16. Jahrgang Sonntag, 15. Marz 1936 Nr. 64 Bmliral« 70 Heller (•iMchliaBlich 5 Heller Forte) IENTRALOEGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion und Verwaltung mag xiufochova a. mffOH SW7. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHE» REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Deutschland vor den Rat gerufen Vorladung für Montag/ Deutsche Gegenbedingungen? London. Tic außenpolitisch« Tagung des Bölkeriundrates trat Samstag um 11 Hüt im St. James-Palais zusammen. An die übliche Borbereitung zur Genehmigung der Tagesordnung schloß sich unter dem Borsitz des australischen Oberkommissars in London, B r u e e, die Sffentliche Sitzung an, in der die Erklärungen Edens, Flandins«nd des belgischen Ministerpräsidenten van Zeelands entgegengenommen wurden. An einem Ende des Tisches des Rates konnte man einen leeren Stuhl erblicken, der für Deutschland reserviert ist. Hitler lehnt Zurückziehung von Truppen ab München. Ackf einer Kundgebung wiederholte Samstag abends Hitler die bekanuteu Argumente, die ihn zur Besetzung der entmili» tarifierte« Rheinlaudzone bewogen habe». In der Besprechung der gegenwärtigen Lage, sagte er«. a., daß die Geste,' die vo« ihm verlangt wird, das deutsche Bott selbst am 29. März dadurch tun werd«, daß es seine Polittt billige. * Der diplomatische Korrespondent deß„Daily Telegraph" schreibt: Der Stand der militärischen oder halbmilitärischen bcul'.'tn Formationen, die sich nunmehr im Rheinland befinden, beläuft sich auf 248.000 Mann. Davon sind 30.000 Mann regelrechtes Militär, Militärpoli- zei 30.800 Mann; diese wird in die Armee eingegliedert werden, der Arbeitsdienst, der eine militärische Ausbildung genießt, zählt 30.000, di« halbmilitärischen Sturmabteilungen 150.008 Mann«nd die Formationen der österreichischen Legion 8000 bis 10.080 Mann. Diesen Ziffern, so sagt das Blatt, sind noch die motorisierten Einheiten zuzuzählrn.. Der Ratspräsident Bruce erklärte die Versammlung für eröffnet, teilte den Gegenstand der Tagesordnung mit und sodann ergriff Außenminister Eden das Wort. In seiner Rede sagte Eden u. a.7 Wir find der Ansicht, daß ein« offensichtliche und nicht leugbar« Verletzung der Bestimmungen des Bersailler Vertrages über die entmilitarisierte Zone sowi« auch der Bestimmungen des Lorarno-Bertrages begangen worden ist. Wenn der Rat dieser Schlußfolgerung zustimmt, wird er zu der Situation Stellung nehmen und die Schwierigkeiten, die so entstomden sind, zu lösen versuchen müssen. Die Mächte, die gleichzeitig mit uns den Lovarno-Vertrag unterzeichnet haben, und die Kollegen im Völkerbund können sich auf die vollkommenste Mitarbeit der britischen Regierung bei allen Versuchen,, den Frieden und die Verständigung unter den europäischen Nationen■ auf festen und dauernden Grundlagen zu sichern, verlassen. Die Zukunft hängt von der Klugheit unserer Entscheidungen ab. Nach Eden sprach der französische Außenminister Handln deDlusführte: Die deutschen Truppen im Rheinland wurden anfänglich nicht als symbolische Abteilungen bezeichnet, sondern es wurde von starken'Abteilungen gesprochen, die die Zahl von 30.000 regulären Soldaten Merschritten. Die französische Regierung habe bei der gegenwärtigen Lage eher ihrer Pflicht als dem Vollzug des Rechtes entsprochen. Wenn es sich bloss um die Rechtsfrage handelte, würde der Text des Locarno-Vertrages der französischen Regierung die Berechtigung gewähren, mit grösster Beschleunigung harte und entschiedene Massnahmen' zu ergreifen. Da jedoch Frankreich auf eigen« Faust in die europäische Lage nicht ein Element der Unruhe hineintragen wollte, hat es sich freiwillig zurückgrhalten. Um seinen Schritt zu rechtfertigen, beruft sich Deutschland auf die Ratifizierung des franzüjisch-sowjetrussischen Vertrages. Dieser Vertrag war Gegenstand eines Notenaustausches zwischen der französischen und deutschen Regierung sowie zwischen den Regierungen der Garantenstaaten des Locarno-Vertrages. In diesen Noten wurden die Rechtseinwände der deutschen Regierung voll widerlegt. Trotz meiner eigenen Erklärung, dass wir den.Schiedsspruch des Haager Gerichtshofes annehmen werden, ist die deutsche Regierung diesem Boxschlag nicht beige- treten und hat nicht einmal eine ordentliche Diskussion Mer diese Frage in einer Sitzung der Locarno-Mächte angestrebt. Sie hat der Ungültigkeitserklärung des Vertrages, den Vorrang ge- Flandin geben,'vyn welchem Hitler me^exemal erklärte, dass er ihn als' freiwillig vereinbart ansehe. Gestatten Sie mir zu wiederholen, dass die französische'Regierung nicht protestieren wird, falls der Haager Gerichtshof entscheidet, dass der Vertrag vom 2. Mai. 1083 mit dem Locarno-Ver- tvaae unvereinbar ist. Es handelt sich jedoch nicht bloss um die Ablehnung dieses Vertrages, sondern auch um die Verletzung der Artikel 43 des Friedensvertrages von Versailles? von der Artikel 44 statuiert, dass es sich um eine feindliche Tat handelt.: Es handelt sich darum, zu wissen, ob das fait accompli und die einseitige Aufhebung frei» willig und feierlich abgeschlossener Vereinbarungen in Europa als politisches System geduldet werden soll, ob man Verträge beliebig wann immer wird ändern können und ob irgendeine Regierung in Ausübung ihrer Macht heute das wird aufheben können, was sie gestern unterzeichnet, hat. Ich bitte den Rat, führte Flandin am Schluffe aus, zur Kenntnis zu nehmen,i dass Deutschland den Artikel 43 des'Versailler Friedensvertrages verletzt hat, und ersuche den Generalsekretär, davon die Signaturmächte des Lo- carnovcrtrageS gemäss Artikel 4 des Locarnovertrages in Kenntnis zu setzen. Nach Flandin sprach der belgische Ministerpräsident Van Zeeland Er erklärte, er wolle sich nur auf einige Seiten dieses schrecklichen Problems, soweit es sein.Vaterland angehe, beschränken. Die Entmilitarisierung des Rheinlandes, erklärte er, ist eine der Säulen unserer Sicherheit, denn wir haben mst Deutschland die grösste gemeinsame und am meisten exponierte Grenze. Darüber hinaus ist-der Locarnovertrag di« alleinige Grundlage unseres internationalen Statutes. Belgien hat niemals einen Anlass gegeben, dass der Locamcvertrag verletzt werde. Niemand kann den Umstand widerlegen, dass die Situation, die sich entwickelt bat, ein ernster Schlag für die ganze Welt und möglicherweise auch für die kommende Generation ist? Sicherlich werden Sie sich nicht wundern, wenn ich Ihnen sage, dass unser Land mit dem Gefühl tiefer Bitterkeit gezwungen ist» an den Völkerbund zu appellieren. Deutschland vorseladen Nach der Rede van Zeelands vertagte sich der Rat auf Montag.13. Uhr'30. Rach der öffent- lickien Sitzung fand eine vertrauliche Sitzung des Rates.statt,, bei der. rm. Prinzip beschlossen wurde, auf Grund des Artikels 17 des Völ- kcrbundvertrages die Einladung ankannöb kerbUndvertragrs d i« E i n I abu ng an Deutschland zu wiederholen, an den Sitzungen des Völkerbundrates teilzunehmen. Die Deutschland sofort übersandte Einladung lautet:„Unter Bezugnahme auf daS Telegramm, das ich der deutschen Regierung am 8. März sandte, lädt der Bölkerbundsrat die deutsche Regierung als Vertragspartner des Locarnovertrages ein, an der Prüfung der Frage der Mittei- lung von deck Regierungen Frankreichs und Belgiens durch den Rat teilzunehmen. Der Rat wird im St. James-Palast am 16. März zusammentreten. Gez. Avenol." Annahme mit Bedingunsen? Berlin. Die Einladung des Völkerbundrates wird von den zustätidigen deutschen Stellen eingehend geprüft. Eine amtliche Mitteilung in dieser Angelegenheit wird jedoch erst für Sonntag erwartet. In Polstischen Kreisen glaubt man, dass die Einladung angenommen' werden wird, allerdings nur unter gewissen Bedingungen. Reuter berichtet darüber: Der Beschluss, Deutschland einzuladen, hat eine,etwas delikate Situation geschaffen.. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Deutschland zögern wird,' diese Einladung anzunehmen, mst der Begründung, dass es durch die Annahme anerkennen würde, dass der Vex- tcgg, den es in Wirklichkeit, gekündigt hat, auch weiterhin in Gültigkeit ist. Es ist möglich, dass Deutschland einwilligen wird, bloss einen Beobachter zu entsenden.‘■ In Frankreich wird die Einladung Deutschlands zwar Nicht mit Begeisterung, aber auch nicht mst Protest ausgenommen. Die französische politische Oeffentlichkeit von der Rechten bis zur Linken ist sich dessen sicher, dass in rechtlicher und moralischer Hinsicht der Standpunkt Frankreichs ein gerechter und starker ist und dass es in der Festigkeit dieses Standpunktes nichts ändere, ob Deutschland an dem Ratstische fitzt, oder nicht. Sitzung der Locarno-Signatare London. Die Beratung der Locarnomächte begann SamStag um 17 Uhr und endete fünf Minuten vor 18 Uhr. Nach dieser Beratung wurde folgendes Kommunique ausgegeben: Der Delegierten-Ausschuh der Signatarstaaten des Locarnovertrages hielt heute nachmittags im Foreign Office eine Sitzung ab. Nach einem neuerlichen Meinungsaustausch wurde beschlossen, die nächste Beratung sofort abzuhalten, sobald der Bölkerbundrat über die ihm von der französischen und der belgischen Regierung vorgelegten Fragen eine Entscheidung getroffen haben wird. Vrw Zeeland Im Londoner Nebel Dass die Beratungen über' die Zerreissung des Locarnopaktes, die Entsendung der Reichswehr an die französisch-belgische Grenze, die Drohungen gegen das russisch-französische Bündnis und die damit verbundenen„Angebote" nach London verlegt worden sind, hat die Rolle Englands als Schiedsrichter in dem Konflikt auch nach aussen hin betont. Ms Garant des Locarnopaktes und als die europäische Grossmacht, die von Hitlers Vorstoss vorläufig am wenigsten bedroht ist, hat. England die Aufgabe, das entscheidende Wort über die Massnahmen zu sprechen, die als Antwort auf Hitlers Provokation zu treffen sind. Dass es die englische Regierung mit dieser Antwort nicht leicht hüt, ergibt sich aus dem Ernst der Situation, Dass sie es mit ihrer Antwort aber auch, wie schon der bisherige Verlauf der Beratungen erkennen lässt, nicht eilig hat, ist eine Folge der verschiedenen Auffassungen, die in der englischen öffentlichen Meinung und innerhalb des englischen Kabinetts miteinander ringen. Die satirische französische Voraussage, dass die Bera- tungen im„Londoner Nebel", stattfinden werden, dürste sich bestätigen, auch wenn dieser Rebel' schon heute nicht mehr so dicht ist wie am ersten Tage. Mer es muss immer wieder darauf hingewiesen werden, dass gerade die französische Politik Nicht unschuldig an der Entstehung dieses Nebels ist. Hätte der Völkerbund bei Mussolinis Angriff auf Abessinien seine Funktion nach Englands Wunsch erfüllt, dann wäre die Entscheidung für die englische Regierung und die englische Oeffentlichkeit weniger schwer. Aber da der VölkerbuM infolge der BerzögerungS- und Ablenkungstaktil der^französischen-Regierung gegen den Angreifer Mussolini auf halbem Wege stehen blieb, ergab sich für England die Frage, ob man jetzt gegen den Vertragsverletzer Hitler mit voller-Wucht Vorgehen sollte, well die französische Regierung es wünschte. Es konnte niemaMen, der die englische Presse der letzten Monate verfolgt hat, sonderlich überraschen, dass sie den Hilferuf Frankreichs kühl ausgenommen und festgestellt hat, dass Frankreich, welches eben noch einem angegriffenen Völker- buMsmitglied seinen Schutz verweigern wollte, vorläufig selbst noch nicht angegriffen ist. Es wär das Geschickteste, was Sarraut und Flandm unter diesen Umständen tun konnten, dass sie den belgischen Ministerpräsidenten zum Wort- führer der bedrohten Mächte machten; denn gegen Belgien kann von englischer Seite nicht der Borwurf erhoben werden, die GruMsätze des Völkerbundes so umgangen zu haben wie die französische Regierung unter Laval, und auch der alte englische Vorwurf, dass Frankreich durch seine Nach- kriegspolitll gegen Deutschland selbst an der Hit- kerkatastrophe mitschuldig sei, trifft auf Belgien nicht'M. So unwahrscheinlich es ist, dass England sich zu den von Frankreich geforderten Sanktionen bereit erklären wird,' so sicher ist es, dass es der Verurteilung der Rheinlandräumung als flagranter Vertragsverletzung und Bedrohung des Friedens zustimmen uM dass es keinen Zweifel darüber lassen wird, im Falle eines deutschen Angriffs auf Frankreich oder Belgien zur Hilfe gegen den Angreifer bereit zu sein. Wer die Stimmung, die sich der englischen Oeffentlichkeit bei Ausbruch des italienisch-abessinischen Konfliktes bemächtigte, in Erinnerung hat, wird wissen, dass es auch' diesmal England vor allem um den Bestand desVölker- b u n d e s geht, der für die englische Aussenpolitik und für das politische Denken des englischen Volkes weit schwerer wiegt als der Locarno-Pakt. Mit einem Garantiepakt zwischen EnglaM, Frankreich und Belgien ist das Völkerbundproblem