Freitag, 6. März 1936 Nr. 56 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller («in»chli.6lich i Heller Fort«) ZENTRALOEGAN DER DEUTSCHER SOIlALDEMOKRATirCNEH ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xiu pochova a. telefon 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Weltrevolution- ein tragikomisches macht seine eigene Revolution Mißverständnis Die„Daß" bringt die Fortsetzung des großen Interviews, das Stalin dem amerikanischen Journalisten Howard gegeben hat. Es wäre nur zu wünschen, daß die von Stalin geäußerten Ansichten, sich endlich auch in der Praxis der Komintern durchsetzten. Würde sich Moskau wirklich zum GrundsatzderautonomenSelbstbestimmungderArbeiterpar- teien jedes Landes bekennen, dann wäre die Einheit schnell wieder hergestellt. Das Gespräch Stalin-Howard: Auf die Frage Howards, worin nach Ansicht Stalins die Hauptursache der gegenwärtigen Kriegsgefahr bestehe, antwortete Stalin: Im Kapitalismus. Der Kapitalismus in seiner imperialistischen Phase ist ein System, das dcy Krieg als rechtmäßige Methode zur Lösung internationaler Gegensätze ansieht. Hierauf fragte Howard:„Glauben Sie nicht, daß auch in kapitalistischen Ländern begründete Befürchtungen bestehen können, daß die Sowjetunion beschließen könnte, ihre politischen Theorien gewaltsam anderen Völkern aufzuzwingen?" Stalin antwortete:„Zu derartigen Befürchtungen ist keinerlei Grund vorhanden. Wenn Sie glauben» daß die Sowjetmenschcn selbst, und dies sogar gewaltsam, das Antlitz der sie umgebenden Staaten ändern wollen, so irren Sie sich gewaltig. Die Sowjetmenschen wollen selbstverständlich, daß das Antlitz der sie umgebertden Ttaaren.E perMdere. Ka^.U-aberLache dieser Staaten." Howard:„Bedeutet diese Ihre Aeußc- rung, daß die Sowjetunion in irgendeinem M-ße ihre Pläne und Absichten, eine Weltrevolution zu vollführen, aufgegeben hat?" Stalin:„Derartige Pläne und Absichten haben wir niemals gehabt." Howard:„Ich glaube, daß sich in der ganten Welt während der langen Zeit ein anderer Eindruck gebildet hat." Stalin:„Das ist die Frucht eines Miß- Verständnisses." Howard:„Eines tragischen Mißver- ständniffes?" Stalin:„Nein, eines komischen oder vielleicht eines tragikomischen. Sehen Sie, wir Marxisten glauben, daß die Revolution auch in anderen Ländern eintreten wird. Sie wird aber erst dann eintreten, wenn die Revolutionäre dieser Länder es für möglich oder für notwendig finden werden. Der Export einerRevolution ist ein Unsinn. Jedes Land wird, wenn es wollen wird; seine Revolution vollführen und', wenn es nicht wollen wird, so wird es keine Revolution geben. Zu behaupten, daß wir angeblich auch in anderen Ländern eine Revolution vollführen unv uns in ihr Leben einmischen wollen, daö heißt etwas behaupten, was nicht existiert und was wir niemals verkündeten." In diesem Zusammelchang ergab sich zwischen Howard und Stalin eine längere Unterredung über die kommunistische Propaganda, über die politischen Verfolgungen und die Gefahren, die dem Sowjetregim« drohen. „dm Korn sozialistisch“ Howard:„Sie geben also zu, daß die kommunistische Gesellschaft in der Sowjetunion noch nicht ausgebaut ist. Ausgebaut ist der Staatssozialismus. Der Faschismus in Italien und der Nationalsozialismus in Deutschland behaupten, daß sie ähnliche Ergebnisse erzielten. Ist es nicht ein gemeinsamer WesenSzug aller der genannten Staaten, die Freiheit und Persönlichkeit und andere Entbehrungen im Interesse des Staates zu verletzen? Stalin erklärte in seiner Antwort, daß der Ausdruck„Sraatssözialismus" ungenau sei. „Die Gesellschaft, die wir schufen, kann nicht als Staatssozialismus bezeichnet werden. Die sowjetrussische Gesellschaft ist deshalb sozialistisch, weil das private Eigentum, insoweit es sich um Fabriken, Unternehmen, Boden, Banken und Verkehrsmittel handelte, aufgehoben wurde und an seine Stelle das Volksobjekt getreten ist: staatliches, d. h. Volkseigentum, aber auch genossenschaftliches und kollektivwirt- schastliches Eigentum. Die gesellschaftliche'Organisation, die wir aufgebaut haben, kann man als sowjetrussische sozialistische Organisation bezeichnen» die noch nicht vollkommen beendet ist, ccher in ihrem Kern sozialistisch ist. Weder der italienische Faschismus, noch der deutsche Nationalsozialismus hat mit einer solchen Gesellschaft etwas gemein, schon vor allem deshalb nicht, weil das Privateigentum an den Fabriken, Banken, im Transportwesen usw. unberührt blieb. Ja Sie haben recht, wir haben die kommunistische Gesellschaft noch nicht aufgebaut, cs ist aber auch nicht so leicht, eine solche Gesellschaft aufzubauen. In der sozialistischen Gesellschaft herrscht noch eine gewisse Ungleichheit des Besitzes; feder ist verpflichtet, zu arbeiten, wenn er auch für seine Arbeit nicht nach seinen Bedürfnissen, sondern nach der Quantität und Qualität der geleisteten Arbxst.hquprjert. Wirtz»—Aus.. dieftm, Gruvtze existiert noch der Arbeitslohn, und zwar ein ungleicher, differenzierter. Sie sprechen davon, daß wir, um unsere sozialistische Gesellschaft aufzubauen, die persönliche Freiheit opferten und Entbehrungen litten. In Ihrer Frage sckieint der Gedanke durchzublicken, daß die sozialistische Gesellschaft die persönliche Freiheit negiert. Das ist falsch. Natürlich muß man, uni etwas Neues aufzubauen, sparsam sein, man muß Mittel aufspeichern und seine Bedürfnisse zeitweilig einschränken und von anderen ausleihen. Derart verfuhren auch wir. Sowjets und Demokratie friedlich nebeneinander Auf die Frage Howards:„Halten Sie eine parallele Entwicklung der amerikanischen Demo kratie mit dem Sowjetsystem für möglich?" antwortete Stalin: „Das Sowjetsystem und die amerikanische Demokratie können beidefried- l i ch nebeneinander bestehen und wetteifern. Es kann keines von ihnen sich zum anderen entwickeln. Das Sowjetsystem wird nicht in die amerikanische Demokratie Hinüberwachsen und umgekehrt. Wir können ftiedlich nebeneinander existieren. Howards weitere Frage lautete:„In der Sowjetunion wird nunmehr die neue Verfassung ausgearbeitet, die ein neues Wahlsystem Vorsicht. In welchem Maße kann nun dieses neue System die Lage in der Sowjetunion ändern, sofern bei den Wahlen nach wie vor nur eine Partei auftreten wird?" Keine Partei, aber Interessengruppen Antwort Stalins:„Wir werden unsere neue Verfassung wohl am Schlüsse dieses Jahres annehmen. Wie bereits bekanntgegeben wurde, werden die Wahlen laut der neuen Verfassung allgemeine, gleiche, direkte und g e- Heime Wahlen sein. Sie nehmen daran Anstoß, daß in diesen Wahlen bloß eine einzige Partei auftreten wird. Wahllisten werden für die Wahlen offenbar nicht allein die kommunistische Partei, sondern auch allerlei gesellschaftliche parteilose Organisationen aufstel- len. Und solcher haben wir Hunderte. Unsere Gesellschaft besteht aus freien arbeitenden Menschen in Stadt wit> Dorf— Arbeitern, Bauern, Intellektuellen. Jede dieser Schichten kann ihre besonderen Interessen besitzen und sie durch vorhan- dene zahlreiche gesellschaftliche Organisationen zum Ausdruck bringen. Wahlrecht als Peitsche gegen die Staatsorgane Warum geheime Wahlen? Weil wir den Sowjetmenschen volle Freiheit geben wollen. Es wird einen Wahlkampf geben und, wie ich voraussehe, einen sehr lebhaften Wahlkampf. Die allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlen in der.Sowjetunion werden eine Peitsche sein in den Händen der s o w j e t r u s s i s ch e n Bevölkerung gegen die schlecht arbeitenden Machtorgane. Unsere neue Sowjewerfaffung wird meiner Meinung nach die demokratischeste aller in der ganzen Welt existierenden Verfassungen sein. Weltpolitischer Szenenwechsel Seit dem Sommer vorigen Jahres sind Kräfte in der^Veltpolitik sichtbar geworden, die sich gegen die Kriegspolitik des Faschismus wenden und die zeitweise bereit scheinen, auch die geeigneten Mittel anzuwenden, um den Faschismus und seine imperialistischen Neigungen zu bändigen. Aber man durfte nicht annehmen, daß diese neuen Tendenzen sich ohne jeden Widerstand durchsetzen würden. Es war vielmehr von allem Anfang damit zu rechnen, daß die drei faschistischen Großmächte— Italien, Japan, Deutschland— alles daransetzen würden, in dem Rennen um den Siegespreis wieder die Vorhand zu bekommen. Zu Beginn des Jahres 1936 schien die Sache der Friedensfront unter einem günstigen Stern zu stehen. Es kam überraschenderweise zu einer Annäherung zwischen England und der Sowjetunion, die nicht ohne Rückwirkung auf die Haltung Rumäniens und selbswerständlich auch nicht ohne Einfluß aus die Politik Frankreichs blieb. In Frankteich kam endlich der gefährlichste Zutreiber Mussolinis, Pierre L a v a l, zu Fall und mit dem Kennest Sarraut-Flandin-Boneour erschien eine entschieden demokratisch orientierte Regierung aus der Bühne. Die Wahlen in Spanien brachten einen großen Sieg der Linksfront. Die Bemühungen Dr. HodZas endlich, an dem meistgefährdeten Punkt Europas, im Donau- r g u nt, zur Organisation einer starken Gegenkraft gegen den deutschen Imperialismus zu gelangen, schienen von Erfolg gekrönt. Die Weihnachtsamnestie des Kabinetts Schuschnigg, die Reise Schuschniggs nach Prag, schienen neben anderen bedeutsamen Aeußerun- gen österreichischer Kreise ein Einschwenken Oesterreichs in die Front der Kleinen Entente als nahe bevorstehend erscheinen. So schien alles zum besten bestellt und die Rechnung hatte nur den einen Fehler, daß man sich in Genf und in den friedenswilligen Kreisen allzusehr auf das Wirken der Zeit und der automatischen Kräfte verließ, während der Faschismus seine Gegenzüge mit Energie und mit dem alten Talent zu Ueberraschungseffekten einleitete. Zwar hat sich in der Konstellation der Mächte wenig geändert und nach wie vor schließt ein eiserner Ring das rasende, Hitlerreich ein. Aber es hat sich in den letzten Tagen doch ein Szenenwechsel vollzogen, der die W e l t- läge heute in wesentlich unfreundliche- remLichte erscheinen läßt, als man sie noch vor vier Wochen sehen durfte. Mussolini hat vor allem in Abessinien zum erstenmal seit Beginn des Krieges wirkliche Siege erfochten. Die rein passive Hilfe, die Abessinien von den Mächten geleistet wird, hat sich als unzureichend, die Fähigkeiten der Generale des Negus haben sich als unzulänglich erwiesen. Tie Nordarmee des Negus ist geschlagen und kommt für eine Offensive jedenfalls nicht mehr in Frage. Mussolinis militärische Erfolge in Abessinien, von den Genfer Mächten vielleicht nicht erwartet, jedenfalls aber durch die zögernde und unzureichende Sanktionspolitik ermöglicht, bahnt auch Hitler eine Gasse aus der Einkreisung. Seit Wochen laufen Verhandlungen zwischen Berlin und Rom. Mussolini sekundiert Hitler wieder wie in den Tagen ihrer glühenden Jugendliebe anno 33. Schon hat Rom dem französischen Botschafter erklärt, daß Italien aus dem Locarno-Vertrag keine Konsequenzen ziehen werde. Und die enge Freundschaft zwischen dem wieder erstarkenden Italien und dem ausgerüsteten Deutschland verleitet die englische Politik, ihrerseits Berlin gewisse Avancen zu machen. Die erste und weithin sichtbare Folge des ftaUenisckien Sieges war aber, daß der Duce seine beiden Vasallen von der Donau zum Rapport nach R o,m berief. Er verknüpfte die Einladung, der Skarhemberg zweifellos mit Begeisterung, Schuschnigg mit geringerer Freude folgen dürfte, mit einem mehr als deutlichen Angriff auf dietsche- choslowakische Außenpolitik, die' gewagt hatte, das Donauproblcm„ohne SA-Ausweis für van der Lübbe! Sensationelle Enthüllungen zum Zwei ehemalige Nationalsozialisten erheben gegen die Hitlerregierung die Anklage, daß sie selber am 27. Feber 1933 den Reichstag angezündet hat. Von diesen beiden ehemaligen Nationalsozialisten ist einer der bekannte Dr. Otto Straffer, ein gründlicher Kenner Hitlers und Bruder des am 30, Juni 1934 ermordeten nationalsozialistischen Parteiführers Gregor Strasser. Der andere lit; der frühere Funktionär der Partei Heinz 2 ü r g e s, jetzt Leiter der von Otto Strasser gegründeten Schwarzen Front in Südamerika. Als Beweisstück veröffentlichen sie in Strassers Zeitschrift„Die deutsche Revolution" die Photographie eines Spezialansweises der Nationalsozialistische» Deutschen Arbeiterpartei für MarinnS van der Lnbbe, ausgestellt in Berlin im Feber 1933. Wester wird berichtet, daß.Heinz Jürges in den letzten Tagen vor dem Brande wiederhost im Hause der SA in Berlin, Hedemann-Straße mit van der Lnbbe zusammen gewesen und bei Verhandlungen des Holländers mit dem SA-Führer Karl Ernst(der gleichfalls am 30. Juni erschossen wurde) als Dolmetsch gedient habe. Jürges gehörte damals zu de» engste» Mstarbestern von Goebbels, der»ach Otto Strassers Versicherung die Ausstellung des Spezialausweises für van der Lnbbe selber veranlaßt hat und den er ansdröcklich als den eigentlichen Urheber der Brandstiftung bezeichnet. Kelchstagsbrand Der Spezialauswcisder nationalsozialistischen Partei für van der Lubbe macht den Eindruck der Echtheit. Erstaunen muß es aber erregen, daß die Enthüller drei Jahre lang mir ihrer Enthüllung gewartet haben. Man erklärt dies damit, daß Jürges, der heute noch ein fanatischer Nationalsozialist, wenn auch ein Gegner der nationalsozialistischen Führerclique ist, das wichtige Dokument nicht an Marxisten oder Juden habe ausliefern wollen. Erst nach einer langen Odyssee, auf der er schon einmal von den Bravos der Hitlerregierung aus dem Hinterhalt angeschosien und verletzt wurde, habe er Anschluß an die Schwarze Front gefunden und damit auch die Stelle, der er mit gutem Gewissen sein Peweisstück übergeben konnte. Es gibt Wohl wenige Urteilsfähige in der Welt, die daran zweifeln, daß der Reichstag von den Leuten Hitlers angezündet worden ist. Der Indizienbeweis ist zwingend. Trotzdem bleibt den offenbar Schuldigen das Leugnen möglich, solange nicht das Maß der Verantwortung aller einzelnen festgestellt und ihre Beteiligung durch unwiderlegliche Aussagen oder Dokumente bewiesen werden kann. Wenn sich Heinz Jürges als ein vertrauenswürdiger Mann erwiese, dem man seine Aussage und die Echtheit der von ihm vorgeloiesenen Dokumente glauben kann, so würde daö in der Affäre des Reichstagsbrandes eine Wendung bedeuten. Einstweilen ist festzustellen, daß es ehemalige Freunde und Anhänger Hitlers sind, die jetzt versichern, den Beweis dafür in Händen zu haben, daß der Reichstag von den Nationalsozialisten selbst angezündet worden ist.