Mittwoch, 26. Feber IS36 16. Jahrgang Nr. 48 Einzelpreis 70 Heller (einschließlich i Heller Porto) 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IM DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova a. Telefon sen. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Gegen soziale Verständnislosigkeit! Keine weitere Schikanierung der Krisenopfer I In den letzten Monaten ist die Unzufriedenheit der Arbeitslosen mit der Durchführung insbesondere der staatlichen Ernährungsaktion gestiegen.. Die LandeS- und Bezirksbehörden wenden die Weisungen des Fürsorgeministeriums oft in einer so unsozialen und sogar verständnislosen Weise an, daß unbedingt Abhilfe geschaffen werden must und wenigstens die schreiendsten Ungerechtigkeiten beseitigt werden müssen. Der Parteivorstand der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei hat sich nun in der Sitzung am 25. Feber 1936— über die wir auch an anderer Stelle berichten—. in eingehender Weise mit der Durchführung der staatlichen Ernährungsaktion besaht und beschloh nach dem Bericht des Parteivorsitzenden, der durch die Ausführungen einer Reihe von Debatterednern ergänzt wurde, nachstehende Resolution: Der Parteivorstand begrüßt ans das wärmste die vorn Gesundheitsministerium angeregte und von der Regierung genehmigte Kinder« Hilfsaktion, durch welche 9000 Kindern durch sechs Wochen die Möglichkeit der Erholung gegeben wird. Der Parteivorstand muß aber gleichzeitig seinem Befremde« über die Praxis Ausdruck geben, die fich in den letzten Monaten bei der Durchführung der Ernährnngsaktio« herausgebildet hat. Die Anforderungen vieler Bezirke werden von der Landesbehörde zugestutzt und wir haben einige Fülle zu vermerken, in denen die Gemeinden während einerganzenWochenperiode außerstande sind, Ernührnngskarte» auszufolgen. Dieser von den Landesbehörden beobachtete Vorgang steht im Krassen Widerspruch zu de« Richtlinie«, die das Fürsorgeministerium ausgegeben hat. Durch dieses Verhalten wird auch eine schwere Beunruhigung in weiten Devölkerungshreisen hervorgerufen und es ist zweifellos Aufgabe der Regierung, alles zu tun, um diesem unmögliche« Zustand ein End« zu bereite«. Wir müssen auch wiederhole« und ganz kategorisch daS Verlangen stelle«, daß die^»-endliche» Arbeiter ohne Beibringen des Rachweises der dreimonatigen krankenversicherungspflichtigen Beschäftigung in die'Ernährungsaktion einbe zogen werden. Ebenso verlangen wir, daß die fälschlich alsSaisonarbei t e r bezeichnete» Personen in die ErnährungSaktion ausgenommen werden. Ein Bezirk als Beispiel für viele Wichtige Parteiberatungen Nachdem am 24. Feber der Vollzugsausschuß getagt hatte, befaßte sich der Parteivorstand am 25. Feber in ganztägiger Beratung mit allen aktuellen politischen Problemen. Die Sitzung wurde durch einen Bericht des Parteivorsitzende.'. Genossen Dr. Czech, eingeleitet, der nach einem Ueberblick über die außenpolitische Lage über alle inner politischen Vorgänge Bericht erstattete. Er stellte dabei insbesondere fest, daß die R e de H en l«i n s in Prag die letzten Zweifel über den.Charakter der Sudetendcut- schen Partei beseitigt habe. Sodann berichtete Genosse Dr. Czech über die vorbereiteten Gesetz- uno Verordnungsentwürfe, kündigte die bevorstehend- Einbringung der- Bauförderungsvorlag e an und berichtete über den Stand der Verhandlungen über das Genter System, über die Festsetzung des Kunstfettkontingents, über die S.ch u l d e ni e g e l u n g d-c Selbftverwaltungskörper und über die Agrar- p o l i t i k. Ucber die Ernährungsaktian und der. einschlägigen Beschluß berichten wir gesondert. In der Debatte,' an der sich die Genossen Taub» S-chäfer(Reichenberg).-Nießner (Brünn), P ö l z l(Aussig), Wiener, Re itz- V e r-(Bodenbach»Heller(Teplih)»Zinner (Falkenau) und Kern(Troppau) beteiligten, kam der-fortdauernde Notstand der arbeitenden Menschen, aber auch der entschlossene Kampfwille der Gesamtpartei zum Ausdruck. Nach dem Schlußwort des Genossen Dr. Czech, In dem er auf alle vorgebrachten Wünsche und Anregungen reagierte, wurde der Bericht des Parteivorsitzenden einmütig zur Kenntnis genommen. Ueber Antrag des Parteisekretärs Genossen Taub wurde die Einberufung der P a r- teikonferenzauf den 22. März beschlossen. Sodann berichtete Genosse Taub über die neuerliche Schwenkung der K o m m u nist i s ch e n Partei, die eine Verschärfung ihrestFlampf.'S gegen die Sozialdemokratie bedeutet und über die sich daraus notwendigerweise ergebenden Konsequenzen. Nach kurzer Debatte wurde die von G-- noffen Taub beantragte Resolution, die wir noch verlautbaren werden, einstimmig beschlossen. Der Parteivorstand nahm einen Bericht des Vorsitzenden des Sozialistischen JugendverbandSs, Genossin Kern, entgegen und verpflichtete in einem gleichfalls.Einhellig gefaßten Beschluß alle Parteistellen in Fortsetzung der enge« Zusammenarbeit mit dem Iugendverband die Tätigkeit des Berbandsvorstai» deK mit allen Mitteln zU unterstützen. Mit Er- ktzigung der laufenden organisatorischen und administrativen Angelegenheiten wurde die arbeits- rc icke Tagung abgeschlossen. Oppositionelle Kritik an Eden London.(Reuter.) Rach Sinclair meldete sich der Arbeftrrparteiler Alle« zum Wort, der erklärte, daß er von der Rede Edens tief enttäuscht sei. Er behauptete, daß die Rede Edens nur eine genaue Erklärung enthalten habe, nämlich, daß die britische Regierung bisher keineEntscheidung über die Petrolrumsanktionen getroffen habe. Der Unterstaatssekretär für Aeutzeres, Cranborne, erklärte hierauf, daß di« Sanktionen immer mehr an Wirksamkeit zunehmen und daß darunter zahlreiche italienische Ausfuhrposten leiden. Die italienische Regierung habe aufgehört» Nachrichten über den Stand der Goldreserve auszugeben, und das sei sehr bezeichnend. Dir Sammlung von Eheringen sei für ei« so großes Volk rin sehr trauriges Zeichen. Das Ziel der Sanktionen sei nicht zu strafen, sondern vor- zubeugen. Dir Debatte wurde dann ohne Abstimmung beendet und das Unterhaus ging in die Debatte über das vorläufige RachtragSbudgrt für die Land-, Lust- und Seestreitkräf.e ein. Die'Rede EdenS vor dem Unterhaus, offensichtlich' nicht so sehr Ausdruck seiner eigenen Leberzeugung als der Meinung des Sc« Was seht in der Rheinzone vor? Einmarsch am 1. März? Der Sonderkorrespondent des„Daily Telegraph", der gegenwärtig die Rheinzone und das Saargebiet bereist, berichtet in sensationeller Weise über dir d e u t sch e n B o r- bereitungen am Rhein. Dir demilitarisierte Zone sei vollkommen dafür vorbereitet, von den deutschen Truppen besetzt zu werden. Ueberall werden neue Kasernen gebaut«nd alte instand gesetzt; die betreffenden Bauarbeiten haben einen solchen Umfang erreicht, daß bereits das ganze Gebiet einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Einige Kilometer von Saarbrücken sei ein großer m i l i tä r i s ch e r F l« g platz errichtet worden. Man habe daran während des ganzen Winters angestrengt gearbeitet. Den Arbeitern wurde ei« Schwur abgenommen, absolut verschwiegen zu sein. Obgleich man in offiziellen Kreisen die bevorstehende Okkupation selbstverständlich ableugnet und die Behauptung aufstrllt, die Kasernen werden für die Polizei gebaut, könne man, wie der Mitarbeiter des„Daily Telegraph" auf Grund seiner Informationen überzeugt ist, den Einmarsch der deutschen Truppen in die demilitarisierte Zone bereits am 1. März erwarten. Kündigung des Locarno-Paktes durch Deutschland und Italien? London. Der Berichterstatter des Reuter- Bureaus in Rom erfährt, daß die Besprechungen zwischen dem deutschen Botschafter Freiherrn von Hassell»nd dem italienischen Ministerpräsidenten Mussolini ausschließlich den französisch-sowjetrussische« P a k t betrafen. Wenn der Pakt ratifiziert werden wird, nimmt man an, werde eine Revision des italienisch- deuts chenStandpnnk- tes notwendig sein, was, wie man erklärt, nichttz anderes bedeuten könnte als die Kündigung des Locarno-Abkommens. Der Berliner Berichterstatter des Reuter- Bureaus meldet: Wenn der französisch-sowjetrussische Pakt vom französischen Parlament ratifi- ziert werden wird, wird Deutschland ko n st e r- n i ert sein,'«nd. n i e m a nd w e i ß, w i e es darauf reagieren wird. Tie auswärtigen diplomatischen Beobachter in Berlin vermuten jedoch nicht, daß Deutschland sofort mit irgendeiner provokativen Aktion antworten würde. samtka binett s, wird in konservativen Kreisen gebilligt, in der liberalen und Laüour- Presse aber heftig kritisiert. Man wirft in oppositionellen Kreisen der Regierung Schwäche und Unentschlossenheit vor und macht sie sür den möglichen Triumph Mussolinis, verantwortlich, der das gesamte kollektive Sicherheitssystem aus den Angeln heben würde. Offensichtlich ist in der englischen Politik neuerdings eine gewisse Schwerpunkt ver- s ch i e b u n g eingetreten. Sowohl die drohende Haltung Deutschlands als auch die japanischen B o r st ö ß e im Fernen Osten, haben England in seiner Bewegungsfreiheit beschränkt, lenken seine Blicke vom Mittelmeer an den Rhein und vöm Nil an den Jangtse- kiang und veranlassen es, eine rasche Beilegung des abessinischen Streites ohne Krieg unter Umständen der radikalen Losung vorzuziehcn, die' England zu Beginn des Jahres anzuftreben schien. ES kommt dazu, daß Frankreich seit dem Sturze' Lavals und• mit der außenpolitischen Führung durch Flandin— gerade weil Fländin anglophil ist und keine Extratouren mit Mussolini tanzt— eine größere Selbständigkeit erlangt hat und imstande ist, seine Interessen, die am Mein liegen, stärker in den Vordergrund Eine anschauliche- Illustration zu diesen Forderungen des Parteivorstandes bietet ein Bericht Wer«ine Konferenz in Komotau, die wir deswegen an leitender Stelle bringen, weil die darin geschilderten Verhältnisse und die Benachteiligung der Aermsten der Armen auf alle Industriegebiete zutreffen