Samstag, 14. März 1936 Nr. 63 16. Jahrgang ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova«2. telefon sxsn. HERAUSGEBER< SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, PRAG. EiRzelireis 70 Heller (eintchli.Blich 5 Heller Porto: ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Edens Angebot noch aufrecht London.(Reuter.) Wie verlautet, bedeutete Staatssekretär für Auswäriges Eden dem deutschen Botschaste, daß die britische Regierung den Vorschlag aufrechterhalte, den sie am Mittwoch abends der deutschen Regierung unter- Eden breitete und in welchem Deutschland ersucht wurde, eine spontane Geste rn machen, die einen wertvollen Beitrag zur Sicherung einer Regelung darstellen würde. Es wurde keinerlei anderer Schritt bei der deutschen Regierung Unternommen. Reuter meldet; Bon den Mitgliedern des Völkerbundsrates hält niemand mit der Il e berraschung zurück. daß Deutschland Edens generöse Schiedsvorschla g e abgelehnt hat. Es wird erinnert» daß in diesen Vorschlägen von Deutschland k t1 n Opfer an Grundsätzen und auch kein Verlust an Prestige oder an den Jnterressen Deutschlands gefordert wurde. In den Vorschlägen wurde von Deutschland nur eine„symbolische Geste" verlangt, durch die die Verhandlungen erleichtert worden wären. Unter den Mitgliedern des Völkerbundes überwiegt die Anschauung, daß Deutschland sich eine außerordentliche Gelegenheit zur Versöhnung mit der übrigen Welt entgehen ließ. Scharfe Sprache Moskaus Moskau.(Taß.) Die„Pravda" schätzt die letzte amtliche Erklärung der deutschen Regierung als Beweis dafür ein, daß Berlin von seiner Taktik der gröbsten Erpressung und der Drohungen nicht abläßt. In Berlin besteht die Besorgnis, daß die Welt die samstägige Entscheidung Hitlers mit entschiedenen Maßnahmen beantworten werde; Berlin sei daher der Auffassung, daß mit allen Kräften darnach gestrebt werden müsse, dies zu verhindern. Die deutsche Regierung gehe mit der gestrigen Erklärung von Worten„der Friedensliebe" zu Drohungen und zur Terrorisierung seiner westlichen Nachbarn über. Das Blatt beschuldigt weiters Deutschland, daß es das Rheinland in ein Kriegslager verwandelt hat. Die Friedensfreunde müssen mit aller Wachsamkeit und Entschlossenheit verhüten, daß gegen den Frieden Anschläge dieser Art erfolgen. Urlaubsperre für USA-Diplomaten Washington. Infolge der unsicheren Lage in Europa hat das Außenamt an alle Botschafter, Gesandten und Konsuln in Europa die telegraphische Weisung gerichtet, die Urlaube des diploma- tischenPersonals auf einMindeftmaß einzuschränken. England bestellt Fernlenk-Flugzeuge London. Wie der„Daily Expreß" mitteilt, sei Großbritannien die erste Nation, die eine Flotte von ferngelenkten Flugzeugen in Auftrag gegeben habe. Das Luftministerium habe einen umfangreichen Abschluß mit der Havilland-Flug- zcug-Gesellschast getätigt. Mit der Herstellung soll in etwa drei Wochen begonnen werden. Engere Annäherung in London j n k ,,® ,en Längere Dauer der Ratstagung? einem Nachbarsaal den Verlauf der Beratungen mit Hilfe von Lautsprechern werden verfolgen können. Die Maßnahmen für die Sitzung des Völkerbundrares sind bereits alle durchgeführt. Der Generalsekretär des Völkerbundes A v e n o l und die führenden Beamten sowie das Personal aus Genf find bereits in London eingetroffen. Im St. James- Palais find bereits alle Dispositionen getroffen, um den Delegationen die gleiche Bequemlichkeit wie in Genf zu sichern. Die Konferenz wird im Salon der Königin Anna tagen, einem der prächtigsten Säle des Palastes. Mehr als 220 Journalisten aus allen Teilen der Well haben um die Zulassung zu den Beratungen angesucht. Es wird nicht möglich sein, eine so große Zahl im Konferenzsaal selbst unterzubringen, doch wuxde dafür gesorgt, daß die Pressevertreter in Litwinow konferiert mit Handln In London ist bereits der russische Volkskommissär Litwinow eingetroffen, der eine rege Tätigkeit enffaltete. Ex hatte eine einstün- dige Beratung mit dem französischen Außenminister Flandin. Am Vormittag verhandelte Litwinow mit dem rumänischen Außenminister Titulescu, der dann mtt Eden und Flandin konferierte. Nächste Woche auch Dreizeh nerausschuB London. Nach Informationen des Reuterbüros wird der Dreizehner-Ausschuß des Völkerbundes auf Ersuchen der italienischen Delegation wahrscheinlich in der nächsten Woche zusammentreten. Italiens Sonderstellung Der Londoner Berichterstatter des italienischen Pressebüros Stefani spricht die Absicht aus, daß im Laufe der Beratungen in London Botschafter Orandi neuerdings die Sonderstellung betont hat, in die Italien infolge der Sanktionspolitik geraten ist, und aufmerksam gemacht hat, daß die grundlegende Ursache der heutigen Krise in Europa die ungerechte Art und Weise sei,-in der Genf bei der abessinischen Frage vorgegangen sei. Die Sanktionen gegen Italien hätten die Grundlagen der Sicherheit und der europäischen Zusammenarbeit, die der Duce im Biererpakt aufgestellt hatte, untergraben. —m. Warschau, Anfang März. Seit 1832, dem Jahre des Tiefpunkts der j Wirtschaftskrise in Osteuropa, sind Zahl und Um- ! fang der Arbeitskämpfe in Polen ständig im Wachsen. Da die Regierung»Deflations"-Politik treibt, das heißt den Geldwert hochzuhalten und Preise und Löhne zu senken sucht, handelt es sich für die Arbeiterschaft fast immer um Abwehrstreiks. Ihr Ziel ist, zu verhindern, daß die Senkung der Löhne dem Abbau der Preise vorauseilt und der Lebensstand des Proletariats noch weiter verschlechtert wird. In den großen und mittleren Industriebetrieben lag die Lohnhöhe 1934 nach der amtlichen.Statistik etwa bei, 70 v. H. der Sätze des letzten Vorkrisenjahres 1929. Gegenwärtig dürste sie nicht mehr viel über 60 v. H. betragen. Das entspricht ungefähr der Entwicklung der Lebenshaltungskosten. Da aber nur eine Minderheit der Arbeiter das ganze Jahr über volle Beschäftigung findet, ist die t a t s ä ch- l i ch e Lage der meisten proletarischen Haushaltungen weit ung ü n sti g er geworden. In den Kleinbetrieben des Gewerbes und vor allem in der Landwirtschaft ist die Kurve der Löhne aber noch sehr viel schlechter, weil in diesen Erwerbszweigen eine viel größere Zahl von beschäftigungslosen Kräften auf den Arbeitsmarkt drückt. Auch im Bergbau und in der Großindustrie kann der bescheidene Standard der proletarischen Löhne nur unter heldenhaften Kämpfen einigermaßen verteidigt werden. Besetzung der Betriebe durch , die Streikenden, Anwendung passiven Widerstandes, ja sogar Hungerstreik— alles deutliche Anzeichen einer verzweifelten Stimmung— gehö- > ren in Polen nicht zu den Ausnahmeerschci- , nungen. In dem zweitgrößten polnischen Kohlen- ' revier von Dombrowa haben kürzlich die Belegschaften der Kasimir- und der Julius-Grube, zusammen etwa 2000 Mann, fast zwei Wochen ■ lang auf ihren Arbeitsplätzen, unter der Erd« ausgeharrt, die Annahme von Nahrungsmitteln . verweigert und so schließlich durchgesetzt, daß i Entlassungen und Lohnkürzungen unterblieben. Nur diejenigen Bergleute wurden ans Tageslicht geschafft, die in der Tiefe bereits ohnmächtig geworden waren. Der Eindruck auf die Bevölkerung der ganzen Gegend war außerordentlich. Er hat dazu beigetragen, die Behörden zu Schiedssprüchen für den gesamten polnischen Bergbau zu veranlassen, welche einen bereits drohenden allgemeinen Streik überflüssig machten. Unvermeidlich wurde der Kampf dagegen in der Textilindustrie des großen Fabrikreviers von Lodz, welches man oft das polnische Manchester genannt hat. Nicht nur äußerlich bleibt dieser Bezirk weit hinter dem wirklichen Manchester zurück, sondern vor allem auch in seinen sozialen Arbeitsbedingungen. Die Tariflöhne, nach denen die eingangs zitierte amtliche Statistik die Lebenshaltung der Arbeiter einschätzt, werden tatsächlich nur von den führenden Großbetrieben eingehalten. Hunderte von mittleren und lleinen Unternehmungen kümmern sich nicht darum, unterbieten mit ihren Schandlöhnen die fortgeschrittenen Betriebe und zwingen auch diese dadurch zu immer weiterer Verschlechterung der Arbeitsbedingungen. So erlebt das Lodzer Revier gegenwärtig einen Streik, in dem es nicht um eine Verbesserung der Tarifverträge oder um eine Abwehr ' ihrer Verschlechterung geht, sondern nur um die Durchsetzung ihrer Innehaltung. Mehr als 100.000 Arbeiter haben die Arbeit niedergclegt, um so zu erzwingen, was eigentlich bereits die staatlichen Behörden erzwingen müßten: die Wahrung des geltenden Rechts. Von vielen anderen Arbeitskämpstn, besonders in Mittel- und Südpolen, könnte hier noch die Rede sein. Aber ihr Charakter ist fast' überall derselbe und das Ergebnis meistens auch. Soweit die Arbeiterschaft organisierbar ist, kann sie im allgemeinen verhindern, daß die ganze Krisenlast auf ihre Schultern Ubgewälzt wird. Trotz der Zersplitterung der Gewerkschaftsbewegung in klassenhewußte, regierungsfreundliche, nationale und christliche Richtungen wird unter sozialistischer Führung fast immer weitgehende Solidarität in den Betrieben gei't. Die Erfolge sind im Rahmen des Abwehrkampfes so ansehnlich, daß sie sogar nicht ohne poliftsch« Wirkung bleiben. Innerhalb des Regierungs« Die Verhandlungen noch nicht beendet London. Freitag kurz vor Mittag traten die Delegationschefs der Locarno-Mächte mit Ausnahme Deutschlands, im britischen Außenamt neuerlich zusammen. Vorher hatte ein halbstündiger Ministerrat der britischen Regierung stattgefunden. Es erregte Auffehen, daß auch der britische Finanzminister Neville Chamberlain sich neben Eden und Lord Halifax an den Beratungen der Locarno- Mächte beteiligte. Frankreich war durch F l a n- d i n vertreten, Italien durch den Botschafter G r a n d i und Belgien durch den Ministerpräsidenten BanZeeland. Die Sitzung dauerte eindreiviertel Stunden. Am späten Nachmittag traten die Delegierten abermals zusammen. Es verlautet» daß der Locarnoausschuß in der Rachmittagsfitzung den belgischen Ministerpräsidenten Ban Zeeland mit der Ausarbeitung eines Resolntionsentwurfrs betraut hat, der die Punkte aufzählt, über die bereits ein Einvernehmen erzielt wurde, und die ErnrnnungeinesUnterausschus- ses Vorschläge, der die Lage prüfen und Richtlinien für das künftige Vorgehen Vorschlägen würde. In einem am Abend ausgegebenen Kommunique heißt es: „Der aus den Vertretern der drei SignatarmLchte des Loearnovertrages bestehende engere Ausschutz hat im Laufe des Tages die Prüfung der Lage fortgesetzt. 3m Verlaufe der Aussprache wurde mit Befriedigung konstatiert, datz offensichtlich eine engere Annäherung der Ansichten erfolgt ist. Die nächste Sitzung des Ausschusses wird Samstag um 17 Ahr stattfinden." Ein französisches Kommunique besagt:„Im Verlaufe der Sitzung wurde es offensichtlich, daß sich dir Ansichten in befriedigender Weise annähern." In französischen Kreisen herrscht allgemein ein befriedigender Eindruck infolge der heutigen Aussprachen vor. Definition„symbolischeOkkupatkon" der entmilitarisierten Zone geführt wurde. In gut informierten diplomatischen Kreisen wird behauptet, daß Deutschland bereit sei, den symbolischen Charakter dieser Okkupation dadurch zu unterstreichen, daß es die gesamte schwere Artillerie aus dem Rheinland abberufe. Nach den amtlichen deutschen Angaben befinden sich in der entmilitarisierten Zone gegenwärtig 20.000 Soldaten. Amtlich wird erklärt, daß die britische Regierung mit Berlin nicht in Fühlung stand und datz aus Berlin kein offizieller Vorschlag zum Zwecke einer Entspannung der Situation eingelangt ist. Berlin zu Konzessionen bereit? Der deutsche Botschafter verhandelt Im britischen AuBenamt Der deutsche Botschafter von Hoesch stattete nachmittags im Forrign Office einen Be such ab, sprach aber, wie nachträglich mitgeteilt wird, nicht direkt mtt Außenminister Eden, son dern hatte mit dem Rechtsberater des Ministe riums Sir William Malkin eine Unterredung. Rach einer offiziellen Erklärung verhan delte er bloß über eine„untergeordnete" Frage. Der diplomatische Berichterstatter des Reuter büros teilt jedoch mit, daß eine unzweifel haft wichtige Angelegenheit den Gegenstand der Unterredung bildete. Der Um stand, daß von Hoesch mit dem Rechtsberater des Außenministeriums verhandelte, wird dahin aus gelegt, daß zwischen den beiden Staatsmännern in Wirklichkeit eine Diskussion über die juridische Der Bölkerbundsrat wird Samstag um 11 Uhr vormittags zusammentreten und sich wahrscheinlich auf Montag vertagen. Nach Reuter wird die Samstag-Sitzung des