Dienstag, 10. März 1936 16. Jahrgang Nr. 59 ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion und Verwaltung frag xiufochova«r. Telefon 53077. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Einzelpreis 70 Heller (•imchli.Blich i Heller Porto) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Französische Truppen besetzen die Grenze Pari s. Sonntag wurde dekanntgrgebcn, daß in den Garnisonen an der Rordostgrenz« Sicherheitsmaßnahmen getroffen wnrdrn. In der Rächt von Samstag auf Sonntag früh find einige Regimenter ans den Garnisonen in Metz und Thionville abgcgangen,«m die Besatzungen der Grenzbefestigungen»nd der Grenzlager zu ergänzen. Die MUitKrabteilungen, hauptsächlich in Ostfrankreich find in Bereitschaft, die Befestigungsarbeiten an der Ostgrenze(die sogenannte Maginot-Linir) find verstärkt und voll besetzt. Weitere Entschließungen dürften erst getroffen werden, bis der Bölkerbundrat konstatieren wird, daß Deutschland dm Brrsailler Vertrag«nd die Locamo-Abkommm verletzt hat, falls Deutschland dann seine Truppm aus der demilitarisierten Zone nicht abberuft. Frankreichs„Unannehmbar* Völkerbundrat für Freitag einberufen Heute Beratung der Locarno-Signatare in Paris Paris. Der französische Mini sterrat hat die deutschen Vorschläge am Sonntag vormittags geprüft und sie ausdrücklich für unannehmbar erklärt. Der Ministerrat hat daraufhin den Beschluß gefaßt, unverzüglich gemäß dem Locarno-Pakt den Bölkerbundrat mit der Angelegenheit zu befassen und vorher mit den Signatarmächten des Locarno- Vertrages zu konferiere». Auf telegraphisches Ersuche» Frankreichs hi« hat der amtierende Ratsvorsitzende, der australische Delegierte Bruce, den Bölkerbundrat für Freitag, denlZ. d. umllühr vormittags einberufen. Auch die belgische Regierung hatte offiziell die unverzügliche Einberufung des Rates gefordert. Rußland sagt Hilfe zu Paris. Der Sowjetbotschafter P o t e m- t i n verficherte amtlich das franzäfische Außenministerium, daß die Sowjetregierung der französischen Regierung Hilfe im Sinne des französisch-sowjetischen Abkommens garantiere«nd daß auch in Gmf die Sowjetdelegation den Standpunkt der französischen Delegation unterstützen werde. Auch Polen bündnistreu London. Rach Informationen des Reuterbureaus haben berufene polnische Kreise in London di« Nachricht erhalten» daß der französische Botschafter in Warschau dir Versicherung erhaltm habe, daß Polen treu seine Verpflichtungen ander französisch polnischen Bundesgenoffrnschaft erfüllen werde. Aus der ruhigen und in entschiedenem Tone gehaltenen Rundfunkbotschaft des Ministerpräsidenten S a r r a u t aus der Weigerung, mit Deutschland zu verhandeln, solange es seine Truppen aus der Rheinlandzone nicht a b b e- ruft, und.aus den von Frankreich an den Ostgrenzen getroffenen militärischen Maßnahmen schließt man, daß Frankreich entschlosien ist, in l der Beratung der Signaiarsmaten des Locarnopaktes wie auch im Völkerbundsrate energisch zu handeln. Die gesamte Presse von der ^Rechten bis zur Linken nimmt die Botschaft des Ministerpräsidenten Sarraut zustimmend auf -und hebt in Fettdruck verschiedene Stellen daran» hervor, so insbesondere den Satz: Frankreich Die Sekretariat des Völkerbundes hat unverzüglich auch der deutschen Regierung den Text der franz östschen Beschwerde mitgeteilt und sie dahin verständigt, daß fie sich im Rate vertreten lasten Könne, um ihren Standpunkt zu begründen. 3» Genf bezweifelt man jedoch, daß Deutschland diesen Weg gehen wird. Eden für»Wiederaufbau des Friedens' Verurteilung des deutschen Schrittes— aber Prüfung des Angebotes 3» L o n d o» beriet das britische Kabinett am Montag vormittags über die Lage und genehmigte de» Text der Rede, die Außenminister Eden am Nachmittag im Unterhaus vortrug. Der Form«ach wird darin das deutsche Vorgehen scharf verurteilt, doch ist die ausdrückliche Erklärung befremdend, daß England für die Zeit der neue« Verhandlungen über den Konflikt„trotz" der Kündigung des Locarno-Paktes durch Deutschland sich bei einem Angriff auf Frankreich oder Belgien an die Seite der Angegriffene« stellen würde. Diese Pflicht sollte doch eigenüich zu selbstverständlich sein, als daß man darüber viel reden müßte. Italien bewahrt Reserve Rom. An amtlichen Stellen wird erklärt: Der italienische Standpunkt nach der Kündigung des Loearnovertrages durch Deutschland ist einstweilenabwartend. Italien hat sich noch nicht ausgesprochen und bewahrt Reserve. Auch die Schweis reserviert Bern. Die schweizerischen Regierungskreise bewahren in Angelegenheit des deutschen Vorgehens hinsichtlich des Locarno-Paktes größte Neutralität und Zurückhaltung. Sie lehnen Erklärungen mit dem Hinweise ab, daß dem Entschluß des Reichskanzlers Hitler gegenüber vollkommene Reserve bewahrt werden müsse, da die Schweiz ein Land ist, das von der Angelegenheit nicht direkt berührt wird. Blomberg trumpft auf und verschreibt sich dem Führer mit Leib und Seele Berlin. In der Berliner Oper fand Sonntag eine Gedenkfeier für die Kriegsgefallenen statt, der u. a. Hitler, die Mitglieder der Regierung und viele Diplomaten beiwohnten. Die Festrede hielt General Blomberg» der sagte: Deutschland ist heute weit stärker, als das frühere Deutschland es jemals war. Heute fühlen wir«ns für immer vereint mit der nationalsozialistischen Partei und mit allen ihren Organisationen. Wir könne.! die neue Armee nach unserem rigenen Ermessen aufbauen. Wir können dies gerade eben deshalb tu«, weil wir Nationalsozialisten sind und die Tradition der alten Reichswehr fortsetzen. Der Führer ist heute nicht bloß unser oberster Kommandant und Vorbild, sondern auch unser Kamerad und wir sind ihm m t S e«l e und Geist ergeben. Wir wollen der Welt zeigen, daß ein starkes Deutschland der sicherste Hort des Friedens, der Freiheit«nd der Ehre ist. Ras Mulugeta gestorben Addis Abeba. Aus Quorum wird amtlich gemeldet, daß Kriegsminister Ras Mulugeta einer Lungenentzündung erlegen, ist, die er sich bei den letzten Kämpfen zugezogen hatte. Vor dem Unterhause erklärte Eden u. a., er habe dem deutschen Botschafter mitgeteilt, daß die deutsche Handlung im Rheinland die einseitige Aufkündigung eines freiverhan- delten und frei unterzeichneten Vertrages beamte. Die Wirkung auf die britische Oeffentlich- leit müsse bedauerlich sein. Das Aufgeben des Locarno-Vertrages und die Besetzung der entmilitarisierten Rheinlandszone haben das Vertrauen in j e d e Vereinbarung, welche die deutsche Regierung in Zukunft schließe« wurde, tief erschüttert. We- mand im Unterhause könne diesen Schritt billigen.»der entschuldigen. Er versetze dem Grundsatz der Heiligkeit der Verträge einen schweren Schlag. Er sei jedoch dankbar dafür, sagen zu können, daß es keinen Grund für die Annahme gebe, daß die gegenwärtige deutsche Geste die Drohung von"Feindseligkeiten in sich schließe. Um„Mißverständnisse" über die Stellung Englands als Unterzeichner des Locarno-Vertrages auszuschließen, halte er es für notwendig zu erklären, daß, falls sich während der Zeit, die für werde nicht zulaffen, daß Straßburg dem Feuer deutscher Geschütze ausgesetzt werde. Die französische Beschwerde, die eher juristischen Charakter hat, ist recht kurz. Sie beschränkt sich auf eine kurze Darlegung der Pakte und besagt, daß Deutschland gewaltsam Artikel 42 und 48 des Versailler Vertrages, Artikel 1 des Locaruoabkommens über die Respektierung der demilitarisierten Rheinlandzone, solvie Artikel 8 des LocarnoabkommcnS über das Vorgehen bei der Kündigung dieser Abkommen gewaltsam verletzt hat. Auf Grund dieser Tatsachen fordert Frankreich die Beschleunigung der Einberufung deS Völlerbunüsrgtes.oach Artikel 4 des Locariw- abkommens. die Erörterung der neugeschaffenen Lage notwendig sein wird, ein tatsächlicher Angriff auf Frankreich oder Belgien.ereignen sollte, welcher eine Verletzung des Artikels 2 des LocarnoabkommcnS sein würde, die britische Regierung trotz(?) der Aufkündigung des Locarnovertrages durch Deutschland sich durch hre Ehre für gebunden halten würde, wie es in dem Vertrag vorgesehen ist, d e n, A n g e g r i f f e n e n zu Hilfe zu eil» n. Eine der wichtigsten Grundlagen des Friedens in Westeuropa sei untergraben wordey. Wenn der Friede gesichert werden solle, bestehe die Pflicht, ihn wieder aufzubauen. In diesem Geiste müsse man an die deutschen Vorschläge Herangehen. Die britische Regierung werde diese Vorschläge mit klarer Einsicht und objekttv prüfen, um festzustellen, in welchem Maß« fie geeignet sind, die Struktur des Friedens wieder zu stärken. Angesichts der schweren internationale« Lage dürfe keine Gelegenheit verpaßt werden, um diese zu verbessern. Was wird gcsdichcn? I« dem Gewirr diplomatischer Verhandlungen, die nach der Kündigung deS Locarno-Abkommens durch Hitler und den Einmarsch der deutschen Truppen im Rheinland geführt werden, ist zunächst am klarsten die Linse Frankreichs zu erkennen, welches sich auf Grund des Artikels 8 des Locarno-Abkommens, der die Prozedur für die Kündigung festsetzt, und der Artikel 42 dis 44 des Versailler Friedensvertrages sowie der Resolution des Völkerbundrates vom 17. April Idöö, der die Verletzung der militärischen Bestimmungen des Versailler Vertrages durch Deutschland verurteilt hat und gleichzeitig finanzielle und wirtschaftliche Sanktionen festsetzt, falls Deutschland die Verträge neuerdings verletzen würde, an den Völkerbundrat wenden wird, der Freitag iu Genf eine Sitzung abhält. Es ist anzunehmcn, daß England in dieser Frage gemeinsmn mit Frankreich vorgehen und Frankreich im Rat unterstützen wird. Die Hoffnungen, die man sich in Deutschland gemacht hat, daß England eine von Frankreich wesentlich abweichende Haltung einnehmen wird, werden sich wohl kaum erfüllen. Dafür sprechen die englischen Zeitungsmeldungen. So sagt der„Daily Telegraph", es handle sich um„eine flagrante Verletzung der Verträge" und„Sunday Times" meint:„Wenn wir die Verträge als Fetzen Papier ansehen, bleibt nichts übrig, als zu rüsten." Auch der englische Außenminister stellt trotz des maßvollen Tones seiner Rede fest, daß Deutschlands Schritt„das Vertrauen in jede Vereinbarung, welche die deutsche Regierung in Zukunft schließen würde, tief er- schütterr". Daß Belgien, völlig einig mit Frankreich vorgehen wird, darast ist überhaupt nicht zu zweifeln, eS wird wohl auch gleich Frankreich die Verletzung der Perträge vor den Völkerbund bringen. Ebenso wird Rußland in der Front der Westmächte stehen, um so mehr, als Hitler seine Rede neuerdings zu einem Ausfall gegen die Sowjetunion benützt hat. WaS Italien betrifft, erkennt man heute schon klarer, was wir in unserem sonntägigen Leitaufsatz geschrieben haben, daß nämlich Hitler Mussolini aus einer sehr unangenehmen Situation geholfen hat. Die Westmächte werden möglicherweise Italien Konzessionen in der abessinischen Angelegenheit machen, um die Hilfe Mussolinis gegen Hstler zu gewinnen. Auf Polen kann sich Deutschland gewiß nicht verlassen, die zweideutige Sprache des polnischen Außenministeriums zeugt keineswegs davon, daß Polen gewillt ist, Deutschland zur Seite zu stehen. Schließlich ist noch bemerkenswert» daß. die Haltung der Schweiz, auch der deutschen Schweiz, eindeutig gegen Deutschland gerichtet ist. Was kann nun der Bölkerbundrat aus Grund des französisch-belgischen Einschreitens tun? Es bestehen da zwei Möglichkeiten. Entweder greift man zunächst zu einem juristischen Verfahren,-, h. man wird untersuchen, ob Deutschland auf Grund des französischrussischen Paktes berechtigt war, den Locarno- Vertrag zu kündigen, bzw. ob der franco-russische Pakt eine Verletzung jener Verpflichtungen bedeutet, die Frankreich in Locarno auf sich genommen hat. Das wäre eine Prozedur, die sich vcr dem internationalen Schiedsgerichtshof iu Haag abspielen würde. Eine zweite Möglichkeit läge darin, daß die Resolution des Bölkerbundrates vom 17. April 1935 in Kraft tritt, d. h. fi na n- zielle und wirtschaftliche Sanktionen gegen Deutschland ergriffen würden. Es ist selbstverständlich, daß ein derartiges Vorgehen für Deutschland und Europa andere Folgen hätte als die Sanktionen gegen Italien, daß etwa ein völliger Boykott Deutschlands das Land, das sowieso nur wenige Devisen besitzt, um seine notwendigsten Rohstoffe zu kaufen, wirtschaftlich bald in eine katastrophale Lage bringen könnte. Bei alledem aber muß man sich vor Augen halten, daß eS noch etwas anderes gibt als juristische Verhandlungen und wirtschaftliche Maßnahmen, daß eine Situation entstehen kann, wo zum letzten Mittel gegriffen wird, daß nämlich die Sprache der Waffen laut wird, was eine Katastrophe für Europa und für die gesamte abendländische Zivilisation wäre. Wir, die mit aller Kraft bestrebt sind, der Menschheit die Hölle und die unermeßlichen Schrecken eines neuerlichen europäischen Krieges zu ersparen, müssen