16. Jahrgang Mittwoch, 18. MSrz 1936 dir. 66 nRztfvrai* 70 Halter (eimchliaSlich 5 Hallar Fotta) IE HTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IM DER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii.,fochova«r. teleton smtz. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR« DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Der Austrofaschismus auf der Anklagebank Der zweite Tag des Wien.(Eigenbericht.) Der Prozeß gegen die Funktionäre der sozialdemokratischen Partei ist die trefflichste Illustration der Zustände, die im faschistischen Oesterreich herrschen. Er äußert in gleicher Weise das doppelte Gesicht des Regimes wie seine Unsicherheit. Während eine beschränkte Anzahl ausländischer Journalisten zugrlaffen wurde, wurde den Vertretern der westlichen Arbeiterparteien keine Zuhörerkart« ausgefolgt. Zwei Tage lang liefen Frau Baudervelde, der französische Advokat Lo» g« e t, der englische Abgeordnete P r i e e und vor allem der Vorsitzende der Sozialistischen Arbeiterinternationale, de Broucktre, zwischen Gericht und Justizministerium hin und her, um heute schließlich mit dem Bescheid abgefertigt zu werden, es seikein Platz. Dabei gibt es im Zuschauerraum und in den Logen zusammen noch gegen 40 Plätze! Man behauptet, daß man sie für offizielle Persönlichkeiten brauche. Die Abgewiesenen haben nach Paris an die Liga für Menschenrechte telegraphiert, daß man es ihnen unmöglich mache, dem Prozeß zu folgen. Damit verstoße die österreichische Regierung gegen du elementarsten Verpflichtungen zivilisierter Länder. Während man offiziell, also so tut» als seien die Sozialistische Arbeiter-Internationale und ihre Parteien nicht vorhanden, wird im Gerichtssaal ums» eindringlicher die Existenz der sozialistischen Bewegung in Oesterreich dokumentiert. Immer wuchtiger werden dir Angriffe der Angeklagten aus das Regime, immer mehr verwandelt sich di« Augeklagtenbank in den Richtertisch, an dem das österreichische Arbeitsvolk sein Urteil über das Verbot der legalen Arbeiterbewegung und seine Urheber spricht. Es ist dies der erste Prozeß, der die breiteste Erörterung politischer Probleme vor einem, wenn auch nur kleinen Forum in sozusagen legaler Weise ermöglicht; das heißt, daß man im Heu ti- grn Oesterreich seine sozialistische Gesinnung nur im Gerichtssaal bekenne« kann,«m dafür bestraft z« werden. Höhepunkte des zweiten Berhandlungstages waren die Verhöre der Hauptangeklagten Felleis, Marie E m h a r t und Karl Hans Sailers. Alle Angrllagtrn bekennen sich offen und stolz zu ihrer sozialistischen Gesinnung. Der Vorsitzende übt mehr Zurückhaltung als bei anderen Prozessen, aber man hat das Gefühl, daß er den Angeklagten nicht wohlwollend gegenübersteht. Merkwürdig wirkt der gesunde Schlaf eines Richters an seiner Seite. Die sehr interessanten und auch für das Gericht lehrreichen Ausführungen des Hauptangeklagten Sailer hatten nicht vermocht, ihn wachzuhalten. Man kann aber hoffen, daß die Rechtsfindung nicht mit geschlossenen Augen erfolgen wird. Man hat das Gefühl, daß auch die Richter von der mutigen, wahrhaften, edlen und überlegenen Haltung der Angeklagten stark beeindruckt sind. Der ausländische Sozialist aber, der die gleiche Gesinnung, die den Angeklagten die Hoch- vrrratsbeschuldigung eingetragen hat, legal betätigt, empfindet daneben noch tiefes Bedauern darüber, daß dieser Prozeß möglich ist. Auch di« Einvernahmen des zweiten Prozeßtagrs haben ergeben, daß selbst die^illegale Arbeit, die zum großen Teil der Bekämpfung der nationalsozialistischen Ideologie gewidmet war, Oesterreich zugute kommt. Aber man ist hier offenbar sogar stolz darauf, daß nach amtlichen Zeitungs- nieldungen die Gefängnisse in den letzten Tagen wieder mit Sozialisten gefüllt wurden. Für die Festigung der sozialistischen Bewegung legen vor allem die auch durch die lange Haft n i ch 1 gebrochenen Angeklagten wirksame Zeugenschaft ab. •...* Der Angeklagte Felleis verteidigt sich in zusammenhängender Rede, in' der er das Regime des Äftchisbruchs beschuldigt und.aus der Tütsache dieses Rechtsbruchs das Recht auf illegale Arbeit ableitete. Dabei kam es zu einem Zwischenfall, der mit der Verhaftung zweier Zuhörerinnen endete. Rekurse gegen politische Polizeihast seien, so führte er aus, praktisch unmöglich, auch wenn die Hast noch so lange dauere. Staatsfeindlich hätten sich die Angeklagten nicht betätigt, wohl aber regimefeindlich. Takür müßte man aber mindestens ein Driüü-der Bevölkerung einsperren, In Hi'tler- Wiener Prozesses deutschland. auf dem Balkan und in der Negerrevu- blik Liberia, ist die Bestrafung freiheitlicher Gesin- ! nung selbstverständlich. Wolle auch Oesterreich ein Kulturstaat sein, dann müsse die Freiheit der Gesinnung verbürgt werden. Der Feber könne nur durch die Wiederherstellung der Organisationsfreiheit und die Rückgabe des Aibeitereigentums liquidiert werden. Den Monarch! st en werde die Agitation für bi«- Aenderung der Staatsform gestattet, bei den Arbeitern werde das Bestreben nach der Wiederherstellung des Rechts als Hochverrat qualifiziert. Was jedoch vor dem Feber kein Hochverrat war. sei auch jetzt keiner. Der Angeklagte Otto Binder ist kränk. Gegen ihn liegt kein anderer Beweis vor, als ein von einem Spitzel gefundener Zettel. Theodor Grill sagt, daß die Partei, der man vorwirst, die Diktatur des Proletariats anzustreben, die Gelegenheit dazu in den Jahren 1918 und 1919 ausgeschlagen habe. Solle die nationalsozialistische Gefahr gebannt werden, dann sei die Legalisierung der Arbeiterbewegung notwendig. Wolle die Regierung das nicht, so müsse dieLegalisierung gegen sie angestrebt werden. Die Weltöffentlichkeit habe von der österreichischen Arbeiterbewegung eine andere Meinung als die österreichischen Gerichte. Erschütternd'wirkt die Einvernahme der Mari« Emhart, einer jungen tuberkulösen Frau. Der Vorsitzende fragt, ob sie, die doch tuberkulös sei, sich setzen wolle. Marie Emhart.antwortet, daß dies vierzehn Monate keine Rolle gespielt habe, also könne sie auch Heute stehen l '. Dann schildert sie in schlichten Wötten. wie sie Sozialistin wurde. Die Illegalität sei der Bewegung aufgezwungen worden. Die Angeklagte bestreitet nicht, sich illegal betätigt zu haben, und sagt: „34 bin und tleibe Sozialistin mit der ganzen Kraft meines Herzens und Geistes. Ich kmne krrnc bessere Idee, um di« Welt besser und schöner zu mach«." Tiefe Bewegung löst die Schilderung ihrer Krankheit aus, die sich in der Hast verschlimmett hat. Ein Brief des Brünner Genossen Etscher an das Gericht beweist, daß nicht die Angeklagte, Hitler gibt es billiger! Ribbentrop kom Berlin.(TNB) Der Reichsminister des Auswärtigen von Neurath hat am 17. März au de» Generalsekretär des Völkerbundes Avrnol in Loudon folgendes Telegramm gerichtet: „Ich bestätige dankend de» Empfang Ihres Telegrammes vom 16. März«nd beehre mich mitzuteilen, daß Botschafter do« Ribbentrop die dentsche Regierung im Bölkerbnndrat bei der j Prüfung der von der belgischen und frauzösi- schea Regiernng aufgeworfenen Frage vertreten wird. Er wird von Donnerstag Bormfttag an in London zur Berfügung'steheu." Die deutsche Delegatton, an deren Spitze Sonderbotschafter R ibbentrop steht, wird aus 15 bis 20 Personen zusammengesetzt sein. Die Delegation beabsichtigt, Mittwoch früh in zwei Srparatflugzeugen Berlin zu verlassen. Aus zuverlässiger Quelle wird bekannt, daß der mit dem englischen Königshaus verwandt« Herzog Ernst von Eoburg von Hitler in geheimer Mission im Flugzeug nach London entsendet worden ist. In polittschrn Kreisen erwartet man, daß er seine weitreichenden persönlichen Verbindungen für dir Interessen Deutschlands verwenden wird. Er ist seit längerer Zeit bereits höherer nattonalsozialistischer Funktionär. Für die deutsche Regierung bedeutet die Entsendung eines Botschafters nach der Ablehnung der Hitler'schen Bedingungen eine Niederlage, die man in Berlin freilich entsprechend, umdeuten wird. In Frankreich ist man neuerdings wieder über die Engländer verstimmt, weil Flandin vier Stunden kämpfen mußte, ehe die deittschen Bedingungen abgelehnt, wurden» Immerhin abes ist man mit dem Ergebnis zufrieden. sondern die verstorbene Frau Mistinger den Vorsitz auf der Brünner Konferenz geführt hat. Vor der Einvernahme Sailers wird ein Brief des deutschen sozialdemokratischen Abgeordneten M a c o u n aus Reichenberg verlesen, in dem mitgeteilt wird, daß dest Angeklagte Wierlander zur Zest der Brünner Konferenz bei ihm war. Der Hauptangeklagte Karl Hans Sailer ist schwer augenleidend. Man hat ihm die völlige Erblindung vorausgesagt. Sein Zustand hat sich in der Haft verschlimmert. Auch Sailer verteidigt sich in gut aufgebauter Rede. Sie gipfelt in strenger Anklage gegen das herrschende System. Er schildert die seelische Lage, in die viele Hunderttausende Parteimitglieder durch das Verbot einer Partei versetzt wurden, die so gewaltige Leistungen und eine so stolze Tradition aufzuweisen habe. Ausführlich legt Sailer dar, wie es ttotz den opfervollen Friedensbemühungen der Partei zu den angekündigten Maßnahmen F e v S und damit zum Feberkampf kam. Er widerlegt die Behauptung des Staatsanwalts, daß es zur Neuschaffung einer sozialistisch-kommunistischen Partei gekommen sei. Beide Parteien bestehen getrennt weiter und aehören auch verschiedenen Internationalen an. Die Partei mußte nach dem Feber fortleben. Man konnte zwar die Organisation beseitigen, aber nicht die Menschen, die von ihrer Idee erfüllt waren. Die Arbeiter seien durch den Feber ungeheuer radikalisiert worden. Di« Konkurrenz um den Anhang der sozialdemokratischen Partei seitens der Kommunssten und Nazis sei durch die Zusammenfassung der zersplitterten Gruppen abgewehrt worden. Sailer gibt einen Bericht über seine Haltung auf der Brünner Konferenz, auf der er die 2« ga« lisierung derBewegung verlangte. Seine Gedanken würden im übrigen auch teilweise von amtlichen Stellen propagiert. Er legte entsprechende BerichtePauS Zeitungen des gegenwärtigen Regimes vor. Es gebe kein anderes Land, in dem daS Selbstbestimmnngsrrcht deS Volkes so ansgeschal- tet ist wie in Oesterreich. Sogar in Deutschland»nd Italien gebe es, wenn auch nur formal, Wahlen. ES sei auch für Oesterreich rin« Aenderung des jetzige« Zustande- zu erwarten. Ter Faschismus habe seinen mt nach London Aus gut informierter englischer Ouell« wird gemeldet, daß Frankreich keine Sankttonsverhängung über Deutschland, sondern eine direkte militärische A l l i anz mit England erstrebt. Sollte England in dieser Hinsicht Frankreich rntgegenkommen und zunächst eine Konferenz der beiden Generalstäbe genehmigen, so werde Flandin wahrscheinlich sich mit irgend einer »symbolischen Geste" seitens Deutschlands begnügen. Scharfe Sprache Litwinows In der Nachmittagssitzung des Völkerbundrates verlas der Ratsvorsitzende Brure die deutsch« Antwort«nd fügte hinzu, daß er im Namen des Rates inzwischen den deutschen Bot- \ schuster in London eingeladen habe, den Beratungen alS Beobachter beizuwohnen. Der sowjetrussische Außenkommiffär Lkt" w i n o w hielt eine außerordentlich schärft Rede. Er stellft die Frag«, ob es der Völkerbund Deutschland überlassen wolle, dft Hegemonie über den ganzen«lkropäischen Kontinent anzustreben. Die Vorschläge Hitlers gleichen einem Feldzug gegen dft Rationen jenes Staates, den ich Rrr vertret«. Wir lehnen eine Konzeptton ab, nach der durch den Austritt aus dem Völkerbund, durch brutale Verletzung der internationale« Berftäge und durch Säbelrasseln das Vorrecht erzftlt werden soll» ganz Europa Bedingungen zu diktieren, sich«ach eigenem Ermessen jene Partner auszn- suchen, die sich au den Verhandlungen beteiligen dürfen, und ihnen eigene Vertragsentwürfe,aufzuzwingen. Wir sind der Ueberzeugung, daß aufrichtige Vertreter des Friedens ein größeres. Recht als Vertragsbrüchige haben, ihre Vorschläge zur Organisierung deS europäischen Frftdens vorzuftgen. Rußland ist bereit, an jeder Maßnahme teilzunehmen, dft dem Völkvrbundrat von den Locarnomächtrn vorgclegt wird und die > Kulmknatftnspunkt überschritten. Sailkr sei für das gleiche Delikt, dessen er angeklagt ist, schon von der Polizei empfindlich gestraft worden. Aber in Oesterreich werde man eben für politische Sttafraten mehr als einmal bestraft. DaL Maß der Strafe werde durch Willkür bestimmt. Wir sind gut« Oesterreicher, aber wir werden erst ein freies Oesterreich gegen jeden Feind verteidigen. Nach der Einvernahme von Luise Zernrr und Frau Fulda sagt der Angeklagte Dr. Schick aus, daß er in Ausübung seines Anwaltsberufes, der ihn in Verbindung mit linksstehenden Leuten brachte, verhaftet"worden sei. Wegen dieses Deliktes, das keines sei, sei er vierzehn Monaft in Haft. Zwischenfall im Gerichssaal Rosa Jochmann wieder verhaftet Zu einem äußerst dramatischen Zwischenfall, der mit der Verhaftung zweier Frauen endete, kam es am Vormittag des zweiten Vxr- handlungstages. Der Angeklagte F e l l e i s hatte gesagt, daß er sich illegal betätigt habe» weil ja auch das gegenwärtige Regime auf ungesetzlicher Grundlage beruhe. Als das Gericht den Beschluß verkündete, solche Aeutzerungen nicht mehr zuzulassen, sprang eine Frau im Zuschauerraum in höchster Erregung auf und rief in den Saal: h r könnt das Wort verbieten, ihr tötet nicht den Gei st! Wir haben für die Freiheit«nd den Achtstundentag gekämpft. Die Arbeiterschaft läßt sich nicht weiter knechten. Wir haben genug! Auslandsjournalisten schreiben darüber, wie rS uns geht. Da kommen schon die Bluthunde, um mich zu holen!" Die Frau wurde verhaftet. Es handelt sich um die Gattin eines Redakteurs, der im gleichgeschalteten„Echo" und im„Teftgraph" beschäftigt ist. Ms die Frau von der Polizei gefaßt wurde, sagte R o s a I o ch m a n n im Zuschauerraum halblaut und bittend:„Bitt e, bitte» nicht schlage nl" In der Pause wurde auch sie, die vor kurzem aus lömonatiger Hast entlassen wurde, festgenommen. auch für andere Mitglftder des Rafts annehmbar find. Versprechungen Englands London. Die britische Regierung hat Dienstag nachmittags dem deutschen Botschafter ihre Antwort übergeben, worin fie ersucht, er möge seiner Regierung mitteilen, daß„die Regierung Großbritanniens alles tue und tun werde, was in ihrer Macht sei, damit ein Weg zu einer versöhnlichen und befriedigenden Lösung der gegenwärtigen Schwierigkeiten gefunden werde." Die Regierung Großbritanniens anerkenne, daß die Vorschläge des Reichskanzlers ebenso wie die Vorschläge, die von anderen Seiten vorgrlrgt Vorschläge» die von anderen interessierten Seiten vorgelegt wurden, ingeeigneterZeit verbandelt werden sollen. Die deutsche Regierung anerkenne jedoch sicherlich, daß die Regierung Großbritanniens im gegenwärtigen Stadium bestimmtere Verpflichtungen nicht übernehmen könne. Titulescu für die kleinen Staaten London.