Dienstag, 25. Feber 1936 Nr. 47 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (einschließlich S Heller Porto) T.ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii.,fochova a. Telefon 53077. , HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Das Belgrader Resultat Wirtschaftsplan Im Donaubecken tritt In ein konkretes Stadium Belgrad. Die offiziellen Besprechungen Dr. HodZas mit dem Ministerpräsidenten Stojadino- viö wurden Sonntag abends abgeschloffen. Am Nachmittag hatte Dr. HodZa in der tschechoslowakischen Gesandtschaft u. a. auch mit den jugosla- tvischen Ministern für Finanzen und für L a n d w i r t schäft konferiert. Das offizielle Kommuniquee über die Besprechungen wurde von den beiden Staatsmännern der Preffe bei einem Journalistenempfang zur Verfügung gestellt. Dr. Hodzä brachte im Gespräch mit Journalisten seine volle Befriedigung über die Einheitlichkeit der Ansichten zum Ausdruck, in welcher sich die beiden leitenden Staatsmänner der verbündeten Regierungen gefunden haben, und deutete an, daß es sich jetzt um die Lösung der konkreten Aufgabe mit Hilfe von Fachleuten- Experten handeln werde. In dem Kommuniquee wird die U e b eres n st i m m u n g d e r A n s i ch t e n der beiden Staatsmänner über alle aktuellen internationalen Probleme politischen wie wirtschaftlichen Charakters konstatiert und der Wunsch ausgesprochen, daß man in den allgemeinen internationalen Beziehungen ehestens zu einer gesünderen und glücklicheren Situation gelange. Und zwar auf der Basis der großen Prinzipien der internationalen Gerechtigkeit und des. Friedens, wie sie in vollem Maße im Völkerbu nd- Pakt und dessen kollektiven S^che r- . heitssystem zum Ausdruck Toinmen. Im Hinblick auf die Berhältniffe im Donaubecken wird konstatiert, daß die beiden Länder gemeinsam mit dem verbündeten Rumänien bereits in der Bergangenheit bestrebt waren, eine aufrichtige loyale Zusammenarbeit mit allen intereffierten Staaten zu schaffen und die entgegen- stehenden Schwierigkeiten zu vermindern. Die beiden Länder haben als Mitglieder der Kleinen Entente immer das größte Berständnis für den B 0 r t e i l bekundet, welche alle Staaten des Donaubeckens aus der engere« Wirts ch a f t- l i ch e n Zusammenarbeit haben könnten. Solche Bestrebungen sollen nunmehr g e- st ä r k t und im Sinne des Paktes der Kleinen Entente und zum Wohl aller dieser Saaten «nterstützt werden. Aufs neue wird betont/ daß dieses Bestreben gegen keinen anderen Staat gerichtet ist und daß die Saaten des Donaubeckens in dem Wunsche, sich gegenseitig zu unterstützen, auch mit der Unterstützung der anderen und insbesondere der großen Staaten Msttel- und Westeuropas rechnen müffen. Ministerpräsident Dr. Hodza hqt Montag mittags Belgrad verlassen: Er begab sich zunächst nach dem Zentrum der jugoslawischen Slowaken in.der Gegend von P e t r 0 v a c, wo er in den Jahren 1805 und 1906 zum Abgeordneten gewählt worden war. Er wird eine Reihe von Gemeinden seines damaligen Wahlbezirkes besuchen und überall feierlich begrüßt werden. Dr. H» d Z a mit dem jugoslawischen Ministerpräsidenten Dr. S t 0 j a din 0 v i L im Arbeitszimmer des jugoslawischen Außenministeriums. Expose Edens im Unterhaus Neues Friedensangebot auf Grund der alten Vorschläge des Fiinferausschusses Berger-Waldenegg erklärt: Habsburger-Restauration von der Tagesordnung gestrichen Belgrad. Die„P r a v d a" veröffentlicht einen Artikel des österreichischen Außenministers B e r g e r- Waldenegg, worin es u. a. heißt:-. v Tic Auslandspreise beschäftigt sich in der letzten Zeit häufig mit der Angelegenheit des An- schluflcs und der Restauration der Habsburger in Oesterreich. Ich kann nur wiederholen, was bereits Kanzler Schuschnigg und Vizekanzler Star- hcmbrrg in dem Aufruf an die Führer der Heimatfront vom 19. März erklärt haben: Oesterreich wünscht n i ch t, in der internationalen europäischen Politik Komplikationen hrrvorzurufen. Die Grundlinien der österreichischen Außenpolitik machen eS der Regierung Schuschnigg zum Gebot, diese Punkte vonder Tagesordnung zu streich en. Winkler ausgebürgert Wien. Auf der schwarzen Tafel der Wiener Polizeidirektion wurde eine Kundmachung veröffentlicht, welche besagt, daß der gewesene österreichische Vizekanzler Franz W i n k l e r und gewesener Führer des österreichischen Landbundes, der derzeit in der Tschechoslowakei lebt, der österreichischen Staatsbürgerschaft für verlustig erklärt wurde... Ein neues Kampfflugzeug ' London. Wie„M 0 rning Post" zu berichten weiß, beschäftigt, sich das englische Lustfahrtministerium zur Zei t mit den Bauplänen Nr ein neues Kampfflugzeug, das angeblich die phantastische Geschwindigkeit von 400 Stundenmeilen, 8.'s: 640 Kilometer, in der..Stunde erreichen soll. Es handle sich um eine zweimotorige Maschine, die mir 20-Millimeter-Kanoncn sowie mit-Maschinengewehren. ausgerüstet ist,, London. Bor überfüllten Bänken und in Gegenwart der Botschafter von Frankreich, Italien, Sowjetrußland und Deutschland fand am Montag im Unterhaus die mit großer Spannung erwartete Aussprache über Aufrüstung und Oel- sperre sto'. Der Abgeordnete- Lee Smit h erklärte- in' Begründung eines Antrages, der die formelle Basis für die Debatte bot, daß seiner Ansicht nach der britisch« Staatssekretär selbst«in Embargo auf Petroleum Vorschlägen sollte. Unter starkem Beifall erklärte Le« Smith: „Wenn wir in Zukunft imstande sein wollen, Göring, Goebbels»der Hitler die Zügel anzuzit- hen, müffen wir damit beginnen, Mussolini -»bremse n!" Hierauf ergriff Außenminister Eden das Wort',' Er erklärte, daß die Sanktionen des Völkerbundes keines w e g s wirkungslos seien. Die Wirkun-, gen der bereits auferlegten Sanktionen seien dauernd und kumulativ und würden auf den Erfolg'des Völkerbundes in deffen Hauptziel und Hauptzweck, der Beendigung der FrindseligkeiterN einen g r 0 tz« n Einfluß haben. Was die Petroleumsanktiöpen betrifft, so seien diese in- ihrer Durchführung von der Kooperation der Richtmitglieder, des Völkerbundes abhängig, in deren Händen, sich ein großxr. Teil der Petroleumguellen befindet. Die Petroleumeinfuhr Italiens aus Amerikaist von 6,3 Prozent der gesäurten Einfuhrquote in den Monaten Jänner bis Septeniber-1935 auf 16,8 Prozent iw letzten Vierteljahr-1935 g e st i e g e n. Es muß auch über di« Petroleumsanktionen ebenso wie über alle anderen Erwägungen angestellt werden, ob ihre Verhängung zur Beendi g u n g des Kr i e- g«s b«,'i t r a gen kann. In diesem Geiste tyeßde auch die britische Regierung ihre Entscheidung treffen. Je früher darüber in Genf eine Entscheidung j'getroffen werden'wird, desto bessert: ' Er könne versichern, daß die Politik der britischen Regierung auch weiterhin in der B e i behalt«'n g des f e st e n k» l l e k t i y e n Widerstandes gegen den Ang rr ff beruhe.. Es könne k e i n e S ch w ä ch e und kein Zögern in diesem Standpnnft geben, solange nicht der Frieden unterzeichnet und solange nicht den KriegSoprrationrn in Ostafrika ein Ende bereitet sein wird. Wir alle wünschen, erklärte Eden, eine möglichst rasche und möglichst befriedigende Erledigung des Konfliktes. Tie britische Regierung ist der Ansicht, daß der Bericht deS sogenannten FünferauS» s ch«s s e S, deffen Bedingungen seinerzeit„unglücklicherweise" von Italien nicht angenommen worden seien, auch weiterhin die Grundlage darstelle, ans welcher jedes neue Streben nach einer Lösung gegründet sein sollte. - Wenn beide Konfliktspasteien noch jetzt die guten Dienste des Völkerbundes annehmen würden, so würde sich unter den übrigen Mitgliedern niemand finden, dex zaudern würde, seine Zustimmung zu dem Anträge zu geben, daß der Mechanismus des Fünserausschuffes einstweilen in Disponibilität bleibt. * Rom.(Havas^) Zu den im Auslände verbreiteten Gerüchten, daß Italien im Falle einer Verschärfung der Sanktionen den französisch» italienischen Vertrag kündigen wolle, erfuhr der HavaS-Berichterstaüer an.kompetenten Stellen, daß sich Italien tatsächlich Handlungsfreiheit- Vorbehalte, um' eventuell auf die Sanktionen antworten zu können, daß es aber n.i ch t an. die Kündigung, des erwähnten. Bcrtra- >ges denke. Her Marsch nach Potsdam Ein deutsches Trauerspiel Die Männer, die mit dem unbeschränkten Verfügungsrecht über 67 Parlamentsmandate, eine zahlreiche und mächtige Preffe, einen ungeheuren Partei-Apparat mit vielen Hunderten besoldeten Agitatoren und Agenten, über nahezu sämtlichen bürgerlichen Vereine,' Wirtschaftsverbände und kulturellen Organisationen, die politische Führung von zwei Dritteln des- Sudetendeutschtums verbinden, hatten Sonntag eine großartige Gelegenheit, ihre Macht in den Dienst einer großen Aufgabe zu stellen und sich vor der Nation und vor der Welt zu bewähren. Die SdP hatte eine Kulturtagung einberufen, die von allen möglichen Gästen aus den verschiedensten Bereichen des öffentlichen Lebens beschickt war, darunter auch von den diplomatischen Vertretungen Deutschlands, Italiens, Polens und der USA. Die leitenden Männer der SdP ließen Konrad Henlein eine p r 0 g r a m- matischeRede vortragen, die dank der Aufmachung des Kongresses mit allem Brimborium einer faschistischen Zeremonie, die aber auch dank der politischen Macht, die hinter Henlein steht, eine Beachtung fand, die sie durch ihren bloßen Inhalt niemals gefunden hätte. Die Ver- faffer der Rede hatten eine einzigartige Gelegenheit, ihre nationale Mission vor dem Sudetendeutschtum und vor der gesamten deutschen Nation zu erweisen. Wie haben sie diese Gelegenheit genützt? Sie haben Henlein ein kaum mehr umschriebenes, ein wünschenswert eindeutiges Bek-ensttniszum Kultur ideal Hitlerdeutschlands ablegen lassen. Es ist grotesk, wie die Henlein-Bewegung ihre eigenen Ursprünge verleugnet, um sich nur- ja recht eng an den Hitlerismus anzuschließen! Die Henleinleute haben jahrelang einen oft kindischen Stammeskult betrieben, haben die H e i- m a t und die Heiinatkunst, Heimatbildung, Heimatliebe in tausend Tönen besungen, haben die Besonderheiten des sudetendeutschen Stammes wo sie konnten betont. Nun, da zum erstenmal in der Geschichte das Südetendeutschtum eine selbständige Aufgabe hätte, nicht als ein historischer Stamm,, der es ja gar nicht ist, wohl aber als eine Gruppe von dreieinhalb Millionen Deutschen, die nicht der Diktatur Hitlers unterstehen und sich nicht nach Goebbels' Grundsätzen gleichschalten müssen, gerade jetzt, wo es eine welthistorische Bedeutung. hafte, das Sudetendeutschtum als denkendes, noch freies'Volk dem Kasernenvolk Hitlers gegenüberzustellen, wirst die SdP ihre ganze StammeStradition über Bord und bekennt sich rückhaltlos zur„großen Kulturgemeinschaft der Deutschen", da es eine sudetendeutsche Sonde r k u l t ur ja nicht gebe. Das ist gewiß richtig. Es. gibt keine.sudetendeutsche Sonderkultur. Aber es gibt gewisse sudetendeutsche Kulturaufgaben, die niemand lösen kann, der sich nicht von Hitler sondert! Und es gibt, was die Souffleure Henleins übersehen oder leugnen, doch eine nazistische„S 0 n d e r k u l t u r", die mit der„großen deutschen Kulturgemeinschaft" nichts zu tun hat. Die deutsche Kulturgemeinschaft, das bedeutet doch auch, ja es bedeutet vor allem die Fülle deutscher Kulturgüter aus einem Jahrtausend und insbesondere aus den letzten zwei Jahrhunderten deutscher Geschichte, es bedeutet das Bekenntnis zur Kultur Lessings, Her- . ders, Goethes, Kants und Schillers, zur Kultur Mozarts und Beethovens, zur Kultur des vielgeschmähten„anderen Deutschland", deffen Repräsentanten heute in der Verbannung leben oder im Konzentrationslager schmachten/» von deutschen Lehrstühlen verbannt und in Hitlers Reich verfemt sind. Nicht wir S u d etendeut- sche haben eine Sonderkultur, ab er Hitler hat sie.. Und sich zur deutschen Kul tu r>b e kennen m ü tz t e h e iß e n, vo n d e r Hitler- Barbarei ab r ü.ck e n. Henlein denkt nicht daran, von Hitler abzurücken. Er ahmt ihn schon im Aufbau und in dec dilettantischen Oberflächlichkeit der Rede nach. Ta fehlt nichts, was auch Adolfs Seele bewegt: die ! Architektur z. B. die„n e ueB a u g e s i n- nung", die Henlein als eine der drängendsten Sorgen aufzählt, weil bei uns noch immer die Architekten und Baumeister bauen, während in der großen deutschen Kulturgemeinschaft Hitlers . bekanntlich die Parteiführer durch ihre geschmack- Seite 3 Dienstag, 25. Feber 1936 Rr. 47 losen Einfälle die Fassaden verhunzen. Henlein fordert,' daß reichsdeutsche Lehr« hücheran unseren Schulen ohne Einschränkung zugelassen werden, daß unsere Studenten nach Deutschland gehen, um sich dort wissenschaftlich vollwertig ausbilden zu lassen, daß deutsche, aus der Hitserschule hervorgegangene Profefforen hierher berufen werden. Henlein übernimmt von Hitler den Unsinn der„blutsmäßig unverdorbenen" Raffe als Ausgangspunkt der Kulturbetrachteung, er übernimmt von Hitler jene angeblich positive Stellungnahme zum Christentum, die zugleich den Totalitätsanspruch gegenüber allen religiös fundierten Pa r t e l e n bedeutet, er übernimmt den Bannfluch gegen jede übernationale Gesinnung, gegen das gesamte Kultur- und Gesinnungserbe des Liberalismus. Mit der gleichen Entschiedenheit, mit der Henlein sich zu Hitler bekennt, sondert er s i, ch v on d e n T s ch e ch e n. Nichts bleibt als ein kühles Betonen freundlicher Nachbargesinnung, aber jede Möglichkeit einer gemeinsamen kulturellen Zielsetzung, jede Betonung einer