Bölkerbundrates der Darlegung des französischen und des belgischen Standpunktes gewidmet sein. Es werden auch die Erklärungen der übrigen Ratsmitglieed angrhört werden. Der Rat soll dann am Montag neuerlich zusammentreten und einen Berichterstatt er ernennen. Eine weitere Sitzung soll Ende der nächsten Woche stattfinden, und zwar höchstwahrschein lich'm London. Rach Ansicht der französischen Kreise wurde bisher eine Entscheidung nicht getroffen. Es ist wahrscheinlich, daß die französssche und die bel gische Ansicht klar andeuten, daß die Signatare des Loearnovertrages nicht zu Kampfmaßnah- nahmen irgendwelcher Art greifen wollen. Es werde aber notwendig sein, in Kürze die Maß nahmen z« prüfen, welche im Bedarfs fallezu ergreifen wären, welche aber nicht den Charakter feindseliger Handlungen haben würden. rite 2 Samstag, 14. März 1936 Nr. 63 lagers, das durch Pilsudski aus Angehörigen der verschiedensten Berufsgruppen und Stände zu- sammengeschweißt wurde, tretest die Klassengegensätze immer deutlicher hervor. Der link« Flügel, zu dem die Arbeiter- und Angestelltenvertreter gehören, rafft sich bei sozialen Fragen der Gesetzgebung immer häufiger zu einer Stellungnahme auf, die den Abmarsch der eigenen Anhänger in die sozialistischen Reihen verhindern soll. Zwischen der rechtsbürgerlichen Opposition und den reaktionären Kräften innerhalb der Gefolgschaft des herrschenden Regimes spinnen sich andererseits neue Verbindungen an. Das bürgerliche und das feudale Klasseninteressc Vie Hilfsaktion für Kinder Arbeitsloser 8000 Kinder und Ober 1000 Jugendliche erfaßt Wir haben bereits vor einiger Zeit ausführlich über die staatliche Hilfsaktion berichtet, die das Gesundheitsministerium im Einvernehuren mit dem Fürsorgeministerium für Kinder von Arbeitslosen, die an der Gesundheit ernstlich bedroht sind, ins Leben gerufen hat. Nunmehr sind die näheren Weisungen über die Durchführung dieser so begrüßenswerten Aktion ausgegeben worden. Wie schon seinerzeit erwähnt, wurden in diese Aktion ausschließlich von der Kris« und Arbeitslosigkeit besonders betroffene Bezirke eingegliedert. Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren, die aus diesen Gebieten stammen und deren Erhalter arbeitslos find, werden auf die Dauer von sechs Wochen, eventuell in einigen Gruppen je nach der Dringlichkeit der einzelne« Fälle» in paffenden Genesungs-und Erholungsheimen«ntergrbracht. Die Mion wird von den B e z i rk s b e- tzörden Lurchgeführt; die Auswahl der Kinder besorgen die Schul-, b z w. di« A m t s ä r^t e, deren Anträge den Bezirkssozialkommissionen zur Beurteilung nach der sozialen Seite vorgelegt werden sollen. Aus dieser Grundlage trifft dann das Gesund- h e i t s m i niste r i u m die endgültige Entscheidung. In beschränkter Anzahl kommen als Sektor dieser Aktion auch an ihrer Gesundheit bedroht« jugendliche Arbeitslose im Alter bis z« 21 Jahren in Betracht. Auf dies« Weise werden in paffenden Erholungsheimen über 8000 schulpflichtige Kinder und über 1000 jugendlicher Arbeitsloser untergebracht werde«. Nach der Rückkehr aus den Erholungsheimen verbleiben Kinder und die jugendlichen Ar-( beitslosen d r e i M o na t e u nie r ärztlicher Kontrolle, damit ein möglichst lang andauernder Einfluß des Erholungsaufenthaltes gesichert wird und die günstigen Auswirkungen der Aktion auf den Organismus der Jugend und des Nachwuchses wissenschaftlich beglaubigt werden können. Dor oberste Verteidigungsrat prüft den Stand der Befestigungen Prag. Freitag vormittags fand beim Präsidenten der Republik die übliche militärische Wochrnaudienz statt, bei welcher ein Referat über di« Vorbereitungen zu dem treiben die konservativen Freunde der regierenden Offiziersgruppen zur Annäherung an die nationalistische Rechtsopposition. Die Scheidung zwischen einer„großen Linken", zu der außer den proletarisch-demokratischen Kräften mich die radikalen Bauern gehören, und einer großen Rechten, die alle reaktionären Kräfte umfaßt, bahnt sich langsam an. Noch werden die Nachfolger des Marschalls Pilsudski durch den gemeinsamen Besitz der Macht zusammengehalten. Aber wenn sie nicht im Laufe eines Jahres den Umschwung der Wirtschaftslage herbeiführen können, wird ihre Zersetzung durch die verschärften Klassengegensätze unaufhaltsam sein. Gesetz betreffend die Wehrerziehung, über das Gesetz zur Verteidigung des Staates und über den h.eutige« Stand unserer Befestignngs- arbeiten sowie das weitere Programm dieser Arbeiten erstattet wurde. Diese Frage wird noch in das Berhand- lungsprogramm der nächsten Sitzungen des Oberste« StaatsverteidigungsrateS ausgenommen werden. * Gesetz Ober die Verteidigung des Staates vom Ministerrat genehmigt Der freitägige Ministerrat genehmigte den Regierungsentwurf überdie Verteidigung des Staates sowie die Grundsätze des Gesetzentwurfes Wer die Verschärfung der bisherigen Vorschriften zur Bekämpfung derSpionageim Rahmen des Gesetzes zum Schutze der RepWlik. Wie verlautet, soll für besonders schwere Fälle auf Spionage auch in Friedenszeiten die Todesstrafe eingeführt werden. Im Ministerrat erteilte ferner der Vorsitzende der Regierung eingehende Informationen Wer seine Verhandlungen mit den österreichischen Staatsmännern in Wien. Der Bericht wurde von der Regierung mit Zustimmung zur Kenntnis genommen. Hierauf referierte der Minister des Aeußeren über die internationale Lage. Nach durchgeführter Aussprache wurde dieser Bericht ebenfalls genehmigt. UnterstützungsmaBnahmen für die MIBerntegeblete Saatgut und Futtergetreide auf Kredit In der Sammlung der Gesetze und Verordnungen ist soeben die Regierungsverordnung Nr. 48 vom 10. März erschienen, welche die Lieferung von Saatgut und Futtergetreide auf Kredit für Landwirte in den Mißerntegebieten betrifft. Diese Lieferungen werden zu vollem Verkaufspreis und unter Vergütung der Fracht, der BerteilungSspefen und der eventuellen Paritätsverluste durchgeführt. Anspruch auf Zuteilung haben nur Landwirte in Gemeinden, wo mindestens 50 Prozent Gesamternteausfall an Getreide-, Hackfrüchten und Futterpflanzen von der Bezirksschadenskommiffion feftgeftellt wurden. Für Saatzwecke wird Gerste und Hafer, eventuell auch Wicke, Peluschke oder Gemenge, für Futterzwecke Futterhafer oder Futtergerste zugeteilt. Als Ersatz eventuell auch Mais, Oelkuchen etc. Die Menge ist beschränkt auf 200 Kg. Saatgut per Hektar und 100 bis 200 Kg. Filtermittel. Wer Anspruch auf Zuteilung erhebt, muß eine Bescheinigung des Gemeindevorstehers über den Biehstand und den tatsächlichen Bedarf für Saatzwecke bei dem zuständigen Kommissionär(Lagerhaus) vorweisen. Die Rückzahlung der auf Kredit gelieferten Waren hat zum 30. November 1036 in Natura zu erfolgen. Die Lieferung wird im Getreidebüchel eingetragen. Zur Sicherung wird das gesetzliche Pfandrecht auf die Getreideernte errichtet. Zuteilung von billiger Kleie und billigem Futtermehl Nach einem Erlaß des Landwirtschaftsministeriums, Zahl 23174—IV/1936, können Landwirte in solchen Gemeinden, wo irgendwie eine Mißernte im Jahre 1935 zu verzeichnen war, um Zuteilung von verbilligter Kleie und verbilligtem Futtermehl ansuchen. Bewerber erhalten bei dem zuständigen Kommissionär(Lagerhaus) oder beim Gemeindeamt Formulare, die auszufüllen und vom Gemeindevor- stande zu bestätigen sind. Die Gesuche sind sodmm bei dem vom Gemeindeamt« bestimmten Verteiler bis längstens 19. März zu überreichen. Der Preis von Kleie und Futtermehl wird um etwa 40 l<ö niedriger sein, als der vom Monopol festgesetzte Preis. Für die Berechnung des Preises wird die nächst« Verladestation der Mühle oder des Verteilers zur Grundlage genommen. Zur Lieferung gelangen immer nur ganze Waggon-, wobei auch Zusammenladungen verschiedener Arten von Kleie und Futtermehle möglich find. Bei direkter^Abholung von der Mühle dürften auch kleiner« Mengen zugestellt werden. Zu dem oben erwähnten Preis kommen noch 2 Prozent Umsatzsteuer hinzu. Als Verteiler fungieren außer den Lagerhausgenossenschaften auch ändere Kommissionäre der Getreidegesellschaft, dann Mühlen, Konsum- oder Selbsthilfegenossenschaften (z. B. Milch-Kredit- und ähnliche Genossenschaften). Neben diesen staatlichen Aktionen bemüht sich auch der Zentralverband der deutschen Kleinbauern und Häusler für seine Mitglieder in den Notstands-, gebieten, Saatkartoffeln zu einem erträglichen Preise zu erreichen. Aussicht auf Zuteilung haben nur jene Ortsgruppen, die dem Verbände rechtzeitig eine An- Meldung zukommen ließen. Die Staatsangestellten beim flnanimlnlster DaS Präsidium der Arbeitsgemeinschaft der öffentlichen Angestellten(Kirnet, Abgeordneter Bergmann, Senator Grünzner, Mlade k und M a ch o v ä) verhandelte Freitag mit dem Finanzminister Dr. T r a p l Wer die grundlegenden Forderungen der Staats- und öffentlichen Angestellten, besonders über die Gleichstellung der vierten Etappe der Altpensionisten, die Rückverlegung des Auszahlungstermins auf den Monats-Ersten, über die Durchführung der Paragraphen 25 und 142 des Gehaltsgesetzes» über die Aufhebung der Abzüge und die Novellierung deS Paragraphen 7 der Regierungsverordnung 252. Kommende Woche wird mit den weiteren in Betracht kommenden Regierungsfaktoren verhandelt werden. Annäherung Slowaken—Koalition Die Verhandlungen des Ministerpräsidenten mit den Vertretern der Slowakischen BolkSpartei wegen deren Eintritt in die Koalition schreiten günstig fort. Dr. HodZa hatte am Donnerstag, den 12. März, eine Unterredung mit den Vertretern der Partei, in der es sich hauptsächlich um die Errichtung eines slowakischen Ministeriums handelte. Der Ministerpräsident soll hiebei, wie die„LidovL Novinh" berichten, erklärt haben, daß er grundsätzlich gegen die Errichtung eines solchen Ministeriums nichts einzuwenden habe. Da aber diese Frage einer eingehenden Erörterung bedürfe, Copyright by Dr. Manfred Georg, Prag MÄNNER, FRAUEN I UND WAFFEN I | Roman von Manfred Georg| Dann lächelte sie ihm ermunternd zu und wandte sich ab. Als er noch etwas sagen wollte, legte sie den Finger auf den Mund: „Nicht d'efil Schicksal vorgreisen I Und verlier mir mein Amulett nicht I" Er reiste bedrückt nach Süden, nachdem er beim Anwalt und im Gefängnis das Möglichste für Haydse erreicht hatte. Merkwürdig, wie alles hinter ihm zurückblieb. Jetzt, da er wieder allein war und zwischen afrikanisch verbrannten Felsen und dem Mett dahinfuhr, kam es ihm vor, als ob er aus einem Theater nach Hause sich begäbe.» Wären nicht die knisternden Papiere in der Brusttasche gewesen, so hätte er sich scgar dazu Wcrreden lassen, daß er jetzt aus Fiebervisionen ans Tageslicht stiege. Er mußte sich an die Fahrt im Zuge nach Gornitsch erinnern. Statt des Priesters sah ein schwarz und städtisch angezogener weißhaariger Greis im Abteil, der lange und sorgfältig ein ganzes gebratenes Huhn .mit den Händen aufriß und es dann mit großem Genuß verzehrte. Die Strecke war auch nicht recht in Ordnung, es wurden mehr Lokomotiven gewechselt als nötig war, eine Bauersfrau, die von einem Marktflecken zur Messe in einen anderen fuhr, war die einzige Unterbrechung auf der Fahrt. So sehr sich Schumann auch wehrte, die Gedanken an die kommenden Tage verdrängten«in wenig die Erinnerung an Havdce. Und in Sevilla selbst, wo er sofort die entsprechenden Behörden aufsuchte» gab es eiste solche Menge von Konferenzen, Gängen und Exkursionen in die Umgebung, daß er ihr bald sogar nicht mehr täglich schrieb. Die Suche ließ sich schlecht an. Annoncen in den Zeitungen brachten ihm zwar neugierige Lokalreporter, sowie Angebote von Kartenlegerinnen, Wahrsagern und Graphologen ins HauS, aber nirgends zeigte sich ein Hinweis, daß hier irgendwo ein Fräulein Gabriele Schumann wohnte. Enttäuscht und Weranstrengt von der Spannung der Tage, blätterte er in einem illu- strierten Zeitungsband von vor zwei Jahren, als sein Auge plötzlich auf eine Annonce fiel: „Morgen im Hotel Windsor großer Gala- Wend— Auftreten des bekannten Hellsehers Mardrier aus Paris— Gedankenlesen, Telepathie, Fernsehen, Beantwortung von Fragen aus dem Publikum." Also Mardrier war hier gewesen! War hier gewesen und hatte offenbar Gabriele wirklich gesehen! Schumann stülpte seinen Hut auf und rannte hinaus auf die nächtliche Straße. Jetzt war alles klar, war alles aber auch sicherer. Wahrscheinlich hatte Gabriele von ihrer Kindheit erzählt und jenes Tages des russischen Angriffes, der schließlich ihr wichttgstes Erlebnis bisher gewesen