen Forderungen getilgt worden sind, ist der essen. Aus dem Bericht geht hervor, daß sich die haupt. rung der Partei im Laufe der Jahre verschwun italienische Bankenausschuß an dem neuen Ab- britischen Interessen in Abessinien nur auf den Die Frage der Restauration ist un den, während manche immer wiederkehren, so wie kommen, welches das sechste Stillhalteabkommen Tiana- See und auf die Frage des Weiderechtes 3 eitgemäß. Sie wird nicht zeitgemäßer durch die Figuren des Prager Rathauses, die eben jetzt sein wird, nicht beteiligt. beschränken. den verderblichen Eifer, den ihre in der Reparatur sind. Anhänger im gegenwärtigen Augenblid an den Tag legen. 35.000 Tonnen- Schlachtschiffe zugelassen? London. Der diplomatische Vertreter des Reuterbüros teilt mit: Falls die Washingtoner Regierung auf der Forderung weiterbestehen wird, daß die Grenze für Linienschiffe auf 35.000 Zonnen und 14zöllige Geschüße festgesetzt wird, dann spricht alles dafür, daß Frankreich auf seine Forderung verzichten wird, die LinienSchiffe auf 27.500 Tonnen mit 123ölligen Geschüßen zu begrenzen. Die technischen Abkommen über die qualitative Begrenzung und über den Austausch von Informationen sollen schon in der ersten Woche des Monates März paraphiert werden. Franco übernimmt die Macht wurde der Inhalt des Dokumentes niemals mitgeteilt. So schaut also die Partei aus, deren Anges hörige und Redner sich über die sozialdemokratie schen Arbeiter erhaben fühlen, das sind diejenigen, welche uns mit ihren Methoden beglücken wollen! Die rasche Entwicklung der Ereignisse nach der Erklärung Italiens zum Angreifer machte die Veröffentlichung des Berichtes überflüssig, wesDie österreichische Regierung entfaltet eine halb von seiner Publikation abgesehe:: wurde. große außenpolitische Initiative, die der ta biAuch der italienischen Regierung Tisierung im Donauraum dient. Sie wollen die Einheitsfront ma= Das ist eine der wichtigsten politischen Aktionen chen mit uns, mit wem aber solien überhaupt. Man kann beim besten Willen nicht wir sie machen? Wenn man mit der KPC Es wird noch hinzugefügt, daß die Maffey- jagen, daß die Restaurationsabsichten und Gespräche Politik machen würde, müßte man eben ieden Kommission im Feber vorigen Jahres auf angeb dieser dringend notwendigen Konsolidierung im Augenblick eine andere machen, denn man weiß liche Anregung des italienischen Botschafters Donau- Moldauraum dienen. Heute bestimmt nicht. nicht, wenn Gottwald einmal nach Moskau fährt, Das kann aber einmal anders werden. Aber wir wann und mit welcher Politik er zurückfommen haben das sichere Gefühl, daß die Restauration wird. Wenn noch das Einbekenntnis der Fehler, immer weiter in die Ferne rückt, je heißer sich die wie sie Gottwald aufzählt, ehrlich gemeint wäre Legitimisten darum bemühen. Die Schwierigkeiten wachsen mit dem Eifer, den man in dieser Frage zeigt, und wir können es nicht verstehen, daß ein diplomatisch so erfahrener Mann, wie der Gesandte a. D. von Wiesner, gerade im gegenwärtigen Augenblick ein solches Ungestüm an den Tag legt. Die Habsburger sind ein altes Geschlecht, sie haben jahr hundertlang regiert und bei dem unerschütterlichen Grandi, daß die britische Regierung die Frage der italienischen und britischen Interessen in Abessinien zu prüfen, gebildet wurde. Die Erbebungen waren auf die britischen Interessen im Lande beschränkt; die sich aus dem italienischabessinischen Konflitt ergebenden moralischen Fragen wurden beiseite gelassen. Die Katholikenverfolgung und aus der Tiefe der Ueberzeugung fäme, fönnte man sich damit abfinden. Aber wer bürgt dafür, daß, was Gottwald heute sagt, in drei Monaten nicht„ opportunistisch" oder eine grobe EntstelLung der Parteilinie" sein wird. Da haben die Herren Kommunisten in ihrer Parteipresse vor nicht zu langer Zeit ellenlange Diskussionen ges führt und es ist noch ein Glück, daß niemand dies Afuncion.( Reuter:) Der Führer des Auf- Berlin. Das Deutsche Nachrichtenbüro melstandes Franco übernahm mit heutigem Tage det: Im Rheinland und in Westfalen läuft zur Glauben an die Größe ihres Geschlechts wie an bandwurmartigen Artikel gelesen hat, denn dari vorläufig das Präsidentenamt. Er beabsichtigt, Zeit durch die Geheime Staatspolizei eine poli- jeine unvergängliche Mission sollte es we der stand so ziemlich das Gegenteil dessen, was eti noch feinen Gottwald fagt. Gewiß, es fann vorkommen, daß eine Regierungsjunta zu bilden, Wahlen durch zeiliche Attion mit dem Ziele, die Zusammenar dem Erzherzog, zuführen, die Verfassung zu ändern usw., so daß beit zwischen einem katholischen Jungmännerver- reunden auf ein paar Jahre eine politische Partei ihre Auffassungen und ihre bersichert wird, daß es im Verlaufe von zwei band sowie der illegalen fommunistischen Orga- mehr oder weniger antommen. tattische Einstellung ändert, denn wir alle stehen Monaten möglich sein wird, ein normales ver- nisation Deutschlands aufzudecken. Im Verlaufe Erzherzog. Otto ist nach unserer Auffassung der lebendigen Entwicklung gegenüber und müsse faffungsmäßiges Leben einzuführen. Die Auf- dieser Aktion wurden bis jetzt sieben fommunite in Privatmann, und da er laut und im Intereffe unserer großen Sache aus den Ereig= rechterhaltung der inneren Ordnung im Lande stische Führer, zehn Geistliche und 45 Laienfüb- deutlich politische. Aspirationen befundet, hat er auch niffen Ternen. Jit es aber wirkliche Erkenntnis, wurde den ehemaligen Kriegsteilnehmern aus rer des katholischen Jungmännerverbandes fest seinem Lande gegenüber eine immer gegenwärtige wenn man jede drei Monate oder jedes halbe Jahr politische Verantwortung." die Wahrheit darin ficht, was man ein halbes dem Gran Chaco anvertraut. genommen. Seite 2 Freitag, 21. Feber 1936 Nr. 44 Jahr lang Ivütend bekämpft? Tas hat mit einem wahrhaft proletarischen Streben nach der Erkenntnis dessen, Iv a s i st, n i ch t S z u t u n. Die Folgen dieses östern Wechsels des Standpunktes sind, daß die kommunistischen Arbeiter und die kommunistischen Versammlungsredner niemals wissen, was in dem betreffenden Augenblick richtig ist. So ist es sozialdemokratischen Vertrauensmännern insbesondere in der Zeit des letzten Kongresses der Kommunistischen Internationale geschehen, dass sie mit kommunistischen Rednern zusammengetroffen sind, welche di- Zeitung an dem betreffenden Tage noch nicht gelesen hatten und das Gegenteil von dem sagten, was auf dem Moskauer Kongreß verkündet wurde. Sie wanderten noch auf der alten Linie, während schon die andere Linie die offizielle war. Wie groß die Verwirrung in den kommunistischen Reihen ist, erfuhr einer unserer Genossen am letzten Sonntag, als er dem kommunistischen Gegenredn.'» in der Versammlung die Frage stellte, ob die Sozialdemokraten aus der Regierung austreten sollen oder nicht. Der kommunistische Referent stotter.e lange herum und erklärte schließlich, er werde die Antwort— in zwanzig Minuten geben. Er war I Der Mieterschutz Im Mittelpunkt der Verhandlungen Prag. Die Erwartung, daß die Regierung dem Abgeordnetenhause noch am Donnerstag einige jener Vorlagen zustellen werde, die seit längerer Zeit Gegenstand der ministeriellen Beratungen sind, hat sich nicht erfüllt. Wie aus dem offiziellen Bericht über den Mini st errat hecvorgeht, wurde ein Gesetzentwurf über die Baubewegung ztvar verabschiedet, die Vorlage an das Parlament wird jedoch erst in der nächsten Sitzung am 27. d. M. erfolgen. Es handelt sich hiebei um die Bauförderung und um den staatlich subventionierten Bau von WohnküchenfürdieärmstenSchich- t e n der Bevölkerung. lieber den Mieterschutz, der mit Ende März abläuft, ist noch keine Entscheidung gefallen, die Verhandlungen darüber werden Freitag im wirtschaftlichen Ministerkomitee fortgesetzt werden. Es liegen agrarische Anträge vor, für die Liquidierung des Mieterschutzes bei Zweizimmerwohnungen einen Endtermin(Mitte 1937?) zu fixieren, andererseits sind Bestrebungen im Gange, diese Liquidierung nicht generell durchzuführen, sondern eine soziale Lösung in der Richtung zu suchen, daß Mieter unter einer gewissen Einkommensgrenze nicht betroffen werden. Bor allem für die Einzimmerwohnungen beharren die s o z i a l i-' st i s ch c n Parteien, falls auch hier bereits ein Endtermin festgesetzt werben sollte, unbedingt auf Ausnahmen für die sozialschwäch- st e n Mieter. Beide Vorlagen werden vom Parlament jedenfalls zu gleicher Zeit verabschiedet werden. Weiters genehmigte der Ministerrat die Verlängerung der Verordnung über die Ver- dindlichkeitserklärung drrKollektivver- träge um weitere zwei Monate, das ist biS Ende April d. I. In der Zwischenzeit sollen die Verhandlungen über die definitive Form dieser Verordnung zum Abschluß gebracht werde». Auf dem Gebiete der Arbeitslosenfürsorge wurden vom Ministerrat einige An- nicht imstande, auf die Frage des sozialdemokratischen Redners mit ja oder nein zu antworten und mußte unter dem Gelächter der Versammlung abziehen. So bringen alle die langen Reden und Artikel der Kommunisten und ihrex Presse keine Klärung in dieser ernsten Zeit, sondern tragen nur eine verhängnisvolle Verwirrung in die Reihen jener Arbeiter hinein, die von der kommunistischen Agitation erfaßt werden. Einige Monate hat es geschienen, als ob die KPC eine reale Politik zu machen sich anschicken würde, als ob sie die Absicht hätte, mit uns zusammen- die Demokratie tatkräftig und aktiv zu verteidigen und mit entschlossener Hand in den Befreiungskampf des mitteleuropäischen Proletariats einzugreifen. Rach dem Auftreten Gottwalds, dem sich die KP§ zweifellos beugen wird, ist diese Illusion begraben. D i e Kräfte der in der Kommuni st ischen Partei organisierten Arbeiter gehen für den aktiven Kampf der Arbeiterschaft in der Tschechoslowakei verloren und die Kommunistische Partei wird, wie ein tschechischer Publizist richtig sagte, weiter den Buddha spielen, der sich in ewiger Betrachtung des eigenen Nabels erschöpft. träge betreffend die Durchführung des G e n t e r S y st e m s genehmigt. Es handelt sich jedoch nur um laufende administrative Maßnahmen, so um die Regelung der Frage der Vorschüsse an die Gewerkschaften und um Ansuchen von Ge- werffchaften um Einbeziehung in das Genter System. Bei den Verhandlungen in den letzten Tagen spielte auch die Frage der Durchführung des Gesetzes über die finanzielle Hilfe für. die Selbstverwaltungskörper eine gewisse Rolle. Grundsätzlich genehmigt wurden vom Ministerrat ferner eine Regierungsverordnung über die Organisierung der Polizeiverwaltung und des Polizeidienstes und der einschlägigen Zweige der inneren Verwaltung. Es han- delt sich hier nicht um den Sicherheitsdienst selbst, sondern um Fragen, welche in den Bereich der Selb st Verwaltung fallen. Genehmigt wurde weiter eine Vorlage über die Regelung der Wahlkreise in der Slowakei, deren Abgrenzung zweckmäßig geändert werden soll. Zu Beginn des Ministerrates hatte Ministerpräsident Dr. H o d z a über seine in Paris geführten Verhandlungen und über die gesamte außenpolitische Lage sowie über seine bevorstehende Reise nach Belgrad einen Bericht erstattet, der mit einmütiger Zustimmung zur Kenntnis genommen wurde. Kinderhilfsaktion Im Gesundheitsministerium werden derzeit einvernehmlich mit dem Fürsorgeministerium Richtlinien für eine Kinderhilfsaktion ausgearbeitet, durch die gesundheitlich gefährdete Kinder von Arbeitslosen aus den Notstandsgebieten für einige Wochen in Erholungsheime geschickt werden sollen. Der Ministerrat hat für diese Aktion bereits einen entsprechenden Betrag bewilligt. Wir kommen auf die näheren Details der Durchführung dieser begrüßenswerten Aktion noch ausführlicher zurück. kemeZ segen Budgetüberschreitungen ohne Genehmigung des Parlaments Prag. Das Parlament beendete Donnerstag die Debatte über den Staatsrechnungsabschluß