Schicksalsgemeinschaft, aus der auch gemeinsame Kultur wachsen könnte, werden peinlich vermieden. Das Sudetendeutschtum, soweit es in der SdP vertreten ist, wird von Henlein in Richtung aufPotsdam in Marsch gesetzt, Es gibt kein deutsches Kulturideal neben dem preußischen, es gibt keine deutsche Kultur vor Hitler und außer Hitlerdeutschland. Wer nicht von Henlein mit einem der absprechenden Worte erledigt werden will, die er für alle Andersdenkenden bereit hält, muß sich in die Kolonnen einreihen, die„Direktion Potsdam" marschieren. Was bedeutet das für die Sudetendeutschen? Nur ahnungslose Illusionisten, Profefforen- gemüter, wie sie uns z. B. im„Bereitschafts"- Prozeß gelegentlich begegnet sind, können glauben,. daß Henleins Bekenntnis zu Hitler nicht auch eine Kriegserklärung an di,e Kräfte im tschechischen Lager ist, die mit dem deutschen Problem ringen und die Brücken zu den Deutschen bauen wollen. Gerade jene Tschechen, denen an einer dauernden Verständigung liegt, werden vor den Kopf gestoßen und können verleitet werden, an dem Sinn ihres Wirkens zu zweifeln. Es ist ein Trauerspiel, das mit dem festlich prunkenden Akt im Prager Kasino eingeleitet wurde. Es zeigt die tragische Schuld verantwortlicher sudetendeutscher Politiker an der Entfremdung der Nationen des Staates, es zeigt die zielbewuhte Irreführung der deutschen Bevölkerung durch Politiker ohne eigenes Format, ohne den Mut zu eigener Weltanschauung, es zeigt zweiDrittelunseres Volkes in den Händen von Unteroffizier MüMeHtHettsideMl tS ist, eigen Besehl aus Berlin weirerzuschreien und nicht Nachdenken zu müssen. Man merkt es der Rede Henleins an, daß die'Männer, die sie verfaßt haben, nicht„faustisch gerungen" haben, sondern daß sie kadettenmäßig nachplappern, was die Kommandostill« in Berlin ihnen vorspricht, man merkt es dem oberflächlichen Gewäsch und den schnoddrigen Forderungen an, daß keiner der Autoren sich den Kopf zerbrochen hat über die ungeheuer schwierigen Fragen der tschechisch,deutschen Kulturgemeinschaft in den Sudetenländern. Die Rede leitet aber auch ein anderes Trauerspiel ein. Sie zeigt, daß die deutsche Kultur heute nicht nur im Hitlerreich, sondern auch bei zwei Dritteln derSude- t e n d e u t s ch e n, die frei entscheiden dürften, keine Heimstätte hat. Henleins Rede ist derVerratderSdPaneinergesamt« d e u t s ch e n A u f g a b e, an der Aufgabe nämlich, gegenüber dem Feldwebel-Ideal der Gleichschaltung, gegenüber dem geisttötenden, mörderischen Druck der Diktatur das Recht der Nation auf eigenes Denken, auf eigene Kulturgesinnung zu erkämpfen. Henlein hat den rauschenden Beifall der Männer gefunden, die gekommen waren, um— eben zu applaudieren. Vor der Geschichte wird Henlein nicht bestehen. Das mag ihn und seine Hintermänner wenig kümmern; das sudetendeutsche Volk aber läuft Gefahr, die Irrtümer der SdP mit sei- ner Existenz zu bezahlen, denn es sind die verhängnisvollen Verirrungen, aus denen die politische Katastrophe geboren wird wie schon einmal in den Jahren 1914/18. Das sudetendeutsche Volk wird wählen müssen zwischen dexRolledesZuschauersoder desOpfersin dem Trauerspiel, das mit dem Marsch nach Potsdam beginnt! Der Vortrag Henleins über deutsche Kulturproblem«, den wir oben besprechen, fand am Sonntag vormittags im Prager Deutschen Haus statt. Das Rednerpult trug das SdP-Wappen, andere SdP- Ständarten waren im Saale angebracht. Erschienen waren u. a. die Vertreter der Gesandtschaften de? Deutschen Reiches, Italiens, Polens, der Vereinigten Staaten von Nordamerika und des General, konsulateS von Norwegen. Zahlreich vertreten waren Hochschullehrer, darunter auch Vertreter der tschechischen Universität und der tschechischen Technik. Ebenso hatten Vertreter entsendet der Turnerverband, der Bund der Deutschen, der Deutsche Kulturverband, die LandestoMmiffion für Kinderschuh und Jugendfürsorge, die Pestalozzi-Gesellschaft und die Präge', Musik-Akademie. Nachdem das Vorspiel zu„Meistersinger" verklungen war, wurde ein Vorspruch aufgesagt, worauf Konrad Henlein seine Rede hielt. Er sagte u. a.: Wenn wir überall die neuen Ansätze zur Entwicklung und Wirkung bringen wollen, so sei ein für alle Mal festgestellt, daß wir es ablehnen eine sudetendeutsche Sonderkultur zu züchten.... Line„tschechoslowakische Kultur" als Mischkultur aller Völker unseres Staates würde die Kulturfrage der einzelnen Völker schwächen... Nur in einem in seiner blutmäßigen Zusammensetzung unverdorbenen Volk werden die schöpferischen Kräfte lebendig... Das Dasein eigener christlicher Parteien mag einmal zur Zeit der Vorherrschaft des Liberalismus einige Berechtigung gehabt haben. Heute haben sie ihre Lebens- ^^ecktiaung verloren... Politisierende Meistiich« können zwar nicht unsere Politik, wöh. aber den Glauben erschüttern.-. Hohles Literatentum und dekadente Asphalt-Literatur haben sich gerade in der Dichtung unter Mißbrauch der deutschen Sprache breit gemacht und arbeiten unaufhörlich daran unser völkischer Leben in seinen reinsten Oue.- len zu vergiften... Was sich durchzusetzen wußte in der Welt, waren nicht die Schöpfungen volksent- wurzrlter Menschen, sondern Gipfelleistungen Volksbewußter... Das Theater hatte bei uns am Werden der Volksgemeinschaft so gut wie keinen Anteil ... Die deutsche Rundfunksendung ist in diesem Staate nicht Sprachrohr des Sudetendeutschtum-- ... vorwiegend setzt man uns eine„Prager Presse" deS AttherS vor. Unsere Forderung lautet: wie das Programm unserer Zeitung-n von uns zu bestimmen ist, so muß auch der Rundfunk ein Organ unseres Kulturschaffens werden. Nur unter diesen Voraussetzungen hat ein eigener deutscher Sender im sud'etendeutschen Gebiet überhaupt einen Sinn... Alle Jugenderziehung mutz aber in der n»annschaftlichen Erziehung münden und-in ihr die Erfüllung finden. Dann wurde ein Sprechchor borgetragen und zum Abschluß der Feier der Aork'sche Marsch(Präsentiermarsch der Preußischen Garde) gespielt. Tschechische Blätterstimmen Raum noviny(soz.-dem.): Wenn Henlein bisher nur in Andeutungen gesprochen und sich gegen einen Vergleich seiner Bewegung mit der Hitlerbe- wegung gewehrt hat, so sprach er sich in dieser Rede mechr als deutlich für den Geist aus, den Hitler, Göring und Goebbels in das deutsche Kulturleben des Driften Reichs getragen haben. Lidove noviny.'.. Den Nationalsozialismus erwähnte er in seiner Rede mit keinem Wort und grenzte das Kulturprogramm seiner Partei in keiner Weise von ihm ab. Er vergaß vollkommen, daß seine Bewegung trotz ihrer zahlenmäßigen Stärke nur eine Partei ist und daß die Kiüturbedürf- niffe eines Volkes niemals nach den Wünschen einer poliftschen Partei gemessen werden können. A-Zet Pondöuik: inat.-soz.): Die ganze Rede Henleins war eine ungewöhnlich getvagte Kampf ansage an alles Tschechoslowakische und nicht aus Deutschland kommende. Beörr(agr.): Sein Vortrag, den er vorlas, war eine teilweise Enttäuschung für jene, die erwartet haben, daß Henlein eine Synthese der deutschen und tschechoslowakischen kulturellen Standpunkte und Bestrebungen auf dem Boden des Staates versuchen wird. L. Eeske Slovo nat.-soz.): Kecke Reden Henleins. Das dienstägige„P r a v o L i d u": ES hätte keinen Sinn, bei der Kommentierung dieser aufreizenden Kundgebung Henleins und alles dessen, was sie begleitete, in Erregung zu verfallen, die sich, in scharfen Worten äußern würde. Aus dieser Ma-" nifestation und aus dem, was Henlein sich zu sagen getraut hat, müssen die poliftschen Konsequenzen gezogen werden. ÄaS wir hier schon einigemale geschrieben haben, ist richtig: Der Henleinismus bei uns ist nur eine Kundgebung desselben Gei- st e s, der das D r i t te Reich beherrscht. Henlein hat Hitlers Terminologie aus dessen Buch„M e i n Kampf" benützt und seine Auslegung der Kuliur- politik entspricht genau der hakenkreuzlerischen Ideologie... Henleins Forderungen bedeuten praktisch die völlige Selbständigkeit des„sudrtendeut- schkn" Gebietes bis zu seiner Losreißung und seinem Anschluss an Deutschland... Auch die Teilnahme diplomatischer Vertreter muß politische Konsequenzen haben, ebenso die Teilnahme zweier Professoren tschechischer Hochschulen und von vierzehn Profefforen der deutschen Hochschulen.... Die Kerker leeren sich Madrid.(Tsch. P.-B.) Die spanischen Behörden entlassen weiter die politischen Gefangenen. Aus dem Gefängnis von Bilbao wurden 300 Häftlinge, in Valladolid 146/ in Ciudad Real 62, in Pampeluna aus dem KreiszefängniS und aus der Festung 300 Häftlinge entlassen. Taufende Einwohner von Madrid gingen dem Sozialistenführer Gonzales Pena entgegen, der Ivegen Teilnahme an der Revolution im Oktober 1934 zum Tode verurteilt worden war und Samstag abends auf Grund des Amnestiedekrets in Freiheft gesetzt wurde. Die Menge trug Pena im Triumph auf den Schultern zum Rathaus. Der ehemalige Vorsitzende des katalanischen Gt- neralidad und die Mitglieder des Rates, die in Freiheit gesetzt wurden, wird demnächst in Bar- zelona eintreffen. San Sebastian. Der Sekretär der asturischen Bergarbeiter-Gewerkschaft Belarmino Tomas ist nach Spanien zurückgekehrt. Tomas nahm an der Revolutionsbewegung im Oktober 1935 teil und hatte seinerzeit mit dem Kommandanten des gegen die Aufständischen entsandten Expeditionskorps die Bedingungen der Kapitulation der Aufständischen abgeschlossen. Tomas hatte sich nachher nach Frankreich begeben. Schmarotzer nach Biarritz Biarritz.(Havas.) Nach den letzten Wahlen sind hier an hunderte spanische Familien einge- troffen.Es befinden sich unter ihnen hervorragende Aristokraten, u. a. der Herzog von Alba, einige Mitglieder der früheren Regierung und Mitglieder des früheren Parlaments.(Biarritz ist eines der vornehmsten Seebäder Westeuropas.) Erfolg des Ras Imru Im RUcken der Italiener Addis Abeba.(Reuter.) Amtlich wird gemeldet: Ras Imru, der abessinische Truppenführer an der Rordfront, meldet, daß seine Trup, pen anläßlich des Einfalles in den Rücken der Italiener 412 weiße Italiener getötet haben. Zu dieser Meldung teilt der Godschamer Gouverneur Ras Imru, der die Italiener über den Takazr-Fluß zurückgedrängt hat, mit: Freitag entsandte ich von meinem unweit von Aksum liegenden Hauptquartier in westlicher Richtung zwei Operationseinheiten zum Mareb- Fluß, der die Grenze zwischen Abessinien und Eritrea bildet. Diese Abteilungen Vernich- teten 15 Munitionslager, 30 Tank» und einige La st automobile. Rach einer Mitteilung des Reuter-Korrespondenten hat es den Anschein, daß dieser Ausfall sorgfältig vorbereitet war, da die abessinischen Verluste gering waren. Gefangene haben die Abessinier nicht zurückgebracht. Bei diesem Ausfall handelt es sich um den ersten Vorstoß der Abessinier hinter die Linie Adua, Adigrad und Aksum. vas Anwachsen der Sozialisten In Japan Tokio. DaS Blatt„Mijako" berichtet, daß dir proletarische Partei bei den ParlamentSwahlen 629.000 Stimmen auf sich vereinigt hatte, waS um 529.000 Stimmen mehr ist, als sie bei den letzte« Wahlen«reichen konnte. Neuer Angriff auf mongolisches Gebiet? Moskau.(Laß.) Nach Berichten aus Ulan- bator werden neue japanische Abteilungen zum Marsch nach dem Gebiete des Buinoor-SeeS be« reitgestellt, so dtch in den nächsten Tagen ein neuer Angriff auf mongolisches Gebiet erwartet werden kann. MANNER, FRAUEN Cepyrlglit by Dr. Manfred Georg, Prag Mardrier redete sich seine Wut brutal herunter. Alles mit einer zarten, liebenswürdigen Stimme. DaS regte Schumann noch mehr auf. Eine Weile verstand er die Worte des Hellsehers nicht, bis diese ihn plötzlich jäh auffahren ließen: „Außerdem hat diese Dame mir eine Tasche gestohlen." „Machen Sie sich doch nicht lächerlich. Sie sind es schon genug." „Wenn ich es Ihnen sage, stimmt es. Eine Brieftasche. Sie wird zwar sehr enttäuscht sein, Geld ist kaum darin. Aber sehr wichtige Briefe. Ich habe eine Belohnung ausgesetzt, wenn ich die Tasche Wiedererhalte." „Sie haben es der Polizei gemeldet?" „Seien Sie unbesorgt I Im Gegenteil. Ich habe ein Inserat aufgegeben, in dem ich allein für die Wiedereinsendung der Brieftasche— ohne das Geld, versteht sich— fünftausend Schilling ausgesetzt habe. Ich hoffe, das wird die Dame locken!" „Ich glaube nicht. Wenn Sie durch das Inserat zeigen, wieviel Ihnen ein paar Briefe wert sind..." Mardrier stieß ein kurzes Knurren aus. Er gab offenbar zu, falsch gehandelt zu haben: „Wenn ich Ihr Gesicht sehe, glaube ich wirklich, daß Sie ein reiner Engel sind. Sie wissen ja wirklich nichts von der Sache. Und ich dachte. Sie arbeiten mit ihr zusammen." „Ich bin hergekommen, um mit Ihnen zu arbeiten, scheint mir. Wollen wir nicht anfangen?" Schumann war entschlossen, sich nicht weiter mit Mardrier über Haydöe zu unterhalten. „Ich werde tun, was in meinen Kräften steht. Sie wissen, daß man in solchen Fällen nicW garantieren kann." „Selbstverständlich." Es dämmerte schon. Das Zimmer war bereits ziemlich tief mit Schatten gefüllt. Mardrier setzte sich zum Fenster, durch das noch ein schwaches Tageslichtdrang. Schumann nahm vor ihm Platz. Der Hellseher erhob die Hand einen Augenblick kurz zum Zeichen, daß er begann, sah Schumann in die Augen, dann vor sich hin auf den Tisch, schien die Muster der Decke darauf zu studieren, bog sich mit einem Male leicht nach rückwärts, warf den Kopf hoch, seine Augen verdrehten sich, rollten unter das obere Lid, blieben dann stehen, so daß fast, nur die weißliche Bläue des Augapfels zwischen den Wimpern stand. Die Stirnadern traten stark hervor, der Mund, halb geöffnet, war von der Nase bis zum Kinn versteift. Der Atem kam stoßweise. „Denken Sie wieder an daö Land, in dem Sie neulich waren, als ich mit Ihnen arbeitete," befahl Schumann. „Ich sehe es," kam es ziemlich mühsam aus Mardriers Kehle. „Sind Sie in einer Stadt?" „Ja." „Liegt sie am Meer oder innen im Land?" „Im Lande," „Wir fahren in den Bahnhof ein. Wir gehen die Hauptstraße entlang. Es muß doch irgendwo ein Gebäude sein, auf dem der Name der Stadt steht. Sehen Sie sich um." „Ich sehe mich um." „Können Sie denn nirgends ein Schild sehen?" „Doch, da auf der Polizeistation, immerzu gehen Leute hinein und heraus, ein kleines, weißes Haus mit flachein Dach, drei Worte stehen darauf." „Also, also, lesen Siel" drängte Schumann. „Zwischenräume", röchelte Mardrier,„es ist so schwer." „Es ist gar nicht schwer, geben Sie sich nur Mühe. Lesen Siel." Mardrier buchstabierte: „Das letztere heißt: Sevilla." Schumann erhob sich so rasch, daß sein Stuhl pollernd ümfiel. Mardrier rührte sich nicht. Er saß in seiner erstarrten Pose da, die Zunge kroch ihm wie der Kopf einer kleinen roten Schlange auf die Unterlippe und blieb dort liegen. Sie war feucht an der Spitze und sah ekelhaft aus. Schumann raffte sich zusammen. „Also Sie sind in Sevilla? Jetzt suchen Sie die Frau, die Sie neulich gesehen haben. Sie erinnern sich, die Frau oder das Mädchen, das meine Tochter sein soll, die mit dem vernarbten kleinen Finger. Wissen Sie, wen ich meine?" „Ich weiß es."