Sosialdemokrat ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB, VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 16. Jahrgang Die Partie steht schlecht für Hitter Dienstag, 17. März 1936 Frankreich lehnt die Berliner Bedingungen ab England ist von Hitler enttäuscht Die Situation, die bis Samstag in London für Hitler nicht ungünstig stand, weil das eng lische Kabinett selbst gespalten war und die öffentliche Meinung Englands eher deutschfreundlich als deutschfeindlich ist, hat sich durch Hitlers ungeschicktes Vorgehen sehr rasch gewandelt. Als in London bekannt wurde, daß Hitler nicht nur kein Entgegenkommen beweisen will, sondern auch noch Bedingungen für die Teilnahme eines deutschen Vertreters an den Beratungen stellt, wuchsen die Sympathien für Frankreich st ün dI ich. Die resolute Haltung Flandins hat den Briten offenbar imponiert, ihnen auch gezeigt, daß sie, an den Vertrag gebunden, Frankreich in der eindeutigen Rechtsfrage sekundieren müssen. Ist man auch in London noch immer zu Verhandlungen mit Deutschland geneigt, so steht nunmehr fest, daß die Verurteilung Deutschland 3 erfolgen wird, ohne daß vorher mit Deutschland verhandelt worden ist. Tie deutsche Note, die in London wie eine falte Dusche wirkte und die eine echt preußische Schnoddrigkeit ist, lautete: nen Einwand dagegen, daß diese zwei Angelegenheiten getrennt oder nach ein ander beraten würden. Im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten wurde heute darauf aufmerksam gemacht, daß durch irrtümliche Uebersetzung oder Interpretation eines Wörtchens in der deutschen Antwort, in welcher Deutschland seine prinzipielle Bereitwilligkeit zur Annahme der Einladung des Rates mitteilt, die deutsche Antwort weniger versöhnlich scheint als fie es in Wirklichkeit ist. Es handelt sich um den Sat, wel cher wörtlich folgendermaßen lautet: aus diesem Grunde kann fie( die deutsche Regierung) an den Verhandlungen des Rates nur teilnehmen, wenn sie die Gewißheit erhält, daß die in Frage kommenden Mächte bereit sind, alsbald in Verhandlungen über die deutschen Vorschläge einzutreten.. .. Im deutschen Original steht ,, alsbald" was insFranzösische mit Immédiament" und ins Englische mit„ Forthwith" übersetzt worden ist. Nach der deutschen Interpretierung bedentet jedoch das Wort alsbald ,, womöglich bald" und keineswegs ,, gleichzeitig" oder, fofort". Dieser originelle Wis hat seine Wirkung verfehlt. Die französischen Delegierten äußerten sich dazu mit beißender Jronie und. die Engländer blieben fühl. Dienstag: Verurteilung des Vertragsbruchs London.( Reuter.) Der Völkerbund rat hat in der geheimen Sigung beschlossen: 1. Deutschland wird mitgeteilt werden, daß es an der Situng des Völkerbundrates anf der gleichen Grundlage wie die übrigen Signatare des Locarnoabkommens, das ist ohne Stimmre cht teilnehmen kann; 2. die deutschen Vorschläge betreffen die Signatare des Locarnoabkommens und keineswegs den Völkerbundrat. In Völkerbundkreisen glaubt man, daß Dienstag eine öffentliche Sigung des Völkerbundrates stattfinden wird, auf welcher Deutschland wegen Verlegung des Locarnovertrages verurteilt werden wird. Der Rat wird sich sodann vertagen und seine nächste Sigung wird Montag nächster Woche in Genf stattfinden. Darüber wird entweder in einer geheimen oder in einer vertraulichen Sihung Beschluß gefaßt werden. „ Ich bestätige ergebenst den Empfang Ihres Telegramms vom 14. März, in dem Sie mir mitteilen, daß der Rat des Völkerbundes die deutsche Regierung einlädt, an der Prüfung der dem Rat von der belgischen und der französischen Regierung vorgelegten Frage teilzunehmen. Die deutsche Regie- Die öffentliche Sigung des Völkerbundrates Polen springt aus? rung ist grundsätzlich bereit, die Einladung des Ra- nahm die Darlegungen des Außenministers Paris.( Tsch. P. B.) Die Pariser Blätter tes anzunehmen. Sie geht dabei von der Voraus- Flandin und die gemeinsame franzö- druden mit Interesse, aber ohne Stommentar die ſekung aus, daß ihr Vertreter bei der Beratung und fische und belgische Resolution Informationen des ,, Daily Telegraph" ab, woBeschluß aufsung des Rates mit den Vertretern entgegen, durch welche der Völkerbunsrat aufge- nach es in London zu einer gewissen Aufklärung der Ratsmächte gleichberechtigt sein fordert wird, zu konstatieren, daß Deutschland und Annäherung zwischen Frankreich und würde. Ich wäre Ihnendankbar, wenn Sie mir dies die Bestimmungen des Versailler Friedensver- o I en gekommen sei. Als Folge dieser Annä militarisierte Rheinlandzone dadurch gewaltherung solle der polnische Generalstabschef bald fam verletzt hat, daß es am 7. März militärische Abteilungen in die entmilitarisierte Zone Und Italien bleibt kühl! entsandte und sie dort stationiert hat. bestätigen würden. trages und der Locarnoabkommen über die entAußerdem muß die deutsche Regierung auf folgende grundlegende Tatsachen hinweisen: Ihr Vorgehen, das der belgischen und der französischen Regierung Anlaß zur Anrufung des Rates gegeben hat, erschöpft sich nicht in der Wiebeherstellung der Der Vorsitzende des Völkerbundrates gab deutschen Souveränität in der Rheinlandszone, son- hierauf die Beschlüsse der geheimen Sigung des dern ist mit umfassenden, konkrete Vorschlä- Völkerbundrates bezüglich der Antwort Deutschfür eine neue europäische lands bekannt, worauf die Sizung gefchloffen Friedenssicherung verbunden wurde. Die nächste Sigung findet Dienstag um worden. Die deutsche Regierung betrachtet ihre 15.30 Uhr statt. ge nach Paris kommen. Einzelpreis 70 Heller ( einschließlich 5 Heller Porto) Nr. 65 Achtung auf Oesterreich! Die Hintergründe des Wiener Sozialistenprozesses Fast müßte man der Wiener Regierung oder ihrem zufällig vorherrschenden Flügel dankbar sein, daß sie durch den standalösen Monstre prozeßz gegen die revolutionären Sozialisten das Problem Desterreich wieder scharf in das europäische Blick= feld rückt. Denn die großen Konflikte im Westen dürfen keinen Augenblick die Tatsache verdunkeln, daß Oesterreich nach wie vor einer der größten Gefahrenherde auf dem Kontinent ist. Die Labilität der Klerofaschistischen Heimwehrdiktatur ist so offenkundig, daß es ratsam erscheint, das innerösterreichische Kräftespiel mit größter Aufmerfſamkeit zu verfolgen und sich gegen lleberraschungen zu wappnen. Der schwache Versuch Schuschniggs, das italienische Protektorat abzubauen, schein! bereits erledigt zu sein. Starhemberg ist wieder obenauf. Das bedenklich schwankende Wiener Regierungsschiff schwimmt neuerdings im Kielwasser Roms, der Kurs geht auf hundertprozentige faschistische Totalität. Ein aussichtsloses Beginnen. Das Regime ist so von Cliquenfämpfen zerrissen, der Staatsapparat ist derart mit Nazis durchsetzt, daß eine Rückkehr zu den brutalsten Henkermethoden der Nachfebertage die opposition nellen Kräfte nicht wesentlich zu schwächen ver möchte. Auch bürgerliche Beobachter stimmen darin überein, daß die Sympathien für die Sozialdemokratie im Wachsen begriffen sind. Eine Schätzung, die in den verschiedensten Kreisen kolportiert wird, geht dahin, daß bei einer freien Wahl in Oesterreich die Roten 50 Prozent der Stimmen erhalten würden, die Brannen 30 Prosent, die Regierung bestenfalls 20 Prozent. Diese 20 Prozent verteilen sich etwa je zur Hälfte auf Monarchisten habsburgischer und star hembergischer Richtung. Die sozialistischen Kräfte werden durch die Nachbarschaft zweier faschistiſcher Großmächte niedergehalten. Die österreichischen Nazis verfügen weder über populäre Füh= rer, noch über eine schlagkräftige illegale Massenorganisation und haben daher keine Aussicht, sich aus eigener Kraft irgendwie durchzusetzen. So Rom.( Havas). Der römische Korrespondent wird die österreichische Innendes Le Matin" berichtet, daß der deutsche Bot- Politik derzeit von der Rivolis schafter beim Quirinal von Hassell Samstag vom tät der zehn Prozent StarhembergStaatsuntersekretär des Ministeriums des Aeuße- Anhänger und der anderen zehn ren Suvich empfangen wurde, der den italieni- Prozent Otto Monarchisten be= schen Staatssekretär darüber informierte, daß herrscht. Deutschland unnachgiebig entschlossen ist, auf sei- Starhemberg spekuliert froß aller gegenteinem Standpunkte in dem durch die Besetzung der ligen Versicherungen auf das Amt eines ReichsRheinlandzone hervorgerufenen Konflikt zu be- verwesers". Die Anhänger Ottos wissen das sehr harren. Meldungen zufolge, die sich nach dieser gut und wollen ihrerseits zum Zuge kommen. Unterredung in Rom verbreiteten, war die Begeg- Hinter ihnen steht der größte Teil des Klerus und nung des italienischen Staatsmannes mit dem des Offizierskorps. Bei der gegebenen Sachlage deutschen Diplomaten kühl. Staatssekretär Su- und insbesondere dann, wenn sich der Locarnovich wiederholte, daß Ministerpräsident Mussolini Streit einige Monate hinziehen sollte, kann es in entschloffen ist, in dem gegebenen Konflikt a bio- Oesterreich zu leberraschungen kommen. HabsIĭute Reserve zu bewahren. burg wird alle Minen springen lassen, um sich gegenüber der braunen Gefahr als das„ kleinere Uebel" entweder im Verhandlungswege oder durch Handstreich zu etablieren. Starhemberg wieder wird durch diese Möglichkeit zu raschem Handeln Berlin.( Tich. P. B.) Hier sind Ge- genötigt. Nichts liegt näher als das, daß er im bekommen Ackerland rüchte im Umlauf, daß sich das Befinden des im Zeichen einer deutsch- italienischen Annäherung Konzentrationslager Papenburg internierten be- seine Pläne zu verwirklichen trachtet. Deshalb soll Madrid. Der Landtag ist Montag zu sei- kannten Schriftstellers und ehemaligen Heraus- rechtzeitig und mit allem Nachdruck vor der Evenner ersten Sigung zusammengetreten und hat den gebers der Weltbühne“ Offieski in besorgtualität eines braun- grünen Kompromisses geFührer der Republikanischen Union Martiniserregender Weise verschlimmert hat. Offiezti warnt werden, welches die Reichsverweserschaft nez Barrio mit 386 Stimmen bei sieben soll sich in Agonie befinden. Eine Bestätigung Starhembergs um den Preis der Hereinnahme Stimmenthaltungen zum Präsidenten der Kam- dieser Gerüchte war bisher nicht zu erhalten. einiger Nazi- Minister verwirklicht. mer gewählt. Die Regierung hat beschlossen, den Alarmzustand in Spanien um einen Monat zu verlängern. politische Aktion als eine Ein- Die Situation ist also dank Hitlers beit, deren Bestandteile nicht von großartiger Strategie, die ihn nach seiner Müneinander getrennt werden dürfen. chener Rede mit ,, traumwandlerischer Sicherheit" Aus diesem Grunde kann sie an den Verhandlungen das Richtige tun läßt, für Deutschland des Rates nur tilnehmen, wenn fie die Gewißheit zie hmlich verfahren. Die Londoner, erhält, daß die in Frage kommenden Mächte bereit die Pariser und die amerikanische Presse berurfind, alsbald in Verhandlungen teilen die Lage so, daß England mehr und mehr zu über die deutschen Vorschläge Frankreich neigt und seine Vermittlerrolle wird einzutreten. Die deutsche Regierung wird aufgeben müssen. sich zu diesem Zweck mit der königlich britischen Regierung in Verbindung setzen, unter deren Vorfiz die am Rheinpakt von Locarno interessierten Mächte in London zu Beratungen zusammengetreten find. Gez. der Reichsmirker des Auswärtigen, Freiherr v. Neurath." Die Erklärung, mit der Flandin die Zus mutungen der Hitler- Diplomatie zurückwies, iſt viel fürzer. Sie lautet im amtlichen französischen Text: ,, Ich kam nach London, um zu konstatieren, daß Deutschland den Locarno- Baft verletzt hat und nicht, um mit Deutschland zu verhandeln. Wen dem anders sein sollte, würde ich eher nach Paris zurückkehren, ja, wenn dies notwendig sein sollte, würde ich aufhören, Frankreich im Völ terbunde zu vertreten." Bezeichnend für die Denfart der HitlerRegierung ist aber auch der Dreh, mit dem Berlin sich Montag die Sympathie Englands zurückerobern wollte. Es begann sich nämlich plöslich auf einen ll'eberiebungsfeb Ier auszureden. Reuter erfährt darüber cus Berlin, 50.000 spanische Landarbeiter Der Staatspräsident unterzeichnete ein Dekret, wonach 50.000 spanischen Landarbeitern Ackerland zur Verfügung gestellt werden soll. Im Ministerrat erklärte der Minister des Innern, daß in ganz Spanien nunmehr voltommene Ruhe herrscht. Lodzer Textilstreik durch Schiedsspruch beendet ,, daß Deutschland der Ansicht ist, daß es das ver= Warschau. Der Streik in der Lodzer nünftigste wäre, daß die Angelegenheit des Lo- Textilindustrie, der am 2. März begonnen hatte carnovertrages und die deutsche Friedensvorschlä- und sich auf nahezu alle Betriebe der Stadt und ge vom Völkerbundrat gleichzeitig durch beraten des Kreises Lodz erstreckte, ist Sonntag durch wird. Wenn dies jedoch als nicht zu verwirklichen einen Schiedsspruch beigelegt worden, dem Arangefehen werden würde, hätte Deutschland te i beiter und Arbeitgeber zugestimmt haben. Ossietzki in Agonie? Neue Maßnahmen Man sage nicht, es sei unmöglich, daß StarHemberg die Rolle Rintelens übernimmt. Nichts ist im heutigen Oesterreich unmöglich, wenn der gegen die Bekenntniskirche Duce dabei auf seine Rechnung kommt. Mussolini Berlin. Die Geheime Staatspolizei hat hätte seinen getreuesten Knecht an der Spitze des gegen eine Anzahl von Pastoren der Bekenntnis- Staates, Hitler könnte zugleich einen Prestigefirche scharfe Maßnahmen ergriffen. Pastor Erfolg ernten, wenn einige seiner Emissäre den Baerenger aus Hessen- Nassau und sieben andere bisher kaum verhüllten Einfluß der Nazis in der Mitglieder einer Pfarrgemeinde wurden verhaf- Administrative und Justiz offen zur Geltung tet, weil sie in der Bevölkerung Unruhen dadurch bringen könnten. In einer solchen Konstellation hervorgerufen hätten, daß sie in ihrer Pfarr- wären schließlich die braunen Partner die Stär gemeinde eine religiöse Woche veranstalteren, weil sie im Lande über die breitere politeten. Pastor Krause aus Waldbröhl in Hessen- tische Basis verfügen. So hat doch auch Hitler Nassau wurde wegen Bemerkungen verhaftet, die seinen Hugenberg erledigt. er zu anderen Pastoren über das Buch Rosen- Wer dieses saubere Spiel berfolgt, versteht bergs Mythos des 20. Jahrhunderts" gemacht auch die Hintergründe der neuen Verfolgungshatte. In Spandau hat die Geheime Staatspoli- welle gegen die österreichischen Sozialisten. In zei der Bekenntniskirche verboten, Gottesdienste diesem Punkt sind Mussolini und Hitler, Starabzuhalten. Hemberg und die Auftronazis bereits geeinigt. Seite 2 Dienstag, 17. März 193« Nr.