für 1934 und vertagte sich dann bis Donnerstag, den 27. Feber, um 3 Uhr nachmittags. Aus der gestrkgen Debatte ist besonders das außergewöhnlich scharf formulierte Schlußwort des Budgetreferenten R e m e s hervorzuheben. Reines reagierte darin auf die Bemerkung eines Redners, daß niemand schärfer die Wirtschaft der Regierung kritisieren konnte als der Berichterstatter selbst, mit der Feststellung, daß seiner Auffassung nach der Berichterstatter verpflichtet sei, seine Ansichten. wie immer sie auch seien, ungeschminkt oorzutragen. Es könne für die Regierungsmehrheit nur ein Plus sein, wenn der Referent den Mut habe und die Verpflichtung in sich fühle, dort d i e Wahrheit zu sagen, wo sie im Interesse des Staates gesagt werden muß. Es wäre traurig bestellt. wenn die Angehörigen der Mehrheit alle Vorlagen so annehmen müßten, wie sie dem Parlament borgelegt werden. Remes schloß sich auch den Ausführungen des Abgeordneten SlaviLek vollinhaltlich an, daß das Parlament darauf bestehen müsse, daß ihm Budgetüberschreitungen rechtzeitig zur Genehmigung vorgelegt werden. Di» Regierung müsse sich vor Augen halten, daß das Parlament die Budgetüberschreiwngen nicht immer Äbne Konsequenzen nachträglich genehmigen müsse und schließlich auch einmal tatsächlich nicht genehmigen werde. Es könnte einmal der Fall eintreten, daß sich die Regierung deshalb eine Ministeranklage zuzieht. Die verantwortlichen Herren in den Ministerien und im Präsidium des Ministerrate- sollen wissen, daß das Gesetz, wenn es für jÄen gewöhnlichen Sterblichen gsit, um so mehr auch für die Regierung und für die Ministerien gelten müsse. (Beifall.) Der Staatsrechnnngsabschluß wurde dann ohne Aenderung genehmigt und die nachträgliche Bewilligung zu einzelnen Budgetüberschreitungen erteilt. S'luns des Obersten S aats- Verteidigungsrates Prag. Der Oberste Staatsverteidigungsrat, der Donnerstag auf der Burg in Anwesenheit der Mitglieder des Rates und der Vertreter der Militärverwaltung eine Sitzung abhielt, behandelte eine Reihe von Fragen, militärische Angelegenheiten betreffend, und genehmigte unter anderem im Prinzip den Gesetzentwurf über die Staatsverteidigung, mit welchem sich noch die Regierung befassen wird und der dann dem Parlament vorgelegt werden wird. Kommunistische Geheimdruckerei entdeckt Fünfzehn Verhaftungen in Prag Die Polizeidirektion in Prag teilt mit: In letzter Zeit wurde sowohl in Prag wie am Lande die Verbreitung deutscher Agitationsdruckschriften festgestellt, die durch ihre Form und ihren anstößigen Inhalt gesetzwidrigen Charakter hatten, denn sie enthielten auch die Propagierung einer gewaltsamen Aenderung der demokratischen Ordnung. Durch Nachforschungen nach dem Ursprung dieser Druckschriften wurde festgestellt, daß diese unter den reichsdeuffchen Emigranten verbreitet werden und auch für die Verbreitung I jenseits der Grenze bestimmt sind. Sie wurden in einer Prager Druckerei hergestellt und in einem I Magazin aufgestapelt, das. zu diesem Zwecke eigens gemietet wurde. Bei der Hausdurchsuchung in der Druckerei und im Magazin wurde eine bedeutende Zahl dieser Druckschriften beschlagnahmt. Die Urheber dieser gesetzwidrigen Agitation, in der Mehrzahl reichsdeutsche Emigranten, ungefähr 15 Personen, wurden sichergestellt und unter entsprechender Strafanzeige m die Hast des Kreisstrafgerichtes in Prag eingeliefert. Gegen die chauvinistischen XoionisationspiSne In einem Aufsatz der„Zukunft" widmet Genosse Willi Wanka den Fehlerquellen der tschechischen Politik ein offenes Wort. Er schreib? dabei über die Kolonisationspläne der ffchech.» scheu Chauvinisten: Jede Jnnenkolonisation, die ihr Hauptziel in der Stärkung deS tschechischen Elements im deutschen Gebiet erblickt, Vst keine staatspolitische Aufgabe, sondern schafft dem Staate immer neue Feinde, weil sie den Deutschen den Weg zur Reugründung einer Existenz abschneiden mutz. Dee Staat kann nicht vor der Aufgabe ausweichen, daß er den Deuffchen, die er gewollt hat, eine genügend breite Existenzbasis beläßt und dort neu- schafft, wo sie zusammengeschrumpst ist. Henlein ist nicht durch die„Hraniöäki", sondern nur durch die staatstreuen deutschen demokratischen Menschen z u s ch l a g e n, die der Staat zu allererst dadurch an sich binden mutz, daß er ihnen ausreichend: Lebensmöglichkeiten sichert. Wenn also die tschechische Innenpolitik das deutsche Grenzgebiet wirklich sichern will, dann vollziehe sie eine Abkehr von der bisher üblichen Art der wirtschaftlichen Durchdringung der deuffchen Bezirke durch tschechische Clemente und setze sie im Grenzgebiet soziale Leistungen ohne Rücksicht auf falsche nationale Erwägungen. DaS wird den Tschechen als Staatsnation noch lange keinen Abbruch tun, aber dl« Deutschen kann es aus der Gefolgschaft Henleins und zu positwer Einstellung zum Staate führen! Ehrung des Genossen Schäfer. In der gestrigen Sitzung unseres Abgeordnetenklubs verabschiedete sich der Vorsitzende Genosse de Witte mit einigen herzlichen Dankesworten für dessen große Leistungen auf parlamentarischem Gebiet von dem scheidenden Genossen Schäfer, der im Vormonat nach fast dreißigjähriger Tätigkeit als Parlamentarier sein Mandat mit Rücksicht auf sein Alter zurückgelegt hat. AIS Vorsitzender des gemeinsamen Klubs schloß sich Genosse Dr. Czech den Dankesworten an. Genosse Schäfer dankte, sichtlich gerührt, für die schlichte, aber eindrucksvolle Ehrung.— ES wurde sodann Genosse Katz einstimmig zum Nachfolger Schä» fers als Klubkafsier gewählt. Die Schiedskommissionen für die Baumaterialien-Preise, deren Errichtung vom letzten Ministerrat grundsätzlich beschlossen wurde, sollen bereits in den nächsten Tagen konstituiert werden. Es handelt sich darum, unbegründete Preissteigerungen der Baumaterialien, die zu einer Gefährdung der kommenden Bausaison führen könnten, verläßlich hintanzuhalten. Die Schiedskommissionen werden bei den einzelnen Landesämtern errichtet; ihre Mitglieder sollen aus Vertretern der Behörden(des Wucherdienstes), aus Vertretern der Produzenten, der Baumeister und der Baugenossenschaften bestehen. MANNER, FRAUEN I UND WAFFEN I ■ Roman von Manfred Georg| Copyright by X>r. Mtntred Georg, Präs Mardrier verzog ein wenig das Gesicht: „Sehen Sie. wir sind unter Männern. Ich weiß, daß die Sache für Sie sehr wichtig ist. Hoffentlich überschätzen Sie sie nicht. Versuchen Sie zu unterscheiden, was wirkliche. Wille ist oder nur dumpfe'Gewöhnung' an einen Wunsch. Sie brauchen gar keine ungeduldige Bewegung zu machen. Allerdings wäre es das erstemal, daß ick einen Auftrag erfülle, der mir nicht angenehm ist. Die Söanee hat mich sehr angestrengt. Ich hatte danach noch einen ganzen Tag Nerven- sckmerzen. Das lähmt mich, macht mich unfähig für andere Geschäfte. Wer trotzdem wären Sie zufälligerweise in der Lage, mir einen Wunsch zu erfüllen. Lassen Siö die Brieftasche ruhig stecken. Sie waren mit einer Frau da auf dem Semmering, die mich kxhr interessiert. Ziehen Sie kein Gesicht, eö wird tatsächlich romarüischer als Sie denken. Diese Frau stand Ihnen doch sehr nahe? Es schien mir wenigstens so. Fragen Sie sie, ob sie einen Wend zu mir kommt, wenn ich die Skanee für Sie mache. Es ist das einzige, was mir im Augenblick lohnend erscheint. Sie werden mir zugeben— Sie sind doch«in Mann — daß es sinnlos wäre, statt dessen tausend Schilling zu fordern. Sie sind sicher auch modern genug, um jetzt nicht aufzubrausen und mich einen Schurken und Wahnsinnigen zu nennen. Ueberlassen wir das den Helden in schlechten Romanen. UebrigenS wollte ich Sie noch um Rat fragen: Da wird augenblicklich zwischen Ungarn und Jugoslawien ein Vertrag über Agrarprodukte abgeschlossen, und die Finanzierung soll in Wien siattfinden. Ein Doktor Brinnitzer führt hier die Verhandlungen, ist das ein Mann, auf den man sich verlassen kann?" „Soweit ich Brinnitzer kenne:;«." „O, das ist mir sehr lieb, von Ihnen zu hören. Dann werde ich da hineinsteigen." „Sie machen auch Finanzgeschäfte?" „Aus Liebhaberei. Dafür sammle ich aber keine Briefmarken. Rauchen Sie noch?" „Danke, nein." „Also, dann entschuldigen Sie mich jetzt vielleicht. Ich muß rasch fort und vorher noch ein paar Gespräche führen. Auf Wiedersehen, nicht wahr?" Sie lagen im Dunkeln nebeneinander. Schließlich stieß Schumann hervor: „Ich habe mir bis vor fünf Minuten nicht vorstellen können, daß ich es dir sagen könnte." „Jetzt hast du es aber getan." „Ich bin herumgelaufen wie blind, dann habe ich zurückwollen und ihn ohrfeigen. Ich habe ordentlich seine Backenknochen krachen hören. Nachher habe ich stundenlang vor einem Kino gestanden, das eine feurige Lauffchrist hatte, die sich jede Minute erneute. Ich habe gemeint, daß, wenn ich die Augen von dieser Schrift ließe, ich aufs Pflaster stürzen würde." „Aber ich habe dir doch gesagt, daß ich dich liebe." „Was heißt das bei Dir?" „Ganz schlicht und einfach das, was es bei jeder Frau heißt. Ich liebe dich so sehr wie mich selbst. Nm meinetwillen. Das ist mehr als Ver- fallensein. Außerdem, du vergißt, woher ich komme." „Ich vergesse es nicht, denn ich weiß es ja nicht." „Meine Großmutter ist als junges Mädchen noch an einen Pfahl gebunden und ausgepeitscht worden, nachher— na, du wirst ja wissen, wie Blut auf Männer wiffkt. Mein ältester Bruder, der von Haiti in die Staaten wanderte, wurde in Tennessee gelyncht, weil ihn die Frau eines Advokaten, die übrigens jetzt in einer Irrenanstalt sitzt, beschuldigt hatte, ihr unter die Rücke gefahren zu sein. Er war natürlich völlig unschuldig. Man hat in meiner Familie manches erlebt. Warum sollte ich es besser haben? Außerdem habe ich es besser, denn ich habe dich." Schumann sah, wie sie sich aufrichtete. Sie beugte sich über ihn und sah ihn lange an. Er konnte ihre Augen in der Schwärze des Zimmers kaum unterscheiden, aber er spürte in der Spannung der Minute, wie sie, ohne ihn auch nur zu berühren, in ihn eindrang, wie der Strom ihrer Gefühle durch die Poren in sein Blut einsickerte, wie er den Lauf seines eigenen beschleunigte. „Wer bist du eigentlich?" fragte er. „Das weiß ich noch nicht. Aber ich glaube, auf dem rechten Weg." „Wohin?" „Vielleicht zu meinen Kindern." Sie schwiegen lange. Er grübelte über ihre Zweideutigkeiten nach. Mit einem Male fiel ihm der junge Mann mit der Mütze ein. Er sprach davon: „Wer ist das eigentlich?" „Ein Bekannter." „Hat er einen Beruf?" „Ja, er ist Ingenieur. Aber er hat keine Stellung. Infolgedessen verteilt er Zettel, ist Ausrufer im Prater mitunter und macht sonst so allerhand." „Du kennst ihn näher?" „Eigentlich nicht, wir haben nur gemeinsame Interessen." Schumann knipste das elektrische Licht an, das Wort„Interessen" regte ihn auf. Es stand für ihn in seiner Bedeutung und seinem Tonfall so jenseits aller Vorstellung, die er von Hayder hatte, daß er sie ansehen mußte. Sie lag, die Hände hinter dem Blauhaar- Schopf verschränkt, auf dem Rücken und sah ihn überrascht an: „Was ist denn?" „Ich verstehe das nicht: Interessen! WaS hast du mit diesem unangenehmen Kerl ge» »Pinsam?" Haydee schielte, ohne große Lust zur Antwort zu haben, nach ihrer linken Brustspitze. „Gott, viele Menschen haben doch gemeinsame Interessen. Das hat doch nichts mit ihnen selbst zu tun. So meine ich das." „Ich finde den Kerl gräßlich. Woher hat er überhaupt dieses widerwärtige Auge?" „Das weiß ich nicht genau. Ich glaube, er hat bei einer Schlägerei einen Hieb über den Schädel bekommen. Jedenfalls ist die Sehkraft links zerstört." „Hast du denn vor Mardrier gar keine Angst?" „Nein. Ich freue mich auf ihn." „Du bist doch wohl wahnsinnig? Oder möchtest Du vielleicht ironisch sein? Wenn ich es dir nun also nicht erlaube?" „Du mußt mir's ja erlauben! Du willst doch wissen, wo deine Tochter ist. Das ist doch wichtiger, als wenn ich einige Unbequemlichkeiten habe. Nicht wahr? Du könntest doch nicht ohne sie leben? Obwohl du noch nie mit ihr gelebt hast. Wer sprechen wir nicht davon. Mich reizt Mardrier. Er ist sicher der sanfteste Schurke, den eS gibt. Und sicher noch etwas mehr. Du brauchst keine Angst zu haben: Du bist mir nicht verpflichtet. Außerdem, ich bin ja sehr bald in Barcelona.