Donnerstag, 19. März 1936 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller Forte) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHER ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii.,fochova«r. Telefon 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Nachtsitzuns bringt die Entscheidung? den Locarno- Beschwerde in des belgischen Volkes. Die Verletzung des LocarnovertrageS ist um so mehr zu bedauern, als ihn«ine Großmacht verletzt Masinot-Linie bleibt voll besetzt Paris. Ein amtliches Kommunique! besagt, daß die Okkupation der französischen Grenzfestungen in einer minimalen Zeit zur vollsten Zufriedenheit durchgeführt wurde und daß seit dem ersten Alarm die Lstgrenzen vor einem all- fälligen Einfall auf französisches Gebiet vollkommen geschützt sind. Kriegsminister General Maurin fügte im Wehrausschuß hinzu, die Regierung habe die Absicht, das Parlament um einen Z u- satzkrevit zwecks vollständiger Beendigung der Arbeiten und verschiedener Verbesserungen zu ersuchen, welche sich angesichts der gegenwärtigen Erfahrungen als unerläßlich erwiesen haben. Um f ü r die ganze Dau erdergegenwärtigen diplomatischen Spannung die volle Besetzung des Grenzgebietes durch Militär zu gewährleisten, wird die Einberufung der Reservisten zu Hebungen beschleunigt werden. Paris. Die französischen Vorschläge und Bedingungen, welche Außenminister Flandin darlegte, sind nach den Informationen des H a- vasbüros in den Hauptumriflrn folgende: 1. Der Bölkerbundrat möge auf Ersuchen Frankreichs den französisch-sowjetrussischen Beistandspakt dem Haager Internationalen Gerichtshof vorlegen, damit dieser über seine Vereinbarkeit mit abkommen und über die deutsche dieser Angelegenheit entscheide. 2. Die vier Signatarstaaten Seit die konkreten Ziele der beide» westrnropäischen Großmächte bekannt geworden sind, muß die Situation neuerlich bedeutend schlechter beurteilt werden. Roch ist die mittlere Lime zwischen Paris und London nicht gefunden. Während England alles daransetzt, Deutschland an den Verhandlungstisch und zu irgendeinem neuen Vertrag zu bekommen, auch um den Preis erheblicher Zugeständniffe, will Frankreich zweierlei: die bedingungslose Feststellung des deutschen Verschuldens und eine Geste Englands, die das Writerbestehen der Locarno-Garantie sinnfällig erhärten soll. Von englischer Seite ist der gewiß unglückliche Gedanke aufgrtaucht, beiderseitsdes Rheins einedemilitarisierte 50-.Kilo meter-Zone zu schaffen. Die französische öffentliche Meinung hat dieses Projekt mit Entrüstung abgelehnt. Es würde übrigens vermutlich auch von Hitler abgelehnt weroen. Während es auf französischer Seite die Z e r- störung der Maginot-Linie zur Voraussetzung hätte, würde es auf deutscher einen breiteren Gürtel als bisher und in dieser Zone wichtige Industriegebiete demilitarisieren. Nunmehr soll England bei dem Vorschlag halten, daß derRhrini-nternatio- nalisiert und von gemischten Truppenkontingenten besetzt werde. Auch das wird in Frankreich nnd Deutschland als unannehmbar bezeichnet. Die französische Forderung dürfte im vollen Umfang wieder von England kaum übernommen werden, da sie den Faden nach Berlin abschneidrt. Ribbentrop ist mit großem diplomatischen Gefolge Mittwoch abends in London eingetroffen und soll Donnerstag an der Ratssitzung trilnrhmen. hat, deren Mitarbeit für die Erhaltung des Friedens sehr wichtig ist. I t a l i e n ist sich seiner Verantwortung voll bewußt und hält treu feine Verpflichtungen ein. Niemand kann jedoch erwarte», daß sich Italien der Anwendung jener Maßnahmen anschließen würde, welche seine Bevölkerung selbst betroffen haben. ES ist zu bedauern, daß die politische Grundlage, auf welcher daS Lovarnoabkommen beruhte, untergraben wurde durch die Sanktionen, welche gegen Italien in einem Augenblick zur Anwendung gebracht wurden, in welchem die Welt Italien als Garanten der europäischen Sicherheit braucht. Trotzdem ist sich Italien seiner Aufgabe bei der Herstellung der Sicherheit und der Rekonstruktion Europas voll bewußt. Soll dieses Rekonstruktionswerk nicht vergeblich sein, dann ist es notwendig, daß es auf dem gegenseitigen Verständnis und der Anerkennung der Bedürfnisie der einzelnen Staaten, auf der gegenseitigen Achtung vor allem, was für das Leben unserer Völker notwendig ist, nnd vor allem auf einer Einigkeit der Ansicht über die berechtigten Interessen und über die Pflichten unserer Zivilisation gegenüber aufgcbaut ist. Außenminister Beck(Polen) erklärte, die Tatsache der Besetzung der demilitarisierten Zone könne niemand bestreiten nnd der Völkerbund müsse sie bezeugen. Die Umstände, wie die Besetzung erfolgt ist, schaffen Fragen, über die die Locarno-Signatare beraten müssen. Die Locarnoverträge seien in Polen schon seinerzeit ungünstig ausgenommen worden. Der französisch-russische Pakt hat die Verpflichtungen und die Rechte Volens, wie sie sich mis den früheren Verträgen(Allianz mit Frankreich) ergeben, in keiner Weise geändert- Titulrsr«(Rumänien) erklärte namenZ der Kleinen Entente, wenn in einem derart offensichtlich zutage liegenden Falle einer Vertragsverletzung der Rat nicht handelte, so würden die kleinen Staaten in Hinkunft zu der kollektiven Sicherheit kein Vertrauen mehr haben können. Sollte der Völkerbund aus dieser Krise geschlagen hervorgeben, so wäre er fürderhin»« r mehr eine Erin»erung an dieBergangenheil, keineswegs mehr eine lebendige Realität. Die Kleine Entente könne sich nicht dagegenstellen, daß die sieden Vorschläge Hitlers diskutiert werden; daS könne jedoch nicht geschehen, bevor nicht die grnnd- sätzliche Frag« positiv gelöst ist, welche Frankreich und Belgien dem Rat unterbreitet haben. Der Rat vertagte sich dann auf Donnerstag 10 Uhr. Spät abends traten die Locarno- Mächte zu einer neuen Beratung zusammen. des Rheinpaktes werden ausdrücklich erklären, daß deffen Bestimmungen weiterhin ohne Dentfch- land gültigsind. 3. Deutschland soll die Zahl seiner Truppen im Rheinland herabsetzen und im Rheinlandc keine Befestigungsarbeiten durchführen. 4. Wenn Deutschland diesen ersten drei Bedingungen beitrrte, werde Frankreich im Mai nach de« französischen Kammerwahlen die Verhandlungen mit Deutschland aufnehmen. 5. Die Grundlagen dieser Verhandlungen sollen bei einer Vorberatung der vier Signatarmächte des Rheinpaktes vereinbart werden. Während der Dauer der Verhandlungen sollen nämlich britische und eventuell auch italienische Militärabtcilungen die demilitarisierte Zone besetzen. Die Engländer schlagen eine dauernde Internationalisierung d c r R h eingrenze nnd der französischen Ostgrenze vor. Die Signatarstaaten des Rheinlandpaktes, Deutschland inbegriffen, würden sich feierlich verpflichten, den internationalen Charakter dieser Grenzen zu respektieren und britische sowie italienische internationale Militärabteilnnge» würden eine dauernde Wacht zu beiden Seiten der Grenzen bilden. Ein Staat, welcher diese Grenze überfallen würde, würde in Wirklichkeit dem Völkerbund den Krieg erklären. Internationale Konferenz in London London.(Tsch. P.-B.) In London hielten Mittwoch das Präsidium der Gewerkschafts- Internationale und der Exekutiv-Ausschuß der sozialistischen Arbeiter-Internationale eine gemeinsame Sitzung ab, in welcher das Vorgehen beider Internationalen an der morgigen Konferenz festgelegt werden soll, die über di«^ europäische Krise und über den Standpunkt der Internationalen zur gegebenen Situation beraten wird. Heber 200 Delegierte verschiedener sozialistischer Parteien und Arbeiterorganisationen aus zahlreichen europäischen Staaten sind ii^ London einsgetroffen. Die Debatte im Völkerbundsrat In der öffentlichen Ratssitzung gab Eden eine Erklärung ab, in der er nochmals wiederholte, daß eine unbestreitbare Verletzung des Friedensvertrages vorliege. Dann sprach er über den Zweck des Locarnovertrages und gab seine Zustimmung zu den Erklärungen Van Zeelands kund. Auf diese für Frankreich akzeptablen Erklärungen folgte aber eine eindringliche Beschwörung des Rates, trotz der ernsten Lage, die erfreulicherweise zu keinen militärischen Folgen geführt habe, das Hauptaugenmerk auf den Wiederaufbau des Sicherheitssystems zu richten. Grandl gegen Sanktionen Zum erstenmal nahm auch Gr a n d i Stellung. Er führte aus: Wir begreifen vollaufoie berech tigte Sorg, de» französische.