«5 Stärbcmberg drängt zum Vollfaschismus hin., M A(|g A AiiRanovnAcÄ Soweit er dabei die amnestierten und illegalen FlCUlC AUDCI1CaPv5C auf 1000 9 Prag. Für Dienstag nachmittags wurde» die AußenauSschüffe der beiden Kammer« zu Sitzungen einberufe«, in welchen der neue Austenminister Dr. K r o f t ta, wie bereits in der Vorwoche angekündigt, ein Expoft über die außenpolitische Lage unter besonderer Berücksichtigung der durch den deutschen Schritt vom 7. März geschaffenen Situation erstatten wird. * Am Montag fanden verschiedene interministerielle Verhandlungen statt, welche der endgültigen Redaktion der vom Ministerrat bereits grundsätzlich genehmigten Vorlagen Wer die Verteidigung des Staates und Wer die Verschärfung der Bestimmungen Wer die Spionage dienten. Die Beratungen, an denen die feweilS interessierten Ressorts- teilnehmen, gehen Dienstag vormittags weiter. Sie betreffen üsevdies auch den Mieterschutz, Wahrscheinlich wird diese Vorlage mit kleineren Aenderungen in der Fassung, wie fie seinerzeit von der Regierung ausgearbeitet wurde, zur parlamentarischen Ge- nehmigung unterbreitet werden. 8m Schülministerium fanden am Montag Beratungen von Vertretens der SchnlKi:wakkung und der zentralen tschechischen‘ und deutschen Lehrerverbände statt, die sich mit der Frage des Uebertrittes der Schüler aus den Volks- in di« Bürgerschulen befaßten, und zwar unter besonderer Berücksichtigung der m i n d e r b e g a b- t e n Schüler. Es wurden hauptsächlich zwei Möglichkeiten diskutiert: die bisherige Praxis, wor- nach Minderbegabte Schüler erst nach erfolgreich abgelegter Prüfung in die Bürgerschule ausgenommen werden, und neue Vorschläge in der Richtung einer Neuregelung der Klasiifizierungs- vorschriften für das fünfte Schuljahr an Volksschulen. Die Ergebnisse der Enquete werden bei der kommenden normativen Regelung Berücksichtigung finden. Arbeitslosigkeit und Nationalität Von 1.000 Einwohnern im tschechischen Gebiet 48.05. im deutschen 96.5 arbeitslos Von 1000 Einwohnern waren— wie wir den Mitteilungen des Deutschen Hauptverbandes der Industrie entnehmen— zu Ende Feber 1936 in der ganzen Republik 58.4, in den deutschen Gebieten 96.5 und in den tschechischen Gebieten 48.5 arbeitslos. Die schlechtere Lage der deutschen Bezirke beweist noch deutlicher nachstehende Grgen- Werstellung der Bezirke mit der größten und der geringsten Arbeitslosigkeit^ zu Ende Feber 1936^ Bezirke mit der Bezirken mit der größten Ar- Sozialisten tvieder in di« Kerker und Konzentrationslager bringen will, findet er die liebevollste Unterstützung der Razi-Bürokratie und der Nazi- Justiz. Beim Mißhandeln verhafteter sozialistischer Arbeiter tun sich auf den Wiener Wachstuben die Nazi-Polizisten besonders schändlich hervor. Sozialisten werden wegen illegaler Gewerkschaftsarbeit zu zehn Jahren schweren Kerker verurteilt; Nazis kommen bei dem gleichen Delikt mit einigen Monaten davon. Gendarmen die sich bei der Niederschlagung der Feberkämpfer hervorragend„auszeichneten", sind inzwischen bereits als illegale SA-Leute entlarvt und eingesperrt. Unter der Bürokratie finden rätselhafte Versetzungen statt. Ein besonders„vaterländischer" Bezirkshauptmann-Stellvertreter mußte plötzlich gegangen werden, weil seine Vorgesetzten erfuhren, daß er den Silvester durch Absingen des Horst-Wessel-Liedes gefeiert hat. Der Mann amtiert bei einer anderen Bezirkshauptmannschaft weiter! Die Tragikomik der österreichischen Diktatur besteht darin, daß einfach nicht genug vaterländische Elemente vorhanden find, um die Beamten und Richterposten zu besetzen. Die Nazis sind im Staatsapparat unentbehrlich. Daran wird gar nichts geändert, wenn quasi der Parität willen wieder einige hundert Austronazis verhaftet werden. Soweit die Gefängniswärter nicht direkt mit ihnen durchbrennen» öffnen ihnen einflußreiche Freunde bald wieder die Tür zur goldenen Freiheit. So ist es um ein Regime bestellt, welches die Stirne hat, soeben 30 Vertrauensmänner der revolutionären Sozialisten des„Hochverrats" anzuklagen. Das sind Männer und Frauen, welche die demokratische Berfaffung Oesterreichs unter Einsatz von Existenz, Freiheit und Leben verteidigten. Die Anklage dichtet ihnen Diktaturgelüste an, dies im Namen von Usurpatoren, welche die beschworene Verfassung gebrochen und über vier Fünftel des österreichischen Volles eine Diktatur aufgerichtet haben. Es wird doch kein Mensch in Oesterreich glaWen, daß nicht die ganze zivilisierte Welt wüßte, wer in diesem Prozeß die wahren Ankläger und wer die wahren Angeklagten sind. Nein, diese Komödie wird mitdemBlickaufRom undaufBer- lin gespielt! Der Regisieur heißt Starhem- berg. Er will seinen heutigen und seinen morgigen Geldgebern zeigen, wie er das Terrain zu Zubern versteht. Darum: Achtung auf Oesterreich! Die völlige Schwenkung, die zwischen der Wrih- nnchts-Amnestie und dem Monstrrprozeß gegen 30 Sozialisten innerhalb Biertrljahresfrist vorgenommen wurde» ist der beste Beweis» daß dunkle Pläne, gesponnen werden. Europa möge wissen, daß dje Friedens- und FreiheitSgesiiinung der österreichischen Arbeiter unter Anklage steht. In der Sorge um den europäischen Frieden möge nicht übersehen werden, daß in Oesterreich eine starke und treue Friedensarmee trotz alledem aufrecht steht, die nun wiederum durch neue Verfolgungen und neu« Schreckensurteile auseinandergetrieben werden soll. Wir wisien, daß dieser neue Versuch ebenso mißlingen wird wie die vorangegangenen Aktionen gleicher Art mißlungen sind. DaS friedliebende Europa aber hat di« Pflicht, seinen Teil zur Beseitigung der Schande beizutragen, daß in einem so exponierten und wahrlich bedrohten Staate die VerfasiuNgsbrecher Wer die Verfassungsschützer scheinheilig zu Gericht sitzen dürfen. In den 12 Bezirken mit der größten Arbeitslosigkeit sind nur zwei tschechische Bezirke (Wsetin und Starkenbach). Bezirke mit der auf 1000 Berufs- tätige 24.5 42.1 42.8 43.0 44.8 52.8 56.4 58.2 58.4 58.7 59.0 61.5 größten Berufs» geringsten Arbeitslosigkeit tätige Arbeitslosigkeit GraSlitz,. 887.5 Groß-Prag. Wsetin»- ■ e 879.7 Tabor». Sternberg, 338 7 Jitschin.. Preßnitz.. 309.1 Königinhof a. E Wogen.. • 801.2 Ledetsch a. S» Karlsbad., ■ 296.8 Strakonitz., Friedland. 294.7 Proßnitz.. Rümerstadt, 289.3 Blatna-, Freudenthal. ■ 287.1 Beneschau, Jägerndorf. • 273.1 Schlan.. Starkenbach. 271.1 Nikolsburg, Neudek., 267.6 Landskron. I„Wir wollen nur die Freiheit wie die Arbeiter anderer Länder" Prachtvolle Haltung der Wiener Sozialisten vor Gericht Wien. Montag begann vor dem Wien« r Schwurgericht im Landesgericht I der Prozeß gegen 25 Sozialdemokraten und zwei Kommunisten. Die Hauptangeklagten Karl Hans Sailer und Marie E m h a r t werden in der Anklageschrist des Hochverrates beschuldigt. Gegen sie hat der Staatsanwalt die Todesstrafe beantragt. Gegen die übrigen Angeklagten wird ebenfalls die Beschuldigung des Hochverrates erhoben, gegen zwei überdies die Beschuldigung des Betruges, begangen durch Paßfälschungen. dann das L i r» z e r P r o g r a m m, das sich für die Der große Schwurgerichtssaal ist nur spärlich gefüllt. Das Gebäude ist von Bewaffneten umstellt, die Kontrolle WerauS streng. Zuhörerkarten wurden nur an die engsten Angehörigen der Angellagten und an einige ausländische Journalisten ausgegeben. Das ersuchen einiger ausländischer Sozialisten um Zuhörerkarten wurde vorläufig abgelehnt. Die Verhandlung begann nach 9 Uhr srW. Die Angeklagten, die alle in aufrechter, trotziger Haltung in den Saal schritten, grüßen ihxe Angehörigen mit dem Freiheit-Gruß und durch Win ken. Nach der Aufnahnre der Personalien wurde die Anklage verlesen. vle Anklage Die Anklage behauptet, daß die Vereinigte sozialistische Partei die Aufgabe hatte, die sozialdemokratisch und kommunistisch orientierte Bevölkerung wieder in einen Rahmen für die revolutionäre politische Tätigkeit einzufügen. In Wirklichkeit bezieht sich der Name„Vereinigte sozialistische Partei" nicht auf das Zusammenwirken mit den Kommunist«», sondern darauf, daß sich nach den Febertagen in Oesterreich verschiedene Gruppen der alten sozialdemokratischen Partei gebildet haben, deren Zusammenfassung und einheitliche Leitung durch den neuen Namen ausgedrückt wird. Den Angeklagten wird auch vorgeworfen, an einer Reichskonferenz der neuen Partei in B r ü n n um die Jahreswende 34/35 teilgenommen zu haben. Das Verhör der Angeklagten Als erster Angeklagter wird der Schaffner der Bundesbahn Franz Rauscher einvernommen, der, wie die meisten übrigen Angellagten, schon 14 Monate in Haft sitzt. Er gibt an, von der Brunner Konferenz nichts gewußt und an ihr nicht teilgenommen zu haben. Die Teilnahme an der Sammlung der versprengten Parteigruppen stellt er nicht in Abrede. Es ses gänz selbstverständlich gewesen, daß sich"dke Mit- yneder der soMldemostatischen Partei mit dem Verbot der Partei nich^t abgesunden hätten. Die langjährige Tätigkeit der Sozialdemokratie auf wirtschaftlichem, sozialen und kulturellen Gebiet habe reiche Früchte getragen; dieses Wirken könne nicht von heute auf mergrn ausgelöscht werden. Die Sozialdemostaten seien sowohl gegen den nationalsozialistischen als auch gegen den Heimwebr- faschismus und strebten nichts anderes an als di« Freiheit ,die die Arbeiter anderer Länder haben.\ ES sei beschämend,daß man seine sozialistische Gesinnung nur alS Angeklagter im Grrichtssaal bekennen dürfe. Die Bewegung sei immer revolutionär gewesen, der neue Name sei unter den besonderen Umständen nach dem Feber von selbst entstanden. Nlan habe alle Gelegenheiten auSnützen wollen, um ein späteres legales Hervortreten wieder vorzubereiten., Der Angeklagte erläutert Demokratie ausspricht und Gewalt nur als Abtvehr gewaltsamer Angriffe vorsieht. Meine Richter, sägte der Angeklagte, urteilen nach Gesetzen und Verordnungen, ich handle nach dem natürlichen Rechtsempfinden des Volles. Der Angeklagte Karl Fischer, ein Mechanikergehilfe, läßt in seiner Aussage erkennen, daß gerade die illegale Tätigkeit zur Rettung der Arbeiter vor dem Einfluß der nationalsozialistischen Ideologie und also zur Stütze der österreichischen Unabhängigkeit beitrug. Er schildert die Bemühungen der Nationalsozialisten, die Anhänger der aufgelösten sozialdemokratischen Partei für eine nationalsozialistische Revanche-Ideologie zu gewinnen, und die Bemühungen der illegalen Sozialdemokraten, vor allem d> jungen Parteianhänger, vor einem solchen Schritt z u- rückzuhalteu. Die losen Gruppen hätten sich im Wrigen nach dem Feber vor allem zum Zwecke der Unterstützung der Menschen gebildet, deren Ernährer erschaffen, hingerichtet oder eingekerkcrt wurden. Der Angellagte Alois Pfänner, ein Elektri- ker, sagt aus, daß die Polizei mit der Behauptung, der Schutzbund werde wieder gesammelt, auch die Zusammenfassung der Mitglieder früherer sozialdemostatischer Kulturorganisationen gemeint habe. Karl Fürstenhofer gibt an, daß nach den Febertagen Gerüchte über gewisse Vorbereitungen einer ausländischen Macht im Osten im Umlauf gewesen seien. Er sei Burgenländer und habe seinerzeit auch mit anderen Genoffen für die Freiheit des Burgenlandes gekämpft. Run habe er sich verpflichtet gefühlt, den Gedanken der Freiheit des Burgenlandes unter feinen Freunden wachzuhalten. Zu diesem Zwecke habe er in seinem Geburtsort mit alten Freunden, nicht jedoch mit sicheren Mandataren, Verbindung gesucht. Die Männer des Schutzbundes, die ihr Herzblut für die Idee gaben, seien auch die besten Parteigenossen gewesen. Im übrigen sei von einer Wiedererrichtung des Schutzbundes in seiner mflitanten Form niemals die Rede gÄvesen. Karl Fischer ergänzt seine frühere Aussage. Er gibt zu, an.der Besprechung in Brünn teilgenommen zu