— Aber jetzt bin ich müde. Dreh doch das Licht aus." Ohne dies abzuwarten, kam sie zu ihm und legt« ihr Gesicht Zwischen seinen Hals und seine rechte Schulter und war wie ein Kind in einer halben Minute eingeschlafen. LForffetzung folgt.)) Nr. 44 Freitag, 81. Feier 1936 Seit« 3 Judefciideutafier£eitfspiegel Arbeitslosigkeit Im deutschen und tschechischen Gebiet Auf Grund der Veröffentlichungen des Ministeriums für soziale Fürsorge berechnen die Mitteilungen des Deutschen Hauptverbandes der Industrie: In der ganzen Republik waren von 100V Einwohnern zu Ende Jänner 1938 57.3, von 1 000 Einwohnern in den deutschen Gebieten 97.5 und von 1000 Ein- wohnern in den tschechischen Gebieten 47.0 arbeitslos. Von 1000 Berufstätigen waren zu Ende Jänner 1936 in der ganzen Republik 129.5, in den deutschen Gebieten 192.5 und in den tschechischen Gebieten 109.9 arbeitslos. Dabei wurden als deutsche Gebiete nur jene gezählt, deren Einwohnerschaft nach der letz- ten Volkszählung zu mehr als 50 v. H. aus Deutschen besteht. Auf die Straße geworfen! In der Porzellanfabrlk„Vik- toria" in Altrohlau bei Karlsbad ist 1 4 Beamten und 36 Arbeitern gekündigt worden. Die Maffen-Kündigung hat unter der Arbeiter- und Beamtenschaft des Werkes große Erregung hervorgerufen. In den Büros kam es zu stürmischen Auftritten. Die Gekündigten waren fast ausnahmslos jahrelang arbeitslos, ehe sie vor noch nicht zu langer Zeit bei der ^.Viktoria" Arbeit fanden—. Jetzt sind diese gehetzten Menschen wieder auf die Straße gesetzt worden. vle„Bohemla" wird krlt'sch Schädigung der Aaslanddeutschen durch Hitler Angesichts des Konfliktes der Schweiz mit dem Dritten Reich schwingt sich die„Bohemia" zu der Erkenntnis auf, daß der HitleriSmuS di- Jnteresien der Auslani^eutschen schwer geschädigt hat. Das Blatt schreibt: Nicht zu bestreiten ist die Tatsache, daß die Forderung einer Totalität im weitesten Sinne auch unter den deutschen Minderheiten tief Wurzel geschlagen, daß sie in einer Forderung nach einer umfaffenden Volksgemeinschaft Gestalt ge» Wonnen hat, daß aber diese Volksgemeinschaft, weil ja in den Minderheiten ein Zwang zugunsten , einer bestimmten Führung und einer bestimmten Ideologie nicht geübt werden kann, vielfach nur Anlaß zu tief bedauerlichen Zerwürfnissen und Spaltungen gegeben hat, die das deutsche Volkstum in den betreffenden Staaten st attge stärkt, nurwesentlich geschwächt haben. In einzelnen Ländern wieder hat die starke Anlehnung an den Berliner Nationalsozialismus dazu geführt, daß die Politik des Reiches die eigenständige Politik der Minderheit derart überschattet hat, daß die eigenen Interessen hinter den politischen Interessen des Deutschen Reiches zum Schaden der deutschen Volksgruppe zurückgestellt wurden. Auch die Tatsache, daß die Forderung des Hitler'schen Programm- bucheS nach Zusammenschluß aller Deutschen in einem einzigen Staate Argwohn und M i ß- trauenbeidenRegierungen weckt, hat sich auf deutsch« Minoritäten, di« sich kritiklos dem Kommando Berlins unterstellt haben, ungünstig au-gewirkt. Den Regierungen wird ein willlom- mener Vorwand in die Hand gedrückt, unter Berufung auf diese Ideologie gegen die Minderheit, wann es ihnen paßt, vorzugehen. Auch die Unterordnung der Rechts unter daS nationalsozialistische Machtprinzip kann per analogiam tür den Bestand und die Entwicklung der Minderheiten nur eine nachteilige Wirkung haben, da der^xi- stenzkampf der Minderheiten einzig und allein auf dem Boden eineS festen Rechts unter Anrufung von sittlich unerschütterten Rechtsgrundsätzen geführt werden kann. Wieder eine folgenschwere Betriebsstillegung? Die Leitung der TroppauerJute- f a b r i k hat der Bezirksbehörde die vorübergehende Stillegung deS Betriebes angezeigt. Die Stillegung soll wegen ungenügender Beschäftigung vorgenommen werden. Diese Stillegung ist aber vor allem eine Maßnahme des mächtigen Jute^.Kartells. ES wird an der Behörde liegen, ob zirka 60 Arbeiter die„planmäßige Vroduktionsregelung" des Jute-Kartells büßen sollen. Nach sechs Jahren... Ein vor sechs Jahren begangener Mord ist jetzt von der Pilsener Gendarmerie-FahndungSstelle aufgeklärt worden. Ein gewißer Josef Wartusch in Nrusiedel be> Liidih war in der Nacht auf den 16. Septembei 1929 ermordet worden. Dieser Tage wurde nun der Leiter einer herumvagabundierenden Zigeunergruppe namens Johann I a n e k e k festgenommen. Eristbereitsüberführt, mit mehreren Komplicen die Bluttat begangen zu haben. Unsere Kulturorganisationen beim Präsidenten der Republik Eine wertvolle Aussprache Am Mittwoch, den 19. Feber, sprach, wie wir bereits kurz meldeten» eine Abordnung der deutschen sozialistischen Erziehungsorganisationen beim Präsidenten der Republik vor, um ihn über die Aufgaben dieser Organisationen zu informieren und ihm gewisse Forderungen und Wünsche vorzutragen. Der Abordnung, welche vom Senator Genossen Heinrich Müller geführt wurde, gehörte.» weiter an: Josef Pot- ö a p k a und Alois U l.l m a n n für den„Atus", Karl Kern und Rudolf Geißler für den Sozialistischen Jugendverband, Prof. Gustav Schweitzer und Wilhelm Hocke für den Arbeiterverein Kinderfreunde, Feist.ruer für den Arbeiterrad- und Kraftfahrerbund„Aruk", Theodor Dietl für den Touristenverein„Die Naturfreunde". Senator Müller gab nach einer herzlichen Huldigung für den Präsidenten einen Ueberblick über die Arbeit der sozialistischen Sportorganisationen und wies darauf hin, daß der Arbeitsbereich dieser Verbände in den Notstandsgebieten der Repu- ! blik liegt. Er verwies auf das bevorstehende B u n« d e s f e st und auf die Notwendigkeit, di. Arbeit der sozialistischen Körper- Erziehung-- Organisationen I materiell und moralisch zu unterstützen. Dies sei auch im Hinblick auf die internationalen Verbindungen dieser Organisationen notwendig, die für die Tschechoslowakische Republik in aller Welt werben.— Müller sprach auch für di« Naturfreunde und für den Aruk. Die Darlegungen Müllers wurden durch den Vorsitzenden des Sozialistischen Jugendverbandes, Karl Kern, ergänzt, der in seiner Ansprache der besonderen Freude der jungen Generation des Sudetendeutschtums über die Wahl Dr. Beness zum Staatspräsidenten Ausdruck gab und dem Präsidenten versicherte, daß die sozialistische Jugendbewegung immer den Idealen Masaryks und BeneiS treu bleiben urü> sie der sudetendeutschen Jugend vermitteln werde. In den Darlegungen nahm der Hinweis auf den sozialen Notstand der Jugend«inen breiten Raum ein. Die Forderungen und Wünsche der Jugend wurden näher präzisiert. Die sozialistische Jugend werd« für die Unterstützung, die ihr zuteil wird, mit gesteigerter Arbeit zum Wohle der Republik danken. Hierauf überbrachte der Obmann des Arbeitervereines„Kinderfreunde" Professor Gustav Schweitzer die Grüße und Glückwünsche der sozialist'schen Eltern un^ ihrer Kinder. In kurzen Worten wies er auf die besonders große und schwierige Aufgabe der Kinderfreundebewegung hin. Er sagte, daß es gerade in der schwierigen Situation, in der wir uns befinden, allr Menschen guten Willens mit Zuversicht und Freude erfüllt, daß an der Spitze deS Staates ein Mann stehe, der immer ein Vorkämpfer der Völkerverständigung und der Erziehung zum Guten wär. Präsident Dr. Beneß dankte in einer sehr herzlichen Ansprache, in der er die Aufgaben und Schwierigkeiten der Nachkriegs-Gene- r a t i o n umriß, die er als O p f e r- Generation bezeichnete. Er wisse die Lage der Jugend zu würdigen und freu« sich, zu sehen, daß die Ideale der Demokratie so eifrig und entschieden verfochten werden. Was immer er tun könne, um die schönen Bestrebungen, von denen er hörte, zu unterstützen, werde getan. Dann verblieb der Präsident der Republik noch einige Zeit mit der Abordnung in einem persönlichen Gespräch, in dem er sich über Einzelheiten informieren ließ und mit außerordentlichem Verständnis zu den verschiedenen Problemen und Anregungen Stellung nahm. Die Abordnung verließ den Präsidenten der Republik mit der testen Ueberzeugung, daß der Mann an der Spitze unseres Landes gewillt ist, ihren Bestrebungen seine werwolle Hilfe angedeihen zu lassen. Gestapo-Agentin in Budenbach verhaftet Unter dem zwingenden Verdacht, mit der G e st a p o in VerbindwU zu stellen und an sie Nachrichten weiterzugeben, wurde vor einigen Tagen die 20jährige Sängerin und Artistin Olga K u k a von der Bodenbacher Gendarmerie verhaftet und dem Kreisgerichte in Leitmeritz eingeliefert. Der Verdacht fand durch zahlreiches beschlagnahmtes Material seine Be- st ä t i g u n g. Die Kulka hatte sich dadurch verdächtig gemacht, daß sie, obwohl sie keinen Paß besaß, mit einem Grenz ausweis wiederholt nach Dresde.n fuhr, ohne von den reichsdeutschcn Amtsorganen beanständet zu werden, so daß als erwiesen gelten kann, daß auch diese unterrichtet waren und mit ihr zusammen arbeiteten. Das geht auch daraus hervor, daß sie, als sie sich vor einiger Zeit auf der Rückfahrt von Dresden nach Bodenbach mit einem Messer einen Stich an der linken Brustseite beibrachte, von den reichsdeutschen Grenzbehörden mittels Auto in das Tetschner Krankenhaus geschafft und daß von ihnen die Heilungs- und BerpflegSkosten bezahlt wurden, obwohl sie tschechoslowakischer Staatsbürgerschaft ist. Es wurde ihr ferner nachgewiesen, daß sie der Gestapo in Dresden wiederholt Nachrichten über verschiedene Personen und Verhältnisse in Bodenbach übermittelte und daß mit ihr in Dresden Protokolle ausgenommen wurden. Weiter wurde festgestellt, daß sie in verschiedenen Nachtlokalen Bodenbachs von O r g a- nender Reichsbahn und der r ej ch s- deutschen Grenzkontrolle besucht wurde und mit ihnen konferierte. Es ist mit Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß sie in Bodenbach und Tetschen Komplicen hat. Die Erhebungen in dieser Richtung laufen noch. Die Henlelnversammlungen In SCIdböhmen— ein Fiasko Für Samstag, den 15., und Sonntag, den 16. Feber, hat die SdP in Südböhmen allein 44 öffentliche Gebietsver- sammlung-en angekündigt, zu welchen nicht weniger als 13 Abgeordnete und Senatoren aus allen Kreisgebieten der ganzen Republik herangezogen wurden. Wie überall werden auch in Südböhmen die im Mai deS vorigen Jahres so vertrauensseligen Hen- leinleute im höchsten Grade unzufrieden und es setzt deshalb auch allenthalben die Abwanderung von dieser Partei ein. Diese Ver- sammlungöwelle sollte daher den Zweck verfolgen, der Henleinbewegung neues Leben einzuflößen. Aus den uns zukommenden Berichten über den Verlauf der Versammlungen geht aber mit -aller Deutlichkeit hervor, daß selbst die so geschickt aufgemachte Regie ihre Wirkung vollständig verfehlt hat. Im nachstehenden lassen wir einige Kurzberichte über den„Versammlungssturm" folgen: In Wallern konnten es die Henlein trotz der 1200 Stimmen, welche sie im Mai vorigen Jahres erhielten, nur auf 240 Versammlungsbesucher bringen, unter denen aber auch noch eine ansehnliche Zahl polifischer Gegner sich befand. Der Abgeordnete Birke erklärte: „Wenn vir auch noch nicht» erreicht haben, eine» haben wir doch erzielt, wir haben den Mar- I xismus vernichtet." Warum er dann noch gegen den Marxismus besonders ins Feld zieht, wenn dieser vernichtet ist, hat der Abg. Birke nicht erklärt. Für die Versammlung in Humwald hatten sie aus der ganzen Umgebung ganze 100 Leut« zusammengetrommelt. In Kusch ward« mit seiner ganzen Umgebung brachten st« eS auf 130 Teilnehmer, was in Anbetracht der Tatsache, daß das dortige Gebiet bei den letzten Dahlen besonders viel Sfimmen für die Henleinpartei brachte, als ein glatter Mißerfolg bezeichnet werden muß. Der Abgeordnete Paul Nickerl sprach dort sehr viel über die Bauern, waS selbst Henleinarbeiter zu der Aeußerung veranlaßte:„Wann kommen denn die Arbeiter dran?" Ja es ist schwer, wenn man soviele Stan- dekgruppen zu vertreten hatl Geradezu kläglich war die Versammlung in Außergefild. Neben 3 Sozialdemokraten, 10 Christlichsozialen und 10 Henleinleuten aus dem Ort« waren von Winterberg 25 Henleins mit dem Autobus gekommen. Man kann sich vorstellen, daß auch die Stimmung dementsprechend war. Trotz aller Anstrengungen und der aktiven Mithilfe der Genossenschaft der Gewerbetreibenden konnte in der Winterberger Versammlung der Senator E n Huber nur vor etwa 260 Leuten sprechen. Für die Versammlung in B.