—„Alsol" Es folgte ein langes Stöhnen. Mardrier setzte mehrmals an, schluckte, sagte dann plötzlich: „Sie hat ein Buch unter dem Arm." „Was tut sie denn mit dem Buch?", „Sie trägt es7 Sie geht in ein Büro. Auf der Straße sind viele Menschen. In dem Büro ist nur ein Mann. Sie studiert Karten und Pläne. Der Mann steht neben ihr. Sie sehen auf eine Landkarte, die an der Wand hängt." „Was für eine Landkarte"" keuchte Schumann. „Ich glaube, sie wollen verreisen." „Was für Haare hat denn das Mädchen?" Keine Antwort. Schumann wiederholte die Frage. Der Mann im Trance schien hier starken Widerstand entgegenzusetzen. Aber Schumann trieb ihn so, daß er sich schließlich zu ergeben schien und, unter starkem Kärperzucken, hauchte:„Braun." Gabriele hatte blonde Haare gehabt. Schumann befahl: „Irren Sie sich auch nicht? Sehen Sie genauer hin?" Zögernd kam die Auskunft:„Oder auch blond. Ich kann es nicht genau sehen, die Sonne blendet mich so." Dieser Irrtum schien den Mann im hypnotischen Schlaf renitent zu machen. Es war nichts mehr aus ihm herauSzukriegen. Auch auf Fragen nach den anderen beiden Kindern, Theffa und Rudolf, blieb er stumm. „Leben sie denn noch?" quälte ihn schließlich Schumann erschöpft. „Sehen Sie sie nirgends?" „Ein Kind lebt noch. Eines noch.." Schumann vergaß sich. Er rüttelte Mardrier: „So sprechen Sie doch!" Mardriers Kopf sank nach vorn. Sein Mund schloß sich. Schweiß rollte ihm von der Stirn, die Backen herunter, sein Atem ging schnell, jetzt schlug er die Augen aus: „Warum schütteln Sie mich denn? Das tut doch weh. So was darf man doch nicht tun!" Er blickte noch etwas verstört um sich, ging zum Tisch, goß sich ein Glas Kognak ein, trank es hastig leer und fragte, schon wieder völlig gesammelt: „Koimte ich Ihnen dienen?" „Etwas. Aber können wir nicht fortfahren?" „Dazu bin ich viel zu erschöpft. Was denken Sie, Ich bin doch keine Maschine. Außerdem — wenn ich Ihre Fragen beantwortet habe, sind wir quitt. Ich pflege stets mein Aeußerstes zu tun, aber ich bin überzeugt, daß Sie mich noch hundertmal mehr fragen könnten. Ich weiß aber dann bestimmt nicht mehr als heute, auch bin ich in der Arbeit wahrscheinlich sehr stark dadurch gestört, daß Sie mir unsympathisch sind." „Ich bin Ihnen unsympathisch?" (Fortsetzung folgt.) Nr. 47 Dienstag, 25. Feber 1956 Seite Wie die Kommt n'sten Ihre Leute beurteilen Ter Chefredakteur des ,,Rudä Prävo", B u- d i n wurde vor kurzer Zeit entlassen. Aus dem, was ihm von dem Abgeordneten Sverma im „Rude Prävo" vorgeworfen wird, heben wir hervor:„Er hat die journalistischen Pflichten verletzt er hat eine ausgesprochene Sabotagepo litik betrieben... er hat jede Kritik der Sozialdemokratie verabsäumt er hat die Linie der Kommunistischen Internationale verlassen... er hat den sozialdemokratischen Führern schöngetan... er hat von den Kommunisten den Eindruck erweckt, da sie den Kampf um das Selbstbestimmungsrecht der Nationen aufgeben... daß sie für die Mäßigung im Kampfe gegen das Regime sind... für das Vertrauen zu bürgerlichen Ministern für eine starke Landesverteidi gung... für die Unterstützung der Armee und der Rüstungen... kurz, er war ein Sozialpatriot... Er hat den fürchterlichen Ausspruch getan;„Wie sich die Kommunisten nicht vor den'Kerkern gefürchtet haben, so werden sie sich auch nicht vor Ministerseffeln fürchten"... er hat Propaganda für die Sozialdemokratie gemacht... er hat die Reden des Genoffen Stalin an versteckter Stelle gebracht." Wenig ist das nicht, was man da dem kommunistischen Redakteur vorwirft und es ist anzu- nehnlen, daß man eines schönen Tages von den Chefredakteuren des„Rude Prävo" und der„Roten Fahne", sowie von anderen kommunistischen Rednern und Schreibern Aehnliches sagen wird. Weitere Anzeichen eines allmählichen Aufstieges Aus dem Wirtschaftsbericht der Nationalbank Prag. Der Dankrat der Tschechoslowakischen Nationalbank hielt am 24. l. M. seine ordentliche Monatssitzung unter dem Vorsitz des Gouverneurs Dr. Karel E n g l i s ab. Dem vorgebrachten Geschäftsbericht für den verflossenen Monatsabschnitt entnehmen wir folgendes: Die internationalen Bestrebungen nach Befestigung der Sicherheit bildeten im vergangenen Monat einen neuen Antrieb zu wichtigen europäischen Verhandlungen, deren Folgen, wie jede Abschwächung der politischen Unsicherheit, einen aktiven Beitrag zur Erneuerung der Weltwirtschaft darstellen könnten. Aus dem Ausland« lagen im letzten Monat keine bedeutenderen Airtschaftsnachrichten vor; die zeitlveilige Kursunruhe einiger Hauptwäbrungen wirkt jedoch ständig u n g ü n st i g auf die Entwicklung des Außenhandels ein. In der Tschechoslolvakei wurde der Entwicklung dec letzten Wochen der Harwtcharakter durch die Saison verliehen; auf'"Ker"resistenten GrnndÜstdenz der Volkswirtschaft kamen weitere Anzeichen eines allmählichen Aufstieges zum Vorschein. In der Jndistriebeschäftigung kam es außer Anlässen» welch? sich ans der Nachneujahrszeit und dex Ruhe in den Saisonzweigen ergeben, zu k e i- n e n größeren Veränderungen. Im Vergleich mit dem Jänner des Vorjahres kann jedoch eher im Durchschnitt eine weitere allmähliche Zunahme der Beschäftigung beobachtet werden. Während des verhältnismäßig milden Winters wurde stellenweise noch an Bauten gearbeitet. Das Interesse an Neuobjekten steigt und cs scheint, daß die Aussichten für die heurige Bau- und Jnvestitionssaison g ü n st i g e r als im vergangenen Jahre liegen. Ole Präser Wirtschaftsberatunsen eröffnet Prag. Nach dem Eintreffen der jugoslawischen und rumänischen Delegationen begannen Montag früh die Wirtschaftsberatungen der Kleinen Entente. Die Beratungen der gemischten handelspolitischen Kommission wurden noch im Lauf« des Tages abgeschlossen, die Kommissionen für Flugwesen, für Fremdenverkehr und für Tonauschiffahrt tagten ganztägig. Die Experten der Eisenbahnkommiffion werden ihre Arbeiten wahrscheinlich am Mittwoch beenden. Langfristige Wioner Kohlenbestellungrn in Mähr.-Ostrau. Di« Wiener Gasanstalt, welche bis jetzt aus Mähr.-Lstrau Koks nur kurzfristig bestellt hgtte, hat nunmehr einen langfristigen Lieferungsvertrag bis zum Jahre 1939 abge» schlossen, demzufolge sie 90 Prozent ihres Koks- bedarfes in Mähr.-Ostrau bestellen wird, während die restlichen 10 Prozent für Kompensationsgeschäfte Vorbehalten sind. Warschau«III Intrigieren Paris. Havas berichtet aus Belgrad, daß sich, Blättermeldungen zufolge, der polnische Außenminister Oberst Beck mit der Absicht trage, im April in Belgrad einen„Freund- schaftsbesuch" abzustatten, u. zw. würde dies ein Gegenbesuch sein für den im Jahre 1932 vom damaligen jugoslawischen Außenminister Marin- kovtc in Warschau abgestatteten Besuch. Nur 8.000-Tonnen-Kreuzer 7 London.„Daily Telegraph" meldet, daß die Flott«nkonferenz vereinbart hat, die Kreuzer- Tonnagen auf 8000 Tonnen zu beschränken, was gegenüber der vorangegangenen zulässigen Höchstgrenze einer Verminderung um 2000 Tonnen gwichkomnü. tfudetcndeutscfter Zeitspieget Politische Dummköpfe InRumburg fand Donnerstag eine sehr gut besuchte sozialdemokratische Versammlung statt, in welcher Genosse I a k s ch über aktuelle Fragen der sudetendeutschcn Politik referierte. Vor Beginn kamen— wie üblich— zwei biedere kommunistische Proleten zum Vorsitzenden und ersuchten um Redefreiheit für ihren Gegenreferenten. Sir erhielten ungefähr die Antwort: „Was wollt ihr denn immer reden? Wir kämpfen doch ausschließlich gegen den Henlein- FaschiSmus." Darauf beteuerten die Kommunisten: „Wir auchl Selbswerständlich wird euch unser Redner nicht angreifen." Bei den Sozialdemokraten obsiegte wieder einmal die Gutmütigkeit über die Vorsicht. Wir sind ja im Verkehr mit den Kommunisten seit 15 Jahren die dummen Luders, die sich immer wieder hineinlegen lassen. Dem Herr» Hadek wurden großmütig 15 Minuten Redezeit bewilligt. Natürlich sprach er fast eine halbe Stuilde und hielt sich nicht an die Zusagen, die seine Vertrauensmänner dem Vorsitzenden'gemacht hatten. Hadek stand schon ganz im Banne der alt-neuen Linie des Herrn Gottwald und polemisierte mit den alten läppischen Plattheiten gegen die Sozialdemokratie. Statt gegen den Henleii.-Faschismus zu kämpfen, machte er ihm noch die Mauer und buhlte mit Verdrehungen um die Gunst der Henleinjünger. Jaksch hatte festgestellt, daß die SdP-Wähler am 19. Mai in blindem Glauben gehandelt hätten. Hadek polemisierte dagegen entrüstet und warnte davor, die Hen- leinwähler als„politische Dummköpfe" hinzustellen. Vor 600 Zuhörern überführte Genosse Jaksch im Schlußioort den Herrn Hadek, daß er ihm das Wort im Munde umgedreht hatte. Strumpfwirker, Achtung! Die Strumpfwirker der Firma Wenzel W e i n e l in M ar»a s ch ein haben die Arbeit wegen Lohndifferenzen am Montag niedergelegt. Zuzug von Arbeitern in diesen Betrieb ist fernzuhalten. um sich bei den Henlein-Leuten einzuschmeicheln. Die Rumburger, die Schönlinder, die Schluckenauer Arbeiter, die der Versammlung beiwohnten,' können das vezeugrn. Ni«yttdeston>eniger wärmt der Berichterstatter der,'.Roten Fahne" (wahrscheinlich Hadek selbst) noch einmal die verlogene Mär von den„politischen Dummköpfen" auf. Wer da noch nicht merkt, daß durch kleine Liebesdienste eine national-bolschewistische Einheitsfront gegen die deutsche Sozialdemokratie vorbereitet werden soll, wird durch folgende Stelle des Rumburger Berichtes der„Roten Fahne" eines Besseren belehrt: „Jaksch sagt, die Tudetendeutschen hätten auf das falsche Pferd gesetzt uud vergißt, daß die Mitschuld der sozialdemokratische Parteivorstanv trägt, der die über die Koalition mit dem Kapitalismus enttäuschten Arbeiter der Reaktion in die Arme getrieben hat. Jaksch aber setzt weiter auf das falsche Pferd der Koalition mit den Kapitalisten." Hadek wurde gleich in der Versammlung gefragt, warum die„enttäuschten Arbeiter" nicht am 19. Mai dann lieber die„kompromitzlrs revolutionäre" KPE gewählt. haben. Bezüglich der Koalitionspolitil mußte er sich durch den Hinweis auf die bekannten Worte Dimitroffs belehren lassen. Macht nichts. Dem Leser der„Roten Fahne" wird trotzdem vorgeschwätzt, daß Hadek wieder einmal das reine Ideal des marxistischen Klassenkampfes gegen den Reformismus eines Sozi-Bonzen verteidigt" habe. Die neue Linie der KPE ist auf die altehrwürdige Weisheit der Turkestaner aufgebaut: Die Sozialdemokraten sind an allem schuld, auch am Wahlsieg Hen- lcins. So geht die Geschichte nun schon über 15 Jahre. Für die in den Versammlungen gewährte Gastfreundschaft lassen wir uns noch beschimpfen. Zum tausendstenmal zergliedern wir den kommunistischen Rednern das politische ABC unv vergeuden dann noch kostbaren Raum damit, die verlogenen Zeitungsberichte Wer solche Diskussionen richtigzustellen. Tie Hadek-Gottwald-Partei nimmt die Henlein-Wähler empört gegen den Verdacht in Schutz, als„politische Dummköpfe" zu gelten. Dagegen scheint sie die Sozialdemokraten für politische Dummköpfe zu halten.' Die sich ihre Gutmütigkeit noch zehn Jahre lang mit solchen SAnuhereien werden belohnen lassen. Vielleicht stellt sich aber bald heraus, daß die Allergescheitesten die Allerdümmsten waren. Zu diesem Vorfall ist noch erwähnenswert, daß besagter Hadek vor dem Gottwald-Artikel einem sozialdemokratischen Sekretariat in Rumburg einen Einheitsfrontbesuch abstattete und dort im Brustton dec Ueberzeugung beteuerte: Nie mehr darf es vorkommen, daß Sozialdemokraten und Kommunisten in den Versammlungen gegeneinander reden... Vas Theater— In einem Vortrag über das Thema„Wir Sozialdemokraten und das Stadttheater"«m letzten Freitag im Aussiger Volkshaussaale führte Genosse Bürgermeister P ö l z l unter anderem aus, daß wir neben der Wirtschaftskrise auch eine Theaterkrise haben. Die Wirtschaftskreise verdanken wir der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, die Theaterkrise noch dem Umstand, daß die kapitalistische