Einzelpreis 70 Heller (einschließlich i Heller Forte) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHER ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME OES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova ü. telefon 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 16. Jahrgang Donnerstag, 12. März 1936 Nr. 6 t merhin verpflichtet zu sagen, daß es ihnen bisher in bemerkenswerter Weise gelungen ist, sie gc- heimzuhalten. Wir sind aber genug skeptisch und auch genug unhöflich, um zu behaupten— bis zum Beweis des Gegenteils—, daß derzeit unsere Staatsmänner noch keine klare V o r- st e l l n n g davon haben, wie die Gefahr eines deutschen Angriffs zu beseitigen wäre. Drei Jahre militärisch machtlosen Hitler gestattet, unter | flagranter und bald auch offizieller Vertragsverletzung eine furchtbare Armee wiederaufzustellen, die heute schon alle Nachbarn Deutschlands be- ! ängstigt. Sie hätten wissen müssen, daß alles andere Unheil zwangsläufig folgen wird. Sie haben I alles geschehen lassen. Sind die Regierungen Frankreichs, Englands und Belgiens sich aber wenigstens j e tz t im Klaren? Werden sie endlich verstehen, daß die große Gefahr nichtDeut sch- l a n d schlechtweg ist, sondern das revanchelüsterne, brutale, barbarische Deutsch landHitlers? Werden sie immer noch nicht begreifen, daß man mit einem demokratischen Deutschland sich leicht auf einer Basis verständigen würde, die tatsächlich die Sicherheit aller gewährleistete, während die Gefahr eines plötzlichen, blitzartigen, nicht provozierten Angriffs immer bestehen wird, solange dieses abscheuliche Regime in Deutschland herrschen und über die genügenden Mittel verfügen wird, um einen solchen bösen Schlag zu riskieren? Vielleicht werden die französischen, englischen, belgischen Staatsmänner heute diese seit langem augenscheinliche Wahrheit begreifen. Aber- Begreifen allein genügt nicht. Man muß im Lichte dieser Einsicht handeln! Ausgedrückt in einem einzigen Satz: Man muß die gegenwärtige Lage dahin charakterisieren, daß die Sicherheit Belgiens und Frankreichs und der Frieden Europas das Ende des Hitler- Regimes in Deutschland fordern. Das ist die wahre einzige Lösung. Wird man einwenden,' daß die anderen Staaten auf die innere Herrschaft in Deutschland keine Einflußmöglichkeit haben? Das wäre ein völliges Mißverstehen der Wirklichkeit. Das deutsche Volk leidet grausam. Die Hitler-Mystik ist tot, sein Regime wird verabscheut und kann von heute auf morgen zusammcnbrechen. Ein diplomatischer äußerer Erfolg, erzielt durch die charakteristischen Methoden der Brutalität, kann das Regime retten, eine entscheidende diplomatische Niederlage würde sehr wahrscheinlich feinen Zusammenbruch beschleunigen. Die interessierten Regierungen brauchen sich nur genau an ihre, in den internationalen Verträgen verzeichneten Rechte zu halten. Sie haben an den Völkerbund appelliert. Aber dieser Appell darf und kann sich nicht darauf beschränken, die letzte Vertragsverletzung aufzuzeigen. Es sind sa andere Verletzungen vorausgegangen, vor allem die Wiederaufrüstung. Der Völkerbundrat hat die Aufgabe, dem internationalen Gesetz Respekt zu verschaffen. Wenn Deutschland sich nicht fügt, mutz man ihm Sanktionen auferlegen. Wir wollen den Frieden, nicht den Krieg. Die militärischen Sanktionen, die der Völkerbundpakt vorsieht, müssen nur befürwortet werden, wenn sich wirklich keine andere Möglichkeit bietet, den Frieden zu retten. Soweit sind wir noch nicht. Wirtschaftliche Sanktionen würden vollkommen genügen, um Hitler das Ende zu bereiten. Vielleicht wird er drohen, Sanktionen, selbst friedliche, mit Krieg und Einmarsch zu beantworten. Lietze Europa sich durch solche Drohungen imponieren, wäre es verloren. Solche Drohungen Hitlers sind nicht ein Zeichen der Stärke, sondern der Schwäche. Sein Regime würde nur einige Wochen einer ernsten Blockade widerstehen können. Die anderen Nationen hätten lediglich loyal das internationale Recht anzuwenden,— den Rest würde das deutsche Volk besorgen. Nach kurzer Zeit wäre die Hitler-Barbarei nur noch eine schreckliche Erinnerung und ein demokratisches und friedliches Deutschland könnte wieder in die Gemeinschaft der zivilisierten Völker eintreten. Das ist Politik. Kann man ihr wirklich eine andere klare und logische gegenüberstellen?" snngen ersucht und schließlich den Anstoß zur Verlegung der Beratungen nach London gegeben haben. Die Anwesenheit der Rheinpaktsignatare und der Bölkerbundmitglieder in London werde auch unmittelbarer der englischen verantwortlichen Leffentlichkeit dir kollektive Pflicht Frankreich und Europa gegenüber in Erinnerung bringen. London anstatt Genf sei also eine entschieden gün- st i g e r e Wendung und London könne dem Völkerbund einen Auftrieb geben. Andere Blätter befürchten dagegen, daß in England der„englische Nebel" die Oberhand gewinnen und daß aus den Londoner Beratungen höchstens eine moralische Verurteilung der deutschen Tat, aber gleichzeitig eine direkte Anregung zu Verhandlungen mit Deutschland entgegen dem .Standpunkt Frankreichs hervorgehen werde. ** Winnen. ES ist die tragische Verkettung, die seit 1933 immer wieder die mögliche Befreiung Europas vom Alpdruck der Hitlerei an die mögliche Katastrophe eines Weltbrandes bindet.- In Deut sch land, zeigt man sich angesichts der immerhin bedrohlichen Lage sehr sieges- sickier, was besonders in der Rede Go ebbe' S' zum Ausdruck kam, die eine keckeHeraus- forderung Frankreichs getvesen ist. Italien gegen Sanktionen Eine halbamtliche Erklärung Rom.(Strfani.) An politischen Stellen wird erklärt: Die italienische Regierung hat sich noch nicht entschieden, welchen Standpunkt Italien hinsichtlich der Aufkündigung des Locarno-Vertrages seitens Deutschlands einneh- men wird. Es ist wahr, daß Europa um die Mitwirkung Italiens bei der Lösung verschiedener sich aus der deutschen Entscheidung ergebende« Fragen ersucht, aber Italien kann nicht auf seine gegenwärtige Lage als Staat, gegen den Sanktionen angrwendet werden, vergessen. Es stellt sich daher gegen jede derartige gemein- same Aktion. Außerdem muß sich Italien die wohlwollende Geduld vor Augen halten, die Großbritannien gegenüber Deutschland bekundet. Unter diesen Umstäirden erklärt Italien, daß e^s nicht zweierlei Maß zulassen kann. Das italienische Volk wünscht nicht, daß gegen irgend einen Staat Sanktionen angrwendet werden, wie es nicht will, daß sie ihm gegenüber durchgeführt werden.. Entscheidung fällt in London Worum es in Wahrheit geht: Der Welt-Kapitalismus bangt um Hitler Paris.(Tsch. P. B.) In den politischen Couloirs und in den Morgenblättern fehlt es nicht an Erklärungen und Vermutungen wegen der plötzlichen Wendung in den Pariser Beratungen und der Verlegung der Besprechungen der Rheinpakt-Signatare und der Bölkerbundratsitzung nach London. Der größte Teil meint, daß die feste Stellungnahme der französischen Regierung, dir Außenminister Flandin neuerlich bei der Beratung der Signatare und die Regierung im Parlamente wiederholt, hat und welcher f a st einstimmig die Mitglieder beider Kammern zugrstimmt haben, d. i. mit Deutschland nicht zu verhandeln, solange es seine Truppen aus dem Rheinland nicht abberuft, auf die englischen Delegierten bis zu dem Maße gewirkt hat, daß sie ihre Regierung nm neue Wei- .* Cs geht in dem Vorgefecht der Garantie- Mächte offenbar jetzt vor allem darum, daß Frankreich den Briten die volle Verantwortung für ein eventuelles Zurückweichen vor Hitler in die Schuhe schieben will. Die französische Regierung tritt nach 'außen sehr entschieden auf, scheint aber dabei mit dem Widerstand der Engländer als einer sicheren Größe zu rechnen gleich jenem Jähzornigen, der doch vorsichtig genug ist, seine Freunde fortwährend aufzufordern, sie-möchten ihn um Goticswil- len zurückhalten. Daß Frankreichs moralische Entrüstung über- die englische Schwäche ein Loch hat. darauf haben wir schon wiederholt hingewiesen. England brauchte sich nur darauf zu berufen, daß man gegen Hitler nicht schärfer vorgehen dürfe als g e g en Mu s s o l i n i. Es hat lange genug gedauert, bis Frankreich sich zu den ersten schüchternen Sanktionen gegen Italien herbeiließ. Heute wirft es den Briten bereits vor, daß sie nicht auf der Stelle zur Abberufung der Botschafter greifen. Die Botschafter in Rom aber müßten feit Oktober abberufen sein... Die Engländer zeigen eine gewisse Lust zu Verhandlungen. Frankreich ist entrüstet darüber. Aber war es nicht Frankreich, das mit dem Friedensbrecher Mussolini dauernd verhandelte und den größten Wert darauf legte, daß man auch wä-hrend der Sanktionen verhandle?! Hat nicht Laval die Idee propagiert, daß der Angreifer gesättigt werden, daß der Angegriffene die Rechnung bezahlen müsse?! Diesen Gedanken, daß Laval der Schuldige sei, entwickelt auch unser französisches Bruderblatt, der„P o p u- laire". Die entscheidende Frage wird sein, ob überhaupt eine der Garantiemächte wirklich den Sturz Hitlers will. Und hier scheint nicht nur England zu zögern, sondern doch Wohl auch das Kabinett Sarraut-Flandin. So wenig sich die Westmächte an Mussolini ernstlich herangetraut haben, weil sie die„Anarchie" fürchteten, die nach ihm kommen würde, so wenig Lust haben die Beauftragten des Pariser und Londoner Finanzkapitals, durch denStstrzHitlerseinedeutscheRe- volution heraufzubeschwören. Um dies und nichts anderes geht es in London. Es wird eine Frage der Geschicklichkeit Flandins oder Edens sein, daß einer dem andern die Verantwortung zuschiebt. Im Grunde aber wollen beide den Pelz waschen, ohne ihn naß zu machen. Sie wollen Deutschland zurückweisen, aber Hitler halten, während das Interesse Europas doch gerade erfordern würde, Hitler zu stürzen und einem von Hitler befreiten Deutschland den Weg in die europäische Völkergemeinde zu ebnen. Hitler kann gestürzt werden, wenn entsprechende wirt- schaftliche Sanktionen verhängt werden, die mächtige Kreise gegen ihn in Bewegung setzen würden Aber gerade deshalb werden die Westmächte zögern, die geeigneten Sanktionen zu ergreifen. Nicht unterschätzt darf natürlich auch das Moment der Ang st v o r d e m Kriege werden. In den Ländern der Genfer Front fürchtet man den Krieg— natürlich mit Recht Deutschland allein ist bereit, alles zu riskieren, und weil es den Mut zu einem verbrecherischen Hasardspiel hat, der den Andern fehlt, hat es die bessere Chance, die Partie ohne Krieg zu ge- Holland behält Reservisten unter den Waffen Haag. Ministerpräsident Colijn teilte Mittwoch im Rundfunk mit, daß dlr Wehrpflichtigen der sogenannten Winterschicht, die am nächsten Samstag ihre Ucbungszrit beendet und eigentlich auf Urlaub für unbestimmte Zeit gehen sollte, soweit es sich um Infanterie und Radfahrer handele, unter den Waffen gehalten werden solle. Dies fei lediglich eine Sicherheitsmaßnahme, die aufgehoben werden würde, sobald sich die europäische Lage beruhigt hätte. Vie einzige Lösung: Hitlers Sturz Das Blatt der belgischen Sozialdemokratie, I sie eine solche klare Idee haben, so sind wir im- „Le Peuple", nimmt in seiner Folge vom 1V. März, in höchst beachtenswerter