| Seite 2 Freitag, 6. März 1938 Nr. 56 Italien"—„also gegen Italien", wie Mussolini sagte— lösen zu wollen. Auch innerpolitisch sieht es in Oesterreich übel genug aus. Die Nazi, von denen der gesamte Staatsapparat durchsetzt ist, benützen ihre Positionen, um die.Sozialisten, wo und wie sie können, zu verfolgen und zu quälen. Die Schergen Starhembergs, die alle Früchte der Weihnachts-Amnestie längst wieder zerstört haben, vereinigen sich mit den vaterländisch getarnten Nazis, um die sozialistische Arbeiterbewegung Oesterreichs niederzuhalten. Bei den demokratischen Staaten aber fehlt vielfach das Verständnis dafür, daß sie in ihrem Ringen um die Sicherheit Mitteleuropas den einzigen verläßlichen Partner inder österreichischen Linken haben. Das HodZas großer Donauplan, was seine politische Seite betrifft, vertagt worden ist, besagt nicht, daß ec falsch gewesen wäre. Er entsprang der richtigen Erkenntnis, daß es fünf Minuten vor zivölf und darum hoch an der Zeit ist, den Frieden an der Donau durch die Schaffung einer politischen und militärischen Föderation vom Range einer Großmacht zu sichern. Cs bleibt zu bedauern, daß die Idee HodZas nicht überall aus das Verständnis stieß, das die ernste Zeit gebieterisch fordert. Diesellhen Kreise, die Hodssa Prügel zwischen die Beine warfen, dieselben übrigens auch, die sich hartnäckig und bockbeinig gegen die Heranziehung der militärisch so unendlich wichtigen Sowjetunion zum Kollektivshstem Mitteleuropas wehret», scheinen sich über den Ernst der Lage nicht klar zu sein und werden zu spät merken, daß sie Mussolini den schon halb verlegten Weg nach Wien wieder geöffnet, Mussolini und Hitler das Spiel erleichtert haben. Auch der japanische Faschismus ist nicht müßig gewesen. Der Offiziersputsch von Tofio hat die Kriegsgefahr im Fernen Osten verstärkt, Rußlands und Englands Blicke nach dem Pazifik abgelenkt und so den Kabinetten von Rom und Berlin eine erwünschte Entlastung, der europäischen Friedensfront neue Bedrängnis gebracht. Der Völkerbund hat sich eine neue Frist gesetzt. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Mussolini diesmal auf Verhandlungen eingeht. Hat er die Mächte erst am grünen Tisch, so wird er ihnen, die eroberten Faustpfänder fest in der Hand, einen Frieden abnötigen, der für ihn ein Triumph, für Abessinien vielleicht erträglich, aber für den Völkerbund und den Gedanken des internationalen Rechtes eine vernichtende Niederlage sein wird. Nur wenn sich alle Verantwortlichen Staatsmänner in den nächsten Tagen der ganzen Tragweite ihrer Entschlüsse beivußt sind, nur wenn die öffentliche M e i n u n g, die vor drei Monaten gegen den Laval-Hoare-Plan so auch jetzt gegen jeden Verrat an der gerechten Sache auf der Hut ist, wird eS gelingen, einen neuen Szenenwechsel auf der Bühne der Weltpolitik zu erzwingen und die faschistischen Protagonisten in den Hintergrund zu drängen. Zn dem bekannten Machnik-Erlaß über die Einstellung tschechischer Arbeiter und Beamter in Rüstungsbetrieben, die auf HeereSliefcrungen reflektieren, nimmt eine JnterpellatiönSbeant- wortung durch den Ministerpräsidenten ausführlicher Stellung. Wir kommen aus Raummangel erst morgen ausführlicher darauf zurück. Der Schulminlster Segen Seelenfang Intervention der Genonln Kirpal wesen des Hultschiner Privatunterrichtes Prag. Im Auftrage unserer Partei sprach Genosst« Kirpal am Donnerstag beim Schulminister Dr. Franke vor, um die Frage des Privatunterrichtes im Hultschiner Gebiet im Anschluß an die lex llhlir aufzurollen und insbesondere dahin z» intervenieren, daß tatsächlich jedem Kind« der Unterricht in seiner Muttersprache gewährleistet werde. Minister Dr. Franke erklärte im Verlaufe der Aussprache, daß er für die le; Uhlir lleber- gangsbrftimmungen schaffen werde. Er sei absolut dagegen, daß hier rin Deelenfang betrieben werde. Sollten da»nd dort dennoch Vnzukömm- lichkriten vorkommen, so ersuchte der Minister, ihm diese Fälle namhaft zu machen»nd erklärte sich bereit, jeden einzelnen solche» Fall individuell zu behandeln und lei Vorhandensein der Voraussetzungen auch günstig zu erledigen. Genossin Kirpal brachte dann«och verschiedene andere aktuelle schulpolitisch« Fragen zur Sprache, wobei der Minister sich bereit erklärte, auf die Anregungen einzugehen. Rentenerhöhung für Schwerinvalide auch nach Ablauf der zehnjährigen Frist ermöglicht Das Fürsorgeministerium hat im Abgeordnetenhaus eine Novelle zum Gesetz 39/22 über die Bezüge der Kriegsbeschädigten eingebracht, durch die einer der dringendsten Forderungen der Kriegsinvaliden wenigstens für die Kategorie der Schwerinvaliden(ab 75 Prozent Erwerbsunfähigkeit) Rechnung getragen werden soll. Bisher war bei den Kriegsinvaliden die Möglichkeit, aus dem Titel einer Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes(im Gefolge der seinerzeitigen Kriegsverletzung, bzw.-Krankheit) nachträglich eine Erhöhung ihrer Rente anzustreben, auf den Zeitraum von zehn Iah- r e n von der ersten Zuerkennung der Rente an beschränkt. Gegen diese Bestimmung Haden die Kriegs« invaliden mit vollem Recht opponiert, da sie eine offenkundige Ungerechtigkeit dqrstellt. Das Gesundheitsministerium hat von den beiden Prager Universitäten Fakultätsgutachten eingeholt, die sich in dem Sinne aussprechen, daß zwar äußere Schußverlehungen innerhalb des Zeitraumes von zehn Jahren heile« oder sich zu stabilisieren pflegen, daß aber bei Krankheiten innerer Organe und bei kombinierten Verwundungen, durch die auch das Gehirn, die Lungen etc. betroffen wurden, auch nach mehr als zehn Jahren Verschlechterungen der Krankheit»der Komplikationen eintreten können, die direkt oder indirekt mit der als Kriegsfolge anerkannten Verletzung, bzw. Krankheit Zusammenhängen. Iiamentlich Herz- und Ni eren- krankheiten können sich noch nach vielen Jahren verschlechtern und den Gesundheitszustand des Invaliden bedrohen. Selbst bei chirurgischen Verwundungen könne man spätere Folgen nicht ganz ausschließen. Namentlich die deutsche medizinisch« Fakultät hatte ausdrücklich erklärt, daß vom ärztlichen Standpunkt die Festsetzung einer Frist zur Anmeldung nachträglicher Verschlechterungen ganz ungerechtfertigt sei. Immerhin blechen solche Fälle vereinzelt. In Anbetracht dieser Gutachten auf der einen und der finanziellen Lage des Staates auf der anderen Seite hat das Ministerium nun die Lösung getroffen, die zehnjährige Frist wenigstens bei jenen Invaliden fallen zu lassen, bei denen die Schädigung der Gesundheit im vollen Umfang durch den Militärdienst herbeigeführt und nicht nur verschlechtert wurde und außerdem die BerufSunfähig- keit nach der neuerlichen Untersuchung mit mindestens 75 Prozent festgesetzt wird. Leider ist hier wieder das Wort„kann" eingeschoben, das heißt die Zuerkennung der erhöhten Rente dem Er- messen des Fürsorgeministeriums im Einvernehmen mit dem Finanzministerium anheimgestellt. Nach dem Motwenbericht dient diese Maßnahme lediglich dazu, um jene Fälle auszuschließen, in denen nicht unstreitig nachgewiesen ist, daß die Gesundheitsschädigung durch den Militärdienst verursacht wurde. Das Gesuch um Erhöhung der Rente ist beim zuständigen Landesamt für Kriegsbeschädigte einzureichen. Der Grad des Verlustes an Erwerbsfähigkeit wird analog wie im Verfahren über den Rentenanspruch festgestellt. Wird die Rentenerhöhung zuerkannt, so werden die Bezüge vom ersten Tage des der Einbringung des Gesuches folgenden MonatS erhöht. Der Mctivenbecicht nimmt an, daß der jährliche Aufwand für diese Rentenevhöhungen für Heuer 1,161.000 KL betragen und sich alljährlich bis auf 3,044.000 KL im Fahre 1945 und 2,831.000 KL im Jahre 1946 steigern wird. Noch Immer keine Mieterschutzvorlase Prag. Für die donnerstägige Senatssitzung hatte man schon mit aller Bestimmthett damit gerechnet, daß die Regierung die neue Mieterschutzvorlage einbringen werde. Leider haben sich die Erwartungen auch diesmal nicht erfüllt. Offenbar wollen die agrarischen Kreise um D u b i c k y nicht mtt der Tradition brechen, da über Mieterschutzfragen immer erst im allerletzten Moment vor Ablauf des alten Gesetzes eine Einigung erzielt werden darf. Sie machten daher am Donnerstag neue Schwierigkeiten und erzielten auch richtig, dnß die Vorlage noch nicht aufgelegt wurde. Nächster Termin ist demnach erst wieder der 10. März, an welchem Tage der Senat um 15 Uhr nachmittags zusammentritt. In der gestrigen einstündigen Sitzung erledigte der Senat ohne Debatte die Novelle zum Urheberrecht(Gesetz 218/26), durch die sich die Tschechoslowakei den internationalen Vereinbarungen über das Autoxenschutz- recht anvaßt, die im Jahre 1928 zur Ergänzung des Berner Abkommens auf einer Konferenz in Rom getroffen wurden. Ferner wurde das Hopfenabkommen mit Deutschland neuerdings verlängert. Krokodilstranen um die Volkshilfe Prag. Im Parlament, das am Donnerstag zwei Vorlagen über die Bestrafung des Wilddiebstahls in der Slowakei'Und über dse Erwerbung der Ostrau-Friedländer Bahn durch den Staat erledigte, schickten die Kommunisten zur Besetzung, bezw. Verteidigung der neuen Gottwaldlinie vier Redner in die Debatten vor, darunter auch den Abg. S v e r m a, der im Herbst durch ein paar halbwegs vernünftige Reden aufgefallen war. Diesmal bewegte er sich— wie die andern auch— ganz in den bekannten alten Geleisen. Herr S a n d n e r(SdP) hielt eine von allzu starkem Selbstbewußtsein zeugende Rede, in der er gegen die Einschränkung der „Volkshilfe"-Aktion in gewissen Gebieten, wo Unzukömmlichkeiten feftgestellt wurden, protestierte. Bei besonders kräftigen Stellen gab es seitens seiner Fraktion natürlich begeisterte Zustimmung. Dabei fehlten die obligaten Drohungen mit dem Ausland nicht.