(Reuter.) Die Debatte in der Geheimsitzung des Völkerbundrates soll dem Reuter- Berichterstatftr zufolge sehr bewegt und lebhaft gewesen sein. Alle Ratsmitglieder mit Ausnahme des ttalienischen Botschafters Grandi haben an ihr teilgenommen. Der rumänische Außenminister T i t u l e s c u, der das Hauptwort führte, habe die ganze Frage ausführlich erörtert und insbesondere darauf verwiesen, daß die Frage Ele- mente in sich vereinige, die weit über die Interessen der unmittelbar berührten Staaten hinaus^ gehen. Die Sicherheit und das Wohl aller klei-, neu Länder, die zum Völkerbund als ihrer Hauptstütze aufblicken, stehe auf dem Spiele und der Völftrbundrat müsse sich ihrer Ansicht nach gegen den Angriff wenden. Der Vertreter Spaniens, der die juristische Seift der Frage behandelte, erklärte, der Weg, den der Rat einzuschlagen habe, sei äußerst klar und deutlich vorgezeichnet: Der Rat müsse nur entscheiden, ob der Vertrag verletzt worden sei.• Seite 2 Mittwoch, 18. März 1936 Nr. 66 „Mit größter Entschiedenheit gegen einseitige Vertragsverletzung" Außenpolitisches Expost Kroftas Minister des Auswärtigen, Dr. Kamill Krofta, hielt Dienstag in den Außenausschüssen des Abgeordnetenhauses sein erstes Expost als Außenminister, das zur Gänze den dürrsten deutschen Schritt vom 7. März geschaffenen Verhältnissen gewidmet war. Der Minister ging davon aus, daß durch die Remilitarisierung der Rheinlandzone in ihren Folgen auch„dieLedenSinteressen der Tschechoslowakischen Republik stark tangiert" wurden. Er stellte den Verlauf der Ereignisse dar, gab eine Erläuterung der am 15. Oktober 1925 abgeschlossenen sog. Locarno- vertrüge, ein« Darstellung des deutschen Memorandums, der Vorschläge der deutschen Regierung und fuhr dann fort: Aus der Darlegung, welche ich Ihnen über den Inhalt des Memorandums der ReichSregierupg gegeben habe, äst, glaube ich, zu ersehen, daß das Memorandum ein sehr wichtiges Dokument ist, welches nach allen Seiten geprüft und erwogen werden Muß. ES handelt sich um keine Bagatellefrage. Der Locaruovertrag vom Jahre 1925 war neben dem Völkerbundpakte sozusagen der Pfeiler der europäischen Sicherheit und auf dessen Erhaltung sowie sejitesfl Funktionieren beruhten die Hofftmng« aller den Frieden wünschenden europäischen Staaten. Nach den wiederholten Versicherungen der deutschen Regie, rung, die Bestinunungen der Locarnoverträge einhallen zu wollen, war die ganze Welt über den einseitige» deutsche« Akt überrascht, welcher ohne Einvernehmen mit den übrigen Signataren deß Paktes und entgegen deii Paktbestimmungen selbst, den Locarnovertrag einfach ablehnt. Die ll e b e r r a s ch u n g, welche wir heuer am 7, März erleht haben, ähnelt der Neberraschung des Vorigen Jahres, wo die deutsche Regierung dem ausdrücklichen Verbote des Versailler Vertrag- entgegen die allgememe Wehrpflicht eingeführt hat. 8S handelt fich hier offensichtlich um die Durchführung eines Programme-, das sich die deutsche Regierung gestellt bat, um, wie sie sagt, Deutschland von dem Diktate der ungerechten und herabwürdigenden Verträge zu befreien und Deutschland auf seinem Territorium die volle Souveränität wiederzngeben. Im weiteren Verlauf seiner Rede stellte dann der Minister fest, daß„in den Ländern, welche die Locarnoverträge unterzeichnet haben, das deutsche Vorgehen einhellig abgelehnt worden" ist und kennzeichnete den Standpunkt Frankreichs, Belgiens, Italiens und Englands.„ES herrscht", so sagte«.„unter den Signataren des Locarno» vertrage- völlige Uebereinstim- m u n g, zu der sich auch die volle Zustimmung der SSSR und der Staaten d« Kleinen Entente gesellt... Die Verletzung der Art. 42 und 43 des Versailler Vertrages und die Verletzung der Locarnoverträge, welche durch die militärische Besetzung der demilitarisierten Zone erfolgt ist, tangiert direkt alle an Deutschland angrenzenden Westmächte und indirekt die übrigen Nachbarn Deutschland- sowie andere Staaten, welche an der Erhaltung de- Friedens in Mitteleuropa interessiert sind. 0er Standpunkt der Tschechoslowakei Was unS anbelangt, ist es klar, daß ein Staat, dessen Grundprinzip der Außenpolitik stets die Achtung vor internationalen Bindungen und deren unbedingte Einhaltung gewesen ist, nicht- anderes tun kann, als sich mit größter Entschiedenheit dagegen zu stellen, daß Verträge einseitig verletzt würden. In dem Falle, mit welchem wir uns heute beschäftigen, handelt eS sich um eine umso ernstere Verletzung der Verträge, weil Deutschland einen Vertrag ablehnt, den eS freiwillig unterzeichnet hat. nicht also um ein Diktat, wie man in Deutschland den Friedensvertrag von Versailles nennt. Die Motivierung, mit welcher Deutschland sich als berechtigt ansieht, die Locarnoverträge abzulehnen, erachten wir nicht für hinreichend. Dadurch, daß fich Deutschland dazu entschlossen hat, selbständig zu handeln, selbst Richter in den strittigen Angelegenheiten zu fei«, hat es die Plöglichkett von Verhandlung« üb« die Vervoll- kommnung deS Sicherheitssystems i« Europa ausiergrwöhnlich erschwert und jenen Staaten, die »8 selbst zu Verhandlungen einladrt, die Türe verschlossen. Es tauchen Anschauungen auf, welche dahin gehen, daß der Konflikt sich in die Länge ziehen könnte und daß er mit der wachsenden Spannung eine ziemlich lang andauernde schwere internationale Krise in ganzEuropa Hervorrufen könnte, deren Folgen und Formen vorläusig nicht vorauSgeseheN werden können. Die Tschechosiowakei hegt allerdings den Wunsch, daß der Konflikt nicht zu politischen oder wirtschaftlichen bösen Folgen führen möge, und sie hofft, daß England und Frankreich einheitlich vorgehen werden, weil dies heute unter allen Umständen die Hauptgarantie für die Er ha l- tUng des Friedens in Europa ist. Unser eigene- Borgehen ist nicht nur durch die Treue zu den Bertragsverpflichtungen, auf deren Gültigkeit wir harren, sondern auch durch die Treue»ns«« Verbündeten gegenüber gegeben. Wir stehen mit der französischen Regierung und mit den Regierungen von Jugoslawien und Rumänien in ununterbrochener Verbindung, mit denen wir über diese Angelegenheit während der Sitzung des Ständigen Rates der Kleinen Entente zu verhandeln beabsichtigen. Da wir nicht Signatare des Rheinpaktes sind, wollen und werden wir in diesem ernst« Streitfälle der Westmächte mit Deutschland nicht initiativ auftreten. Wir wollen und werden aber jenen Aufgaben und Opfern nicht aus dem Wege gehen, welche sich aus unserer Mitgliedschaft im Völkerbunde und aus unseren Bündnisverträgen ergeben. Wir find uns der Verantwortlichkeit uüserem Staate und der Vülkerfamilie gegenüber bewußt und werden deshalb mit größten Nachdruck den Grundsatz verteidigen, daß internationale Bindungen und Pflichten erfüllt werden müssen. Wir verteidigen diesen Grundsatz nicht bloß für andere, sondern auch für uns selbst und wir erklären mitLtachdruck, daß wir allen unseren V"e r p f l i ch- tüngen und Verbindlichkeiten voll und vorbehaltlos Genüge lei st en werden. Jnsolange die Frage der Verletzung deS Frie- denSverrrageS von Versailles und der Locarnoverträge durch Deutschland nicht befriedigend gelöst ist. hätte es keinen Sinn, fich eingehender über die positiven Anträge Deutschlands und namentlich auch über den uns angebotenen Abschluß eines Nichtangriffspaktes zu äußern. Unser Standpunkt zu bilateralen Verträgen dieser Art ist bekannt. Wir schließ« nur solch« bilaterale Verträge ab, welche ihrem Inhalte nach in d« Rahm« kollektiver Sicherheiten hineinfallrn, und wir lehn« Verträge ab, welche die kollektive Sicherheit verletzen ob«»erringe« würd«. Wir erachten unseren Garantievertrag mit Frankreich als geltend und könnten über die Organisation der Sicherheit in Europa nur auf Grund der Verträge verhandeln, die wir für dies« Teil Europas bereits abgeschlossen haben, wobei wir uns allerdings an den Völkerbundpakt gehalten haben und in absolutem Einvernehmen mit den Verbündeten und in völliger Loyalität zu ihnen vorgegangen find. Vorläufig kann nur konstatiert werden, daß dadiplomatische und politische bisherige System unser« Politik, der Rahmen der gemeinsamen Friedensfront, in der wir uns befinden, unsere Zusammenarbeit und unsere Bündnisse, die wir besitzen und aufrecht erhalt«, eine hinlängliche Garantie für uns im Falle irgendwelcher Schwierigkeiten in Europa find. ES ist nur notwendig, unsere wirtschaftlich«, militärischen und materiell« Kräfte überhaupt fest aus- zubauen und politisch im Inne« einig und fest zu bleiben. Unter diesen Umständen ist es also möglich, volle Fassung, Mäßigung in der Beurteilung der kinrlmmeiMOhnunsen dl» Mitte 1940 Prag. Am Dienstag hat die Regierung dem Abgeordnetenhaus den bereits vom 3. März datierten Gesetzentwurf über die Neuregelung des Mieterschutzes vorgelegt. Bekanntlich haben die agrarischen Hausherrenvertreter in der Koalition den stärksten Druck auSgeübt, um auch für die Wohnküchen in der Vorlage bereits einen Endtermin deS Mieterschutzes zu bestimmen, was zur Verzögerung der Vorlage um volle zwei Wochen führte. Es ist wohl anzunehmen, daß die von D u b i c k y geführte Hausherrengruppe unter den Agrariern im Laufe der Verhandlungen noch weitere Vorstöße versuchen wird. Die Vorlage wird Mittwoch den Ausschuß passieren und ist bereits auf die Tagesordnung der Donnerstag-Plenarsitzung gesetzt. Sie trifft folgende Regelung: DaS bisherig« Nti«tersch«tzgesetz wird„bis zur writrrrn gesetzlichen Verfügung" verlängert, doch w«d« in den nächst« Jahr« die Zwei- und Einzimmerwohnung« in mehren« Termin« aus dem Miet«, schütz ausgeschieden, so daß schließlich ab 30. Juni 1940 nur mehr Wohnküche» mit« dem Mieter- schutz steh««erd«. Tie einzeln« Etapp« find folgende: 1. Am 30. Juni 1937 die Z w e i z i m m e r» Wohnungen, d. s. jene Wohnungen, welche anß« der Küche und dem Di«stbotenzimm« aus zwei Wohnräum« bestehen, sowie Räumlichketten, welche weder Wohnung««och Betriebsstätten sind; 8. am 30. Juni 1938 die Wohuungm von Mete«(höchstens Einzimmerwohnungen und Wohnküchen), bei denen d« Vermieter nachweist, daß sie(samt ihr« mitwohnend« Familienangehörig«) i« St««jahr 1935»der spät« ein Gesamteinkommen von w«igst«S 30.000 Ai hatten, falls sie die gesetzliche Verpflichtung hab«, für d« Unterhalt w«igst«S einer Person zu sorg«, oder 18.000 Ai, wenn dirS nicht d« Fall ist; 3. am 30. Juni 1939 di« Wohnung« jener Miet«, die nut« denselben Boraussetzunigen»re sub 2. die Eink»mm«Sgr«zr von 24.000, tezw. 15.000 Ai erreich«; 4. am 30. Juni 1940 ohne Rücksicht auf dal Einkomm« deS Mieters die Einzimmer- Situafion, Treue.zu de» bisherigen Grundsätzen unserer Außenpolitik und auch den festen Glauben zu bewahren, daß wir auch auS dies« neuen Krise «»geschwächt hervorgehen werden. Zum Schluffe meines Exposes möchte ich die Hoffnung ausdrücken, eS möge auch dieser Konflikt, falls eS gelingt, ihn glücklich beizulegen, dazu beitragen, die Bedingungen einer ersprießlichen Entwicklung und der Erhaltung des Friedens in Europa von allen Setten klarzulegen. Wir seh« ja, daß dort, wo man früher ohne Bedenken zu den Waffen gegriffen hat, nunmehr mit Ruhe und Ueberlegung eine friedliche Austragung des Streitfalles vor dem höchsten internationalen Tribunal gesucht wird, Di« Tschechoslowakische Repubfik wünscht fich und all« ander« innigst d« Fried«. Sie würde eS aufrichtig bedauern, wenn unsere bisherigen gutnachbarlichen Beziehung« zu Deutschland durch diesen internationalen Konflikt und durch seinen Reflex auf uns getrübt werden würden, und sie wird alleS mach«, um im Einvemehm« mit ihr« Verbündet« und Freund« zur friedlichen Erledigung des Streitfalles und zur Sicherung dauernder Bedingungen des Frieden» für die Zukunft beizutragen. — Wohnküchen noch nicht terminiert wohn»»»««, d. s. jene Wohnung«,„welche anß« der Küche und dem Dttnstbotenzimm« ans einem Wohnraum bestehen", sowie„Räumlichkeit«, welche nicht Teil ein« Wohnung sind und d« Charakter kleiner Vetriebsstitten besitzen". Als Gesamteinkommen nach Punkt 2 und 3 gilt die Summe der Einkommen, von denen für das maßgebende Jahr dem Mieter und auch seinen Familienangehörigen, welche, ohne eine eigene Wohnung zu besitz«, am Ende des maßgebenden Jahre» bei ihm gewohnt haben, rechtskräftig die Einkommensher vorgeschrieben worden ist; wurde die St«er im Abzugswege nach 8 30 des Gesetzes über die direkten