nicht gelöst, wie gerade wir in der Tschechoslowakei erkennen müssen(denn es ist mehr als wahrscheinlich, dass sich ein Angriff des Dritten Reiches nicht, rauf, den französischen Festungsgürtel, soMern auf weniger befestigte Grenzen in Mittel-- und Osteuropa richten würde.) Die Lösung'deS Völkerbundproblems erfordert Mer auch eine Liquidierung des italie- nisch-Messinischen Krieges— und eine Einigung Mer die Grundlagen, auf denen der Völkerbund nach dem Austritt JMans und Deutschlands und seiner Torpedierung durch Mussolini stabilisiert werden soll. In dieser Kardinalfrage der englischen Aussenpolitik gehen die Meinungen in EnglaM auseinander. Die relativ klarste These »(die auch von der. Labour-Party überwiegend ge- ^billiat wird) vertritt Anthony Eden.t Sie Seite 2 Sonntag, IS. Marz 1936 Nr. 64 lautet ungefähr: Der Völkerbund mutz, allen Staaten noch eine letzte Gelegenheit geben, sich seinen Grundsätzen zu unterwerfen, er mutz gegen alle Angreifer gleichmäßig vorgehen, ob sie nun Mussolini, Hitler oder Japan heißen, weil er sonst England dazu zwingen würde, sich zurückzuziehen und das Schicksal Europas und Asiens Len Bündnissystemen zu überlassen, die sich dort gebildet haben. Nun ist zwar Eden der englische Staatssekretär des Auswärtigen und einer der populärsten Politiker Englands, aber seine Macht innerhalb der Regierung ist beschränkt. Seine Unterhausrede über Hitlers Paktverletzung ist von Baldwin abschwächend zensuriert worden, weil Baldwin auf dem Standpunkt steht, daß England noch nicht genug ausgerüstet habe, um seinen Willen durchsetzen zu können und daß man deshalb allt Konflikte durch Verhandlungen in die Länge ziehen müsse. Er ist also unter allen Umständen für Verhandlungen über Hitlers„Angebote", obgleich er Hitler im Ernst Wohl nicht mehr für vertragsfähig anfieht. Es wär klar zu' erkennen, daß der„Daily Telegraph", der äks Edens Organ gilt, die Hitlerische Provokation viel schärfer beurteilt hat als die von Baldwin inspirierte„Times", die sich vor allen: mit Hitlers Angeboten beschäftigen, die Rheinlandbesetzung als zwar bedauerlich, aber als vollzogene Tatsache hinnehmen und das Hauptgewicht darauf legen, daß dieser Schritt Hitlers der „Kulminationspunkt" der Hitlerschen Außenpolitik bleiben müsse, nicht aber ein„Präzedenzfall" für sein weiteres Vorgehen. Bezeichnend, aber nicht überraschend ist es, daß— wie überall — auch in England die faschistenfreundliche Reaktion Hitler am wohlwollendsten gegenübersteht. Die„Daily Mail" des Lord Rothermexe (die auch für die Verbreitung des„Führer"- Interviews mit ihrem Korrespondenten Ward Price gesorgt hat) versichert immer wieder, daß Hitlers Schritt ein reinigendes Gewitter gewesen sei, das England den Weg zu unbegrenzter Aufrüstung freimache und dem lästigen Völkerbund endlich den Garaus machen werde. Daß der Lordsiegelbewahrer Halifax den „Diehards" um Lord Rothermere nicht allzu fern steht, erschwert die Entschlüsse der englischen Regierung noch erheblich. Es ist klar, daß Hitler, Ribbentropp und Blomberg mit den englisch-französischen Spannungen und mit den Differenzen innerhalb der britischen Regierung gerechnet, ja daß sie auch die pazifistische und seit der Mussolini-Affäre überwiegend frankreichfeindliche Stimmung in den Kreisen der Labour-Party in ihre Berechnung gestellt haben. Sie haben damit gerechnet, daß England auf den französischen Hilferuf langsam reagieren, daß Mussolini sich in Schweigen hüllen wird, weil ihm durch die Rheinlandbesetzung die Verhängung der Oelsanktionen erspart btreb, daß die Reaktionäre- aller Länder Hitlers Tiraden gtgen die Sowjetunion mit Wohlwollen aufnehmen würden, daß Eden das Angebot der deutschen Rückkehr in den Völkerbund nicht einfach übergehen und daß Baldwin die Gelegenheit zu Verhandlungen ergreifen würde. Aber die Frage ist doch, ob sie damit mehr Zeit gewonnen haben. Demi die anfangs geteilten Meinungen des englischen Kabinetts scheinen sich immer mehr aus die Formel zu einigen, daß man Hitler nicht mehr als eine„Bewährungsfrist"(wie der„Daily Herald" es nannte) zum Beweise dafür bewilligen könne, daß er es mit seinen neuen„Ange-| boten" ehrlich meint; die Völkerbundfeinde der englischen Reaktion kommen im Ernstfälle als Verbündete Deutschlands nicht in Frage und die vorläufig unentschiedene Haltung der Labour- Party wird bei dem für nächste Woche geplanten Londoner Gewerkschaftskongreß wohl eine unmißverständliche Wendung gegen Hitler nehmen. Hinzu kommt die noch ungelöste Frage, wie weit Hitler im Einverständnis mit Mussolini gehandelt hat, dessen BundeSgenoffenschast die Stimmung in England vollends feindselig gegen ihn stimmen wLÄe. Auch ein Bündnis nut Jcchan würde im Ernstfälle England zum Kriegsgegner machen, weil Japan, nicht nur ZowjetrußlandS, sondern auch Englands asiatischen Besitz bedroht. Die wirkliche Schicksalsfrage, vor der die Welt heute steht, spitzt sich darauf zu, ob Hitler mit der Rheinlandbesatzung nur einen„Erfolg" zur Hebung der Stimmung im Dritten Reich bezweckt hat— oder ob es der letzte Schritt auf der Bahn war, die zum Kriege führt. Im ersten Falle ist es möglich, daß die Londoner Beratungen ihm einen gewissen Vorteil bringen^ Im anderen Falle aber werden sie seine Chancen eher verringern als vergrößern. Die Aeußerungen des ehemaligen englischen Außenministers Austen Chamberlain Aufstieg des AuBenhandels Im Feber gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres Nach den Erhebungen des Statistischen Staatsamtes weist unser Außenhandel ün Monate Feber 1938 folgende Daten aus: ES betrug die Einfuhr im reinen Warenverkehr 845,885.900 XL(in der gleichen Fest des Bcr- jahreS 415,020.000 Xc), die Ausfuhr 599,470.000 Kö(519,143.000 XC). Die Handelsbilanz war also im Feber 1936 mit dem Betrag« von 54,085.000(104,128.000 XL) aktiv. Für die beiden ersten Monate 1936 stellt sich die Sache wie folgt: Einfuhr 1075,843.000 (830,006.000), die Ausfuhr 1095,472.000 (995,456.000). In den beiden ersten Monaten war also die Handelsbilanz des reinen Warenverkehrs 1936 mit 19,629.000 XL aktiv (165,450.000 XL aktiv). Daraus ist also zu entnehmen, daß im Feber 1936 gegenüber Feber 1935 eine immerhin bemerkenswerte Steigerung des Außenhandels eingetreten ist. Dabei ist die Einfuhr noch stärker gestiegen als die Ausfuhr, so daß das Akti- vum etwas geringer geworden ist. Für die Beseitigung der Rechtsunsicherheit in den Dienstverhältnissen der Gemeindebeamten und-Angestellten Die böhmische Laude-vertretung wurde für den 17.«März d. tzt.-zu einer Sitzung-«inberuson. Im Einlaufe der Sitzung befindet sich u. a. ein Antrag der LandeSvertreterS Dr. Otto Hahn(Reichenberg), in welchem die Beseitigung der Rechtsunsicher, heit in den Dienstverhältnissen der Gemeindebeamten und-Angestellten gefordert wird. Der Anttagsteller führt unter Hinweis äuf eine Reihe gesetzlicher Bestimmungen aus, daß viele Selbstverwaltungskörper bei Anstellungen bestehende gesetzliche Borschristen, sei eS mm au- Unkenntnis oder auS anderen Gründen, nicht«ingehalten haben. Jetzt wird nun von den Aufsichtsbehörden bei den Revisionen die Einhaltung aller gesetzlichen Formvorschriften genau geprüft und eS werden oft Dienstverhältnisse für ungültig oder nichtig erklärt, die schon viele Jahre lang bestehen, bloß aus dem Grunde,.weil besttmmte Formalitäten (eines Bruders des Schatzkanzlers Neville Chamberlain, der jetzt an den Verhandlungen im St. James-Palast teilnimmt) beweisen, daß sogar in den Reihen der englischen Konservativen die Auffassung vertreten ist, daß die finanziellen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Dritten Reich(die durch Schachts Zurückhaltung in letzter Zeit deutlich genug betont werden) Hitler auf «nen Weg getrieben haben, auf dem eS kein Zurück mehr gibt. Die Bereitwilligkeit Englands, Frankreich und Belgien bei einem Angriff zu helfen, und die Gegnerschaft Englands gegen dtt möglichen Verbündeten Hitlers, Italien und Japan» werden ein« ernste Warnung für ihn sein. Eine Festigung des Völkerbundes, die wir darüber hinaus dringend erhoffen, könnte auch einen mittel- oder oschreußischen Angriff Hitlers zur Aussichtslosigkeit verurteilen. WaS freilich auch die beste Diplomatie in London nicht lösen kann, ist die Frage, ob Hitler nicht auch ohne SiegeSauSsichten sich in eine Katastrophe stürzen wird, wenn sie ihm als das letzt« Mittel zur Rettung seiner wankenden Position erscheint. nicht eingehalten wurden, z. B. weil di« Stellenausschreibung nicht vorschriftsmäßig erfolgte oder weil die Abstimmung der Gemeindeverttettmg über die Anstellung des betteffenden Bewerbers nicht mir Stimmzettel geschehen ist oder dergleichen. Der Scha- -den, welcher durch die Nichteinhaltung gesetzlicher Formvorschriften entstanden ist, ttifft so nicht die Selbstverwaltungskörper, die diesen Schaden verursacht haben, sondern den unschuldigen Angestellten, der ja vor seiner Anstellung keinerlei Einfluß darauf nehmen koNMe, daß die Sitzung ordentlich einberufen wird, daß die Stellenausschreibung ordentlich durchgeführt wird, daß die Abstimmung mit Stimmzettel erfolgt, daß die Beschlüsse der Aufsichtsbehörde zur Genehmigung vorgelegt werden usw. Ost büßt der Angestellte diese von anderen begangenen Fehler durch den Verlust seiner Existenz. Der Anttagsteller ' führt einige konttete Fälle an, in welchen das Anstellungsverhältnis von Beamten, die durch ein Menschenalter im öffentlichen Dienste gestanden waren, aus solchen Gründen einfach annulliert und d:n Beamten die Leben-Möglichkeit entzogen worden ist und er fordert,«S möge ein Gesetz geschaffen werden, welches die Annullierung von Anstellunasver- hälwiffen auS dem Grunde rein formaler Mängel unmöglich macht und die RechtSficherhett in den Dienstverhältnissen der Gemeindebeamten und-Angestellten wieder herstellt. Das Präsidium der Landesbehörde wird ersucht, in dieser Richtung beim Ministerium des Innern einzuschreften. Beran für Demokratie Der Vorsitzende der Republikanischen Partei, Abg. Beran, hielt am Freitag im Rundfunk eine Rede, in der er ü. ä. sägte!"" Wir alle glauben daran, daß die demokratische Staatsform die sicherste Garantie der Freiheit des Staates ist. Der Schutz der Demokratie ist unsere gemeinsame Sache. Auch wenn verschiedene Fra- gen die politischen Parteien trennen, die Demokratie führt sie alle in ritten Haufen zu gemeinsamer Arbeit und zu gemeinsamem Ringen zusammen. Als Staat und Nation haben wir Freunde und Gegner. Wir würden für den Feind arbeiten. Uns selbst schwächen, wenn wir es zulasten würden, in unseren Parteien Illoyalität zu züchten, gegettseiti« ges Berächtigen und übermäßiges Kritisieren. Aus maßloser Kritik und zwischenfraktionellen Kämpfen würde der Geist des Unglaubens wachsen, des Miß« trauens u. daraus Defaitismus und Ratlosigkeit. Kritik schafft kein Milieu für die Zusammenarbeit, nach der wir alle rufen. Es sind ernste Zeiten, die bei unS nicht lleine Manschen vorfinden dürfen. Wir müssen uns der großen Verantwortung bewußt sein, die wir für die polittsche und wirtschaftliche Leitung deS Staates ttagen. Niemals dürfen wir daher von der Verantwortung davonlaufen. Die Leute guten Willens und ehrlichen Wollens müssen zusammenrücken.'. Di« Schiedkommiffion für di« Festsetzung der Banmaterialpreis«. In letzter Zeit wird die Oeffentlichkeit durch Nachrichten beunruhigt, daß nicht die erforderlichen Maßnahmen gegen die unbegründete Verteuerung von Baumaterialien ergriffen werden, welche auf die wünschenswerte Entfaltung der Baubewegung in der bevorstehenden Bausaison störend einwirken könnte. Namentlich wird hiebei hervorgehoben, daß bisher die bei den Landesämtern auf Grund der Regierungsverordnung 27/1936 errichteten Schiedskommissionen nicht einberufen wurden. Zu diesen Nachrichten muß bemerkt werden, daß diese Kommissionen erst dann eingreifen können, wenn das Lan- deSamt durch detaillierte Untersuch u n g bei Unternehmungen eines bestimmten Produftionszweiges feststellt, daß die Preise der von diesen Unternehmungen erzeugten oder verkauften Baumattrialien nicht angemessen sind. Diese Untersuchung haben dtt Landesämter bei allen Arten von Baumaterialien, die in letzter Zeit verteuert wurden, und zwar gleich nach Verlautbarung der erwähnten Verordnung ringe l e i t e t. Bei den Landesämtern Wetwen vorläufig für die einzelnen Baumaterialien Kommissionen errichtet, die, sobald die eingeleittte Untersuchung beendet sein wird, ihre Tätigkeit werden beginnen können.