in dieser ernsten Stunde auf die ungeheuren Gefahren aüstnerksam machen, di« der Schritt Hitlers aus- Durch die Erklärung, daß England die deutsche« Anregungen— auch wenu vorher Deutschland säst als vertragsunfähig erklärt wird—gewissenhaft prüfen" will, stellt sich die brttische Regierung in einem ge- wiffen Gegensatz zu dem„Unannehmbar" des französische« Ministerrates. Ma» muß also vorläufig den Beratungen der Signatare des Locarno- Paktes(natürlich mtt Ausnahme Deutschlands), die Dienstag vormittags in Paris stattfinden, mtt großer Spannung entgegensetzen. Seite 2 Dienstag, 10. März 1936 Nr. 89 gelöst hat. Noch sind mehrere Wege offen, He dem Grauen den Weg versperren, aber d i e M en s ch' heit möge doch endlich erkennen, daß es kein größeres Uebek und kestnegrößere Gefahr für sitz gibt als- en kriegslüsternen Faschismus,-er die Welt mit Untergang bedroht! Vorwärts zum Sozialismus! Denn diese Erkenntnis wird sich, je länger die Krise währt und je zahlreicher ihre Opfer werden und je deutlicher es sich als unmöglich erweist,.selbst bei gelinder Befferung der Konjunktur wieder alle Arbeitslosen in den Produktionsprozeß zurückzuführen, schließlich doch der überwältigenden Mehrheit der Menschen aufdrängen: ES gibt keinen anderen Ausweg au- der Dauerkrise als die Neugestaltung der Wirtschaft, den Sozialismus! Die arbeitenden Frauen aber wollen mit Wegbereiterinnen dieser geschichtlichen Notwendigkeit sein! Gottwald hat In Moskau nicht auf gepaßt! Das kann man ihm mit der Zeitschrift des Exekutivkomitees-er Komintern„Kommunistische Internationale", Heft Nr. 1, vom 31. Jänner 1936, genau nachweisen: wo festgestellt wird: .Nehmen wir zum Beispiel di« schon erwähnte Prager„Roie Fahne", die der Stacha- now-Bewegung in ihren Spalten viel Raum gewidmet hat. Richt zufällig entstand bei manchen Lesern der„Roten Fahne" eine falsche Vorstellung ton der Stachanow-Bewegung, tauchten sinnlose Fragen auf, die in Briefen an die Redaktion zum Ausdruck kamen....." Als Beweis, wie falsch die„R. F." ihre Leser über die Stachanow-Bewegung informierte, wird dann folgender an die„R. F." gerichteter Brief zitiert: •. Die Auffassung ist jen«, daß fich di« Arbeiter vorstellen, da doch in den Betrieben in der Tschechoslowakei, wie in allen kapitalistischen Staaten durch die Unternehmer sowieso schon die größten-Leistungen herauSgepreßt wurden, daß die Unternehmer auf die russischen Stoßbrigadler Hinweisen können, deren Leistungen die der tschechoslowakischen Arbeiter weit in den Schatten stellen, und daß die hiesigen Arbeiter, meistens Bergarbeiter, sehr leicht als Faulenzerhin- gestellr werden könnten. Auchhabendiehie- sigen Bergarbeiter noch nicht den Begriff, wiedieStachanoW-Rekorde möglich sein können, da doch auch ton ihnen die höchsten Leistungen ton der Bergberwal- tung verlangt werden, sie diesen Anforderungen aber nur bei Aufbringung der letzten Kräfte nachkommen können." Der Brief dieses Arbeiters an die Redaktion der„R. F." ist nach Ansicht der.Lom. Int." eine „Entgleisung", die von der„R. F." als solche nicht erkannt wurde, denn die„R. F." hat, statt sie energisch abzuweisen, geantwortet: ...... di« Stachanow-Bewegung ist tatsäch-, lich eine Rationalisierung.... Gewiß, die Kapitalisten machen dasselbe..,." Nicht genug an dieser„Entgleisung" geschah der unglückseligen„R. F." noch eine weit größere, wofür sie in der zitierten Zeitschrift wie folgt gerüffelt wird: „Die„Rote Fahne" bringt als Illustration zwei Zeichnungen, wo öargestellt wird, wie die Arbeiter im Sozialismus und Kapitalismus gleich schuften und gleich schwitzen" Also! In Wort und Bild alles falsch! Gottwald aber hat davon nichts gemerkt und das, was man ihm in Moskau darüber gesagt hat, total vergessen. So verdankt die Redaktion der„R. F." dem unaufmerksamen Auftragentgegennehmer Gottwald, daß sie bisher noch nicht von den „Klaffenfeinden"» la Budin gesäubert wurde. Der 86. Geburtstag des Präsidenten Masa- ryk wurde Samstag und Sonntag von so zahlreichen Gemeinden und Korporationen im Inland und Ausland gefeiert, daß über die Veranstaltungen im einzelnen nicht berichtet werden kann. Der Geist, der sie erfüllte, war ein neuerlicher überzeugender Beweis dafür, daß nicht eine Funktion, sondern die Persönlichkeit Masaryks es ist, die die Menschen in Ehrerbietung und Liebe an ihn bindet. Die Tschechoslowakei und Ungar«. In einer Rede, welche Justizminister Dr. Derer anläßlich einer ungarischen Masaryk-Feier in Komärno hielt, sprach er auch über die Entwicklung des Verhältnisses zwischen der Tschechosiowakei und Ungarn. Dr. Derer formulierte den jetzigen, aus der Geschichte sich ergebenden Zustand folgendermaßen: Wir werden mit allen Kräften die Bestrebungen Ungarns, die ehemaligen Grenzen wiederherzustellen, unmöglich machen, wir find jedoch bereit, das neue Ungarn mit allen Mitteln zu unterstützen. f Im Patscheider-Prozeß hielten Montag die Verteidiger Dr. Kudlich für Erwin Wittek, Dr. Eppinger für Direktor Breuer und Dr. Wallig für Sadovsky, Schiller, Jng. Fulda und Moldrzyk die Plaidoyers. Dienstag sollen Dr. Patscheider und Lamatsch selbst das Wort erhalten. Das Urteil wird am 23. oder 24. März gefällt werden. Die Tschechoslowaken im Ausland. Im Sitzungssaal des Abgeordnetenhauses fand Sonntag eine Festsitzung des„HI. Masaryk-Tages des tschechoslowakischen Auslandes" statt. Die Festrede hielt Minister Jng. Neöas, welcher die Probleme der außerhalb der Grenzen der Republik lebenden zweieinviertel Millionen Tschechoslowaken besprach. Von besonderem Jntereffe sind seine Ausführungen über die politische Stellung der Tschechoflowaken in den anderen Staaten.„Unsere Volks- und Staatsangehörigen, sagte Minister Neöas, sind ihrem neuen Vaterland gegenüber vollkommen loyal. Nirgends wird gegen di« territoriale Integrität der fremden Staaten gearbeitet, wir haben nirgends im Auslände eine Jrredenta und haben nicht einmal politische Exulanten. Die Fürsorge für unsere Landsleute bestreiten wir offen in Uebereinstimmung und in der Mehrheit der Staaten auch mit Unterstützung ihrer Regierungen." Der Präsident der Republik empfing Montag, den 9. März, den Minister für Auswärtige Angelegenheiten Dr. K r o f t a. Weiters empfing er den Profeffor der Pariser Sorbonne Ed- mond Verweile und den Berliner Gesandten Dr. M a st n h. Subventionierung von Schulbauten. Die sich fiir Schulbausubventionen intereffierenden Gemeinden wurden verständigt, daß nur die Gesuche wirtschaftlich schwacher Gemeinden berücksichtigt werden. Bon feiten des Staates sind derzeit für Schulbauten und Renovierungen alter Schulgebäude Unterstützungen nur in Form eines Staatsbeitrags erhältlich, und zwar aus dem Titel der produktiven Arbeitslosenfürsorge als Zuschüsse zu den Arbeitslöhnen. Bezüglich der Ansuchen um Landessubventionen wird den Gemeinden empfohlen, sich an den zuständigen Bezirksschulausschuß zu wenden. Diese Ansuchen müffen der Landesbehördc im Wege des Bezirksschulausschusses und des Landesschulrats bis spätestens 15. September vorliegen. Der Kampftag unserer Frauen Glanzender Verlauf des Internationalen Frauentages lieber hundert Kundgebungen Im ganzen Gebiete der Republik Den internationalen Frauentag, der in unserem Lande von Jahr zu Jahr unter den arbeitenden Frauen gesteigertes Jntereffe findet, kam diesnml eine besondere Bedeutung zu. Es war Heuer fünfimdzwanzig Jahre, daß die sozialistische Frauenbewegung beschlossen hatte, einen Tag im Monat März in der ganzen Welt als ihren Kampftag zu bestimmen. Diese Tatsache bedeutet einen Bierteljahrhundert-Kamps um die politischen und sozialen Rechte der arbeitenden Frauen, einen Kampf, der, den ganzen großen Aufstieg der Frauenbewegung umschließt. Manche von jenen Forderungen, die vor 25 Jahren erhoben wurden— wie die politische Gleichberechtigung— sind in Erfüllung gegangen. Um manche andere, wie um die soziale Gleichstellung der Frau, wird ebenso gerungen, wie um jene Postulate, die den arbeitenden Frauen und Männern gemeinsam sind: Friede, Freiheit und Brot! Die sozialistischen Frauen unseres Landes haben aber gerade in der Zeit, da der Faschismus in einer Reihe von Ländern das sozialistische Proletariat und die sozialistische Frauenbewegung geknebelt und mundtot gemacht hat, ihre Aufgabe richtig erfaßt. Sie haben in den letzten Jahren ihre Stimme mit erhoben für die in den faschistischen Kerkerstaaten zum Schweigen verdammten Schwestern, sie haben sich als Bewahrerin der wertvollen^Tradition unserer internationalen Frauenbewegung bewährt und sich auch oamit internationale Verdienste erworben. Der diesjährige Frauentag erhält aber auch noch dadurch eine gesteigerte Bedeutung, daß er die erste proletarische Veranstaltung war, in der zu dem vom Faschismus verursachten und gesteigerten Kriegsgefahren Stellung genommen werden konnte. Unsere Frauentagsversammlungen waren ein stürmischer Rus nach Erhaltung des Friedens und gleichzeitig«ne leidenschaftliche Anklage gegen den mörderischen Faschismus. Sie waren auch eine Wrechnung mit unserer Henleinbewegung, deren faschistischer Charakter, wenn keine anderen Beweise dafür vorhanden waren, allein durch die Tatsache bekundet wird, daß man die Frauen Wohl als Stimmvieh und als Arbeitsobjekt, nicht aber als vollwertige Und gleichberechtigte Menschen wertet. Unsere Frauentagskundgebungen waren überall massenhaft besucht. In vielen Orten konnten die vorbereiteten Säle die große Zahl der erschienenen Frauen und Mädchen kaum faffen. Die FMc der Veranstaltungen setzt uns außerstande, jede einzelne zu registrieren, so daß wir uns nur auf eine summarische Würdigung beschränken und die eingehende Berichterstattung in den lokalen Teil unserer Preffe verweisen müssen. Nichtsdestoweniger sei aber die Tatsache hervorgehoben, daß im ganzen StaatsgÄiete mehr als 100 Frauentagskundgebungen stattgefunden haben. Bewnt sei auch, daß die Kundgebungen in allen Gebieten, von Asch bis Bratislava und von Rikolsburg bis Oderberg zu verzeichnen waren. Im Kreise Karlsbad gab es zum Beispiel 15, im Teplitzer Kreis 12, im B o d e n b a ch e r Kreis 15, im Trautenauer Kr«is 9, im B r ü n n e r Kreis 9»imR«ichenberger Kreis 4» im Sternberger Kreis 18 und imTrop- Pauer Kreis 19 Veranstaltungen. Der Frauentag wurde, einer zur Selbstverständlichkeit gewordenen Tradition entsprechend, fast überall— besonders eindrucksvoll inPrag und Brünn — gemeinsam mit den tschechischen Genossinnen veranstaltet. Ein besonderes Wort verdient noch daS äußere Bild der Kundgebungen. In ihm spiegelt sich am deutlichsten der große kulturelle und geistige Aufstieg unserer Frauenbewegung. Obwähl auf Blechmusik ä la Henlein verzichtet wurde, aben unsere Genossinnen ihrem Kampfund Festtag eine würdige Umrahmung. Gesangs- und Sprechchör«, Rezitationen und Spielszenen halfen die Worte der Rednerinnen wirkungsvoll zu unterstützen. Die Säle waren geschmückt und die Genossinnen trugen die rote Nelke als Symbol der internationalen Verbundenheit. In einigen Städten, so z. B. in Aussig, beschlossen die Kundgebungen w u ch- t i g e Aufmärsche durch die Straßen. Ein besonderes Zeichen der Kräftigung unserer Frauenbewegung ist auch in der Tatsache zu erblicken, daß in den meisten Kundgebungen unsere Genossinnen sprachen, was ein sichtbares Zeichen für die Erfolge polifischer Erziehungs- und Schulungsarbeit ist. Die proletarische Gesamtbewegung dieses Landes kann unseren sozialiit''chen Frauen für die Tat des Frauentages 1936 herzlich st danken und sie zur vorbildlichen und eindrucksvollen Durchführung ihres Kamps- und Festtages wärmstens beglückwünschen! * In allen Kundgebungen wurde folgende Entschließung einmütig angenommen. Di« zur Feier des Internationalen Frauentages 1936 versammelten arbeitenden Frauen und Mädchen erneuern angesichts der Bedrohung' der europäischen Kultur und des Menschheitsfriedens durch den Faschismus ihr Gelöbnis, in den Reihen der Sozialdemokratie gegen den frauenfeindlichen, völkerverhetzenden, wirtschastSzerstörenden Faschismus zu kämpfen. Sie danken den sozialdemokratischen Ministern und Parlamentariern für ihre Bemühungen um die ausreichende Fürsorge für die Krisen-; opfer. Sie wollen mit den sozialdemokratischen Parteien für die Ueberwindung der Krise durch planwirtschaftliche Maßnahmen kämpfen, sie bekennen sich fteudig zur Parole des diesjährigen Frauentags: MANNER, FRAUEN I UND WAFFEN I Roman von Manfred Georg Copyright by Dr. Manfred Georg. Präs „Ja, daran werden wir Europäer uns schwer gewöhnen können. Dazu muß man von so einem jungen Volk sein, wie du." „Aber das bin ich doch gar nicht. Es sind schon so viele weiße Einflüsse in mir. Meine Haut ist doch fast ganz hell. Man mutz nur den Willen haben, den Zusammenhang mit der Natur nicht zu verlieren. Dann gibt sie einen auch nicht auf, dann bleibt man ein Stück davon, aber auch ihrem