Steuern eingehoben, so wird die Hälfte der Bruttodienstbezüge angerechnet. Di« Ausscheidung aus dem Meterschutz nach Punkt 2 und 8 erfolgt jedoch nicht, wenn der Mieter Tatsachen glaubwürdig nachweist, aus denen mit Recht geschloffen werden kann, daß fein Gesamteinkommen seit dem Ende des maßgebend« Steuerjahres unter die angeführte Grenze gesunken ist. Die sub 1 bi» 4 angeführten Bestimmung« gelten»i ch t in den von der wirtschaftlich« Notlage betroffen« Gebieten, in den« di« wirtschaftlichen, sozial« und die Wohuungsverhält- nisse außerordentliche Maßnahme« erheische». Diese Gedirte werde« von der Negierung durch Verordnung bestimmt. Ferner wird das Gesetz 45/28 betreffend den Aufschub der exekutiven Räumung von Wohnungen sowie die Bestimmungen de» 8 4 und der 88 9 bis 13 ist» Gesetzes 118/28 betreffend außerordentliche Maßnahmen der Wohnungsfürsorge bis zur weiteren gesetzlichen Verfügung verlängert. DaS Gesetz soll am 1. April 1986 in Wirksamkeit treten. * Der ausführliche Motivesibericht weist darauf hin, daß der Mieterschutz inzwischen bereits eine ausgesprochen soziale Angelegenheit geworden ist, die man etappenweise liquidieren kann, je nachdem der WohnungSmarlt den Bedarf an billigen Klein st Wohnungen für die sozial schwachen BevölkerungSschich- ten wird befriedigen können. Die allmähliche Liquidierung wird nur unter der Vor- aussetzung beantragt, daß mit Hilfe der Mieterschutz für Notstandsgebiete unverändert 86- MÄNNER, FRAUEN WAFFEN I Manfred Georg| Copyright by Dr. Manfred Georg. Frag Er schlenderte mit dem Fischer über den Strand, der sich schlängelnd um viele vorspringende Felsen dahinzog. Der Fischer hatte seine Entdeckung im Augenblick ganz vergessen und erzählte dem Agenten vom letzten Stierkampf am Sonntag, den er mit seiner Braut besucht hatte. Dann begann er, von deren'groß« Augen zu schwärmen, redete sich in glücklicher Erinnerung immer mehr in Feuer und merkte gar nicht, daß seip Begleiter ganz langsam einen Schritt zurück blieb und hinter ihn trat. Gerade als er sagte: „Sje hat Augen, daß ich die meinen schließen muß, wenn ich hineinsehe", erhielt er einen fürchterlichen Schlag über den Schädel und brach blutüberströmt zusammen. Man wickelte den Liebhaber schöner Augen und fremder Maschinengewehr-Bestandteile, wie der Detektiv Schumann voll Gelbstanerkennung erzählte, in ein Tuch, das gut und solide zusammengeschnürt wurde, band einige Steine daran und fuhr mit dem unaufmerksamen jungen Manne ettvaS hinaus aufs Meer, ohne daß man wieder mit ihm zurückkehrte. Für Schumann war der Unglückliche ein Verräter. Unbewiesettermaßen, aber trotzdem ebenso sicher, und wenn er sich auch über das scheußliche Gesicht des zynisch seine Ausdrücke wählenden Detektivs ärgerte, so verschwendete er doch kaum einen flüchtigen Gedanken an das Schicksal Geronimos. Auch über die erforderliche Aufmerksamkeit für die rasche Abwicklung der nächtlichen Szene hinaus war er kaum an diesen Dingen, die hier vorgingen, interessiert. Sein Herz fieberte stach Limeo, und alles, was zwischen ihm und seiner Ankunft dort lag, war nur ärgerliches Hemmnis. „Von seiner Geliebten hat er erzählt", schloß der Agent grinsend seinen Bericht.„Er ist wenigstens mit einem guten Gedanken zur Hölle gefahren." „So, so", entgegnete Schumann teilnahmslos und ging einige Schritte abseits. Dann hallte das Wort„Geliebte" plötzlich wie ein Echo in ihm nach, und er lehnte fich, schwer atmend, gegen einen Baumstamm. Seit seiner Ankunft in Sevilla hatte er überhaupt kaum noch an Haydte gedacht. Es erschien ihm dies ebenso unfaßlich wie — und das war es, was ihm vor sich selbst Grauen einflötzte— selbstverständlich. Sie hatte zwar regelmäßig Briefe geschrieben, aber diese Briefe waren farblos gewesen. Die Untersuchung gegen sie lief immer noch. Der Bankier Girobles, der auf Schmnanns Bitte sich dauernd um sie kümmerte, hatte ihm nur mitgeteilt, daß der Stand der Dinge unverändert wäre, ihr^ Behandlung aber so, wie man sie einem Gefangenen, der ja noch nicht verurteilt oder überführt war, angedeihen ließ. Besuche seien fteilich nach wie vor nicht zu erreichen gewesen. Schumann konnte nicht unterscheiden, ob Haydees Zuversicht ihm das Gefühl des Vertrauens, sie würde sich schon allein durchbeißen, gegeben oder ob die Nähe Gabrieles alles andere ausgetilgt hatte. Er war jetzt ganz allein. Die Ausladung der Waffen ging ihrem Ende entgegen und vollzog sich ganz automatisch. Von der Stelle, wo ex jetzt stand, konnte ex die Schiffe nicht sehen. Das Meer lag ganz glatt. Er ließ sich auf einem kleinen Felsvorsprung nieder und sah hinaus. DaS Gewöll war unruhig geworden, es zerriß und zeigte an den Rändern feine Helligkeiten verborgenen Lichtes. Das Wasser lief bis kurz vor die Spitze seiner Schuhe und ließ als Zeichen ein wenig Schlamm zurück. „So, so," sagte er vor sich hin,„er hat an die Geliebte gedacht." Vielleicht fraßen schon die Fische an ihm. Ss gab in dieser Gegend eine ganze Anzahl Neiner, gefährlicher Raubfische mit ungeheuer kräfttgen Kiefern. Morden ist so einfach! Ihm hatte man ja auch Aber nein, Gabriele lebte ja. Er würde sie sehen. Es war alles so seltsam. Er saß hier an dieser ftemden Küste. Alles kam ihm unwahrscheinlich vor. Existierte Haydee eigentlich? Vielleicht hatte er von ihr geträumt, sie sich nur aus seinen Wünschen zusammengesetzt. Plötzlich hatte er die Vorstellung, daß ihre Haut in der sicher feuchten Zelle faulen würde. Der Tote auf dem Marktplatz in Sevilla hatte so eine zerlöcherte, scheußlich stinkende Haut gehabt. Die Haut war alles. Wenn man fte abzog von einem Menschen, entpuppte er sich als ein Klumpen Blut und Adern. Haydees Haut hatte ihn berauscht, seine Sinn^ waren an ihr stürmisch geworden, bis sie sich völlig aufgelöst hatten. War ihm Gabriele eigentlich wichtiger als Haydte? Was war ihm eigentlich wichtig, warum arbeitete er so viel? Man sollte in einem kleinen Garten sitzen mit ein paar Tieren um sich und aufpassen wie sie wuchsen und wie der Sommer und der Winter kamen, dann würde man keine Angst haben. Ja, das war es: er hatte Angst, er sloh vor etwas, er floh zu Gabriele, er floh zu Hay- dc'c, er floh ins Kontor des Herrn Makropulos. Sie brauchten ihn nicht. Er aber brauchte sie. Sie waren auf seiner Flucht die Schutzhäuser, in denen er sich vor seinen Verfolgern vettbarg. Und sein Verfolger war niemand anders als der Tod. Er wußte es jetzt ganz genau. Nicht der Mann mit der Sense, den er als Kind kennen gelernt hatte, soiwern dieser sinnlose, brutale Riese mit dem blutigen Korb, das Gespenst von Gornjtsch, das ihn eines Tages wieder einholen würde und das jetzt vielleicht den jung« Fischer untm auf dem Meeresgrund in seinen Korb lud, um mit Son- nmaufgang aus den Wogen aufzutauchen, behangen mit Krebsen und Fischen, die sich in das Weidengeflecht der Traglast festgebiffen hatte. Schumann richtete sich auf und war gewärtig, daß der Riese schon jetzt gleich herauStauchen würde. Er sah bereits den Wasserspiegel sich wölben. Es schien, al» rauchten die Wellen heftiger, sie spülten um seinen Schuh. Es war, als ob ganz unten Wirbel im Aufruhr sich bildeten, als wühle jemand den Ozean auf. Wind riß an seinem Rock, er pfiff über die Wasserfläche, die Bäume hinter ihm begannen zu stöhnen. Dann brach ein Regen los, der ihn in wenigen Sekunden völlig durchnäßte. Das Wetter war umgeschlagen. Es zog die Wolken zum Wasser. Sie hatten ihre Schleusen geöffnet. Noch wollten sie es verhindern, daß der Riese aufftieg. Sie droschen mit Güssen auf sein mordschweres Haupt, aber— Schumann schrie auf— da stand der Mann mit dem Korb hinter ihm und lachte fürchterlich. Er mußte irgendwo anders ans Ufer gekommen sein. Und"der Korb war wieder schwer, daß ihm die Riemen tief in die Schultern schnitten. Schumann schloß die Augen. Der Regen floß ihm vom Hut und Haar hinten in den Hals. Als er sie wieder öffnete, sagte der Fischer, der nur ein wenig größer als der Rittmeister vor ihm stand, mit einem fteundlichen Lächeln: „Ein guter Tag heute für uns. Das ganze Ufer liegt voll Getier. Man kann kaum alles bergen." „Gabriele," sagte Schumann vor sich hin. „Werde ich Gabriele sehen?" Ihm war, als ob dieser Fischer sie dort in seinem Korb davontrüge. » Die Ereignisse waren schneller als Schumann. Sie überhollen ihn auf dem Bahnhof von Limeo. Als er aus dem Portal trat, zog die Einwohnerschaft in dichten Scharen über den Keinen Vorplatz. Der Aufstand war prollamiert, die Stadt war ohne Licht, es knallte an all« Ecken und Enden, Teile des Militärs gingen zu den Rebellen über. Die Gruben und Fabrtten flaggten die Fahnen der Empörung. ^Fortsetzung folgt/ B und Rowan von Nr. 66 Mittwoch, 18. März 1936 Seite 3 Sudetendeutscher Zeitspiegel Warnsdorf er Jugendgenosse als sozialistischer Märtyrer Genosse Konrad Gersch von den Gerichten des Dritten Reiches zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt - staatlichen Bauförderung auf dem WoHnungS- marlt allmählich Ersatzwohnungen geschaffen werden, die nicht nur ihrer Zahl nach den aus dem Mieterschutz ausfallenden Wohnungen äquivalent sind, sondern auch bezüglich der Höhe des Mietzinses dem Einkommen jener Mieter zugänglich sind, welche aus dem Mieterschutz auS- fallen sollen. Auch die erwartete Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse bildet eine unumgängliche Voraussetzung, auf die sich die Vorlage aufbaut. Bei der Wertung der Vorlage darf man die Tatsache nicht übersehen, dass wir bereits das 18. Jahr nach dem Abschluß des Weltkrieges zählen, zu dessen Beginn der Mieterschutz eingeführt wurde. Die Tschechoslowakei dürfte der einzige Staat sein, der bisher den Mieterschutz noch in einem solchen Umfange aufrecht erhalten hat. Die Mieterschutzanhänger befanden sich schon seit einer Reihe von Jahren in einer ausgesprochenen Verteidigungsstellung und wußten, daß sie ihre Position auf die Dauer doch nicht werden halten können. Die schon vor vielen Jahren angebahnte Liquidierung wird auch jetzt nur unter möglichster Berücksichtigung sozialer Ge« ,sichtspunkte fortgesetzt. In den ausgesprochenen Notstandsgebieten tritt überhaupt keine Verschlechterung des Mieterschutzes ein, in den anderen Gebieten fallen im nächsten Jahre nur die Zweizimmerwohnungen ohne weitere soziale Schutzklausel aus, während bei den Einzimmerwohnungen der Abbau sich nach den Vermögensverhältniflen des Mieters richtet. In den vorauSgegangenen Verhandlungen, die keineswegs leicht waren, haben die sozialistischen Parteien alles aufgeboten, um die nicht mehr zU umgehende Liquidierung für die sozial schwachen Bevölkerungsschichten noch bis an die Grenzen des Erreichbaren hinauszuschieben. Die neue Bauförderungsvorlage des Fürsorgeministeriums, die gleichzeitig mit dem neuen Mieterschutz verabschiedet werden soll, will bekanntlich den Bau von Kleinstwohnungen für bie ärmsten Bevölkerungsschichten mit staatlicher Subventionierung entsprechend fördern, damit kein Mangel an Kleinstwohnungen eintrete. So wird eS hoffentlich gelingen, den etappenweisen Ilebergang zur freien Wohnungswirtschaft ohne Schädigung der ärmsten Bevölkerungsschichten, deren Schutz den sozialistischen Parteien vor allem am Herzen liegen muß, zu bewerkstelligen. Invalidenvorlase verbessert Das Abgeordnetenhaus erledigte in seiner Plenarsitzung nach kurzer Debatte, in der G o t t- Wald zur„Einheitsfront" gegen den Faschismus aufrief, die Vorlage über die Zulagen für Altpensionisten'des beschlagnahmten-Großgrundbesitzes, und ging dann in. die Debatte über die Novelle zumKriegS- beschädigtengesetz ein, über das wir bereits ausführlicher referiert haben. Wie aus dem Referat des tschechischen Genossen Neumeister hervorging, wird die Minimalgrenze für die Invalidität, bei der eine Rentenerhöhung auS dem Titel der Verschlechterung des Gesundheitszustandes möglich ist, von 78 auf 50 Prozent herabgesetzt, der Kreis der Einbezogenen also beträchtlich erweitert. Dagegen gelang es nicht, die Rechtsverbindlichkeit des Anspruches durchzusetzen. Die Debatte wird in der nächsten Sitzung am Donnerstag um 15 Uhr fortgesetzt und abgeschlossen werden. Eine weitere Sitzung ist für Freitag, eventuell auch Samstag, geplant. In der kommenden Woche soll das Haus ab Donnerstag tagen und Ende der Woche, also noch acht Tage vor dem Palmsonntag, der sonst die Osterpause einzuleiten Pflegt, in Osterferien gehen. Gerechtigkeit Im Lande Starhembergs? Wien. Di« Amtliche Nachrichtenstelle meldet: Die österreichische Presse weist gewisse ausländische Proteste wegen der Durchführung des Wiener Sozialistenprozesses mit der Feststellung zurück, daß die österreichischen Gerichte nur nach den g rlt end e n G e se tz en judizieren nnd daß Bersnche, die Jurisdiktion durch Resolutionen oder Sekretpriatstelegramme zu bortnflnssen, völlig aussichtslos sind. Die Verurteilung oder der Freispruch hängen in Oesterreich ebenso wie das Strafausmaß vom Gesetz ab. * Es wäre niemandem eingefallen zu protestieren, wenn auch nur die geringste Gewähr dafür bestünde, daß man nach dem Gesetz vorgeht. Aber wie kann sich ein Regime auf das Gesetz berufen, das doch kraft einer Ge- i^etzeSverletzung regiertl Wie ann sich ein Regime, das mit dem Herrn S t a r- Hemberg verknüpft ist, auf das Gesetz berufen? Wie kann ein Regime auf das Gesetz verweisen, das durch die bloße Formulierung der Anklage bewiesen hat, daß es das Gesetz beugt?! Denn die Anklage, die der Staatsanwalt der Negierung Schuschnigg-Starhemberg gegen Sai- l:r und Genossen erhoben hat, steht in schroffem Widerspruch zu den gesetzlichen Vorschriften. Im übrigen hat dasselbe Regime das Gesetz so oft gebeugt, verletzt und ge, brachen, daß jedes Mißtrauen gerechtfertigt ist. lind die Herren in Wien täten gut daran, sich weniger stolz in die Brust zu werfen, sie könnlPe I sonst noch anbete Töne hören!