« und Um die Wacht am Rhein Noch immer schwere Differenzen zwischen London und Paris Was Frankreich fordert und was England bietet In französischen Kreisen wird erklärt, daß i diese Konferenz dieEntscheidung bringen wird. Minister Flandin deutete an, daß eine vollständige Klärung, ob so oder anders, herbeigeführt werden müsse. Jede Entscheidung wird jedoch der französischen Regierung zur Genehmi- ! gung unterbreitet werden. Die Vertreter der | Presse wurden darüber informiert, daß der französische Standpunkt stets gleich entschieden sei und daß alle anderslautenden Gerüchte absolut irrig sind. Was Ribbentrop bringt: P a r i s. Wie„Oeuvre" berichtet, verlautet in deutschen Kreisen in London, daß die deutsche Delegation mit folgenden Anträgen eintreffen werde: Daß der Bölkerbundrat sich auf dir Feststellung beschränke, daß die demilitarisierte Zone verletzt wurde, ohne daß eine weitere Verurteilung Deutschlands erfolge, weiters daß der Konflikt nicht dem Internationalen Haager Gerichtshof unterbreitet werde und daß auch später keine Sanktionen eröffnet würden, ferner daß Deutschland keine Neuregelung in der demilitarisierte» Zone auferlegt werde. Demgegenüber würde sich Deutschland verpflichten, daS Locarno-Abkommen in der ursprünglichen Form einznhalten und alS Kondensation für den Vorteil, den Frankreich in ! der demilitarisierten Zone besaß, wird• Deutschland einem Flugpackte zustimmrn. Die„Kriegssdiiildliige“ von morgen An: 7. März hat Hitler den Vertrag von Versailles und zugleich den, von Deutschland fdeiwillig unterzeichneten, Locarno-Vertrag gebrochen, hat überfallsartig die vertraglich demilitarisierte Rheinlandzone besetzt und die Welt vor die Wahl gestellt, sich entweder diese Vertragsbrüche gefallen zu lassen, oder aber der dauernden Feindschaft Deutschlands gewärtig zu sein. Der Konflikt, der aus dieser Provokation entstanden ist, wird vielleicht diesmal nicht zum Kriege führen, er wird aber in der Vorgeschichte eines kommenden Krieges eine wichtige Rolle spielen. Wie sieht nun das deutsche Volk selbst den Konflikt? Man nehme eine beliebige reichsdeutsche Zeitung und lese nach, was sie über die Ereignisse seit dem 7. März zu berichten weiß! Hitler hat Verträge gebrochen? Keine Spur: Hitler hat der Welt ein großzügiges Sicherheitsprogramm vorgeschlagen. Hitler hat eine Kriegsgefahr heraufbeschworen? Aber woher denn: Hitler hat int Gegenteil den Weltfrieden auf 25 Jahre sicherstellen wollen..Hitler sprengt das Vertragssystem von Locarno in die Luft? Nein: Hitler ersetzt ein unbrauchbares System durch eine ideale Friedensgarantie. So und nicht anders legen die reichÄ>eutschen Blätter die politischen Ereignisse der letzten Tage aus. Und die Kehrseite sieht natürlich so aus: Frankreich lehnt nicht etwa die merkwürdigen Methoden Hitlers ab. Nein: Frankreich stößt di« „dargebotene Hand der Versöhnurig" von sich. Frankreich wehrt sich nicht vielleicht gegen die Vertragsbrüche Berlins, sondern Frankreich weigert sich, Hitlers Friedensplan anzunehmen. Frankreich will keine 25 Jahre Frieden, Frankreich will keine Sicherheit, keine Verständigung. Frankreich ist regiert von Juden, Freimaurern und Bolschewiken, die sich mit Litwinow zum Angriff auf das wehrlose Deutschland verschworen haben und denen Hitlers geradezu übermenschliche Friedensanstrengungen im Wege stehen. So liest man es drüben! Das Wort Locarno taucht in der hitler- deutschen Presse nur noch vereinzelt auf und vorwiegend in der Verbindung die„angeblichen Locarnomächte". Von dem Vertragsbruch ist nicht mehr die Rede. Es ist der Regie Goebbels glänzend gelungen, den Wahlkampf, die riesige Verblödungskampagne ganz auf den Kampf um Hitlers Friedensplan einzustellen. Kommt es im Zuge der Hitlerschen Friedenspolitik einmal zum Kriege, so ist d i e„Unschuld" Deut s ch- lands schon jetzt gesichert. Es wird einmal schwer halten, den Deutschen, denen die Vorgeschichte des nächsten Krieges von Goebbels laufend als das gewaltige Ringen Hitlers um Frieden und Sicherheit erläutert wird, bie' Wahrheit verständlich zu machen. Hitler wird den Krieg aller menschlichen Voraussicht nach verlieren. Aber auch nach seinem Sturz wird er Millionen Deutschen als der Märtyrer einer guten Sache erscheinen. Die andern unternehmen gegen diese Lügen- kampagnen so gut wie nichts. Es ist gewiß nicht leicht, ihr zu begegnen, aber es muß feftgestellt werden, daß man es gar nicht versucht. Eine systematische Aufklärung von feiten der Völkerbundmächte fehlt, Grotesk aber ist der Zustand, der h i e r- zulande herrscht. Den Sudetendeut- s ch e n wird nämlich, soweit sie zum Henlein- lager gehören, dieselbe Version, des europäischen Konfliktes aufgetischt wie den Deutschen im Hitlerreich. Die Dutzende sudetendeutscher Provinz-Zeitungen, die mit Henleins Presse gleichgeschaltet sind, tun seit dem 7. März nicht anders, als daß sie ihren Lesern in Balkenlettern und mit allen erreichbaren Meldungen des Deutschen Nachrichtenbüros die deutsche Kriegsschuldlegende von morgen eintrommeln. Auch die sudetendeutsche Provinzpresse— die„Z e i t" im übrigen natürlich auch— erzählt von Hitlers Kampf um den Frieden, von den Schwüren des Führers, von seinem ehrlichen Verständigungswillen, von der bolschewistischen Gefahr, den Tücken der Moskauer, Pariser und— Prager Diplomatie, auch der sudetendeutsche Zeitungsleser erfährt aus den bürgerlichen Blättern nur, daß ein Konflikt darüber ausgebrochen ist, ob Seite 2 Donnerstag, 19. März 1936 Nr. 67 Hitlers großer Friedensplan diskutiert werden oder ob er an dem.^triegswillen der Franzosen" scheitern soll. Auch dem sudetendeutschen Zeitgenossen wjrd heute schon, weisgemacht, daß an dem vielleicht nahenden Krieg Hitler vollkommen unschuldig ist, daß die ganze Kriegsschuld von morgen auf Frankreich, Rußland und— die Tschechoslowakei fällt. Das hört der sudetendeutsche Staatsbürger im Rundfunk, das liest er in der Zeitung. Die Behörden der Republik, ihre verantwortlichen Organe sind täglich Zeugen dieser Erziehungsarbeit. Es ist Wohl nicht nötig, von den Folgen zu reden, die sich für die Loyalität, für die staats- W i e n.^Eigenbericht.) Auch der dritte Berliandlungstag im Sozialistenprozeß erbrachte keinerlei Beweise für die Behauptung der Anklage, daß die Bereinigte sozialistische Partei im Rahmen einer organisatorischen Gemeinsamkeit mit den Kommunisten gearbeitet und die Wiederaufstellung und Bewaffnung des Schutzbundes zum Zwecke eines gewaltsamen Umsturzes unter Vorbereitung des Bürgerkrieges angestrebt habe. Aus den Aussagen der beiden mitangeklagten Kommunisten ergibt sich im Gegenteil, datz beide Parteien getrennt nebeneinander bestehen. Die glrichgeschalteten Blätter behaupten zwar, daß kein Interesse für den Prozeß vorhanden sei, was durch dir schwache Besetzung des Auditoriums bewiesen werde, doch ist die Anteilnahme der ausländischen Presse anhaltend groß, während man für das übrige Publikum nur wenige Karten bewilligt hat. Die Wiener Presse berichtet also bewußt eine Unwahrheit. Sie beschränkt sich im übrigen auf die Wiedergabe der für die Angeklagten ungünstig e n Prozeßergebniffe, die kärglich genug sind. Heute wurden die ersten Zeugen, und zwar lauter Polizeibeamte, emvernommen Ihre Aussagen gewährten einen tiefen Einblick in die Spitzelmethoden, die die österreichische Polizei im Kampfe gegen die Sozialdemokraten anwendet. Die Nichtzulassung der internationalen Abordnung zum Prozeß widerlegt übrigens die Behauptung, daß kein Interesse für den Prozeß vorhanden sei. Das Protesttelegramm, das de Brouckkre und Genossen nach Paris sandten, hat folgenden Wortlaut: „Nach dringenden Schritten bei allen Behörden ist uns die Erlaubnis, dem sogenannten Hochverratsprozeß gegen die österreichischen Sozialisten beizuwohncu, endgültig verweigert worden. Wir appellieren an das internationale Gewisse» in bezug auf diesen schändlichen Machtmißbrauch, wodurch die elementarsten juristischen Garantien verletzt wurden." Die Verhandlung begann mit der Einvernahme der Leontine Haas, in deren Wohnung die Hauptangeklagten Sailer und F e l l e i s verhaftet tvurden. Es ergibt sich, daß die Zusammenkunft offenbar von einem Lockspitzel verraten war und daß sie,, bevor überhaupt etwas Strafbares beraten werden konnte, von der Poli- bürgerliche Gesinnung, für die Verläßlichkeit weiter Kreise des sudetendeutschen Volkes aus dieser Tatsache ergeben. Man wundere sich nicht, wenn sie eines Tages offenliegen werden! Daß man hier, wo es die einzigartige Gelegenheit gäbe, einem größeren deutschen Volksteil die Wahrheit über den katastrophalen Weg der Berliner Politik zu sagen/ diese Gelegenheit nicht nützt, sondern im Gegenteil der zielbewußten Verbreitung der Unschuldslegende Hitlers tatenlos zusieht, ist ein mehr