haben, doch seien dort k e i n e Besch l ü s s e gefaßt worden. Ueber die Einzelheiten der Konferenz verweigert er die Aussage. Zu einem Geständnis wurde er erst durch die Behauptung der Polizei verleitet, daß die Geständnisse der anderen Genossen schon vorlägen. Das Durchlesen des Polizeiprotokolls sei dem Angeklagten nicht ermöglicht worden. Der Angeklagte Anton Proksch schildert zunächst seine erfolglosen Versuche, sich eine neue Existenz zu gründen. Sailer habe in Brünn in dem Sinne referiert, daß die Neuschaffung einer legalen Bewegung versucht werden solle. Die Dinge, die er(Proksch) angab, standen im Protokoll anders, als er es gemeint habe. MKNNER, FRAUEN I UND WAFFEN I Roman von Manfred Georg Copyright by Dr. Manfred Georg. Prag Er hat einen Anfall, dachte sie und wollte zur Tür. Ta war es schon vorWer. Der Fremde stand wieder wie ein ganz gewöhnlicher Sterblicher neben ihr. Nur zitterten seine Hände beim Zigaretten-Anzünden so, daß sie ihm selbst das Streichholz schließlich anriß. Er tat drei lange Züge, ritz ein Blatt aus einem Büchlein, schmierte etwas darauf und gab es ihr. „Ach bin der Vater Lieser Frau, die Sie beschrieben haben. Sie haben mir einen großen Dienst geleistet, bitte nehmen Sie meine Adresse und..." er gab ihr noch eine Visitenkarte",— und das andere, bitte ich Sie von mir anzuneh- nten als Entschädigung für die Versäumnisse, die Sie sicher durch Ihren Besuch bei mir gehabt haben." Draußen auf dem Gang entfaltete das Mädchen den Zettel. Sie erschrak Wer die Höhe des Schecks. In demselben Augenblick steckte Schumann noch einmal den Kopf zur Tür hinaus Und winkte sie heran: „Aber eine Bedingung, mein Fräulein: nichts davon weiter erzählen oder in die Zeitung bringen! Versprechen Sie es mir?" Das Mädchen nickte, dann umarmte sie ihn spontan und lief davon. Als Schumann eine halbe Stunde später mit gepackten Koffern im Vestibül erschien, fiel ihm auf, daß di» Leute ihn anlächelten. Er lächelte zurück, er war glücklich und er freute sich, daß auch di« andern sich freuten. Worüber war ihm egal. Schließlich brachte der gewandte Portier ihm diskret bei, daß er das Gesicht voll Puder hatte.. „Sie mögen das nicht?" fragte er den völlig Verblüfften und empfahl sich, ohne auf die Ent- schuldigungsbeteuerungen des Mannes zu hören, der dachte, einen faux-pas begangen zu haben. Aber Hotelportiere beruhigen sich rasch, haben sie doch neben den Irrenärzten die beste Menschenkenntnis und stärkste Menschenverachtung von allen Berufen. Die Reis« nach Barcelona— ein Umweg, hervorgerufen durch eine Depesche Giröbles— war mit allerhand Verzögerungen verbunden. Die politische Unruhe schien sich immer weiter auszubreiten. In Valencia bekam der Zug eine mili- tärische Bedeckung. Barcelona selbst zeigte ein Aussehen, das Schumann kannte. Daß die Stra- ßen voll von Menschen waren, war ja nichts Ungewöhnliches, denn bis in die späte Rächt hinein war hier immer alles auf den Beinen. Aber das Fieber, das die Leute zu beherrschen schien, die vielen diskutierenden Gruppen, die sich widersprechenden Exstablätter der Zeitungen, die höhnischen Pfiff« und Zurufe, wenn die Polizeipatrouillen sich quer den Weg über die Plätze bahnten, zeigten deutlich die sich steigernde Erregung. Die Stadt war voll von Gerüchten. Es hieß, daß die katalanische Selbstverwaltung eine offizielle Loslösung vorbereite. Genaues war alleodings nicht zu erfahren. Der Bankier Gi- robles empfing Schumann besonders herzlich: „Das ist«in Glück, daß Sie kommen. Große Geschäfte. Es stinkt hier nach Revolution. Wir haben von Paris den Auftrag, unverzüglich in der Bucht von Badalona Waffen für die Regierung zu speichern. Sie werden von Madrider Vertrauensleuten dort abgenommen. Die Schiffe kommen aus Marseille herüber. Selbst wenn die spanischen Küstenbatterien hier mit katalanischen Regimentern belegt sind, besteht keine große Gefahr. ES sind Torpedoboote und Kreuzer unserer Marine, di« sicher sind, angewiesen, die Transporte zu decken. Außerdem wird bei Nacht gelandet. Gleichzeitig kommt Gas in Kisten, die als Pianos deklariert sein werden, hier direkt im Hafen an. Besonderer Wert wird auf die Maschinengewehre gelegt, die bei den Sendungen sind. Es ist erstklassige Ware, Hotchkitz Nr. 87, dasselbe Modell, das für die Japaner nach China geliefert worden ist. Es ist zwar nur eine Spielerei für Sie» diese Sachen durchzuführen, aber die Telegramme von Dunaimis bezeichnen Sie mit Namen." Es klappte alles. Schumann erfüllte die Aufgabe mit sachlicher Selbstverständlichkeit. Er haßte die Revolution in welcher Gestalt auch immer, und wenn er an den Untergang seines Landes dachte, den er fern in der Gefangenschaft aus dem Echo der Lagerwachen und Lagerzeitungen erlebt hatte, so empörte sich sein der Tradition ergebenes Soldatenherz. Selbst in den Zeiten seiner stärksten Apathie war er heftig geworden, wenn die Ruhe und Ordnung der Well, die ihm durch ewige Gesetze vorgeschrieben schien, gefährdet zu werden drohte. So wenig wie er unordentliche Kleider liebte, so wenig verbarg er seine Abneigung gegen ein«„unordentliche" Weltgeschichte. Alle seine privaten Erlebnisse, sein Leid, sein Suchen und die Werraschenden Wendungen seines Lebens hatten jenes Grundgefühl nicht Werwinden können, das in der Jugend in ihn gepflanzt worden war, das Gefühl für das Recht des Mannes, der die Waffe trug und dessen, der diesem Manne kraft seiner Persönlichkeit befehlen konnte. Die Landungen im Hafen vollzogen sich ohne Schwierigkeiten. Die Hafenarbeiter, meist Syndikalisten, die unter sich lebhaft und ohne Gene die Möglichketten eines baldigen bewaffneten Aufruhrs erörterten, trugen ächzend die schweren Piano-Kisten auf die Camions, die, von zuverlässigen Chauffeuren geleitet, damit nicht in die Kasernen fuhren, sondern in Baracken außerhalb der Stadt, deren Personal und Wachen fast durchwegs Beamte der Madrider Zentralregierung in Zivil waren. Bei der Landung in der Bucht von Badalona gab es einen kleinen Zwischenfall. Es war später, dunkler Abend, als die großen Boote von den Schiffen die gut verpackte Fracht ans Ufer trugen. Die Lust war schwer von der Süße des Sommers, und die Wellen kamen ganz leise und behuffam in langen Linien angezogen. Da das Ufer aber ziemlich klippenreich war, hatte man Fischer mitgenommen, die jeden Zollbreit Meer hier kannten. Es waren arme Burschen, die sich gern mit dieser nächtlichen Arbeit ein paar Peseten verdienten. Die Agenten der Gesellschaft hatten Schumann hinterbracht, daß man mit ihnen sehr vorsichtig sein müsse, weil sie politisch'als durchaus unzuverlässig galten. Einer der Fischer nun, Geronimo mit Namen, half an einer abseitigen Stelle bei der Uebernahme von Kisten von den Booten ans Land. Und gerade vor ihm muftte durch die Ungeschicklichkeit einetz von einer Mücke am Auge gestochenen Matrosen ein« Kiste auf die Steine fallen, zerschellen und aus ihrem geöffneten Leib eine Unzahl blinkender Maschinengewehrteile herausquellen lassen. Der Geheimpolizist, der in Zivil an dieser Stelle den Transport überwachte, sah Geronimo die Augen aufreißen und hörte ihn leise einen Pfiff durch die Zähne stoßen. Der Polizist entfernte fich unauffällig und meldete den Fall Schumann. Er fügte hinzu:. „Ich habe auch ganz deutlich gesehen, daß der Bursche etwas Blinkendes in die Tasch« steckte. Wahrscheinlich will er seinen Kumpanen einen Beweis vorlegen." „Verhaften und unschädlich machen", befahl Schumann kurz. Der Agent nickte und entfernte sich. Er suchte Geronimo auf und verwickelte ihn in ein Gespräch. Dann meinte er:„Wir wollen setzt einmal dort hinWer. Da kommen gleich zwei Boote an, wo man so einen kräftigen Mann wie Sie nötiger braucht als hier." (Fortsetzung folgt.) Nr. 65 Dienstag, 17. März 1936 Seite 3 Auch Proksch konnte das Polizeiprotokoll nicht lesen. Der Beamte Stephan Wierlandcr fuhr nach Brünn, um seine Mitarbeit an einem Pressedienst zu besprechen, und hat kurze Zeit an der Dera« tung teilgenommen. Sein Eindruck war, daß diese Besprechung einer Klärung der Situation in Oesterreich gegolten habe, die durch dieUnfrei- h e i t gekennzeichnet sei. Bon besonderem Interesse war die Aussage des HochschülerS Bruno Kreisky, der ebenfalls schon 14 Monate in Haft sitzt. Er sei nach Brünn gefahren, um über die Ur» fachen der Niederlage etwas zu erfahren. Dort habe er den Sekretär der Arbeiter-Internationale auch über die Situation der Arbeiterbeweauna in anderen Ländern gefragt. Illegal hab« sich der Angeklagte nicht betätigt, aber nicht deshalb, weil dies verboten war. sondern weil er infolge seines angestrengten Studiums keine Zett hatte.— Als ehemaliger Funktionär der Wiener Arbeiterbewegung könne man nicht auf die Straße gehen, ohne frühere Freunde und Mitarbeiter zu treffen. Die illegale Arbeiter-Zeitung habe er gelesen: man habe ste überall bekommen und ste auch aus der Straßenbahn gefunden. ES sei bekannt, daß die legale Presse in Oesterreich die Wahrheit nicht schreiben kam», lieber den jetzt laufenden Prozeß berichtet z. B. di« Amtliche Nachrichtenstelle. Bei der Erörterung der Pressefreiheit fordert der Vorsitzende Osio den Angeklagten auf, zur Sache zu sprechen. Kreisky sagt, er sei vor dem Feber Sozialist gewesen und werde eS bleiben. Der Klassenkampf sei daS einzige Mittel zur Befreiung der Arbeiterklasse. In Oesterreich sei er zwar verboten und abgeschafft. aber selbst der jetzig« Sekretär der Arbeiterkammer Pollak habe geschrieben:...(Hier unterbricht der Vorsitzende wieder.) Die Anklageschrift setzte die revolutionären Mittel der blutigen Gewalt gleich. Wir Marxisten fassen jedoch die revolutionäre Entwicklung so auf. daß wir ein neues Prinzip an die Stelle eines bestehenden setzen wollen. Wir brauchen uns keine neuen Definitionen zurechtzulegen, um unS unschuldig zu umchen. sondern können di« alten Definitionen verwenden, die unS gelehrt wurden. DaS ist ehrlich und ist die Wahrheit. Wen» «S in Oesterreich eine legal« Arbeiterbewegung gäbe, dann gäbe rS eben keine illegale und auch keine illegalen Zeitungen. Dir Anwendung der blutigen Gewalt sei von einer ganz andere« Seite gekrmmen. Nicht überall habe man eine« freigewählten Bürgermeister mit Gewalt beseitigt.(Unterbrechung durch den Borfidenden.) Der Angeklagte habe gestanden, daß er nach Brünn^gefahren sei: darin erblicke er keinen Hochverrat. Di« kommenden l^rig- nisse, sagte er, sollen sich..»ter dem Zeichen der Humanität vollzieben. DaS wird aber ganz von dem Maße der Rachegefüble abhängcn. die durch die Reaktion jetzt geweckt werden. T»> Entscheidung dar- über haben nicht wir. Es sei lächerlich. unS zuzumuten. wir würden den Staat, der Hunderte Millionen für seine Exekutive ausgibt, mit Krampen und Schaufeln besiegen wollen. Auch die Idee ist eine Gewalt. Wir leugnen nicht, daß wir die Idee zum Siege bringen wollen. Den individuellen Terror lehnen wir ab. Wir waren Feinde des Bundeskanzlers Dollfuß, ermordet wurde er jedoch von anderen. Oesterreich sei«in Keines'Land. ES fei durchaus denkbar, daß linke Regierungen in den anderen Ländern diesem Oesterreich nur dann Hilfe gewähren, wenn es demokratisch ist. ES sei möglich, daß sich Arbeiter und Bauern im Kampf um die FreihritSrechtr finden. DaS sei keine blutige Revolution. liege aber durchaus im Bereich der Möglichkeit. Die österreichische Unabhängigkeit wollen auch die Arbeiter verteidigen: sie werden ste aber nur verteidigen können, wenn sie zugleich mit der Unabhängigkeit ihre Freiheit verteidigen. Dann spricht Kreisky über Viktor Adler. Han» nusch und Reumann, deren Denkmal man beseitigt habe. Auch sie seien einmal verfolgt" gewesen und hätten dann im Vordergrund des Geschehens gestanden. Der Vorsitzende duldet nun nicht mehr, daß Kreisky seine Rede zusammenhängend fortsetzt. Als der Vorsitzende sagt? daß Kreisky noch jung sei und ihm daher Bescheidenheit gezieme, gibt der Angeklagte zurück: Jawahl, ich bin jung und soll bescheiden sein, aber schließlich sitze ich auch 14 Monate in Hast wie die andern und bin wegen der gleichen Delikte angeklagt I Der Angeklagte Hans Kratky schildert in schlichten Worten seine Arbeit in der Turnerbc« wegung und die Mühe, die die Arbeiter mit der Errichtung ihrer Häuser und Sportplätze hatten. Jetzt wurde ihnen alles weggenommen.