- Röhren waren dem Rufe der Henleinpartei auS den Orten Guthausen, Oberzaffau, Schillerberg, Schönberg und B.-Röhren einige 60 Leute gefolgt. Darunter aber auch einige Sozialdemokraten und Andersgesinnte. Deine mache: Dolhnünder Einen jämmerlichen Verlauf nahm die Versammlung in Neuofen, wo sie es auf sage und schreibe fünfzig Personen brachten. Etwas besser war er in Schwarzbach, wo sie gegen 200 Besucher aufweisen konnten. In Stein mußten di« Versammlungsbesucher wieder heimgehen, ohne den Herrn H o- dina gehört zu haben, da er erst gegen 12 Uhr mittags eintraf. Besonders einige Bauern, welche vor allem gekommen waren, um sich die Schulden- stteichung durch den Herrn Abgeordneten zu erwirken, die ja von den Henleins zu den Wahlen versprochen wurden, waren sehr enttäuscht. Für die Krumauer Versammlung hatten sie den bekannten Abgeordneten Hollube ins Treffen geschickt, der vor allem den Marxismus gänzlich ausrotten sollte. Von den Konnnunisten wurde die Versammlung besucht und sie hörten sich diesen Herrn zwei Stunden lang an. Als der kommunistische Referent zu Worte kommen sollte, wurde die Versammlung nach seinen ersten Worten durch die Henleinleute selbst unmöglich gemacht. Hollube wurde von seinen früheren kommunistischen Freunden mit sehr viel„Kosenamen" begrüßt. Der Besuch war in Anbetracht der Größe der Stadt mehr als schlecht.. Eine der schlechtesten Versammlungen war auch die in S t r o b n i tz, wo sie es trotz der guten Umgebung auf gezählt« 63 Teilnehmer brachten. Aus diesen wenigen Berichten geht hervor, daß der Schlag ins Leere ging usid daß die Bevölkerung keine Lust mehr hat, sich von der Hxn- leinpartei und ihrer Führung mit leeren Phrasen füttern zu lassen. Bertreter der Hochschulassistrnten trugen am Dienstag dem Gesundheitsminister Genossen Dr. C z e ch ihre Forderungen vor und besprachen mit ihm eingehend den im Abgeordnetenhause eingebrachten Jnitiattvantrag betreffend die Regelung der Rechtsverhältnisse der Hochschulassistenten. Minister Dr. C z e ch nahm zu allen von den Hochschulassistenten vorgebrachten Forderungen einen wohlwollenden Standpunkt ein und erklärte sich berett, ihre Bestrebungen zu unterstützen. Posittv^stellte sich der Minister auch ihrem Wunsche gegenüber ein, daß die Entschädigung im Falle einer Berufskrankheit sich auch auf die Hcchschulassistenten beziehe. Eine edle Geste. Abt H e l m e r vom Stift Tepl ließ, wie das„Prager Abendblatt" berichtet, der Fürsorgestelle der Israelitischen Kultusgemeinde MarienbadS ein bedeutendes Quantum Holz aus den Waldungen des Stiftes Tepl zuteilen. Abgängiger Schüler. AuS G r a S l i tz ist sei' einigen Tagen, wie man uns meldet, ein 13jähriger Schüler abgängig. Die bisherigen Nachforschungen nach dem Vermißten sind ergebnislos geblieben. Wegen Krankheit in den Tod gegangen. AuS HeinrichSgrün im Erzgebirge wird uns gemeldet: Die seit Jahren an einer schmerzlichen Krankheit leidende Tischlersgattin Schug in HeinrichSgrün hat ihrem Leben auf tragische Weise ein Ende bereitet. In früher Morgenstunde verließ sie ihr Heim begab sich zum RatSteiche und stürzte sich dorr.n das mehrere Meter tiefe Wasser. Ms man die Unglückliche auffand, war der Tod bereits eingetreten. Seife 4' 9lr. a Freftag, 21. Feber 193« Kommunistische Angriffe gegen Hodias Außenpolitik Prag. In der gestrigen Parlamentssitzung schickten dieKommunisten unter dem neuen Regime Gottwalds gleich drei Redner in die Debatte über den Staatsrechnungsabschlutz vor. Kopeckh, der eben erst mit Gottwald aus dem Exil zurückgekehrt ist, ging gleich zu einem schilleren Angriff gegen die gegenwärtige Politik unseres Außenministers vor. Die Verhandlungen HMas mit dem österreichischen Kanzler, seine außenpolitischen Kundgebungen und sein Besuch in Paris wurden von Kovecky scharf kritisiert, weil angeblich die Garantie fehle, daß die Beteiligung der Tschechoslowakischen Republik bei der Formierung dxr mitteleuropäischen Staaten in eine solidarische Front ausschließlich auf Friedensargumente zurüchzuführen sei. Ueberhaupr sei Hodsa gegenüber Sowjetrußland zu kübleingestellt, ja Kovecky sparte nicht mit Anspielungen auf einen angeblichen Kurswechsel der Tschechoswwakei. Auch Henleins Reise nach München gab Kopecky Anlaß zu Angriffen gegen das Außenministerium, weil es diese Reise angeblich offiziel bewilligt habe. Slavicek(Gewerbepärtei) polemisierte gegen Kopecktj und verwahrte stch namentlich gegen die Unterstellung, als ob die Tschechoslowakei etwas gegen Sowjetrußland unternehmen wolle. * Slavicks Behauptung, daß unser» Administrative 51 Prozent der Staatseinnahmen für sich beanspruche, während in anderen Ländern hiefür nur 30 Prozent benötigt würden, wird von dem Nationalsozialisten Bergmann zurückgewiesen: Bei solchen Vergleichen müsse man zunächst einmal dieselbe Ver- gleichsbasis Herstellen. Nach dem Rechnungsabschluß betrage die Personalregie bei der Staatsverwaltung 31 und bei den Staatsbetrieben 28.8 Prozent. Von der SdP verlangte Ing. P schka ganz allgemein eine Aenderun- der gesamten Wirtschaftspolitik. Er sprach u. a. von dem„n e u e n R ü-! stungsfieber", das die Ersparungen im Bud-! get wieder wettmache, hütete sich aber ängstlich vor einem näheren Eingehen auf die Fraae. von wo denn eigentlich diese neue Welle des Rüstungsfiebers in ganz Europa ihren Ausgang genommen hat. Den Abschluß bildete eine Rede des SdP-Ab- geordneten Kandt, der mit den Kommunisten wegen der Henlein-Reise nach München in Auseinandersetzungen geriet. Er protestierte u. a. gegen die Verbote einzelner Arbeitslosenversammlungen der SdP und kritisierte in diesem Zusammenhang die angeblich „mangelhaften Umgangsformen" von Bezirkshauptleuten gegenüber Parlamentariern der SdP. Dabei hielt Herr Kundt selbst während keiner Rede vor dem versammelten Haus die ganze Zeit eine Hand in der Hosentcscke... Am Schluß der Sitzung wurden noch einige Immunitäten erledigt. Ausgeliefert wurden Gajda wegen Uebertretung des 8 14 des Schutzgesetzes und Ho Hube(SdP) wegen einer Ehrenbeleidigung./ Der parlamentarische^paraussihuß befaßte sich in seiner letzten Sitzung neuerdings mit der Frage der Errichtung einer Amortisationskasse für die Staatsschuld und beschloß, das Finanzministerium um Beschaffung der nötigen Unterlagen zu ersuchen. Das Fürsorgeministerium soll ersucht werden, eine Durchführungsverordnung zum 8 248 Absatz 1 d des Gesetzes 221/24 zu erlassen, um die An- und Abmeldung der Saisonarbeiter zur Pflichtversicherung durch Auszahlungslisten zu regeln. Vom Kriegsschauplatz Addis Abeba.(Reuter.) An der Nordfront setzen die Italiener langsam aber systematisch ihren, Vormarsch fort und sind nunmehr ungefähr 25 Kilometer von Amba Alagi, ihrem nächsten Ziele, entfernt. Die Fühlungnahme mit den Truppen des Ras Mulugheta wird aufrechterhalten, doch reagieren die abessinischen Truppen vorläufig nur schwach. .. Ter italienische Vormarsch versetzt die Truppen des Ras Seyoum und des Ras Kasia in eine schwierige Position. Man ist der Meinung, daß die beiden Heerführer nur irreguläre Gruppen in Tembien zurücklassen werden, welche die Italiener weiterhin beunruhigen sollen, und selbst mit dem Kern ihrer Armee nach Süden zurückweichen werden, um dort neue Positionen zu beziehen, wo für sie Aussicht besteht, den Italienern den Weg zwischen Amba Alagi und Dessie verlegen zu können. Inzwischen arbeiten italienische Arbeiter eifrig auf dem neueroberten Gebiete, errichten dort Wege und Stützpunkte für die Artillerie, während die Infanterie durch die Luftwaffe unterstützt, nach vorne vordringt. An der Südfront haben nach privaten Informationen in der Nähe von Negheli und in anderen Teilen der Somalifront ebenso in Ogaden südlich von Sassabaneh zahlreiche Scharmützel stattgefunden. Schönburg-Hartenstein ausgeschaltet Wien.(Tsch. P.-B.) Der ehemalige Landesverteidigungsminister General-Oberst Schönburg-Hartenstein hat seine Funktionen in den beiden führenden Organisationen der ehemaligen österreichischen Frontkämpfer, nämlich die Funktion als Kommandant der sogenannten Soldatenfront und als Präsident des RcichSverbandes der Frontkämpfer niedergelegt. Wien. Wie die„Reichspost" meldet, wurde in der Inneren Stadt eine Gesellschaft ausgehoben, die sich„Edenklub" nannte zind eine Fortsetzung des im Vorjahre verbotenen sozialdemokratischen„Ja- dranklubs" darstellte. Es wurden zirka 80 Personen, durchwegs sozialdemokratische Parteigänger, verhaftet. vor fliegende Tank In Awbetracht des wachsenden Wettrüstens veröffentlichte das Kriegsministerium der Vereinigten Staaten dieses Modell eines Flugzeug tanks. Der Tank, den wir im Bilde sehen, kann unterhalb eines Flugzeugs festmontiert und durch die Luft getragen werden. Ein Fifchdampfer mit sieben Mann Besatzung ist bei den Shetland-Inseln gescheitert. Man befürchtet,.daß niemand mit dem Leben davon gekommen ist. Tragödie im Erdhof. In Schönborn(Kreis Liebenwerda) wurde Dounersrag vormittags eins furchtbare Mordtat entdeckt. Als der Sohn des Erbhofbesitzers Hanisch die Schlafstube seiner Eltern betrat, sand er die Eltern sowie die von ihrem Diana getrennt lebende Schwester ermordet auf. Als Mörder kommt der Ehemann der. jungen Frau in Betracht, der morgeits in der Scheune seines Vaters erhängt aufgefunden wurde. Der estnische Eisbrecher„Juri Wilms gab radiotelegraphisch bekannt, daß er seit vier Tagen in der Ostsee von Eisschollen eingeschloffen sei und daß seine Lage immer gefährlicher werde, da das Schiff außerdem eine Motorstörung habe. Einige andere Eisbrecher eilen dem bedrohten Schift za Hilfe. In dem gleichgeschalteten Zeitungswald konnte man dieser Tage in großer Aufmachung die Kunde lesen, daß ein sicherer Volksverführer den Siegern der olympischen Winterspiele von Ga-Pa sein Bildnis, mit Widmung versehen, verliehen hat. Mit Rücksicht auf die Tatsache, daß zwar jeder der Teilnehmer an den Winterspielen ein gut Maß europäischer Gesinnung und Gesittung vermissen ließ, aber auch wiederum nicht jeder die Freiheit von Gangstern als seine persönliche Ehre empfindet, erscheint die Verleihung eines Bildnisses durch einen Parteiführer, der beständig Nächte langer Messer arrangiert, als eine höchst zweifelhafte Ehrung. Es hat fast den Anschein, als ob der Spender durch Ueber- reichung seines Konterfeis an zwefte und dritte Personen sich selbst ehren will durch Schaffung einer Illusion eigener sittlicher und humanistischer Wertung. Dabei hat er jedoch das Pech, schon durch seine Gedanken, die er in dem Buch „Mein Kampf" endgültig fixiert hat, in dauerndem Widerspruch zu der europäischen Kulturweü zu stehen. Daran ändern auch nichts die, ihm festens seiner Mannen dargebrachten Huldigun- gen, denn über allem was diese tun, schwebt sein Symbol— die Nilpferdpeitsche— und es ist gewiß nur kalte Berechnung, wenn dieses Prunkstück despotischen Machtausdrucks nicht auf den Bildern zu sehen ist,» durch diese Wegspiegelung einer falschen Tatsache wird in den mst»diesem Bildnis Beschenkten die Illusion