Gesetz unterworfen. Dieses Gesetz lautet: ewige Veränderung. Wie hast du dich verändert, Werner, seit wir uns kennen! Wie vollzieht sich täglich in dir eine Umformung." „Ja, dem Tode entgegen." „Ich glaube, du verwechselst das! Vollendung eines Menschen ist nicht der Tod. Tod ist nur das frühzeitige Verfaulen am Wege, das Ausflietzen- laffen und Sauerwerden der Kräfte. Tod ist auch die Anbetung der Vergangenheit. Es ist doch gar kein Wunder, daß die Menschen, die bei Euch wt sind,— ich meine die, die keine Zukunft haben— alle Waffen und alle Rechte haben, um die Zukunft zu verhindern. Ihr betet alle Gesetze an, nur nicht das Gesetz des Lebens., Dessen Schutz dient ein Paragraph unter vielen anderen, die ihn wieder aufheben." Sie waren zu einer Biegung des Weges gelangt. Auf einer kleinen, felsigen, ins Meer vorspringenden Zunge stand eine Bank. Es war ein« jener Bqnke, an denen man nicht Vorbeigehen kann. Mst einem breit fächrigen Baum dahinter, dem gewaltigen Panorama der blauen Nacht, der fernen Hügelketten, die lichterbesät an der Küste sich hinzogen, der kleinen Lampen und Laternen der Dampfer und Segelboote weit draußen und dem traumhaft verlorenen Tuten unsichtbarer Ozeandampfer, die der Schleier der Dunkelheit auf der Höhe des Meeres verbarg, war sie wie eine Loge hineingestellt in das große Well- und Naturtheater. Es war eine jener verführerischen Bänke, wie sie überall in der Well des Nachts stehen, und auf deren Sitz schon Tausende, erschüttert von der Unmöglichkeit, in dieser Schönheit zu leben, mit zerrissenen Hosen und Herzen sich die tröstliche Kugel-Pille aus den schwarzen Revolverröhrchen einverleibt haben. Haydee setzte sich berauscht. Sie sah Schumanns schwach leuchtendes Gesicht in der Dunkelheit neben sich. Und fragte plötzlich: „Wird es nicht ein großer Schreck für Gabriele sein, ihren Vater zu finden?" „Du meinst, es wird aus einer Idealvorstellung plötzlich ein Mensch austauchen?" „Ich weiß nicht, ob sie sich eine Idealvorstellung macht. Auf jeden Fall wird es sie stören." „Auf jeden Fall kann ich ihr helfen, wenn sie eine Hilfe braucht. Nach der Rührung und dem Schreck wird auch bei ihr die Frage nach dem Nutzen vieles erleichtern." „Vielleicht wird sie dich aber stagen, woher du daS Geld hast." Zum erstenmal hatte Schumann daS Gefühl, als ob eine Spur von Feindseligkeit in Haydkes Stimme war. „Nun, daß ich eS erarbeitet habe und nicht gestohlen, wird ihr genügen." „Na ja", sagte Häydee kurz,«man wird ja sehen. Findest du übrigens diese ganzen Leute, mit denen du da zusammen arbeitest, besonders reizvoll?" „Ich finde sie zum Speien. Aber in den anderen Berufen sind sie auch nicht besser." Schumann begann eine lange Erläuterung über die Schwierigkeiten, heute Geschäfte zu machen., Er wunderte sich dabei, wieso er eigentlich dazu kam, sich vor Haydie gewissermaßen dafür zu entschuldigen. Das Leben in ihrer Nähe begann merkwürdigerweise sich zu verändern, seine Wichtigkeiten zu verschieben, andere Konturen anzunehmen. Er sog die millionenfach aus stemden Atem, stemden Stoffen, stemdem Leben gemischte Lust ein, spürte, wie sie die Lippen auseinander trieb, gegen die Seitenwände des Körpers, sie ausweitend, zu den Lungen drang und dann wieder entwich. „Ich atme auf," sagte er zärtlich und ungeschickt zu Haydee, die gelöst und regungslos sich an ihn lehnte. „Wenn man den Zusammenhang verliert mit den Kräften unseres Lebens, ist man auch verloren. Wir, die wir jung sind, glauben an die Götter, wir glauben an die Dämonen und das Telephonbuch. Wir glauben an den Zauber, den Gegner durch unseren Willen vernichten zu können, ebenso wie durch Ferngeschütze." ;,2Ber ist das: wir, Haydee?" „Wir, die kommen."- „Und ich?" „Du? Du bist schon da. Aber noch nicht gestorben, hoffentlich, vielleicht kommst Du mit mir!" „Wohin?" „Mer wie soll ich das wissen, Werner! Ich denke, wenn wir zusammen gehen und glauben, Witt» das Ziel auch austauchen." Was für Gespräche eine Sternennacht ausschwitzt! mußte Schumann denken. Wenn Makro- pulos diese Sachen mitanhören würde oder Du- naimis, dann wäre die Vollmacht am nächsten Tag zurückgezogen. Er dachte an die beiden wie an zwei ekelhafte alte Trottel und lachte leise vor sich hin. Dann sagte er brüsk: „In einem Monat sitzest du vielleicht irgendwo in Barcelona, oben auf dem Tibidabo, und sagst das gleiche, ohne daß ich es bin, der dcwei ist." „Ja, wir haben doch nichts verabredet, daß Du mein einziger Zuhörer bist," meinte sie spöttisch. „Das stimmt. Merkwürdig ist nur, daß ich, wenn ich atme, das Gefühl habe, daß Du in meinem Atem bist." „Unsinn, ich ging nur zufällig über den Weg, als Du aufwachtest. Du hast doch Deine festen Aufgaben. Du suchst Deine Kinder, Du hast ein wichtiges Geschäft zu erledigen, ein großes, gefährliches, von dem viel abhängt, ich wüßte gar nicht, wo du mich da einschatten wolltest. Außerdem, ich lasse mich auch nicht einschalten, ich habe ja auch ein Leben und eine Ausgabe. Außerdem habe ich dich längst überholt. Ja, überholt. Das ist der richttge Ausdruck. Du bist so all." „Und Du bist sehr roh." Sie stteicheüe zärtlich seine Hand: „Bin ich das? Warum bist Du ungeduldig? l Du fährst auf, wenn ich sage, was idj- denke. Außerdem erinnere ich mich. Dir einmal gesagt zu haben, daß ich Dich liebe. Wer was nwrgen ist, weiß ich nicht." Sie verstummte. Es war auch an diesem Wend kein Wott mehr aus ihr heraus zu bekommen. Dabei quälte Schumann noch ganz etwas anderes. Er verstand es nicht, wie diese grenzenlose Hingabe Haydees, die er in den Nächten erlebte und die immer neue, ungeahnte Möglichkeiten der Körperstcude an- den Abgründen nie geahnter Begierden herauf zauberte, sich vertrug mit dem harttiäckigen Widerstand, den sie in einer sanften, aber undurchdringlichen Art allen Fragen, was sie eigentlich mit 1 dem sie offenbar hartnäckig verfolgenden einäugigen Burschen und mit Mardrier zu tun gehabt hätte, entgegensetzte. (Fortsetzung folgt.)' Rr. 59 Seife 3 Dienstag, 10. März 1936 fudctendeutscftcr Zeitspiele/ Henlein entdeckt die Arbeiter Wieder einmal„eindeutig sozial** Importierte Methoden DaS christlichsoziale„Voll" in Jägerndorf schreibt unter dem obigen Titel: Sonntag fand in Tetschen die»erste gesamtstaatliche Tagung" der Arbeiter- und Angestelltenschaft der SdP statt. Die Partei des Herrn Henlein hat also rund zweieinhalb Jahre gebraucht, bis sie geruhte, den Wünschen der bei ihr organisierten Arbeiter und Angestellten auf einer größeren Beratung ein Augenmerk zuzuwenden. Der sudetendeutsche Messias triefte diesmal geradezu von dem sozialen Oel, mit dem er sich zur Feier des Tages salben ließ. Nach dem Bericht des »Montagsblatt" versicherte Henlein in einer Ansprache, daß»alle jene, Heren Haltung nicht eindeutig sozial sind, aus der Bewegung ausgeschlossen werden". Nanu? Sollten vielleicht bei künftigen Kandidatenaufstellungen der. SdP jene„eindeutig sozialen" Volksgenossen, die armen Blumenarbeiterinnen jahrelang die Löhne vorenthielten, nicht mehr den Vorzug genießen? So»eindeutig sozial" ist die SdP, daß der betreffende Herr Landesvertreter noch immer im Besitze seine- Mandats herumstolzieren kann. Man wird nicht in der Annahme fehlgehen, daß der Stunk um die Affäre Helzel die SdP- Führung veranlaßt hat, nicht etwa den armen nordböhmischen Blumenarbeiterinnen zu dem schuldigen Lohn zu verhelfen, sondern wenigstens auf einer Tagung einige arbeiterfreundliche Phrasen zu dreschen. Der»deutsche Arbeiterstand", an den sich Henlein nach zweieinhalb Jahren erinnert, ist auf einmal„das Rückgrat" der Bewegung. Henlein deklamierte in Gegenwart seiner p. t. Genmhlin, die als illustrer Gast der Tagung beiwohnte:»Die Arbeite rsind ein für allemal das kämpferische Vorbild aller Stände." Sollten damit die Warnsdorfer Kunert-Arbeiter gemeint sein, die sich unlängst mit ihren blanken Fäusten gegen die Segnungen der Volksgemeinschaft im Betriebe zur Wehr setzten? In diesem Falle haben sich in der Tat empörte Henlein-Arbeiter geradezu als kämpferische Vorbilder der übrigen Beleg- padagogtedie Woche in Aussig 4. dir 9. April 1936 Die fünfte Pädagogische Woche" der Reichsvereinigung deutscher sozialdemokratischer Lehrer findet in der Zeit vom 4. bis 8. April in Aussig stakt. Die Tagung behandelt den gesamten Fragenkomplex der neuen Schule. Die Vortragsordnung lautet: S o n n t a g, den 8. April, vormittags S Uhr, „D ie Schule in der Tschechoslowakei". Redner: Sektionsrat im Schulministe- riuum Wenzel Patzak. Die Grundlagen der neuen Schule. Redner: Prof. Dr. Alfred Kleinberg. Montag, den 6. April, vormittags 9 Uhr, .Die Ziele der neuen Schule. Redner: Uebungslehrer Alfred Schuster, Eger, Dr. Jaroslav Nykl, Direktor des KomeniumS in Prag-Rufle.— Nachmittags halb 3 Uhr: Die Methode der neuen Schule. Redner: Uebungsschullehrer Alfred Schuster, Eger, Be- zirkSschulinspcktor Emil Rohm, Eger. Dienstag, den 7. April, vormittags S Uhr, Der Arzt und die neue Schule. Redner: Doz. Dr. Gruschka.— Nachmittags halb 3 Uhr: Erziehung und Wehrhaftigkeit. Redner: BezirkSschul- inspektor Skobepa und Stabskapitän Brhm. M i t t w o ch, den 8. April, vormittags 9 Uhr, Die Schulaufsicht in der neuen Schule. Redner: Oberschulrat Dr. Richard Schroubek und Hilfsschullehrer Josef Hudl. Außerdem findet am Montag, den 6. April, abends 8 Uhr, eine große Kundgebung statt, das genaue Programm wird durch die Tagespresse mitgeteilt. Mit der Pädagogischen Woche ist eine Bücher« und Lehrmittelschau verbunden. Alle Vorträge und Veranstaltungen werden in den VortragS» und Ausstellungsräumen der Auffiger Stadtbücherei abgehalten. Bei rechtzeitiger Anmeldung wird den Teilnehmern die SOprozentige Fahrpreisermäßigung verschafft, das Eisenbahnministerium hat die Bewilligung bereit- erteilt. Das Schulministerium gewähr^ für den 6. und 7. April Urlaub. Die Teilnehmergebühr beträgt 30 Kä. Der Besuch eines Einzel- vortrage- kostet 8 KL. Auswärtige Teilnehmer können zu 80, 100 oder 140 KL Verpflegung und Nächtigung für die ganze Dauer der Tagung erhalten. Auskünfte und Anmeldungen bei Josef Hudl, Aussig, Billrothstraße 20. Fünfter Kongreß des Deutschen Gewerk- schaftsbundeS. Die Zentralgewerkschaftskommission hat im Einvernehmen mit den Verbänden des Deutschen Gewerkschaftsbundes den V. ordentlichen Gewerkschaftskongreß für die Tage vom 23. Mai bis einschließlich 26. Mai 1936 nach Reichenberg einberufen. Die Tagesordnung wird demnächst bekanntgegeben. schäft erwiesen. Daß daraufhin die Kunert-Arbeiter einmütig die Wahl eines Betriebs-Ausschusses forderten, scheint den Strategen der chimärischen Volksgemeinschaft sehr wider den Strich zu gehen. Sie brauchen die betörten SdP-Arbeiter weiterhin als Vorbilder im Jntereffenkampf der kapitalistischen Ausbeuter gegen die sozialistischen und freigewerkschaftlichen Proleten. Daß diese bewährte Linie der völlischen „Arbeiterpolitik" auch unter Henleins Führung nicht verlaffen werden soll, dafür bürgt die in der Tetschner Tagung erfolgte Wahl des ehemaligen nationalsozialistischen Abgeordneten Kasper zum obersten Standesführer der Arbeiter und Angestellten in der SdP. Eine pikante Note wurde der Tetschner Beratung durch ein wirtschaftliches Referat des früheren Tagblatt-Redakteurs Dr. Wannen- macher verliehen. Wännemnächer sprach diesmal nicht über Börsenkurse und günstige Kapi- talsanlagen, sondern über das Arbeitslosen- problem. Dabei wärmte er das selbst in SdP- Kreisen nicht mehr geglaubte Märchen wieder auf. daß man durch inflationistischen Banknotendruck 300.000 Menschen Arbeit verschaffen könnte. Damit tritt er in die Front der Restgutsbesitzer und der sonstigen Neureichen, die ihre billig erramschten Realitäten auf Kosten der kleinen Sparer und Sozialrentner sanieren möchten. Nach all dem ist der Arbeitertagung von Tetschen nicht mehr Bedeutung beizumeffen, als sie verdient. Würde Henlein darauf Gewicht legen, daß seine Worte von der„Gefolgschaft" ernst genommen werden, dann müßte eine Massenflucht der eindeutig unsozialen Elemente aus der SdP einsetzen. Sie werden aber alle drin bleiben. Solange ein Herr H e l z l Landesvertreter der SdP bleiben darf, kann man nicht unsozial genug sein, um in dieser Partei nicht nur Mitglied zubleiben, sondern sogarWürden- trägerz uwerden. Egerer Stadttheater bekommt Geld von der Reichsbahn? Bei der Aufteilung der L a n d ess u h» Petitionen für die deutschen Theater ist diesmal das Stadttheater in Eger leer ausgegangen, weil die Egerer Theaterleitung trotz wiederholter Urgenzen die für die Subventionserteilung erforderlichen Belege und Nachweise bisher nicht eingebracht hat. Im Vorjahr hatte das Egerer Theater 18.000 KL erhalten. Es wäre, bemerkt dazu der Karlsbader„Vollswille", sicher interessant, zu erfahren,, warum das Egerer Theater es verabsäumt hat, die-Subventionsbedingungen zu erfüllen, schon um dieGerüchtezu zerstreuen, die in den Kreisen der Theaterbesucher kursieren. Es wird nämlich erzählt, daß auf dem Wege über die Reichsbahn dem Egerer Theater 30.000 KL zugefloffen seien und daß sich gewisse Einflüsse auf denSpielplan und auf die Personalauswahl gellend gemacht haben. Es sollen sogar Bindungen den Künstlern gegenüber gelöst worden sein. Wie es heißt, soll sich in den Kreisen der in Eger stationierten reichsdeutschen Eisenbahner plötzlich ein großes Interesse für das Egerer Theater geltend gemacht haben, das sich in einem umfangreichen Abonnement äußerte. ES ist notwendig, abermals auf die u n- q u a l i f i z i e r b a r e n politischen Methoden hinzuweisen, die von SdP- Leuten angewendet werden. Wir haben kürzlich über drei von unserem Abgeordneten Schlusche abgehaltene Versammlungen berichtet, die von dem SdP-Abgeordneten Knarre und seinem Anhang„beehrt" worden sind. Dieser Anhang wurde zum Teil aus der Ferne herbeigeholl, um die christlichsozialen Versammlungen zu stören, den Redner zu hindern, kurz den Eindruck zu vernichten, den eine ernste und- sachliche Berichterstattung über die politische Tätigkeit einer Partei auf die Zuhörer auSzuüben vermöchte.... Diese Praktiken müssen aus dem sudetendeutschen Leben auSgerottet werden. Das Blatt stellt dann fest, daß auch diese SdP.