- Der Angeklagte Josef Kratky war überhaupt nicht in Brünn und hat auch die Delikte nicht be» gangen, die ihm vorgeworfen werden. DaS trifft auch auf die Angeklagten Otto Probst und Andreas Liberda zu. Dieser sagt auf die Feststellung, wie man denn feine Teilnahme an der Brünner Tagung behaupten könne: Das frage ich mich schon seit vierzehn Monaten! Nach dem Angeklagten KnechtelSberger Ms nsbruck, der wie alle anderen seine unerschütterliche sozialistische Gesinnung betont, sagt Alfred Weißmann, daß er nur deshalb seine Fahrt nach Brünn gestanden habe, weil man ihm gedroht halte, andernfalls seine in Haft genommene Frau in der Hast zu belassen. Aber er habe sich auch gesreitt, in einem freien demokratischen Lande Zeitungen lesen und mit früheren Freunden frei sprechen zu können. * Tie Einvernahme der Hauptan-rklagten Karl Sailer und Marie E m h a r t wird am Dienstag durchgeführt werden. kln Unterhändler unterwegs? London. Wie Reuter aus AddiS Abeba unter der Ueberschrist„Bedeutet da- Frieden?" berichtet, wurde der früher« abessinische Gesandte in Rom, Jesus Afrwor, am Montag in Djibuti erwartet. Wie verlautet, habe er einen außerordentlich wichtigen Antrag. An allel Arbeiterinnen und Arbeiter, Burschen und Mädchen! Seit Wochen wird in der Organisation unserer Junge«, im„Sozialistischen Jugendoerband", fieberhaft an der Borbereitung einer großen Kundgebung gearbeitet, werden mit großer Begeisterung und mit OrganisationSdisziplin sondergleichen alle Arbeiten auf diese Kundgebung, auf den Reichslugendtasi ««-gerichtet, der an Pfingsten 1936(30. Mal bis 1. Juni) In Bodenbach stattfinden wird. Nunmehr hat auch die KreiSorganisatton Aussig»Bodenbach-Warn-dorf der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei z« einem Kreisarbeitertag aufgerusen, den sie mit dem ReichSjugendtag verbindet. Eine gewaltige Manifestation der gesamte» sozialdemokratische« Arbeiterbewegung Nordböhmens und der deutschen sozialdemokratischen Jugend diese- Staates steht uns bevor. Zu Pfingsten wird die deutsche Sozialdenrokratie in Bodenbach zeigen, daß sie trotz der gehässigsten Agitation der Henlein-Faschisten, die mit ungeheueren Mitteln und von rücksichtslos angewandtem wirtschaftliche« Terror nnterstützt wird, marschiert, daß ihre Reihen geschlossen sind und daß vor allem di« Arbeiterjugend treu zur sozialdemokratischen Partei steht. DaS ist der eine große Gedanke des ReichSjngendtages, der für die sozialdemokratische Jugend aber auch ein willkommener Anlaß sein wird, sich zu ihrer europäischen Sendung zu bekennen: Sammel st eile nicht nur der sozialistische«, sondern der gesamten fortschrittlich denkenden, die Freiheit liebenden« ndumeinenrueZnknnft ringenden Jugend zu sei«, di« «S, geistig gerüstet und körperlich gestählt, in den antifaschistischen Kampf zu führen gilt. Als Hauptausschuß zur Borbereitung des Reichsjugend- und KreisarbeitertageS wenden wir«nS heute an alle Arbeiterinnen und Arbeiter, wenden wir unS an euch, ihr arbeitenden und arbeitslosen Burschen und Mädchen: Macht den Kamvf-nndFesttag der beide« Organisationen zu enerem Tag! Laßt den Reick-jugendtag, laßt de« KreiSarbeitertag zu einem ssanal werden, das nicht nur unserem Aufstieg, sondern— hart an der Grenze — aus einem Land der Demokratie«nd der Freiheit auch hinüber» leuchte in eines der Despotie und der btrutalen Knechtschaft! Kommt ihr jungen Menschen ans Stadt und Land, kommt ihr ArbeitSmänner und -Frauen zum ReichSjugendtag, zum Kreisarbeitertag, macht unsere Parole zu der eueren: Alle und alles für den Reichsjngendtag in Bodenbach! Auf zum Kreisarbeitertag in Bodenbach! vor Hauptausschuß für den Re’chsJueend- und Kreisarbeitertag In Bodenbach Der Arbeltsmarkt in Nordböhmen In den 47 Bezirksanstalten für Arbeitsvermittlung, welche der Landeszentrale in Reichenberg unterstehen, waren End- Feber 145.688 Arbeitslose ,Cnde Jänner 146.779 Arbeitslose gemeldet. Im Laufe des Vorinonates ist also die Arbeitslosigkeit uin 13S0 oder 0.98 Prozent gesunken. Gemeldet wurden 6624 freie Arbeitsund Dienststellen, wobei 8624 Vermittlungen erzielt werden konnten. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, daß nicht alle freien Stellen bei den Bezirksanstallen gemeldet werden, so daß ein großer Teil d».r verfügbaren Arbeitsplätze direkt besetzt wird. Von den Vermittlungen entfallen 1298 auf Tagarbeiter, 773 auf Glas-, 633 auf Bau-, 877 auf Textil- u. 461 aut Hilfsarbeiter, 479 auf Haushaltungspersonal.'Der Vergleich mit den Vorjahren ergibt gegenüber 1938 einen Zuwachs um 872 gegenüber 1934 einen Rückgang um 8.802 gegenüber 1933 einen Rückgang um 43.884 gegenüber 1932 einen Rückgang um 14.933 Der Vergleich mit der Arbeitslosenstatistik im gesamten Staatsgebiet zeigt, daß die Arbeitslosigkeit im Feber in Nordböhmen um 0.60 Prozent im ganzen Staat um 3.26 Prozent gestiegen ist. Den Staatszuschuß zur Unter» stützung Arbeitsloser erhielten 34.782 gänzlich und 13.283 zeitweise Arbeitslose. Beide Gruppen weisen gegenüber den Vorjahren einen Räch» gang mif, und zwar gegenüber gänzlich zeitweise Arbeitslose 1938 8.288(13.48%) 4.128(23.70%) 1934 13.207(27.81%) 8.308(28.86%) 1933 13.218(27.63%) 11.786«6.96%) 1932. 626( 1.49%) 7.867(27.29%) Auffallend ist der weit stärkere Rückgang der Zahl der zeitweise Arbeitslosen, ein weiterer Beweis dafür, daß sich jede Besserung der Lage erst in der besseren Beschäftigung der Kurzarbeiter äußert.(Ein teilweises Bild der Entwicklung geben die Daten über die Arbeitslosenzahl in den Hauptberufsgruppen(Ende Feber): Landwirtschaft Bergbau Tonindustrie Glasindustrie Metall- und Maschinenindustrie Holzbearbeitung Textilindustrie Bekleidungsindustrie Bauarbeiter Hilfsarbeiter Handels- und Kanzleiangestellte Taglöhner Haushaltungspersonal Nicht übersehen darf werden, daß alle angeführten Zahlen nicht das gesamte nordböhmische Gebiet erfassen, da ein großer Teil der nord 1933 1934 1935 1936 5.900 4.898 4.582 5.124 5.207 4.262 3.941 4.122 4.166 2.847 2.867 3.072 26.895 21.628 16.493 15.166 18.474 14.880 13.579 12.843 6.693 6.152 6.246 6.269 31.860 26.389* 24.184 22.570 5.206 3.702 3.917 4.519 22.778 18.437 17.957 18.153 26.885 22.136 21.528 22.548 4.219 4.283 4.378 8.209 15.832 12.584 12.296 12.099 3.944 3.807 3.555 3.923 böhmischen Bezirksanstalten für Arbeitsvermittlung der westböhmischen Landeszentrale in Pilsen unterstehen. Welche Volksfront? Daß in Frankreich die Entwicklung deS Kampfes gegen die monarchistisch-faschistische Reaktion zur Bildung einer„Volksfront" geführt hat.einer Sozialisten, Kommunisten und bürger» lich« Republikaner(die Radikal-Sozialisten) umfassenden Kampfgemeinschaft, das scheint unsere Kommunisten, diese beharrlichen Nachahmer, nicht : ruhen zu lassen. Sie-wollen auch ihre»Llolls- front" haben. Volksfront mit wem? Das ist die Frage. Welche deutsche bürgerliche Partei ähnelt auch nur im entferntesten der der radikalen Partei Herriots? Nun, man muh sich zu helfen wissen! Gibt es keine bürgerlich-demokratisch« Partei, so Volksfront« lert man eben mit einer nichtdemokratischen l DaS hat dann, wie einem Bericht des Karlsbader „Badeblattes" über eine auch von ein paar Kommunisten besuchte Versammlung der Henlein- Partei(am Freitag voriger Woche) zu entnehmen ist, folgendes Ergebnis: ..Als nächster Redner sprach der kommunistische Stadtverordnete Schä» f e r in überaus fachlicher und prägnanter Weife.. Das SchlufUvort nahm unter langandaltendem stürmischem Beifall wiederum Abg. Kundt. der die Sachlichkeit der kommunistischen Ausführungen anerkannte, den Aufruf der Kommuni« stenzurBildungeinerBolkS- front jedoch ablehnte. Er begründete dies mit dem unwürdigen Borgeben der kommunistischen Politik im allgemeinen." Ja, wo er recht hat. hat er recht. Die kommunistische Politik hat so oft schon die Linie wechseln müssen, daß sie schließlich linienlos auSsieht. Aber— es handelt sich ja weniger darum, daß die Henlein-Partei dieser Linienlosigkeit tvcgen die Volksfront mit den Kommunisten ablehnt, als vielmehr um die Seltsamkeit, daß ein kommu- nistischer Redner in einer SdP-Vcrsammlung den Henlein-Leuten die Bildung einer Bollsfront anbieten konnte! Was für ein Zickzack die Politik der KP§! Mit den Sozialdemokraten wollen sie eine Einheitsfront gegen die Faschisten, mit den deutschen Faschisten eine Bollsfront gegen die Regierung— wenn sich da der einfache kommunistisch« Mensch noch auskennt, ist er um seine Fähigkeiten wirklich zu beneiden. Die Autos der armen Bauern Am Sonntag fand im Augartensaal« in Trnute n a u eine von der. Sudetendeutschen hattet einberufene Bauernkundgebung statt. Besonder- auf die Teilnahme der RiesengebirgSbauetn war Wert gelegt worden. Stundenweit kamen die armen RiesengebirgS» bauern aus ihren Wetterwinkeln herangewandert, andere kamen auf Rädern, wieder andere brachte die Bahn... Aber nein! Schon lange vor Beginn der Versammlung parkte auf dem Vorplatzt des „Augarten" eint große Zahl eleganter Personenautos, denen sich, je weiter die Zeit vorrückte, immer mehr und mehr nicht minder elegant« andere zugesellten. Bauern, die ihre Not durch Fahrt in eleganten Auws demonstrieren! Bauern, di« richtig handelten bei der Auswahl ihrer Partei, wie jene vielen Fa» brikanten, die die treuesten»Kameraden" der „BolkrgemeinschaftS"partei sind. Arme Bauern und gar arm« RiesengebirgS» bauer» gibt eS natürlich geng, gibt^eS sogar fetz): viele. Aber das find jene Bauern, die kein« eleganten AutoS besitzen und deshalb nicht protzig bei EdP» Kundgebungen vorfahren können und die sich auch nicht Wohlfühlen in der Gesellschaft der Kameraden Fabrikanten und dir deshalb von der ganzen SdP und allen ihren Gliederungen Nichts wissen wollen. „1800 demonstrieren in Dehlitz". Mit die» fem fetten Drrispalter überschreibt die Sonntagsnummer der„RotenFahne" einen..Eigenbericht" aus Teplitz. Wir haben zu dieser kläglichen De« monstration der KPE, die das Blatt zu einer „großen Kundgebung der Arbeitslosen" macht, nichts gesagtcha wir mit denKampfstrategen nicht rechnen tvollen, aber diese dicke Uebertreibung erfordert nun doch eine Klarstellung. Der Wahrheit die Ehre, Herr Berichterstatter, möchte Ihr wahrheitsliebendes Herz nicht auf 1400 Demonstranten verzichten? ES ware.t nämlich h o ch gerechnet und alle neugierigen Zufallspassanten zugezählt, knapp 400 Leute! Ja, wenn es gelungen wäre, die Sozialdemokraten zu kapern, damit ihnen die Massen vorgeführt würden!„Auch diesmal waren viele Henleinarbeiter und Sozialdemokraten zur Kundgebung gekommen". So schließet die große Sensation. Sozialdemokraten waren keine anwesend und es würde Ihnen schwer fallen, wenn Sie auch nur«in Parteimitglied von uns nennen sollten; aber„HeNlein- arbeiter"? Nun, das ist Sache der Kommunisten, wie sie ihre jeweiligen Nachläufer einschätzen, aber bezeichnend ist jedenfalls die Tatsache, daß während der Rede des kommunistischen Abgeordneten Schenk, und zwar bei jener Stelle, dir dem Hitlerfaschismus gewidmet war, ein abweisender Zwischenruf auS der„Kundgebung" kam, daß dies keine Arbeitslosenfrage seil Ob Herr Schenk deshalb die Linie, mit den ,H«nleinarbeitern" ein«„Volksfront" zu bilden, verlassen wird? Gibt man der Wahrheit die Ehre, so kommt natürlich ans Tageslicht, daß die ganze Aktion der KP? eine große Pleite war. Eine Arbeitsgemeinschaft van Seidenraupenzüchtern ist in HaSlau bei Asch gegründet worden, und zwar von einer Gruppe Arbeitsloser. Ein Grundstück wurde gepachtet, um mit dem Anbau von Maulbeerbäumen und dann mit der Seidenraupen» zücht beginnen zu können. Glückt der Versuch, dann wäre wenigstens einer kleinen Gruppe Arbeitsloser zu einer neuen bescheidenen Existenz verhalfen. »erlanget überall Dolhnünder! Seite 4 Belgische Sozialisten gegen Otto Habsburg Der in Belgien lebende österreichische Thronprätendent Otto Habsburg hatte vor einiger Zeit dem Berichterstatter des Pariser ,, Journals" ein Interview gegeben, in dem er der Meinung Ausbruck gab, die österreichische sozialistische Partei müsse weiter verboten bleiben. Daraufhin hat die belgische sozialistische Partei an den Ministerpräsidenten dieses Landes ein Schreiben gerichtet, in welchem sie darauf hinweist, daß Otto Habsburg der Aufenthalt in Belgien nur unter der Bedin gung gestattet worden ist, daß er sich jeder politischen Tätigkeit enthalte. Die Kundgebungen Ottos seien jedoch politischer Natur und bedeuten insbesondere eine Störung des europäischen Frie= dens. Außerdem ist das Schloß Steenoderzeel Mittelpunkt gewisser politischer Kreise. Schließlich wird in dem Brief bemerkt, daß Otto die Organisationen einer Partei verbieten will, zu der sich fünf Mitglieder jener Regierung melden, welche Otto Gastfreundschaft gewährt. Es hätte auch Oesterreich drankommen können... London. Die„ Morning Post" meldet, daß die aus Deutschland eintreffenden Nachrichten weiterhin England beunruhigen. Es verlautet 3. B., daß Hitler, als er aus innerpolitischen Gründen seine letzte Tat durchführte, bis zum letzten Augenblick zwischen der Rheinlandzone und Oesterreich gezau dert habe. Es scheint, daß die persönlichen Neigungen Hitlers ihn eher zu einer Aktion gegen Desterreich geführt hätten, ihn jedoch von diesem Plane die Erwägung abgehalten hat, daß Stalien energisch reagieren könnte. Militärische Propagandamärsche durch Oesterreich Dienstag, 17. März 1936 Völkerbundrat tagt in London Der Saal im St. James- Palast in London, in dem die Sigung des Völkerbundrats stattfindet. Tagesneuigkeiten Hitler droht mit Sanktionen Montag lag allen Ernstes eine Meldung bor, daß Hitler durch seinen Botschafter in Rom bor, daß Hitler durch seinen Botschafter in Rom den Italienern habe die Beteiligung Deutschlands an den Sanktionen androhen lassen für Nr. 63 Geräteturner des Atus in Budapest S R ATUS L Der erste Auftakt zum dritten Bundesa turnfest, das glän zend gelungene Bun deswintersportfest in fah Joachimsthal, auch ungarische Ar beitersportler unter den mehr als 400 Wettkämpfern. Bes geistert wurden die Ungarn begrüßt, auf das gastfreundschaftlichste wurden sie von unseren Genossen aufgenommen. Diesem Besuch folgte nun ein Gegenbesuch durch den Atus, es fuhren fünf der besten Geräteturner zu einer großen turnerischen Veranstaltung nach Budapest. Die Berichte unserer Genossen über diese Veranstaltung und über die Gastfreundschaft der ungarischen Genossen sind un gemein begeistert. Am Bahnhofe wurden unsere Vertreter von einer Abordnung der ungarischen Arbeiterturner empfangen und nach einer herzlichen Begrüßung in ein vorzügliches Quartier geleitet. Unter Führung des Budapester Genossen Reich be= suchten die Atusturner die große Parteidruckerei und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Der Abend wurde mit leben zugebracht, da es ja galt, am anderen Tage den Atus ehrenvoll zu vertreten. Am Sonntag vormittags um zehn Uhr die große Turnakademie im Stadttheater. 