Sosialdemokrat ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TAGLICH FRUH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 16. Jahrgang Undurchsichtige Lage Mittwoch, 11. März 1936 Ultimatum oder Verhandlungen? Jund zweitens hat Hitler eben bewiesen, daß er p Berträge grundfäßlich nicht zu halten gewillt ist. Die tragische Schuld Frankreichs In der Haltung Englands gegenüber den französischen Forderungen spielt sicher der bittere Ergebnislose Konferenzen Paris drängt, London zögert adhgeschmad eine Rolle, den die französische PoDer Dienstag hat keine Klärung, eher eine weitere Trübung der Lage gebracht. Frankreich zeigt sich über die Rede Edens und die Haltung des britischen Unterhauses verstimmt. Nur die Preffe der sozialistischen Linken billigt Edens Standpunkt. Die Rechtspresse schlägt heftige Töne gegen England an. Allgemein verlangt man scharfe Sanktionen und fordert den Lohn für die ,, Vertragstreue" Frankreichs im italienisch- abessinischen Konflikt, nicht bedenkend, daß La= vals Vertragstreue" so löcherig war, daß der Völkerbund und England gegen Mussolini nichts Entscheidendes zu unternehmen vermochten und daß zwangsläufig jene Situation entstand, in der sich Europa heute befindet. Unklar ist auch, welche Wendung der Konflikt mit Italien nehmen wird. Mussolini wird natürlich versuchen, mit seiner alterprobten Erpresſertaktik jetzt alles herauszuschla= gen. Andererseits empfindet man gerade in England noch immer, daß eine Kapitulation des Völterbundes vor Mussolini den Genfer Verband auch aller moralischen und rechtlichen Waffen ge= gen Hitler berauben würde. Paris.( Tich. P. B.) Ueber die Besprechung der Locarnomächte wird eine Verlauibarung ausgegeben, in der es nach Aufzählung der Delegierten heißt: ,, Bei der Eröffnung der Sitzung hat Außenminister Flandin die Vertreter der Unterzeichner- und Bürgenmächte von Locarno willkommen geheißen. Er hat darauf hingewiesen, daß die Konferenz einen Austausch der Nachrichten zum Ziele habe und die Lage fest= stellen solle, daß aber keine Entschließung vor geschlagen noch irgendeine Entscheidung getroffen werde, bevor der Völkerbundsrat zusam= mengetreten fei. Nachdem auf diese Weise das Verfahren festgelegt worden war, haben die einzelnen Vertreter ihre Auffassungen ausein= andergesetzt. Dieser Meinungsaustausch wird vielleicht am Dienstag abends in Paris, auf alle Fälle aber in Genf fortgesetzt werden, wo sich die Vertreter am Mittwoch wieder zusam= menfinden werden. reisen werden. Dienstag unt 20 Uhr 30 Minuten wurde der Presse folgendes Kommuniquee übergeben: ,, Bei der neuen Beratung der Delegier ten der Signatarstaaten des Rheinlandpaktes wurde vereinbart, daß die Beratungen Don nerstag in London fortgesetzt werden. Die britische Regierung hat den amtierenden Vorsitzenden des Völkerbundrates ersucht, daß die nächste außerordentliche Ratstagung gleich falls in London unmittelbar nach der Beratung der Signatarstaaten der Locarnoabkommen stattfinde." litit im italienisch- abessinischen Konflikt in Lon don hinterlaffen hat. Einzelpreis 70 Heller ( einschließlich 5 Heller Porto) Nr. 60 Die brüchige Volksgemeinschaft Sandner und Kasper rücken mit dem Kleistertopf aus Wären die Zeiten nicht so ernst und so schiver, so fönnten wir Sozialdemokraten uns Hätte Frankreich seinerzeit zugestimmt, den heute froher Genugtuung hingeben über die Sor Vertragsbruch Mussolinis im Keime zu ersticken, Vertragsbruch Mussolinis im Seime zu erstiden, gen und Schwierigkeiten der Sieger vom 19. Mai. so wäre Hitler gar nicht mehr zum Zuge gekom- Beide marristischen Parteien haben in der deutmen und wir hätten heute ein gesichertes Europa. schen Bevölkerung empfindliche Verluste erlitten. Aber noch in der jüngsten Zeit hat Frankreich vers Die Prediger der Voltsgemeinschaft ernteten sucht, Mussolini zu schüßen und es hat gerade einen großen Sieg. Doch nach einigen Monaten damit Hitler die Bahn an den Rhein freigemacht. schon melden sich die sozialen Lebensfragen Wir erfahren von einer sehr verläßlichen unserer arbeitenden Massen wieder laut zu Wort. und gut unterrichteten Stelle über die letzten Dif- Auch die proletarischen Henleinwähler wollen sich ferenzen zwischen London und Paris, die dem Coup Hitlers vorausgingen, das folgende: = . nicht länger mit leeren Worten abspeisen lassen. Sie fordern immer stürmischer die Einlösung der gegebenen Versprechungen. Sie wollen von der Führung Taten sehen. Im Paradies der Volksgemeinschaft sollten sich doch die sozialen Probleie von selbst lösen. Wenn Unternehmer und ein erheblicher Teil der Arbeiter und Angestellten endlich in einer Partei vereinigt sind wer hin dert sie denn, sich friedlich zu einigen über die Löhne und Arbeitsbedingungen, über Sonntagsruhe und Urlaube? Doch nicht die bösen ,, voltszersekenden" Marxisten! Die Henlein- Unterneh mer hätten es ja in der Hand, die Tätigkeit der freien Gewerkschaften illusorisch zu machen, ihre Arbeiter und Angestellten so gut zu behandeln, daß der Irrlehre" des Klassenkampfes dadurch der Teßte Todesstoß gegeben wird. Eden ist nach Genf mit der festen Absicht gekommen, die Del Sanktionen sofort Dienstag abends fanden am Quai d'Orsah durchzuführen. Die britische Regierung neue separate Beratungen der Signatarſtaaten foll nämlich infolge der jüngsten italienides Rheinlandpattes stait. Außenminister Flandin fchen Siege ernst befürchten, daß der Negus empfing eine belgische Delegation, hierauf den bald gezwungen sein könnte, einen sehr ungünitalienischen Botschafter, den polnischen Botschaf- ligen Frieden abzuschließen. Ein solcher Friede ter und Minister Eden mit den britischen Exper- würde jedoch einer direkten Belohnung ten. Es wird mitgeteilt, daß Anthony Eden und des Angreifers gleichkommen, was für die Lord Halifar, die nachts nach Genf abreisen soll- Völkerbundyolitik katastrophale Folgen haben ten, morgen früh mit dem Flugzeug nach London müßte. London ist jedoch nach wie vor überzeugt daß die Anwendung der Delsanktionen Italien in kurzer Zeit zu einem für den Völkerbund annehm baren Frieden zwingen würde. Auch sei man in London überzeugt, daß Roosevelt gegebenen falls imitande wäre, die amerikanische Delausfuhr nach Italien in wesentlichen lahm zu legen. das schöne Märchen von der Bolfsgemeinschaft im Warum zögern die Herrschaften so lange, Alle diese Erwägungen hat Eden sofort bei der ersten Unterredung Flandin mitgeteilt, zu seinem Nichts Schlimmeres könnte die Führung der SdP Sozialen Alltag Wirklichkeit werden zu lassen? großen Erstaunen sei er aber auf einen ihren sozialistischen Gegnern antum, als dies, starken Widerstand nicht nur seitens Flandins, täglich in der Presse lange Listen volksgemeinfondern auch des zweiten franzöfifchen Dele- schaftlicher Firmen zu veröffentlichen, die sich mit gierten, Paul Boncour, gestoßen. Flant- ihren Arbeitern und Angestellten zur beiderseidin habe die Befürchtung ausgesprochen, die An- tigen Zufriedenheit verglichen haben. Wie könnte wendung der Delsanktionen würden einen sofor- dann Herr Sandner gestützt auf solche tigen Austritt Italiens aus dem Böl- Beispiele gegen das ausbeuterische tschechische terbund nach sich ziehen. Eden hat, nach einem Kapital donnern! Unter ständigem Hinweis Telephonat mit Baldwin, den Vorschlag Flan- darauf, wie herrlich deutschen Arbeitern von deutdes verletzten Egoismus oder der verlorenen dins, vor der Anwendung der Delsanktionen noch schen Unternehmern geholfen wird, wäre die SdP Garantien für seine eigene Sicherheit. Keines einmal eine Friedensvermittlung zu versuchen, auch in der Lage, mit starter moralischer Begrünwegs. Frankreich wirft das Problem des tat- unter der Bedingung angenommen, daß vorher sächlichen Wertes von Verträgen, der allgemei- die Delsanktionen im Falle einer italienischen dung den Staat an seine sozialen Verpflichtungen zu erinnern. nen Garantie des Völkerbundpaktes für dessen Weigerung, auf Friedensverhandlungen einzn= Mitglieder, des treuen Festhaltens an untergehen, angedroht werden. Eden habe aber gezeichneten Verpflichtungen auf. Frankreich fordert, daß man einen sofortigen Waffen= wirft ferner das Problem der Herrschaft des it i II stand als Vorbedingung der Friedensverhandlungen verlangen folle. Der Rechtes vor jenem Rechte, welches sich die Gewalt anmaßt, auf. Die gewaltsame Verlegung Friedensvorschlag selbst sollte auf 48 Stunden bedes Regimes der demilitarisierten Zone tan- fristet werden. Aber auch diese Vorschläge ließen giert sicherlich unsere eigene Freiheit. Aber nach sich nicht durchsetzen, so daß Eden sich damit zu unserer Meinung bedroht sie weit ernster die frieden geben mußte, daß man den Unterausschuß Zukunft des europäischen Friedens, die Grund für Delsanktionen mit einer sofortigen Ausarbeitung des Planes ihrer Anwendung beauftragt sätze der Organisation der kollektiven Sicherheit hat. Außerdem soll es Eden gelungen sein, die und das Schicksal des Völkerbundes. europäischen ölproduzierenden Staaten, vor allem Delsanktionen zu gewinnen." USSR und Rumänien, für die Anwendung der Sarrauts Regierungserklärung Die Regierungserklärung, die von Sarraut! in der Kamme, von Debos im Senat verlesen wurde, war auf den Grundafford:„ Heiligkeit der Verträge abgestimmt". Sier liegt ja zweifelTog die Stärke der internationalen Position Frankreichs, das mit seinen eigenen Interessen zugleich ein Prinzip verteidigt, hier liegt aber auch eine gefährliche Schwäche der französischen Thesen, denn als im Vorjahr Mussolinials erster die Verträge zerriß und den Völkerbund immer non neuemblutig verhöhnte, war es Frankreich, war es mindestens Herr Laval, der immer neue Ausflüchte fand, immer neue Hintertüren öffnete, um der Sanktionspflicht zu entgehen, den Artikel 16 des Völterbundpattes harmlos auszudeuten und Mussolini einen möglichst hohen Ertrag seines Vertagsbruches zu sichern. Frankreich erntet jest, was Laval gesät hat. Sarraut ist flug genug, sich nicht so sehr gegen die Verlegung des Versailler Vertrages von dem er nicht spricht- als auf den Bruch des Locarnopattes zu berufen, der von Hitler in einer fast beispiellos zu nen= nenden Manier zerrissen wurde. Sarraut sagt unter anderem: In dem den Signatarstaaten übergebenen Memorandum und sodann in der Rede des Reichskanzlers Hitler hat sich die deutsche Regierung bemüht, diese Tat zu rechtfertigen, welche keine Nation zulassen fann, solange das Menschen= recht dauern wird, eine Tat, in wel= cher das Bestreben zutage tritt, ein fait accom= pli über die Respektierung frei abgeschlossener Verpflichtungen zu stellen. Ausführlich seßt sich Sarraut mit den deuts schen Angriffen auf die französischen Beistandspalte, insbesondere den Pakt mit der Sowjetunion auseinander. Er widerlegt die Behauptung Hitlers, daß diefe Patte im Widerspruch mit Locarno stünden. Frankreich sei aber bereit, die Patte dem Haager Gerichtshof 3u unterbreiten. Deutschland jedoch sei den Weg der Gewalt gegangen. Sarraut fährt fort: Frankreich stellt sich in dem gegenwärtigen Konflikt keineswegs auf den Standpunkt feiner Erklärung. Er wandte sich gegen Hitlers Sehr scharf wurde Sarraut gegen Schluß Methode, die Regierungen zu übergehen, und jagte: Reichskanzler Hitler, der wähnte, zum französischen Volke über das Haupt seiner Regierung hinweg zu sprechen, als ob die aus freien Wahlen des Volkes hervorgegangene französische Regierung nicht die Volkssouveränität verkörpern würde, hat uns damit Gele: genheit gegeben, uns gleichfalls an das deutsche Volk zu wenden. Wir fordern es im Namen seiner Kultur und der Tugenden seiner Rasse auf, über die neue Verantwortung nachzudenken, welche es vor der Geschichte auf sich nehmen soll und wir erklären ihm feierlich, daß wir niemals seine Freiheit oder seine Ehre aggresiv antasten wollten und es niemals wollen werden. Niemals haben wir daran gedacht, das deutsche Volf in einer weniger günstigen. Weise zu be handeln, als das Volk anderer Staaten. Endlich betonte Sarraut die Verhandlungsbereitschaft Frankreichs, lehnte es aber neuerlich ab, unter Drohungen zu verhandeln. Nichts von alledem geschieht. Weil es aber in den eigenen Reihen gärt und weil die verführten Arbeiter immer schwerer bei der Stange zu halten sind, muß die EdP- Führung wenigstens so tun, als ob" sie sich auch für soziale Fragen interessieren würde. Diesem Zwecke diente eine ,, gesamtstaatliche Arbeitertagung" in Tetschen, mit der wir uns bereits kurz befaßt haben. Nicht weniger als 1000 Standes- Bertreter" waren am Sonntag versammelt, doppelt soviel, als wir Sozialdemokraten auf einem Parteitag oder Gewertschaftskongreß zu vereinigen vermögen. Eine wahrlich imposante Tagung also, die geradezu von epochemachender Bedeutung hätte sein kön nen. Doch sie war es nicht. Vergeben 3 suchen wir in den Berichten der HenleinPresse die Beschlüsse, oder das schon seit zweieinhalb Jahren ausständige sozialpolitische Madrid. In Granada ereigneten sich in Programm der EdP. Statt einer klaren Wilder Nacht auf Dienstag schwere Zusammenstöße lenskundgebung der 1000 Standesvertreter finzwischen politischen Gegnern, die insgesamt zwei Todesopfer und 15 zum Teil lebensgefährlich Verletzte forderten. Blutvergießen in Granada ,, Kulturarbeit" den wir lediglich in der ,, Zeit" zwei magere Auszüge aus den Referaten der Herren Sandner und Kasper. Kasper weiß noch aus seiner auchgewerkschaftlichen Vergangenheit, daß man auf einer Arbeitertagung über Sozialpolitik reden muß. Also orakelte er: ,, Die Sozialpolitik soll mithel wird nicht unterbrochen Addis Abeba.