~ I Am 15. Mai 1935 wurde der Warnsdorfer Jugendgenosse Konrad Gersch in Dresden verhaftet und ins Polizeipräsidium eingeliefert. Im Polizeipräsidium in Dresden verblieb er bis 5. Jänner 1936. An diesem Tage wurde er dem BolkSgericht in Berlin Werstellt. Dieses sprach am 3. März daS Urteil. Das Urteil lautet auf zehn Jahre Zuchthaus unter Zulässigkeit von Polizeiaufsicht nach Strafverbüßung. Es ist angenommen worden, daß die„Vor- bereitimg eines hochverräterischen Unternehmens vorliegt". Di« Strafe ist auf Grund des 8 83, 3. Abs.» Ziffer 1, 4 und' 4 des Strafgesetzbuches für das Deutsche Reich ausgesprochen worden. Dem Antrag« des Rechtsvertreters, einen „minderschweren Fall anzunehmen", der wesentlich geringere Strafen, und zwar auch Gefängnis erlaubt haben würde, ist vom Bolksgepicht nicht angenommen worden. DaS Gericht hat auch angenommen, daß er mit vollem Bewußtsein gehandelt hat, besonders deshalb» weil er selbst zugab, Sozialdemokrat zu sein. Das Gericht nahm deshalb an, daß er, wie alle Marxisten, Interesse an der Bekämpfung des Dritten Reiches hatte und aus diesem Grunde handelte. DaS Verbrechen soll darin liegen, daß er illegale Zeitschriften„Sozialistische Aktion" verbreitet hat. Das Gericht hob besonders hervor, daß seine Tätigkeit in Deutschland ein schlimmer Miß- Kelne SdP-Aufmärsche In Aussig Nur Deleglertentagung gestattet Der Aussiger Parteitag der SdP, der nach dem Willen der Veranstalter ein zweites Nürnberg mit Massenaufmärschen von Hunderttausenden werden sollte, wurde von den Behörden nur im Rahmen der in der Tschechoslowakei üblichen Parteitag, d. h. o h u e Aufmärsche bei Beschränkung auf höchstens einige tausend Delegierte, gestattet. Damit sind große Hoffnungen der SdP zunichte geworden. Im Interesse der Demokratie ist diese Entscheidung nur wärmstens zu begrüßen! Ausschluß der Kleinbauern aus der Notstandsaktlon? Aus Kleinbauernkreisen wird uns geschrieben: Wir haben vor kurzem an dieser Stelle aufgezeigt, wie verheerend die Futtermittelverteuerung bei den kleinen Viehzüchtern gewirkt hat. Endlich— nach vielen, vergeblichen Hilferufen der Kleinbauern hat sich die Regierung entschlossen, verbilligte Futtermittel an die Notstandsgebiete abzugeben. Aber nicht genug damit, daß mit der Aktwn so spät eingesetzt wird, es hat den Anschein, als wollte man auch dabei noch einen Großteil der kleinen Viehzüchter ausschalten. Die Verordnung wurde am 11. März in der tschechischen Ausgabe der Gesetzessammlung verlautbart. Die Aktwn, die sich fast auf das ganze Staatsgebiet erstreckt, soll von den Ge- treidekommissären im Einvernehmen mit den Bezirksbehörden durchgeführt werden. Jeder Besteller hat ein amtliches Formular auszufüllen, das vom Gemeindeamte zu bestätigen ist und dem Getreidekommissäx übergeben werden muß. Bis zum 19. März' müssen die Kommissäre im Besitze dieser Bestellungen sein. Wer bis dahin den amtlichen Bestellschein nicht abgegeben hat, kann an der Aktion nicht teilhaben. Wir fragen nun alle nur einigermaßen vernünftig denkenden Menschen, ob es möglich ist, innerhalb von acht Ta gen eine derartige Aktion, die viele tausende Landwirte bis in die entlegensten Dörfer erfassen soll, durchzuführen? Unseres Erachtens wäre das rein technisch vollständig unmöglich, selbst wenn alles klappen würde. DaS ist aber nicht der Fall. Uns liegen bereits eine ganze Reihe von Briefen vor, in denen mitgeteilt wird, daß die Landwirte die Bestellungsformulare bei den Lagerhäusern und Kommissären nicht erhalten konnten und man ihnen sagte, daß sie diese bei der Mühlengenossen- schast in Prag bestellen müßten. ES ist unmöglich, daß diese Landwirte die Bestellungen noch rechtzeitig abgeben können, sie fallen daher bei der Aktion durch. Wir heaen die begründete Befürchtung, daß auf diese Weise ein großer Teil derbedürftigen kleinen Vieh- züchterumihrenAnspruchgebracht wird, um die wenigen Kilogramm verbilligter ■K-'H'rmiHel, die sie doch so dringend bedürkten. ES ist nicht möglich, daß dieses Unrecht geschieht! brauch des ihm gewährten GastrechteS war. er sich in deutsche Verhältnisse eingemischt hat, die ihm nichts angingen. Konrad Gersch ist 23 Jahre alt. Mitglied unserer WarnSdorfer Jugendorganisation. Er leidet an einem schweren Augenleiden, das zu einer überaus starken Kurzsichtigkeit geführt hat. Die lange Kerkerhaft hat eine starke Verschlimmerung dieses Leidens hervorgebracht, über die Konrad Gersch ständig in seinen brieflichen Mitteilungen an seine Eltern flagt. Es ist zu befürchten, daß er während der langen Zuchthausstrafe fast vollständig erblindet. Es wurde ihm ein stärkeres Augenglas pom Augenarzt in Dresden verordnet, daS er nicht erhielt. Vom Augenarzt in Berlin wurde sein Augenleiden als hoffnungslos und unheilbar bezeichnet. Was noch während der Haft im Gestapo- Gefängnis in Dresden dazu beigetragen hat, daß sich sein Augenleiden so verschlechterte, kann nicht einwandfrei festgestellt werden, wenn auch Mitteilungen vorliegen, die besagen, daß er körperlichschwer mißhandelt wurde. Er selbst hat in seinem Schreiben an den Vater über erlebte schwere Stunden Mitteilung gemacht. Weitere nähere Mitteilungen hat die Zensur nicht zugelassen. Trotz des seelischen Zusammenbruches bei der Urteilsverkündung hat Konrad Gersch sich wieder gefaßt und er spricht die Hoffnung auS, daß er in Anbetracht seiner Jugend die Stunde der Freiheit erleben wird. Es ist auch nicht einzusehen, weshalb nun die Aktwn, die man solange verhinderte, jetzt Hals über Kopf durchgeführt werden soll. Wir verlangen ganz entschieden, daß die Frist zur Einbringung der Bestellungen über den 19. März hinaus verlängert wird, so lange, daß alle fleinbäuerlichen Viehzüchter die Möglichkeit erhalten, an der Aktion teilzunehmen und diese nicht wiederum nur einigen großen Protektionskindern, die bereits vor der Veröffentlichung der Regierungsverordnung davon Kenntnis hatten upd rechtzeitig ihre Bestellungen überreichen konnten, zugute lammt. Unvorsichtige SdP-Autler. Im Jmmuni- tätsansfchuß wurden Dienstag verschiedene Jm- munitätSfälle verhandelt, darunter auch der Fall des Abgeordneten der Sudetendeutschen Partei Dr. Köllner« Eger. Der genannte Abgeordnete hat mit seinem Auto, das er selbst, wie durch amtliche Erhebungen festgestellt wurde, im 70- Kilometer-Tempo chauffierte, einen Arbeiterniedergestoßen und verletzt. Der Jmmunitätsausschuß hat von der Auslieferung Abstand genommen, weil sich Dr. Köllner inzwischen mit dem Verletzten ausgeglichen hat. Bemerkenswert ist eS, daß dies s chon der dritte Fall ist, daß ein Abgeordneter der SdP Arbeiter niederfährt. Erst war es der Herr Abgeordnete S a n d n e r, dann der Abgeordnete Dr. Rosche und der letzte Fall ist eben der des Dr. Köllner! Brüderliche Propaganda für«nsere Kurorte. In einer Rede in der Karlsbader Stadwer- tretung bemerkte Genosse de Witte:„Ich habe hier den.Stürmer' mit einem großen Bilde, das drei polnische Juden zeigt und die Unterschrift trägt:.Mit grinsenden Talmudgesichtern auf ter Kurpromenade in Karlsbad.' DaS ist keine sehr liebevolle Aktion für Karlsbad!"— Das geir ß nicht, aber der Zorn der Karlsbader Nazi üver das Ausbleiben reichsdeutscher Kurgäste wird sich keinesfalls gegen Streicher weNden, sondern gegen die jüdischen Kurgäste. So wifl es die Logik des Nationalismus. Ein Irrer steckt sein Vaterhaus in Brand. In der Gemeinde Meretitz steckte Montag der 36jährige Eduard Frisch das Haus seines Vaters in Brand und versuchte hierauf, sich auf dem Dachboden des brennenden Hauses mit einem Taschenmesser zu entleiben. Er brachte sich eine zwar schwere' aber nicht tödliche Verletzung am Halse bei und versuchte sodann, sich zu erhängen. Als jedoch die Flammen das Dach ergriffen, flüchtete er aus dem Hause. Frisch ist bereits seit längerer Zeit arbeitslos und war bereits zweimal in der Irrenanstalt in Dob- kany interniert, von wo er vor drei Jahren als geheilt entlassen worden ist. In der letzten Zeit zeigten sich bei ihm aber neuerliche Zeichen geistiger Störungen. So ersuchte er in den letzten Tagen, am 18. März, seinem Geburtstage, beerdigt zu werden. Tie Brandstiftung steht ohne Zweifel mit diesem seinem Wunsche in Zusammenhang. Das Schadenfeuer ergriff auch das Nachbarhaus, das dem Schwager des Brandstifters Rudolf Böhm gehört. Beide Häuser! wurden eingeäschert. Der Brandstifter wurde zunächst in das Krankenhaus von Komotau gebracht, von wo er einer Irrenanstalt übergeben werden, wird. i Demission Dr. Trapls Prag. Amtlich wird mitgeteilt: Finanzminister Dr. Karl T r a p l, dessen Gesrmdheitk- zustand unerläßlich vollkommene Ruhe erfordert, hat am Dienstag demissioniert. Der Präsident der Republik hat im Hinblick auf die ernsten gesundheitlichen Gründe des Ministers die Demission angenommen. Im Hinblick darauf, daß gemäß den« Beschluß der Regierung, der vom Präsidenten der Republik angenommen wurde, den Finanzminister Dr. Trapl in der Leitung seines Refforts der Minister für Schulwesen«nd Bolksaufklirnng Dr. Franke vertrat, hat der Präsident der Republik auf Vorschlag des V.orsitzrnden der Regierung den Minister für Schulwesen«nd Bolkskultur Dr. Fra nJ e mit der ütterimistischen Leitung des Finanzministeriums betraut. Die definitive Besetzung des Finanzministeriums wird in der nächsten Zeit durchgeführt werden. Dr. Trapl, der jetzt nach einem Erholungsurlaub wieder in sein Amt als Gouverneur der Postsparkasse zurückkehren dürfte, wurde am 16. April 1931 unter der zweiten Regierung Udrral als Nachfolger Dr. Engliss zum Finanzminister ernannt, hat also dieses in der heutigen Krise doppelt verantwortliche Amt fast durch fünf Jahre bekleidet. Daß sein Gesundheitszustand seit langem viel zu wünschen übrig läßt, beruht auf Wahrheit. Vor längerer Zeit hatte er auch schon einen Urlaub aus Gesundheitsrücksichten genommen, während deffeu ihn der damalige Ministerpräsident Malhpetr vertrat. Auch in der letzten Zeit hat er wiederholt von l seinen Demissionsabsichten gesprochen. Trotzdem kam die Demission unerwartet, zumal er noch Dienstag vormittags an Beratungen hex Minister teilnahm. Angesichts seiner angegriffenen Gesundheit wollt« Dr. Trapl anscheinend jetzt auch nicht mehr die schwierigen Verhandlungen über die jüngst eingebrachte Novelle zu den direkten Steuern fortführen, t die mehr als genug Konfliktsstoff zwischen Finanzministerium und KoalitionSmehrheit schuf. Vor kurzer Zeit hatte sich Dr. Trapl in der Steuer- subkommission«in« ausführliche Stellungnahme zu den von der Koalition formulierten Abänderungsanträgen Vorbehalten. Nun wird ihn am Mittwoch in diesen Beratungen bereits Dr. Franke als interimistischer Leiter vertreten. Dr. Trapl tyar auch als Minister immer der Beamte, der die ihm anvertrauten Interessen der Staatskasse nach jeder Nichfung zu wahren sucht«. Dabei Mußte er notwendig bald mit dieser, bald Mit jener Richtung in der Käalition übers Kreuz geraten. Auch hei sozial begründeten Ausgabeposten hat Dr. Trapl als Ressortminister auf äußerste Sparsamkeit, di« manchmal an Engherzigkeit zu grenz«« schien, gedrängt. In Zeiten, wo die Staatskasse Milliardendefizite aufwieS, kann man, sobald der erste Aerger verraucht Ist, dem Finanzminister . eine solche Haltung nicht allzulange nachtragen. In , entscheidenden Fragen war er, wie ausdrücklich betont sei, zum Schluß doch immer wieder für eine angemessene Lösung zu haben, die deü gegebenen Möglichkeiten Rechnung trug. Namentlich in späteren Jahren seiner Amtstätigkeit war deshalb seine Zusammenarbeit mit den Ressort-, deren Aufgabe die Fürsorge für die notleidende Bevölkerung ist, eine durchaus harmonisch«. Mit ihm scheidet auS dem Finanzministerium ein Diann, der sich in rastloser Tätigkeit zu einem der besten Kenner der wirtschaftlichen und finanziellen Bedürfnisse unseres Staat«- entwickelt hat. Sicher wird der Staat ihn nach erfolgter Gesundung nicht nur in' der Leitung der Postsparkasse, sondern auch an anderen für unsere Volkswirtschaft wichtigen Stellen zu verwenden wissen. * Als Nachfolger kommt Wohl nur wieder ein Beamter in Betracht. Es gilt aber nicht als ausgemacht, daß er gerade Sektionöchef Dr. K a I- fuS sein mußte, der in diesem Zusammenhang bereits öfter genannt wurde. Die böhmisch« LandeSvertretnng wurde Dienstag vom Landespräsidenten mit einer Hut- digungStede für den neugewählten Präsidenten Dr. BeneS und den Präsidenten Masaryk er- öfftret. Von der Tagesordnung wurden in dieser Sitzung eine Reihe von Angelegenheiten mehr lokaler Natur erledigt. Nur bei den Berichten über die LandeSstraßenaktlon entspann sich eine längere Debatte, in welche Genosse Novh eingriff. Stile 4 Rr. 66 Mittwoch, 18. März 1936 Vie Angst vor den Arbeitern: Vertrauemratswahlen auf ein 3ahr vertagt! 0 Berl!«.(Tsch. P.