„Man sollte sich auch überlegen, welche Dienste man mit solchen Maßnahmen deni Staat außenpolittsch leistet... Wenn man das Elend von Hunderttausenden zum Boden von parteipolitischen und nattonalpolitischen Auseinandersetzungen machen will, so werden wir uns die Sprache nicht vorschreiben laffen, in der wir von der Not der Sudetendeutschen sprechen... Wir werden uns nicht dittieren lassen, ob das, was wir sagen, jemanden gefällt* Sandners Erzählungen über den unpolitischen Charakter der„Volkshilfe" wurden von einigen unserer Genossen in Zwischenrufen auf der Stelle berichtigt. In den parlamentarischen Verhandlungen tritt neuerdings eine größere Pause bis Dienstag, den 17. März, ein. Auch auf der Tagesordnung dieser Sitzung stehen nur unbedeutende Dinge. Ein Perfekter Redner scheint Herr Senator Dock von der SdP gerade nicht zu sein. Für die donnerstägige Senatssitzung hatte er sich eine Rede über die Lage des Saazer Hopfenhandels fein säuberlich zurechtgemacht; anscheinend hatte der Herr Senator aber noch keine Ahnung von jener tückischen Besttmmung der Geschäftsordnung die seit ewiger Zeit das Vorlesen von Reden von der Parlamentstribüne herab verbietet. Möglich auch, daß Senator Bock annahm, als Angehöriger der größten Partei sich selbstherrlich über die Geschäftsordnung hinwegsetzen zu können, wie dies ja schließlich selbst die rechtskundigen Klubsekretäre der SdP in ihren Anträgen auf Erteilung von Rügen nach der Geschäftsordnung auch schon— allerdings vergeblich— versucht' hatten. Der Vorsitzende des Senats hatte leider für den Wunsch des Herrn Bock, im stencgraphi- schen Protokoll mit einer glänzend vorgelesenen Rede brillieren zu können, nicht das nötige Verständnis und erinnerte ihn, nachdem er sich die Borleserei eine Zeitlang nachsichtig angesehen hatte, schließlich doch an jenen unglückseligen Paragraphen, der das Lesen verbietet. Jetzt war es mit der Kunst des Herrn Senawrs aus. Einmal aus dem Konzept gebracht, konnte er den Uebergang zur freien Rede nicht mehr finden, und so schob er schließlich ganz konsterniert das restliche Manuskript seiner Rede den Stenographen zu und verschwand von der Bildfläche, so daß der Senat um den ganzen Schluß der schönen Rede kam. Wirklich schade! Erpertenkonfrrenz der Kleinen Entente. Donnerstag begannen in Prag unter dem Vorsitze Dr. Hodjas die Arbeiten der Experten der Kleinen Entente für mitteleuropäische Fragen. Der Präsident der Republik empfing am 5. März u. a. eine Deputation des ständigen Ausschusses der Abgeordneten und Senatoren der koalierten Parteien KarpathorußlandS und eine Deputation des Obersten Rates deS Verbandes der jüdischen Religionsgemeinden. Personaländerungen im Außenministerium. Nach dem Abgang des Legationsrates Dr. V. KuLera in die Kanzlei des Präsidenten der Republik hat Außenminister Dr. Krofta den Legationsrat Dr. I. I i n a mit der Funktion des Vorstandes seines Kabinetts betraut. Im Zusammenhang mit dieser Aenderung hat der bisherige Vorstand der- V. Abteilung der politischen Sektton Ministerialrat Dr. V. R e j b o l e c die Leitung der Abteilung I dieser Sektton übernommen. Vorstand. der Abteilung V wurde Ministerialrat Dr. G. Hellmuth. Pärla- mentsreferent des Außenministeriums ist Sektionsrat Dr. K o s t ä l. 26 MANNER, FRAUEN I UND WAFFEN I > Roman von Manfred Georg Copyright by Dr. Manfred Georg, Prag Er sah zu Havdee hinüber. Und er mußte plötzlich an einen Abend denken, den er vor vielen Jahren am Meer erlebt hatte: während die Wellen gingen und kamen und den Strand fließend bedeckten und fteigaben, war draußen ein Wolkentheater losgegangen, das mit seinen Farbenspielen ihn erst lockte und dann schließlich so fesselte, daß er den Sinn für seinen Körper ganz verloren hatte. Er, der Nüchterne, in den Uniformrock Eingeschnürte, fühlte sich von der Materie frei, aufgehoben in den Raum, selber nur ein Geschöpf aus Wind und Lickt und Wasser, durch das alles hindurchfloh, und das sekündlich jeder Veränderung ausgesetzt war. Es war eine Art Tod gewesen, den er erlebt hatte, und der ihm im Augenblick wie eine Offenbarung erschienen war. Dies hatte sich nicht wiederholt. Der 1. u. k. Rittmeister Wolfgang Schumann war von solchen Exzessen des Gefühls gemeinhin verschont worden. Wer wenn er jetzt Haydee ansah, so hatte er einen so erschreckenden Eindruck von Lebendigkeit, von einem Leben, das sich aus der Sonne, die es beschien, und aus der Erde,, die es betrat, nährte, das von Urstoffen zu strotzen schien. Auf der anderen Seite der Bank saß eine sehr kultivierte Dame, vorzüglich angezogen und in einer sehr angenehmen Weise zurechtziemacht. Trotzdem hatte Schumann das Empfinden, daß sie tot war. Wenn Haydee sich bewegte, zum Fenster trat, sich zu ihm beugte, so war das alles nur eine Fortsetzung von Kurven, Tönen, Linien, die in der Luft unsichtbar vorhanden waren und in Haydke nur ihre körperlichen Ausläufer fanden. Er hätte sie jetzt vor der Frau ruhig besitzen mögen. Es wäre ihm nicht unschicklicher erschienen als an einer Blume zu riechen oder einen Apfel zu essen. Der Genuß aller fünf Sinne, den er an Haydke hatte, war dem Genuß des Abends am Meere gleich. Er war die Verwandlung in spielende Sinne, die einfach den Körper negierten, der sie enthielt. Wer das war ein Zustand, keine Aufgabe keine Zukunft, es hatte nicht die Dauer, die ein Ziel hat. Das Ziel würde bleiben, die Angst würde bleiben, es nicht zu erreichen und die Sehnsucht danach. Haydke würde älter werden, würde untergehen, vielleicht gar mit gerundetem Bauche ihr Leben weitergeben, um selber nur noch ein Speitt>er, etwas Aufgespaltenes, Erfülltes zu sein, das seine Einmaligkeit verloren hatte. Haydees Blicke hatten sich verdüstert, als sie Schumann das Bild betrachten sah. Dann aber lächelte sie gleich wieder, setzte sich neben ihn, streichelte sein« Hand und sah mit ihm, den Kopf an ftine Schulter gelehnt, in die Landschaft hinaus, die in der Hitze des Mittags zu glühen begann. * Um nach Chateau Boncourt zu kommen, mußte man mit der Kleinbahn bis zu dem Provinzstädtchen Orne fahren. Hier befand sich deS alten Dunaimis letzter Wachtposten und erster Vorposten zugleich: ein« Filiale des Credit Lyonnais, deren Leiter Herr Victor Bargouille, einer der engsten Vertrauten des Waffenkönigs, war. Ohne dessen Anmeldung im Schlosse wurde kein Besucher vorgelassen. Schumann nahm ein Mietauto. Sie fuhren etwa eine gute Stunde aus einer vorzüglich asphaltierten Chausee. Dann entdeckte man mitten auf freiem Feld einen Pfahl mit Schild: Chateau Boncourt. Kurz dahinter begann Wald, der von fünf Meter hohem Stacheldraht eingezäunt war und nur eine kleine Durchfahrt hatte, die gerade für ein Gefährt breit genug war. Zu Schumanns Erstaunen traten dort aus einem Blockhaus vier mit Maschinenpistolen bewaffnete Inder, während ein Rudel Hunde sich schnuppernd, aber ohne Laut erhob. Eine der Wachen nahm Bargouilles Geleitbrief entgegen und verschwand damit im HauS. Schumann wußte, da er die Echtheit des Schreibens nach allen Regeln der Kunst prüfte. Dann kam der Mann wieder heraus, setzte sich vorn zu dem Chauffeur. Sie fuhren in den Wald hinein. Nach einer weiteren halben Stunde weitete sich der Weg zu einem kleinen Platz, auf dem ein Landhaus lag, erbaut im englischen Kolo- nialsttl. Man führte Schumann in eine fleine Bibliothek: Kurz darauf öffnete sich die gegenüberliegende Tür, und Dunaimis wurde in einem Rollstuhl hereingefahren. Krüppel und Verbrecher beherrschen die Welt! mußte Schumann denken, als er das gläserne Greisengesicht von Dunaimis mit einem zitternden weißen Spitzbärtchen aus den Decken herauslugen sah. Vor diesem Mann mit den flinken, lebhaften Augen und den bebenden Händen, die nach einem Zigarettenetui tasteten, fürchteten sich die Staatsmänner der Wett, bekreuzten sich Börsenfürsten, für ihn und seine Geschäfte und Geschäftsfreunde starben Hunderttausende. Dieser rätselhafte Levantiner, der, reicher als Rockefeller, Völker auf dem Schachbrett seiner Pläne umherschob, und den ein mäßiger Faustschlag zwischen die Augen ins Jenseits befördert hätte, erschütterte Schumann. In dem Rollstuhl wurde es unruhig. Die Hand mit der Zigarettendose zitterte so, daß Schumann sie abnahm und auf den Tisch stellte. Dunaimis hörte Schumanns Bericht aufmerksam an. Hier und da tat er eine Zwischenfrage, die eine genaue Kenntnis der Dinge verriet und meinte dann: „MakropuloS ist der Schlaueste von allen. Er mutz eine hohe Meinung von Ihnen haben. Und knausern Sie nicht mtt Geld. Merken Sie sicki den Grundsatz: es gibt niemanden, der sich nicht mit Geld bestechen läßt. Es gibt nur Unter schiede der Höhe, in denen die Gesinnung zu schwanken anfängt. Aber es gibt außer Geld noch mehr. Man kann mit Orden bestechen, mit der Stiftung von Krankenhäusern, mit Theatern, Briefmarkensammlungen, pervertierten Huren, Baronettstiteln. Schmeicheln Sie mir dem Ehrgeiz, hätscheln Sie mir die natürliche Feindschaft aller, die gleich stark sind. Haben Sie den Lendvai schon-kennen gelernt? Wissen Sie, wie wir den bekommen haben? Er war damals ein bewußter Jude. Dem haben wir für seine Bestrebungen in Palästina eine Anzahl Dunam Land getauft, seitdem schwört er auf uns. Einem polnischen General, der ein Narr war und sich mitten auf dem Lande einen dürfttgen Zoo angelegt hatte, habe ich zwei Elefanten geschenkt. Und für den Direktor einer jugoflaivischen Fabrik, der eine Filmschauspielerin geheiratet hatte und sich des früheren Berufes seiner Frau schämte, haben wir der Filmgesellschaft in jedem Lande, in dem sie den Film spielen wollte, die Aufführung verbieten lassen. Ich erzählte Ihnen das nur, um Ihnen anzudeuten, wie unerschöpflich die Wege der Bestechung sind." Er forderte dann plötzlich Schumann auf, ihm sein Leben zu erzählen. Es war dem Rittmeister, als ob Dunaimis besonders gierig zuhörte. Das Unglück des Besuchers schien ihn aufzuregen. Schumann erinnerte sich daran, daß Dunaimis in früher Zeit eine Tochter durch einen Eisenbahnunfall verloren hatte. Seitdem ließ er sich von jeder Zugkatastrophe berichten. Er sammelte die Unfälle mit einer wahren Genugtuung. Er freute sich an den Tabellen mit den Toten und Verwundeten, die ihm sein Sekretär aus aller Well aufstellte. Das war die einzige Liebhaberei, die Dunaimis hatte. Sonst war er, trotz seines hohen Alters, von morgens bis abends mit der Lektüre der Wirtschafts- und politischen Berichte beschäftigt, überhäuft mit der Arbeit von Diktaten und Telefonaten. Die Begebenheit am Ufer von Gornitsch erfragte er ganz genau..( Fortsetzung folgt.). Nr. 56 Freitag, 6. März 1936 Seite 3 Der Nesus akzeptiert Verhandlungen „Im Geiste und im Rahmen des Völkerbundes** Addis Abeba. Die Antwort des Nrgns auf de» Appell-es Dreizehner-Ausschusses lautet: „Wir haben Kenntnis genommen von dem Telegramm, das Sie im Name» des Dreizehn»!« Ausschusses meinem Außenministerium übermittelt haben. Alle Mitglieder des Kölkerbundes wissen, daß wir alles, was möglich war, bereits vor Ausbruch des Krieges getan haben, um den Frieden durch ein gerechtes Berhaltrn entsprechend dem Geiste des Völkerbundes zu erhalten. In Verletzung seiner internationalen Verpflichtungen und trotz den bis heute ergriffenen Maßnahmen setzt Italien seinen Angriff fort. Wir akzeptieren den Vorschlag auf Beginn von Verhandlungen unter Beachtung der Festsetzungen des Paktes. Wir nehmen Kenntnis davon, daß die Vorschläge vom Dreizehner-Komitc gemacht find und daß die Verhandlungen im Geiste u n d R a m e n des Völkerbundes stattfinden sollen. Unsere detaillierte Antwort empfangen Sie durch Vermittlung unsere» Ministers in Paris.*' Die Siege nicht gar so gewaltig? Addis Abeba meldet befohlenen Rückzui Addis Abebba. Die italienische Behauptung, daß alle abessinischen Armeen mit Ausnahme jener, die unter dem Kommando des Ras Rassibu steht, bereits vernichtet und zersprengt seien, wird von der abessinischen Regierung als lächerlich bezeichnet. Die abessinische Regierung erklärt, daß der Kaiser gleich zu Beginn des Krieges den strengen Befehl an seine Armee gegeben hat:„Riskiert niemals eine offrncSchlacht*'. Dieser Befehl wurde immer befolgt und als Badoglio in seine Aktionen an der Nordfront fünf Armeekorps warf, hätten sich die Abessinier einer ausgesprochenen Wahnsinnstat schuldig gemacht, wenn fie ihm direkt Widerstand geleistet hätten. Deshalb hätten die abessinischen Truppen an der Nordfront nach einem schon lange vorbereiteten Plan den Rückzug angetreten. Asmara. Das italienische Hauptquartier gibt selbst zu, datz der Plan, die 30.000 Mann des Ras Jmru zu umklammern und völlig zu vernichten, nicht gelungen sei, sondern daß sich Ras Jmru durch den Rückzug zu retten vermochte. Die abessinischen Verluste werden von ,dep Italiener.wie., üblich mit vielen Tausenden angegeben, doch werden die.eigenen Verluste der Italiener selbst auf 700 Tote beziffert. Die Wasserversorgung. des 4. Korps während des Marsches durch da§ Wüstengebiet von Addi Abo wurde durch Flugzeuge gesichert, von denen zwei vermißt werden. / Der Reuter-Berichterstatter, der mit der italienischen Nordarmee vorgeht, meldet aus Asnrara: Italienische Patrouillen fanden beim Vorgehen zwischen Tembien und dem Amba Alagi die Leichen dreier Weihen, deren Identität nicht festgestellt werden konnte. Ab heute streiken 100.000 polnische Textilarbeiter Warschau. Die Streikleitung des seit Montag in Lodz und anderen polnischen Textilzentren anhaltenden Teilstreiks der Textilarbeiter hat im Einvernehmen mit den Textilarbeiter,Organisationen den Beschluß gefaßt, ab Freitag einen allgemeinen Textilarbeiter- st r e i k zu proklamieren, der rund hunderttausend Textilarbeiter in Lodz und den anderen Zentren der polnischen Textilindustrie umfassen wird. Die Textilarbeiter-Organisationen fordern u. a. die Einführung des Sechsstunden- ArbeitstageS in der Industrie und die Beibehaltung der bisherigen Löhne. tfudetendcutsdier Zcitspiejet Aufsehenerregende Meldung aus Jägerndorf Jägerndorf(Eigenbericht). Hier wurden am 4. März Johann Schwarzer, Wilhelm A r b d e r. Franz T i t s ch a k, Stephan Brünn- l e r, Max P r e i d l, Anton Pili- Kan verhaftet und dem Kreisgericht in Troppau eingeliefert, weil fie im Verdachte stehen, mit fremden Faktoren in Verbindung getreten zu sein, um eine politische Persönlichkeit unseres Landes einer fremden Macht gegen hohe Belohnung auszuliefern. Die Anzeige gegen die Genannten wurde bei der Staatsanwaltschaft Troppau erstattet. Gleichzeitig wurde Erich J a n z aus Jägerndorf verhaftet, well auch bei