( Reuter.) Die Hauptstadt fen, die bestehende Wirtschaftsordnung auf der Provinz Sidamo Erga Alem wurde Dienstag überzuführen." Wieso plötzlich so friedlich? Wo friedlichem Wege in eine erstrebte neue früh bombardiert. Etwa 20 Frauen wur= bleibt der Kampf gegen das„ raffende Kapital", den getötet und viele weitere Personen verden Kasper früher frisch- fröhlich gepredigt? lett. Die Stadt Erga Alem ist schon Montag Warum hören wir nichts mehr von der ,, Brechung früh einmal bombardiert worden. Der Versöhnungskurs" Wien.( Tsch. P.-B.) Im Laufe einer polizeilichen Razzia wurden zwei ehemalige OrganiMan legt Sarraut und Edens Erklärungen| fatoren des Republikanischen Schutzbundes verhaf in der Presse vielfach dahin aus, daß die Locarno- tet. Es handelt sich um Theodor Mal cher und mächte von Deutschland nicht die Räumung der Josef Did a; letzterer hatte seinerzeit in der rufRheinlandzone, wohl aber ein weiteres Verspre fifchen Noten Armee als Offizier gedient. Beide chen verlangen würden, die besetzte Zone nicht zu wurden nunmehr wegen Hochverrates verurteilt: befestigen. Das hieße natürlich, sich lächerlich ma- Malcher zu zwei Jahren und Dicka zu fünf Jahchen. Denn erstens ist die Zone bereits befestigt ren schweren Kerkers der Zinsknechtschaft"? Kasper ist als Bettgenosse der völkischen Kapitalisten sehr zahm geworden und doziert: Gegenwärfig( 1) verstehen wir unter Sozialpolitik vor allem die Wahrung der Interessen der Arbeitnehmer; denn durch sie entstand in erster Linie das Arbeits= recht, das alles einbezieht, was den Arbeitnehmer und seine Lebensverhältnisse betrifft. ,, Entstand" ist gut gesagt. Von den jahrzehntelangen heroischen Kämpfen um das soziale Recht des arbeitenden Menschen darf Herr Stasper nichts erzählen, sonst- müßte er dem verhaßten Marris Seit« 2 Mittwoch, 11. März 1938 Nr. SO MUS ein Hohelied singen. Kasper redete des weiteren über Achtstundentag, Sonntagsruhe, früheren Ladenschluß, Vierzig-Stundenwoche, ohne mit einem Wort zu verraten, was die sagenhafte Volksgemeinschaft dazu beigetragen hat, diese Errungenschaften durchzusetzen oder ihre Verbesserung zu fördern. Bedingt setzt sich Kasper sogar für die Vierzig-Stundenwoche ein und betont zugleich, daß sie ohne Lohnausgleich nicht in Frage komme. Wir sind freudig überrascht. Bon dem Sprecher einer Partei, die den größten Teil deL sudetendeutschen Unternehmertums in ihren Reihen hat, ist es allerhand. Herr Kasper hätte jedoch gleichzeitig eine Liste von Henlein-Fabri- ka nicn vorlesen müssen, die sich für die Vierzig- Siundenwoche ohne Lohnabzug aussprechen. Die Henlein-Arbeiter mögen die zustimmenden Beschlüsse d e r Vo 11 sgenossen Unternehmer urgier Ü n. Ohne dieses friedliche Entgegenkommen an die sozialen Forderungen der Arbeiter bleibt doch das arbeiterfreundliche Gerede auf solchen Tagungen eitel Schaumschlägerei. Zur Erheiterung unserer Leserschaft sei noch vermerkt, daß Kasper auch verlangt hat, das Genter System und die Ernäh- rnngsaltion müßten von allen politischen Ein- flüffcn befreit werden. Mit dem Ruf nach„Entpolitisierung" meint die SdP nämlich— siehe Voll»bilfel—, daß alle Fürsorgeaktionen ausschließlich unter ihren parteipolitischen Einfluß lomnten sollen. Zweiter Redner auf der Tagung war Herr Sandner. Hatte er den Mut, wenigstens einige kritische Worte an die Adresse des sozialreaktionären Unternehmertums zu sagen? Gab er darüber Aufschluß, auf welchem Weg« und mit welchen Mitteln die Volksgemeinschaft das soziale Recht des deutschen Arbeitsmenschen durchsetzen will? Mit nichtcnl Ein einziges anklagendes Wort gegen den Kapitalismus oder gegen die volksgenössischen Industriezerstörer vom Schlage Doderers würde dem Sandner sofort die bequeme Führerstellung kosten. Dafür wird er doch nicht bezahlt. Herr Sandner weih genau, was er seinen Hintermännern und Auftraggebern schuldig ist: den K ampfgegendiesozialdemo- kratische Arbeiterbewegung. Und so schwefelte er in gewohnter Art von der „historischen Schuld" der marxistischen Arbeiterparteien an dem sudetendeutschen Elend. Kein Wort wagt Herr Sandner gegen die unglückliche Wirtschaftspolitik der nordböhmischen Unternehmer, kein Wort gegen die Lohnabbauer, kein Wort gegen die planlose Rationalisierung, kein Wort gegen die systematische Jndustrieverschleppung durch deutsche Kapitalisten. Dagegen hatte dieser Renegat/ der selber allzu gern eine sozialdemokratische Parteistellung angestrebt hätte, die Stirne, zu sagen: „Verschärft. Wpde die unglückselig«.Wirkung. der deutschen marxistischen Politik durch innere Entartungund Verfall, denen im besonderen die deutsche Sozialdemokratie im Lauft der Jähre immer mehr verfiel. Ging doch die Führung der Partei nach dem Tode Seligers, Cermaks und Hillebrands in die Hände von Männern, die dem Sudetendeutschtum zum großen Teil volksmäßig nicht mehr verbunden find und längst schon die Fähigkeit verloren haben, sudetendeutsch zu fühlen, zu denken und zu handeln. War es in den ersten Jahren der blinde Glaube an das marxistische Dogma, der es ihnen unmöglich machte, eine wirkliche sudetendeutsche Arbeiterpolitik zu verwirklichen, so war eS später der unmenschliche Haß . gegen alle politischen Gegner im eigenen Volke. Im besonderen die deutsche Sozialdemokratie ist als Regierungspartei, die alle Angrifft gegen den materiellen Besitzstand deS Sude- tendeutschiumS während der letzten Jahre mitzu- verautworten hat, geradezu zum Totengräber für den sudetendeuschen werktätigen Menschen gewor- l” d e n." Nicht mehr und nicht weniger weiß dieser Sandner über die große geschichtliche Leistung der Sozialdemokratie zu sagen, über das sozial-kulturelle Aufbauwepk der freien Gewerkschaften, über die heroischen Kümpfe gegen Betriebsstilllegungen, die oft genug das Werk sudetendeutscher Unternehmer und reichsdeutscher Kapitalisten waren I Nicht die Doderers sind die Totengräber der sudetendeutschen arbeitenden Menschen, sondern die Sozialdemokraten, di« seit Jahren um jede Arbeitsstätte und um jedes Stück sozialer Fürsorge kämpfen. Ausgerechnet vom Herrn Sandner werden wir lernen, sudetendeutsch zu fühlen und das Vermächtnis eines Seliger, Ter- mak oder Hillebrand zu achten. Wahrlich, nichts Aergeres könnte den heutigen Führern unserer Bewegung zustoßen, als von einem Sandner gelobt zu werden! Tausend Delegierte waren also in Tetschen versammelt. Was sie Lachten, was sie sprachen und von ihrer Partei forderten, davon erzählt der Bericht kein Wort. Der Arbeiter hat doch in der SLP zu kuschen und zu zahlen. Man vergleiche damit den lebendigen Verlauf unserer Konferenzen und Tagungen. Wie da in offener, parteigenössischer Aussprache zwischen den Vertrauensmännern und der Führung alle Probleme geklärt, alle Aufgaben neu abgesteckt werden. Jede unserer Bezirkskonferenzen steht daher auf einem höheren geistigen und sittlicheu Niveau als diese„gesamtstaatliche Arbeitertagung" der SdP. Schon dieser Vergleich allein erfüllt jeden Sozialdemokraten mit froher Zuversicht über den schließlichen AuSgang des Duells zwischen ehrlicher Arbeiterpolitik und den scheinsozialen Schwindelmanövern der Volksgemeinschaft. Nicht vergebens sind zehn tausende von heutigen Anhängern Henleins durch die Schule der m a r x i st i s ch e n A r b e i t e r b e- wegung gegangen. Sie werden sich nichtdauern^d mundtot machen lassen. Sie werden sich schon noch zu Worte melden und ihren Verführern die Wahrheit über den kapitalistischen Betrug mit der Volksgemeinschaft ins Gesicht schreie»— so laut und so deutlich, daß es den Herren Sandner und Kasper die Red« verschlagen wird! Locarno-Debatte im Senat Prag. Die Ereignisse der letzten Tage auf außenpolitischem Gebiet fanden am Dienstag im Senat, der sich mit zwei handelspolitischen Vorlagen beschäftigte» ihren Widerhall. Eingeleitei wurde diese Aussprache durch den Kommunisten Wenderlich, der die Hitlerrede scharf kritisierte und die SdP unter dem lebhaften, Protest der anwesenden SdP-Senatoren als Handlanger und Nachbeter Hitlers bezeichnete. Der tschechische Genosse Jng. Winter hielt dann eine formvollendete und kluge Rede, in der er den tragischen Widerspruch zwischen den großen kulturellen Leistungen des deutschen Volkes und dem unersättlichen Streben nach der Weltherrschaft aufzeigft, das ihm alle Sympathien verscherze. Redner zeigt auf» wie Deutschland unter dem neuen System wahnsinnig aufrüstete und dadurch die anderen Staaten ebenfalls zu Rüstungen zwang. Nun scheine das Dritte Reich zu glauben, daß die Friedensfront schon so geschwächt sei, daß es die letzten Fesseln der Verträge abstreifen könne. Wer gerade einen Vertrag derart gebrochen habe, der sei kein verläßlicher Partner für künftige Verträge, auch wenn er sie selbst anbietet. Genosse Winter unterstreicht, daß unser Staat mit dem deutschen Volke, das zum großen Teile sicher auch friedfertig sei, in Frieden leben wolle; dazu müsse aber auch der gute Wille auf der anderen Seite vorhanden sein. Die Tschechoslowakei erwartet vom Völkerbund, daß er seine Psticht erfülle, diesen Fall eklatanter Vertragsverletzung aufgreife und alles tue, um einen neuen Krieg in Europa zu verhindern. Jnnerpolitisch müssen wir aus der gegebenen Situation die Nutzanwendung ziehen, einig zu sein, jedwede kleinliche Nadelstichpolitit zu unterlassen und alles für die physische und moralische Stärkung der breiftsten Volksschichten zu unftrnehmen; dazu gehöre vor allem auch, daß man nicht jetzt darangehen dürfe, den Leuten durch Aufhebung des Mieterschutzes das Dach über dem Kopf wegzunehmen. Jng. Weller(SdP) vermied eS, sich aufs außenpolitische Glatteis zu begeben, sondern begnügte sich mit der Verlesung eines Protestes gegen die angebliche Drangsalierung der Sude- tendeuffchen Bolkshilfe. Als er wieder von der Rot der Arbeitslosen anfing, wurden ihm von unseren Genossen und den Kommunisten die Hungerlöhne vorgeworfen, die die Volksgenossen- Unternehmer zu zahlen pflegen. So wurde ihm zugerufen:»Erzählen Sie das der FirmaKiesewetter, an der Sft beteiligt sind, die eine Krone Stun- d e n l o h n zahlt!"„Fünf Kronen Landhilfc die Woche!" etc. Auch die Referentin Plaminkova fertigte im Schlußwort die Spötteleien des SdP« Redners über die fehlende Demokratie und Humanität sehr treffend ab und schloß sich dem Frie- densappell des sozialdemokratischen Redners an. Diese Aussprache ging im Rahmen der Debatte über das Handelsabkommen mit Ungarn vom 14. Juni 1935 und über das Abkommen nut Deutschland betreffend die Zollbegünstigungen für Perlmutterknöpfe vor sich, die beide angenommen wurden. Zum Schluß gab es noch ein heiteres Intermezzo, als der amtierende Vizepräsident Doktor Bas(Gew.-P.) einen Antrag der Nationalen Vereinigung, daß der Außenminister in der nächsten Plenarsitzung ein Expose erstatte, irrtümlich als angenommen erklärte, obwohl sich kaum ein paar Hände dafür erhoben hatten. Auf seinen Irrtum aufmerksam gemacht, ließ er sich ex vrä- sidio auch noch in Diskussionen mit Zwischen« Hodias Wiener Konferenzen Das österreichische Kommunique Wien.(Tsch. P.-B.) Ueber die bereits abgeschlossenen Verhandlungen des Vorsitzenden der tsche- choflowakischen Regierung Dr. Hodja in Wien wird folgendes verlautbart: Der zweitägige Aufenthalt des tschechoslowaki- scheu Ministerpräsidenten Dr. Hodja in Wien bot den Chefs der beiden Regierungen reichlich Gelegenheit, die Besprechungen fortzusetzen, die anläßlich der vor einigen Wochen erfolgten Zusammenkunft zwischen Bundeskanzler Dr. Schuschnigg und dem Ministerpräsidenten Dr. Hodja in Prag stattgefunden haben. Insbesondere wurde das Ergebnis der Handelsvertragsverhandlungen gemeinsam geprüft und festgestellt, daß diese Besprechungen nunmehr zur Abschlußreife gediehen find, nachdem einige offene Punkte zur Gänze bereinigt werden konnten. Bei diesen in freundnachbarlichem Geiste geführten Verhandlungen, die mit dem Ziel einer gegenseitigen Ausweitung des Verkehrs geführt wurden, ist im Sinne der Empfehlungen der Konferenz von Stresa der Präferenzgedanke angewendet worden. Der Niederschlag der bezüglichen Vereinbarungen wurde in einem Prowkoll niedergelegt, das beide Regierungschefs unterzeichnet haben. Im Rahmen deS Vertrag-Werke- wurden auch verschiedene andere Fragen; dir nicht unnitttrlbar den reinen Handelsverkehr betroffen, näher geregelt, darunter die Frage des Fremdenverkehr-. Weiter wurde zwischen den beiden RegftrungSchefS vereinbart, daß am 81. Mai 1986 ablaufende Vergleichs« und SchiedSge« richtSvertrag zwischen Oesterreich und der Tschechoslowakischen Republik zeitgerecht durch einen neuen Vergleich-- und Schiedsgerichtsvertrag ersetzt werden wird, der den in dieser Materie in der letzten Zeit erzielten technischen Fortschritten Rechnung tragen und in seiner Einleitung den freundschaftlichen Charakter der Beziehungen, die zwischen den beiden Staaten bestehen, zum Ausdruck bringen wird. Die beiden Regierungschefs haben ferner grundsätzlich vereinbart, Verhandlungen zum Abschluß eines Kulturabkommens, wie solche Oesterreich und die Tschechoslowakei bereits mit mehreren Staaten abgeschlossen haben, ehestens zwischen den beiderseitigen zuständigen Stellen aufnehmen zu lassen. Im Verlaufe der Besprechungen wurcke selbstverständlich die allgemeine internationale Lage gründlich erörtert und in besonders eingehender Weise die in der letzten Zeit im