(Amtlich.) Der Rechtsbettat einverufen. Der Vorsitzende der Regierung Dr. Milan H o d Z a berief den von ihm beim Ministerratspräsidium gebildeten Rechtsbeirat zu seiner ersten Sitzung für den 24. März d, I. in die Empfangsräume des Ministerratspräsidiums ein. Der ersten Sitzung wird bereits ein umfangreiches Arbeitsprogramm vorliegen. Neber die Bedürfnisse der territorialen Selbstverwaltung beriet das erweiterte Präsidium der böhmischen Landeszenttale der Gemeinden, Städte und Bezirke. Unter Vorsitz des Landesausschuß- Beisitzers O. K y p r wurden dtt Hauptmängel der vorbereiteten weiteren Novelle des Aprilfinanz- gesetzeS aus dem vergangenen Jahre durchberaten. Dabei wurde konstatiert, daß weitere Verzögerungen mit der endlichen Durchführung des Gesetzes Nr. 69/1935 neue Schwierigkeiten finanziellen und moralischen Charakters Hervorrufen würden. Auch die Durchführung des Gesetzes üb».: die Sprengelbürgerschulen' ist ohne die Regelung der autonomen Finanzen einfach undenkbar. Die Gemeinden werden neuerlich ersucht, bei Mer Durchführung dieses Gesetzes sehr umsichtig zu Werke zu gehen, da ohne absolut gedeckte finanzielle Bedeckung an den Bau neuer Schulgebäude nicht herangegangen werden kann. Einstimmig wurde beschlossen, weitere Interventionen bei allen verfassungsmäßigen Faktoren zu dem Zwecke vorzunehmen. der Selbstverwaltung durch die rasch: Durchführung des Gesetzes zu helfen. Weiter wurde der Entwurf eines Organisationsstatuts der ganzstaatlichen Delegation der Selbstverwal- tungsorganisationen in der Republik angenommen, Bericht über die Versicherung der Selbstver- walttmasangestellten erstattet' 84- MÄNNER, FRAUEN Bund waffen| Roman von Manfred Georg Copyright by Dr. Manfred Georg, Frei In der ersten Bestürzung wich vor dieser Bestimmtheit die Frau zurück und mit ihr spaltete sich die Menge ihrer Anhänger. Aber kaum war der Zug mit seiner Spitze in der Gasse, die freigegeben war, so ranntt die Faust eines Mannes einem der Sargttäger einen Hieb in dtt Seite, daß dieser aufftöhnte und zusammenknickte. Dadurch fiel der Sarg und riß die anderen Träger mit. Dies wurde das Signal zu einem allgemeinen Kampf. Es gab ein wildes Durcheinander, über dem noch kurze Zeit die Kirchenfahne schwanktt, dann sank auch sie herunter. Von ferne hörte man ein Trompettnsignal. Die Polizei war offenbar mobilisiert worden, und da man mußte, daß stt oft in stteitende Haufeit schoß, ohne erst viel zu untersuchen, ob stt nicht einen Falschen ttaf, stoben alle auseinander. Binnen kürzester Frist war der Platz leer. In der Mitte lag die zerbrochene Kirchenfahne, lagen Schirme, Stöcke, Hütti Kleiderfetzen, Tuchreste und aus ihren Trümmern stand schief der beim Fall geborstene Sarg. Der Deckel war herunter» gefallen, und der Tote lag verrenkt, grausig anzusehen so auf den Sttinen, als krieche er gerade unter dem ihn überstülpenden Teil des Sarges hervor. Die Polizeigardisten fanden kein« Arbeit mehr vor. Sie sammelten die Ueberreste d«s Kampfes, packten mit Witzen und Gebärden des Abscheus den aufgeguollenen Leichnam wieder in den Sarg zurück und übergaben diesen dem Priester und seinen Mönchen, die sich unterdessen wie-s der genähert hatten.* Schumann unterhielt sich mit dem Offizier, der die Abteilung führte. Dieser war pessimistisch: „Die Regierung hat viel versäumt. Sie hat die Rechte nicht niedergehalten und der Linkeit nicht gegeben, WaS stt ihr versprochen hatte. Jetzt ist alles in Bewegung gekommen. Die einen glauben, sie können angreifen, die andern glauben, sie müßten dem Angriff zuvorkommen. Wenn nicht ein Wunder geschieht, stecken wir bald mitten drin im Aufruhr. Solche Szene, wie die, die sich da vor Ihren Augen abgespielt hat, nehmen wir gar nicht ernst. Aehnliches passiert jetzt öfters. Aber Sie als Fremder täten gut daran, sich auf jeden Fall ein wenig fernzuhalten." Schumann zeigte ihm zur Beruhigung seinen Austveis. Der Offizier war sichtlich erfreut. Er erinnerte sich an den Namen Gabriele Schumann, da der Polizeileiter ihn an alle Bezirkswachen zur,Ausforschung weitergegeben hatte. Sie gingen vor dem großen Kirchenportal, vor dessen linker Nische ein unablässig vor sich hin jammernder Bettler eine Litanei um Erbarmen schnurrte, auf und ab. Während des Gesprächs erwähnte Schumann auch die Vermutung, daß ein Hellseher namens Mardricr aus seiner Tourgee vermutlich Gabriele hier gesprochen hab«. „Aber ich erinnere mich sehr gut an diesen Borttag," rief der Offizier aus.;,Die ganz» Stadt sprach davon. Wissen Sie, es wäre doch gut. Sie gäben eine Annonce auf: Alle Leute, die mit Mardrier experimentiert hätten, sollttn sich melden." Ungeduldig wartete Schumann, daß es vier Uhr nachmittags würde. Die Annonce war am vorhergehenden Tag erschienen. Schumann hatte darin alle Interessenten in sein Hotel bestellt. DaS Vorzimmer war voll. Es waren ungefähr zwanzig Personen darin, von ihnen hatte zehn den Vortrag überhaupt gar nicht besucht, sondern nur etwas davon gehört. Aber sie waren auf alle Fälle gekommen und boten ihre Unterstützung an. Dann kamen fünf, die zwar im Vortrag gewesen waren, aber sich keineswegs irgendwie beteiligt hatten. Die sechzehnte Person war der Saaldiener, der aus seiner Wut gegen Mardrier kein Hehl machte. „Oh," rief er aus,„ich erinnere mich noch sehr gut an diesen Schurken." Auf näheres Befragen ergab sich, daß er kein Trinkgeld bekommen hatte von Mardrier— und daß er ihn überhaupt mit einem gewissen Marion verwechselte. Nummer siebzehn und achtzehn hatten vom Publikum aus Fragen an Mardrier gestellt, die dieser beantwortet hattt. Nummer neunzehn hatte mit ihm auf der Bühne experimentiert und ihm einen Ring gegeben.„Aber er hat ganz Falsches erzählt. Hat er Sie auch betrogen?" Schumann verneinte die- höflich und holte, das Herz voll Verztveiflung, Nummer zwanzig herein, ein junges Mädchen von ettva Mitte Zwanzig. Stt war Medizin-Studentin. „Ich komme zu Ihnen," begann sie,„weil mir schon neulich in der Zeitung Ihre Annonce aufgefallen ist. Außerdem war ich damals bei Mardrier. Und zwar mit einer bekannttn Dame. Es war eigentlich nur eine flüchtige Bekannte. Sie hieß auch nicht Schumann. Aber wenn ich mich nicht sehr irre, hat stt einmal ganz kurz erzählt, daß stt früher ungefähr so geheißen habe. Wir waren gemeinsam in'das Hotel gegangen, wo Dkardrier den Abend abhiell, und stt ging aus die Bühne zu ihm. Ich hörte, daß stt, als er sie nach ihrem Namen fragte, erst den nanntt, unter dem ich stt auch kannte, dann aber leise Mardrier noch etwas zuflüsterte, was man im Saal nicht verstand. Wahrscheinlich, weil er vorher angekün- digt hatte, daß es gar keinen Zweck hätte, mit ihm Experimentt zu machen, wenn man etwa beabsichtige, ihn dabei durch falsche Angaben irre zu führen." „Und,dann, und dann...?" forschte Schumann weiter. Er fühltt sich wie ein Reisender, der sich jahrelang den Besuch eines Ortes gewünscht hat und nun, angekommen, es für fast selbstverständlich hält, daß sich ihm seine Sehnsucht erfüllt hat. Er war ganz ruhig. Er spürte seine beiden Handflächen auf der Stuhlkante aufliegen und konstatierte, daß sie splittrig war. Das Mädchen vor ihm, ein dunller, bescheidener, braver Studen« ttnnen-Typ, war schlecht gepudert und hatte einige nicht angenehme Bläschen auf der linken Wange. „Wissen Sie denn wenigstens, wie sie unge« führ hieß? Und ist Ihnen nicht ausgefallen, daß sie am Finger der einen Hand eine kleine Verstümmelung hatte?" „Doch, doch," bestättgte dtt Studenttn lebhaft,„ich weiß es sogar genau, weil ich mich zuerst davor etwas geekelt habe. Damals fing ich erst an Medizin zu studieoen," fügte sie entschul« digend hinzu,„und ihr Name war ungefähr, nein, nein, nicht ungefähr, sondern— jetzt fällt eS mir ein— ganz bestimmt: Saavedra. Man vergißt so etwas, obwohl ich ihn mir gleich merkte wegen der Synonymität mit dem Cervantes-Geschlecht."" „Was tat sie denn?" „Hier war stt nur auf Ferien. Stt war Bibliothekarin in Limeo. Vermutlich wird sie noch dort sein. Es ist ein elendes Nest, rauhes Klima oben in den Nordbergen. Kohlengruben, eine ewig unzufriedene Bevölkerung. Mir würde eS dort nicht gefallen. Aber darf ich eigentlich fragen, wer Sie sind, mein Herr?" Sie trat erschrocken einen lleinen Schritt zurück. Der fremde Mann mit dem zerfurchten Gesicht und grauen Haar hatte unnatürlich geweitett Augen und lehnte, beide Arme über dem Kopf nach den Seiten ausgestreckt gegen die Wand pressend, an der Mauer. Die Adern der Stirn waren geschwollen und er brüllte etwas heraus, was Pas Mädchen gar nicht verstand, weil eS nur stockend vorgestoßene, unartikulierte Laute waren. (Fortsetzung folgt.). 9?r. 64 Sonntag, 15. März 1936 Seite 3 Jndctcndcutscficr£eitspie£et ebenso Ar- Zum Prozeß der österreichischen Sozialisten Schüler als Messerhelden. Zwischen zwei Schülern in R o t h a u war während der Pause ein Streit entstanden, der schließlich in Tätlichkeiten auöartete. Währen- der Rauferei zog plötzlich der eine Knabe ein Messer aus der. Tasche und stach es seinem Gegner, einem elfjährigen Jungen, mit solcher Gewalt in die Brust, daß der Getroffene schwerverletzt, zu Boden sank. Man brachte den Jungen ins Graslitzer Krankenhaus. Dr. Mfred Meißner, Abgeordneter, Vorsitzender des Klubs der sozialdemokratischen Abgeordneten, gewesener Justizminister(Tschechoslowakei), F. W. Pethi.ck-Lawren c e, Mitglied des Unterhauses, gewesener Unterstaatssekretär im Finanzministerium(England). Dr. FrantiSek Soukup, Senator, Präsident der Vereinigung der tschechoslowakischen Juristen, ehemaliger Justizminister(Tschechoslowakei), Josef S t i v i n, Abgeordneter, Vizepräsident der tschechoslowakischen Gruppe der Jnterparlamen, tarischen Union, gewesener Vizepräsident des Abgeordnetenhauses(Tschechoslowakei), Siegfried Taub, Abgeordneter, Sekretär der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (Tschechoslowakei), "ranz T o m a§ e k, Senator, Vorsitzender des Klubs der sozialdemokratischen Senatoren, gewesener Präsident der Nationalversammlung (Tschechoslowakei), Emile Vandervelde, Präsident der Belgischen Arbeiterpartei(Belgien). sche Regierung allein verantwortlich, Sozialisten und Arbeitern alle Mit Propaganda ihrer Ideen und des gesetzlichen Kampfes 4. Die Angeklagten werden keiner gewaltsamen Handlung, politischen Gesichtspunkten inspiriert, unerhört wie— angesichts des sudetendeutschen Kinderelends— verabscheuungswürdig ist. Diejenigen Kreise, welche die„Volkshilfe" gemacht baben, um ein paar arme Ovfer der Krise in die SdP zu locken, sollten lieber vor Scham schweigen als andern ihre eigenen Motive unterzuschieben und so ihre Schande auf dem Markt auszuschreien. Und eine Schande bleibt es, wenn man ein so menschenfreundliches Werk wie die Hilfe für Arbeitslosenkinder nur deswegen in den Kot zerrt, weil es der Initiative eines deutschen So» zialdemokraten entspringt. Hätte eS rin bürgerlicher Tscheche getan, wäre alles in Ordnung gewesen, well es aber ein deutscher Sozialist in Angriff genommen hat, ist es schlecht. Und das nennt man„Bolks- gemeinschaft". Lute Werbearbeit für die Presse Nachdem am 15. Feber im Bezirke Graslitz etwa 1400 Exemplare der Sonderausgabe „Grenzland" des„Volkswille" zum Verkauf gebracht worden waren, wurde anschließend eine Werbeaktion für den„Volkswille" und die „Volkszeitung" durchgeführt, die, in Anbetracht der wirtschaftlich außerordentlich ungünstigen Verhältnisse im Bezirke, ein überaus erfreuliches Ergebnis zeitigte. Es wurden 2 0 2 neue Abonnenten für unsere beiden Zeitungen geworben. Den Vertrauensmännern, die sich in den Dienst dieser Werbearbeit gestellt hatten, gebührt hiefür der beste Dank. Der Leitaufsatz der„Zeit", des Hauptblattes der SdP, pom Samstag gehört zu den hemmungslosesten und demagogischsten Aeußerungen, die in den Blättern dieser Partei bisher gestanden haben.