ihm der Verdacht der Verbindung mtt ausländischen Faktoren besteht. Auch Janz wurde dem Kreisgericht Troppau eingeliefert und es wurde die Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. erfolgreiche Betriebsausschuß-Wahlen in der Prager Böhmischen Escompte-Bank und Credit-Anstalt Bei den am 3. und ö. März, durchgeführten Wahlen in den Betriebsausschuß erhielt die „Einheitsliste der Angestellten" mit 839 Stimmen 9 Mandate, die Liste der„Vereinigung von Beamten der BEBCA" mit 123 Stimmen ein Mandat. Gegenüber den letzten Wahlen bedeutet dieser Wahlausgang für die Einheitsliste, hinter der die Gewerkschaften stehen, einen Gewinn von einem Mandat. Die Liste der Funktionäre konnte nicht ein Mandat erreichen. ver Kampf gegen Tuberkulose und andere Volkskrankheiten Die„Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundheit in der§SR" umfaßt alle deutschen Organisationen dieses Staates, die den Kampf gegen die Dölkskrankheiton führen. In er-' ster Linie gilt es, die Tuberkulöse zurückzudrängen, die noch immer Tausende blühender jugendlicher Menscheü dahinrafft. Die Aufgaben, die zu bewältigen sind, sind groß. Allein an Tuberkulose sterben alljährlich in der Tschechoslowakischen Republik 28.000 Menschen. Unter den Volkskrankheiten leiden alle, die! Kinder, die Jugend, die Männer und Frauen, die Mütter und Väter, das ganze Volk. Durch plan- UNTERSTÜTZE~D FRÜH JAHRS AM KLUNG DDEUTSCH-ARBEITSGEMEINSCHAFT^ VOLKSGESUNDHEIT! SicsurtftrifirM Noch schändlicher als in Kleinaugezd! Was Henlelnmänner bei einem Maskenrummel in Wchinltz aufführten Unsere Leser erinnern sich des Berichts über das schamlose„Ballvergnügen", das sich vor Wochen unter der Patronanz der„Sudetendeutschen Volkshilfe" und des„Bundes der Landwirte" in Kleinaugezd abspielte. War dort ein unfaßbarer sittlicher Tiefpunkt durch beispiellose Ordinärheit erreicht, so ist das, was sich kürzlich in W ch i n i tz bei Lobositz ereignete, als eine noch schwerere, einfach schandbare Verirrung zu bezeichnen. Wir erhalten nämlich aus Lobositz folgenden Bericht: Am 16. Feber veranstaltete der Heimstättenausschuß in Wchinitz bei Lobositz zugunsten der Heimstätte einen„Maskenrummel". Zu den schon anwesenden Masken kam auch eine „He bamme", aus deren halboffenem Handkoffer eine Schmiedzange und eine rostige Schere hervorsah. Nach dieser Maske, die der„H en- lei n m a n n„R a" trug, betrat das Tanzlokal der H e n l e i n m a n n„R o" mit einer Maske, welche eine hochschwangere Frau vorstellen sollte. Damit jeder Besucher der Tanzunterhaltung sofort begreifen könne, was diese höchst„scherzhafte" Maske vorstellen sollte, befestigte ihr Träger auf seinem stark ausgestopften Bauch die Aufschrift„S ch n e l l g e b u r t". Als diese„Maske" im Saal einige Runden gemacht hatte, fiel sie plötzlich zu Boden und begann sich schmerzhaft zu krümmen, wobei einige.Kulturträger" in ein höllisches Glächter ausbrachen. Sofort war die hilfsbereite„Hebamme" an Ort und Stelle und jetzt wurde vor den Augen vieler, kaum der Schule entwachsener Knaben und Mädchen in rohester Weise die Ehre der Mütter in den Schm u.tz gezogen. Die schwersten Stunden der Mütter wurden grob verlacht, und zwar solchermaßen herabsetzend, datz rS jeder Beschreibung spottet. Die gemeine und nichtswürdige Tat wird auch dadurch nicht entschuldigt, daß sich glücklicherweise einige Gäste fanden, die diese„Kulturverbreiter" der Henleinpartei vor dieTür setzten. Wie sich die Aufsichtspersonen des Vereines und der diensthabende Wachmann während des schamlosen Vorganges benommen haben, konnten wir nicht ermitteln. Und eine Woche später unternahm es der „Stammesführer" von Prag aus, das gesamte Sudetendeutschtum über Kultur zu belehren I Er soll in den eigenen Reihen anfangen, wirklich a n f a n g e n. Denn Kleinaugezd und jetzt erst recht Wchinitz zeigen, daß da erst noch zivilisiert werden müßte, ehe dort überhaupt von Kultur aufgaben auch nur geredet werden kannl Deutscher Lehrerbund beim Schulminister. Am 3. März d. I. sprachen in Vertretung des Deutschen Lehrerbundes die Obmänner Direktor Roh n-Reichenberg, Direktor S e l l n e r-Brünn und Direktor D r ö g s I e r-Neu-Oderberg beim Schulminister Dr. Franke vor. In der Aussprache wurden die Neuregelung der Lehrerbildung im Sinne der Errichtung viersemestriger pädagogischer Akademien, die Durchführung staatlicher Hochschulkurse für Bürgerschullehrer, die Durchführung- des.Sprengelbstrgerschulgesehes mit' ihren nachteiligen Fcckgen für die Volksschule und damit in Verbindung die Herabsetzung der Höchstschülerzahl einer Klasse, die Neuregelung der Landesschulverwaltung, die Herausgabe der Durchführungsverordnungen zum. 8 23 des Gesetzes 103/1926 und zum§ 114 des neuen Pensions- versicherungsgesetzes, die Erweiterung der Dürger- schule., durch die Anglje^x^aeü'Mrigcr,Lehx- kurse, die Einrechnung der Militärdienstzeit im Sinne einer einheitlichen Anrechnung, die staatsbürgerliche Erziehung der Jugend und die gehaltliche Besserstellung der Bezirksschulinspcktoren behandelt. Der Minister stellte bei den meisten der in einer Denkschrift zusammengefvßten Fragen deren Ilebereinstimmung mit den Anschauungen des Ministeriums für Schulwesen und Bolkskultur fest. Genosse Grund Mitglied des Kuratoriums für Selbstvrrwaltungentfchuldung. Der böhmische Lan- desausschuß hat zu einem seiner Vertreter in dem durch das Gesetz 69 aus dem Jahre 1935 geschaffenen Kuratorium zur Entschuldung der Selbstverwaltung den Genossen Grund gewählt. Ter zweite deutsche Vertreter ist der der Sudetendeutschen Partei angehörige Dr. Füßl, die tschechischen Genossen sind durch M a ch a c e k vertreten. Lbcrlcutensdorfcr Mozartfeiern gefährdet. Die seit 33 Jahren in Oberleutensdorf veranstalteten Mozart-Konzerte erscheinen angesichts der ungünstigen Entwicklung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage ernstlich in Frage gestellt. .Karkbad-Propaganda am Suezkanal. Durch Vermittlung der tschechoslowakischen Gesandtschaft in Kairo ist jetzt am Hause des tschechoslowakischen Konsuls in Port Said, das direkt am S u e z k a n a l gelegen ist, ein riesiges Propaganda Plakat für Karlsbad angebracht worden. Die vielen Tausende, die den Suezkanal passieren, werden in meterhohen Buchstaben darauf aufmerksam gemacht daß ihr Leberleiden einzig und allein in Karlsbad geheilt werde» können. Ausstellung des Schneeberggaues in Grulich. Im Spätsommer dieses Jahres wird in Grulich eine Ausstellung veranstaltet, die die Gebiete Gewerbe, Handel, Industrie, Landwirtschaft, Bienenwirtschaft, Obst- und Gartenbau umfassen soll. Die Vorarbeiten sind seit Monaten im Gange.‘ Die Räume für die Ausstellung sind gesichert, eS stehen über 5000 Quadratmeter Ausstellungsfläche in einem gedeckten, massiven Gebäude zur Verfügung, außerdem genügend Nebenräumlichkeiten und ein großes Freigelände. Die Ausstellung soll in erster Linie eine Werkschau des Grulicher Gebietes und des ganzen Schneeberggaues sein, soll von dem Fleiße und der Schaffenskraft der engeren Heimat Zeugnis geben. Niederlage der japanischen GemäBIgtes Kabinett Hirota Kriegshetzer Soziale Reformen und Wiederherstellung der Disziplin Im Heer mäßige Bekämpfung der Volkskrankhciten kann viel Rot und Elend verhindert werden. Alle aber müssen mitarbeiten, mithelfen Krankheiten zu bekämpfen, die unserer Volksgesundheit und unserer Volkswirtschaft die schwersten Wunden schlagen, alle müssen sich einordnen in diesem unerläßlichen Ablvehrkampf. Zielbewußte und organisierte Volksgesundheitspflege muß Erfolge zeitigen. Die öffentliche, vom Innenministerium bewilligte gesamtstaatliche Sammlung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Volksgesundheit findet in der Zeit vom 1. bis 31. März statt. Spendet für die Erhaltung der volksgesundheitlichen Einrichtungen. Die Elchwalder Spionageaffäre zieht immer weitere Kreise. Gestern wurden wieher zwei Leute verhaftet. Es handelt sich um Wenzel Gabriel und Marie Pirma. Letztere soll sehr enge Beziehungen mit sächsischen Nationalsozialisten gepflogen haben. Die beiden Verhaftungen stehen mit der von uns bereits geschilderten Entdeckung der Gendarmerie in Zusammenhang. Es ist sicherlich nur ein Zufall, daß auch diese- zwei staatstreuen Deutschen der SdP angehören. Landcssnbvention für deutsche Theater. In der Mittwochsitzung des böhmischen Landesausschusses würden folgenden deutschen Theatern in Böhmen Subventionen bewilligt: Prag, Teplih- Scbönau, Reichenberg, Aussig, Brüx, Saaz und Gablonz. Tokio. Außenminister Hirota ist vom 1 Kaiser mit der Kabinettsbildung beauftragt worden. Man behauptet» daß die Wahl HirotaS, der seit dem Jahre 1934 Außenminister ist» die Aust i in m u n g des Militärs gefunden habe. Ministerpräsident Hirota erklärte» datz das vorläufige Regierungsprogramm Frieden und Zusammenarbeit nach außen und einen ausglri- chcnden Kurs nach innen vorsrhe. Um die Spannungen im Heer zu beseitigen, seien durchgreifende Reformen anf wirtschaft^ ichem und sozialem Gebiet geplant. Es sei allerdings unmöglich, eine radikale Kursänderung durchzuführen. Zur Wiederherstellung der Disziplin im Heer seien strenge Maßnahmen beabsichtigt. Die Ernennung Hirotas hat allgemein überrascht» wurde aber mit-einem Gefühl der Erleichterung anfgenommen, da die japanische Oeffrntlichkeit darin das Ende der Isolierung Japans erblickt. Der Reuter-Korrespondent ist der Ansicht, datz die Betrauung Hirotas mit der Kabinetts- ! bildung unzweifelhaft den Zweck habe, das Aus land über die japanische Außenpolitik» insbeson- vcrc hinsichtlich des Verhältnisses zu Sowjetrußland, zu beruhigen. Hirota war, bevor er Außenminister wurde, Botschafter in Moskau, wo er zur Besserung der Beziehungen zwischen den beiden Staaten beigetragen hat. Außenminister wurde der bisherige Botschafter in Rom Sigeru Joschida. B ruhigende Versicherungen an Rußland Moskau. Der japanische Botschafter in Moskau Ota besuchte im Auftrage seiner Regierung den Volkskommissär für auswärtige Angelegenheiten Litwinow und erklärte ihm, daß die Ereignisse in Tokio ausschließlich innerpolitische Bedeutung besitzen und keinerlei Folgen für die Beziehungen Japans zu anderen Ländern, insbesondere zu Sowjetrußland, haben werden. Ota versicherte, daß seine Regierung unabänderlich bestrebt sei, zu einer Besserung des Verhältnisses zu Sowjetrutzland zu gelangen. Magyarische Patrouille überfällt tschechoslowakische Finanzwache Preßburg.(Tsch. P.-B.) In den frühen Morgenstunden des 5. März 1936 drang zwischen den Gemeinden Hostice und Darna, Bezirk Feledico, eine sechsgliedrige ungarische Militär, Patrouille auf tschechoslowakisches Staatsgebiet vor. Bei Kecskejäras, in der Luftlinie 2800 Meter von der Staatsgrenze entfernt, überfiel diese ungarische Patrouille zwei Angehörige der tschechoslowakischen Finanzwache und entwaffnete sie. Obwohl die Ungarn in der Üebermacht waren, entriß einer der tschechoslowakischen Finanzer im weiteren Kampf einem ungarischen Soldaten dessen Gewehr und gab einen Schuß ab. Die ungarische Patrouille ergriff daraufhin die Flucht und es gelang ihr, obwohl sie verfolgt wurde, nach Ungarn zu entkommen. Das zurückbehaltene Gewehr des ungarischen Soldaten wurde von den tschechoslowakischen Behörden beschlagnahmt. Am Tatort würd' von Vertretern der politischen und der Finanzbehörden und der Gendarmerie sofort eine eingehende Untersuchung vorgenommcn. Die Ergebnisse der Untersuchung werden die Grundlage deZ weiteren amtlichen Verfahrens bilden. Leite 4 Freitag, 6. März 1938 Nr. 5« Nlegerdomdeii Leiten eine britische Ambulanz Dessie.(Reuter.) Ein italienisches Bombardierungsflugzeug hat Mittwoch früh auf den Berbandsplatz der britischen Ambulanz in der Nähe von Quorum mehr als 40 große Explosivbomben abgrworfen. Das Personal der Ambulanz hat durch die Bombardierung keinen Schaden erlitten, doch wurden drei in der Ambulanz behandelte Personen getötet; vier weitere Verletzte sind ihren Verwundungen erlegen. Das italienische Flugzeug k r e i st e zehnmal in geringer Höhe über demBerbandsplatz, der in deutlicher Weise mit dem roten Kreuz in der Größe von 40 Fuß als solcher gekennzeichnet war. Die britische Ambulanz ist kürzlich von Waldie nach Quoram übersiedelt, was am Montag dein Internationalen Roten Kreuz in Genf mit dem Ersuchen mitgetrilt wurde, die italienische Regierung davon zu verständigen. Die Delegierten des internationalen Roten- Kreuz-Ausschusses, Brown und Junot, die zur Zeit in Addis Abeba weilen, warten vor Aufnahme einer Enquete nähere Einzelheiten ab. Ein offizieller italienischer Bericht stellt die Sache so dar, daß ein italienisches Flugzeug in unmittelbarer Nähe eines abessinischen Militärlagers eine Kolonne von 30 Autos, von denen gerade kleine Kisten abgeladen wurden, gesehen\ habe, in deren Mitte das R o t e K r e u z zu sehen war. Das Flugzeug sei niedriger gegangen, um die Lage„besser prüfen zu können", sei jedoch mit Gewehrfeuer überschüttet und auch getroffen worden. Daraufhin habe es die Kolonne bombardiert, worauf aus den Kisten angeblich schwarzer Rauch aufgestiegen sei, ein Beweis dafür, daß sich darin Munition befunden hätte. Ueberdies sei Aralien erst am selben Tag von der britischen Regierung informiert worden, daß sich eine Abteilung des britischen Roten Kreuzes von Dessie nach Quoram begeben habe. Die abessinische Regierung erklärt, daß die britische Ambulanz in einer Entfernung von mindestens drei Kilometern vom nächsten Militär- lager stationiert war. Azanas Mehrheit durch 39 Mandate der Mitte gefestigt Madrid. Die parlamentarische Lage und die Stellung der Regierung Azana haben durch die Erklärung der bedeutendsten Gruppe der Mitte, welche 39 Abgeordnete zählt und deren Vorsitzender der ehemalige Ministerpräsident Valladeres ist, für die Regierung stimmen zu wollen, eine Festigung erfahren. Damit ist gleichzeitig die bisherige Linksmehrheit von 24 auf 63 Stimmen gestiegen. Neue Sabotagefälle In der britischen Marine London. Wie die Morgenblätter melden, haben sich zwei weitere Fälle von Sabotage auf britischen Kriegsschiffen ereignet.