Vordergründe der öffentlichen Diskussion stehende Frage der Organisierung des Donauraume S geprüft. Hiebei wurde einvernehmlich als wünschenswert bezeichnet, daß vor allem eine immer weiter fortschreitend« Annäherung der Staaten der Kleinen Entente und der Signararstaaten des Rom« Paktes auf wirtschaftlichem Gebiete angestrebt werde. Hiedurch würden nach Auffassung der beiden Regierungen auch bedeutsame Fortschritte in politischer Hinsicht erhofft werden können. * Der„Petit Parisien" bringt ein Interview mit Schuschnigg, in dem der Bundeskanzler sich mit größter Reserve über die Donau-Pläne HodZas ausspricht. Die Grundlage jeder mitteleuropäischen Kombination seien die römischen Pakte, der italienische Markt sei für Oesterreich wichtiger alS jeder andede und nur schritweise könne eine Annäherung der kleinen Staaten im Dpnauraum erzielt werden. Das klingt, wie übrigens das Kommunique auch, nicht gerade ermutigend für die Anhänger einer konstruktiven Politik im Donauraum. Es beweist, daß sich Oesterreich wieder ganz auf der mussolinischen Linie befindet. Dabei soll nicht verschwiegen werden, daß die Schuld an der ungünstigen Entwicklung nicht allein auf feiten Oesterreichs gesucht werden kann. Es ist bekannt, daß die Idee Hodzäs auch innerhalb der Kleinen Entente auf sehr heftigen Widerstand gestoßen fft und daß man in Belgrad diesmal L i e b e n S d i e n st e für Mussolini— also in weiterer Linie auch für Hitler— geleistet hat MÄNNER, I UND WAFFEN I I Roman von Monfred Georg| Copyright by Dr, Manfred Georg, Präs „Ich liebe es nicht," sagte sie endlich eine- Tages,„daß man sich in meine privaten Dinge mischt. Daß Du nicht darauf kommst, daß Mar- dricr Dich angelogen hat, begreife ich nicht. Warum sollte er vor Dir nicht einen kleinen Bei- fchlafSdiebstahl fingieren? Eine Tänzerin, die einfach heraufkommt, wenn«in Mann eS ihr befiehlt, warum soll man der dieses ganz gewöhnliche Delikt nicht zutrauen? Aber Du glaubst, daß ich ihm die paar Briefe gestohlen habe?! Er wollte Dich doch sicher nur kränken, noch mehr kränken, als er es schon getan hat. Vielleicht ist er eifersüchtig." Eine Zeitlang glaubte Schumann aus Bequemlichkeit a» diese Aufklärung. Dann aber fiel ihm daS unverstellte Gesicht deS von der Kalte HaydkeS sexuell Geprellten, der obendrein noch bestohftn worden war, als absolut echt ein. Gleichzeitig ärgerte er sich, daß er Haydke mit diesen Fragen nicht in Ruhe ließ. Es ging ihn ja wirklich nichts an. Von diesen Zwischenfällen abgesehen, verflossen die Riviera-Tag« in einem Taumel, der ihn vollkommen auflöste. Als sie auf dem Bahnhof von Nizza standen, um über Marseille zu HaydkeS Mutter zu fahren, sah er zufällig in den Spiegel eines Reklame-Automaten. Straff und gebräunt blickte er sich daraus entgegen, Und wenn nicht das schon ergrauft Haar gewesen wäre, hätte er geglaubt, er sei noch der junge Leutnant Werner Schumann, der mit ge« schmeidigen Knien und wehendem Jungenshaar in die Garnison Graz eingczogen war. Die Glocke an der Tür des kleinen Ladens gab einen scharfen Klick, als Schumann und Haydte den Geschäftsraum der Frau Nazario betraten. Auf einem langen, ziemlich primitiven Tisch, von dessen Vorderseite eine Anzahl bunter Plakate herabhingen, die Bananen, Liköre, Sardinen und einen Sommer in Tunis propagierten, lagen Früchte und Büchsen, Stapel von Ansichtskarten, Badeanzüge, Angelgerät wirr durchein« ander gehäuft. Links erhoben sich aus dem Durcheinander wie trotzige Türme fünf riesige, bauchige, mit bunten Bonbons gefüllte hohe Gläser. Es war ein sehr provisorischer Laden. Man hätte ihn über Nacht zusammenpackey können samt den Regalen, die sich an seinen Wänden hinzogen, und in denen Dutzende der verschiedenartigsten Verkauf-gegenstände in Unordnung aufgestapelt waren. Etwas Ordnung zeigte nur die Abteilung: Liköre und Spirituosen. Ein Tablett mit vielen Gläsern, das auf einem Tischchen gleich iwben der Tür stand, verriet die Möglichkeit, hier sofort auch einen Aperitif nehmen zu können. Der Boden war mit Sand bestreut, und obwohl die schrägen Jalousien draußen her» untergelaflen waren, strömte das Sonnenlicht durch das Glas der Tür und des großen Fensters in Schwaden herein. Erstaunt sahen sich die beiden Besucher um. Der Raum schien verlassen. Aber nein, hinter dem Ladentisch stieg eine Rauchwolke empor. Gleich darauf tauchte der Kopf einer zierlichen, brünetten Frau auf, die, ohne eine dicke Zigarre aus dem Munde zu nehmen, nach dem Begehr fragte. Dann stemmte sie die Fäuste in die Hüften und stieß einen eüvas heiseren Laut des Staunens aus: „Meldest Du Dich auch einmal wieder! TaS ist ja nett, daß Du mich nicht vergißt!" Frau Amelie kam auS ihrem Versteck, in dem sie auf einem Liegestuhl nachmittäglich vor sich hingebrütet batte, hervor. Sie trug ein ganz 'dünnes, in der Hüfte von einem roten Gürtel gkschnürtes Bastkleid, das den Hals, makellos und ohne Falten, ganz fteiließ. Auch die Aer- mel waren kurz und Schumann bewunderte die unversehrte Haut und straffe, ja fast jugendliche Eleganz dieses sicher schon dem fünften Jahrzehnt gehörenden Körpers. Sie war viel zierlicher als Haydee. Das Gesicht lief mit allen Linien zu dem großen, stark geschminkten Mund hin. dessen kräftige Zähne von einem leichten hellen Rauchgelb überzogen waren. Das krause Haar ging buschig nach hinten, um schließlich von einigen querliegenden Lockendämmen gebändigt zu werden. Der flinke Blick schätzte Schumann rasch ein und erriet sofort das nahe Verhältnis des Mannes zur Tochter. Frau Amelie begrüßte den ihr vorgestellten Rittmeister kurz und freundlich, hing dann ein Schild„Geschlossen" vor die Pforte und lud zum Sitzen ein. Bei den Erzählungen Haydees, die meistens von ihren Erlebnissen als Tänzerin handelten und es sehr kunswoll verstanden, die neugierigen und etwas indiskreten Zwischenfragen Frau Anftlfts nach der Zukunft und dem Begleiter immer wieder abzulenken, bewahrte Frau AmKie trotz ihres Interesses immer eine Distanz, die zeigte, daß die Tatsache, daß ihre Tochter da saß, fiir ihre Beteiligung nicht absolut maßgebend war. Trotzdem sie sehr viel trank, wurde sie nicht senttmental. Als Haydee geendet hatte, sagte sie kurz:- „Ja, aber was willst Du hier? Der Laden geht schlecht. DaS war doch ein großer Umweg auf der Reise. Ich möchte jetzt bloß wissen, was du für Hintergründe hast!" Sie war sehr schwer davon zu überzeugen, daß nur Anhänglichkeit der Tochter und Schumanns Laune die Ursache des Besuches waren. Als sft das aber begriffen hatte, wurde sft geradezu fröhlich. Sie streichelte Haydee, holte eine neue Flasche und begann nun ihrerseits loszulegen. Von dem Leben hier am Ort, den englischen Malern, die in der Saison herkamen, von einem gewissen Antonie, Kapitän eines kleinen Küstendampfers, der zwischen Marseille und Port Bou auf Pendelfahrt war und manchmal ihretwegen hier auf eine Urlaubsnacht herüberkam, von ihren kleinen Schmuggelgeschäften» die ihr beinahe einmal die Entziehung der Schankkonzession gebracht hatten und von einem deutschen Professor, einem kahlen, kleinen Manne mit Goldbrille, der eine ganze Saison lang jeden Tag zu ihr gekommen w^r. „Du bist verliebt in ihn gewesen, Mutter?" „Merde," entgegnete Frau Amelie und spuckte den Kern einer Kirsche, die sie mit einem Stäbchen aus einem großen Kognak-Glas holte, in die Ecke.„Er hatte mal herausgekriegt» wer meine Vorfahren waren und daß ich noch Lieder wußte aus sehr alten Zeiten. Da ist er hergekommen und hat sich das iinmer alles ausgeschrieben. Mir kam das zu dumm vor. Eines Abends habe ich ihn besoffen geinacht und geküßt. Er hatte so eine zarft, Weiße Haut. Wer es ist ihm nickt gut bekommen. Zwei Tage ging er herum wie seekrank. Ein armer Narr." Sie beugft sich warnend zu Schumann hinüber: „Die Europäer können nichts vertragen. Sie haben ja auch ganz kleine Augen!* In der Tat hatten Rauch und Alkohol, die Hitze in dem geschloffenen Raum, der betäubende Geruch der Früchte und der rasche, rauhe Tonfall Frau Änftlies, der gleichförmig an sein Ohr schlug, ihn ein wenig müde gemacht. Haydäe verteidigte ihren Geliebten. Wer Amelie lehnte sich weit in ihrem rohrenen Stuhl zurück und rief: «Man frißt oder man wird gefreffen, mein Herr. Wenn Sie Haydee fressen, werde ich sehr böse sein, denn sie ist zu einer großen Karriere bestimmt. Das spüre ich. Und wenn sft Sie frißt, dann tun Sie mir leid, dann wird nickt viel von Ihnen übrig bftiben!" .(Fortsetzung folgt.)! FRAUEN Nr. 60 Mittwoch, 11. März 1936 Seite 3 fudetendeutscficr Xcifepiegef rufern ein, die eine Annullierung des einmal verkündeten Abstimmungsergebnisses nicht zulassen wollten, was ziemliche Heiterkeit auf allen Seiten hervorrief. Endlich erhielt Dr. Bas von dem Senatssekretär das erlösende Stichwort, daß die Abstimmung nochmals, und zwar durch Erheben der dafür Stimmenden, zu wiederholen sei. Dabei ergaben sich ganze neun Stimmen für die Annahme. Nächste Sitzung Mittwoch, den 11. d., urr. halb elf Uhr. Sechs Jahre Konzipientenpraxis Im Senat wurde von der Regierung ein Gesetzentwurf vorgelegt, durch den»einige Bestimmungen über die Advokaten" abgeändert tverden. Der Motwenbericht weist darauf hin, daß eine Advokatenordnung zwar schon so bald wie möglich vorgelegt werden soll, doch erweist sich vorher eine Regelung der dringendsten Fragen als notwendig. Dazu gehöre vor allem die Frage der Verlängerung derKonzipien- tenpraris. Die Vorlage hält die Mitte zwischen den bis 1922 geltenden sieben Jahren Borpraxis, die von der ständigen Delegation der Advokatenkammer neuerlich verlangt wird, und den bereit geltenden fünf Jahren. Die Verlängerung auf sechs Jahre juristischer Vorpraxis wird aber erst für jene Advokaturskandidaten gelten, die nach dem Tage des Inkrafttretens des Gesetzes um Aufnahme in das Verzeichnis der Advokaturskandidaten ansuchen. Die bereits in Stellung befindlichen Konzipienten werden also nicht betroffen. Von den sechs Jahren müssen mindestens fünf bei einem Advcckaten verbracht sein; die Rechtspraxis bei Gericht, bei der Staatsanwaltschaft, bei einem Notar oder bei einer Verwal- tungs- oder Finanzbehörde wird insgesamt höchstens mit einem Jahre angerechnet. In welchem Umfange die Borbereitungszeit jenen verkürzt wird, die den militärischen Präsenzdienst geleistet haben, bestimmt die Regierung im Verordnungswege. Ferner wird die fakultative Einführung einer autonomen Jnvalrditäts- und Altersversicherung im Rahmen der Advokatenkammern ermöglicht, ohne datz hiedurch jedoch die Selb- ständigenversicherung oder die Penfionsversiche- rung der Privatangestellten berührt wird. Als Grundstock für diese Altersversorgung haben di« Advokaten aus ihren Einnahmen als Konkursoder Ausgleichsverwalter fünf Prozent ihrer Advokatenkammer abzuführen. Weiters wird die Zahl der Mitglieder der Disziplinarrät« erhöht und der Tätigkeitsbereich der bisherigen Ad- «okatenkammer in Turx Sv. Martin auf die neuen Advckatenkammern in Pretzburg und Ka- schau aufgeteilt. Die Zahl der Pensionsversicherten im Vorjahr gestiegen— Ebenso die Summe der Beiträge Die Verwaltungskommission der Mgemeinen Pensionsanstalt hielt dieser Tage ihre erste Sitzung im heurigen Jahre ab. Nach dem vorgelegten statistischen Bericht betrug am 1. Feber 1936 die Zahl der Pflichtversicherten(ohne die freiwillig in der Versicherung fortfahrenden Personen) 330.224 gegenüber 316.624 am 1. Feber 1936. Der Zuwachs beträgt also 13.600, während der Zuwachs am 31. Jänner 1935 gegenüber dem I. Feber 1934 nur 8423 betrug. An Beiträgen wurden im Jahre 1935 vorgeschrieben 472.067.550 XL, um 24,637.999 XL mehr als im Jahr« 1934. In diesem letztgenannten Jahre tvaren die gesamten vorgcschriebenen Beiträge um II, 170.228 XL kleiner als im Jahre 1933. An Renten nach dem Gesetz aus dem Jahre 1929 zahlte die Allgemeine Pensionsanstalt im Vorjahre insgesamt 354,568.001 XL, um 38,680.937 XL mehr als im Jahre 1934. Die Steigerung im Jahre 1934 betrug gegenüber 193o 46,452.374 XL. Nutzendem wurden im Vorjahre an Renten nach dem Gesetz über die nichtversicherte Dienstzeit 68,521.884 XL ausgezahlt, um 3.852.706 XL mehr als im Jahre 1934. AuS diesen Daten geht hervor, datz auher der Versichertenzahl im vergangenen Jahre zum ersten Male seit dem Ausbruch der Krise mich die vorgeschriebenen Beiträge, die im Verhältnis zu den gemeldeten Gehältern stehen, gestiegen sind. Landwirtschaftliche BezirkSvorschusikaffen dürfen Bankgeschäfte tätigen. Die Regierung hat dem Senat einen Gesetzentwurf vorgelegt, durch welchen das Gesetz 128/24 über die landwirtschaftlichen Bczirksvorschutzkasien abgeändert wird. Der Wirksamkeitsbereich der Borschutzkasta wird auf alle Bankgeschäfte ausgedehnt und die bisherige Beschränkung der Einlagengreitze ans das Sechzigfache deS eigenen Kapitals beseitigt. Außerdem ' wird die Revisionstätigkeit des LandesausschusseI auf den Pflichtverband der landwirtschaftlichen Bezirksvorschutzkassen übertragen; dem Landes- ausschuß bleibt die Oberaufsicht belassen. Das Auf- sichtSrecht der Bezirksausschüsse wirh wesentlich begrenzt; dafür entfällt ihre Beitragsleistung zu den mit der Revision des Landesausschusses verbundenen Kosten. Die Direftoren der AmtSstellen A und B der Allgemeinen Pensionsanstalt in Prag, Dr. W. Preitzig und W. Fischer, sind in den Ruhestand getreten. An ihre Stelle wurden Dr. Silvester Hipp- mann(Amtsstelle A) und Dr. Anton Einhorn .(Amtsstelle B) ernannt. Patscheiders Verteidigungsrede Mährisch-Ostrau.