Denkweise auch in da? kulturelle Gebiet eingedrungen ist und das Theater-— genau so wie die Produktion materieller Güter-— zu einer rein geschäftlichen Angelegenheit herabzusetzen droht. Mit allgemeinen Klagen über die Theäter- krjse und die Senkung der Subventionen als Folge der allgemeinen Wirtschaftskrise„tröstet" man sich und gelangt schließlich zu einem resignierten Standpunkt, weil man nicht den Mut findet, die innere Krise des Theaters selbst aufzuzeigen. Das Theater ist ein Institut, dessen vornehmliche Aufgabe darin besteht, eine wichtige Erscheinungsform der Kunst,— das Drama— unter die Massen zu tragen, die Massen zum Kunstverständnis zu Erziehen und sie dadurch zum Kulturfaktor zu heben.. Rur als Kunststätte hat das Theater Daseinsberechtigung nur als Kultur- und Kulturerziehungsinstitut— kann es leben; als Animierbetrieb wird und muß es vom Kino, vom Zirkus, vom Variete verdrängt werden. Diese Erkenntnis bedeutet, ins Praktische übersetzt, ErneuerungderSpielplan- und Personalpolitik. Allerdings nach einer ganz anderen Richtung als es heute geschieht. Der„letzte Schrei" an den sudetendeutschen Provinztheatcrn heißt: literarische Schauspiele und Obern sind„unrentabel". Sie müssen daher eingeschränkt oder noch besser a b g e- b a u t werden, was hie und da auch geschehen ist. Eigentlich haben die Herren Theaterunternehmer von ihrem Standpunkt aus recht. Stadtgemeinden, die einen solchen Lustspiel- und Operettenbetrieb in der heutigen Zeit der Not auch nur mit einer einzigen Krone subventionieren, verdienen nichts besseres als eine Amüsierstätte, die den schönen Namen„Stadttheater" führt. In Wirklichkeit sind nicht Oper und das klassische Schauspiel unrentabel, sondern die Kunert-Arbeiter in Warnsdorf fordern Betriebsausschußwahien Bei der Firma I. Kunert und Söhne, Strumpffabrik in Warnsdorf, die gegenwärtig 1700—1800 Leute, zumeist Frauen, bei elenden Löhnen'beschäftigt, kam es vorigen Dienstag zu einem ernsten Zwischenfall. Der Warenüberneh- mer Engelmann soll sich Arbeitern gegenüber geäußert haben, wenn er nicht wöchentlich mindestens 200 Strümpfe bei der Uebernahme beanstände, so komme er nicht auf seinen Lohn. Das erregte bei den Arbeitern natürlich große Erregung. Als nun am vorigen Dienstag einem Strumpstvirker 17 Strümpfe, sogenannte„Längen", wegen eines unwesentlichen Umstandes beanständet wurden, so daß der Mann, bei dem in der Fabrik üblichen Strafsystem nicht nur keinen Arbeitslohn dafür bekommen hätte, sondern auch noch eine St,rafe von 17 mal 30 Hellern hätte zahlen sollen, kam diese Empörung zum Ausbruch. Engelmann machte Bekanntschaft mit derben Arbeiterfäusten. Nicht anders erging es dem Betriebsleiter Wittwer, der die Entlassung jedes vierten Mannes aus dem ganzen Saal, in dem sich dieser Vorfall abspielte, unter Umständen auch der gesamten Saal-Belegschaft ankündigte. Dieser Zwischenfall wurde jedoch beigelegt, ohne daß es zu Entlassungen gekommen wäre. Die Arbeiterschaft— die überdies zum größten Teil im Henleinlager steht,.resp. stand— leitete daraufhin eine Unterschriftenaktion mit der Forderung nach Wahl eines Betriebsausschüsses ein und legte die Liste mit den Unterschriften der Betriebsleitung vor." Die Antwort der Firma bestand in einer Kundmachung, die deutlich zeigt, von welchem Gtzist die Firmeninhaber beseelt sind. Es heißt darin wörtlich: Wegen Unzuträglichkeiten im Betriebe wird"pro Woche nur 36 Stunden gearbeitet. Gilt für Schichter und Rormalarbriter. Die Firma ist gewillt, unter Umständen nur 24' Stunden zu arbeiten, eventuell den Betrieb ganz stillzulegcn. Die von der Firma ernannten 6 Vertrauensleute(DAG-Leute) haben Samstag um 11 Uhr vormittags' ihre Funktionen niedergelegt..• Diese Drohung hat unter der Arbeiterschaft die grüßte Empörung ausgelöst. So sieht die Volksgemeinschaft aus, zu deren obersten Repräsentanten die Kunerts nicht allzuweit haben dürften. Hier werden die Behörden ein Exempel statuieren und zeigen müssen, daß sich die Firma ein Kulturinstitut Operette. Diese sogenannte„Kunstgattung" hat in einem subventionierten Theater als selbständiges Ensemble in dem Augenblick nichts mehr zu suchen, wo sie nicht imstande ist, sich selbst— ohne Inanspruchnahme der Subvention— zu erhalten. Und heute sind wir so weitl Die Novi- täten des Operettenmarktes sind fast ausnahmS- losMieten. Eine Aenderung ist mehr als unwahrscheinlich, da die Erfinder brauchbarer Operetteneinfälle sie beim Tonfilm viel besser und lohnender verwenden können als heim Theater. Ei» aus klassischen und singspielartigen Operetten und aus musikalischen Schau- 'pielen(Kammeroperetten) bestehender Spielplan aber ermöglicht die Bespielung der Gesangsoperette von der Oper aus und die Besetzung von musikalischen Schauspielen mit Schauspielkräften. Beiden Spielarten wird damit nur gedient. Ein eigenes Operctten- Operetten bestehender Spielplan aber ermöglicht die Bespielung der Gesangsoperette von der Oper aus und die Besetzung von musikalischen Schauspielen mit Schauspielkräften. Beiden Spielarten wird damit nur gedient. Ein eigenes Operettenensemble wird von Saison zu Saison immer mehr eine sinnlose Verschwendung. Eine modern geschulte Werbung wird imstande sein, namentlich die Oper auf eine wirkliche Massenbasis zu stellen. Man mutz mit dem Aberglauben aufräumen, die Oper, diese Kunstgattung von ausgesprochener populärer Haltung, sei nur eine für wenige zugängliche Musik. Das Provinztheater muß also seine Sendung als Kultnrmstitut erkemrcu— oder untergeben! Entschieden betonte Genosse Pölzl, daß weder eine Sperrung des Theaters, noch ein wei- terer Abbau von Bezügen oder der Spielzeit in Frage kommt. Notwendig ist das Zusammenwirken aller, die guten Willens sind, um den Bestand eines wirklichen Kunst- und Kulturinstituts zu sichern. Faust sagt:„Den lieb ich, der Unmögliches begehrt!" Das gilt aber weder den Nörglern und unwissenden Kritikastern am Biertisch in der Kneipe, noch den„Kleinstädtern", die gelegentlich das Wort Kultur mißbrauchen, sondern nur jenen, die wahrhafte Kunst suchen und verehren und dabei auch die Künstler nicht pergessenl Kunert noch nicht' im Dritten Reich befindet und mit ihren Arbeitern nicht ungestraft Schindluder treiben darf. Die Belegschaft hat in einer Montag abends akgehaltenen massenhaft besuchten Versammlung, in welcher Vertreter aller Gewerkschaften sprachen, eindeutig ihren Kampf willen zum Ausdruck gebracht. Aus Angst vor dem geschlossenen Vör- gehen der Arbeiter soll die Firma die Durchführung der Betriebsausschuhwahlen in der nächsten Zeit bereits zugesagt haben. Verleumdung Vie„Rote Fahne" an den Pranger! Die„Rote Fahne", mit deren Leichtfertigkeit und Oberflächlichkeit wir uns schon wiederholt befaßt haben, hat nun auch den Ehrgeiz, unter jedes Niveau proletarischer Moral zu sinken. Das Blatt erhebt in einer Besprechung der jüngst in Prag erfolgten Verhaftungen kommunistischer Emigranten folgenden„Vorlvurf": Tie Art, wie reaktionäre Führer der deutschen Sozialdemokratie ihre Verbindungen zu ihren Gesinnungsgenossen der Tschechoslowakei aubnützrn, um den Polizeiapparat gegen di« Anhänger der Einheitsfront» sowohl die Kommunisten als auch die linken Sozialdemokraten, in Bewegung zu setzen, zeigt, was sich diese Leute auch heute noch unter demokratischer Freiheit vorftrllrn und daß sie zu den geistigen Waffen im Kamps gegen den Einhritswillen der Arbeiterklasse offenkundig wenig Zutrauen haben. Es genügt, diese niederträchtige Verleumdung anzuprangern. Im Prozeß gegen Patscheider wurde Montag zu Beginn der 11. Verhandlungswoche das B e- weisverfahren abgeschlossen. Heute vormittags beginnen die PlaidoycrS des Staatsanwaltes, des Troppauer ProkuratorS Chalupa. Man erwartet daher ein erhöhtes Interesse des Publikums. Freitod auf de« Schienen. Sonntag nachmittags warf sich in N e st o m i tz der vierzigjährige- Josef Maly, der seit dem 20. Feber im Erholungsheim R e i n d l i tz untergebracht war, vor einen nach Bodenbach fahrenden Personenzug, wurde überfahren und getötet. Maly verließ um 10 Uhr vormittags das Heim. Er stammte aus Ulbersdorf bei Komotau und hinterläßt seine Frau und vier Kinser. Mutmaßlich beging Maly die grausige Tat wegen unheilbarer Krankheit. Seite 4 Dienstag, 28. Feber 1936 Nr. 17 Sabotageakte In der brltlsdicn und amcrlkanlsdicn luitllotte TlKestmugLeiten- * Birmingham als Beispiel Die Universität Heidelberg, die vor dem Machtantritt Hitlers auch bessere Zeiten gesehen hat und eine wissenschaftliche Heimstätte von Rang war, schickt sich in dernächsten Zeit an, ihren 630. Geburtstag zu feiern. Sie hat aus> diesem . Grund bereits eine Reihe von Einladungen an die verschiedenen europäischen Universitäten zur Teilnahme an den geplanten Feierlichkeiten'ergehen lassen. In früheren Jahren, den Zeiten der verfemten Systemperiode, wäre das eine ganz einfache Sache gewesen. Die Teilnahme an einem wissenschaftlichen Kuüurinstitut von Rang hatte keinerlei Bedenken hervorgerufen außer der Wahl einer Delegation, die geeignet ist das betreffende Institut am besten und würdigsten zu vertreten. Heute aber, unter dem Regime der Nazi liegt der Fall anders. Eben wurde in England eine Aussprache darüber eröffnet und noch nicht abgeschlossen, ob es für die repräsentative englische Gelehrtenwelt nicht eine Frage der Würde sei, den Heidelberger Feierlichkeiten fernzubleiben und der sehr ehrenwerte Sir Grand Charles Robertson, ein Mann von Rang in der englischen wissenschaftlichen Welt, hat in einer Zuschrift an die Times den Entschluß der Universität Birmingham mitgeteilt» sich in Heidelberg nicht vertreten zu lassen. Die interessante Begründung verweist in ihrem Schluß-Satz auf den Umstand, daß man eben auch nebst allen anderen Tatsachen alsguterEuropäer dazu verpflichtet sei. Hier hat ein e u r o p ä i s ch e r K o p f sich als solcher erwiesen. Aber nicht nur dieser weiß um die Dinge; man höre doch einmal was Normen Bentwich, Professor der Rechte und ehe- nialigcr Generalstaatsanwall in Palästina, zum Theina Heidelberg zu sagen hat: Ta es nicht üblich sei Halbzentenarfeiern zu begehen, bestehe der Verdacht eines— politischen Motivs der Hei- delberger Feier und darum sei es um so nötiger sich von diesen Dingen der Nazi-Politik fernzuhalten, um ihr dadurch die Mißbilligung zum Ausdruck zu bringen, die sie verdient. Man sieht — in England gibt es noch europäische Gelehrte und man darf gespannt sein, wie sich das englische Beispiel anderwärts auswirken wird, Zum Beispiel bei uns. Unseren Hochschulen bietet sich eine Gelegenheit», deyr.demokratische^ Reaimzc, eine vorbildliche Reverenz-zu" erweisen gleich der Haltung jener Universität von Birmingham» die den Entschluß, zur europäischen Würde sich zu bekennen, einstimmig faßte. Wenn er in Plag nur mft Stimmenmehrheit zustande käme, würde man schon. Grund zur Freude haben. Es ist doch fast eine Selbswerständlichkell, daß ein Lehrkörper, der seine Lehrkräfte aus den Geldern demokratischer Steuerzahler bezahlt be- kommt, sich schon aus diesem Grunde auf Selle der demokratischen Brotgeber stellen müßte— aber unsere Zeit weiß ein Lied zu singen von Worten und Taten wie keine andere vor ihr, so daß man mft Recht gespannt sein darf, auf wel- cher Selle man unsere Universität finden wird— ob auf der europäischen Front-oder aus der nazi- henleinistischen. Wellen, daß... Ein zweiter Frauenmord in Jungbunzlau Sonntag früh stellte sich der Polizei in Jungbunzlau der Bäckergchilfe Anton Cerny mit der Selbstbezichtigung, daß er vor einigen Wochen die Prostituierte Paula Flodermann ermordet habe. Kaum hatte er dieses Geständnis abgelegt, als er von epileptischen Krämpfen befallen wurde, so daß das Verhör abgebrochen werden mußte. Währen) Cerny auf dem Kommissariat behandelt wurde, fand man in seiner Schlafstube die Leiche ein.r Frau, die in der Nacht auf Sonntag auf genau dieselbe Art den Tod gefunden hatte wie die Flodermann. Auch diese Frau, welche als die Prostituierte Vavkikova erkannt wurde, war erwürgt worden, indem ihr der Mörder mit ihrem eigenen Strumpf die Kehle zusammenschnürte. Wie erinnerlich, lautete im Fall Flodermann das Gutachten der Aerzte auf Mord, während die Gendarmerie den Beweis flir einen Selbstmord erbringen wollte. Durch den Fund der zweiten Leiche, von welcher CerNy ursprünglich nicht"gesprochen h llte schien das Geheimnis aufgeklärt..Doch kaum hatte sich Cerny von seinem Anfall erholt, als er seine ersten Aussagen widerrief, und zwar den Mord an der Vavkikovä zugab, eine Schuld am Tode der Flodermann jedoch bestritt.. Er machte der Reihe nach alle möglichen Angaben über die wahre» Täter, die er beobachtet oder welchen er geholfen hätte, schließlich aber erklärte er, daß er alles nach Zeitungsberichten erfunden hätte. Auch den Atord null er so« wie ihn die Zeitungen seinerzeit beschrieben, verübt haben. Seine Aussagen sind derart verworren und einander, widersprechend, daß erst die Psychiater, in deren Behandlung Cerny 'chon einmal war, ein Urteil über seine Zurechnungsfähigkeit werden abgeben können. Will Hoffmann Hauptmann retten? Gouverneur Hoffmann hat eine offizielle Erklärung veröffentlicht, in der er den Belastungszeugen London.(E.