war, sich vor Mardrier erinnert. Der Schwindler hattt sie also gar nicht in Trance gesehen, sondern war bei so gutem Gedächtnis, wie es diese Artisten des Okkultismus haben müssen, als er den Namen „Werner Schumann" auf dem Zettel gelesen hatte, ohne weiteres auf die Verbindung gekommen. Aber mochte er gelogen haben! Gabriele lebte wirklich! Freilich, wer gab die Garantie, daß sie nicht längst wo andershin gegangen war? Die Herren des Sevillaner Klubs, die, Eis- getranke schlürfend, in roten Ledersesseln vor den Türen ihrer Bereinshäuser saßen, sahen verwundert dem hastig Dahinschreitenden nach, der das Gewimmel der promenierenden Bürger unhöflich und eilig durchpflügte. Auf dem Platz vor der Kathedrale wurde sein Schritt plötzlich gebannt durch einen Trauer- Kondukt, der wie eine Theaterprozession sich bei Fackellicht Wer das mondschein-weiße Pflaster bewegte. Boran schritt ein Priester, begleitet von zwei Chorknaben, dann kam ein goldbesterntes Kirchenbanner und nun, auf hohen, kräftigen Mönchsschultern getragen, ein einfacher, schwarzer Holzsarg. Auch die Mönche waren ganz in schwarz, trugen Kutten, die das Gesicht ganz einhüllten, und es folgten noch zwanzig andere, betend den Kopf zu Boden geneigt. Hinterher kam einfaches Volk in kleinbürgerlicher Trauer, der Gesang klang dünn und düster über den Platz. Gerade als sie in der Mitte waren, schritt ihnen eine ältere Frau entgegen, der stumm und mit dumpfem Tritt ein Haufe Männer und Frauen in Arbeiterkleidung folgte. Es war auf dem hellen, leeren Platz, Wer den in makelloser Form die Kathedrale ragte, die sich mit allen Zacken und Zinnen gegen den lichten Himmel abhob, wie eine Theaterszene. Schümann blieb gebannt stehen. Die Frau trat mit pathettsch ausgebreiteten Armen auf den Zug zu und versperrte ihm den Weg. Sie schrie sehr laut: „Gebt mir meinen Mann heraus! Er hat gesagt, daß er verbrannt werden will. Ich lasse ihn nicht durch Euch begraben!" Ter führende Priester hob das Kreuz; „Im NamenJesu Christi und der gebenedei- ten Mutter Gottes: entfernt Euch und lasset uns unsere Pflicht erfWen." Die Frau war abgezehrt, schwindsüchttg, häßlich. Sie duckte sich, wie um schwerer zur Seite gestoßen werden zu können, und schrie nur noch lauter: ^Mein Mann gehört mir, ich allein weiß seinen Willen und..." „Wir haben uns unterrichtet. Es liegt kei- Dein Standpunkt erfordert, immer und überall ausdrücklich Volkszünder zu verlangen; es ist dein Recht als Käufer, nur dort zu kaufen, wo deine Wünsche erfüllt werden. >vas ungefähr zehn Tage in Anspruch nehmen wird, wurden die weiteren Verhandlungen auf den 23. März verschoben. Das Bestreben zu einer Eün- gung zu gelangen soll auf beiden Seiten vorhanden sein. Der Präsident der Republik empfing am Freitag den britischen Chargi d'Affaires R. H. H a d o w und fuhr mittags mit seiner Gemahlin nach Läny zum Mittagessen beim Präsidenten Masaryk. Die Durchführung des Gesetzes über die Sprengelbürgerschulen wird in zwei Etappen erfolgen. Zunächst werden die Sprengel der bestehenden Schulen geregelt werden. Dies beabsichtigt das Schulministerium im heurigen Jahre durchzuführen, während die zweite Etappe, das ist die Errichtung n e u e r Sprengelbürgerschulen, allmählich vom Beginn des nächsten JahreS an durchgeführt werden wird. DaS Schulministerium hat im Rahmen seiner Kompetenz alle nötigen Vorbereitungen getrof- fen. Die BezirksschuLehörden erhielten die Weisung, schost f^ht das nötlge Mäteriäl fsip die lokalen kommissioncllen Verfahrt« vorzubereiten. Erst bis die Ergebnisse aller dieser kommissionellen Verfahren durch die Landesschulbehörden dem Ministerium vorgelegt sind, wird Wer die Aufteilung der Sprengst entschieden werden. Die Sozialistische Arbeiter^Internationale und die Allgewerkschafts-Jnternationale find auf Anregung des LandeSrateS der Latour-Party nach London einberufen worden. Sie werden am Mittwoch und Donnerstag der nächsten Woche tagen. Man erwartet die Beteiligung von etwa 200 Delegierten aus allen Ländern, mit Ausnahme der Sowjetunion, JtalieuS und Deutschlands. nerlei schriftliche Verlautbarung vor", mahnte der Priester sanft. Die Menge hinter der Frau war droh^pd zusammengerückt. Schumann wußte, daß es in den letzten Tagen sehr unruhig geworden war im Lande. Der Kampf zwischen der Linken und Rechten hatte sich außerordentlich verschärft. Die paar Bürger, die zuerst neugierig hinzugeeilt Ware«, entfernten sich hastig. Man konnte nie wissen, wann geschossen wurde und wohin die Kugeln gingen. Die Frau stand fetzt Auge in Auge mit dem starr durch sie hindurchblickenden Geistlichen. Sie zischte ihn an: „Wahrt Ihr doch die Ruhe der Toten! Was soll die ganze Komödie?" Sie würde einen Augenblick sanfter: „Ein Leichnam mehr oder weniger macht Eure Kirchhafwürmer doch nicht magerer!" Der Priester blieb standhaft. Hinter ihm das Trauergefolge begann, soweit es aus Privat- leujen, offensichtlich Verwandten und Freunden des Toten bestand, unruhig zu werden und Schimpfworte auszustoßen, während die Gebete der Mönche stärker und dringender dahinzusttö- men begannen. „Ihr Mann ist mit dem Segen der Kirche in die Ewigkeit eingegangen. Er hat das Abendmahl erhalten, und so erhält er auch eine christliche Grabstätte." Die Frau zuckte zurück: „Das habt ihr ihm aufgedrungen, als er nicht mehr widersprechen konnte." Sie schüttelt« beide Fäuste, aber der Geistliche winkte kurz mtt dem Kopf seinem Gefolge und sagte nur: „Es ist töricht zu streiten. Gebt uns den Weg frei!" lFortsetzitng folgt.). N" 63 SamStag, 14. März 1936 Seite 3 fudetendeutsdm Zeitepie^ef Bedrängtes Theate.? Es scheint uns an der Zeit zu sein, einmal einprägsamer, als das gewöhnlich der Fall sein kann, über die Lage zu sprechen, in die der bekannte große„Aufbruch" das sudetendeutsche Theater führt und teilweise schon geführt hat. Ein Blick darauf rechtfertigt sich allein schon aus dem Umstand, daß bei der Art unseres, vor allem des deutschböhmischen Siedlungsgebietes(ähnliches gilt aber auch für Brünn oder Troppaü), beim Vorhandensein lediglich mittelgroßer deutscher Kreisstädte, das Theater dort von jeher wenn nicht einzig, so doch hauptsächlich sichtbarer Brennpunkt des kulturellen Lebens darstellt. Seit geraumer Zeit nun spielt sich um die Kulissen ein Kampf ab, der zwar selber bislang fast ausschließlich hinter den Kulissen geführt wurde, dennoch aber bereits etliche beachtliche Folgen für unser Theatevwesen nach sich zog. Und nun hat Konrad Henlein mit seiner Prager Rede sozusagen zum erstenmal auch das Theater betreten und im Zusammenhang mit seiner Kritik an den kulturellen Emanationen»volksentwurzelter Menschen" auch den Spielplan unserer sudetendeutschen Theater getadelt, die „am Werden der Volksgemeinschaft so gut wie keinen Anteil" hätten. Das mit dem Anteil stimmt und stimmt nicht. Das heißt: die sudetendeutschen Theater sind nicht dorthin geraten, wo die SdP sie samt und sonders gerne sähe; aber so ein bißchen»Richtung" auf Henlein haben sie mehr oder weniger doch schon genommen. Uns erscheint aber als wesentlich, daß auch Herr Henlein über das Theater nicht mehr zu sagen, von ihni nicht mehr zu verlangen wußte, als daß es mehr„Volksbewußtsein" entwickeln müsse. Wollten wir zynisch sein, so könnten wir sagen, daß hier eine Phrase zum Programm erhoben ist. Jedoch sachlich: könnte man die SdP zwingen, ein wirkliches Theaterprogramm aufzustellen» ihre Forderungen auf diesem Gebiete zu konkretisieren, so würde sich bald zeigen, daß ihr Aufbruch auch dem Theater nichts wesentlich förderlich Neues zu bringen vermochte und vermag -— es sei denn, man faßt die„Eroberung" der Theater, wie sie die SdP ja anstrebt, schon an und für sich als Fortschritt auf; zum andern aber würde sich erweisen, daß die Verwirklichung ihrer Vorstellung eines sudetendeutschen Theaters sich so ziemlich in einer nationalen Radikalisierung des Spielplans, vor allem aber in der„Reini- gung" der Theater vom„Volksentwurzelten" erschöpfen würde, was Letzteres in der Praxis'lauf ten würde: keine jüdischen Direktoren, keine jüdischen Autoren, keine jüdischen Kapellmeister, Regisseure, Sänger und Schauspieler. Und selbstverständlich: weg mit allen, die den Ausbrechern als marxistisch oder liberal verseucht erscheinen. Wir haben bisher noch nicht gehört, daß es der »Sudetenbühne", an der alle diese Forderungen zweifellos erfüllt sind, gut geht; aber auch das Sudetendeutschtum ist durch diese Bühne nicht glücklicher geworden. Um Mißverständnisse zu vermeiden, wollen wir hinzufügen, daß wir durchaus nicht der Meinung sind, die in kulturellen Dingen öffentlich auftretenden SdP-Anhänger seien darauf aus, das Theater kulturell zu verderben; wie es ja überhaupt verfehlt ist, anzunehmen, daß jedem Faschismus die Absicht innewohne, Theater und Kultur überhaupt zu vernichten. Nur die Wirkung ist leider vielfach so, zwangsläufig, weil eben eine kulturreaktionäre Erscheinung sich nicht anders auswirken kann. Wiederum praktisch gesehen, heißt das: der einzelne SdP-Theater- Rezensent oder-Kulturpolitiker mag noch so guten Willens und Wissens an die Wertung der Leistungen einer Bühne Herangehen— wenn er einer Stadtgemeinde, einer Direktion, einem Ensemble das Leben sauer zu machen etwa deshalb sich verpflichtet sehen muß, weil es unter den Theaterleuten auch Juden gibt, so handelt er (ganz abgesehen von der Verletzung der demokratischen, sozialen und Menschlichkeitsforderungen) reaktionär theaterschädigend, weil doch eben die Qualität der Leistung und des Leistenden und nicht seine Abstammung oder seine weltanschauliche Zugehörigkeit Wertmesser sein kann und die geistig-sittliche Wirkung auf das Publikum ausmacht. Tatsächlich stehen die Direktoren unserer sudetcndeutschen Bühnen bereits ziemlich unter dem Druck der SdP und der von ihnen entfachten Volksmeinungen. Sie glauben bereits, sie müßten sehr vorsichtig den Prozentsatz jener „Bolksentwurzelten" abmeffe'n, die(als Autoren, Theaterführer, darstellende Künstler) von den Henleins„noch ertragen" werden dürften. Aus diese Weise ist vielen Theatermenschen nun auch bei uns der Kampf ums Dasein außerordentlich, manchmal unsäglich erschwert. Zur gleichen Zeit aber wird dadurch das Theater in der gefährlichsten Weise politisiert. Eine Zugabe zu der Krise, in der sich das Theater ohnehin aus vielen, hier nicht anführbaren Gründen befindet. Aber aus dieser Gesamtkrise des Theaters gibt es nur einen möglichen Ausweg, einen, auf den wir zeigten, noch ehe Konrad Henlein von der Körperkultur zur Geisteskultur umgesattelt hatte: Gutes Theater! Werwolles. interessantes, lebendiges Theaer. Theater, da? Erzieher ist und Mittler zwischen den Anforderungen der breiten Massen an das Theater und den Auffassungen der kulturellen Avantgarde von einem idealen Theater. Theaterleitungen, die bei jedem Schritt ängstlich überlegen, ob sie damit nicht da oder dort(vor allem: dort!) anstoßen könnten, werden vor lauter Lavieren nie in den Hafen kommen. Gutes Theater muß und wird allen recht sein. Und solches Theater kann und soll Ausdruck aller geistigen und weltanschaulichen Strömungen sein, die innerhalb der Demokratie Platz haben und miteinander ringen. Solches Theater wird sozial, wird im edelsten Sinne n a ti o n a l, mit erhabenster Wirkung r e l i Die für Sonntag, den 22. März, einberufene Parteikonferenz findet inPrag XII., kleiner Radio- saal, Fochova 56/1, statt. g i ö s sein. Es darf„Tendenz" haben, aber keine abwegig parteipolitische, sei sie nun faschistisch, klerikal oder„bolschewistisch". Auch hier ist das Goethewort anzuwenden: Wer vieles bringt, wird jedem etwas bringen... Es iit heute und wohl für immerwährende Zeiten das einzig taugliche Grundproblem für jedes Theater, sofern eben nur unter dem Vielen vorwiegend Gutes ist. Wer von solchem Theater nicht befriedigt sein wird, der wird sehr rasch als zumindest in der Wirkung kulturwidriger Störenfried entlarvt sein und seine etwaigen weiteren Versuche, das Theater zu bedrängen, werden ihn an den Rand jener Volksgemeinschaft bringen, die sich bei jeder guten Aufführung jedes guten Stückes von selber bildet. Die„Kote Fahne“ über die Wahrheit Aus Wigstadtl wird uns geschrieben: Die„Rote Fahne" vom 7. März bringt einen so entstellenden Bericht über die kürzlich vom kommunistischen Arbeitslosen-Ausschuß einberufene Versammlung, daß wir uns veranlaßt sehen, mit der Wahrheit eine breitere Arbeiter-Oeffentlich- keit bekanntzumachen. Vor allem damit: Die Ver sammelten forderten die Wahl eines anderen Vorsitzenden und es wurde ein sozialdemokratischer Vertrauensmann und Funktionär der Bauarbeitergewerkschaft mit Mehrheit zum Vorsitzenden gewählt. Darüber findet man in der„Roten Fahne" natürlich nichts, denn es wäre doch zu peinlich, berichten zu müssen, daß das Vertrauen der Arbeitslosen zu den von den Kommunisten gewählten Ausschüssen so groß ist, daß sie sie nicht einmal für befähig: halten, eine öffentliche Verhandlung zu führen! Weiter: als der kommunistische Stadtrat Rutzki über die Einheitsftont, nicht aber über Arbeitslosenfragen sprach und als da einige treffende Zwischenrufe fielen, die ihn zur Sache riefen, wurden die Herren Kommunisten nervös und drohten sogar mit Tätlichkeiten. Als die Redezeit des kommunistischen Redners, der den Arbeitslosen gar nichts Posiftves gesagt hatte, zu Ende ging und nach ihm ein Sozialdemokrat sprechen sollte, steigerten sich die Pöbeleien der Kommunisten so weit, daß sie einen älterenArbei- ter sogar tätlich angingen und dadurch das Eingreifen der Gendarmerie, die den Saal räumte, verschuldeten. Aber natürlich berichtete die„Rote Fahne" auch das nicht, daß die K. P.