Weise zu der kri tischen Lage Europas Stellung, die durch Hitlers Bruch des Locarno-Paktes entstanden ist. Der Artikel, dessen Verfasser, der außenpolitische Re dakteur des„Peuple" I e x a s ist, zeichnet sich ebenso durch Entschiedenheit des Wollens wie Klarheit des Ausdrucks aus. Wir geben den Arti kel nachstehend wieder und bemerken, daß die er-■ lang haben sie, während die Tatsachen um Rache sten drei Absätze einen in Inhalt und Form sinn- zum Himmel riefen, sich hartnäckig dagegen ge- gemäßen Auszug darftellen, während vom vierten j wehrt, die Wirklichkeit zu sehen. Sie haben einem Absatz an die wörtliche llebersetzung folgt. Jetzt muß g e h a n d e lt werden! Aber da zu muß man wissen, was man will, den festen Willen haben, zum Ziel zu gelangen. Hitler weiß, was er will: zur Aufrechterhaltung seiner Diktatur dem enttäuschten deutschen Volke durch kühne Ausfälle in der auswärtigen Politik impo nieren, auch auf die Gefahr eines europäischen Brandes; und die preußische Militärherrschaft in Mittel-, Ost- und Westeuropa aufrichten. E r also weiß, was er will— doch wissen die Mächte, die er provoziert, was sie wollen? Daß die Regierungen Frankreichs und Bel giens an den Völkerbund appelliert haben, ist gut. Aber was versprechen sie sich davon? Gesetzt selbst den doch keineswegs sicheren Fall, daß der Gen fer Rat angesichts der Einmütigkeit Frankreichs. Beligens, Englands und Italiens Deutschland dazu bewegt, seine Truppen aus der demilitari sierten Zone zurückzuziehen? Gesetzt selbst den Fall, daß Hitler dem zustimmt— können dann Belgien und Frankreich ruhig schlafen? Bliebe nicht dennoch die ständige Gefahr der Invasion, täglich wachsend, täglich deutlicher werdend? Wer den die Staatsmänner, die sich in Genf und Lon don versammeln, es wagen, ihren Völkern zu sagen, daß sie zu einer Unterschrift Hitlers Ver trauen haben können? Schon jetzt mangelt es an Einigkeit und Solidarität der Regierungen und der öffentlicher. Meinung in den verschiedenen Locarno-Signatar landern. Es melden sich'Stimmen, die raten, aus die französische Regierung in mäßigendem Sinne einzuwirken. Und dabei gibt es doch niemanden. der Frankreich eines ähnlichen Gewaltstreichs für fähig hielte, wie Hitler ihn begangen hat. Warum also diese Ratschläge zur Mäßigung? Will man, daß gegen den schuldigen Staat nicht alle Hilfs mittel angewendet werden, zu denen uns das in ternationale Gesetz autorisiert? „Genügen nicht die Lehren der letzten drei Jahre? Will man warten, bis Hitlers Flugzeuge eines Tages Brüssel, Paris oder London bombar dieren und bis seine motorisierten Regimenter genau so rapid Lüttich oder Maastricht besetzen, wie jetzt die Reichswehrbataillone in Köln ein marschierten(während Hitler noch zu seinem Witz von Reichstag sprach)— und bevor die über raschten Botschafter auch nur Zeit hatten, ihren Regierungen zu telegraphieren? Wenn man auf diese Weise Vorgehen will, dann können wir— ohne die geringste Gefahr, zu irren— Voraussagen, daß die deutsche Inva sion in Belgien und Frankreich nur eine Frage der Zeit, vielleicht einer sehr kurzen Zeit ist. Wenn man der Gefahr der Invasion, die kein verant wortlicher Belgier oder Franzose leugnen kann, vermeiden will, dann mutz man etwas tun.! Haben die französischen, englischen und belgischen Staatsmänner eine klare Idee von den ernsten Mitteln zur Beseitigung dieser Bedrohung? Wenn Donnerstag, 12. März 1936 Nr. 61 Seite 2 Ilie SdP soll an ihre Kapitalisten appellieren, wenn sie die soziale Not bekämpfen will Kleine Entente für Einhaltung Internationaler Verpflichtungen Genf. Nach der Ankunft deS rumänischen Außenministers Titulescu in Genf sind die Vertreter der Kleinen Entente und der Balkan- Entente zusammengetreten, um die durch die einseitige Aufhebung der Locarnoverträge durch Deutschland entstandene Lage zu prüfen. An der Beratung nahmen für Rumänien Außenminister Titulescu» für Griechenland Gesandter Roseti, für die Tschechoslowakei Legationsrat Dr. Heidrich, für die Türkei Kemal Husny und für Jugo- slaivien Gesandter SubotiL teil. Es wurde keinKommuniquä ausgegeben, jedoch hrrvorgehoden, daß die llebereinstimmung der Ansichten hinsichtlich der Axt, in welcher die Staaten der beiden Ententen in den nächsten Tagen bei der Lösung der Fragen vorgehen werden, vollkommen ist. Das Borgehen der Staaten der Kleinen Entente und der Balkan- Entente ist durch die bisherige Richtlinie ihrer Außenpolitik gegeben und stützt sich auf die Grundsätze des Bölkerbundpaktes, namentlich auf den Grundsatz der Einhaltung aller internationalen Ber. pflichtunge». Hitlers letztes Wort... Paris.„Matin" druckt ein Interview der Londoner„Daily Mail" ab, das H i t l e r dem Redakteur Ward Price gewährt hatte. Hitler erklärte u. a.: Mein Angebot eines Nichtangriffspaktes ist ein allgenleinrS und gilt ohne Ausnahme auch für die Tschechoslowakei und Oesterreich. Deutschland wäre glücklich, wenn England die Vermittlerrolle auf sich nehmen würde. Auf die Frage Ward Price wegen der Dirigierung der deutschen Truppen in die entmi- litarisierte Zone erklärte Kanzler Hitler, daß im Rheinland keine Rede von einer Konzentrierung der deutschen Armee zuOffensivzwek- l e n sein könne. Deutschland wolle nach dem Rheinland nicht mehr als die normale Besatzung schicken. Falls aber diese Vorschläge, wie so viele andere, abermals verworfen oder nicht in Erwägung gezogen werden sollten, werde die deutsche Regierung Europa mit neuen Angeboten nicht mehr belästigen. Parlamentskommission In die Festungszone Paris. Der Wehrausschuß der Kammer beschloß nach dem Meinungsaustausch über die bisherigen militärischen Maßnahmen, in die Grenzzone an der französischen Ost- und Nordostgrenze eine sechsgliedrige parlamentarische Kommission zu entsenden, welche an Ort und Stelle den Stand der Sicherheitsmaßnahmen prüfen soll. Amerika mischt sich nicht ein Washington. Im Weißen Hause wird erklärt, daß Präsident Roosevelt nicht die Absicht habe, im gegenwärtigen Zeitpunkte an einer Demarche im Zusammenhang mit der Situation in Europa teilzunehmen. Eine tschechische Stimme Im Senat: Prag. Im Senat wurde am Mittwoch die abernmlige Verlängerung des Hopfenabkommens mit Deutschland bis Ende August d. I. genehmigt. Der Referent Jng. M a r u s ä k befaßte sich dabei ausführlich mit unseren handelspolitischen Beziehungen zu Deutschland. Im Jahre 1934 ist zwar unsere Ausfuhr nach Deutschland von 1046 auf 1564 Millionen liö gestiegen, da aber Deutschland nicht inDevi« s e n, sondern nur in Waren zahlt, kann die Abtragung unserer Aktivspitze im Clearingverkehr nur durch erhöhte Abnahme deutscher Waren ausgeglichen werden. Unsere Einfuhr nach Deutschland betrug 1984 jedoch nur 1244 Millionen. Ende 1935 ergab sich auf dem Sammelkonto für uns ein Aktivum von rund 300 Millionen K<5. Das hat zur Folge, daß unser Exporteur mindestens vier Monate auf die Bezahlung seiner Rechnung durch den deutschen Abnehmer wmüen muß. Herr Bock von der SdP benützte diese Gelegenheit, um in wirtschaftlich getarnter Form seiner Sympathie für das Hitler r e i ch Ausdruck zu geben. In einer pathetischen, mit allerhand Kathederblüten(„.. da tritt eine Katastrophe ein, die pro Hektar 25 Zentner abwirft") gewürzten Rede plädiert er für ein freundschaftliches Verhältnis zu Deutschland, das ein„Segen" für beide Staaten wäre. Die Tatsachen der Handelspolitik seien dazu angetan.(Zwischenruf: Deutschland zahlt ja nichts!). Unter zahlreichen Zwischenrufen auf der Linken wettert der Herr Senator weiter gegen die Friedensstörer: „Ueberall sind«I gleichen unterirdischen K r ä f t e, die systematisch an der Zerstörung und Unterminierung des Weltfriedens arbeiten und die Völker in einen neuen Weltkrieg stürzen wollen. Auch unser Staat muß, wenn er leben will, diesen Kräften die Stirn bieten..." Der Herr Senator scheint demnach die Literatur des Dritten Rieches über den unheilvollen Einfluß jüdischer Freimaurer etc. auf die Weltpolitik eifrigst studiert, dagegen seit dem Hitler- umsturz keine einzige Zeitung mehr gelesen zu Ein Industrieller gegen niedrige Löhne In der Ortsgruppe Warnsdorf des Deutschen Hauptverbandes der Industrie hielt Dienstag, den 10. März, der Textilindustrjelle Hermann S ch e f t e r einen Vortrag, der besonders dadurch bemerkenswert ist, daß sich der genannte Fabrikant mit Entschiedenheit gegen niedrige Löhne der Arbeiter wandte. Er sagte u. a.: Es ist eine weit verbreitete Ansicht, der Export ließe sich vergrößern, während der Jn- landsmarkt eine wesentliche Steigerung des Absatzes nicht ermögliche. Aus dieser Auffassung wird gefolgert, daß eine Regelung der Lohnfragen zu unterbleiben habe, weil sonst der Export bedroht würde. So sind chaotische Zustände eingerissen. Der Unterschied in der Stunden-Entlohnung einer Arbeiters innerhalb eines ErzeugungSzweigeS schwankt in der Textilindustrie zwischen 1 und 3 K£. Entsprechend schwanken auch die Kosten haben. Anders ist dieses krasse Unwiffen in Bezug auf die Frage, wer denn eigentlich in den letzten Jahren und vor allem in den allerletzten Tagen systematisch den Weüfrieden bedroht, kaum zu erklären. Der Referent Jng. Maruöäk zeigt zunächst die Unhaltbarkeit der wirffchaftlichen Thesen deS Herrn Bock auf: Wenn wir unseren Export nach Deutschland nicht vergrößern können, so ist die Zahlungsunfähigkeit Deutschlands die Ursache.(Genosse Grünzner ruft dazwischen: Es steckt sein ganzes Geld in die Rüstungen hinein!) Da Deutschland nur mit Waren bezahlt, haben wir an einer Exportsteigerung kein solches Interesse. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist sicher ärger als bei uns und wäre noch größer, wenn Deutschland nicht so viel Kriegsmaterial erzeugen würde. Der Arbeiter bekommt drüben nur in der Rü- stungsindustrie Arbeft. Wenn Bost auf die soziale Rot bei «ns verweist, so sei dem entgrgenzuhalten, daß er doch einer Partei angehört, die in ihrer Mitte das deutsche Kapital vereinigt, die Fabrikanten, Bankiers usw.(Widerspruch, Zustimmung auf der Linken, Lärm). Die Ber- treter der SdP im Senat würden, statt hier Agitationsreden zu halten, besser daran tun, sich an ihre Vertreter in den Kartellen «nd im Jndustriellenverband zu wenden«nd sie zu bewegen, daß sie keine antisoziale Politik betreiben und den Bemühungen, der Arbeiterschaft ein auskömmliches Leben zu ermöglichen, keine Hindernisse in den Weg legen!