(Tsch. P.-B.) Im Patscheiderprozeß ergriffen heute vormittags die Hauptangeklagten Dr. Patscheider und Lamatsch zu ihrer Verteidigung das Wort, unt die Plädoyers ihrer Verteidiger zu ergänzen. Es war dies gewissermaßen ihre politische Beichte. In einstündiger Rede hob Dr. Patscheider hervor, daß seine öffentliche Tätigkeit zu 90 Prozent kulturellen Charakters war und nur zu zehn Prozent der Politik galt. Die Politik der deutschnationalen Partei war ihm zu oberflächlich, weshalb«r auf dem Kongreß in Znaim u. a. eine Programmänderung im Sinne der bedingungslosen Anerkennung des tschechoslowakischen Staates forderte. Sodann sprach Patscheider über den„S o n d e r b e f e h l", in den er nur einen DiSkussions gegen st and sieht. Er war für eine neue Freiheit der politischen Verhältnisse in Mitteleuropa, aber nicht unter großpreußischer Hegemonie, er war vielmehr für eine mitteleuropäische Gesellschaft fteier Völker. In diesem Sinne legte er dar, daß er„Paneuropa" ein auch auf Rußland gestütztes„Jnnereuropa" gegenüberfiellte. Gegenüber den Beschuldigungen der Anklage wendet sich Dr. Patscheider dagegen, daß er nach außen hin anders gehandelt hätte, als nach innen. „Ich war nicht und bin nicht ein Heuchler. Vielleicht wird mir vorgeworfen werden, daß ich zu blöd war, daß ich mich für die Schaffung eines tschechssch-deutschen realistischen Verbandes eingesetzt habe, wofür ich jetzt auf der Anklagebank sitze. Ich sitze jedoch mit Recht hier, weil meine Konzep- tion nicht verstanden wurde". Dr. Patscheider sagte, sein Streben sei eS gewesen, eine Kulturpolitik ohne Rücksicht auf die Staatsgrenzen zu betreiben. Er sei mit jedem guten Tschechen und jedem guten Zionisten gut aus» gekommen. Er sei ein geistiger Revolutionär und schätze Herder als sein Vorbild. Für feine Grundsätze werde er unerschrocken weiterkämpfen. Er bedauere es nur, wenn dieser Prozeß die Kluft zwischen den Tschechen und den Deutschen, die er überbrücken wollte, vertiefen sollte. Er erinnert daran, daß auch für die Sudetendeutschen seft jeher die Wenzelskrone das gleiche Mysterium bedeutete, wie für die Tschechen. Er erwarte, daß es unter der Wenzelskrone zu einer Verständigung der Tschechen und Deutschen kommen werde. Er wolle bei einer besseren Zukunft der./Ostdeutschen" und der„Westslarven" auf der Wacht stehen. Er erwarte, daß er beim Gepicht Verständnis finden werde, er verlange von ihm nur daS Recht. Hierauf hielt Lamatsch eine zweistündige Rede. Er sagte u. a., er habe den Mut gehabt, die Dikta- tur zu verurteilen upd sich zur Demokratie zu bekennen. wofür er dann angefeindet wurde. Er behauptet, er habe seine Rede über den Teschener Korridor, die er in Ratibor hieft, vorher den tschechoslowakischen Behörden zur Genehmigung vorgelegt. Er verwies dann auf seine Arbeit für die Tschechoslowakei im Jahre 1919 während des Plebiszits. Er habe, wie er sagte, die Brücken hinter sich abgebrochen und habe seine Existenz vernichtet, nun aber verlange er, datz seine Arbeit anerkannt und daß er nach 900 Tagen Gerichtshaft rehabilitiert werde. Preßberlchtlsuns betreffend den in Nr. 52 unseres Blattes vom 1. März 1936 erschienenen Artikel„Arbeiter. Arbeiterinnen, nochmals herhörenl SdP-Landes- vertreter Helzel, der den Blumenarbeiterinnen seit neun Jahren den Lohn schuldig ist, vom Kreisgericht in Böhm.-Leipa wegen Veruntreuung verurteilt!" Es ist unwahr, datz Helzel in einem Strafverfahren beim Kreisgericht in Böhmisch-Leipa wegen Veruntreuung verurteilt und zum Schadenersatz verhalten wurde. Wahr ist vielmehr, datz Julius Helzel von der Anklage wegen des Verbrechens der Veruntreuung vollkommen freigesprochen wurde. Unwahr ist auch, datz Helzel von der Firma Johann Schindler den gesamten Lohn für die Hausarbeiterinnen im Voraus erhielt. Wahr ist vielmehr, datz er teilweise nicht den gesamten Lohn ausbezahlt erhielt, weil auf ein von der Firma Johann Schindler ihm gegebenes Darlehen Abzüge vorgenommen wurden, noe: » Julius Helzel (folgt die Unterschrift des Rechtsanwalts Dr. Kreiß!). Bodenbach, am 3. März 1936. Die oben abgedruckte Presseberichtigung entspricht dem Gesetz und mutz deshalb von uns veröffentlicht werden. An dem Wesentlichen, um das es im Fall Helzel geht, nämlich daran, datz dieser S d P- Volks v e rtr et e r seit neun Jahren armenBlumenarbeiterinnen den Lohn schuldig ist. ändert diese Berichtigung nichts und Hert Helzel unternahm ja auch gar nicht den Versuch, dieses moralisch, sozialund politisch entscheidende Faktum zu berichtigen. Herr Helzel berichtigt nur zweierlei: er ist nicht verurteilt, sondern freigesprochen worden. Tatsächlich haben wir jetzt erheben lassen, datz ! Helzel zwar wegen Veruntreuung angeklagt war, laber freigesprochen und nur zum Schadenersas 1 verpflichtet wurde. Unsere Leser erinnern sich daran, daß unsere frühere Behauptung der Verurteilung sich auf eine vom Bezirksgericht Schluckenau legalisierte Aufschrift eines Briefes stützte, den der Chef der Firina Schindler, Johann Schindler, unterfertigt hatte. Gewissenhafter konnten wir auch in diesem Fall nicht vorgehen; mit einem legalisierten Irrtum konnte man nicht rechnen. Was aber den zweitenPassus der Berichtigung anlangt, so bestättgt er ja nur, datz Helzel„testweise" den gesamten Lohn auSbe- zahlt erhielt, während er selber eben ordnungsgemäß an ihn abgelieferte Ware armen Arbeiterinnen nicht bezahlte. Deswegen wurde er ja auch zum Schadenersatz verurteilt; aber er hat ihn unseres Wissens bis heute nicht geleistet. Bleibt also das Urteil über ihn in vollem Umfang bestehen. Und auch das Urteil über die SdP, die solchen Mann mit den„feinen Sachen auf dem Kerbholz" deckt und in Amt und Würden beläßt! Wichtige Fräsen der Industrieansestellten bildeten den VerhändlungSgegenstand der gesamtstaatlichen Tagung der Fachgruppe Industrie im Allgemeinen Angestellten- Verband Reichenderg am 8. März. Rach einem zündenden EröffnungS-Sprechchor der Reichenberger Jugendgruppe deS Allgemeinen Angestell- ten-Verbandes entbot der Fachgruppenvorsitzende VerbandSobmann-Stellvertreter Pfahl, den zahlreichen Vertretern und Gästen herzlichen Willkom- mensgrutz, worauf Abg. Maronn als parlamentarischer Angestellten-Bertreter und im Namen des Deutschen Gewerkschaftsbundes eine gehaltvolle Ansprache an die Tagung richtete. Der Fachgruppensekretär Wagner gab zu den umfangreichen gedruckten Berichten der Fachgruppe und ihrer einzelnen Sektionen(Textil-, Metall-, Porzellan-, Gas-, Eleftro-, Wasser«, Chemische und Bau-Industrie) eingehende mündliche Ergänzungen, wobei er sich auch mit der durch die Syndizierungsmaßnahmen gekennzeichneten jetzigen EntwicklungSphase der Wirtschaft und Gesetzgebung beschäftigte. . Die Stellungnahme zur Syndizierungsfrage erörterte der Berbandssekretär G r ü n z- n e r in einem sich mit allen Einzelheiten befassenden und die verschiedenen Auswirkungen beleuchtenden Vortrage. Die Schlußfolgerungen aus seinen Darlegungen faßte er in einer von ihm beantragten Kundgebung zusammen. Dem Bortrage folgte Scharfe Maßnahmen gegen den Jevtit-Klub General Zlvkovtt pensioniert Die jugoslawische Regierung hat im Zuge der Untersuchung gegen die Urheber des Attentats in der Skupschtina eine Reihe von Abgeordneten des JevttL-Mnbs verhaften lassen. Einer der Beschuldigten, Tasa L i n i L, ist nach Prag geflohen. Die Skupschtina hat die Auslieferung der Abgeordneten beschlossen, die der Mitschuld an dem Attentat verdächtig erscheinen. ArnautoviL soll ei» Geständnis abgelegt haben. Bei Jevtiä fand eine Hausdurchsuchung statt, deren Ergebnis noch nicht bekannt ist. Interessant ist, daß General Z i v k o v i e in den Ruhestand versetzt und nach Pirot verbannt wurde. •8» Mit Zivkoviä scheidet— vorläufig—«in Mann aus dem polittschen Leben, der in der Geschichte Serbiens und der Südflawen eine schicksalsschwere Rolle gespielt hat. Er war einer der Haupwerschwo- venen vom Jahre 1903 und hat an der Eruwrdung des Königs Alexander Oberenoviä und der Königin Draga tätigen Anteil gehabt. Er stieg dann unter den Nutznießern des blutigen Putsches, der neuen Dynastie Karageorgeviö, rasch zu hohen würden und Ehren. Dabei trennte er sich von seinen Mu- verschworenen vom Sommer 1903. Gegen die sogenannte Schwarze Hand des Dragutin Ditrijeviö, genannt Apis, den Bund„Einigung oder Tod", schuf er die Weiße Hand, einen königstreuen, zur Politik Pastös stehenden Offiziersbund. Nachdem er ini Weltkrieg hohe Kommandos geführt, an der Beseitigung der Schwarzen Hand und endlich an der Schaffung des grobserbischen Staates teilgenommen hatte, trat er wieder in den Mittelpunkt der großen Polittk, als König Alexander am Dreikönigstag 1929 die Verfassung suspendierte und eine Militärdiktatur einrichtete. Zivkovis war der leitende Gei st dieser Diktatur und blieb bis in di« jüngste Zeit eine der wichtigsten Säulen jeder Regierung. ES scheint, daß er sich mit Jevtiö gegen Stojadino- viö verschworen, vielleicht auch gegen den Prinzregenten intrigiert hat. Ole Unruhen In Polen Warschau.(Tsch. P. B.) In dem Städtchen Przetyk bei Radom kam es Dienstag zu Zusammenstößen zwischen größeren Gruppen von Exzedenten, die antisemitische Ausschreitungen veranstalteten, und der jüdischen Bevölkerung. In dem Kampfe, der sich zwischen den beiden Parteien entspann, wurden-beiderseits Revolverschüffe gewechselt. Ein C h r i st und ein Jude j wurden getütet. Auf beiden Seiten gab es I zahlreiche Verletzte. eine Wechselrede, worauf die von ihm beantragte Kundgebung einstimmig angenommen wurde. Sodann erfolgten ReMvahlen. Achtzehnmal vorbestrafter SdP- Mann beim Einbrechen ertappt Dieser Tage in aller Herrgottsfrüh wurde bei einem Kaufmann in Neuern eingebrochen. Als Täter tvurde der bekannte, achtzehnmal vorbestraft; SdP-Mann Andreas Siebert festgesrellt, der noch wenigs Tage vorher für die SdP Flugblätter ausgetragen hatte. Die Hausdurchsuchung bei Siebert ergab einen Koffer voll der diversen Wahlflugblätter der Henleinpartei und ein im Koffer innen angebrachtes Hitlerbildnis... Mißlungene Entführung. Aus Karlsbad wird uns gemeldet: In Wehedih hatte dir Eisen- bahnersftau Krejicka ein aufregendes Abenteuer zu bestehen. Als sie abends an einem auf der Straße beim Sportplatz stehenden Auw vorüberging, stürzte sich plötzlich ein Insasse des Kraftwagens auf sie, packte sie von rückwärts und schleppte sie zum Auio in der oftrnbaren Absicht, sie zu entführen. Tie Frau wehrte fich verzweifelt und schrie um Hilf«, worauf ein Passant herzugreilt kam; als der Automobilist den Mann erblickte, sprang er in den Wagen und fuhr mit Vollgas davon. Die Frierkarte der Deutschen Jugendfürsorge. Die Deutsche Jugendfürsorge bittet, an Stelle der Dankschreiben bei Hochzeiten und Taufen, bei Namens- und Geburtstagen, Gedenkfeiern, Ernennungen, Ehrungen, Promotionen, Todesfällen nur noch ihre Feierkarte zu verwende». Die Feierkarten der Deutschen Jugendfürsorge sind einfache, schmucklose Blätter, die einen kurzen Tanktext tragen, unter den nur noch der Namen des Absenders eingefügt zu werden braucht. Auf der Rückseite findet sich eine für den Empfänger bestimmte Aufilärung über das Wesen der Feierkarte, Raum für die Adresse, die Aufschrift„Teildrucksache" und Platz für die 30-Heller-Marke. Diese Feierkarte erfüllt ihren Zweck genau so gut wie die schönste und teuerste Posttarte. Der Absender bezahlt sie mit 70 Heller per Stück und gibt so inkl. der 30-Heller-Marke eine Krone aus. Soviel kostet auch eine frankierte Ansichtskarte, von einem Briefe ganz zu schweigen. Nur der Unterschied besteht, daß durch den Verzicht auf daS bunte Bild 60 Heller für die leidende sudetendeutsch« Jugend verwendet werden können. Die Pariser Presse zur ZerreiBuns des Rheinpaktes Zwei französische Zeitungen, das linksstehende„Oeuvre" und der rechtsgerichtete „I o ü r" sind'sich darin einig, daß Hitler, bevor er den Rheinpakt zerrissen hat, sich einer stillschweigenden Unterstützung seitens Roms versichert habe.„Oeuvre" zweifelt nicht daran, daß die neueste Aktion Hitlers die Folge einer deutsch-italienischen Verständigung vor allem über das österreichische Problem sei. Hitler sei entschlossen, im Falle ernster Verwicklungen zwischen England und Italien, dem letzteren gegenüber Zurückhaltung in der österreichischen Frage zu bewahren. „Jour" meint, es sei merkwürdig, datz die deutsche Regierung ihre Aktion auf den Zeitpunkt verlegt habe, in dem Italien drohte, sich im Falle der Verschärfung der Sanktionen vom Locarno-Pakt loszusagen. Dieses zeitliche Zusam- menfallenist kaum zufällig. „I n t r a n s i g e a n t" weist darauf hin, daß die Aktion Berlins sich aus dem bestehenden Antagonismus zwischen Deutschland und Rußland ergebe. Indem Deutschland die frühere demilitarisierte Zone zu befestigen beginnt, habe es nicht so sehr eine Be- , drohung Frankreichs im Sinne, als eine Sicherung gegen französische Intervention, falls Franks reich gegebenenfalls die aus dem französisch» russischen Pakt sich ergebenden Verpflichtungen erfüllen wollte.