„Daily Telegraph" berichtet, daß die Admiralität die Lage sehr e r n st beurteile. Die Schiffe, die neuerdings beschädigt wurden, sind der 32.000 Tonnen große Schlachtkreuzer„R e p u l s e", der sich zur Zeit in Porthmouth befindet und der sich demnächst der Mittelmecrflotte anschließen sollte, sowie das in Weymouth stationierte Unterseeboot„H 28". Vorkonferenz mit Starhembers Nom. Vizekanzler Starhemberg, der Donnerstag vormittags«ine Begegnung mit dem Unterstaatssekretär S u v i ch hatte, wurde spät nachmittags von Mussolini empfangen. Es wird bestätigt, daß diese Besprechungen die italienischösterreich-ungarische Romkonferenz vom 18. bis 20. März vovbereiten und einen prinzipiel- lenHauptplan schaffen sollen. Dieser Plan werde gleichzeitig wirtschaftlichen und politischen Charakter tragen. An diplomatischen italienischen Stellen heißt es, daß es sich nicht um einen Oppositionsplan ohne die Kleine Entente oder gegen sie handle. Starhemberg werde vor dem Eintreffen des Ministerpräsidenten Dr. H o d z a in Wien dortselbst wieder zurück sein. Tiefster Stand der Goldreserven der Reichsbank Der Goldbestand der Reichsbank sinkt von Woche zn Woche und hat nunmehr den bisher größten Tiefstand von 71.7 Millionen Reichsmark erreicht. Der Notenumlauf ist in der letzten Zeit um zehn Prozent, nämlich von 3756 auf 4176 Millionen Reichsmark, gestiegen. Vom Rundfunk tawtaMMnNrtai au* daa Prauraaiaraai Samstag: Prag, Sender L: 9.45: Feierlicher Schulfunk zu Ehren Masaryks, 11.05: Festkonzert. 13.40: Schallplatten, 16: Masarhk zum Geburtstage, 17.55: Deutsche Sendung: Festprogramm zum Geburtstag des ersten Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik: Sudetendeutsche Chöre, 18.50 Deutsch« Bresse, 22.80: Deutsch« Presse. Sender S: 14.10: Deutsche Sendung: Feierstunde: Prosa um Masarhk. — Brün« 7.80 Rundfunkorchesterkonzert.— Preß- burg 15: Rundfunkorchesterkonzert.— Kascha« 22.30: Aundfunkorchesterkonzert. Auf dem Amba Aradam, der kürzlich erobert wurde Italienischer Beobachtungsposten auf dem Amba Aradam südlich von Makale, der kürzlich von den Truppen Badoglios erobert wurde. Meldentod Auf dem Schlachtfeld von Arras sind ketzt. achtzehn Jahre nach dem Weltkrieg. 170 Leichen französischer und' deutscher Soldaten gefunden worden. (Zeitungsmeldung.) Wo der Bauer rn Frankreich den Acker pflügt, da gräbt er nicht zu tief, weil«och Mancher in der Erde liegt, der seit longo« Jahren schlief. Ten« wo jetzt der Bauer den Weizen sät und den Roggen für unser Brot,— da wurden Tausend« hingemäht «nd starben den Heldentod. Bieltansrnd Held« schoß er entzwei, der ruhmreiche Tod in der Schlacht. Run ist er schon ochtzeh« Jahr« vorbei und der Helden ward»ft gedacht. Doch nach achtzehn Jahren FriedenSzeit, da kommen sie nun ans Licht: ES ward ihnen manches Denkmal geweiht,— begraben— hat mim sie nicht! Und Leichen, stapelweiS anfgrtürmt, zerfressen von Ratten und Maus, durchlöchert, durchwühlt, zernagt»nd zerwürmt, die habe« kein Totenhaus. TaS also ist der Heldentod, ist der ruhmreiche Tod in der Schlacht: Sie modern noch grablos»ach Granen und Rot, wenn der nächste Krieg erwacht! Petra. Auf Treu und Glauben. In dem Prozeß Henlein contra Laurin wird also der Standartenführer Gütz aus Chemnitz als Zeuge aussagen. Wir zweifeln nicht, daß er seine Aussagen eidlich erhärten wird. Der Eid spielt in der Geschichte des Nationalsozialismus ja eine besondere Rolle. Man wird sich z. B. des Striegauer Eides des Führers erinnern. Dort bandelte eS sich um einen! blutigen Zusammenstoß stoischen SA und Reichsbanner. Als Zeuge erschien auch Adolf Hitler, um die völlige Harmlosigkeit der SA zn bezeugen. Als er gefragt wurde, was denn»SA" eigentlich bedeute, zögerte er nicht, unter s e i- n e m Eid mit treudeutschem Airgenaufschlag zu antworten:»SA. das ist die Abkürzung für Sport-Abteilung." Jeder Sachkundige wußte damals schon, daß SA Sturm abteilung bedeute,— nur das Gericht und der Staatsanwalt wußten es nicht, denn sonst wäre dieser Zeuge nach ständiger reichsdeutscher Gerichtsprqxis sofort wegen Verdachtes des M e i n e i d s verhaftet und dann mich verurteilt Wörden.— Der Zeuge Götz müßte übrigens von Reckst? wegen offiziell begrüßt werden. Bisher nämlich'sind die Pgs.nur unter Verschweigung ihrer Parteistellung in die Tschechoslowakische Republik eingereist, wenn sie es nicht vorzogen, ohne Benützung der amtlichen Grenzkontrolle unier Land mit ihrem Besuch und Aufenthalt zu beehren. Der dient ja. sonst auch nicht gerade der Ablegung, eines Zeugnisses vor Gericht, sondern der Einziehung von Nachrichten über Emigranten und ihre inländischen Freunde, wenn nicht der Erledigung solcher Leute wie im Fall Formis oder ihrer— natürlich legalen und gewaltlosen—.Zurückführung" ins Reich wie ja bereits in einer ganzen Reihe voll Fällen. Verwegener Einbruch. In Troppau wurde am Dienstag abends an der freguentiertcsten Stelle ein verwegener Einbruch in den. Juwelierladen H. Teitelbaüms verübt, wobei Schmucksachen im Werte von etwa 150.000 KC entwendet wurden. Die Einbrecher kamen wahrscheinlich im Auto, kurz nachdem die Inhaber den Laden verlassen hatten, drangen mittels Nachschlüssels in das eschäft ein und, suchten sich aus der Auslage die wertvollsten Gegenstände aus; darunter auch eine goldene, mit Edelsteinen besetzte, Armbanduhr im Werte von 10.000 KC. Die Polizei hat alle Maßnahmen getroffen, um"den-Einbrechern die Flucht über die Grenze unmöglich zu machen. Durch Aetherdämpfe vergiftet. In der Prager Kapsel-Fabrik Sellier& Bellot ereignete sich Donnerstag ein schwerer Unfall, der für die betroffenen Arbeiterinnen leicht tödliche Folgen hätte haben können. Die Vorrichtung, welche die bei der Arbeit, sich entwickelnden Aether- und Chlordämpfe abzusaugen hat, scheint schadhaft geworden zn sein, so daß giftige Dämpfe entwichen. Acht Arbeiterinnen, die In dem betreffenden Raum beschäftigt waren, wurden mit schweren Vergiftungserscheimmgen ins Krankenhaus gebracht, wo sie in Behandlung belassen werden mußten..; Hitler begnadigt Franenmörder!(FK.) Aus Deutschland kommt die Nachricht, daß durch Gnadenakte Adolf Hitlers vor■ dem Beil des Scharfrichters bewahrt wurden Karl Krüger aus Grund bei Goslar im Harz, der die Margarethe Hermann aus Wittem- berg ermordet hatte und Helmvth Jö ck, der Mörder seiner Tante Luise Broszinski. In beiden Fällen wird als Begründung für die Begnadigung die„Berzweiflungsstimmung" der Mörder angegeben. Solche Kunde aus dem Lande, das Frauen wegen angeblicher Spionage durch den Henker töten läßt,, in dem Rudolf Claus nur wegen seines mutigen. Bekenntnisses zu seiner politischen Ueberzeugung aus dem Klotz verbluten mußte, klingt merkwürdig. Kehrt das Zeitalter der Humanität wieder? Nein, doch nicht, es sind Frauenmörder und zwar.die Numm er n 10 und. 11,.d e ße n d e r dur ch d i e„V e r zw e i f l u n g s st i m m u n g" g e r ü h r t e„F L h r e r“ die K ö p f e schenk t. Der politische.Sünder geht in Deutschland den Weg des Gerichts.'■ Frauenmördern winkt die Gnade. Auf dem blutigen'Hintergrund der Geschichte. Deutschlands der letzten drei Jahre erscheint gespensterhasi der Geist der Nichte des „Führers" Geki,' die im Herbst 1930 ist"der Münchner Wohnung Hithers-erschossen avfgefun- den wurde. So oft Hitler noch einen Mörder begnadigte, war es ein Frauenmävderl Zwei Oeltanks explodiert. Wie die ,.Taß"- Ageytur meldet,, geriet in Grosny, dem Mittel- punkte der kaukasisches!' Erdölindustrie: auf der zweiten Erdölraffinerie aus bisher ungeklärter Ursache ein Großbehälter in Brand der mit einem leicht entzündbaren benzinähnlichen Destillat angefüllt war? Das Feuer griff schnell auf einen zweiten großen. BehäÜtt über^. Nach kurzer Zeit flögen beide Behälter in die Luft. Die Verluste ay Menschenleben, könnten bisher noch nicht festgestellt werden.,/.'/.\ Urderall die gleichen faschistischen Waffen! Nach Absage der wiederum.gestörtep Vorlesung des Professors Iöze kam es jn den Gassen des Quartier Latin-zu Ausschreitüngen, bei welchen dir Polizei sieben. Studenten verhaftete,, Der provisorische Dekan der juristischen Fakultät sandte dem Unterrichtsminister, eine schriftliche Darlegung über die Ausschreitungen gegen Professor Jize. Die Studenten, hatten eine Stinkbombe au» das Katheder geworfen, so-daß-der Aufenthalt im Hörsaale unerträglich, war und.die Diener Gasmasken verwenden.mußten.- vor Kampf Internationale Revue, Prag Das März-Heft(Nr. 3) enthält folgende Beiträge: Josef Hofbauer: Kulturprogramm gegen die Kultur. Fritz Weise: Tschechoslowakische Wirtschaftsprobleme. Julins Deutsch: Dokumente der Barbarei. Paul Malles: Die norwegische Arbeiterpartei. Fritz Brügel: Zur Lage der tschechische» Literatur. Weltpolitik Weltwirtschaft Internationaler Sozialismus A«S der Sowjetunion Aus dem geistigen Leben. Preis des Heftes 5 KC, Jahresbezugspreis 50 KC. Redaktion u. Verwaltung: Prag II., Lützowova Rr. 37. Der unverwundbare Dreadnought. Leicester Barlow, ein amerikanischer Berufserfinder, hat dem Marineamt in Washington seine Pläne zu einem Super-Dreadnougth angeboten, der sowohl gegen Torpedos, als auch gegen Lust-Bombenangriffe unverletzlich sein soll. Bei genauerer Prüfung erwies es sich, daß das Schlachtschiff tatsächlich allen Angriffen widerstehen dürste, daß es aber den schweren Fehler austveist, dank seiner Verdrängung von 85.000 Tonnen li) den Panama-Kanal nicht passieren und in keinem Hafen der Welt vor Anker gehen zu können. Dem Mr. Barlow wurde der höfliche Bescheid gegeben^ daß man ihm sehr danke, aber angesichts der Tatsache, daß sein Schiff diese für ein Kriegsschiff doch notwendigen Fähigkeiten nicht aufweise, von der Konstruktion lieber absehe. Tödliches Kriegsandenken auf dem Friedhof. Auf dem Friedhof der Gemeinde San Giovanni bei Görz hat sich ein großes Unglück ereignet, als der Bauer Franz Sturzes begraben wurde, der im Weltkrieg gedient hatte, u. seither drei Artilleriegeschosse verwahrte, die seinem letzten Willen gemäß in fein Grab gelegt werden sollten. Als nun der Sarg ins Grab Hinuntergelaffen wurde, stürzte eines der Artilleriegesckosse zu Boden und explodierte. Im weiteren Verfolg explodierte auch ein zweites Geschoß. Die Explosionen verursachten an der Grabstelle einen ungeheuren Trichter, beschädigten die 16 umliegenden Grabsteine und verwüsteten den ganzen Friedhof. In der Trichtergrube der explodierten.Kanonengeschosse wurden zwei.zerrissene Leiche«, und zwar,-die Leichen der Witwen nach dem verstorbenen Bauern und eines der Totengräber gefunden. Außerdem wurden sechs Begräbnisteilnehmer schwer verletzt. Maffenflncht von Gefangenen. Im Gefängnis von Kuanyun(Nord-Kiansu) ist eine Revolte der Sträflinge ausgebrochen. Sämtliche 331 Gefangenen sind nach Ueberwältigung der Wärter ausgebrochen. Beim Fluchwersuch eröffnete die Stadt- wache das Feuer auf sie und tötete acht Sträflinge. 216 Sträflinge sind entkommen. Deutsch- österreichischer Filmfrieden. Die vor mehreren Wochen begonnenen Vorverhandlungen über den Abschluß eines Film-Austauschabkmnmens zwischen Deuffchland und Oesterreich haben zu einer grundlegenden Verständigung zwischen der Reichsfilmkammer Berlin und der österreichischen Film- konfereNz in Wien geführt. Tas deutsch-öster- reichische Film-Anstauschabkommen soll, die Grundlage für eine Zusammenarbeit auf lange Sicht bieten. Warnung an die Radfahrer!