als tschechoslowakisches Versäumnis; eS ist ein europäisches Unglück; und für uns Deutsche ein nationales Unglück ob e n d r e i n! zei ausgehoben wurde. In der Wohnung wurden illegale Flugschriften gefunden, von denen man annehmen kann, daß sie nicht mit Wissen der Angeklagten in die Wohnung kamen. Die Kommunisten Honner und Fürnberg verteidigten sich in sehr wirkungsvollen zusammenhängenden Reden. Honner umriß die Ziele der KP und sagte, daß eS sich auch für die Kommunisten in Oesterreich gegenwärtig nicht um einen gewaltsamen Umsturz und die Entfesselung des Bürgerkrieges, sondern um die Eroberung der Volksrechte mit friedlichen Mitteln handle. Nicht die Bestrebungen der Arbeiter, sondern jene der Legitimisten seien als Hochverrat zu werten. Gäbe es in Oesterreich auch nur die gewerkschaftliche Freiheit, so würde es nicht notwendig sein, illegal zu arbeiten. Eine organisatorische Vereinigung der KP mit der Eozialdemokra» tischen Partei habe es n i e gegeben, also könne es auch keine gemeinsame Leitung gegeben haben, der man die Organisierung des blutigen Straßenkampfes nachsagt. Dem Angeklagten wurde auf die Frage nach dem Grund seiner Verhaftung von der Polizei geantwortet:„Für uns genügt Ihre Vergangenheit, für uns ist Ihr Fall klar, ganz unabhängig davon, was Sie zu Protokoll geben." Als sich der Angeklagte Fürnberg anschickt, ebenfalls eine Rede zu halten, tut der Vorsitzende den klassischen Ausspruch:„Je mehr gesagt wird, desto weniger merkt man sich." Fürnberg verweist auf die Tatsache, daß die KP in Oesterreich nicht aufgelöst, sondern nur ihre Tätigkeit eingestellt wurde/ Man habe weder außerhalb noch innerhalb der Vaterländischen Front eine Möglichkeit, eine Aenderung der bestehenden Zustände mit gesetzlich zulässigen Mitteln anzuftreben, also bleibe nur die Illegalität. Dadurch werde die ganze Anklage ad absurdum geführt. In der Anklageschrift stehe das Gegenteil dessen, was Fürnberg bei der Polizei zu Protokoll gab. Daß die Oesterreicher Grund haben, mit den jetzigen Verhältnissen unzufrieden zu sein, habe vor kurzem selbst Kardinal Innitzet erklärt. Die Forderung nach Presse« und Organisationsfreiheit habe nichts mit Hochverrat zu tun. Es werden dmm drei Angeklagte wegen der Verbreitung illegaler Druckschriften vernommen. Nachmittags begann die Zeugeneinvernahme. Der Polizeioberkommiflär Dr. H a S li n g e r bestreitet die Behauptungen der Angeklagten über seine merkwürdigen VernehmungSmethoden. Ins Kreuzverhör genommen, verläßt ihn sein gutes Gedächtnis. Felleis weist nach, daß den Angeklagten bei der Vernehmung Unwahrheiten über ein angebliches Geständnis der Genossen gesagt wurde. Polizeioberkommissär Dr. Berger gibt an, daß die Berichte über die Brünner Konferenz aus ganz verläßlicher Quelle stammen. Daraufhin stellt Sailer fest, daß es sich bei dem Spitzel, der den Bericht gab, nur um einen gewesenen Parteigenossen handeln könne. Wer aber seine ehemaligen Kameraden um Geld verrat«, sei weder verläßlich noch ehrlich, sondern ein gemeiner Schuft. Der Zeug« Weib darauf keine Antwort. Sailer wird auch nicht gerügt. Das Gericht selbst ist also der Meinung, daß er recht hat. Dr. Berger gestand, daß die Methode, bei der Vernehmung mit Unwahrheiten Geständnisse herauszulocken, nicht statthaft ist. Was die übrigen Polizeibeamten erzählen, beweist nur, daß die ehemaligen Sozialisten weder auf der Straße, noch in öffentlichen Lokalen, noch selbst in Privatwohnungen zusammenkommen können. ohne bespitzelt zu werden. Daß man mit ehemaligen Parteifreunden spricht, ist verdächtig und belastend. Wer denkt da nicht an den Metternich- schen Vormärz? Am Donnerstag wird die Zeugeneinvernahme abgeschlossen» Freitag beginnen dir Plädoyers. Interview mit Frau Vandervelde Wien. Der Korrespondent vom„H e t Volk" hatte eine Unterredung mit Frau Ban- dervelde, welche der internationalen Abordnung angehört. Diese Abordnung wurde zur Verhandlung nicht zugelassen. Der Vorfall ist mit der Absendung des Telegramms nach Paris zwar vorläufig abgeschlossen, aber es ist anzunehmen, daß sich die auswärtigen Ministerien mit der Abweisung der Vertreter der Labour Party undec Trade Union ebensowenig abfinden werden wie mit der Abweisung der Gattin des stellvertretenden belgischen Ministerpräsidenten. Der englische Abgeordnete P r i c e wird abends eine Unterredung nut Starhemberg haben und hat um eine Audienz beim Bundespräsidenten angesucht. Frau Vandervelde sagte, daß sie offenbar nicht mehr in den österreichischen Salon paffe. Sie erinnert an ihren Besuch der österreichischen Gefängniff« und daran, daß sie damals gut empfangen wurde. Dann schildert ff« den Leidensweg, der zur Erreichung der Einlaßkarten für diesen Prozeß beschritten werden mußte. Zwar habe man die Abordnung überall höflich empfangen, abeckderJustizmini- ster redete sich auf das Gericht aus und der stellvertretende Gerichtspräsident meinte mit einem Achselzucken, eS sei die Erlangung der Karten nach seiner Meinung nicht unmöglich. Er wisse das, denn er sei ejn intelligenter Mensch. Er habe keinen Auftrag bekommen, keine Karte zu geben, eben- owenig habe er aber einen Auftrag erteilt, eine zu beschaffen. Also lasse sich nichts tun. Nun wartet man ab, ob die Schritte, die vom Ausland her unternommen werden, nicht I doch wirksam sind. Mieterschutzvorlage bleibt unverändert Prag. Der sozialpolitische Ausschuß stand am Mittwoch den ganzen Tag über im Zeichen des Endkampfes um die Mieterschutzvor- l a g e. Das Referat hatte diesmal der slowa- kische Agrarier R y b a r i k, der sich bemühte, die Interessen der kleinen Mieter und der Eigentümern von Häusern mft Kleinwohnungen gegeneinander abzuwägen. D u b i c k y dagegen ging» wie erwartet, nochmals zu einem offenen Angriff über und er- klärte, er beharre darauf, daß über die v ö l- l i g e Liquidierung der jetzigen gebundenen Wohnungswirtschaft verhandelt werden müffe, weil angeblich das ganze Wirffchaftsleben unter dem Mieterschutz leide. Zum Schluss« meldete er Abänderunganträge zur Vorlage an. Ihm trat eine ganze Reihe von Rednern entgegen. Schon vorher hatte L a n g r(Nat.- Soz.) eine Aufhebung des Mieterschutzes für Kleinwohnungen in der heutigen Zeit nicht nur als ein soziales Unrecht, sondern als eine gegen dieStaat Sinteressen gerichtete Tat bezeichnet. Später verwahrte sich Genosse T a y e r l e dagegen, den Mieterschutz heute als eine antisoziale Maßnahme hinzustellen, wie Dubicky es tat. Genosse Taub legte die traurige wirtschaftliche Lage der Mieter dar. Es gibt sicher auch unter den Hausbesitzern arme Teufel, aber zweifellos sind d i e Mieter die wirtschaftlich Schwächeren. Im Hausbesitz ist keine Entwertung, sondern im Gegenteil eine Aufwertung erfolgt. Bei den Mietern dagegen kann man von einer allgemeinen Verschlechterung der Wirtschaftslage sprechen. Dem Abg. Dubicky gegenüber erllärt Redner, gerade der Vertreter einer*":ttei, die die gebundene Wirtschaft sonst absolut nicht perhorresziert, darf die gebundene WohnungSwirtschast nicht als etwas Schädlicher hinstellen. Wenn der Mieterschutz bereits früher abgebaut worden wäre, müßte der Staat heute daran denken, wieder einen Schutz für die bedürftigen Mieter einzufiihren. Später suchte Chloupek'(Agr.) die Hinweise auf die Analogien zwischen der gebundenen Wohnungswirtschaft und der gebundenen Getreidewirtschaft zu entkräften. Dr, Suchy(Agr.). plädiert dafür, einen Ausweg zu finden. Schließlich mußte die Debatte resultatlosvertagt werden. Am Nachmittag berieten die der Koalition angehörigen Aus- schnßmitglieder längere Zeit mit den Minister« Eerny und Reäas über di« Beilegung der Differenzen. Schließlich siegte der Standpunkt, den Regierungsentwurf bis auf eine rein stilistische Aenderung im 8 6 unverändert zu belassen nnd alle Abänderungs- onttäge auch von KoalitionSfeite abzulehnen. * In diesem Sinne verabschiedete dann um 6 Uhr abends der wieder zusammengetretene Ausschuß die Vorlage, die Donnerstag ins Plenum kommt. Arbeitslosendebatte in der LandeSvertte- tting. Ein Bericht des LandeSauSschusseS über die Arbeitslosigkeit in Böhmen und die von Staat und Land durchgeführten Maßnahmen zu ihrer Bekämpfung und zur Unterstützung der Arbeitslosen waren Mittwoch die Grundlage für eine ausführliche Debatte in der Landesvertretung. Für die dcuffchen Sozialdemokraten sprachen die Genossen Lorenz und N o v h. Brünner Tagung von einem Spitzel verraten Keine Verbindung mit den Kommunisten Copyright by Dr. Manfred Georg, Frag 37 MÄNNER, FRAUEN I UND WAFFEN I ' Roman von Manfred Georg| Mit