• üßaä ist geschehen? Dank der Initiative des Gesundheitsministers Dr. Czech werden in der Nächsten Zeit an 10.000 Kinder von Arbeitslosen, die unschuldigsten Opfer der Krise, der Heilfürsorge zugeführt. Man sollte glauben, daß ein so humanes Werk überall Zustimmung finden wird. Gefehlt. Die„Zeit" speit Gift und Galle und zieht gegen eine Aktion vom Leder, die tausenden ausgehungerten. kranken, unterernährten sudetendeutschen Kindern Erholung, Glück und Freude bringen fall— bringen wird. Vor allem geht die„Zell" mit dem Argument hausieren, die Maßnahme des Gesundheitsministers sei„nur ein Tropfen auf einen heißen Stein". Sicherlich gibt es weit mehr fürsorgebe- dürfttge sudetendeutsche Kinder, die von dieser Aktion erfaßt werden können. Minister Czech hat auch von HauS aus erklärt, daß— gemessen an dem durch die Krise hervorgerufenen Kinderelend— das alles zu wenig sei. Trotzdem muh man glücklich sein, daß ein erster Schrllt gemacht wird, um das Elend der Arbeitslosenkinder zu mildern, denn jeder Schritt wirklicher Hilfe ist mehr wert als alles Gerede des Henlein von Bolksgemein- schaft, Aufbruch, Lösung der Verkrampfung und wie all die Phrasen der Kameradschaftsbünd- ler lauten. Man beachte! Die ganze mit großem Tamtam in Szene gesetzte, mit Hilfe der sudetendeutschen Kapitalisten durchgeführte„Volkshllfe" wird nach den Angaben der Veranstalter sieben bis acht Millionen bringen. Für die in Rede stehende Aktton bewilligt der Staat fünf Millionen, welche einzigund allein für eine bestimmte S'ch i ch t, nämlich für die Arbeitslosenkinder und für niemanden andern sonst bestimmt sind. Daneben wurden gegeben für die Jugendfürsorge vorn Fürsorgeministerium 16 Millionen, pom Gesundheitsministerium weitere fünf Millionen, für die staatliche Milchaktion für Kinder wurden 29.6 Millionen ausgegeben und hiebei 14 Ö. 000 Kinder regelmäßig bedacht, für die Heimstätten 3.5 Millionen, für die Bespei- sungsaktion drei Millionen, für die BekleidungS- aktion ebenfalls drei Millionen, Weihnachtsaktion sechs Millionen, nicht zu reden von Ferial- und Erholungsaktionen, die vom Staat unöffentlichen Organisationen unternommen wurden. Hunderttausende Kinder wurden hiebei bedacht — Grund genug für die„Zeit" dieses große Werk der Menschen- und Kinderliebe herabzn- setzen. Warum das die SdP, welche für diese Ausschreitung ihres Hauptorgans die volle Verant- worttmg trägt, tut, wird klar aus den armseligen Argumenten, welche da zusammengettagen werden. Den Herrschaften paßt nicht die Mitwirkung der Schul« und Bezirksärzte— vermutlich sollten nur Aerzte herangezogen werden, die ein Mitgliedsbuch der SdP, womöglich mit niedriger Nummer haben. Die Sozial- k o m m i ss i o n e n, welche bei der staaüichen Aktion mitwirken sollen, seien angeblich unter sozialistischem Einfluß, obzwar sie aus allen Parteien zusammengesetzt sind. Freilich reden da die Vertrauensmänner aller Volksschichten mit, was den Henleinleuten nicht paßt. Endlich führt die Zeit Klage darüber, daß die Bezirksjugendfürsorgen nicht herangezogen werden. Dazu ist zu sagen, daß mit den Landeskommissionen für Kinderschutz und Jugendfürsorge verhandelt wurde und die Vertreter derselben eingesehen haben, daß eine Mitwirkung gerade bei dieser Aktion nicht leicht möglich ist, und zwar deswegen, weil die Jugendfürsorgen die Kinder gleichmäßig betreuen, während es sich hier um eine Aktion für die Arbeitslosenkinder handelt. Die Bedeckung für diese Aktion stammt nicht aus den Mitteln, die für die Jugendfürsorge, sondern aus jenen, die für die Arbeitslosen bestimmt sind. Man sieht also, daß bei der Aktion für die Kinder der Arbeitslosen, rein von humanitären, fürsorgerischen, zweckmäßigen Zwecken ausgegangen wird und daß der Borwurf, diese kinderfreundliche Maßnahme sei von irgendwelchen Die für Sonntag, den 22. Mürz, einberufene Parteikonferenz findet inPrag XII., kleiner Radiosaal, Fochova 561, statt. Sudetendeutsche Partei gegen Klnderhilffsaktion Besudelung eiifes menschenfreundlichen Werkes (P. G.) Zu dem am 16. März in Wien beginnenden großen Hochverratsprozeß wurde der österreichischen Regierung folgende Erklärung übermittelt: Der Wiener Staatsanwalt erhebt gegen 27 Männer»nd Frauen die Anklage, sie hätten durch ihr« Mitarbeit bei der Gründung und Organisierung einer geheimen rrvoluttonären Pattei„Bereinigte Sozialistische Pattei OesterrttchS" das Verbrechen des Hochverrats begangen. Gegen zwei von den Angeklagten» gegen den Redakteur der Wiener„Arbeiter-Zeitung", Karl HanS Sailer, und gegen die Textilarbeiterin Marie E m h a r t erhebt der Staatsanwalt di« Anklage auf Grund eines Paragraphen, der die angrklagte Tat mit Todesstrafe bedroht. Tie übrigen Angeklagten werde« auf Grund eines Paragraphen angeklagt, der sie mit jahrzehntelangen Ketterstrafen bedroht. Angesichts dieser Tatsache halten eS dir Unter zeichneten für ihre Pflicht» vor der öffentlichen Meinung der Welt zu erklären: 1. Ueber die Gründung und die Ziele der, sozialistischen Partei, wegen deren Organisierung di« 27 Angeklagten vor Gettcht gestellt werden, ist daS Bureau der Sozialistischen Arbttter-Jnternational« unmittelbar durch Delegierte der österreichische« Sozialisten, sowie durch seinen Sekretär Friedttch Adler, der an dieser Gründung mitgewirkt hat, informiert worden. 2. Die»engegründete Partei ist eine sozi alistischePartei. Sie ist der S o z i a. li st ischen Arbeiter-Internationale angeschloffen. Sie erstrebt dieselben Ziele, die alle.,,anderen der Sozialistischen.Arbeiter-Internationale angeschloffenen Parteien erstreben; dieselbe» als» wir die Britische Arbeiterpartei, di« Französische sozialistisch« Pattei, die sozialdemokra- tischen Parteien Schwedens und Dänemarks, deren Mttglieder an der Spitze der Regierungen ihrer. Linder stehen, dir Belgische Arbeiterpattri und die beiden sozialdemokratischen Parteien der Tschechoslowakischen Republik, die an den Regierungen ihrer Länder teilnehmen. 3. Ter Staatsanwalt beschuldigt die öfterreichi schen Sozialisten, daß sie„eine gewaltsame Veränderung der Regierungsform, die Herbeiführung einer Empörung»der eines BürgettttegeS im Innern" anstreben. Dazu ist zu sagen: Die österreichische Sozialdemokratie hat, solange Oesterreich eine demokratische Republik gewesen ist, ihre Ziele mit gesetzliche« Mitteln, durch Gewinnung der Mehrheit des Volkes für ihre Ideen zu erreichen vettncht. Wenn heute dir österreichischen Sozialisten für ihre^ Ziele nicht mehr mit den gleichen Mitteln kämpfen können, so ist dafür die österreichi- die den österreichischen tel der gesetzlichen für ihre Ziele entrissen hat. nicht einmal des Versuchs ttnrr solchen beschuldigt. Sie werden mit der Todesstrafe oder mit jahrzehntelangen Kcttrrstrafen nur deshalb bedroht, weil sie an einer Konferenz teil genommen, eine sozialistisch« Pattei zu begründen beschlossen und die Werbung für ihre Gesinnung organisiert habet». Die Unterzeichneten brandmarke» vor der öffentlichen Meinung der ganzen zivilisierten Welt die Tatsache, daß die bloße Beknndnng sozialistischer Gesinnung mit Todes st rafe oder mit jahrzehntelangen Kerkrrstrafen be st rast werden soll— eine Tatsache, die an die schlimmsten Untaten Razi-DeutfchlandS erinnert und den günstigen Eindruck, den die zu Weihnachten erfolgte Amnestierung eines Teils der Teilnehmer am Frberaufstand 1934 erweckt hat, vollständig verwischt. 5. Dir Unterzeichneten rttlären: Der Fried« Europas würde sowohl durch den Anschluß Oesterreichs an Razi-Deutschland, als auch durch die Restauration der Habsburger in Oesterreich schwer gefährdet. Streben die Nationalsozialisten in Oesterreich nach dem Anschlnß, so strebt daS herrschende faschistische Regime nach der Restauration der Habsburger. Rur di« Sozialistisch« Partei in Oesterreich kämpft sowohl gegen den Anschluß, als auch gegen die Restauration, sowohl gegen die Hegemonie Berlins als auch gegen die Hegemonie R« mS an der Donau. Die Sozialistische Pattri kämpft als» gegen beide Kriegsgefahren» für die Politik, die den Interessen des europäischen Friedens dient. Wir protestieren deshalb vor ganz Europa dagegen, daß die Zugehörigkeit zu einer polittschen Pattei, deren Sieg in Oesterreich wie anderswo die Sache deS Friedens fördern würde, mit Krtter»der Tod bestraft werden soll. Im Namen deS Friedens, der durch den Anschluß»der die Restauration, in gleicher Weise gefährdet wäre, fordern die Unterzeichneten Gesinnung-- und OrganisationSfreihrit für die österreichischen Sozialisten. Harold Akerberg, Abgeordneter, Vorsitzender der sozialdemokratischen Fraktion der Ersten Kammer(Schweden), I. W. A l b a r d a, Abgeordneter, Vorsitzender der sozialdemokratischen Fraktion der Zweiten Kammer(Holland), Leon Blum, Vorsitzender der sozialistischen Kam- . merfraktion.(Frankreich), Louis deBrouckere, Vorsitzender der Soziali stischen Arbeiter-Internationale(Belgien), Joseph C o m p t o n, Mitglied des Unterhauses (England), Robert Grimm, Nattonalrat(Schweiz), Anton H a m p l, Abgeordneter, Präsident J>er Tschechoslowakischen Sozialdemokratischen beiterpartei, gewesener Ärbeitsminister(Tsche choslowakei), H. H e r d t o f t- H a n s e n, Mitglied des däm- schen Reichstages. Sekretär der Sozialdemokra tischen Partei(Dänematt), Z. Hoeglund, Abgeordneter(Schweden), Jean L o n g u e t, Abgeordneter, Vizepräsident des außenpolitische» Ausschusses der französi schen Kammer(Frankreich), Brief an den Zeit[Diegel! Eine Genossin schreibt uns: Dienstag, den, 10. März, wurden von einigen reichsdeutschen Sendern im Rahmen des Schulfunks zu dem Thema„Was weißt Du von dem 100-MiUionen-Volkf“ einige Szenen gesendet, die es verdienen, in die tschechoslowakische Oeffentlichkeit zu kommen, da sie die gröbsten Unwahrheiten über die Zustände im sudetendeutschen Gebiet enthalten. Aus der erwähnten Sendung konnte ich folgendes festhalten: Ein Sudetendeutscher war nach längerer Abwesenheit in seinem Heimatsdorfe zu Besuch und erzählte nun den reichsdeutschen Schulkindern von den„Erlebnissen“, die er dort hatte. U. a. wurde behauptet, daß bei uns die Leute nur noch auf„freiem Felde“ miteinander reden könnten; in einem Raum wären sie nicht mehr sicher vor Spähern und Denunzianten. Bei den Gerichten, auf den Behörden und Bahnen, kurz überall, dürfen sie bloß die Staatssprache gebrauchen; wer sie nicht beherrscht, müßte sich eben eines Dolmetsch’ bedienen. Den Kindern sei die deutsche Schule genommen worden, in der fremdsprachigen Schule aber wäre die deutsche Sprache als Lehrfach ausgeschaltet, so daß die deutschen Kinder aufwachsen müßten wie das liebe Vieh, ohne lesen und schreiben zu lernen. An dem Dorfgasthaus(der Schilderung nach dürfte es sich um ein rein deutsches Dorf handeln) dürfe die Anschrift bloß in der Staatssprache angebracht sein, auch das Preisverzeichnis dürfe nur einsprachig, und zwar wieder nur in der Staatssprache sein. Um den Schulkindern recht deutlich vorzuführen, wie roh dabei zu Werke gegangen werde, wurde eine Gasthausszene gefunkt, wobei zwei„Landjäger 11 aufzutreten hatten. Der eine sagte in gebrochenem Deutsch— dabei auf eine tschechische Anschrift weisend:„In drei Tagen werdet Ihr das auf gehängt ham oder werdet zahln Strafe; Staat braucht Geld!“ Sein Begleiter wurde von den Anwesenden als ein Einheimischer erkannt, der als minderwertiges, wegen diverser Raufhähdel bereits vorbestraftes Individuum hingestellt wurde.(Damit sollte wohl angedeutet werden, daß alle im Staatsdienst stehenden Deutschen in der öSR solche Charaktereigenschaften ausweisen f) Schließlich hieß es in der Sendung weiter, daß über all diese Zustände im Sudetengebiet die größte Erbitterung herrsche. So kam ein besonders Verzweifelter in einer Szene auf„freiem Felde! 1 zu Worte, der seinen Entschluß mitteilte,, ins Reich auswandern zu wollen, da er es hier nicht mehr aushalten könne. Doch da setzte ihm sein„Kamerad 11 den Kopf ordentlich zurecht, Ein Auswanderer käme in diesem Falle einem feigen Ausreißen gleich; das deutsche„Mutterland,“ habe selbst genug arbeitslose Menschen zu versorgen. Außerdem käme ja dann dös Stück Brot und die Unterstützung, die der„Verzweifelte" bei uns bekommt, einem Fremdsprachigen zugute. Und der Hauptgrund: der deutsche Boden müsse deutsch bleiben und bis zum letzten Augenblick verteidigt Werden. Schließlich sagte der „Kamerad“:„Wenn du jetzt durch Terror und unerhörte Willkür von einem 10-MiUio- nen-Völkchen unterdrückt wirst, vergiß nie, daß du Angehöriger eines 100-Millionen-Vol- kes bist!“ Wir können nur froh sein, daß diese Zustände nur in der Phantasie der Goebbelspropaganda und ihrer hiesigen Söldlinge möglich sind. Wenn die Hitlerpropaganda recht hätte, dann stünde es wirklich traurig um uns. Aber vielleicht haben sich die Herrschaften mit dem faschistischen Italien geirrt und sie meinten nicht die Sudetendeutschen, sondern die 300.000 Südtiroler... Erfolgreiche Betriebsausschuß-Wahlen bei B. Schrolls Sohn, Braunau-Oelbers Freitag fanden im Betrieb der Firma Bene- dikt Schrolls Sohn, Braunau-Oelberg, die Wahlen in den Arbeiter-BrtriebSauSschuß statt, die folgendes Ergebnis zeitigten: 1936 1934 Wahlberechtigt...... 61« 666 Abgegebene Stimmen.... 588 627 Davon ungültig..'... 10 31 Wahlzahl....... 65 67 Davon erhielten r Union der Textilarbeiter: Stimmen:..... 314 321 Mandate:. «• .. 