-Methoden auS der nationalsozialistischen Bewegung des Dritten Reiches importiert sind, und schließt:' „... daß man solche Methoden überpflanzt, weil sie anderswo erfolgreich waren, ohne zu bedenken, in welch anderen Verhältnissen wir hier leben, das fordert zu einer Abwehrfront der Vernünftigen undAnständi- gen heraus. Man wird sich diesen Terror nicht länger bieten lassen und die nöttgen Abwehrmittel dagegen finden. Aber das genügt nicht. Die minderwertigen Methoden in der Politik einer von allen Seiten gefährdeten Minderheit müssen ge- brandmarkt werden. Eine Partei, die sie weiterhin zuläßt und duldet, wenn nicht gar unterstützt, der wird man das Recht absprechen müssen, sich als Treuhänder der Deutschen im Staate auSzuspielen." Täppisches Verhalten ES ist etwas Schreckliches passiert: Der „Verein der Centralbank-Gläubiger" hat, wie es in einer Verlautbarung heißt,„mst Entrüstung zur Kenntnis genommen, daß die beiden deutschen Regierungsparteien, und zwar der Bund der Landwirte und die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei mit den Ministern Dr. Spina und Dr. Czech sowie den Abgeordneten Zierhut und Taub an der Spitze, nicht imstande gewesen sind; trotz unzähliger Interventionen, Besprechungen und Versprechungen innerhalb der Regierung die Sanierung der für die Geldwirtschaft so lebenswichtigen Centtalbankangelegenheit durchzusetzen". Wir haben mit den beiden sozialdemokratischen Funktionären, die da genannt werden, noch nicht gesprochen, wir glauben aber doch sagen zu können, daß sie sich zu trösten wissen werden. Die Konsequenz, welche die beiden Genossen wohl ziehen werden, ist die, daß sie den Verkehr mit den Vertretern des erwähnten Vereines aufgeben werden — was den Genossen Czech und Taub dadurch entgeht, werden sie mit Geduld ertragen. Freilich werden trotz dieses täppischen Verhaltens und des unverschämten Benehmens der Herren vom„Verein der Centtalbank-Gläubiger" die Interessen der Einleger nicht zu Schaden kommen und die beiden | Genossen, die sich bisher mit der ihnen eigenen, der gesamten Oeffentlichkeit bekannten Tatkraft der Interessen der kleinen Einleger der verkrachten Bank angenommen haben, werden weiter dahin streben, daß das Interesse dieser Einleger gewahrt bleibe. Ob der genannte Verein zweckentsprechende Methoden einschlägt, um so zu wirken, wie es die Einleger wünschen, das ist eine andere Frage. Letzter Akt einer Massentragodie Die Textilmaschinen der Firma Faltis werden Ins Ausland geschafft Die Firma Johann Faltis Erben inTraute n a u hat um die Bewilligung zur Ausfuhr von Textilmaschinen im Bruttogewichte von 20.000 Kilogramm, zum Preise von 45.000 KL an die Firma Tkalnica in Wilgmovie in P o- len und die Firma Em. Goldschmidt in Deutschkreuz in O e st e r r e i ch angesucht. Das bedeutet Abbruch und Verkauf der letzten Texttlmaschinen aus den Betrieben der Firma Johann Erben in Trautenau und damit das Ende einer für das Leben der ostböhmischen Arbeiter entscheidenden Produktionsstätte. Seit dem Jahre 1836, also genau ein Jahrhundert, bestand das Faltis-Unter- nehmeN; sein Gründer hinterließ bei seinem Tode eines der größten Vermögen des Kontinents, erworben durch die namenlose Ausbeutung von vielen Zehntausenden Arbeitern. Nach dem Kriege ttieb das Unternehmen, nicht ohne Schuld seiner Letter, die gleichfalls märchenhafte Vermögen erwarben, allmählich der Katastrophe zu. Die Leidtragenden dieses Dramas waren und sind die Arbeiter. Die letzten Maschinen sollen nun nach Po- j len und Oesterreich verkauft, dix letzten Fabriks gebäude mit einem Rest von Maschinen als völlig nutzlose Objekte verschleudert werden. Aber auf die Frage, wer denn das Elend der Arbeiter(aber auch Trautenaus und der Gemeinde Jungbuch) verschuldet hat, antwortet unser„Trautenauer Echo" mit Recht,„es'warcn keine„vollsfremden Elemente", die das taten, sondern es waren samt und sonders„gute deutsche Volksgenosse n", die ven Arbeitern das Brot und damit auch das weitere Forttommen genommen haben! Es waren »Volksgenossen", die den Betrieb ruiniert, es waren Volksgenossen, die ihr Einverständnis zur dauernden Stillegung der Bettiebe gegeben uno schließlich die Vernichtung der Fabriken durchgeführt haben. Das sei am Ende der Massentragödie wiederum gesagt und so oft wiederholt, als man es zu hören oder zu lesen wünscht: schuld an der Zerstörung der Faltis-Betriebe, an dem Hunger von Hunderten von Faltis-Arbeitern ist nicht die Wirtschaftskrise in erster Linie, sondern die Skrupellosigkeit und Unfähigkeit deutscher Volksgenossen, denen es auch Vorbehalten blieb, die l e tz t e Maschine i n s Ausland zu transportieren." Mutter Erde Nippon und Germania, bedenkt doch, wenn ihr mich in die Luft sprengt, geht ihr selber kaputt! Italien akzeptiert Genf. Italien hat am Sonntag dem Vorsitzenden des Dreizehnerausschusses schriftlich mitgeteilt, daß die italienische Regierung in Friedensverhandlungen mit Abessinien auf Grund des Vorschlages des Dreizehnerausschusses einwilligt. Tie italienische Regierung verbindet diese Zustimmung mit keinen besonderen Bedingungen. Abessinien hat am Montag durch den Pariser Gesandten die telegraphische Zustimmung des Regus zu Friedensverhandlungen bestättgt. Mit Rücksicht auf die Pariser Verhandlungen der Lorarno-Mächte wurde der Zusammentritt des Dreizehnerausschusses auf Mittwoch verschoben. Im Völkerbund wird betont» daß in der Frage neuer Sanktionen praktisch nicht vorgegangen wird, so lange die Vertreter Englands, Frankreichs und Italiens nicht einen ersten Ansichtenaustausch über die gegebene polittsche Lage in Europa verwirllicht haben. Diese- Vorgehen wurde gewählt, da berechtigte Hoff- n« ng b est e h e, daß diesmal dir italienische Regierung das abessinische Problem inversöhn- l i ch e m Sinne lösen wird. Nach Meldungen ausAsmara hat das italienische Oberkommando Fliegerbombardements vorläufig eingestellt. Darüber hinausgehende Meldungen, daß in Ostafrika bereits Waffenstillstand herrsche, wurden jedoch in Rom amtlich dementiert. Wenn die Flugzeuge zu ihren Ausgangspunkten zurückberufen wurden, so sei dies bloß eine militärische Maßnahme. Die italienischen Truppen rücken aber weiter vor. Bon abessinischer Seite liegen sogar Meldungen über eine neue große Schlacht vor. Frankreichs erste Bedingung: London. Der Reuter-Korrespondent meldet aus Paris, daß Frankreich bereit wäre, mit Deutschland z« verhandeln, wenn Deutschland 1. vorläufig seine Truppen aus der entmilitarisierten Zone zurückberufe, und wenn 2. diese Konferenz mit Deutschland in Genf unter der Aegide des Völkerbundes stattfinde. Der Reuter-Korrespondent telegraphiert, daß diese Erklärung von autorisierter Quelle abgegeben wurde. Heute Erklärungen Flandins In der Kammer Paris. Dienstag nachmittags wird Minister Flandin in der Kammer im Namen der Regierung eine Erklärung über die Initiative Hitlers abgeben. Am Donnerstag wird Flandin an der Aussprache des Senates über die Ratifizierung des französisch-sowjetrussischen Vertrages teilnehmen. Der ScnatsauSschuß für auswärtige Angelegenheiten hat am Montag nach Anhören des binnen 48 Stunden von Senator Le Troquer ausgearbeiteten Berichtes über den französich-sowjet- rusfischen Pakt diesen nahezu einstimmig angenommen. Aufhebung der Internationalisierung der deutschen Ströme? Wie die„Prager Presse" meldet, Hat Deutschland den interessierten Regierungen mitgeteilt, i daß es von nun ab über die internationalisierten ! Ströme die volle Souveränität ausüben werde \ und daß die internationalen Schiffahrtskommissionen künftighin, soweit sich ihre Tätigkeit aus ! deutsches Reichsgebiet bezieht, in Fortfall kom- 'men sollen.(Das würde auch die Aufhebung der ! Internationalisierung der Elbe bedeuten» was für die Tschechoslowakei von Bedeutung wäre. Deutschland kann allerdings kein Interesse haben, den tschechoslowafischen Warenverkehr auf der Elbe— von und nach Hamburg— zu erschweren. D. Red.) Seife L Ne. 5« Dr. Hodza in Wien Prag. Der Vorsitzende der Regierung Dr. H o d Z a ist Sonntag nachts in Begleitung sei- nes Privatsekretärs Dr. Srdinko und des Ober- ministerialkomniissärs Dr. Cerny nach Wien abgereist, wo er um 6 Uhr 30 Min. früh auf dem Ostbahnhof eintraf. Der Waggon wurde abgekuppelt und auf ein Nebengeleise verschoben. Erst gegen 10 Uhr fand auf dem Bahnhof die offizielle Begrüßung statt, zu der. sich Bundeskanzler Dr. Schuschnigg, Gesandter Fierlinger und die.Gesandten von Jugoslawien, Rumänien, Frankreich, Griechenland und der Türkei eingefunden hatten. Noch am Vormittag fand ein« mehr als ein- stündige Besprechung mit dem Bundeskanzler statt, hierauf ein Empfang durch den Bundespräsidenten Miklas, bei dem nachher ein offizielles Essen stattfand. Um 16 Uhr erwiderte Schuschnigg den Besuch Tr. HodZas auf der tschechoslo- toakischen Gesandtschaft. Später nahmen Schuschnigg, Dr. Hodza und der österreichische Handelsminister Stockinger an der Schlußsitzung der österreichisch-tschechoslowakischen Handelsdelegationen teil. An den Besprechungen der beiden Regierungschefs nahmen auch Vizekanzler Star- h e m b e r g und Außenminister Berger-Wal- denegg teil. Abends besuchte Dr. Hodza als Gast des Bundeskanzlers eine Aufführung der„Verkauften Braut", der auch Bundespräsident Miklas beiwohnte. »eure eröffnet Goebbels den„Wahlkampf“ Berlin. Die Wahlkampagne wird Goebbels am 10. März mit einer großen Rede in der i Teutschlandhälle eröffnen. Reichstagswähler sind außer jenen deutschen Staatsangehörigen, die vorläufig als.Reichs-' bürger" gelten, auch die deutschen Staatsangehö- 1 eigen deutschen oder artverwandten Blu- i tes, die am Wahltage 20 Jahre alt sind. Richt' wahlberechtigt sind also Juden, das heißt solche Männer und Frauen, die von mindestens drei der Rasse nach volljüdischen Großelternteilen abstammen; ferner die von zwei volljüdischen Großeltern abstammenden jüdischen Mischlinge, die der jüdischen Religionsgemeinschaft angeboren oder mit einem Juden verheiratet sind. Am Wahlverfahren hat sich nichts geändert» Vas Attentat in der Skupschtina vorbereitet? Belgrad. Der Jmmunitätsausschuß der Skupschtina beschloß mit 12 gegen 3 Stimmen, acht A b g e o rd n e t e, welche im Zusammenhang mit dem Attentat gegen den Ministerpräsidenten verhaftet wurden, der gerichtlichen Verfolgung auszuliefern. Es wurde festgestellt, daß diese Abgeordneten sämtlich größtenteils Waffen mit hatten und daß ArnautoviL den Revolver vom Abgecrdneten Dragiä StojadinoviL erhielt, in deffen Wohnung bei einer Haussuchung eine größere Menge verschiedener, nicht angemeldeter Waffen und Geschosse gefunden wurden. Beim Abgeordneten Milovan oviL wurden Flug- zcttel gefunden, die seinen Anhängern mitteilen, daß es in der Skupschtina bald zum Blutvergießen kommen werde. Durch die Untersuchung und die Zeugenaussagen ist bereits erwiesen, daß das Attentat vorberei- t e t war. Hirota • maß die Forderangen der Armee annehmen Tokio. Hirota hat das Kabinett, in welchem er das Ministerpräsidium und das Außenportefeuille innehat, gebildet. Die Ressortverteilung ist folgende: Baba— Finanzen, Uschio— Inneres und Unterricht, Terautschi— Krieg, Nagano — Marine, Hajaschi— Justiz, Schimada— Landwirtschaft, Maeda— Eisenbahnen, Tano- moschi— Verkehr, Kawasaki— Handel, Nagata — Außenhandel. Wie gemeldet wird, sei Ministerpräsident Hirota gezwungen gewesen, den größeren Teil der Forderungen der Armee anzunehmen. Warschau. Der auf letzten Samstag einbe- riifene Ministerrat fand nicht statt und wurde auf Dienstag verschoben. Es scheint, daß die Regierungskreise die Nachrichten aus London abzuwarten beabsichtigen, um danach dem Vertreter Polens im Völkerbund Anweisungen zu geben. Washington. Ter amerikanische Finanzminister Morgcnthau erklärte, daß die erst am Sonntag ausgeschriebene neue Anleihe des amerikanischen Schatzamtes in Höhe von 1 11 Milliarden Dollar weit überzeichnet und die Zeichnungen daher be- rcirs geschlossen wurden. London. Der Unterausschuß der Flottenkonferenz für qualitative Fragen einigte sich Freitag auf eine Formel für die Schlachtschiffe und für die Zone zwischen Kreuzern und Schlachtschiffen, innerhalb deren keine Neubauten erfolgen sollen.