Freitag, 28. Feber IS36 Nr. 50 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (•inichlleBlich 5 Helltr Porto) TENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova a. Telefon E. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS. PRAG. zum Schein bekämpft,!« Wahrheit begrüßt wurde. Vie Makino gerettet wurde Tokio.(Reuter.) lieber die Art und Weise, auf welche Graf Malino den Aufrührern entging, wird bekanntgegeben: Eine Gruppe von Aufstän- dischen traf aus Tokio in Lori ein, wo Graf Makino eine Billa am Meeresstrande bewohnt, und erschlugen die Posten vor dem Eingang der Villa, welche den Eindringlingen bis zum letzten Atemzuge Widerstand entgegensetzten und sie an dem Betreten der Villa hindern wollten. Sodann stellte sich den Aufständischen die Gattin des Grafen mit der Erklärung in den Weg. ihr Gatte sei nicht zu Hause. Dadurch wurden die Aufrührer solange aufgehalten, bis der Graf durch einen rückwärtt» gen Eingang entfliehen und sich in Sicherheit begeben konnte; er flüchtete in das Haus eines seiner Freunde. W Eine interessante Reminiszenz stellt fich da ein: ganz ähnlich hat sich am 30. Juni 1934 d'r deutsche konservative Politiker Treviranus vor der Gestapo durch die Gartentür retten können. Frieden mit den Putschisten Militärische Kapitulation— politischer Sies der Verschwörer Tokio. Die Aufständischen werden Freitag früh um 8 Uhr in ihre Kasernen zurückkehre«. Diese Entscheidung wurde auf Grund der Verhandlungen zwischen den Militärbehörden und den Aufständischen getroffen. Die Bedingungen, unter denen die Aufständischen kapitulierten, sind nicht bekannt. Die Aufständischen sollendie Waffennichtabgegebenhaben. Der Tokioter Militärgouverneur hat dem Kaiser Bericht über die Verhandlungen erstattet, über deren Verlauf auch telephonisch Prinz Sajondschi informiert wurde. Die Bildung des neuen Kabinetts dürste Fürst K o n d e, dem Präsidenten des Herrenhauses, übertragen werden, welcher der Unterstützung des früheren Kriegsministers Araki sicher wäre. Auch die Möglichkeiten eines Koalition-Ministeriums unter General M a z a k i oder Baron Hiranuma wird erörtert. . Aus diesen und anderen Meldungen geht hervor, daß es sich bei dem Putsch, an dem aktiv etwa 60 Offiziere und 600 Soldaten beteiligt gewesen sein sollen,-nicht so sehr um ein isoliertes Unternehmen abenteuerlicher.Terroristen, als Goto, der provisorische Ministerpräsident um e ine A k t i o n mit verhältnismäßig breiterBafis gehandelt hat. Offiziell wird zugegeben, daß die Verschwörer auch in Provinzgarnisonen ihre Verbindungen hatten und daß Reserven für sie chereitstanden. Interessanter ist aber, daß gewisse Kreise vor allem des Militärs, insbesondere um den seinerzeit abberufenen Kriegsminister Aral i, ihre Sympathien für die Putschisten kaum verbergen. Bei der„militärischen Niederwerfung* des Putsches scheint es sich um eine sehr friedliche und beinahe um eine Scheinaktion gehandelt zu haben." Zwar wurden angeblich fünf Garnisonen alarmiert und nach Tokio gezogen, es wurden Marinetruppen gelandet und in der Nacht die Viertel und die Gebäude, in denen sich die Putschisten festgesetzt hatten, umstellt. Aber es scheint nach den vorliegenden Meldungen nirgends zu Kämpfen gekommen zu sein und während der Putsch sellist 80 bis 100 Todesopfer gefordert haben soll» scheint es bei der Niederwerfung des Putsche- ganz unblutig abgegangen zu sein. In den Morgenstunden war Tokio militärisch besetzt, einige Teile aber waren in der Hand der Aufständischen. Dann langten Meldungen ein, daß die Putschisten„mit dem Erreichten zufrieden" seien und fich zikrückziehen würden. Ohne, daß man gegen sie vorging, scheinen ffe dann die wichtigsten Gebäude wieder geräumt zu Haben, worauf der reguläre Regieruugsbetrieb wieder aufgenoinmen wurde. In den Mittagsstunden des Donnerstag aber hat die Regierung, wie es scheint, einen regelrechten Vertrag mit den Putschisten abgeschlossen, die keineswegs auf der Stelle kapitulierten, sondern nur versprachen, innerhalb einer Frist von etwa 12 Stünden in ihre Kasernen zurückzukehren. Die weiteren Kapitulationsbedin- girngen find nicht bekannt, aber alles deutet daraufhin, daß man nichts unternommen hat, um die 600 Aufständischen durch die weit überlegene Zahl der Regierungstruppen zu erdrücken, sondern daß man d e n P u t s ch i st e n goldene Brücken gebaut hat. Dies beweist, daß der Putsch doch nur der explosive Ausdruck einer Bewegung ist, von der große Teile des Heeres, will heißen der Offiziere, aber auch Teile des Volkes erfaßt find'.- Der Mikado scheint-' iicb dem Druck, der sa seine Rechte nicht einschränkend sondern erweitern Will» fügen zu wollen.- Die Betrauung Gotos wirb als vorubergehend angesehen. Das Finanzministerium hat M a s h i d a übernommen. Im Hintergrund wird immer wieder Araki sichtbar. Alles in allem hat ma« de« Eindruck einer sehr geschickt aufgezogene« und in ihrem politischen Ergebnis geglückte« Militärrevolte, die von de« Spitze« des Staates nur 383:182 stimmen für das Bündnis Die französische Kammer ratifiziert den Sowjetpakt Paris. Die Deputiertenkammer billigte zu Ende der Donnerstag-Nachmittagsitznng den franzöfisch-sowjetrusfischen Pakt über den gegenseitigen Beistand mit einer Mehrheit von etwa ?00 Stimmen. Rach dem definitiven ZählnngsergebniS beträgt das Stimmenverhältnis 352 zu 16t Stimmen. Tie Regierung beschloß in der VormittagSsitzung des Ministerrates die Vertrauensfrage zu stellen« um so hie Bedeutung der Ratifizierung dieses Abkommens zu unterstreichen. Die nachmittägige Debatte wat verhältnismäßig kurz. Die Vertreter der einzelne« Klubs brachttn in kurzen Erklärungen ihren Standpunkt zur Abstimmung zum Ausdruck. Im Namen der Rechtsparteien gab den negativen Standpunkt Deputierter Filip Henriot bekannt. Im Namen der Radikalen teilte der ehemalige Minister Pierre Cot mit, daß sie für die Ratifizierung stimmen werden. Er machte insbesondere auf die starken sowjetrussischen Luftstreit- kräfle aufmerksam. Für die Sozialisten sprach Deputierter Spin ässe und namens der Gruppe der sozialistischen Vereinigung Deputierter Bar für die Ratifizierung stimmen werden. Vertrauensfrage irrtümlich nicht zerteilt Nach der Abstimmung über" den Beistandspakt erwies sich, daß die Regierung, welche in der vormittägigen Sitzung des Ministerrates ausdrücklich beschlossen Hatte, dieVertrauens- frage zu stellen, dies unterlassen Hatte, weil der Ministerpräsident Sarraut irrtümlich Italienische Sabotage der Hottenkonfferenz Land» n.(Reuter.) Ueber die Flottenverhandlungen zwischen England und Italien wurde folgendes amtliches Kommunique ausgegeben: Die italienische Delegation hat mitgeteilt, daß sie wegen technischer Schwierigkeiten, wie z. B. die Tonnage der Linienschiffe, und der Frage der Lücke in der Tonnage zwischen den Linienschiffen und den Kreuzern sowie wegen der Frage der Prozedur den Vertrag vorläufig nicht unterzeichnen könne. Die erwähnte Lücke in der Tonnage bezieht fich auf den Unterschied zwischen den größten Kreuzern von 8000 Tonnen und de« kleinste« Linienschiffswpen von 20.000 Tonnen. Die Prozedurfchwierigkeiten sollen fich auf politische Fragen beziehen und auch mit den Sanktionen zusammenhängen. Es scheint, daß die Marinekonferenz die Verhandlungen zwischen den drei Seemächten fortsetzen wird. „Kultur-Gas Dessie.(Reuter.) Zehn italienische Flugzeuge beschossen heftig die Straße zwischen der Front und Waldie, wobei sie auf die in der Nähe des WegeS befindlichen Dörfer Gasbom- ! b e n abwarfen. Die Zahl der Opfer ist unbe- 1 könnt. r 5' e n n e. Sie erklärten, daß diese beiden Gruppen glaubte, daß der Vorsitzende der Deputiertenkammer lediglich über den Abschluß der Debatte und keineswegs schon über die Ratifizierung der Pallartikel abstimmen lasse. Die Rechtsparteien behaupten, daß im Falle einer BerttauenSfrage das Stimmenverhällnis Keiner gewesen wäre, während die Linksparteien das Gegenteil behaupten. bedeutsame Erklärung der Arbeiterpartei London. Nach der Aussprache über den Reichsverteidigungsrat im Oberhause erllärte der Sprecher der labouristischen Partei, Stra- b o l g i» daß die große Mehrheit der labouristischen Partei berett sei, E n g l a n d meinem Verteidigungskriege zu unter- stützen, Vorausgesetzt, daß dieser Krieg im Einklang mit den englischen Verpflichtungen aus der Völkerbundsatzung stehe. Der Redner erklärte weiters, daß die Partei bereit sei, die Grundsätze der- kollektiven Sicherheit zu unterstützen. Vom Kriegsschauplatz London.