ebenso wie die Empörung unserer Vertrauensmänner darüber: Montag, den 24. Feber, fand im„VolkS- hauS" in Komotau eine Konferenz der sozialdemokratischen Partei-. und der Gewerkschafts- funktwnäre statt, die sehr gut beschickt war und Delegierte aus dem ganzen Bezirksgebiet umfaßte. Zur Behandlung standen ausschließlich Fragen d e v Arbeitslosen- zu schieben. Während die englische Opposition eine radikale und rasche Erledigung Mussolinis für die beste Sicherung des Friedens auch gegen Hitler und gegen Tokio hält, ist das Kabinett, augenscheinlich der Ansicht, daß man vorsichtig manövrieren müsse, um nicht in eine: Weltkrieg zu stolpern. Es gibt für England eben zwei W e g e, die G e fa h ren d es„Engpasses" zu m i n d e r n, durch den seine Politik hindurch muß: einen raschen Vorstoß» der niemanden zur Besinnung kommen läßt und fertige Tatsachen schafft, oder ein vorsichtiges Bortasten, bei dem man nirgends anstößt. Es scheint, daß. die Regierung diesen Weg gehen will, vielleicht auch deshalb, weil die Oelianktion sich nicht als ein radikales Mittel erweist,. sondern ohne Teilnahme Amerikas nur eine langsam wirkende Sanktionsmaßnahme bleiben wird. Sehr interessant ist die neue Interpretativ nder Sanktionen durch den Unterstaatssekretär- Cranborne: die Sanktionen seien nicht da, um zu strafen, sondern um vorzubeugen. Diese Auffassung läßt nämlich auch das zu, was bisher England vermeiden wollte, daß der Angreifer doch mit ein er B e loh n u n g h ei m ko m m t. Tenn wenn, die Sanktionen nicht den Sinn einer Strafe haben, brauchen sie auch nicht mit einem Paffivum für den Angreifer abzuschließen, sondern es würde dann genügen, daß sie kommenden Angreifern einfach ein erhöhtes Risiko in Aussicht stellen. Diese These, konsequent zu Ende gedacht, würde aber die Auslösung des Völkerbundes und den Triumphder Hitlers chtzn.TH ejen bedeuten« 1 fursorge. Die Stellungnahme unserer Funktionäre zu diesem Problem Ivar notwendig geworden, weil die Bezirksbehörde über höherem Auftrag die Richtlinien Wer die Durchführung der Ernährungsaktion ganz rigoros handhabt und Streichungen weit Wer das erträgliche Ausmaß vorgenommen hat. So wurden beispielsweise in Reudorf i. Erzgebirge, einer ganz armen, nur von Spitzenklöpplern und einigen wenigen Industriearbeitern besiedelten Gemeinde, 56 Arbeitslose auf«ine« Schlag von der Ernährungsaktion ausgeschieden. Diese brutale Maßnahme hat unter den Arbeitslosen des Erzgebirges begreiflichesvetse Bestürzung und Empörung hervorgerufen. Aber auch die Arbeitslosen des Industriegebietes sind durch diese Aktionen in große.Unruhe versetzt worden, die sich nach dem Referate des Genossen Per« n e r ganz spontan geäußert hat. Zu der durch die. Massenstreichungen verursachten Unzufriedenheft kommt noch, daß ein Revisor der Landesbehörde eine Kontrolle der Ernährungsaktion durchführte und Entscheidungen traf, die von keinerlei sozialer Ei ns i ch t, sondern ausschließlich von dem Bestreben geleitet war,en, für den Staat Ersvarun- gen auf Ko st en der hungrigen Arbeitslosen vorzunehmen. Wenn es nach dem Verlangen dieses Beamten ginge, müßten in der nächsten Zeit noch weitere Streichungen von Arbeitslosen aus den Bezieherlisten erfolgen, denn er vertrat den Standvunkt, daß einige hundert Menschen ausgeschieden werden müssen, weil deren Lebensunterhalt „nicht bedroht" sei. Es würden Fälle angeführt, aus denen klar ersichtlich war, daß man bei diesem rücksichtslosen Borgehen auf die-soziale Lage der betreffenden Familie überhaupt keine Rücksicht genommen hat, sondern ganz-willkürlich die Bestimmungen gegen. die Bezieher auslegte. In der dem Referat folgenden Debatte gaben die- Funktionäre ihrer' tiefen Erbitterung Wer die unverständlichen und unsozialen Maßnahmen der Behörden, di/ manchmal geradezu provokatorisch sind, in bewegten Worten Ausdruck. Sie können es ganz einfach nicht verstehen, daß die zentralen Behörden nicht sehen wollen, wie verzweifelt«nd katastrophal die Lage der Arbeitslosen vor allem in den deutschen Randgebiete» dieses Staates ist. Die Arbeitslosen sind kein« DWWWWWWWWWWWWW>WWWWWWWWWWWWWWWWWnWWanWWOMWW^L^MW>WWWW>WWWnWgMWWW| None Sanktionsthese Englands: Nicht s'rafen, sondern vorbeugen! Seite 2 Mittwoch, 26. Feber 1966 Nr. 48 minderwertigeren Menschen und auch keine Bettler! Sie haben ein Recht, zu fordern, daß für ihren Lebensunterhalt gesorgt wird, denn an ihrer Arbeitslosigkeit sind sie nicht selbst schuld. Wenn der Ausbau der Arbeitslosenfürsorge und die Beschaffung von Arbeit verlangt wird, erwartet man nicht von den reaktionären Parteien eine Gnade oder ein Geschenk für die Opfer des verfehlten Wirtschaftssystems, sondern eine selbstverständliche Pflichterfüllung. Die Konferenz, die, verursacht durch die Erregung, äußerst bewegt verlief, stellte Forderungen auf, die ähnlich jenen lauten, die der Parteivorstand erhoben hat. Tie Vertrauensmänner der Partei und der freien Gewerkschaften erklärten einmütig, hinter diesen Forderungen zu stehen und den Kampf um deren Erfüllung aufzu- nehmen. Es tpäre auch hoch an dex Zeit, wenn die bürgerlichen Parteien, vor allem im tschechischen Lager, endlich einsehen würden, daß die gegen die Arbeitslosen ergriffenen brutalen Maßnahmen sich letzten Endes gegen den Staat und seine demokratische Verfassung richten müssen, weil tzurch die Verbreiterung der Not durch Staatsorgane den politischen Demagogen, deren es unter der deutschen Bevölkerung wahrhaftig genügend gibt, der Boden bereitet wird. Die In einem sehr ausführlichen und außerordentlich scharfen Artikel befaßt sich die»Prager Presse" mit Henleins SonntagSrede; es heißt da unter anderem: „Für unseren demokratischen Staat, für die Tschechoslowakei paßt nichts von dem, was Henlein gesagt hat. Was dort, von wo eS Henlein entlehnt hat, richtig sein mag, hier bei unS ist es falsch, unanwrndbar, undurchführbar, unmöglich ...Aber was man unbedingt verhindern muß daS ist, daß auf dem Umweg über die»Kultur", wie sie Henlein versteht, Einflüsse und Tendenzen in unseren demokratischen Staat hereingetragrn werden, die mit seinen fundamentalen Grundsätzen unvereinbar find. Was verhindert werden muß, ist, daß durch die von Henlein beabsichtigte Gleichschaltung der deutschen Kultureinrichtungen in der Tschechoslowakei die wahre Aufgabe der Deutschtums in der Tschechoslowakei unmöglich ge, macht wird, di« einzig und allein darin bestcht, die echte deutsche Kultur, die im Europäer- und Pienschtum wurzelnde deutsche Kultur, in di« Zukunft hinüberzuretten." DaS zitierte Blakt gibt an anderer Stelle dem Befremden darüber Ausdruck, daß daS Orchester der Prager Deutschen Theaters bei diesem Anlaß konzertierte. Die„Deutsche Landpost" hält fest, daß die um Henlein unter Deutschland „aus gewissen Gründen nur da- Deutschland seit 1883 verstehen" und wendet sich, allerdings sehr matt, gegen den Versuch her geistigen Gleichschaltung. Sehr lendenlahm kritisiert die„Deutsche Presse" Henleins Philippika gegen den»Liberalismus". Etwas kräftiger schreibt das christlichsoziale„V o l k": „Koiiräd Henlein ist gleich im ersten Sax seines Vortrages auf den„Wahlsieg des 19. Mzi sozialdemokratischen Vertrauensmänner haben der schweren Lage, in der der Staat sich befindet, Opfer und wieder Opfer gebracht. Sie sind bereit, das auch weiterhin zu tun, aber sie find auch bereit, sich an die SpitzedesKampfes zu st e l l e n, wenn die Versuche, den atmen, hungernden Krisenopfern den letzten, wahrhaftig bescheidenen Lebensnerv abzuschneiden, fortgesetzt werden sollten.' Die verantwortlichen Stellen sollen also den Notschrei der Arbeitslosen aus den Grenzgebieten nicht überhören. Hier sind nicht ausschließlich graue Paragraphen, sondern vor allem soziales Empfinden notwendig. Wer dies bei den Prager Zentralstellen nicht besitzt, der soll hinauskommen in die Provinz und wir werden ihn in die grauen Wohnungen der Arbeitslosen, in denen kein Funken Freyde mehr herrscht, sondern nur der Hunger ständiger Gast ist, führen und er kann sich das Kunststück zeigen lassen, wie die Arbeitermütter eS fettig bringen, mit 20 Xä in einer Woche eine ganze Familie zu füttern. Wenn er dann für die Verzweiflung der Menschen kein Verständnis hat, besitzt er ein Herz von Stein. Hört unseren Mahnruf und helft, ehe es zu spät i st! 1935" zu sprechen gekommen und will daraus„die Verantwortung für sämtliche Lebensbereiche des Sudetendeutschtums" seiner Bewegung auferleg wissen. Das ist ein verhängnisvoller Trugschluß; denn bei den Wahlen 1935 hatten die Wähler keine Ahnung vom kulturellen Pro. gramm der SdP und eS geht darum auch gar nicht an, jetzt im Nachhinein den Wählern dieses Programm einfach aufzuoktroieren. Schor gar nicht wird sich aber die Kunst und Wissenschaft ihre Entwicklung von der Politik her vorschreibe'! lassen, wie es Henlein versucht und wie es z. B. in Deutschland und anderswo geschieht." Das»Prager Tagblatt" schließt seinen dienstägigen Leitartikel also: »Im ganzen jedoch ist der Eindruck der Rede Henleins, die doch als ein Auftuf zur Einigkeit gedacht gewesen ist, ein sehr unerfreulicher. Dse Ideen der Minderheit-Parteien, d;e Grundsätze vertreten, die, wie wir glauben, im Interesse der Gesamtheit nicht entbehrt werden können, werden mit einer Schärfe abgelehnt, wie sie Henlein früher nicht geäußert hat? Die Agitationsmethoden, die aus Nordamerika in Deutschland ei»geführt worden sind, werden nun auch hier mit Energie und mit einer kaum mehr verhüllten Bedenkenlosigkeit auf die Volksmenge losgelassen... Henlein sagt, daß er sich mit dem deutschen Volke kulturell verbunden fühle. Hierin ist er sicherlich in Uebereinstimmung mit ganz Deutschböhmen und Deutschmähren. Ader, während Henlein und die Seinen ihr Herz der herrschenden Partei zugewendet haben, fühlt die Minderheit der Deutschen sich mehr verbunden den Ossietzkis die im Konzentrationslager