5 „4 Chttstlichfoziale: Stimmen:. • ch H• 82 129 Mandate:. .. ft• 1 2 Gelbe Gewerkschaft: Stimmen: ,* 182 146 Mandate:» .. ■• 3 3 Seite 4 Sonntag, 15. März 1936 Nr. 64 Soldtag in Abessinien Wenn die Askaris ihre Löhnung in blanken Silbertalern ausgezahlt bekommen, befeuchten sie ihren Zeigefinger auf einem Stempelkiffen und drücken ihn als Q u i t t u n g mit die Lohnliste. Brennende Kirchen in Madrid Das Werk von Anarchisten Madrid. Freitag abends veranstalteten Linksextremisten einen Sturm auf mehrere Kirchen Madrids und auf die monarchistisch-faschistische Zeitung„La Raciok" und steckten die Gebäude in Brand. Die Kirchen San Luis und San I g n a r i o, die mitten in der Stadt gelegen sind, wurden von den Flammen zerstört. Der Innenminister erklärte: lieber die ge-. strigen Ausschreitungen in Madrid kursieren übertriebene Gerüchte. Wahr ist, daß zwei Kirchen durch Brandlegung zerstört wurden. Auch anderswo wurden Versuche angestellt, die jedoch mißlangen. Es wurden Maßnahmen getroffen, die ähnliche Ausschreitungen in Zukunft verhindern werden. Alle Abteilungen der Zivilgarde, die Angriffsgarden und die Sicherheitsgarden wurden in den Dienst berufen, um die Kirchen und Klöster zu schützen. Sie erhielten gleichzeitig den Befehl, gegen die Ruhestörer auf das strengste einzuschreiten. In den Provinzen herrscht vollkommene Ruhe. Die Urheber der Unruhen sind wahrscheinlich in den Reihen anarchistischer Elemente zu suchen. Auf mehrere PolizeLbeamte, die die Brandstifter der Kirche San Luis unschädlich machen wollten, wurde ein Pistolenfeuer eröffnet. Ein Beamter wurde getötet, ein anderer schwer verletzt. Die Türme der Kirche stürzten auf die Straße und durchschlugen die Stromleitung der Straßenbahn, wodurch der gesamte Verkehr im Stadtzentrum für einige Zeit lahmgelegt wurde. Spanische Faschistenpartei aufgelöst Madrid. Die Polizei hat drei Mitglieder des Vorstandes der spanischen Faschistenpartei festgenommen. Da sie bei der Haussuchung in den Vereinsräumlichkeiten keine Dokumente über die Führung der Partei gefunden hat, mit welchen sich dem Gesetze entsprechend jede Vereinigung auszuweisen hat, erklärte die Polizei die faschistische Partei für ungesetzlich und hat deren Auflösung angeordnet. Mussolinis geeigneter^ugendiicK Loudon.(Reuter.) Auf Ersuchen der italienischen Delegation tritt der dreizehngliedrige Ausschuß des Völkerbundes wahrscheinlich in der nächsten Woche in London zusammen. Italien, so sägt das Reuterbüro hinzu, ist der Ansicht, daß man nach der Annahme des Börsetages in Verhandlungen über eine Einstellung der italienischabessinischen Feindseligkeiten eintretrn könnte. Hie- siir sei im Hinblick auf die Bedeutsamkeit der italienischen Mitarbeit bei der europäischen Hauptfrage der geeignete Augenblick gekommen. Italien beruft 260.000Mann zu den Waffen Rom.(Reuter.) Am Samstag iburde eine Verordnung verlautbart, die den Jahrgang 1915 unter die Waffen ruft. Der Jahrgang umfaßt ungefähr 269.000 Mann. Ungehinderter Vormarsch London. Der Reuterberichterstatter berichtet: An.der Nordfront entwickelt sich die italienische Offensive. Am äußersten rechten Flügel nähert sich xine italienische Kolonne der Stadt Nogara. Eine ihrer Formationen, welche den Bezirk Alcadra besetzt hat, hat den Vormarsch in der Richtung nach Süden angetreten. Nach Informationen aus eryträischen Quellen stößt diese Formation bei ihrem Vormarsch auf keinen Widerstand Armeekorps, welches in das Gebiet von Tsel-. nienti, nördlich vom Semijen-Massiv, vordringt.I Am linken italienischen Flügel hat das erste italienische Korps di« Umgebung des Aschangi-Sees erreicht und setzt seinen Vormarsch fort. Sein Vormarsch wird, wie es scheint, noch auf eine Emfcrnung von 40 Kilometern, d. i. bis zu dem Gebirge vonstatten gehen, welches wahrscheinlich von jenem Teile der abessinischen Armee verteidigt werden wird, welchen der Kaiser selbst befehligt. polnische Proteste gegen Deutschland Kattowitz. SamStag fand hier eine Beratung der Vertreter von 7 g politischen, sozialen und wirtschaftlichen Organisationen aus Polnisch- Oberschlesien und aus anderen Gebieten Polens statt,.in welcher ein scharfer Protest gegen die Weigerung der deutschen'Reichsregierung, das! aufgelaufene Guthaben für den deutschen Tran-1 sitverkehr über das pommersche Gebiet zu zahlen,! angenommen wurde. Die Regierung wird aufge-, fordert, energische Maßnahmen einzuleiten, um die deutsche Reichsregierung zur Deckung dieses Guthabens, welches, bereits 90 Millionen Zloty beträgt, zu bewegen..... Immer für die Kulturi „Jtalo Balbo, der Gouverneur von Tripolis, hat sich die Bürgermeister der größten Eingeborenensiedlungen in die Residenz kommen laffen, um ihre Ansichten über den Fakiris- m ui' der eingeborenen Bevölkerung zu hören. Nach Abschluß der Besprechungen hat der Gou- verneur den Gemeindevorständen erklärt, daß der Großteil der Fakirkunststücke weder mit den Grundsätzen der Moral, der modernen Kultur, noch mit denen der Religion der eingeborenen Bevölkerung in Einklang steht und daher in Hinkunft verboten wird. Das mit sofortiger Wirksamkeit erlassene Gesetz' verbietet das Durchstechen der Wangen und Weichteile, das Brennen mit glühenden.Eisen, das Berschluk- ken von giftigen Tieren, Glasscherben oder ahn-, lichem,. desgleichen untersagt das.Gesetz bei, streu-, gen'Strafen Has Durch stechen des'NaMseprums' der Kinder zwecks Anbringung von Nasenrin- gen".(Mitteilung der Deutschen Medizinischen Wochenschrift, vom 28. II. 1936.) Man sage nicht, daß Italien nicht für Kultur und Zivilisation kämpfe. Es duldet partout nicht, daß eingeborene Tripolftaner giftige Tiere oder gar Glasscherben schlucken. Nicht einmal das Nasenseptum darf noch durchstochen werden. Was besagt es schon dagegen, daß Italien selbst, ein paar Kilometer Wester südlich, 20.000, 30.000 oder 50.000 Abessinier hinschlachtet und Bomben auf Rote-Kreuzlazareüe wirst? Jedermann wird einsehen, daß das schließlich Kleinigkesten sind, und nur einen schon ganz unverbesserlichen Nörgler verdrießen.'Wenn nur keine Glasscherben geschluckt werden. Es könnte verletzen. Minister Jng. Rrkas im Reichenberger«nd Gablonzer Bezirk. Samstag besuchte Minister für. soziale Fürsorge Jng. N e k.a s das Glas- wren. Unter Teilnahme der Interessenten fand sodann im Rathaus in Gablonz eine Beratung über die öffentlichen Arbeiten in Gablonz a. N. und im Gablonzer Bezirk und sodann eine Beratung der Interessenten für-die Belebung der Glasindustrie und den Schutz dieser einst so blü- den Welrindüstrie statt.— Nachmittags besuchte Minister Jng. Necas in Reichenberg die Institutionen für soziale Fürsorge,'insbesondere die deutsche Landeskommission für die Jugendfürsorge. Richtlinien für den zivilen Flicgcrschutz. Dieser. Tage wird mit der Versendung der amtlichen Richtlinien für den Alarm--und Deckungsdienst des zivilen Fliegerschutzes begonnen. Die Richtlinien. befassen sich mit den Pflichtender Gemeinden, einen Alarm dien st zu organisieren, damit die Bewohner der Gemeinde im Bedarfsfälle rechtzeitig von. der herannähenden Gefahr eines Fliegerangriffes verständigt werden sowie Borbereitungen für die Dämp- fuyg der Beleuchtung durchzuführen, um' dem feindlichen Flieger die' Orientierung und die Durchführung seiner Aufgabe zu erschweren, ad Ausland— Di« erste Kreuzotter. Auf dem Gebiete Schönau bei Graslitz wurde an einem der letzten warmen Tage eine Kreuzotter von einem Spaziergänger getötet, die erste, in diesem Jahr. Die milde Witterung hatte das Tier ins Freie gelockt. Jmkertagung in Karlsbad. In der Zeit vom 1. bis 3. August d.-J. halten in Karlsbad die deutschen Imker der Tschechoslowakei ihre 71. Wanderversammlung ab. Das umfangreiche Pro- gramm der Tagung sieht eine Anzahl bienenwirtschaftlicher Vorträge vor. 8 144. In Graslitz verhaftete die Gendarmerie eine Frau und eine Hebamme'und lieferte.sie dem Gericht ein. Die beiden Frauen hatten- sich des Verbrechens, der Fruchtabtreibung schuldig gemacht und werden sich dieserwegen vor den Richtern zu verantworten haben., Lawinen töten 86 Menschen. Einer amtlichen Nachricht zufolge-sind, in Nordkaschmir bei den letzten katastrophalen Laioinen 86 Personen ums Leben gekommen, darunter auch drei britische Offiziere,, die von einer Skiexkursion zurückkehrten.. Gefährliches Spielzeug. Im Warschauer Bolksviertel entstand, in einem einstöckigen Haus eine Explosion, durch die das Gebäude zerstört und fünf Hauseinwohner verletzt wurden. Es wurde festgestellst daß ein junger Bursche sich eine Petarde fiir die traditionelle, polnische Osterfeuer vorbereitete, die' bei unvorsichtigem Hantieren' T 1®" Ein Dorf in der Gewalt der Aussätzigen. Das Dorf Jsacea in Rumänien hat vor wenigen Tagen Stunden erlebt,- die die grauenhafteste Phantasie Edgar Allan Poe's Überboten. 123 Aussätzige, darunter 45 Frauen, brachen aus dem in der-Nähe gelegenen Leprosorium Tikilesti aus und zogen unter wilden Schreien durch das Dorf. Es handelte. sich um; eine Protestdemonstration gegen die mangelhafte Ernährung und Pflege im Leprosorium. Als dec Zug der Aussätzigen gesichtet wurde,, schlug die.Sturmglocke auf dem Kirchturm an. Sämtliche Dorfbewohner verbarrikadierten sich in ihren Häusern. Die wenigen, die sich nicht schnell genug in Sicherheit bringen konnten, wurden von den Aussätzigen mit den Schreien „Jetzt bist Du auch unrein!" angefallen. Den Kranken gelang es, das Gemeindeamt zu besetzen. Die telephonisch herbeigeholte Gendarmerie umzingelte das ganze Dorf. Mit unendlichen Vorsichtsmaßnahmen trat man mit den Aussätzigen in Verhandlungen, die zum Schluß gegen die Zusicherung, daß die Zustände in der Anstalt ge- beffert werden würden, sich zum Abzug bereit erklärten. Die Eskorte folgte ihnen in größerer Entfernung. Das Dorf wird vollständig desinfiziert werden müffen. Die zum Glück nicht zahlreichen Personen, die in nähere Berührung mit den Kranken gekommen sind, werden unter Beobachtung gestellt: Wird sie Königin von England? Nach einer Pressemeldung soll die Wahrscheinlichkeit bestehen,, daß die.Prinzessin Eugenie von-Griechenland, die Kusine der. Herzogin von Kent und Tochter des Prinzen Georg von Griechenland,' die Gemahlin König Eduards Vlll. wird. Die Prinzessin ist jetzt 26.Jcchre. alt.. Das Ende des Tugendpreisträgcrs. Der- Tugendpreisträger, der im Jahre 1829 den für besonders sitlliches Verhalten ausgesetzten. Cognac-Jay-Preis erhielt unh schml yor Kurzem den „Unsterblichen" durch sein schlechtes Benehmen zu schaffen machte, hat jetzt ein tragisches Ende gefunden. Albert Verdi, heute 48 Jahre alt, Vater von 13 Kindern, war schon seit langem dem Trünke verfallen. Vor einigen Tagen kam er wieder vollkommen betrunken nach Hause, begann die Einrichtung zu demolieren und bedrohte seine Frau. Sein ältester Svhn Alfred versuchte, ihn zu beruhigen; als aber der Vater mit dem Beil auf den jungen Mann losging, ergriff dieser ein Küchcnmeffer und stach ihn nieder. Er stellte sich ! sofort der Polizei. Ein Meteor von seltener Schönheit.. Ucber 1>em atlantischen Ozean, dicht bei Montaux Point (Ostspitze von Lang Island) ging am Samstag früh kurz vor"3 Uhr ein riesiger Meteor nieder. Der Himmel war mehrere Sekunden lang taghell erleuchtet. Die seltene Himmelserscheinung war von donnerartigem Geräusch begleitet. Gleichzeitig wurde an der Jersey-Küste ein leichter Erdstoß wahrgencmmen. Augenzeugen sahen einen rotg!Weitt>en Ball mtt gelbem Schweife. Der Flugzeugführer eines in Newark eingetroffenen Paffagierflugzeuges erzählte, er sei besorgt gewesen, daß seine Maschine zerschmettert werde. Er habe nie in seinem Leben ein« so blendende Lichtevscheinung beobachtet. Schlammlawine. Das südfranzosische Dorf Batte des Fonds in der Nähe van Gap(Dep. Hautes Alpes), das von einer Schlammlawine bedroht wird, ist jetzt von allen seinen Einwohnern verlaßen worden. Lediglich«in alteingesessenes Ehepaar hat sich geweigert, trotz der drohenden Gefahr Haus und Hof zu verlassen. Die ungeheure SchlamMlavine wälzt sich langsam dem Dorfe entgegen. Zahlreiche Hutten, die am Rande des Dorfes liegen, sind bereits eingestürzt. Wiesen und Felder bilden ein einziges Schlammeer und man befürchtet, daß das ganze Dorf in kurzer Zeit vom Erdbcden verschwunden sein wird. Die großen Ueberschwemmungen, die in erster Linie durch die starke Schneeschmelze ausgelöst wurden, forderten bis jetzt in den Reuensland-Staaten 30 Todesopfer. Der Schaden wird, auf 50 Millionen Dollar geschätzt. 200.000- Menschen sind ar- bettslos geworden, da infolge der Ueberschwemmun- gen viele Kraftwerke und Fabriken, hauptsächlich Spinnereien chnd Webereien, geschloffen werden mußten. Zum Schmelzen des eineinhalb Meter hohen Schnees gesellten sich schwere Regengüsse, die in der Rächt zum Samstag erneut in Schneestürme übergingen. Die Lage der Bevölkerung wird dadurch noch verzweifetter. Das erneut« Absinken der Temperaturen hat jedoch einen Rückgang des Hochwaffer- standeS erwirkt. Die Kältewelle, die in den letzte» Tagen von Norden borgedrungen ist, ist bereits biS zu den Pyrenäen und zur Balkanhalbinsel gelangt. In Chust und Belgrad war«S Samstag. nachmittags um 12 Grad kälter als tagsvorher. In den böhmischen Ländern und in Deutschland dauert bei nördlichem Wind kühles und vorwiegend umzogener Wetter an und stellenweise treten leichte Schneeschauer auf. In Höhenlagen über 600 Meter herrscht Nebel und Ganztagsfrost. Die Schneekoppe meldete Samstag nachmittags minus 9 Grad, der Fichtelberg und der Alwater(Schäferei) minus 6- Grad. Trotz ununterbrochener Luftdruckzunahme kann noch keine durchgreifende Wetterbefferung erwartet werden. Zu einer weiteren Abkühlung durfte eS jedoch nicht mehr kommen, ausgenommen im Falle lokaler nächtlicher Aushetterung.