erweckt, einen europäischen Führer vor sich zu sehen. Wenn der Siegesrausch aber verflogen sein wird, wenn das Auge nicht mehr geblendet ist vom Lammetta der Uniformen, wenn das Ohr sich wieder der Stille anpassen wird und der Kopf wieder klar ist, dann ist zu erhoffen, daß bei manchem dieser Sieger, wenn sie in Ruhe dieser Trophäe gegenüberstehen, sich vielleicht doch Gedanken einstellm über eine Ehrung, mit welcher sie, wenn der Lauf der Geschichte ein.gerecht- samer sein wird, nicht mehr werden anzufangen wissen, als irgend ein schlichter Mensch mit einer Kuriosstät, denn das steht heute schon fest: Alles, was dieser Nazismus hervorgebracht hat, wird dereinst— um in„Jahrtausenden" zu.reden— durch die Jahrtausende als Rarität menschlicher Rohest, Dummhest und Intoleranz historisch gewürdigt werden. Der Igel. Ter Präsident der Republik und Frau Hana Benesovä hatten für gestern die Mitglieder der Regierung zu einem Diner auf die Burg einze- laden. An dem Diner nahmen teil: Der Vorsitzende der Regierung Dr. Hodza, sowie die Mi-, nister Dr. Cerny, Dr. Trapl, Dr. Franke, Dr. Derer, Ing. Dostälek, Dr. Zadina, Machnik, Ing. Neäas, Dr. Czech, TuLny, Dr. Srämek, Dr. Spina und die Gattinnen der Minister. Weiter nahmen an dem Diner der Kanzler Dr. Sämal, Gesandter Strimpl und mehrere hohe Beamte teil. Wer spendet Roten? Ein ungarischer Genosse schreibt uns: Wir haben in unseren deutschen Gemeinden einige Musikkapellen, die aber nur ganz wenige Noten für sozialistische Lieder und Märsche besitzen. Wenn eine eure Organisationen solche Roten entbehren könnte, so würden sie uns einen großen Dienst erweisen. Wir geben diesen Wunsch gerne weiter und ersuchen, eventuell entbehrliches Notenmaterial der Verwaltung des„Sozialdemokrat" in Prag, Fochovä 62, zu übermitteln. Resignation des Verteidigers Hauptmanns. Der bekannte amerikanische Advokat Leibowitz hatte eine mehr als fünfstündige Unterredung mit Hauptmann, der im Trentoner Gefängnis wegen der Entführung des Lindbergh-Kindes dem Tode entgegensieht. Leibowitz erklärte nach dieser Unterredung:„Ich will in dieser peinlichen Angelegenheit keine Rolle mehr spielen,- ick will nicht mehr B e rteidigerdiesesMen- schen sein."'Leibowitz lehnte die Beantwortung der Frage, wie er über die Schuld Hauptmanns denke, ab, sagte aber:„Hauptmann versteht, es, mit seiner letzten Karte meisterhaft zu spielen..Das Spiel ist aber verloren. Es wäre jetzt besser für ihn, wenn er ein volles Geständnis über die Rolle ablegte, die er bei diesem schändlichen Verbrechen spielte." Ein Bandit, der zu sterben weiß. Zum erstenmal seit der großen ftanzösischen Revolution ist die Guillotine in der alten Päpstestaot Avignon in Tätigkeit getreten. Der berühmte Bandit Michel Nicolini ist unter Anteilnahme einer großen Menschenmenge, wie es das Gesetz fordert, auf öffentlichem Platze hingerichtet worden. Er wußte stolz zu sterben. Auf seine Bitte wurde ihm keine Binde um die Äuge.«, gelegt. Lächelnd, eine Zigarette im Mund, saß er im Schinderwagen, umarmte vor allem Volk seinen Verteidiger und den Priester, betrat das Gerüst, immer noch rauchend, festen Schrittes, spuckte erst im letzten Moment die Zigarette aus, legte sich, als ob es ein Ruhebett wäre, auf den Richtblock, winkte dem Publikum und wanderte in das grosse Dunkel. Mörderische Kritik. Zum Glück spricht man von tödlicher Kritik in der Regel nur in des Wortes übertragener Bedeutung. In London hat sich aber jetzt der Fall ereignet, daß di. Kritik im wahren Sinne des Wortes mörderisch war. Der Kritiker Douglas Burton hat den jungen Schriftsteller Boß im Verlaufe einer Auseinandersetzung über dessen Roman kaltblütig durch einen Hieb auf den Kopf umgebracht, da dieser die Berechtigung seiner Einwände nicht anerkennen wollte. Bier Millionen Sack Kaffee werden vernichtet. Aus Brasilien wird gemeldet, daß auch in diesem Jahre bei der Kaffee-Ernte wieder mit einem großen Ueberschuß gerechnet wird. Nachdem bereits im vorigen Jähre sechs Millionen Sack Kaffee vernichtet worden sind, wird Brasilien in diesem Jahre erneut vier Millionen Sack vernichten. Die Menschheit muß sich dafür mit allerlei minderwertigen Surrogaten begnügen. SA-Mann Baljasek mit der Schere im Bauch. Der 86jährige SA-Mann Jan Valjasek aus Po- vina in der Slowakei," der sich im vorigen Jahre zum SA-Dienst in Stuttgart gemeldet hatte, wurde von der bayerischen Grenze in die Haft des Kreisgerichtes von Klattau gebracht. Valjasek wurde nach einer gewissen Zeit aus Deutschland ausgewiesen und von der tschechoslowakischen Gendarmerie an der Grenze verhaftet. Er sollte sich vor dem Senat des Kreisgerichtes in Pilsen mehrerer Straftaten wegen verantworten, mußte aber ins Krankenhaus gerächt werden, weil er sich über große Bauchschmerzen beklagte. Bei derOperation, die an Valjasek vörgenommen werden, mußte, wurde aus seinem Magen eine Schere herauSgenommen, die er während seines Dienstes in der SA in Deutschland verschluckt hatte, um schweren Arbeiten zu entgehen. Sein Gesundheitszustand hat sich verhältnismäßig rasch gebessert, so daß er ehestens aus dem Krankenhaus wieder in die Gefängniszelle zurückkehren wird. Tödlicher Kuchen. In der Gemeinde Kailyai (Indien) wurden bei Begräbnisfeierlickkeite» Kuchen gereicht, nach dessen Genuß sämtlich: Trauergäste erkrankten. 14 Personen sind bereits gestorben und 20 befinden sich in Lebensgefahr. Ueberschwemmung. Mehrere spanische Provinzen sind wieder von großen lleberschwemmun- gen heimgesuckt worden. Die Flüffe Guadalquivir. Tormes und Tajo sind aus ihren Ufern getreten und haben besonders in den Provinzen Sevilla und Salamanca ganze Dörfer unter Wasser gesetzt. In Rineonada sind neun Häuser eingestürzt, mehreren anderen droht das gleiche Geschick Zahlreiche Familien sind durch die Unwetterkatastrophe obdachlos geworden. In Moron wurde! die Wasserleitungen infolge der Uebersckwemmun« gen zerstört. Die Trinkwasservorräte reichen Mw" noch für zwei Tage. In Cantillana mußten 50 Häuser geräumt werden. Die gesamte Ernte gilt als vernichtet. Die Einwohner sind dem Elend preisgegeben. Die Polizei im Verein mit dem Roten/Kreuz und Truppenabteilungen des Heeres versieht unermüdlich den Rettungsdienst. Es verlautet, daß bisher sieben Menschentums Leben gekommen sind. In der ganzen Welt beliebt... Die Behörden in Marburg(Jugoslawien) haben das in Marburg unter Beteiligung der lokalen deuffck- sckwäbischen Organisationen geplante Konzert des Dresdner Q u a r t e t t s Der b o ten. Spione rauben Flugzeuge. Das britische Intelligence Service ist zur Zeit durch die wiederholten Diebstähle von Flugzeugen sehr beunruhigt. So ist vor kurzem von einem englischen Militärflugplatz ein ganz neuer Typus eines Bombenwerfers spurlos verschwunden, und ähnliche Vorfälle sind auch aus anderen Ländern gemeldet. Bis jetzt wußte man, daß die Spione hinter jeder neuen Konstruktion her find, und es ist ihnen in vielen Fällen gelungen, die Zeichnungen, zu entwenden und an ftemde Mächte zu verkaufen. Aber offenbar genügt das nicht, und die Auftraggeber wollen die Mustermaschinen selbst haben. Wie dieser Flugzeugraub durchgefiihrt wird, konnte bis heute noch nicht festgestellt werden. Denn das Problem liegt weniger darin, ein Flugzeug aus dem Hangar zu ziehen und davonzufliegen, als vielmehr unbemerkt irgendwo zu landen. Es mutz aller Wahrscheinlichkeit nach einen oder sogar mehrere Flugplätze geben, wohin sich die Flugzeugräuber in Sicherheit begeben. Man hat bereits einige Verhaftungen vorgenommen, aber die ganze Angelegenheit wird vorläufig noch streng geheimgehalten. Weibliche Verkehrspolizei. In Madrid und in anderen großen Städten Spaniens soll jetzt weibliche Verkehrspolizei zur Einführung gelangen. Als Grund dieser Maßnahme wird angegeben, daß sich die männlichen Verkehrspolizisten allzu galant gegenüber Automobilistinnen verhalten und ihnen verschiedene Uebertretungen nachsehen, was bei weiblichen Polizisten sicherlich nicht der Fall sein dürste. 20 Millionen Meteore in 24 Stunden. Obwohl es auf unserem Planeten buchstäblich Meteor« regnet, gelingt es selten, einen größeren Meteorstein zu finden. Woher das kommt, erklärt Dr. C. F. Talman vom metrologischen Büro der Vereinigten Staaten in einer interessanten Schrift. Er schätzt die Meteore, die innerhalb 24 Stunden in die Atmosphäre der Erde eindringen, auf 24 Millionen. Allerdings fügt er sofort hinzu, daß in dieser phantastischen Zahl große Mengen von Meteoren unendlich klein sind, die meisten nicht größer als ein Sandkorn. Biele dagegen erreichen die Größe eines Kinderballes.„Immerhin", sagt Dr. Talman,„sind auch diese Sandkörner durchaus nicht ungefährlich für uns angesichts der ungeheuren Schnelligkeit, mit der sie auf die Erdatmosphäre treffen. Sie könnten tödlich wirken, wenn sie lebenswichtige Organe des menschlichen Körpers träfen. Aber wir können von Glück sagen, daß die meisten dieser Projeksile ins Glühen geraten, schmelzen und völlig verdampfen, ehe sie uns erreichen". Ter frühere Helfershelfer Al EaponeS, Ma« Guru, bekannt unter dem Spitznamen„Maschinengewehr-Jack", wurde in Chicago von Mitgliedern einer feindlichen Gangsterbande erschossen. Sein Schicksal ereilte ihn am siebenten Jahrestage des blutigen Kampfes zwischen der Bande Al Capones und der Moran-Bande. Mac Gurn hatte damals mit einem Maschinengewehr sieben Mitglieder der Moran-Bande niedergeschossen. Das schlechte Borfrühlingswetter. In der Nähe einer schroffen Wärmescheide, die ungefähr entlang der Nordostgrenze der Republik verläuft, dauert be» uns unfreundliches Wetter an. Stellenweise fällt noch immer Regen, in hohen Lagen Schnee. Präge hatte gestern nachmittags plus 6 Grad Ce'- siuS, Troppau Null, Warschau minus 6 Grad Celsius. AuS den Alpenländern breitet sich allmählich weiter gegen das Binnenland höherer Druck aus und wird voraussichtlich wenigstens im Südwesten der Republik eine vorübergehende Wetterbesserung veranlassen. Ta aber unsere Gegenden weiterhin in der Nähe der Grenze zwischen einer relativ warmen westlichen und einer kalten östlichen Luftströmung bleiben werden, ist die Weiterentwicklung des Wetters sehr unsicher. Vom Rundfunk ■m*tahlMSw«rt«* au* da» ProaraaaMi Samstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 12.10: Leichte Musik, 12.40: Leichte Musik. 15: Schallplattenkonzert, 16.50: Rundfunk für die Jugend^ 17.55: Deutsche Sendung: Forps und Keitl widr drhejme, großer Faschingsrummel,— Bunte Stunde, 18.45: Deutsche Presse, 22.15: Tanzmusik. Sender S: 7.30: Leichte Musik, 14.10: Deutsche Sendung; Kunst im Frost, Vortrag und Leitung O. Baum, 14.50: Deuffche Presse, 18: Schallplatten: Beethoven.— Brünn 17.15: Walzer von Strauß, 17.40; Deuffche Sendung: Gesänge ans neuen Opern.—- Mährisch-Ostrau 17.30: Chansons.— Preüiurg 20: Unterhaltungskonzert.— Kaschau 20.25: Volksmelodien nordischer Völker. Nr. 44 Freitag, 21. Feber 1836 Seite 5 Deutsche Märkte Von Hero Auf-en ersten Blick bieten die Berliner Märkte, Warenhäuser, Schaufenster ein durchaus normales Bild. In den Schaufenstern Kleider, Schuhe, Stoffe, geschmackvoll arrangiert, in den Lebensmittelläden zu Häuf getürmte Fleischsvr- ten, Fische, Würste, Fett und Käsearten. Die Berliner konstatieren freudig, daß es heute sogar Butter gibt.