schmachten, den Thomas Manns, die ins Exil gingen, und all den Millionen Deutschen, die vondeN Berliner Machthabern unterdrückt und mundtot gemacht worden sind. Bei der Verdunkelung und Vernebelung, wie sie gegenwärtig in Deutschland betrieben wird, bei der Unmöglichkeit, eine andere als die befohlene Meinung lautwerden zu lassen, weiß niemand, ob nicht die Anhänger eier freie» Regierung schon heute in Deutschland in der Mehrheit find, ob eS also nicht die Minderheit der Sudetendeutschen ist, die sich mit dem wirk» l'chen deutschen Volk auch in Deutschland gefühlsmäßig einig fühlt." Mer auch die„B o h e pr i a" verknüpft Anerkennung für den Erfolg von Henleins Prager„Premiere" mit sehr ernsten kritischen Erwägungen: »Die neudeutsche Totalitätsidee ist überhaupt keine wahre Weltanschauung, sondern nur dost w e ck Programm eines politischen Machtkampfes im Reiche. Die Totalitätsidee endigt daher an den Grenzen der Vollzugsgewalt d«S Dritten Reiche-. Sie jen- fest- davon, im Deutschtum anderer Staaten, da- an diesem Machtkampf gar nicht beteiligt ist, durch, setzen zu wollen, wäre sinnlos. Doppelt verhängnisvoll wäre eS, diesen Kampf in die Kultursphäre des Gesamtdeutschtums zu tragen. Moralische Ausbürgerungen kann dort niemand verhängen, nur Spal. hingen, Zerstrittenheit, Veruneinigung können die bösen Folgen sein... Die Umkehrung, daß d»i Staat die Kultur bestimmt, wäre für das Sudetendeutschtum vernichtend, sie würo« unS angesichts unseres polistschen Schicksals hie „Sonderkuliur" oder die»Mischkultur", die Henlein mit Recht ablchnt, aufzwingen— oder uns nur noch den Jrredentismus übrig lassen. Wenn der Aktivist Henlein aber beides nicht will, warum stipuliert e: dann unsere Pflicht zur Gemeinschaft oder Gleichschaltung mit einer durchaus nicht gewachsenen, sondern ganz und gar staa^szweckbestimmten, plötzlich und gewaltsam„umgebrochenen" Kultur... eineandern Systems?" Urte H e der tschechischen Presse „Benkov" zieht eine Parallele zwischen den Kommunisten und der SdP(zum erstenmal seit Bestand der Henlein-Partei):„Die Aehnlichkeit in der Taktik und den Mitteln ist auftallend. Henlein kehrte radikalifiert aus München zurück. Er bat das Recht und die Berechrigung gehabt, einen Weg zu einer geistigen Zusammenarbeit zu zeigen. Er hat ihn aber nicht gefunden, weil er ibn nicht gesucht hat. Er benützte einseitige, unvollständige, halbwahre Konfrontationen mit den Tatsachen. Diese Methode weckt Mißtrauen..... Mißtrauen ist am Blatze, wo tendenziös gearbeitet wird und wy Worte die Form und die äußere Form den Geist angibt.... Wenn die einen Politik nach Moskau machen und die anderen an Berlin denken, dann wird die Konzentration aller schöpferischen, Polstischen Kräfte im Staate notwendig." „Erfkk Dl»»»" berichtet, daß die Henlein-Kundk gebung.Gegenstand von Regierungsberatungen im Komitee der polistschen Minister war und daß kein Zweifel daran bestehen kann, daß nach Rückkehr Dr. Hodsas die Regierung darauf noch zurückkommen wird. In einem Kommentar zu der Rede sagt da- Blatt:„Obwohl er(Henlein) nie und nirgends ein Wort vom Hakenkreuz sprach, war seine ganze Rede nur von diesem Geiste getragen.... Das Hakenkreuz soll auch in der Tschechoslowakei aus der deutschen Bevölkerung eine uniform denkende, eigentlich nicht denkende, Masse ohne eigene individuelle Aeußerung nach den Bedürfnissen der pan- aermanisstschen Ansichten des Hakenkreuze- machen. Nichts anderes bedeutet der Vortrag, welchen Henlein Sonntag in Prag vorlas." DaS Matt verweist darauf, daß in der offiziellen Korrespondenz der SdP jener Satz der Henlein-Rede ausgelassen wurde, in welchem dieser Krawalle gegen mißliebige Professoren gutheißt. Blätterstlmmen gegen die Prager Henleln-Rede Copyright by Dr. Manfred Georg, Prag MANNER, FRAUEN Bund Waffen i Romern von Manfred Georg■ „O, sicherlich. Sie bringen mir kein Glück. Ich mag solche Menschen, wie Sic, nicht. Sie machen die Zimmer düster." „Und Sie?" Mardrier hatte sich gesetzt, räkelte sich bequem im Sessel und rauchte. „Ich? Ich verschenke Hoffnungen, ich wecke Pläne, ich bin den Menschen angenehm und sie gehen für mich durchs Feuer." „Durchs Fegefeuer." „Sie schmeicheln mir. Aber unsere Konsultation ist beendet. Es hat mich gefreut, Herr Rittmeister, das nächstemal müssen Sie mit eigener Münze bezahlen. Nicht mit fremder." Schmnann verbeugte sich kurz und ging. Er arbeitete in dieser Nacht an der Aufstellung einds ganzen Netzes von Briefen, Kabeln und Aufträgen, die, wenn Mardrier richtig gesehen hatte, Gabriele stellen mutzten. Es war ein schwieriges System, denn es wutzte ja nicht, ob sie seinen Namen trug, ob sie vielleicht schon geheiratet hatte. Vom Haupttelegraphenamt, auf dem er von 12 Uhr nachts bis 4 Uhr früh blieb und einen solchen Aufruhr verursachte, daß die Beamten wegen der Höhe der Summen, die dieser Mann dort ausgab, den Leiter, einen Ministerialrat, verständigten, begab er sich in sein Hotel zurück. Die Einsamkeit fiel ihn doppelt wfld an. Er hätte letzt gern irgend jemanden da gehabt, um eine Parste Schach zu spielen oder auch nur irgendwelche dummen kleinen Sorgen,, die ein anderer hatte, anzuhören. Er klingelte Billinger an, der sich verschlafen meldete, dann aber freudig darauf los schwatzte. Nach zehn Minuten aber hörte Schumann Billinger ärgerlich:„Au. laß mich doch!" sagen. Und plötzlich war eine wenig freundliche Frauenstimme am Apparat, die ihm empfahl, sich vom Teufel holen zu lassen. Schumann jvarf sich angezogen aufs Bett, erhvb sich, ohne ein Auge zugetan zu haben, um 10 Uhr, rasierte sich, badet« und fuhr zu Makrö- pulos. In Makropulos Zimmer befand sich die Dame in Schwarz und ein ebenso kleiner, aber Wohlgestalteter, älterer Jude, den Makropulos als Direktor Lendvai vorstellte. „Ich würde mit Herrn Schumann gern noch, bevor wir zum Mschlutz kommen, ein paar Worte allein sprechen", wandte er sich zu den beiden und diese entfernten sich ins Nebenzimmer. „Ich meine nämlich den Vertragsabschluß zwischen uns", erläuterte Makropulos und präsentierte Schumann sein Zigarettenetui. „Danke. Ach bin gar nicht gesonnen, einen Vertrag zu machen." „Ich weiß, ich weiß. Sie haben andere Sachen vor. Dringende, private. Vielleicht läßt sich das vereinigen. Sehen Sie, Herr Rittmeister, ich brauche einen Mann wie Sie. Einen Mann, der gesellschaftliches Auftreten, militärische Kenntnisse, Charakter und dazu ein außerordentlich gewandtes kaufmännisches Denken vereinst" „Sie schmeicheln mir, und ich Wei'; nicht zu welchem Zweck." „Um Sie zu gewinnen. Sie können sich denken, datz ich über Sie sehr gut informiert bin. Ach becchsichige auch nicht, Jhntn einen noch so großen Auftrag zu erteilen mit einet noch so hohen Provision, sondern ich will ein Geschäft mit Ihnen machen, indem die Summe Ihres Verdienstes ganz von Ihnen abhängt. Die Chance, die ich Ahnen biete, ist allerdings außergewöhnlich, und nur ich allein kann sie Ihnen geben." „Der bucklige Zwerg rutschte von seinem Sessel und beugte sich über den Schreibtisch. Er ragte wie ein Kind dahinter hervor. „Herr Direktor Lendvai— Sie sehen, ich spiele mit offenen Karten und Namen.--- ist«in Vertrauter von Sir Löon Dunaimis. Sir Lftm hat— wenn wir uns nicht einigen, ist Diskretion wohl selbstverständlich—", Schumann nickte, „hat also im Auftrage seines amerikanischen Konzerns einen Vertrag aogeschlossen auf eine ziffernmäßig nicht limitierte Versorgung Sowjet- ruhlands mit Waffen.". „Soweit ich weiß, sind die Waffenlieferungen im großen und ganzen vergeben. Und zwar durchaus nicht an Sir L tive Beteiligung am 3. Bundesturnfest dem AtuS abzugeben. Wir werden jetzt laufend die Ergebnisse dieser Meldungen, und zwar Vereins-, kreis» und bezirksweise veröffentlichen. Mittwoch, 2ß. Fever 1936 Nr. 18 Spaniens Kabinett beschloß die Freilassung von 30.000 Gefangenen. In der ersten-Sitzung des Kabinetts Azana wurde, eine Amnestie für all-politischen Gefangenen beschlossen. Daraufhin würden fast 30.000 aus der Hast entlasten. Auf unserem ' Bild sieht man die erste Sitzung des Kabinetts Azana. Flandin verteidigt den Sowjetpakt Pari s. Die Aufmerksamkeit der Diplomatenwelt ist auf die Verhandlungen in der französischen Kammer über die Ratifizierung des Beistandspaktes mit Sowjetrußland gerichtet. ■ In der Dienstagsitzung der Kammer verteidigte Außenminister F l a n d i n die These, daß der Pakt eine Hilfeleistung nur für den Fall festsetzt, wenn der Völkerbundpakt und die bisherigen vertraglichen Verpflichtungen der Staaten ihnen Handlungsfreiheit belasten. Der französisch-sow- jetruffische Pakt falle daher in den Rahmen des Völkcrbundpaktes sowie der Locarnoabkommen und stelle keinesfalls eine Verletzung derselben dar. In diesem Sinne habe auch Frankreich auf das Memorandum der deutschen Regierung erwidert. Niemand könne dem französisch-sowjetrussischen Pakt vorwerfen, daß er g e z e n Deutschland abgeschlossen wurde, denn er wurde ja in der Hoffnung vereinbart, daß Deutschland dem System der Organisierung der kollektiven Sicherheit beitreten werde.(Beifall.) Zum Schluffe seiner Rede wiederholte F l a n d i n nochmals, daß der franzö fisch-sow- jrtruffische Beistandspakt n i ch t im Widerspruche mit den Bestimmungen des Locarnoabkommens stehe, und fügte ausdrücklich hinzu, daß Frankreich bereit sei, die Angelegenheit dem Haager Internationalen Gerichtshof vorzulegen, falls Deutschland diese Tatsache bestreiten wolle., Sympathiestreiks in Dfinemark Kopenhagen. Die von den Arbeitgebern beschlossene Aussperrung ist Montag in Kraft getreten. Die Angaben über die Zahl der ausgrsperrten Arbeiter schwanken. Bon den Un- trrnehmern wird sie mit 104.000 angegeben, während sie nach Angaben der Gewerkschaften fast 150.000 betragen soll. Als Gegenmaßnahme der Gewerkschaften soll am Mittwoch ein Sympathie st reik der Transport- und Hafenarbeiter gegenüber den an der Aussperrung beteiligten Unternehmern in Kraft treten. Ottos neuestes Offert Paris.