(Beifall.) Auch die zweite Referentin, P l a m i n- k o v ä, findet es merkwürdig und für die Mentalität der SdP bezeichnend, daß ihr Redner sich in wirtschaftlichen Dingen das Interesse Deutschlands zu eigen macht. Nach Annahme der Vorlage und Erledigung einiger zweiter Lesungen wurde die Sitzung geschloffen, ohne daß ein Termin für die nächste Sitzung anberapmt worden wäre. der Erzeugung. Aber verkauft muß zu gleichen Preisen werden. Die Folgen dieses LohndumpiugS auf den Jnlandmarkt sind katastrophal. Ein Arbeiter mit 1 bis 2 AS Ttundrnlohu kann auch ohne Familie kaum vegetieren, er kann nicht mehr als Konsument betrachtet werde«. Aber die Industrie braucht nichts dringender als Konsumenten. Der Jnlandmarkt mit allen seinen großen Möglichkeiten wird unterschätzt. Für jeden derzeit Arbeitenden 1000 AL mehr alS bisher tm Jahr, wären ' Milliarden neue Umsätze. Auch der übrige Teil des Referats des Herrn Schefter ist sehr sachlich gehalten. Der Vortragende lehnte Exportprämien ab und verlangt billigen Exportkredit, raschere Refundierung der-Handelssteuern sowie Frachtbegünstigungen, wofür die Unternehmer ein Mindestlohngesetz mit allen seinen Folgen in Kauf nehmen sollten. Ein solches Gesetz sei, wie Schefter meint, die Voraussetzung für die Gesundung unserer Industrie. Es ist lebhaft zu begrüßen, daß sich einmal ein Industrieller findet, für den Jndustrieförde- rung nicht Lohnabbau und Kampf gegen die Arbeiterschaft bedeutet. Wenn die deutschen Industriellen eine solche Wirtschaftspolitik betreiben würden, wie sie Schefter empfiehlt, dann könnten sie mit der Unterstützung der deutschen Arbeiterschaft rechnen, die ein Lebensintereffe an der Erhaltung und Förderung der sudetendeutschen Industrie hat. Nächste Woche außenpolitisches Expose Auf Grund einer Vereinbarung der Führer der Koalitionsparteien mit den zuständigen Stellen wird für die ersten Tage der nächsten Woche der außenpolitische Ausschuß des Abgeordnetenhauses einberufen werden, um ein Expose des neuen Außenministers Dr. K r o f t a über die außenpolitische Situation entgrgrnzunehmcn. Vereinigung der magyarischen Parteien In der CSR Seit längerer Zeit wird zwischen den zwei großen magyarischen Parteien der Slowakei, nämlich der unter Führung des Abgeordneten S z ü l l ö stehenden magyarischen Nationalpartei und der vom Abg. Esterhazy geführten magyarischen christlichsozialen Partei Verhandlungen über eine Bereinigung der beiden Parteien geführt. Dienstag, den 10. März, fanden nun die Schlußberatungen der beiden Parteien statt, wobei die Rationalpartei in Nove Zämky, die Christlichsozialen in Preßburg tagten. Wie es heißt, sollen insbesondere die magyarischen Geistlichen gegen die Vereinigung gewesen sein, dennoch sind die Beratungen positiv abgeschlossen worden. Es wird eine einheitliche Partei gebildet unter dem Namen„Vereinigte christlichsoziale und magyarische Nationalpartei, die von einem Direktorium geleitet werden wird. In die neue Partei tritt auch die kleine Gruppe der magyarischen katholischen Partei ein, die sich vor einiger Zeit von den magyarischen Christlichsozialen abgesplittert hat. Der Präsident der Republik empfing Mittwoch den Ministerpräsidenten Dr. Milan H o d» z a. Weiters empfing er den Bürgermeister von Karlsbad Anton Schreitter sowie Vertreter der Masaryk-Universität in Brünn. Am Nachmittag empfing der Präsident den jugoflawischcn Gesandten Dr. P r o t i ö. Im Kulturausschuß des Senates wurde durch eine Resolution zur lex Uhlir das Schulministerium auf die sogenannte lexPerek, ein mährisches Landesgesetz aus der Vorkriegszeit, aufmerksam gemacht und aufgefordert, den Auswirkungen dieses Landesgesetzes erhöhte Aufinerksamkeit zu widmen und eine geeignete Aenderung im Sinne der heute allgemein gültigen Grundsätze in der Erziehung der Schuljugend vorzubereiten.— Die lex Perek bestimmt bekanntlich, daß die Müder nur Schulen ihrer Muttersprache besuchen dürfen;, das Gesetz hat in weitem Maße dazu beigetragen, daß der Schulkampf in. der Vorkriegszeit in Mähren auf ein Minimum beschränkt blieb. die da I großen Raum, wir können nach innen tanzen, wenn ich es so sagen darf,..." Draußen war es längst dunkel geworden. Wie lange saß Schumann schon hier, wie lange war es schon, daß nur noch Frau Amttie sprach! Haydöe zündete nicht die Lampe an der Decke, sondern nur ein Lämpchen auf dem Tische an. Die Jalousien zog sie eng in den Rahmen hinunter. Es war heiß und stickig, wie unter Deck eines Dampfers, aber Halber schien das nicht zu spüren, sie hatte sich auf den Ladentisch gesetzt, schnitt Orangen durch und saugte sie aus. Frau Amttic versank jetzt in Erinnerung. Sie fischte von hinten irgendwoher aus dem Dunkel eine schmale Trommel und begann darauf mft den Fingern einen kurzen, monotonen Takt zu schlagen. Er klopfte leise und müde durch den Raum. Schumann sah die kräftigen Finger sich auf der kreisrunden Fläche auf und ab bewegen, erkannte noch die Umrisse der Knie, und ab und zu kam auch der Mund der Frau in den Lichtkreis des Lämpchens. Die Finger toaren unter den ungefärbten Nägeln dunkelrosa, das Weiß der Monde schien Schumann heller als gewöhnlich. Auf und ab gingen die zähen, vibrierenden Schlägel, trommelten, tronimelten immer schneller, und aus dem Mund kam dazu, nicht zurückgehalten mehr vom Zaun, der Zähne, ein kurzer, leiser, anfeuernder Ruf. Der ganze Laden schaukelte wie eine Schiffskabine. Jedenfalls schien es Schumann so. Er setzte sich in einem Sessel zurecht, als müsse er sich fester halten. Seine Füße wippten den Taft mit, allmählich begannen sie, richtig den Boden zu klopfen, schneller, immer schneller. Schneller wirbelten auch die Finger. Jetzt öffnete sich der Mund der Frau groß und stieß einen rauhen, starken Laut aus. Dann sank das Geräusch, wurde leise, aber der Rhythmus blieb, und es schien das Lich: in der Lampe in dem Rhythmus zu zucken, die Flüssigkeit in den Flaschen begann zu wippen, die MANNER, FRAUEN) I UND WAFFEN Roman von Manfred Georg I I Copyrisut by Dr. Manfred Georg, Präs Sie war jetzt schon ein wenig angetrunken. Das sechsfache Quantum war das mindeste, was sie, gemessen an Schumanns und Haydtt's Konsum, vertilgt hatte. „Ich habe von seinem Blut getrunken," referierte Haydtt sachlich. „Gut, gut, mein Töchterchen, er scheint ja ein mutiger Mensch zu sein. Offizier und reich und keine Angst vor der Farbe, die wir tragen..." „Aber gnädige Frau," warf Schumann ein, ganz abgesehen davon, daß mir das egal ist, in soviel Generationen erlischt doch das." Frau Amttie sprang auf: „Nichts erlischt, mein Herr, wir sind Stärkeren. Mich hat auch niemand, wenn ich in meinem Marseiller Hotel war, für jemanden anders gehalten als eine Südfranzösin aus bester Familie. Tvmals habe ich mich zusammen nehmen müssen, bin nicht immer so frei im Leben und in der Kleidung gewesen, wie ich es hier sein kann. Hier bin ich zu Hause. Sie werden es mir nicht verübeln, daß ich mich nicht umzog. 2m Hotel war ich immer so adrett und steif angezogen wie eine Gouvernante. Wer des Nachts oben in meinem Zimmer habe ich aus meinem Koffer die allen Fetzen geholt, die Mutter und Großmutter, und vorher noch wer, trugen, und wenn ich gar nicht »lehr konnte, wenn ich vom Wäsche-Zählen und Rechnungen-Ausschreiben, dem Aerger mit den Handwerkern und der Albernheit des Direktors, der mich bei aller Schätzung immer von oben hekab behandelte, müde war, dann tanzte ich oben auf meinem Zimmer. Unser Tanz braucht keinen Gläser klirrten ohne Grund aneinander. Die Hitze stieg. Der Rauch, der die Luft schwer gemacht und sie zu einem Dickicht verwandelt hatte, legte sich auf Schumanns Atem. Wer das war egal. Die einzig empfindliche Stelle war an ihm im Augenblick das Ohr. Er konnte es nicht mehr dem Trom- meln verschließen, es fuhr immer stärker in ihn hinein, es riß ihm die Sinne auf, stürzte durch seinen Körper und begann, sich in Bewegungen seiner Hände umzusetzen. Zuerst zaghaft, dann immer rascher und stärker begann er ebenfalls auf den Tisch zu trommeln, den Körper dazu zu wiegen und heftiger mit den Füßen den fallenden und steigenden Kadenzen zu folgen. Der Mund Frau Amtties schien sich etwas zu verziehen. Es war, als ob er lachte. Dabei stand er unbeweglich im Raum. Rasend wirbelten jetzt ihre Finger. Plötzlich glitt Haydöe vom Ladentisch, riß sich mit einer ungestümen Bewegung das Kleid am Halse auf und begann, ohne sich von der Stelle zu riihren, zu tanzen. Sie bewegte sich erst ganz langsam. Es war, als ob ein sachter, elekttischer Strom vom Fußboden her in sie stieg. Man konnte sehen, wie er sie durchrieselte. Er floß zuerst nur schwach, und ehe er bis zum Gesicht stieg, war er erloschen. Aber der ersten Welle folgten die zweite, die dritte, die vierte. Nach kurzer Zeit begannen die Knie bereits zu wanken. Die Schenkel wurden ergriffen. Die Hüften singen an, sich zu bewegen. Der Bauch spannte sich, hob sich, senkte sich. Dann überflog ein Zittern die Brüste, stieg in die Achseln, rollte die Arme nieder in die Hände, rollte zurück zu den Halsmuskeln, die sich zu dehnen und zu drehen begannen. Der Kopf blieb noch unbewegt. Die Augen sahen haßerfüllt auf Schumanns Hände, die manchmal, schmerzend vom Aufschlag, sich zu Fäusten ballten und stumpf weiter schlugen, während die Finger Frau AmttieS, durch nichts berührt, nur vom Takt hypnotisiert, dahinfuhren, als seien sie an einen elektrischen Motor ange- schloffen. Es war jetzt zum Ersticken unerttäglich geworden. Die Töne schienen den Staub vom Boden aufzuwirbeln. Die Decke kam plötzlich herunter, Schumann hatte den Eindruck, daß sie sich nur noch zwei Zentimeter über seinem Kopf befand, und daß er sich die Stirn einrennen würde, erhübe er sich jetzt. Ein Blick in Haydtts Gesicht erfüllte ihn mit Schrecken. Sie wehrte sich. Ihr Kopf war noch nicht erfaßt von dem Rhythmus, der sie attackierte und schon ganz besaß. Aber man spürte es, wie sie bezwungen wurde. Schumann wollte zu dem schwebenden roten Mund, um den sich der Rauch flockte, hinüberschreien: Aufhören! Wollte mit einem Schlag in das ihn unendlich anziehende und gleichzeitig Schaudern machende Händepaar Amelies den Abbruch erzwingen. Er sah einen Peitschenhieb dünn über die Hände schon pfeifen, hoffte, die Blutspur hinter ihm aufbrechen zu sehen und herunterrieseln auf das schüttelnde Pergament deS Tromnrelrunds. Aber es geschah nichts dergleichen. Entsetzt sah er seine Hände selbst auf und nieder gehen. Es dröhnte von allen Seiten zurück. Die ganze Stube drehte sich rings um Haydöe, deren Mund zu zucken anfing. Es begann in den Winkeln. Dann wurde er von einer unsichtbaren Macht aufgeriffen, und jetzt schien es, als ob aus.dem gesprengten Tor der große Schrei herausgelockt werden sollte. Er mußte jeden Augenblick losbrechen, und Schumann ersehnte ihn, denn es war eine Qual, diesen lautlosen Kampf mit anzusehen, mit dem ihn Haydee, während er schon sich lösen wollte, zu erwürgen suchte. Noch kam er nicht, noch immer nicht. Obwohl der Kopf des Mädchens sich schon nach hinten geworfen hatte. Die Augen verdrehten sich, während jetzt vom Scheitel bis zur Sohle die ganze Haydöe ein Tosen war, dessen Unheimlichkeit dadurch gesteigert wurde, daß die Füße sich noch nicht um einen Zentimeter vom Fleck gerührt hatten. ES war eine Erschütterung, als wollte sie sich unmittelbar ins Nichts auflösen.