(Reuter.) Von den abessinischen Kriegsschauplätzen wird mitgeteilt: Die Abessinier melden weitere Siege in der Gegend von A k s u m und erklären, daß sie hier eine italienische Wbtei- lung von mehreren tausend Mann vollkommen aufs Haupt geschlagen hätten. Im Süden von Mcckale haben, wie aus eri- träischer Quelle gemeldet wird, die Italiener die Verbindungen über die Ebene von Buja verbessert und dort auch befestigte Stellungen geschaffen, die als Ausgangspunkt eines weiteren Angriffes verwendet werden können. Di« Italiener besetzten die Hauptkarawanenstraßen von Amba Allaghi und zwingen so die Armeen des Ras Sejum und des Ras Kassa, die Verproviantierung auf beschwerlichen Wegen-im Südwesten durchzuführen. Im Abschnitt von Anwl herrscht Ruhe, teils weil es regnet, teils weil beide Parteien durch die jüngsten hartnäckigen Kämpfe sehr-ermüdet find» Die staatliche Ernährunssaktion Im Herbst 1930 wurde die staalliche Ernährungsaktion für jene Arbeitslose eingeführt, die nicht nach dem Genter System unterstützt werden. In diese Aktion konnten nach der damaligen Jnstruktton der Regierung arbeitslose Personen einbezogen werden, die durch längere Zeit arbeitslos waren. Eine bestimmte. Arbeitszeit war also nicht vorgesehen. Die Bezirksbehörden hatten im Einvernehmen mit den Gemeinden und Fachorga- nisattonen zu bestimmen, welche Gemeinden in diese Aktion einbezogen werden sollten. Den Gemeinden wurde die Aufgabe übertragen, im Einvernehmen mit den Fachorganisattonen die Personen auszuwählen, welche in die Ernährungsaktton einzubeziehen waren. Bei der Durchfüh- ruug der Aktion mußte vor allem auf die Fami- lienerhaller und in zweiter Linie erst auf die Ledigen Rücksicht genommen werden. Gegen die Ernährungsaktion wurden von bürgerlicher Seite ununterbrochen Bedenken erhoben. Im Jahre 1933 kam es dann zur Herausgabe neuer Richtlinien. Nun wurde eine dreimonatliche Arbeitszeit seit dem 1. Jänner 1929 Bedingung für die Aufnahme in diese Aktion. Wer von den gemeldeten Arbeitslosen mtt Lebensmittelkarten zu beteilen ist, das kann nun nicht mehr die Gemeinde entscheiden, sondern die Bezirkssozialkommission. Die Gemeindesozialkommiffionen haben nur Anträge zu stellen. Die Ueberprüfung der Ausweise der Bewerber erfolgt durch die Bezirksbehörde, Die Richtlinien bestimmen dann, daß Familien- »rhaller höchstens 20 sic in der Woche und Ledige 10 XL bekomme» können. Ein Rechtsanspruch auf LebenSmittellarten besteht nicht. Ausnahmen von dieser Bestimmung sind zulässig, doch dürfen diese Ausnahmen fünf Prozent der den Bezirken für eine Periode bewilligten Smnmen nicht übersteigen. Die Bestimmung über die dreimonatliche Arbeitszeit schließt viele jugendliche Arbeitslose von der Ernährungsaktion aus. Nach den Richtlinien können auch Kurzarbeiter in die Ernährungsaktion ausgenommen werden, deren Lebensunterhalt gefährdet ist. Wer überhaupt nichts hat, dessen Lebensunterhalt ist selbstverständlich gefährdet. Wann ist aber der Lebensunterhalt einer Familie gefährdet oder einer Einzelperson, die ein kleines Rebeneinkommen oder eine kleine Rente bezieht? Nach den Richtlinien können Kurzarbeiter(Familienerhalter) mtt Lebensmittelkarten beteilt werden, wenn sie in einer Woche überhaupt nicht arbeiten oder wenigstens nicht mehr als 16 Stunden. Der Verdienst dieser Kurzarbeiter'ist je nach dem Beruf verschieden. Man kann aber aus dieser Besttm- mung der Richtlinien schließen, daß die Regierung damals den Lebensunterhalt einer solchen Familie als gefährdet ansah, deren Einkommen nicht größer ist als 60 bis 70 Kc die Woche. Wie siehtes nunin der Praxi S a u s? Die Landesbehörde nimmt als Einkommensgrenze den Betrag an, den der Staat einem Arbeitslosen gibt, der überhaupt kein Einkommen hat, also 20 Kö für den Familienerhalter und 10 XL für den Ledigen. Diese Auslegung führt in vielen Fällen zu krassen Ungerechtigkeiten. So kann es Vorkommen, daß z. B. einVa- ter, der eine Tochter hat, di« in der Woche 30 oder 4 0 XL verdient, nichts bekommt. Ein anderer Fall. In einer Familie sind zwei oder drei Kinder arbeitslos. Der Vater bezieht eine kleine Rente z. B. 150 oder 200 XL im Monat, wie das bei den meisten Bergarbeitern der Fall ist. Diese Arbeitslosen sollen nach der Auffassung der Landesbehörde nicht mit Lebensmittelkarten beteilt werden, weil das Einkommen der Familie größer ist als der Betrag, den der Staat für«inen arbeitslosen Familienerhalter gibt. Die Z a h l-d er Arbeits- l o s e n, die aufdi esc Weise a u s bet(5 t n ä hrnngsaktion ausgeschieden wurden» ist sehr beträchtlich. Die ErnährungSaktton ist auch abhängig von der Größe des Betrages, der für eine laufende ' Periode zur Verfügung gestellt wird. Wenn der zur Verfügung gestellte Betrag kleiner, ist als der angeforderte Betrag, dann erfolgt die Beteilung z jener Ackeitslosen mit Lebensmittelkarten, die eiq Seite 2 Freitag, 28. Feber 1936 Re. 50 kleines Einkommen haben, auf Kosten der Arbeitslosen, die überhaupt nichts haben. Die Folge ist, das; ein oder zwei Wochen hindurch die Arbeitslosen überhaupt nichts bekommen können oder weniger. Die Landesbehörde hat e- so jederzeit in der Hand, die Ernährungsaktion in ihrem Sinn« zu beeinflussen. Was muß gefordert werden? 1. Die Bestimmung über die Arbeitszeit mutz geändert werden, damit die jugendlichen Erwerbslosen in die Ernährungsaktion einbezogen werden können. 2. Es sollte klar ausgesprochen werden, wann der Lebensunterhalt einer Familie oder einer Einzel person als gefährdet anzusehen ist. ES mützte je nach der Zahl der Familienangehörigen eine Ein« kommensgrenze bestimmt werden, damit jede willkürlich« Auslegung vermieden wird. Erwachsene Arbeitslose mützten in die Ernährungsaktion ausgenommen werden, denn eS ist peinlich für einen erwachsenen Menschen, wenn er z. B. von einer kleinen Rente seines alten VatecS oder gar von einer Armenrente seiner Mutter mit leben soll. Solche Fälle sind in der Praxis tatsächlich schon vorgekommen. Daß die Erbitterung über eine solche Auslegung der Richtlinien groß ist, ist daher weiter nicht verwunderlich. R. L. Genosse Müller begrüßte- den Antrag und schilderte die Gefahr, in welcher sich besonders die Theater in den deutschen Gebieten befinden. Die Gemeinden, welche alles tun, was in ihren Kräften steht, sind trotzdem kaum mehr fähig, di« Theater zu halten. Selbstverständlich ist. daß sie diel nicht auf Kosten der Hilfsaktionen für die hungernden Arbeitslosen tun dürfen. Die Theater stellen nicht nur einen kulturellen, sondern auch einen wirtschaftlichen Fakwr dar. Durch ihren Zusammenbruch würden hunderte Künstler, Musiker, Arbeiter, aber auch viel« Gewerbetreibende Verdienst und Existenz«inbützen. Handeln wir also rasch! Die deutschen Sozialdemokraten haben, besonders in den von ihnen verwalteten Gemeinden, nicht nur für die Bühnen, sondern für das deutsche Kulturleben viel, wesentlich mehr geleistet als jene, die vor einigen Tagen in Prag mit einer nach Goeboels- rmster aufgezogenen Regie ein neues Evangelium terkünden wollten. Hunderttausende Deutsche sind anderer kulturpolitischer Auffassung und in ihrem Namen weisen wir diesen Versuch einer Gleichschaltung des deutschen Kulturstrebens in der Tschechoslowakei mit dem Dritten Reich zurück. Im Deutschland Hitler» find unschätzbare Werte deutscher Kultur brutal vernichtet worden. Rundfunk, Film, Musik Literatur und Theaterkunst find dort nicht frei, die Gleichschaltung erdrückt jede kulturelle Regung, bedeutende Künstler wurden ermordet, eingekerkeri oder vertrieben. Wenn Professoren und die Spitzen der Gesellschaft Henlein begeistert Beifall klatschten und vor einem preußischen Präsentiermarsch stramm standen, bejahten fie nicht nur die reaktionäre Kulturgesinnung, sondern machten sich auch vor der wirklichen Kulturwelt lächerlich. Di« Sozialdemokraten werden für die Förderung deutschen Kulturstätten jederzeit eintreten, ebenso aber den Versuch einer hitleristischen Gleichschaltung entgegentreten. Unser Hauptbestreben wird sein, auch die wirtschaftlichen und sozialen Voraussetzungen zu schaffen, damit Kunst und Kultur allen Menschen zugänglich werden. Wir verlangen für da» Kulturstreben der Deuffchen in der Republik die Hilfe und Patronanz de» demokratischen Staates. Der Ausschuß sprach sich trotz den finanziellen Schwierigkeiten für die Unterstützung der ständigen Bühnen aus und setzte ein Komitee ein» welchem Genosse Müller angehört und welches eine Lösung in dem angeführten SiNn anstreben soll. In der Frage der rechtlichen und materiellen Verhältnisse der Hochschulassistenten beschloß der Ausschuß, da» Schulministerium und die Regierung um eine gesetzliche Regelung zu ersuchen. bestätigter Freispruch im Presseprozeß des Deutschen Turnverbandes gegen Genossen Dr. Strauß Air haben Ende Dezember 1988 über einen Preßprozetz berichtet» welchen der Deutsche Turnverband Gablonz und zwölf Mitglieder ostböhmischer deutscher Turnvereine gegen Genossen Dr. Strauß al» verantwortliche» Redakteur des„Freigeist" wegen eines unter dem Titel„Bon der Rationalität zur Bestialität" erschienenen Artikel» angestrengt haben. Bei dieser Verhandlung wurde Genosse Dr. Strauß von der Anklage freigesprochen, da das StrafireiSgericht die Einwendungen de» Angeklagten für begründet angesehen hat, daß die Privatankläger zur Klage nicht legitimiert seien. Die Privatankläger waren mit dem freisprechen- den Urteil nicht zufrieden und haben die Berufung an das Obergericht in Prag überreicht. GeParlamentarisches Echo der Henlein-Rede Der Obmann des Kulturausschusses übt schärfste Kritik Prag. Auch in der Donnerstagsitzung der Kammer wurden die angekündigten Bauförde- rungsvorlagen und der Mieterschutz noch nicht vorgclegt. Wir verlautet» bestehen noch immer Differenzen über dieEinzimmerwoh- n ü n g e n» für die die Agrarier auch bereits einen, wenn auch entfernten Endtermin festsetzen wollen. Urber die Konferenz der Parteiführer mit den politischen Minister« wird absolutes Stillschweigen bewahrt. Für die nächst« Woche ist ein« weitere Aussprache innerhalb dieses Rahmens in Aussicht genommen. Der Ministerpräsident hat Donnerstag dir Verhandlungen mit den Vertretern der Slowaken fortgesetzt. Die definitive Besetzung des Außenministeriums soll nach de« neuesten Informationen erst nach der Wiener Reise Dr. Hodjas vorgenommen werden» die für die erste März- Woche projektiert ist. Gegen die Ernennung Dr. K r o f t a S, des langjährigen Stellvertreters deS Außenministers» solle« keine besonderen Widerstände mehr bestehen. Im Plenum des Parlament» wurde im Rahmen der Debatte über die lex Uhlik» die den Privatunterricht schulpflichtiger Kinder einschränkt, auch HenleinS jüngstes Kulturprogramm unter die Lupe genommen. Der tschechische Genosse I a S a, der Obmann des KulturausschuffeS» übte daran vernichtende Kritik und rekonstruierte unschwer die wahren Absichten Henleins und seiner Hintermänner» die mit demokratischen Zielen nicht das mindeste gemein haben. Genosse Jaöa führte u. a. aus: WaS Henlein als dar Kulturprogramm der Partei verkündet hat, zeugt davon, daß es diesen Faktoren überhaupt nicht um eine demokratische Verständigung mit dem. tschechoslowakischen Volk gebt, sondern eher darum, Unfrieden