-B.) Mtt Rücksicht auf die bevorstehenden Wahle« zum Reichstage falle« die für den 3. und 4. April vorgesehenen Vertrauens» ratswahlen aus. Infolgedessen hat der Reichsarbeitsminister durch Verordnung die Amtsdauer der derzeitige» Vertrauensräte aufeinZahrver» l ä n g e r t. Eine erneute Ablegung des feierlichen Gelöbniffes der Mitglieder des Vertranensrates findet nicht statt. Im Saargebiet bleiben infolge des Ausfalls der Vertrauensratswahle» die Detriebsausschüffe im Amt. "I* Deutlicher als alle anderen zeigt dieses Symptom die Schwäche des Regimes. Es ist mehr als bezeichnend, daß man die Wahlen der Verrraucnsräte in den Betrieben nun unter einem durchsichtigen Vorwand um ein ganzes Jahr hinausschiebt. Es ist der schlüssige Beweis dafür, daß man vor einer Wahl, die kontrolliert werden kann— weil man den Arbeitern eines Betriebes nur schwer eine Stimmenzahl vorlügen kann, die mit der ihnen bekannten nicht Lbereinstimmt— Angst hat. Die sogenannte„Reichstagswahl" macht man, weil es leicht ist, bei so großen und nicht zu übersehenden Wählermäffen zu schwindeln. ein französischer Plan London. Der Sonderkorrespondent des H a- das- Büros in London meldet, die französische Delegation wephe auf der Konferenz der vier Locarno-Mächte einen genauen Plan_ borlegen. Wie verlautet, wird der französische Antrag das Angebot an Deutschland enthalten, den Internationalen Gerichtshof im Haag um die Entscheidung anzurufen, db der französisch-sowjetrussische Beistandspakt mit dem Locarno-Pakt unvereinbar ist. Bis zum Bekanntwerden des schiedsgerichtlichen Befundes sollen Maßnahmen zlvecks Erhaltung des gegenwärtigen Standes getroffen werden. Der zahlenmäßige Stand der deutschen Truppen im Rheingebiet soll herabgesetzt, bestimmte Kontingente abberufen und die deutsche Artillerie 60 Kilometer östlich vom Rhene verlegt werden. In der demilitarisierten Zone sollen weder Terrain-Uebungen durchgeführt noch in einer Zone von 50 Kilometern östlich von» Rhein Befestigungen errichtet werden. Wenn das Deutsche Reich die Arbitrage des Haager Gerichtes oder sein schiedliches Gutachten verwerfen sollte, würde das wirtschaftliche Sanktionen zur Folge haben. Gleichzeitig würden Verhandlungen über die Anpassung der Sicherheitsgarantie an die Lage ausgenommen werden, zu der Großbritannien auf Grund des Locarno-Paktes Frankreich und Belgien gegenüber verpflichtet ist. Erst dann, wenn die Sicherheit der französischen Grenzen am Rhein wiederhergestellt ist, werde man nach französischer Auffassung an die Prüfung der Hitler- schen Vorschläge schreiten können. Internationale SozlalIsten>Konferenz London. sAR.) Dieser Tage werden sich dir sozialistischen Internationalen und die Gewerkschaftsinternationale nlit der aktuellen europäisch:» Lage befassen. Eröffnet wurden diese Sitzungen Dienstag mit einer Tagung des Ge- wertschastsrates der Internationale. Mittwoch wird der Exekutiv«usschuß der Arbeiterinternationale und der sozialistischen Internationale und abends der Landesrat der britischen Arbeiterbewegung tagen. Donnerstag findet eine gemeinsame Sitzung der beiden Internationalen statt. Kerkerstrafen In Klagenfurt Klagenfurt.^Tsch. P. B.) Vor den Geschworenen in Klagenfurt hatten sich Montag 16 Kommunisten(?) wegen Hochverrates zu verant- Ivorten. Das Gericht verurteilte den Hauptangeklagten Hermann Z m ö l n i k nicht wegen Hochverrates, sondern bloß wegen Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung zu drei Jahren, Josef P r e t o l zu zwei Jahren und Johann T o u j a k zu einem Jahre schweren Kerker. Vom Rundfunk empfehlenswert» aus«en Programmen i Donnerstag!' Prag, Sender L: 10.08: Deutsche Presse, 11.05: Orchcsterkonzert, 12.35: Orchesterkonzert, 15: Klavierkonzert, 17.45: Deutsche Sendung: Jugend- siunde: Volksspiel vom Dr. Faust, 10.50: Karneval der Lyriker, 21: Konzert der tschechischen Philharmonie. Sender S: 7.30: Leichte Musik, 14.15: Deutsche Sendung: Prause: Steuerfragen des Gewerbestandes, 14.35: Schallplatten: Wagner, 18: Gesangskonzert, 19.10: Violinkonzert.— Brünn 13.30: Deutscher Arbeitsmarkt, 17.40: Deutsche Arbeitersendung: M. Wellan: Arbeitslosenfürsorge der Gemeinde Brünn.— Mährisch-Ostra« 18.10: Deutsche Sendung: Erwin Ott: Vorlesung eigener neuer Werke.— Preßburg: 17.55: Tanzlieder. Grauenhafte Bluttat in Brünn Frau dingt Mörder gegen Ihren In Brünn ist ei« grauenhafter Mord verübt worden— eine Frau hat eine« Mörder gedungen,«m von ihrem alternden Mann los- znkomnien. Der Hergang der Tat ist folgender: Montag gegen 9 Uhr abends alarmierte die Hausmeisterin des Hauses, Brünn, Mademiegasse Nr. 11, einen Wachmann und erzählte ihm, daß sie aus der Wohnung des Obergerichtsrates Dr. Johann B e l g o Hilferufe vernommen habe. Als sie an die Wohnungstüc geklopft habe, sei es still geworden und gleichzeitig habe sie aus der Wohnung Klavierspiel vernommen. Als zwei Wachleute in die Wohnung mit dem Bemerken: „Hier Polizei" eindringen wollten, ertönten in der Wohnung zwei Schüsse. Mit einer Verstärkung drangen die Wachleute in die Wohnung und kamen in ein Zimmer, wo sie unter dem Klavier einen schwerverletzten Mann in einer Blutlache liegen sahen, der später als der einundvierzig- jährige Arbeitslose Cernh identifiziert wurde. Im Badezimmer fand man die Leiche des ermordeten Obergerichtsrates, der durch einen Hieb mit einer Milchflasche betäubt und in der Wanne ertränkt worden war. Die Flasche lag im Vorzimmer. Der schwerverletzte Cernh hatte zwei Schußwunden, eine an der Schläfe und eine am Hals. Er wurde in das Krankenhaus auf den Gelben Berg überführt. Haden Sie schon eine Plyko? Einige Blätter brachten sinnige Betrachtung gen über das Verhalten des gewöhnlichen Zivilisten im künftigen Krieg, wenn, wie mft reiz- voller Verwendung einer gebräuchlichen Redens- art gesagt wird,„Gefahr in der Lust liegt". Ja, wie verhaft man sich da? Man knecht mft seinen Lieben in die Gasschutzkammer„Ply- ko", die von den Ringhofferwerken konstruiert wurden. Man kann natürlich nur dann in die „Plyko" kriechen, wenn man eine hat. Sie ist als Bestandteil jeder Wohnung gedacht.„So wie heutzutage eine Wohnung ohne Badezimmer, Toilette, Speise- und Mädchenkammer undenkbar ist, so soll jede Wohnung der Gegenwart und Zukunft als intergrierenden Bestandteil eine Gasschutzkammer enthalten." Hat man eine solche moderne Wohnung, dann brauch: man keine Angst zu haben! Für Luftzufuhr ist gesorgt, zum bequemen Aufenthaü dienen Bänke, für Kranke und Kinder Hängematten. Vorratsräume für einen mehrtägigen Vorrat an Wasser und Lebensmftteln sind vorhanden. Natürlich ist man der Meinung, daß es die beste Lösung wäre, wenn wir vor Kriegsgefahr verschont blieben. Doch der kluge Mann baut vor!„Die idealste Lösung wäre: Jede Familie, jeder Haus- stand, jede Wohnung seine eigne Gasschutzkammer!" Aber so wie es immer noch Wohnungen ohne Badezimmer und ohne Mädchenzimmer, ja sogar ohne eigene Toilette gibt— und diese Wohnungen sind sogar in der Mehrzahl, weil das die Wohnungen der armen Leute sind—, so wird es nicht nur in unserer traurigen Gegenwart, sondern auch noch in absehbarer Zukunft auch viele Wohnungen geben, die nicht ganz modern sind, denen die idealste Lösung versagt blieb. Die idealste Lösung gibt es nur fiir die Zahlungsfähigen. Die Armen werden im Krieg so wie im Frieden dem Ersticken näher sein. Aber noch ehe die Gasschutzkammer in der Praxis er- probt werden wird, wird sie vielleicht große Mode werden und es kann geschehen, daß dem- nächst die Damen während des Bridgespieles einander ftagen: Haben sie schon eine Plyko?" Der Präsident der Republik empfing am Dienstag, den 17. März, den Schriftsteller Alfred I. Rctzmanith. Für die Festigung der Familie in der Sowjetunion. In Sowjetrußland geht der Kampf für die Festigung der Familie weiter. Die Moskauer„Pratvda" teilt mit Befriedigung mit, daß in den letzten Jahren die Zahl der Eheschließungen erheblich gesfiegen, während jene der Scheidungen zurückgegangen sei. Aber, meint das Zentralorgan der russischen Kommunisten, gibt es leider noch Menschen, die absolut keine Verantwortlichkeit gegenüber der Familie tragen wollen. Mit sc-lchen Stimmungen müsse man erbarmungslos aufräumen. Die Familie sei eine wichtige und ernste Ange- legeicheit. Die Sowjetgesetzgebung erkennt zweifellos das Recht der Scheidung an, aber man müsse jene Leute, die ihre elterliche Pflicht nicht ernst nehmen, streng bestrafen. Man müsse jeder Familie die Möglichkeit geben, viele Kinder zu haben. Wer viele Kinder hat, mache sich um den Staat verdient, und man müsse solche Familien in jeder Weise unterstützen und ehren. Ein Brudermörder begeht Selbstmord. Das Bergdorf Honötice in Mähren bei Zdounky war Dienstag früh der Schauplatz einer Tragödie, Mann Während man sich um Cernh bemühte, ertönte aus dem Klosett ein.Stöhnen. Beim Oeffnen der Tür fiel den Wachleuten die sechsundzwanzig- jährigc Frau V e l go bewußtlos in die Arifte. Bemerkenswert ist, daß niemand wußte, daß Velgo verheiratet war, denn die Eheleute wohnten in verschiedenen Wohnungen. Bei Cernh fand man eine Fahrkarte nach Italien— er hatte sich offenbar zur Flucht vorbereitet. Zunächst waren die Motive des Vorfalls ungeklärt, an einen Raubmord war nicht zu denken und die Polizei vermutete eine Liebestragödie. Zunächst gab Frau Velgo an, daß sie mtt ihrem Mann gleichzeitig die Wohnung betreten hatte und durch einen Schlag mit einem stumpfen Gegenstand betäubt worden war. Sie hat auch Beziehungen zu dem mutmaßlichen Mörder Cernh zugegeben. Cernh selbst wollte nichts aussagen. Später legte die Frau des Dr. Velgo ein umfassendes Geständnis ab. S i e gestand, den Mörder Wenzel Cernh für einen Betrag von 2 0.0 0 0 XL gedungen zu h ab e n. Als Beweggrund gibt sie unüberwindliche Abneigung an. Die Frau wurde Dienstag in das Gefängnis des Brünner Kreissirafgerichtes überführt, der Mörder Cernh ringt mit dem Tode. welche in der ganzen Umgebung große Erregung hervorgerufen hat. Der Häuslerssohn Frantisek Länkk aus Honetice besuchte zeitlich früh seinen älteren, verheirateten Bruder, den Kleinbauern Vendelin Länik, der Vater von vier Kindern, ist, und machte ihm Vorwürfe, daß er ihm die Garantieunterschrift für eine Anleihe verweigert habe. Zwischen den beiden Brüdern kam es zu einem Streit, in dessen, Verlauf der jüngere einen Revolver zog und mit einem gutgezielten Schuß seinen öfteren Bruder Mete. Als er sah, daß der Bruder tot sei, flüchtete er hinter die Scheune, wo er Selbstmord verübte. Am Tatorte fand sich Gendarmerie ein, welche die näheren Einzelheiten untersucht. Bon Räubern überfallen. Montag spät nachts, als der 21jährige Fleischhauer Israel V i l e m in Uzhorod vom Einkauf nach Hause zurückkehrte, wurde er hinter der Gemeinde Jovry bei UFhorod von vier Männern Werfallen. Den ersten derselben,^ der Vilem auf den Kopf zu schlagen begann, faßte der Fleischhauer und warf ihn zu Boden. Die übrigen drei Angreifer stürzten- sich jedoch auf Vilem, überwanden ihn und warfen ihn zu Boden, worauf sie ihm 5400 XL entwendeten., Als sich ein Personenauto dem Tat- otl näherte/ flüchtetest die Täter. Die Fahndung nach ihnen ist dadurch erschwert, daß der Fleischhauer die Angreifer nicht so beschreiben kann, daß man sie wiedererkennen könnte. Gisantische Katastrophen. Aus chinesischer Quelle wird gemeldet, daß in der Stadt Tu- liutschen, 20 Meilen von Tientsin entfernt, in einem Theater während einer. Vorstellung Feuer ausbrach, das sich rasch ausbreitete. Der Brand erfaßte das ganze Gebäude. In dem überfüllten Saale fand gerade eine Vorstellung statt. Bei der Feuersbrunst find 200 Menschen ums Leben gekommen.— Zwischen Hongkong und Jutscheng entstand auf einer Dschonke ein Brand. Das Fahrzeug beförderte Pilger, die zum Meeresdrachen beten gingen. Ungefähr 300 Menschen, größtenteils Frauen und Kinder, fanden den Tod. Politischer Einbruch. In die Räumlichketten der britischen Admiralität wurde in der Nacht von Samstag auf Sonntag eingebrochen. Die Täter drangen in das Gebäude durch die Wohnung des Ersten Lords der Admiralität ein und gelangten bis zur Floitenkänzlei mit den photographischen Sälen. Offensichtlich handelte es sich um den Versuch, wichttge Dokumente zu entwenden, doch wurde feftgestellt, daß kein Dckument entwendet worden ist, wie von den Tätern überhaupt nichts aus den Räumen entfernt wurde. Der 70jährigc Gastwirt Oswald Hurtig aus Kunnersdorf fuhr mtt seinem Sohne auf eineni Motorrade von Kunnersdorf gegen Görkau. Das Rad lenkte der jüngere Hartig. Aus bisher unbekannter Ursache, geriet das Motorrad ins Schleudern und der greise Gästwirt wurde gegen einen Telegraphenmast geschleudert. Er erlitt einen Schädelbasisbruch und blieb tot am Platze liegen. Einbruch im Postamt. In der Nacht zum Dienstag drangen Einbrecher in das Postamt in Pomeisl bei Podersam ein, erbrachen die Postamtskasse und entwendeten einen Geldbetrag von 3000 XL und Postwertzeichen im Werte von 6600 XL. Die Einbrecher konnten entkommen. Ein tragischer Zwischenfall, der zwei Todes-. opfer forderte, ereignete sich in Glauücndorf, un-' wett K o r n e u b u.r g. Der Kommandant des\ Gendarmeriepcstens von Glaubendorf Anton■- Pfleger hielt auf der Bundesstraße in Glauben-' dorf einen Radfahrer an, der dem Gendarmen dadurch aufgefallen war, weil er einen voll- e gepropstenRucksack mitführte. Der Gendarm stellte sich dem Radfahrer in den Weg,, worauf es zu einem Handgemenge zwischen beiden kam, in dessen Verlaufe sich plötzftch di« vom Wachtmeister' Pfleger gezogene Dienstpistole entlud. Die Kugel traf den Radfahrer und tötete ihn auf der Stelle. Später wurde festgestellt, daß es sich um den Arbeiter Maynollo handelt. Als Wachtmeister Pfleger sah, was geschehen war, richtete er die Waffe gegen sich sebbst und entleibte sich auf der Stelle. LieteStragödien. Dienstag nachts spielte sich in Komarno bei der Mautstelle, die sich ca. 800 Schritte von der Stadt entfernt befindet,«in blutiges Drama ab. Der Finanzwachebeamie Wenzel Benes ging mit seiner Geliebten, der Witwe Marie Königsmark, spazieMl. Zwischen dem Liebespaar km» es wahrscheinlich zu einem Strette, während dessen Benes plötzlich den Revolver zog und auf die Königsmark zwei Schüsse abgab und sich hierauf durch zwei Schüsse selbst entleibte. Die Leichen wurden noch nachts von der Gendarmerie während eines Dienstganges aufgefunden. Heidnssche Kutte in Ungar«. Seit einiger Zeit beobachtet man eine Zunahme der Anhänger uralter heidnischer Kulte in Ungarn, ohne eine richtige Begründung für diese sonderbare Erscheinung anführen zu können. Erst jetzt ist der Polizei bekannt geworden, daß am 4. März stch ein junges Paar zu einem uralten. Steinaltar des magyarischen Gottes Hadur begab, wo der Opferpriester ihnen Einschnitte an den Handgelenken machte, das ausströmende Blut in einem weingefüllten Becher mischte, dessen Inhalt er unter sonderbaren Riten ins Feuer leerte. Die kirchlichen Behörden fordern die Gerichte zu scharfem Einschreiten auf. Professor Jsze hielt Dienstag Nachmittag den ersten Vortrag außerhalb der Pariser Universität im Pädagogischen Institut ab. Es kam zu keinerlei Ausschreitungen. Auch die übrigen Vorlesungen des Professors Jsze sowie auch di« Vorlesungen einiger anderer Professoren werden außerhalb der juridischen Fakultät stattfinden. Die Staatsbahndirektion in Königgrätz vergibt die Lieferung von Bauschnittmaterial für das zweite Halbjahr des Jahres 1036. Die detaillierten Bedingungen der Offertausschreibung werden am 21., März 1936 im„Anzeiger iür die Eisenbahnennd die Schiffahrt" sowie im„Amtsblatt der RCS" enthalten sein. Formulare für die Ofierten sendet gegen vorher eingesandre 6 XL die Kassa der Staatsbahndirektion in Königgrätz ein. wo auch nähere Informationen eingeholt werden können. Wahrscheinliches Wetter Mittwoch: Zunächst ruhig, ziemlich heiter, in den Niederungen Nachtfröste und strichweise Morgennebel, untertags Erwärmung. Später Wester wieder etwas unsicher, Westwind.— Wetteraussichten fürDon- nerstag: Jin allgemeinen etwas wärmer. Hier tagt der Völkerbund' Blick auf den mächtigen St.-James-Palast in London, wo der Völkerbnndrat am Samstag zu seiner Locarno-Tagung zusammentrat. Er befindet sich unloeit des Buckingham-Palastes Nr. 66 Mittwoch, 18. März 1936 Seite 8 Claudette Colbert in»Arauen auf dem Scheidewege" Feuerwehrauto und Straßenbahn. Ein Feuerwehrauto stieß in Budapest mit einer in voller Fahrt befindlichen Straßenbahn zusammen. Das Feuerwehrauto wurde auf den Bürgersteig geschleudert, fünf Feuerwehrleute und zahlreiche Fahrgäste der Straßenbahn erlitten schwerste Verletzungen. Ein Feuerwehrmann und«in Zivilist wurden getötet. Eine Brücke über den Sund. Rach Fertigstellung der Brücke über den Kleinen Belt erwägt man jetzt den Bau einer Eisenbahnbrücke Kvischen Dänemark und Schweden." Hierfür kommen Malmö oder Helsingborg in Frage. Bei Helsingborg ist der Oere- sund nur 6 Kilometer breit, aber 35 Meter tief, während die Strecke zwischen Malmö und Kopenhagen zwar nur 9 Meter tief, dafür aber 25 Kilometer lang ist. Die Kosten würden bei Helfingborg 190, bei Malmö 125 Millionen Kronen betragen, die Bauzeit wird auf 7 Jahre berechnet. KarnrvalSmasken aus Banknoten. Der französische Karneval ist dieses Jahr fast unbemerkt vor- Lbergegangen. Rur an dec Cote dÄzur gab es wie jedes Jahr die traditionellen Veranstaltungen. Auch das Maskengewerbe hat unter der Krise schwer ge- Ltten, und von den früher bestehenden zwei Dutzend großen Maskenfabriken sind in Paris nur noch fünf oder sechs übyg.geblieben. Wer noch immer beziehen- sie das Rohmaterial.für. die. Masken, von einer Stelle, an die man am allerwenigsten denken würde, nämlich von der Banque de France. Die alten eingezogenen Banknoten laffen sich ganz hervorragend zu Papiermache verwenden. Die wenigsten Karne« dalsteilnehmer dürften gewußt haben, daß ihre Maske ehemals den Wert von vielen hunderttausenden Francs darstellte. Vom„zufriedensten Volk der Weir Aus einem Berliner Bericht: Der Naive, der nach der gesetzlichen Frist eines halben Jahres in Deutschland vom Wohlfahrtsamt seinen Besohlungsschein abholen will, bekommt ihn in keinem Fall: denn entweder sind nach einem halben Jahr doch noch gewisie'Rudimente von Sohlen vorhanden: dann ist der Mann als Schwarzarbeiter entlarvt; oder es ist naturgemäß nach einem halben Jahre nicht nur die Sohle, sondern auch die Brandsohle vertilgt: dann ist der Schuh nicht>nehr reparaturfähig, also ein Besohlungsschein gegenstandslos. Schuhe gibts aber auch nicht; denn der Patient hat noch im vergangenen Jahre zwei wafferschluckende Spreekähne von der Winterhilfe erhalten. Rach den Be stimmungen hat zwar Winterhilfe als„zusätzlich" zu gelten. Es ist aber nicht gesagt, für wen; also im Zweifel— für die die Entlastung der Wohlfahrt. Weshalb der Patient sich definitiv zum Fakir ausbilden und mit eventuell aus der alten guten Zeit noch vorhandenen Skiern zur Stempelstelle kommen muß. Widrigenfalls... Man läßt die Leute nicht einfach verhungern. Man läßt sie langsam verhungern. Einmal im Jahr dürfen sie sich sogar den Magen verderben. Mit Büchsenfleisch. Und wenn es nicht zu Leim geworden ist, so stinkt es noch heute. Aus Gründen historischer Gerechtigkeit muß festgestellt werden, daß die Priorität eines Jnnungssieges über die Höchstpreise des total.. en Staates nicht den Fleischern vom Juli, sondern den Schustern vom März/35 gebührt. Im März nämlich wurde ihnen zugemutet, für Kunstledersohlen und das Ueberleben der Wohlfahrtsversuchskaninchen, die sie tragen, eine halbjährige Garantie zu übernehmen. Und da wars aus mit der Geduld der Schuster. In aller Stille siegten sie, aber sie siegten... * Es ist im Dritten Reiche nicht als Rassenschande anzusehen, wenn ein Japaner öffentlich und gebührenfrei am Schwarzen Brett des Studentenhauses in der Oranienburgerstraße die Töchter des Landes einlädt, ihm in seiner Wohnung Sprachstunden zu erteilen, Honorar nach Uebereinkunft. Der Anschlag kann und soll ausschließlich von Akademikerinnen gelesen werden. NMsMrtsckast und äosiatpoAtik Ausfuhr und Arbeitslosigkeit Daß die Exportförderung, auch wenn man sich darunter nicht bloß die Subventionierung der Unternehmer vorsteüt, sich als ein erfolgreiches Mittel zur Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit auswirken kann, darf in einem Lande keiner näheren Beweisführung, dessen Industrie in so starkem Maße auf den Export angewiesen ist wie unsere. Wenn aber gelegentlich von Unternehmerfeite andere, von den Gewerkschaften und der Sozialdemokratie geforderte wirtschatts- und sozialpolitische Maßnahmen gegen die. Massenarbeitslosigkeit mit den Argumenten zurückgewiesen werden, daß nur Exportförderung not tut, so sei auf eine interessante Arbeit aufmerksam gemacht, die in Heft 1/2 der sehr lesenswerten„Sozialen Revue", dem Amtsblatt des Ministeriums für soziale Fürsorge erschienen ist. In einem Artikel: „Wie beeinflußt in der Tschechoslowakischen Republik die Ausfuhr der einzelnen Warengattunge» die Arbeitslosigkeit in den einschlägigen Berufen?" untersucht Dr. Josef RechamkiS die Rückwirkungen der Ausfuhrentwicklung auf die Arbeitslosigkeit. Er geht dabei von dem Stand im ersten Halbjahr 1929 aus und stellt ihm dann die Ziffern vom ersten Halbjahr 1933 und 1935 gegenüber. Wir geben der besseren Uebersicht wegen die Zu- bezw. Abnahme der Ausfuhr und die Zu- bzw. Abnahme der Arbeitslosigkeit wieder, die im ersten Halbjahr 1935 in den einzelnen Produktionszweigen im Vergleich zum ersten Halbjahr 1933 zu verzeichnen war: Im ersten Halbjahr 1985 war größer(4-) kleiner(—) als im ersten Halbjahr 1935 die Ausfuhr die Arbeitslosigkeit Land- und Forstwirtschaft. + 12.7% — 26.4% Bergbau und Hüttenwesen. + 13.5% — 13.0% Steinindustrie..... + 16.0% — 4.6% Glasindustrie..... + 11.8% — 33.8% Metallverarbeitung... •• B + 51.9% — 21.7% Maschinenindustrie... •• B + 69.4% — 13.3% Holzindustrie..... • B • + 29.2% — 2.2% Gummiindustrie.... — 8.2% + 100.0% Leder- und ähnliche Industrie •. B — 2.0% — 20.3% Texttlindustrie..... •• • + 15.7% — 7.9% Konfekttonsindustrie... • B B + 109.1% TT“ 7.6% Papierindustrie...• + 7.4% — 14.9% Nahrungsmittelindustrie.. — 2.6% + 9.7% Chemische Industrie..• + 48.4% — 51.1% andere nichtexportierende Branchen . b ...—. 8L% arbeitslose Exportbranchen insgesamt .■ ,.. — 7.'7.%.• Im ganzen ist danach die Ausfuhr im ersten Halbjahr 1935 gegenüber dem gleichen Zeitraum 1933 um 23 Prozent gestiegen. Die durchschnittliche monatliche Arbeitslosigkeit war aber im ersten Halbjahr 1935 nur um 8.4 Prozent geringer als im ersten Halbjahr 1933. Rur in zwei Industrien, nänrlich in der Glasindustrie und der Papierindustrie, war der perzen- tuelle Rückgang der Arbeitslosigkeit größer als die Aufwärtsentwicklung des Exports. 2m Bergbau und Hüttenwesen, der Textilindustrie und der chemischen Industrie hielt der Rückgang der Arbeitslosigkeit üngefähr gleichen Schritt mit dem Anstieg des Exports. Dagegen blieb der Rückgang der Arbeitslosigkeit weit hinter der Zunahme des Exports zurück in folgenden Industrien: der Konfektionsindustrie, Steinindustrie, Metallverarbeitung, Maschinenindustrie und Holzindustrie. Einen Rückgang des Exports und ein Steigen der Arbeitslosigkeit weisen die Gummi-Industrie und die Lebensmittelindustrie aus, während die Arbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Rückgang des Exports gesunken ist nur in der Leder-, Bürsten- und Federindustrie. Die Enttoicklung in letzteren Industriezweigen ist sicher auf eine Besserung der Verhältnisse auf dem Jnlandmarkt zurückzuführen. Der Verfasser kommt zur Schlußfolgerung, daß im Jahr 1935 der Rückgang der Arbeitslosigkeit mit dem Aufstieg des Exports nicht Schritt gehalten hat und daß die Abhängigkeit der Höhe der Arbeitslosigkeit, von der Höhe des Exports in den einzelnen Branchen verschieden ist. Er schließt seine Arbeit mit der Feststellung: Ohne Berücksichtigung der heimischen sozialen, wirtschaftlichen, Rationalisierungs- und Distributionsverhältnisse kann von einem erhöhten Export ein ihm entsprechender Rückgang der Arbeitslosigkeit bei der Mehrzahl der Produktionszweige nicht erwartet werden. Damit wird die Auffassung der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie unterstrichen, daß die Bestrebungen auf Exportförderung ergänzt werden müssen durch entscheidende Wirtschafts- und sozialpolitische Maßnahmen, wenn der Kamps gegen die Massenarbeitslosigkeit wirklich von einem dauernden Erfolg begleitet sein soll. Ich bin ein Mensch Ich hatte keine Arbeit und keinen Obdach. Die Frau mit dem Kind waren, seit drei Monate beim Schwiegervater in Harle«— sieben Menschen in drei Zimmern. Meistens schlenderte ich im Hafen umher. Je länger ich Arbeit suchte,, desto heftiger fluchte ich über den Haß gegen die Reger. Ein Arbeitsloser ist hier kein seltenes Tier. Auch für einen Weißen Arbeitslosen hat man hier nicht viel übrig. Der Reger aber hat überhaupt nirgends Zutritt. Jeder hält dich für einen Dieb und Säufer. Gehst du um eine Stellung beim List eines Wolkenkratzers, wirst du mit den Augen durchbohrt, über deine frühere Arbeit ausgefragt, und du siehst -— man glaubt dir kein Wort. Schon seit langem gab ich den Gedankens Liftboy zu werden, auf. Ich begann irgendeine Arbeit zu suchen—■ Heizer, Nachtwächter, Lastträger, Hölzer in einem Sägewerk. Ileberall werden Weiße bevorzugt. Früher wurden wir genommen, um am Lohn zu sparen. Heute sind die Weißen betest, für den gleichen Lohn zu arbeiten. An diesem Tage hatte ich noch nichts gegessen. Ich besuchte einen reichen Neger-Apotheker in Hartem. Es wurde mir gesagt, er handle mst Kokain und brauche Verkäufer. Eine riskante Sache— fällst du der Polizei in die Hände, wirst du halbtot geschlagen, bevor sie dich vor Gericht stellt. Der Hunger diskutiert aber nicht. Ich ging hin. Der Dicke sitzt und schnauft durch die ganze Apotheke. Hört mich aus und beleidigend lächelnd sagt er mir:„Du Schwarzschnauze, wohin willst du nur? Ich habe ausgewählte Kundschaft: alles Leute mit politischen Beziehungen. Als Verkäufer brauche ich weiße junge Leute, die das Kollege absolviert haben." Wie kann ich mich mit diesen messen? Den ganzen Tag wandelte ich in der Stadt umher, hunderte Straßen lief ich entlang. In einer Straße sehe ich einen älteren Herrn stehen. Ich frage, ob er Arbeit für Mich hätte. Er sagte — Ja! Den Keller sauber machen, den Ofen putzen und den Boden in der Küche abwaschen. Ich beginne zu arbeiten. Mein Bauch zerrt mich, die Hände ziehen vor Müdigkeit. Ich lasse nicht ab. Der Herr hat mir fünfzig Cents versprochen. Zwei Stunden lang schaufelte ich im Keller Asche und Schutt, und als ich in die Küche kam, hielt ich es, nicht mehr aus— ich nahm vom Tisch ein Ätück Torte und steckte es in den Mund, Nichts anderes war dort. Der Herr erwischte mich— er schaut- durch das Fenster von draußen zu—, schrie mich an, drohte mit Polizei, und trieb mich, ohne zu bezahlen, auf die Straße hinaus. Mir aber war von der Torte, die ich auf nüchternen Magen, gegessen hatte, übel geworden. Ich kehrte in den Hafen zurück. Biele Vagabunden sind dort, man kann zumindest mit einem Kameraden sprechen. An der Ecke Channel- und i Hudsonstraße sehe ich einen bekannten Hafen arbeiter stehen, er bettelt. Ich kannte ihn seit langem, ein guter, ehrlicher Jung« war er. Bisher schien es mir beschämend zu betteln. Jetzt dachte ich aber, wenn Tom, der alte Matrose, ein ge- scheiter Mensch, die Hand ausstreckt, werde auch ich es Versuchen. Ich stelle mich an die Straßenecke, gegenüber von Tom, schau auf seine„Arbeit" und mache sie nach. Ich war erst an den dritten Passanten herangetteten, als ein Polizist erscheint. Ich laufe davon, er hinter mir— und