(Forts, folgt.), eite 3 Donnerstag, 12. März 193k Nr. 81 ifudctendeutscfier Ortsgruppe der Glas u. Keram- Von der Krise am schwersten mit betroffen| arbeiter, Sitz Teplitz:... ist das Glasindustriegebiet um Haid a-S t e i n-.Ortsgruppe des tschechischen Glas- s ch ö n a u. Dieses Gebiet hat einst bestere Tage| arbeitervePbandes,^Sitz^Teplitz gesehen, zur Zeit, wo die böhmischen Glaswaren’ L* noch überall gekauft wurden. Durch verfehlte Zollpolitik und manch andere Schwierigkeiten 1 ging der Export unseres Glases immer mehr zu rück, mit ihm auch der Wohlstand der Gemeinden* und ihrer Bewohner. In manchen Gemeinden ist inzwischen die Lage geradezu trostlos geworden. So vor allem in den eine halbe Wegstunde von- Steinschönau liegenden Schwestergemeinden; Mei st ersdorf? Ullrichsthal. Die j einzige Fabrik dieser Orte, hat bereits im Jahre 1931 die Oefen gelöscht. Früher haben viele Ar beiter im benachbarten Steinschöuau Beschäfti gung gefunden, vor allem in der bekannten; Lusterfabrik„Eligs Palme", doch auch dort wird■ schon jahrelang nicht mehr gearbeitet. Irgend eine andere Verdienstmöglichkeit besteht nicht und Not Herrscht in den Arbeiterwohnungen. Aber auch die! meisten der kleinen Raffineure sind verarmt, durch die verschiedenen Währungsmaßnahmen anderer\ Staaten ruiniert worden. Sie sind so wie die Ar beitslosen gezwungen, die staatlichen und priva ten Hilfsmaßnahmen in Anspruch zu nehmen.; Die größere Hälfte der Bevölkerung besitzt kein 1 Einkommen mehr, ist also ganz auf die Ar-' deitslosenunterstützung und Ernährungsaktion j angewiesen. Die Gemeinden selbst können nichts mehr beisteuern, da sie finanziell vor dem Ruin stehen. Die Bevötterungszahl geht ständig zurück, so z. B. in Meistersdorf von 1165 bei der Bolks- zählung 1930 auf 1080 am 20. Jänner 1936. In derselben Gemeinde standen im Jahre 1935 17 Todesfällen nur fünf Geburten gegenüber. Schon lange wird den Arbeitslosen verspro chen, daß größere Notstandsarbeiten durchgeführt werden sollen, doch glaubt heute fast kein Mensch mehr daran. Arbeit wäre vorhanden. Durch den ziemlich abhängig liegenden Ort läuft der Orts bach, welcher bei Hochwaffer, das letztemal im Jahre 1927, einen sehr großen Schaden angerich tet hat. Daraufhin wurden von der Gemeinde alle nötigen Schritte unternommen, und der Lan desbehörde ein ausgearbeitetes Projett vorgelegt, welches am 14. April 1931 überprüft und für ungenügend befunden wurde. Die Landesbehörde hat das Projekt umgearbeitet, wobei sich die Bau summe auf mehr als das Doppelte erhöhte und den Betrag von 1,254.000 XL erreichte. Dann zog sich die Sache wieder in die Länge. Im Okto ber 1935 wurde das Projekt abermals überprüft und für zu hoch befunden, und jetzt neuerlich auf 450.000 XL festgesetzt. Die Jnterestentenbeiträge sind durch den Beizrk Tetschen sichergestellt. Trotz allem soll nun der Bau in drei Turnussen von jährlich 150.000 XL durchgeführt werden. Der Lohnteil würde dann höchstens 60.000 XL jähr lich betragen, was nur ein Tropfen auf einen heißen Stein bedeutete. Wer Glück hat, bekommt manchmal etwas Gelegenheitsarbeit. Bei dem im Vorjahre vom Be zirk Tetschen durchgeführten Straßenbau in Ull- richtsthal wurden von jeder der beiden Gemeinden 50 Arbeitslose je 14 Tage beschäftigt. 45 weitere Arbeitslose fanden bei der Schotterschlagung für den Sttaßenbau einige Tage Beschäftigung. Das war die ganze Notstandsarbeit im Jahre 1935. Dabei hat Mcistersdors allein 364 Arbeits lose, welche mit ihren Familienangehörigen zusammen 788 Personen oder 73 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Aus diesen Ziffern allein ist schon ersichtlich, wie dringend notwendig in solchen Elendsgebieten größere^ Notstandsarbeiten wären. Trotzdem werden bei der Zuteilung der Ernährungskarten, welche für viele der einzige Lebensunterhalt sind, die größten Ungerechtigkeiten verübt. Es wurden den Gemeinden nicht einmal soviel Karten überwiesen, als bewilligt sind. So erhielt die Gemeinde Meistersdorf für eine vier- wüchige Periode 100 Karten weniger. Jeder Ar beitslose pocht darauf, daß er bewilligt wurde und verlangt seine Karten. Wo soll die Gemeinde sie hernehmen? Solange die Gemeinde selbst konnte, hat sie getan, was möglich war. Ihre gesamte Einnahme an Umlagen beträgt höchstens 30.000 Kronen jährlich, demgegenüber beträgt die Schul denlast 180.000 XL. Es ist unmöglich, daß sie noch irgendivo ein Darlehen erhält. Um nichts besser geht es in llllrichsthal. Ein deutliches Bild über die Lage erhält man durch nachstehende Ziffern. Von den gemel deten Arbeitslosen erhalten ungefähr die Hälfte Unterstützung nach dem Genter System, ein Drit tel steht im Bezug der Ernährungskarten, wäh rend die übrigen nichts erhalten, weil sie ein Haus oder irgend eine Rente haben. An die ge werkschaftlich Organisierten wurde von nachstehen-! den Gewerkschaften ausgezahtt im Jahre 1935:1 Schrei nach Hilfe Nordböhmens Glaslndustriegeblet In Not XL 207.044.70 160.000.- 791.408.10 Seite 4 Donnerstag, 12. März 1936 Nr. 61 vr. ttocirs wieder in Präs Prag. Der Vorsitzende der Regierung, Dr. Ho1>Za, ist Mittwoch früh von seinem Wiener. Besuch nach Prag zurückgekehrt. Auf dem Masa-' rykbahnhof wurde er u. a. vom österreichischen Gesandten Dr. Marek und Vertretern der Be- börden begrüßt. Vom Masarykbahnhof begab, sich Dr. Hodza direkt ins Amt, um seine Konferenzen mit den Mitgliedern des Kabinetts und mit den Vertretern der Koalitionsparteien fortzusehen. In Wien hatten sich zur Verabschiedung Bundeskanzler Schuschnigg, Außenminister Ber- ger-Waldenegg und Handelsnnnister Stockinger eingefunden, ferner die Gesandten vcn Frankreich, Jugoslawien, Rumänien', Griechenland, der Türkei und Sowjetrußland. Konskription der wehrpflichtigen Ausländsdeutschen New Jork.(Reuter.) Sämtliche in den Bereinigten Staaten lebenden reichsdeutschen Staatsangehörigen wurden aufgefordert, sich in den deutsche» Konsulaten einzutragen, damit, >vic der Militärattache des deutschen Konsulats in New Nork erklärte, sie im Falle der Notwendigkeit zum Militärdienst in Deutschland rinberufen werden können. Die Nichtbefolgung dieser Weisung wird mit einer Strafe von 500 Reichsmark geahndet. Gro3e Senatsmehrheit für den Pakt erwartet Paris. Im Senat wurde der Bericht des Referenten des Außenausschuffes L e Tro c- quer verteilt, worin er die Ratifizierung des französisch-russischen Beistandspaktes empfiehlt. Den Vertrag nicht zu ratifizieren, würde bedeuten, daß Frankreich die Politik der kollektiven Sicherheit aufgibt, die es in den letzten 15 Jahren systematisch geführt hat. Nicht zu ratifizieren würde bedeuten, die Staaten Mitteleuropas verraten, die mit Frankreich an der Organisierung des Friedens auf dem Wege der kollektiven Sicherheit arbeiten. In der donnerstägigen Senatsdebatte wird im Namen der Regierung für den abwesenden Außenminister Staatsminister Paul-Bon- c o u r sprechen. Man erwartet eine große Mehrheit für den Pakt. neue italienische Offensive vorbereitet , Asmara.(Stefan?.) Die an der italienischen Nordfront in Ostafrika eingesetzten Armeekorps sind zum neuen Vorrücken bereit. Das erste und dritte Armeekorps marschiert nach Süden auf F e n a r a und den Aschangi-See zu, das eritreische Armeekorps verstärkt seine Positionen in Tembien ebenso wie das dritte und vierte Armeekorps in Schirr, um in geeignetem Augenblick vorbereitet zu sein. Die Italiener haben alle Hügel an Takaze-Fluß besetzt und dort Beobachtungsstellen für die Artillerie eingerichtet. Die italienischen Berichterstatter erfahren, daß der Negus, der sich in Dessie von den fünf italienischen Armeekorps, die die Offensive vorbereiten, bedroht fühlt, sich nach Norden begeben hat, um zu versuchen, die italienische Offensive vor der Einleitung der italienischen Aktion aufzuhalten. Spanischer Alltag Madrid. Die spanische Regierung hat einen Kredit von 100 Millionen Peseten zur Durchführung der Bodenreform in der Provinz Toledo bewilligt. In Saragossa wurden auf Anordnung des Zivil-Gouverneurs die Räumlichkeiten und die Zentren der- spanischen Faschistenpartei geschlossen. Der Vorstand dieser Partei in Saragossa wurde festgenommen. Die Regierung hat am Dienstag Abend wegen schwerer politischer Ausschreitungen, zu denen es im Zusammenhänge mit dem Generalstreik in Granada kam, über die Provinz den Kriegszustand verhängt. Die Gerüchte, daß die Kathedralen in Do- lcdo und Sevilla von einer demonstrierenden Menge ausgeraubt und angezündet worden wären, werden an amtlicher Stelle dementiert. Vom Rundfunk empfehlenswertes au* den Programmen« Freitag: Prag, Tender L: 10.05: Deutsche Preffe, 10.15: Schallplarten, 11.30: Schallplatten, 12.10: Leichte Musik, 13.80: Muzik-Ouartcit, 17.05: Russisch für die Jugend, 17.20: Haydn: Streichquartett, 18.10: Deutsche Sendung: Tejessy: Die Mächte des Mit- telmeercs, 18.25: Schmelz: Jnteresiaute technische Neuerungen a. d. Prager Frühjahrsmesse, 18.35: Nrbeiterscndung: Aktuelle zehn Minuten, 10.20: Violinkonzert, 21: Rundfunkorchesterkonzert, 22.20: Tanzmusik. Sender S: 7.30: Salonorchesterkonzert. 14.15: Deutsche Sendung: Für die Frau, 14.30: Schallplatten, 18.20: Konzert des Tambouristen- klubs.— Brünn 15: Rundfunkorchesterkonzert, 17.40: Deutsche Sendung: Oppenheimer: Kunstbericht, 27. Salontrio.— Mährisch-Oftrau 16.10: Rundfunkorchesterkonzert, 18.10: Deutsche Sendung: Fischer: Zeitungen und jene, welche sie machen,— Liedcrkonzert.-— Preßbnrg 19.10: Slowakische Volkslieder. 21.05: Französische Lieder. Eine Drahtseilbahn in der Tatra In dem Gebiet der Tatra wurde soeben auf die Spitze des Kasprowy eine Drahtseilbahn gelegt, die die Höhe des Berges mit der Talstation Kasprowy-Wierch verbindet. Man sieht links die Drahtseilbahn bei dem Ueberwinden der riesigen Täler und rechts den Bahnhof. AKesneulgkeiten Zweierlei Gefangene Fn dem Bericht über die Mittwoch-Verhandlung im Patscheiderprozeß lesen wir u. a.: Die Hauptangeklagten Dr. Patscheider und L a m a t s ch haben während ihrer zweieinhalbjährigen Gerichtshaft Bücher geschrieben. Patscheider verfaßte mehrere kleine dramatische Werke; seine Gefängnisschicksale schildert er in dem Gedicht:„Aus der Zelle", weiters schrieb er„Dietrich von Bern", als Filmroman und das vieraktige Drama„Santa, die göttliche Passion", das dreiaktige Schauspiel„Aryopa" (Die Kommenden), das dreiaktige deutsche Singspiel„Rosenkreuzzug", das> vieraktige deutsche Schauspiel„Tirol" und bereitet weiter die „Grenzlanddeutsche Rechenschaft" vor. Tr. Lama t s ch schrieb wirtschaftliche Werke,, und zwar „Was ist die Wirtschaft?",„Gold, Geld und Kredit, Studie zum Währungsproblem",„Der Weg aus der Krise" und„Laienphilosophie"., Eine, mindestens der Menge nach, recht fruchtbare Arbeit! Wir sind die letzten, die den Untersuchungshästlingen die Erleichterung mißgönnen würden, die für sie ohne Zweifel die schöpferische geistige Arbest bedeutet^ Aber wir denken mit Schmerz anunsere GenossenundFreundeinDeutsch- land und stellen wieder einmal fest, daß ein Vergleich der Lage politischer Gefangener in einem demokratischen Rechtsstaat und in einem faschistischen Zwangsstaat doch einen Abgrund zeigt, der zwei Regime, zwei Ideen, zwei moralische Prinzipien trennt. Im„Columbia- h a u s" kann kein Untersuchungsgefangencr Bücher schreiben. Mit zerfleischten Nieren treibt man keine Laienphilosophie und die Passion, die einer in den Händen der Gestapo erlebt, läßt ihn nicht dazu kommen, eine zu schreiben. Unser Hannes Stelling und so viele andere unschuldig Ermordete konnten ihre Leiden nur hinaus schreien und ihr Ruf erreichte auch nur das Ohr viehischer Schlächter. Auch Carlvon Ossietzki würde vergebens