„Petit Journal" veröffentlicht eine Unterredung mit Otto Habsburg, welcher u. a. darlegte, daß„sich Oesterreich nach der Rückkehr der Habsburger s«chn e und die Habsburger allein die Unabhängigkeit Oesterreichs verbürgen könnten". Otto Habsburg erklärte weiters, die Monarchie niüßte eine Bolksmonarchie sein, wobei er sich für eine korporative Form au»« sprach. Der Herrscher werde der„Vater der Freiheit" sein. Der Pollzelagent In der Skupschtlna * Große Krawalle der Opposition Belgrad. In der Skupschtina kam es am Dienstag zu erregten Szenen, als das Protokoll der letzten Sitzung verifiziert werden sollte. Tiefem Protokoll zufolge hatte die Mehrheit den Antrag des Finanzministers auf beschleunigte Vorlage das Budget an das Plenum des Hauses genehmigt, während das Budget bekanntlich vom Finanzausschuß, in dem die Opposition die Mehrheit hatte, in Bausch und Bogen a b gelehnt worden war. Die Opposition behauptete, daß über den Antrag wegen des großen LärnreS überhaupt nicht abze stimmt worden sei, und forderte die entsprechende Aenderung des Protokolls. Während dieser Debatte behauptete plötzlich jemand, daß an dem Tisch der Stenographen ein Polizeiagent sitze. Einige oppositionelle Abgeordnete stürzten sich auf den Mann und zogen ihm aus den Taschen zwei Revolver hervor. Daraufhin erhob sich rin derartiger Entrüstungssturm, daß die Sitzung unterbrochen werden mußte. -Es stellte sich heraus, daß der Vorsitzende für diese Sitzung den Sturm vorausgesehen und sogar tätliche Angriffe auf den Ministerpräsidenten befürchtet und deshalb entsprechende Sicherheitsmaßnahmen getroffen hatte. Nach Wiederaufnahme der Sitzung verließ die Opposition unter Protest den Saal. Vom Kriegsschauplatz London.(Reuter.) Von der ganzen Nordfrönt wird eine lebhafte Tätigkeit der Vorhuten gemeldet. Die italienischen Abteilungen bereiten den Vormarsch auf den AmbaAlagi vor, dessen Eroberung spätestens Donnerstag erwartet wird. Auf abessinischer Seite rüsten sich die Truppen zur Abwehr der italiensschen Offensive im Abschnitt von M a k a l e und in den Abschnitten der nordwestlichen Front bei Alsum. Abessinische Krieger dringen des Nachts in die italienischen Linien ein und bereiten plötzliche lieberfälle auf vorgeschobene italienische Vorhuten während der Nachtzeit vor. Diese Taktik Ivird jetzt von den Abessiniern nach den jüngsten Mißerfolgen bei ihren Massenangriffen auf die Italiener angewendet^...... Zum„Führerproblem** „Tie Psychopathen und Geisteskranken spielen also in der Entwicklung des. Völkerlebens eine außerordentlich wichtige Rolle, die man mit der der Bazillen bildweise vergleichen kann. Ist die geistige Temperatur eines Zeitalters aus- geglichen und. der soziale Organismus gesund» so wimmeln die Abnormen ohnmächtig und wirkungsschwach zwischen der Masse der gesunden Menschen herum. Zeigt sich aber irgendwo ein wlmdcr Punkt, ist die Lust schwül und gespannt, ist etwas faul und morsch, so werden die Bazillen alsbald virulent, angriffsfähig, sie dringen allenthalben durch und bringen die ganze gesunde Volksmasse in Entzündung Und Gärung. Es: ist also nur ein kleine- Stück der Wghrheü, wenn man sagt: dieser oder jener Fanatiker oder radikale Schwärmer oder prophetische Idealist hat eine Revolution entzündet. Die großartigen Fanatiker, die Propheten und die Schwärmer, wie die kleinen Schwindler und die Verbrecher sind immer da und die Lust ist voll von ihnen; aber nur, wenn der Geist eines Zeitalters sich erhitzt, vermögen sie Krieg, Revolution und geistige Massenbewegungen zu erzeugen. Die Psychopathen find immer da. Aber in den. kühlen Zeiten begutachten wir sie, und in den h eißen—-b e h er r s ch e n sie u n s." (Ernst.Kretschmer, Professor für Psychiatrie und Neurologie in Marburg:»Geniale Menschen", Ber lin, Julius Springer, 1929. S. 20.) Wieder ein Opfer eines besoffenen Chauf- feurS. Am Samstag abends fand in Vrahöbice bei Proßnitz in einer Restauration ein Ball statt. In der Kapelle, die auf dem Ball spielte, spielte auch das 29 Jahre alte Mitglied der Musikkapelle der jugoslawischen königlichen Garde in Belgrac, Emil. Svoboda, mit, der in Proßnitz bei feinen Eltern zu Besuch weilte, Sonntag früh um Halo 6 Uhr kehrte Svoboda auf dem Rade aus Vraho- vice nach Proßnitz zurück./ Bei der Aktienbraue.ei holte ihn ein Automobil, ein, das in, voller Fahr' von rückwärts auf Svoboda, auffahr.' Der Musiker, blieb,auf der Stelle tot, liegen, das Rad würde zertrümmert,, das Auw drehte sich um leine eigene Achse und blieb dann auf der Straße stehen.. Der Chauffeur'und die zwei im Auto sitzenden Männer brachten den toten Miobpda ins Krankenhaus, wo am Montag nachmittags die gerichtliche Obduktion vorgenommen wurde. Die Gendarmerie stellte bei der Untersuchung des Unfalles fest, daß der Chauffeur des Automobils, der das Unglück verschuldete, etwas angetrunken war. Der. bei dem Konfektionär Kukera in Proßnitz angestellte Chauffeur Chalupnik hatte ohne Wissen seines Arbeitgebers mit dessen Auto Teilnehmer zum Ball gefahren und.sie am Morgen.im Auto wieder zurückgefahren. In dem verhängnisvollen Augenblick befanden sich im Auto, sieben Personen, und als der Chauffeur vor sich.den Radfahrer sah, bremste ec heftig. Der Wagen geriet aber in heftiges Schlm- dern. Der Chauffeur konnte ihn nicht wieder ins Gleichgewicht bringen, da ihn die sieben Insassen des. überlasteten Autos an der steien Bewegung hinderten.- Die.Frau des getöwten Svoboda befindet sich mit zwei unmündigen Kindern in Split in Jugoslawien und weiß noch nichts von dem tragischen Tod ihres Mannes.. Der Chauffeur Chalupnik wurde, von. der Gendarmerie verhaftet. Falscher Alarm fordert drei Todesopfer. Di- Militärflugstation in Ringssted auf' Seeland (Dänemark) wurde Montag abends von Bewohnern eines Dorfes der Umgebung darauf aufmerksam gemacht, daß anscheinend von einem Flugzeug hcrrührendes Motorengeräusch beobachtet worden sei. Wie es sich später herausstellte, war das vermeintliche Motörengeräusch in Wirklichkeit nur das Sausen des Windes in den- Telephondrähten gewesen. Ein Militärflugzeug stieg auf, um angesichts des unsichtigen Wetters dem vermeintlichen Flieger hei der Landung behilflich zu sein. Die Maschine stützte aber bei einem Landungsversuch selbst ab und wurde vollständig zertrümmert. Didrei Insassen wurden herausgeschleudert und tödlich verletzt auf dem Felde liegend aufgefunden. Alle drei starben auf dem Wege in Hospital. .Die Jungbunzlaurr Morde sind jetzt, so weit aufgeklärt, daß das Material für die Anklage gegen Cernh zusammengestellt werden kann. Eiste unmittelbare Folge des Geständnisses ist. die Freilassung des seit einigen Wochen in Haft ge- haltenen Kaufmanns Wolf, der' nckch der Ermordung der Flodermann der Tat verdächtigt worden war. Hölle iSächsenburgb?^F. W>'DaS-Kon- trationslager Sachsenburg in der Nähe von Chemnitz, das früher als verhältnismäßig„human" (im.Vergleich zu Hohenstein und anderen Folterhöllen!) galt, hat in der letzten Zeit durch die Ermordung des früheren Redakteurs der Dresdner Volkszeitung Dr. Max Sachs und durch einige andere Morde einen besonders schlimmen Ruf bekommen. Jetzt gelangen neue entsetzliche Nachrichten aus Sachsenburg zu uns. Für die geringsten Vergehen gegen die Lügerördnung, deren Einhaltung einfach menschenunmöglich ist, erfolgen Auspeitschungen im Hof vc-r den versammelten 1200 Gefangenen! Dir Exekution wird auf einem eigens dafür hergerichteten Gestell vollzogen, auf das die Gefangenen geschnallt werden! Während die SS die Auspeitschungen Vornimmt, müssen die Gefangenen„fröhlichen Gesang" üben, damit man die Schreie der Gefangenen nicht hört! Ein Gefangener aus Löbau, der nach der Verbüßung seiner Strafzeit ins Konzentrationslager Sachsenburg gebracht wurde, namens Dorn, wurde kürzlich aus dem 2. Stock in den Hof gestürzt, so daß er tot liegen blieb. Weiter wurde ein unzuverlässiger SS-Mann beim, Gewehrreinigen „Unvorsichtigerweise" erschossen. Die alten Methoden der Morde und Fememorde werden also unverändert praktiziert. Das Lager ist immer überfüllt. Wenn schon wirklich einmal einige entlassen werden, kommen bestimmt am nächsten Tag neue Transporte. Natürlich weiß niemand, wielange er in dieser Hölle bleiben muß und ob er je' lebendig herauskommen wird. Biele sitzen hier nach ihrer Strafhaft, nach deren Verbüßung sie freizukommen hofften. Und Sachsenburg ist nur ein Lager-von vielen... 2000 polnische Bergarbeiter im Hungerstreik. 2000 Bergarbeiter der Kohlengruben„Kasimir" und„Julius" bei, Sosnovice haben vor acht Tagen einen Hungerstreik begonnen. Die streikenden Bergarbeiter sind bereits feit einer Woche in den. Gruben. und. wollen diesechen trotz der Vorstellungen der Bergarbeiterorganisationen nicht verlassen. Wie gemeldet, brach der Streik auf diesen beiden Gruben wegen der von den Direktionen äuge ordneten zehnprüzentigen Lohnherabsetzung aus. Unter dxn hungernden Bergarbeitern kommen täglisch schwere E r k r a n k u n- g e n i n f öl g e Er f ch öpfung' vor. Vor. den Schachteingängen sammeln sich die Frauen und Kinder der Streikenden an, welche um das Schicksal, ihrer Ernährer besorgt sind. Die'streikenden Bergarbeiter.weigern sich, von ihren Familienmitgliedern Nahrungsmittel in Empfang zu nehmen. AutobuS verbrannt. Aus■ bisher ungeklärten Gründen geriet auf der Straße zwischen Buenos Aires und La Plata ein kleiner Kraftomnibus in em Straßenloch, schlug umund ging in Flammen auf. Sechs darin sitzende Personen fanden tobet den Feuertod. Merkwürdiges Verbot. Ter französische Kabinettsrat hat über Ersuchen des Außenministeriums beschlossen, den Verkauf des französischen Films„La Garconnc"(Tie Junggesellin) ins Ausland zu untersagen. Ter Film wurde an Hand des bekannten Romans„La Garconne" von Victor Margueri.» gedreht. -Die Industriestadt Stratford(England) mir ihren 300.000 Einwohnern ist seit Montag abends ohne elektrischen Stroin. Tas Elektrizitätswerk der Stadt wurde durch eine große Explosion außer Be- trieb gesetzt. Die ganze Stadt war in völlige Tur.