jener Teilnahmslosigkeit, die aus der Konzentration auf sein eigenes Schicksal ebenso kam wie aus der Tatsache, daß ihm weder die Auffassungen der gegenwärtigen spanischen Regierung noch die ihrer Gegner interessierten, suchte er in den unruhigen Straßen nach einen: kleinen Hotel. Ein Kellner wies ihm mürrisch ein Zimmer an. Niemand kümmerte sich um ihn. Die Schankstube unten war voll von diskutierenden Leuten. Mit Mühe fand er jemanden, der ihn: Auskunft gab, wo sich die Volksbibliothek befand. Bor dem kleinen Gebäude standen, wie vor allen städtischen oder öffentlichen Aemtern, zwei bewaffnete Arbeiter, die ihn nach seinem Begehr fragten. Als er den Namen Saavedra nannte, wurde er höflich durchgelassen. Er trat in ein schmales, von hohen Büchergestellen, die bis zur Erde reichten, erfülltes Zim- nrer, in dessen Mitte sich ein langer Tisch befand. An seiner unteren Schmalseite' machte bei einer Petroleumlampe ein junges Mädchen Eintragungen in eine Liste. Es war gar kein Zweifel, daß dies Gabriele war. Sie hatte das schlichte, starke, blonde Haar der Mutter, ihr ruhiges, harmonisches Gesicht mit den Augen, die sie manchmal ohne Veranlassung etwas zukniff und vom Vater einen energischen, aber etwas bitteren, leicht nach unten gebogenen Mund. Die unberingten feinen Hände— auch sie ein Erbteil des VaterS— lagen auf der Tischplatte. Schumann streckte ihr die Rechte hin und hielt die Hand des Mädchens einen Augenblick zu lang in der Seinen. Sie zog sie verwundert zurück, nickte ihm nur mit dem Kopf zu Platz zu nehmen und verschränkte erwartungsvoll die Finger. Die Narbe war wirklich schlecht geheilt. Man hätte sich vorstellen können, daß einer aus Unwillen davor den ganzen Menschen abgelehnt hätte. „Es ist jetzt nicht mehr Besuchszeit. Die Bibliothek ist geschlossen. Sie wird eS auch wegen der Ereignisse vermutlich morgen bleiben." Gabriele sprach spanisch, was Schumann nur ganz schlecht verstand. Ob die Dame deutsch spräche? Gabriele schüttelte den Kopf. Nur wenige Sätze. „Aber französisch?" Dies ginge, meinte sie. Schumann wußte nicht, wie beginnen. So sprach er davon, daß er beauftragt sei, die Lage im hiesigen- Industriegebiet zu studieren und einiges wirtschaftliches Ouellenmaterial von der Bibliothek erhoffe. Sie gab ihm Auskunft und versprach, soweit irgend etwas vorhanden sei, es bis morgen herauszusuchen. Allerdings könne sie nicht dafiir garantieren, denn infolge der Unruhen wäre sie sehr in Anspruch genommen. „Wieso Sie," fragte Schumann verblüfft. „Weil ich einen wichtigen Posten außerhalb dieser Bucharbeit im Augenblick bekleide. Ich habe nämlich für die Organisation der Verpflegung zu sorgen." „Sie sind Partei?" „Aber natürlich. Außer den paar Grubenbesitzern stehen hier alle auf feiten der Aufständischen. Es ist ein Elendsgebiet und sollte selbst ganz Spanien sich wieder unterwerfen, hier wird gekämpft werden, weil hier überhaupt niemand etwas zu verlieren hat." Sie begann ihm in kurzen Zügen die Lage zu schildern. Ihre Einstellung war an sich pessimistisch. „Wissen Sie, das Recht ist zweifellos draußen auf'der Seite der Arbeiter. Aber sie haben viel zu lange getvartet. Viele ihrer Führer sind Helden, aber viele sind auch schuld daran, daß man so spät losgeschlagen hat. Ich hab« in Versammlungen vorher vergeblich dagegen gekämpft. Wir leben doch nicht auf dem Mond. Wir haben Paris und Wien erlebt. Ich meine, aus solchen Dingen müßte doch ein Volk vom andern lernen. Aber, glauben Sie mir, es sind z l viele alte Veteranen am Werk. Brave Leute, gewiß, ehrliche Leute auch, aber sie haben ver- geffen, daß die Massen, die hinter ihnen stehen, gar nichts ausrichten können, wenn sie erst loö- gehen, wenn der Gegner alle Trümpfe, um sie niederzuschlagen, aufgespeichert hat. Herz As — daS Geld, Kreuz As— die Kirche, Pik AS — die Waffen, Karo As— die Presse. Madrid hat alles in der Hand. Es braucht nur seine Karten auszuspielen. Ach, ich bin sehr traurig. Sie wollten übrigens vorhin doch deutsch sprechen. Sind Sie aus Deutschland? Dort kann man wenigsten? organisieren. Aber hier rennt jeder herum und möchte sein bißchen Rest Freiheit, das er noch hat, durchaus und durchum nicht aufgeben. Nicht einmal in der Revolution." Schumann sah in das ernste, traurige Gesicht seiner Tochter. Was hatte das Mädchen für wahnsinnige Ideen! Er würde sie bei der Hand nehmen, irgendwo ein Auto chartern, und dann heraus mit ihr aus dem Hexenkessel, Er versuchte einzuhaken: „Nein, ich bin nicht auS Deutschland. Ich bin Oesterreicher." Gabriele hob überrascht den Blick: „So? Das interessiert mich sehr. Aber was sagte ich? Ach ja, richtig, vor allem Pik AS — die Waffen! Sie haben sicher auf den Straßen gesehen, Gewehre, ein paar selbstgemachte Handgranaten, ein paar erbeutete Maschinengewehre von der Polizei. Die andern aber werden kommen mit Tanks und mit Reiterschwadronen, mit Flugzeugen und mit Feldgeschützen. TS find Narren, die so anfangen. Leider. Dabei sind so feine Kerle darunter. Und recht haben sie noch obendrein! Aber sie können keine Verträge mit den Waffenfabrikanten schließen, daS ist daS Unglück." Schumann tastete sich vorsichtig an Gabriele heran: „Aber was geht das alles Sie an? Sie haben doch einen wissenschaftlichen Beruf." Das Mädchen runzelte streng und etwas unwillig die Brauen: „ES wundert mich eigentlich, daß Sie so sprechen. ES gibt doch nur zwei Seiten. Ich kann doch nicht im luftleeren Raum leben." Lebe ich denn im luftleeren Raum, fragte sich Schumann. „Und zweitens," fuhr Gabriele fort,„habe ich als Spanierin die Pflicht mitzuhelfen, datz Spanien wieder ein großes und glückliches Land wird!" „Ach, Sie sind Spanierin?" „Ja, entschuldigen Sie, daß ich Ihnen meinen Namen nicht genannt habe: Dolores Saavedra." „Und ich heiße.. Schumann murmelle etwas Unverständliches. „Das heißt," Gabrieles Gesicht hellte sich träumerisch auf,„eigentlich bin ich auch Oester- reicherin. Aber das ist schon lange her." „Wieso lange her?" «Ja, wir lebten als Kinder in einem Randgebiet der Monarchie, mein Vater war im Krieg, meine Mutier starb unterdessen, und eines Tages wurde unser Dorf von den Russen erobert. Kurz vor dem Angriff flohen wir mit unserem Dienstmädchen. Es war eine schauerliche Nacht. Wir bekamen schließlich, einen Bauernwagen. Unser Mädchen starb unterwegs an einer Lungenentzündung, und ich kam mit meinen beiden Geschwistern zu einem HilkSkomitee, das mich und die beiden Kleinen nach Budapest brachte. Verwandte batten wir nicht. (Fortsetzung folgt.) Nr. 67 Donnerstag, 19. März 1936 Seite 3 Steuerbefreiung auf Mietzinsabgabe ausgedehnt Am Mittwoch nahm der sozialpolitische Aus» schuß die noch offen gebliebenen fünf Paragraphen der Bauförderungsvorläge mit gewissen Aenderungen an. Die wichtigste ist die, daß die Steuerbefreiung auchaufdieMietzinsab- g a b e, bzw. auf die Abgabe für die Benützung von Wohnräumen ausgedehnt wurde, und zwar auf zehn Jahre, bei Häusern mit Kleinstwohnungen sogar aus z w a n z i g Jahre. WeiterS wird bestimmt, daß die erste entgeltliche Uebertragung von Häusern, die mit Staatsgarantie von juristischen Personen oder gemeinnützigen Baugenossenschaften erbaut wurden und die ihrer Natur nach zur Uebertragung an physische Personen bestimmt sind, binnen fünf Jahren von der Fertigstellung des Baues von der Uebertragungsgebühr befreit sind. Handelt es sich um Siedlungshäuschen für Arbeitslose nach Artikel VI, so gilt eine zehnjährige Frist. Vie Propagierung des Fremdenverkehrs Presse-Empfang beim Handelsminister Gestern fand im Handelsministerium em Empfang der Pressevertreter statt, bei welchem Handelsminister I. B. N a j m a n sich über die aktuellen Probleme der Fremdenverkehrsförderung äußerte. Minister Najman betonte eingangs die hohe Bedeutung des Fremdenverkehrs für die Zahlungsbilanz des Staates und wies darauf hin, daß eine zweckmäßige staatliche Organisierung unserer Fremdenpropaganda eine dringende Notwendigkeit sei. Mit der staatlichen Initiative müsse di« Entfaltung der privaten Hand in Hand geben Beiden Erfordernissen suche die eingebrachte Novell« des.Gesetzesüber denFremden- verkehr"' Rechnung zu tragen. Auf dem Gebiet der privaten Fremdenverkehrsförderung erachtet Minister Najman die Schaffung von Zwangsverbänden der Fremdenverkehrsinteressenten für unerläßlich. Als beratendes Kollegium der staatlichen FremdenverkehrSstelle soll eine.Fremdenverkehrszentral«" unter Beiziehung der Privatintereffenten geschaffen werden. Die Werbung im Ausland soll weiterhin das Handelsministerium besorgen, als dessen Organ die»Tschechoslowakische Informationszentrale fürFrem- denverkehr" fungiert, unter Angliederung eines beratenden Kollegiums, nämlich des„Reichs- propagandaauSschuss e s für Fremdenverkehr". Das Handelsministerium verfolge aber auch das Interesse des Fremdenverkehrs bei Abschluß von Handelsverträgen. In diesem Zusammenhang äußerte sich Minister Najman recht optimistisch über die Fremden- verkehrsabmachungen mit Österreich, Deutschland und Ungarn und über die analogen Vereinbarungen mit den Staaten der Kleinen Entente. Für Zwecke der Fremdenverkehrspropaganda stehen derzeit leider bloß drei Millionen Kd zur Verfügung, über deren Verwendung Minister Najman im einzelnen Aufschluß gab. Die Propaganda solle sich auf die verschiedensten Gebiete erstrecken. Neben historischen und lokalen Denkwürdigkeiten und Kuriosa(u. a. Höritzer Passionsspiele) müsse auch unsere MowrismuS und andere zeiige» mäße Attraktionen diesem Ziel dienen. Dabei müsse natürlich der inner st aatlichen touristischen und Wanderpropaganda besondere Aufmerksmakeit geschenkt werden. » Den Pressevertretern wurden Proben von Propagandabroschüren(in acht Sprachen) zur Verfügung gestellt. Was die deutsche(Titel: „Die Cechoslovakei— ein Park Europas") betrifft, kann leider jeder objektive Beurteiler nur einen absoluten Mangel an Verständnis für die Psyche deS zu gewinnenden Publikums feftstellen. Was nützen die schönsten Bildbeilagen, wenn sie von einem Text begleitet sind, der als unbehilfliche Uebersetzung jedem deutschen Sprachgefühl absolut zuwiderläuft. Merkwürdigerweise spricht übrigens dieser für Ausländer bestimmte Prospekt ausschließlich vom„Klub Lsl. Turistü", der als einzig angeführter Touristenverband„verschiedene Vorteile" vermitteln könne! rb. Die tschechischen Faschisten untereinander. Innerhalb der tschechischen Faschistengemeinde ist eS zu erbitterten Auseinandersetzungen der„Führer" gekommen. In dem Organ der gegen Gajda gebildeten Opposition„Reflektor" heißt eS:„Auf parlamentarischem Boden hat Gajda mit seinem ganzen unbedachten Humbug einen katastrophalen Bankrott erlitten. Niemand hat gehört, daß von den sechs Leuten der Reinigungskampagne(Anm. d. Red.: Gemeint find offenbar die sechs faschistischen Abgeordneten) einer so gesprochen hätte, um sich wenigstens scheinbar dem zu nähern, worauf während der Wahlagitation 160.000 Bürger eingefangen wurden. Gajda selbst erlitt ideell im Parlament Schiffbruch auf der ganzen Linie. Er hat keine Ahnung, geschweige denn Initiative in bezug auf die Neuordnung der menschlichen Gesellschaft". Neuernennungen im Landesschulrat. Schon vor längerer Zeit hat der Vertreter der Lehrerschaft in der deutschen Sektion des Landesschulrates Direkwr Pohl(Reichenberg) sein Mandat niedergelegt. Nun hat auch der Vertreter der Mittelschullehrer Direkwr Nllsperger auf sein Mandat verzichtet. Für die Lehrerschaft an Volks- und Bürgerschulen wurde nun der Direkwr der Bürgerschule in Podersam Johann S p a tz a l, für die Mittrlschullehrer der Direktor des deutschen Staatsgymnasiums in Prag lk, Dr. Adalbert Steiner ernannt. fudeiendeuisther Zeitspicgel Und hier die Göttin der Gerechtigkeit— sie schielt nur nach rechts! Uebrrfaü auf einen Genossen. In der Nacht zum Dienstag wurde Genosse Rudolf KoLinek auf dem Wege zu seiner etwas außerhalb des Dorfes Welhotta liegenden Wohnung von Unbekannten überfallen. Nachdem man ihm Pfeffer in die Augen gestreut hatte, wurde er mit einem starken Prügel bearbeitet und dabei ernstlich verletzt. Ein Messerstich ging insoferne fehl, als er bloß den Rock beschädigte. Man vermutet, daß politische Gegner den Ueberfall ausführten. Die Kollektivverträge der Straßenarbeiter und das Land Böhmen. Genosse Novh machte in der Dienswg-Sitzung der Landesvertretung darauf aufmerksam, daß das Landesamt— und zwar die Abteilung 42 A— in einigen Erlässen, zuletzt am 18. September 1935, die technischen Abteilungen der Bezirke beauftragt hat, die Einhaltung der Kollektivverträge strengstens zu überwachen, wobei als giltig für Straßenar- beiten der Kollektivvertrag bezeichnet wird, welcher zwischen den„Verband der Zivilingenieure- Arbeitgeber" und einem kleinen Arbeitnehmerverband abgeschlossen wurde. Die Arbeiter, welche durch die ungünstigeren Lohnsätze dieses Vectra« ges. geschädigt werden, sind gezwungen, sich an die Arbeitsgerichte zu wenden, da die Landesbehörde ren Verträge anscheinend einfach nicht zur Kenntnis genommen haben. Zweierlei Maß. In Dienstangelegenheiten von Gemeinde« und Bezirksangestellten hat sich in der Abteilung 2 der Landesbehörde die Praxis eingebürgert, daß Kürzungen der Anwärtefrist nur in den dringendsten Fällen und ausnahmsweise genehmigt werden, wenn nämlich die Unentbehrlichkeit des betreffenden Bediensteten nachgewiesen ist. Auch wird hiebei in Betracht gezogen, ob der Bedienstete im Jahre 1926 schon definitiv war oder nicht. Genosse Dr. Hahn machte in der Landesvertretung darauf aufmerksam, daß das Land Böhmen in entsprechenden Fällen Landesangestellte mit mehr Wohlwollen behandelt und verlangte, daß den Gemeinde- und Bezirksangestellten gegenüber dasselbe Entgegenkommen gezeigt werde. kln stürmisches Vorspiel das im Spielplan nicht vorgesehen war, gab es am Dienstag im Reichenberger Stadttheater. Wie das seit einigen Tagen Gebrauch geworden war, hielt vor Beginn der Vorstellung der Dramaturg D i m t e r eine Ansprache, in der er aufforderte» das Theater durch Zeichnung von j Abonnements zu fördern. Der Schluß dieser Ansprache war eine scharfe Polemik gegen ein an diesem Tage im Abendblatt der„Reichenberger Zeitung" veröffentlichtes„Eingesendet", dessen Verfasser, hinter dem Nom de guerre„Kornelius" verborgen, der Meinung Ausdruck gibt, das Theater habe, da man sich an die Bequemlichkeit des Kino-Besuches gewöhnt habe, eigentlich für die Bürgerschaft kein Interesse mehr. Zugkraft hätten nur noch pikante Stücke. Im Kino könne man mehr kulturfördernde, belehrende Stücke sehen als im Theater. In dieser Notzeit tue man Unrecht, das Heater als Vergnügungsstätte, die bloß eine Minderheit nicht missen will, durch Steuergelder zu erhalten. Man verwende das Geld lieber für die Arbeitslosen. Gegen diese Anschauungen wandte sich Herr Dimter unter lebhafter Zustimmung des Publikums. Wer im Theater war, billigte völlig die heftige Polemik gegen dieses für die kulturelle Entwicklung eines Teiles des sudetendeutschen Bürgertums so charakteristische„Eingesendet". Aber jenes Bürger- und Kleinbürgertum, dem „Kornelius" aus dem Herzen gesprochen hat, war nicht im Theater und geht für gewöhnlich nicht ins Theater. Es ist«ine ziemlich allgemeine Erscheinung: das sudetendeutsche Bürgertum ist theatermüde. Nicht erst seit kurzem! Es will sich nicht mit Problemen quälen,— es hat ja drübe-- und herüben je einen Führer, der die Verantwortung des Denkens abgenommen hat. Es will auch nicht„erhoben" sein. Nicht durch Worte der großen Dichter. Es läßt sich lieber durch banalere, aber klangvollere Worte„erheben". Na, und nur zur Unterhaltung ins Theater gehen? Da kommt wieder das Kino billiger. Außerdem aber wirft sich in Reichenbcrg eine sehr planvoll betriebene Flüsterpropaganda gegen das ZHeater aus. Man will keine jüdischen Künstler. Lieber schlechte Schauspieler, die man sich ja schließlich auch nicht anzusehen und anzuhören braucht, als unter den guten ein paar jüdische. Es kommt weniger auf die Kunst, als auf die völkische Gesinnung an. Ja, bei solcher Einstellung wird zwar aller Wahrschein- lichkeit nach das sudetenHeotsche.IHeater schließlich doch zugrunde gerichtet werden, aber•—„wir sind gut deutsch"! Zentralgewerkschaftskommission det Deutschen Gewerkschafttbundes Am Montag, den 16. März, hielt die Zen- tralgewerkschaftskommiffion des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Reichenberg eine Vollsitzung ab. Sie beschäftigte sich zuerst mit den Vorarbeiten zum heurigen Gewerkschaftskongreß, der am 23. Mai begonnen und bis zum 26. Mai tagen wird. Er findet in Reichenberg statt. Ueber die ! Tagesordnung herrschte volle Üebereinstimmung. Auf ihr befinden sich die Fragen der Sozialpolitik und der Wirtschaft, dann„Gewerkschaften und Demokratie" und selbstverständlich die Berichte l über die Arbeiten des Deutschen Gewerkschaftsbundes seit dem Gewerkschaftskongreß vom Jahre 1932.