versuchen, im Konzentrationslager eine Rechen- s ch a f t zu Papier zu bringen, auf deren Bericht die Kulturwelt mindestens mit der gleichen Spannung wartet wie auf die Botschaften Patscheiders und Lamatsch'. noch zurecht, als Wiegrinetz mit der Arbeit fertig und zur Flucht bereit war. Die drei Rangers..Vor einigen Tagen wurde das Auto des Brünner Fabrikanten Himmelreich von einem unbekannten Täter durch eine ätzende Flüssigkeit beschädigt. Kurz darauf erhielt Himmelreich einen Brief, in welchem er aufgefordert wird, 45.000 Xä den mit„Drei Rangers" (Landstreichern) unterschriebenen Erpressern auszuzahlen, da sonst seine ganze Familie und besonders seine vierjährige Tochter dafür büßen müßte. Die Polizei bewachte die Umgebung der Wohnung Himmelreichs einige Tage, ohne ein Resultat zu erzielen. Die Erpreffer riesen zwar täglich an, hüteten sich aber, in die Nähe der Wohnung zu kommen. Nur Himmelreichs Schwiegervater, erhielt vor einiger Zeit den Besuch eines Mannes, der von ihm uttter Drohungen 10.000 XL verlangte. Als er zum zweiten Male kam, wurde er verhaftet und als der Zimmermaler Wilhelm Retlaky aus Kaschau identifiziert. Nun erfolgte eine zweite Verhaftung. Ein Zivildetektiv, der einen verdächtigen Mann in einem öffentlichen Telephonautomaten beobachtete, belauschte das Gespräch und verhaftete den Mann, der zu der Gaunergesellschaft gehört. Der Tadbath— Hitlers Lieblingstag. Seine wichtigsten außenpolitischen Entscheidungen macht Hitler stets an Samstagen kund. So war es mit dem Austritt Deutschlands aus der Abrüstungskonferenz und aus dem Völkerbund. Gleichfalls am Samstag hat Hitler seinen Entschluß, die allgemeine Wehrpflicht einzufüh- ren, kundgetan. Und schließlich hat der„Führer" auch diesmal die Zerreißung des Locarno-Paktes an einen Samstag verlegt. Die Erklärung für diese Tatsache ist äußerst einfach: am Samstag schläft das ganze politische Leben bis Montag ein. Während dieser Pause kühlen sich jedoch die Leidenschaften— so rechnet nämlich Hitler— ab. Diesmal hat sich aber der„Reichskanzler und Führer" verrechnet, jedenfalls was Frankreich anbetrifft, denn der französische Ministerrat hat sich sofort am Sonntag noch versammel! und entsprechende Entschlüße gefaßt. Admiral Lord Beatty ist kurz nach Dienstag- Mitternacht in seinem Hause in London gestorben. Er war 65 Jahre alt und seit mehreren Wochen krank. David Beatty, geboren 1871 als Sohn eines Kapitäns, trat 1884 in die Marine ein. 1910 wurde er Kontreadmiral. Während des Weltkrieges unternahm er im August 1914 einen Vorstoß gegen Helgoland und den britischen Kreuzern gelang es dabei, zwei deutsche leichte Kreuzer zum Sinken zu bringen. Im Mai 1916 führte er die britischen Schlacht-Kreuzer in der Schlacht bei Jütland(Ska- gerak), die jedoch auch keine Entscheidung zur Oee brachte. Im November 1918 wurde Beatty Befehls-' Haber der großen Flotte, nachdem Sir Jelicoe erster Seelord geworden war. Im Jahre 1919 wurde er zum Oberbefehlshaber der gesamten englischen Florte ernannt, an deren Spitze er als erster Seelord bis Juli 1927 verblieb. Tod ans den Schienen. Tic Sraatsbahndirek- tion Brünn meldet: Am 11. März um 7 Ubr 55 Minuten warf sich in Kilometer 132,85 der Strecke Bieclav-Brünn beim Einfahrtssignal in Rajhrad der 22jährige Arbeiter Johann Pelousek aus Popo- Vice bei Rajhrad unter den Zug Nr. 320. Er wurde in der Mine des Körpers überfahren und. getönt. Der Grund des Selbstmordes wird untersucht. Warschauer Hochschulstreik beendet. Tie Studenten, welche die Hörsäle und Laboratorien der Warschauer Technik seit Montag beseht hielten, haben sie heute mittags auf die Aufforderung des Rektors der Technik geräumt, der den Studenten versicherte, daß die Frage der Prüfungstaren und Jmmatrikulationsgebühren überprüft und die Ermäßigung dieser Gebühren möglicherweise schon mit Beginn des neuen Schuljahres durchgeführt werden würde. Was erforscht ein ernster Forscher? Im Jahre 1931 wmche, unter BeteiliAing offizieller Stellen, eine Gesellschaft zur Ermutigung französischer Forscher und zur Auswertung guter Ideen gegründet, lieber ihre Tätigkeit in den Jahren 1931—36 weiß mmr nicht viel; dagegen wird eben die Presse informiert, daß sie den besten Forscher von Paris und Umgebung für 1936 eruiert habe. Es handelt sich um Monsieur Ferdinand Pecheur aus Pantin bei Paris, der nur 34 Minuten aufwandte, um die ihm vorgelegten Kreuzworträtsel-Probleme zu lösen... Was kann der Blinde werden? Bis vor kurzer Zeit ist diese Frage überhaupt nicht zur Diskussion gc standen; denn das blinde Kind kam nach abgeschlossener Schulzeit in die Werkstätten seiner Anstalt und wurde in einem der bekannten, sogenannten„Blindenberufe" ausgebildet, wie Seffel- und Korbflechterei, Bürstenmacherei und da und dort im Klavierstimmen. Dann ging der Blinde meist in seine Heimat zurück und es mußte nun der Gunst oder der Ungunst der Berhältniffe überlasten bleiben, ob und wie er die erworbenen handwerklichen Fähigketten verwenden konnte. Der Erfolg ist in den allermeisten Fällen kein großer gewesen und der Blinde ist bis in die neueste Zeit hinein der Empfänger von öffentlichen und privaten Unterstützungen geblieben. Weist doch die neueste Statistik der Blinden in Böhmen von rund 4050 Blinden(ohne Kriegsblinde) -nicht weniger als 80 Prozent als von Bettel und Almosen lebende aus. Heute kann der Grundsatz aufgestellt werden: Der Blinde kann das werden, wozu ihn Fähigkeiten, Ausbildung und Betätigungsmöglichkeiten geeignet erscheinen lassen. Daß hierbei größte Vorsicht und vorbereitende fursorgerisch« Arbeit obwalten muß, ist selbstverständlich, um den Blinden nicht auf einen Weg zu bringen, den er seiner Veranlagung und Ausbildung nach wohl gehen könnte, praktisch aber, erfolgreich nicht gehen kann. Es handelt sich nicht darum,„Blindenberufe" zu finden, sondern„Berufe für Blinde" und da kann man mit Beachtung der notwendigen Einschränkung den Satz aufstellen: Ter Blinde kann alles werden, wofür er sich eignet und wozu für ihn, den Blinden, eine Ausbildung möglich ist. Um das Berufsleben der Blinden in dieser Weise föstzern zu können, bedarf es aber der Mitarbeit der weitesten Kreise. Noch stehen wir am Beginn einer Entwicklung, die den Blinden auf neuen Wegen ins Berufsleben führt. Je verständnisvoller man uns hierbei hilft, um so größer werden die Erfolge sein und um so rascher und besser wird es möglich werden, geeignete Blinde ins Wirtschaftsleben als produkttve Glieder einzuschalten.(Von der Deutschen Blindenschule in Aussig.) Wahrscheinliches Wetter heute: Nur am Nordwestrand des Staates stärkere Bewölkung und vereinzelt Neigung zu Niederschlägen. Namentlich aus den Bergen ein wenig kühler. Im übrigen Gebiet keine wesentliche Aendenmg.— Wetter- aussichtenfür Freitag: Vom Westen her allmähliche Wetterverschlechterung, in den böhmischen Ländern bereits kühler. Rcicheuberg beschämt! Die tschechische Gemeinde Skutsch auf der Böhmisch-mährischen Höhe hat Heinrich Mann das Heimatrecht ge-1 währt.(DND.) Am Prellstein erschlagen. Dienstag vormittags fuhr der Kaufmann Karl Steiner aus Mezi- mosti mit dem Tischlergehilfen Petri: auf einem Motorrad auf der Staatsstraße Tabor—Prag. Am Nordende von Tabor stieß Steiner in voller Fahrt beim Passieren einer Kurve gegen einen Straßenstein und wurde vom Motorrad geschleudert. Er blieb etwa zehn Meter entfernt tot aus der Straße liegen. Sein Mitfahrer erlitt nur leichte Verletzungen. Das Motorrad wurde vollständig zertrümmert. Vereitelter Ausbruch aus der Hast. Vor der Mustermesse sorgt die Prager Polizei für die Sicherheit auch dadurch, daß sie alle Taschendiebe, die sie von früher kennt und. deren sie habhaftt werden kann, rechtzeitig. und bevor sie sich noch betätigen können, hinter^ Schloß und Riegel setzt. So geschah es auch dem Polen Wiegrinetz, der über die Grenze abgeschoben werden sollte. Auf der Schubstation gelang es ihm aber, zu entkommen reinige Stunden später wurde er allerdings auf dem Wenzelsplatz wieder aufgegriffen, als er im Gedränge ein neues Opfer suchte. Er kam auf das Kommissariat in der Heinrichsgasse, wo er, kaum allein gelassen, die Zellenwand zu durchbrechen begann, um wieder auszureißcn. Tie Wache kani gerade Deutsche Truppen erscheinen am Rhein Rach der einseitigen Aufhebung der entmilitarisierten Zone marschieren hier deursche Truppen über die Rbeinbrücke von Mainz in ihren neuen Standort. Nr. 61 Donnerstag, 12. März 1936 Seite 5 MwtsM und Somfywfttifc der Monarchie ermöglicht werden. Die Erneuerung der Monarchie, sagte Wiesner weiter, werde auf gesetzlichem Wege im Namen des Rechtes durchgeführt werden. Die Legitimisten lehnen eine Volksabstimmung über diese Frage ab, da auch die Oefterrei- chische Republik des Jahres IS 18 ohne Abstimmung entstand. direkt geschadet haben.. Die„Sundatz Times" werfen dagegen die Frage auf, wie man sein Schicksal an einen Menschen binden könne, der imstande ist, euch in jedem Augenblicke eine Ohrfeige zu versetzen und euch dann, während ihr euch von dem Schlage noch nicht erholt habt, neue ihm genehme Bedingungen aufzuzwingen. Ein Lohnkampff der österreichischen Metallarbeiter Legitimisten in die VF Innsbruck.(Tsch. P.-B.) Auf der Legitimistentagung in Innsbruck erklärte Dr. Wiesner, daß Vizekanzler Starhemberg in den nächsten Tagen eine öffentliche Mitteilung über die Eingliederung der legitimistischen Bewegung in die Vaterländische Front machen werde. Dadurch wird den Legitimisten eine noch intensivere Propagierung der Erneuerung| Der Sieger flieht Affnncion.(Stefans.) Der Sieger im Gran Chaeo-Krieg, General Esti Garribia, hat plötzlich im Flugzeuge das paraguayanische Staatsgebiet verlassen und ist nach Argentinien geflogen. Gewissen Anzeichen zufolge wollte er sich der gerichtlichen Verfolgung entziehen, die ihm sowie dem früheren Präsidenten der Republik, Ajala, vom gegenwärtigen Vorsitzenden der paraguayanischen Revolutionsregierung, Obersten Franco, drohte, und zwar deswegen, weil sie aus persönlichen Gründen den Sieg Paraguayas-abgeschwächt haben. Der offiziöse„T e m p s" meint:„Deutschland hat endgültig die Maske abgeworfen... Im März vorigen Jahres hat der Völkerbundrat eine Entschließung angenommen, die die Aufrüstung des Reiches verurteilte und die Anwendung von ökonomischen undfinan- ziellen Sanktionen für den Fall vorsah, falls irgendein Mitglieds- oder Nichtmitgliedsstaat seine völkerrechtlichen Verpflichtungen verletzen sollte. Entweder ist diese Entschließung eine leere Demonstration gewesen, dann ist es um das ' Ansehen des Völkerbundes getan, oder muß diese Entschließung heute ihre praktische Anwendung sinken... Man kann keine Verhandlungen mit einem Partner führen, der euch das Messer an die Kehle setzt." Tie ganze Pariser Presse äußert sich in ähnlicher Art, indem sie die juristische und politische Unhalrbarkeit der Hülerschen Berufung auf den russisch-französischen Pakt, als einen Grund für die Remilitarisierung der Rheinlandzone nachweist. Eine Ausnahme stellt der rechtsgerichtete„Jour" dar, der einen Leitartikel unter dem vielsagenden Titel veröffentlicht: „Run sind wir in einen deutschrussischen Krieg hineingeschliddert!" Die Zeitung betrachtet die Besetzung der Rheinlandzone als den ersten Akt des deutschen Feldzuges gegen Moskau und bedauert, daß man Hiller durch die Ratifizierung des ruffisch-französischen Paktes den nach Ansicht des„Jour" wohlbegründeten Borwand zur Zerreißung des Locarno-Paktes gegeben habe. Karl Radek dagegen meint in den„Jswestija" (8. März), daß Hitler sich nur d e n A n- schein gebe, Rußland zu bedrohen, während er in Wirklichkeit Frankreich anzufallen beabsichtige. Die deutsche Gefahr wende sich gegenwärtig vomOsten nach Westen. Die Londoner Sonniagspresse, die die Aktion Hitlers im allgemeinen verurteilt, ist in bezug auf die dagegen zu ergreifenden Maßnahmen außerordentlich zurückhaltend. Eine Ausnahme bildet die Wochenschrift„Observer", die vom einflußreichen Publizisten. G a r w i n herausgegeben wird. Garwin, der stets g e g e n d i e Sanktionspolitik aufgetreten ist, erachtet die Besetzung der Rheinzone als„gerecht". Indem Garwin sich äußerst skeptisch in bezug aus die»Anwendung von Sanktionen gegenüber Deutschland äußert, versteift er sich sogar zu der Behauptung, eines der wichtigsten Resultate der Hitlerschen Aktion würde darin bestehen, daß d i e Sanktionspolitik ein für allemal erledigt sein werde.