2500 Besucher Zwei Eisenbahner durch Kohlengase ver- jubelten immer wieder unseren Genossen zu, als diese giftet. Die Staatsbahndirektion in Olmük teilt mit geballter Faust und unserem Kampfruf„ Freimit: In der Nacht auf Montag wurden in dem heit!" vor die Rampe traten. Dreimal traten unBahnhofs- Nachtlager in Litovel- Chořelice der ſere Turner auf. Jede Uebung: Kunstfreiübungen, Staatsbahnen die Lenker der Autobuslinie Turnen am Reck und Turnen am Barren, wurde Olmüz Litovel, Anton Švec und Ottokar mit stürmischem, immer wieder sich erneuerndem Krulich durch Kohlenorhdgas vergiftet. Beide Beifall belohnt. Die Berichte der ungarischen Presse wurden in das Krankenhaus in Olmüß eingelie- heben die Leistungen unserer Genossen besonders fert. Avulich wurde daselbst wieder zum Bewußt- lobend hervor, obwohl nach Berichten unserer Gefein gebracht, Švec konnte hingegen nicht mehr nessen auch die ungarischen Turner und Turnerin gerettet werden. der Republik die, wilden Kaninchen überaus nen und besonders die Schüler glänzend und erakt vorgeführte Darbietungen brachten. Verbilligung des Gepäckstarifes der staatWien. Wie das Wiener Montagsblatt" er fährt, wird heuer im Sommer beim österreichischen den Fall, daß Italien in London eine deutsch- Wilde Kaninchen gegen Eisenbahn. Wegen Bundesheere ein großzügiges Ausbildungsprogramm feindliche Haltung einnehme. Der eine Ver- des milden Winters haben sich auf dem Gebiete durchgeführt werden. So wird u. a. die steirische Artillerie auf der Turacher Höhe, die niederösterrei- tragsbrecher droht also dem andern, daß er sich vermehrt. Ihre Zahl hat besonders in einigen fichen Aerolinien. Die Zeitung der staatlichen chische und Teile der Wiener Artillerie auf dem der gerichtlichen Eretution anschließen werde. Gebieten Ostmährens und der westlichen SlowaDachstein, andere Artillerieabteilungen sodann auf Mussolini hat sich im voraus revanchiert durch fei derart zugenommen, daß die Olmüßer Eisen- Aerolinien hat einen verbilligten Gepädstarif ein der Wattener Lizum- Alpe in Tirol große Uebungen einige Erklärungen an Frankreich, daß er ihm bandirektion die staatlichen Forstverwaltungen geführt, wonach für jedes Kilo Gepäck über die Alle Truppenabteilungen des Bundes- beistehen werde für den Fall, daß Frankreich die auffordert, die wilden Kaninchen nach Möglich Freigrenze von 15 Kilo pro Person eine Gebühr heeres ziehen in Fußmärschen zu ihren Sanktionen gegen Italien einstelle. teit ausrotten zu helfen, da sie die Eisenbahnan- bon 0.75 Prozent des Fahrpreises eingehoben wird. Auf der Strede Prag- Sušat( 775 Nilolebungspläßen. Bei ihrem Durchmarsch durch die einzelnen Ortschaften werden die Lehrer mit der lagen schädigen. meter) wird z. B. pro Kilo Mehrgepäck ein Betrag von 4.70 Kč zu entrichten sein. Schuljugend erscheinen. Auch die Infanterie und die Stavallerie werden größere Uebungsmärsche vornehmen und die Pioniere werden die traditionellen Donaufahrten unternehmen. Dieses Sommerausbil. dungsprogramm dürfte mit größeren Truppenübungen seinen Abschluß finden. Italienischer Bomber abgeschossen Addis Abeba. Sonntag früh wurde ein italienisches Bombenflugzeug abgeschossen, als es sich anschickte, die Stadt Quoram zu bombardieren. Das Flugzeug stürzte brennend ab. Der italienische Heeresbericht gibt zu, daß ein Flug zeug abstürzte, wobei die fünfköpfige Besatzung den Tod fand. Nach abeſſinischen Berichten wurden seit Beginn der Feindseligkeiten mehr als 20 italienische Flugzeuge abgeschossen worden. In Kürze Totio. Der sowjetrussische Botschafter Jurenew besuchte am Freitag den japanischen Mibei den Vertragsbrüchen ehrlich geholfen, der Dabei haben die beiden Führer einander Wieder ein Lawinen- Unglüd. In der Ort eine hat dem andern ermöglicht, gegen den Völschaft Busteni bei Sinaja ereignete sich Sonntag terbund aufzutrumpfen: Mussolini hat Hitlers ein schweres Lawinenunglüd. Acht Bergsteiger aus Bukarest wurden von einer Lawine verschüttet Aufrüstung gedeckt, Hitler Mussolinis Marsch Wier von ihnen wurden schiver verletzt gerettet. gegen Adua. Nun hat Adolf wieder den Benito Die anderen vier konnten nur als Zeichen gebors herausgehauen, indem er Locarno fündigte, als gen werden. Es ist dies das erste schwere Lawvis gerade die Delsanktion reif war. Als Zwischen- nenunglüd, das sich seit Jahren in Rumänien erspiel wären gegenseitige Sanktionen der beiden eignet hat. Freunde recht nett. werden. nahm. stürzt. Der Flugverkehr der staatlichen Aerolinien wurde Montag wieder aufgenommen, vorläufig nur auf der Strede Prag- Brünn, da die flowakischen Flugpläbe angeblich noch zu stark aufgeweicht sind. Abfahrt täglich( außer Sonn tag und den staatlichen Feiertagen) a b Prag gegen Užhorod um 8.00 und 14.55, ab Brünn um 9.20 und 16.15, ab Breßburg um 10.20, ab Kaschau um 12.25, Ankunft in Uzhorod 12.55. Rüdflug ab uhorod 12.00, ab Kaschau Vorübergehende Wetterbesserung. Der Vorbeigang eines Ausläufers der Druckstörungen über dem Dreizehn Tage im Sturm. Der sowjetrussi Die Sache hat aber eine ernste Seite. Es sche Fischerdampfer Kawasaki- 38"(?) geriet ist gar nicht ausgeschlossen, daß einer oder der im Weißen Meer in einen heftigen Sturm, wobei andere dieser Helden binnen furzem dem andern er das Steuer verlor und hilflos dreizehn Tage in 12.40, ab Preßburg um 7.00 und 14.50, ab gegenüber den Rächer der Verträge spielt. Das den aufgewühlten Wogen umhertrieb. Der Ka- Brünn um 7.55 und 15.45, Ankunft in Prag um aber muß den Gedanken des Völkerbundes, des pitän des Dampfers, der sich der aussichtslosen 9.05 und 16.55. In den Flugdienst ſind dreiVölkerrechts überhaupt arg fompromittieren. age bewußt war, hat sich erschossen und die motorige Flugzeuge eingereiht, die außer dem Das könnte den Bölkerbund mit der Zeit um- Dampfer wurde aber schließlich von dem Schiff ren. Da auf der Linie Prag- Preßburg zwei Mannschaft blieb fünf Tage ohne Nahrung. Der Piloten einen Radiotelegraphisten an Bord fühbringen. Eine Polizei, die sich nur aus emeritier." Severjanin" gesichtet, der ihn ins Schlepptau Flugzeuge täglich verkehren, ist es ohne weiteres ten Gesezesbrechern zusammensetzt, mag viel möglich, nach Erledigung der Geschäfte noch ant leicht ihren materiellen Zweck erfüllen, aber sie Zyklon. Die Stadt Chilar in der Pro- selben Tage mit dem zweiten Flugzeug zurückzumacht das Regime, dem sie dient, moralisch fliegen. unmöglich. Ein Völkerbund, der Musso- bing Buenos Aires wurde von einem Wirbelsturm lini und Hitler zu seinen Erefutivorganen macht, heimgesucht. Neun Personen wurden getötet und wäre erledigt, und reif, von beiden gefressen zu zahlreiche verletzt. Einige Häuser sind einge- nördlichen Eismeer brachte am Montag in den böhnisterpräsidenten und Außenminister Hirota. mischen Ländern zahlreiche Schnee- und GraupelHirota sprach neuerdings den Wunsch Japans Daß es zu solchen Meldungen und Erwä Frauen in der spanischen Politik. Die ersten schauer. Die Temperatur liegt noch immer etwas aus, die mandschurisch- sowjetrussischen Grenzge- gungen überhaupt kommen durfte, ist schon Cortes der Republik hatten nur eine einzige weib- unter dem vieljährigen Durchschnitt für dieje Jah biete von sowjetrussischem Militär Schmach genug. Hätte der Völkerbund vor Mo- liche Abgeordnete. Das letzte Parlament zählte vier reszeit. Auf den Bergkämmen, die andauernd im zuräumen. naten schon gehandelt, so könnten die beiden Frauen. Bei den jezigen Wahlen sind fünf Frauen Nebel sind, werden Temperaturen von minus 5 bis Belgrad. Die jugoslawische Nachrichtenagen- Herren in Berlin und Rom sich aus den Sant. gewählt worden. Die aktivste politische Rolle spielt minus 10 Grad verzeichnet. Unsere Gegenden getur dementiert kategorisch die in einigen ausländi tionen nicht einen guten Tag machen, sondern den Sozialisten gewählt worden war. Sie wird im fluß des Hoch druckgebietes, welches Westdie Abgeordnete Julia Alvarez, die in Madrid von langen nunmehr vorübergehend unter den Randeinschen Blättern veröffentlichte Nachricht, daß der würden Genf verteufelt ernst nehmen müssen! neuen Parlament an der Seite ihres Gatten, De Europa umfaßt. Es kann eine kurze Wetterehemalige Kriegsminister Petar Živkovič verZafra, dem Abgeordneten von Murcia, der eben- besserung erwartet werden. Die allgemeine haftet worden sei. Romantisch bis zum letzten Atemzug. Det falls Sozialiſt iſt, ſizen. Wetterlage bleibt jedoch noch unbeständig. Neue Beograd.( A. P.) Eine Abordnung der Han- bekannte Polospieler und georgische Prinz Serge delskammer intervenierte bei der Regierung, daß sie Moivani, bekannt in der internationalen Wel Eisenbahnkonzession für ein Paar Schuhe. Man Störungen, welche sich über Nord- Europa im Gedie nötigen Schritte unternehme, um Deutschland wegen seiner Chen mit Pola Negri, der Opern- weiß, daß die Abessinien- Bahn ein franzöſiſches Un- biete erheblicher Temperaturgegensätze ausbilden, zur Bezahlung der jugoslawischen Bauritlieferungen sängerin Mary Mc Cormick und der Woolworth- ternehmen ist. Die Erlangung der Konzeffion für dürften eine dauernde Beruhigung noch verhindern. Wahrscheinliches Wetter von heute: Nur vor zu veranlassen, da sonst die Werke in Mostar und Erbin, der jetzigen Gräfin Reventlow, verunglückte den Bau dieser Bahn ist mehr einem Zufall zu verErcegnovi den Betrieb einstellen müßten. Sonntag tödlich beim Polospiel. Er stürzte vom danfen. Die französischen Ingenieure Illg und Ches übergehende Wetterbesserung, Abflauen des Windes. Mich. Die parlamentarische Kommission der Pferde und erhielt einen furchtbaren Hufschlag neuf besuchten Menelik, um mit ihm über den Bau In den Niederungen vielfach Nachtfrost. Behrausschüsse führte Samstag eine Inspektion des ins Gesicht. Wenige Minuten später starb er in einer Bahn zu verhandeln. Sie brachten ihm als aussichten für Mittwoch: Unbeständig, neuerlich aufStandes der militärischen Maßnahmen an den Armen seiner ihm im letzten Monat angetrau- Geschenk einen Telephonapparat mit, damals eine frischender Westwind, im allgemeinen etwas wärGrenze und in der Befestigungszone durch. ten Gattin Louis Astor van Elen, die bereits Gat- unerhöhte Erfindung. Menelik zeigte sich jedoch da- mer. Madrid. Der Ministerrat hat die Gemeinde- tin seines ebenfalls tödlich verunglückten Bruders durch weniger beeindruckt als durch die schönen Reitstiefel, die die Franzosen trugen. Gut gelaunt wahlen für den 12. April festgesetzt. Aleris gewesen war. versprach der große Negus seine Zusage, wenn ihm die Ingenieure ein Paar solcher Stiefel nach seinen Empfehlenswertes aus den Programment Maßen beschaffen könnten. Noch in der gleichen Nacht setzten sich die beiden Franzosen hin und schusterten funstgerecht ein Paar Stiefel zusammen. Menelik war begeistert, und die Verhandlungen hat. Deutscher Arbeitsmarktbericht, 16.20: Schallplatten, der Charbin. Der sowjetrussische Generalfonful in Charbin besuchte den diplomatischen Vertreter des Staates Mandschurno und informierte ihn dahin gehend, daß die Regierung der Sowjetunion ihre Zustimmung zur Errichtung eines mandschurischen Konsulates in Chabarowsk gegeben hat. ten vollen Erfolg. Vom Rundfunk Mittwoch: Wetter Englische Sympathien. Die politische Haltung der englischen Regierung nimmt, wie man weiß, ganz besonders große Rücksichten auf die Stim mung der öffentlichen Meinung. Auch das Zögern Brag, Sender 2: 10.05: Deutsche Presse, 13.40: im gegenwärtigen Locarno- Konflikt erklärt sich zum größten Teil daraus. Wie geteilt die Sym18.05: Deutsche Sendung: Prof. Wendebach: KörNew York. Der Bürgermeister von New York pathien der Engländer sind, geht aus einer Umperliche Bewegung bei Herzfranfen, 18.20: Arbei hat verlautbart, daß die Vertreter der Gewerk- frage hervor, die der„ Daily Expreß" unter sei- Kostbarer Rothschild- Wein. Wein- Optionen sind terfunt: Wilhelm Weigel: Reichenberg: Die Kul schaftsorganisationen der Fahrstuhlführer und die nen Lesern veranstaltet hat. Die große Londoner in Paris an der Tagesordnung. Trotzdem hat die turarbeit der Gewerkschaften, 18.40: Sozialinfor Vertreter der Arbeitgeber einen dreijährigen Ver- Zeitung stellte die