zu stiften, weil kein verantwortlicher Demokrat auf HenleinS Forderungen eingehen kann. In diesem Staate gibt e» kein« Diskussion darüber, wem Schule, Theater und Rund- ftink dienen sollen. Sie können ausschließlich nur dem Staate, dem Volk, der nationalen und auch der universellen Kunst und der Demokratie dienen. (Beifall). Henleins Kulturprogramm trägt da» Siegel von Doktrinen, dir uns sehr gut bekannt sind. DaS alle» haben wir schon bestimmter in den Kundgebungen der Horren Göring, Goebbels und Rosenberg gehört! Henlein hat sich nicht an die demokratischen Schichten de» tschechoslowakischen Volke» gewendet, weil er sehr gut weiß, daß-wischen seiner Totalität und den Ideen deS demokratischen System» eine unüberbrückbare Kluft besteht. Henlein hat vielmehr zu jenen tschechischen Partnern gesprochen, welche insgeheim oder auch öffentlich mit der Totalitätslehre sympathisieren und die auch schon einige Mal» den Weg zu ihm und auch nach Ber- l i n gesucht haben. Henleins Kulturprogramm trägt alle Zeichen des deuffchen Faschismus. ES geht darum, die Kultur in den Dien st desnationalen Chauvinismus und den Nationalismus in den Dienst de» Kriege» einzuspannen. Unter diesen Umständen müssen alle Loyalitätsbeteuerungen ein absolutes Mißtrauen erwecken. In der Polemik gegen den Führer de» Bunde- der Landwirte hat Henlein Töne angeschlagen, die an H i t l e r s„M einKampf" erinnern. Henlein übernimmt bi» ins Detail Hitler» gedankliche Konstruktion, seine„Volksgemeinschaft" ist nichts anderes als Hitlers„VolkStum". Genosse Jasa wendet sich dann warnend an die friedliebende Bevölkerung deuffcher Rattonalität mit der Frage, ob eS für fie vorteilhaft wäre, fich auf da» ungewisse Morgen der Herrschaft des deuffchen Faschismus zu verlassen, oder ob es nicht besser wäre, Sicherungen imWege demokratischer Vereinbarung zu suchen. Mit Rücksicht auf unsere Gesetze muß Henlein da» Buch„Mein Kampf" verdünnen. Er glaubt, daß seine Politik gerieben ist, aber in Wirklichkeit ist sie s e h r durchsichtig. Wir haben die gute Absicht, un» mit den demokratischen Deutschen ehrenvoll auszugleichen, aber alle TotalitätSbestredungen lehnen wir leidenschaftlich ab. Wir lehnen die Schlauheit ab, die die Rechte der Freiheit dazu mißbrauchen will, um die Freiheit abzuwürgen. Die Henleinleute gebärdeten sich während der Rede Jasas sehr selbstbewußt und sparten nicht mit Zwischenrufen. Wie eS heißt, wird ün SdP- Klub erst eine Erwiderung zusammengebraut, die Herr Dr. Reuwirth am Freitag vortragen soll. Jng. Karmasin, der heute für die SdP sprach, überging Jasas Ausführungen und begnügte sich damit, die lex Uhlik in Grund und Boden zu verdammen, obwohl sein Klubkollege | Hodina seinerzeit ausdrücklich zugegeben hatte, daß die von iWMgglition vorgenommenen Aenderun- gen dem Gesetz" die Spitze gegen das deutsche Schulweseff genMimen haben. Ablehnend verhielten sich, auch die übrigen oppositionellen Redner» darunter zwei Magyaren. Die Debatte wird Freitag abgeschlossen werden. Beginn der Sitzung um 10 Uhr früh. Die Lage der Provinztheater Der Kulturausschuß des Senats befaßte sich Donnerstag mit dem nationalsozialistischen Antrag auf Errichtung eines Fonds zur Unterstützung der Theater. Vor der Debatte gaben die Vertreter der verschiedenen Ministerien Informationen über die jetzige Lage der Bühnen. stern fand beim Obergericht unter Vorsitz des Öberzerichtsrates S o u c e k die mündliche Berufungsverhandlung statt, bei welcher der Verteidiger des Genossen Dr. Strauß, Dr. Wehle, Kanzlei Dr. S ch w e l b, neuerdings darauf hingewiesen hat, daß der Artikel nur eine berechtigte Kritik des Wesens des Faschismus enthalte und keineswegs die Privatankläger zur Anklage legitimiert seien. Das Obergericht hat sich den Ausführungen der Verteidigung angeschlosseu» die Berufung der Privatankläger abgewiesen und das f r e i s p r e ch e n d e Urteil bestätigt. Die Privatankläger sind zum Ersatz der Vertretungskosten des Genossen Dr. Strauß verurteilt worden. Deutsche Schikanen gegen unsere Einfuhr Obwohl die deutsch-tschechoslowakischen Han-+ delsbeziehungen und auch der Zahlungsverkehr durch entsprechende Abkommen geregelt sind, be- reiten die deutschen Wirffchasts- und Handelspolitik und die Maßnahmen der Ausfuhr- und UeberwachungSorgane dem Handelsverkehr fortgesetzt neue Schwierigkeiten. Zahlreiche deutsch« Ueberwachungsstellen stellen neuerdings für die deutschen Käufer tschechoslowakischec Waren die Devisenbescheinigungen erst viele Monate später aus. Da auch nach der erhaltenen Devisenbescheinigung die Transferierung de» Betrages für die erhaltenen tschechoslowakischen Waren noch mindestens vier Monate auf sich warten läßt, bedeutet das, daß zur Zeit der ffchechoslowakische Exporteur seine nach Deutschland gelieferten Waren erst frühestens nach elf bis zwölf Monaten bezahlt erhält. Diese lange Hinausschiebung der Zahlungen zwingt manche Unternehmungen, die nach Deutschland liefern, ihre Au-fuhr einzuschränken. In jedem Fall bedeuten diese Maßnahmen der deutschen Ueberwachungsstellen eine neue Behinderung der tschechoslowakischen Ausfuhr. Studenten gegen Aspiranten-Verordnung. Mittwoch traten im Svehla-Studentenheim Vertreter der Studentenverbände aller Koalitionsparteien zusammen, um Wer ein gemeinsames Borgehen in der Frage der Aspirantenverordnung zu beraten. Die Verhandlungen gipfelten in der einsttmmigen Forderung nach Aufhebung, bzw. Nichtverlängerung der Aspirantenverordnung, deren Wirksamkeit tn wenigen Monaten erlischt. Es wurde eine Fühlungnahme mit den maßgebenden Regierungsstellen und politischen Parteien beschlossen. Ein Ausschuß wurde damit betraut, ein Memorandum an die Regierung auszuarbeiten, in dem neben der Forderung nach Aufhebung der Aspiränten-Ver- ordnung auch die Aufhebung de» lOprozentigen JnterkalariumS verlangt wird.” Sandner anSgrliefert. Der JmmunitätSaus- schuß beschloß di« Auslieferung des SdP-Abgeord- neten S a n d n e r wegen eine» Artikels in der ,.Rundschau", tn dem Senator Genosse R« yzI den Tatbestand einer gegen sein« Person gerichteten Verleumdung erblickt. Berlin.(DNB) Der Reichskanzler hat den Botschafter in Madrid Grafen von W e l c z e k zum Botschafter in Pari» ernannt. MANNER, FRAUEN | UND WAFFEN| Roman von Manfred Georg; Copyright by vr. Manfred Georg, Prag Sie wischte einen Tropfen Kognak von der Unterlippe und warf sich rücklings auf das Bett: „Wir mit unserm Blut, tn dem die Natur nrch picht ausgeglüht Ist, dessen Lauf noch von Sonne, Mond und allen Sternen bestimmt wird, wir wissen, daß ivtr mit dem Schicksal nicht spielen können, wissen auch, daß es mit uns nicht spielt, sondern, daß es uns führt. Man muß nickt an jeder Biegung im dichten Wald wissen, wo ma. aus ihm herauSkommt.* Vielleicht führt gerad.» der Umiveg glücklich an einem Abgrund vorbei. Nein, mein lieber ehemaliger k. u. k. Rittmeister, du hast dein« strategischen Landkarten im Feld berechnen können, du hast dein« wundervollen Geschäft« so exakt berechnet, daß dir bisher nicht eins durch di« Lappen ging. Du glaubst, mit deinen Telegrammen deine Kinder erjagen zu können, di du nur durch Zufall finden wirst. Solche G.» schichten, wie die deine, stehen oft genug in der Zeitung. Das ist gar nicht» so Besondere». Di; meisten Menschen wissen nur gar nicht, wie seltsam sie handeln, und wie ihre Tage und Nächt- rrftillt sind von Absonderlichkeiten und Graue«. Sie sehen alle ein und dasselbe, und wenn eine,« mal die Binde etwas von den Augen rutscht und er mehr sieht und davon erzählt, glaubt es ihm keiner. Dabei sieht er allein die Wirklichkeit. Das wissen wir besser, die wir Winde und Bäume noch sprechen hören, wenn auch unsere Urgroß' Väter kopfschiittelnd den Mann am Kreuz anerkannten, weil man sie sonst gekreuzigt hätte. Wir sind die Zukunft. Wenn eure reine, weiße Rasse längst verfault, werden wir mit den Tanks, dt.' wir erobert haben, darüber hinwegfahren. Schicksal! Dem Schicksal muß man gehorchen. Ich gehorche ihm und diene dir." .Schumann fühlte den unmittelbaren Angriff und hieb fast etwa» gehässig zurück:„Und wenn eö nun ein Umweg für dich ist?". „O nein, faß in dein« Jackentasche, du hast da ein Amulett, meine goldene Traube. Ich hör- zwar Radio, aber ich glaube an die goldene Traube und ihre Bestimmung. Es ist ein altes Gesetz daß derjenige Mann, der dieses Amulett der Frau aus unserm Stamm zuerst in der Hand trägt, eS nicht nur besitzt, sondern besitzen muß. Und dir Frau dazu. Ich hatte der Wiesner gesagt, ich würde eS noch am Abend abholen. Ich hatte es in«in verschlossenes Päckchen getan vor ihre« Augen und zugeschnürt. Sie hat es wieder aufgemacht. Es hat in deiner Faust gelegen. Du kannst über mich verfügen." „DaS ist doch der reinste Aberglaube. Sag. Haydee, oben auf dem Semmering, auf den Spaziergängen glaubte ich manchmal eher, eine Studentin von der Wiener Universität al» eine. Tänzerin au» der Femina neben mir zu haben." „Du meinst, daß sich beides nicht verträgti Du wirst dich gleich noch mehr wundern! In meinem Stamm, wenn der Mann Besitzer de? Amuletts geworden war, gab fie ihm in der Nacht ihr Blut, damit sie ganz in ihm einginge. Sie waren damals leicht dabei, sich ein Messer m»> einem kurzen Hieb in den Schenkel zu schlagen. Sie hatten in der Kindheit gelernt, Schmerzen z i ertragen. Später habe ich erfahren, daß man jo auch bei den Weißen Blutsbrüderschaft trank und schwor. Ick glaube nur, daß die Weihen diele Eide selten, halten. Bei uns wird alles gehalten. Bi» zum Letzten. Wir wollen un» aber europäish zivilisiert benehmen. Du hast mir vorhin mit deinen Worten sehr weh getan. Ich bitte dich, gib mir einen Kuß!" Als sein Gesicht über dem ihren war, merkt- er erst, daß er in eine Falle gegangen war. Sir bäumte sich ihm entgegen und faßte mit beiden Händen seinen Kopf. Ein glühender Schmerz zerriß seine Unterlippe, sie sog