(Amtlich.) Durch die Radfahrer wird Unordnung in den Landstraßenverkehr getragen und es kommt ständig zu überaus ernsten Unfällen. Trotz der wiederholten Verwarrum- gen zeigen sich ständig immer noch die nachfolgenden wichtigen Mängel: Nichteinhaltung der Vorschriften über die Fahrt am linken Rande der Kommunikation, die Fahrt nebeneinander in Paaren, zu dritt, ja sogar des öfteren in einer größeren Anzahl über die ganze Breite der Kommunikation verteilt. Richtein- haltung der richtigen Fahrtrichtung durch plötzliches und für di« übrigen Benützer der Kommunikation unvorhergesehenes Abweichen und Schleifenbildungen, das Mitnehmen weiterer Personen auf dem Fahrrad«, die leichtsinnige Haltung auf dem Fahrrade, ja des öfteren auch das Nichthalten der Lenkstange und die Beherrschung des Fahrrades bloß durch den Körper u. ä. Die Mehrzahl der Fahrräder ist noch nicht mit der vorgeschriebenen Glocke au?ge- stattet, Wetters nicht mit der vorn angebrachten Lamp« mit weißem oder gelblichem und von weit sichtbarem Lichte sowie rückwärts mit dem vorgeschriebenem Glase. Da die angeführten Unzulänglichkeiten die Sicherheit nickt bloß der Radfahrer, sondern in der Regel auch des Verkehrs vermindern und zahlreich« schwere Unfälle verschulden, wurden die Sicherheitsbehörden angewiesen, konsequent auf die Einhaltung der straßenpolizellichen Vorschriften durch alle Benützer öffentlicher Straßen und Wege ohne Unterschied zu achten. Die Nichteinhaltung der gültigen Vorschriften und die NichrbefolgUng der Sicherheitsorgane wird streng bestraft werden. Wahrscheinliches Wetter Freitag: Vorwiegeno bis wechselnd bewölkt, vereinzelt leichter Regen."Im Westen der Republik im allgemeinen ein wenig kühler. Im Karpathengebiet verringert« Temperaturschwankung zwischen Tag und Nacht.— Wetter« aussichten für Samstag: Auch im Osten des Staates utwas kühler. Rr. 56 Freitag, S. März 1936 Seite 5 Tas wird eS in Adolfs Erbschaft nicht geben! Dieser Tage fand die dritte Versteigerung der Pri- vatbibliothek des verstorbenen Ministers LouiS Bar- thou statt. Die drei Versteigerungen erbrachten zusammen 6,800.000 Franken. Minister Barthou war einer der größten französischen Bibliophilen. Karambol: Möbelwagen gegen Baum. Mittwoch nachmittags stieß an der Einfahrt zu dem Dorfe Domnitz im Saale-KreiS, offenbar infolge Versagens der Steuerung und der Bremsen, ein aus einem offenen Lastwagen und einem angehängten Möbelwagen bestehender Lastzug gegen einen Baum. Der Motorwagen fing sofort Feuer, das auch auf den Möbelwagen Übergriff. Der Brand konnte durch schnell herbeigeeilie Hilfe rasch gelöscht werden, doch war der Führer deS Lastkraftwagens bereits tot, während der neben ihm sitzende Beifahrer fich schwer verletzt und mit Brandwunden bedeckt auS dem Wagen retten konnte. Auf dem Möbelwagen saßen zwei weitere Beifahrer und eine Hausangestellte. Die beiden Beifahrer wurden getötet, daS schwer yerletzte Hausmädchen mußte inS Krankenhaus gebracht werden. Schwieriger Staprllauf der„Queen Mary". Am 8. März wird König Eduard VIII. sich nach Glasgow begeben, um das neue englische Riesenschiff »Queen Mary" zu besichtigen, das, wenn die Erwartungen nicht trügen, der französischen„Normandie" das Blaue Band entreißen wird. Der Stapellauf des Dampfers wird am 24. März festlich begangen werden. Weser Tag mußte gewählt werden, da eS unglaublich schwierig ist, den ungeheueren Schiffskörper zu Wasser zu lassen, und da der Clyde nur an dem einen Tag, dem des Frühjahrs-Aequinoctiums, durch ein Maximum an Flut die für die.Queen Mary- notwendige Tiefe erlangt. Den weiteren Schwierigkeiten ist man bereit- heut« ausgewichen: daS Schiff konnte nicht durch die vielen Windungen zum Meere gelangen; kurz entschlossen wurde«in breiter und ttefer Kanal gegraben, der den Windungen auswich. Na also, ist es nicht gleich viel heller im Stübchen?' Der Schmiß— ein deutsche^ Problem Von F. E. Roth „Student und Akademiker kann in Zukunft keiner mehr sein, der nicht seine Ehre mit der blanken'Waffe zu schützen imstande und gewillt ist. Der Schmiß wird unter den deutschen Gebildeten wieder zu Ehren kommen müssen." (Reichsführer der Nattonalsozialistischen Deutschen Studentenschaft Derichsweiler in einer kürzlich gehaltenen Rede.) In"der Tat, eS ließe sich eine abgerundete, tiefsinnige und voluminöse Kulturgeschichte über den Schmiß schreiben und über alles das, Ivas— unter deutschen„Gebildeten"— zu ihm gehörtI Ein richtiger Schmiß ist ja wohl mehr als der Roßschweif eines Padischahs oder der funkelnde Knopf eines Mandarinen. Roßschweif« und Knöpfe werden einfach verliehen. Den Schmitz verleiht sich derjenige, der ihn haben will und kann, aus eigner Machtvollkommenheit und aus der seelischen Souveränität von sich selbst. Bor dem Rohschweif prä« sentierten die Janitscharen, vor dem Knopf kreuzen Kuli und Reisbauer demütig di« Arme vor der Brust. Vor dem Schmiß aber hat dem Unbe- schmißten das Wort im Munde und die Hand an der Hosestnaht zu erstarren. Bor dem Schmitz mutz die Kellnerin mit ehrfürchtigeren Schauern der Dinge; die für sie bestimmt, harren, al- Ledu vor dem Schwan. Der Schmiß ist ebenso identisch mit den notwendigen Belangen eines ordentlichen Staates, wie mit denen eines besseren Stammtisches. Was wäre Bismarck und seine kleindeut- scbe Lösung ohne die Göttinger Schmisse? Ohne Schmiß kein Hitler! Es gibt, zahlreich sogar, französische Bücher, die den Deutschen und seinen Schmiß-Komplex schildern und ihm gerecht zu werden versuchen. Noch fremdartiger, noch wundersamer, noch rätselhafter als die ewig preußische Tatsache: sechsDie Programme der amerikanischen Präsidentschaftskandidaten (AP) Wir bringen nachstehend die Programme der amevikanischen Präsidentschaftskandidaten. Bon den Republikanern fordert Borah 1. Uebernahme der Arbeitslosenunterstüung durch die Bundesregierung, 2. Ausgleich des Budgets durch Ersparnisse, 3. Unterstützung der Landwirtschaft durch Beschränkung der Monopole, 4. Schutz des Binnenmarktes vor ausländischen Produkten, 8. strenge Einhaltung der durch die Verfassung den Vollmachten der Bundesregierung gezogenen Grenzen,. 6. Fernhaltung von allen europäischen Konflikten, Frank Knox verlangt 1. staatliche Arbeitslosen- und Altersversicherung, 2. Ausgleich des Budgets, 3. Bundeshilfe für die Landwirtschaft, 4. Unterstützung des. Obersten Gerichtshofes bei Ausübung, seiner Prärogativen, da er während Roosevelts Amtszeit die Nation davor bewahrt. habe, zu einer bürokratischem Autokratie zu werden. 8. strikte Durchführung der Antitrustgesetze, 6. drastische Berringerung der Verwaltungsausgaben, 7. Bekämpfung jeder Einmischung der Re- gierusig in das private Busineß. Der Gouverneur Alf Landon, genannt der Coolidge von Kansas, hat folgende Plattform: 1. Wiederherstellung des Vertrauens in den nationalen Kredit und den Dollar, 2. Förderung der Wiedereinstellung von Arbeitskräften, 3. Schaffung einer billigeren Administration der Arbeitslosenhilfe, 4. Bekämpfung des New Deal, da die der Staatsschuld zugefügten Milliardenanleihen eine Gefahr seien und zu einer wilden Verschwendung der Staatseinkünfte geführt hätten, 5. Wiederherstellung der Fruchtbarkeit des Bodens, Ueberschwemmungsschutz und Vermeidung preisdrückender Ueberproduktion in der Landwirtschaft, 6. Aufrechterhaltung der Verfassung in allen Punkten. Kriegsfieber in Fern-Ost. Artur Donald Bäte, außenpolitischer Redakteur der„China- Preß" in Schanghai, ist.eben in Berlin eingetroffen und erzählte dem Reuter-Korrespondenten über seine Reise: Längs der ganzen mandschurischen Bahn ist eine Mobilisierungs-Stimmung, die an den Zustand. Europas im.Hochsommer. 19.14 erinnerte. Nördlich von Mulden sahen wir viele Truppentransportzüge. 60 bis 70 Panzerwagen mit Kanonen wurden von einer verkleideten Lokomotive gezogen. In Mandschukuo herrscht ein wahres Spionenfieber. Alle paar Stunden werden die Pässe der Reisenden genauest kontrolliert. An der Grenze wird jedes Gepäckstück auf das strengste durchforscht. Eine Französin hatte einen Tiegel mit Gesichtscreme mit, die mandschurischen Zöllner stachen mit Messern hinein, um festzustellen, ob sonst nichts drinnen wäre. Ebenso streng ist die russische Untersuchung. In den acht Reisetagen von Pogranitschnaja bis Moskau bfgegn-ten Was die Demokraten anbelangt, so wendet sich R o o s e v e l t gegen die überalterten Auffassungen, die die Gerichte von der Verfassung hätten, wie die Entscheidungen des Obersten Bundesgerichts hjnsichtlich der Nira gezeigt' hätten. Er verlangt:. .1. Bekämpfung uferloser Inflation, jedoch Berechtigung zu weiterer. Devalvierung des Dollars, 2. Fortführung der Bundeshilfe für die Ar-- bettslosen in Höhe von 2 Milliarden Dollars im Nächsten Jahre, 3. Fortsetzung der Anleihepolitik zur Dek- kung der Ausgaben, und Beschaffung von neuen Steuerquellen zu dem gleichen Zweck, -4. Fortsetzung der Farmerhilfe, 5. Aufwendung von 500 Millionen Dollars jährlich für öffentliche Arbeiten, u. a. Wiederaufforstung, sowie Fortsetzung der Zuschüsse für Riesenprojekte ww den Schiffahrtskanal in Florida,‘ 6. Arbeitslosenversicherung und Alterspensionen»' 7. Verstärkung der Regierungskontrolle über die Privatunternehmungen, 8. Verstärkung von Armee und Flotte, jedoch, zurückhaltende Wachsamkeit in außenpoli» tischer Beziehung. 9. Bundeskontrolle der Kreditpolitik der Banken. E ü g e n e T ä l m a d g e, der Gouverneur voy Georgis, fordert schließlich 1. Verteidigung der Rechte der Bundesstaaten, 2. Kampf gegen das„kommunistische Programm" Roosevelts, 3. Hilfe für Arbeiter und Farmer, jedoch keine Festsetzung der Löhne durch die Bundesregierung, 4. Budgetausgleich, 5. Verzicht auf die künstliche Verringerung der landwirtschaftlichen Produktion, 6. Reduzierung der Steuern, 7. Preisgabe von neun Zehnteln aller Obliegenheiten der Bundesregierung sowie Verzicht auf jede Konkurrenz der Bundesregierung mit den Privatunternehmen, 8. Unterstützung des Bundesgeiichts gegen den New Deal. wir 35 Militärzügen zu je 75 Wagen und teilweise mit Baby-Tanks für ein bis zwei Mann und Artillerie beladen. Auf jeder unserer Haltestationen sahen wir Hunderte Rotarmisten in trefflicher Ausstattung. Kurz vor Omsk fuhren wir an einem großen Plateau vorüber, auf dem Mchr als 1000 FlugMge standep.^DieIlussest^ -so schließt der Bericht, scheinen mit'dem Kriegsausbruch für das Frühjahr zu rechnen. Karl Radek über„Hitler mit Peitsche und Zuckerbrot". In einem großen Artikel unter obigem Titel nimmt Karl'Radek in den Moskauer „Jsweftija"(1. Marz) zu den neuen Anbiederungsversuchen Hitlers an Frankreich ausführlich Stellung. Radek erinnert die französischen Politiker an das berühmte offene S ch r ei b e n H i i« lers an von Papen vom 21. Oktober 1932, in dem Hitler zu einem deutsch-englisch-italienischen Bündnis gegen Frankreich auffordert. Herr Hitler, bemerkt Radek, rechne höchstwahrscheinlich ' damit, daß die französische Rechte, die sich als unschuldige Jungfrau gebärde, Hitler die Antwort geben werde:„Wie soll man ihm nicht glauben, da er doch seine Liebe beteuert?" Aber als Bis-, marck den Krieg gegen Frankreich vorbereitete, habe er nicht nur Napoleon III. seiner Liebe versichert, sondern ihm auch Belgien, Luxemburg oder einen Teil des Rheinlandes angeboten, um das Mißtrauen der Franzosen für eine Weile einzuschläfern. Hitler will Frankreich isolieren, um es alsdann auf die Kn je zu zwingen. Aber Hitler wird, sich ebenso irren, wie sich früher einmal Wilhelm II. geirrt hat, als er die Franzosen für eine Nation gehalten hat, die eines ernsten Widerstandes nicht fähig ist. Das französische Volk wolle niemandes Sklave sein,.. Hitler gebärde sich so, als ob Frankreich bereits besiegt sei, aber die Franzosen sind kein Voll von Feiglingen. Frankreich sind kein Boll von Feiglingen. Frankreich sehnt sich nach Frieden, lehnt jedoch die Sklaverei ab. Volkswirtschaft und Sozialoolifik Die Krise der Textilindustrie Die Außenhandelsziffern unserer Textilin-• dustrie sprechen eine eindringliche Sprache. Die Textilausfuhr ist von 6387 Millionen XL im Jahre 1929 auf 1725 Millionen XL im Jahre 1935 gesunken. Obwohl schon diese Ziffern niederschmetternd wirken, erhält man erst ein richtiges Bild über die Katastrophe des Textilexportes, wenn man den Anteil der Textilausfuhr am gesamten Export unseres Staates untersucht. Das Ergebnis dieser Betrachtung ist erschütternd. Im Jahre 1929 war die Textilindustrie noch mit. 3 Irl Prozent an der Ausfuhr der Tschechoflowakei beteiligt, 1935 mit 21.7 Prozent. Der Anteil der Textilien am Gesamtwert aller ausgeführten Waren der Tschechoflowakei ist binnen acht Jahren von einem Drittel auf rund ein Fünftel zus ammengebrochen. Die Textilindustrie hat damit viel von ihrer einstigen großen Bedeutung bei der Beschaffung, ausländischer Zahlungsmittel zum Ankauf ausländischer Rohstoffe und hochwertiger Qualitätswaren eingebüßt. Noch viel schlimmer ist aber, daß die Textilindustrie, deren Export 1929 den Wert der Einfuhr von Textilien und Textilrohstoffen um mehr als 700 Millionen XL überstieg, 1934 schon um 108 MiÜionen XL mehr Textil- rohftoffe und Halbfabrikate ein- als aüsführte. DaS bedeutet, daß der Ertrag des Textilexportes schon nicht mehr hinreichte, um