Frage, ob die Franzosen oder vor kurzem stattgefundene Verauftionierung des mationen. Sender S: 14.15: Deutsche Sendung: Kinderstunde, 14.40: trag unterzeichnet haben, demgemäß alle Streifen- die Deutschen sympathischer sind. Die Antiport Weinkellers von Camille Cerf eine Menge Bietende Der Stephansskandal, den wiedereingestellt und diejenigen von ihnen, die fiel für Frankreich sehr ungünstig aus. Nur 25 und Neugierige angelodt. Denn es wurden auch Schallplatten. Brünn 11: Schallplatten, 13.20: Schallplatten, 13.30: Arbeitsmarkt und Sozialin der Sabotage beschuldigt sind, vor ein Sonderge- Prozent der Leser gaben den Franzosen den Vor- zehn Flaschen„ Mouton Rothschild 1906" ausgeformationen, 17.40: Deutsche Sendung: Sportbericht gestellt werden. Ueber die Lohnfragen und die zug, während nicht weniger als 50 Prozent sich boten. Es ist dies ein berühmter Wein, der nicht richt- Jugendstunde, 20.05: Lichter über der Stadt, Arbeitszeit wird ohne Verzug ein Sonderschieds- für die Deutschen erklärten. Die restlichen 25 mehr zu baben ist. Die Kenner behaupten, daß es Reportage, 21.20: Orchesterkonzert. Preßburg gericht entscheiden, das den Lohntarif für das erste Prozent empfinden jedoch echt englisch: ihnen sind vielleicht der beite Wein Frankreichs sei. Die Fla- 19.25: Aus dem Slowafischen Nationaltheater: Fi Jahr fejtsezen wird. nämlich beide gleichgültig. ichen wurden mit je 500 Franten zugeschlagen. delio, v. Beethoven, Dienstag, 17. März 1936 Seite 5 Bloß eine Ankerkette... Hunderte von Zentnern wiegt allein die Ankerkette des neuen englischen Ozeandampfers „Queen Mary", der die größten bisher gebauten Schiffe noch um die Hälfte übertrifft. Ein Glied der Kette ist so schwer, daß ein einzelner Mann es nicht zu tragen vermag. Das Kräfteverhältnis Im Westen (G. B-) Der bekannte Militärschriftsteller General Rissel, äußert sich in„Paris Midi" über die militärischen Kräfte, die im fchlimmsten Fall die Unterzeichner des Locarno-Paktes Frankreich zur Verfügung stellen können. Wenn Deutschland nach Belgien einfallen sollte, so werde England automatisch auf feiten Frankreichs eingreifen. Die belgischen Truppen werden ihre Landesgrenze verteidigen, die eine Verlängerung des französischen Festungsgürtels, der sogenannten Maginot-Linie, darstelle. Für diesen Zweck verfüge Belgien über Truppen,> die sehr rasch manövrieren können. DerI Plan der Zusammenarbeit zwischen den beiden Generalstäben sei vollkommen ausgearbeitet. Rissel ziveifelt auch nicht an dem mili tärr-! scheu Eingreifen E ngla n d's, das nicht nur aus Vertragstreue, sondern aus dem ur- I eigensten Interesse des Inselreiches heraus gegeben.ist., Die.7 bL.it üßch e ,E xp e^> iLi.ätrSiIj armer besteht aus vier Divisionen und neun' Spezialbataillonen. Aber nicht alle diese Truppen befinden sich in England, einige davon sind in Malta, Gibraltar, Cypern und Aegypten stationiert. In den ersten Tagen werde Englaird den Franzosen nichtmehralsdreißigtau- s e n d Soldaten zur Verfügung stellen können. Die Unterstützung der britischen Flotte werde erst im späteren Stadium nützlich werden. Dabei sollte man nicht vergessen, daß die Deutschen heute über eine U-B ootflotte verfügen, die der britischen minde st ens eben» b ü r t i g sei. Dagegen werde England sofort etwa 500 Flugzeuge für Operationen gegen Deutschland zur Verfügung stellen. Italien erscheine, trotz des abessinischen Krieges als eine wertvolle Unterstützung, aber es habe keine gemeinsam« Grenze mit Deutschland. Italien werde bloß in dem Falle aktiv eingreifen, wenn Deutschland Oe st erreich besetzen würde, was jedoch im Anfangsstadium des Krieges wenig wahrscheinlich sei. Dagegen könne die italienische Aviation für Frankreich von größter Wichtigkeit werden. Italien könne, abgesehen von den 600 Flugzeugen, die heute in Afrika konzentriert seien, noch 1200 Maschinen sofort in Europa zur Verfügung der Bundesgenossen stellen. Diese italienische Luftflotte würde, zusammen mit der britischen und französischen den Bundesgenossen die Herrschaft über die Luft gleich zu Beginn des Krieges sichern. Aber zunächst, meint Rissel, müsse Frankreich auf sich selbst rechnen. Die Franzosen würden zusammen mit den-Belgiern den ersten Schlag auszuhalten haben. Man müsse der Wahrheit ins Gesicht sehen. Das System der kollektiven Sicherheit könne uns, meint zum Schluß Rissel, bloß eine Illusion der Sicherheit geben. Es ist dazu zu sagen, daß alle diese Berechnungen von einer falschen Voraussetzung ausgehen. Hitler wird weder Belgien noch Frankreich »ängreifen", sondern natürlich Oe st erreich. Die europäische Krise and die öffentliche Meinung Englands Wie dem Pariser„Oeuvre" aus London telegraphiert wird, herrsche in England gegenwärtig kaum vorstellhare. Unentschlossenheit. Bon den Kabinettsmitgliedern treten bloß Eden und der Schatzkanzler RevilleChamberlain für die strikte Auw-.ndung des RheiupakteS auf. In der Sitzung des Exekutivausschusses der konservativen Partei am 12. März haben sich Winston Churchill, Austin Chamberlain und Samuel Hoare sehr energisch für die Erfüllung jener Verpflichtungen,> die der Rheinpakt England auferlegt hat, auSge» I Dolfeswtecfigft und Somlpoßtife Steigende AuBenhandelsumsätze In den ersten zwei. Monaten des 1 Jahres 1936 hat der tschechoslowakische Außenhandel im Vergleich zum Vorjahre eine b e t, r ä chtl i ch e U m s a tz st e i g e r u n g z u ve rz e i ch- n e n. Betrugen im reinen Warenverkehr die Außenhandelsumsätze im Jänner-Feber 1935 1845 Millionen kö, so erhöhten sie sich 1936 auf 2171 MiNionen Kä; die Umsatzsteigerung beträgt demnach ungefähr 18 Prozent. Die Einfuhr stieg von 850 Millionen aus 1076 Millionen kä„ die Ausfuhr von 995 Millionen auf 1095 Millionen kä. Die stärkste Eünfuhrsteige- r u n g haben die folgenden Warengruppen zu verzeichnen. Es betrug die Einfuhr Eisen. r■■ Rohmetalle«» Mineralöle•. Baumwolle«» Wolle.... Häute, Rohleder Chemikalien kc Janner-Feber 1936 46.000 t 6.800 t 68.000 t 16.800 t 5.500 t 5.100 t 39,000.000 1935 31.000 t 6.200 t 57.000 t 9.200 t 8.900 t 8.700 t 33,000.000 Es handel sich dabei in erster Linie um Rohstoffe für die Schwer« und metallverarbeitende Industrie und für die Textilindustrie. Die Rohstoffemfnhr insgesamt hat in den er. sten zwei Monaten 1936 620 Millionen kä betrage» und zwar damit um 199 Millionen kö oder um fast 50 Prozent höher als in der gleichen Borjahrszeit. Dagegen liegt die Fertigwareneinfuhr nur um etwa 13 Prozent höher als im Vorjahr. Auf der Ausfuhrseite ergibt sich für die Rohstoffausfuhr mit 243 Millionen kö beinahe der gleiche Stand vom Jänner-Feb^r 1935, der 242 Millionen kc betrug. Bemerkenswert ist, daß die Eiseneinfuhr von 121 Millionen auf. 138'Millionen Krönen also um etwa 14 Prozent gestiegen ist. Die FertigwarrnauSfuhr hat sich von 701 Millionen anf 804 Millionen kä oder um fast 15 Prozent erhöht. Die A u s.f u h r st e i g e tun g war am stärksten bei den nachstehenden Warengruppen. Die Ausfuhr.betrug: Jänner-Feber 1986 1985 in Millionen Kronen Maschinen.... 25 21 Baumwolle, Garne und Waren daraus. ,113 Wolle, Wollgarne und Waren daraus 89 Konfektion., 43 Seide.... 50 Häute, Leder, Schuh- waren... •• 78 87 76 34 41 48 Tiefer lag der Export in der Papierwarenindustrie, während er in der keramischen Industrie mit 22 Millionen nur um eine Million kä höher war als im Vorjahr und in der GlaSwarenindu- strie sich mit 72 Millionen kä genau auf dem gleichen Stand halten konnte. An dem Steigen der Ausfuhrumsätze sind demnach beinahe ausschließlich nur bestimmte Branchen der Textilindustrie, die Lederwaren- und die metallverarbeitende Industrie beteiligt. Von entscheidender sozialer Bedeutung ist, daß trotz der nicht unbeträchtlichen Erhöhung der Fertigwarenausfuhr gegenüber dem Vorjahr die Arbeitslosenziffern in den betroffenen Industrien in den letzten Monaten entweder nur unbedeutend niedriger oder z. T. sogar höher waren als vor einem Jahre. ArbeitSmarft«nd beruflicher Nachwuchs. Mit diesem neuesten Heft seiner Sammlung gemeinnütziger Vorträge hat der Deutsche Verein zur Verleitung gemeinnütziger Kenntnisse, Prag II, Klimentskä 4, eine sehr wertvolle Arbeit der Oeffentlichkeft übergeben: den Bericht über eine Tagung vom Herbst 1985, die sich mit den Fragen des tschechoslowakischen Arbeitsmarktes und des beruflichen Nachwuchses beschäftigte und auf welcher Dr. Walter Simon, Genosse Weigel-Reichenberg und Dr. R. Femegg sprachen. Leider sind alle Ausführungen fürden jagend«, lichen Nachwuchs in der Wirtschaft niD hpHmI-- stisch gehalten und können ts nicht sein/Die deutschen Berufsberater haben ckber doch diese im Wirtschaftlichen heute so schwierige Aufgabe ablei ten können. Das Heft kann zum Preise von kä 4.— unter der Rr. 682/3 vom obgenannten Verein bezogen werden. Nm die Bildung eines Gurken-Syndikats. Die mährischen Gurkenzüchter-Organisationen sind untereinander in Verhandlungen über die Bildung eines Syndikats getreten. Das Syndikat soll vor allem den Gurkenankauf für Konservierungszwecke vereinheitlichen und auf die Einschränkung des Gurkcnanbaues hinarbeiten. Diese Einschränkung soll im Hinblick auf die schwinden- dM NjtzWWLUMWL.erfolgen. jenen Lahre wurden nur 50 Waggons Salatgurken nach Deutschland auSgeführt, gegen durchschnittlich 3000 Waggons früher. sprachen, ohne Rücksicht auf etwaigen Widerstand der öffentlichen Meinung. In demselben Sinne äußert sich auch Churchill in einem Artikel der in„Paris Soir" erschienen ist. Wenn der Völkerbund heute siegen werde, meint Churchill, werde damit die sonst unvermeidliche Kriegsgefahr für 1937 und 1938 gebannt sein. Falls dem Völkerbund eine Koalition zur Verfügung stehen würde, die um vier- bis fünfmal die Kräfte des Angreifers überstiege, dann wären die Chancen für die Aufrechterhaltung des Friedens sehr groß. Aber wichtiger vielleicht als die Ansichten der Staatsleute ist die Stimmung des Durchschnittsengländers. Darüber schreibt der Akademiker Louis G i l l e t dem „Paris Soir" aus London folgendes:„Man muß sich ein für allemal darüber flar werden, daß die Frage der demilitarisierten Zone das britische Publikum gar nicht interessiert. Der Mann auf der Straße weiß nur, daß der Rhein irgendwo in Deutschland fließt und daß mit diesem Strom eine Reihe von sehr komplizierten Problemen verknüpft sind, von denen die Engländer sich lieber fernhalten sollen." Die Ansicht des französischen Publizisten wird, durch, eine Enquete in der liberalen„News Chronik le" bestätigt. Auf die Frage:„Aa s m e i- nen Sie zu den gegenwärtigen Ereignissen?" antwortet da z. B. ein Milchhändler:„Das Rheinland gehört ja Deutschland. Falls die Franzosen wegen dieser Provinz einen Krieg führen wollen, so mögen sie ihn allein führen." Oder ein Friseur:„Ich will weder mit den Franzosen noch mit den Deutschen einen Krieg führen." Ein kleiner Bauunternehmer äußert sich viel drastischer:„Frankreich hat achtzehn Jahre lang Deutschland bedrückt, nun kommt Deutschland an die Reihe. Frankreich hat langegenug überEur opageherrscht."— Allerdings scheint sich in den allerletzten Tagen ein Umschwung der britischen öffentlichen Meinung vorzubereiten. Sehr bezeichnend ist in dieser Hinsicht der Leitartikel des dem Auswärtigen Amt nahestehenden. ,-Daily Telegraph", in dem die Verantwortung für die gegenwärtige akute Krise Deutschland und den unmöglichen Methoden seiner Diplomatie auferlegt wird. Sollte Deutschland sein« Drohung verwirklichen und sich in eine„ehrenvolle Vereinsamung" zurückziehen, schreibt die konservative „Morning Post", so werde das automatisch zu einer noch größeren Annäherung Englands an Frankreich führen. «Der wahre Sieger** Unter diesem Titel schreibt P. F. Carus in der Pariser„Mitropreß" u. a.: „In der Tat haben' die Vorgänge der letzten Tage die italienische Position im Gremium der Völker grundlegend verändert. Sie ist heute unendlich stark. Italien nimmt im Locarno-Konflikt nicht die zögernde Stellung der Engländer ein; es wartet vielmehr, ohne zu zögern, ruhig, entschlossen und aufmerksam ab. Nichts könnte seine Stellung mehr festigen als diese Haltung. Denn Italien braucht nichts weiter zu tun als ahzuwarten, wie im Laufe von Tagen die sank- tionistische Front unter Englands Führung zerbröckelt. Ihr Zusammenbruch kann nach den letzten Vorgängen ernsthaft nicht mehr in Zweifel gezogen werden." „Es geht hier nicht um die Möglichkeit einer Sanktionspolitik überhaupt; sie ist prinzipiell möglich. Aber sie ist es nur dann,wenn nicht damit gezögert wird, sie immer anzuwenden, wenn sie die vertraglichen Verpflichtungen fordern. Sie wird unmöglich, wenn dies nicht der Fall ist. Auf diese Weise bleibt Mussolini der eigentliche Sieger über Locarno. Die Zerreißung des Locarno-Paktes und die durch die deutsche Regierung zweisellos von vornherein eskomptierte Haltung.Englands hat— es sei denn innenpolitisch— Italien wesentlich mehr gedient als Deutsch- land. Es gab fürItalien keine günstigere Mög-' lichkeit, den abessinischen Konfliü zu beenden, als gerade dadurch, daß ein weit gefährlicherer, weil weit unmittelbarerer Konflikt im Herzen von Europa entstand." Die Sowjetunion entschieden auf Frankreichs Seite. Daily Expreß meldet, daß der sowjetrussische Botschafter in Paris, Potem- k i n, in seiner letzten Unterredung mit Flandin und Sarraut sie beschworen habe, auf England keine Rücksicht zu nehmen. Frankreich sei starkgenug und die Sowjetunion werde ihm ihre ganze milftärische Macht zur Verfügung stellen. Dem„Daily Telegraph" wird unter dem 12. d. aus Moskau telegraphiert, man habe dort die Nachricht über die Ablehnung jeder Verhandlung mit Berlin seitens Frankreichs mit Begeisterung ausgenommen. Dagegen telegraphiert derselbe Korrespondent einen Tcm später über die Stellungnahme der Sowjetregierung folgendes: USSR habe den Locarno-Pakt nicht unterzeichnet. Daher werde die Tatsache der Remilitarisierung der Rheinzone für die Sowjetunion bloß in dem Falle einen„casus belli" bedeuten, wenn der Völkerbund militärische Sanktionen gegen Deutschland beschließen sollte. Aber das wird weder für möglich nochfürwünschenswert gehalten. Stalin sei ein entschiedener Geg- nereines Präventivkrieg es. Er trete aber für di«.Schaffung eines rasch und sicher wirkenden Systems der kollektiven Sicherheit ein. Absage der polnische« Jugend an de« Faschismus.