pfeift. Da«, bei bettellen unser zwei, Tom— ein Weißer, ich — ein Neger. Der Hüter des Gesetzes lief dem Schwarzen nach. Kaum entlief ich ihm. Glücklicherweise kenne ich die Gegend des unteren Mannhattan wie meine fünf Finger. Es blieb nichts übrig, als bei der Heilsarmee zu übernachten. Ich gehe hin, warte zwei Stunden, werde vom Regen durchnäßt. Endlich werden wir eingelassen. Wir find etwa fünfzig Ar«, beitslose. Man zwingt uns, Hymnen zu singen und die Bibel zu hören. Dann setzen wir uns an einem langen Tisch. Kaum bückte ich mich über meinem Napf, als mein Nachbar von links, einer mst roten Haaren bewachsener Vagabund, über den ganzen Saal hin schrest:„Hol' der Teufel diesen schwarzen Affen, den man mir an meine Seite hinsteckte!" Ich hal es nicht aus, schiebe mst dem Ellbogen seinen Napf beiseite, der umkippt. Er schlägt mir in die Zähne, ich erwidere. Ein« allgemeine Schlägerei entsteht. Wir waren sechs Reger gegen vier Dutzend Weiße. Wir schlu«, Die Maginot-Linie Frankreichs östlicher Befestigungsgürte! Die Pariser Presse teilt interessante Einzelheiten über die grandiose Befestigungsliyie mit, die Frankreich an seiner östlichen und nördlichen Grenze aufgebaut hat. Diese Befestigungen, die man die Maginot-Linie nennt, ziehen sich von, der schweizerischen zur belgischen Grenze hin, während auf dem belgischen Gebiet die Maginot- Linie eine Verlängerung findet, die sich bis zur holländischen Grenze hinzieht. Nun beginnt auch Holland mit der Aufrichtung eines Festungsgürtels an seiner Ostgrenze. Der ganze Festungsgürtel hat Frankreich 10 Milliarden Franken gekostet und seine Aufrichtung hat sechs Jahre gedauert. Von Basel bis Dünkirchen zieht sich eine ununterbrochene betonierte Festung hin. Die Maginot-Linie kann in einigen Stunden in vollkommene Kriegsbereitschaft versetzt werden. Die für die Besetzung des Festungsgürtels bestimmten Truppen werden fast ausschließlich aus jenen Reservisten gebildet, die nahe an der Grenze wohnen. Hinter der ersten Befestigungslinie zieht sich eine zweite hin, deren Zweck darin besteht, den Feind im Falle des Durchbruches der ersten Linie aufzuhalten, bis die motorisierten Teile, die in voller Bereitschaft längs der Grenze stationiert sind, den Durchbruch liquidieren können. Der ganze Befestigungsgürtel trägt einen ausschließlich defensiven Charakter und ist für offensive Operationen ungeeignet. Nach der Erfahrung des letzten Krieges kann man diese Befestigungen für uneinnehmbar halten. Unterirdische betonierte Gänge ziehen sich Hunderte von Kilometern hin. Unterirdisch gebaut sind auch die Kasernen und Hospitäler. Auch die mächtigste Artillerie kann diesen unterirdischen Bauten nichts anhaben. Dagegen kann der französische Festungsgürtel ein Geschütz- und Maschinengewehrfeuer vonaußenordentticherGewalt entwickeln. RiesigeGeschäste sind aufDrehplattformen montiert. Man braucht nur auf einen Knopf zu drücken, um diese Plattformen unter der Erde verschwinden zu laffen. Und umgekehrt: mm: braucht wiederum nur auf einen Knopf zu drük- ken, um Blockhäuser,' Befestigungen und sogar Siedlungen aus der Erde hervorzuzaubern. Die Befestigungen sind ausgezeichnet maskiert. Die Beobachtungspunkte sind unsichtbar und liegen ganz nahe beieinander. Beton und Stahl ersetzen hier tatsächlich hunderttausende von Menschen. „Todesstrahlen“ gegen U-Boote? 2n der Unterhausdebatte über den Haushakt der Kriegsmarine erklärte 8er konservative Abgeordnete Dechair, ein Sohn des Admirals Dudley Dechair, daß Großbritannien nunmehr über ein ungewöhnlich leistungsfähiges Werkzeug zur Abwehr von Unterseebooten verfüge, das auf dem Prinzip des Systems reflektierter Strahlen beruhe. Sobald sich ein Unterseeboot einem englischen Kriegsschiff auf Torpedierungs-Entfernung nähere, gerate es, wie Redner ausführte, in die Gefahr augenblicklicher Vernichtung. Dechair erklärte ferner, daß die britische Admiralität einen alten Kreuzer zu einem besonderen Luftabwehr-Schiff umgebaut habe, das bei der Verteidigung von Häfen hervorragende Dienste leisten soll. Das Schiff kann bei voller Tätigkeit eine gesamte Flugzeug-Eskadre mit absolut vernichtendem Geschützfeuer überschütten. Das Ende des angle-japanischen Bündnisses. Aus den diplomattschen Dokumenten des Außen- ministeriumS der Bereinigten Staaten geht hervor, daß Großbritannien im Jahre 1920 den englischjapanischen Bündnisvertrag auf Grund von Vorstellungen, die die amerikanische Regierung im, britischen Außenamt erhoben hatte, nicht erneuert hat. gen uns gut, aber wir wurden doch hinausgeworfen. Es regnete stärker. Ich stelle mich unter ein Dach. Es war vor den Fenstern einer Kellerwohnung. Groß« Fenster, beleuchtet, und im Zimmer etwa dreißig Weiße, Männer und Frauen. Ich will weaaehen, habe Angst, sie werden mich Wegjagen. Ich war aber sehr müde und es reg-' nete so stark. Ringsum Regenpfützen l Für einen Augenblick mache ich die Augen zu. Als ich sie wieder öffne, sehe ich: von innen winken sie mir zu, ich solle hineinkommen I Erst denke ich— ein Scherz: Weiße Teufel wollen sich über den Neger lustig machen. Dann aber kommt einer heraus und sagt ernst und liebenswürdig:„Ge- noffe, komm herein!" Damals wußte ich noch nicht, was„Genosse" bedeutet. Ueber die„Roten" hatte ich immer nur gehört, sie seien Bombenwerfer und Agenten einer fremden Macht. Was sie eigentlich wollten, erfuhr ich erst später. An diesem Abend schien mir alles wie ein Märchen... Man ließ mich beim Ofen übernachten. Alt; Zeitungen wurden unter den Mantel ausgebreitet, Sie ließen mich ganz allein, hatten keine Augst, daß ich etwas stehle. Sie versprachen, am nächsten Morgen zu kommen, um mit mir zu beraten. Jetzt arbeite ich im Kampfbund für Negerrechte. Meine Lel mSanschauungen find ganz ander« geworden. ES wurde leichter, zu leben. Ich weiß, daß ich ein Mensch bin. Nacherzählung von I. Ules. Seite 6 „Sinmkdemokrat" Mittwoch, 18. März 1836. Nr. 66 Trager ZMmg Verhängnisvolle Liebestorheit einer Alternden Eine 53jährige durch ihren 38jährigen Freund zugrundegerichtet Prag. Die ältliche, krank nnd verhärmt aussehende Frau, die gestern, auf ihren Sohn gestützt als Hauptzeugin vor dem Senat I a n L i k erschien, ist die Heldin eines traurigen Romans. Diese heute 53jährige A n n a S. wurde vor einigen Monaten vor dem Bezirksgericht wegen Ehebruchs mit einem um 15 Jahre jüngeren Mann zu acht Tagen Arrest verurteilt und der Richter betrachtete sie offenbar als gewissenlose Zerstörerin eines Ehelebens, denn die Strafe wurde unbedingt ausgesprochen. Ihr gewesener Freund, der erst 38 Jahre alte Baumeister Franz P o Z i v i l entschlug sich damals keineswegs der Aussage, sondern belastete seine„Geliebte" nach Kräften. Gestern stand nun dieser Kavalier selbst vor dem Strafgericht unter Anklage schwerenHei- ratsschwindels, begangen an eben der Frau, deren Verurteilung er seinerzeit mit solchem Eifer betrieben hat. Erst heute sind die Lumpereien dieses zärtlichen Freundes in ihren Zusammenhängen erkennbar. Anna S. ist«ine Witwe, die einige Ersparnisse besah, ehe sie in einem Kaffeehaus die Bekanntschaft des Baumeisters Posivil machte.• Er erzählte viel von seinem glänzenden Geschäft, beklagte fich über seine Vereinsamung als geschiedener Mann und ipurde bald ein ständiger Gast bei der Witwe. Nach einigen Tagen begann er. bereits von seiner„Liebe" zu sprechen und die Witwe unter allerlei soliden Vorspiegelungen um Geld anzugehen. Nach kurzer Zeit hatte er ihr bereits an die 10.000 Kö herausgelockt. Neben der erotischen Betörung der alternden Frau kam ihm noch der Umstand zu Hilfe, daß diese einen Sohn hatte, der als junger Bauzeichner in schlecht bezahlter Stellung kaum seinen Lebensunterhalt verdient. Sie hoffte gleichzeitig, daß dieser Sohn in dem angeblich glänzenden Geschäft ihres vermeintlichen künftigen Gatten eine sichere Existenz finden werde. Wie diese„Baumeisterkanzlei" in Wahrheit beschaffen ist, geht daraus hervor, dah sein größtes Geschäft in der letzten Zeit im Verputzen der Polizeiwachstube seines Wohnortes bestand. Der betörten Wiiwe war noch eine Möglichkeit gegeben, sich aus den Krallen des'Schwindlers zu befreien. Ihr eigener Sohn stellte fest, daß der „Bräutigam" seiner Mutter keineswegs geschieden, sondern regelrecht verheiratet war, daß seiner dessen Geschäft diesen Namen kgum verdiente. Nun gab es zwar einen Auftritt, der aber damit endete, daß die alte Frau den Liebesbeteuerungen und sonstigen Versprechungen ihres Galans neuerlich vollen Glauben schenkte. Pozivil versprach ihr, ein Kohlengeschäft einzurichten und sse nahm die Verheißungen des Hochstaplers trotz aller Enthüllungen für bare Münze. Mehr als das, sie warf ihm weiterhin einen Tausender nach dem andern in den Rachen, bis schließlich ihr ganzes Vermögen dahin war. Das war nun offenbar das Signal für den zärtlichen Liebhaber, der Sache ein Ende zu machen. Der Bruch geschah in Form einer Anzeige wegen Ehebruches, welche die Frau des Angeklagten erstattete, die ihre Kenntnis um die„Ehestörung" niemandem andern verdanken konnte, als dem eigenen Herrn Gemahl, der ja dann auch vor dem Bezirksgericht alles daransetzte, um di«.Zerstörerin seines EhelebenS" weitmöglichst zu belasten. Die alte Frau mußte ihre Torheit furchtbar büßen. Um ihr Vermögen gebracht, von dem Geliebten geprellt, ftrasgerichtlich gebrandmarkt und zu allem dem noch geschwängert, erlitt sie«inen geistigen Zusammenbruch. Heute lebt sie bei ihrem Sohn, der irgendwo in der Slowakei eine kümmerliche Stellung innehat und seine Mutter erhält, die.gegen Revers" aus der Irrenanstalt seiner Pflege übergeben wurde.—— Zur gestrigen Verhandlung sind beide weit aus der Slowakei nach Prag gereist, um vor dem Gericht Zeugnis abzulegen. Auch jetzt verfolgt diese| armen Menschen noch das Unglück." Denn nur der Mutter wurden die Zeugengebühren zuerkcknnt, der Sohn, der nicht geladen war, mutzte sich seine Reise und alle sonstigen Unkosten selbst bezahlen. Keine Kleinigkeit für einen armen Angestellten, wenn man bedenkt, daß der nach den sparsamen gerichtlichen Vorschriften vergütete Reiseersatz an die Zeugin 171 KL beträgt! Und der angellagte Herr Baumeister? Der benahm sich äußerst selbstbewußt und bot Beweise darüber an, daß von Betrug überhaupt keine Rede sein könne. Es handle sich um ganz einwandfreie„zivilrechtliche" Verhältnisse. Der Gerichtshof mußte den formal entsprechenden Anträgen des Angeklagten stattgeben und die Verhandlung vertagen, rb. Ein SonderausflngSzug für Skifabrer nach Petzer und Johannisbad verläßt Samstag, den 21. März, um 18 Uhr den Prager Wilsonbahnhof. Im Gesamtpreis von 75 KL sind Verpflegung, Autobusfahrt vom Bahnhof zum Hotel und volle Verpflegung inbegriffen. Für den Zug gilt das Sportbillett für 55 KL. Anmeldungen und Informationen im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Tel. 38.335. Xunst lltul Mssen. bulgarische Malerei Im VereinShaus der„Jednota" stellen elf bulgarische Maler aus, deren sechzig Bilder wohl als beispielhaft für die bulgarische Malerei des letzten Jahrzehnts aufgefaßt werden dürfen. Sowohl die ältere als auch die jüngere Generation ist vertreten. Am weitesten zurück in vergangene Zeit weisen die Bilder Dimitrov-Majstoras, die trotz ihrer großen Formate gar nicht groß wirken und sich im Dekorativen erschöpfen. Von den Aelteren fesselt am stärksten DeLko Uzonov. Vor allen» seine sehr eigenartige, von aller Konvention gelöste .Madonna", in der von farbigen Effekten durchsprühten nächtigen Stimmung hinterläßt einen tiefen und nachhaltigen Einbruch. Von den Jüngeren hat Ivan C h r i stow in seinen mit schmalem Spachtel flirrend, gedämpft flimmernd hingestrichelten Landschaften seinen völlig ausgeprägten persönlichen Stil gefunden. StojanVenev fällt mit dem in seiner Farbenglut kühn gewagten Familienbildnis und dem in eigenartig dämmernder Stimmung gehaltenen Bild einer Mutter mit Kind am Schmiedefeuer auf; ,^!ied" nennt er es und es raunen auch gesummte Liedersagen darin. Von Vera R e d k o v a gefällt eine in Hellen leichten Farben gehaltene Winterlandschaft. BenLo Obreskov gibt das Beste In seinen farbig geschmackvoll aufgebauten Stilleben mit Fischen. Elizier A l s e ch übertrifft mit einem Mädchenbildnis seine übrigen Bilder. Denkt man fich ungefähr die hier angeführte Auswahl in einem Raume vereinigt, so spürt man durchaus die Atmosphäre deS arteigenen Kunststrebens eines anderen Volkes. Id. „100 Jahre französischer Zeichnung." Unter die-, sem Titel veranstaltet die Galerie Dr. Feigl in Prag II, Jungmannovä 38. eine Ausstellung von Handzeichnungen französischer Meister der letzten 100 Jahre, die von Samstag, den 21. März bis Sonntag, den 10. April, geöffnet sein wird. Sie umfaßt über 100 Handzeichnungen von 40 Meistern, beginnend mst Ingres und eichend mit Picasso und Utrillo. Kammermufiktonzert. Das Bemühen des Prager Deutschen Kammermusikvereins, in seinen Konzerten auch die produkriven und reproduktiven Tonkünstler der sudetendeutschen Provinz zu Gehör zu bringen, verdient besondere Anerckennuiig. Denn die sudetendeutschen Tonküm'tler haben ein Recht, mit ihrer Kunst auch in den großen deutschen Konzerten der Hauptstadt Prag zur Gelmng zu kommen. da dies« Konzerte als die eigentlichen repräsentativen sudetendeutschen Musikangelegenheiten an- zusehen find. Nachdem in einem der letzten Prager Dai olympische Dorff Wer brächte wohl das olympische Dorf, diese hohe Manifestation der Gastfreundschaft, geschaffen, fremden Völkern für Wochen oder Monate die Illusion eines Zuhause zu gewähren, in Zusammenhang mit Angriff und Feindseligkeit? 