- kelheit gehüllt. Alle Lichter erloschen. Die Straßenbahnen blieben stehen und die Geschäfte mußten eiligst geräumt werden. Tie Theater und Lichtspielhäuser brachen ihre Vorstellungen ab. Bis Dienstag morgens war es noch nicht gelungen, die Strom- versorgung wiederherzustellen, da ein Teil des Elektrizitätswerkes ausgebrannt ist. Bier Jahre künstliches Atmen. Vor einigen Tagen verstarb in London ein gewisser Crosby Al- laghan, der vier Jahre lang künstlich geatmet hat. 1931 bekam er plötzlich Atembeschwerden, die dadurch verursacht wurden, daß sich der Brustkorb nicht genügend hob und senkte. Ter berühmte Londoner Spezialist Sir William Bragg erfand einen besonderen Apparat, um die Atmung, künstlich zu bewerkstelligen. Es handelt sich um zwei Gummiballons, von denen der eine durch einen Motor voll- und leergepumpt wurde. Dieser Mowr mußt« ständig in Tätigkeit sein, denn auch nur wenige Minuten Stillstand hätten den sicheren Tod des Patienten herbeigeführt. Menschliche Justiz. Anfang Jänner tötete ln London eine junge Frau in einem Anfall von geistiger Verwirrung ihr 17 Monate altes Kind. Als ihr die Tat zum Bewußtsein kam, versuchte sie sich zu vergiften, wurde aber in der Klinik gerettet. Bereits am 10. Jänner wurde sie vor Gericht gestellt, das aber eine psychiatrische Untersuchung anördnete. Am 6. Feber fand die Verhandlung statt, und die Frau, trotzdem das Gutachten für sie günstig lautete, schuldig befunden und zum Tode verurteilt. Aber bereits am nächsten Tage wurde von den Geschworenen selbst das Gnadengesuch eingereicht, das am 8. Feber von Sir John Simon, dem Innenminister, genehmigt wurde. Die Frau wurde noch am gleichen Tage sn Freiheit gesetzt. ... ändert fich's Wetter,»der bleibt's wie's ist. Aus Skandinavien dringt gegen Mitteleuropa langsam etwas kühlere Lust vor; in Deutschland schnerj es vielfach bei Temperaturen nahe Rull. Eine durch« greifende Besserung deS Wetters kann vorderhand noch nicht erwartet werden.—Wahrschetn- licheSWetterMittwoch: Unbeständig, ziemlich bewölkt, hie und da noch leichte Niederschläge, ini allgemeinen etwas kühler, mäßiger Nordost- bis Nordwind.— Wetteraussichten für D o n- >n er Stag: Wetterlage noch immer nicht stabil. Vom Rundfunk iMpMitaNwartu aus«Mm ProoramaMNl Donnerstag: Prag, Sender L: 10.08^Deutsche Presse, 11: Schallplatten, 12.10: Operettenlieder, 13.40: Slowakische Volkslieder, 15: Klavierkonzert, 47.15: Violoncellokonzert, 17.45: Deutsche Sendung: Schwarz: Der Weichensteller, Hörspiel 18.45: Deutsche Presse, 19.15: Englisch-Kurs, 19.50: Populäres Musikalisches Programm, 20.55: Orchesterkonzert. Sender S: 7.30: Unterhaltungsmusik, 14.15: Deutsche Sendung: Richi: Maßnahmen zum Schutze des Gewerbes, 19.10: hawaische Lieder.— Brünn 18.30: Deutscher Arbeitsmarktbericht, 17.40: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Fritz Perlsee: Heinrich Heine und sozialistische Poesie.— Mährisch-Ostrau 16.10: Orchesterkonzert, 18.10: Deutsche Sendung: Unger: wie Ratschläge auS Modeblättern zu verwenden sind,— Klavierkonzert.— Preßburg 20.15: Liederkonzert. Jetzt müssen Sie unbedingt Ihre Blumen mn Blumen-Zauberdung begießen, wenn sie schön blühen sollen 1 Paket K<5 5 60 durch die Verwaltung „Frauenwelt“, Prag XII., Fochova tf. 62, 1 und bei allen Kolporteuren erhältlich Nr. 48 Mittwoch, 26. Feber 193« Seite 5 Fünf Unschuldige erschossen. Auf das neugewählte Mitglied des Gouvernementsrates von Ceylon, Aluwihare, wurde Montag ein Anschlag verübt. Aluwihare wurde verwundet, fünf Personen, die in der Nähe standen, wurden getötet. Mehrere Personen wurden verhaftet. A«S den Memoiren eines Jmpressario. Harold Holt, einer der bekanntesten englischen Jmpresiarios, hat soeben seine Memoiren veröffentlicht. Das Buch ist boll von ungewöhnlich amüsanten Erzählungen über den Charakter und die Eigentümlichkeiten der berühmtesten Künstler.. So war Caruso zum Beispiel nur sehr schwer zufriedenzustellen. Einmal schlug ihm Holt eine Konzerttournee für 10 Abende vor. Caruso sollte für jeden Abend 1000 Pfund erhalten. Der Künstler telegraphierte kurz, man möge ihn mit solchen Lappalien in Ruhe lassen. Ganz anders war Paderewski. Holt organisierte eine Tournee des berühmten polnischen Pianisten im Jahre 1931. Es war die schlimmste Zeit der Wirffchaftskrise, die Konzerte endeten mit einem Defizit. Paderewski erkundigte sich ohne Wissen von Holt über die Höhe des Verlustes und ersetzte dem Jmpressario diese Summe. Hunde im Dienste der Bergsteiger. Welche außerordentlichen Dienste bei Rettung von verunglückten Bergsteigern Hunde zu leisten vermögen, ist allgemein durch die berühmten Bernhardiner- Hunde bekannt. Man ist in dieser Wintersaison in Norwegen zum ersten Male dazu übergegangen, alle Rettungsstationen mit Hunden auszurüsten, die«ine besondere Schulung durchgemacht haben. Dieses System hat sich außerordentlich bewährt. Hunde kommen für Bergsteiger auch als Lastträger in Frage; sie tragen 80 bis 85 Kilogramm leicht bis auf 2000 Meter Höhe. üuskanci National« Bewegung auch in Tunis Tunis.(Stefani.) Das kürzlich erlassene Dekret, daS für tunesische Bürger, welche sich um einen Pcsten im Verwaltungsdienst bewerben, die Kenntnis der französischen Sprache vorschreibt, hat unter den mohammedanischen Studenten eine starke Gärung hervorgerufen.. In der großen Moschee in Tunis kam es zu einem Ausbruch der Unzufriedenheit und vor der Moschee zu einem Zusammenstoß mit der Polizei, wobei ein Polizist verletzt und 33 Studenten verhaftet wurden. Montag früh find neue Unruhen ausgebrochen, bei denen die Studenten stürmisch den Widerruf des Dekrets verklagten. Die französischen Behörden haben strenge Maßnahmen getroffen und eine Reihe von Studenten in ihre Heimatsgemeinden gebracht. Auch in den militarisierten Zonen des südlichen Tunis wurden 15 Studenten, darunter 14 Natiprmlsozialisten und ein Kommunist, konfiniert. Die Behörden haben den Ausschluß der an den Unruhen beteiligten Studenten von dec mohammedanischen Universität in Tunis angekündigt. In den Eingeborenenvierteln wurden zahlreiche Militärwächen aufgestellt. Ter Wiederaufbau der sowjetrnsssfchm Kriegsmarine. Tie Moskauer„Prawda"(16. Feber) berichtet in einem Leitartikel über die Anstrengungen der Regierung und der kommunistischen Partei, die auf die Wiederherstellung der Kriegsmarine gerichtet sind. Man wisse sehr gut, was für eine Bedeutung die Kriegsmarine für die Verteidigung der.».Sowjetunion habe. Man werde keine Opfrr scheuem.. Für dieLSowjetmqrine beginne eine n e u e A e r a^fie befinde' sich in der Phase des Wiederaufbaues., Tje mächtige^Söwjetindustrie könne der Marine alles gellen, damit unsere Geschwader, unsere ls-Boot-Flotillen und Seefestüngen der"gewaltigen s o z i a l i st i s ch e n® t o ß m a ch t w ü r d i g seien; Jeher Kilometer, de^ tzowjetufer^ müsse für jeden Feind, woher er auch kommen möge. unangreifbäc sein.,. Aber das Land.gebe, der Mprine nicht bloß! eine mächtige Technik, es gewahre der Sowjetflotie das kostbarste Gut: O f f i z i,e r s-u n d Matro> sen kad ers,'d i e'ihr Baterlland unendlich lieben.- Karl Radek zur Ratifikation deS russisch-französischen Paktes. In der„JSVjrstija" meint Karl Radek" zu den Debatten über den ruffisch-sranzösi- schen Pakt in der Pariser Abgeordnetenkammer „Wir haben genug Vertrauen zu dem gesunden Menschenverstand der französischen Bauern... Wir zweifeln nicht daran, haß die übergroße Mehrheit, der Franzosen, das wirkliche Volk von Frankreich, das tatsächlich den Frieden will, sich sagen wird: Wer den Frieden will,'der'muß' ihn organisierest, der muß a l-le ij ene S t a-a t en v er.e ins- g ed i e a n d e>rj E r h tJi'ui g'-d eH Friedens interessiert sind.** ES sei völlig sinnlos zü behaupten; daß der deutsche Imperialismus unbedingt" mit einem Kriege gegen llSZR beginnen müsse. Ebenso güt könne er mit einem Schlage" gegen"die T ch e ch yf l.öw a k e i beginnen., Öder er könne/gegen den Westes änsho- len. Objekte der.deutschen Expansion liegen im Südosten Deutschlands und in den überseeischen Kolonien^,». Deutschland werde, kaum einen langdauernden und erschöpfenden Feldzug gegen Osten wagen, während es ein wohlgerüstetes Frankreich.in seinem Rücken" läßt"Die baldige Ratifizierung- des franko-russischen Paktes sei bloß ein Anfang.'Da» nach müssen andere, ernste Maßnahmen an verschiedenen Fronten folgen. Es ist noch nicht zu spät, F r a n k r e i dj k a.n,n sich ,je doch nicht den Luxus, l-eisten, noch, ein Jahr zu v e r l i e t e n.".■■■.