— Wahrscheinliches Wetter, von h e u t e: Allgemeiner Witterungscharakter im wesentlichen unverändert, Rordwestwind,' kühl. Nur vereinzelt etwas aufklärend.— Wetterausffch- ten für Mont a g: Nur allmähliche Wetterbefferung. Vom Rundfunk tostekleMwwtM aus«*••» Proaramarani Montag Prag, Sender L.: 10.05: Deuttche Presse. 11.00: Schallplatten. 11.40: Opernarien. 12.10: Leichte Musik. 13.30: Arbeitsmarkt. 17.00 Kinderstunde. 17.40: Franz Schubert-Lieder. 18.10: Deutsche Sendung: Stölzig: Die Arbeitsrechte de3 Werkmeisters und Bettiebsangestellten. 18.25: Bedeutende Ausgrabungen in Novdwestböhmen. 18.45: Deutsche Rundfunkmeldungen. 19.15: Engluch für Anfänger. 19.30:, Konzert des lettischen Chors. 22.15: Schallplatten. 22.40: Deuttche Nachrichten: Bilanz der Prager Frühjahrsmesse.— Sender S.: 7.30: Salonorchester. 14.50: Deuttche Sendung: Dozent Weleminsky: Nützliche Batterien. 14.40: RechtSberatung für jedermann. 14.50: Deutsch« Presse. 19.10: Klavierkonzert.— Brünn: 13.30: Arbeitsmartt und Sozialinformationen. 17.40 Deuttche Sendung.— Mähr.-Ostrau: 17.35: Klavierkonzert. 18.10: Deutsche Arbeitersen- d u n g: Melzer: Arbeiterkinder im Ausland.— Liederkonzert.— Preßburg: 17.15: Gesangskonzert. — Kascha»: 15.00: Orchesterkonzert. Dienstag Prag, Sender L.: 10.05:. Deuttche Presse. 11.05: Deutscher Schulfunk. 17.00: Kiuderstuude. lsi.10: Deutsche Sendung: Jarosch: Aus dem sude- tendeuttchen Kulturleben. 18.45: Deuttche Presse. 20.15: Brahms-Konzert. 22.20: Unterhaltungsprogramm.— Sender S.: 7.30: Leichte Musik. 14.15: Deuttche Sendung: Burger: Kind und Theater. 14.30: Leichte Musik. 14.50: Deutsche Presse.— Brünn: 17.40: Deutsche Sendung: Arbeiter- k, un k: Sozialinform ar Ionen. Dr. Blum: Wohnungsnot, ein soziales Problem.— Mähr.-Ostrau: 16.10:' Orckesterkonzert. 21.15: 1 Oper aus dem Atelier.— Pretzburg: 15.00; Orchc- 1 stettonzert seitens der Abessinier. Diese längs der Sudan- Grenze operierende Kolonne befindet sich am rechten Flügel des 4. italienischen Armeekorps, welches in das Gebiet von Woldebbe, westlich vom Takaze-Fluß, horrückt, und des 2. italienischen und Textugebiet im Reichenberger und Gablonzer Bezirk.- Im Rathaus von Gablonz>begrüßten ihn die Vertreter der Bezirksbehörde, Oberrat Doktor Sorf, der Bürgermeister der Stadt Petrowsky und die Repräsentanten der Selbstverwaltungsfak- Nr. 64 Sonntag, 18. März 1936 Seite 8 Eine neue Verfolgungswelle in Oesterreich Die Gefängnisse wieder überfüllt— Zweierlei Recht Nachrichten aus allen Teilen Oesterreichs ver- stärken den Eindruck, daß die„Weihnachtsamnestie" der Regierung Schuschnigg nur ein großangelegtes Täuschungsmanöv er gegenüber dem demokratischen Auslande war. Bon Herrn Sta-hemberg wird ein Ausspruch kolportiert, wonach er bei den Amnestieverhandlungen im Ministerrat erklärte: »Ihr könnt ja die Roten auf einige Tage aus- laffrn, ich werde schon dafür sorgen, daß sie wieder eingcsvcrrt werden." Diese Aeußerung findet ihre Bestätigung durch folgenden Vorgang, der sich in B r u ck a. d. Mur abgespielt hat. Alle exponierten Vertrauensmänner, die seinerzeit„amnestiert" wurden, befinden sich schon wieder hinter Schloß und Riegel. Sieben dieser Genoffen, darunter der frühere Parteisekretär Genoffe Lackner und der Betriebsvertrauensmann Max Neubauer wollten der Gefahr ausweichen, mit den illegalen Aktionen am 12. Feber irgendwie in Zusammenhang gebracht zu werden und sie unternahmen zuvor einen gemeinsamen Ski-Ausflug auf die. entlegene S ch i e ß l i n g-Alm. Kaum im Schuhhaus angekommen, wurden sie am nächsten Tage durch die mit Ueberfallauto herangeholte Gendarmerie verhaftet. Man lieferte sie in Ketten geschloffen ins Bruk- ker Gefängnis ein. Eine Untersuchung wegen„Geheimbündelei" verlief ergebnis. Trotzdem wurden die siebe» Sozialdemokraten, die.fast durchwegs eine zweijährige Kerkerhaft hinter sich hatten, wieder auf administrativem Wege zu sechs Monaten Gefängnis verdonnert. Begründung echt austro- faschistisch: die Trliqucntcn wären ans dem Brncker Markt- Das ist höchstens ein Schnitzel von einem Schnitzel! platz herum gestanden und hätten dort„illegale Reden" geführt. Illegale Gespräche—- öffentlich auf dem Marktplatz! Warum hat das traurige Regime nicht den Mut, zu gestehen, daß einfach die Gesinnung bestraft wird, daß ehrliche Arbeiter nach dem Willen des Herrn Starhemberg in den Gefängnissen zugrunde gehen sollen? Die Opfer dieser Justizlomödie legten Berufung ein. Diese Berufung wurde prompt abgewiesen. Nazis, die wegen ganz anderer Sachen eingesperrt find, wird im Rekurswege meist die Strafe auf vier bis sechs Wochen herabgesetzt.■ Die Nazi-Beamten, die Nazi-Richter, die Nazi- Gendarmen dürfen sich im Zeichen der Versöhnung wenigstens ihr Mütchen an wehrlosen So- zialdemokraten kühlen. Die Welt wird aufhorchen, wenn sie im vollen Worin sieh Hitler am 7. März Irrte Berlin.(A. P.) In Berlin ist man über die außenpolitische Entwicklung etwas bestürzt. Man glaubte alles sehr klug angefangen zu haben, in, dem man die durch den abeffinischen Krieg geschaffene Situation auönütztc, sich als Schützer vor dem Bolschewismus aufspielte und die Erregung über den Vertragsbruch durch neue Paktangebote zu besänftigen trachtete. Aber so fein das alles eingefädelt sein mag und so sehr man hinter manchen Redewendungen des 7. März den Dämon von Goebbels erkennen kann, so groß ist doch die Zähl der Fehlspekulationen: 1. Die Unehrlichkeit der Paktangebote wurde allgemein erkannt. Sie ergab sich nicht nur aus der Beurteilung der bisherigen Praxis, sondern auch, aus der Fortsetzung der alten arglistigen Taktik, nur zweiseitige Verträge schließen zu wollen. 2. Frankreich bleibt fest, was keineswegs nur mit der Stimmung vor den Wahlen erklärt werden kann. Deutschland hat vergessen, daß nicht mehr Laval am Ruder war. 3. Die Spekulation auf die französische Rechte ist mißglückt, wie die Se- natsabstimMung über den Ruffenpakt und die demonstrativen Erklärungen so prononcierter Rechtspolitiker wie Millerand beweisen. Gegen die Vertragsbrüchigen ist so gut wie ganz Frankreich einig. 4. England befindet sich, da Frankreich im Gegensatz zur Politik vor einigen Monaten fest bleibt, auf dem Rückzüge. Der englische Einfluß war von Berlin überschätzt worden, und das war für die Wilhelmstratze die stärkste Enttäuschung. 5. Die Hoffnung. Belgien von Frankreich loszureißen, war trügerisch. Die neue Ljiuation.hat beide..Länder gerade, ivieder^ zu sammengeschweißt. 6. Italien wird sich gegen Abblasen der Sanktionen mit Frankreich verständigen, so daß Hitler lediglich Muffolini aus einer Sackgasse herausgeholfen hat. Europäischer oder Krieg im Fernen Osten? Ueber dieses Thema hat man letzten Mittwoch auf dem traditionellen Frühstück der Pariser Auslandsredakteure gesprochen. Als Ehrengäste waren u. a. Roy Howard, deffen Interview mit Stalin soeben die ganze Welt- preffe beschäftigt hat, der Vorsitzende des auswärtigen Ausschuffes der Kammer, B a st i d e, sowie einige auswärtige Diplomaten, darunter ein japanischer, anwesend. Die Ansichten waren ge- Umfanze die Wahrheit erfährt, wie die total zersetzte Administrative und. Justiz-des Heimwehr, regimes heute schon eine Expositur des Dritten Reiches geworden ist., So sieht die Liquidierung des Feber aus! Das Gefängnis des Brücker Bezirksgerichtes ist überfüllt. In einer für sechs Häftlinge bestimmten Zelle lagern wiederum elf Mann größtenteils auf dem Fußboden. Im Kreisgericht Leoben müffen 30 Häftlinge auf den kalten Gängen kampieren. In früheren Jahren war eS wenigstens erlaubt, das Grab Koloman WallischS an seinem Todestage und an seinem GrbnrtStage mit Blumen zu schmücken. Heuer war auch das verboten. DaS Grab wird Tag und Nacht von Gendarmen bewacht. Wie groß muß das Zähneklappern derherrschenden Clique sein, wenn sienoch vor einem Toten zittert! teilt. Rene I o u c l e t, der als ein Kenner des Fernost gilt, meinte, Japan sei für die USA gefährlicher als für die Sowjetunion. Ein anderer Fachmann für fernöstliche Probleme glaubt nicht an das Bestehen einer deutsch-japanischen Mianz, weil die ökonomischen Interessen der beiden Mächte im Fernoft zu entgegengesetzt seien. Der sozialistische Abgeordnete Marius M out et äußerte sich sehr pessiini sti s ch, ebenso einige andere Redner. Noch nie sind in einer öffentlichen Versammlung in Paris die Aeußerungen in bezug auf die Unvermeidlichkeitdes Krieges mit einem solchen Freimut laut geworden. Gegen die Ansicht, daß wir unmittelbar vor einem KriegimFernost stehen, hat sich der Pariser Vertreter der Moskauer„Jsweftifa", der bekannte ruffische Schriftsteller Ilja Ehrenburg ausgesprochen. Ehrenburg hat sich mit Galgenhumor darüber gefreut, daß die „Japaner nicht uns, sondern vorläufig sich selbst die Bäuche ausichlitzen", und bedauerte, daß eine solche Sitte nicht auch in Deutschland existiere. Er, Ehrenburg, glaube jedoch, daß die künftige Kriegs front Paris viel näher s e i n w e r de als Moskau. Roy Howard, der sehr zurückhaltend war, hat sich doch dahin geäußert, daß im Falle eines isolierten russisch-japanischen Krieges die Sowjetunion als Sieger hervorgehen werde. Bei einem Zweifron- tenkrieg jedoch fei die Niederlage Rußlands sehr wahrschemlich. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Mährische Bank kauft Fanto*Petroleum Wie die„Wirtschaft" berichtet, hat die Mährische Bank die Aktienmehrheit der Petroleum- werke Fanto, welche Raffinerien in Pardubitz und Neu-Oderberg besitzt, gekauft. Einer der Hauptmacher der Mährischen Barck ist der agrarische LandeSausschußbeisietzr Stoupal in Mähren, einer der Führer des rechten Flügels der Agrarpartei, deren industrielle Jntereffen nun durch den erwähnten Kauf eine neuerliche Ausweitung erfahren. Die Beratungen über die Belebung des Motorismus, die von der volkswirtschaftlichen Abteilung des Ministerratspräsidiums geleitet vor schaut aus wie ein Maskehscherz aber nicht wie ein Pelz- rock. Mit einem zu kleinen Stück Fell kann man eben keinen Kragen machen und- mit zu wenig AECHT FRANCK bringt man halt auch nicht den guten Kaffee zustande, den man so gern trinkt. AechfFranek~ zu jedem Kaffee /Bl werden, sind in den letzten Tagen so fortgeschritten, daß deren Ergebnisse bereits jetzt eine' Verwirklichung der verschiedensten Erleichterungen für die Motorfahrer garantieren. Man kann z. B. mit gewiffen Erleichterungen bei der Erwerbsteuer für- die Käufer neuer Wagen rechnen. Die staatliche Finanzverwaltung hat auch einen Vorschlag für Erleichterungen bet der Einkommensteuer für die Käufer solcher Automobiltypen auSge- arbeitet, die den Bedürfniffen der Nationalverteidigung entsprechen. Auch die Befreiung von der Motorfahrzeugfteuer wird auf Grund der für den Motorismus günstigen Vorschläge der Finanzverwaltung verlängert wer«’ den können. Bei der Bemessung der Gebühren für Amtshandlungen werden für die Mowrfahrzeuginhaber auch gewisse Erleichterungen verwirklicht werden. Bei den Auwmobilreparaturwerkstätten und Benzintankstationen wird eine teilweise Sonntags- und Nachtarbeitszeit eingeführt werden. Das Ministerium für soziale Fürsorge berettet in dieser Hinsicht eine neue legislative Regelung im Rahmen der Gesamtaktion für die Belebung des Motorismus vor. Das Ministerium für öffentliche Arbeiten arbeitet an dxr Festsetzung von Erleichterungen bei den Bauvorschriften für den Garagenbau; es soll jener Teil der'in Vorbereitung befindlichen. Bauvorschriften beschleunigt durchge- führt werden, der sich auf den Bau von Garagen bezieht. Weiters kann schon jetzt mit Erleichterungen im Rahmen der Automo- bilindustrie selb st gerechnet werden. Es wird vor allem zu einer gewissen Verlängerung der Garayttezett komMn. Istch jdie Vechändlun- gen des Jnnenmmsstertuiptz AeH:MtziE?die Her- Absetzung der Ve rsicherungs t'ar i fe nehmen ihren Fortgang. Degleichen kann bei einer. Reihe der übrigen konkreten Fragen, die mtt der Belebung deS tschechoslowakischen MotorwesenS Zusammenhängen, ein Verständnis der beteiligten Faktoren konstatiert werden. Es besteht das Bestreben, die Verhandlungen schnellstens zu be-* enden, damit sich eine reale Hilfe für den tschechoslowakischen Motorismus schon in der bevorstehenden Saison geltend machen kann. Das kombinierte System von Vorteilen beim Einkauf neuer Wagen soll eine schnelle Regeneration des tschechoslowakischen Autoparks ermöglichen.(Amtlich.) Zins Probe aufs Bxempel Von Josef Wechsberg Der Bahnhof der kleinen schweizerischen Provinzstadt lag leer und verlassen und der elek« irische Zug, der mich von Zürich heraufgebracht hatte, hielt kaum eine Minute.«Wo komme ich hier zur Villa des Dr. Börner?" ftagte ich einen uniformierten Herrn, der auf diesem Bahnhof alle Funktwnen auszuüben schien.