(R. F.) Wie die.Lidovö noviny" melden, hat die polnische„Legion mlodych" in ihrem neuen Organ „Nowe panstwö pracy"(„Neue Herrschaft der Arbeit) offiziell den Uebertritt dieser' früher zum Regierungsblock gehörenden Jugendorganisation zum Sozialismus mitgeteilt. Gleichzeitig richtet sie an die junge Generation aller arbeitenden Schichten den Appell, den gleichen Schritt zu vollziehen. Dieses Ereignis ist ein neues Merkmal für die Radikalisierung, die das arbeitende Volk Polens unter der Herrschaft des Oberstenregimes erfaßt hat. Ein lag der Komischen Verteidigungen Prag. Das vielberufene„Gesetz der Serie" erfüllte sich gestern beim Prager Strafkreisgericht in besonderer Art. Der gestrige BerhandlungStag sah nämlich in den verschiedenen Zimmern deS Justizpalastes Angeklagte, die ihre bunte Phantasie in den unglaublichsten Verteidigungen aufs heiterste spazieren führten. Vor dem Senat Hruöka erschien ein junger Mann, dem schwere Heiratsschwindeleien an einer nicht mehr ganz jungen Dame zur Last gelegt wurden Der Sachverhalt war eindeutig. Gleichwohl flammte dieser Herr B o u b e k vor Entrüstung auf »nd erklärte seine Handlungsweise für absolut sauber und fair. Die verschiedenen Tausender, die er unter verschiedensten Verwänden seiner Braut abge» luchst hat, waren ja nicht abznstreiten. Aber Herr Boubek hatte eine treffliche Erklärung zur Hand, dir jedermann einleuchtrn muß. Er erklärte nämlich, ein ausgezeichneter Motorfahrer zu sein und daS Geld seiner Braut dazu verwendet zu haben, sich„in Form zu bringen" und, unbehelligt von kleinlichen Alltagssorgen, als„absolut sicherer Sieger" auS dem tschechoslowakischen 1000-Meilenrennen hervorzugehen. AuS dem Siegerpreis hätte er. dann seiner Braut ihre lumpigen paar Tausendkronennoten, wie man zu sagen pflegt,„ans der Westentasche" bezahlt. ES sei also lediglich die Schuld der mißtrauischen Gläubigerin, wenn diese- bombensichere Geschäft durch Erstattung der Strafanzeige zunichte gemacht Wurde. Der Gerichtshof, lächelt«'nachsichtig und versL Urteilte den mißglücktem Rennfahrer zu v i e r M o» naten. ■• Ein ganz anderer Typus, aber ebenso phantasiebegabt, war der 30jährige Franz Sander, der wegen Mittäterschaft am Verbrechen des Diebstahls dem Strafsenat N o s e k vorgeführt wurde. Er hat eine ganze Reihe werwoller Gegenstände(Photoapparate, verschiedene Instrumente und Wertsachen), die sein älterer Bruder Ulrich Sander von verschiedenen Einbrüchen heimbrachte, teils versetzt, teils verkauft. Beide Brüder sind polizeibekannte Diebe. Der ältere sitzt gegenwärtig wieder für viele Monat« hinter Schloß und Riegel. Sein Bruder. Komplice und Hehler bestritt indessen entrüstet jede Mitschuld. Daß er die Diebsbeute wirklich„verschärft" hat, konnte er ja nicht abftreiten, aber er behauptete^ nicht gewußt zu haben, daß es sich um gestohlenes Gut handelte. Er schilderte gefühlvoll, wie er mit seinem lieben Bruder nach drei langen Jahren unverhofft zusammengekommen sei. In herzlicher Plauderei habe ihm dieser geoffenbart, daß er in der Schweiz, am„herrlichen Genfer See eine prachtvolle Stellung befleidet habe". Er habe so viel verdient, daß er sich allerlei schöne Dinge anschaffen konnte. In die Heimat zurückgekehrt, habe er keine Stellung finden können. Die schönen Schweizer Franken seien zerronnen und schließlich blieben ihm nur die in der Schweiz erstandenen Wertsachen'. Diese zu versetzen oder zu verkaufen, habe sich der feinfühlige Bruder Ulrich geschämt und so sprang eben der wackere Angeklagte auS brüderlicher Liebe ein und besorgte in bestem Glauben die Verwertung der Wertgegenstände. Das Heitere an der Sache ist nun, daß dieser feinfühlige Bruder und Kumpan des Angeklagten zu jener, angeblich in der Schweiz verbrachten Zeit, in der er angeblich so schöne Ersparnisse machte, in Wahrheit in der Zwangsarbeitsanstalt weilte, wovon das liebevoll« Brüderchen natürlich wußte. Die Verhandlung endete mit fünf Monaten Kerker. » Nicht zu Ende geführt wurde der Fall d«S Kaufmannes T o b e r a, der vor dem Straffenat P e r n t des schweren Betruges angeklagt war. Es handelt sich um 220.000 kö und als Verlustträger treten sowohl Geschäftsfreunde als auch Freundinnen auf. DaS Netz der Anklage hatte sich bereits recht eng zusammengezogen, als der Angeklagte plötzlich mit einer funkelneuen Verteidigung kam. Er habe alles zurückzahlen und auch können, denn in Paris lebe ein gewisser Bohumil Krukek, der ihm auS einer Erbschaft 125.000 kö schulde. Herr Tobera begehrte also, daS Gericht soll« im vorgeschriebenen Instanzenweg an die Pariser Präfektur daS Ansuchen stellen, diese Auszahlung auf sein Prager Konto in die Wege zu leiten. Der Gerichtshof gab diesem Antrag statt. Es wird freilich viel Zeit vergehen, eh« dieser komplizierte AmtSweg zu End« geführt sein wird, dessen Aukgang vorläufig natürlich dahingeht. Wer immerhin: Zeit gewon- nen, alles gewonnen! rb. Scite 6 ,, Sozialdemokrat" b Prager Zeitung 02 ho Ungünstige Baubilanz in Prag Ausflugszüge der Staatsbahnen. Samstag, 21. bis 29. März ins Riesengebirge zur Sokolbaude ( R. F.) Vor einigen Tagen konnte man lesen, Kč 440. Nach Johannisbad Kč 390.-, in die daß Prag zu Beginn dieses Jahres 925.000 in Hohe Tatra Kč 545., in die Niedere Tatra Kč wohner zählte, woraus sich bei Berücksichtigung 520. 4. bis 13. April nach Stub. Teplice Kč der Bevölkerungsentwicklung während der letzten 520. Anmeldungen mit Angabe nimt Bazar neJahre eine jährliche Zunahm e um 15.000 ergibt. ben Wilsonbahnhof, Tel. 38.335 entgegen. In fünf Jahren wird also Prag eine Millionen stadt geworden sein. Wichtiger ist aber, wie sich die Lebensber= hältnisse der Menschen gestalten, die in der Landeshauptstadt arbeiten und existieren wollen, Eine sehr wesentliche Seite dieses Problems bildet die Gestaltung der Wohnung& verhältnisse, über die einige Zahlen veröffentlicht worden sind, die ein alles andere als günstiges Bild zeigen. Die Zahl der Häuser bzw. der Wohnun= gen betrug während der letzten fünf Jahre: Wohnungen 234.633 244.830 258.344 Häuser 1930 32.582 ㅂ 1931 33.491 a 10 1932 34.890 0 1933 1934 1935 35.761 265.073 ° 36.513 37.117 269.476 274.017 0 Wie man sieht, bleibt die Entwicklung hinter dem objektiven Bedarf zurück, d. h. die ohnehin nicht sehr günstigen Wohnungsverhältnisse verschlech= tern sich, anstatt sich zu bessern. Die Zuzüge und die Gründung neuer Haushaltungen im letzten Jahre hatten einen Reinzuwachs von 15.794 nenen Wohnungen erforderlich gemacht. In Wirks lichkeit betrug dieser( Neubauwohnungen plus durch Tod, durch Auflösungen von Haushalten und durch Wegzüge freigewordenen Wohnungen) nur 10.179, woraus sich ein Manko von 5616 Wohnungen nur im legten Jahre ergibt! zurüdtreten. Das Bild wird noch ungünstiger, wenn wir die Entwicklung der Wohnungsgröße betrachten. Von den im Jahre 1935 gebauten Wohnungen hatten nur einen Raum( Wohnküche): 30 Prozent aller Wohnungen, Zimmer und Küche: 38.1 Prozent aller Wohnungen, also waren 68.1 Prozent ausgesprochene Armelentewohnungen! Zwei Zimmer und Küche hatten 19.7 Prozent, drei Zimmer und Küche 7.7 Prozent, vier Zimmer und Küche 1.7 Prozent der im Tezten Jahre gebauten Wohnungen. Dazu sei noch erwähnt, daß auch 91 3wei- Zimmer- und fünf DreiBimmerwohnungen gebaut wurden, die keine Küche haben, also für Mieter bestimmt sind, die feinen eigentlichen Haushalt führen. Bezüglich der Hausgröße ist es bemerkenswert, daß die eigentlichen 3inshäuser sehr stark 1935 wurden 418 einstödige Häuser gebaut; diese machten also zwei Drittel aller Neubauten aus. Man kann darin einen Zug zu der an der Peripherie gelegenen Gartenstadt sehen, der aber wohl in erster Linie durch die unerschwinglichen Bodenpreise in den dem Zentrum näher gelegenen Stadtvierteln bedingt ist. Die ärmlich Ausstattung der meisten dieser Wohnungen läßt teine ungemischte Freude über diese Entwicklung Wenn man noch dazu nimmt, daß die Zahl der Neubaubewilligungen im Jahre 1934 noch 856, im Jahre 1935 bereits nur mehr 696, und die der Umbaubewilligungen 1260 bzw. 1040 betrug, so ergibt sich noch deutlicher, wie dringend notwendig eine durchgreifende Wohnbau förderung geworden ist, die sich nicht bloß auf die Quantität, sondern auch auf die Quali tät der Wohngelegenheiten erftreden sollte. auffommen. Gegen häßlich gefärbten Zahnbelag bei Rauchern verwendet man mit großem Erfolg die ChlorodontBahnpaste. Tube Kč 4.-. Auf trockener Zahnbürste verwenden. Bezirksverein Arbeiterfürsorge, Prag Einladung zur Generalversammlung am Montag, den 30. März 1936 um 8 Uhr abends im Kleinen Handwerkervereinssaal, Smečkagasse: 1. Verlesung des Protokolles. 2. Berichte. 3. Neuwahlen. Kunst und Wissen Dienstag, 17. März 1936. Nr. 63 rollen: Wünsche, Klippel, Padlejat, Valf, Voffer. 2525252525 Regie: Marlé. Wochenſpielplan des Neuen Deutschen Theaters. Wir kämpfen für alle Kinder um Nahrung, Kleidung, Wohnung und Freude. Führe deiner Organisation neue Mitglieder, neue Mitkämpfer zu! Kinderfreunde". Dienstag, halb 8: Rosenkavalier, A2.. Mittwoch, halb 8: Orpheus in der Unterwelt, B 2. Donnerstag, halb 8: Liebe ist Freis nicht so einfa ch, Erstaufführung, 2. tag, halb 8: Fidelio, D 1. Samstag, halb 8: Der Rosenkavalier, B 1. Sonntag, halb 3: Der heilige Antonius; halb 8: Liebe Arbeiterverein ist nicht so einfach, D 1. 252525252525252525252525252525 Wochenspieplan der Kleinen Bühne. Dienstag, 8: Unentschuldigte Stunde. Mittwoch, lib: VfB gegen Hvězda Turn 8: 2. Wien: Ad8: Alle Rechte vorbehalten, Bantbeamte 2 mira gegen Wacker 2: 1, Vienna gegen WAC 4: 0, Donnerstag, halb 8: 3m Rapid gegen Sportklub 0:11, FC Wien gegen Has und freier Verkauf. foah 2: 1, Austria gegen FAC 5: 1, Fav. SE gegen Samstag, 8: Libertas 3: 2. Freitag, 8: Was Ihr wollt. Budapest: Ungarn gegen Drit Londoner Nebel, volkstüml. Vorstellung. Unentschuldigte Stunde. Sonntag, 3. tes Reich 3: 2( 1: 1).- Luzern: Schweiz B gegen Unentschuldigte Stunde; halb 8: Spiel Luremburg 4: 2. um die Welt, Erstaufführung. Der Film 1 ČSAF- Tagung mit Obstruktion Prager Mittelgau springt aus? für Nazi- Olympia DFV. Am Sonntag fand in Prag die ordentliche Verlobung mit Hindernissen. Die vielen Ver- Tagung der CSA statt. Es ist ja schließlich kein ehrer der reizenden Dolly Haas werden ent- Geheimnis mehr, daß zwischen dem bürgerlichen täuscht sein. Sie hat in diesem Film wenig Gelegen Staatsverband und der Leitung des Prager Mittel heit zu ihren netten Schelmereien. Der Film beginni gaues Meinungsverschiedenheiten bestehen. So was als sauberes Lustspiel mit einer hetteren, wenn auch fommt schließlich überall vor. Aber daß sie sich bis nicht gerade originellen Zeichnung von Vorstadt- Rim- zur offenen Feindschaft entwickelt hat, das zeigte 4. Ferientage im Hirschberger- Kinderheim; merherren- Milieu und Alt- Adels- Tradition und diese Tagung. Man weiß ja auch, daß die Russenendet als Groteske amerikanischen Stils. Die Ver- spiele des Prager Mittelgaues der Leitung der Lichtbildervorführung. lobung kommt nicht zustande, weil ein unterernähr- CAF ein Dorn im Auge sind, schon deshalb, weil ter Goldarbeiter( der muntere Kurt Boris) den deren Vorsitzender, Prof. Pelikan, in seiner Mission Brillanten des Familienschmuckes geschluckt haben soll als Fifa- Vertreter mit der Gewinnung der Russen und erst gemästet werden muß, ehe man ihn einer für die bürgerliche Weltorganisation Schiffbruch erOperation unterziehen kann. Kurt Bois steht mit dem litten hat. Das und die„ Extratouren" des Pras linken Fuß auf und sieht morgens zuerst die volger Gaues sind das Uebel, an der die sonst so rubige ternde Adele Sandrock, die als unverwüstlich komische Einigkeit im Staatsverbande in Brüche zu gehen Alte durch den Film geistert, also muß ihm, der mit scheint. Die Vertreter des Prager Gaues enthielten saurem Gesicht seine Abenteuer hinnimmt, alles schief sich zunächst