die Einfuhr von Rohstoffen und Halbfabrikaten zu decken. Auch 1935 war unser Textilautzenhandel noch mit 32.7 Millionen XL passiv: Dieses Defizit der Devisenbilanz unserer Textilindustrie ist aber in Wirklichkeit viel größer, wejl,.sich eüi großkr.Lleil.der Texsilaußfuhr nach^, Ländern richtet, mit denen wir Verrechnunzsab-i' kommen haben und aus denen daher keine ausländischen Zahlungsmittel eingehen, und weil ferner ein erheblicher Teil der Auslandsforderungen der Textilindustrie monatelang eingefroren ist. Dazu kommt,' daß die Textilindustrie ihre Rohstoffe nicht in denselben Ländern einkaust, in denen sie den größten Teil ihrer Erzeugnisse absetzt, so daß sich daraus weitere Schwierigkeiten bei der Aufbringung jener ausländischen Zahlungsmittel ergeben, die für di« Begleichung der Einfuhr ausländischer Rohstoffimporte der Textilindustrie benötigt werden. Der Textilarbeiter. mal in der Woche Sauerkraut mit Wurst(„ah, les choucroutiensl")— also noch gespenstischer mutet den Welschen an, daß drüben jenseits des Rheins, wo über schwarzen Bergen immer noch die wilde, verwegene Jagd der Odin und Freia im zerrissenen Nebelgewölk daherbraust, vollwüchsige Männer für Lebenszeit aus ihren Gesichtern wahre Beefsteaks machen und eine leicht beschädigte Nase oder eine haarlose Schädelnarbe etwa so pflegen, wie bei ihnen selbst manche Leute das rote Bändchen der Glorie im Knopfloch. Der Schmiß ist eines der großen Rätsel der Ethnographie! Er ist fast noch schwieriger zu verstehen, als die ganze deutsche Philosophie, mit Leibnitzens Monaden und den Ausflügen des mondsüchtigen Schusters Böhme in das All angefangen. Der Schmiß entsteht auf jeden Fall durch ein Duell oder einem Zweikampf. Aber das Duell ist eben kein Duell und der Zweikampf kein Zweikampf. Sondern das Duell(oder der Zweikampf) ist— in diesem Falle— eine Mensur. Das ist das Geheimnis. Beim Duell geht es um Leichen, bei der Mensur—? Nun ja— um Schmisse! Haben Sie nun verstanden, Monsieur? Nicht jeder kann(oder darf) sich einen Schmiß zulegen. Ein Landbriesträger kommt nie zu einem Schmiß mit rechten Dingen. Noch nicht einmal ein Hofkondttor! Es bedarf zu einem anerkannten, einem autoritativen Schmiß des Reifezeugnisses einer neunklassigen höheren Lehranstalt be- nebst nachfolgender Jmmatrikulationsurkunde. Ein Apotheker oder gar ein Zahndoktor ist nur sehr bedingt schmiß-, weil satisfaktionsfähig. Das Genauere darüber findet der Raritätensammler in einem sehr dicken Buch, das sich deutscher Ehrenkodex nennt und schwieriger selbst von anerkannten Juristen zu handhaben ist, als das gesamte Kirchenrecht. Wer Schmisse haben will, muß das Buch mindestens zur Hälfte von vorn und rückwärts aus dem Kops hersagen können. Aber jetzt werden Sie es doch wohl verstehen, Monsieur? Immer noch nicht? Nun, dann werden Sie aber doch sicherlich begreifen, daß in Deutschland jedwede Art von sich anspinnender Hochstapelei in ihrer leichteren Form grade immer beim Schmiß— dem unechten Schmitz zwar— beginnt. Es hat dort immer Zehntausend« von Bäckergehilfen und vierten Bankfilialbuchhaltern, von Postassistenien und Kanalräumergehilfen gegeben, die damit den Weg der Caglioftro oder Domela zu beschreiten anfingen, daß sie sich mit einem Rasiermesser oder einem zerbrochenen Teelöffel einen möglichst tieftn Schnitt von einem Ohr zum anderen beibrachten. Schon nach vierzehn Tagen, kaum von der Verwundung genesen, erhielten sie jedweden Maßanzug auf Kredit, fing die Braut an, berechtigten Ansprüchen nicht mehr zu genügen und sagte die Frau, die Hemden und Kragen zum Waschen und Bügeln abholt, jedesmal„Herr Doktor". Oh— es gäbe in Deutschland keine StaaiS- autorität, es gäbe kein Knochengerüst der sogenannten Gesellschaft ohne den Schmiß!(Hat dar nicht Übrigens die fluchbeladene Republike, dieses Juden-Weimar klar genug erwiesen, in dem dem schmißlosesten Wesen Ehren erwiesen wurden— mit Pensionsberechtigung— die das Entsetzen jedes Hervorrufen mußten, der um die tiefsten Mysterien deutschen Nebeneinanderlebens wirklich weiß?!) Ohne seine Schmisse, mein Lieber, wäre Deutschland schon längst bolschewistisch—- eine leichte Beute asiatischer Steppenhorden! Das walte Gott! Wie könnte ein Staatsanwalt auf einen Armsünder, der Holz im Walde geklaut hat oder auch nur Heidelbeeren, mit der ganzen Wucht eines preußischen Aars hinabstoßen, bräunte auf seiner Backe nicht jenes unentbehrliche Zeichen rühmlicher Männlichkeit! Wie könnte der Herr Landrat in Pommern dem Bauer Kulicke leutselig hin und wieder die Hand drücken, hielte nicht sein feurig glänzender Schmiß jene allzu notwendige Distanz aufrecht, die Gott der Herr in seiner Weisheit nun einmal zwischen Volk und Obrigkeit in einem geordneten und durch Seifenverbrauch zur Weltgeltung gelangtem Staatswesen gesetzt hat! Wie wäre wohl ein Geheimer Rat in einem Berliner Ministerium gradezu psychisch gehandicapt, wenn die Quart zwischen Ohrläppchen und Nasenloch nicht schon von weitem und selbst im Düsteren den bedeutenden Menschen erkennen machte! Niemand kann auf die Dguer Deutschland regieren, selbst der Tausendsassa Hitler nicht—- es sei denn auf der Basis des Schmisses. Weithin erglänzt in der Tat der deutsche- Schmitz. Von der Maas bis an die Memel, von Tuntenhausen bis Böhmisch-Leipa. In Küchle bei Prag sind sogar einmal Mitteleuropäer von Mitteleuropäern halb totgeschlagen worden— nur, weil die einen Schmisse trugen und die anderen wiederum sie nicht recht leiden konnten. Hat er also Kulturgeschichte oder hat er keine, heh?I In diesem Deutschland gab es beinahe einmal einen Rücktritt des Reichsoberhauptes— nur wegen eines Streites um den Schmiß! Wegei: des Osthilfe-Skandals, wegen der auSgebliebenen Siedlung deutscher Bauern im Osten ist Hindenburg nicht zurückgetreten und hat auch keine Minute daran gedacht. Als ihm aber'zugemutet wurde, zu erlauben, daß die SatiSfaftionsfähigen auf den Schmitz verzichten sollten, drohte der Alte mit Generalstreik, weil er mit Recht die Revolution heranbrausen hörte. Das ist historisch und alten- mäßig. Kennt ihr nun Deutschland? Nein, ihr kennt eS nicht! Denn eS gibt wiederum ganz böse Menschen, die behaupten, das deutsche Volk sei als das geborene der Super- numerare dermaßen unkriegerisch, daß eS'sich in dieser schnöden Welt der Totschläger mit und ohne Frack nun einmal nicht anders zu helfen wisse, als sich wahrhaftig mörderisch zu schminken. Was mag daran Wahres sein? Winnetou, der große Apachenhäuptling, wäre auch ohne Adlerfeder ein tapferer Krieger und seinem Gesicht könnte- man's glauben? WaS aber wäre der Assessor Dr. Eisbein samt Gesicht ohne den Schmiß? Es ist nicht auszudenken! Mag er eS also sein, der deutsche Schmiß— nicht nur ein Symbol im Vaterland, sondern auch ein nicht zu knappes Problem! Seite 6 Freitag, 6. MäiA 1936. Nr. 56 »Sozialdemokrat" Trager^elümq Ansteigen der Kriminalität Im Jahre 1935 Die Prager Polizeistatistik für das Jahr 1935 zeigt ein Ansteigen der Kriminalität oder wenigstens der Verhaftungen gegenüber 1931; verhaftet wurden im ganzen 17.310 Personen, das sind um 207 mehr als im Vorfahre. Unter den Verhafteten sind 52 Ausländer, hauptsächlich internationale Taschendiebe. Taschendiebstähle überhaupt wurden in 753 Fällen gemeldet, davon in 232 Fällen der Täter verhaftet. Kasseneinbrüche wurden in 16 Fällen vollführt. in 24 bloß versucht; hier war das Vorjahr „reichhaltiger", indem es 77 vollfübtte und 21 ver- iuchie Einbrüche registrierte. 18 Urheber heuriger, 4 vorjähriger Kasseneinbrüche, also im ganzen 22 Einbrecher konnten verhaftet werden. Am Jahre 1935 wurden überhaupt 13.050 Straftaten gegen 12.490 im Vorjahre gemeldet. An 16.4 Prozent der Fälle gegen 13.1 Prozent im Vorjahr wurden die Täter verhaftet; das bedeutet das; 1935 fünf Sechstel, 1934 aber gar mehr als sechs Siebentel aller Täter unentdeckt blieben. Tas Verbrecheralbum wurde im Jahre 1935 um 1954 männliche und 663 weibliche Photographien bereichert. Außerdem wurde eine Reibe von aufgebrochenen Kassen. Leichen. Mordstätten etc. photographiert. 174.915 KL an Bargeld wurden im Aabre 1935 auf der Straße verloren;'14.500 KL an Finderlohn ausgezahlt, 10.241 KL wohltätigen Zwecken gewidmet. An Sachwerten wurden im ganzen 15.493 Gegenstände verloren. Das Album der Fingerabdrücke enthält gegenwärtig 224.000 datchloskopische Karten. 628 Personen wurden im Laufe des Aahres im Polizeibezirk Prag als vermißt gemeldet; bis auf steben wurden alle wiedevgefunden. Auf die beiden Geschlechter verteilt sich die Kriminalität wie folgt: Wegen Entführung Verhaftei: 35 Männer, eine Frau. Wegen Mordes: neun Männer, vier Frauen(Kindesmörderinnen). Wegen Brandstiftung: ein Mann, eine Frau. Wegen Diebstahls: 795 Männer. 131 Frauen.(Veriuche inbegriffen). Wegen Veruntreuung: 70 Männer. 9 Frauen. Wegen Raubes: sieben Männer, zwei Frauen. Wegen Betruges: 197 Männer, 13 Frauen. Dem Kreisgericht in Pankratz wurden 2072 Männer, 221 Frauen, den einzelnen Bezirksgerichten 1889 Personen und dem Jugendgericht 17 Personen eingeliefert. Beim Unfall bestohlen. Bei der Hlavkabrücke in Holleschowitz stieß gestern nachmittags der 32jäh- rige Chauffeur Ilja SemenLenko aus Tejwih mit dem Auto des Zahntechnikers Dr. Josef Mraiek zusammen, das sich überschlug und seinen Insassen aufs Pflaster warf. Bei dieser Gelegenheit wurden Dr. Mracek seine Brieftasche mit 480 KL in bar, sein silbernes Feuerzeug und sein Paß gestohlen. Di« beiden Fahrzeuge wurden beschädigt, verletzt wurde niemand. In die Auslage gefahren. Vorgestern abends fuhr der 36jäHrige Beamte Anton Binder mii seinem Auto durch die Palackystraße in Smichow, wobei er an einer Straßenecke die 33jährige Kohlenhändlerin Marie Foltyn aus Radlitz zu Boden warf. Im letzten Augenblick suchte er vergeblich dem Unfall borzubeugen, indem er nach rechts bog. fuhr aber hiebei in die Auslagescheibe der Firma Smetana, die er zerbrach. Die in der Auslage befindliche Seidenwäsche sowie die Mauer wurden beschädigt und der zufällig am Trottoir stehende 20jäh- rige Student Franz Skrha von einem Retzen von Glassplittern im Gesicht und an den Handgelenken verletzt. Die Foltyn ist nur leicht verletzt. Das Auto wurde beschädigt. Billiger Eintritt zur Frühjahrsmesse. Die bereits getroffene Regelung der Eintrittsgebühren bat sich bewährt und man wird daher auch für die kommende Frühjahrsmesse(8. bis 15. März) die neuen Eintrittskarten zu 6 KL in Geltung belassen. Diese verbilligten Karten gelten jeweils für zwei Messeobjekte, d. i. entweder für das neue und alte Aus- stellungsgelände oder für das neue Gelände und den Messepalast. Für den Besuch sämtlicher Objekte kostet eine Tageskarte 10 KL. Für wiederholte Besuch« bestehen die zur Fahrpreisermäßigung berechtigenden Messeausweise zu 20'KL. Ein Sonder-Motorzug nach JohanniSbad und auf den Petzer für 75 KL fährt Samstag, den 7. März, von Prag ab.— Die Exkursion der Tschecho- slowakischen Staatsbahnen in die Hohe Tatra verlädt Prag vom Wilsonbahnhof aus am 7. März um 21.04 Uhr., Fahrkartenausgabe Freitag von 14 bis 17 Uhr und Samstag von 8 bis 12 Uhr im Ausflugszugsreferat im Basar neben dem Wilsonbahnhof. Lin Last, dem die Wirte zahlen Die Siivesterfeler eines berüchtigten Raufbolds Prag. Der 28jährige Kutscher AdolfSvarc aus Krivoklat genießt in seinem Heimarsott einen solchen Ruf, daß sein bloßes Erscheinen in einem Gasthaus unter den Gästen Entsetzen hervorruft. Er ist nämlich der ärgste Raufbold weit und breit und es gibt Wirte, die ihm lieber fünf oder zehn Kronen anbieten, als ihn im Lokal zu dulden Der Exzeß, der diesen Gefürchteten in der Silvesternacht hinter Schloß und Riegel brachte und der gestern seine gerichtliche Austragung fand, setzt aber allen seinen früheren Taten die Krone auf. Als der Vorsitzende GR. N o s e k die Strafkart« des Angeklagten überflog, schüttelte er den Kopf und meinte, eine derartige Borftrafenliste habe er selten zu sehen bekommen. Svarc scheint tatsächlich ein« ganz besondere Naturanlage zu besitzen. Dabei macht er äußerlich einen durchaus sympathischen Eindruck, mit welchem freilich die Ausführungen der Anklage keineswegs harmonieren. In der Silvesternacht kam also Svarc in Tie Restauration„Musil" in Krivoklat, wo ihm der Restaurateur sofort zehn Kronen in die Hand drückte, um seinen Abzug zu bewirken. Er ging in ein anderes Gasthaus, wo man ihn gleichfalls nicht haben wollte, sondern lieber ein gleiches Brandgeld opferte. Nun kehrte er in die Restauration Musil zurüü und ließ sich diesmal auf keine Weise entfernen. Gleich zu Beginn erklärte er, er müsse unbedingt jemanden umbringen, ließ sich aber zunächst begütigen. Als die Musikanten ihre Instrumente einpack- ten; verlangt« er, sie sollten ihm„ein Wildschützenlied" spielen und packte gleich den Flötisten bei der Gurgel. Als ihm einer der Gäste zuredete, begann er auch diesen mit der andern Hand zu würgen. Nun packte