65 Häuser mit soliden Grundmauern und entzückender Ausstattung, wie für Zeit und Ewigkeit erbaut, sind bereit, 4000 Gäste aufzunehmen. Idyllisch mitten im Walde gelegen, durch saubere Parkwege verbunden, liegt das„Dorf" lvie eine Feiertags-Sommerfrische in unmittelbarer Nähe von Berlin; eine Stunde dauert der Gang an seiner äußeren Umfriedung entlang. Freundliche, weiße Häuser zwischen Kiefern und Laubbäumen verstreute gelbe Kieswege mit blühenden Sträuchern, ein Teich mit staudenbesetzten Ablaufarmen, Frühling, frisches Grün, soweit man sieht, rings umher die anspruchslose und gerade darum rührend schöne märkische Landschaft, freundliche Eindrücke, schon wenn man morgens den ersten Blick aus dem Fenster wirft — Herrlichkeit, Gastfreundschaft, Frieden sind es, die einen einhüllen und von denen erfüllt man nachhause kommen muß. Alle Häuser haben hygienisch einwandfreie Schlafzimmer, Douche- und Baderäume. Verwaltungshäuser mit modernen technischen Anlagen besorgen Post-, Telephon-, Telegraphenbetrieb, sorgen in lustigen Büroräumen für die tadellose Abwicklung des Gesamthaushaltes. Trainigshal- len, Schwimmbassin sind selbstverständlich; ein großes Geineinschafthaus tritt mit Kino, Bortrag, Theäterspiel, sonstigen Veranstaltungen in erfolgreichen Wettbewerb mit den Vergnügungen der Großstadt und erleichtert es den Mannschaften, sich vor ihrem Start ruhig zu verhalten und den Lockungen der Stadt zu widerstehen. Männliches Personal übernimmt den Ehrendienst, zwei Dolmetscher sind jeder Mannschaft beigegeben, 38 Nationalküchen in einem eigenen Berpflegs- haus bürgen dafür, daß jeder seine heimische Küche erhalten kann, sofern er nicht vorzieht, sich in den ebenfalls vorhandenen Cafe- und Restau- ratiönssälen an Berliner Kranzkuchen oder Eisbein mit Sauerkohl zu laben. Auf den Empfang von 38 europäischen und außereuropäischen Nationen ist man bereits vorbereitet, noch viel mehr werden ihrer kommen, versichert man uns. 38 und viel mehr Nationen werden gastlich ausgenommen und das Lob der deutschen Kameradschaft in die Heimat tragen. 38 und viel mehr Natwnen werden sich Wohl fühlen an dieser Stätte, die das Höchste ist, was Gastfreundschaft zu bieten vermag, die das Muster einer Gemeinschaftssiedlung scheint, vorbildlich für das Gemeinschaftsleben einer besseren Zukunft. Auf die Frage, ob es sich denn lohne, solch ein Dauergebilde für wenige Sommermonate zu schaffen, erwidert der fteundliche Führer harmlos:„Für die Olympiade allein deutschen Kammernmsiktonzerte das Karlsbader Mmizer-Quartett gespielt hatte, hörte man in der montägigen Aufführung des Vereins das Reich enberger Trio der Herren I. Hans Metzger(Violine), Erwin Walda(Cello) und Herbert Häfner(Klavier), eine Kammermufikver- einigung. die im Zusammenspiel technische Tüchffg- keit. Vortragstemperament und Klarheit der Gestaltung zeigte, aber in der Reinheit der Intonation mW Genauigkest des Rhvthmus nicht immer restlos befriedigte. Die Künstler spielten Johannes Brahms wundervolles H-dur-Trio und ein zwar sehr gescheit komponiertes, aber doch zu akademisch und trocken geratenes Trio von Günther Raphael. Solistin des Konzertes war die ausgezeichnete jugendlich-dramatische Sängerin des Prager Deutschen Theaters Fräulein Hilde K o n e tz n i. die mit schöner Bortragsgestaltung Lieder von Beethoven sa ng. E. I. Spielplan des Renen Deutschen Theaters. Mittwoch, halb 8: Orpheus in der Unterwelt, B 2.— Donnerstag, halb 8: Liebe i st nichtsoeinfach, Erstaufführung, C 2.—■ Freitag, halb 8: Fidelio, D 1.— SamStag, halb 8: Der Rosenkavalier. B 1.•— Sonntag, halb 3:DerheiligeAntonius; halb 8: Li ebr istnichtso einfach, D 1. Spielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch, 8: Alle Rechte Vorbehalten, Bankbeamte 2 und fteier Verkauf.— Donnerstag, halb 8: Im LondonerNebel, volkstüml. Vorstellung.— Freitag, 8: Was Ihr wollt.— Samstag, 8; Unentschuldigt« Stunde.-- Sonntag, 3. Unentschuldigte Stund«; halb 8: Spiel um die Welt. Erstaufführung. Der Dim Vie Sextanerin Es gab einmal, als es noch eine deutsche Filmkunst gab. die„Mädchen in Uniform", einen Film, in dem man das Leben in einer Erziehungskaserne sah und den Selbstmordversuch einer seelisch verhungerten Schülerin, die eine Lehrerin zum Objekt ihrer Liebe gemacht batte. Es war ein wunderbarer, verstehender und ergreifender Film, und solange Herr Goebbels den deutsche« Film regiert, werden wir nicht mehr seinesgleichen sehen. In- dem tschechischen Film von der Sextanerin (nach einem Roman von Neubauer) gibt es auch einen Selbstmordversuch und die Liebe zu einer(in hiesyn Fallx ntzimsiichen) Lehrperson. Aber der Fllm ist weder mutig noch ergreifend. Denn in ihm bandelt es sich um keine Tragödie, sondern nur um einen Skandal, der auf einem Mißverständnis beruht, und es wirkt sehr überraschend, daß der Direktor einer, anfangs als fteundlich-modern geschilderten Schule pedantisch darauf besteht, das Mißverständnis unaufgeklärt und- dem Skandal, seinen Lauf zu lassen. Es wirkt andererseits auch nicht überzeugend, daß die sechzehnjährige Generaldirektorstochter, die einen Freund für Eisbahn. Autofahrt, Konditorei und häusliche Besuche hat, dem dichtenden Lehrer gegenüber in dit schwersten Pubertätszustände versällt. UnV'ärst Metweifigstest kann daran die maüätlnde elterlich« Aufficht schuld sein(die hier in diesem Film als Sündenbock herhalten mutz). Im übrigen geht alles gut aus. und das Ende läßt hoffen, daß der Lehrer— infolge des Selbstmordversuchs seiner Schülerin— des Generaldirektors Schwiegersohn werden wird. Wenn die Hersteller dieses Films meinen, daß er zu den guten Werken der heimischen Produktion gehört, dann beweisen sie wenig Selbstkritik. Auch rein filmisch ist diese Arbeit nicht gut. weil sie(unter Svatopluk Jnnemanns Regie) eine nur sehr oberflächliche Milieuschilderung und billig« Atelierarbeit geworden ist, was locker angefügte Aufnahmen von Prag und vom Gebirge nicht verdecken können. Aber die Möglichkeit eines Bublikumerfolges ist natürlich bei jedem Film gegeben, der aus der Schule und der Jugendzeit vlaudert. Und die Darsteller find teils munter(wie Bern Ferbasovä) und teils seelenvoll(wie Rolf W a n k a) bei der Sach«. In der Hauptrolle läßt Hana B i t o v ä abermals erkennen. daß sie unter Führung eines guten Regisseurs weit mehr entwickeln könnte als nette Anmut und rührend« Befangenheit. Hier ist sie noch zu sehr auf «inen weinerlichen Ton gestimmt.—eis— wäre es natürlich zu teuer, aber dasDorf soll ja nachher noch Verwendung finden. Als Kaserne oder als Lazarett, sehenSie, es e i g n e t s i ch g a n z besöndersals Feldlazarett. 38 und mehr Völker werden sich hier vereinen zu herzlicher Sportkameradschaft und Verbrüderung. 38 und mehr Natwnen werden Gast- fteundschaft genießen, die doch schon den Stahl schleift, der sie zerfleischen soll. Vertreter zahlloser Nationen werden sich's wohl sein lassen in Häusern, freundlichst für- sie erbaut mit dem Hintergedanken, gegen sie Verwendung zu finden, Niemand sieht, fühlt, ahnt den Widersinn, der darin enthalten ist: Nationen, die hier zusammenkommen, geeint durch gemeinsame Ziele und Interessen, in dem Wunsche, sich gegenseitig näherzutreten und einander kennen zu lernen, werden einander bewaffnet gegenüberstehen bis an die Zähne; Kameraden, welche wetteifern in Sport und Spiel, werden wetteifern, sich gegenseitig zu zerfetzen, in blutende Stücke zuckenden Fleisches zu verwandeln.„DaS olympische Dorf wird ein gutes Feldlazarett abgebcn", sagt der biedere Türsteher oder Gärtner unbewegt, als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt. Furchtbar ist das gleichmütige Achselzucken, mit dem man diese Dinge im Inland hinnimmt. Furchtbar ist die stumpfe Ergebenheit» die man ihnen im Ausland entgegenbringt. Was müßte geschehen, oh Welt, an deinen Schlaf zu rühren? 'Defemsnatftfkfctat Große Atus-Akademie ▲ am Sonntag, den 19. April, von 3 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends, im großen Radiosaal, Fochovä 56. Neben den 100 Atus-Turnern und Turnerinnen wirken noch mit: die PRAG Volksfinggemcinde. die sozialistisch« Jugend, die roten Falken. An dieser Akademie werden alle Genossen und Genossinnen teilnehmen. Bei der tschechischen Bruderoraanisation besteht großes Interesse für diese Veranstaltung und es kann«ine zahlreiche Beteiligung erwartet werden. Die Karten kommen jetzt zur Ausgabe und wir ersuchen. sie im Vorverkauf abzunehmen. Erwachsene 5 KL, Kinder 2 KL. Sozialdemokratisch« Flüchtlingshilfe. Donners tag abends 7 Uhr im Heine-Saal, Fochovä. Versammlung. Thema: Rationale Befreiung durch Hstler? Lteratur Familie und Erziehung »Familie und Erziehung im bolschewistischen, faschistischen und demokratischen Staate" betitelt Alfred Kleinberg eine in dem Aussiger Verlag»Neu« Erziehung" erschienene Broschüre. Auf verhältnismäßig engem Raum stellt Genosse Alfted Kleinberg die verschiedenartigen Erziehungssyfteme der beiden totalen Staatsgebilde und der Demokratie eindrucksvoll einander gegenüber. Er weist in dem Kapitel, das Sowjetrußland gewidmet ist, die törichten Enfftellungen, die eine rußlandfeindliche Propaganda von dem Familienleben der Sowjetunion gibt, zurück, schildert die fürsorgerischen Maßnahmen auf dem Gebiet der Schwangerenpflege, die Säuglingshorte und der Kinderkrippen und erwähnt di« zahlreichen neuen schulischen Einrichtungen, wie Werkunterricht, Gemeinschaftsspiele und den Aufbau eines einheitlichen Schulwesens, das durch Arbeiterfakultäten und Fernkurse wirkungsvoll ergänzt wird. Zugleich aber kriffsiert er die Einseitigkeit deS Erziehungswesens, das nicht dem Ganzen des Menschen gerecht werde, sondern bewußt einer bestimmten politischen Idee diene. Den Totalitätsgedanken, der aus dieser Denk- und GefinnungSschulung spricht, bezeichnet er als fragwürdig; fragwürdig zumal dann, wenn nicht wie in der Sowjetunion eine große sozial« Idee ihn beherrscht, sondern wenn er wie in Hitler- deutschland rückschrittlichen und kulturfeindlichen Zielen dient. Im Dritten Reich hat fich die Gleichschaltung deS öffentlichen und privaten Denkens in der verhängnisvollsten Weise ausgewirkt. Mit einer Reihe von Zitaten belegt Kleinberg die unwürdige Stellung der Frau, die»auf«in eng umfriedetes Weibchendasein beschränkt" wird. Richt soziale Maßnahmen helfen dex Familie, sondern im Gegenteil, die auS dem Rassenwahn entspringenden Gesetzgebungsakt« greifen störend in das Zusammenleben zahlloser Ehen ein. Roch störender wirkt sich in dieser Hinsicht das militärische Erziehungssystem aus, das die Jugend dem Heim enfftemdet und sie geradezu in eine»gigantische Kaserne" einsperrt. Am»Tag: der Staatsjugend", aber auch in ihrer ganzen übrigen Freizeit gehört die von der Hitlerbeweguntz erfaßte Jugend, bald wird es die ganze Jugend des Reiches fein, einem soldatischen Drill, dessen kriegerischer und barbarischer Charakter auch den Schul' unterricht ergriffen hat. Ja, selbst die Wissenschaften haben sich solchem Denken anpaffen müssen,"jedes freie Denken ist aus Deutschland verschwunden und es triumphiert ein phrasenhafter und blutrünstiger Ungeist. Ganz anders sind die Erziehungsideale der Demokratie. Nicht bürokratische Zentralisierung und diktatorische Entscheidungsgewalt, nicht Losungen von »nationaler Ehre",»Reinheit der Rasse" und von »Blut und Boden" regieren sie.' Freilich ist die formale Demokraffe von den vernünfffgen Gedanken, die eine echte soziale Demokratie zu verwirklichen haben wird, noch reichlich fern. Vor allem fehlen jene sozialen Voraussetzungen, die erst eine revolutionäre Demokratie sich wird erkämpfen müssen. Aber doch versucht di« heutige Demokratie bereits, den Gedanken d«S Wohlfahrtsstaates stärker zu veävirk- lichen, als das der rein liberale Staat des Bürgertums vermag. Ein echt demokratisches Programm freilich basiert nicht auf Kompromißlösungen, sondern es will die wirtschaftlichen Voraussetzungen wirklich realisieren, auf denen erst ein wirkliches Familienleben wiederhergeftellt werden kann. Hergestellt werden muß aber auch eine rechtliche Gleichstellung der Geschlechter,. eine öffentliche Mutter- und Kinderfürsorge und vor allem«ine Organisation des öffentlichen Erziehungswesens, die die heutige Klassenscheidung im Bildungswesen aufhebt und der Jugend die Möglichkeit des Aufstiegs nach ihren Fähigkeiten gibt. Zugleich mutz eine wirkliche Demokraffe anders als der totale Staat es tut, jedes Individuum zu»eigenem Schauen, eigenem Urteil, eigenem Schaffen" befähigen. Nicht in der Gleichschaltung, sondern in der freien Entfaltung und Zusammenarbeit aller Kräfte sieht Kleinberg das Ideal. So sollen Familie und Erziehung in gleicher Weise Keimzellen einer neuen besseren Wirklichkeit werden. KleinbergS Verdienst ist es. mit seiner Broschüre für diese neue Wirklichkeit zu werben und dabei zugleich Kritik zu üben an jenem Totalitätsgeist, der sich in seiner überspitztesten und unhumansten Form im Dritten Reiche manifestiert. Gegen ihn erklingt die kämpferische Losung, mit der die üssentwerte Abhandlung endet:.Schließen wir die Reihen und lasset uns kämpfen!" Eine Waffe für diesen Kampf hat Kleinberg geschaffen. Dafür ist ihm zu danken. O. F. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 96.—, ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei. öfteren Einschalwngen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSirankatur wurde von der Post- und Tele- graphendivtktwn mit-ErlatzNr. 13.800/VII/1030 bewilligt.—. Druckerei:.Orbis". Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G. Prag.