„Butter in beliebiger Menge", steht zu lesen, und man denkt sich nichts dabei. Im Gegenteil, man freut sich. Man hat vergessen, daß es einmal eine„Verbrecherregierung" gab, vierzehn Jahre lang, während der das Vorhandensein von Butter kein Ereignis und nicht weiter erwähnenswert war. Allerdings die Eier, die sind knapp» doch es wäre Greuelpropaganda. zu be- haupten, daß sie überhaupt nicht vorhanden sind. Zwei, drei Stück pro Familie sind mit Ausdauer und gütem Willen zu ergattern, manchmal sogar öfter als einmal in der Woche. Schweinefleisch und-Fett braucht man schließlich auch nicht zum Bolksnahrungsmittel zu machen, es ist im Grunde eine Auflehnung gegen die Regierung, wenn, wie wir beobachten konnten, eine Frau von einem Stand auf dem Markte zum anderen rennt, weil ihr unbotmäßiger Mann den ketzerischen Appetit aus ein Schweinskotelett nicht unterdrücken kann. Sie ersteht denn auch ein Kotelettchen, winzig klein für 70 Pfennig, 7 Kronen zum offiziellen KUrs. Oel und Sahne gehören nun wirklich nicht zu den unbedingten Lebensbedürfnissen, was man sich vor Augen halten möge, wenn sie zufällig für Tage oder Wochen nicht zu haben sind. Die Zeitungen wissen für solche Dinge triftige Erklärungen: unfähige Melker haben anno 1914, als die eigentlich Berufenen mit Heldentum beschäftigt waren, durch ihre Ungeschicklichkeit die Kühe verdorben, unb die Schweinemörder von 1916 haben, vom totalen Staat noch nicht zu Opfermut und Hingabe an die Gemeinschaft erzogen, als das Futter für Mensch und Tier knapper wurde, ihre Schweine einfach abgeschlachtet, ohne an Aufzucht und Rassenberede- lung— diesmal die der Schweine— zu denken. Nun hat man die Folgen! Etwas verspätet sind sie eingetreten, aber sie sind da. Daß es auch keine Kuvertüre gibt, ist ein Problem nur für jene, die das Geld haben, sie zu kaufen. Kuvertüre oder Tunkmasse ist die Schokolade, aus der man Tortenübergüsse und Glasuren auf Konfekt bereitet. Welcher Durch- schnittsbürger ißt schon Kuvertüre? Zuckerbäcker aber bekommen sie auf Bezugscheine. Rein, es wäre wirklich nicht weiter tragisch, zumal es andere Schokolade gibt. Mer es ist symptomatisch. Bezugscheine im tiefsten Frieden, Vorschriften über den erlaubten Fettgehalt der Seife, Verschwinden oder Verknappung von Butter, Eiern, Fleisch, Fett sind gefährlich selbst für jene, die sie ohnedies nicht kaufen können. Denn sie machen einen Zustand zur Nony, den mqn jenseits der Grenzen nur als Begleiterscheinung der furchtbarsten aller Situationen, des Krieges, kennt. Kriegsideologie wird zum Alltagsdenken, fremde Zeitungen, aus denen man erfährt, daß es anderwärts anders ist, kommen so gut wie gar nicht herein. Man staunt, wenn man hört, das sei nicht allgemein so: man glaubte es, weil doch überall soviel gerüstet wird. So sucht man sich Etwa achtzig der 152 Labour-Abgeordnetrn sind Abstinenten. Sie haben eine eigene Gruppe der abstinenten sozialistischen Parlamentsmitglieder gegründet. Die meisten gehören dem W. T L.(Workers Temperance League— Arbei- ter-Wstinenten-Bund) an, etliche sind anderweitig als Abstinenten organisiert.— Die alkoholenthaltsamen Parlamentarier aller Parteien des englischen Parlaments haben eine allgemeine Abstinentengruppe gegründet, deren Vorstand die Genossen Robert Aoung und Dr. A. Salter angehören.— Als Nachfolger des verstorbenen Henderson wurde Genosse George Lansbury zum Vorsitzenden des englischen Arbeiter-Abstinenten- Bundes gewählt. Eine„Wehrliteratur-Handlung". In Moskau ist die erste Buchhandlung der Welt eröffnet worden, die ausschließlich militärische, oder wie mqn sie dort, nennt,„Wehr"-Literatur verkauft. Der Buchhandlung ist ein bibliographisches Auskunftsbüro angeschloffen u. darüber hinaus eine Abteilung zur Komplettierung militärischer Büchereien. F Neue englische Marken mit König Eduard. Ende des Jahres werden in England neue Postmarken mit dem Bilde des Königs Eduard VHI., en face, ausgegeben werden. Nach seinem eigenen Beschluß werden die Bilder den König bis zum Gürtel in Marineuniform ohne Kappe darstellen. Die neue Serie der englischen Marken wird gegenüber der bisherigen Gewohnheit eine bedeutende Abweichung bedeuten, denn seit 1840 wurde auf den Marken nur der Kopf des Staatsoberhauptes dargestellt. Die Philatelisten der ganzen Welt erwarten die Ausgabe dieser Marken mit großem Interesse. Seelenwanderung. Ein kleines achtjähriges Mädchen namens Santha in Delhi ist zur Zeit das Ziel von Tausenden von Pilgern. Die Gläubigen meinen, in dem Kind einen lebenden Beweis für die Lehre von der Re-Inkarnation zu haben, und verehren sie um so mehr, als nach buddhistischer Auf- faffung der Fall einer Seelenwanderung, in dem auch die nächste Existenz eine menschliche ist, eine besondere Gnade der Gottheit darstellt, weil gewöhnlich die Seelen der Verstorbenen in Tieren wiederkehren. DaS wirkliche Wunder besteht aber darin, daß sich die kleine Santha an ihre frühere Existenz genau erinnert. Sie gibt an, daß sie in einem Dorf gelebt habe, dort verheiratet war, und vor 11 Jahren bei der Geburt ihres Kindes, eines Knaben, geswrben sei. Allerdings weiß sie nichts über die drei Jahre, die ihre Seele nicht auf dieser Welt weilte, anzu- geben. Man glaubte äuS ihrer sehr genauen Schilderung des Dorfes dieses aufiinden zu können, und suchte in ganz Indien. Endlich fand man ein Dorf, das mit der Erzählung des Kinde? große Aehnlich- keit hat. Und seltsamerweise wohnte dort tatsächlich ein Mann, her einen, 11jährigen Sohn, besitzt, und dessen Frau, bei der Geburt gestorben war. Man brachte beide zu Santha, die sie auch sofort wiederzuerkennen glaubte. Der Mann konnte natürlich in dem achtjährigen Mädchen nicht seine verstorbene Frau rekognoszieren. Trotzdem verbreitet sich der Glaube, daß die Erzählung des Kindes wahr sei. Skeptiker werden natürlich sagen, daß das ganze eine Phantasie der kleinen Santha ist, die vermutlich vom Schicksal eines Mannes gehört hat, der seine geliebte Frau bei der Geburt des KindeS verloren hat. Aber die Inder sind nicht skeptisch und so wachsen sich die Pilgcrzüge zu einer neuen religiösen Bewegung aus. Schachturnier in Leningrad. Am 5. Mai beginnt in Leningrad ein internationales Schachturnier von fünf ausländischen und fünf sowjetrussischen Schachmeistern. Ihre Teilnahme an dem Turnier haben Laskar, Eapablanka, Floht und Lilienthal bereits zugesagt. Auch Schachweltmeister Euwe wurde eingeladen. Seitens der Sowjetunion ist die Teilnahme von Botwinnik, Kahn, Loewenfisch, Ragosin und Rjumin vorgesehen. 1)MsEtsckast mul 5oLiaipotM Produkt'onsaufschwuhg und industrieller Kohlenverbrauch Produktionsindex stärker gestiegen als Kohienverbraüchsindex Die industrielle Produktion der Tschechoslowakei bat im Jahre 1935 eine langsam aufsteigende Entwicklung genommen: Der Index war im November 1935 auf 78.5 gestiegen, während er in der gleichen Zeit des Vorjahres auf 66.0 stand. In Uebereinstimmung damit hat auch der industrielle Kohlenverbrauch eine Erhöhung erfahren. Betrugen die Kohlenlieferungen an industrielle Betriebe im Jahre 1934 8.3 Millionen Tonnen, so erreichten sie im vorigen Jahre die Höhe von 8.8 Millionen Tonnen. Die Zunahme beträgt demnach 0.5 Millionen Tonnen. An dieser Steigerung haben die einzelnen Industriezweige einen recht unterschiedlichen Anteil. In einigen ist der Kohlenverbrauch sogar geringer als 1934. Im einzelnen ergibt sich bei einem Vergleich folgendes Bild: Entsprechend dem starken Produktionsaufschwung, den die Eisen- und metallurgische Industrie genommen hat, ist bei ihr auch die Zu 1935 Tonnen 1934 Tonnen Eisen- und metallver arbeitende Jndusttie 2,270.000 1,810.000 Textilindustrie... 726.900 723.200 Chem. Jndustrie.. 514.800 465.300 Holz-, Papier- und Zelluloseindustrie. 412.900 403.900 Zementfabriken... 294.200 274.300 Gasanstalten.... 269.400 242.700 Spiritus- und Hefe fabriken.... 135.100 128.500 Glasfabriken..» 394.700 379.700 Porzellanindustrie.. 108.400 98.400 nahme des Kohlenverbrauchs am stärksten. Sie beträgt etwa 25 Prozent. Im Gegensatz zu- den vorstehenden Industriezweigen hat in den folgenden der Kohlenverbrauch eine rückläufige Entwicklung genommen: 1935 Tonnen 1934 Tonnen Elektrowerke.. 1,358.000 1,366.000 Zuckerfabriken.. M 435.000 454.000 Maschinenindustrie 215.000 229.000 Brauereien.., u 203.500 213.200 Ziegeleien.»» 203.300 235.300 Bergbau.. K, n 138.800 146.000 Wasserwerke-. • 25.100 25.400 Obwohl der Index für die Stromerzeugung und für die Produktionsintensität im Bergbau gegenüber dem Vorjahre eine Steigerung aufweist, ist der Kohlen- verbraych in diesen beiden In- dustriezweigen193 5geringer als 1934. Mit Ausnahme der Zuckerindustrie und der Brauindustrie haben alle anderen Konsumgüterindustrien ihren Kohlenverbrauch in Vergleich zum vorhergehenden Jahre steigern können. Der Index des industriellen Kohlenverbrauchs liegt im Jahre 1935 mit 63.7(1929--100) über dem des Jahres 1932, wo er 61.8 betrug. Der Gesamtinder der industriellen Produktion war 1934 66,7. Da er im November 1935 auf 78.5 stand, so ist demnach der Kohlenverbrauch der Industrie hinter der Entwicklung der Produktion zurückgeblieben. Die Löhne in SowJetruBland In der Jännernummer der Revue des Internationalen Arbeitsamtes ist der Bericht über eine Studienreise durch Sowjetrußland enthalten, die zwei höhere Beamte des Arbeitsamtes unternommen haben. Lorwin und Äbramson haben aus Sowjetrußland den Gesamteindruck mitgenommen, daß der in den letzten Jahren erzielte Fortschritt es den Russen jetzt gestatte, eine Synthese zwischen ihren kollektivistischen Grundsätzen und einer individualistischen Lebensgestaltung zu suchen. In ihren umfangreichen und interessanten Darlegungen behandeln sie auch die Lohn-. Politik und verweisen in diesem Zusammenhang auf die zunehmende Verschiedenheit der Löhne und der Lebenshaltung. Die Differenzie- rungderLöhneseiin der Tat außerordentlich groß. Nimmt man alle Einkommensstufen zusammen, so beginnt die Gehaltsskala bei etwa 100 Rubel für ungelernte Arbeiter und endet bei mehreren tausend Rubeln monatlich für Ingenieure, Wissenschaftler und Spezialisten. Doch sei die Zahl der hohen Einkommenempfänger nicht sehr groß. Selbst in Riesenunternehmungen sei die Bezahlung der Direktoren im allgemeinen recht bescheiden. Zu dem Barlohn der Fabrikleiter kommen allerdings noch bestimmte Privilegien hinzu, wie z. B. Autobenutzung und anderes. Der Barlohn stelle aber überhaupt nur einen Teil der Lohn» und Gehaltssumme dar. Es müsse ihm noch der sogenannte sozialisierte Teil des Gehaltes, der in einer Fülle von Naturalleistungen besteht, hinzugerechnet werden. Diese Naturalleistungen seien: Versicherungen, kostenlose Arztbe- ' Handlung, Dienstwohnungen, Gratiszugang zu V den verschiedensten kulturellen Veranstaltungen usw. Dieser sozialisierte Teil des Einkommens wird auf etwa ein Drittel der Gehaltssumme geschätzt. Außerdem sei für die Beurteilung des Lebensniveaus der sowjetrussischen Arbeiter zu berücksichtigen, daß alle gesunden Familienmitglieder zu arbeiten pflegen, so daß das gesamte Familieneinkommen im Durchschnitt weit über dem Einkommen des einzelnen Arbeiters liegt. Ueber die Höhe des Realeinkommens enthalten sich die beiden Reisenden genauer Angaben. Sie sagen, es sei unbestreitbar, daß Sowjetrußland Im-Verhältnis zu den Einkommen noch ein teures Land geblieben sei, worin sich die Tatsache widerspiegelt, daß die Nachfrage nach Konsumgütern das Angebot noch weit übersteige. Schließlich sei in den letzten Jahren in wachsendem Maße der Akkord- und Prämienlohn eingeführt worden. In der Großindustrie betrage der Anteil der auf diese Weise bezahlten Arbeitsstunden 1934 69.6 Prozent. Für 1935 liege die Ziffer sicher noch höher. Der russische Außenhandel Der Außenhandelsumsatz der Sowjetunion erreichte im Jahre 1935 insgesamt die Höhe von 608,785.000 Rubel. Es betrug die Einfuhr 241,374.000 Rubel. Sie war damit um knapp neun Millionen Rubel höher als 1934. Die Ausfuhr weist demgegenüber mit 367,411.000 Rubel gegenüber dem Vorjahre einen Rückgang von etwa 53 Miflionen Rubel aus. Die Außenhandelsbilanz schließt mit einem Ueberschuß von 126,037.000 Rubel ab. mit dem derben, urwüchsigen Berliner Witz hinwegzuhelfen, während man nach ein paar Eiern oder wenigen Dda Putter Schlange stehen muß. Und wenn einer keinen Spaß verstehen will, bedeutet