„Daily Telegraph" meldet, daß nunmehr die Unterzeichnung! :i»es Floltenabkommens zwischen England, Frankreich und den Vereinigten Staaten so gut wie gesichert ist. Dienstag, 10. P!ärz 1936 Neue Giganten Ger Luft Ein Bild, das vor wenigen Fahren noch als gewagte Prophezeiung betrachtet worden wäre? Tie Zeichnung eines neuen im Bau befindlichen walähnlichen Flugzeuges riesigen Ausmaßes : für den Flugverkehr auf den briffschen Luftlinien. Alkoholische Getränke dürfen an Jugendliche unter keinen Umständen ausgeschenkt werden. Da dem Gesundheitsministerium in letzter Zeit mehrfach Beschwerden zukamen, daß das gesetzliche Verbot des Ausschankes alkoholischer Getränke an Jugendliche nicht genau eingehalten wird, wurde den Lastdesämtern durch einen Sond-rerlaß anf- erlegt, alle notwendigen Maßnahmen zu treffen, damit die rigoroseste Einhaltung des Gesetzes gewährleistet bleibe. Die Masakyk-Flugliga hielt Sonntag ihre zehnte Generalversammlung in Prag ab. Aus den Berichten geht hervor- daß die Liga derzeit SCO Segelflieger zählt, deren Zahl im Laufe des Jahres auf 1000 steigen dürfte. In 15 Gauen umfaßt die Liga 300 voll- und 450 nicht vollbeschäftigte Ortsgruppen und 78 Nachwuchszirkel mit 25.000 jugendlichen Mitgliedern., Sie besitzt 124 Segelflugsektionen und 50 eigene Motorflugzeuge. Zum Vorsitzenden.wurde Mimstevprn- fivent Dr. HodZa gewählt. Bahmwfall hei Pardubitz. Montag vormittags nach 8 Uhr entgleiste bei der vorgeschrie- üenen Belastungsprobe in der Station Steblovä auf der Strecke Pardubitz—Reichenberg eine Lokomotive.. Ter Unfall ereignete sich auf einer neuerrichteten Weiche, deren Unterbau auf einem sumpfigen Grunde gebaut wurde, bei der Prüfung einbrach und die Lokomotive stürzte hinab. Der angehängte Waggon blieb auf den Schienen stehen. Ter Sachschaden wurde noch nicht abgeschäht. Zu Schaden ist niemand gekommen. Der Verkehr wurde auf der Ärecke unterbrochen. Familientragödie. In Deutsch-Branitz bei Eibenschitz in Mähren erschlug in der Nacht auf Montag der 29jährige Bauer SvLtlik durch einige Axtfchläge in den Kopf feine 27jährige Frau Marie und beging nach der Tat Selbstmord durch Erhängen. Die Ursache der Verzweiflungstat wird von der Gendarmerie untersucht. Es scheint, daß es h ä u s l i ch e Zwistigkei- t e n waren. Prag—Brünn t« 3 Stunden 10 Minuten. In den Pilsner Skoda-Werken werden vorläufig zwei zweiteilige Motorwagen für die Strecke Prag—Preßburg hergestellt, die eine Stunden- geschwindigkeit von bis 120 Kilometern erreichen werden, so daß z. B, die Eisenbahnstrecke Prag— Brünn ohne Aufenthalt in 3 Stunden 10 Minuten zurückgelegt tverden könnte. Falls sich diese Molortvagen auf der Strecke Prag—Prestburg bewähren, sollen sie auch in eine Reihe anderer Fernstrecken eingereiht werden. Tödliche Luftnkrobatik. In der Nähe von Mont Beliard in Osrfrankreich ereignete sich bei Lüftakrobatik ein Fliegerunglück. Ter Pilot und ein Fliegerakrobat fanden den Tod. Neuer Flugrekord. Der Flieger Rose, der am Dienstag in Kapstadt gestartet war. ist, Montag um 11 Uhr am Flugplatz von Croydon gelandet und hat damit den früheren Rekord Kapstadt— London des Fliegers Llewellyn um fast 6 Stunden geschlagen. Rose hält jetzt den Weltrekord fiir den Flug in beiden Richtungen auf der genannten Strecke. Der Erzbischof von Olmütz, Dr. Precan, feierte Sonntag seinen 70. Geburtstag. Dr. Precan war aus diesem Anlaß Gegenstaird großer Ehrungen. Ende des New Aorker Liftstreiks? Die Arbeitgeber und die Angestellten der Zinshäuser und Hotels haben sich auf den vom New Uorker Bürgermeister Laguardia vorgelegten neuen Arbi- tragcvorschlag geeinigt. Es besteht Hoffnung, daß ' der Streik friedlich beigelcgt werden wird. Der Unterschied unter den Mineralwässern. Das Handelsministerium und das Ministerium für Gesundheitswesen und körperliche Erziehung find schon längere Zeit damit beschäftigt, zu überprüfen, ob die in den letzten Jahren geübte Praxis im Mineralwasserhandel den gesetzlichen Vorschriften entspricht. Bei einer kürzlich im Handelsministerium stattgefundenen Enquete wurde in bezug auf Farbe und Form der Flaschen nachstehende Einigung zwischen den Interessentengruppen der rein natürlichen Mineralquellen und jenen der halbnatürlichen und künstlichen Mineralwässer getroffen: Rein natürliche Mineralwässer werden künftighin ausschließlich in o liv- grüne Flaschen gefüllt, während die halbnatürlichen und künstlichen Mineralwässer ausschließlich in h a l b w e i ß e Flaschen zu füllen sind. Bezüglich der Größe und Form der Flaschen wurde beiden Gruppen freie Hand gelassen. Fünfundzwanzig Menschen von einer Lawine begraben. Nachdem bereits vorige Woche mehrere britische Offiziere beim Skilaufen im westlichen Kaschmir-Gebiete durch eine Lawine ums Leben gekommen sind, wurde Montag aus Jammu gemeldet, daß im gleichen Gebiet 25 Menschen durch eine fieue LawineNkataffiwphe den Tod gefunden' haben. Die Lawine ging in'der Nähe eines Dorfes Titwal nieder. Bisher konnten 18 Leichen geborgen werden. Peterspfennig und Panzerautos. Das Problem der Devisenbeschaffung gehört zu den schwersten, die Italien augenblicklich zu lösen hat, zumal, wie aus dem letzten Bankausweis hervorgeht, sein Devisenvorrat auf etwa 3 Milliarden Francs zusammengeschmolzen ist. Nun hat die Regierung ein eigenartiges Mittel gefunden, um sich, wenigstens einmalig, Rüstungsmaterial zu beschaffen, ohne Devisen abgeben zu müssen. Der Vatikan hatte aus Deutschland einen Teil des Peterspfennigs zu erhalten, der dort gesammelt worden war, für den aber die Ausfuhrgenehmigung auch nicht gern gegeben Worden wäre. Infolgedessen blieben die 40 Millionen Mark, um die es sich handelte, in Deutschland, Italien bekam die Panzerautos, die es brauchte, direkt nach Afrika geliefert, und der Vatikan erhielt den Gegenwert in Lire in Rom ausbezahll, womit alle Schwierigkeiten behoben waren. U«SR kehrt zum Verbot der Abtreibung zurück. Die Strafloserklärung der Abtreibung, dir Jahre lang in der USSR als fortschrittliche Errungenschaft bezeichnet wurde, wird heute offiziell wieder rückgängig gemacht. Begründet wird dies damit, die Abtreibiing der Leibesfrucht sei'nur als Ausfluß einer Notlage begründet und daher nur in kapitalistischen Ländern berechtigt. Wo aber das gesamt» gesellschaftliche Arbeitsprodukt den Werktätigen gehöre, brauche das. Proletariat seinem Fortpflayzungswillen keine Beschränkungen mehr aufzuerlegen. Da die USSR auch bei starker Bevölkerungszunahme, so erklärt man, die Versorgung gewährleisten könne, komme das Moment der sozialen Indikation nichtmehr in Betracht. Gleichzeitig hat ein Propagandafeldzug gegen die Geburtenbeschränkung eingesetzt. Dies wird motiviert mit der Zunahme der physischen Wehrkraft angesichts der drohenden Kriegsgefahr und mit der Vermehrung der menschlichen Arbeitskraft zur Erschließung der dünn besiedelten Landesteile und zur Intensivierung der Produktion. Umorganisierung des Sowjetrussischen Unter. richtskommiffartatS. Das"Zentralkomitee und der Rat der Volkskommissare der RSFSR haben beschlossen, das russische Untrrrichtskommissariat umzuorganisieren. Es werden drei Abteilungen eingerichtet: die der unteren, mittleren und der hohen Schule. Die letzte Abteilung wird nicht allein Universitäten und Techniken, sondern auch die wiffenschaflichen Forschungsinstitute verwalten. Die bisher tätig g-« Wesen« Abteilung für Erwachsenenbildung wird aufgelöst und an ihrer Stelle«ine besondere Verwalruag 1 eingerichtet, di« drei Abteilungen umfassen wird: Oie Gedichte eines vom Dritten Reich Ausgebürgerten: Prolet, das bist du von Kurt Tobcrcr XL 8.—. Organisationsrabatt.— Zn., beziehen durch die Zentralstelle' für das B i l d u n g s w e s e n, Prag XII,. Slezska 13,. nnnzmxnnnznmnnnun 1. Schulen für Analp haderen und Halbanalphabeten. 2. Schulen für fortgeschritten« Erwachsen« uno schließlich 3. Selbstunterricht und Fernunterricht. Pyramiden als Reklameflächen. Die ägyptische Regierung vergibt neuerdings die Phramidtnflächen zu Reklamezwecken. Demnächst wird man also von irgendeiner besonders bekannten Pyramide—von der Cheopspyramide etwa— irgendwelche Reklamerufe herablassen, die womöglich noch höchst.chietätvoll" Bezug auf die toten Pharaos nehmen tverden. In Aegypten hat sich ein Komitee gebildet, das sich den Schutz der Pyramiden auch vor der Reklame zur Aufgabe gemacht hat. Reservisten, Besitzer von Krafffahrzrngen, welche Heuer zur Waffenübung verpflichtet sind und diese mst ihrem Kraftfahrzeug während der Schlußübun- gen Ende August leisten wollen, sollen dies unverzüglich mittels Korrespondenzkarte ihrem zuständigen Truppen«(Ersatz-)Körper bekanntgeben. In der Anmeldung ist anzuführen: Name und Zuname, mili- tärisch« Charge, Geburtsjahr, Assentjahrgang, Hei- matzuständigkeit und ständiger Wohnort. Daraus toird der Truppenkörper den Bewerbern genaue Bedingungen und die Höhe der Entschädigung mitteilen. (Die Militärverwaltung bezahlt nämlich den Reservisten für jeden Tag der Benützung von Kraftfahrzeugen eine Pauschalsumme, uich zwar für ein Per- sonenauto 100 bis 140 XL, für ein Motorrad 35 bis «0 XL.). Klassenlottcrie. Die Verlosung der Gewinste der IV. Klaffe der 34. ffchechoslowakischeu Klaffenlotterie wird am 18. März 1938 um 18 llhr im Ziehungssaale der Direktion der Staatslotterien, Prag I, Kozi ul. 4, beginnen und wird am 19, März 1936 um 8 Uhr fortgesetzt werden. Verlost werden im ganzen 2775 Gewinste im Gesamtbetrag« von 2,858.000 XL, welche den Spielern ohne Abzug ausgezahlt werden. Von höheren' Gewinsten werden ausgelost: 1 Gewinn zu 150.000 XL, 1 zu 80.000 XL, 4 zu 20.000 XL, 6 zu 10.000.XL,.20 zu 5000.XL usw. Die amtliche LerlofungSliste wird am 20. März 1986 erscheinen. Wahrscheinliches Wetter von Heuler Weitere Wetterbefferung. Wechselnde, im allgemeinen abnehmend- Bewölkung. Im Karpathengebiet etwas stärkere Nächtliche Abkühlung. Untertags verhältnismäßig warm,— Wetterausfichten für Mittwoch: Im ganzen schön und ziemlich warm. Vom Rundfunk SmpfoMenswert«« aus den PregraaaMi Mittwoch: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 10.15: Deutscher Schulfunk für Unterstufen, 10.35: Orchesterkonzert, 11: Schallplatten, 13.40: Deutscher Arbeitsmarkt, 16.55: Theater für die Jugend, 17.40: Schallplarten, 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Mou- cha: Neue Bucher, 18.20: Arbeiters««!: Dr. Alois Mühlberger: Gedanken zur Sozialerziehung in der Schule— die Arbeitsgruppe, 18.45: Deutsche Presse, 21: Orchesterkonzert. Sender S: 7.30: Sa- lonorchefter, 14.15': Deutsche Sendung: Kinderstunde, 14.50: Deutsche Presse, 18.45: Schallplatten.— Brünn 13.30: Arbeitsmarkt und Sozialinformationen, 17.40: Deutsche Sendung: Regen- Trude, Märchenhörspiel.— Mährisch-Ostrau 18: Tanzlieder.—: Pretzburg 16.10: Orchesterkonzert. Kaschau 19.25: Orchesterkonzert.. Ellsworth und Kenyon nach Ihrer Rettuns Die erste Aufnahme des kühnen Polarforschers Ellsworth mit seinem Piloten Hollick-Kenyon nach ihrer Rettung durch das Expeditionsschiff »Discovery II". DienStag, 10. März 1936 Geile 5 Sk. 59 Graf Welczeck, Hitlers neuer Botschafter in Paris Ausland. Die„Front der anständigen Deutschen** AP. Neuerdings macht im Dritten Reich die „Front der anständigen Deutschen" sehr stark von sich reden, eine Organisation, die insbesondere ehemalige Stahlhelmer umfaßt und in großem Umfange agitatorisch tätig ist. Von dieser Seite find die Flugschriften in großer Zahl verbreitet worden, deren Inhalt kennzeichnend für die Stimmung weiter Kreise im Reich ist. Es wird darin gesagt, daß Deutschland sich einem Abgrunde nähere und daß es rechtzeitiger Vorbereitungen seitens der patriotischen Kreise bedürfe, um die Entstehung eines Chaos zu verhüten. Es sei nicht die Bildung einer neuen Partei geplant, sondern lediglich eine Zusammenfassung aller derer, die folgende Forderungen erhöben: 1. Die Wiederherstellung des, Rechtsstaates. Eine von unverantwortlichen' Machthabern kommandierte Koterie terrorisiere Staat und Voll. Tie Unabhängigkeit der Richter existiere nicht mehr. 2. Freiheit des Gewissens, des Glaubens und der Wissenschaft. Die Knebelung der Gesinnung sei undeutsch. Selbst im engsten Kreise könne niemand aus Furcht vor Denunziationen seine Ueberzeugung bekennen. Verfechter des Glaubens würden verfolgt, die Kirchen dem Parteigebot unterworfen, Propagandisten eines Neuheidentums aust die Jugend losgclaffen. Die Voraussetzungslosigkeit der Forschung sei durch die Liebedienerei einer Asterwissenschaft verdrängt worden, die vor keiner Fälschung zurückschrecke und den Wellruf deutscher Geistesarbeit zerstöre. In wenigen Jahren sei unschätzbares Kulturgut schmählich vergeudet worden. Ter Totalitätsanspruch des Staates im Reich des Geistes sei daher zu bekämpfen. 