„P a r i s M i d i":„Wir werden bald erfahren, wie fest die Allianz zwischen Paris und London s e i. Vor einigen Monaten hat England bei uns angefragt, ob wir es im Mittelmeer gegebenenfalls unterstützen werden; wir haben daraufhin London alle notlvendigen Garantien gegeben, und die beiden Generalstäbe haben sich über die Einzelheiten der militärischen sowie der Marine- und Kriegsluftfahrt-Mitarbeit geeinigt. Es handelte sich damals um Gibraltar, Malta und Aegypten. Aber für Frankreich ist der Rhein ebenso wichtig wie Aegypten, wenn nicht wich- ttger. Ist England bereit, für Franko e-ich dasselbe zu tun, was Frankreich für England getan hat? Das ist das ganze Problem." — Die die Ansichten der Finanz- und Industriekreise ausdrückende„I n f o r m a t i o n", die sehr pessimistisch gestimmt ist und den Wert irgendwelcher Abmackungen mit Hitler-Deutschland, das die Verträge für Fetzen Papier hält, stark bezweifelt, schlägt doch vor, trotz alledem die deutschen Anträge zu prüfen. Gibralter. Dienstag sind hier aus britischen Häfen neun Torpedobootzerstörer eingetroffen. Seite 4 Jagesneuigkeiten Vom nazistischen Charakter Kein Volf auf der Welt hat so viel Charafterstärke aufzuweisen, wie das des völkischnazistischen Deutschland. Leider ist darüber in der Welt noch immer eine irrige Auffassung verbreitet und es ist ein Glück, daß hin und wieder an die richtigen Adressen Rundschreiben gelangen, die geeignet sind, eine derartig falsche Meinung richtig zu stellen. Ein solches Schreiben der Kurdirektion des Bades Tölz veröffentlicht das NTB. und der Inhalt sei hier wiedergegeben: Streng vertraulich. Bad Tölz, den 9. 2. 36. Mitteilung an alle Gast- und größere Beherbergungsstätten. Anläßlich der olympischen Spiele wird auch Bad Tölz von zahlreichen Ausländern besucht werden, die leider noch immer eine falsche Auffassung über das neue Deutschland haben. Das Gaststätten- und das Beherbungsgewerbe steht im Fremdenjahr 1936 deshalb in vorderster Front. Die ausländischen Besucher müssen deshalb unter allen Umständen davon überzeugt werden, daß die Gaftlichkeit Deutschlands von keinem Land der Erde überboten werden kann. Im Benehmen mit der politischen Leitung bitten wir deshalb auch die Judenfrage finngemäß zu behandeln. Mittwoch, 11. März 1936 191belusbakobut # 館 Das erste Bild von der Rettung Ellsworths Der amerikanische Südpolarforscher Lincoln EII 3 to orth und sein Begleiter, der Pilot Hollid Kenyon, wurden bekanntlich im Jänner von dem englischen Expeditionsschiff ,, Discovery II" aus ihrer gefährlichen Lage im ewigen Eise gerettet. Ellsworth und Kenyon hatten bei einem Flug über die Antarktis nach Little America notland en müssen und waren vom November letzten Jahres bis zum Jänner verschollen, da ihr Sendeapparat nicht mehr funktionierte. Mit um so größerer Freude, wurde die Rettung der fühnen Polarforscher in der ganzen Welt aufgenommen. Das Bild zeigt Ellsworth( Mitte) mit einigen Mitgliedern der Besaßung der ,, Discovery II", aufgenommen am 16. Jänner in Little America, " Nr. 60 Aus der Arbeiter- Turnund Sportbewegung Gerätewettkämpfe V. gegen VI. Kreis Anläßlich des Verbandstages des 5. Kreises in Bodenbach- Krochwiz fand am 7. März im Kro ch= wizer Arbeiterheim bei vollbeseztem Saale ein interessanter Gerätewettkampf zwischen dem 5. Kreis( Teplit- Bodenbach) und dem 6. Kreis ( Egerland) statt. Jeder Kreis hatte je eine Turner, und Turnerinnen- Mannschaft gestellt. Die Wertung erfolgte öffentlich, so daß das zumeist aus Fachleuten bestehende Publikum die Beurteilung der turnerischen Leistungen durch die Kampfrichter sofort überprüfen fonnie. Bis auf zwei Fälle war die Meinung uns geteilt. Eine angenehme Ueberraschung war die Tur nerinnen Mannschaft des 6. Kreites, welche an Qualität nicht nur ihre Gegenmannschaft, sondern auch die beiden Turnermannschaften überragie. So ist es verständlich, daß die Turnerinnen des 6. Kreises mit 16.5 Puntien jenen des 5. Kreises überlegen waren. Die Turner des 6. Kreises waren in der Gesamtleistung schwächer als die Turnerinnen, doch gab es auch hier einige sehr gute Leistungen. Der 5. Kreis fonnte mit 9.5 Punkten den 6. Kreis schlagen. Der 5. Kreis stellte seine Wetturner und Turnerinnen aus den Bezirken Haida, Bodenbach, Tepliß und Prag. Das Ergebnis lautet wie folgt: Bei den Turnern blieb der 5. Kreis mit 392: 382.5 Punk ten, bei den Turnerinnen der 6. Kreis mit 282.5: 266.5 Punkten erfolgreich. Der 6. Kreis er zielte in der Gesamtwertung 665 Punkte gegenüber dem 5. Kreis mit 658.5 Punkten und geht aus dies sen Gerätewettkämpfen mit der kleinen Differenz von sieben Punkten als Sieger hervor. Hoffentlich trägt die Veröffentlichung dieses Rundschreibens dazu bei, eine irrige Auffassung über das Deutschland Hitlers bei den erbert Morrison haben Drohbriefe mit| Es wäre nur zu wünschen, daß diese GeräteDer schießende Kardinal.( Intro) Nach wettkämpfe, die bei den Besuchern großen Anklang jenigen zu korrigieren, die bis heute davon über Sinweisen auf für sie reservierte Laternenpfähle einem Bericht der Reichspost" hat der Wiener fanden, fortgesetzt und auch zwischen einzelnen Bezeugt sind, ein Kulturland vor sich zu haben und erhalten, weil sie im Unterhaus auf diese Erfolgs Erzbischof Inniger die Einweihung des Vereins- zirken und Vereinen veranstaltet werden. es sei ihnen allen freundlichst in Erinnerung ge der eingeschleppten Streicherheße hingewiesen hauses der Scharfschüzengilde im dritten Bezirk bracht, daß in eben diesem Bad Tölz 1935 und haben. Innenminister Sir John Simon hat wie vorgenommen. Nach der feierlichen Zeremonie wahrscheinlich weil dieses Jahr nicht als Fremderholt erklärt, daß die Polizei diesem Treiben stattete die Eminenz auch der Schießstätte einen Die Versicherungsgesellschaft ,, Donau" und ihre denjahr" charakterisiert war, alle jüdischen scharf begegnen werde. Leßthin sagte er, die bei Besuch ab und bekundete für die Einrichtung die- Angestellten. Die österreichische VersicherungsgesellSurgäste von einem Tag auf den andern den Abgeordneten hätten sich durch den Hinweis sſes Raumes viel Interesse. In dem Bericht der schaft Donau" führt mit ihren Angestellten einen vertrieben wurden. Aber jetzt 1936 auf diese vorläufig nur wörtlichen Erzesse ein Reichspoſt" wird dann ausgeführt:„ Nachdem langjährigen Prozeß bezüglich Gültigkeit der vereinder Oberhirte aus dem ihm überreichten Gewehr barten Dienstpragmatik, welchen sie bereits in zwei macht man aus der olympischen Idee eine poli. Verdienst erworben. einige Schüsse auf die Scheibe abgegeben und da- Instanzen verloren hat. Trotzdem honoriert die Vertische Olympia- Pause, so erst recht der Welt klar für einen Glaspokal als Erinnerung erhalten sicherungsgesellschaft„ Donau" ihre Angestellten nicht vor Augen führend, wer man eigentlich ist. Ein hatte, widmete er der Scharfschützengilde ehrende einmal nach dem gültigen Kollektivvertrag, welcher Lump, der sich nicht einmal schämt, einer zu sein Ein zehnjähriger Vater. In dem Dorfe Kiras Vorgang gegen die Regierungsverordnung 3.89/ 1935 und sich doch schämt, daß er einer ist und sich wiederum bemüht, ein biederes Mäntelchen umin Hellas hat die 32jährige Magd Theodofia Adoklis verstößt, so daß gegen diese Assecuranz die Strafeinen Knaben zur Welt gebracht. Der Vater dieses anzeige erstattet wurde. In dem Strafverfahren zuhängen, kur zein Charakter, der endKnaben ist selbst noch Knabe, denn es ist der noch wurde die ,, Donau" mit einer Strafe belegt. lich sinngemäß zu behandeln wäre. Leider nicht 11 Jahre alte Schweinehüterjunge Agathon Eine weitere Strafe wurde der„ Donau" in Brünn dürfte es aber trotz allem noch viele UnbelehrBarridi aus dem gleichnamigen Dorfe. Wegen Ver- wegen systematischen Ueberschreitens der achtstündi bare geben, die sich überzeugen wollen, daß die führung eines Minderjährigen ist die Mutter ver- gen Arbeitszeit auferlegt. Es ist zu verwundern, daß Gaftlichkeit Deutschlands von keinem Land der haftet worden, obwohl der junge Vater sofort erklärt eine Versicherungsgesellschaft, die in der TschechosloErde überboten werden kann, wie auch seine Erhat, die Frau, die mehr als dreimal so alt ist wie er wafei als Gast weilt und welcher bisher die definifive Konzession zum Geschäftsbetrieb nicht erteilt ziehungsmethoden völkischer Art einzigartig im selbst, heiraten zu wollen. europäischen Kulturkreis dastehen. tourde, gegen ihre Angestellten derart vorgehen kann. Es empfiehlt sich, daß die Oeffentlichkeit diese zu stände im Auge behält, denn nur dann ist eine Remedur zu erwarten. Die ,, Raffenreinen". Immer wieder ereig nen sich Fälle, daß Leute, die sich als enragierte Antisemiten aufspielen, sich entweder als Personen jüdischer Abstammung oder als Männer jüdischer Frauen herausstellen. Bekannt ist der Fall des antisemitischen" Abgeordneten Kaufmann in Ungarn. Auch Rumänien hat jetzt eine der artige Affäre. Dem Chefredakteur der antisemitischen Tara Noastra", dem offiziellen Organ der Goga- Cuza- Partei, o do 3, wurde nachgejagt, daß er eine jüdische Frau habe und daher nicht das Recht bejize, sich als Verteidiger der Rassentheorie aufzuspielen. Hodos erwiderte, seine Frau sei eine Christin namens Lia Harzu. Der Chefredakteur der ,, Credinza", Sandu Tudor, wies darauf nach, daß sie die Entelin des Rabbiners Herscobici aus Moinesti sei. Die Stellung von Hodos wurde darauf unmöglich. Der Fall hat in den Streisen der rumänischen Rechtsradikalen peinliches Aufsehen erregt. Wie begeht man sachgemäß Harakiri? Sarafiri ist die einzige Selbstmordart, die man nicht ohne vorangehende gründliche Unterweisung begehen fann, Aus den Meldungen der letzten Tage fonnte man ersehen, daß die japanischen Offiziere die Tradition und die Kunst des Harakiri erhalten haben und man fragt sich, wer sie unterwiesen haben mag. Es ist in Europa viel zu wenig bekannt, daß in den Offiziersklubs von Yokohama und Tokio bereits immer Informationsvorträge über die Kunst und die Technik des Harakiri stattgehabt haben und daß die Vortragenden über dieses sonderbare Thema sich meistens aus den Kreisen jener japanischen Schauspieler rekrutieren, die auf der Bühne den sich entleibenden Samurai darzustellen pflegen. Goldbringende Gletscher. Schweizer Statistiker haben sich die Mühe gemacht, festzustellen, wieviel ein richtig exploitierter Gletscher einbringen kann; allerdings handelt es sich hier nicht etwa um einen beliebigen Berg, sondern um den Mont Blanc. Der Mont Blanc wird in Durchschnittsjahren auf der französi schen Seite von 410.000 Menschen besucht, auf der Schweizer von 350,000, auf der italienischen Seite von 275.000 Menschen, insgesamt also von mehr als einer Million pro Jahr. Berechnet man die Erpeditionsspesen des Einzelnen nur mit 50 Schweizer Francs, so kommt man zu der ansehnlichen Summe von zirka 52,000.000 Francs, die die drei Länder durch den Berg alljährlich einnehmen. Der Internationale Rundfunkfongreß, der in Paris seit dem 27. Seber tagte, und an dem über 150 Delegierte, darunter auch Vertreter aus der she choslowakischen Republi? teilnahmen, hat Freitag seine Arbeiten abgeſchloſ fen. Er hatte fast ausschließlich technischen CharakEin Advokat auf 2422 Einwohner! Ate Merkmal für die Ueberfüllung des Advokatenberufes führt der Motivenbericht zu der Regierungsvorlage„ betreffend die Aenderung gewisser Vorschriften über die Advokaten" die Tatsache an, daß die Zahl der Advokaten in Böhmen von 1209 Strenges Uniform- Verbot in Numänien. im Jahre 1910 und 1434 im Jahre 1920 auf Durch die Strafgesegnovelle, die soben im rumä2522 im Jahre 1934 gestiegen ist. Während nischen Parlament verhandelt wird, wird das im Jahre 1910 ein Advokat auf 5610 Einwohner Tragen von Partei- Uniformen und Abzeichen verentfiel, kommt im Jahre 1934 ein Advokat schon boten. Der betreffende Artikel 325 bestraft alle auf 2422 Einwohner. Nicht viel besser sind die jene, die öffentlich Abzeichen, Uniformen oder FahVerhältnisse in den übrigen Ländern. nen tragen, durch welche sie ihre Zugehörigkeit zu Ermäßigte Eisenbahn- Halbjahresfarten für einer verbotenen Vereinigung Ausdruck geben oder organisierte Geschäftsreisende und Vertreter wer in zweifelloser Weise einem nach dem Geseze straf- Der Kampf um des Efels Rücken. Monsieur den mit Geltung ab 1. April ausgegeben. Bei baren Aft ihre Zustimmung geben, oder wenn das Guernut, der gegenwärtige französische UnterrichtsBesorgung durch die Organisation wird ein Son- Tragen dieser Abzeichen eine Aufreizung oder An- minister, wäre sicher sehr erstaunt gewesen, wenn dernachlaß von 5 Prozent bewilligt. Außerdem eiferung zu Rebellion oder zu Unordnung gibt. sein Amtsvorgänger ihm bei der Feier der Porteſteht den Besizern von Eisenbahn- Jahres- und Ebenso strafbar ist es, wenn jene Uniformen, Ab- feuille- Ueberreichung gesagt hätte, daß er sich mit Halbjahreskarten eine 25prozentige Fahrpreis- zeichen oder Fahnen die eines fremden Staates Eseln zu befassen haben werde. Aber es iſt tatsäch= ermäßigung auf den Staats- Autobuslinien in- oder einer fremden Vereinigung oder Einrichtung lich so: der französische Unterrichtsminister verwaltet nerhalb des Direktionsbereiches der angekauften sind. auch die Schönen Künste und, als Großmeister der Eisenbahn- Jahres- oder Halbjahreskarte zu. Die Warschauer Studenten. Etwa 3500 Universität, auch zahlreiche öffentliche GartenNähere Auskünfte über die Preise und Bedin- Studenten der Warschauer Technik haben es abge- anlagen von Paris. Der Tuilerien- Garten, der zu Die Tschechoslowakei in der ungarischen Fremgungen erteilt der Bund der Vertreter lehnt, die Hörsäle und die Laboratorien zu ver- dieser Zahl gehört, besist aber leider nur drei Esel und Reisenden, Fachgruppe im laſſen. Sie erffären, erst nach Herabsehung der in seinem Inventar, was bereits zu zahlreichen Kla- denstatistik an zweiter Stelle. Nach der eben verAllgemeinen Angestellten- Ver- Taren die Säle zu räumen. Die Hochschule ist gen der parkbesuchenden Kinder und dazugehörigen öffentlichten offiziellen ungarischen Statistik haben band, Reichenberg, Turner von einem Polizeifordon umgeben, in Wahrung Mütter geführt hat, da sich täglich heftige Stämpfe im abgelaufenen Jahre 23.505 Tschechoslowaken der Hochschulrechte drangen die Polizisten in das um die wenigen verfügbaren Reitpläge abspielen. Ungarn besucht. Die Tschechoslowakei steht damit in Vor Aufnahme des Flugverkehrs Prag- Gebäude jedoch nicht ein. Der Rektor hat die Und so mußte der französische Unterrichtsminister sich der ungarischen Fremdenverkehrsstatistik an zweiter Moskau. Die staatlichen Aerolinien beginnen am Studenten aufgefordert, unter Zusicherung des allen Ernſtes mit einem Dekret befassen, das die Zahl Stelle. An erster Stelle steht Desterreich mit 28.460 1. Mai d. J. mit dem regelmäßigen Flugverkehr freien Abzuges das Schulgebäude zu verlassen. der verfügbaren Eselsrücken von drei auf fünf er- Gästen, an dritter Stelle, nach der Tschechoslowakei, Brag- Moskau. Der Start in Prag erfolgt um höhte. Dies ist der einzige nachweisbare Fall, in dem folgt Deutschland mit 17.537 Besuchern. ,, Blisstreik." Ueber 100 Angestellte der Zon- sich ein Unterrichtsminister mit Kindern vorschulFlüge in der Richtung nach Moskau erfolgen stets doner Straßenbahn traten Dienstag in einen pflichtigen Alters zu befassen hatte. Dienstag, Donnerstag und Samstag, in umge- Blisstreit" ein. Der Streit hatte schwere Stö tehrter Richtung an den übrigen Tagen der rungen im Londoner Straßenverkehr und in der Woche. Die Flugstrecke führt über Uzhorod Beförderung der Arbeiter zu ihren Arbeitsstätten Klausenburg Jasy- Kijew- Brjanjf. Der Flug zur Folge. Die Streitenden erklären, daß ihnen Prag- Mostau wird 1600 Kč, nach Stijen nicht genügend Zeit zur Einnahme ihrer Mahlzeiten gegeben werde. straße 27. 