— Sehr symptomatisch ist der Artikel des bekannten Journalisten Ward P r i r e in„Sunday Dispatch". Ward Price versteht vollkommen die begründeten Befürchtungen Frankreichs angesichts der neuen Tatsachen, aber falls Hitler doch aufrichtig sei, solle man doch seine Vorschläge prüfen. Tenn sonst bleibe ja nichts anderes übrig, als ein neuer Grotzkrieg. Es wäre aber äußerst schwierig, die britische Nation zu einem Kriege zu zwingen, der wegen Ereignissen ausbrechen würde, die sich auf deutschem Territorium abspielen und die eigentlich keiner anderen europäischen Macht Aus Wien wird uns geschrieben: In den letzten Tagen ist es in den Automobilfabriken Fiat und Saurer in Wien zu heftigen Lohnkämpfen gekommen. Die beiden Fabriken hatten von ihren Arbeitern seit dem Jahre 1931 unter Hinweis auf die ungünstige Geschäftslage einen Lohn- und Akkordabbau erzwungen, der sich zwischen 30 und 41 Prozent bewegte. Damals haben die Unternehmer bindend versprochen, daß sie bei einer Besserung der Konjunktur die Löhne wieder erhöhen würden. Nunmehr ist diese Konjunkturbefferung eingetreten und die Arbeiter erhoben» insbesondere gestützt auf den von der Einheitsgewerkschaft so heiß propagierten Ständegedanken die Forderung, man möge ihnen die Löhne zunächst um 15 Prozent erhöhen. Sie forderten also nicht die volle Rückgabe des seinerzeitigen Lohnabbaus, sondern nur knapp die Hälfte. Damals besuchte der Sozialminister Dr. Dobretsberger den Fiatbetrieb und bezeichnete die Lohnforderungen als durchaus gerechtfertigt. Die Unternehmer lehnten aber jede Erhöhung der Löhne ab. Darauf traten die Dreher und Fräser im Fiat-Betrieb in passive Resistenz, die Unternehmer antworteten mit der Entlassung von 20 Arbeitern, die jedoch unter dem Druck der übrigen Arbeiter wieder ausgenommen werden mußten. Die Cinheitsgelverkschaft glaubte, daß damit die ganze Bewegung erledigt sei. Die Arbeiter waren jedoch anderer Meinung und forderten die Einleitung von Verhandlungen. Die Unternehmer lehnten selbst dies ah und erst nach einer Vorsprache bei Bundeskanzler Schuschnigg, konnten die Unternehmer gezwungen werden; sich überhaupt zu Verhandlungen zu bequemen. Sie erklärten aber neuerlich, daß sie nicht gewillt seien, irgendwelche Zugeständnisse zu machen und bezeichneten die ganze Aktion als eine Machenschaft der illegalen Gewerkschaft. Ueberdies seien auch die bestehenden Lohnsätze„sozial gerechtfertigt". Die beiden Sekretäre der Einheitsgewerkschaft, Dr. Polla und Legat, welche die Forderungen der Arbeiter vertreten sollten, schwiegen während der Verhandlungen» so daß diese ergebnislos abgebrochen werden mußten. Die enttäuschten Arbeiter wendeten sich neuerlich an den Bundeskanzler, der sie jedoch nicht mehr empfing, sondern ihnen mitteilen ließ, daß er sich inzwischen auf Grund seiner Informationen überzeugt habe, daß die Löhne der Fiat- und Saurer-Arbeiter„sozial gerechtfertigt" seien. Er hatte sich also im Handumdrehen die Argumentation der Unternehmer zu eigen gemacht. Darauf blieb den Arbeitern nichts übrig, als ihre bisherigen Kampfmittel zu verschärfen. Sie legten am 20. Feber in beiden Fabriken die Arbeit nieder, blieben aber im Betrieb. Der Streik dauerte noch am 21. Feber an, als in der den Arbeitern geraubten„Arbeiter-Woche" ein Artikel des Herrn Dr. Polla erschien, der mit den Worten begann:„Die Schlacht ist für die Arbeiter und die Gewerkschaft verloren. l" Das schrieb das gleichgeschaltete Blatt im selben Zeitpunkt, da die Arbeiter trotz aller Gefahren zum äußersten Kampfmittel des Streiks gegriffen hatten! Als am Nachmittag des 21. Feber in beiden Betrieben Belegschaftsversammlungen stattfanden, ging ein Entrüstungssturm gegen die beiden Sekretäre der Einheitsgewerkschaft los. Stürmisch wurde der Ruf nach der Wiederherstellung der Gewerkschasts- und Organisationsfreiheit sowie nach freien Wahlen der Vertrauensmänner laut. Schon am Tage vorher hatte eine Vertrauensmännerkonferenz der Arbeiterschaft aller Automobilbetriebe der Leitung der Einheitsgewerkschaft in aller Form das Mißtrauen ausgesprochen. Obwohl in beiden Belegschaftsversammlungen einmütig der Beschluß gefaßt worden war. Der Froschteich Tatsachenroman and Parteigeschäft Im verflossenen Jahr sind mehrere Bücher aus kommunistischer Feder erschienen, die den deutschen Kerker schilderten, die unterirdische Arbeit der Illegalen, den Kampf der Verfolgten. Diese Bücher emigrierter Schriftsteller wie Heinz Liep- mann, Bredel und Richard Billinger hätten eine Bereicherung jener dringend nötigen Literatur sein können, die dem Ausland Kunde vom deutschen Kampfe, von der Hitlerbarbarei geben. Solche Bücher haben ihren dokumentarischen und agitatorischen Wert, auch wenn sich darin Wahrheit mit Dichtung mischt. Der Leser durchlebt das, was er aus der Zeitung weiß, noch einmal stärker, wenn er diese Dinge in der Form der Chronik an han» dclnden Helden erlebt. Aber die Wirkung dieser sogenannten Tatsachenromane wurde abgeschwächt durch agitatori- sckie Kniffe, die fälschende Züge in das furchtbqre Gesamtbild tragen. In allen diesen Büchern wird der kommunistische Kampf gegen die Sozialdemokratie in einer billigen, allzu billigen Weise fortgesetzt. Der Leser sieht nur kommunistische Helden; es tauchen zwar auch einige anständige Sozialdemokraten im Blickfeld auf, aber sie müssen vor den kommunistischen Argumenten die Segel streichen, und zum Schluß gibt es immer bekehrte SPD-Leute. In jenen unseligen Zeiten, da die Kommunisten ihren Kampf gegen die deutsche Demokratie noch auf der Straße kämpften, kam es ost vor, daß nack der Pauke eines kommunistischen Straßenredners plötzlich einer aus der zuhorchenden Gruppe sprang und sein sozialdemokratisches Mitgliedsbuch zerriß. Das war immer bestellte Arbeit. Auf der Höhe dieses Tricks steht die antisozialdemokratische Agitation dieser»Tatsachenberichte aus dem neuen Deutschland". Das Werben für die Ideen des Sozialismus hat selbstverständlich auch in der Belletristik seinen Platz und wir wünschen der sozialistischen Arbeiterschaft die großen, überzeugenden dichterischen Gestaltungen ihrer Gedankenwelt. Was jedoch in der genannten Gattung Bücher geschieht, ist der Ver- such, mit der Aufzeichnung schwerer, erlebter Leiden gleichzeitig einen traurigen Bruderkamps neu aufzuwärmen und zu verewigen, statt seine schwächende Wirkung zu zeigen. Und darauf käme es an. Es kamt durchaus nützlich sein, die Fehler der deuffchen Arbeiterbewegung auch in neudeutscher Chronik zu beleuchten, aber dann muß es von höherer Warte geschehen als es die Zinnen der> kleinen Parteiagitation sind. Dann müssen schon die Fehler aller Teile der Arbeiterbewegung zu sehen sein. In Wahrheit nämlich werden von den Illegalen im Dritten Reich auch die Sünden der Kommunisten recht scharf kritisiert, von unserer wie von eigener Seite. In Wahrhest ist vielen Linksradikalen drüben längst so mancher Widerspruch aufgcgangen; oder glauben die kommunistischen Wortführer, es spiele drüben in den Diskussionen keine Rolle, wenn sie heute für Deutschland mit großem Pathos jene demokratischen Menschenrechte fordern, die sie einst Seite an Sefte mit den Haken kreuz lern in den Dreck zogen! Wir begrüßen diese Wandlung sind meinen, daß sie die Moskauer dort, wo sie Vergangenes aufwärmen, etwas nachdenklicher und selbststitischer stimmen sollte. Die belletristisch« Hetze gegen di« Sozialdemokratie wird auch nicht annehmbarer, wenn sich dabei ein Schriftsteller wie H. Liepmann hartnäckig als Parteiloser ausgibt. Er mußte sich bereits von Schweizer sozialdemokratischen Blättern sagen lassen, daß seine Feder jede solche Parteilosigkeit vermissen läßt und von gewissen kommunistischen Agitationslügen nicht loskommt. In diesen kommunistischen Büchern fehlt der politischen Diskussion einfach jenes Maß von Wahrhaftigkeit, Wirklichkeitstreue und Selbstbesinnung, ohne die es starke nachhastige Erschütterungen durch Literatur nicht gibt. Wir freuen uns, feststellen zu können, daß alle antifaschistischen Zustandsschilderungen» die bisher aus unserem Lager erschienen, frei von der hier gekennzeichneten kleinlichen Parteimache sind und wir hoffen, daß es in unseren Reihen so bleibt. Dichten heißt nach dem Worte eines Großen: Gerichtstag halten über sich selbst. Das gilt auch von der durch Phantast« und Erlebtes erweiterten Reportage. Aber diese Liepmann, Bredel und Genossen kennen in der Diskussion ihrer Helden nur das billige Scherbengericht über die unbequeme be-- nachbarte„Konkurrenz". Becher hat sogar eine ganze lange Ballade daran gehetzt, um die Schädlichkeit der SPD darzutun. Engherzige Moskauer Direktiven machen diese Bücher so kurzlebig und stempeln sie zu Pärteitraktätchen, die das eigene Lager und die Vergangenheit lediglich aus der Froschperspektive sehen dürfen. Aus dem eigenen harten Erleben, aus dem Heroismus und den Leiden derer drüben entsteht so leider nicht das große Heldenepos, sondern das tteine Partei-" gcschäft. Der Leser merkts und die Wirkung gegen die Hitlerbarbarei wird zerlöchert und zerspalten. Sollten sich Berlage wie Malik, Editions Du Carrefour(Paris) und Europa-Verlag(Zürich) schon derart vom Moskauer Wohlwollen abhängig fühlen, daß sie sich solche Erwägungen nicht gestatten können? Aufgabe der emigrierten Schriftstellerei sollt: es sein, die ganze Stoßkraft gegen den faschistischen Feind zu richten, aber wo zum Schluß immer nur der„sozialdemokratische Bonze" kapituliert und linksradikale Irrungen und Wirmngen überhaupt nicht gesehen werden, entstehen schablonenhafte Fälschungen, die jede Arbeiterbewegung vergiften pnd einst als traurige Dokumente eines verhängnisvollen Bruderkriegs gelten werden. Das ist ein trübes Schicksal namentlich für die Bücher jener kommunistischen Autoren, die gemeinsam mit sozialdemokratischen Leidensgenoffen durch di« Fegefeuer des