8. Sauberkeit des deutschen Staates. Dieser sei den Parteileuten ausgeliefert, alle Stellen ohne Rücksicht auf Vorbildung und Eignung besetzt worden. Die Verquickung von Staats- und Parteiämtern sei unentwirrbar. Verkrachte Existenzen hätten das Monopol des Großvcrdienens. Die Selbstverwaltung von Stein Und Hardenberg sei dem Machthunger der Diktatur geopfert worden. Deshalb müsse es heißen: Fort mit Korruption und Bonzentum! Vom Dlrnbaacrnhori Eine Jugenderinnerung von L Walch Im südlichsten Zipfel des Tachauer Bezirkes liegt ein Dörfchen still auf einer Hochebene, die zum Pösfigkauer Bachl und zur Radbusa im Tei- nitzer Bezirke deutlich abfällt. Diesem natürlichen Wege folgt, die Dorfgemarkung im Halbbogen umkreisend, die Schienenbahn des „Bockls", der von Weißensulz her stöhnend gegen Zemschen kriecht und bei Tutz, erleichtert aufatmend, beängstigend schnell gegen Wurken enteilt. Im Westen bilden die letzten Ausläufer des nördlichen Böhmerwaldes einen gefürchteten Wetterwinkel, im übrigen geben sie den gelben Fluren des Ottes einen hübschen grünen Rahmen. Zweimal steigt hier der böhmische Quarzpfahl ans Sonnenlicht und bildet den Rapa- und den Steinbühl, dazwischen liegt unser Dörfchen. Die beiden Berglein sind heute nahezu verschwunden, sie liegen als vorzüglicher Straßenschotter zwischen Weißensulz und Tachau. Das alte Dorfglöckchen auf der Schmiede ist— wie manch anderer— aus dem Weltkriege nicht mehr heimgekehrt, das neue aber schickt in alter Weise seine Diskantstimme noch immer erfolgreich unter die Konkurrenz der Kirchenglocken der Umgebung. In unmittelbarer Nähe des schmucken Schulhauses stand das Häuschen des Dirnbauern« harls. rils ein knorriger Riese, stets die Pfeife im zahnlosen Mund, das gutmütige, breite Gesicht mit Silberstoppeln übersät, die blauen Duxer Fußsocken über die Hosen gezogen, hie Füße in wahren Booten von selbstgemachten Holzschuhen, so lebt der liebe Alte noch heute in meiner Erinnerung. Ein an der Pfeifenspitze befestigtes rotes Gummiringlein gab dieser im Munde den richtigen Hall, ein Paar gutmütige blaue Augen ruhten müde im faltigen Gesicht. 4. Von übexmäßigem Zwang und kostspieliger Reglementierung befreite deutsche Wirtschaftspolitik. Was zur Zeit geschehe, sei systematische Vorbereitung des Bankerotts. Die heutige. Wirtschaftspolitik sei ein Gemisch von Leichtsinn, Dilettantismus und Autarkiewahn und werde von den Verantwortlichen wider besseres Wissen mitgemacht. 8. R e a l i st i s ch e Außenpolitik. Nötig sei eine auf dem Grundsatz der Gleichberechtigung aufgebaute, aber realistische Außenpolitik, die allein die nötigen Kredite verschaffen könne. Auf den bisherigen Wegen gehe es nicht weiter. Sie führten Deutschland zu einem Zusammenbruch oder einem abenteuerlichen Kriege gegen ein« wett größere Uebermacht als 1914. Es müsse daher beizeiten Vorsorge getroffen werden, ehe es zu spät sei. An den Aktiewbörsen beinahe aller Länder ist im vorigen Jahre eine starke Belebung zu verzeichnen gewesen. Sowohl die Umsätze an Aktten als auch die Kurse haben eine bedeutende Steigerung erfahren. Diese für die Beurtellung der wetteren wirtschaftlichen Entwicklung bemerkenswerte Erscheinung war in den einzelnen Ländern von unterschiedlicher Stärke. Setzen wir den Stand der Aktienkurse stn Jahre 1928 gleich 100, so ergibt sich für die wichtigsten Länder Ende 1938 im Vergleich zum Vorjahre das folgende Bild: Land: Ende Ende 1934 1935 Tschechoslowakei.. 62,5 73,0 Deutsches Reich .' fr•• 9 53,8 60,2 Ver. Staaten v. Nordamerika 46,2 63,7 Großbritannien •••• • 92,3 103,5 Frankreich., •■■ a • 41,9 43,9 Niederlande• ■** 22,6 27,1 Schweiz.. ■ a■■ • 53,7 46,5^ Schweden.« f■• 50,9 54,5 Italien,«, ■■• 57,0 58,5 Belgien., ■• w■ • 23,9 36,3 Oesterreich.. 51,8 66,2 Polen.., .... • 21,3 20,9 Den neue österreichisch-tschechoslowakische Handelsvertrag Der seit Jahren andauernde, vertragslose Zustand im Handelsverkehr der Tschechoslowakei mit Oesterreich wird nunmehr beendet werden. Die Verhandlungen, die mit Unterbrechung zwei Jahre hindurch zwischen den Delegationen der beiden Staaten geführt worden sind, stehen jetzt vor ihrem Abschluß. ES wird mttgeteilt, daß ein« Grundlage gefunden worden ist, die eine Bereinigung der noch offen stehenden Fragen in kürzester Frist ermöglichen wird. Die Schlußverhandlungen, in denen auch der tschechoslowakische Kohlenexport eine Rolle spielt, sollen so- beschleunigt werden, daß. die Paraphierung des neuen Handelsvertrages während des Aufenthaltes des Ministerpräsidenten Dr. Hodjsa in Wien erfolgen kann. Die Unterzeichnung selbst wird dann unmittelbar darauf erfolgen. Keine Beteiligung Frankreichs an der Olympiade") Wie die»Prager Presse" aus Paris berichtet, ist in den Vorbesprechungen über 4>ie Rückwirkungen etwaiger Sanktionen gegen Deutschland auch auf die in Berlin angesetzten olympischen Spiele hingewiesen worden. Das französische Olympia-Komitee wurde bereits aufgefordert, die Beteiligung in Berlin schon jetzt a b z u- sagen und die anderen Locarno-Staaten aufzufordern, diesem Beispiele zu folgen. Auch Studentinnen müssen in den Arbeitsdienst. DaS deutsche Reichserziehungsministerium hat Abiturientinnen, die zu studieren beabsichti« gen, verpflichtet, v o r Beginn des Studiums am studentischen Arbeitsdienst teilzunehmen, der 26 Wochen dauert. Land Ende Ende Ungunt••■■■■■ . 45,7 58,4 Rumänien.«■■■■ . 72,1 107,7 Jugoslawien..».. . 51,7 52,5 Japan . 104,0 104,5 In der Schweiz und in Polen sind demnach die Aktienkurse im Jahre 1935 noch weiter gesunken. In einigen anderen Ländern haben sie sich kaum verändert. Die Mehrzahl hat jedoch eine Steigerung aufzuweisen. Unter den Ländern mit höchster Steigerung befindet sich mit Rumänien, den Vereinigten Staaten, Oesterreich, Ungarn, Belgien auch die Tschechoslowakei. Mtt einem Stand von 73,5 Ende 1935(1928— 100) rangiert die Tschechoslowakei bei der Höhe des KursindexeS für Aktten an vierter Stelle. Selbst in den Bereinigten Staaten«nd in Deutschland liegt der Aktienkursinder viel ttefer als bei uns. Das ist deshalb besonders bemerkenswert, weil die Tschechoslowakei im Produktionsaufschwung hinter dem Tempo anderer Länder zurückbleibt. Die Entwicklung des Profits eilt hier demnach, falls die Spekulation, die in. den Kurssteigerungen zum Ausdruck kommt, richtig ist, der Entwicklung der Produktion voraus. .... Die Prager Mustermesse. Im Messeverlehr kommt immer stärker der bessere Auslandsbesuch zur Geltung. Die Aussteller sind daher im Durchschnitt mit den erzielten Ergebnissen zufrieden. Spontan heben sie die gute Käuferfrequenz hervor. Es gelang im Laufe des Tages wieder recht ansehnliche Aufträge hereinzunehmen. Besonders groß ist die Zahl der Probeaufträge, von denen sich die Aussteller ein sehr gutes Nachge- schäst versprechen. Am Messemontag trafen noch weitere Käufer ein, wobei wieder die kaufkräftigen Länder England, die Schweiz, Schweden, Belgien, Frankreich und Holland, von Uebersee die Vereinigten Staaten und Argentinien einen hohen Anteil haben. Das Jnlandsgeschäst hat sich ebenfalls besser angelassen als im Herbst. Allerdings machen sich noch immer die Krisenfolgen in gewissen Branchen bemerkbar. Die Wiener Messe wurde Sonntag vormittags ohne Feierlichkeiten eröffnet. Liehe und Geld und Saxophon und Geigen Prag. Der 31jährige Musiker Jaroslav V o- ko UN ist ein Mann von abenteuerlicher Phantasie. Da er ein hübscher Mensch ist, verlegte er sich srüh« zeitig auf den Heiratsschwindel und gilt, dem Polizeibericht nach, als Spezialist auf diesem Gebiet. Das mag stimmen, denn gleich der erste Fall, den die gestern verhandelte Anklage anführt, mutet ganz unwahrscheinlich an. Vokoun brachte es nämlich fettig, das Stubenmädchen eines Stundenhotels, das er mit einer Prostttuietten besuchte, zu ködern, indem er ihr beim Weggehen erzählte, seine Augenblicksgeliebte sei ein Vampyr, wisse von ihm etwas Verfängliches und„halte ihn in ihren Krallen". Er seiRottmeister und müsse jenem schandbaren Weib zu willen sein, weil sie ihm sonst durch Aufdeckung einer Jugendtorheit seine glänzende militärische Karriere verderben und ihn zugrunde richten würde. DaS Stubenmädchen Rosa fing tatsächlich Feuer und liefette dem armen„Rottmeister" auf den ersten Anhieb ihre Ersparnisse von 4000 KL aus. Jaroflav Vokoun war angenehm überrascht von dem leichten Erfolg und übte künftighin seinen Beruf als Heiratsschwindler stets in der Uniform eines Rottmeisters aus und hatte großattige Erfolge. Sein in der»Narodni Politika" veröffentlichtes Inserat, nach welchem»ein Rottmeister eine Dame in mittleren Jahren zwecks Eheschließung suchte", brachte ihm eine Flut von Angeboten, die teilweise als Beweisdokumente den Gerichtsakten beilagen und deren Verlesung Heitetteit im Gerichtssaal hervor- ttef. Als routtnierter Heiratsschwindler verwarf Vokoun alle»tief veranlagten, hübschen, stattlichen" ufw. Bewerbettnnen, die über kein Bargeld verfüg ten. Auch die Besitzerin einer Villa im Wett von 120.000 Kd fand keine Gnade vor ihm, trotz des verführerischen KennwotteS„Graciosa", weil sie kein flüssiges Kapital besaß, das die Mühe gelohnt hätte. Dagegen erwählte er die 88jährige Köchin Franziska, der er gleich beim ersten Zusammentteffen erzählte, er habe in seiner Jugend ein Mädchen ver- führt, daS er nun abfinden müsse. Franziska war bezaubett, erklärte aber, sie müsse sich die Sache erst überlegen. Sie überlegt- nicht lange. Gleich am nächsten Tag schrieb sie einen ftagikomischen Brief, in dem sie ihm nicht nur ihr Sparkaffabuch zur Verfügung stellte, sondern sich mit vielen zärtlichen Worten für ihr Zaudern entschuldigte. Der»süße Mann", wie sie ihn anzureden pflegte, verschwand nach kurzer Zeit und mtt ihm 10.000 KL. Zur gleichen Zeit ließ sich.Rottmeister" B o- k o u n mtt der 34jährigen Schneiderin Marie ein, die er um 1000'KL rupfte: Erst die 30jährige■ ,r' lena, die er, übermütig geworden, gleich bei der ersten Zusammenkunft um 8000 KL anging, schöpfte Verdacht und so kam Vokoun endlich hinter Schloß und Riegel. Bor dem Senat Trost vetteidigte sich der An« gellagte mit beträchtlichem Galgenhumor und erbot sich,„jede beliebige" seiner drei Bräute zu heiraten. Dieser kulante Vorschlag ttef freilich einmüttgen Protest der Bewogenen hervor. Die Bräute haben sich übrigens dadurch zum Leinen Teil entschädigt, daß sie die Instrumente des entgleisten Musikers unter sich austeilten. Die meistgeschädigte Köchin Franziska erhielt ein Saxophon im Wette von 1800 KL, das Stubenmädchen Rosa eine Geige für 460 KL und die Schneidettn Marie eine weitere Geige im Wett von 240 KL nebst einem Koffer und einem Paar Herrenschuhe. Auch Vokoun erhielt das seine, nämlich achtzehn Monate schweren und ver« schärftenKerkerS. rb. Volfeauurtechoft und S&ziolplitife Die Börsen-Welthausse Die Tschechoslowakei mit an der Spitze Beim Harl wohnte dessen vaterloses Enkelkind, der Toni, mit dem mich eine innige Knabenfreundschaft verband. Mit Treue will ich stets seiner gedenken,— er fiel in Galizien. An dem Harl aber hing ich mtt ganzem Kerzen und wenn immer es eine Möglichkeit gab, daheim zu entwischen, schon war ich bei ihm und so bliebs bis zu seinem Tode. Mein sonst so strenger Vater sah meinen Umgang mtt den Bewohnern im Nachbarhause ganz gern und dies um so mehr, als wir zwei gesunden Bürschlein beim Harl in den besten Händen waren, denn er ersetzte uns zwei Lausern mindestens ein Dutzend Kindermädchen. Er hatte mich wirklich gern, so daß die Zuneigung ganz auf Gegenseittgkeit beruhte. Einmal im Herbst gabs eine am Dorf nicht seltene Obstaffäre. Wir Buben gingen über die Aepfel des unteren Nachbarn. Diese Aepfel wurden wegen ihrer anerkannten Güte von uns pünktlich jedes Jahr„geerntet" und ehrlich geteilt. In diesem Jahre aber hatten wir bei der Ernte entschieden Pech. Recht dumm waren wir dem Bauer in die Falle gegangen, unsere Flucht verdiente jedoch heute noch ein Heldengedicht, denn erstaunlich schnell fanden wir unsere steilen Wege über Mauern und Zäune, nachdem wir wie die zeittgen Aepfel vom Baume gesaust waren. Aber ein Opfer gab eS zu beklagen, der Ton blieb in den Händen des grimmen Bauern und wurde jänunerlich verhauen. Wie nicht selten zog dieser Bubenstreich weitere Kreise,' die Alten verfeindeten sich und der Zank ging von Gatten zu Garten. Ich habe alle Ursache, diesen Herbstaben- nicht zu vergessen, denn aus zwei Gründen bleibt er mir für immer in Erinnerung. Erstens erfuhr mein Vater die Ursache des Nachbarzankes und für mich gabS als weniger schmackhafte Nachspeise für die wirklich guten Nachbaräpfel er bärmliche Hiebe und zweitens stand ich starr, als der bestohlene Bauer dem Harl im Zorn die Watte ins Gesicht geiferte:„Du alter Zuchthäusler, schau, daß du wieder ins Kriminal kommst." Der Harl wurde plötzlich still, ging ruhig ins Haus und bald erfuhr ich'S—, das Ungeheure, das Grauenhafte, mein lieber Harl war wirklich ein Mörder, war 15 Jahre gesessen. Vor fast fünfzig Jahren war'S. Der Peter- bauer im Dorf hatte zwei schmucke Buben, die in seltener Brüderfreundschaft lebten. Der ältere, der Harl, hatte die einzige Tochter deS Dirnbauers gefreit und das junge Ehepaar hauste friedlich auf dem stattlichen Hofe. Faschingzeit,__ Faschingdienstag.