6 Uhr früh, Ankunft in Moskau 19.05 Uhr. Die 1200 Kč fosten. Die Hakenkreuzpest in Ost- London nimmt Ein Bigamie- Rekord. Der Straffenat des ständig zu, wie der„ Daily Herald" berichtet. Kreisgerichtes in Uzhorod verurteilte den ArStrolche schreien in jüdische Läden hinein, die würbeiter Johann Jakubec aus Trebišov in der Sloden bald ihnen gehören. Gelbe Klebezettel mit wafei wegen dreifacher Bigamie zu vier Monaten schivarzgedruckten Aufschriften„ Jude" und" Juda Kerker unbedingt. Jakubec heiratete nach der berrede" jowie einem roten Hafenkreuz werden an Rückkehr aus der russischen Gefangenschaft im Geschäften und Wohnhäusern von Juden ange- Jahre 1919 in Spišská Nová Ves, ein Jahr später flebt. Das Hitlerzeichen wird in die Lackierung in Prešov zum zweitenmale und später in Micha von Autos jüdischer Besizer eingefragt, so daß die lovce zum drittenmale. Als die drei Ghen kinderWagen neugestrichen werden müssen. Soweit die los blieben, heiratete er in Trebišov zum vier Täter festgenommen wurden, erkannte man sie als ten male. Aus dieser Ehe gingen, wie Jakubec vielfach friminell Vorbestrafte zu seiner Verteidigung anführte, drei Kinder Sogar die Arbeiterabgeordneten Thurstle und hervor. Alle Instrumente der Welt in einem. In furzer ter. Wahrscheinliches Wetter heute: Wechselnd bes wölft bis ziemlich heiter, uniertags relativ warm. Wetteraussichten für Donnerstag: Fortdauer des ziemlich warmen Wetters. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen! Donnerstag: Beit wird die Radiostation Saint George's Hall der Oeffentlichkeit übergeben werden, so daß das Publifum endlich Gelegenheit bekommen wird, die be rühmte größte und vollkommenste Orgel der Welt zu hören. Dieses Wunderwerk vermag sämtliche Instrumente wiederzugeben, von der Violine bis zur bastischen Trommel. Es gibt keine Musik, die auf ihr Prag, Sender 2: 10.05: Deutsche Presse, nicht reproduziert werden könnte, die afrikanischen 12.10: Philharm. Orchester, 17.45: Deutsche SenNeger- Tam- Tam mit inbegriffen, die javanischen dung: Röjel: Die Freiherrn von Gemperlein, HörGongs und die hypnotisierende Flöte des Kobra piel, 18.45: Deutsche Preise, 19.15: Englisch für Bändigers. Auch Geräusche können wiedergegeben Anfänger, 20.05: Rundfunkorchesterkonzert. Senwerden, die Sirenen eines Ozeandampfers ebensogut der S: 7.30: Leichte Mujit, 14.15: Deutsche Senwie das Geräusch zerbrechenden Porzellans. Selbst dung: Moraweb: Allerlei über Südafrika, 14.50: Deutsche Preffe. Brünn 13.30: Deutscher Arverständlich ist dieses ungeheure Instrument elektrisch beitsmarkt, 16.10: Rundfunkorcheſterkonzert, 17.40: betrieben; seine längſte Pfeife mißt neun Meter, Deutsche Arbeitersendung: Schramet: Weltkrise und seine kürzeste zwei Zentimeter und es besteht aus Sozialpolitik. Mährisch- Ostran 17.30: Schwedi nicht weniger als 2000 Pfeifen! Die Kosten betrusche Lieder, 18.10: Deutsche Sendung: Kindergen ca. 11.000 Pfund. stunde, Freßburg 15: Rundfunforchesterkonzert, dir. 60 Mittwoch, 11. März 1936 Seite 8 fluaZatut Militärische Maßnahmen an der Italienischen Küste (AP.) Italien trifft zur Zeit an seiner Küste fieberhafte Vorbereitungen.' An-er Küste sind 250.000 Mann, 400 Bomben- und andere Flugzeuge sowie zahlreiche U-Boote und mehrere hundert Motorboote konzentriert. Diese haben eine Stundengeschwindigkeit bis zu 80 Kilometer, eine Besatzung von vier Mann und sind mit zwei Torpedos versehen. Dazu kommen Torpedoboote und Minenleger. Viel Aufmerksamkeit schenkt man den Erfahrungen, die man im Weltkriege bei der Verteidigung der Dardanellen gemacht hat. Eine schwache Stelle» die man mit allem Eifer auszumerzen sucht, ist die jahrelange Vernachlässigung der Küstenbatterien. Auch in dieser Hinsicht ist überall längs der Küste eine rege Tätigkeit festzustellen, um die Küstenbatterien schnellstens auszubauen. Besonderen Wert legt man auf den Schutz der Hafeneinfahrten. Ueber- all finden nach wie vor Hebungen des Küstenschutzes statt. Diese Vorbereitungen bleiben natürlich der Bevölkerung nicht verargen. Man kann sagen, daß in den Küstenstrichen, insbesondere in den Hafenstädten, ein viel größerer Prozentsatz der Bevölkerung gegen einen Krieg ist. Man spricht dort ganz offen von„Muß- Faschisten". Die Einstellung ist also eine gänzlich andere als in den inneritalienischen Gebieten, wie in der Lombardei. Dazu ist zu bemerken, daß man auch durch die jüngste Entwicklung die Kriegsgefahr keineswegs als ausgeschaltet betrachtet. Zwar hat der Negus dem Friedensappell zugestimmt, aber gleichzeitig ist von abessinischer Seite deutlich erklärt worden, daß Gebietsabtrennungen nicht in Frage koinmen, die Eroberung von Addis Abeba für die Italiener trotz der abessinischen Mißerfolge nicht möglich sei und daß Abessinien immer noch als letzte Hilfe und Rettung Genf und das Petroleumembargo habe. In Abessinien ist man also keineswegs so pessimistisch, wie die italienische Propaganda es hinstellt. Daher steht auch die Sanktionsfrage nach wie vor nicht außer Diskussion. Fürst Sayonji, der Reslerungsmacher Wahrscheinlich ist es die Pressezensur, die augenblicklich die Vermittlung der Nachrichten aus Japan und damit auch die Beurteilung der dortigen Ereignisse für den Europäer so erschwert. Und doch ist für die Gestaltung der europäischen Politik in den nächsten Wochen, ja vielleicht Tagen..«s.u icht, g l e.i.ch g. ü l.t i g, in wessen Händen das Regierüngssteuer in Tokio sich befinden wird. Wie sich die Lage in Japan auch von hier aus darstellen mag, eins ist sicher, daß nämlich bei der Gestaltung der japanischen Innen- wir Außenpolitik und besonders bei der Regierungsernennung der älteste von den heute lebenden japanischen Staatsleuten, Fürst Sayonji, ein gewichtiges Wort mitzusprechen hat. Sayonji ist eine der i n t e r e s s a n t e st e n Gestalten des modernen Japans, halb noch zu der vorrevolutionären Epoche gehörig, andererseits einer der fortschrittlichsten Männer der Tokioter Spitze. Er hat noch als kaum Zwanzigjähriger führend anderRevolutiondeS Jahres 1867/68, durch die das feudale Hausmeiertum der Schogune aus dem Hause Tokugawa gestürzt wurde, teilgenommen. Soyo- nji gehört zu jenen„G e n r o", Staatsleuten des alten Kaisers Mutsuhito, des Großvaters des jetzigen, zu denen auch Männer wie Ito, Aama- gata und Okuma gehörten. Er selbst ist aus einer» alten'Samuraigeschlecht des Satsumkla- n e s hervorgekommen, hat zehn Jahre in Paris studiert, wo er Menschen wie Thöophile Gautier und Clemenceauzu Freunden gewann. Sayonji ist einer der wenigen japanischen Staatsmänner, die durch die f r a n z ö- fische Schule gegangen sind, und das bat sich in seiner großen politischen Geschmeidigkeit ausgewirkt. Er ist zweimal Ministerpräsident gewesen, 1906/8 und 1911/12, aber seine eigentliche Tätigkeit spielte sich weniger in den Ministerien, als hinter den Kulissen des kaiserlichen H o f e s ab. Auch heute geschieht in Tokio nichts, ohne daß er um Rat gefragt wird, und an dem Tor seiner be- scheidenen Villa im Vorort von Tokio sieht man stets Autos der Minister und'Parteiführer. Die Stärke der japanischen Armee.(AP.) Die letzten Vorgänge in Japan haben die Aufmerksamkeit auf die japanische Armee gelenkt, über die man im allgemeinen in Europa wenig weiß. Die japanische Armee ist aufgebaut auf der allgemeinen Wehrpflicht. Die aktive Dienstzeit umfaßt bei der Infanterie zwei, bei den übrigen Waffengattungen drei Jahre und beginnt mit dem 20. Lebensjahre. Wer körperlich nicht ganz besonders geeignet ist, findet in der Ersatzreserve oder im Landsturm Verwendung. Voraussetzung für den aktiven Dienst ist außerdem die Teilnahme an der militärischen Jugendausbildung. Ueber die genaue Stärke fehlen heute alle Unterlagen. 1933 betrug sie 20.000 Offiziere und 280.000 Mann, die in 17 Infanterie-Divisionen und 4 Kavallerie-Brigaden. gegliedert waren. Heute ist fie erheblich größer. Der Hauptteil liegt im südlichen Teil von Japan und ist so stationiert, daß er in kürzester Frist nach Korea oder Mandschukuo transportiert werden kann. In Korea befinden sich zwei Divisionen, in Mandschukuo Und Nordchina 4 Infanterie-Divisionen, 2 Kavallerie-Brigaden, ein Kampfwagenregiment, 3 Flieger- Regimenter, ein Bahnschutzkommando für die Ostchinesische Bahn. Auf Formosa und den Pesca- doreS-Jnseln sind Kräfte in Stärke einer Brigade. Die Kriegsstärke beträgt etwa 600.000 Mann. Dazu kommen 1,7 Millionen aus Reserve und Landsturm. Doch ist selbstverständlich, daß unvergleichlich viel mehr Menschen aus dem riesigen Reservoir herausgeholt werden können. Die japanische Armee ist nach dem Krieg weitgehend mit schweren Maschinengewehren und Minenwerfern ausgerüstet und in hohem Maße motorisiert worden. Japan hat mindestens 1000 Kampfwagen (drei Regimenter) und 2000 Flugzeuge(11 Regimenter mit 22.000 Mann). Bei dem fieberhaften Tempo der Aufrüstung aber steigen sämtliche angegebenen Zahlen in außerordentlicher Geschwindigkeit, und die japanische Armee kann sicher in Zahl und Ausrüstung als eine der stärksten der Welt bezeichnet werden. Anderseits fehlen ihr die Erfahrungen neuzeitlicher Kriegsführung, und finanzielle Gründe sowie die Notwendigkeit zeitweiliger Bevorzugung der Marine haben in mancher Hinsicht hemmend gewirkt. MWill und WM Schiedsspruch Im polnischen Bergbaukonflikt Warschau. Die außerordentliche Arbitragekommission, welche von dem Präsidenten der Republik mit der Regelung des Lohnkonfliktes im Dom- browaer und Krakauer Kohlenreviere betraut wurde, hat entschieden, daß die bisherigen Bergarbeiterlöhne auf allen Kohlengruben des Dom- browaer und Krakauer Reviers unverändert bleiben. Die Kohlenindustricllen forderten eine 10- bis 15prozentige Lohnherabsetzung. Lediglich auf zwei Gruben der Warschauer Kohlengesellschaft, auf der„Kasimir"- und„Julius"-Grube, auf denen bekanntlich vor wenigen Tagen ein Hungerstreik der Arbeiterschaft üurchgeführt wurde, ließ die außerordentliche Arbitragekommission mit Rücksicht auf die schwierige finanzielle Lage dieser Kohlengruben die Möglichkeit einer unbedeutenden Lohnkürzung unter der Bedingung zu, daß keine Arbeiterentlafsungen vorgenommen werden. Durch diesen Schiedsspruch der außerordentlichen Arbitragekommission wurde die Gefahr eines Streikausbruches im Dombrowaer und Krakauer Kohlenreviere beigelegt. DI« Reorganisierung der britischen Kohlenindustrie Der englische Bergbauminister hat angekündigt, daß die Regierung einen Gesetzentwurf einbringen will, der der Reorganisierungskommission für Bergbau wirksame Vollmachten geben soll, um Fusionen von Bergbauunternehmungen durchzusetzen. Dies würde eine bedeutsame Wendung in der britischen Kohlenpolitik darstellen, da die sehr ausführlichen Arbeiten dieser Kommission während der letzten Jahre mangels entsprechender Vollmachten zumeist auf dem Papier geblieben sind, selbst dann, wenn die überwiegende Mehtzheit der Unternehmungen sich dafür aussprach. Sogar der liberale„Manchester Guardian" hebt hervor, daß man heute weder mit freiwilligem Zusammenschluß, noch auch mit zentralem Absatz allein auskomme und daß Zwangsmittel für die Kommission verfügbar sein müssen. Die„P.E.P."