-B.) Das englische Ministerium für Luftfahrt untersucht gegenwärtig aufs sorgfältigste die Ursachen des Unterganges don zwei B o m b e n f l.u g z e u g e n, die tvährend der letzten Luftmanöver am 19. d. verunglückt sind. Im S c otlandyard ist man geneigt, diese beiden Unglücksfälle einem Sabotageakt zuzuschreiben, um so mehr, als beide Flugzeuge zum allerneuesten Typ gehören und sich auf einem und demselben Flugplatz befanden. Gerade in diesen Tagen ist in einer amerikanischen flug-militärischen Fachzeitschrift ein Aufsatz erschienen, in dem die Ursachen des Unterganges von vier amerikanischen Flugzeugen gleichfalls allerneuesten Typus untersucht werden. Der Verfasser kommt zum Schluß, daß es sich in allen Fällen um Sabotageakte der ausländischen Spione handelt. Es muffe, meint der Verfaffer, in Amerika eine Geheimorganisation existieren, die alle dies'. Katastrophen vorbereite. Besonders auffallend sei das Verschwinden von Arthur Scarc gewesen, der einer der erfahrensten Flieger Amerikas war. Scarck veranstaltete Bersuchsflüge mit Whited der Lüge bezichtigt. Diese Feststellung bewirkt möglicherweise eine Meineidsklage gegen Whited und die Wiederaufrollung des gesamten Hauptmannprozesses. Opfer seiner Menschlichkeit. Ein zweimotoriges Rotkreuzflugzeug, Fabrikat Dragon, das kürzlich dem abessinischen Roten Kreuz von England her geschenkt worden war, stürzte über dem Flugplatz von Addis Abeba ab. Der Pilot, der ehenmlige englische Kampfflieger Captain Heigh- ter, wurde schwer verletzt. Die Maschine sollte wegen Luftuntüchtigkeit nach England zurückgeschickt werden. Mord und Selbstmord im Hotel. Sonntag abends ereignete sich in einem Hotel im 17. Wiener Gemeindebczirk eine.Bluttat, welche zwe? Menschenleben zum Opfer forderte. Gegen 19 lUji erschoß ein etwa üOjährigec Mann seine etwa 30- jährige Begleiterin, welche sofort tot war. De: Mann jagte sich dann gleichfalls eine Kugel in dic Schläfe und starb während der Untersuchung durch die zur Hilfeleistung herbcigerufenen Aerzte. Di- Polizei ermittelte, daß der erschossene Mann der 54jährige Kaufmann Ehrenberger und die Frau die 34jährige M. Siner, beide aus dem 15. Wiener Gemeindebczirk, seien.' Es handelt sich um Mord und Selbstmord aus unglücklicher Liebe. Der Minister und seine Familie. Die Pariser Presse bringt eine kleine-offizielle Notiz, die vom Handels-Marineministerium ausgegeben worden ist. Sie lautet folgendermaßen:„Monsieur de Chappedqlaine,. Minister der Handelsmarine, tadelt es entschieden, daß ein Mitglied seiner Familie eine öffentliche Sammlung zugunsten der Attentäter auf den Abgeordneten L6on Blum veranstaltet. Monsieur de Chappedelaine weist darauf hin, daß er nirgends erbittertere Gegner als im Kreise seiner eigenen Familie hat." Eine Emigranten-Briefmarke. Der französische Postminister Mandel hat die Ausgabe einer besonderen Briefmarke verfügt, die den Emigranten zugutekommen soll. Es handelt sich um den Wert von 75 Centimes, es werden jedoch noch 50 Centimes Zuschlag erhoben, die dem Nansen- Komitee beim Völkerbund für die politisch-» Flüchtlinge aus aller Welt zur Verfügung gestellt werden. Die Briefmarke trägt das Bildnis der Freiheitsstatue, die im linken Arm eine Gesetzestafel trägt, worauf die große Losung der französischen Revolution„Fraternitö"— Brüderlichkeit —7-eingraviert ist. Diese.Geste Frankreichs, das sich ja besonders durch die Aufnahme von Hunderttausenden von Flüchtlingen ausgezeichnet ha», sollte auch in anderen Ländern Nachahmung finden. Bon einer Lawine getötet. Wie aus Zakopane gemeldet wird, wurden beim Besteigen der Berge drei Touristen von einer Schneelowine verschüttet. Weni auch Hilfe sofort, hexbeigeeilt war, konnte-ennoZH einer derselben, der deutsche Staatsangehörige Jng. Lojpach, nicht mehr gerettet werden. Er fand aus der Stelle den Tod," Wilderer-Tragödie. Sonntag nachts wurde der Forstheamte Heinrich Zeh in der'Gemeinde Trai- senau bei Pottenbrunn von einem Wilderer ange- schoffen. Den Schuß hörte zufällig ein Gendarm, der an den Tatort eilte und drei Wilderer erblickte Ta er einsah, daß er gegen die drei nichts ausrichten würde, eilte er um Verstärkung. Inzwischen waren aber die Wilderer verschwunden. Bei d:r Nachforschung nach den Wilddieben drangen Gendarmen in eine Wohnung ein, wo sie einen bewaffneten Mann antrafen. Dieser eröffnete sofort das Feu:- mnd tötete durch einige Schüsse zwei bet? Gendarmen. Tann verübte er Selbstmord durch Erschieße,-. Im Morast erstickt. Am Ufer des Borzov- Flusses in der Nähe der Gemeinde Vary im Bezirke Berehovo wurde der 35jähtige Gottfried Neugebauer. Bauführer bei der Firma Jng. Winkler u. Korach in Berehovo, mit einem Schädelbruch tot aufgefunden. Die Fahndungsstelle in Berehovo stellte fest, das, Neugebauer, der mit der Aufsicht der Regulierungsarbeiten am rechten Theiß-Ufer betraut war, Sonntag abends in der Dunkelheit ausgeglitten war und einen Bruch des Schädelknochens erlitten hatte. In Ufermorast erstickt« er. Auch die gerichtliche Obduktion hat den Befund der Gendarmerie bestätigt. einer neuen Maschine, die zweihunderttausend Dollar gekostet hat und die schnellste Flugmaschine der Welt war. Man hat diese Maschine unter Beobachtung des allergrößten Geheimnisses gebaur. Scare sollte seine Probefahrt in der unmittelbaren Nähe des Flugplatzes ausführen, entfernte sich jedoch gleich nach dem Aufstieg, indem er die maximale Geschwindigkeit entwickelte, und Verschtväno aus den Augen der Beobachter. Manfhat seither weder von dem Flieger noch von der Maschiu« etwas'gehört. Bei den drei anderen amerikanischen Flugkatastrophen ist die Sabotage ein-- wandfrei festgestellt. In allen drei Fällen sind die Benzinröhren absichtlich beschädigt.worden. Der amerikanische Fachmann, lenkt die Aufmerksamkeit besonders der britischen Flugkreise auf diese Sabotageakte und schließt seinenArtikel mit den Worten:„Angesichts der Kriegsgefahr, vor der die Welt steht, und angesichts der Tatsache, daß England sich im Mittelpunkt aller politischen Intrigen befindet, müffen die Katastrophen mit den amerikanischen und britischen Flugzeugen den Engländern als Warnung dienen." Nachahmenswert. Um den Aufenthalt der Ausländer in Frankreich zu erleichtern, hat die Regierung beschlossen, für die als Touristen nach Frankreich kommenden Ausländer eine sogenannte Touristenlegitimation einzuführen. Diese Legitimation wird umsonst von den französischen Konsuln in der einzelnen Staaten ausgegeben werden.' Die Legitimationen berechtigen zu einem sechsmonatigen Auf» enthalt in Frankreich ohne irgendwelche Formalitäten. Heikles Thema. Das Pariser„Journal" veröffentlichte Samstag in einer Sonderbeilage einen Artikel über Hitler und seine Liebschaften. Auf Einschreiten der deutschen Botschaft hat das Ministerium des Innern den Verkauf dieser Nummer in ganz Frankreich verboten. Auto und Straßenbahn. Sonntag vormittags rannte in der Uellöi-Straß« in Budapest ein von dem Chauffeur Johann Friedrich gelenktes tschechoslowa- kisches Personenauto mit aller Wucht gegen einen Straßenbahnwagen. Ter Anprall war so heftig, daß die Jnsaffin des Autos, die 62jährige Adolfine Ste> ner aus Lukenec aus dem Kraftwagen geschlendert wurde und mit zerschmettertem Schädel tot liegen blieb. Der Chauffeur wurde verhaftet. Für Philatelisten. In der nächsten Zeit wird eine neue französische Briefmarke mit dem Bilde des berühmten Physikers Ampere ausgegeben werden. Wenn der Direktor wechselt. Eine alte chinesische Tradition verlangt, daß der Leiter einer Getan« gencnanstalt diese seinem Nachfolger völlig leer übergibt. Vor kurzem schied der Direktor eines Pekinger Gefängnisses aus seinem Amte. Bis zuletzt gab e? in seiner Anstalt 248 Sträflinge. Am Tage seines Scheidens verfügte er, Hatz 200 von ihnen in Freiheit gesetzt werden sollten. Da die übrigen'48 Schwerverbrecher waren, entschloß sich der traditionsgetreue Direftor kurzerhand dazu, sie im letzten Moment— hinrichlen zu lassen. Das Wetter. In unseren Gegenden dauert noch immer ungünstiges Wetter an. Vielfach regnet es, auf den Bergen fällt Schnee. Auf den Bergen setzt nunmehr eine allmähliche Abkühlung ein. Die Alpengipfel haben wieder Frost von rund—15 Grad, der Panzer meldet Montag nachmittag—4 Grad, das ist eine um 3 Grad ttefere Temperatur als' am Morgen.— Wahrscheinliches Wetter von heute: unbeständig, vorwiegend bis wechselnd bewölkt, zeitweise Schauer, vom Westen her jedoch Abnahme der Niederschläge und auf den Bergen kälter..— W e t i e r a u s s i ch- ten für Mittwoch: Veränderlich bei frischem West- bis Rordwcstwind. Die Jugend und das Rote Kreuz Vortrag von Alice Masaryk und Professor Kozak in der„Urania“ Am Montag abend sprachen im Prager Volksbildungshaus„Urania" Frau Dr. Alice Masaryk oüd Unipersiräksprofeffor Kozak in Anwesenheit der Gattin des Präsidenten der Republik, Frau Hana Be- nceovä, und der Minister Dr. Krofta und Dr. Spina über:„Tie. Jugend und das tschechoslowakische Rote Kreuz". Flau Dr. Masaryk sprach von dem ewigen Stolz der älteren Generation auf die neue» Errungenschaften der jüngere», aber sie erinnerte daran, daß man über der technischen Entwicklung und dem Sport nicht die Naturverbundenheit und die Werte des Gemüts vergessen,'dürfe, die zu dem Wertvollsten gehören, was die Aelteren den Jüngeren überliefern können, und gerade diese Werte seien es auch, die den Deutschen und. den Tschechen gemeinsam teuer seien. Tas tschechoslowakische Rote Kreuz habe, es sich in seiner Jugendorganisation, die heute auch 58.000 deutsche Kinder erfaßt, zur Aufgabe gemacht, die Jugend im Hinblick auf Gemüt und Nächstenliebe zu erziehen, ihr FriedenSgesinnung, soziales Verstehen und den Geist der Völkerverständigung nahe zu bringen und sie für die Arbeit an der Gesundheit und an" erhischen Aufgaben zu gewinnen. Das fichechoslowakische Rote Kreuz, das dieses Jahr unter dem Schlagwort:'„T ie Gesund en d e n K r an k e n" wieder ein Werk praktischer Nächstenliebe organisieren wolle, sei ein Glied in einer übernationalen Bewegung, di« von einer neuen Jugend die Schaffung eines neuen, besserenEuropa erwarte. Der Vorsitzende der Jugendorganisation des tschechoslo- wakischen Roten Kreuzes, Professor Kozak, berichtete sodann von der Entwicklung, die dies« Organisation seit ihrer Gründung im Jahre 1922 genommen hat. Sie umfaßt heute 600.000 Kinder aller Nationen' in der Tschechoslowakei. Die deutschen Kinder, von denen 8s-L Prozent vom Roten Kreuz erfaßt find, sind dabei verhältnismäßig am schwächsten vertreten. Die Jugendorganisation des tschechoslowakischen Roten Kreuzes hat eine internationale Kinderkorrespondenz ins Leben gerufen und flch zum Ziele gesetzt, im Sinne der moralischen Abrüstung zu wirken, die Jugend zum Dienste an der eigenen Gesundheit und an der Volkshygiene zu erziehen und fie zu Aftionen menschlicher Hilfsbereitschaft im übernattonalen Rahmen aufzurufen. Der Redner erinnerte an die vielen Fälle, in denen die vom Roten Kreuz erfaßte Jugend helfend eingegriffen hat,«. a. auch bei der Offeker Grubenkatastrophe mit einer Geldsammlung. Er gab der Erwartung Ausdruck, daß die Jugend des Roten Kreuzes auch den Opfern der Krise im sudetendeutschen Gebiet ihre Hilfsbereitschaft beweisen», wird, und er schloß mit der Hoffnung, daß der Jugend jener Einflang von Nation und Menschheit gelingen werde, der einer von altem Groll und tiefeingewurzelten Kmnplexen er- fi'illtün Generation so schwer-erreichbar fei. Vom Rundfunk UBPfehlenswertM aus«Im Programmm Mittwoch: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 10.15: Deutscher Schulfunk, 10.35: Kammermusik, 11: Schallplatten: Zigeunerleben, 13.40: Deutscher Arbeitsmarkt, 16.10: Salonquartett, 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Moucha: Neue Reisebücher, 18.20: Arbeiterfunk: Josef Hudl: Die neue Schule, 18.40: Sozialinformationen, 18.45: Deutsche Presse, 21.30: Violinkonzert, 22.15: Tanzmusik. Sender S: 7.30: Salonorchester, 14: Schallplatten, 14.15: Deutsche Sendung: Kinderstunde, 14.50:' Deutsche Presse, 18.45: Tanzmusik.— Brünn 17.40: Deutsche Sendung: Dr. Iltis: ffchechische Akademie der Wissenschaften zur Raffenfrag«.,'— aus englischer Literatur.— Mährisch-Ostra« 13.40: Chansons.— Preübnrg 19.25: Volkskonzert.