-Größen gegen alte Arbeiter handgreiflich werden, wenn diese mit ihnen nicht eines Mnnes sind. Jedoch die Arbeiterschaft durchschaut immer mehr die„Politik" unserer Kommunisten. Das beweisen auch die Ansuchen um Wie- deraufnahme in unsere Bewegung, die von einigen, seinerzeit den kommunistischen Einflüssen erlegenen und zu den Kommunisten übergetretenen jugendlichen Arbeitern an uns gegenwärtig gerichtet werden. Vie Prager Deutsche Arbeltersenduns bringt in dieser Woche: Sonntag, 16. März, 14 Uhr 80 bis 14 Uhr 45: Moffulöl rind Krieg(Ruth Körner). M i t t w o ch, 18. März, 18 Uhr 20 bis 18 Uhr 40: Die Kulturarbeit der Gewerkschaft«(Wilhelm Weigel- Reichenberg). Freitag, 20. März, 18 Uhr 85 bis 18 Uhr 45: Aktuelle zehn Almuten. Sonnt a g. 22. März, 14 Uhr 80 bis 14 Uhr 45: Charakter und Politik(Dr. Otto Löwe). Der eigentliche Grund der Rheinlandbesetzung: Wirtschaftliche Schwierigkeiten Neue Steuerpläne Deutschlands Große Abhebungen bei der Berliner Sparkasse London. Die englische Presse bringt in großer Aufmachung Informationen über den schlechten wirtschaftlichen und finanziellen Stmrd Deutschlands und behauptet, daß vor allem diese Tatsachen Hitler veranlaßt hätten, die Unzufriedenheit der Bevölkerung durch die Rheinlandbesetzung von den großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Dritten Reiches abzulenken. Der Berliner Korrespondent der„M o r- n i n g P o st" meldet, die Regierung wolle in der nächsten Zeit neue Steuern ans Bier, Kaffee«nd Tabak ausschrei- ben. Ein einflußreicher deutscher Finanzmann habe die Ansicht ausgesprochen, es würde im ganzen Lande eine Panik ausbrechen, wenn der wahre wirtschaftliche«nd finanzielle Stand Deutschlands bekannt sein würde. Dir Regierung unternehme alles Mögliche, um dir Ernährung der Bevölkerung mit Fleisch « ndFettzu sichern. , Die diplomatischen Redakteure des»Manchester Guardian" und des»D a i l y Telegraph" betonen, unter den deutschni führenden Persönlichkeiten bestehe keine einheitliche Auffässung über die militärische Wiederbesetzung des Rheinlandes, und erklären, daß der samstägige Entschluß des Reichskanzlers gegen den Widerstand Dr. Schachts, von Neuraths und des Generals Blomberg erfolgt sei. Die Bereitwilligkeit zur Rückkehr nach Genf wurde nuralsKom- p r o m i ß mit dem gemäßigten Berliner Flügel kundgegeben. Die radikalen Elemente, zu denen auch— so schreibt»Manchester Guardian"— Reichskanzler Hitler zählt, halten die Rheinzone-Besetzung für ein Gegengewicht gegen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten und die wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung. Der diplomatische Redakteur des gleichen Blattes meldet» bei den Kassenschaltern der Berliner Sparkasse seien Dienstag so große Geldmengen behob« worden, daß die Direktion die Auszahlung auf nur 50 Mark beschränken mußte. Die Einreichungen um Ein- lagen Auszahlungen bedeuten zwar noch keine Panik, können aber auch so interpretiert wer den,.daß die Rhrinzone-Besetzung das Ber- trauen nicht gehoben hat und die Bevölkerung die damit verbundene Gefahr fühlt. * Devalvation der Mark auf ein Drittel? Auch der Züricher Korrespondent des»Echo de Paris" schreibt unter Zugrundelegung sein-r Information der„Neuen Zürcher Zeitung", die samstägige Entscheidung des Reichskanzlers Hitler scheine mit der schlechten Finanzlage des Reiches doch einigermaßen im Zusammenhänge zu stehen. In Berlin erhalten sich andauernd' Gerüchte, wonach Deutschland in der nächsten Zeit die Mark debalvieren werde. Im Prinzip sei die Sache bereits beschlossen und durch die Devalvafion soll die Mark umeinDrit- tel herabgesetzt werden. Bisher wurden alle Gerüchte über eine Devalvation unterdrückt. Erst ein großer Wahlerfolg Hitlers würde ihm die Durchführung der Devalvafion ermöglichen. Das erwähnte Blatt hebt aus der samstägigen Hitler- Rede hervor, daß nach den Worten Hitlers das deutsche Boll dem Reichskanzler die zur Sicherung des wirtschaftlichen Wohlstandes Deutschlands notwendige Autorität geben solle. In diesem Passus sieht das Blatt eine Anspielungau f die Devalvation. Schuschnigg in Budapest Budapest. Der österreichische Bundeskanzler Dr. Schuschnigg und Minister des Aeußern Berger-Waldenegg sind Freitag mittags zu einem zweitägigen Aufenthalt in Budapest eingetroffen, wo sie am Bahnhof vom Ministerpräsidenten Gömbös, sämtlichen Mitgliedern der Regierung, ferner dem österreichischen Gesandten Neustädter-Stürmer und dem italienischen Gesandten Prinzen Colonna sowie anderen Würdenträgern feierlich empfangen und begrüßt wurden. Insklp— britischer Verteidigungsminister London. Der General-Staatsanwalt Thomas I n s k i p ist zum Minister für Organisierung der Landesverteidigung ernannt Worten. Brief an den Zeitlpiegel Aus den Rethen der Abstinenzler wird uns geschrieben: Im„Prager B örsen- Courier" vom 27. Februar nimmt der Redakteur der Hotel- und Gastgewerbezeitung Stellung zur Bierpreisverbilligung, die von gewisser Seite zur Hebung des Konsums empfohlen wird. In diesem Artikel heißt es anläßlich des Ultimatums der Gastwirte an die Brauer sehr aktuell:„Der Bierkonsum ist heute abhängig von unserem Wirtschaftsleben, und solange in unserem Staate über 800.000 Menschen ohne Arbeit und Verdienst dastehen, bietet sich keine Gelegenheit, den Bierkonsum zu heben; selbst wenn der Liter Bier heute um die Hälfte des Betrages verkauft wird, so würden auch zu diesen Preisen die Massen der von der Wirtschaft Ausgestoßenen, die die besten Konsumenten des Bierabsatzes darstellen, dem Biertrinken nicht huldigen können." Daraus geht klar hervor, daß gerade die Masse der wirtschaftlich Schwachen dem Braukapitalismus den Todesstoß versetzen könnte, wenn sie,„d i e besten Konsumenten des Biers", auf seinen Genuß verzichten würden. Es geht aber auch daraus hervor, daß eine mäßige Erhöhung des Bierpreises um 20 Heller pro Liter, wovon der Staat ruhig die Hälfte einziehen könnte, die Biertrinker, die es sich heute noch leisten können, nicht vom Biergenuß abhalten würde. Bei einem Verbrauch von 8,000.000 Hektoliter bekäme der Staat 80 Millionen Kö und die Wirte ebenfalls. Die 160 Millionen Kö könnten allerdings, ebenso wie die 4 Milliarden Kö, die immer noch für alkoholische Getränke ausgegeben werden, in nützlichere Kanäle des Wirtschaftslebens geleitet werden. Keine Rede von Waffenstillstand Rom. Gerüchte, daß zwischen Italien und Abessinien eine direkte Fühlungnahme betreffend Friedensverhandlungen vorbereitet werde, finden an italienischen amtlichen Stellen keine Bestätigung; im Gegenteil» der Beschluß des Völker- bundes, die Prüfung der italienischen Antwort zu vertagen, bedeutet gleichzeitig eine Verschiebung der Prüfung der Bedingungen, unter welchen es zu einem Ansichtenaustausch komme« könnte. Italien benützt diese Verschiebung zur Vorbereitung einer neuen Offensive in Abessinien. Die italienischen Truppen gehen entlang dev ganzen Front in allen Abschnitten in methodischer Weise so vor, wie dies die oberste Leitung, den einzelnen Armeegruppen vorgezeichnet hat. Am äußersten rechten Flügel rückt eine italienische Sturmabteilung scharf vor, deren. Ziel die Karawanenstraße in einer Entfernung von nur wenigen Kilcmetern vom englisch-ägyptischen Sudan bildet. Das Ziel dieser Formation besteht darin, eine der wichtigsten Berpflegs- adern der abessinischen Truppen abzuschneiden. Auch längs des Takaze-Flusses rücken die Italiener ihrem Plane entsprechend vor. In dem amtlichen Kriegsbericht Nr. 154 heißt es: Die eritteische Front ist in Bewegung. Im äußersten Westen gelangten die italienischen Militärabteilungen in das Alcadra-Gebiet. Eine Vorhut des dritten Armeekorps hat Fenarey erreicht. Die italienischen Flieger bombardierten feindliche Abteilungen, die sich in der Gegend von Enceca und südlich der Stadt Quoram sammelten.. An der Somalifront sind die Megerkräste zwischen Regelst und Addis Abeba im Seengebiet tätig. Italienische Megerkräste bedrohen auch: hie Armee des Deuschas Bejn Merik. Rach einer Reuter-Meldung stoßen die italienischen Vorhuten zwar nirgends auf Widerstand, doch sei es bekannt, daß die abessinischen Truppen mit dem Regus an der Spitze zu einer Entscheidungsschlacht rüsten. InjfifirwJ Paris. Der sozialistische»Populaire" erklärt, daß London nunmehr die französischen Argument« gemeinsam mit den Argumenten der übrigen kollektiven Sicherheit ergebenden Völkerbundsmit- glieder besser begreife. Wir glauben, daß der englische Standpunkt sich einigermaßen geändert hat, es werden jedoch lange und geduldige Bemühungen notwendig sein, um ein vollkommenes Einvernehmen zu erzielen. Nichts habe sich jedoch gezeigt, was zu einer pessimistischen Beurteilung der Verwirklichung dieses Einvernehmens veranlassen könnte. Der Autor des Artikels, der So- zialistenfühter Leon Blum, sagt wörtlich, Frankreich und England seien verurteilt, sich zu einigen. Paris. Die Polizei hat heute eine Anzahl von Hausdurchsuchungen vorgenommen und hiebei gegen 1000 Plakate der" Nattonalen.Front beschlagnahmt. Gegen diese Organisation wurde ein Gerichtsverfahren eingeleitet, da in den Plakaten mit Gewaütaten gegen Außenminister F l a n d i n und Staatsminister Paul- B o n- c o u r gedroht wird. Brüssel. Die Regierung hat mit Rücksicht auf die Devalvation beschwffen, die Bezüge der Staatsangestellten ab 1. April wn 5 Prozent zu erhöhen. Dieser Beschluß wurde grundsätzlich bereits im Dezember gefaßt, konnte jedoch aus budaetären Gründen bisher nicht durchgeführt werden. Teitr 4 Samstag, 14. März 1836 dtr. 63 JaAesnemgLeitelr kns»scke Intellektuelle zum Wiener HochverratsprozeB „Introvreß" erfährt. Laß eine Gruppe namhafter englischer Jntellekrueller anläßlich des am Montag in Wien beginnenden politischen Sen- sattonsprozeffes folgende Kundgebung veröffentlicht: ,„Die österreichische Regierung klagt 27 öfter- reichische Staatsbürger, Männer und Frauen, des Hochverrates an, weil sie sozialistische Ideen verbreitet, eine sozialistische Organisation aufgebaut und Beziehungen zu ausländischen Sozialisten aufrechterhalten hätten. Der Journalist Karl Hans Sailer und die Arbeiterin Marie E m h a r t werden als die Rädelsführer bezeich. net, gegen sie fordert der Staatsanwalt die T o. d e s st r a f e. Die unterzeichneten Männer und Frauen eines freien Landes, aufrichtige Freunde Oesterreichs, betrachten die Forderung nach Todesstrafe für solche Delikte als eine Verletzung des für jede Zivilisation wesentlichen Rechtes auf Freiheit der Gesinnung. Sie betrachten die Möglichkeit» daß eine Frau für ein Gefinnungs- delikt zum Tode verurteilt werden könnte, als eine unfaßbare Grausamkeit.