„Immer geradeaus die Sttaße und dann den Waldweg bis noch oben. Aber Sie kommen zu spät", fügte er ironisch lächelnd hinzu,„es sind alle Zimmer beseht!" Alles besetzt! Es schien also doch so zu sein, wie mir mein alter Freund Kurt Börner geschrieben hatte. In Zürich, auf der Durchreise, hatte mich sein Expreßbrief erreicht.„Ich erwarte Dich unbedingt auf einen Tag. Mein großes Projekt ist gelungen. Näheres an Ort und Stelle." Lakonische Kürze war immer ein Vorzug Kurt Börners gewesen, des Pariser Studienkollegen und WelWerbessererS. Welches Projekt meinte er damit? Die Gründung eines europäischen La- borawriumS, die Entdeckung des Schnupfenbazil- luz oder die Erfindung eines altitalienischen Geigenlacks(um nur die Problem« zu erwähnen, die ihn damals beschäftigt hatten.) Ich ließ die Straße hinter mir, bog in den Waldweg ein. Schon vom weiten sah ich eine groß« Villa mit einem weiten, durch einen Stacheldrahtzaun abgeschlossenen Garten:„Sanatorium Dr. Börner" stand auf allen vier Seiten des Hauses geschrieben. Ueber der Waldlichtung lag eine ungemein wohltuende Stille. Durch den Gitterzaun sah ich im Garten ältere Damen und Herren spazieren gehen, auf Liegestühlen, bei kleinen Tischen sitzen. Im fürstlich ausgestatteten Borraum empfing ein fürstlich aussehender Direk- tor.„Den Chef? Bitte, sich einen Augenblick zu gedulden. Der Herr Chefarzt hat gerade einen sehr dringenden Besuch..." Ich mußte eine geschlagene halbe Stunde warten, bis ich zu Börner gerufen wurde. Während dieser halben Stunde hörte ich im Sanatorium kein lautes Wort. Die alten Herren und die würdigen Damen gingen sreundlich lächelnd durch die Halle in den Garten. Alle machten den Eindruck von zufriedenen, gesunden, glücklichen Menschen. Was mochte das für ein merkwürdiges Sanatorium sein? Börner empfing mich mtt unverhohlener Freude. Er war nicht geaüert in den Jahren, da ich ihn nicht wiedergesehen hatte, eher schien seine Energie und Spannkraft vergrößert.„Mein lieber Freund", begann ich ungeduldig,„ich brenne darauf, von deinem Projekte zu hören." Börner lachte zufrieden. Dann zündete er sich eine Zigarre an, der untrüglichste Beweis für seine gute Laune.„Also höre. Erinnerst du dich, als wir vor Jahren einmal über ein Sanatorium sprachen, in dar nur Menschen kommen sollten, denen die Welt ein wenig zu Kopf gestiegen war. Poli- ttker, Wirtschaftsleute, Schriftsteller, Menschen, die diesen Wirbel unserer Zeit einfach nicht mehr mitmachen konnten. Es sollte damals so etwas wie.Ferien vüm Ich' werden. Nun, fast genau dasselbe siehst du hier. Es war keine leicht« Aufgabe. Mein Plan kostete Geld und ich habe drei Jahre suchen müssen, bis ich die Männer fand, die mich finanzierten. Was du hier um dich sichst, ist das Sanatorium der Zeitlosigkeit: Die Patienten, die wir aufnehmen, müssen sich ausdrücklich verpflichten, weder über Politik, noch über die Wirtschaftsmisere, noch über irgendein anderes attuelles Ereignis zu sprechen. Zeitungen dürfen ins Haus nicht herein. Radio haben wir keinen. Die Mindestdauer des Aufenthaltes beträgt vier Wochen. Während dieser vier Wochen darf kein Pattent die Anstalt verlassen, ausgenommen genz ernste Gründe. Ich habe vier Mitarbeiter, die nichts anderes tun. als die Gespräche der Patienten von früh bis abends überwachen. Wer gefährlich erscheint, wird von den anderen isoliert, kann schlafen, baden, Grammophon hören, Patiencen legen— so lange, bis er an die Dinge, die ihn hergebracht haben, vergessen hat. Politische Entgleisungen werden mit Rücksicht auf die anderen i streng geahndet. Vor einer Woche haben wir im Zimmer eines Pattenten eine Zeitung gefunden. Er wurde sofort ersucht, das Sanatorium zu verlassen— unter der allgemeinen Zustimmung der Gäste."„Und gibt es Menschen genug, die sich für dein Sanatorium interessieren?"„Man muß natürlich anders vorgehen als bei den anderen Heilanstalten. Die Einnladungen. werden immer an Einzelpersonen namentlich ausgeschickt. Ein besonders raffiniert aufgebautes Informationssystem in den westeuropäischen Großstädten hätt uns seit einem Monat auf dem Laufenden. Wo irgend ein übernervöser Abgeordneter, Rechtsanwalt oder ein abgearbeiteter Geschäftsmann ist, von dem wir wissen, daß es sich leisten kann— denn wir sind nicht billig— erhält er sofort unseren detaillierten Prospekt. Und wie du siehst, geht das Geschäft. Vor fünf Wochen haben wir eröffnet und Anmeldungen für die nächsten drei Monate... Gegenwärtig sind unter unseren Patienten zwei Exminffter, drei llniversitätspro- fessorcn, drei BanEerühmtheiten, eine Reihe anderer Prominente, auch zwei Filmschauspieler, denen es am schwersten fällt, daß sie keine Briefe bekommen dürfen und die Bilder nicht sehen, die die illustrierten Zeitungen von ihnen bringen." Ich saß bettoffen da. Ein großer Gedanke, und eine große Ausführung! Börner war eben ein tüchttger Kerl. „Du mutzt noch bis morgen bei mir bleiben", unterbrach er mich in meinen Gedanken,„morgen ist der Tag» der für mich die große Entscheidung bringt. Ich habe mich nämlich entschlossen, um den Erfolg meiner Methode zu studieren, eine Probe zu machen: um zwei Uhr mittags wird allen Patienten bekanntgegeben werden, daß sie bis acht Uhr abends vollständig frei find, hinauS- gehen können und alles machen dürfen, was ihnen behagt. Meine Mitarbeiter werden ihnen unbemerkt folgen und mir dann berichten, ob sie in ihre alten Fehler verfielen und waS sie während dieser Zeit unternommen haben." Ich nickte. Natürlich würde ich bleiben. Könnt? ich fehlen, wenn mein Freund Börner den großen Triumph seiner Idee feiern würde? * Hier sind, ohne weiteren Kommentar, die Daten, welche die Herren Dr. Jenny, Dr. Napp, Dr. Büngli und D. Dufour, Börners vier Mitarbeiter, am Ausgangstag der Patienten zwischen' zwei Uhr nachmittags und acht Uhr abends gesammelt haben. Also: die Bankdirektoren D. und B. hatten sich im Laufschritt auf die Hauptpost begeben und Blitzgespräche mit der Londoner und Pariser Börse verlangt. Vizepräsident N. sprach dreiunddreißig Minuten mit seinem Brüsseler HauS. Lord B. und Monsieur de V. haben gegen zwanzig Telegramme aufgegeben und wurden darin nur vom Filmschauspieler H. P, übertroffen, der an alle Agenturen von Europa drahtete: „Bin soeben Gefangener eines unheimlichen Arztes. Sensationelle Enthüllungen folgen!"'Die beiden Zeitungsläden des OrteS wurden gestürmt und selbst für sieben Tage alte Blätter Rekordpreise gezahlt. Der Radioverkäufer wurde ersucht, auS allen Teilen der Welt interessante Neuigkeiten zu fangen. General H. und Major D. sind nach Zürich gefahren, als sie erfuhren, daß um vier Uhr nachmittags ein Defile deS Bundesheeres stattfindet. Graf B. hat sich ihnen angeschlossen, um einen Borttag über„Der künftige Luftkrieg" zu besuchen. Das Tollste aber haben die vier Franzosen auS Dijon gemacht. Sie mieteten sich heimlich ein Auto und fuhren nach Bern, um der nachmittäglichen Parlamentssitzung beizuwohnen..." Soweit der der Bericht. Es muß hinzugefügt werden, daß Dr. Kurt Börner einen Nervenzusammenbruch erlitten hat und in ein Sanatorium geschafft werden mußte. Seite 6 „Sozialdemokrat. Sonntag, 15. März 1936. Nr Kt Hesse-Aiskfang! , Tie 32. Prager Mustermesse, die am heutigen Tage, ihren Abschluss findet, hat, was den Besuch und die Geschäftstätigkeit betrifft, die beiden Messen des vergangenen Jahres übertroffen- Den täglichen Berichten des Messeamtes zufolge, ist noch an den letzten Messetagen neuer Ausländerbesuch zu verzeichnen gewesen. Wenn auch unter den einigen hunderttausenden Besuchern, die' während" der vergangenen zehn^Tage zwischen den Messeständen hin- und hergepilgert find, viele„Seh"leuie gewesen sein mögen, dem Erfolg der Liesse kann das leinen Abbruch tun; es kann aber seine letzten Auswirkungen nur noch günstiger gestalten. Denn auch die„Seh"leute, die auf der Messe selbst leine Aufträge zu vergeben bähen, sind Käufer. Und wenn ihre Kaufkraft nicht mehr so stark herabgedrückt sein wird, wie jetzt, wird sich zeigen, dass die dann verstärkt«insetzende Nachfrage nach HauSgerät und Bedarfsartikel durch die Meffebesuche beeinflusst worden ist. Bei der Beurteilung der geschäftlichen Erfolge der Messe müssen die fortdauernden sozialen Krisenfolgen im Innern und die handelspolitischen Schwie- rlgkeiten nach aussen berücksichtigt werden. Wenn die vielerlei Hemmungen im Außenhandel nicht bestehen würden, so hätte« die Aussteller der verschiedensten Jnduftriewaren bedeutend mehr Aufträge rntgegennehmen können. Aber so kam es trotz dem starke« Auslandsintereffe Wege« der Zahlungsschwierigkeiten und der Kon- tingentSbestimmungen.i« wiederholte« Fällen nicht z«r Auftragserteilung. Am günstigsten dürfte im Exportgeschäft, die GlaS- und Bijouteriewarenindustrie, einzelne Branchen der Textil- und der Lederindustrie, die Porzellanindu- ftrie abgeschlossen haben. Es gelang, besonders Geschäfte mit Ucberseestaaten zu tätigen. Allerdings gab es auch in den genannten Abteilungen Aussteller, die dem Messegeschäft mit grösseren Erwartungen entgegengesehen hatten, während wieder einzelne Firmen aus anderen Industrie- und' Fachgruppen, in denen das Auslandgeschäft nicht■ so lebendig war, Abschlüsse tätigen konnten. Häufiger waren Muster- und Probebestellungen. Ter Verband gewerkschaftlicher Studenten (DH. G.) veranstaltet in Gemeinschaft mit der Internationalen Kulturliga ein Seminar über den Kampf gegen Arbeitslosigkeit. Für dieses Seminar, das am 17. März im Organisationshaus des Einheitsverbandes der Privatangestelltrn, Prag II., Na Zborenci 18, um 19.30 Uhr seinen Beginn nimmt, wurden bedeutend» Volkswirte gewonnen. Als erstes Thema ist der Portrag des Jng. Bacek vom Exportinstitut:„Aeußere und innere Expansion gegen die Arbeitslosigkeit" festgesetzt. Diebische Bedienerin. In der Konfektionsfirma Singer hinter dem Pulverturm wurde seit einiger S?it bemerkt, dass Stoffe, Damenblusen usw. abhanden kamen; als Schuldige an diesen Entwendungen wurde gestern die 32jährige Bedienerin Marie Hubka aus Prag-Weinberge verhaftet, die auch geständig ist. Ein Teil der Waren konnte noch bei ihr beschlagnahmt und den Eigentümern zurückgestellt werden. Paßfälscher. Der polnische Staatsangehörige Israel Kallenberg wurde gestern von Detekfiven angehalten und zur Ausweisleistung aufgefordert, wobei sich herausstellte, dass sein Pah gefälscht war. Es liegt der Verdacht vor, dass es sich um einen injer- nationalen Taschendieb handelt. Der angebliche Kallenberg wurde vorläufig bis zur Feststellung keiner Personalien in Haft Gehalten. A«to«nfälle. Der 24jährige Chauffeur Franz Ulrich überfuhr gestern in der Belcrediho-Strahe die 23jährige Beamtin Olga Lederer und verletzte sie so schwer, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Sie wurde vom selben Auw auf die Klinik Prof. Jiräsek gebracht, wo ein Bruch der Schädelbasis, sowie zahlreiche Fleischwunden festgestellt wurden. Der Chauffeur wurde verhaftet:— Auf der Strasse von Jesenitz nach Prag stürzte vorgestern ein von drei Personen besetztes Auto in einen Straßengraben, wobei daS Auw zertrümmert und sämtliche Insassen mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Einer von ihnen, der Landwirt Franz Noväk aus Jesenitz, starb auf dem Wege ins Krankenhaus.— Der Chauffeur Ladislaus Bares aus Budtoeis fuhr gestern an der Ecke Obstgaffe-Wenzelsplatz gegen einen Motortvagen der Ser-Liyie. Der"Lenker der Strassenbahn konnte nicht mehr bremsen und bei dem folgenden Zusammenstoß wurde das Auw völlig zertrümmert. Die darin befindliche Anna Wimmer aus Bud- weis wurde dagegen nur leicht verletzt.— Gestern um 1 Uhr mittags stieß das Lastauw des Chauffeurs Karl Zetel aus Svärov mit einem Motorwagen der 3er-Linie zusammen, wobei der rückwärtige Teil der Karosserie des Auws und die Plattform. des Motorwagens zertrümmert wurde. Das Auto mußte von der Unfallstelle weggezogen werden. Verletzt wurde niemand. Scheiterhaufen aus Bücher«. Gestern nachmittags bemerften die Nachbarn, daß aus der Wohnung des Buchbinders Karl Hejduk in Ziskov Rauch dringe und fanden, als sie eindrangen, den Buchbinder auf einem Scheiterhaufen aus. Büchern liegen, den er, ebenso wie sich selbst, mft Petroleum begossen und angezündet hatte. Es gelang, ihm noch die brennenden Kleider vom Leibe zu reißen und ihn mft der Rettungsgeseflschaft auf die Klinik Hynek bringen zu lassen, wo er mit Brandwunden 2. und 3. Grades in Behandlung blieb. Leibesverstv-fung» abnormale Zersetzung und Fäulnis im Donm, vermehrter Säuregehalt des Magensaftes vergehen bei Gebrauch des natürlichen „Franz-Josef"-Bitterwassers sicher und schnell. 