man ihm gleichmütig:„Im Kriege wars viel schlimmer, seien Sie fröh, daß es nicht ärger ist." Der zunehmenden Verknappung von Rind- fleisch wird durch Bezug von Gefrierfleisch entgegengewirkt. Wer auch die Preise für die ohne Schwierigkeit zu erlangenden Lebensmittel find hoch genug. Die Mark zum offiziellen Kurse von 10 KL gerechnet, kostet ein Kilogramm Butter, nur gesalzen und nicht in bester Qualität zu haben, 32 KL. Wurst 26—60 KL, Gänsefleisch 26 KL, Rindfleisch 20 KL, Speck 22 KL, Kalbskotelett mit Knochen 24 KL, gekochter Schinken, das achtel Kilo 6 KL, gebratenes Fleisch, das achtel Kilo ca. 10 KL, Reis 6.40 KL, ein brüchiger„Volksreis", wie man ihn im allgemeinen an die Hühner verfüttert, 3.50 KL, Erbsen 7 KL per Kilo, Linsen je nach Qualität 5.60 bis 10.40 KL, Mehl 4 bis 5 KL, Rudeln, die ausschließlich fertig bezogen und viel verwendet werden, 8 KL, Graupen 5 KL, Grieß 5.60, Schweizer Käse 24 bis 32 KL u. s. f. Die Preise für Kleider, Schuhe. Wohnungsmiete, sonstige Lebensbedürfnisse sind entspre- chend hoch, wobei zu berücksichtigen ist, daß die Berdienstmöglichkeiten und Reallöhne keineswegs durchgängig höher find als bei uns. Als Kurosum mag erscheinen, daß die Grundgebühr für das Autotaxi in Prag 2.50 KL, in Paris Francs 1,25, in Berlin 50 Pfennig ausmacht, nachdem sie vorübergehend mit 25 Pfennig angesetzt war. üuslamt Von der Gestapo ermordet Mitte Jänner warde der frühere BrzirkSsekre« tär des deutschen Metallarbeiterverbandes für Sachsen, A r t« r Schill-, in Dresden verhaftet. Zwei Tage danach wnrde seiner Fra« mitgeteilt, ihr Mann habe sich„im Gefängnis erhängt"! Aber jeder, der Artnr Schille kannte, Weitz, datz die Gestapo lügt, daß Schille in entsetzlicher Weise ermordet wurde. Wessen wurde er beschuldigt? Er soll eine befreundete Familie, deren Ernährer seir zwei Jahren von den Hitlerschergen frstgrhalten wird, unterstützt haben. Schille war selbst seit 1933 arbeitslos und lebte in kümmerlichen Brrhältniffen. Aber diesem ruhigen» bescheidenen, unscheinbaren Manne war eS wohl zuzutrauen, von seiner kargen Unterstützung noch etwas abzugeben an Menschen, die in noch grötzerrr Rot lebten. Für diese Beschuldigung wurde er verhaftet und ermordet! Die Mörder lieferten durch ihr Verhalten selbst den Beweis. Die Einäscherung wurde in grötzter Eile vorgenommr« und nur den Angehörigen war gestattet, die Leiche anfgebahrt zn sehen, um ein« Untersuchung unmöglich zn mache». Trotzdem konnte die Gestapo nicht verhindern, daß rS auch körperliche Beweise für den Mord an Schille gibt. Kein Wort durfte am Sarge gesprochen werde«. Die Pariser Presse über die Ratifikation des russisch-französischen Pattes. Seit 1924, als das Kabinett H e r r i o t die Sowjetregierung anerkannt hat, ist das Interesse für die Sowjetunion im Parlament und in der Presse nie so stark gewesen wie heute. Zur Debatte steht der russisch-französische Pakt über die gegenseitige Unterstützung, und die öffentliche Meinung hat sich auch in dieser Frage ganz deutlich auf die beiden Settoren verteilt: rechts und links. Auf der rechten Seite ist man im allgemeinen gegen den Pakt, während die Linke ihn begrüßt. Es ist gibt Paktgegner, die auf dem primitiven Standpunkt stehen: der Pakt zwinge Frankreich unter bestimmten Umständen die russischen Interessen mit der Waffe in der Hand zu verteidigen; das sei aber sehr gefährlich. Ruß-. lands Territorium, meint das verbreitete Boulevardblatt„Je suis partout", nimmt den sechsten Teil der Erdoberfläche ein. Es sei klar, daß so übervölkerte Staaten wie Japan und Deutschland mit Begehrlichkeit auf diese ungeheuren, schwach bevölkerten Gebiete blicken. Hier sei ein Zusammenstoß unvermeidlich, und Frankreich, das weder Veranlassung, noch Wünschhat, sich Mc Rußland zu schlagen, solle keinen.Pakt.mit Rußland schließen. Der bekannte rechtsstehende Außen- polittker de Kerillys meint im„Echo de Paris", er wäre unbedingt für eine Allianz mit Rußland, wenn dort nicht die Bolschewiki an der Macht wären.— Dagegen ist die Linke ausnahmslos für den Pakt. So schreibt Pierre Dominique in der einflußreichen„Republique": „Heute steht vor uns bloß die Frage: wer stellt fürFrankreich die tödliche Gefährd« r:StalinoderHit- l e r? Ohne Zweifel, Hitler. Damit ist aber die Wahl für uns entschieden."— Einer der Schöpfer der russisch-französischen Annäherung, der frühere Minister de Monzie, meint in„Petit Journal":„Wenn kein Pakt, was also dann? Deutsch-französische Entente? Der oben verstorbene berühmte Historiker Bainville hat beides verworfen, seine Parole lautete:„Weder Pakt mitRußland noch eineEn- tentemit Berlin! Also vollkommene V e r- einsamung? Für eine solche Politik muß ich mich aber schön bedanken, ich bin k e i n A n hänge r v o n S e l b st m o r d." Die Japaner in Rordchina. Dem„Daily Telegraf" wird unter dem 14. d. M. aus Pei- pina gedrahtet: Die Japaner haben die Karawanenverbindung zwischen Urga und Kalgan unterbrochen. Auf dieser Strecke haben über 30.000 Arbeiter bis jetzt an der Straßenausbesse- rung gearbeitet. Die ausländischen militärischen Kreise in Peiping halten es für w e n i g w a h r- scheinlich, daß die Grenzzwischenfälle zu einem Krieg führen werden. Die Verwaltung von Nordchina soll mehr und mehr in japanische Hände übergehen. Der Politische Rat von Hopei hat sich an das Hauptquartier der Kwantung-Armee mit der Bitte gewandt, Fachleute in die verschiedenen Departements zu entsenden. Zwei japanische„Berater" sind bereits ernannt. Krise und Wehrkraft. Der Deputterte des polnischen Sejtns Krawtschinskij hielt in der Kommission für soziale Fürsorge einen Vortrag über den Gesundheitszustand der Bevölkerung Polens. ,Jn der letzten Zett", fühtte er aus, ,",sind die Assentierungskom- miffionen gezwungen, säst die Hälfte der Stellungspflichtigen angesichts ihres Gesundheitszustandes abzulehnen.. Sieben Prozent der jungen Männer sind tuberkulös, 5 Prozent leiden an Herzkrankheiten. Fast 20 Prozent sind wegen schlechten Körperbaus und ähnlichen Gründen untauglich. Und das alles ist Ergebnis der Unterernährung und Rot. Sehr hoch ist auch", fuhr der Deputierte fott,„der Prozentsatz der Säuglingssterblichkeit. Auf je tausend Neugeborene sterben in Polen im ersten Lebensjahr 143. Und in der letzten Zeit ist noch eine entsetzliche Meng« von Todesfällen infolge ungesetzlicher Abtreibungen fest» »zustellen." Scite 6 ,, Sozialdemokrat" Freitag, 21. Feber 1936. Nr: 44 Trager Zeitungsul ,, Přes" an der Kassa * Nun verkehren die neuen Straßenbahnwagen schon seit einiger Zeit auf der 22er Linie, aber noch immer ist die Fahrt mit ihnen eine fleine Sensation. Verdust stehen die Fahrgäste an den Haltestellen vor Prager Messe 8. bis 15. März 1936 Die Einkaufsquelle der ČSR. Messepalast ab 6. März 33% Fahrpreisermäßigung. Auskünfte: Messeamt, Prag VII., Messepalast 3300 der geschlossenen Tür, die fich jedoch im selben brechens nach§ 4 des Sprengstoffgefür diese Annahme wurden allerdings keine hinAugenblick auch schon von selber öffnet. Sanft zischt se e s, der demjenigen, welcher absichtlich reichenden Anhaltspunkte gefunden, denn sonst hätte die Preßluft, ein Trittbrett flappt sacht herunter das Eigentum, die Gesundheit oder das Leben eines die Anklage auf Mordversuch gelautet. Die Staatsaber da schallt von drinnen die Weisung: Vorn andern dadurch in Gefahr bringt, daß er Explosiv- anwaltschaft erblickte indessen in dem zustandegeeinsteigen!" Und gelehrig hüpfen die Fahrgäste zur stoffe als Sprengmittel verwendet, eine Strafe von brachten Material den Tatbestand des§ 4 des vorderen Tür, die, nur zum Einsteigen geöffnet wird fünf bis zehn Jahren schweren Kerters angedroht, Sprengstoffgesetzes. und deren Luftdruckhebel der Wagenführer bedient. bzw. von zehn bis zwanzig Jahren, wenn der Anwährend an der anderen, die der Schaffner öffnet fchlag schwere Folgen nach sich gezogen hat. Der und schließt, nur ausgestiegen werden darf. Und so Sachverhalt, der sich bei der von OGR. Dr. Ho wiederholt sich das Ererzitium von Haltestelle zu man geleiteten Verhandlung entrollte, ist eigenHaltestelle und von Tag zu Tag, bis es alle Prager artig genug. gelernt haben werden. Drinnen hat der Wagenführer einen bequemen Siz wie ein Chauffeur. Und der Schaffner zwängt sich nicht mehr mit allerlei Angeln und Fangvorrich tungen für Kleider und Mäntel am Leibe durch die Doppelreihen des Stehparketts". Nein, er jist. bei nahe tönnte man jagen, er thront hinter einer rich tigen kleinen Kajsa. Fahrscheine und Geldbehälter vor sich, gibt Fahrscheine aus, Locht Umsteiger, be= schaut Monatstarten. Jeder Fahrgast muß erst die Kassa bassieren, ehe er fißen oder stehen darf, und man löst sich den Fahrschein wie ein Billett an der Kino- Kaffa. Es ist nicht mehr so, daß man dem Schaffner das Fahrgeld über drei Stöpfe hinweg und um bier Bäuche herum zureichen muß. Das Lösen des Fahrscheins wird zur Handlung, die man säuberlich verrichten muß. Das alles ist neu, jeder Fahrgast Randglossen der Fahrgäste, die sich dem Ererzitium muß es erst tapieren, und es fehlt nicht an allerlei unterziehen müssen. Hat man die Kaffa passiert und sitt man dann auf einem der federnden Sessel, mit dem Blick nach born in die Fahrtrichtung, so bleibt noch ein Weilchen das Gefühl, daß man sich an der Kafia das Recht erkauft habe, einer Schaustellung beizuwohnen. Da beginnt sie auch schon. Ein Film rollt hinter den Glasscheiben ab, und er heißt: Wir fahren durch Prag". Es ist der nie endende Film des Straßenlebens der Großstadt mit den vielen fleinen flüchtigen Begebenheiten. Und daß man die alltäg= lichen und abertausendmal gesehenen Szenen für einige Minuten mit anderen Augen sieht, das macht die Zeremonie an der Kassa. Und auch den Schaffner. der da thront, schaut man an wie ein anderes Wesen as es sonst die Straßenbahnschaffner sind, die noch ibre Voltigierkünfte hinten herunter, born herauf. Hindernislauf lang durch den Wagen, hinten herunter, born herauf und so fort üben müssen. Ein dicker Mann aber schaute lange finnend den Schaffner hinter der Kassa an. Endlich atmete er er leichtert auf ihm hatte mit offenen Augen ges träumt, daß er mit seinem dicken Bauch eingezivängt in der engen Kassa siben müßte und nicht wieder heraus könnte Jesch schmariejosef, was dann..?! Tödliches Spiel mit dem Revolver. Die 21jäbrige Privatbeamtin Marie Svoboda aus Prag Holleschowitz wurde gestern mit einem Lungen- und Magenschuß auf die Klinik Schloffer eingeliefert. Sie hatte in der Wohnung ihres Bekannten unvor fichtig mit einem geladenen Revolver gespielt, wobei ein Schuß losgegangen war. Ihre Verlegungen find tödlich. Betrunkener Chauffeur will flüchten. Der lei scher Jaroslav Smid aus Michle fuhr gestern nach mittags mit seinem Auto in betrunkenem Zustand durch die Taborer Straße in Nusle und überfuhr den 46jährigen Arbeiter Anton Sochor. der am Pflaster arbeitete. Sochor blieb bewußtlos liegen; Smid wollte davonfahren, wurde aber von einem Bassanten, der sich ihm in den Weg stellte. daran gehindert. Der Verwundete wurde mit einer schiveren Schirnerschütterung von der Rettungsgesellschaft auf die Klinik Schloffer gebracht. Smid wurde verhaftet; der Führerschein wurde ihm entzogen. Wäschediebe. In der Nacht auf gestern drangen unbekannte Täter in die Geschäftsräume der Wäschefirma Feifar u. Mládek in der Husgasse in Žižkov ein und entwendeten eine größere Menge Herren- und Damenwäsche. Der Schaden übersteigt 10,000 Kč. Die Sektion der Ausflugszüge der Staatsbahnen erpediert am Samstag, den 22. Feber L. 3., einen Sport- Sonderzug in das Riesengebirge für 75 K mit Verpflegung. Dieser Zug fann auch mit einer Sportfahrkarte ohne Verpflegung für 50 Kč benüß! werden. In das Erzgebirge( nach Joachimsthal; fährt am Samstag, den 22. d. M., ein MotorSonderschnellzug für 79 Kč mit