— Kafchau 21.45: Rundfunkorchesterkonzert. Bei der letzten großen Kältewelle in USA. wurde dieses Feuerwehrauto völlig in einen Eispanzer eingehültt, so daß schließlich die Pumpen ihren Dienst benagten und die Löscharbeiten Abgebrochen werden mutzten. Feuerwehrauto Im llipanser Nr. 47 Dienstag, 25. Feber 1936 Seite 5 PoiksMrtsckast und ävLiaipoktik duslani Ein Held des kommenden Italien (P. G.) Die Welt erfährt wenig über das, was sich gegenwärtig unter der Zwangsjacke der Diktatur und der von oben befohlenen Kriegsbegeiste- rnng in Italien abspielt. Nur manchmal werden Tatsachen bekannt, die beweisen, datz die älteste aller faschistischen GelvaUherrschaften irt Europa, die italienische, ihren Terror nicht nur unvermindert aufrechthält, sondern ihn in der letzten Zeit noch verschärft. Mit welcher Grausamkeit Mussolini jeden Probtest gegen seinen Krieg unterdrückt, zeigt insbesondere der jüngst bekanntgewordene Fall des Professors Anwnio Mario Pesenti. Pesenti ist Sozialist. Tank seiner ganz besonders hervorragenden wissenschaftlichen Begabung bekleidet er, obwohl erst 23^ahre alt, bereits das Amt eines Universitätspryfessors an der Universität Saffari. Seine wiffenschafllichen Arbeiten sind auch im Ausland bekannt; erst kürzlich ist eines seiner Bücher ins Englische übersetzt worden. Am 6. Feber stand Pesenti vor dem faschistischen Ansnahmsgericht in Rom unter der Anklage: 1. er sei Sozialist und stehe in Verbindung mit sozialistischen Emigranten; 2. er habe in der im Ausland erscheinenden Presse der italienischen Sozialisten Artikel gegen den Faschismus und gegen den Krieg veröffentlicht; 8. er habe an dem Kongress der italienischen Antifaschisten gegen den afrikanischen Krieg, der im Oktober in Brüssel stattfand, teilgenommen. Pot dem Ausnahmegericht, dessen Verhandlungen gehest» sind, verantwortete sich Pesenti heldenhaft. Auf den Vorwurf, dass er den faschistischen Treueid gebrochen habe, den jeder Universitätsprofessor in Italien schwören mutz, erwiderte er, datz ein erzwungener Eid ihn nicht binden könne. Er bekannte sich mutig als Gegner des Krieges, der Italien nur schaden könne. Das Urteil gegen den 23- jährigen Gelehrten lautete auf 2 4 Jahre Kerker. Fährt Litwinow doch nach Tokio? Dem „Daily Telegraph" wird aus Moskau gedrahtet, daß man in den amtlichen Sowjetkreisen nichts gegen die Reise von Litwinwv nach Tokio einzuwenden hätte, wenn bloß eine formelle Einladung von japanischer Seite erfolgen würde. Bis jetzt ist jedoch eine solche nicht erfolgt. Man befinde sich heute in Tokio anscheinend in der Phase der Versuchsballons. Heute spricht man in Tokio von der Möglichkeit eines Nichtangriffspaktes mit USSR auf drei Jahre. Nach Ablauf dieser Frist könnte dieser Palt in dem Falle erneuert werden, wenn die Sowjetunion im Fernost abrüste. Die Sowjetregierung scheint aber einer' solchen'Abrüstung," insbesondere der Zurückziehung der Truppen aus dem Fernost, abgeneigt zu sein. Das Hauptrisiko einer Reise Litwinows nach Japan, fügt der Mitarbeiter des Daily Telegraph hinzu, würde darin bestehen, datz irgendein japanischer Fanatiker ihn dort ermorden könnte. Das Baltikum als Ziel der deutschen Expansion. Der bekannte kommunistische Politiker N. I. Bucharin lenkt in den„Jswjestijä"(15. 2.) die Aufmerksamkeit der Sowjetöffentlichkeit aus das eben in Moskau eingetroffene Dezemberheft der Berliner„Zeitschrift für Geopolitik", die von dem bekannten Generalleutnant Karl Haushofer herausgegeben wird, der in der letzten Zeit durch seine Teilnahme an deutsch-japanischen geheimen Verhandlungen von sich reden machte. Das letzte Heft der„Zeitschrift für Geopolitik" Die Folgen der Stachanov* Bewegung (B. S.) Es wurde an dieser Stelle bereits darauf verwiesen, datz die Stachanow-Bewegung in der SSSR zwei Gefahren in sich birgt: einmal die Möglichkeit-einer qualitativen Verschlechterung der Erzeugnisse, weil mehr Wert auf die Beschleunigung des Tempos der Erzeugung als auf die Güte des Erzeugnisses gelegt werden kann und zweitens die Gefahr der Schädigung der Gesundheit der Arbeiter und ihrer sozialen Stellung. Am 11. Feber 1936 erschien eine Verordnung des Sowjets der Volkskommissare der SSSR und des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, wie wir der„Leningradskaja Pravda" vom 12. Feber entnehmen, die sich mit der Verbesserung und Verbilligung des Baugewerbes befasst. Die Verordnung beruft sich ausdrücklich auf die Erfolge der Stachanow-Bewegung und der auf Grund derselben vorgenommenen Experimente und verlangt in ihrem zweiten Absätze eine Erhöhung der Arbeitsleistung, wobei auch die Löhne entsprechend geregelt werden. Unter Bezugnahme auf die Stachanow- Bewegung, heitzt es in der erwähnten Verordnung, sei es unbedingt notwendig, die bisherigen Arbeitsnormen durchschnittlich um 25 Prozent zu erhöhen, und zwar bei den Erdarbeiten Um 10 Prozent, bei den Betonarbeiten um 35 Prozent, beim Ziegellegen um 15 Prozent, bei den Armaturarbeiten um 65 Prozent, bei den Zimmermannarbeiten um 35 Prozent und bei den Stukkatur- und Malerarbeiten um 20 Prozent. Im Zusammenhänge damit erfolgt eine Neuregelung des Tarifsystems der Bauarbeiter. Mit 1. März 1936 werden einheitliche für das ge- ist der Darlegung der geopolftischen Theorie von der„Umrahmung der Ostsee durch ein einheitliches staatliches Gebilde" gewidmet. Haushofer meint, datz eine solche Umrahmung erst dann möglich sein werde, wenn die Idee des„S.k a n d i n a v i s m u s", d. h. der Vereinigung aller nordgermanischen Völker verwirklicht werde. Finnland müsse aber gegenüber der germanischen Rasse zu einem Kolonialland werden, was übrigens auch für Estland undLettl an d zutreffe. Alle diese Gebiete haben, meint Haushofer, vom Standpunkt der weiteren Ausbreitung der germanischen Rasse eine„erstrangige dynamische Be- tzeptUNg",^........, i4■■■■,■■,-. Eingestürzte Sporttribüne Tödliche„Hetz“ auf dem Slavia-Spielplatz Prag. Am 2. Dezember 1934 ereignete sich aiss dem Spielplatz eines der führenden Fussballllubs ein Unglück, welches in der Prager Sportwelt ausser- ordenilicheS Aufsehen hervorrief. An, jenem Tage wurde auf dem Platz des SK Slavia ein Ligaspiel gegen SK Zidenice ausgeträgen, der damals in glänzender Form war und den Lrllichen Rivalen der Slavia, nämlich den SK Sp ar t a,/bereits geschlagen hatte. Wer die Mentalität der Prager Futzballfanatiker kennt, kann sich vorstellen, datz samte Baugewerbe geltende Tarife eingeführt, und zwar für die Bauarbeiter mit sechs Lohnstufen, wobei der Unterschied zwischen der ersten und sechsten im Verhältnisse von 1: 3 steht und für die Maschinen- und Metallarbeiter mit sieben Lohnstufen, wobei die erste zur letzten in einem Verhältnisse von 1: 3.9 steht. Es ist Stück- und Akkordlohn vorgesehen. Bei Stücklohn ist ausserdem für Mehrleistungen ein Prämiensystem eingeführt, und zwar bei einer Mehrleistung bis 10 Prozent über die festgesetzten Normen wird eine Prämie von 25 Prozent gezahlt, bei einer Mehrleistung bis 20 Prozent beträgt die Prämie 50 Prozent und schliesslich bei einer Mehrleistung über 20 Prozent erhöht sich der Prämiensatz auf 100 Prozent. Auch für das Ingenieur- und sonstige technische Personal im Baugewerbe wird ein Prämiensystem eingeführt, wobei die Verkürzung der festgesetzten Baufrist, di« Qualität der Arbeit und die Kostenvermin- derung prämiiert werden. Daneben wird ausserdem noch der Lohn der Brigadiere geregelt, wobei auch hier bei einer Verkürzung der gestellten Baufrist eine Prämienleistung vorgesehen ist. Die in der SSSR in Form der Stachanow- Bewegung durchgeführte Rationalisierung musste notwendiger Weise zur Erhöhung der ArbeitS- leisnmgsnorlsien und der damit verbundenen Lohnregelung führen. Das bei dieser Lohnregelung trotz erhöhten Arbeitsnormen vorgesehene Prärsiien- s y st e m bietet den Ansporn zu weiteren erhöhten Leistungen und man geht wohl nicht fehl, wenn man behauptet, datz wahrscheinlich in absehbarer Zeit die nunmehr festgesetzten Normalleistungen eine weitere Erhöhung erfahren werden, wie dies eben zu sein pflegt. Neben dem Baugewerbe werden wohl auch in anderen Wirtschaftszweigen derartige„Regelungen" nunmehr Platz greifen. das Match vom 2. Dezember 1934 einen Rekordbesuch aufwies und die Tribünen überfüllt waren. Das Wettspiel endete tragisch, denn plötzlich brach ein Teil der Tribüne zusammen und an 130 Leut:, die auf einem Raum von 7X3.3 Metern zusammen- gepretzt waren, stürzten in eine Tiefe von vier bis sechs Metern ab. Einer der Zuschauer fand dabei den Tod, 33 Personen wurden schwer und 93 weitere leicht verletzt. Da der betreffende Abschnitt der Tribüne nicht haftpflichtversichert war, mutzte der Klub den Hinterbliebenen des tödlich verunglückten Zuschauers 22.000 Xe aus eigenen Mit- teln auSzahlen und auch die übrigen Ersatzansprüche übernehmen. Die Sache hatte natürlich ihr strafgerichtlichrs Nachspiel, denn die'.Staatsanwaltschaft überreichte gegen den Erbauer der Tribüne, den L2jährigev Zimmermeister Josef Cerny die Anklage wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung nach§ 333 St.-G. Die Kommission, die an der Unfallsstätte einen Lokalaugenschein vornahm, hatte nämlich ein Gutachten abgegeben, in welchem ausgesprochen war, dass das Balkengefüge der Tribüne schlecht verpatzt und ausserdem die Tragbalken nicht statt genug gewesen seien. Gestern wurde nun diese Straffache vor dem Strafsenat P e r N t verhandelt. Bei der Verhandlung zeigte sich allerdings, datz der Unfall durch be« sondere Umstände herbeigeführt worden war. Im Zugang, welcher diesen Tribünenabschnitt begrenzt, war ein Verkäufer von„Burennüffen"(Erdnüssen erschienen, der zahlreiche Kunden fand. Da die Tribüne vier Meter hoch war, waiss der Verkäufer seine in Säckchen abgeteilte Ware hinauf und die Abnehmer warfen ihm dafür ihre Kronenstücke herab. Das gab nun eine, dem Prager stets hochwillkommene Largo Caballero Largo Caballero, der Führer der spanischen Sozialisten, ist heute 50 Jahre alt. Seine breitschultrige, mächtige Gestalt, seine donnernde Stimme, das bescheidene proletarische Auftreten sind in ganz Spanien bekannt. Man traut es ihm zu, dass er die Kraft besitzen wird, die rote Fahne auf dem Escurial zu hissen. Das Leben dieses Führers der spanischen Revolutionäre klingt wie ein Abenteurer-Roman, und wie Nicolas Pa- schitsch, der serbische Staatsmann, wird er vielleicht sagen können, dass er„die Hälfte seines Lebens im Gefängnis, die andere im Minister-Fauteuil" verbrächt hat. Ein Seminarist pilgert nach Jasnaja Poljana Largo Caballero wurde als Sohn eines Bauem m einem Dörfchen in der Provinz Saragossa geboren: Sein Onkel, ein Apotheker, der „Intellektuelle" der Familft, erkannte ftüh die geistigen Gaben des Knaben und, riet, als alter und gläubiger Katholik, dass man den Jungen Priester werden lassen sollte. So wurde Largo auf ein Priefterfeminar geschickt—. eine merkwürdige Analogie mit Stalin, der bekanntlich ebenfalls Zögling einer geistlichen Anstalt gewesen ist. Als Largo Caballero 18 Jahre alt war, wurde der Anarchist F e r r e r hingerichtet. Ganz Spanien und die ganze Welt sprachen seinerzeit von dieser Affaire, die allgemein als ein Justizmord angesehen Itmrde. Für den jungen Seminaristen bedeutete sie den Wendepunkt seines Lebens. Mit Leidenschaft setzte er sich für Ferrer ein, das trug ihm den Hatz seiner Lehrer und den Abscheu seiner Mitschüler ein. Kurz ent- Ichlossen verlieh er das Seminar, legte die Sutane tzb und Arbeitcrkleider an. Er wurde Haftnarbeiter in Barcelona. Um diese Zeit beherrschte die Geister der revolutionären Jugend Leo Tolstoi. Auch Caballero las die anklägerischen Schriften des grossen Russen. Sie führten, ihn zu einem mystischen Anarchismus, und er beschloss, den Meister aufzusuchen. Ohne ein Wort russisch zu können und ohne Geld wanderte der junge Mann im Jahre 1908 nach Jasnaja Poljana. Tolstoi, der für alle zugänglich war, empfing ihn herzlich, und er blieb eine ganze Weile bei ihm. Caballero hat selbst berichtet, datz er im Kreise der Männer von Jasnaja Poljana endlose weltanschauliche Diskussionen geführt hat, und dutz diese Auseinandersetzungen den Grundstein zu seinem ganzen künftigen Denken gelegt haben. Tolswi hat ihn enttäuscht.„Ich begriff", schreibt Caballero,„dass Tolstoi ein genialer Dichter, aber nur em.mittelmässiger Denker war, und datz die tolstokanische Letzte kein. Programm für einen Menschen sein konnte, der wirklich und ernsthaft denk Volke helfen wollte." Wir wissen nicht, ob Caballero bei-ftmem Aufenthalt in Russland auch Beziehungen Hu den Kreisen genommen hat, die die Vorkämpfer der Revolution waren. Wahrscheinlich ist eS, und jedenfalls schwor Caballero nach seiner Rückkehr nach Spanftn den Anarchismus ab und wurde Sozialist. Der Apostel der Arbeitervorstädte In den Arbeitervorstädten von Madrid, in diesen traurigen und grauen Mietskasernen, mietete sich Caballero eine kleine Mansarde. Persönlich völlig bedürfnislos, lebte er von einem .Stück Brot und einem Glas Wein. Er verdingte sich als Taglöhner, aber da er so wenig brauchte, blieb ihm viel Zeit zum lernen. Ganz wie die russischen Revolutionäre, die in dieser Zeit im Exil lebten, widmete er sich wissenschaftlichen Studien, für die er die Vorbildung aus dem Seminar erhalten hatte. Allerdings studierte er jetzt nicht mehr Thomas von Aquin und den Heiligen Augustin, sondern die Schriften von Marx, Engels und Lassalle. Und bald ging er dazu über, die Früchte seines Studiums unter die Arbeiter zu bringen. Er gründete eine„freie Schule", und die Arbeiter schickten nicht nur ihre Kinder hin, sondern kamen auch selbst zu den Abendkursen. Es war zuerst notwendig, jung und alt Lesen und Schreiben beizubringen. Im Jahre 1914 hatte seine Jnftiatibe bereits viele Nachahmer gefunden, und Caballero fasste seine Freunde in einem„Syndikat sozialistischer Lehrer" zusammen. Drei Jahre später wurde er Generalsekretär der Vereinigten Sozialistischen Syndikate. Sein Ruhm begann; es wckv der Ruhm eines Apostels der Armen. Aus dem Gefängnis ins Ministerium Von 1917 bis 1923, dem Jahr der Diktatur Primo de Riveras, war Caballero unermüdlich damit beschäftigt, die Arbeiterschaft zu reorganisieren. Er hat in dieser Zeit mindestens 50 grosse Streiks geleitet, war mindestens zehnmal im Gefängnis und wurde zweimal bei Kundgebungen erheblich verletzt., Er war der erklärte grosse Führer der revolutionären Bewegung, aber er blieb anspruchslos wie zuvor. Gehetzt, schlief er Nacht für Nacht bei anderen Genossen, reiste in Viehwagen als blinder Passagier, durcheilte mehrmals die ganze iberische Halbinsel. Die Diktatur verbannte ihn auf die Kanarischen Inseln. Um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitete er eine Zettlang als Sckiwimmlehrer. 