— Am Nachmittag hatte die Musik die jungen Paare zusammengespielt, von Hof zu Hof tollte ungebunde Faschinglust. Am Abend ging's beim Galn hoch her. So schön wie heute war's noch nie l Unbändig ftckte und stampfte die Jugend in der engen Wittsstube, der fröhlichsten einer war der junge Peterbauer. Der Dirnbauer sah schmunzelnd deS öfteren auf seinen ausgelassenen Bruder, tanzte mit seiner jungen Frau etliche Stückeln und überließ mit den übrigen Verheirateten zeitlich die Wirtsstube den Ledigen und ging seinem Hofe zu. Noch klingen ihm die Witze der Jungen im Ohr, noch sieht er sie lachend um die Haustüre drängen, zu sehen, wie die Ehekrüppel heimwärts ziehen. Er sieht noch seinen Bruder lachend winken, hött noch dessen Juchzer über daS Dorf schallen und geht zu Bette. Morgen ist Aschermittwoch, der graue Alltag, na— die Jungen können sich noch eine Nacht leisten— und schon schläft er ein. Um Mitternacht gibts ein Klirren an den Stubenfenstern des Dirnbauernhofes. Zu Tode erschrocken springt der Bauer aus dem Bette und hört unter dem Toben und Schreien der Nach-, barn die furchtbare Nachricht, daß der Bruder erschlagen im Wirtshause liegt. Der Balzerhaus war's, hört er noch und fast vergehen ihm die Sinne. Stöhnend steht er in der Stube, schreit auf, reist den Schleißschnitzer aus dem Deckbalken und spttngt— wie er ist— hinaus in die Nacht. Wie ein Geist erscheint der Hüne im Gasthause, in dem alles Leben erstorben scheint, er sieht seinen Bruder in einer Blutlache liegen, stiert in die entsetzten Gesichter der ernüchterten Burschen, ersieht den Balzerhans, springt ihn mit einem gräßlichen Fluche an und stößt ihn mtt dem Kanttnesser durch und durch. Erstarrt stehen die Dörfler mn zwei entschwindende junge Leben. Der junge Balzer, her" .vor der Hochzeit und der Uebernahme des väterlichen Hofes steht, stirbt in den Armen seiner Braut, der Bruder des DirnbauerS erkämpft sich trotz einer fürcherlichen Kopfwunde das Leben. Aschermittwoch. Im fahlen Morgenlicht steht das ganze Dors erregt unter den Toren, geflüstett nur geht Wort zu Wort,— durch das Dorf aber schreitet in schweren Ketten, todblaß, doch aufrecht, der Dirnbauer vor den Gendarmen. Wortlos stand er vor seiner Frau, wortlos verläßt er HauS und Hof, starr steht sein Blick. WottloS geht er an den Gruppen der Dörfler vorüber, aufrecht und still geht er seinen Weg, geht den Weg gegen Pfraumberg wie im Traum, geht sttll seinen Weg — ins Zuchthaus. So, mehr lieber Leser, nimm deine Steine der üblichen Nächstenliebe und wirf, beschimpf mii dem zornigen Nachbar den grauen, stillen Mann, Für mich aber bleibt der Dirnbauer mein lieber, lieber Harl,— eine meiner liebsten Jugenderinnerungen. LeU« S „Sozialdemokrat" Dienstag, 10. März 1936. Rr. 59 Kunclgsns Im llessepslsst Nach bereits zwej erfolgreichen Tagen der Exportmesse setzte am Messe-Sonntag, an dem die ganze Messe dem Verkehr übergeben wurde, ein Besucherstrom ein, den Prag schon lange nicht verzeichnen konnte.-Diesmal kann das Interesse des Inlandes höher angesetzt werden als vor einem Jahre. Es ist ein noch bunteres und reichhaltigeres Bild, das uns in diesem Jahre der Messepalast bietet, ströme von Schaulustigen wälzen sich besonders Sonntags durch die Stockwerke. Man rechnet mit dem Publikum, führt ihm die interessanten Dinge vor und beginnt so auf der Messe bereits mit der Perkaufswerbung. Wo man sich in einzelnen Jndustrieständen nun neuerdings wieder gegen den Konsumenten abschließt, bat Man offenbar den Glauben, daß man bestimmt« Artikel aus Kalkulationsgründen nicht mehr zu Massenartikeln machen kann. Solche Gründe scheinen für diePreßmasse-Jndustrie,die das bunte unzerbrechliche Geschirr herstellt, ausschlaggebend gewvrdeix sein. Dieses farbige neue Geschirr, das auf früheren Messen sehr zuvorkommend dem Publikum vorgeführt wurde, steht nun hinter verschlossenen Türen. Dem aufmerksamen Beobachter ist allerdings schon länger ausgefallen, daß diese Industrie eine gewiffe Unwilligkeit zeigte, durch Preissenkung ihr farbiges und unzerbrechliches Tafelgeschirr zu einem Massenartikel zu machen. Einen Angriff auf das Publikum unternimmt dagegen auf dieser Messe das hitzebeständige Glasgeschirr. Es kommt mit geschmackvollen Kaffeetassen, Teetassen und Suppentellern auf den Markt. Die Preise müßten, sich allerdings auch hier nach abwärts entwickeln. Einen wirklich entscheidenden Fortschritt für die Hausfrau bilden in der Gruppe des feuerbeständigen Glases die Backgeschirre; in der Glasbackschüssel sieht man bei einem Blick imden Ofen den Zustand des Kuchens an jeder Stelle. Solcher praktische Neuheiten wird ein geübtes Hausfrauenauge auf der Mustermesse sicher noch mehr feststellen(z. B.«inen einfachen Hebelapparat, um das Holzspalten zum Kinderspiel zu machen). Auch die Männer aber kommen auf ihre Rechnung, so bei neuen schrägschneidenden Sicherheitsrasierapparaten und bei der Zigarettenfabri- kation. Sehr überrascht wird der Metallarbeiter sein, wenn er nun sieht, daß es auch blaue, gelbe und grüne Schraubstöcke und Werkzeuge geben kann. Bis jetzt hatte man doch immer den Eindruck, daß auf diesem Gebiet schwarz Vorschrift wäre. Für Ehepaare, solche, die es werden wollen, und für häusliche Junggesellen sind die schönen Chrom- Stahlmöbel ausgestellt. Eine erfolgversprechende Neuheit ist ein F ah r- rad mit Zweigang-Schaltung. Bis jetzt lagen solche Zweiganggetriebe im Hinterrad am Frei, Iguf. Sie hatten keine« Erfolg, weil sie zu früh ausgeleiert waren und dann versagten. Das neue Getriebe liegt im Trerlager und erscheint sehr solide kon, struiert. ES wird, ähnlich dem Motorrad, durch«inen bequem liegenden Hebel geschaltet. Aktueller noch, wenn auch weniger anstrengend in der Erfindung, ist eine Neuerscheinung in der Papierindustrie. Hier gibt es schon— Verdunkelungsschirme für Luftangriffe. Zum Schluß darf eine Neueinrichtung nicht vergessen werden, die zwar nicht so für das Schaupublikum, um so mehr aber für den Einkäufer interessant ist. ES ist der Stand der belgischen Regierung im Messepalast und auch die offizielle französische Ausstellung. Neben der Erleichterung der Anbahnung der Beziehungen zu den belgischen und ftanzösischen Firmen wird der Einkäufer durch diese Sonderstände über alle Hckndelsprodukte der ausstellenden Länder unterrichtet. Es liegen eine Anzahl von kostenlosen Spezialbröschüren auf, die zum Beispiel das Kupfer der Katangaminen, die Baumwolle vom Kongo, den Kakao der Goldküste behandeln. Es wäre erfreulich, wenn sich noch mehr Länder entschließen würden, auf den kommenden Prager Mustermessen solche besondere Handelsvertretungen «inzurichten. Das größte Aktivum der Frühjahrsmesse ist jedoch diesmal der erhöhte Auslandsbesuch. Der Nachfragedienst der Messe erfaßte wesentlich mehr Ausländer, als zur Frühjahrsmesse 1933, die im eigentlichen Sinne di« erste Exportmesse war Dabei scheint der Höhepunkt des Auslandsbesuches noch keineswegs überschritten zu sein. Die in Prag einlaufenden Fernzüge bringen immer neue Interessenten zur Messe und auch vom Flughafen in Gbell werden vollbesetzte Maschinen gemeldet. Besonders groß war gestern der Besuch aus England, der, Schweiz, Holland, Belgien und Spa nien. Ganz wesenüich stieg ferner die Besucherziffer aus Frankreich. Lebende Fackel. Sonntag abends wollte die 24jährige Arveitersftau Marie Oliva aus Bkevnov in ihrer Wohnung Spiritus in dm Kocher gießen und zündete, um sich zu überzeugen, ob sie die richtige Flasche genommen hätte,«in Zündhölzchen über der Flasche an. Hiebei ergoß sich her Spiritus auf ihre Kleider, die sofort Feuer fingen. Ihr Mann kam ihr zu Hilfe und riß ihr die Kleider vom Leibe, wobei er selbst Brandwunden erlitt. Beide wurden durch die Rettungsgesellschaft auf die Klinik Kreibich gebracht. Frau Oliva hat lebensgefährliche Brandwunden zweiten und dritten Grades erlitten. Rabiate Sänger. In der Nacht auf. Sonntag, gegen 1 Uhr. trat der 33jährige arbeitslose Rudolf Borkovec. aus ZiZkov mit seiner 26jährigen Gattin Julie aus einem Wirtshaus in der Chelkickhftraße in Zstskov und sie begannen einen überaus lauten, aber nichts weniger als wohltönenden Gesang, so daß ein Polizist sie wegen Störung der Nachtruhe ermahnte. Borkovec jedoch fiel den Polizisten an und seine Frau schlug ihn, mit dem Regenschirm ins Gesicht. Da der Leitung Polizist allein mit den beiden nicht fertig werden konnte, kam ihm ein Kveiter zu Hilfe, mit dem dahandfeste Ehepaar ebenfalls zu raufen begann. Trotz der späten Nachtstunde verursachte die lärmende Szene eine« großen Menschenauflauf; Borkovec und seine Frau wurden verhaftet und auf die Wachstube gebracht. Borkovec begann jedoch noch in der Haft zu toben und demolierte die Einrichtung, so daß ihm Fesseln angelegt werden mutzten. Der verwundete Wachmann wurde ins allgemeine Krankenhaus gebracht. Petroleum inS Feuer. In der Palacktzstraße in Smichow sahen gestern früh die Nachbarn aus der Wohnung der abwesenden Beamtin Rosa Saic Rauch aufsteigen. weshalb sie die Feuerwehr verständigten, die Wohnung aber noch vor deren Ankunft erbrachen. Es stand bereits das ganze Mobilar in Flammen, die Löschung dauerte'dreiviertel Stunden,-während welcher Zeit der Verkehr unterbrochen«erden mußte, da die Wasserschläuche über die Geleise der Straßen», bahn gespannt werden mutzten. Das Feuer ging, wie später feftgestellt wurde-, von der glimmenden Asche im Aschenkübel aus; beim Asckenkübel war jedoch«ine Petroleumflasche gestanden, die, bei Annäherung der Flammen explodierte, so datz sich das Feuer rapid verbreitete. Von der Wohnungseinrrch-' tung ist fast nichts gerettet; die Wohnungsinhaberin ist gegen Feuer nicht versichert. Sechsfacher Wohnungseinbrecher. Gestern wurde der 22jährige arheith- ,untz wphnungslose Eduard Svabenskh verhaftet. der längere Zeit unter falschem Namen in der Machagasse in Prag XII eingemietet gewesen war und' während Vieser Zeit außer kleineren Gelegeich'eitsdiebstählen sechs große Wohnungseinbrüche verübt hakte, durch die er«inen Schaden von insgesamt 30.000 AL angerichtet bat. Er wurde nach Pankratz eingeliefert. Er ist teilweise geständig. Der Klub„Zivö Roviny"(„Lebende Zeitung") veranstaltet-gemeinsam mit der Ferienschule politischer Wissenschaften, der Staatswiffenschaftlichen Gesellschaft, dem Klub„Piitomnost" und dem„Parlament der Jungen" einen Zyklus von drei Diskussionsabenden mit der Bezeichnung„Wie ist unsere Presse beschaffen?" Der erste Abend findet Donnerstag, den 12. März, unter dem Motto.Dageszeimn« gen" statt. Es werden sprechen: die Chefredakteur« Arne Laurin und K. Z. Klima. Ter zweite Abend, der den Abendblättern gewidmet ist. findet Montag, den 16. Vkärz statt und es werden sprechen: Dr. Paul Eisner. Schriftsteller Karl Novts und Redakteur Tr. Jar. Kladiva. Freitag, den 20. März, wird der Zyklus mit einem Vortrag über die Revue» geschloffen. Es sprechen Sektionsrat B. Koutnkk und Dr. St. Roda. Alle Abende finden im großen Saal der Zentralbibliothek der Hauptstadt Prag statt. Anfang 8 Uhr abends. liMst und Msren Lyslstrata Das Prager Deutsche Theater spielt seht(in neuer Bearbeitung) des Atrgriechen Aristophanes „Lysistrara", unsterbliche lustig-komödiantische Satire mit dem ernstesten aller Hintergründe: dem Krieg. Verdienstvoll g«rade in unserer Zeit und besonders in diesen Tagen: denn wenn auch das dichterische Beispiel der Frauen, denen es gelingt. Frieden zu stiften, indem sie sich den Männern versagen, wirkliche Nachahmung nirgends finden dürfte, so bleibt der„Lyststraia" doch di« Möglichkeft.