Verpflegung, in den Tagen vom 29. Feber bis 8. März für eine Woche am Riesengebirgskamm ein Sonderzug für 390 Kč, in den Tagen vom 6. bis 8. März ein Sonderzug nach Johannisbad für 140 Kč, in den Tagen vom 7. bis 16. März für eine Wintersportwoche in der Hohen Tatra und der Niederen Tatra für 545 Kč Anmeldungen mit Anzahlung beim Basar neben dem Wilsonbahnhof, Telephon 383-35. Ein praktischer Kurs der tschechischen Sprache findet an der Karls- Universität unentge It= Lich statt, für Anfänger jeden Dienstag, für Fortgeschrittene jeden Freitag von 5 bis 7 Uhr abends im Hörsaal 201 und 200 am Smetanovo nám. ( 8. Stock). Beginn am 25. Feber. Strbinšek Gerichtssaal Lektor Josef Familienhändel und Dynamit Eine Anklage nach dem Sprengstoffgesetz Brag. Ueber ein seltenes Delift hatten die Prager Geschworenen gestern abzuurteilen. Angeklagt war der 36jährige Häusler Bohumil H a vránef aus Ondřejov bei Schwarz- Kostelez des VerDer Angeklagte, der sich 1927 mit seiner Frau Marie geb. Mráček verheiratet hat, besitzt gemeinsam mit seinen Schwiegereltern Franz und Marie Mráček ein Häuschen, an welchem diese außer ihrer Eigentumshälfte auch noch lebensläng liches Ausgedinge verbüchert hatten. Wie so oft bei derartigem Zusammenleben war das Verhältnis der alten Leute zu dem jungen Ehepaar schlecht, ja man fann von bösartigster Feindschaft zwischen den Ausgedin gern und ihrem Schwiegersohn und der eigenen Tochter Es muß betont werden, daß auf keine Weise festzustellen war, was eigentlich explodiert ist und aus welchen Ursachen. Der Sachverständige, Prof. Dr. Ing. Kraus, erklärte die Darstellung des Angeklagten für höchst unglaubwürdig. Die Anklagebehörde ist der Meinung, daß Havránek beabsichtigte, eine Patrone explosions= fertig zu machen und bei der Adjustierung des Sprengkörpers selbst von der Explosion ereilt wurde, die er vermutlich seinen Schwiegereltern zugedacht habe. Nachzuweisen war ihm der Plan eines solchen Attentates freilich nicht, doch vertrat Staatsanwalt Dr. Svoboda mit allem Nachdruck seine Ueberzeugung, daß der Angeklagte unter allen Umstän den beabsichtigt habe, wenn schon nicht das Leben, so doch zum mindesten das Eigentum seiner Schwiegereltern zu gefährden, was gleichfalls den Tatbestand des§ 4 erfüllt. Jean Parker in dem Naturfilm ,, Sequoia". sprechen, die bei der Zeugeneinbernahme drastisch in Erscheinung trat. Es hat schon allerlei gerichtliche Der Angeklagte bestritt nachdrücklichst jede der= Händel zwischen ihnen gegeben. Havránek, der als jähzorniger und gewalttätiger Mensch geschildert artige Absicht und hielt an seiner bereits erwähnten seiner Schwiegermutter zu verantworten. Seinen Eltern aus, denen sie die Schuld an den Zerwird, hatte sich bereits einmal wegen Mißhandlung Darstellung fest. Seine Frau, die als Zeugin vernommen wurde, sagte gegen ihre eigenen Schwiegervater verklagte er wegen einer geringfügigen Schuld und trieb die Sache bis zur Taschen- würfnissen zuschob und suchte ihren Gatten weit- feiern konnte, am Sonntag, den 1. März, um halb pfändung. Auch sonst soll er es an Drohungen und gehend zu entlasten, so daß der Staatsanwalt sich 3 Uhr. Starten täglich( 8 bis 2, 4 bis 6 Uhr) bei selbst Gewalttätigkeiten nicht haben fehlen lassen. ihre Verfolgung wegen Verdachtes der falschen Zeu- Optiker Deutsch, Koruna. Jugendliche haben keinen genaussage vorbehielt. Seine Schwiegereltern be- 3utritt. Die Wurzel aller Zerwürfnisse war das Ausgedinge mühten sich, Havránek nach allen Kräften zu bedes Ehepaares Mráčet, das ein schweres Hindernis für den Verkauf des Häuschens war, welchen Havránek plante. Verschiedentlich verhandelten die beiden Teile über eine Ablösung des Ausgedinges und Abfindung der Eltern, doch zerschlugen sich die Verhandlungen an einer relativ geringen Differenz zwischen den Forderungen der Ausgedinger und dem Angebot der Jungen. Es wäre besser gewesen, wenn das unerquickliche Zusammenleben rechtzeitig gelöst worden wäre. Was sich an jenem 4. Oktober zugetragen hat, darüber haben die Erhebungen teine volle Stlarheit schaffen können. Fest steht, daß am Nachmittag dieses Tages die Nachbarn durch einen dumpfen Krach im Haus des Angeklagten aufmerksam gemacht wurden. Gleich darauf erschien Havránet blutüberströmt und rauch geschwärzt in der Haustüre und rief den zusammenlaufenden Nachbarn zu: ,, Da drinnen brennt's!" lasten. Die Geschworenen erachteten indessen die Beweise der Anklage nicht als hinreichend und verneinten die erste Schuldfrage mit zehn zu zwei Stimmen, dagegen bejahten sie die Eventualfrage auf lebertretung wegen fahrlässiger Gefährdung der Sicherheit des Lebens dadurch, daß er mit brennender Zigarette im Mund mit Explosivstoffen hantierte und Sprengstoffe unverwahrt in seinem Haus geduldet habe. Dafür erhielt er einen Monat Arrest. Die Strafe ist unbedingt, aber durch die Untersuchungshaft verbüßt Der Staatsanwalt meldete Nichtigkeitsbesch werde an. Kunst und Wissen rb. nius, 1. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Freitag 72: 1nentschuldigte Stunde. D 2. Samstag 7: Der Freischüb. neuinszeniert, B 2. Sonntag 2: Unentschul digte Stunde, 7½: Der heilige Anto Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag 8: Christian, Theatergemeinde des Kult..rverbandes und freier Verkauf. Samstag 8: Der goldene Kranz. Gastspiel Kramer- Glödner. Sonntag 3: Christian. 8: Der goldene ran 3. aus der Partei Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratischenArbeiterpartei. Einladung Prag I., Perštýn 11, stattfindenden we r n e t( Erstaufführung im Ständetheater). abends im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Die Menschen auf der Eisscholle, von Vilém zu der am Freitag, den 28. Feber 1936, um 8 Uhr Werner hat in seinem Stüde mutig das Problem der heutigen Jugend in dem Chaos der wirtschaft Jahres- Versammlung lichen Umschichtung zu beleuchten versucht. Der Kern des dramatischen Konfliktes zweier Generationen, Tagesordnung: Berichte: des Vertrauensmannes, des Kassiers, der Kontrolle. Tatsächlich stand ein Zimmer des Häuschens und zwar das Bimmer, das die Ausgedinger bewohnten, in Flammen. Das Feuer wurde von den Nachbarsleuten gelöscht. Havránek ſelbſt fuhr, ohne sich um den Brand zu kümmern, auf seinem Fahrrad zum Arzt, der ihm die erste Silfe leistete und feststellte, daß Havránek nur leicht verletzt worden war. Auf die Frage des Arztes berichtete er, er sei durch unvo sichtiges hantieren mit einem Explosivkörper zu dem Unfall gekommen. Als zu dem er zurückgriff, liegt in der Frage, ob die ihn die Gendarmen ins Verhör nahmen, erklärte Jugend das Recht habe, sich aller Mittel zu bedieHavránet, sein Schwiegervater habe in seinem 3im- Und diese Frage bejaht Werner. Es ist aber annen, um ein Stück Brot, um Arbeit zu ergattern. mer einige Dynamonpatronen verwahrt, die er jei bererseits die Tragödie der älteren, in den Jllunerzeit für Arbeiten im Brunnenschacht angeschafft habe. Er habe aus Sicherheitsgründen diese Spreng- fie machtlos zusieht, wie der Professor Junek in sionen ihres Jahrhunderts lebenden Generation, daß patronen aus dem Haus schaffen wollen. Als er Werners Stüd, in dessen Familie sich die Destrukeine Schachtel mit Zündkapseln von dem Wandge- tion der traditionellen Moral und der Kampf der simse nahm und betrachtete, sei etwas G I ut bon der Bigarette in die Schachtelgebie Jugend derjenigen Mittel bedient, die ihr die als drei Monate im Rücſtand find( aughtglieder. Jugend um Lebensmöglichkeit abspielt daß sich fa II e n, worauf die Explosion erfolgt sei. großem Mißtrauen auf, das sich noch verstärkte, als Die Gendarmen nahmen diese Aussage mit festgestellt wurde daß Havránek mittels eines Sperrhakens in das Zimmer seiner Schwiegereltern eingedrungen war und daß dort ein Stück Zündschnur aufgefunden wurde. Die Schwiegereltern selbst erklärten die Sache für ein Attentat ihres Schwiegersohnes, der sie schon längst habe aus dem Wege räumen wollen. Ursula Grabley in dem Film„ Die Wildfage". Neuwahlen. Die nächsten politischen Aufgaben. Referent Genosse Dr. Emil Strau B.. Allfälliges. Zutritt zur Jahresversammlung haben nur Parteimitglieder, welche mit den Beiträgen nicht länger Arbeitslose) gegen Vorweisung der legitimation. weis tein Einlag gewährt werden kann und ersuchen Wir machen aufmerksam, daß ohne Mitgliederausdaher, um unliebsame Differenzen zu vermeiden, die Mitgliederlegitimation unbedingt mitzubringen. ,, reiheit" Die Bezirksvertretung. Ausschußsizung Montag, den 24. Feber 1936, um Bezirksorganisation Prag der Arbeiterfürsorge. 8 Uhr Narodniheim. hung ihn zum Proletarier herabgedrückt hat, teilen Gesellschaftsordnung in die Hand drüdt. Die vier Kinder des konservativen Professors, deren Erzie das Los der Mehrzahl ihrer Generation: die Toch ter schinden für einen Hungerlohn und die Söhne find arbeitslos. Der älteste, ein Chemieingenieur, wehrt sich vergeblich gegen die Zersetzung seines inneren und äußeren Menschen, wechselt um der Arbeit willen seine politische Legitimation; der jüngste Sohn verfällt dem geisttötenden Sport. Die Bande der Familie reißen auseinander, als die Kinder endlich ihre Ziele erfüllt sehen: der jüngste Sohn bekommt Anstellung dank seinen sportlichen Leistungen, die älteste Tochter verheiratet sich mit einem Kollegen, um mit ihm in gemeinsamer Praris die Nichtigkeit des Strafparagraphen 144 zu beweisen, die jüngste Tochter bezahlt mit ihrem jungen Körper den Aufstieg in der Filmkarriere und auch einen Posten für den ältesten Bruder. Der Protest des fittenstrengen Vaters zerschellt an dem Willen der Jungen, zu leben und zu arbeiten, für welchen gruppe Prag des All- A- Ver findet am 29. Feber Preis auch immer. Wie in jener Begebenheit, die( Samstag) im einesaai statt. Reklamatiodem Vater zum Gleichnis wird und die auch dem nen an die Ortsgruppenleitung, Prag II., Füg nerovo nám. 4. Stücke den Titel gab: bom Ufer des vereisten Meeres, auf dem die Jugend ein Tanzfest veran Vereinsnachrichten Der traditionelle Angestellten- Ball der Orts ſtaltet, reißt sich eine Eisscholle mit tanzenden Paa- Mitteilungen aus dem Publikum. Durch ren los und trieb ins Meer hinein, während Eltern am Ufer machtlos zusehen müssen, wie die Bei rauhem, kühlem und veränderlichem Wetter trüben Wellen die Eisscholle umbranden, treibt die heutige Jugend einem unbekannten Ufer entsteht den Rheumatikern große Pein. zu und der Vater sendet nur ein machtloses SOS Massage mit Alpa- Franzbranntwein erreichen Sie ins Leere. Das Stück hat spannende dramatische große Erleichterung. Der Blutkreislauf wird äußerst und wieder humorvolle Szenen, die bei offener lebhaft, gewährt eine entsprechende Körperernährung, Bühne applaudiert wurden. Die Aufnahme war leb- wodurch Muskelstärkung und günstige Nervenbeeinhaft und zustimmend, der Erfolg ist der Einstudie- flussung erzielt wird. Beraten Sie sich mit Ihrem rung und dem einfühlenden Spiel der Mitwirken Arzte über die Art der Massage. den zu verdanken, die fast alle ohne Ausnahme lobend erwähnt werden müßten. Die Ausstattung gab ein eindrucksvolles Bild der Verarmung des Intellektuellenstandes. m. i. Urania- Kino, Klimentská 4. Fernsprecher 61623. Einmaleins der Liebe" Arbeitervorstellung„ Katharina Ismailowa". Oper von Dimitri Schostakowitsch, welche vor furzem bei der Uraufführung einen vollen Triumph vierteljährig Kč 48.-. balbiäbria Kč 96.- aanziähria Kč 192.-. Bezugsbedingungen: Her Bustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kč 16.Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Breisnachlaß. Rückstellung von Manuifripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.- Die Zeitungsfrantatur wurde von der Bost- und Telegraphendirektion mit Erlak Nr. 13.800/ VII/ 1930 bewilligt. Druderei: Orbis". Drud, Verlags- und Reitungs- A.- G.. Brag. Inserate werden laut