<:. IMziürtechaft und Somlpolttife Vierzig Millionen Kronen mehr Dividende! Divldendenaussdittituiiilen gegenüber 1934 um 34 Prozent höher —K. Das kapitalistische Wirtschaftssystem verteilt die Lasten seiner schweren Krise auf di« einzelnen Bevölkerungsklassen sehr ungleichmäßig. Für Hunderttausende jahrelang Arbeitslose wächst die Not bis auf den heutigen Tag noch immer an und die Sorgen um das nackte Leben der Familie zermürben diese Opfer. Während sie ihr Leiden stumm tragen und die Sozialdemokratie die äußersten Anstrengungen macht, ihre unerträgliche Lage zu verbessern, klagen gewisse kapitalistische Streife mit erheblicher Lautstärke über ihre Not und fordern für sich die vordringlichste Hilfe des Staates. Daß es notwendig ist, diesem Hilfegeschrei gegenüber kritisch zu bleiben, dazu fordern nicht allein die in den letzten zwei Jahren außerordentlich hohen Gewinne der Großlandwirtschaft heraus, sondern auch die Entwicklung, die der Unternehmerprofit in den anderen Teilen der Wirtschaft genommen hat. Leider entzieht sich der Profit einer genauen Nachrechnung. Nur in völlig ungenügender Weise geben die Rohgewinne und die ausgewiesenen Dividenden einige Anhaltspunkte. Doch muß bei der Beurteilung:, der von den Aktiengesellschaften ausgeschütteten Dividenden berücksichtigt werden, daß sie eben nur ein Teil, oft nur der kleinere Teil des tatsächlichen durch die Tätigkeit der Arbeiter erzielte» Gewinnes sind. Gerade in den Krisenjahren vermeiden es größere Unternehmungen, durch allzu hohe Dividendenzahlungen zu lehrreichen sozialen Betrachtungen anzureizen. Sie ziehen es vor, beträchtliche Telle des Gewinnes abzuschreiben oder den diversen Reserve- bezw- Stabilisierungs- oder anderen Fonds zu überweisen. Das geschieht in der Tschechoslowakischen Republik ebenso wie in jedem anderen Staate. Und das gilt selbstverständlich auch für die Unternehmen, für die die Dividendenzahlungen in der nachstehenden Tabelle.zusammengestellt sind. Diese Uebersicht, die sich auf die Aktiengesellschaften beschränkt, deren Aktien an der Prager Börse notiert werden, bezieht sich für das Jahr 1834 auf 91, für 1935 auf 94 Aktiengesellschaften und ist dem Bulletin der Rationalbank entnommen. Das Aktienkapital dieser Gesellschaften betrug 1934 3716 Millionen Kronen, 1935 3856 Millionen Kronen. Es hat sich also um 140 Millionen Kronen oder um 3.7 Prozent erhöht. Die Gesamtsumme der ausgezahlten Dividenden betrug bei den erfaßten Aktiengesellschaften der nachstehenden Unternehmungszweige für das vergangene Geschäftsjahr: 1934 1935 in Millionen Xö Geldinstitute.,, 0 43.5 45.9 Transportgesellschaften • • 1.9 1.9 Zuckerfabriken.. • 12.1 12.5 Chemische Industrie. • 17.1 23.5 Lebensmittelindustrie ■ 0 3.8 2.7 Brauereien... ■ 3.2 3.6 Bauindustrie....... ■ k 8.8 5.3 Maschinenfabriken'. ■ 0 4.9 26,1 Textilindustrie-. ,r;: 0 ■ 1.5- 2:7- Kohle....>. • to 15.7 21.1 Metallindustrie.. • 3.7 17.8 Diverse Unternehmungen • 8.2 3.0 Insgesamt:... 117.4 166.1 Daraus ist zu entnehmen, daß die im Jahre 1935 ansgezahlte Gesamtsumme an Dividenden um etwa 40 Millionen Kronen oder um 34 Prozent gegenüber dem Borjahr gestiegen ist. In einem Jahre, in dem die Arbeiterschaft noch unter den schlimmsten Krisenwirkungen zu leiden hatte, hat demnach die Dividendenzahlung für die Das Land der FledermSuse „Wenn mir keine Gelegenheit gegeben wird, nut dem Vorsitzenden des speziellen Gerichtes für Verteidigung des Staates selbst zu sprechen," sagte ich langsam, jedes Wort in die Länge ziehend,„werde ich gezwungen- sein,' daraus zu schließen, daß die Lage ii^. Ihrem, Lande noch viel schlimmer ist,. als im Auslände angenommen wird". Mit diesen Worten wandte sich der amerikanische Joürnalist John Spivak an den italieni- schen Professor Lama, den Leiter der auswärti- gen Presseabteilung der faschistischen Partei. Auf seiner Reife in Italien hatte Spivak bemerkt, daß, sobald das Gespräch die innere Lage und das Verhältnis der Bevölkerung zu den herrschenden Le- bcnsbedingungen und zum herrschenden Regime berührte, die Italiener" äußerste Erschrockenheit und Angst zeigten. Sie wechselten schnell das Thema und bei der ersten Gelegenheit verließen sic den Neugierigen, der so»gefährliche" Fragen zu stellen wagte. „Ueberall sind Spitzel, Fledermäuse, wie sie hier genannt werden",— erklärten mir die Mutigsten, aber auch sie beugten sich so über mein Ohr, daß sie es beinahe berührten. Allein in Rom zweitausend Spitzel, die jedes kritisierende Wort dem speziellen Gericht melden... Dieses Gericht genießt einen furchtbaren Ruf. Die Nennung seines Namens macht die Leute blaß. Selbst das angesehene Mitglied des faschistischen Justizamtes, Giuseppe LampiS, und selbst der Professor Lama hatten sich geweigert, über das Gericht zu sprechen, und empfahlen mir, »»«ine Aufmerksamkeit auf andere Details des italienischen Lebens zu lenken, etwas anderes zu studieren. Der tückische Journalist gab aber nicht nach und erreichte, was er wolltet Die Begeg- nimg fand statt.. „Im großen Gebäude des speziellen Gerichtes, dessen Fassade ans den Tiber geht. Lange, kaum beleuchtete Korridore. Ueberall stehen Soldaten Wache. Beängstigende Stille, selbst die Schritte der in den dicken Teppichen versinkenden Sttefeln hört man nicht. Nach den dunklen Korridoren plötzlich ein großer grell beleuchteter Empfangsraum. Auch hier Soldaten mit Gewehren. Eine Tür führt in ein anderes Zimmer: Neuer Posten— Vier Soldaten wie aus Marmor. Kaum traten wir über die Schwelle dieses Zimmers, als die Tür hinter uns mit einem Metallklang zuklappte. Schwere Vorhänge gingen plötzlich hinter uns herab. Im Zimmer kein Mensch. Grabesstille. Mein Dolmeffch wollte erwaL sagen, die Worte blieben ihm in der Kehle stecken. Er sah so gequält und erschrocken aus, daß ich bedauerte, die amerikanische Gesandffchaft von meinem Besuche in diesem Hause nicht unterrichtet zu haben. Tausende von Menschen» die hinter den Mauern dieses Gebäudes verschwunden waren, sah ich vor meinen Augen. Der Dolmetsch versuchte immer noch mir leise etwas zu sagen. —„Hören Sie doch auf zu flüstern!"— sagte ich extra sehr laut zu ihm,„in diesem Hause gibt es mehr Mikrophone, als Gitter im Gefängnis". In diesem Augenblick öffnete sich irgendeine Tür, ein Militär trat ein und verkündete salutte- rend:„Der Herr Vorsitzende!" Hinter ihm kam der Leiter des speziellen Gerichtes für Verteidigung des Staates, seine Exzellenz General-Leutnant und Rechtsanwalt Stringali-Casänova. Wir setzten uns. DaS Gespräch begann.„Bor allem, was ist das Spezielle Gericht und wie funktioniert eS?" Die strengen dichten Augenlider des Vorsitzenden hoben sich schnell und dann sentten sie sich. Er wandte sich zum Dolmetsch:„Es wird besser sein, wenn Sie mir Ihre Fragen schriftlich aufftellen werden. Ich toerde sie durchsehen und morgen können wir sprechen."„Das ist nicht schlecht", erwiderte ich,„ich befürchte aber keine Antwort zu bekommen." Sttiygalr-Casanova unterdrückte ein Lächeln und zuckte mit den Achseln.„Ich möchte früher von den Fragen Kenntnis nehmen", wiederholte er leise, aber fest. Mit derselben Hartnäckigkeit I fuhr ich aber fort an ihn Fragen zu stellen. Eine Stunde lang übersetzte sie ihm der Dolmetsch. Der Zorn des Vorsitzenden wuchs mit jedem Augenblick. Seine Augenlider zogen sich immer mehr zusammen und auf der Stirn erschienen verdächtige Falten— Zeichen des sich nahenden Sturmes. Als die Frage gestellt wurde, inwieweit die im Auslande verbreiteten Angaben über Verhaftungen von Arbeitern, die in den Gewerkschaftsversammlungen gegen die Lohnkürzungen auftraten, sttmmten, preßte der Vorsitzende die Lippen zusammen und verneinend schüttelte er den Kopf. „Stimmt es nicht?"„Nein!", bestätigte er mit großem Nachdruck.„Es stimmt nicht, genau wie der Bericht über die Arbeiter in den Kaltanisete- ner Schwefelgruben, dse wegen des Proteststreikes gegen den abessinischen Krieg verhaftet wurden?". Wieder erschienen die drohenden Falten. Der Dolmeffch bewegte sich unruhig in seinem Sessel. „Streik? In Italien gibt es keinen Streik I" „Ihre Gefängnisse find aber überfüllt..." Seine Augen starrten mich an. Plötzlich drehte er sich zum Dolmeffch und fragte ihn- etwas. Der Dolmetsch wandte sich zu mir:„Seine Exzellenz möchte wissen, woher Ihnen das bekannt ist?"„Von den Emigranten» die mit der unterirdischen Bewegung in Italien eng verbunden sind".„Wer sind die?" drängte der Vorsitzende. Jetzt war ich an der Reihe, dem Herrn Vorsitzenden zuzulächeln. Er fragte mich durch den Dolmeffch weiter aus:„Seine Exzellenz möchte wissen, was Ihnen noch bekannt ist?"„Mir ist bekannt, daß das spezielle römische Gericht über 2000 Menschen zu längeren Gefängnisstrafen verurteilt hatte, daß die Gerichte in der Provinz andere Taufende in Gefängnisse gesteckt haben..." „Ich muß Ihre Fragen früher studieren, bevor ich sie beantworte."„Bedeutet dies, daß mein« Fragen ohne Antwort bleiben werden?"„In Rallen gab es keinen Streik," wiederholte drängend der Vorsitzende. Er sah mich durchdringend mit seinen kalten Augen an. Ich setzte fort:„Seil ! 1926, als das Gesetz über den Streikverbot verbot verkündet wurde, und bis 1934 fanden in Engländerin siegte im FIS-Rennen Bei den Fis-Rennen in Innsbruck siegte die Engländerin EvelynPinching in der Kombination Torlauf und Abfahrt. Aktionäre eine recht günstige Entwicklung genommen. Nur in der Lebensmittel- und in der Bauindustrie, die aber 1933 noch gute Dividenden zahlte, ist eine Herabsetzung zu verzeichnen, bei den Aktiengesellschaften aller übrigen Un- ternrhmungszweige ist eine ganz beträchtliche Dividendenerhöhnng eingetreten. Am stärfften ist die Steigerung bei den Maschinenfabriken und den Aktiengesellschaften der Metall- und der chemischen Industrie. Im Verhältnis zum Akttenkapital ist die Dividende am höchsten bei den Transportgesellschaften mit 7.64 Prozent und in der ch e m i s ch e n Industrie mit 9.55 Prozent. Wenn die Zuckerfabriken nicht durch Aufstempelung der Aktten ihr Akttenkapital erhöht hätten, würde auch bei ihnen für das vergangene Geschäftsjahr die Durchschnittsdividende weit über sieben Prozent liegen. Da die Kurssteigerung in den Aktienpapieren an der Prager Börse mit leichten Unterbrechungen weiter anhält, so hoffen die Aktionär«,«nd sonstigen Kapitalbesitzer für 1935 und für daS kaufend« Jahr auf wetttte wesentliche Dividendtnerhöhungen. Es wird Wohl niemand bestreiten, daß derarffge Dividendensteigerungen angesichts der Krise und des Elends, das sie verbreitet, als aufreizend bezeichnet werden müssen. Auf keinen Fall kann das Unternehmertum aus dieser Entwicklung die Forderung nach weiterem Lohnabbau ableiten, wie das hier und da noch immer geschieht. Diese Dividendenentwicklung rechtferttgt auch nicht den Widerstand, der den gewerkschaftlichen Bestrebungen nach Hebung des Lebensstandards der Arbeiter und Angestellten durch Lohnerhöhungen entgegengesetzt wird. Italien 153 Streiks und zwei Lockouts statt. Seit 1934 werden die Nachrichten über Streiks und Bauernaufstände, wie z. B. den jüngst in Kalabrien, mit größerem Eifer als die wichtigsten Staatsgeheimnisse verborgen."