— Dann befaßte sich die Sitzung mit den Fragen der Zwangssyndizierung einzelner Industrien. Mehrere Verbandsvertreter berichteten eingehend über die bisher in dieser Sache durchgeführten Verhandlungen und über deren Stand, dann lagen Richtlinien vor, wie sich die Gewerkschaften die Mitarbeit in den Syndizierungskörperschaften der einzelnen Industrien vorstellen. Darüber erhalten die angeschloffenen Verbände durch Rundschreiben eingehende Informationen. bas Risiko des Bergarbeiters Im„Glück auf"(Teplitz-Schönau) berichtet Jng. Wenzel Kohlitek über Unfälle im Bergbau. Danach weist die traurige Statistik der tödlichen Unfälle in den tschechoslowakischen Bergwerken im Jahre 1935 insgesamt 64 Fäll« aus. DaS ist die niedrigste Zahl seit dem Jahre 1919 — wobei man allerdings berücksichtigen muß, daß die Zahl der beschäftigten Bergarbeiter Jahr für Jahr zurückgeht. Von der vorläufig erhobenen Anzahl der tödlichen llüfälle in den der Aussicht der Bergbehörden untergestellten Werken entfallen im Jahre 1935 auf Unfälle untertags 53 Fälle und auf solche obertags 11 Fälle. Von allen Unfällen mit tödlichem AuSgang kam es zu 26 Unfällen in den Steinkohlengruben, zu 87 Unfällen in den Braunkohlengruben und bei der Gewinnung anderer vorbehaltener Mineralien zu einem Unfall. Der unglücklichste Monat war der Oktober, I in welchem es 17 tödliche Unfälle gab. In diesem I Monat kam es zum Grubenunglück auf dem | Schachte„Proko p" in Soborten bei Teplitz, I wo infolge eines Durchbruches glühender Kohlenmassen aus der Decke sechs Bergarbeiter das Leben eingebüßt haben. In diesem Schachte wurden, wie erhoben, nicht einmal die primitivsten l Schutzvorkehrungen getroffen. Eine wesentliche, i Senkung der tödlichen Unfälle im Jahre 1935 verzeichnet das OstrauerRevier, wo sich I im vergangenen Jahre 13 Unfälle ereigneten. Du Durchschnittszahl im Ostrauer Kohlenbecken vom ! Jahre 1919 bis zum Jahre 1934 beträgt 51. Die Sicherheit des Arbeiters soll stets die allererste Forderung sein und deshalb ist ihre notwendigste Bedingung gleich nach den Sicherheitseinrichtungen auch die eigene Vorsicht. Es ist sicher bekannt, daß sich im Bergbau die Arbeitsstätte und die Arbeitsverhältnisse in ihr fortwährend ändern und schon deshalb müssen die Sicherheitsvorschriften st r e n g ein gehalten werden. Es ist auch eine bekannte Erfahrung der alten Berg- arbeiter, daß zur Erlangung der Sicherheit noch die Erfüllung einer anderen Forderung notwendig ist, und zwar eine gründliche Unterweisung in allen Arbeitsmethoden, damit der Bergarbeiter auch in dieser Himicht in den schweren unterirdischen Arbeitsverhältniffen nicht bedroht ist. Es wird auch weiter auf die einseitige Rationalisierung durch die Hebung der Leistung geklagt» weiter auf die Nichteinhaltung der bestehenden Sicherheitsvorschriften und die dadurch entstandene Bedrohung der Belegschaft. Das sind Forderungen, die die Berginspektion als Eingebinde bekam, und die Statistik des ersten Jahres Pressebörlchtigung des Artikels„Reichsdeutsche Waffen bei SdP- Leuten?", welcher in der Folge vom 28. Feber 1936 erschienen ist: Es ist nicht wahr, daß die Mehrzahl jener Personen in Huttendorf, bei denen Waffen und Munition gefunden wurde, Angehörige der Henleinpartei sind. Wahr ist vielmehr, daß keine der Personen, bei denen Waffen und Munition gefunden wurde, Angehöriger der Henleinpartei ist. Konrad Henlein. Die Meldung, auf die sich die obenstehende Berichtigung bezieht— wir haben sie dem „Vekernik Präva Lidu" entnommen— ist insofern bereits dementiert worden, als bei den Nachforschungen nach gepaschtem Sacharin bei Huttendorf(unweit Starkcnbach) überhaupt keine Waffen gefunden wurden. Danach hat also die Berichtigung des Herrn-Henlein jeden Sinn verloren. „Eindeutig sozial“ In Graslitz betreibt, wie der„Volkswille" berichtet, Herr Theodor P sch er er, als Unternehmer und ein auf die Zukunft seines Volkes fest vertrauender Kamerad strammer Hen- lcinman», die Erzeugung von Gardinen, Spitzen, Bettdecken, Stores usw. Das Material müssen die ! Arbeiterinnen bezahlen, es wird ihnen vom Arbeitslohn abgezogen. Wenn eine Heimarbeiterin ! sehr tüchtig ist, kann sie in vierundzwanzig Stunden eine Doppelbettdecke fertigbringen. Dann bleiben ihr, nach Abzug der Materialkosten, etwa zehn Kronen als Löhn. Wenn sie in abermals vierundzwanzig Stunden zwei Stores ferttgstellt, ist sie fleißig. Und dann verdient sie nochmals zehn Kronen! Eine vom„Bolkswille" veröffentlichte Wochenabrechnung mit einer Arbeiterin des Herrn Pscherer sagt: 1 Doppelbettdecke... XL 18.— 2 Stores ä XL 7.50.. XL 15.— _XL 33.— ab"XL 13.— Auszahlung.... XL 20.— Die Volksgenossin Arbeiterin hat also bei achtundvierzigstündiger keineswegs leichter Arbeit 20(zwanzig!) Kronen verdient! Wie lautete Konrad Henleins Botschaft an die„Amtswalter" der Standesgruppe„Arbeitnehmer"? Also: „Der Unternehmer, der nicht eindeutig sozial ist, darf nicht Mitglied der Volksgemeinschaft bleiben." WaSisteindeutig sozial? Wenn den Volksgenossen Arbeitern die Möglichkeit gegeben wird, in achtundvierzig Stunden zwanzig Kronen zu verdienen.— Der neue Sender— in der LobosKz-Melnlker Gegend Wie„Eeskk Slovo" meldet, wurden im Postministerium die vorbereitenden Arbeiten für die Errichtung eines neuen Senders für Nordböhmcn soweit beendet, daß die definitive Entscheidung zwischen einem Ort bei Lobositz und einem Ort in der Melniker Gegend getroffen werden kann. Der Bau der Station wird eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen. Der Beschluß der Regierung, einen Sender für das nordböhmische Gebiet zu errichten, liegt mehr als vier Jahre zurück. Daß er jetzt endlich in die Tat umgesetzt wird, ist trotzdem nicht weniger zu begrüßen, denn inzwischen hat die Entwick lung der politischen Verhältnisse einen deutschen Sender noch notwendiger gemacht. Sozialdemokratische Riesenversammlungen In Ungarn Budapest.(E. B.) Seit Monaten wurden im ganzen Lande unter den nichtigsten Borwänden di« Bersammlungen der Partei verboten. Für den 15. März— Gedenktag der nationalen Revolution des Jahres 1848— mußte die Polizei sogar die Versammlungen der Sozialdemokraten zulaffen. Rach polizeilicher Schätzung waren in Budapest, im Tattersal mindestens 25.000 Teilnehmer anwesend. Es sprachen die Genossen Abgeordneten Buchinger, Peyer» Kkthly und Farkas. Die mutigen, gegen den Faschis- m u s gerichteten, und den Frieden fordernden Referate wurden von der Menge mit ungeheurer Begeisterung ausgenommen. Auch in der Provinz waren die Versammlungen überwältigend. Seit dem Sieg der Konterrevolutto» konnte die ungarische Partei niemals so einen Massenbesuch der Bersammlungen verzeichnen. Der Massenaufmarsch und die Begeisterung der Teilnehmer hinterließen auch bei den Gegnern einen tiefen Eindruck. Schlacht an der Nordfront AddisAbsba. Nach sicheren Nachrichten entwickeln sich an der Nordfront auf der ganzen Linie Alsum— Adua— Trmbien-Grbiet bis dicht vor Makale schwere Kämpf«, an denen die Armee Ras Kassas Hervorragend beteiligt sein soll. Gibraltar. Bei einer UebungsfaHrt des Torpedobootzerstörers„W st c o t i" ereignete sich ar Bord des Schiffes eine Explosion. Ein Matrose wurde getötet, acht erlitten schwere Verbrennungen und mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Seite 4 Nr. 67 Donnerstag, 19. März 1936 gaben und des Heckes der nationalsoziallslischen i schnitten. 92.505, 33.883, 74.454, 74.289, t 66.908, 17.040, 31.756, 4758, 95.331, 76.212, 22.606, 83.077, 68.225. Veniselos ist tot Ein Geist der Unruhe erloschen Paris.(Reuter.) Der griechische Staatsmann Veniselos ist am 18. März gestorben. Sportgrößen einzelner Länder faum^öämpfen wird, auf die weitesten ausländischen Sportlerkreise sollte dieser Geist doch ernüchternd wirken und zwischen den Olympischen Spielen d e n Entschluß reifen lassen, diese größenwahnsinnigen. Hetz er eines krankhaften Ratio n a I I smus bei der Olympiade allein zu lassen. 5035, Kö 5000 die Lose Nr. 23,723, 6255, 5650, 87.912, 25.126, 14.424, 79.740, 47.347, 90.309, 8378, 65.979, 95.412, 31.682, 61.843, 30.395. Ki 2000 die 49.127, 45.772, 46.885, 58.117, 78.285, Lose Nr. 89.812, 55.312, 1625, 61.027, 229, 18.776, 97, 1027, 36.524, 41.527, 106.869, 22.107, 59.636, 99.686, 78.631, 75.265, 106.432, anzuraten. Auch find Reisen in die Beskiden, Altvatergebirge, Tatra,- Riesengebirge, Böhmerwald, Erzgebirge, der Besuch des Bäder-Dreiecks— Karlsbad, Franzens bad, Macienbad—, ferner der Stadt Prag und deren Sehenswürdigkeiten u. a. m. vorgesehen, endlich Exkursionen in die Zliner Baka- Werke urü> andere Industrien.— Ausführliches Reiseprogramm wird noch zur Ausgabe gebracht. Anfragen und Anmeldungen durch die Ortsgruppen, Gaue und durch die Geschäftsstelle des Touristenvereines„Die Naturfreunde" Auffig, a. E., Marktplatz Nr. 11.