inbrünstig an du gebissenen Wunde» mtt geschlossenen Augen, ih'. Atem überflutete sein Gesicht, er lockerte seine Starre, gab nach, sank neben fie hin. Sie löste ihren Mund nicht von ihm. Seine Gedanken erloschen einen Augenblick, er fühlte nichis, al» den kurzen, heftigen, ziehenden Schmerz... Er hatte die Augen geschlossen. Sie richtete sich auf und musterte ihn. Der Riß auf sein:» Lippe krustete sich rasch etwas schwärzlich.... Auf dem Gang draußen rief jemand ungeduldig naH dem Stubenmädchen. Ein Auto vor dem Fenster schien nicht von der Stelle zu kommen und schnarrt fürchterlich. Dann sah er sie an. Er hatte ein« merkwürdige, jähe Empfindung, als ob mit den paar Tropfen Blut zugleich etwas, was seinen Körper bisher vergiftet hatte, herauSgefloffen war. Mit einer fast schelmenhasten Gebärde wie ein Knabe betastete der Rittmeister seinen Mund: „Wie schmeckt das Blut?" „Süß. Aber wie es wirken wird, weiß ich nicht. Weiß nicht, was du mir da gegeben hast Vielleicht haft du schon den Tod im Blut. Dann werde ich eben mir dir sterben." Haydö« sagte da» ganz unpathetisch. Dann erhob sie sich, begann sich vor dem Spiegel zurecht zu machen, als habe ein flüchtiger Kuß ihr di« Linie des Mundes verdorben. Dabei fragte fie: „Wo bist du heute abend»?" Er erzählte es ihr. Sie versprach mitzukommen: „Es interessiert mich sehr, was du tust^" Sie hielt es für so selbstverständlich, daß er nicht wagte, eS ihr abzuschlagen. Däm» berih- tetc er ihr auch von der Sitzung mit Mardrier Auch das nahm fie ohne Ueberräschung auf. „Wundervoll, da werde ick also Spanien sehen Siehst du, wieder ein Zufall!" j „Wo ist denn dein Vater geboren?" „Ja, das weiß ich nicht. Er soll Franzose gewesen sein, Student der Rechte. Er ging gr« radeöwegs vom Bett meiner Mutter nach Marokko. Sie hat nie wieder etwas von ihm gehört Meine Mutter war in Marseille, in einem Hotel. Sie war dort eine Art Personalchef."—„Hast du ein Bild von ihr?" „Nein. Aber sie lebt noch. Sie wchnt in einem kleinen Häuschen in einem Fischerdorf an der Riviera und verlauft Tabak und AnsichlS» karten." „Ich werde sowieso nächstens nack Frankreich müssen, nach Chateau Boncourt. Würde es.n Freude machen, bei deiner Mutter mit vorbeizufahren?" „Gern. Ich habe sie aber lange nicht gesehen. Vielleicht ist sie schon blind."—„Wieso koll sie denn blind sein?" «Ach, ich weiß nicht. Ich habe nur eine Zeitlang einen Chanson in meinem Repertoire gehabt, der fing an:„Blindes Mütterlein sitzt auf einem Stein, hast die Augen auSgeweint, siehst n-cht. daß die Sonne scheint"... und so fort. Seitdem fülle ich mir meine Mutter immer blind vor. Schreiben tut sie mir nicht. Da» letzte, was sie zu mir sagte, war:„Bilde dir nicht em, du Luder, daß ich dir Geld schicke, wenn du in einer d» Unterseeboot auf den. Namen„Grampus". Es ist das letzte U-Boot, das im Rahmen des Bauprogramms vom Jahre 1933 hergestellt wurde. Das Schiff hat eine Verdrängung von 1750 Tonnen und entwickelt eine Geschwindigkeit von 15 Knoten in der Stunde. Es ist ferner mit einer Minenlegvorrichtung ausgeftattet. tung des Jikstituts für Experimental-Mediziy betraut. Prof. Dr. Pawlow beschäftigte sich insbesondere mit den Herzkrankheiten und den Herz- und Nervensystem-Forschungen. Berühmt ist auch seine Theorie über die Reflexe, ferner seine Studien über Schlaf und Hypnose. Die bedauernswerten Opfer seiner zahlreichen Experimente waren unzählige Hunde. Für seine wisienschaftlichcn Arbeiten, deren er eine große Anzahl in russischer und französiichcr Sprache veröffentlichte, wurde Prof Pawlow im Jahre 1904 mit dem Nobelpreise geehrt. Iwan Petrowitsch Pawlow war Mitglied der Akademie der Wiffenschaften und fest dem Jahre 1930 Direktor der physiologischen Abteilung des Leningrader staatlichen Instituts. Gouverneur Hoffmann gegen die Polizei. Staatsgouverneur Hoffmann hatte den Belastungszeugen Whited am Samstag persönlich verhört. Nach dieser Privatvernehmung erklärte er. daß sich dabei die Unglaubwürdigkeit dieses Zeugen herausgestellt habe. Whited, so behauptet Hoffmann, sei ein Teil der für die Aufklärung des Kindberyhfalles ausgesetzten Belohnung ver»' sprachen worden. Außerdem habe man diesen Belästungszeugen vor der.„Identifizierung" Hauptmanns mehrfach besten Lichtbilder gezeigt. Die„New Jork Daily News" weiß von einem aufsehenerregenden Fund des bekannten Erfinders eines neuen Fingerabdruckverfahrens, Hudson, zu „«richten, der im Prozesse von Flemington für die Verteidigung ausgesagt hatte. Danach soll Hudson mit Hilfe ultravioletter' Strahlen festgestellt haben, daß die Leiter, die im Indizienbeweis für die Beteiligung Hauptmanns an der Ermordung des Lindberghkindes eine wichtige Rolle gespielt hatte, in Wirklichkeit von der Polizei unterschoben worden sei. Die Todes-Serie König Alkohols. Aus Mu» kacevo werden drei neue Opfer der Vergiftung mit denaturiertem Spiritus gemeldet. Es handelt sich um den Arbeiter Jan Gyulai, seine Frau Julie aus dem Orte Pasiky, Bezirk Svalava, und ihren 14jährigen Sohn, einen Schüler der Bürgerschule in Svalava, die sämtlich verstarben. Durch die Untersuchung dieses Vorfalles wurde ennittelt, daß Gyulai den Spiritus von seinem Schl vager erhielt, der Magazineur der Staatsbahnen in Mukacevo ist und der den Myhol in einem Faß fand. Der Magazineur ist selbst ebenfalls an Vergiftungssymptomen erkrankt. Lawine begräbt einen Waggon. Aus Wallace im Staate Idaho wird gemeldet, daß ein Personenzug im Gebirge von einer Lawine überrascht wurde. Ein Waggon wurde dabei unter dem Druck der Schneemasten abgeriffen und in die Schlucht geschleudert. Drei Fahrgäste wurden getötet und mehrere schwer verwundet. Tod in der Grube. Im Untertagebetrieb der Zeche„Viktoria" in Lünen bei Dortmund ereignete sich ein schwerer Grubenunfall. Durch Steinfall wurden zwei Häuer verschüttet. Trotz der sofort aufgenommenen Rettungsarbeiten gelang es erst nach neun Stunden, an den Unglücksherd heranzukommen. Die beiden, verschütteten Bergleute konnten nur als Leichen geborgen werden. Schwere Straßenbahnkatastrophe. In Stam» bul kam ein Straßenbahnwagens der mit Besuchern aus den Nachtvorstellungen der Lichtspieltheater vollbesetzt wär, durch die Feuchtigkeit auf einer abschüssigen Strecke ins Rutschen. Die Bremsen versagten und mit großer Geschwindigkeit fuhr der Wagen in einer scharfen Kurve mit'Wucht gegen ein Haus, dessen Vorderfront durchswßen wurde Gellendes Geschrei erfüllte dir dunkle Straße, Unter den Trümmern des Wagens und den Stül- ken der durchbrochenen Hausmauer lagen die dreißig Fahrgäste, von denen drei auf der Stelle den Tod gefunden hatten. Alle übrigen wurden teils schwer/ teils leichter verwundet. Von den fünfzehn Schwerverletzten liegen vier Personen hoff-! nungslos darnieder. Die Bewohner des beschädigten Hauses, die durch den Rammstöß aus dem Schlafe geweckt wurden, kamen mit dem Schrecken davon..-'•■„-S Der Mord bei Mistek. Dec junge Landwirt Smolik hat nach längerem Verhör eingeftanden, seine Frau und Stieftochter erschlagen zu haben. Smolik, ein geistig minderwertiger Mensch, befürchtete, durch die von seiner Frau betriebene Scheidung um die Mitgift von 100.000 Xä und damit um seinen ganzen Grundbesitz zu kommen. Wenn Nazi„beten". In einer hakenkreuz- lerischen Zeitung fanden wir das nachstehende, Adolf Hitler gewidmete Gedicht: „Der Atem derer, die ihn sehen, lischt, Die Erde, die vom Anmarsch hebt«, schweigt. Der Lärm hockt grau am Ende aller Welt. Der Führer steht. Der Führer hebt die Hand zum ewigen Gruß. Es schlägt sein Herz im Herzschlag seines Volkes. Er'steigt, vom Wunder ganz umhüllt. Des Führers Schreiten heute ist Gebet." Wenn ein richtiger Nazi' den Führer steht! verschlägt es ihm gleich den Aletn, das Hibbert ihm aber leider nicht, sich dann trotzdem hinzusetzcn und eine Hymne zu dichten. Mutterschaft' in der Sowjetunion. Die Moskauer Zeitschrift;,M olodajaGwar- d i'j a"(Junge Garde) stellt einige Briefe von Frauen zusammen, die in allerletzter Zeit geschrieben sind und welche die neue Stellungnahme der Sowjetfrauen zu dem Problem der Mutterschaft kennzeichnen(1936, Heft 1). In allen Briefen wird feftgestellt, daß nach den bekannten Aeußerungen S t a l t n s über die Notwendigkeit einer festen Familie und darüber, daß in jeder Familie mehrere Kinder sein sollen, sich die Sowjetfraurn viel sicherer und ruhiger fühlen. Ich habe f ü n'f Kinder, schreibt die Frau eines Professors. Das klingt so unglaubwürdig, daß ich überall-Mißtrauen begegnete. Man hat mich früher stets in der Konsumgenossenschaft, als ich meine fünf Kinderkarten vorwies, gefragt, wie ich diese zusammengeschwindelt habe. Jetzt, da man in der Presse soviel Gutes über die Familie schreibt, atme ich wieder- auf. Jetzt beachte ich keine schiefen Blicke mehr, da ich weiß, daß ich etwas g r o ß e S t u e, n ä m l i ch Kinder a u f z i e h e.— Eine andere Mutter von vielen Kindern schreibt:„Ich lebe aus dem Völlen... M e i n e P r o d u 1 t i o n ist gut geregelt. Der Produk- tionSplan wird hundertprozentig durchgeführt. Im Trog'— Seifenschaum, auf dem Herd—Kartoffeln, überall Teller, Windeln usw. Ich schmiede für das Land Komsomolzen und das ist alles."