„Sie irren sich", behauptete der Vorsitzende,„es gab keinen Streik." Ich zog auS der Tasche ein Stück Papier und las: „1926 fanden sechs Streiks, 1927 neun, 1928: 24 Streiks und ein Lockout, 1929: 29 Streiks und ein Lockout, 1930: 39 Streiks, 1931: 30 Streiks, 1932: neun und 1933 sieben Streiks. Diese Streiks fanden in der Industrie und in der Landwirtschaft statt.„Wo haben Sie diese Zahlen bekommen?"— fragte der Vorsitzende, dessen Gesicht rot vor Wut wurde.„Dies sind die offiziellen Angaben der Jndustriekonfö- deration, des Verbandes aller italienischen Industriellen, wie Seiner Exzellenz bekannt ist,.." „Wer gab sie Ihnen?" Der Vorsitzende warf seine Frage mit einer Geschwindigkeit eines Maschinengewehrs hin.„Pirelli, der bedeutende Fabrikant und Vizepräsident der Konföderation, schickte mich zum Haupfftatistiker der Konföderation." Ich zeigte dem Vorsitzenden das Verzeichnis, das auf dem Briefpapier der Jndustriekonfödera- tion abgedruckt war. Aufmerksam studierte er das Dokument. Die Kiefermuskeln preßten sich zitternd.„KaNnftch diesen Auszug für mich behalten?" fragte er.„Selbstverständlich. Ich habe einen anderen— und das dritte Exemplar ist vor einer Woche von mir nach Amerika abgeschickt worden— für den Fall, daß ich dieses verlieren sollte." „Ich muß Ihre Fragen früher studieren," sagte er höflich,„ich müß es vorher mir überlegen." Es war unnütz, weiter auf Antwort zu bestehen. Erst auf der Straße kam der Dolmetsch wieder zu sich und traurig sagte er:„Jemand wird daran seinen Kopf verlieren!" Deutsch von I. U l e S, Srik 0 .Sozialdemokrat' Mittwoch, 26. Feber 1936. Nr. 48 PROPAGANDA-PREIS ZAHNSEIFE Kunst und Wissen. IBBS (Lus der Sartei Tkrünsnachächttn G Sport-Spüt-Xwperpffege veraroenet, wesyaw oas roua> zreuenwene uoer eine«.«wiu uh Reportage nicht hinauskommt. Alle Zuneigimg der I Politischen Staatsleben der Redakteur Dr. H. Ripka. IN FARBIGER BAKELIT-DOSE MIT EINEM WEITEREN ERSATZSTOCK! BIS ZUM S1. M IRZ BEFRISTET JdiuUd h fceiutde. Doonerstag 8 Uhr im Parteiheim Aus« schußsitzung. Derselbe Verlag wird«in Album„Benes im BiD" nach dem Muster des Werkes.Masaryk im Bild" herausgeben. Außerdem wird eine mehrbändige Auswahl aus Benes' Werk in deutscher und slowakischer Sprache vorbereitet. Zeitschrift für Sozialismus. TaS Feber-Heft der wissenschaftlichen Monatsschrift der reichsdeutschen Sozialdemokratie enthält folgende Arbeiten: Karl Henrichsen, Bürgerliche Opposition? A. Ju- gow. Die StachanovÄewegung, Pierre Ponce, Der totale Krieg, Fritz Allen, Die Jakobiner- Legende, Bücherschau. Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder durch die Berlagsanstalt Graphia, Karlsbad: Preis des Heftes 4 KL. Wirtschaftsliteratur Die Aufsätze, welch« der Gouverneur der Nationalbank Dr. Karel EN gl is seinerzeit in den »LidovL Rovinn" über die Fragen der Planwirtschaft geschrieben hat, liegen nun in Buchform in deutscher Sprache vor.(Dr. Karel Englis: Reguliert« Wirtschaft 1986, Orbis-Verlag A.-G., Prag). Sie stellen eine sehr scharfsinnige, theoretische Untersuchung der Beziehungen zwischen Staat und Wirtschaft dar. Englii lehnt eine verstaatlichte Wirtschaft ebenso wie eine vergesellschaftete ab, verlangt aber private Syndikate mit staatlicher Beteiligung. In demselben" Verlag ist— in tschechischer Sprache— ein Buch des WirtschastSredakteurs der .Rärodni Lisch" Dr. Vladimir Klimeckh erschienen(.Strukturälni zmeny v bospodätftvi svii- tovfin a Leskoslovensttm"), das«in außerordentliches statistische- Material über die WirtschaftSentwicklung der letzten Jahre zusammenträgt und ein« Analyse insbesondere der tschechoslowakischen landwirtschaftlichen und industriellen Entwicklung darstellt, st. nur knappe Rollen gegeben. Nur die junge Jean Parker ist eine Ausnahme, deren sympathische Schönheit sich neben der Anmut springender Hirsche und schleichender Wildkatzen auch allenfalls wenn es sein muß, behaupten kann. Eine schauspielerische Leistung zeigt sie nicht. Aber man ist ihr angesichts dieses Naturfilms dankbar dafür.—eis—- Mittwoch, den 26. Feber, 8 Uhr, Gruppenabend der Grupp«. H o l l e s ch o w i tz— Kame- nickä— Burger über Theater und Film.— Grupp« Weinberge im Odborovh düm. Na PerschnL— gemeinsamer Abend mit den Genossen der MDD. Lieder, Rezitationen, Film. Nachher Tanzl— Zentrum Heimabend. (Wahl der Delegierten zur Kreiskonferenz.) Der Ball des Allg. Angestellten- Verbände-, Ortsgruppe Prag, findet am 29. Feber, SamStag, im Heinesaal. Weinberge. Fochova. statt. den Pointen und sauber in der Darstellung. ES geht eigentlich gar nichts anderes in ihm vor, als daß der Bürgermeister von Boom stch aus Angst vor der anrückenden- spanischen Soldateska tot stellt, während seine Frau die von ihren Männern im Stich gelassenen Bürgerinnen zu einer Selbsthilfe mit den weiblichsten Mitteln auftust. so daß aus der gefürchteten Okkupation ein für die Frauen und die Soldaten sehr angenehmes und für die Ehemänner blamables Vergnügen wird, wobei der Scheintod des Bürgermeisters auch noch seiner Tochter zur Heirat mit dem gewünschten Gemahl(einem Maler namens Breughel) verhilft. Aber die Kunst Feyders erweist sich darin, daß er aus dieser an sich nur umrißhaften Handlung eine Fülle heiterer Episoden entstehen ließ, daß er nicht nur mit Männerfeigheit und Frauenlist, sondern mit Kirche, Militarismus und historischer Würde gelungene Witze machte, die nie aufdringlich, aber immer deutlich sind. Unter den Darstellern ist keine überragende Größe, aber lauter gute Kräfte, die ein vollkommenes Zusammenspiel ergeben, an dem Francoise R o s a h als Bürgermeisterin. A l e r m e als Bürgermeister. Jean Murat als spanischer Herzog und Louis Louvet als Dominikaner besonderen Anteil haben.—eis— GROSS; Kl 14*— STATT KE 1» KLEIN: K< 10"— STATT KE 12- für 890 KL inklusive Verpflegung. Diese Exkmsion ist bereits gesichert. In den Tagen vom 6. bis 8. März wird eine Unternehmungsexkurfion ins Rie- sengebirge für 140 KL, in den Tagen vom 7. bis 16. März in die Hohe und Niedere Tatra für 545 KL veranstaltet. Anmeldungen und Informationen, nimmt der Basar neben dem Wilsonbahnhof, Fernruf 383-35, entgegen. Sparta Prag spielte am Dienstag in Brüssel gegen die belgische Auswahlmannschaft„Diables rouge" 8:2(1:1). Kanadas Eishockeyteam spielte am Dienstag mit dem Prager LM 5:4. Dem vorzüglichen Spiel der Prager Kanadier und Peka im Tor hatte der LTE dieses günstige Ergebnis zu danken. Die Tschechoslowakische Eishockey-Liga wende: sich offiziell gegen die in einem Teil der tschechischen Sportpresse veröffentlichen.Affären" von Garmisch- Partenkirchen und erklärt, daß im Gegenteil alles sehr diszipliniert vor sich gegangen sei und über Mannschaft sowie deren Führer nichts Nachteüiges frstgestellt werden kann. Bor einem Fußballwettkampf Belgien—Sowjetrußland. Der belgische bürgerliche Fußballverband hat Verhandlungen mit Sowjetrußland bezüglich der Aufnahme des Sportverkehrs durchgeführt. Bisher wurde ein inoffizielles Länderspiel abgeschlossen, da Sowjetrußland nicht der Fifa angehört. Majerovä gehört dem werktätigen Volke als dem Träger des sittlichen und gesellschaftlichen Fortschrittes. Darum in ihren Büchern die schmetternden Signale des Optimismus. Auch hier ist die S i- r e n«, die durch ihren Ruf den Arbeitstag beginnt und beschließt, zum Symbol geworden: zum Rufer im Glauben an die Kraft menschlicher Arbeit und an den Sieg der gerechten Sache. I. M. FrühjahrS-Reuerscheinnngrn der EditionS du Carrefour, Paris Vk: Eitler gegen Christus". Eine Darstellung der Kirchenverfolgungen im Dritten Reich, herausgegeben von zwei Führern der katholischen und protestantischen Bewegung in Deutschland.— A. M ü l l e r:„Hitlers motorisierte Stoßarmee". Eine Untersuchung der Heeres- und Wirtschaftsmotorisierung im Dritten Reich.— S. Fowler-Wright:„Der Untergang von Prag". Roman eines deutschen Angriffskrieges auf die Tschechoslowakei.— AndreMalraux: „Die Zeit der Verachtung". Roman.— Henri B a r b u s s e:„Stalin, eine nene Welt. Reue BeneS-Literatur. Der Orbis-Verlag bereitet eine grqße Biographie Eduard Benes' in tschechischer Sprache vor, die in 500 Seiten die Fülle seiner Tätigkeit erschöpfend würdigen wird. Das Werk wird sich aus vier Teilen zusammensetzen. Am ersten Teil arbeitet einer der besten Kenner der Vorkriegstätigkeit Benes', und zwar der Redakteur Lad. Kunte, die Kämpf« und Schicksale im Weltkriege schildert der Historiker Dr. Jar. Wer- stadt, die außenpolitische und diplomatische Tätig- keit nach dem Kriege sein engster Mitarbeiter Minister Dr. K. Krofta und seine Stellung im inner- Sequola Warum der Film„Sequoia" heißt(es ist angeblich der Name eines Baumes) wird dem Betrachter nicht klar, aber er überläßt sich, ohne zu grübeln, der unwahrscheinlichen Schönheit dieser amerikanischen Bilderfolge, die ein verfilmter Tierroman ist: von dem Hirsch Malibu und dem Puma Gato. die »lS verwaist« Tierkinder von einem, Menschenkind (einer MyriftsteilerStöchker) in Obhül genommen und später wieder in die Wildnis der Sierra ent« lassen werden, wo Hirsch und Puma trotz ihrer „natürlichen" Feindschaft treue Freundschaft halten und auch ihrer menschlichen Jugendfreundin Anhänglichkeit bewahren. Denn, so heißt es in diesem Film, nur der Hunger macht Tiere zu Feinden, ihr natürlicher Trieb ist(wie schon der alte Anarchist Krapotkin beweisen wollte) gegenseifige Hilfe. Mag sein, daß Naturforscher es bezweifeln, mag sein, daß Jäger sich sogar von der Tendenz dieses Films beleidigt fühlen und entsetzt find, hier zu sehen, wie einer der ihr«n(der allerdings wenig„weidgerecht" mit Fallen arbeitet) am Ende der Rache der verbündeten Tiere zum Opfer fällt. Aber wer Tiere nicht als Forschung?