— Wir fordern die österreichische Regierung eindringlichst auf, die öffentliche Meinung freier Länder über solches Vorgehen zu berücksichtigen und zu achten." Viscountes Rhondda, Earl Kinnoul. Lord- Roel Burton. Lord Marley. Lord Ponsonby. Lord Spell. Loch Strabolgi. Sir Norman Angel. Sir ByvyanAdams, Prof. Barler, der Bischof von Birmingham, Robert Bootbbn. Cad« hury, Hilda Clark. Prof. Florence. Margery Fr«, Dr. Gooch. John Gunther, Hutton, Prof. Huxley, Davsd Keir, Prof. Laski, Macartney, I. Mal- lom. Graham. B. E. Mander. Kingsley Martin. Prof. Miur, Prof. Murray, Wickham Steed. Pxof. Tawney. Colonel Wedgwood, H. G. Wells. Eine Kundgebung gleichen Inhaltes wird auch Von französischen und belgischen Jntellek. tüellen veröffentlicht. Sie trägt folgende Unterschriften: Jean C a s s o u, Schriftsteller. Ikon Guehenno. Schriftsteller. Prof. Langevin(Nobelpreisträger). Jean Piot, Deputierter, politischer Direktor des»Qcuvre". Prof. Paul Rivet, Andree Mollis, Schriftsteller. Maurice Ansiaux, Professor und Mitglied der Akademie, H. La Fontaine(NobelpreiSträ- ger). Präsident des Bureau International de la Paix, Henri Rolin. Senator, Bizepräfident der Jn- ternationalen Bereinigung der Bölkechundligen. A. Bermetzlen. Prorektor der Universität Gent, Mitglied der vlämischen Akademie. Arthur Wou ters. Senator. Chefredakteur. Profeffor der freien Universität Brüssel. Was ist Gelegenheitsarbeit und Nebenverdienst? Das Oberste Berwaltungsgericht hat den Begriff der Nebenbeschäftigung und der Gelegenheitsarbeit folgendermaßen definiert: Als gelegentliche Arbeitsleistung ist amtlich die anzusehen. die sich im Verhältnis zu einem bestimmten Arbeitgeber nur als vereinzelt und zufällig erweist und die eben durch ihre Einmaligkeit und Zufälligkeit keine dauernde Einnahmsguelle darstellen kann. Keine Gelegenheitsarbeit ist aller- disigs eine solche, die zwar unregelmäßig, aber fc nach dem bestimmten Betrieb des Arbeitgebers ausgeführt wird. Irrelevant ist, in welchem Verhältnis die Nebenbeschäftigung zur allgemeinen sozialen Lage und zur ftaglichen Person steht, jedoch entscheidend ist der Umstand, ob diese Beschäftigung für die arbeitende Person eine Existenzgrundlage bildet. Schreckenstein zur Stadt erhoben. Der freitägige Ministerrat hat beschlossen, die Gemeinde S ch r e ck e n st e i n bei Aussig zur Stadt zu erheben. Nach der letzten Volkszählung hat der Ort eine Bevölkerungszahl von 9919 Einwohnern. Tödlicher Unfall einer Reichsdeutschen in Karlsbad. Donnerstag nachmittags fuhr der aus Alt-Rohlau stammende Ernst Putz auf seinem Fahrrad durch die Parkstraße in Karlsbad, als kittz nach dem Passieren einer Kurve ihm die 1880 geborene, zum Kurgebrauch in Karlsbad weilende reichsdeutsche Staatsangehörige Frau Anna Dähn vor sein Rad lief. Die Frau wurde von dem Rad zu Boden gestoßen und erlitt einen Bruch der Schädelbasis. Sie ist Freitag morgens der erlittenen Verletzung erlegen. Ein lang Gesuchter. Die Polizei in Villach hat den Zigeuner Dominik Fels, einen langgesuchten mehrfachen Mörder verhaftet, der aus der Haft entflohen ist und viele Verbrechen nicht nur in Oesterreich, sondern auch in der Tschechoslowakei, in Deutschland und in Ungarn auf dem Gewissen hat. Fels hatte in letzter Zeit seinen Unterschlupf in den Wäldern hei Seebach in Kärnten. Einladungen auf das Hitler-Konsulat erhalten jetzt die hier lebenden Reichsdeutschen im wehrpflichtigen Alter, sellstt wenn sie bisher mit dem Konsulat nicht in Verbindung standen. Das Konsulat hat sich also ihre Adressen irgendwie verschafft und fordert sie nun auf zur Einzeichnung in die Matrikel der Wehrpflichtigen. ' Der italienische Dampfer„Marchiango" ist nach einer furchtbaren Eplosion im Roten Meer gesunken. Diese Mitteilung sandte der amerika- Untersuchung der Rekruten mit Röntgenstrahlen In der tschechischen Tagespreise erschienen kn den letzten Tagen Berichte über eine neue verbesserte Art der Untersuchung der Wehrpflichtigen bei den Assentierungen. Diese Berichte müssen aus das richtige Maß zurückgeführt werden, denn es handelt sich nicht um die röntgenologischen Untersuchung der Wehrpflichtigen sondern der Rekruten, das ist jener, die bereits den Präsenzdienst angetreten haben. Die Militärverwaltung hat in dem Bestreben, baldmöglichst und auf schnellstem Wege alle jene aus dem Militärdienst auszuscheiden, die irgend einer Lungen- oder Herzkrankheft verdächtig sind, im vergangenen Jahr bei der Oktobereinrückung der Rekruten versuchsweise— vorläufig bei zwei Divisionen— eine Untersuchung durch einen fahrbaren Röntgenapparat eingeführt. Der militärische Gesundheitsdienst hat dadurch die Diagnoseprozedur wesentlich abkürzen können. Es wurde ein besonderer fahrbarer Röntgenapparat(in einem Auw mit Anhängewagen) angeschafst, mit dem der röntgenologische Facharzt in der kurzen Zeit von einigen Tagen alle Garnisonen besucht, wo die Regimenter ihre Rekruten konzentrieren. An Ort und Stelle führt der Arzt die röntgenologische Durchleuchtung der Lungen und des Herzens durch und bestimmt sofort die Fälle, die einer genaueren Konstafterung in einer Spezialabteilung des Krankenhauses unterzogen werden müssen. Dadurch erspart die Militärverwaltung nicht nur Zeit, sondern auch die bedeutenden mit dem Aufenthall des Rekruten und seiner eventuellen ärztlichen Behandlung beim Regiment oder im Krankenhaus verbundenen Auslagen. Die bisherige versuchsweise Untersuchung bei zwei Divisionen durch diesen fahrbaren Röntgenapparat hat überraschende Ergehnisse gezeitigt. Vor allem zeigte sich nach amtlichen Angaben, daß die Auswahl der Rekruten bei den Assentierungen mit Sorgfalt erfolgt. Es erwies sich, daß von je 1000 Rekruten nur fünf wegen Lungen- oder Herzkrankheiten aus dem Militärdienst entlasten werden müssen. Das heißt, von 1000 Rekruten sind 99.5 Prozent in bezug auf Herz und Lunge zum Militärdienst voll tauglich. Nach der röntgenologischen Untersuchung konnten im vergangenen Jahre sofort— schon in den ersten Tagen der Ausbildung— 85 Soldaten aus dem Militärdienst entlasten werden. Im Jahre 1936 werde» die versuchsweisen Untersuchungen mit dem fahrbaren Röntgenapparat in größerem Umfang wiederholt werden. nische Dampfer„President Garfield". Sieben Mitglieder der Besatzung sind ums Leben gekommen, zehn Mann wurden vom britischen Dampfer „Brighton" übernommen. Kowno von Hochwasser bedroht. Die seü Anfang dieser Woche infolge Eisganges eingetretene Ueberschwemmung in Kowno und Umgebung nahm Donnerstag nachts bedrohliche Ausmaße an. Fast die gesamte Altstadt und zahlreiche Straßen der Neustadt stehen völlig unter Master, so daß an einigen Stellen das Master bis auf wenige Meter an die Hauptstraße von Kowno heranreicht. Der Verkehr in den überschwemmten Straßen wird notdürftig durch Kähne auftecht erhalten. Eine Anzahl großer industrieller Unternehmungen, die an den Ufern der Memel gelegen sind, stehen unter Master, die schwedische Zündholzfabrik und eine große Gummifabrik. Sie mußten ihre Betriebe schließen. Unterhalb Kowno, wo der Memelstrom zu einer Brefte von vier Kilometern angeschwollen ist, find drei Dörfer vyllig überschwemmt und von der Außenwelt abgeschnitten. Das Master reicht bis an die Dachfirste der Häuser, die Einwohner konnten nur mft Mühe durch Rettungsbataillone des Militärs und der Fenuerwehr in Sicherheit gebracht werden. Die meisten Haustiere sind den Fluten zum Opfer gefallen und zahlreiche Häuser wurden von den Eisschollen zerstört und fortgetragen. Die Höhe des angerichteten Schadens läßt sich zur Zeit auch noch nicht annährend übersehen. Den llcbrrschwrmmungen über Ren-England find bisher acht Personen zum Opfer gefallen. Die Flüste steigen infolge Eisganges dauernd und treiben vielfach bis zu 4% Meter hohe Ei-massen in die Niederungen. In vielen Gegenden find Fabriken und Schulen geschloffen worden. Verheerende Ueber- schwcmmungen werden auch ans West-Maryland und aus einigen Staaten des Mittel-Westens gemeldet. King Edward«nd die Wiener Wohvbauten. Der neue englische König besichtigte soeben das Riesenschiff„Queen M a r y" im Hafen von Glasgow und im Anschluß daran machte er einen Gang durch die Elendswohnungen der schottischen Großstadt. An die Städtväter richtete der König die Frage, warum sie denn nicht solche Wohnbauten errichten, wie er sie in Wien gesehen habe!— Man erinnert sich, daß Edward noch als Prinz Wales auf der österreichischen Ausstellung in London im Frühjahr 1934 den dortigen Gesandten gefragt habe, warum denn nicht auch Photographien der Wiener Gemeindebauten ausgestellt seien, und daß er einige Zeft darauf den Karl-Marx-Hof in Wien besuchte, eine rote Nelle im Knopfloch. Dabei sprach er zur größten Verlegenheit der offiziellen Begleiter mit mehreren Wohnparteien über ihre Erlebnisse während der Beschießung und ihre Lage, die durch die christliche Verdreifachung der Mieten gekennzeichnet ist. Die Sorge« der Diplomaten. Während der Tagungen des Völkerbundes ist besten Generalsekretär Avenol selbstverständlich täglich verpflichtet, Dejeuners und Diners zu Ehren der anwesenden Diplomaten zu veranstalten. Sein Koch ist ein wahrer Künstler und bemüht sich auch, den diplomatisch internattonalen Charakter der Veranstaltungen in der Benennung der Speisen zu betonen. Kürzlich beging er«inen Mißgriff— auf der Karte konnte man leben„Bombe S.D.N." Es handelte sich allerdings nicht um eine Bombe der Socistt des Rattons, sondern um eine Eisbombe, die am selben Tag noch „Parfaft S.D.N." umbenannt wurde. Man sieht also, daß die Völler ihre Diplomaten nicht umsonst bezahlen! Remttierfleisch für Europa. Erling Porsild, ein junger schwedischer Emigrant, hat den Versuch unternommen, die weiten Flächen Nordost-KanadaS auszunutzen, ein Gebiet, das zwei Fünftel Europas bergen könnte. Porfild hat 3000 Renntiere aus Maska importiert und ösüich des Mackenzie angesiedelt, aus einer Prärie von 10.000 Quadratkilometern. Kaum angelangt, vermehrte sich die Herde um 800 Junge, und für dieses Frühjahr werden weitere 1200 erwartet. Das Sammeln von 3000 ausgesuchten Renntieren aber nahm fünf Jahre in Anspruch. Gegen ISav^soll die Herde, wenn keine Katastrophen da- jwischenkommcn, 250.000 benagen. Lange vorher aber wird Fott Churchill zur Zenttale des Renntier- fell-Handels werden und zur Exportzentrale für Ge- ftier-Renntterflcisch nach Europa. Energisch, wie die Industrie heute nun mal ist, wird uns. wenn Erling Porsild weiter so tatkräfttg bleibt, nichts anderes übrig bleiben, als uns mit dem Renntierfleisch abzufinden; jedenfalls eine neue Konkurrenz für unser« Biehmärktel Der„HsimnelSflah" verbreitet das Evangelium. Pater Picot, Missionar in Birma, las in den französischen Zeitungen die Nachrichten über die Konstruktion des Kleinflugzeuges„Himmelsfloh" durch Mignet. Er beschaffte sich Konstrukrionsskizzen und baute, manuell unglaublich begabt, nebenbei auch Archüekt, Philologe undArzt, in kurzerZeft das Flugzeug, daS leer 114 Kilo wiegt und mit seinem Vier- zig-Liter-Tank einen Wtionsradius von 400 Kilometern hat. Sechs Monate lang mußte der Pater auf den Kleinmotor warten, machte dann in der Pilotenschule von Rangoon sein Flugzeugführer-Examen und betreut nun seine Herde, die weit verstreut in Birma lebt, mtttels des„Himmelsflohs". Spitzel in den Zügen. fF. K.) Die Reichsbahndirektion in Altona hat die Zugsbegleitbeamten angewiesen, in den Zügen auf die Gespräche der Reisenden zu achten. Man will nämlich festgestellt haben, daß opposftionelle Agitatoren dort ein Hauptbetättgungsgebiet gefunden haben. Der Erfolg entspricht weder dem Auftrag noch dem Aufwand. Die Beamten haben einfach passive Resistenz geübt. Daraufhin hat man ein Sonderkommando eingesetzt, das jetzt endlich sein erstes Opfer stellen konnte. Auf der Strecke Wrist-Jtzehoe wurde ein Kleinhändler aus Kellinghusen(Holstein) verhaftet, weil er „nicht nur meckerte» sondern die Mitglieder der Reichsregierung der verschiedensten Verbrechen bezichtigte". Der Mann wurde in Itzehoe ins Gefängnis eingeliefert. Die Polizei behauptet, „er sei durch illegale Hetzschriften aufgewiegelt worden". Die Reisenden finden sich mit Humor in diese neue Methode und wehren die Spitzel mit Ironie ab. Kommt der Kontrollor, wird er gefragt:„Gehören Sie zum Personal, oder wollen Sie nur hören was wir denken? Dann bleiben Sie bitte noch einen Augenblick hier, gleich beginne der Skat und dann wird geschimpft!" Muschellonsrrven.