— In einigen Briefen klagen die Frauen darüber, daß die Männer sie zu Abtreibungen zwingen. Diese Frauen sind der Ansicht, man müsse die Sowjetgesetzgebung in der Richtung verändern, daß das Recht der Frauen auf Mutterschaft eine solide rechtliche Grundlage erhalte. Tie geheime« Tänze. Sita Buhari, eine orientalische Tänzerin, debütiert in diesen Tagen in London. Sie wird in det von T. C. Fairbairn dramatisierten Bühnenversion von Mendelssohns „EliaS"-Orawrium den Lucifer tanzen. Die 23jäh» rige Tänzerin ist' auf Ceylon von englisch-irischer, Eltern geboren und hat bisher immer im Orient gelebt. Mit ihrem Vater und einem eingeborenen Führer ist sie vor einiger Zeit in das geheimnisvoll« Weddah-Land eingedrungen. Sie sind die einzigen Menschen, die seit der Seligmann-Expedition nn Jahre 1910 dieses Wagnis unternommen haben Es gelang ihr, zwei Gruppen von Weddahs zu überreden, ihre geheimen religiösen Tänze vor ihr aufzuführen; ,den< einen- jedoch beendeten sie. nicht, da est< Gewitter aufkam, und die Tänzer erklärten, di« Götter seien böse darüber, daß sie einer Fremden die ihnen geweihten Tänze zeigten. Diese Wilüeu sind so primitiv, daß sie noch nicht einmal Musikinstrumente haben(sie blasen durch ihre Finger und trommeln sich auf den Magen). Der unbeimlichste Tanz, den sie von ihnen lernte, ist der„Besitz des Geistes", bei dem die Tänzer bewußtlos werden und in Trance fallen. Außerdem ist es Miß Buhar- gelungen, Angehörige dieses Stammes dazu zu be» wegen, in einen Schallvlatten-Aufnahmeapparat' zu 'singen. Die Platten find einzigartig. Die-Tänzerin hat vor der„Imperial Society" in London buddhistische, hindustanische und Weddah-Tänze demonstriert. Bei dem Tenfelstanz muß sie Sprünge bis zu vier Metern ausführen. Der Vatikan bekommt ei« neues Gefängnis. Ter Papst hat, seit Begründung des VatikanstaaieS. wieder ein irdisches Reich, lind wie jedes andere, muß auch dieses ein Gefängnis haben. Die Anstalt wird jetzt vollkommen umgebaut und mit dem letzten Komfort ausgestattet. Das Gefängnis enthält 5:' der Kleinheit des Staates nur zwei Zellen, hat aber ein eigenes Bad, ein Lazarett mit zwei Betten und einen Hof, in dem die Strafgefangenen spazieret:» gehen können. Wann das neue Gefängnis„einge- weiht" werden wird, kann zur Zest jedoch nicht gr, sagt werden. Denn schon seit Monaten ist niemand von den vatikanischen Behörden verhaftet und hinter Schloß und Riegel gesetzt worden, und«S ist wahrscheinlich, daß auch die Luxuszellen noch eine ganze Weile unbenutzt bleiben werden. Der Flieger als Gott. Reisende, die aus Paramaribo in Rio de Janeiro eintreffen, erzählen, ein eingeborener Indianer des Stammes Rocojana habe ihnen mitgeteilt, daß bei einem tief in den Urwäldern des Amazonenstromes lebenden Stamm, genannt BorotraS,«in weißer Mann lebe, der von den Eingeborenen als Gott angesehen werde und dem die Indianer den Namen„Tokojene" gaben, was ein vopr Himmel herabgestiegeneS Wesen bedeutet. Die Reisenden sind der Ueberzeugung, daß es sich um den nordamerikanischen Flieger Refcrn handelt, der vor einigen Jahren von den Vereinigten Staaten nach Südamerika flog und beim Ueberfliegen der tiefen Urwälder an den Flüssen Solimoes und Parana spurlos verschwunden ist. Die Weiterentwicklung des Wetters ist nunmehr etwas unsicher; da sich gegen das Binnenland einerseits eine tiefe Druckdepresfion von den britischen Inseln ausbreitet, andererseiS aus Algier eine neue Störung, begleitet von einer starken Erwärmung, nordwärts vorrückt. Für heute kann jedoch noch keine wesentliche Verschlechterung bei uns erwartet werden. Wahrscheinli- ches Wettervon heu^e: Wechselnd bewölkt, nur am Nordwestrand des Staates vereinzelt leichter Niederschlag, milde. Im Karpa- tbengebiet strichweise etwas stärkere nächtliche Abkühlung.^ W e t ter a u S's ich 7 e"N" für SamStag: Unbeständig, frischer Westwind. Vom Rundfunk empfehlenswert«» au* 4m PrapMMMSl SamStag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 12.10: Chansons, 13.40: Walzer, 15: Violinkonzert, 16.50:- für die Jugend, 17.55: Deutsche Sendung: Prof. Schausberger: DaS PreismiSschreiben der Sudetenbühne, 18.05: Der Löwen Erwachen, komische Operette, 19.15: Salonguartett,-22.15: Opernarien. Sender T: 7.30: Unterhaltungsmusik, 14.10: Deutsch« Sendung: Lustige Lieder zur Laute,.14.35; Kulturrelief.— Briinn 12.35: Orchesterkonzert, 17.40: Deutsche Sendung: Flick und Flock, die bösen Buben, Kinderrevne.■— Mährisch-Osira« 18: Orchesterkonzert, 20.10: Skifahrerweekend.— Kascha« 16: Orchesterkonzert. Mitteilungen aus dem Publikum Schützen Sie sich vor Krankheiten, welche das ungünstige Wetter mit sich bringt. Durch regelmäßige Massagen mir Alpa-Franzbranntwein Härten Sie Ihren Körper ab und machen ihn gegen die schädlichen Einwirkungen der rauhen Jahreszeit widerstandsfähiger. Befragen Sie Ihren Arzt! WaS macht man in Krisenzeiten am Land? Unwest von Zlin liegt das kleine, walachische Dorf Lujkovice mit seinen 620 Einwohnern und 2000 KL Steuergrundlage. Der Ertrag deS Gemeindever« mögens und der Gemeindeumlagen beträgt hier nicht mehr als 28.000 KL im Jahr. Dabei hat diese Gemeinde keine Schulden und schafft sich mit der. Zeit alles an, was sie zum Leben braucht. Wie? Der Baka'sche„Zlin" veröffentlicht s eine Unterredung mit dem Bauer Josef Slovak, dem Bürgermeister des Ortes, über das Gartenprogramm der Gemeinde:„Sehen Sie die Hänge rings um den Ort", bemerkte der Bürgermeister,„heute find sie noch leer und öde, aber ich möchte es noch erleben wollen, daß diese in Obstgärten umgewandelt find, die den Hauptteil deS Gemeindeoermögens darstellen. Wir haben uns das ins Gemeindeprogramm gegeben und haben auch schon angefangen. Nachdem wir kein Geld haben, sagten wir unS, daß die Gemeind« die Stecklinge besorgt und daß dann feder Gemeindefunktionär. vom Bürgermeister bis zum Wachmann und den BereinSmitgliedern, zwei Gruben eigenhändig auSgräbt. So ist bereits eine ganze Anzahl von Gruben zum Sehen vorbereitet."— Diese so ungeheuer einfache Methode der Selbsthilfe in Krisenzeiten zeigt deutlich den interessanten Einfluß der Bakaidee in der walachischen Umgebung Zlins. 1 I Nr. 50 Freitag, 28. Feber 1936 Seite 5 CLuitani Frankreich und das Problem der Rheinzonr. Ter gut informierte Pariser Mitarbeiter der Londoner Wochenschrift ,,Observer" telephoniert unterm 23. Feber: Die französische Regierung hat noch keinen endgültigenBeschluß darüber gefaßt, wie sie auf die eventuelle Verletzung der Bestimmungen über die demilitarisierte seitens Deutschlands reagieren werde. Man wird jedenfalls sich zunächst an den Völkerbund wenden. Aber die französische Regierung soll angeblich nicht abgeneigt sein, unter, gewissen Umständen, nämlich wenn Berlin bestimmte neue Garantien der Sicherheit bieten würde, den Einmarsch der deutschen Truppen in die Rheinzone zu bewilligen. Unter keinen Umständen werde jedoch Frankreich auf die Errichtung von Befestigungen in der Rheinzone durch Deutschland eingehen. Sollt« Deutschland solche Befestigungen errichten, dann würde es imstande sein, mit einer Armee von 8 0 0.000 Kann jedem französischen Einfall zu trotzen. In diesem Falle könnten alle übrigen deutschen Truppen für einen Angriff im Osten verwendet werden. Die Errichtung von Befesti« - gungen in der demilitarisierten Rheinzone'würde also die Kriegsgefahr bedeutend erhöhen. Mussolinis«tudentenaufrus und der Anschlag auf Leon Blum. Im Zusammenhang mit der scharfen Zurückweisung, die der französische Hochschulverband gestern Mussolinis Aufruf vom 81. Jänner„An die Studenten Europas" erteilt, publiziert„Populaire" folgende bemerkenswerte Zusammenstellung: Am 31. Jänner veröffentlich! „Popolo d'Jtalia" einen von Mussolini selbst verfaßten Aufruf an die Studenten Europas, in dem eS heißt:„Man muß mit den blutrünstigen Politikern aufräumen... Die Studenten von Paris, Brüssel und den anderen Großstädten werden in die Feueresse marschieren, die Blum werden eS vorziehen auf den Bänken der äußersten Linken in den Parlamenten, von Maschinengewehren geschützt, den sektiererischen Kreuzzug zu predigen." Auf diesen Aufruf erwiderte Lton Blum am 6. Feber im„Populaire":.Bon dem Mörder MatteottiS als der symbolische Vertreter alles dessen bezeichnet zu werden, was er haßt, beschimpft, bedroht und fürchtete ist die leuch- , tendste Ehrung, deren ich mich rühmen kann."-- Am 13/Feber Wurde Lkon Blum das Opfer eines Ueberfalls durch Gewalttäter der Action Fran- caise, deren Anhänger sich zumeist aus den Kreisen der Studenten rekrutieren. Ein merkwürdiger 'S Zusammenhang zwischen den Worten Mussolinis £ und den Taten der faschistischen Studentengarden in Paris.'.'»'/' Senator Borah gegen jede Einmischung m die Angelegenheiten der Alten Welt! Senator Borah, der einflußreiche. Führer der republikanischen Minderheit im amerikanischen Senat und der aussichtsreichste Kandidat der ■ republikanischen Partei bei der im November bevorstehenden Präsidentenwahl, hat Chaplin und diese Zeit Zur Uraufführung seines neuen Films Joh. H., London im Feber. Wenn wir Chaplin in seinem neuen Film, den er„M o d e r n T i m e S" nennt, zum erstenmal sehen, steht er neben anderen Arbeitern am laufenden Band einer Riesenfabrik; ganz arm, ganz erschöpft— einen Schraubenschlüssel in jeder Hand, ruckweise dir Muttern an den Werkstücken festziehend, die das endlose Band ruckweise heranfuhrt. Er muß sich— Pardon— kratzen. Das bringt ihn aus dem Takt, die Arbeitspartie am Laufband in Verwirrung. Dann summt ihm eine Fliege vor dem Gesicht; da er sie mit der Hand, die die Schraubenmutter festziehen soll, verscheucht, entsteht neuer Trubel am laufenden Band; Chaplin läuft seinem Werkstück nach, gerät seinem Arbeitskollegen ins Gehege, der Aufseher macht ihm Vorwürfe— die Mittagssirene entwirrt eine hoffnungslose Situation. Aber Chaplins Hände zucken immer noch im Takt des Lansbandes; sie verschütten seinen Teller Suppe. Als seine Frau den Arbeitssaal betritt, erinnern ihn die Knöpf« an ihrem Rock an die Schraubenmuttern, die er tagaus, tagein vor Augen hat, und er stürzt hin, um sie frstzuziehen. Schließlich beginnt er mit den Schraubenschlüsseln in den Händen einen zuckenden Tanz im Fabriksaal, reisst an den Hebeln der Kraftmaschinen und muß Iw Ambulanzwagen mit einem schweren Nervenzusammenbruch fortgebracht werden. Das alles ist furchtbar traurig und, während man eS sieht, kommt man aus dein Lachen nicht heraus. So geht es den ganzen Film hindurch. Gefängnis, Arbeitslosigkeit, Aufruhr, Hunger, Zusammenstöße mit der Polizei, Streik. Chaplin hat