— Vom 5. bis 18. Juli Urlaubsge- sellschaftsttise in die Schweiz. Diese Reise wird von der Ortsgruppe Reichenberg in modernen und bequemen Autokars geführt. Teilnehmerpreis einschließlich Verpflegung und Unterkunft für Mitglieder Xi 2100. Richtmitglieder XL 50.— mehr. Verlanget Sonderprospekte durch die Geschäftsstelle. Der Postverkehr an den Ostrrfeiertagen. Samstag, den 11. April 1936, enden die Amtsstunden für defi Parteienverkehr im Postdienste sowie auch riehunz cter Klassenlotterle Unverbindlich. Prag. Bei der Mittwoch-Ziehung der JV. Klasse der 35. tschechoslowakische'. Klassenlotterie wurden nachstehende Gewinste gezogen: 150.000 Los Nr. 41.375 80.000 Los Nr. 92.355 20.000 Los Nr. 90.562 10.000 Le Lose Nr. 60.531, 278, 25.022, 76.684. „Zwischen den Olympischen Spielen** Kürzlich hat das Außenpolitische Amt der Hitlerpartei die Diplomatie und die Vertreter der ausländischen Presse empfangen, um ihnen *! einen Vortrag des Rcichssportführers Herr von Tschammer und Osten halten zu lassen. Um das Eleutherios Veniselos wurde am 23. August 1864 in Murniaes bei Kanea auf Kreta, geboren Nach Absolvierung der Studien an der juridischen Fakultät der Athener Universität ließ er sich als Rechtsanwalt auf Kreta nieder und schloß sich im Jahre 1887 aktiv der antitürkischen kretischen Be wegung mi, die auf einen Anschluß der Insel an Griechenland hinzielte. Nach dem.-Aufstande in den Jahren 1897 bis 1898 übertrugen die vier Grotz- niächte am 14. November 1898 dem Prinzen Georg von Griechenland als ihren Kommifiär die Ver waltung Kretas unter ihrem militärischen Schutz. Veniselos wurde Direktor der Justiz, jedoch im Jahre 1901 seines Amtes enthoben. Er trat darauf- > hin an die Spitze der oppositionellen National partei und stand im Jahre 1905 im Mittelpunkte eines kurzen Aufstandes. Als Kreta im Jahre 1908 Griechenland angegliedert wurde, blieb Veniselos weiter auf Kreta und bildete wiederholt die Regie rung. Im Jahre 1910 stellte er seine Kandidatur für das griechische Parlament in Athen auf und verlegte seine politische Tätigkeit auf das griechi sche Festland. An der Bildung des Balkanbundes und der Entstehung des Balkankrieges hatte er starken An teil. Während des Weltkrieges betrieb er den Bei tritt Griechenlands Mr Entente, wodurch er in. scharfen Gegensatz zu dem deutschfreundlichen König noch immer in zahlreichen Ländern vorhandene Konstantin geriet. Mit Hilfe französischer Truppen| 9' stürzte er 1917 den König und führte Griechenland in den Krieg. Auf der Friedenskonferenz war er einer der gefährlichsten Drahtzieher und Intrigan ten. Durch die Besetzung von Smyrna und eines Teiles Kleinafiens st Ärzte er Griechen land in einen langwierigen Krieg gegen d i e T ü r k e i, der mit dem großen Siege Kemal Paschas über das griechische Heer und mit dem neuerlichen Sturz des 1920 zurückgekehrten König Konstantin endete. Veniselos wär nach der Rückkehr des Königs ins Ausland gegangen und hat es bis in die jüngste Zeit verstanden, die Schuld an dem Kriege und der blutigen Niederlage von sich abzu wälzen und der Krone aufzubürden. In den letzten anderthalb Jahrzehnten seines Lebens war Veniselos abwechselnd Ministeprä- sident, Verbannter, Angeklag ter, Diktator, das Ziel oder der Anstifter von Attentaten, Putschen. Aufständen. In der äußeren Politik hielt er sich eng an Muffolini. Seine letzte große Unternehmung war der blutige Aufstand von 1935. Obwohl er ihn verlor und in contu maciam zum Tode verurteilt wurde, hat seine Par tei nach der Rückkehr des Königs und der Wieder herstellung legaler Verhältnisse doch einen großen Wahlsieg errmigen. > Der Biograph, der einmal Leben und Taten des Eleutherios Veniselos beschreiben wird, braucht sich über Mangel an dramatischem Stoff nicht beklagen. Der Zweiundsiebzigjährige be schloß ein Leben, das reich an Erfolgen, Sensa tionen und Fehlschlägen war. Dabei vermöchte heute schwer jemand zu sagen, ob hinter dem Treiben dieses Mannes eine, große und reine Ueberzeugung stand oder nur verzehrender Ehr geiz, Gewinnsucht und Abenteurerin st oder nichts als ein ewig unruhiger Geist, der Kampf und Intrigen um ihrer selbst willen liebte. Er war auf jeden Fall ein unheim licher Gast auf diesem Planeten, feine Spur in fünf Jahrzehnten ist mit Blut gezeichnet und, wohin er kam, brachte er den Brandgeruch des Berufsverschwörers mit, der mit Menschen leben und Völkerschicksalen hasardierte. Wie die meisten seiner Art ist er, der so viele Menschen ins Grab brachte, im Bett gestorben. Viele Ku geln waren näch ihm gezielt, keine hat ihn erreicht. Vom Rundfunk lawltlilaMwtrtei aus den ProanmaMi Freitag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Prefie, 10.30: Schulfunk, 11: Schallplatten: Grieg, 12.35: Orche- fierkonzcrt, 13.30: Arbeitsmarkt, 13.40: Schallplatten, 17.10: Konzert des Prager Quartetts, 18.10: Deutsche Sendung: Funkhörkasten, 18.15: Zum Tag des Buches mn 22. März, 18.35: Arbeite rsendung: Aktuelle zehn Minuten, 22.20: Schall- jäpin sing: russische Lieder. Sender S: 7.30: Sa- lonorchesterkonzerr 14.15: Deutsche Sendung: llrzidil: Goethes Landschaftszeichnungen aus Böh- nien, 14.30: Prof. Frisch: Das Hören der Fische, 14.50: Deutsche Presse.— Brünn 15: Rundfunkorchesterkonzert, 16.55: Russische Lieder, 17.40: Deutsche Sendung:„Vattetk", Hörspiel.— Mähr.» Qftra«-18.10: Deutsche Sendung: Nobelpreis für Physik,'— Lieder und Chansons, 19.20: Volkskon- zerr.— Kascha» 16.10: Leichte Musik. Der Turner und Grippe in Finnland. Helsingfors ist von einer plötzlich auftretenden Grippe-Epidemie heimgesucht. Man kann ohne Uebertreibung behaupten, daß fast die Hälfte der Bevölkerung der Stadt im Bette krank darniederliegt. Die Epidemie dürfte auf dem raschen Witterungswechsel ihren Nährboden gefunden haben. Die meiste». Schulen haben geschlossen und die Krankenhäuser sind überfüllt. Die Straßenbahn muß ohne Anhänger verkehren, da mehrere hundert Schaffner erkrankt find. Glücklicher Weise find die meisten Grippefälle leichterer Natur. s Kampf mit Wilderern. Der Zollwachbeamte .| Franz Theischinger der Zollwachabteilung Weiget- Sportfchulung auch die Begeistenmg der ,mehr> Mag stieß auf einem Patrouillengange auf eine oder weniger vom faschistischen Geist infizierten- Gruppe von fünf Wilderern. Es entspann sich zwi« -- scheu dem Zollorgan und den fünf Wilderern ein Kugelwechsel, durch welchen Theischinger durch eine Schrotladung schwer verletzt wurde. Die Wilderer flüchteten aus tschechofiowakisches Gebiet. Am Volant eingeschlafen Der pensionierte Rechnungsrat Viktor Eder aus Wien schlief am Volant seines Autos ein und fuhr bei Neumarkt an der Abbs gegen einen Baum. Der Wagen fing Feuer und die Frau Eders» die im Innern des Autos saß, verbrannte. Eder trug ernstliche Verbrennungen davon. Sterilisiert. Der Arbeiter Rolle in Dresden, der sterilisiert worden war, erhängte sich drei Tage nach der Operation. Vorher hatte er zu Bekannten geäußert, daß er bei der Sterilisation maßlos geschunden worden sei. Der Krönungsornat König Eduards VIII. Obwohl feststeht, daß die Krönung Eduards VIII. erst in einem Jahre stattfinden wird, werden heute bereits in Baintree in Essex die Samte und Seiden | für diesen feierlichen Akt gewoben. Man arbeitet s augenblicklich am Krönungsmantel Eduards VIII. I und an den Prunkkostümen seines Gefolges. Der i Herzog von Norfolk, Grobzeremonienmeister des englischen Hofes, ist mit der Prüfung der Stoffentwürfe und der Muster beschäftigt, keine geringe Arbeit, wenn man die tausendfachen Traditionen des englischen Hoflebens berücksichtigt. Die Samte werden im Durchschnitt 1700 Franc pro Meter kosten. Die Seiden, soweit sie goldgestickt sind, werden über 5000 Franc pro Meter kosten. Zur Herstellung eines Meters brauchen die wenigen verfügbaren Spezialarbeiter nicht weniger als eine Woche. Für jeden | Fall aber stellen auch die Vorbereitungen zur Krö- nuyg Eduards VIII. einen Beitrag zum Kapitel „Arbeitsbeschaffung" dar. Im August mit den Naturfreunden nach Brün». Anläßlich der 13. Hauptversammlung der Natur- freunde-Jnternationale(7. bis 16. Argust) veranstaltet der Touristenverein„Die Naturfreunde", Sitz Auffig, ein gesamrstaatliches Naturfreunde-Treffen in B r ü n n mit anschließende» Vereinsreisen in der Tschechostowakei. Für die Teilnehmer und Gäste an der Hauptversammlung finden täglich Führungen durch die Stadt und deren Umgebung statt.' Gleichzeitig findet eine gesamtstaatliche Wanderausstellung der Lichtbildner dieses Vereines statt. Den i mährischen Karst(Macocha), dieses großartige Front in ein Etappcnlazarett versetzt, damit der, Naturwunder zu besuchen- ist I-dem Naturfieunde Barer wenigstens einen seiner Söhne noch behalte und, wie amtlich erklärt wurde,„eine so edle Familie nicht ganz ausgerottet" werde. Das war aber nicht im Sinne des Dritten Reiches. Dr. A. hatte wegen Alters seine Praxis aufgegeben, sein jüngster und nun einziger Sohn war Krankenkassenarzt. Das Dritte Reich entzog ihm diese Praxis, weil er„nicht an der Front" gewesen sei. Wären nicht seine beiden Brüder, sondern sein Vater gefallen, so hätte er weiter Kassenarzt sein können, so aper nicht. Wovon sollte die Familie leben? Privatpraxis war kaum zu erlangen. So bat der Vater mit dem Eisernen Kreuz um seine eigene Wiederzulaffung zur Kaffenpraxis. Dies wurde mit der B e g r ü n d u n g abgelehnt, daß ihn. seine Kriegsverletzungen zu dieser Arbeit unfähig machten. Einige 1 Tage darauf brachte sich der alte Rann um.