Dritten Reiches gingen. Karl Rothe. daß die Gewerkschaftsleitung bis spätestens 25. Feber ein günstiges Ergebnis des Lohnkampfes herbeiführen solle, unternahm diese nichts mehr. Dagegen wurden weitere Versammlungen einberufen, in welchen der Staatssekretär Znidaric, gewissermaßen der Obmann der Metallarbeiter, das Wort ergriff. Auch hier ließen sich die Arbeiter aber nicht beirren. Zeitweise war der Tumult so groß, daß Znidaric minutenlang nicht weiterreden konnte. Hintennach hat dann die„"Arbeiter-Woche" gegen das unsoziale Verhalten der Unternehmer die schärfften Wort« gefunden. Die Arbeiter lassen sich aber durch diese Manöver nicht mehr betören. Sie haben erkannt, daß sie nur dann Erfolge erringen können, wenn sie sich auf ihre wirflich freien Gewerkschaften verlassen können. Die nächste Folge des Verrates der Einheitsgewerkschaft war der Beitragsstreik, der spontan in fast allen Betrieben durchgeführt wird. Die Arbeiter von Fiat und Saurer haben sich in entscheidender Stunde als aufrechte Klaffenkämpfer bewährt und dafür gebührt ihnen der Dank der Proletarier auch in den übrigen Ländern. Der neue Vertrag mit Oesterreich Ueber den Inhalt des tschechoflowakisch-- österreichischen Handelsvertrages erfährt der Wiener Berichterstatter des Tsch. P. B. folgendes: Der abgeschlossene Handelsvertrag schließt sich sir seinen Hauptpunkten dem Vertrag vom., Jahre 1925 und den später vereinbarten Zusatz«,, abkommen an. Der zolltarifarische Teil ist sehr umfangreich. Hier gewahrten die beiden Parteien einander Konzessionen, von denen ein Teil auf dem Präferenzgedanken aufgebaut ist. Hinsichtlich des Bewilligungsregimes verfolgt die gegenwärtige Regelung den Gedanken eines weiteren gegenseitigen erhöhten Warenaustausches. Man kam überein, Regierungsaus- schösse zu bilden, welche in regelmäßigen Zeitabschnitten zusammentreten werden, um die Ergebnisse der Entwicklung des Handels zu überprüfen und nach Bedarf eventuelle Berichttgungen vorzunehmen. Der Fremdenverkehr ist im liberalen Geiste auf Grundlage der vollen Reziprozität geregelt. Sehr schwierig waren die Verhandlungen. über einige besonders bedeutsame Fragen, welche in der tschechoflowakischen Ausfuhr eine wichtige Rolle spielen. ES handelt sich hier vor allem um Kohle, deren Ausfuhr nach Oesterreich nur hinsichtlich der Steinkohle heuer einen Wert von 30 Millionen Schilling ausmachte. Ein weiterer sehr wichtiger Faktor der tschechoslowakischen Ausfuhr ist das V e r e d e l u n g S v e r f a h r e n. Dieser Verkehr spielt deshalb eine bedeutsame Rolle, weil sich aus den alten Zeiten Betriebsanlagen teils auf tschechoflowakischem, teils auf österreichischem Gebiet erhalten haben und es sich demnach darum handelte, diese sehr schwierigen Fragen zur verhältnismäßigen Zufriedenheit beider Parteien zu lösen. Dank dem guten Willen der beiden Partner ist es sowohl in der Kohlen- srage, als auch in der Angelegenheit des Ver- edelungsverfahrcns gelungen, einen Ausweg zu finden. Die Tschechoflowakei erhöht die Einfuhrmöglichkeit österreichischer Waren um eine Summe, die sich auf 17 bis 18 Millionen Schilling schätzen läßt. Auch Oesterreich erhöht in einigen Zweigen die Einfuhrmöglichkeit tschechoslo- wakischtr Waren. Die Möglichkeit der Erschöpfung dieser Zugeständnisse wird allerdings von der Entwicklung der Verhältnisse in Oesterreich, insbesondere von der Kaufirast der Bevölkerung abhängen. Seite 6 „Sozialdemokrat" Donnerstag, 12. März 1936. Nr. 61 Agger feifaum Telgürt für Kd 520.—, ins Riesengcbirge auf die ftinspftnner sefällis? (—M. P.—) Vor dem Eingang in das graue Gebäude> des Mäsaryk-Bahnhofs stehen noch drei letzte Einspänner als Erinnerung auf die längst verschollene Zeit des Prager Kleinstadtlebens. Zu drift warten sie hier, lange Stunden und lange Tage, und niemand kommt, um die altertümliche Kutsche zu einem Ritt zu bestellen. „Einspänner gefällig", das war die übliche Frage des letzten Dezenniums des 19. Jahrhunderts, wo noch die Offiziere.mit ihren Damen eine Spazierfahrt als einen romantischen Ausflug gerne auskosteten. Zum- Stande eines angesehenen Mannes gehörte der Einspänner als das äußere Merkmal seiner gesellschaftlichen Stellung. Heut« ist die Welt verändert. Der junge Mann führt sein Mädchen ins Kino und in der Finsternis — die in der Gegenwart fast alle Attribute der Ein- samkeit besitzt— flüstert er ihr Zärtlichkeiten ins Ohr... Die Romantik der stillen Fahrten in die Prager Umgebung mußte den Erfindungen der modernen Welt weichen. Der moderne Romeo führt seine Julie auf dem Rücksitz einer Jawa zu den fernen und entlegenen Gegenden, wo beide ihr Weekend feiern. Manchnml nur, wenn noch alte, die hastige Moderrtisierung nicht liebende Leute nach Prag kommen und fahren wollen, dann bestellen sie den Einspänner. Doch das Pferd, das ruhig, gemessen zu dem Ziel hintrabt, stellt in der heutigen Straße, einen Anachronismus dar. Im" Verkehr ist solch ein Fuhrwerk nicht beliebt und die Geräusche der Kraftfahrzeuge, der Straßenbahn, wirken auf das Pferd. Der Kutscher auf dem Bock hat nicht mehr jene elegante Sicherheit in der Führung, wie vor langen Zeiten. Das ewige Warten macht ihn lahm, seine Kraft schwindet und bald werden wir die letzten Prager Kutscher nur noch im Museum zu sehen bekommen. Mit dem Verschwinden der letzten Kutsche wird aber auch die stille Erinnerung an die alte, gute Zeit aus dem Leben schwinden. Selbstmordchronik. Bei der Smichbwer Arena wurde die Leiche einer Unbekannten— etwa 25 Jahre alt, blaue Augen, Helle Haare, mittlere Statur und grauer, rot gestreifter Sweater— aus der Moldau gezogen, die erst kurz vorher ins Waffer gesprungen sein konnte. Nach ihrer Identität wird geforscht.— Gestern nachmittags sprang das 29jäh- rige Dienstmädchen Anna Hranikka aus Krk beim Wyschehrader Tunn'el in die Moldau, wurde jedoch von einem Fischer herausgezogen und von einem vorbeifahrenden Lastauto ins Podoler Sanatorium gebracht. Beim Sturz verletzte sie sich jedoch lebensgefährlich an einer Felskante.— Der 30jährige Tischler Wenzel Dvokakek in Zijkov verstopfte gestern in selbstmörderischer Absicht die Lüftung seines Kamins, so daß die Kohlengase ins Zimmer drangen. Er wurde bewußtlos mit einer Kohlenoxydvergiftung aufgefunden und auf die Klinik Hynek gebracht. Das Motiv der Tat ist unbekannt.— Gestern nachmittags erhängte sich in ihrer Wohnung in Nusle die 34jährige Brbeitersftau Elisabeth Kadlec. Die Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. Das Motiv der Tat ist unbekannt.— Um 8 Uhr früh fuhr der Architekt Rudolf Pokorny aus Zijkov mit seinem Auto durch die PodKradstratze, als sich ihm der 45jährige Beamte Jaroslav Chyle aus Zizkov in selbstmörderischer Absicht vors Auto warf. Chyle wurde zu Boden geworfen und erlitt eine Gehirnerschütterung und eine Verrenkung des linken Avins; Pokorny brachte ihn in seinem Auto auf die Klinik Schlaffer. Der Vorfall hatte«inen großen Menschenauflauf zur Folge. Bierglcks an den Kopf. Der 32jährige Metallgießer Rudolf Strejkek aus Zizkov wurde gestern nachts um 2 Uhr auf die Klinik Schlaffer gebracht; kürz vorher war er während eines Streites vom 30- jährigen beschäftigungslosen Arbeiter Georg Niasek aus Zizkov in einem Dejwitzer Wirtshaus mit dem Bierglas in den Kopf geschlagen worden, so daß er eine Gehirnerschütterung und tiefe Fleischwunden erlitten hatte. Masek wurde verhaftet. Unfall im Mefsepalast. Gestern vormittags reinigte die 21jährige Arbeiterin Adele Beier aus' Reichenberg eine Bügelmaschine, die sie vorführen sollte. Hiebei wurde ihre rechte Hand mit dem Abwischfetzen in die Maschine gezogen, wobei ihr der Vorderarm buchstäblich skalpiert und der Mittelhandknochen gebrochen wurde. Sie wurde auf die Klinik Jirasek gebracht. Ein Militärlastauto fährt auf den Gehsteig. Mittwoch um 8 Uhr früh kam es in Prag XIl. zu einem ernsten Automobilunfall. In dieser Zeit kam aus der Votickä ul. ein Militärlastauto Ev. Nr. 4191, das Schüler des Chauffeurkurses zur Ausbildung führte. Den Wagen lenkte Rottmeister Macsnai der Automobilrotte Nr. 13, der beim Einbiegen aus der Votickä in die Fochovä auf den Gehsteig fuhr. Nach seiner Aussage entglitt die Führung seinen Händen. Beim Anfahren auf den Randstein erfaßte er von rückwärts den Installateur Josef Burian, wohnhaft in Michle 892. Burian erlitt eine Gehirnerschütterung und vielleicht auch innere Verletzungen, was erst bei der ärztlichen Untersuchung im Krankenhaus,, wohin der" Verletzte sofort mit dem Militärlastauw gebracht wurde,' wird konstatiert werden können. Ueber die Ursache des Unfalles wurde eine Untersuchung eingeleitet. AuSflngSzüge der Staatsbahnen. Die tschechoslowakischen Staatsbaünen veranstalten Samstag, den 14. März, einen Sonderzug mit Verpflegung nach Petzer und Johannisbad für Kd 75.—. Abfahrt Samstag 18 Uhr. Vom 14. bis 22. März veranstalten die Staatsbahnen eine„Woche im Riesengebirge" für Kd 440.—, vom 21. bis 30. März eine Exkursion in die Hohe Tatra für Kd 545, nach Sokolbaude für Kd 440.—. Anmeldungen mit Anzahlung im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Tel. 38.335, und am Päclavske näm. 60, Tel. 35.055. Mitteilungen aus dem Publikum. Bei Katarrhen der Gallenwege und Gelbsucht, Gallengrieß und Gallensteinen ist eine häusliche Trinkkur mit dem natürlichen„Franz-Josef"- Biiterwasser dann besonders wirksam, wenn es morgens auf nüchternem Magen, mit etwas heißem Wasser gemischt, genommen wird. Aerztl. empfohl. Ole eigene Frau auf die Strafte geschickt Durch Mißhandlung des Kindes erpreßte Prostituierung Prag. Die Verhandlung gegen den 46jährigen slowakischen Arbeiter Johann Presinsky, die gestern vor dem Strafsenat Waldmann abgeführt wurde, enthüllte im Zuge des Beweisverfahrens einen weit tragischeren Sachverhalt, als die Anklage zunächst vermuten ließ. Presinsky war angeklagt des Verbrechens der gefährlichen Drohung seinem Stiefsohn gegenüber. Die Tat, die am 21. Feber zur Verhaftung Presinskys führte, ist aber nur der Abschluß und Gipfelpunkt eines entsetzlichen Familienlebens. Der Angeklagte, der wegen verschiedener Ge- walttätigkeitsdelike bereits über zwei Jahre im Gefängnis zugebracht hat, verheiratete sich vor einigen Jahren mit einer Frau, die ihren Lebensunterhalt auf der Straße verdiente. Es ist klar, daß Presinsky bloß deshalb diese Ehe geschwsscn hat, weil er von dem Geld, das seine Frau auf dem Strich verdiente, ein bequemes Faulenzrrdasein zu führen hoffte. Die Einvernahme dieser Hauptzcugin gefaltete sich dramatisch. Sie ist weder jung noch hübsch und beim Betreten des Gerichtssaales warf sie einen haßerfüllten Blick auf ihren Gatten auf der Anklagebank. Als der Vorsitzende sie belehrte, daß sie als Gattin des Angeklagten sich der Aussage entschlagen könne und auch nichts auszusagen brauche, was ihr zur Schande gereichen, könne, antwortete sie energisch:»Ich will aussagen!" Und dann machte sich die jahrelang zurückgehaltene Empörung und Bitterkeit in einem wahren Redestkom Lust. Sie hat den Angeklagten geheiratet, weil sie hoffte, aus diese Weise aus der Hölle der Prostitution erlöst zu werden. Sie nannte es wirklich so und