- oder Jagdobjekt, sondern um ihrer Schönheit willen liebt, wird sich an den Bildern dieses Films kaum satisehen können, die Gesichter und Bewegungen. Kämpfe und Freundschaften. Liebe und Trauer tierischer Waldbewohner mit einer Anschaulichkeit wiedergeben, die ans Wunderbare grenzt. Die menschlichen Mitspieler haben es schwer, gegen das Spiel der Tiere aufzukommen. Klugerweise hat ihnen der Regisseur C. M. Franklin Auto gegen Semaphor. In der Nacht ans gestern stieß an der Eck« der Reßlgaffe beim Karls- Platz der Chauffeur Josef Kohout aus Smichov mit seinem Auto P-25.191 gegen den Semaphor, wobei das Auw zertrümmert und der Semaphor stark beschädigt wurde. Verwundet wurde niemand. Selbstmorde. Gestern um 9 Uhr früh drang die Polizei in die Wohnung der 28jährigen Gertrud Walther in Prag I, Lange Gasse ein, die auffällig lange die Wohnung nicht verlassen hatte. Sie wurde tot— mit Leuchtgas vergiftet— auf dem Boden des Badezimmers gefunden. Aus den hinterlassenen Brief geht der Selbstmord, aber nicht dessen Motiv hervor.— Gestern vormittags wurde beim Svehläkai die Leich« einer unbekannten, etwa ZOiährigen Frau aus der RölhaU gezogen, die nur rurjse, Ztit iw Wasser gelegen hatte. Sie trug«ipen schwarzen Arbeitsmantel und schwarzen Hut; ferner wurde bei ihr ein weißes Taschentuch, mit qrünem Rand und dem Monogramm„B. E." gefunden. Die Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht, nach ihrer Identität wird geforscht. Zwei Brände. In der Nacht auf gestern geriet auf dem Hof des Hauses Nr. 10 in der Klemens- gaffe das Personenauto P-20.987 des Druckereibesitzers Alois Wiesner aus Prag II in Brand und wurde vollständig zerstört, obwohl die Feuerwehr in kurzer Zett löschen konnte. Verwundet wurde niemand.— Kurz vorher brach im Speisezimmer der Marie Klatovslä in der Korngaffe infolge Ueberhei- zung des Ofens ein Brand aus. dem fast die ganze Wohnungseinrichtung, ein Klavier,«in Radioapparat, ein Damen- und zwei Herrenpelze etc. zum Opfer fielen. Verwundet wurde niemand. Die Wohnungsinhaberin ist auf 20.000 KL gegen Feuerschaden versichert. doch übersteigt die Schadenssumme diesen Bettag bei weitem. Die Ausflugszüge der Tschechoslowakischen Staatsbahnen veranstalten in den Tagen vom 29. Feber bis 8. März eine Exkursion ins Riesengebirge Das Schaukelpferd * Es war eine tolle Szene. Bor dem Laden eines Tapezierers in einer Prager Vorstadt stand ein Schaukelpferd ausgestellt. Es war so hoch wie ein kleiner Hund, mit echtem Fell überzogen und schön geschirrt. Es blähte die rosigen Nüstern und starrte mit blanken Glasaugen feurig ins Leere. Da kam ein kleiner Hund, ein flotter Terrier, jung und unerfahren, aber wohl doch schon von Süchten getrieben, über die er sich selber noch nicht kla? zu sein schien. Er sieht das Schaukelpferd, läuft freudig zu ihm hin, trippelnd, als ob er acht fhx*' vier Beine hätte, beschnuppert es— es riecht verlockend nach Tierfell, nach Leder, nach Leim und gottweißnochwas. Freundlich bellt der Hund das Schaukelpferd an, beschnuppert es wieder— da beginnt es sacht zu schaukeln. Es lebt! Die Freude des Hundes ist grenzenlos. Bellend ermuntert er das Schaukelpferd zum Spiel, tappt daran herum, stößt es liebreich mit der Schnauze, und richtig— es schaukelt lebhafter. Ein Zuschauertteis hat sich um die Szene versammelt. Alle schauen herzlich erheitert dem Tun des Hundes zu, der sich nicht zu fassen weiß vor Freude,«ine so nette Bekanntschaft gemacht zu haben. Und da— ja, wie sag ichs meinem Leser?— da nähert sich der. kleine dumme Hund dem Schaukelpferd, das sich nun heftig regt, mit zärtlichen LiebeS- gebärden. Fanatisch glitzern die Augen beider. M: offnem Maul, mtt heraushängend gerollter Zunge, einem Wappenfier vergleichbar ereifert sich der Hund Die Männer im Zuschauerkreis lachen schallend. Die Frauen wissen nicht, wohin sie blicken sollen— da sieht der Hund das Vergebliche seiner Bemühung auch schon ein. Enttäuscht läßt er ab und rennt davon, ein wenig schräg, irrifiert durch das Gelächter der Zuschauer, doch ohne Beschämung und um ein», sonderbare Erfahrung reicher. Das Schaukelpferd schaukelt noch ein wenig auf und ab. Dann steht es wieder ruhig auf seinen Kufen, bläht die rosigen Rüstern und starrt mit blanken Glasaugen feurig ins Leere. vle sündigen Frauen von Boom Der in Frankreich.preisgekrönte Film der Regisseurs Feh der beweist nicht nur durch seinen Inhalt, daß die Franzosen Humor haben. In welchem anderen Lande, das«ine feindliche Okkupation noch in frischer Erüinetung hat. Wäre es möglich, daß ein Film, der die Okkupation als pikante Komödie. als„heroische Kirmeß^ darstellt, nicht von der Zensur unterdrückt,- son^rn^nst dem Ltaaisprei« bedacht wird? In Flandern, wo der Film(vor mehr als dreihundert Jahren) Kielt, hat es allerdings Leute gegeben, die beleidigt wqreiz, aber die Urheber des Films find selber Flandern: der Romanautor Charles Spaak, von dem die Vorlage stammt, und der Regisseur Jacques Fevder, der hier also seit seinem berühmten Stummfilm-„Die neuen Herren" (der den Parlamentarismus witzig karikiert«), zum erstenmal wieder einen politisch-iatirischen Film geschaffen hat. Man weiß zwar nicht genau, was eigentlich verspottet wird— die großsprecherisch feigen flandrischen Bürger, die hier ähnlich gezeichnet werden wie in Goethes..Egmont" oder ihre Frauen, die daS Vergnügen der spanischen Besatzung so tüchtig und bereitwillig organisieren, daß eS schm wieder wie eine Verspottung der weiblichen Politik aussieht, die in Frankreich aus Anlaß der weiblichen Wahlrechtsforderungen aktuell ist—, aber schließlich bereitet der Mm ein unproblematisches Vergnügen, und das genügt in einer Zeit, in der wirklich witzige, heitere und nicht plump gemachte Filme so setten sind. Der Film Feyders ist daS Gegenteil von, plump: sorgfältig in der Regie, üppig in der im Stile aller niederländischer Maler gehaltenen Szenerie, fein in Arbeitervirstellung„Katharina Jsmattiwa". Oper von Dimitti Schostakowitsch, welche vor kurzem bei der Uraufführung einen vollen Triumph feiern konnte, am Sonntag, den 1. März, um halb 3 Uhr. Karten täglich(8 bis 2, 4 bis 6 Uhr) bei Opttter Deutsch, Koruna. Jugendlich« haben keinen Zutritt. Wochenspielplan des Renen Deutsche« Theater». Heute, Mittwoch, 8 Uhr:„Unentschuldigt« Stunde", B 2.— Donnerstag, halb 8:Derfliegend«Holländer, Wagner-Zyklus V, C 1.— Freüag halb 8: Der F r e i s ch ü tz, D 1.— Samstag halb 8: O r- p Heusinder Unterwelt, Festvorstellung zugunsten der Pensionsanstalt des Deutschen Theaters, neuinszeniert, Abonnement aufgehoben.— Sonntag halb 8:KatharinaJsmailo- w a, Arbettervorstellung, halb 8:Unentschul- digte Stunde, C 2.-- Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute, Mittwoch 8 Uhr:„Was I h r w o I l t", Bankbeamte II und freier Verkauf.— Donnerstag 8: Kind im Ka m Pf, volkstümliche Vorstellung.— Freitag 8:.D«r goldene Kranz, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— SamStag 8:Di«ersteL«gion. — Sonntag 3: Was Jhrwollt.8: Di« erste Legion.- Bücherschau Marie MajerovL:„Sirena", Roman.(Verlag Ein, Prag.) Unter den tschechischen Schriftstelle- rinnen von Rang ist Marie Majerovä di« am leidenschaftlichsten experimentierende. Ein weiter Bogen spannt sich von ihren ersten Märchenbüchern und Frauengeschichten bis zu ihrer letzten Schöpfung, dem Jndustrieepos der Eisen- und Kohlenstadt Kladno. Wie in ihrem utopistischen Roman„Die Talsperre", finden wir die Schriftstellerin auch in ihrem vorliegenden Buche auf der Suche nach einer neuen epischen Form, die, ihrem erzählerischen Temperamente und ihrer kollekfiven Auffassung vom Leben entsprechend, das Thema in mehreren Richtungen gleichzeitig vorwärtstteibt. In dieser Lebensgeschichte der vier Generationen der Bergarbeiterfamilie Hudec ersteht vor uns zugleich das Werden und Leben des Jndustriebezirkes Kladno, angefangen vom ersten Kohlenfund und dem Anblasen des ersten Hochofens(1854). bis zum Ausbruche des Weltkrieges. In alle Einzelheiten werden die Beziehungen der weitverzweigten Familie zu Welt und Menschen verfolgt. Die Majerovä hatte immer einen besonders starken Sina für die Natur um den Menschen und im Menschen drin bekundet. So auch hier. Die schönste Gestalt des Buches: Mutter Hudec, ein prachtvoll vitales, mit besonderer Liebe und Gefühlswärme geformtes Geschöpf, das durch alle Stürme hindurch ungebrochen, tröst- und kraftspendend dasteht. Nebenher, auS Fachbüchern, Archiostudien, Gesprächen, Privatbriefen zusammengesetzt, ein Stück Sozial- und Kulturgeschichte, wichfig als Dokument, nicht immer jedoch episch verarbeitet, weshalb das Buch stellenweise über eine Bezirksorsanisatlon Präs der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Einladung zu der am Freitag, de« 28. Feber 1836, um 8 Uhr abends im großen Saale des Gewerkschastshauses, Prag I., Persthn 11, stattfindenden Jahres■Versammlung Tagesordnung: Berichte: des Vertrauensmannes. des Kassiers, der Kontrolle. Reuwahle«. Die«üchsten politischen Aufgaben. Referent Genoss« Dr. Emil Strauß. Allfälliges. Zutritt zur Jahresversammlung haben nur Parttimitglieder, welche mit den Beiträgen nicht länger als dr« Monate im Rückstand sind(ausgenommen Arbeitslose) gegen»«rweffung der Mitglieder- legitimation. Wir machen aufmerksam, daß ohne MitgliederauS- weis ttin Einlaß gewährt werden kann und ersuchen daher, um unliebsame Differenzen zu. vermeiden, die Mitgliederlegitimation unbedingt mitzubringen. „Freiheit" Die Bezirksvettretung. Bezugsbedingungen: Ber Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Bost monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 96.—. ganzjährig KL 192.—.— Jnierat« werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Bost- und Tele- graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VU/IS30 bewilligt.— Druckerei:.Lrbis". Druck». Verlags- und Zeitungs-A.-G.. Prag.