(F. K.) Während des Krieges waren Mufchellonserven ein Hauptnahrungsmittel. In der Nachkriegszeit hat man sie nicht gekannt. Jetzt wird dieser„Fleischersatz" in Hitler-Deutschland wieder forciert. Eine Verfügung verbietet den Bauern, Muscheln zur Düngerbereitung zu ver- wenden. Sie dürfen nur noch zur menschlichen Gasalarm durch den Lautsprecher In Hendon, wo einer der größten englischen Flugplätze gelegen ist, fand ein Gasalarm statt, bei dem die alarmierenden Radfahrer zum erstenmal Lautsprecher zur Ankündigung des nahenden Gasangriffs mit sich führten. Nahrung verwendet werden. Andere Verwertung wird bestraft. Für das sogenannte Wattenmeer sind besondere Muschelfänger bestellt worden. Der Fang muß an Konservenfabriken abgeliesert werden. Das Produkt ist als Nahrung für die Industriegebiete bestimmt! DaS Vermächtnis eines rumänischen KräsnS. Kürzlich verschied in Bukarest einer der reichsten Männer Rumänien-, Senator I. C. M i h a i l, der einem alten Bojaren-Geschlecht auS der Walachei entstammt. Allein das hinterlaffene Barvermögen und die Wertgegenstände werden auf einige hundertM i l lionen Lei geschätzt. Mi- Hail starb ohne Nachkommen und hat sein ganzes Vermögen dem rumänischen Staat ver- macht. Seine Großgrundbesitze sollen aufgeteilt und zu einem vom Staate festgesetzten Preis an Kleilandwirte veräußert werden. Auf dem Gebiet jedes Großgrundbesitzes soll eine Landwirtschafts-Schule errichtet werden. Schließlich hat Mihail auch«in Legat von 10 Millionen Lei für den Bau einer modernen Land« Wirtschafts-Akademie in Rumänien hinterlassen. Vom Rundfunk •MMrfeMemwert«* PraanaaMi Sonntag Prag, Sender L.: 7.30: Konzett aus Karlsbad. 8.30: Schallplatte«. 9.05: Konzert des russischen Gesangschors. S.ßö: Konzert d«S Musik-Salonquartetts. 11.30: Kammermusik. 13.55: Schallplatte». 17.34: Deutsche Sendung: Konzett des Prager Rundfunkorchesters. 18..35: Deutsche Presse. 19.00: llebertragung aus dem Nationaltheater: Eugen Onegin. Over von Tschaikowski. 22.25: Deutsch« Presse.— Sender S.: 14.30: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Ruth Körner: Moffulöl und Krieg. 14.45: Dozent Dr. Nettl: Bor 2000 Jahren beim Grafen Harrach, Hörfolge. 20.35: Tanzmusik. Brünn: 13.20: Wie di« Kinder singen lernen.— Mähr.'Ostra«: 12.20: Buntes Konzett.— Preßburg: 16.00: Nachmittagsprogramm.— Ke.schau: 21.15: Rundfunkorchesterkonzert. Zum Warschauer Hochschulkcnflikt Um gegen die hohen Kolleggelder und das stg rkc Vordringen der jüdischen Hochschüker zu protestieren, hatten 3500 Warschauer Studenten die Technische Hochschule besetzt. Nr. 83 Samstag, 14. Marz 1936 Seit« 5 Der Erfinder des Trickfilms— arbeitslos. Die französische Presse kämpft seit Monaten um die Durchsetzung der Ansprüche des Zeichners Emile Cohl, eines Elsässers, der die Idee der Mickey Mouse bereits vor dreißig Jahren zum Patent angemeldet hatte und überhaupt als der Vater des Zeichen- Trickfilm- bezeichnet wird. Run erfährt man, daß Cohl, der natürlich nie einen Heller für seine Idee bekommen hat und dem als Entschädigung erst kürzlich die Ehrenlegion verliehen wurde, sich vor wenigen Tagen als Erwerbsloser melden mutzte und die staatliche Arbeitslosenunterstützung bezieht. Würstel in Seid«. Auf den Tischen und Tellern mancher New Dörfer Restaurants, vorderhand nichi gerade billiger, sieht man bereits die unlängst angekündigten Würstchen erscheinen. Die Aktion ging eigentlich von der unte^beschäftigten Seidenindustrie aus, die sich krampfhaft bemühte, neue Absatzgebiete auszuforschen und dabei auf die Idee kam, die Därme, in die Würste sonst verpackt werden, durch Seide zu ersetzen. In Anbetracht des großen Verständnisses der Amerikaner für alle Fragen der Hygiene wird die Neuerung sogar sympathisch begrüßt— außer von der Darmindustrie, die vor dem Problem steht, ihrerseits wieder einer anderen Industrie ein Absatzgebiet wegzunehmen. UM Ud WM Stachanov-Arbelt und Lohnfrage In unserer Notiz vom 28. Feber„Folgen der Stachanov-Bewegung" verwiesen wir darauf,! daß eine allgemeine Erhöhung der Arbeitsleistungen und eine entsprechende Lohnregelung die notwendigen Folgen der derzeit in Sowjetrußland eingesetzten Rationalisierungsnmßnah- men sind. Die Richtigkeit unserer Anschauung wird wohl am besten durch den folgenden Brief des Stachanov-Arbeiters Schkolnikov bestätigt, den wir der Rubrik„Briefe der Leser" der «Leningradskaja Pravda" vom 21. Feber 1936 entnehmen und der folgendermaßen lautet: ,Lch bin Meister des Martinofens Rr. 8 des Betriebes.Bolschewik". Im Dezember, als ichl nach dem Stachanovsystem arbeircte, hatte ich 1800 Rubel verdient. Der Meister Lipez verdiente 2028. Meister Chotschunsky 1600 Rubel. Im Jänner, eingedenk der Weisung des Gen. Ordschonikides, daß im neuen Jahr nicht nur das im Dezember Erreichte erhalten, sondern neue Erfolge erreicht werden müssen, haben wir di« Leistung erhöht. Wenn, ich im Dezember 67 Schmelzungen gegeben hatte, so stieg im Jänner die Zahl der von mir ausgelassenen Schmelzungen 93. Es ist die Arbeitsleistung'auch bei allen anderen Meistern unserer Zeche gestiegen. Wir nahmen an. daß natürlich damit auch unser Lohn wachsen wird. Wie groß war aber unser Staunen, als wir wahrnahmen, daß allen Meistern für den Jänner nur der feste Lohn von 389 Rubeln gezahlt wird. Die BetriebSdirektion hatte angeordnet, den Meistern nur den festen Lohn zu bezahlen. Im Feber arbeiten wir wie früher nur nach dem. Lohn. Auf sonderbare Weise eifern die Leiter des „Bolschewik" zur Stachanov-Arbeit an." Daß xs sich hier bestimmt nicht um einen Einzelfall handelt, ist wohl klar. Erhöhte Arbeitsleistung bei gleiWleibenden oder nur mäßig erhöhten Löhnen, das ist eben die Folge einer jeden Rationalisierung, egal unter welchem Namen man sie auch propagiert. Die Zukunft unseres Exportes Vor einem lebhaft interessierten Publikum entwickelte sich Donnerstag im großen Sitzungssaal der Prager Handelskammer die vom Einheitsverband der Privatangestellten veranstaltete öffenlliche Aussprache über den tschechoslowakischen Export. Rach den einleitenden Worten des Einheitsverbands-Borfitzenden Karl Pacovflh behandelten die beiden Vortragenden Dr. Karl M a i- Wald und Dr. Paul Herrnheiser das Problem der zukünftigen Entwicklung unseres Exportes. Dr. Maiwald sucht die Lösung des Problems' vor allem auf währungspolitischem Gebiet. Er beurteilt es als einen Fehler, daß ein Land, das in einem solchen Maße wie die Tssche- choftowakei auf den Export ihrer industriellen Erzeugnisse angewiesen sei, in der Von England und Amerika geschaffenen währungspolitischen Lag5 an dem Goldstandard festhalte. Setze unser Staat! diese Politik fort, bestehe keine Aussicht darauf, daß der für den tschechoslowakischen Export maßgebende Teil unserer Industrie auf dem Wett- martt ftine Konkurrenzfähigkeit wiedererlange. Dr. Herrnheiser, der zweite Bor«' tragende, glaubt nicht daran, daß wir aus der augenblicklichen wirtschaftlichen Situation unseres Staates durch währungspolitische Maßnahmen allein herauskommen könnten. Das Problem, nm das es sich handle, sei nicht bloß ein wirtschaftliches. Die Tschechoslowakei brauche zum Aussau«: gen chrer augenblicklichen industriellen Ueberpro- duktion eine starke Vergrößerung des ihr zur Ber- fiigung stehenden Marktes— des innern und des äußern. Hebung der Kaufkraft der breften Massen und eine starke Steigerung des Exportes seien die sich daraus ergebenden Forderungen. Doktor Herrnheiser erörtert die Versuche, in Europa, unbeschadet der bestehenden staatsrechtlichen Grenzen, größere gemeinsame Wirtschaftsgebiete zu schaffen. kniens: tllr Vltello kommen nur sorg- ffiltig ausgew&hlte Rohstoffe zur Verwendung. Zweitens: Vltello wird von den besten und erfahrensten Fachleuten bergest eilt und hygienisch einwandfrei verpackt. Drittens: Vltello ist stets frisch und in stets gleicher Güte zu haben. ge machen Vitello so beliebt! Hitler und die französische Rechte (AP.) Es unterliegt keinem Zweifel, daß Hitler einem Teil der französischen Rechten für den Wahlkampf geradezu Argumente geliefert hat. Mit der Warnung vor dem Bolschewismus, an dem Frankreich angeblich durch den ftanzösisch- ruffischen Pakt zugrunde gehen werde(obwohl auch Deutschland trotz des Rapollo-Bertrages nicht am Bolschewismus zugrunde gegangen ist, und dabei war dieser Vertrag lange Zeit vor dem tiefgreifenden Wandel im Aussehen der USSR), hat Hitler der französischen Rechten geradezu die Stichworte gegen den französisch-russischen Vertrag geliefert und damit eine neue Taktik eingeleitet, die darauf abzielt, Unfrieden nicht nur unter den verschiedenen Nationen Europas zu stiften, sondern die Völler Europas gegen ihre Regierungen aufzustacheln. Teils, indem diese Regierungen einer verderblichen Politik bezichtigt, teils indem sie als unentschlossen hingeftellt, teils indem sie einer kriegerischen Gesinnung, die sie alle Angebote und wohlgemeinten Vermittlungsvorschläge des„Friedensfreundes" Hitler zurückweisen lasse, verdächtigt werden. Schon nach dem Interview, das Hitler Bertrand de Iou- v e n e l vom„Paris Midi" gegeben hatte, war kaum ein Unterschied mehr zwischen der Sprechweise der Nattonalsozialisten und der französischen Rechten. Jetzt aber werfen sie einander erst recht die Balle zu. Was ist eS anders, wenn die „Action Francaise" schreibt, die ftan- zösssche Republik habe„den Frieden gemordet"? Wenn Maurras sich anschickt, eine Rechtfertigung Hitlers zu schreiben? Wenn Franklin-Bouillon erklärt, daß die französische Regierung hinweggefegt werden müsse? Wenn Vas genaue Wahlergebnis In Spanien (I. I.) Di« Ergebnisse der in Spanien am 16. Feber und 1. März abgehalteneN Wahlen liegen noch nicht amtlich vor, doch ist eS unwahrscheinlich, daß die inoffiziell veröffentlichten Wahlergebnisse noch eine Veränderung erfahren. Rach diesen Ergebnissen wird daS neue Parlament aus 474 Mitgliedern bestehen, die sich folgendermaßen verteilen: Linke 262, Zentrum 64, Rechte 142. Bon den Sitzen der Linken erhalten di« Sozialisten 88 und bilden daher die stärffte Partei dieser Gruppe. Ihnen zunächst kommt die Republikanische Linke(Azana) mit 81 und wett dahinter die Republikanische Union(Martinez Barrio) mit 86. Dann folgt die Katalanische Linke mit 20 und die Kommunisten mit 16. Die verbleibenden 22 Sitze verteilen sich auf 12 Arbeiterpartei- und Linksgruppen. Insgesamt find es 107 Arbeitervertreter und 165 Linksrepublikaner. Von den 64 Sitzen des Z ent ru m s entfallen mehr als die Hälfte auf zwei Parteien. Die Zentrumspartei(die Partei deS letzten Minister- präsidenten Portela Valladares, der nach den Wahlen«ine neue Regierung der Mitte zu bilden gehofft hatte!) erhielt 24, die Katalanische Liga 11 Mandate. Die Radikale Partei, die Partei Lerroux', die nach den letzten Wahlen vor zwei Jahren mit 102 Mandaten die Schlüsselstellung innehatte, ist völlig hinweggefegt worden; sie zählt jetzt nur 8 Vertreter. Die restlichen 21 Sitze verteilen sich auf 5 Parteien. Auf der R e ch t e n ist die stärkste Partei die T. E. D. A., die Partei Gil R o b l e s', die über 95 Sitze verfügt. In die verbleibenden 47 Mandate teilen sich 7 Parteien, deren stärkste die Agrarier (18), die Traditionalisten(12) und die„Partei j der spanischen Erneuerung"(12) sind. Diese Ergebnisse zeigen, daß die Sozialisten ihre Vertretung von 58 auf 88 erhöht haben, aber nicht die stärkste Partei der Kammer sind, wie sie es mit 114 Sitzen nach den Wahlen von 1931 waren. Die stärkste Partei ist die T. E. D. A. Die linksrepublikanischen Parteien kehren mit bedeutend vermehrter Kraft ins Parlament zurück und sie sind 1 die mit Unterstützung der Arbeiterorganisationen Bailby im„Jour" erklärt, die französische Regierung, lebe unter dem Schutz der russischen Revolutionäre, die von einem Krieg gegen Deutschland träumten, dessen Kosten die Franzosen tragen sollten? Und die Taittinger, Kerillisu-a. blasen in dieselbe Trompete. Nun darf man aber nicht den verhängnisvollen Fehler begehen, die französische Rechte als einheiüich zu betrachten. Es gibt noch genug Poli- tiker in diesem Lager, die Hitlers Manöver, seinen Grundsatz„Divide et impera", seine Jsolie- rungstaktik, seine Versuche, das französische Bündnissystem zu unterhöhlen, kurzum seine höfliche Aufforderung an die ftanzösische Adresse, Harakiri zu begehen, durchschauen. Pertinax verlangt im„Echo de Paris" Sanktionen gegen Deutschland. Jean Fabry spricht im„In- ftansigeant" von einem internationalen Attentat. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß sich inzwischen Gustav Herds, der schon vor Jahren in seiner„Victoire" für Hitler eintrat, bekehrt hat. In einem Artllel„Adieu, Hitler!" erklärt er, er habe kein Glück mit seinen Feldzügen für die deutsch-französische Annäherung. Wie 1914 durch den Einmarsch in Belgien, so sei jetzt durch den Einmarsch ins Rheinland durch Deutschlands Schuld diesen Versuchen ein Ende bereitet worden. Wer könne nach solchen Erfahrungen noch zu einem 25 Jahre-Paft Vertrauen haben 1 Solche Vorschläge riefen nur ein Achselzucken hervor. Die noch übrigen Exemplare seines Buches„Verständigung oder Krieg" werde er verbrennen. Solange Hitler der Herr Deütsch- lands sei, fei an eine deutsch-französische, Verständigung nicht zu glauben. die Regierung bilden. Ihr Regierungsprogramm wurde in der Vereinbarung niedergelegt, die die Linksrepublikaner vor der Wahl mit den Arbeiterorganisationen abgeschlossen und der Entscheidung der Wähler unterbreitet haben. Gewerkschaftsinternationale für VölkerbundmaDnahmen Paris. Der Vorstand der Gewerkschafts- interNationale, der in Paris zusammengetreten ist» hat einen Aufruf an die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft aller Länder erlassen, in dem gegen die Aktion der deutschen Regierung vom vergangenen Samstag protestiert wird. Die Gewerkschaftsinternationale betont neuerlich ihren Standpunkt zur Frage der Erhaltung des W e l t« friedens unter Forderung der R e s p e k-. t i e r u n g der freiwillig übernommenen internationalen Verbindlichkeiten und der Grundsätze internattonaler Arbiftage sowie der wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit der Nattonen, begründet auf der Gerechtigkeit und dem internattonalen Recht. Der Aufruf fordert die beschleunigte Ergreifung von Maßnahmen im Rahmen des Völlerbundes, die den Frieden erhalten sollen. Die Gewerkschaftsinternationale teilt mit, daß sie in allen Hauptstädten öffentliche Versammlungen veranstalten und zu diesem Zwecke mit allen angegliederten Organisationen in Beziehungen fteten wird. Schwedische Staatsbürger in Hitlers Kerkern. (P. G.) In Schweden herrscht auch außerhalb der Arbeiterschaft große Empörung über ein Urteil des deutschen Gerichts in Stade, daS am 26. Feber den schwedischen Mattosen Erik Jansson zu fünf Jahren Kerker verurteilt hat. Sein Verbrechen bestand darin, daß er zwei Exemplare eines kommunistischen Flugblatts und die Basier„Rundschau" besessen habe und die letztere, als er in Hamburg ans Land ging, einem Deutschen übergeben haben soll. Der schwedisch« Seeleuteverband organisiert im ganzen Lande Protestversäuunlungen. Eine Protesterklärung, die von 112 Mitgliedern des schwedischen Reichstags unterzeichnet ist, fordert die Freilassung JanffonS sowie eines anderen schwedischen Mattosen, Knut Mineur, der vor einiger Zeit gleichfalls in Deutschland verhaftet und verurteilt wurde. Wir kämpfen für alle Sinder um Nahrung, Kleidung, Wohnung und Freude. Führe deiner Organisation neue Mitglieder,«ene Mitkämpfer zu! Arbeiterverein„Kinderfreunde“. Ein feiner Gemeindevorsteher Ehe zerstört, keine Alimente gezahlt und noch dazu amtliche Schikanen Prag.„Wie konnten Sie sich nur zu so etwas hinreißen lassen" meinte gestern der Vorsitzende GR. Dr. Beck kopfschüttelnd zu der Frau auf der Anklagebank. Die 35jährige Anna K. war nämlich angeklagt des versuchten Hausfriedensbruches und der öffentlichen Gewalttätigkeit, begangen durch böswillige Beschädigung ftemden Eigentums. Sie hat'am 12. Jänner versucht, im Dorfwirtshaus von Pred- boj dem Gastwirt Franz F anta Mit einem Knüppel zu Leide zu gehen und zerschlug, als man vor ihr die Türe verbarrikadierte, die Fenster des Gasthauses, um auf diesem Weg in das Haus zu gelangen und an dem Wirt ihr Mütchen zu kühlen. Wie daS Beweisverfahren ergabt hat dieser Exzeß eine lange Vorgeschichte, die den angefallenen Wirt keineswegs im besten Lichte zeigt. Anna K. lebt» durch Jahre in ungestörter Ehe mft ihrem Mann, mit dem sie einen heute zwölfjährigen Jungen hat. Diese Ehe scheiterte dadurch, daß der Gastwirt Fanta der Frau nachzuftellen begann. Es Mag dahingestellt bleiben, ob Fanta tatsächlich, wie Anna K. behauptet, Gewalt gebraucht hat, sicher,ist. daß die heute Angeklagte ihrem Mann eines Täges bekannte, sie sei in anderen Umständen— und zwar nicht von ihm, sondern eben von jenem Gastwirt Fanta. DaS war'vor drei Jahren. Der Gatte brach hierauf jedes Zusammenleben ab., Sie hlielstn zwar weiterhin in dem kleinen Häuschen wohnen, das ihnen gemeinsam gehörte, aber der Mann sondene sich streng von seiner Frau ab und trug auch nichts zu ihrem Unterhatt und dem des letztgeborenen Kindes bei. Für Anna K. und ihr außereheliches Kind kanftn Häse Zeiten, zumal da auch der Gastwirt Fanta keineswegs bereit war, sich' daS Verhältnis etwas kosten zu lassen. Im Gegenteil, er warf die Mutter fernes Kindes ohne weiteres hinaus, als sie versucht«, ihn zu irgendwelchen Alimenten oder Unterstützungen zu bewegen. Schließlich kam nach langwierigen vergeblichen Bemühungen die Empörung und der Haß der verlassenen Frau in der Art zmy Ausbruch, wie in der Anklage verzeichnet steht. Der inttimmierte Sachverhalt war so klar, daß er keiner langen Aufklärungen bedurfte, dagegen ergaben sich bei der Erörterung der Vorgeschichte immer neue bezeichnende Details. Der Vorsitzende fragte, warum sich Anna K. nicht scheiden lasse und anderwärts Arbeit suche. Ang.:„Wir sind zu arm, um di« Scheidungskosten zu bezahlen."— Bors.: „Dann suchen Sie doch ums Armenrecht an!"— Ang.:„Wir bekommen aber kein Armutszeugnis!" — Bors.:„Ja, wieso denn?"— A n g.:„Der Herr Vorsteher gibt unS nicht die Unterschrift:.nd die Stampiglie."'— Bors.:„So? Und wer ist denn dieser Vorsteher?"— Ang,(mit bitterem Auflachen):„Wer? Der Gastwirt Fran- Fanta!"— Diese Angelegenheit wird wohl noch Anlaß zu näherer Untersuchung geben, denn wenn diese Angaben auf Wahrheft beruhen, so hat, dieser Vorsteher seine Amtsobliegenheiten mft seinen Privatangelegenheiten in einer Weise verquickt, die absolut unzulässig ist. Eine AlimentationSsiage braucht der Herr Vorsteher allerdings nicht mehr zu fürchten, denn Anna K. hat deren fristgerechte Einbringung versäumt. Die als Delikte der„öffentlichen Gewalttätitz- keft" klassifizierten Straftaten sind mit z. T. unverhältnismäßig schweren Strafen bedroht. Der Ge- richt-hpf verurteilte Anna K. zu fünf Monaten Kerker, wobei der Vorsitzende betonte, daß da- Gericht von dem außerordentlichen Milderungsrecht größtmöglichen Gebrauch gemacht habe. Die Strafe Wurde aber bedingt ausgesprochen und von einer ebenso menschlichen als eindringlichen Mahnung des Vorsitzenden begleitet, die Verurteilte solle sich den Sftafaufschub und die allfällige spätere Löschung der Straft nicht durch Unbesonnenheiten verderben. Anna K. nahm die Strafe an. rb^ „Natürlich, in ein Wirtshaus!" Leite 6 „Sozialdemokrat" Samstag, 14. März 1936. Nr. 63 Trager Rettung Die Prager Wasserleitungs-Kalamität --Der gestrigen Stadtratssitzung lagen Beriete vor, aus welch'en das ganze Elend, der Prager Trinkwässerversorgung spricht. Der erste Bericht betrifft die Qualität des Wassers. Es heisst darin:„Der-bisherige. Zustgnd, daß die Abwässer der Industriebetriebe, vor allem der Zellulosefabriken, in die Moldau und ihre Zuflüsie geleitet werden, verursacht eine derart bedenkliche Verunreinigung des Fluhwassers, dah seine vollkommene Entwertung für Versovgungszwecke droht. Die Verunreinigung des Moldauwassers durch organische Stoffe äußerte sich in ungewöhnlichem Maße besonders im Jahre 1938, als der Wasserstand ständig unternormal war. Di; Behandlung des Wassers zu Versorgungszwecken wird immer schwieriger und erfordert bereits außerordentlich erhöhte Aufwendungen. Durch systematische Untersuchung überzeugt sich das Wasseramt von der ständigen Verschlechterung des Flußwassers und es verhehlt nicht seine Besorgnisse vor den Folgen, welche daraus entstehen konnten." Es wurde beschlossen, das Landesamt zu ersuchen, runter Beteiligung von Vertretern.der Gemeinde von neuem das Verfahren zur Lösung dieser Fragen aufzunehmen. Im Melniker Gebiete wurden seit dem 23. Oktober 38 örtliche wasserrechtliche Verfahren durchgeführt. Gegen das Projekt der neuen Trinkwasserleitung aus dem dortigen Gebiete brachten weitere 400 Interessenten zahlreiche Einwendungen vor, so daß die Zahl dieser Opponenten jetzt 1800 erreicht hat. Auch darin äußert sich die Agitation, welche von den tschechischen Agrariern, vor allem dem Abgeordneten Dubicky, gegen das Projekt der neuen Trinkwafferleitung betrieben wird. Da nach einer Mitteilung des Wasseramtes das vorbereitende Verfahren wegen der Schwierigkeiten unterbrochen und auf unbestimmte Zeit vertagt wurde, beschloß der Stadtrat, mit Rücksicht auf das eminente öffentliche Interesse, gegen diese Maßnahme eine Beschwerde einzubringen und den Primator zu bevollmächtigen, beim Lan- despräsidenten einzuschreiten. Bessere Betriebsergebnisse der Prager Straßenbahnen (R. F.) Bei den Prager Straßenbahnen hat der Beginn dieses Jahres eine entschiedene Wendung zum Besseren gebracht. Darüber orientieren die folgeiwen Zahlen:<»..’*•»»»»•-'U ,,— Bei der M t.rw,ß e nbahn. stieg die. Per« fonenbeförderung im Jänner und Feber 1936 gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres um 1,128.009 auf 26,325.026. Die Einnahmen aus den gewöhnlichen Fahrkarten stiegen um 1,141.790 Jtt auf 34,462.782 XC, die aus Abonnementskarten um 405.105 auf 11,229.407 Xi. Bemerkenswert ist äußerem, daß die Einnahmen aus Rückfahrtkarten(den eigentlichen A r b eite r b r Fl e t ä) am stärksten, nämlich um 10,02 Prozent gestiegen find, was auf eine Besserung des Beschäftigungsgrades schließen läßt. Die Einnahmen aus Abonnements haben sich um 3,93 Prozent, die aus den gewöhnlichen Fahrkarten um 2,32 Prozent, die Einnahmen insgesamt um 8,07 Prozent vermehrt.■ •' Bei den Autobussen ist die gleiche Entwicklung festzustellen. Die Frequenz hob sich in den ersten zwei Monaten 1936 gegenüber der gleichen" Zeit des vergangenen Jahres um 6,94 Prozent Wenn die E innahmen dagegen nur um 2,58 Prozent(auf 2,288.014 Xi) zugenommen haben, so ist das darauf zurückzuführen, daß hier die gleiche Verschiebung bei den Einnahmequellen vorliegt, wie sie sich beim Tram ergeben hat. Die Zahl der im Jänner und- Feber 1936 in den städtischen Autobussen beförderten Personen betrug 8,257.343, um 418.403 mehr als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Fünf Zuhälter verprügeln einen Soldaten. In der Nacht auf gestern meldete der 23jährige Soldat Alois Zaryhnicky, derzeit in der Berauner Kaserne stationiert und auf einen Tag zu Besuch in Prag, auf der Wrschowitzer Wachstube folgendes Abenteuer: AlS er vorn Besuch bei seiner Tante, die in Michle wohnt, zurück zum Bahnhof ging, Hielt ihn in der Nähe des EdenparkeS«ine Prostituierte auf; als er ihr sägte, er eile zur Bah« und sie möge ihn in Ruhe lassen, begann sie mit ihm zu raufen und schrie, er habe ihr 60 XL gestohlen, Auf ihr Geschrei lief ein Mann Herbei, der ebenfalls mit.dem Soldaten, zu. rstufen begann und, als dieser sich wehrte, noch weitere vser Männer zu Hilfe lief. Diese stürzten sich aste auf Zarhbnicky, warfen ihn zu Boden, knebelten ihn mit dem Taschentuch, schlugen ihn und zerrissen. ihm' die Bluse. Währenddessen entwendete ihm die Prostituierte sein Geldtäschchen mit 10 XL und einer der Beteiligten stahl ihm seine Mütze. Die Polizei führte sofort nach der Anzeige eine Untersuchung-an Ort und Stelle durch,, wobei- die betreff seflde Prostituierte selbst, die 37jährige Marie Rou asts Michle, sowie der 33jährige arbeitslose Chauffeur-Friedrich Chrästil verhaftet werden konnte, in dem Zarhbnicky den ersten der Männer erkannte, die ayf das Geschrei der Rout herbeigeeilt waren. Sieben weitere Frauenspersonen wurden im Laufe der Nacht noch verhaftet,- nach den Mannern wird noch gesucht. Mißglückt« Raub. Gestern um 2 Uhr mittags erschien ein jüngerer Mann— wie später festgestellt wurde, der 20jährige arbeitslose Fleisch« Franz TomÄ aus Zizkov— im Fleischerladen des Jan Brand in Wysotschan und verlangte vier warme Leberwürstchen. Als die gerade anwesende Gattin des Ladeninhabers in die Küche ging, um das Verlangte zu holen, sprang Tvmek hinter das Ladenpult und begann das Geld aus der Schublade zu holen Frau Brand sah ihn in einem Spiegel, der in der Küche hing, eilte in den Laden und hielt ihn fest, während di« zusammengerufenen Nachbarn die Polizei holten. Die 750 XL, die er schon aus der Schublade genommen hatte, würden ihm abgenommen, er selbst verhaftet. TodeSsturz im Zimm«. Gestern nachmittags wurde in ihrer Wohnung.in Bubentsch die 80jährige Private Johanna Straßburg von ihrer zurückkehrenden Tochter in der Küche in einer Blutlache aufgefunden. Auf die Frage ihrer Tochter gab sie an. sie sei gefallen und sei dabei mit dem Kopf gegen die Kante des Küchensessels gestoßen. Der in der Nähe wohnende Arzt Dr. Kopta leistete ihr di« erste Hilfe, doch starb sie auf dem Wege ins Allgemeine Krankenhaus. Die Leich« wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. GeschworetunauSlosung. Gestern wurde beim hiesigen Kreisgericht die Auslosung der Geschworenen für die zweite Schwurgerichtsperiode vorgenommen, die am 30. März eröffnet wird. Es wurden 37 Haupt- und 9 Ersatzgefchworene auSgelost. Unter den Hauptgeschworenen sind zehn Frauen, unt« den Ersatzgeschworenen deren zwei. Englische und deutsche Filme beh«rschen Prag« Kinos. Die zwanzig Prager Premierenkinos spielten im Jahre 1935 insgesamt 1018 Programme ab. In 1018 VorführungSwochen wurden die Programme zu 48.1 Prozent von englischen, zu 30 Prozent von deutschen Filmen beherrscht, der geringe Rest entfällt auf Filme der übrigen Länder. 