inan sah ihr. an, daß es kerne bloße Redensart war. Presinsky ließ es nicht an Versprechungen fehlen und malre ihr das Ehcleben in den schönsten Farben aus.»Und dann hab ich ein Kind, Hobes Gericht, einen kleinen Jungen und ich hab gehofft, daß er einen Vater haben wird und ein Heim, damit„ein ordentlicher Mensch aus ihm wird." Es kam anders, denn gleich nach der Hochzeit enthüllte Presinsky sein wahres Gesicht. Er jagte seine Frau auf die Straße und sagte ihr, sie solle sich nicht unterstehen, ohne Geld heimzukommen. Die Frau sah, daß sie der Straße nicht entronnen war. Im Gegenteil, sie war in die Knechtschaft eines zuhälterischen Halunken geraten, der nicht nur sie mißhandelte, wenn sie sich sträubte, auf den Strich zurückzukehren, sondern auch ihren kleinen Jungen, seinen Stiefsohn, quälte und bedrohte er. Er batte schnell heransgefunden, daß die bedauernswerte Mutter durch die Mißhandlung ihres Kindes leichter gefügig gemacht wurde, als durch Hiebe, Fußtritte und Ohrfeigen. So lebte Presinsky lange Zeit von dem Geld, das die gequälte Frau vom Strich heimbrachte. . Schließlich ertrug sie es aber nicht mehr und als am 21. Feber ihr Mann drohte, dem Jungen miteiner SägedenGarauszumachen, wenn sie kein Geld hcimbringe, holte sie die Polizei. Ter Angeklagte verteidigte sich zynischerweise damit, daß er seiner Frau die gesamte Schuld zuschob. Er habe sich bemüht, sie von ihrem„unsitt- Hazel Tarry in dem englischen Film„Revolutionshochzeit" I sichen Leben" zu bekehren. Dagegen habe sie selbst nach der Gaffe verlangt und sich von Fall zu^Fall seine Genehmigung eingeholt, wieder auf den Strich gehen zu dürfen! Er habe aber nur dann zuge- stimmt, wenn eine Anschaffung zu machen Ivar Schließlich verstieg'ich Presinsky sogar dazu, daß er den gekränkten Gatten zu mimen versuchte. Das stand ibm schlecht an und der wahre Sachverhalt ist nicht nur durch die Zeugenschaft seiner Frau, sondern auch durch weitere Zeugen ganz eindeutig festgestellt. Der Gerichtshof erkannte denn auch den Angeklagten schuldig und verurteilte ihn, indem er die besondere Niedrigkeit und Roheit seiner Handlungsweise in Betracht zog, zu zehn Monaten schwerenKerke r s. rb. Nurst mut Wissen Fröderic Lamond, einer der hervorragendsten zeitgenössischen Pianisten und der beste Beethoven- Spieler der Gegenwart überhaupt, begann vorgestern im Börsesaal einen auf drei Abende berechneten Beethove n-Z y k l u s. Dieser umfaßt nicht weniger als siebzehn große Klabierwerke Beethovens, darunrer die berühmtesten und bedeutendsten Sonaten. Rur ein Künstler vom großen Format Lamonds, der souverän über der Technik seiner Kunst steht und Beethovens Musik als reproduktiver Musiker geistig verwandt ist, darf es wagen, an einem Abend nur Beethoven zu spielen,— und noch dazu in ausgiebigster Menge—, ohne die Hörerschaft zu überlasten und zu ermüden. Denn Lamond spielt Beethoven wirklich so, wie man ihn sich vorstellt; mit Betonung des heroischen Stiles und elementaren Ausdruckes, unter gläubigster Hingabe an die Gefühls- und Gedankenwelt Beethovens und unnachahmlich schön gegliedert in der Bortragsgestaltung. Ten Klang des Lamondschen Beeihovenspieles trägt man noch tagelang im Ohr und Sinn. Das Programm des ersten Konzertabends enthielt die Sonate ovus 106 in B-dur(die sogenannte Hammerklavier- Sonate), das Rondo in G-dur, die Es-dur-So- nate opus 31, die Sechs Bagatellen aus Opus 119 und die Sonate charakteristique(Der Wschied, die Abwesenheit und die Rückkehr) in Es-dur, Opus 81a. Das zahlreich erschienene, begeisterte Publikum bereitete dem großen Künstler große Beifallsehren. E. I. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Donnerstag halb 8: Der Rosen»« valier, neuinszeniert. C 1.— Freitag halb 8: Gastspiel Leopoldine Konstantin mit Ensemble: Duell der L i e b e. D 2.— Samstag halb 8: Lysistrata, C 1.— Sonntag halb 3:Unentschuldigte Stunde, Arbeitervorstellung, halb 7: D i eWal- k ü r e, Gastspiel Anny Konetzni, B 2. Spielplaa dar Kleinen Bühne. Donnerstag, halb 8:Alle Rechte Vorbehalten, Erstaufführung.— Freitag 8: Alle Rechte Vorbehalten, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8 Uhr: Anna s a g t n e i n, volkstümliche Vorstellung.— Sonntag 3 Uhr: Die ersteLegion, 8 Uhr: Alle Rechtevorbehalte n. §port-§piet-Xörperpfkege 0er Widerstand gegen die Berliner Nazi-Olympiade Der Widerstand, welchem die Olympischen Spiele von Berlin begegnen, wird immer stärker und stärker. Niemals wurden die Olympischen Spiele von Anstverpen, Paris, Amsterdam und Los Angeles so bekämpft, wie jene von Berlin. Aber heute ist es unbestristen, daß die Olympischen Spiele nichts anderes sind, als eine ungeheure nazistische Propaganda, ein» Monster-Manifestation, wie sie die Welt bisher nichr gesehen hat. Alles soll„kolossaler", gigantischer als jemals sein und die reichsdeutsche Presse gibt bereits triumphierend bekannt, daß die Spiele von Los Angeles, welche sicher imposant waren, weit hinter jenen von Berlin zurückbleiben werden. Der Olympismus, auf dem Prinzip der körperlichen Erziehung, welches von den Arbeiter-Sportverbänden immer verfochten wurde, fußierend, wirs einmal mehr von den Machthabern des Dritten Reiches von seinem wahren Zweck in das Gegenteil verkehrt. Wir lesen in einer olympischen Propagandaschrist für Turner, daß seit der Gründung des nationalen Turnverbandes das geheiligte Erbe des deutschen Vaterlandes von einem Meer umgeben ist, welches alle Bürger einigt.(Reichsbund für Leibesübungen.) Erinnern wir uns bei dieser Gelegenheit, daß in diesem Verband zwangsweise die 1,211.468 Mitglieder des deutschen sozialistischen Verbandes eingegliedert wurden, nachdem ihnen von ihrem Verbandsvermögen Werte in der Höhe von mehr als 20 Millionen Mark an Material, Bauten,' Spielplätzen upd Geld durch die'Nazi geraubt wurden. Eine andere Stelle: Unsere Sport-Manifestationen schließen alle Kategorien und Arten der Körperübungen«in.»Wenn wir spielen, ist es für dasVaterland." In der Tat wird zum Zeitpunkte, wo unser Traum Wirklichkeit wird, die Parole„Alles für das Vaterland!" zur Devise aller geworden sein, welche die körperliche Erziehung in den Dienst unseres Volkes stellen. Die freien Bewegungen kommen aus der Mod: und man ist bei den Uebungen mit den Eisenstangen und der Schaufel angelangt, welche für den Turner das Gewehr ersetzen sollen. Di« Uebungen mit dec Keule mnd das Kugelstoßen sind gleichfalls sehr im Schwange für die Ausbildung im Handgranatenwer- Zahnbelag ist ebenso häßlich wie gefährlich Der mißfarbige Zahnbelag, der nach und nach den Zahnschmelz angreist, kann aus die einfachste Art entfernt werden. Morgens als Erstes die Zähne gründlich mit Chlorodont putzen. Chlorodont, die herrlich erfrischende Pfefferminz- Zahnpaste, macht durch ihre starke, aber unschädliche Reinigungskraft die Zähne blendend weiß und dadurch jedes Antlitz ansprechend und schön. Abends als Letties vor dem Schlafengehen unbedingt die Speisereste aus den Zahnzwischenräumen durch nochmalige gründliche Reinigung mit Chlorodont-Zahnpaste entfernen. Chlorodont, schäumend oder nichtschäumend, beide Qualitäten find gleich gut. Tube Ke 4.—. S Spritzer Chlorodont-Mundwasser la das MuadspOi- glas erhöhte die erfrischende Wirkung der regetmdtigen Zeta- und Mundpflege uilt Chlorodont. fen. Die Schießübungen sind gleichfalls im sportlichen Programm eingegliedert. Jedenfalls wird eine große Aufmerksamkeit auf diese Disziplin gelenkt, um die Menschen„zur Verteidigung und dem Angriff im Dienste des Vaterlandes fähig" zu machen. Wir kennen den sportlichen Wert, welchen man den Olympischen Spielen von Berlin beimeffen kann. Die phantastischen Summen, welche das Dritce Reich für die Olympiade ausgibt, werden sicherlich nicht genügend sein, um die erste Arbeiter- Olympiade von 1925 in Frankfurt a. M. vergessen zu machen, welche zur haupffächlichste.-. Aufgabe hatte, durch«Äusüben des Turnens und des Sports unter die Völker ein gegenseittges Verstehen, den Frieden und die E i n t r a ch t zu tragen, gestützt auf die Solidarität aller Nationen und aller Raffen. Darin wird das Deutschland von heute niemals dem Deuffchland von 1925 gleichen. .(„Le Peuple", Brüssel.)' tlus dec Partei Donnerstag, halb 7 Uhr, im Parieiheim Sitzung des Bezirksfrauenkomitees. fceimde Donnerstag, den 12. März, im Parteiheim, Narodni tr. 4, 8 Uhr abends, wichtige Ausschußsitzung und Helfergemeinschaft. Tie Großfürstin und der Kellner. Das mancherorts erfolgreich gewesene Pariser:Theaterstück von Al- srcd Savoi'r bezog seine Wirkungen aus dem im Titel angedeuteten Kontrast, der aber wieder dadurch ausgeglichen wurde, daß der Kellner natürlich gar kein richtiger Kellner, sondern ein als solcher verkleidetes reicher Herr und die Großfürstin andererseits so verschuldet ist, daß sie der finanziellen Unterstützung des „Kellners" ebenso bedürftig ist wie der Romanlik eines so ungewöhnlichen Liebhabers. Eine komischgefühlvolle Mischung also, die in dem amerikanischen Filin des Regisseurs Frank T u t t l e mit Liedern und Epffoden-Szenen bereichert wurde, dafür aber an Tempo nicht gewonnen hat. Die Absicht war offenbar, den Film, der zum Overetienschwank hätte werden können, kämmerspielhaft zu inszenieren. Aber das Ergebnis war. daß er etwas schleppend und dünn geriet, zumal die Hauptdarsteller nichr sehr fesselnd sind. Tenn Bing Crosby ist zwar ein sehr sicherer Sänger jener schläfrig-spielerischen Song-?., wie wir sie von amerikanischen Schallplatten kenne», aber ein interessanter Darsteller ist er nicht. Und Kitty Carlisle kann mit' Mannequin-Schönheit und unbeholfener„russischer" Schwermut die Rolle der Großfürstin nickt ausfüllen.—eis— Filme, die Prag nicht kennt. Die von den amerikanischen Filmgesellschaften begründete Akademie für Filmkunst hat den historischen Film„D i e Meuterei auf der Bounty"(nach einem englischen Roman, der zur Zeit der großen französischen Revolution spielt) preisgekrönt. Dieser Film ist bisher in Prag noch nicht gezeigt worden. Aber auch der mit dem französischen Staatspreis für das Jahr 1934 ausgezeichnete Film„Marie Chap- delaine"(ein Werk des Regisseurs Duvivier) ist uns unbekannt geblieben, desgleichen der Film „Jtto" des Regiffeuers Benott-Levy(des Schöpfers der„Maternelle"), der damals den zweiten Preis erhiest. Ebenso warten wir noch immer verglich auf den Greta-Garbo-Film„Anna Karenina", der beim Venediger Filmfest im Sommer vorigen Jahres ausgezeichnet wurde. Von den drei interessantesten Filmen dieser- Saison ist bisher erst einer, der neue Rene-Clair-Film„D e r Geist geht nach Westen" in die Tschechoslowakei importtert worden, so daß mit seiner Prager Aufführung in der nächsten Zeit zu rechnen ist. Wann wir jedoch den Chaplin-Film„M o- deine Zeiten" und den H. G. Wells-Film „Die kommenden Dinge" sehen werden, steht noch immer nicht fest. Bezugsbeding u n gen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich Kd 16.—, vierteljährig Kd 48.—, halbjährig Kd 96.—, ganzjährig Kd 192.—.—■ Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tele- -^raphcndirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G. Prag.