3148 Für das Jnlandsgeschäft waren opti- mistische Auffassungen von einem starken Aufschwung gegenüber den letzten Messen unbegründet. Solange dir große Mehrheit unserer Bevölkerung auf einem so tiefe« Lebenshaltungsnwea» herah- gedrückt ist, solange kann auf dem J«la«dSmarkt kein günstiger Aufschwung eintreten. Man muss die Bemühungen der Industrie anerkennen, alle die technischen Neuerungen, mit denen sich das menschliche Leben erleichtern, behaglicher und wohlgefälliger gestalten lässt, zu Wohlfeilen Preisen auf den Diarkt zu bringen, und mutz sich doch gleichzeitig«ingcstehen, datz sie heute nur ftir einen recht kleinen Kreis von Menschen erschwinglich sind. Die bewundernswerten Neuheiten in Möbel, Küchen- und Hausgerät, in Radioapparaten(von Motorrädern und Automobilen ganz zu schweigen), wünschen viele zu besitzen, aber sie gelten bei ihren Lebensverhältnissen als„Luxus", der ihnen nicht zukommt. Darum ist das Jnlandsgeschäft in beinahe allen Ausstellungsgruppen kaum stärker als im Vorjahr gewesen. Ileberblickt man den Verlauf der grossen Jndu- strieschäu, die die Prager Mustermesse längst geworden ist, so ist alS großes Pl«S heraus,ustellen, daß die Industrie unseres Staates ihre Konturrenzfähigkeft mft der Industrie anderer Länder i« qualitativer und in preislicher Hinsicht««ter Beweis gestellt hat. ES ist Wert darauf zu lege«, daß diese Konkurrenzfähigkeit, die durch eine Erhöhung der tiefe« Jöhae unserer Jnduftrieardeiterschaft keineswegs gefährdet wird, nicht durch engstirnige Maß- nahmen der Kartell« und Syndikate erschlage« wird. Wenn es jedem gelänge, durch wirtschafts-, sozial- und handelspolitische Massnahmen di« erschreckende Massenarbeitslosigkeit in unserem Lande einzuschränken, so würde damit die Voraussetzung für die breiteste Auswirkung des Erfolges der kommenden Messen geschaffen. Xunit und Wiaen Internationale Photographie Eine internationale Ausstellung künstlerischer und ÜNgewatidtrr Phowtzraphiä fttsdrt gegenloärtilj im„Manes" statt. Siebzehn Länder sind durch Photographen von Rang und Namen vertreten, am stärksten natürlich die Tschechoslowakei mit 340 Nummern einschliesslich einiger Sonderwlleklwnen; ihr folgt die Sowjetunwn mit 108 Nummexn. während die übrigen Länder mehr oder weniger nur beispielsweise vertreten sind. Sonderabteilungen sind dem Pariser Phowgraphen Man Ray und den bekannten politisch-satirischen Photomontagen" John Hartfields eingeräumt worden. Mft riner Kollektion von Farbenphotographie weckt Ingenieur Dr. Karel Smi- rous Interesse für dieses Experimentierfeld der Photographie, wobei sich wieder erweist, dass weniger effekwolle, sorgfältig abgestimmte Farben der Bild- Wirkung einer Farbenphotographi« zuträglicher sind; aber auch der Welt farbiger Phowgraphien für die Illustration wird ersichtlich. Die Tschechoslowakei wird durch die Prager Photographen Fabinger, Funke, Jenikek, Kröhn, Le- hovec, Lukas, Paul, Pekak, Schück, Sudek, Styrfky und Vobecky und durch Lenhart-Olmütz, Olcejnik- Pressburg, Povolny-Brünn, Vogel-Kaschau und Wis- kovksy-Kolin, um nur einige Namen mit den besten Leistungen zu nennen, recht vorteilhaft repräsenfiert. ES ist wie in der gesamten Ausstellung alles vertreten vom abstrakten Photogramm und von der Reklame-Photomontage bis zum künstlerischen Porträt. Wünsche * Im Schaufenster einer zoologischen Handlung spielen vier junge Angorakätzchen. Reizende Kerlchen, schneeweiss, seidig-zoftig, mit rosigen Näschen und blauen Augen. Und indem sie spielen, preisen sie sich an. denn sie find verkäufiich. hundert Kronen kostet eins", sagt ein Mann, der schon nach dem Preise gefragt zu haben scheint. „Hundert Kronen!" Ein junges Mädchen flü- stert es seiner Freundin zu, ehrfürchtig vor dem hohen Wert der kleinen Kätzchen. Man sieht es den Augen des Mädchens an, wie gern es so ein Kätzchen haben möchte, als niedliches Spielzeug.für zärtliche Hände. Halb ist es noch kindlicher Spieldrang— halb schon und unbewusst ein heimliches Sichregen mütterlicher Triebe, sorgsame Behüterin eines so kleinen Wesens zu sein. In der Nähe des Mädchens steht ein junger Mann. Er schaut das Mädchen an, sieht den braunen Wuschelkopf, die verliebten braunen Augen, den runden jungen Nacken und errät noch mehr.„Die kleine Braune da wäre auch ei» recht hübsches, zärtliches Spielkätzchen!" sagen seine Augen. Dos junge Mädchen spürt den Blick, errötet, neigt sich näher zu den Kätzchen hin, nimmt den Arm der Freundin und tutschelt und wispert... Ein einziger Jubel find die Kinder. Das ist ein verliebtes Schwätzen und Rufen und Zeigen vor dem Schaufenster! Die innige Wesensverbunden« heft zwischen Kind und Tier spricht sich in ihrer Durch einige Sonderkollektionen Wissenschaft-1 licher Photographie der Chirurgischen" Klinft und mikrophotographischex Aufnahmen der Professoren Prak und lllehla und durch Beispiele der kriminalistischen Photographie, ausgestellt von der Prager Polizeidirektion, von, der Fahndungsstelle der Gendarmerie und vom Taxikologischen Institut wird die Ausstellung interessant bereichert.. Starken Eindruck macht die sowjetrusfische Abteilung mit ihren meist sehr großformatigen Bildern aus dem Leben der russischen Gegenwart. Lebensvolle Bildreportagen vonBeness Besuch in Moskau, meisterhafte Schnappschußpörträts von Stalin. Romain Rolland, Henri Barbusse und anderen Moskauer Gästen wechseln ab mit grandiosen Aufmarschszenerien, mit ftappant erfassten Sportaufnahmen, mit Bildern aus dem ländlichen Leben der Kolchos. Auffallend ist die große Anzahl von militärischen Bildern, von Rotarmisten, Fliegern, Fallschirmspringen, Artillerie und Tanks. Alles wirft einprägsam, plakatierend,. propagandisttsch. Dieser Bilderschau nach zu urteilen ist die sowjetrussische Phowgraphie höchst bewußt dem realen aktuellen Leben zugewandt. Sie dient ihm. Diese Wand wirft mit der Unmittelbarkeit einer Bildreportage und diese Wirkung wird erreicht durch Phowgraphien, die mehr sind als nüchterne Reporterphotographie. Fast alles ist mit künstlerischem Blick erfaßt und mit technischer Vollendung gemacht. Aber gerade das bestärkt die gewollte Wirkung. ld. Eine seltene Handschrift B. Smetanas, und zwar die ursprüngliche Partitur des Festspiels zur Grundsteinlegung des Rattonalihtaters im Jahre 1886 hat das Ministerium für Schulwesen und Bolksaufklärung aus Prwatbefitz käuflich erworben und sie im Smetana-Museum hinterlegt. Dieses Museum wird am heurigen Jahrestag des Todes Smetanas(12. Mai) durch die Smetana- Gesellschaft der Oefsenilichkeit feierlich übergeben werden. Heut« halb 3 Uhr nachmittags: das Lustspiel „Unentschuldigte Stunde" als Arbeitervorstellung Karten'an der Theaterkassa. Wochenspielplan drS Neuen Deutschen TheatrrS. Sonntag fh3: Nnentschuldigte Stunde, Arbeitervor- ftrllung;%7:. Die Walküre. Gastspiel Anny Konetzni, B 2.— Montag,%7: Martha. Theatergemeinde der Jugend. Abonn. aufgehoben.— Dienstag. halb 8: Der Rosenkavalier, A 2.— Mittwoch, halb 8: Orpheus in der Unterweist, B 2.— Donnerstag, halb 8: Liebe ist nichts» einfach, Erstaufführung. C 2.—Freitag, halb 8: Fidelio, D 1.—; Samstag, halb 8: Der Rosenkavalier, B 1.— Sonntag, halb 3: D er heilige A n t o n i u s; halb 8: Liebe istnichtso e i n f ä ch, D 1. Wochcnspielplan der Kleine« Bühne. Sonntag. 3: Die erste Legion: 8: Alle Rechte Vorbehalten.— Montag, 8: Kollege Crampton, Bankbeamten 1.— Dienstag, 8: U n ent schuldigte Stunde.— Mittwoch, 8: Alle Rechte Vorbehalten, Bankbeamte 2 und freier Verkauf.— Donnerstag, halb 8: Im L o n d o n e r Rebe l, volkstüml. Vorstellung.— Freitag, 8: Was Ihr wollt.— Samstag, 8; sinenHschuldigt» Stunde.-♦ Sonnwg, 8. Unentschuldigte Stund«; halb 6; Spie! umdie Welt, Erstaufführung. Der Dim Wir fahren nach Honolulu An Stelle des kurz vor der hiesigen Premiere von der Zensur beanstandeten„Tarzan"-FilmS(der dritten Bearbeitung dieses infantile« Stoffes) zeigt man eine neue Komödie der beiden amerikanischen Groteskkomiker L a u r e l und H a r d y, die diesmal die Verlegenheit seitensprunglüsterner Ehemänner als' Vorwand für ihre pfiffig-töpelhaften und maßlos drastischen Spässe benützen. Den Anhängern der beiden kann versichert werden, dätz Laurel und Hardy auch in diesem Film wieder im bewährten Stile bleiben. Den anderen aber, die Spässe dieser Art nur in Form kurzer Grotesken erwägen können, sei vom Besuch dieses allzulangen Film abgeraten, —eis— Ich sehne mich nach dir. Den Drehbuchautoren fällt für die grossen Sänger, die nun schon in ein paar Dutzend Filmen über Nacht berühmt geworden > sind, nicht mehr viel ein. Diesmal wird der Sänger Freude auS. Aber in der Plötzlichkeit, mit der so ein frohlockendes Kind sich wendet und seinem Ball nachsppingt und die Kätzchen vergißt, liegt auch die glückliche Fähigkeit des Kindes ausgedrückt, Wünsche zu vergessen, sich der Freude deS Augenblicks hinzugeben und dem nächsten Augenblick schon eine andere Freude abzugewinnen— genau wie die Kätzchen im Schaufenster, die mit ihren wechselnden Spieleinfällen die Zuschauer belustigen. Ein Mann kommt vorüber mft einem schönen, grossen, zottigen Hund. Einen Augenblick blerbt auch der Mann vor den Kätzchen stehen—«sie alle, die hier vorüberkommen. Da drängt sich aber auch schon der Hund zwischen den Zuschauern hindurch zur Scheibe hin, richtet sich auf, starrt hingerissen durch das Glas auf die durcheinanderrollenden Kätzchen, winselt verlangend," schaut zu seinem Herrn auf, winsell mit hohem bettelnden Laut:„Gib mir die — gib sie mir, diese purzelnden Weissen, Weichen Bällchen! Ach wie herrlich liessen die sich zausen und zerraufen!" Der Mann ruft ihn weg. Aber der Hund kann sich nicht trennen. Halb ausrecht stehend, «ine Vorderpfote gegen den Fenstersims gestemmt, die andere gekrünnnt erhoben, jault er leise und schnüffeü mit seiner feuchten Nase begehrlich gegen das GlaS, schaut verzweifelt seinem davongehende.i Herrn nach, folgt ihm, kehrt wieder um, winselt und bellt gegen das dumme Glas, das es ihm verwehrt, die spielenden Kätzchen durcheinander zu jagen. Aber es hilft alles nichts— erbarmungslos geht sein Herr davon, pfeift und er muß ihm gehorchen. Mft weinenden Augen ttottet der Hund davon. Nie darf wider Willen berühmt, denn er wäre lieber weiter-, hin Sport- uud Boxlehrer bei der Polizei geblieben.'" Aber trotz der recht bescheidenen Handlung und dem aufdringlichen Lobgesang auf die preussische Polizei und das Kinderkriegen, blerbt allerlei Sehenswertes — stimmungsvolle Landschaft, eine hübsche Tanzeinlage— und Hörenswertes, der gepflegte, Gesang Louis Graveur« s, der neben, einschmeichelndell Schlagern(Musik von Engel-Berger) auch eine Arie von Meyerbeer bringt. Camilla Horn ist ein ziemlich lebloses Bildnis, wenngleich bezaubernd schön. Adele Sandrbcks Baß und Energie, aber vor allem der erschütternd komische Theo Lingen, der gute Pechvogel, hringen Humor in den sonst recht mittelmäßigen Film. ik. AtuS, 5. Kreis(Fußball). Wie bekannt, wurde anläßlich des Kreisfußballertages eine Solidaritätsaktion zugunsten unserer arbeitslosen Fussballer zur Teilnahme am 3. Bundesturnfest beschlossen. Die Aktion, welche darin besteht, daß von jedem Besucher unserer Fußballspiel« ein Mehrbetrag von 20 Hellern eingeboben wird, beginnt am Sonntag/ den 13. März. Die Durchführung der Einhebung obliegt den Vereinen unter Aussicht der Bezirke u.nd die gesammelten Beträge sind der Bezirksspielleitung zu übermitteln. Die Schiedsrichter" sind verpflichtet, die Teilnehmerzahl festzustellen und auf dem Berichtsbogen zu vermerken. Separate Bescheinigungen (Spenderkarten usw.) werden vom Kreise für diese Aktion nicht herausgegeben; wir überlassen die gewissenhafte und korrekte Durchführung den Bezirksund Vereinsleitungen. Wir teilen in diesem Zusammenhänge mit,, daß gegenlvärtig für die Sondervorführung der Fußballer am 3. Bundesturnfest in allen Bezirken technische Kurse laufen und die Soli- daritftSaftion soll es jedem Arbeiterfussballcr ermöglichen, in Kpmytau aktiv teilzunehmen. Die Bezirksleitungen werden nochmals aufmerksam gemacht, dem Kreise die Gruppeneinteilung für die Meisterschaftsspiele.einzusenden,—- Die Kreisspielleitung. Vmimnacfiäcfiten Deutsche Bvlksstnggemeind« Prag. Dienstag Pröbe für Frauen um 7 Uhr und Männer 8 Uhr abends. Hirne in Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino:„Die ganze Welt dreht sich um Liebe."(Eggerth).— Adria:„Die Sextanerin". — Alfa:„D i e sündigen Fr a u e n v'o n B o am".(Fr.)— Avion:„Die weisse Frau."(A. Ch. Laughton.)— Beranek:„Die Vernichtung der Festung Ksur."(Fr. Annabella.)— Fen ix:„Tar- zan und sei«« Gefährrin." fA.).— Flora:„S e- q u o r a."(A.).— Gaumont:„Das Licht seiner Augen."(Tsch.)— Hollywood:„Verlobung mit Hindernissen."(D. Dolly Haas.)— Hvizda:„Die Sextanerin."(Tsch.)— Julis:„Das Licht seiner Augen."(Tsch.)— Kinrma: Journale, Grotesken Reportagen.(%2—-%7 Uhr.)— Koruna: Journale und Grotesken.(2—10 Uhr.)— Kotva B 36: „Das Geheimnis des versunken«» Schiffes.",(Rufs.) — Lnrrrna:„Tarzan und seine Gefährtin."