1926 durste er nach Madrid zurückkommen. Caballero gab eine Zeitlang eine „Achtung, ein Tank hinter dir!“ .Hetz" und der jugendliche Teil des Publikums fand sein Gefallen daran, die Schwankungen der Tribüne unter entsprechendem„Ho-Rucki" noch zu verstärken, bis schliesslich die übermähig beanspruchte Holzkonstruktion zusammenbrach. Bemerkenswert war der Ausspruch des Sach- verftändigen, dass die Kolla udierungskom- missioNen, auch diese Unglückstribüne.war be« hördlich genehmigt worden, gegenüber den Sportklubs zuweilen übergrosse Nachsicht zeigen und dass erfahrungsgemäss auch die notwendige regelmässige Ueberprüfung solcher Tribünen zu wünschen übrig lasse. Angesichts dieses Sachverhaltes fand der Gerichtshof das strafrechliche Verschulden des angeklqg« ten Zimmermeisters nicht für erwiesen und fällte' einen Freispruch. rb. Gefälschte Aktien Prag. Der 56jährigeJaroslavAndrlik war Beamter der Erdölfirma„Naftaspol" und hatte als solcher die Inspektion der von dieser Firma errichteten Benzinpumpen in der Prager Umgebung zu besorgen. Auf einer seiner Dienstreisen lernte er den 37jährigen Eduard Kühnel kennen, der in O st r o v bei Brandeis Dienst tat. Die beiden freundeten sich schnell an und stellten fest, datz ihr Einkommen unzureichend war. Alsbald schmiedeten sie einen Plan, um zu dem schmerzlich vermissten Reichtum zu gelangen— freilich auf unlegale Weise. Eduard Kühnel ist gelernter Buchdrucker und war— ehe man ihn aufs Pflaster setzte— als Meister in der Graphischen Anstalt Schulz in Prag VII. angestellt.. Diese Firma druckte u. a. auch die Aktien der' Prehburger Kabelfabrik. Bei seiner Entlassung nahm Kühnel ein Paket fertig gedruckter Aktienscheine mit, denen bloss die Nummer fehlte. Dieses unfertige Aktienpaket bildete nun die Grundlage zu den betrügerischen Machinationen, wegen deren die beiden gestern vor dem Straffenat P e r n t standen. Der Beamte Jaroslav Andrlik versah nämlich die Aktienformulare mit Hilfe einer Paginiermaschine mit deck'noch fehlenden Ziffern, worauf er die Falsi- fikäft sii Ünuäüf setzte.'"Dft Aü'fs k'g'tic-F i li alt 1 d et Zivnvbank lieh' ihm uns' die gefälschten Aktien 17.000 KL und gab die„Werwapiere". als der Schuldner nicht zahlte, weiter, wodurch ihr eia Schaden von über 50.0,00 Kc erwuchs. Die„M o- ravskäbanka" erlitt auf gleiche Art einen Verlust von etwa 8000 KL, in der gleichen Höhe beweg! sich der' Schaden der gleichfalls hereingelegten Legiobanka; das Bankhaus Selig hatte 40.000 KL zu betrauern'und weitere Verluste ergaben sich aus der börsenmähigen Begebung anderer Falsifikate. Der Gesamtschaden beläuft sich auf 115.000 KL. Vor Gericht mussten die Angeklagten den Sachverhalt zügeben und die vorgebrachten Ausflüchte konnten an diesem nichts wesentliches ändern. Der Gerichtshof verurteilte Jaroslav A n b r l i k, zu fünfzehn Monaten, Eduard Kühnel zu dreizehn Monaten schwerem und verschärftem Kerker. rb. marxistische Zeitschrift heraus, aber bereits Anfang 1928 wurde er wieder gefangengesetzt und blieb im Gefängüis bis zum Sturz der Diktatur. Die Revolution brachte ihn unmittelbar aus dem Gefängnis ins Ministerium. Er wurde Arbeitsminister der ersten republikanischen spanischen Regierung. Nach wie vor blieb seine Lebenshaltung proletarisch. Er räumte sein Bureau selbst auf, und er ah in einem kleinen Restaurant mit Arbeitern an einem Tisch. Es ist nur selbstverständlich, datz dies hie Sympathien für ihn erhöhte. Er blieb nicht lange im Amt. Die spanische Republik begann nach rechts abzugleiten und die sozialistischen Mitglieder des Kabinetts erklärten ihren Rücktritt. Für Caballero begann eine neue Zeit revolutionärer Agitation. Die„Roten Jungfrauen" Spaniens In einer bescheidenen Wohnung lebte Caballero die erste Zeit mit seiner Familie, und die Gaststube war immer voll von Parteigenossen. Er hat zwei Töchter, junge, schöne Mädchen, die als Arbeiterinnen wirken und bei seinen Anhängern den Zunamen„Die Roten Jungfrauen Spaniens" tragen. Das Idyll konnte nicht lange dauern. Im Oktober 1934 brach der von den Reaktionären provozierte Aufstand in Barcelona und Asturien auS. Caballero stellte sich sofort an die Spitze der Arbeiter. Man kennt das weitere: Niederschlagung des Aufstandes, neue Gefangenschaft, Prozess und sensationeller Freispruch. Mit den heutigen Wahlen hat ein neues Kapitel in diesem Lebensroman des spanischen Revolutionärs begonnen. Noch ist nicht zu sagen, welche Ereignisse darin verzeichnet sein werden. Das aber kann gesagt werden, datz Caballeros Name noch ost genannt werden wird. „Sozinld-mvkrnt" 25. Fcbcr 1936. Nr. 47 Seife 6 Dienstag, &wr fei-tunq Tie deutsche Volksschule in Prag-Dejvire dürfte, wie wir erfahren, Hom nächsten Schuljahre ab eine dritte Klasse eröffnen. Die dazu notwendigen Mittel wurden durch den Reinertrag eines wohlgelungenen Konzertes beschafft, das dieser Tage stattgefunden hat. Die Schule ist durchaus modern eingerichtet und wird in pädagogisch sehr zufriedenstellender Weise geleitet. Ein wüster Rohling. An der Nacht auf Montag saß in einer Schenke unweit der Wrschowitzer Kasernen der 3öjahrige Glaser Anton Hoffeld aus Michle mit seiner Geliebten, mit der er in Streit geriet. Er warf ihr ein Bierglas an den Kopf, traf aber statt ihrer den 31jährigen Schneider Josef Lacman. dem das„Geschoß" die Schädelwand über dem rechten Auge zertrümmerte. Die Verletzung ist lebensgefährlich. Lacman wurde mit der Rettungsgesellschaft auf die Klinik Schlosser gebracht, Hoffeld verhastet. Betrunken den betrunkenen Komplicen ringe- sperrt. Sonntag früh fand der Kaufmann Maximilian Neumann in seinem Magazin in der Veverkagasse in Prag VN. einen betrunkenen Menschen schlafend vor. der später als der 20jährige Arbeiter Rudolf Noväk aus Holleschowitz identifiziert werden konnte. Er hatte am Abend vorher mit seinem Freund. dem 27jäbrigen Ottokar Kwaiser aus Prag VII. dem Warenlager«inen Besuch ab- gestgttet, wobei beide den dort befindlichen Weinen und Likören herzhaft zugesvrochen hatten^ bis endlich Kwaiser gehen wollte- und im Rausch seinen ebenfalls berauschten und. schlafenden Freund mit dem Nachschlüssel im Magazin einsperrte. Beide wurden verhaftet. Ktvaiser leugnet. Noväk gesteht «inen Teil des Diebstahls. Der Kaufmann Neumann beziffert seinen Schaden auf 8000 KL. Kartenspieler. Der 28jährige Schuster Paul Schwarz aus Radlid saß mit seinem Freund Karl Scholz aus Prag I. und einigen anderen Gästen Sonntag abends in einem Gasthaus in der Langen Gasse beim Kartenspiel, wobei eine Meinungsverschiedenheit entstand, die bald in Tätlichkeiten ausartete. Scholz schlug Schwarz so heftig mit der Faust ins Gesicht. daß er ihm zwei Vorderzähne auSschlug. Schwarz wurde vom Polizeiarzt verbunden. Scholz verhaftet. Schmuckdiebe. Zwei Unbekannte— angeblich der 28jährige Leib Gusover aus Warschau und die 49jährige Anna Ziubeck aus Lodz, beide Wohnungsund'arbeitslos— wurden dieser Tage von Detektiven angehalten. die sie bereits längere Reit gesucht hatten, da verschiedene Laden-, vor allem Schmuckdiebstähle auf ihr Konto gingen. Der letzte von diesen aalt einem Smaragdring mit 16 kleinen Brillanten im Werte von 2600 KL.— Auch einen Silberfuchs im Wert« von 1600 KL hatten sie aus einem Pelzgeschäft gestohlen. Pässe oder sonstige Ausweispapiere hatten sie nicht. Sie wurden nach Pankratz eingeliefert. Aus der Elektrischen gefallen.. Sonntag nqch- miliags fiel, die öijäkrigc Anna Palik. deren Diann invalid ist und di« zu Besuch ihres Sohnes in Prag weilt, in der BLlehradstä in Prag XIl. aus der fahrenden Straßenbahn und blieb bewußtlos liegen. Ein vorbeifahrendes Auto brachte sie auf die Klinik Jiräsek, wo eine Gehirnerschütterung und eine Rißwunde am Kopfe sestgestellt wurde. Wie es zum Unfall gekommen ist, kann weder die PaZik noch der Schaffner erklären. Jümst mul Mssen. Prager Konzertsaal Die Launen und Interessen des Publikums sind mituter wirklich unbegreiflich. Konzerte, bei denen man die regste Anteilnahme der Oeffentlichkeit erwarten müßte, bleiben häufig unbeachtet. Konzertveran- sialtungen dagegen, die man von Haus aus als verloren bezeichnen möchte, finden den denkbar stärksten Zuspruch. So. hätte sich jeder Deutschprager dem W o h l tätigkeitskonzerte der Vereines deutscher Schulfreunde in Prag zugunsten der deutschen Schule in Bubenetsch- Dejwitz die ganz besondere Teilnahme des Publikums in Aussicht gestellt, weil cs das Prager deutsche Publikum in doppelter Hinsicht verpflichtete oder wenigstens interessierte; durch seinen schönen kulturellen Zweck und durch seine Solisten. Denn diese waren wirkliche Publikumslieblinge: Käthe Walter, die charmante Operettendiva, und Kurt Erich Präger, der ausgezeichnet« Operettentenor. Aber trotz Mitwirkung dieser beiden so beliebten Künstler, deren ebenso vortrefflicher wie geistesgegenloärtiger Klavierbegleiter Kapellmeister Friedrich Rieger war, und trotz des guten Zweckes war das Konzert nur mäßig besucht.—• Dagegen erfreute sich das letzte Konzert des Deutschen Kammermusikvereins, obwohl es in der Hauptsache ein historisches, also dem Publikumsgeschmack keineswegs Rechnung tragendes Programm brachte, der regsten Anteilnahme. Uebrigens war dieses Konzert ein sozusagen ganz tschechoslowakischer Kammermusikkonzert, da nicht nur die Schöpfer der aufgeführten Werke, sondern auch ihre produktiven- künstlerischen Mittler durchwegs tschechoslowakische Tonkünstler waren. Das interessanteste Werk des Abends war ein Streichquartet des Leitmeritzer Tonsetzers Franz Anton Rößler lRosetti), eines an der Schwelle des klassischen Musitzeitalters(1750 bis 1792) schaffenden sudetendeutschen Musikers, der wie so viele seiner Zeitgenossen im Auslande als Kapellmeister tätig war und sich als Komponist größerer Werke, unter denen ein Requiem, zwei Oratorien, zahlreiche Shmphonien, etliche Opern und viele Kammermusikschöpfungen zu nennen sind, einen bedeutenden Namen schuf. Ebenso interessant war ein Streichquartett des aus Deusch-Brod stammenden Johann St a m i tz, des großen Führers der sogenannten Mannheimer Musikrevolution und Schöpfers des neuzeitlichen Jnstrumentalstiles sowie der Symphonie, eines Musikers übrigens, den die Tschechen ebenso als den ihren beaspruchen wie die Deutschböhmen. Die zeitgenössische sudetendeutsche Musik, war bei diesem Kammermusikkonzerte durch „Fünf Stücke" im Tanzrhythmus" von dem Prager Komponisten Erwin Schulhof vertreten, Kompositionen, die in ihrer virtuosen Keckheit, in ihrer Witzigkeit und originellen rhythmischen Gestaltung deutlich Schulhofs groteske persönliche. Note tragen. Die klassische tschechische Tonkunst war durch Anton Dvoiäks harmonisch reiches und melodisch schönes letztes Streichquartett opus 106 repräsentativ berücksichtigt worden. Als ausführende Künstler des Konzertes bewährten sich neuerdings die ausgezeichnet zusammengespielten und passioniert ihrer Aufgabe dienenden heimischen Meister des Prager Quartetts, die Herren Schweyda, Berger, Cerny und BeLtomov.— Im letzten zeitgenössichen Kam m'e r m u s i k« konzerte des gleichen Vereines gab es zwei Uraufführungen von Werken heimischer sudetendeutscher Tonsetzer. Die eines Streichquartetts von Viktor U l l m a n n, eines geistig und technisch hochbedeutenden, von stärkstem persönlichen Ausdruck erfüllten Werkes, und jene eines formal schönen und frischzügig im bewegten Rhythmus komponierten Kla- rinetten-Ouintettes von der jungen, aus der Schule der Ptager Deutschen Musikakademie hervorgegangenen Komponistin Friederike Schwarz.— Ans der Reihe der Solisten-Konze r^e seien nur die zwei besten und wertvollsten herborgehoben: Der Liederabend Gertrude Pitzingers und der Klavierabend von Edich-Kraus-Steiner. Gertrude Pitzinger, die Reichenberger Mezzosopranistin, ist als Konzertsängerin heute sicher eine der bedeutendsten. Denn nicht nur ihre schönen und kultivierten Stimmittel haben ihren Ruf begründet, sondern vielleicht mehr noch die erlebende Echtheit und Innerlichkeit ihres Wort und Ton in eindrucksvoller Art zur Geltung bringenden Vortrages. Und an der Programmgestaltung dieser nochmisikali- fchen und ganz in ihrer Kunst aufgehenden Künstlerin erkennt man auch ihre geistige Bedeutung. Außer Brahms und Hugo Wolf, denen sie besonders ergeben ist, sang sie diesmal auch unbekannte Lieder der heimischen zeitgenössischen Tonsetzer Johannes Brammer und Egon Kornauth sowie einige von ihrem tüchtigen Klavierbegleiter, Prof. R. Glaser fein harmonisierte heimatliche Volkslieder.— Edith Kraus-Steiner, die junge Pianistin, hat man noch von ihren ersten Prager Konzerten, die sie als Wunderkind, von Karlsbad kommend, gab, in allerbester Erinnerung. In der Schule des berühmten Klaviermeisterlehrers Prof. Schnabel ist das Wunderkind nun zur reifen und bedeutenden Künstlerin herangewachsen, der die sekbftverständlich und immer zuverlässig dienende virtuose Technik ebenso eignet wie mannigfaltige Schönheit und Kultur des Anschlages, geistige Beherrschtheit des Spieles und ausdruckssichere Gestaltung deS Vortrages. Ihr Programm enthielt Muster- und Meisterwerke der.älteren und interessante Kompositionen der zeitgenössischen Klavierliteratur: Johann Sebastian Bachs Englische Suite in E- Moll, Mozarts,ganz selten zu hörende Variationen über ein Menuett von Duport, Schuberts nachgelassene, poetische C-Moll-Donate, Schönbergs Suite opus 25 und drei tschechische Tänze von M ä r t i n u.