3toitfOU i«>0« Leitender Arzt Dr. A. Gaube. Modern- Heilanstalt für alle inneren und Staff- wechselkrankbeiten, rheumatische Erkrankungen. Nerven- krankbeiten, Moorbad. Pauschalkuren von 1000 bis 1600 Kc, Winterlaifon. Prospekte und AuSIünfte: Prag, Tel. SS—388. 3297 Illmst nnci Mssski Zweites Gastspiel L Konstantin „Duell der Liebe" Es gibt eine Art von Stück«, die gerade durch ihre Schwäche, ihre Belanglosigkeit, dem großen Künstler entgegenkommen, ihm erst Gelegenheit geben, sich schöpferisch zu bewähren. Ganz schlecht freilich darf solch ein Stück nicht sein. Lili Hatvänps ..Duell der Liebe" hält mit all seinen Banalitäten und dem Hang zum sentimentalen Reißer gerade das Niveau, auf dem sich ein Künstler mit Würde bewegen mag und es ist doch ftach genug, um einem kühnen Gestalter Raum zu geben für das Wirken seiner Phantasie. Es ist also für Leopold ine Konstantin ein gutes Stück, denn es drängt sich nicht vor. wo man doch von allem Anfang eine künstlerisch« Sololeiitung genießen will. Die Konstantin ist eine der wenige« deutschen Schauspielerinnen, für die sich die Gestaltung des Erotischen nicht in. Aeußerlichkeiten erschöpft, nicht in der getreuen Uebernahme einer französischen Schablone öder in angelernten Tönen. Sie weiß die Leidenschaften noch mit den Farben des Originals zu malen und, ob erlebt oder gespielt, wirkt eine liebende Frau, von der Konstantin geschaffen, noch als ein Stück Natur. Was sie spricht und wie sie sich gibt, das fließt nicht aus einem beiläufigen Tert oder einer Regie-Anweisung, sondern strömt aus der Tiefe einer Persönlichkeit. Sie macht das Sentimentale einer Rolle erträglich und das Pathetische einer grellen Szene, denn man sieht Leben. Leiden und Leidenschaft.einer liebenswerte» Frau, die nicht wie so viele mit Blicken, Girren, Gesten und Figur ein Wesen vortäufchen, das ihr fremd ist, sondern man fühlt die unlösbare Einheit von Frauenseele und Eros, man wärmt sich an einem Feuer, das nicht der berechnende Intellekt schürt utw das auch nicht an überhitzten Sinnen entzündet wird, sondern das die Flamme des Lebens selbst ist. Dieser Geist ist es, der das Spiel trägt, der die Stimme führt, die in allen Tonlagen des Wohllautes erllingt. der als nicht greifbares, nicht wägbares Fluidium Zuhörer und Zuschau« erfaßt. In dem Ensemble stellt Karl Günther einen Typ von Bonvivant und dämonischem Mann vor. der von dem Gewähnten abweicht und nicht immer überzeugt, gerade dadurch aber die Leistung der Partnerin, die ihre Liebe glaubhaft machen muß. noch größer erscheinen macht. In Herrn W u r m s e r und Frau Reineke begrüßte man liebe Bekannte aus ferner und näh«er Vergangenheit, E. F.. „Unentschuldigte Stunde", Lustspiel, als A r- beitervorstellungam Sonntag, den 15. März, um halb 3 Uhr. Karten von 8 bis 2, 4 bis 6 Uhr bei Optiker Deutsch, Koruna. Prager Gastspiel in Wie«. Das Weinber ger Stadttheater gastiert im Raimund- Tbeater in W i e n am 1. und 2. April mit„Jizdni hlidka" von Frantisek Langer. Wochenspielplan des Reue« Deutschen Theaters. Samstag, halb 8: Lysistra, C 2.— Sonntag, halb 3: Unentschuldigt« Stunde, Artritervorftellung; halb 7: Die Waltüre, Gastspiel Anny Konetzni, B 2.— Montag, halb 7: Martha, Theater- i gemeinde der Jugend, Abonn. aufgehoben.— Dienstag. halb 8: Der Rösenka-valier, A 2.— Mittwoch, halb 8: Orpheus in der Unterwelt, B 2.— Donnerstag, halb 8: Liebe ist nichtsoeinfach, Erstaufführung, C 2.— Freitag, halb 8: Fid elio, D 1,— Samstag, halb 8: Der Rosenkavalier, Ä 1.— Sonntag, halb 3: De r h eili g e A n t o n i ü s; halb 8: L i e b e ist nichtsoeinfach. Dl. Wochenspielplan der Kleine« Bühne. Samstag, 8:Annasagtnein, volkstüml. Vorstellung. — Sonntag, 3: Die erste Legion:; 8: Alle Rechte Vorbehalten.— Montag, 8: Kollege Crampton, Bankbeamten 1.— Dienstag, 8: Unentschuldigte Stund e.— Mittwoch. 8: Alle Rechte Vorbehalten, Banweamte 2 und freier Verkauf.— Donnerstag, halb 8:. Im Londoner Nebel, volkstüml. Vorstellung.— Freitag, 8: Was Ihr wollt..— Samstag, 8: Unentschuldigte Stunde.— Sonntäg, 8. Unentschuldigt« Stund»; halb 8: Spiel um die Welt, Erstaufführung. Vorträge Abgeordneter Genosse Wenzel Jaksch hält im Klub„Novä Svoboda" in der„Rar. Kavärna", Nar. Trtda, I. St., Spiegelsaal, am Donnerstag, den 19. März, um 8 Uhr abends" einen Bortrag über das Thema„B o l k ü n d A r b e i- ter"(zeitgenössische Fragen im deutschen Sozialismus).• Friedrich Schick, ein sudetendeuffcher Dicht«, las am Donnerstag abends im kleinen Urania-Saal aus eigenen Werken. Schick ist mit einem Erstlingsroman „Ein Bürger wird Mensch" hervorgetreten, der nach der von Gad M. Lippmann gedankenreich und gut formuliert vorgetragenen Einführung den sucherischen Weg eines jungen Bürgersohnes aus der ausweglos erscheinenden Gegenwart, hinweg vom Künstlichen und Konventionellen der versinkenden bürgerlichen Kultur zu neuen Idealen zum Thema hat. Es find Ideale, denen der Held des Romans, von Gefühl und Erkenntnis getrieben, entgegenstrebt, die aber, wie Lippmann es aussprach, erst im Sozialismus einmal verwirflicht sein werden, worüber sich der Bürgerssohn des Romans in ungenügender Kenntnis der sozialistischen Lehren und im Glauben an die beff«e Einsicht der Menschen noch nicht völlig Nar wird. Das Ziel dieses Weges scheint für den Dichter mit Moskau, mit dem diktatorischen Bolschewismus ohne weiteres identisch zu sein. Daraus läßt auch der Titel keines noch in Arbeit befindlichen Romans„Bon Golgatha nach Moskau" schließen. Aus beiden Romanen las dann Friedrich Schick selbst, leider in zu.hastendem Tempo und völlig gleichtönig und ungestaltet im Vortrag, Bruchstücke vor, eine Szene zwischen den Chefs und den Arbeitern einer soeben bankrott gegangenen Textilfabrik aus dem Roman„Ein Bürger wird Mensch" und ein philosophisches Tischgespräch im Hause eines Römers aus dem Ahasver-Roman«Von Golgatha nach Moskau", der den.urewigen Kampf um die Freiheit des Menschen" zum Thema hat. Beide Leseproben reichen für«ine Beurteilung der Romane natürlich nicht aus, lasse« aber ein Erzählertalent erkennen. Eine Novelle.Der Tod des Dichters" die Schick an erster Stelle vortrug, umfleidet.den Sinn mit phantastischem Figurenwerk, hinter dem dr: dichterische Idee nur unklar erkennbar wird. Id. Rolf Wank« spielt in der deutschen und tschechischen Fassung des Filmes„Die Sextanerin" die Hauptrolle. Skr 3Um Die weiBe Frau Eine Farm in den Dschungeln Kaliforniens, in der die wilden Komparsenftämme von Hollywood zu den schwülen Klängen von RavelS„Bolero" tanzen, um sich dann gegen den brutalen europäischen Ausbeuter zu empören, ist der Schauplatz diefes Films, dessen Exotik zwar unecht und übertrieben wirkt, den aber die Regie Stuart Walkers mit dramatischer Spannung erfüllt hat. Was in dieser für den Film zurechtgeumchten grünen Hölle vorgeht: die Fluchtträume der Gescheiterten, die durch den Fluch ihrer Vergangenheit und den rings lauernden Tod hier festgehalten werden, und die Despotie des Farmers Prinn, der sich zum Herrn über Tod und Leben macht, sieht wirklich ein wenig nach Schicksal aus Mitteilungen aus dem Publikum. Reue Pauschalpreise im Sanatorium Martins- tal, Zwickau i. B. Das Sanawrium ist infolge seiner schönen Lage im waldreichen Grenzgebiete Nordböhmens sehr gut besucht. Die Besucherzahl stieg während der drei Wintersaisonen von 299 der Er- öffnuugssaison 1933/34 auf 366 der Wintersaison 1935/36. Ein Beweis, daß sich das Sanawrium infolge sein« modernen Einrichtungen, guten fachärztlichen und kaufmännischen Führung und fernes. Leistungen immer größerer Beliebtheit erfreut. Stetes freundliches Entgegenkommen, welches dort dem Gast und Patienten bewiesen wird, sichert dies« Heilanstalt von Jahr zu Jahr einen größeren Kreis von Stammgästen. Die neuen Preise, welche ab 1. Feber l. I. in Kraft traten(Pauschalkuren von 1000 bis 1600 XL), zeigen wiederum, daß es mit dem Sanatorium unaufhaltsam vorwärts geht, daß die kommerzielle Leitung dieser Anstalt bemüht ist, die Preise zu vereinfachen und herabzusehen, um so jedem Interessenten einen Aufenthalt in diesem modernen Sanawrium zu ermöglichen. Verlangen Sie ausführliche Prospekte mit PreiSblatt über Pauschalaufenthalte. Die Anreise ist sehr bequem. 3297 Daß«s zwei Liebende gibt(eine junge Witwe, die der- Selbstmord des Gatten vogelfrei gemacht hat, und einen desertierten Rittmeister), und daß, die Liebenden am Ende(mit Hilfe eines ehemaligen Gangsters aus Chicago) den Weg aus der Hölle finden, versteht fich von selbst. Aber der Film hat so viel Stil, daß er mit dem Untergang des Defpoten und nicht mit dem Bilde des happy end schließt. Die Hauptrolle spielt Charles Laughton, der in-er Gestalt des brutalen Farmers Züge seines Heinrichs Vlll. und seines Jabert(aus den „Miffrables") aufleuchten läßt: ein lachendes Scheusal mit kindlicher Grausamkeit, dämonisch« Beschränktheit und feigem Egoismus. Manches scheint übertrieben in einer Darstellung aber selbst die Uebertreibungen wirken lebendig. Während die weibliche Hauptdarstellerin Carola L o m b a r d, die diesmal a la Garbo massiert ist, diese Lebendigkeit vermissen läßt. Die Typen-Darsteller der Nebenrollen verstärken den Eindruck eines zwar nicht, künstlerischen, aber wirkungssicheren Films.—eis— VrremLnackrlekten. Ortsgruppe Prag: 9 Uhr Treffpunsi in HluboLepy bei der Endstasion der 5er Elektrischen, führt Winternitz.Wan- derung ins Prokopithal, Zigeuner- thal, Radotin, Zbraslav. Filme in Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino:„Die ganze Welt dreht sich um Liebe."(Eggerthff— Adria:„Die Sextanerin". —- Alsin„D i e s ün digen Frauen von B o o m".(Fr.)— Avion:„Die weiße Frau."(A. CH. Laughton.)— Beranek:„Die Vernichtung der Festung Ksur."(Fr. Annabella.)— Fen ix:„Tarzan und seine Gefährtin."(A.).— Flora:„S e- q u o i a."(A.).— Gaumont:„Das Licht feiner Augen."(Tsch.)— Hollywood:„Verlobung mit Hindernissen."(D. Dolly Haas.)— Hvkzda:„Die Sextanerin."(Tsch.)— Julis:„Das Licht seiner Auge»."(Tsch.)— Kinema: Journale, Grotesken Reportagen.(%2—%7 Uhr.)— Koruna: Journale und Grotesken.(2—10 Uhr.)— Lotva B 36: „Das Geheimnis des versunkenen Schiffes."(Rufs.) !— Lucerna:„Tarzan und seine Gefährtin."(A. I. Weißmüller.)— Metro:„Die letzten Vier von Santa Cruz."(D.)— Olympic:„D a s P r i- vatleben des Peter Vinogra- dow."(Ruff.)—Passage:„Ich sehne mich nach dir."(D.)— Praha:„Das Licht seiner Augen." (Tsch.)— Radio:„Walzer um den Stephanswrm." (D.)— Staat:„Der Tod auf Urlaub."(A. Fre- deric March.)— Svetozor:„Der Kurier des Zaren."(D.)— Alma:„4sH Musketiere."(D, Szakall:)— Baikal:„Janoschik."(Tsch. Regie: Mac Frii.)— Belvedere:„Der rote Reiter."(D.) — Beseda:„Die Komödiantenprinzessin."(D.)— Carlton:„Morgen beginnt das Leben."(A. Sh. Temple.)— Illusion:„Melodie der WeÜ 1936." (A.)— Konvikt:„Ter schwarze Engel."(A.)— Lido II:„Janoschik."(Tsch.)— Louvre:„Die Komödiantenprinzeffin.(Tsch.)— MaSeSka:„Die Komödiantenprinzessin."(Tsch.)— Roxp:„Mutter KraLmerka."(Tsch.)— Sport:, Frau in Ketten." (A.)— tt Bejvodü: ,Hn>den Fesseln des Gesetzes." VERLANGEN SIE tn jeder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER A Cie.. PILSEN 8elchwaren der Fa. HEGNER& Cie., Pilsen «lud dl« allerbesten! Hochleistungs-Drehbänke, Fräsmaschinen, Radialbohrmaschinen, Bohrwerke, Shaping- u. Hobelmaschinen Spannfutter in modernster Ausführung erzeugt: Werkzeugmaschlnenfabrlk Arno Planere Warnsdorf, tSR. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch bü Post monatlich Xi 16.—, vierteljährig XL 48.—, halbjährig Xi 96.—, ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde vcn der Bosi- und Tele- graphendiricktlon'mit Erläß Nr. 13.800JV1I/1930 bewilligt.— Druckerei:„iörßiS", Druck-, Verlags- und Zeiwngs-A.-G. Prag.