ibn der Kellner von rückwärts, trug ibn aus die Gasse und verbarrikadierte die Tür. Aber Svarc war nicht so leicht zu entfernen. Er schlug das Fenster ein und stieg mit einem offenen Messer in der Hand von neuem in die Gaststube. Während die Gäste sich in alle verfügbaren Winkel verkrochen, suchte Svarc mit gezücktem Messer den Kellner, um ihn„abzukrageln". Dieser hatte sich aber inzwischen versteckt, worauf Svarc sämtliche Hotelzimmer mit einem Nachschlüssel öffnete, um den gesuchten Feind aufzustöbern. Das Entsetzen der aufgestörten Zimmergäste kann man sich leicht vorstellen. Als die Nachsuche erfolglos blieb, machte sich Svarc über den Hotelier her, den er würgte, bis dieser blau anlief, um auf diese Weise das Versteck des Kellners herauszubekommen. Als er bemerkte, daß die Köchin schreiend ins Freie laufen wollte, um Hilfe zu holen, bombardierte er sie mit allem, was ibm unter die Finger kam und das war nicht wenig, nämlich acht Teller, vier Gläser und eine Essigflasche. Svarc verließ den Kampfplatz als absoluter Sieger und begab sich unverfolgt in die andere Restauration, wo er sich mit dem Messer in der Hand Einlaß erzwang und sich zu weiteren Taten anschickte. Glücklicherweise erschienen in diesem Moment die alarmierten Gendarmen. Svarc, der vorher nur mäßig getrunken hatte, versuchte im letzten Augenblick plötzlich einen schwer Schlaftrunkenen zu spielen. Als man ihm Handschellen anlegte, verging ihm.die Schläfrigkeit sofort und da er seine Hände nicht gebrauchen konnte, spuckte er den Gendarmen wenigstens, ins Gesicht und biß nach ihnen, wenn sie ihm nahe kamen. Es war ein ziemliches Bündel von strafbaren Tatbeständen, das von der Aicklage geltend gemacht wurde. Hausfriedensbruch, Erpressung, gefährliche Drohung, Körperverletzung, öffentliche Gewalttätigkeit gegen Amtspersonen und noch einige mehr."Zum Urteil kam es aber nicht. Denn das Gericht beschloß die Requirierung einiger früherer Strafakten(darunter eine Sache vom Militärgericht, die dem Angeklagten drei Jahre Kerker eingetragen hatte). Die Entscheidung über den Antrag des Verteidigers, der die Untersuchung des Geisteszustandes seines Klienten verlangte, behielt sich der Gerichtshof für einen späteren Zeitpunkt vor. rb. Kunst und Wtesm Zwei moderne Maler Zwei jung« slowakische Maler, Jakob Bauernfreund und Andreas N e m e s, zeigen gegenwärtig in der Galerie Dr. Feigl ihre erste Kollektivausstellung. Beide sind Schüler Professor Willi Nowaks. Beide sind in ihrem künstlerischen Schaffen einander eng verwandt. Sie sagen sich los von der gegenständlichen Darstellung und streben die „Disziplin der Fläche" an, wofür sie in der Kunst des Orients, in japanischen und persischen Vorbildern, in der frühchristlichen Malerei die Anregungen finden, wobei es sich jedoch nicht um archaisierende Nachahmungen alter Vorbilder handeln kann, sondern um den heutigen Ausdruck wesensverwandter Empfindungsrichtungen. Die zweidimensionale Fläche, die zum Verzicht auf perspeftivische Wirkungen zwingt und eine gewisse Tiefenwirkung nur durch enffvrechende Aufteilung der Fläche und durch das Wertverhältnis der Farben, durch dämpfende oder betonende Abstimmung zuläßt, führt natürlich zu einer völlig anderen künstlerischen Ausdrucksweise, die schon einen ganz anderen Bildaufbau bedingt und in ihrer Konseguenz nicht mehr di« Gegenstände selbst, sondern ihre Abstraktion gibt. Es entsteht ein« andere künstlerische Sprache, eine der vielen, in denen künstlerisches Empfinden sich aus- zudrücken vermag. Mancher Betrachter wird zunächst vor diesen Bilder« ziemlich ratlos stehen, wenn er von der Bezeichnung der Bilder als„Frau mit Blumen" oder„Mutter mit Kind" ausgehend im Bilde die gegenständliche Darstellung sucht und vermißt. Derartige Benennungen sind jedoch mehr oder weniger nur Hinweise auf den jeweiligen Stimmungsträger, von dem der Künstler den Impuls zu seiner Bildkonstruktion empfing. Auf diese kommt es ihm an, nicht auf die„naturgetreue" Wiedergabe eines„Motivs", nicht auf kontrollierbare Aehnlich- keit. Wer sich von dieser Erwägung aus in die Bilder„hineinsieht", wird bald auch den Stimmungs- gehalt ergründen, den der Künstler ausdrücken wollte. Uns scheinen für Nemes die Bilder 26, 29, 82, 34 und 39, für Bauernfteund di« Bilder 55, 58, 62, 68, 70 und 71 am stärksten auszudrücken, was di« beiden Künstler, jeder für sich, anstreben. Reines füllt sein« Bildflächen mit Flächenkompositionen, für di« er starke, pastose, blanke Farben bevorzugt; dunkles festes Braunrot, siefes stumpfes oder gesättigtes Blau, schieferfarbene Töne, leuchtendes Orange und Helles sreudiges gelb herrschen auf seiner Palette vor. Bauernfreund hingegen liebt sstbtile gedämpfte Valeurs, die aus graugrünen, mattrostfarbenen, rosagrauen, schwärzlichen Tönen, aus dem Nebeneinander von verblichenem Rot uitd fahlem, flLchtenhaftem, stumpfem Grüngrau in schwarzgraubraunen Flächenkonturen entstehen unb seinen Bildern einen weichen samtigen Reiz verleihen. Eigenartig ist auch das Technische der Bilder. Beide Künstler arbeiten mit Oelfarben auf Temperagrund, und mischen der Oelsarbenschicht gern Sand bei, wodurch die Bilder manchmal fres- krnhaft wie auf Mörtel gemalt wirken(68, 71) oder in ihrer Farbstruktur an gewebte Teppiche erinnern. An Orientteppiche gemahnt ja mitunter die flächige Komposition an sich, womit nichts Abfälliges gesagt sein soll. Die Gefahr dieser Art des künstlerischen Ausdrucks, sich im Formalen, nur Dekorativen, Kunstgewerblichen zu verlieren, haben die beiden Künstler in ihren besten Leistungen glücklich umgangen. Man fühlt, daß hier nicht nur etwas„gewollt" wird mit der Absicht, auf diese Weise„originell" zu sein, sondern daß ein innerer künstlerischer Zwang das Schaffen dieser beiden jungen Künstler bestimmt. ld. Zehnte Arbeitervorstellung, Sonntag, den 15. März 1936(Neues Deutsches Theater):„Unent- schuldigte Stunde", Lustspiel in drei Akten (sechs Bildern) von Stefan Bekeffi. Spirlplan des Neuen Deutschen Theaters. Freitag, halb 8: Land des Lächelns, Gastspiel Richard Tauber, Abonnement aufgehoben.— Samstag halb 8. A l d a, B 1.— Sonntag hach 3: D e r heilige Antonius, 8 Uhr: L y s i ft r a Erstaufführung, A 2. Spielplan der Kleinen Bühne. Heute, Freitag 8: CollegeCrampton, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf. — Samstag hach 8: K i n d imKampf, volkstümliche Vorstellung.— Sonntag 3 Uhr: Der goldeneKranz, 8 Uhr: College Crampton. JÜHtUcs Icauide „HALLO, KINDERI“ Andeutung über den Zweifel an der Amateureigenschaft ist sicher bezeichnend. Anscheinend sind die Zu- i stände schon so weit gediehen, daß eine weitere Duldung unmöglich ist und. andere Länder gegen die Amateureigenschaften der Sportler des Dritten Reiches Einspruch erheben könnten. Man sieht, Sport und Geschäft wohnen im bürgerlichen Sport dicht beieitianderl.. Habt ihr euch schon ein recht exotisches Kostüm für unseren Mummenschanz ausge- I dacht, damit die Rosine Rollerjan euch auf ihren Durch-dic-Welt-rollen besucht'? Wirerwartenr nch! Die Roten Falken. Olympia-Nachlese Von der Winter-Olympiade fuhr ein großer Teil der Sportler nach Hause, an die Arbeit. Ter andere Teil aber zog in die Hauptstädce Europas, um dort weitere Lorbeeren zu ernten. Als Sportamateure von Beruf können sie es sich leisten, von Stadl zu Stadt zu reisen und dort an Wettbewerben teilzunehmen. Das schadet ihrer Amateureigenschaft ebensowenig, wie ihre ständige sportliche Betätigung ihrem Beruf schadet. Diese„Amateure" müssen entweder sehr menschenfreundliche oder sehr sportbegeisterte Chefs haben, die ihnen die Gehälter für vieles Nichtstun zahlen. Oder aber sie sind so reich, daß sie sich den Luxus des vielen Reisens und Auftretens leisten können. Denn vom Beifall des Publikums und anerkennende« Zeitungsartikeln allein kann'ein Mensch leben, irgendwie muß sich der Ruhm doch bc- s zahlt machen. Ruhm ist auch eine vergängliche"Angelegenheit, der zudem bei Sportlern bald überholt ist und dann ist es gut, aus dem Ruhm doch Kapital geschlagen zu haben. Man sieht, es ist nicht leicht, den Menschen, die den olyurpischen Eid als Amateure leisteten, gerecht zu werden, ebensowenig aber denen, die draußen bleiben mußten. Der Unterschied zwischen Leiden Kategorien ist prinzipiell nicht groß, nur in der Aufmachung und in den Einkünften unterscheiden sie sich. Dafür das Beispiel-der Olhmpiasiegerin Christi Cranz, welche von ihrer Heimatstadt ein Kleinauw geschenkt bekam. Dies spricht für sich. Ob wohl die Skilehrer aus dem Arlberg auch ein Auto haben? Man sieht also: den Amateuren bringt der Spott mehr ein als den„Professionals". Eine Meldung aus deuffcher, allerhöchster Quelle verdient hiebei festgehalten zu werden. Der ReichS- spottführer gab vor kurzem u. a. bekannt, daß sich „in letzter Zeit in erschreckender Weise die Fälle mehren, in denen die Bilder deutscher Spottsleute zu Reklamezwecken„mißbraucht" werden, meist im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen". Da dies im„Widerspruch zum Geist der Olympischen Spiele" steht und„Zweifel an der Amateureigenschaft" aufzutauchen pflegen, weist der Reichsspottführer darauf hin, daß» gegen jeden solchen„Mißbrauch" eingeschritten werden wird. Er„hofft", daß dieser„Hinweis" die Firmen zur„Zurückhaltung und Zurückziehung ihrer Reklame" veranlassen werd« Tsi« Schuld wird hier den Firmen zugeschrieben, sie liegt aber wohl nicht so eindeutig auf ihrer Seite. Die Internationales Eisschnellansen der Arb-iter sportler in Oslo. Die Veranstaltung(sie wurde als eine„Enropa-Meisterschaft" ausgegeben!) war von zirka 12.000 Personen besucht und brachte sehr gute Ergebnisse. Bei den Männern siegte über 500 Meter Pedersen(Norwegen) in 43.1 Sek. vor Ku- drjazew(SSSR)-in 43.2 Sek.; über 1500 Meter: 1. Anikanow(SSSR) 2:23.1 Min.. 2. Pedersen 2:24.3 Min,; über 5000 Meter: 1. Wahl.Norwegen) 8:37.7 Min., 2. Sjaramow(SSSR) 8:40.6 Min.; 10.000 Meter: 1. Melnikow(SSSR) 17:58.3 Min., 2. Anikanow.— Die Frauen- Läufe gewann die Russin Kusznezow, und zwar: 500 Meter: 49.1 Sek., 1000 Meter: 1:44.7 Min.. 3000 Meter: 5:56.1 Min., 5000 Meter: 10:11.8 Min. Alle diese ihre' Zeiten sind besser als die offiziellen bürgerlichen Weltrekorde: Die Skimeisterschaften der SSSR fanden bei Leningrad mit einer Teilnahme von 400 Sportlern statt. In den Laufbewerben siegte über 20 Kilometer Oksanen(Swerdlowsk) in 1:23:32 vor Si- wanen in 1:23:42. Ueber 10 Kilometer gewann bei den Frauen Makarowa in 51:44; in der Jugendklasse Halzew(Swerdlowsk) in 44:45 und in der Altersklasse(über 35 Jahre) Turjanen(Moskau) in 45:30 Min. Den Sportlerinnenlauf über 3 Kilometer gewann Elwi(Leningrad) in 15:12 Min. Vudnsnuhdchtw Rotfalken. Am Samstag um halb 5 Uhr gemeinsame Probe aller drei Kams in der Narodni. Probe für den Muulmeitschanz!— Helfer- und Führerkreis. J Uhr in der Narodni: Tätigkeitsberichte über me einzelnen Kameradschaften; Referät über Josef Seliger und seine Leistung. Textil-Rohstoffe und ihre Verarbeitung. Ueber dieses-Themr. veranstaltet die Union der Geschäftsreisenden und Vertteter einen Kurs in acht Votträgen. Informationen Sekretariat in Prag Il„ na Zboienci 18. Mitteilungen aus dem Publikum. Massiere Dich täglich; verkühl Dich nie! Daist einmal, ein Schlagsatz, dessen Beherzigung nicht genug empfohlen sein kann. Und er ist so leicht zu befolgen: Ein paar Tropfen des Alpa-Franzbrannt- weinsftn die hohle Hand und dann fest den Körper damit eingerieben; erst ist es angenehm frisch, dann wohlig warm und vor allem: der Körper ist gefeit gegen Verkühlung und Folgekrankheiten I Das sagt auch der Arzt I Urania-Kino, Klimentska 4. Fernsprecher 61628. „Katz im Sack'* Luslsvielschlaoer mit Ihr» Lingen, Magd» Schneider, Albech Renn. Hat und Belehrung finden unsere Gemeind«Vertreter in reichem Maße in der „Freien Gemeinde“ Redaktion und Verwaltung- Prag XU.. Fockova 627V. Ueber die Amateureigenschaft sind schon viel Diskussionen geführt worden, der Begriff blieb aber immer ungenau, und es gab manch eine Lücke, durch die die Sportler hindurchschlüpfen können. Jenen schweizerischen und österreichischen Sffläufern, gegen die die Sieger im Slalom nicht ausgekonnncn wären, jenen Sffläufern gelang das an sich leichte Kunststück nicht, durch die Lücken der Bestimmungen zu schlüpfen; sie hatten sich, da ihnen sonst jedes Einkommen fehlte, in den Winterkurorten als einfache Sfflehrer niedergelassen. Darum durften sie»sicht starten. Andere„Amateure" aber, die monatelang durch die große Welt reisen und Gastspiele geben, durften in Garmisch statten. Ter Kurs beginnt am 8. Marz d. I. erteilt das Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—, vierteljährig Kc 48.—. halbjährig KL 96.—, ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmatten.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und. Telegraphendirektton Mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G. Prag.