(Abkürzung für Politcal and Economic Planning), eine Untersuchungsstelle für Fragen der Wirtschaftsplanung in London, veröffentlicht einen Bericht über die Kohlenindustrie,. dep einen Ueherblick über, die vielfach erörterten Reorganisationsprobleme dieses Wirts"' schaftszweiges bietet. Die Hauptvorschläge, die zum Teil mit den von der Regierung bereits angenommenen übereinstimmen, sind: Zentrale Absatzorganisation für jeden Bezirk unter Ausschaltung des Wettbewerbs zwischen den Bezirken; Reorganisierung der Verteilung auf dem Binnenmarkt zwecks besserer Bedienung des Verbrauches und Senkung der Handelsspanne; Schaffung eines Kohlenexportverbandes, der alle Verkäufe ins Ausland kontrollieren und ein internationa-. les Kohlenkartell vorbereiten soll; Nationalisierung und Vereinheitlichung der Ertragsanteile und ihre Verwaltung durch die Kohlenkommission zur technischen Entfaltung der Industrie; Konzentrierung der Beschäftigung zur entsprechenden Erhöhung der Lohnsätze; ein nationales Lohnabkommen. Ein Delegierter des bulgarischen Exportinstitutes für Prag. Der bulgarische Handelsminister Walew hat den gewesenen Sektionschef des Handelsministeriums Nikolaj Popoff zum ständigen Delegierten des Sofioter staatlichen Exportinstituts für Prag ernannt, der nach dem 20. März sein Amt antreten wird. Kriminalität und Kriminal Interessantes aus der Krlmlnalstatlstlk Die kürzlich veröffentlichte Krimmalstatistik für das Jahr 1934 beinhaltet eine Reihe interessanter Daten, doppelt interessant, wenn man dis Bergleichszahlen früherer Statistiken heranzieht. Von der Tätigkeit des Justizapparates legt die Zahl der in jenem Jahr verhandelten Prozesse Zeugnis ab. Bei den Bezirksgerichten waren 640.608 Fälle anhängig, bei den Kreisgerichten 104.846 Fälle. Auch das fünfte Krisenjahr 1934 zeigt kein abnormales Ansteigen der Kriminalität, sondern die ständige mäßige Zunahme, die etwa dem normalen Bevölkerungszuwachs entspricht. Bemerkenswert ist dagegen das stark« Sinken der jugendlichen Kriminalität, die durch Schaffung besonderer Jugendgerichte besser zu verfolgen ist als bisher. Gegeniwer 25.089 Jugendgerichtsprozessen im Jahre 1932 verzeichnet das Jahr 1984 nur 20.078 und die Zahl der neu angefallenen Prozesse sinkt von 21.587 auf 17.097. Di« Ursache dieser Erscheinung liegt darin, daß die zahlenmäßig schwachen Geburtsjahrgänge derKriegszeitin jene Kategorie der Vierzehnbis Achtzehnjährigen aufrücken, die den Jugendgerichten unterstehen. Der Tiefstand dieser Entwicklung ist erst, im Jahre 1935 erreicht worden, dessen Ziffern noch.nicht vorliegen,- wonach freilich«in starkes Emporschnellen dieser Ziffer zu gewärtigen ist. Die Statistik gibt auch Aufschluß über die bedeutungsvolle sozial« Funktion der Jugendgericht«, bei denen neben Ankläger und Verteidiger als weitere Instanz der Sozialbeamte hinzutritt. Von den 9061 abgeurteilten Jugendlichen sind 2615, die zwar schuldig erkannt wurden, bei denen jedoch das Jugendgericht von der Verhängung einer Strafe absah. 1095 Jugendliche wurden unter soziale Schutzaufsicht gestellt, 83 in Familien-Fürsorgeerziehung und 66 in Erziehungsanstalten überwiesen.' Eine Abnahme weisen im Jahre 1934 sonst nur noch die Presseprozesse auf, von denen nur 566 verhandelt wurden, also um 212 weniger als im vorhergehenden Jahre 1933. Ein weitere? interessantes Kapitel der Kriminalstatistik betrifft die, Organisierung des Strafvollzuges.■ In den acht Straf- und Besserungsanstalten unseres Staates sind im Durchschnitt ständig etwa 2500 Häftlinge verwahrt. Dazu kommen ständig etwa 2000 Untersuchungs- und Strashästlinge der KreiSgerichtsgefängniffe, abgesehen von den BezirkSgerichtSgefängniffen, bei denen wegen der ständigen Fluktuation und der kurzen Strafen ein Halbwegs verläßlicher Durchschnitt nicht zu errechnen ist. Die Ausgaben für die GerichtSgefängniffe belaufen sich für das Jahr 1934 insgesamt auf 21,523.206 Kä, der Aufwand für die Straf- und Besserungsanstalten auf 15,972.708 Aö: In beiden Fällen wird der Großteil des finanziellen Bedarfs durch staatliche Zuwendungen gedeckt, die im ersten Fall 18,026.264 KC, im zweiten Fall 10,297.167 llö betragen. Bemerkenswert ist der radikale Abba« des Aufwandes für die Strafanstalten seit 1931, der in den seither erschienenen Statistiken zum Ausdruck kommt. In jenem Jahr betrug der Gesamtaufwand für sämtliche Strafanstalten noch 22,582.068 Millionen, also um 6.5 Millionen mehr als 1934. Gleichzeitig wurde der Staatszuschuß von 14.5 Millionen auf die erwähnten 10.25 Millionen reduziert. Aehnlich verhält es sich auch bei den Gerichtsgefängnissen, bei denen der durchschnittliche. Tagetzauftpand. eines Häftlings füt das Jahr 1931 mit Ai 9.85 bis 13.05 auSgewiesen Wurde(die" Höhe deS'BetrageS ist in den einzelnen Obergerichtssprengeln verschieden). Di« Statistik für das folgende Jahr 1932 weist überraschenderweise nur noch analoge Beträge von Ai 2.91 bis 3.71 aus, also etwa ein Drittel des Vorjahres. Die letzterschie- nene Statistik für 1934 läßt diese Post überhaupt ausfallen. • Das Statistische Staatsamt sei bei dieser Gelegenheit' auf eine schwer erklärliche Unstimmigkeit zwischen der Rekapitulation früherer JahreSfumuren und der seinerzeitigen Publikation aufmerksam ge» macht. In Nummer 158 des Jahrgangs XVI (1985) ist in der deutschen Ausgabe in Tab. 2 („Tätigkeit der Kreisgerichte") im Abschnitt B („Tätigkeit in Strafsachen gegen Jugendlich«") die rekapitulierte„Summe für 1932" in Spalte 2 mit 4190 Straffällen auSgewiesen. Demgegenüber weist die„Kriminalstatistik für das Jahr 1932", erschienen als Nummer 72 des Jahrgangs XV(1934) in der gleichen Spalte 9850 Slraffalle aus. Selbstverständlich weisen auch die weiteren Spalten 3(„darunter neu angefallen") und 4(„Erledigte Straffälle") analoge Unterschiede auf.- rb. Der iunse Mann fdr alles Seit es den Juden in Deutschland verboten ist, Hausgehilfinnen zu halten, hat sich ein neuer Beruf entwickelt. Das Mädchen durch einen ge- schulten Diener zu ersetzen, ist ein kostspieliges, wenigen zugängliches Auskunftsmittel, so hilft man sich durch einen„jungen Mann", der, meist aus einem anderen Berufe kommend, stellenlos, ohne Ahnung und oft auch ohne Eignung für die Erfordernisse des Haushalts, froh ist, Unterschlupf' zu finden und die notwendigste Arbeit nut mehr gutem Willen als Geschick versieht. Kochen kann er selbstverständlich nicht.„Mein junger Mqnn", hört man heute Hausfrauen sagen, wie sie früher von„meinem Mädchen" sprachen. Denn das jüdische Mädchen ist rar und, ihres Seltenheitswertes bewußt, recht anspruchsvoll. Dann ist noch das Mädchen, die Aufwartefrau über 45 Jahre. Wenn man die Hausse in älterem Personal sieht, ist man geneigt, in diesem Gesetz einen Trick von geradezu—„jüdischer Schlauheit" zu sehen. Es geht konform mit jener Anordnung, nach welcher junge Männer ihren Arbeitsplatz Aelteren überlassen und selber ins Arbeitslager abwandern mußten. Was sollte man mit älteren Hausgehilfinnen beginnen? Die Hausfrauen engagierten sie nicht gern, für den Arbeitsdienst waren sie ungeeignet, zur Raffenaufzucht paßten sie nicht mehr, als Arbeitslose fielen sie dem Staate zur Last. Run find sie untergebracht und haben sich nicht zu beklagen, selbstverständlich werden sie mit Sammethandschuhen angefatzt. So hat man zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, hat nicht nur Brot, sondern auch Zirkusspiel geboten— den Juden ist ein neuer Schlag versetzt und ein diffamierendes Mal mehr ausgeprägt. Die Volksgenossen können zufrieden sein. Sonderbarerweise sind sie es nicht, nicht einmal die auf diese Weise untergebrachten Mädchen. Es paßt ihnen nicht, so als ausrangiert abgestempelt zu sein. Mit 45 will man schließlich auch noch leben und womöglich lieben. Ein hübsches, viel jünger aussehendes Mädchen erklärte ihrem Freunde und Besuchern des Hauses, die über ihre Aufnahme daselbst staunten, mit einiger Verlegenheit:„Man sieht es mir nicht an, doch ich bin Jüdin". Also noch lieber diese Schmach, als die der 45 Jahre! Hoffentlich ist der Freund zumindest„Mischling", sonst muß er ja durch diese Verleumdung ins Zuchthaus kommen. Die skurrile Pflanze des Dienstbotenverbotes treibt überhaupt die sonderbarsten Blüten, die tragik-komisch'sind, oft mit dem ausschließlichen Tone auf dem ersten Wort. Man muß dabei nicht einmal an so extreme Vorfälle denken, wie bei einem Mädchen, das, seit 18 Jahren in einer Familie, sich dieser so verwachsen fühlte, daß sie am Tage vor dem erzwungenen Austritt aus dem Fenster sprang und tot liegen blieb. Es fehlten ihr 14 Tage zur Erreichung des 35. Lebensjahres, das berechtigt, einen zur Zeit der Verordnung bereits innegehabten Posten zu behalten. Davon gibt es keine Dispens, uich wenn auch nur ein einziger Tag fehlt; Gesuche werden ausnahmslos abschlägig beschicken, selbst wenn sie noch so berücksichtigenswert scheinen. Etwa im Falle einer blinden Frau und ihres gelähmten Mannes, die, Ihrer Hausgehilfin völlig ausgeliefert» auf ihre Verläßlichkeit angewiesen sind. Man kann sich vorstellen, was es für die zwei hilflosen Menschen bedeutete, eine unerprobte Kraft ins Haus zu nehmen, die sie nicht anlernen konnten. Jedoch, dem sieben Jahre in der Stellung befindlichen Mädchen fehlten einige Wochen zu ihrem 35. Geburtstag— wie hätte sie da der Schändung durch den armen, lahmen Mann entgehen können? Oh, diese lüsternen Juden, die selbst mit 82 Jahren das Schänden noch nicht lassen können! Man könne ihm ein deutsches Mädchen nicht anvertrauen, antwortete man einem Manne, der mit dem Hinweis auf dieses Alter versuchte, seine Haushälterin zu behalten. Gewerbliches Personal ist frei. Aber einer Dame, die als Frau eines abgebauten und ausgewanderten Beamten eine Fremdenpension errichtet hat, wurde auf ihr Ansuchen um ein Mädchen geantwortet: wenn sie nur Wohngäste habe, dürfe sie ein Mädchen hallen, wenn sie ihnen jedoch auch irgendeine Mahlzeit verabreiche, dann nicht. Auf Befragen erklärte man, ein Tischgast gehöre in den gemeinsamen Haushalt, ein Schlafgast bleibe fremd. Als ob öfter bei Tische geschändet würde, als im Bettel Man bedenke, was es für solchen gewerblichen Haushalt, was es für berufstätige Frauen, ost mit kleinen Kindern, bedeutet, ohne Hilfe auszukommen! Mitunter ziehen mehrere Familien zusammen, um die Wirtschaft zu vereinfachen, oder man gibt die Wohnung auf und mietet ein möbliertes Zimmer. Dies tun ohnedies viel« mit Rücksicht auf die Unsicherheit ihrer Lage und dir tägliche Bereitschaft zur Ergreifung des Wanderstabs; man weiß doch nicht, was morgen kommt. Zum Schluffe ein mehr heiteres Vorkommnis: Eine Dame hat ein Mädchen seit 25 Jahren, das sie durch ihre erste Ehe begleitet, ihre Kinder großgezogen hat. Als alleinstehende Frau darf sie das Mädchen behalten. Nun hat sie sich nach längerer Witwenschaft entschlossen, ein zweitesmal zu heiraten. Sie behält die Wohnung, der Haushalt geht unverändert weiter, es kommt nur eben ein Mann herein. Das Mädchen, das in einigen Monaten das kanonische Alter von 45 erreicht, dürfte ja eigentllch bleiben, weil sie bis zum Stichtag nur 35 Jahre alt zu sein brauchte. Ein diesbezügliches Gesuch wird aber trptzdem abgelehnt, weil eS sich, wie man erllärt, um einen neuen Haushalt handelt, da der unter ihrem alten Namen bestehend« aufgelöst wird. Hoffen wir, daß die Frau der treuen Dienerin zuliebe die Heirat um einige Monate verschiebt. Seite 6 „Sozialdemokrat" Mittwoch, 11. März 1836. Nr. 60 Trager Rettung Manifestationsversammlnng der Aerzte findet Mittwoch, nm 7 Uhr im Lekarsky düm statt. Die Staatsbahndirektion fertigt ani Samstag, den 14. März, einen Sonderzug mit Verpflegung nach Petzer und Johannisbad zum Preise von 75 Kö ab. Abfahrt von Prag Samstag 18 Uhr.— Boni 14. bis 22. März eine Woche im Riesengebirge zum Preise von 440 Kc. — Vom 21. bis 30. März in,die Hohe Tatra für 545 Kö; nach Lelgart fü 520 KL; ins Riesengebirge, Sokolbaudc, 440 Kc.— Anmeldungen im Basar, Telephon 38335 oder Väclavske näm. 60, Telephon 550—55. dacht, der auf ibn fällt, trübt auch die Gunst des Genossen Kapitän. Zum Glück hat der Frevler im letzten Augenblick Gelegenheit, einem Kameraden das Leben zu retten und dabei schnell das Geld in die beraubte Kasse des Schiffswracks zurückzulegen, so daß es für den Taucher, den Kapitän und dir Braut ein happy end gibt. Wenn man es nicht schwarz auf weiß hätte, datz dieser Film von einer sowjetrussischen Gesellschaft in Leningrad hergestellt wurde und wenn man nicht in der Hauptrolle denselben Batalov sähe, der den un- vergeßlichen Lehrer in dem Film.Der Weg ins Leben" gespielt hat, dann möchte man bezweifeln, daß es sich pin«inen echten Russenfilm handelt. I bcn und zu einer Romantik der Piraten und alten Pioniere. Im Grunde aber handelt es sich nur um einen Singfilm wie so viele, und datz sich der Regisseur Ban D y k e, der Schöpfer der„Weitzen Schatten" und der„Eskimos", als Produktionsleiter bekennt, ist höchstens ein Kuriosum.'Er hat zwar für Massenszenen gesorgt, die aber nur' wie Opernchöre wirken, während der Hauptbestandteil des Films die Duette der beiden Hauptakteure sind: der stimmlich entzückenden Jeanette M a c d o- n a l d und des Heldentenors Eddy Nelson. ■—eis— dus dec Tarter Donnerstag, halb 7 Uhr, im Parteiheim Sitzung des Bezirksfrauen- komitees. Kunst und Mssen- Leopoldine Konstantin spielte gestern dem fast ausverkauften Deutschen Theater die„F r a u m i t den 100 Affä- r e n" vor. Man mag es bedauern, datz die immer noch blendende Künstlerin ein so schwaches Stück (von S. W. Behrmann) mitbrachte; aber man mutz bewundern, wie die Konstantin die drei Akte, in denen fast nichts(und gar nichts Kluges oder Interessantes) geschieht und in denen noch der Ersatz jedes Einfalls manchmal geradezu peinlich zerredet und mit abgestandenem Witz garniert wird— wie die Konstantin diese Nichtigkeit mit ihrem anscheinend unverwüstlichen Charme, mit der Melodie ihrer Stimme, mit der Grazie ihrer birtuosen Sprechkunst erfüllt und wie es ihr schlietzlich, wenn auch nur in einer Szene(hier unterstützt von dem zweifellos talentierten Hans Frank- Medels ky), beispielhaft gelirigt, aus dem dramatischen Nichts heraus einen wahrhaften Menschen aufglühen zu lassen, das Bewußtsein des Hörers, daß er ja„nur" im Theater sitze, zu verdrängen. Darüber hinaus aber brilliert die Konstantin nach wie vor ununterbrochen in ihrer besonderen Art von Esprit, der auf der deutschen Bühne sonst so selten anzutreffen ist, und erquickt durch die.eben so rare Anmut ihres Humors, ihrer Komik, ihres Raffinements, ja selbst ihrer Routine. Die Konstantin führt übrigens in ihrem Ensemble nutzer dem schon Genannten auch noch eine Reihe anderer guter Darsteller: Karl Günther, Ernst W u r m s e r und die«inst unserem Ensenible angehörige Olga Reinecke. Das Publikum schien sich ausgezeichnet zu amüsieren und den Nuancenreichtum des persönlichkeitsstarken Schauspielertums der berühmten Gästin mit dankbarem Verständnis aufzunehmen, ohne dem aber besonders brüten Ausdruck zu geben. L. G. Freitag nochmals Leopoldine Konstantin. Wegen des großen Erfolges des Gastspiels Konstarllin, da? gänzlich üuSverkallft war, hat sich die Direktion veranlaßt gesehen, die Künstlerin mit ihrem Ensemble zu einem nochmaligen letzten Auftreten am Freitag in dem Lustspiel„Duell d e r L i e b e" von Lilly von Hatbany zu verpflichten. Das Gastspiel findet in der Serie D 2 statt. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Mittwoch halb 8: D i e e r st e L e g i o n, B 1.— Donnerstag halb 8: D e r Rosen-a v a l i e r. ncuinszeniert. C 1.—_ Freitag halb 8: Gastspiel Leopoldine Konstantin mit Ensenckle: Duell der Li eb e. D 2.—'Samstag halb 8: Lhsiftraia, CI— Sonntag halb 8: Unent schuldigte Stunde, Arbeitervorstellung, halb 7: DieWaI- küre, Gastspiel Anny Konetzni, B 2.. Spielplan der Kleinen Bühne. Heute, Mittwoch 8 Uhr^ UnentschuldigteStunde, Bankbeamte H und freier Verkauf.— Donnerstag halb 8: Alle Rechte Vorbehalten, Erstaufführung.■— Freitag 8: Alle Rechte Vorbehalten, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8 llhr: Anna sagt nein, volkstümliche Vorstellung.— Sonntag 3 Uhr: Die erste Legion, 8 Uhr: Alle Rechtevorbehalten. Der Dknr Vas Geheimnis des gesunkenen Schiffes Niemand hätte das Recht, etwas dagegen einzuwenden, daß in Rußland, wo so viele vorbildliche und unvergeßliche Filme vom Weltgeschehen und Völkerschicksal, von Menschenleid und Massenkamps entstanden sind, auch einmal ein abenteuerlicher Kriminalfilm gemacht wird. Aber die Geschichte, die man hier vom Schatz in dem versunkenen Wrack zu sehen bekommt, ist gar nicht abenteuerlich, sondern vorwiegend ungeschickt und langweilig. Die Gründe find offenbar: man war nicht unbekümmert genug, um wirklich nach sensationellen Effekten zu Haschen, man hat versucht, das Ganze so erzieherisch zu machen, datz es leblos, unbeholfen und sogar ein bißchen kitschig wirkte, und man hat nicht die Technik gehabt, eine an sich unbedeutende Handlung durch Bewegung und Akzentuiermrg interessant zu machen. Es gibt zwar sehenswerte Aufnahmen vom Meeresgründe in diesem Film. Aber alles andere sind ermüdende Gespräche, deren Teilnehmer sich selten vom Fleck rühren. Was in diesem Film vorgeht, wird mehr erzählt und diskutiert als' gezeigt. Ein meisterhafter Taucher, der früher Kassenknacker war, erfährt von einem ebemaligen Spießgesellen, datz in dem englischen Schiffswrack, an dessen Hebung er usttarbeitet, eine erhebliche Geldsumme verborgen ist. Er raubt sie heimlich, aber die Gewissensbisse trüben seine Liebe zu einer jungen Schiffsingenieurin, und der Ver- Das Licht feiner Augen ist«in verfilmter tschechischer Kolbortageroinan von Courths-Mahler- .Niveau, der sicherlich sein Publikum hat. Es läßt sich von dem Unglück des jäh- erblindeten jungen Mannes und von der Aufopferung der Geliebten rühren und ist dabei im voraus über das befriedigende Ende informiert, das bei Romanen, die so bedenkenlos sentimental und primitiv konstruiert sind, nicht ausbleiben kann. Ein Filmkunstwerk konnte aus dieser Vorlage nicht werden, und man Zita Kabätovä in dem heimischen Dafa-Film„Das Licht seiner Augen" kann dem Regisseur Vaclav K u b ä s e k bescheinigen, datz er auch keinen Versuch in dieser Richtung gemacht hat. Unter solchen Umständen lassen die Leistungen der beiden Hauptdarsteller Zita Kabätovä und Jiki D o h n a l. die zum erstenmal im Film erscheinen, kein Urteil über ihre Fähigkeiten zu. —eis—> Prinzeß Inkognito ist eine Hollytvood-Operette von einer französischen Prinzessin, die der Heirat mit einem verhaßten spanischen Herzog durch die Flucht nach Amerika entgeht, wo ein durchaus nicht höfischer Hauptmann sie erobert und in die Wälder entführt, als der spanische Herzog mit deut Onkel der Prinzessin erscheint, um die Geflüchtete nach Frankreich zurückzuholen. Ta die Handlung im Anfang des 18. Jahrhunderts spielt, als Louisiana noch französisch, Frankreich noch eine. Monarchie und Amerika noch ein franenhungriges Kolonieland war, ist Gelegenheit zu historischen Reminiszenen gege- Heute, Mittwoch, den 11. März 1936, um 8 Uhr abends. Gruppenabende: Holleschowitz(Ka- menickä): Partei und Gewerkschaft. Zentrum(Liga): Kunst anders gesehen. Weinberge(Rärod- ni)Briefe aus Rußland; S o n n- tag. den 15. März, fmdet unser siebenter roter Klubabend statt. VerdnsnachdchUn Ortsgruppe Groß.Prag des Arbeiter-Atstinenten- bundes in der Tschechoslowakischen Republik Generalversammlung am 27. März 1936 um 8 Uhr abends im Bereins- heim Prag II, Närodni tt. Nr. 4. Tagesordnung:!. Berichte, a) des Obmannes, b)' des Kassiers. 2. Unsere nächsten Aufgaben. 3. Remvahlen. Vorsitzende Maria Deutsch. JÜHdtts freunde Donnerstag, den 12. März, im Parteiheim. Narodni tt. 4. 8 Uhr abends, wichtige Ausschutzsitzung und Helfergemeinschaft. Ltrratue Büchereinlauf Im Schwei zerSpiegel-Ver- l a g, Zürich, erschienen: AdolfGuggenbühl: Zerfall und Erneuerung derGe- m e'i n s"ch ästen, Preis geb. Fr. ö.—; Erich Not h:„D er Einzelgänger", Roman, Preis geb. Fr. 7.50, drosch. Fr. 6.—; Paolo Rossi: ch mache nicht mehr mit", Roman, geb. Fr. 6.80, barsch. Fr. 5.50.■ Im Albis-Verlag in Zürich erschienen:„Reisende Komödiant« n". Ein Schauspieler erzählt seinen Weg. Von H e r b e r t Redlich, Preis geb..Fr.'5.—-;„D i eGrapho- l o g/i e der Schreibmaschiri e", Handbuch für graphologische und'kriminalogische Ermirt- lungen von AlfredKring, Preis geb. Fr.. 6.— Im Verbano-Verlag, Locarno, erschien:„M archesaSpinola, ein Gemälde um Anton van Dyck" von Walter Victor. Mit 12 Bildtafeln in Kupfertiefdruck. Preis in Leinen geb. Fr. 6.80. Kelsen In der Krise Von Joan „Nein, Herr Schwerhand, heute bringen Sie mich nicht los, heute gehe ich von hier nickt eher "fori, ehe Sie"mir die längst' fällige Schuld bezahl! haben!" sagte Herr Leichtmund ruhig, aber entschieden zu seinem Geschäftsfreund, dem als Nichtzahler bekannten Papierhändler Schwerhand.' „Lieber Herr Leichtmund", antwortete Schwerhand, ebenso ruhig und ebenso entschieden, „ich schtvöre Ihnen, daß ich kein Geld habe... aber, da fällt mir gerade ein, daß ich einen großen Posten prima Heftpflaster am Lager habe. Wenn Ihnen damit geholfen ist?" „Heftpflaster wollen Sie mir an Stelle meines Geldes geben? Ja, was soll ich denn als Pappendeckelhändler mit Heftpflaster beginnen?" sagte Leichtmund. „Weiter an Zahlungsstatt geben", antwortete Schwerhand,„machen Sie es so wie ich es mache; ja, ja,>vir nähern uns trotz Atomzertrüm- merungsforschung und Stratosphärenflug, trotz Tonfilm und Radio dem biblischen Zeitalter wieder, sozusagen. Damals gab es auch einen bargeldlosen Verkehr und man gab für soundso viele Scheffel Getreide soundso viele Hammel..." „Aber kein Heftpflaster... was macht man mit Heftpflaster?" ereiferte sich Herr Leichtmund. „Nun," beruhigte Herr Schwerhand seinen Gläubiger,„wissen Sie denn nicht, wie notwendig man manchmal Heftpflaster braucht? Manschnei- ! det sich beim Rasieren oder ritzt sich an einem Nagel die Hand wund..." „Weiß ich, weiß ich alles, lieber Schwerhand, aber dann braucht man doch nur ein kleines Stückchen Heftpflaster, ivährend Sie... wie groß ist denn überhauvt das Quantum?" '^Hundert Gros prima..." „Gerechter Himmel!" wimmert« Lcichtmund, und dann... was ließ sich machen— Schwerhand stand vor dem Konkurs, dann bekäme er gar nichts— willigte er ein und übernahm die hundert Gros Heftpflaster. „Geld kann ich Ihnen keines geben", sagte am nächsten Tag Herr Leichtmund zu seinem Gläubiger Hartkopf,„ich will Ihnen aber meinen guten Willen zeigen und gebe Ihnen für die Schuld hundert Gros prima Heftpfläster, schwarz und rosa ... perforiert und nett verpackt." „Sind Sie verrückt?" schreit Hartkopf.„Was mache ich mit soviel Heftpflaster?" „Tann... ja, dann muß ich Ihnen einen Wechsel geben.. brachte Leichtmund zynisch hervor. „Nein, nein, nur das nicht I Dann lieber das Heftpflaster!" sagte der von der Drohung überbürdete Hartkopf: „Was mache ich mit hundert Gros Heftpflaster, frage ich Sie?" schreit wieder einen Tag später, Weichfuß, der Juwelier. Und der Brief- markenhändler Hartkopf schreit zurück: „Weitergeben! Weitergeben an die Gläubiger Ihrerseits— so wie ich es tue, tun muß, und so wie ich bas Pflaster von Leichtmund und dieser von Schwerhand hab nehmen müssen— M. P. Batalov in dem Sowjet-Film«Das Geheimnis des ver- .‘ sunkenen Schiffes" Filme in Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino:„Katz im Sack." Magda Schneider.— Adria:„In den Gäßchen von Paris." 3)?. Chevalier.— Fr.— Alfa:„D i e sündigen Frauen von Boom." Regie Feyder.— Fr. — Avion:„Großfürstin und Kellner."— A.— Be- ränek:„Die Liebe der Marquise de Pompadour." — D.— Fenix:„Prinzessin Inkognito." Jeanette MacDonald.— A.—. Flora:„Tie Liebe der Marquise de Pompadour." Itagy.— D.— Gaumont: ^Das Licht seiner Augen." Heimischer Film."— Hollywood:„Die Mädel vom Moorhof."— D.— Hvkzda:„Revolution des Blutes und deS Geistes," Dok. Film.— Intis:„Tas Licht seiner Augen." Heimischer Film.— Kincma, B.-Th.:' Journale, Groteske, Reportagen. Ab halb 2 bis z^7.— Koruna: Attualitätenbühne: Journale, Groteske, Reportagen von 2 bis 10 Uhr abends. Auch für Jugendliche.—• Kotva B. 36:„Tas Geheimnis des versunkenen Schiffes,"— R.— Lacerna:„Prinzessin Jrüog- ' nito?" I. MacDonald.— A.— Metro:„Die letzten Vier von Santa Cruz."— D.— Olympic:„Tie Liebe der Marquise de Pompadour." Nagy.—. D. — Passage:„Ter Kurier des Zaren." Ad. Wohlbrück.— D.— Praha:„Tas Lickt seiner Augen." — Tsch.— Radio:„Peter Ibbetson." G. Cooper,- — A.— Staut:„Die Wildkatze." H. Piel.— D.—- Svctozor:„Der Kurier des Zaren."— D.— Alma:„Congorilla." Dschungel-Expedition.— Baikal:„Jänosik." Regie Mac Fric.— Tsch.— Belvedere:.Katharina— die Letzte." Franz. Gaal.—- D.— Beseda:„Tie Liebe der Marquise de Pompadour." Nagy.— D.— Carlton:„Fort mit den Sorgen." Laurel und Hardv.— A.— Illusion: „JänoSik."— Tsch.— Kapitol:„Wien, du Stadr meiner Träume."— Konvikt:„Tie Wildkatze."—- D.— Lido II:„4% Musketiere."—D.— Lonvrc: „Jänosik."— Mareska:„Jänosik."— Tsch.— Rozy:„Tie Liebe der Marquise de Pompadour." i Nagy.— D.— Sport:„Jänosik."— Tsch. MWkliliÄ MltßWllMkll Ider Arbeiterfürsorge finde» jeden Samstag von 5—7 Uhr im Bereit, deutscher Arbei» ; 1er, Smeckagafse Nr. 27, statt. also wollen Sie... oder Sie bekomnixn gar nichts!" Und Weichfuß, der Juwelier, nahm das Heftpflaster und drängte es seinem Schneider auf. Dieser heftete die Ware dem Zubehörgeschäftsinhaber und jener wieder dem Rockfutterfabrikanten an— der aber war, o Wunder in dieser Zeit, niemand etwas schuldig, niemand, außer dein Papier- warcnhändler Schwerhand.— Und so kam Schw^r- hand wieder zu seinem Heftpflaster. Er verbrachte eine schlaflose Nacht und erst in den Morgenstunden, als schon die Sonne durch die Scheiben grinste, hatte Schwerhand einen nahezu genialen Gedanken... Und am Vormittag desselben Tages denunzierte er sich selbst beim Steueramt. Er schrieb anonym, datz er derzeit Pfändbares im Hause hätte... Von allen Behörden ist aber die Steuerbehörde die exakteste, die flotteste.. Kaum war das Schreiben angelangst, als sich auch schon Pfändungsbeamte bei Schwerhand meldeten und sich wie Tiger auf das große Quantum Heftpflaster stürzten. Und Herr Schwerhand hatte dadurch um eine Steuerschuld weniger, war auch Herrn Leichtmünd nichts mehr schuldig, wie weiter noch eine ganze Reihe von Personen reibungslos eine Schuld getilgt,hallen. Und da sage man noch, eine Steuerbehörde trage nichts zur Hebung der Wirtschaft bei. Was ist aber nun mll den hundert Gros rosa und schtvarzes Heftpflaster geschehen? Die liegen jetzt im Depot zu Zahl X, Sch/ll, 1433/34 a und warten darauf, wieder wtiter- geleitet zu werden. Doch wo findet sich ein Gläubiger des Steueramts? B e z u g s b e d i n g u n g e n: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich KL 16.—, vierteljährig KL 48.— halbfähttq KL 96.—. ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnacklatz.— Rückstellung von Manuskripten ertotgt nur bei Einsendung der Retourmatten.— Dir Zeitungsfrankatur wurde vcn der Post- und Tcle- ..... graphcndirtttton mll Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:.„Orbis", Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G. Prag..