sich nicht gescheut, alle die Wes nselemenie dieser Zeit der tiefgehenden Erschütterung des Kapitalismus in seinen Film hineinzunehmen. Sie sind da, unverbogen, unverlogen, als grausame Tatsachen— aber, da sie ein komischer kleiner Clown erlebt, den die ganze Welt am steifen Hütchen, wirbligen Stöckcken und kleinen Bärtchen erkennt, werden sie zu sprudelnden Quellen unbändiger Heiterkeit. soeben in einer Funkrede gegen jede Einmischung der Bereinigten Staaten in di«„A n g e l e- genheitenund Streitigkeiten der A l t e n W e l t" in schärfster Weise Stellung genommen. Die Rede Borahs ist im wesentlichen gegen England gerichtet. Er klagte die britische Regierung an, daß es die Neutralität bewahrt habe, als das mächtige Japan China angegriffen hat. Jetzt versuche jedoch England die Bereinigten Staaten in den i i a» lienisch-abessinisch e n K ö n fl tkt zu verwickeln. Wir werden darauf nicht e i n g e h e n, meinte Borah. Wir haben keine Interessen in Aftika. Wir haben kein« Agitatoren nach England gesandt, uns sein« Einmischung in den chinesisch-japanischen Konflikt zu Diese Statisttk lehrt, daß die allgemein« Meinung, daß der Rohstoffreichtum im Kolonialbesitz liegt, nur bedingt richtig ist. Die Sowjetunion Daß man dennoch keinen Augenblick dapeinliche Gefühl hat, hier treibe einer mit Entsetzen Scherz, hat seinen guten Grund. Der Scherz ist hier nicht Selbstzwecks Er ist nicht nur da, um uns lachen, sondern auch ym uns denken zu machen. Man fühlt: dem komischen kleinen ClMvn, der diese Gcherze macht und ihnen immer wieder in der kläglichsten Weise zum Opfer fällt, ist es im Grunde bitter ernst. ES ist die Sache der armen Teufel dieser Welt» der Enterbten aller Länder, die er führt, gegen die Maschinen und Mächte, die sie bedrücken. Er tut eS auf die ihm gemäße Weise:„er hat Gelächter angestellt", wie jener Zauberer bei Christian Morgenstern, der Humor ist seine Waffe. Nur Unverstand wird von ihm Parolen, rationale Analyse, einen konstruktiven Ausweg aus den Wirren dieser Zeit erwarten. Aber nie noch war Chaplin so d eu fit ch wie in diesem letzten Film. Immer hat er die armen Teufel verkörpert, ihre Bedrängnisse mit den Mitteln der komischen Kunst gestaltet. Nie noch hat er so unzweideutig das Proletarierschicksal zum Inhalt seines Films gemacht, sich so mutig auf die Seite der Ausgebeuteten und Unterdrückten gestellt. Die Gesetze der bürgerlichen Moral— ein Heiligtum für Hollywood— werden in diesem Film bewußt entwertet. Stehlen ist verboten— aber wenn man hungert und hungrige Kinder zu Hause warten, bleibt einem nichts übrig und unsere Sympathie gehört dem Dieb, nicht seinen Verfolgern. Gefängnis ist«ine Strafe— aber in dieser auf den Kopf gestellten Welt geht es dem armen Teufel Chaplin im Gefängnis noch am besten. Wir freuen" uns von Herzen, wenn er sich dann,. ohne einen Groschen in der Tasche, in einem Restaurant einen guten Tag macht und statt dem Wirt dem Polizeimann winkt, um die Zeche abzusitzen. Wir freuen uns, wenn er und sein zerlumptes Mädel nächtlicherweile in den Herrlichkeiten eines Warenhauses schwelgen und haben selbst für die drei Einbrecher in diesem Warenhaus Verständnis, die brave Arbeit^: waren, bis sie die Krise aufs Pflaster geworfen hat. Äni klarsten offenbart sich Chaplins Absicht in der Frauen fig p r dieses Films. Das ist nicht mehr ein zgrt.es, romantisches Geschöpf wie das blinde Blumenmädchen in den„Großstadterzwingen,, wir wünschen aber auch nicht, daß die Engländer heute ihre Agitatoren'zu uns senden. Goerdeler gegen Schacht."(AP.) Ter Leipziger Oberbürgermeister und ehemalige PreiSkoM- miffar Goerdeler hat in einir Teickschrift, die großes Aufsehen«regte, eine Abwertung der Mark um 40 Prozent gefordert. Gleichzeitig verlangte er Milderung der Dtvssengesetzgebung, strenge Kreditrestriktion;'Reinigung des BerwaltungsapparateS. Die Denkschrift richtet sich im Grunde gegen Schacht. Sie fand nicht die Billigung HttlerS, doch heißt es, daß Goerdeler gefragt worden fei, ob er ins Kabinett eintreten wolle. GoerdelerS Entscheidung steht noch auS. Dies würde bedeuten, daß man sich darum bemühe,«inen Gegenspieler gegen Schacht zu finden, um dessen Stellung zu ßhwächen. zum Beispiel, die mit hohen Prozentzahlen ver- treten ist, ist keine Kolonialmacht. Ihr Besitz au Rohstoffen befindet sich innerhalb des Landes, und lichtern", das ist diesmal ein wildes Gassenmädel in Lumpen, mit fliegenden Haaren—«ine Verkörperung proletarischen Rebellentrotzes. Wir sehen sie zum erstenmal, ein Messer zwischen den blanken Zähnen, auf einem Frachtkarren Bananen stehlend; ihr Batet ist ein Arbeitsloser, der bei einer Demonstration von der Polizei niedergeschossen wird; sie stiehtt für ihre hungrigen kleinen Geschwister, entläuft dem drohenden Waisenhaus, stößt mit Chaplin zum erstenmal auf der Flucht nach einem Brotdiebstahl zusammen, trifft ihn wieder im Gefangenenwagen. Sie erfüllt ihn mit Widerstand gegen alle Schicksalö- schlägepdie sie beide ereilen, und so gibt er diesmal an Stelle der melancholischen Resignation, in der die letzten Filme Chaplins ausklangen, ein sehr charakteristisches gutes Ende: zwar sind sie beide wieder auf der Flucht, ohne Habe und Heim, auf der Landstraße, auf die der ewig« Landstreicher Chaplin immer wieder gestoßen wird, aber die Sonne geht auf und unser Charlie spricht ein paar Worte, wie man sie von ihm noch nie gehört hat:„Kopf hoch!", sagt er zu seinem Mädel,„wir gehen nicht unter, wir w e r d e n's schaffen!" Und festen Schrittes schreiten sie auf der Straße dahin, den lockenden Bergen zu, die im Hintergrund im ersten Sonnenglanz aufleuchten. Es ist,- als ick das Erlebnis der deprimierenden kapitalistischen Krisenjahre, in denen diese» Film entstanden ist, dem skeptischen Künstler Chaplin Zukunftsglauben und die Zuversicht gegeben hätte, daß die Enterbten und Ausgebeuteten, diese unmögliche Welt doch noch zurechtkrempeln werden. Auch rein filmkünstlerisch gesehen ist der neue Chaplinfilm ein wundervolles Werk. Stilistisch setzt er die Tradition fort, dse aus den uralten Mac-Sennett-ÄroteSken seiner Frühzett .allmählich und ohne Bruch erwachsen ist. Chaplin hat seine guten Gründe, warum er an diesem Stil, den er sich als das künstlerische Medium seiner Persönlichkeit erarbeitet hat, festhält. Es wird darum auch in diesem Film nicht gesprochen— wenigstens nicht von Menschen; nur die mechanisierte menschliche Stimm- ist hörbar, aus dem Gramnwphon oder dem Fernsehapparat. Und, allerdings, an einer Stelle Chaplins S i n g st i m m e. Charlie singt ein Chanson mit Neuverteilung der Kolonien? Das Rohstofffproblem Die Unterhaussitzung vom 6/ d., in der eZ zunächst nur um die Frage der Verteilung der Rohstoffe ging, hat vor allem durch"Lloyd George eine Wendung genommen, die die ganze Frage der Kolonien in voller Breite zu behandeln notwendig macht. Es sind bereits für die nächste Sitzung des Unterhauses Anfragen an Eden und Thomas, den Chef des Foreign Office und den Kolonialminister, eingebracht worden, die mit aller wünschenswerten Deutlichkeit die verantwortlichen Männer Englands veranlassen werden, grundsätzlich zur politischen Seite des Kolonialproblems Stellung zu nehmen. Die Anfrage des konservativen Abgeordneten Sir Henry Page Trost hat folgenden Wortlaut: »Ist der Kolonialminister in der Lagt, dem Unterhaus die Versicherung abzugeben, daß die Regierung Seiner Majestätniemals die Abtretung einer britischen Kolonie an eine ftemde Macht in Betracht gezogen hat und auch in Betracht zieht? Kann er dem Unterhaus die Versicherung geben, daß rem einziges'Großbritannien gehöriges Ter- ritoriüm jemals auf einer Weltkonferenz Obje" -irgend welcher Verhandlungen sein wird?" Diese Anfrage gibt in voller Treue die Stimmung der englischen Öffentlichkeit nach dem Vorstoß von Lloyd-George und Lansbury wieder. Die Presse weist ausdrücklich darauf hin,, daß zwischen Rohftoffbesitz und dem-politischen Besitz von Kolonien ein himmelweiter Unterschied sei und daß di» Frage, die durch Samuel Hoare in Genf am 11. September aufgerollt wurde, nur das erste betrifft und unter allen Umständen nicht dazu führ-n dürfe, eine Neuverteilung von Mandaten hecbei- zuführen. Rein sachlich und abgesehen von der Politik fällt das Rohstoffproblem auch durchaus nicht mi. dem Kolonialproblem zusammen. Es genügt, dir Zahlen zu betrachten, di« die Verteilung der Rich» stoffe unter den verschiedenen Staaten angeben Für die wichtigsten Rohstoffe liefert die Statistik folgende Uebersicht: Braunkohle: Baumwolle: US«...... 49.2 % Kautschuk: % Deutschland..,, 77.0 % Großbritannien... 58.0 Polen... i■ 7.4 % Großbritannien... 24.4 % Holland u. Kolonien. 87.2 % Großbritannien.«. 8.7 % USSR 7.1 % Uebrige Staaten., 4.8 % klebrige Staaten... 11.0 % Uebrige Staaten.« 19.3 % Steinkohle: Zinn: Erdöl: USA.....,, 84.4 % Großbritannien... 43.0 % 59.8- % Großbritannien.,, 25.4 % Bolivien 19.0% Venezuela....• 18.0 % Deutschland..,, 22.2 % Holland u. Kolonien. 16.5 % USSR..■»• 11.7 % USSR...... 8.5 % USSR..... 15.5 % Persien..... 7.0 % Frankreich u. Kolonien 4.5 % Uebrige Staaten.,, 6.0 % Uebrige Staaten inkl. Uebrige Staaten■»• 5.0 Rumänien...- 8.0 % Eisenerz: Getreide: Kupfer: Frankreich u. Kolonien, 29 % Großbritannien... 23.4 % Großbritannien., . 80 % USA....... 22 % USSR..... 21.2 % Chile...... . 20 % USSR...... 19 % US«...... 10.9 % USÄ••«••• . 17 % --GrsMitMmest,» 10 % Frankreich u. Kolonien l&1 % Belgien u. Kolonien, a.,.7 .% .Deutschland...., ., ö% Wake»-’fl.B % Japan»... a • V 7 % Schweden. 4 % Argentinien.% ,", 5.9 % .. H...»«■ . 8 % Uebrige Staaten.■« 11 % Deutschland.... 4.3 % Uebrige Staaten., . 