«twaS zum Antikriegsgcdanken beizutragen. Stellt man diesen Gesichtspunkt bei der Betrachtung der neuen Bearbeitung und Aufführung voran, so muß man freilich vorweg sagen, daß ihnen diese Aufgabe nur zu kleinem Teile gelungen ist. Die Bearbeitung der Greinerschen Acbertragung durch den Prager Schriftsteller OttoRoeldist(in dieser Hinsicht) zwar durch Vorsprüche und durch einen witzigen Dialog ztmschen einem„Journalisten" Sofias und einem Krieger kräftig und witzig um die Tendenz bemüht, macht aber durch wtale Umbiegung des Komödienschluffes den Friedensappell geradezu lendenlahm;«ine Unerfteulichkeit. die fteilich durch die hier besonders stark zutage ttetende Unzuläng- lichkeir der Hauptdarstellerin noch verschärft wurde. Was jedoch, jenseits der Herausarbeitung der Haupttendenz, diese Aufführung betrifft, ist vielerlei zu rühmen; die sprachliche Sauberkeit der Ueber- tragnng, ihre geschickte Balance zwischen dem Stil des Originals, des Orts und der Zeit einersetts, unseren modernen Ansprüchen anderseits, zwischen klassischer Heiterkeit und altattischcm Pathos, zivi- schen Zartheit und Derbheit. Dabei berührt es jedoch seltsam. daß man dem Publikum von 1936 den größten Teil jener hanebüchenen Zwei- und Ein- deufigkeiten ersparte(oder nicht vergönnte), die im Jahre 400 v. Ehr. einen Hauprreiz dieser Komödie auSmachtcn. Hochwertig ist. was die Gttlsicherhett, die Her- auSatzbeirung der Figuren-Konttaste und die Disziplin der Chorszenen anlangt, die Regie GellnerS. in Bühnenbild und Kostümen wirklich großstädtisch unterstützt von Frank Schultes. Völlig überflüssig nur die Inanspruchnahme der Drehbühne, die sich vergeblich bemüht, der hier selbstverständlichen Einheit des Orts mehrere Seiten abzugewinnen. Und über die eigen- hinzukomponierte pölläkedämo- nische Musik ist nur zu berichten, daß sie zwar immer im richtigen Augenblick einsetzt, aber leider keinerlei angenehmen Reize ausübt. Schließlich zur solfftischen Darstellung: Gerda Meller bringt für die Lysiftrata den Adel der Er» scheinung. der Haltung und der Geste mtt. derzeit aber nicht die nötig« Kraft, vor allem nicht die notwendigen Qualitäten und Quantttäten der Stimme. DaS drückte auf di« Aufführung, der übrigens die beiden besten Sprecherinnen des Ensembles nicht zu» gezogen waren. Unter den Frauen ragte die Kalonike Emmy Carpentiers hervor, liebreizend. schelmisch und im wechselnden Ausdruck der Stimme und der Mimik ausgezeichnet nuancierend. Reben der drastischen Lampito Lotte Steins hatte Lisl Macheiner gute und schlechte Moment«: Die Männer hatten ihren vorzüglichsten Repräsentanten in dem Ratsherren Martin Costas, einem stark wirkenden dumm-ettlen Kraftmeier. Fritz Klippel überzeugte als unfteiwillig komischer, blutvoll animalischer Kinesias. Walter T a u b im Prosa-Dialog. Die Aufnahnre durch da? Publikum war nicht ohne Herzlichkeit, aber alles in allem mäßig. L. G. AlviS Jiräsek:„Gero". DaS Nationaltheater hat das historische Spiel„Gero" von Jiräsek zur Feier des 86. Geburtstages T. G. Masaryks als Festspiel neueinstudiert. In der modernen Regieauffassung Frejkas hat die Gestalt des blutigen Markgrafen Gero und sein Kamps gegen die baltischen Slawen uftgemein an dramatischer Kraft gewonnen. Das Stück umfaßt die geschichtliche Zeitspanne, die mit dem historisch gewordenen Fest- mochle beginnt, zu dem der zum Herzog ernannte Gero die Häupter und Führer- der slawischen Stämme, dreißig an der Zahl, geladen hatte, um sie dann ungeachtet des Gastrechtes, hinmorden zu lassen-— bis zu seinem endgültigen blutigen Sieg über die uneinigen Slawenstämme/ Der Sieg brachte ihm wohl die Herrschaft--über die Mark Brandenburg und Lausitz bis Bautzen, im Kampf gegen den Lu- titzer Stamm verlor er jedoch-seinen«inzigen Sohn und Erben Sigfrid. In das fürchterliche Hohnlachen Geros über den niedergemetzelten Feind, der dadurch auch endgültig dem Christentume zugeführt wurde, mischt sich der Wahnsinn des schinerzlich bettoffenen Vaters und der vereittlten Hoffnungen, die Krone Karls des Großen auf dem Haupte seines Sohnes zu sehen. Um die Zersplitterung der Szenen zu vermeiden, hat di« Regie gemeinsam mit V. Hofmann einen Borbühnenraum eingebaut, der einen raschen Szenenwechsel ermöglichte, was besonders in der Rachtmahlszene zur Geltung kam. Herr Vydra hat auch in der Neueinstudierung die Rolle des auS Brutalität'und kluger Diplomatte zusammengesetzten„Gero" übernommen und der neuen Regierichtung migepaßt. Unter einer großen Reihe Mitwirkender des gelungenen Abends wären Herr Vojta als Graf Rothulf,'. Herr Prucha als Fürst Tugomtt und Herr Pivec als Zelibor zu nennen. Unter dem ftischen Eindruck» der letzten politischen Ereignisse in Deutschland hatte daS Stück und die darin enthalten« Tendenz, einen starken Erfolg, m. i. Spielplan des Rauen Deutschen Theaters. Dienstag %8: Die Frau mit den.100 Affären, Ensemblegastspiel Leopoldina Konstantin, AI.— Mittwoch halb 8: D i e e.r st e L eL i.o n, B 1.— Donnerstag halb 8: Des Roßen-avalier, neuinszeniett, C 1.—- Freitag halb 8': Lysi» st r a t a. D 2.— Smnslag halb 8:'Lhsistrata, CI.— Sonntag hcllb' 3:'U ü esi t's ch u l d i gte Stunde, Arbeitervorstellung, hnlb'7: DreWaI- k ü r e, Gastspiel Anny Konetzni, B 2. Tpielplan der Kleinen Bühne. Heute, Dienstag 8: G o l l i ß t E t a m p t o ft.— Mittwoch 8 Uhr: UnentschuldigteStunde, Bankbeamte II und freier Verkauf.;— Donnerstag halb 8: Alle Rechte Vorbehalten, Erstaufführung.— Freitag 8: Alle Rechte vor» behalten, Theatergemeinde des Kulturverban- des und freier Verkauf.— Samstag 8 Uhr: Anna sagtnein, volkstümliche Vorstellung.— Sonntag 3 Uhr: Die«rsteLegion, 8 Uhr: Alle Rechtevorbehalten. §p»rt-§piet-Xörp«rp^kege Oie sonntägigen l-igsspiele waren insofern bemerkenswert, als die T e p l i tz e r wieder mal nach langer Zett einen Sieg verzeichnen konnten, noch dazu über den SKPilsen. Der Prager D FC konnte seine Position durch einen hatt erkämpften knappen Sieg über den Saazer DSV verbessern. Tie Saazer werden also mit dem Teplitzer FK dem Abstieg verfallen sein; zudem hat man z. B. in Saaz anscheinend auch kein Interesse für die Staatsliga mehr und absolviert die resüichen Spiele, weil man nicht anders kann. In Prag gab es wiederum«ine'Toppelveranstattung: Sparta schlug leichter als erwartet den Vroßnitzer SK, aber beim Spiele Slavia—CSK Preßburg kam«S eigentümlicherweise zu Kundgebungen sür die Pretzburger, während Slavia als Sieger u. a. auS» gepfiffen wurde. Hart war der Kampf in N a ch o d zwischen SK und SKKladno, den die Heimischen knapp gewinnen konnten. InPilse n siegte Viktoria Mer AFK Kolin wohl sicher, aber nicht leicht. Das Brünner Derby Zidenice—Mor. Slavia endete mit einem überlegenen Siege der Schimitzer, wodurch die Mor. Slavia ebenfalls in Ab» stiegsgefahr gerückt ist. Tie Ergebnisse: Slavia gegenCSK Preßburg 3:0(2:0), Sparta gegen SK Proßnitz 4:0 (2:0), Zidenice gegen Mor. Slavia 6:2(4:1), Viktoria Pilsen gegen ÄFK Kolin 3:0(0:0), SK Nachod gegen SK Kladno 4:3(3:1), DFC gegen DSV Saaz 2:1(1:0), Teplitzer FK gegen SK Pilsen 3:2(2:0). Ausgeglichene Kämpfe in der Division Mittelböhmen. Die Ueberraschung bildete der 6:4»Sieg Viktoria Rusies Mer den Nuselsky SK. Viktoria ZiZkov gewann verdient und sicher mtt 4:1 Mer Union Zißkov. Nach dem großen Sieg in Lissa hatten Bo- hemians hatte Arbeit mit der CAFC, um mtt 3:1 erfolgreich zu bleiben. Einen dramatischen Kampf liefetten sich Cechie Karlin und SK Lissa, den di« Karliner schließlich mtt 6:4 gewannen, obwohl die Unterlegen schon mtt 3:0 in FMrung lagen. Ferner: SK Rusle gegen Slavoj VIH 4:4(8:4), Spattr Kürdno gegen Sparta Kosir 8:2, Meteor VIII gegen Rapid 8:8(1:1). Ti« Favoriten in der mährisch-schlesischen Tivi» fion ohne Erfolg. Die Baka-Mannschaft konnte daheim gegen den SK Schles.-Ostrau nur ein 1:1(0:0) erzielen. SK Prerau verlor neuerdings, uzch zwar wurde er von der Ostrauer Slavia mit 2:0 geschlagen. Die Brünner Moravia gewann gegen Kral. Pole 3:1, Han. Slavia spielte mit dem ESK Olmütz 1:1(0:0), mit dem ganz gleichen Ergebnis«ndere auch die Begegnung Zabovresky-Slovan M.-Ostrau und Polonia Karwin schlug den CSK Freistadt 6:1. Die Division Böhmen-Land begann am Sonntag mit der ersten Runde der Frühjahrssaison, die ganz im Zeichen der Favottten stand und folgende Ergebnisse brachte: SK Pardubitz gegen Slavia Karlsbad 2:1, SK Rakonitz gegen SK Kopisty 3:1, SK König» grätz gegen AFK Pardubitz 1:0, CSK B.-BudweiS gegen Königinhof 5:1, Jungbunzlauer SK gegen Tnkbaii Taus 2:0, Polaban Nimburg gegen SK Petrin-Pilsen 3:2. Sonstige Fußballergebniffe. Aussig: TFK gegen DSB Bensen 9:0.— Mariaschei n: VfB gegen VfB Teplitz 6:2.— Tschausch: SK Son» gegen Schwalbe Brüx 6:2.— Bodenbach: SpVg gegen Wacker Bünauburg 10:0.— Gablonz' BSK gegen SK Röchlitz 7:1.— Budapest: Bndai gegen Ujpest 3:0!, Ferencvaros gegen Budafok 6:1, Hungaria gegen Attila 4:0.— Wien: Admira gegen Vienna 2:2 12:0), WAC gegen Hakoah 5:0. — Paris: Frankreich gegen Belgien 3:0(1:0» — Marseille: Olympique gegen Jugoslavia Belgrad 4:1. Im„Wildwestgau" des DFB gab es am Sonntag bei zwei Spielen Prügeleien zwischen Spie» lern und Zuschauern. In Eger verprügelten sich beim Lokalspiel TSV—Sporrbrüder zwei Spieler vor den Augen des Gauobmannes Friedl(!), dem Schöpfer der„Reform" im DHV, welch« die Moral im deutschbürgerlichen Futzballspott auf ein würdigeres Niveau bringen soll. Ein DSV»SpieIer war nämlich gefoult worden; er übte selbst„Gercchiig- kcit", indepr er den Täter zu Boden warf unü würgte! Ra, und so was ist doch für di« Zuschauer im Egerland ein gefundenes Fressen... In Z w o d a u verprügelten Zuschauer einige Gäste- spieler nach dem Spiele, well ihnen das früher nicku gelungen war. Internationale Eiskunstlauf- Meisterschaften von Prag Im Prager Winterstadion fcmden Samsrag und Sonntag die internationalen Eiskunstlaufmeistcr- schasten von Prag statt. Am Samstag wurden die Junioren-Meisterschaften durchgeführr, welche unrer der Ungunst der Witterung, mehr aber noch unter chauvinistische Schiedsrichter litten. So wurde die Ungarin E r d ö s um den mebr als verdienten Sieg gebracht zugunsten der Pragerin Vera Hruba, welche lange noch nicht jenes Können besitzt, daS ihr eine geschäftstüchtige Reklame zusprechen will. Ter Vottrag der Pragerin, man sah es Sonntag noch deutlicher, wirk schwerfällig und ist ohne Inhalt. Ein gelungener Sprung oder Piroutte sind noch nicht ein Zeichen von Bollwertigkeit. Tie Kurzsichtigkeit nationaler Ueberheblichkeit von Schiedsrichtern hat denn auch bewirkt, daß die Ungarin sich äft der weiteren Konf kurrenz nicht beteiligte. Von den tschechoflowakischen Teilnehmern wies nur Sadilek ansprechendes Können auf, all die Mttgen samt der Hruba sind eigentlich nicht reif für internationale Bewerbe. Was aber sonst geboten wurde, besonders Sonntag abends bei der Kür, das enffchädigte überaus reichlich, obzwac die Zuschauer bei der„Bewertung" der Wienerin Stenuf den Richtern gegenüber durch Pfiffe ihren Umvillen beredten Ausdruck gaben. Ter Weltmeister Schäfer zeigte seine olympische Kür in glatter Ausführung, während der Londoner Profi Phil Taylor durch seine Sicherheit als Stelzenläufer imponierte. Bei den Männern siegte Kaspar(Wien) vor Wilson(Kanada) und Tettak(Ungarn); bei den Frauen Taylor (England) vor Hultän(Schweden), Steuf, Putzin- ger und Leiner(alle Wien). Das Paarlaufen gewann daS Wiener Geschwifterpaar P a u f i n, di« reichlichen inth verdienten Beifall erhielten, vor den Geschwistern Szekrenyessy(Ungarn).— Warum aber so minderwertige Eisläufer, wie jene aus dem DrittenReich, zugelaflen wurden, zeugt nicht für den gewünschten Wert der Veranstal» tung. Es hatte den Anschein, als ob diese nur deshalb gekommen seien, um in demokratischen Gefilden den neudeuffchen Geist durch Darbringung des„deutschen Grußes" zu verdolmetschen.-—n— Weltrekorde im Schwimmen. Der amerikanische Schwimmer Kiefer schwamm in Chicago die 150 Uards Rücken in neuer Wettrekordzeit von 1:32.3 Min.— Die Dänin Chrijensen erzielte über 100 Meter Brust mit 1:22.8 Min. einen neuen Weltrekord. Die kanadische Olympia-Eishockeymannschaft trug in P a r i s ihr letztes Spiel aus, wo sie ein Pariser Kanadier»Team mit 2:1 schlug. Vereinsnackrickten Heute, Dienstag. 8 Uhr abends im Patteiheim Konstituierung der Kreisleitung.— Mittwoch, den 11. März 1936, um 8 Uhr Gruppenabende: Holleschowitz(Kamenicffl): Pattei und Gewerkschaft. Zenttum (Liga): Kunst anders gesehen. Weinberge(Nürod- ni): Briefe aus RußlaM; Sonntag, den 15. März, findet unser siebenter roter Klubabend statt. Mitteilungen aus de« Publikum. Alles staunte, als zum ersten Male die neuesten Frühjahrsschuhe im Schaufenster erschienen. Sie find leicht, luftig und elegant. Bitte, probieren Sie diese unverbindlich in unserer Verkaufsstelle. d e ,8 ug sb edrngungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kä 16.—, vierteljährig K£ 48.—. halbjährig KC 96.—, ganzjährig KC192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retournrarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde Von der Post» und Tele- graphcndirektton mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:„CrbiS“. Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G. Prag.