aller Abstimmungen und bei der Wiedergehen. Die kleine Dolly ist wieder ein Vorstadtmädel wahl Pelikans zum Vorsitzenden verließen sie ges man denkt gerührt an Scampolo" aber es schlossen die Tagung. Man sagt, daß die Opposition Wieder einmal hörten wir Richard a gbleibt bei einer schmalen Rolle, mit der nicht viel an- nicht fachlich handle und sogar einer politischen Parners ,, Waltüre" losgelöst vom zyklischen Ge- zufangen ist. Paul Hörbiger ist ein gespenstischer tei( da käme wahrscheinlich die KPC in Frage) nahes samtwert des Nibelungenringe 3 als Detektiv, Leihgabe von Conan Doyle. Alles in allem stehe. Wie gesagt, hier entwickelt sich etwas, was Einzeloper. Aber die sonntägige ,, Walküre"-Auffüh- ein harmloser Spielfilm, mit neuen und antiqua- nicht„ Freude" erwecken wird, denn die Ausführun rung vermochte auch als Eingeloperndarbietung rischen Witen reichlich garniert. it. nicht zu befriedigen. Trotz eines bedeutenden Gastes, gen Prof. Pelikans verwahrten sich gegen eine Hin Annabella in ,, Krieg und Frieden". In Frank- einziehung der Politik(!) in den Sport. der Wiener Staatsopernsängerin Anny Stone Breich bereitet man die Verfilmung von Tolstois Wert fenswert wäre noch, daß die Nichtteilnahme ni als Brünhilde. Denn diese Künstlerin war auch Krieg und Frieden" vor und hat Annabella für an dem Fußballturnier der Nazi- Olympiade in dieser Rolle so reserviert in Spiel und Gesang die weibliche Hauptrolle verpflichtet. Die Außen- bestätigt wurde und weiter gegen die Stim wie fürzlich als Isolde, so daß die notwendige Be- aufnahmen zu diesem bemerkenswerten Film werden men des DV beschlossen wurde, an dem geisterung des Publikums sich nicht einstellen wollte. in Bulgarien gedreht werden. wieder befremdete bei dieser zu den Prominenten Olympia adellauf nicht teilzunehihres Faches zählenden Sängerin der manirierte Die Walküre men. gezogene Tonanjazz und die wenig prägnante Wort- Sport- Spiel- Körperpflegen Staatsliga kämpft formung. Rein stimmlich war sie auffallend zurückhaltend, vor allem im Walküren- Ruf, den sie sehr vorsichtig brachte, und in der sehr blaz geratenen, erit zum Schluß eindringlicher werdenden Todesberkündigung; auch die beiden großen Szenen mit Wotan hatten nicht die richtige Farbe und Stim Den sonntägigen Spielen war am Samstag in mung. Da war ihre Schwester Hilde Ko ne ni Prag die Begegnung DC- Bittoria Piljen als Sieglinde entschieden besser und überzeugender; borangegangen. Das Treffen endete mit einem geals warmfühlende Darstellerin sowohl als auch in rechten Unentschieden von 1: 1( 0: 1). Die Pilsener der blendenden Entfaltung ihrer schönen Stimme. waren vor der Pause, die Prager nach ihr die BesDen Wotan sang Fred De st er aus Aufsig, ein ferern. Aber es war mehr ein Kampf als Spiel. stimmlich imponierender echter Heldenbariton, der| Slavia hatte mit dem Teplizer A nur die Deklamation vielfach auf Kosten des Ge- Glück, denn bei einem gerechteren Leiter wäre sie So halfen ein sangstones bevorzugt und als Darsteller noch sehr wohl nicht siegreich" geblieben. der Veredlung bedarf. Der dritte Sängergait des Ausscheiden des Teplißer Tormannes und die dikta Abends war die Altistin Maud Heaton als torisch verhängten zwei Elfer den Pragern zu einem Frida, eine Sängerin, deren schönes und großes wenig„ meisterlichen" Erfolg. Wenn man feststellt Stimmaterial auffiel, deren Tonbildung aber nicht daß die Teplizer das bessere Spiel vorführten, so einwandfrei ist und deren Wortbehandlung alles zu tann man auch verstehen, warum sie nicht gewinnen wünschen übrig läßt. Stapellmeister Fritz Riedurften. Spiele, welche auf des Messers Schneide ger war der musikalische Leiter dieser Walküre"- stehen, finden immer einen Schiedsrichter, der„ keiAufführung; er fand sich überraschend gut mit seinen guten Tag" hat... Das„ Spiel" endete 4: 3 Tschechische Politiker sprechen zu deutschen ner großen Aufgabe ab, tat nur in der Begeisterung( 3: 2) für Slavia. Akademikern. Unter diesem Titel veranstaltet die oft zuviel des Guten in der dynamischen und rhyth- In Kolin gewann der SK Preßburg Vereinigung der Förderer, Absolventen und Hömischen Steigerung. Die Regie führte als Gast Dr. gegen den AFK glücklich und nach Kampf 3: 2( 2: 2). SK Na chod siegte in Pilsen über den SK rer der Freien Schule der politischen Wissenschaf Otto Erhardt, dessen Kunst sich aber nur auf ten in Prag eine Vortragsreihe, in der führende kleinere Umgruppierungen der Szene beschränkte. 2: 1( 2: 1) durch aufopferndes Spiel, während bei Männer der tschechischen Oeffentlichkeit zu aktuel- Der Besuch des Opernabends war gut, aber feines- den Pilsenern der Angriff versagte. E. J. len Fragen Stellung nehmen sollen. Den ersten wegswie erwartet glänzend. dieser Vorträge hält der Abgeordnete Univ.- Prof. Dr. Jaroslav Stránský über ,, die deutsche Stulturgemeinschaft"( in deutscher Sprache). Der allgemein zugängliche Vortrag findet am Don nerstag, den 19. d3. um 20 Uhr im Karolinum, Schule I., Obstmarkt 3/11, im Hörsaal Nr. 4, der Freien Schule der politischen Wissenschaften statt. Die Prager Sparta blieb in Brünn über sie Mor. Slavia nur mit einem 3: 1( 2: 0) erfolg reich. Während die Sparta nur spielte, kämpften die Brünner verzweifelt, ohne jedoch den Pragern ernstlich gefährlich zu werden. Arbeitervorstellung.„ Unentschuldigte Stunde". Die fonntägige Arbeitervorstellung, die troß dem sonnigen Frühlingswetter ein volles Haus sah, Der DSV Saaz hatte in Proẞniz gegen brachte Bekéffis harmlos heiteres Lustspiel von der den de wenig Aussicht auf Erfolg; doch der erhoffte Frau Hofrat, die heimlich das Gymnasium besucht große Sieg der Heimischen blieb aus, denn nur mit und um ein Haar ihre Ehre in Fransen gehen sieht, 2: 0( 1: 0) wurden die Saazer geschlagen. ohne daß ihr dafür Lorbeeren im Klassenbuch rei- Ein Mizerfolg bedeutet das Unentschieden der fen. Das Publikum unterhielt sich ausgezeichnet an Brünner Židenice in Kladno gegen den dem Drum und Dran des Stückes, das in ein paar 3: 3 lautet das Endergebnis, nachdem die Kladnoer Momentbildern die komische Atmosphäre des Gym- bis zur Pause mit 2: 1 in Führung lagen. nasiums so glücklich einfängt. Die Herren Mar I é BemerFür den DFV war das keine„ Glanzleistung" und entspringt dieses Verhalten keineswegs der sonst bei jeder Gelegenheit geäußerten demokras tischen Loyalität. Aber wem das Herz voll ist, dem na, wir wissen es auch schon so! 100- Meter- Grenze übersprungen! Auf der Mammutschanze in Planica ( Jugoslawien) fand ein Stiſpringen statt, bei wel chem der Desterreicher Bradl die Weite von 101 Meter erreichte. Ferner wurden Sprünge von 90, 96 und 98 Metern erzielt. Die Norweger hat ten nur eine Bewilligung für 80- Meter- Sprünge, so daß ihre Teilnahme infolge technischer Schwierig feiten ausfiel. Tischtennis- Weltmeisterschaften " finden zurzeit in Prag statt, über deren sportlichen Verlauf wir uns eine Reportage ersparen wollen. Nicht jedoch über jene Dinge, welche sich im Rahmen dieser Veranstaltung abspielen. Vorweg sind es die azi aus dem Dritten Reich, die gegenüber nichtarischen Spielern jene Grundsäße" ans Ihre Frechheiten finden anscheinend stille Duldung, wenden, welche sie zu Hause eingeimpft bekommen. Da sich bisher niemand von den verantwortlichen entsprechend in die Schranken verwiesen hätte. Es Faktoren fand, welcher diesen deutschen Geiſt" ist ferner fraglich, ob ein einziger über zwei Stun den währender Say auch noch als Sport zu bezeichnen ist. So geistiötend und trostlos ist ein bunt wurde, ob dieser Spielerei". Das Intereſſe derartiges Beginnen, daß es auch den Zuschauern zu der Zuschauer erivachte nur bei einer Teilnahme der -wahre Triumpfe feiern tschechoslowakischen Teams, sonst sah es ebenso leer aus, wie der gebotene" Sport" ohne Witz und Ins halt war. Sonntag abends war wohl die Krönung der bisherigen Spiele": zwei Teams„ fämpften" um die Entscheidung". Spät am Abend um 23 Uhr Mitteilungen aus dem Publikum begann der Kampf". Kaum den Kinderschuhen ents wachsene Burschen schupften das kleine Bällchen hin und her; es wurde 1 Uhr, noch kein Ende; 2 Uhr Außergewöhnlicher Erfolg eines Radiogerätes vorbei weiter. Zwischendurch verkündet der Lauts auf der Prager Frühjahrsmesse. Wie uns die Firma und Dudek als Klassenvorstände hatten an die- Ueberraschungen in der mittelböhmischen Divi- sprecher, daß gespielt würde und wenn es bis 10 hi Radiotechna, die größte tschechoslowakische Fabrik sem Teil des Erfolges den größten Anteil, Evifion. Vittoria Žižkov konnte gegen Meteor VIII bormittags dauern sollte! Um 3 Uhr früh hat man für Rundfunkgeräte mitteilt, hatte sie auch auf der Pan 3 ne r sekundierte ihnen als Schülerin Hof- ur ein 1: 1( 1: 1) erreichen, aber auch Se Nusle aber doch den Abbruch veranlaßt. Zu dieser Zeit erzielte gegen Viktoria Nusle ein 1: 1( 0: 1); Bo- waren faum, 10 bis 20 Menschen im Lucerna- Saal!! Prager Frühjahrsmesse mit ihren diesjährigen Ge- mann, die so hübsch wie ungezogen ist. ishemians gewannen gegen Sparia Košič fnapp 3: 2, Gewiß, Tischtennis ist auch Sport, oder will es räten einen außerordentlichen Erfolg. Vor allem ma che in er zeigte sich in beiden Sphären der Union Žižkov schlug Slavoj VIII 3: 0, Čechie Kar- wenigstens sein; doch auf diese Weise kann man beim ihr 4- Röhren- Apparat Gala Koncert erfreut sich bei Komödie, im Heim des Hofrats Haerdit( von Herrn fin fertigte CAFE gar mit 7: 0 ab und Rapid ge- besten Willen nichts, aber schon rein gar nichts festHändlern und Publikum einer ganz besonderen Be- ie dier mit würdiger Eleganz gespielt) wie bei wann gegen Lijia 2: 1; in Kladno teilten sich Sparta stellen, ob diese bürgerliche Weltorganisation das liebtheit. Nicht nur, daß die großen, für das ganze den bösen Mädels in der Schule mit Verve und und Nuselsky SK mit 2: 2( 1: 0) die Punkte. Ganze überhaupt ernst nimmt und dabei Rassenhas Jahr bestimmten Fabrikations- Serien schon knapp Talent am Werte. Als besorgter Vater und als ner- Die Spiele der Division Böhmen- Land brachten sowie Unvernunft besonders im Hinblick auf die nach Weihnachten vollkommen verkauft waren, ergab auch die Frühjahrsmesse eine Nachfrage, die kaum böjer Better brillierten die Herren Trabauer folgende Ergebnisse: Königgräß gegen Snehaři Taus mitwirkende Jugend und Costa, den ahnungslosen Studenten, der sich 5: 2, TSK B.- Budweis gegen Jungbunzlauer SK läßt.. friedigt werden konnte. Den Erfolg verdankt Radio- in die Frau Hofrat verliebt, gab Willy Wicker= 2: 1, Rafonig gegen Königinhof 3: 1, AFK Pardubih techna, der alle Patente und Erfahrungen der welt- ha uje r. Stück und Aufführung fanden den stür- gegen Slavia Karlsbad 2: 1, Petřin gegen Kopisty 1: 0, Bolaban Nimburg gegen S Pardubis 3: 2. mischen Beifall des Publikums. In der mährisch- schlesischen Division erzielte die Neues Theater: Donnerstag Eraufführung Bata- Mannschaft ihren ersten Sieg in der Früh ,, Liebe ist nicht so einfa ch", eine wahre jahrsrunde, und zwar schlug sie S Prerau 4: 1. Geschichte in sieben Kapiteln von Ladislaus Forod. Ferner: Schles.- Ostrau gegen Freistadt 2: 0, Oftrauer Deutsche Volfsfinggemeinde Prag. Dienstag Hauptrollen: Der Professor Costa, seine Frau Slavia gegen Slovan M.- Ostrau 2: 0, Olmüş gegen Probe für Frauen um 7 Uhr und Männer 8 Uhr Stein, Hilde und Hans Macheiner und Moravia Brünn 1: 2, Polonia Karwin gegen Han abends. Scherzenreich, Baron Felir Siedler, Franzi und Slavia 1: 1, Žabovřesky gegen Kral. Pole 1: 0. Allgemeiner Angestellten- Verband Praha II. Erwin Panzner und Brig, der Sektionschef Sonstige Fußballergebnisse. B. Budweis: Amtsstunde: Mittwoch.-Mittwoch, den Dudek, Schwester Emmy Bringolf, Romeo Karlsbad: 18. März: Vereinsversammlung DFC gegen Stadion 3: 3( 1: 2). Waern. Regie: Liebl. Komotau: halb 8 1hr abends im Handwerkerheim. JugendKral. Julia KFK gegen DSV Drahowitz 4: 0. Warns Angelegenheiten, Osterfahrt und Reisefilm 31-60 Spiel um die Welt" von Walter Seidel. Hauptsdorf: WFK gegen Reichenberger FK 5: 3. Te ps vorführung. Inserate werden laut Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Bost monatlich Kč 16.-, vierteljährig Kč 48.-, halbjährig Kč 96.-, ganzjährig Kč 192.-. Die Zeitungsfranfatur wurde von der Bost- und Teles Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken. Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß. graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/ VII/ 1930 bewilligt. Druderei:„ Orbis", Drud, Verlags- und Zeitungs- A.- G. Prag. befannten Marke Telefunken zur Verfügung stehen, dem seit Jahren gepflegten Grundsatz, in erster Linie die musikalische Güte der Geräte zu fördern, wie überhaupt die außerordentlich gute Qualität der Wiedergabe das Kennzeichen aller auf der Frühjahrsmesse ausgestellten Geräte von Radiotechna war. Wir heben neben dem Gala Koncert noch zwei weitere herbor: den Trio Koncert, einen sehr guten 3- Röhren- Apparat zu mäßigem Preis und den Grand Koncert, einen 5- Röhren- Empfänger für höchste Ansprüche und verwöhntesten Geschmad. RST. Kleine Bühne: Sonntag Erstaufführung DFK gegen SpVg Bodenbach 4: 0. Vereinsnachrichten