16 % Uebrige Staaten., 19.0 % Dem Gedenken Ampöres Zum 100. Todestag des berühmten französischen Mathematikers und Physikers Andrö Marie Ampöre gibt die französische Postverwaltung eine Erinnerungsmarke im Werte von 75 Centtmes heraus, deren Ertrag der Emigrantenhilfe zugute kommt. sicherlich kann die politische Frage einer Neuverteilung der Rohswffe unmöglich bedeuten, daß Rußland seine Petroleumquellen bei Baku oder seine Erzlager im Ural anderen Staaten abtritt. Das gleiche gilt auch für die Bereinigten Staaten, bei denen der Kolonialbesitz nur ganz geringfügige Prozente des Rohstoffbesitzes ausmacht. Lloyd George hat sich wohl gehütet, diejenigen drei Staaten, die den größten Besitz an Roh- stoffen haben, in die Debatte zu werfen. Er hat weder sein eigenes Land Großbritannien und das mächtige Kolonialreich genannt, noch du Vereinigten Staaten, noch Sowjetrußland. Genannt HU ec dagegen Belgien, Holland und Portugal. Bei der Aufrüllung des Rohstoffproblems ist an die Abtretung deS Röhstoffbesitzes durch«itt-S der beiden ersten von Lloyd George genannten Länder ernsthaft überhaupt nicht zu diskutieren. Es bleibt Portugal, und man weiß, daß dir Frage des Verkaufs portugiesischer Besitzungen ventiliert wird. Aber eS bleibt festzustellen, daß Portugal in der hier zitierten Stattstik auch nicht ein einziges Mal vorkommt. ZWMWs bei affen Anffsson der Arbeiterfürsorge! Worten, die man überall verstehen wird, weil man sie nirgends verstehen kann; Worte/ die jedem in seiner Sprache bekannt vorkommen und die doch zu keiner bekannten Sprache gehören; für die Verständlichkeit dieser unverständlichen Worte sorgt Chaplins mimische Ausdrucksfähigkeit. Im, übrigen hort man nur Begleitmusik, leichte, liebe Musik— ebenfalls von Chaplin selbst—» irgendwie an die, kleinen Kinoorchester der,Stummfilmzeit erinnernd. Und man liest wieder Zwischentitel:„Eine Woche später" oder„Einsam und hungrig"— wie in den Zeiten der Chaplin- Zweiakter! Auch manche der„Gags", über die wir in dem neuen Film so herzlich lachen, könnten aus den frühen Chaplin-Grotesken stammen und stammen vielleicht wirklich daber. Aber die alten Clownscherze hält nun ein geistiges Band zusammen; im Zusammenhang bekommen sie nLue Bedeutung, ohne ihre alte Komik zu verlieren, Und neue sind da, aus dem neuen Stoff geboren; am großartigsten Wohl, als Lacheffekt wie als Symbol, die Vorführung der„E ß m a s ch i n e", die in. der Fabrik ausprobiert wird, um die Mittagspause zu rationalisieren. Paulette G o d a r d, ein Revuegirl, bis Chaplin sie zu seiner Hauptdarstellerin wählte, gibt eine ideale Verkörperung des wilden Gassen- mädels. Im übrigen sieht man viele gute Bekannte aus Chaplins altem Kreis. Prächtig charakterisierte Figuren tauchen auf, der Gefängnisgeistliche z. B., und vor allem feine schottert« Frau mit Hündchen. Manche Gesichter, die man nur auf wenige Augenblicke zu sehen bekommt, vergißt man nicht wieder— das kurios verschmitzte des verhutzelten kleinen Gefangenen etwa, der das Rauschgift schmuggelt. Chaplin selbst als Schauspieler ist natürlich der alte geblieben. Mitleid und Ironie, Plumpheit und Grazie— aus der Dynamik dieser Gegensätze schöpft seine Schauspielkunst. Wieder bewundert man die tänzerische Grazie, mit der er in seinen viel zu großen Schuhen über die Lein- ivand watschelt, wenn er nicht, ausnahmsweise, auf Rollschuhen in elegantem Bogen dahinschwebt oder, in«stier reizenden kleinen Traumszen«, von seiner Erdenschwere befreit ist. Er ist im ganzen der alte geblieben und ait f seinem Weg wieder ein Stück vorwärtSgegangeif. Ein gutes Stück nach l i n k sl Crite G Prager Zeitung Mörder Arbeitslosigkeit Die 52jährige Kaufmannsfrau Emilie Budvit bersuchte sich gestern nachmittags in ihrer Wohnung in Nusle mit Leuchtgas zu vergiften. Sie wurde noch lebend aufgefunden und auf die Klinik Hynek ge,, Sozialdemokrat* schiedene Gläser und Fensterscheiben in Trümmer gingen. Auch der herbeigeholte Polizist vermochte zunächst gegen die renitenten drei Könige nichts auszurichten, sondern erhielt einen Hieb auf den Helm Es dauerte eine Weile, che man die Tobenden ge bändigt hatte. Es wurde eine Anklage daraus, die unter Umständen eine mehrmonatige Kerkerstrafe hätte nach sich ziehen können. liche Menge alkoholischer Getränke. Nach Aussage des Kellners und anderer Zeugen bewegte sich der Dazu kam es zum Glück nicht, denn die Zeugen Bierkonium dieses Kleeblattes zwischen zehn und bierzehn Bieren pro Mann, wozu noch ber erklärten, daß die Angeklagten so betrunken gewesen schiedene Schnäpse kamen. Die Stimmung war auf seien, daß sie sich ihrer Handlungen nicht bewußt sein der Höhe und blieb es, bis endlich der Wirt Sperr- tonnien. Auch der Polizist bestätigte, daß sie ihn bracht. Das Motiv der Tat sind schlechte stunde ansagte und seine Gäste bat, aufzubrechen. nicht als solchen erkannt hätten. So ging die Sache finanzielle Verhältnisse. Der 52jährige Chauffeur Karl Černý aus Die übrige Gesellschaft war schon nach Hause gegan- glimpflich aus. Die drei Angeklagten wurden nur Smichow schnitt sich gestern in der Garage seines gen, aber die drei Kameraden weigerten sich energisch, wegen lle bertretung der Trunkenheit Arbeitgebers die Adern auf, da dieser ihn wegen das Gasthaus zu verlassen. Als schließlich Kellner zu drei Wochen Arrest verurteilt. Ueber die eigener mißlicher Verhältnisse entlassen und Gastwirt Miene machten, etwas nachzuhelfen, Bedingtheit der Strafen wird noch entschieden hatte. Er wurde ins allgemeine Krantenhaus fam es zu einem schweren Erzeß, bei welchem ver- I werden. gebracht. In der Nacht auf gestern wurde im Treppenflur eines Hauses in Prag- Weinberge der 38jährige arbeitslose Chauffeur Adalbert Chalupský be- 1 toustlos aufgefunden und mit schweren inneren Verlegungen auf die Klinik Schloffer gebracht. Er hatte sich seiner langen Arbeitslosig teit wegen über das Geländer gestürzt. 70jähriger überfahren. Der 27jährige Fabrifant Georg Rausch aus Prag II. überfuhr borgestern nachmittags um 6 Uhr seinen 70jährigen Standesgenossen Julius Basch aus Dejwiß und verletzte ihn schiver. Basch mußte mit einer schweren Gehirnerschütterung und verschiedener Quetschwunden von der Rettungsgesellschaft in bewußtlosem Zustand auf die Minif Jirájet gebracht werden. Rausch wurde der Führerschein entzogen. rb. Internationaler Frauentag mit der Parole: Gegen Krife und Fafchismus- vorwärts zum Gozialismus am Mittwoch, den 4. März, um 7 Uhr, im großen Steiner- Saal des Lidový dům, Prag II., Sybernska 7. Rednerinnen: Gen. Kirpal( deutsch) und Gen. Karpiškov a( tschechisch). Rezitationen, Gesang, Sprechchöre. Kunst und Wissen Opfer feines Berufes. Ein Motorwagen der der- Linie fuhr gestern früh aus der Obstgasse infolge einer falschen Weichenstellung statt auf den Graben auf den Wenzelsplab und stieß mit einem aus der entgegengeseßten Richtung kommenden 4er- Wagen Einen Zyklus dreier Beethoven- Abende im zusammen. Siebei wurde vor allem der Schlepp- Abonnement gibt der bekannte Pianist Frederic La wagen in Mitleidenschaft gezogen, dessen Schaffner mond am 10., 17. und 24. März in der Produkten Josef Pallas au Smichow zu Boden geworfen börse. wurde und bewußtlos liegen blieb. Mit einer schwe ren Gehirnerschütterung wurde er ins allgemeine Krankenhaus gebracht. Ferner wurden die Platt form und zwei Fenster des ber- Wagens zerbrochen; dem 4er- Wagen geschah nichts. Neunjähriges Kind überfahren. Der 20jährige Chauffeur Friedrich Majer aus Prosek überfuhr mit seinem leichten Laftauto P- 24.614 gestern bormittags in der Königsstraße in Lieben das neunjährige Töchterchen eines Gemeindearbeiters aus Wysotschan, die Schülerin Vera Weber. Der Chauffeur brachte das Kind in seinem Auto ins Krankenhaus auf der Bulovka, wo eine schwere Gehirnerschütterung und ein Bruch des linken Fußes festgestellt wurde. Der Chauffeur bestreitet ſeine Schuld, doch wurde ihm der Führerschein entzogen. Gerichtssaal Die unheiligen Drei Könige Tschechoslowakei freigegeben: Drei deutsche Filme: ,, Krach im Hinterhaus"( Globus- Film),„ Der Favcrit der Kaiserin"( Moldavia- Film),„ Donogoo Tonta"( Ufa- film), drei amerikanische Filme: Einen Tag Millionärin"( Koruna- Film). Männer Ses Gesezes"( Meißner- Film) und Prinzessin Incognito"( MGM- Film) sowie mehrere Kurzfilme verschiedener Herkunft. Belgien wird Filme erzeuger. Die belgische Regierung will eine nationale Filmproduktion ins Leben rufen und wird zu diesem Zwecke in Brüssel moderne Ateliers errichten. Man rechnet mit einer vorläufigen Kapazität von 15 Filmen jährlich, die von den belgischen Kinos obligatorisch gespielt werZweimaliges Gastspiel Richard Tauber am 4. und 6. März in„ Giuditta" und" Land des Lächeln s" im Neuen Deutschen Theater.( Abonn. aufgeh.) Vorverkauf täglich. Da B2 und D2 heuer noch keine großen Gastspiele erhielten, gelten für Abonnenten B2 Mittwoch, für Abonnenten D.2 den müssen. Freitag 50prozentige Bons der Kleinen Bühne ausnahmsweise für das Tauber- Gastspiel! Deutsche Akademie für Musik und darstellende Kunst. Deffentlicher Abend( Zeitgenössische Musik) am Montag, den 2. März, um 20 Uhr im Saale des Deutschen Mädchenlyzeums. Kinder= freunde Oper von Dimitri Schostakowitsch, welche vor furArbeitervorstellung. ,, Katharina Ismailawa". sem bei der Uraufführung einen vollen Triumph, HALLO, KINDER!" feiern fonnte, am Sonntag, den 1. März, um halb 3 Uhr. Karten täglich( 8 bis 2, 4 bis 6 Uhr) bei Optiker Deutsch, Koruna. Jugendliche haben keinen Zutritt. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Heute, Freitag, halb, 8. Uhr: Der Frei 1. Samstag halb 8 Uhr: Or Brag. Die drei jungen Leute, die gestern wegen ich in der Unterwelt, Festvorstellung 11 Spielplan der Kleinen Bühne. Heute, FreiWißt ihr schon, daß die Roten Falken einen Mummenschanz veranstalten? Und zwar am Sonntag, den 8. März, nachmittags, im Odborový dům auf dem Perštýn. Sport- Spiel- Körperpflege Freitag, 28. Feber 1936. Nr. 50 Buster Keaton in dem Lustspiel Frigo, der Wohltäter der Menschheit". Tollien Schnurmann( Holland), die bekannte bürgerliche Kurzstredenläuferin, hat ihrem Verbande mitgeteilt, daß sie die Teilnahme an der Olympiade im Dritten Reich verweigere. " 1 " Das Ende der Prager Mustermesse Läufe". Wie die Leitung der Prager Mustermesse mitteilt, hat sie das Protektorat über die sogenannten„ Mu stermesse- Läufe" zurückgezogen. Sie begründet diefa Maßnahme mit der Uneinigkeit und den Zwischenfällen, welche sich bei den letzten Läufen ergaben. Diese Veranstaltung wurde von der Leichtathletiffektion der Prager Slavia organisiert und diese hat nun nicht mehr das Recht, die Bezeichnung Mustermesse- Lauf" zu verwenden. Bei diesem Lauf starteten jeweils registrierte( bürgerliche), nichtregistrierte Sportler und Soldaten in ihren Kategorien. Bei dem letzten Lauf ergab sich, daß die nichtregistrierten Sportler und Soldaten von den Funktionären der Slavia nich mehr gewertet wurden, also nur zur Staffage dien ten, was dann zu ernsten Komplitationen führte und schließlich obige Mitteilung der Mustermesse im Ge folge hatte. aus der Partei Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Einladung zu der am Freitag, den 28. Feber 1936, um 8 Uhr abends im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Prag I., Persión 11, stattfindenden tag, abends 8 Uhr: Dergoldene eranz, Der Kreis- Fußballertag in Auffig findet, wie Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier bereits verlautbart, am Sonntag, den 1. März 1936, Jahres- Versammlung Verkauf. Samstag 8: Die erfte Region. in Aufsig( Boltshaus) statt. Beginn halb 9 Uhr vorSonntag 3: Was Ihr wollt, 8: Die mittags. Die Delegierungen wollen vollzählig vorerste Legion. genommen werden. Die Kreisspielleitung. boshafter Beschädigung fremden Eigentums und Ge- zugunsten der Bensionsanstalt des Deutschen Theas Abonnement aufgehoben. walttätigkeit gegen Sicherheitsorgane vor Gericht ers ters, neuinszeniert, schienen, hören auf den gleichen Vornamen Josef. Sonntag halb 3: Ratharina Ismailo, Ihre Familiennamen wollen wir berschweigen. C3 ma, Arbeiterborstellung, halb 8: 11 n entfcul. find lustige Kumpane und so taten sie sich am Drei- digte Stunde, C 2. fönigstag oder vielmehr am Vorabend dieses Feiertages( einem Sonntag) zu einer ausgiebigen Hez" zusammen. Nach altem Wolfsbrauch ziehen bekannt lich zu dieser Zeit die heiligen drei Könige" von Haus zu Haus und singen die koleda", wofür sie eine Belohnung in Geld oder Eßwaren erhalten sollen. In der Großstadt ist ganz besonders in diesen Notzeiten dieser Branch in seiner ursprünglichen naiven Form abgestorben. Was da als„ Dreifönigssänger" mit Flitterkronen auf dem Kopf und in den sonderbarsten Königsmänteln" vor den Türen und in den Gasthäusern seine fläglichen Litaneien Herunterleiert, um hie und da eine kleine Münze zu erhaschen, sind arme Teufel, vielfach Kinder, die ausgezogen sind, um ein paar Kronen heimzubringen. Der Film Paris erhält ein Riefenstadion. Paris ist die einzige Weltstadt Europas, das fein großes Stadion besißt. Da die Weltausstellung im Jahre 1937 aud sportliche Veranstaltungen größten Stils bringen joll ergibt sich die Notwendigkeit, ein Stadion zu erric ten, das 80.000 bis 100.000 Zuschauer faßt. Es steht noch nicht feit, ob ein neues Stadion errichte! wird oder ob jenes im Parc de Princes ausgebaut und erweitert wird. Die tichfl. Sektion der Fipresci aufgelöst! Die tschst. Sektion der Fipresci teilt offiziell mit: Die tschechoslowakische Sektion der internationalen OrgaDie drei Josefs, die gestern vor Gericht standen, nisation der Filmjournalisten Fipresci, die auf dem Olympischer Nazi- ,, Amateurismus". Die Nazizählen nicht zu diesen armseligen Figuren. Es sind Internationalen Filmkongreß in Berlin 1935 ge= sozusagen Amateure. Sie traten in geschlossener gründet wurde, hat liquidiert. Durch die Handlungssportlerin Christel Cranz, welche bei den Olympischen Gesellschaft im Kostüm des heiligen Kaspar, Melchior weise der deutschen Mitglieder waren die übrigen Winterspielen den ersten Plazz in der Alpinen Komund Balthasar auf und ernteten großen Beifall, Mitglieder der Fipresci gezwungen, aus der Orga- bination der Frauen besetzte, wurde in ihrer Hei woraus sich schließen läßt, daß ihre Vorträge sich nisarion, die sie demokratisch und unpolitisch führen matstadt Freiburg begeisteri" empfangen und die nicht auf erbauliche geistliche Gesänge beschränkten. wollten, auszutreten. Die Liquidierung der tichil. Stadt schenkte ihr für ihre sportliche Leistung zum Namentlich der Mohr" mit seinem geschwärztea Sektion wurde der Zentrale nach Brüssel bekannts Dant ein Kleinauto. Der badische Unterrichtsmini iter tat ein übriges und ernannte die Cranz zur Affi Geficht hatte außerordentlichen Erfolg. Die gelungegeben." Film Beratungsstelle. In der verflossenen stentin am Institut für Leibesübungen an der Un nene Produttion endete mit einem solennen Gelage und die heiligen drei Könige vertilgten eine beträcht- Woche wurden folgende Filme zur Einfuhr in die versität Freiburg. etwas zu trinten wünsche: Milch oder Kaffee. I alle Medizinen nach Rezept, natürlich auch alle affohol wird in den Drogerien nicht ausgeschenkt, Bandagen und sonstigen Behelfe zur Strantennur in verschlossenen Flaschen verkauft. Man fann pflege. auch ein Lurusdiner mit erlesenen Delikatessen Im übrigen bekommt man in der Drogerie Tagesordnung: Berichte: des Vertrauensmannes, des Kassiers, der Kontrolle. Neuwahlen. Die nächsten politischen Aufgaben. Referent Genosse Dr. Emil Stra u B. Allfälliges. Zutritt zur Jahresversammlung haben nur Parals drei Monate im Rückstand sind( ausgenommen teimitglieder, welche mit den Beiträgen nicht länger Arbeitslose) gegen Vorweisung der Mitgliederlegitimation. Wir machen aufmerksam, daß ohne Mitgliederaus weis kein Einlaß gewährt werden kann und ersuchen die Mitgliederlegitimation unbedingt mitzubringen. daher, um unliebiame Differenzen zu vermeiden, reiheit" Die Bezirksvertretung. Vereinsnachrichten Deutsche Volkssinggemeinde Prag DAS xxxxx Die amerikanische Drogerie C. C. Von der Freiheit des Handels in Alle aktiven Sangesgenossen werden Amerika kann man das beste Bild gewinnen, wenn und Früchten, mit den Ananas von Haiiaii, mit auch alle eigentlichen Drogeriewaren, Drogen, ersucht, vollzählig zur Generalver man in eine Drogerie geht. Dazu gibt es viele den Erdbeeren von irgendwoher, die man in Seifen, Parfumerien, Schönheitsmitteĭ; aber sammlung der Partei am Freitag, Anlässe. Man muß telephonieren. Wo geht man Amerika fast das ganze Jahr hindurch bekommt, auch Briefpapier und Tinte, Reisebügeleisen, um 8 Uhr zu erscheinen, da dieser hin? In die Drogerie. Jede hat öffentliche TeleAbend mit zwei Chören durch uns eingeleitet wird. phonautomaten. Man hat Hunger auf ein Sand- oder mit den köstlichen Avocados haben, einer elettrische Zimmerfächer, Scheren, Kopfbürsten, Der Ausschuß. wich. Vormittag, Nachmittag, Nachts. Drogerie. birnenförmigen Frucht, deren fettes Fleisch sich Bigaretten und Pfeifen, Briefmarken und die be= Der Ball des Allg. Angestellten Verbandes, Man kann auch seinen Lunch, seinen Mittagstisch wie Butter aufs Brot streichen läßt. Nachmittags tanntesten Wochenschriften, alles Rafierzeug, alle Photoartikel, Staubtücher, Stoppelzieher, um die Ortsgruppe Prag, findet am 29. Feber, Samstag, dort haben. Oder sein Abendessen. Tausende gehen ist die Drogerie das ,, Kaffeehaus". Weihnachtszeit Puppen und Kinderspielzeug, im Heinejaal, Weinberge, Fochova, statt. in die Drogerie speisen. Sie jizen dann an der Eine Dame fommt herein. Sie geht nach Tagebücher und das ganze Jahr über Bücher im langen Tafel auf ihren Drehstühlen und sehen rückwärts in die Apothefe. Sie flagt dem Ramsch". Das ist eine Eigentümlichkeit des zugleich, wie hinter dieser Tafel ihre Speisen be- Manager ihre Schmerzen. Er ist gelernter Phar amerikanischen Buchverlagsgeschäftes. Was nach reitet werden, ohne Küchendunst. Längs dem Speisetisch laufen etwas tiefer angeordnet die geht mit ihr an die Speisetafel. Die immer dert in die Drogerie zum Drittel- oder Viertel Aus der Frühzeit mazeut. Er rät ihr ein bestimmtes Pulver und bestimmter Zeit nicht regulär verkauft ist, wanEisschränke und die Kochherde, die Abwaschbecken lächelnde Kellnerin gibt ihm zwei halbvolle preis und findet dort sein Publikum. Daß man in friedlichem Nebeneinander, besser in hygieni- Waffergläser und einen langitteligen Löffel. Er auch seinen Weihnachtskuchen in der Drogerie schem Nebeneinander. Gläserwaschen, Tellermischt die beiden Bulber so lange bis sie schäumen fauft, seine Armband- und Weckeruhr, endlich trodnen, Egzeugpußen, alles automatisch. -Seidlißpulver. Die Dame trinkt das Gemisch, die elektrische Taschenlampe und noch einige hunZugleich mit der Speisekarte erhält der Gast darauf ein Glas Wasser, das für sie schon bereits dert andere Dinge, die Kinder ihre Schleckereien, ein Glas Wasser. Erst mitten im Essen fragt ihn gestellt ist. Aerztliche Hilfe. Pulvermischen, ein versteht sich nach dieser Aufzählung am Rande. eine der uniform und stets rein gekleideten, in Glas Wasser, alles um den Pulverpreis von 5 Eigentlich müßte man fragen, was man in einer der Regel sehr hübschen Servierdamen, ob er oder 10 Cent. In dieser Apotheke erhält man auch amerikanischen Drogerie nicht bekommt. ganzjährig Kč 192.-.- Inserate werden laut Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Bost monatlich Kč 16.- vierteljährig Kč 48.-, halbjahria Kč 96.Die Zeitungsfrankatur wurde ven der Post- und TeleTarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaz. Rüditellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarfen. graphendirektion mit Erlag Nr. 13.800/ VII/ 1930 bewilligt. Druderei: Orbis", Drud, Verlags- und Zeitungs- A.- G. Prag, Karl Kautsky: des Marxismus Engels Briefwechsel mit Stautsin, 400 Seiten, farton. Kč 70.- 3u beziehen durch die Zentralstelle für das Bildungswesen Prag XII., Slezsta 13.