— Das rastlos auf die Konzertausbildung seiner Zöglinge bebachte Prager T s ch e- ch.ischeStaatskonserbat.or.ium hatte abermals zwei musikpädagogische Musterveranstalt- inngen ins Werk gesetzt; einen öffentlichen Konzertabend der Meisterklasse für iKlavier, Violine und Violoncello. E. I. Deutsche Photo-Amateure Im Deutschen Haus am Graben stellt die „Deutsche Lichtbildsemeind«, Prag" Arbeiten ihrer Mitglieder aus, die«in recht beachtenswertes Niveau halten. Es ist unmöglich, alle Aussteller zu nennen; nur einige, seien hervorgehoben: Von Hermann T r a p p, der technisch« Motive und den Reiz der Maierialstruktur bevorzugt, ist„In Fahrt" sehr geschickt im Ausschnitt. Unter den Genreszenen von Walter Fürth fallen die hübsche Ausdrucksstudie.Zaungäste" und der Kopf eines Holzfällers auf. StefanDvoiak zeigt zwei schöne Winteraufnahmen. Besonders im„Schattenspiel" ist der Reiz des räumlich begrenzten Motivs gut erfaßt. Sie sind auch technisch gelungen in der zarten Durchsichtigkeit der Schatten, ohne daß die Lichter gedeckt sind. Fritz Hallegger bringt die Schwarz- weiß-Wirkung beschneiter Dächer durch härtere Gegensätze zu„graphischem" Ausdruck. Die„Seerosen" von Rudert Mult«rer geben die wächserne Oberfläche der Blätter und die Wassertropfen daraus sehr überzeugend wieder. Ein glücklicher Schnappschuß, gelungen in der Erfassung des Ausdrucks in den Gesichtern und in der Haltung, ist seine Gruppe kartenspielender Jungen. In Georg Jake ries Hundekopf„Putzi" ist die drollige Spannung deS Hundegesichts lebendig eingefangen. Willibald Hermann zeigt drei charakteristisch aufgenommene Porträtstudien. Franz Schametz stellt sechs Blätter aus, die im Motiv ganz verschieden, im Bildausschnitt und überhaupt im Photographischen gleichwertig gut gesehen und technisch gekonnt sind. Bon Franz S ch m e j k a l ist eine in ihrer Einfachheit wirksame Gegenlichtaufnahme, von Rudolf Kraus die Gruppe der Bläser, von Maximilian Meyer das Moldaumotiv im Rebel, an dem nur die Blautönung etwas stört, von Franz S t a n k a die in der Stimmung gut erfaßt« Aufnahme„Vor dem Gewitter" zu nennen. Mit dieser Auslese sei auf die Ausstellung(noch bis 29. Feber zugänglich) hingewiesen. Sie läßt im Ganzen erkennen, daß in.der Lichdbildgemeinde ernsthaft nach photokünstlerischer Leistung und pboto- technischer Vollendung gestrebt wird. ld. Eine Nacht in Antwerpen heißt das Bühnen- stück von Georg Mannheimer, das am Sonntag im Prager Vereinstheater an die Oeffentlichkeit geriet. Zwischen einem Pro- und einem Epilog, die das Ganze als Dichtung und Erdichtung charakterisieren sollen, erlebten wir die Geschichte«ineS auf Reisen befindlichen Fabrikantensohnes, der für die Menschheit und die Unterdrückten schwärmt, eine Hafendirne liebet, aber sich angeekelt von ihr wendet, als er erfährt, daß sie als Taschendiebin im Verbrecheralbum figuriert. Die Dirne kehrt enttäuscht, aber um eine Erfahrung reicher, in die Arme"ihres treuen Zuhälters zurück, während der reiche Jüngling als unsympathische und lächerliche Figur übrigbleibt. Nun scheint es allerdings, daß die Fabrikantensöhne von heute weniger vom Menschheiisfimmel als von der Antimenschheitsideologie besessen sind, wodurch Mannheimers Stück an Aktualität verliert, und daß die Begeisterung für ein Hafenmädchen, die mit Abscheu vor dem Zuhälter und der kriminellen Vergangenheit verbunden ist, mit Menschheitserlösung wenig zu tun hat, wodurch das Stück an Problematik einbüßt. Ta es außerdem, mit. befremdlichen Monologen und mit Versen verziert ist, deren einer lautet„Was tu ich mit meinem Gelde, mein Herz liegt in der Scheide", — kann von tieferen Wirkungen nichts berichtet- werden. Aber das Publikum zeigte sich dem Autor und den Veranstaltern sehr wohlgesinnt und applaudierte lebhaft.—eis— Wochenspielplan des Neuen Deutsche« Theaters. Heute, Dienstag, halb 8 Uhr: D e r F r e i- s ch ü tz, AI.— Mittwoch 8 Uhr: Unent- schuldigteStunde, B2,— Donnerstag halb 8:DerfliegendeHolländer, Wagner-Zyklus V, E 1.— Freitag halb 8: Der Freischütz, DI.— Samstag halb 8: O r- pbeus in der Unterwelt, Festvorstellung zugunsten der Pensionsanstalt des Deutschen Theaters, neuinszeniert, Abonnement aufgehoben.— Sonntag halb 3: Katharina Jsmailo- w a, Arbeitervorstellung, halb 8:Unents ch u l- d-igte Stunde, C 2.-- Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute,! Dienstag, 8 Uhr: Unentschuldigt« Stund«.— Mittwoch 8:WaSJhrwollt, Bankbeamte II und freier Verkauf.— Donnerstag 8: Kind imKampf, volkstümliche Vorstellung.— Freitag 8: Der goldeneKranz, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8: D i e erste Legion. — Sonntag 8: Was Jhrwollt, 8: Die erste L« g i o n.- Der Mm- Revolution 6er Blutes und des Geistes Nach Art des amerikanischen, aus dokumentarischen Aufnahmen zusammengestelltcn Films.Jahrhundert in Flammen" hat man jetzt auch bei uns (unter Leitung des Regisseurs Holm an) einen ähnlichen Versuch gemacht und«ine zeitgeschichtliche Film-Chronik geschaffen. Sie ist vorerst nur in einer wohl- noch nicht endgültigen Fassung einem geladenen Publikum gezeigt worden, und der Eindruck, daß sie etwas zu lang geraten ist und manches Ueberflüffige enthält, wird deshalb Wohl" auch nur vorläufige Geltung haben. Immerhin ist zu bezweifeln, daß sie den großen Eindruck jenes amerikanischen FilmS wird erreichen können. Denn sie enthält viel weniger echte Aufnahmen als er und muß sich oft genug mit gestellten Bildern und Text- Erläuterungen behelfen. Hinzu kommt die Schwierigkeit, das Wesen und di« Wirkungen der faszisti- schen„Revolutionen" in Italien, Deutschland und Oesterreich in dokumentarischen Aufnahmen richtig zu veranschaulichen, da das vorhandene Bildmaterial größtenteils gestellte Propaganda der faschistischen Machthaber ist(während die Behauptung des tschechischen Erklärers, daß Hitler im März 1933 die Mehrheit erhalten habe,«ine Ungenauigkeit ist, denn er hat auch bei jener Terror-Wahl nur mit Hugenberg und Papen gemeinsam die knappe Mehrheit erreicht). Aber bei allen Mängeln dieser Zeitchronik ist«S den Herstellern doch gelungen, das zu zeigen, was sie zeigen wollten: daß nämlich die tschechoslowakische Revolution, die zwar Opfer im Weltkriege forderte, aber als solch« unblutig verlies, stabilere Verhältnisse schuf als die blutigen Straßenkämpfe, Bürgerkrieg«, Staatsstreiche und Kriegsabenteuer in anderen Ländern. Ein Vergleich, der an Klarheit noch gewonnen hätte, wenn man die Pariser Feber-Krawalle(die wohl nur als Episode zu werden waren) die Rew Deal-Bewegung Roosevelts(die vorläufig keinen revolutionären Charakter hat) und den Umsturz auf Kuba(der uns etwas fern liegt) weggelassen hätte. Der Schlußteil des FilmS ist ein nachdriicklicher Hinweis auf die kulturellen, wirtschaftspolitischen und sozialen Bemühungen und Leistungen der tschechoslowakischen Republik und auf die Erfolge ihrer Außenpolitik. Ein bemerkenswerter Versuch also, auch einmal einen demokratischen Propagandafilm zu schaffen, dem hoffentlich weitere folgen werden. —eiS— 8ptzrt-8piet-Xörpelpskege Die Punktekampfe der Lisa Die diesmalige Ligarunde war nicht vollständig, denn das Spiel Proßnitz—DFC fiel wegen unspielbaren Platzes auS. Die übrigen Spiele brachten die erwarteten Siege der Favoriten. Ueberhaus hoch fiel die Niederlage Kladnos in Preßburg aus und die Teplitzer bewiesen'daheim, daß ihre Spielstarke ein Schatten vbn einst bleibt. In Prag siegte sicher, aber recht knapp Sparta übet AFK Kolin mit 2:0(1:0). Die Sieger waren ihrem Partner nur technisch überlegen. Das PilsenerDerby endete nach sehr hartem Kamps mit dem 1:0(1:0)-Siege der Viktoria. Bon Viktoria und SK wurden je ein Spieler ausgeschlossen. Viktorias neuer Mann Paly.(ehemals Tep-- litz) konnte noch nicht spielen(siehe eigene Nonz). S l a v i a hatte in Saaz mit dem DSV genug Arbeit, um mit 4:0(0:0) erfolgreich zu bleiben. Die Saazer waren eine Halbzeit lang ein ebenbür- figer Gegner, um nach der Pause abzufallen und damit der Slavia den Endsieg zu ermöglichen. B:t Saaz versagte der Angriff, der unzählige Chancen in der ersten Hälfte vergab. SK N a ch o d festigte seine Stellung durch einen 3:0(2:0)-Sieg über Mor. Slavia, deren Team keinen befriedigenden Eindruck hinterließ. In T e p l i tz gewann Z i d e n i c e gegen den TFK mit 4:2(1:1). Die Brünner erzielten zwar einen sicheren Sieg, jedoch war ihre Gesamtleistung, besonders im Angriff, nicht dem Erfolg entsprechend. Die Teplitzer sind nun auch zu Hause ein ungefähr^ kicher Gegner geworden... der letzte Platz ist ihnen sicher für den Abstieg. Ein Debakel erlitt der SK Kladno n Preß bürg. Mit 7:2(3:1) blieb der CSK erfolgreich. „Ihr größter Erfolg. Der tschechischbürgerliche Fußballgau(Prag) hielt am Sonntag seine Generalversammlung ab. Es wurde u. a. festgestellt, dag der größt« Erfolg im vergangenen Jahre du Aufnahme der sportlichen Beziehungen mit Sowjetrutzland war. Im I u- i d. I. wird wiederum eine Prager Auswahlmannschaft in Moska.u spielen und am 16. August d. I. soll i n P r a g die im Jänner nicht zustande- gekommene Begegnung Moskau—Prag stattfinden. Verhafteter Fußballspieler. In Pils en wurde am Samstag der Fußballspieler Lajos Paly verhaftet und dem Kreisgerichte eingeliefert. Paly, welcher seinerzeit beim Teplitzer FK spielte, hatte bekanntlich bei einem Ligaspiel mit dem Slavia-Ber- teidiger Zenisek«inen Zusammenstoß, wobei sich der Slavianer eine schwere Beinverletzung zuzog und diesen zur Aufgabe des Fußballspielens zwang. Aus Anlaß dieser, angeblich nicht beabsichfigten Angelegenheit wurde Paly vom Kreisgericht Leitmeritz wegen Verbrechens der schweren Körperverletzung mit dauernden Folgen gesuchi. Paly sollte am Sonntag schon für Vikwria Pilsen, die ihn erworben hatte, erstmals spielen. Sonstige Fußballergeinisse. Prag: Viktoria Zijkov gegen Slavoj VIII 6:2(4:2), Cechie Karlin gegen Union Zijkov 5:2(1:1), Bohemians gegen Modrany 13:4(8:0), SK Nusle gegen Sparlq Kosir 4:2(1:0), Sparta Michle gegen SK Libeü 3:2(1:1).— B.-Budweis: CSK gegen DFC 4:1(1:0).— Budapest: Hungaria gegen Török- veS 3:0, Ujvest gegen Phöbus 1:1(1:0), Ferenc- varos gegen 3. Bezirk 0:2!— Wien: Rapid gegen Wacker 3:3(2:2), Hakoah gegen Sportklub 3:2, Austria gegen WAC 5:2, FC Wien gegen Libertas 2:2(2:2).— Barcelona: Spanien geg'e. Deutschland 1:2(1:1). Die Sklmelsterschaften der Tschechoslowakei in Spindlermühle brachten ätn SdttNtiig den S o n- dezsprunglauf. Den ersten Platz besetzte der Norweger Reidar Andersen mit Note 345 und Sprüngen von 72.5, 78.5 und 79 Metern vor seinem Landsmann Kongsgaard(331.4—74,74, 78.5) und dem Japaner Jguro(328.4—75, 77, 75). Den fünften Platz besetzte Lukes(Svaz) mit Note 311.4, 66, 71, 73 Meter; sechster wurde Kahl(HTA) twr Note 806.2, 63, 72, 67. Ten weitesten Sprung vollführte Tatsuta(Japan) mit 80.5 Metern, stürz:e jedoch.— Am Samstag gewann Brana(Svaz dir Kombination mit 440.6 Punkten vor Berauec (HDW) mit 427.4 Punkten. Die tschechoflowakischen EiSkunftlaufmeister> schäften, welche in Troppau ausgetragen wurden endeten mit SiegenderWiene r zweiten Garnitur. Bei den Frauen holte sich die Wienerin Reisinger vor der Pragerin Hruba den Titel, bei den Männern Ratzendorfer(Wien) vor Sadilek(Prag) und im Paarlauf fiel der erste und zweite Platz an die Wiener Kianek—Rozdol und Kafka—Hanke. Sonja Heute— wiederum Weltmeisterin. In Paris wurde die Weltmeisterschaft im Eiskunstläufen der Frauen beendet. Sonja Henie(Norwegen) gewann zum zehntenmale den Titel vor der Engländerin Taylor und HultLn(Schweden). Henies stäkst« Konkurrenfin bei den Olympischen Winterspielen, Coledge(England), war nicht anwesend. Die Norwegerin hat erklärt,, daß sie sich nicht mehr an Konkurrenzen beteiligen, sondern nur noch a i .Schaulaufen" beteiligen wolle. Eishockey. In Wien gewann Kanada gegen ein Team 3:1.— Amerika spielte inZürich gegen eine Kombination 2:2.— Kanada spielte am Montag in P r a g gegen das Team der Tschechoslowake- und schlug es mir 9:1. Das Osloer internationale Eisschnellanfen gewann Ballangrud vor Mathiesen(beide Norwegen). Vierter wurde Stiepl(Oesterreich), welcher über 3000 Meter mit 4:56.4 den norwegischen Llympia- sieger aus den zweiten Platz verwies. Zweimal Skibruch und— Sieger. Bei Stockholm wurde ein 30-Kilometer-Langlauf durchgeführr, den der schwedische Olympiasieger Larffon in 2:10:38 gewann, obwohl ihm während deS Rennens das Miß. geschick widerfuhr, zweimal Skibruch zu haben. Zweiter wurde Hegblad mit 2:10.43. Die Makkabi-Winterspirle haben unter der u n- günstigen Witterung sehr zu leiden. DrS sonntägig« Springen mutzte auf einer Trainingsschanze absolviert werden, die nur Sprünge bis zu 80 Metern gestattet. Sprunglauffieger wurde Kürü (Tschechoslowakei), welcher auch in der Kombination Erster wurde. Die Eiihockeyspiele und-Schnelläufr konnten wiederum nicht ausgetragen werden. Die FiS-Wettkämpfe in Innsbruck. Bei dem sonntägigen Springen belegten die Norweger die drei ersten Plätze. Sieger wurde Birger Ruud mit 65, 62, 63 Metern. BezuqSbedinqunaen: Bet Zusielluna ins Saus oder bet Bezug durch die Post monatlich KL 16.— vierteliäbria KL 48.—. halbjährig KL 96— ganzjährig KL 192.—.— Jnierare werden laut Tarif billigst berechnet. Bei ötteren Ein'chaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von Lei Post« und Lele- üraphenLirektion mit Erlaß Nr. 13.800/V 11/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-. Verlags- uuü'Zeiiun»'S-A.-P. Prag.