(hu.) Das Hochwasser in Pennsylvanien hat katastrophale Ausmaße angenommen. Das gesanttc Hilfspersonal des Roten Kreuzes in New York wurde mobilisiert. A”'•*—■ fcaS Wasser bereits vier Meter hoch und steig»' fünT3entimetet pro Stunde. Die Rettungsmann- schaften wurden in die bedrohten Gebiete entsandt, die sich längs der kanadischen Grenze-bis nach Nord-Karolina ziehen, wo die Flüsse gleichfalls über die Ufer getreten sind. Heber 100 Personen wurden entweder einzeln oder gruppenweise durch das Hochwasser von der übrigen Welt abge- Aus dem„Nelson". Nach vierwöchiger harter Arbeit im Fallort-Reviere. des Jielfon« Schachtes ist die Abbaufront erreicht tvorden. An dem Orte wurden fünf Tote gefunden,,die heute geborgen wurden und morgen werden beerdigt werden. Die Häuer Anton I u n e k und Milo- slav H o l e c e k lagen an ihrem Arbeitsorte. Ihr Tod muß sofort eingetreten sein, denn sie hielten noch ihre Arbeitsgeräte in, Öen öötiben. Dje Grubemnaurer Franz M a n e k und Anton P o v a lagen im Verbruch begraben. Ms fünfter wurde in der Nähe der Feuer.vächter Anton Milde aufgefunden. Die neugewältigte Strecke ist nur etwa 200 Meter lang, steigt jedoch stark an und ist sehr niedrig; auch weist sie hohe Temperaturen auf, so daß die Arbctten nur sehr langsam vonstatten gingen. Aus einem Kulturstaat. H.-N. Brailsford stellt im„Daily Herald" eine Anzahl genau verbürgter Fälle zusammen,■ die auf§, neue die Praxis jenes Staates zeigen, dessen Führer unausgesetzt Gleichberechtigung mit Kulturländern fordert, aber sie der Sowjet-Union entziehen will. Brailsford berichtet u. a. den Fall eines jüdischen Arztes in einer deutschen Stadt, in der er schon lange praktiziert. Er hat anfangs 1935 einen„arischen" Kranken, der in umnittelbarer Lebensgefahr schwebte, durch Transfusion seines eigenen Blutes vom Tode errettet, wie er das früher schon auch in anderen Fällen getan hatte. Die Staatsgewalt erfuhr davon und der hilfsbereite Arzt hatte darauf sieben Monate im Konzentrationslager zu verbringen. Ein anderer Fall betrifft den jüdischen Dr. A. Er war im Felde und erhielt für seine Verwundungen das Eiserne Kreuz. Zwei seiner Söhne fielen als deuffche Soldaten. Der dritte, gleichfalls Arzt, wurde darauf von seinem Kommandanten aus der , Mißtrauen und die Ablehnung des Mißbrauches der Olympiade für die Propaganda des Hitler- faschismus zu zerstreuen, mußte der Reichssportführer versichern, daß es eine absurde Behaup- tung sei, zu sagen, der Sport diene in Deutsch, land der Vorbereitung zum Kriege. Er betreibe vielmehr nur die. Freundschaft der Völker usw. Gleichzeitig wird gerade jetzt„zwischen den Olympischen Spielen" in den deutschen Sportkreisen eine offizielle Schrift verbreitet ,die Ende 1935 im Wilhelm Linipert Verlag Berlin erschienen ist und den Beauftragten des Reichs- sportführcrs, den„Rcichsdietwart" Kurt Münch zum Verfasser hat. Ihr Tüel heißt:„Deut sch- land künde über Volk, Staat und Leibesübungen". Gleich im Vorwort wird der„Herr Reichssportführer" anders vorgestellt, als er sich selbst vor den Vertretern des Auslandes gibt. Es ist da zu lesen:„Glaube nur ja niemand, daß es der Reichssportführer bei einer„Gleichschaltung" der Vereine, bei einem äußeren Bekennen zum Führer und bei der all- gemeinen Änerkennung des Nationalsozialisten von Tschammer-Osten als Reichssportführer bewenden ließe. Nein, der Reichssportführcr ist viel zu sehr aus dem innersten Herzen heraus Natio- nalsozialist, so daß er s e i n e n i h ni v o m Führer erteiltenAuftrag bis zum l e tz t e n a u s f ü h r t."- Wie der Auftrag des Führers lautet und welches der Geist ist, in dem er ausgeführt wird, darüber gibt die„Deutschlandkunde" Aufschluß. Wir zitieren: ,„Tie Anlsit unserer Zeit vor Ehaubinismus ist das Zeichen ihrer Jinpvteiiz... Aufrichtung eines nach allen- Seiten unabhängige»» und alle Deutschen MtteleuropaS«»nfaffrnden Staates auf arischer Grundlage(als Forderung der' Sport- lerl). Die Triebfeder alles gcgenwärttgen Völlergeschehens sind die Bestrebungen, ein gesamtes Volkstum in einem Staat zu vereinigen... Ter unversiegbare Haß, besonders Frankreichs, zeigt uns, daß" diese von außen her unüberwindliche Riesenkraft unseres Bolksrums ein wirklich noch Vorhandenes ist.■.. Es gibt nunmehr nur noch ein Deutsches Reich... Und so ist es eine Lehre, die uns der Krieg brachte, daß wir Deuffche nur wir selbst sein brauchen und augenblicklich werden sie(gemeint sind die anderen Völler) wieder zu Zwergen, diesieimmerwaren... Auch von Slaven und südlichen romanischen Völkern muß gewarnt werden. Tenn diese haben viel semitisches«nd viel Regerblltt in sich, jene viel mongolisches. Doch der Name Erbfeind gebührt vor allem den Fran-j zosen..Spbrt ist nur„eine Probe für den Ernsffall, er ist Mittel zum Zweck.:." Insbesondere der Wandersport hat all das hervorgerufen, was der wehrhafte Mann im Kriege braucht Die Krönung"finden alle Leibesübungen in der praktischen Anwendbarkeit. Spöttler muß das, was er gelernt hat, im Ernstfall auch anwenden können." Wenn diese offene Teklarienmg der Auf- An zahlreichen Stellen steht Briespostzustellung um 15 Uhr. Montag, den >>---•! 13. April 1936, wird der Dienst im Post- und Telegraphen- sowie im Telephorwettehr wie an Feiettagen versehen. Wahrscheinliches Wetter Donnerstag. Im ganzen schön, Morgennebel, erhebliche Temperaturschwankung zwischen Tag und Nacht. Nur am Nordrand des Staates zeitweise etwas stätterc Be- wöllung.— Wetteraussichten für Freitag: Nament- ilich untertags weitere Erwärmung. Die„chinesische Mauer“ moderner Kriegskunst In den eroberten Landstrichen an der Nordfronthaben die italienischen Truppen einen nesigen Verteidigungswall angelegt. Gleich einer chinesischen Mauer in verkleinerter Au g z y i w der Wall in vielen Windungen durch die hügelige Landschaft des Temmeng Nr.«7 Donnerstag, 18. März 1936 Seite 5 Von Medel Gorel japanische Regierung den Interessen des „Volk ohne Raum“ Wie die Türken das Problem lösen! Die türkische Regierung beschloß, in der europäischen Türkei, wo sich zahlreiche türkische Auswanderer aus den Balkanstaaten ansässig machen, rund 100.00t) Kolonistenhäuser aus Staatsmitteln zu errichten. Außerdem werden 10.000 Pflüge» Fischereigeräte und Fischerboote an die Einwanderer verteilt werden. Skhcrhcltsdcbattc auch in ftrnost Olfener Punkt: die Mongolei Moskau.(Tsch. P. B.) Montag, den 16. März. l. A. suchte der japanische Botschafter in Moskau, Ohta, den stellvertretenden Außenköm- missar Stomonjakow auf, dem er im Auftrage der Tokioter Regierung folgende Vorschläge unterbreitete: 1. Es solle eine Kommission gebildet werden aus Vertretern der Sowjetunion und Mandschu- kuoS zwecks Redemarkierung der sowjetrussisch- mandschurischen Grenze auf dem Abschnitte vom See Chanla vis zum Tumen-Ula-Flusse(an der Kreuzung der Grenzen der Sowjetunion, Koreas und MandschukuoS). Diese Vertreter sollen ge» meinsam die laut den Verträgen festgesetzte Grenzlinie untersuchen, den Zustand der Grenzzeichen überprüfen und dort, wo es notwendig erscheine, neue zu errichten, weiters sollen zwischen den einzelnen Grenzzeichen Drahtverhau« errichtet oder Gräben ausgehoben werden. 2. Sollte die sowjetruffisch« Regierung damit einverstanden sein, an die angeführte Redemarkierung heranzutreten, ist die japanische Regierung bereit, den Vorschlag der Sowjetunion über die Bildung einer ständigen gemischten Kommission zwecks Regelung der Grenzzwischenfälle auf demselben Abschnitte der sowjetrussischmandschurischen Grenze sofort anzunehmen. Stomonjakow erklärte, daß diese Vorschläge der japanischen Regierung den Wünschen der Sowjetregierung entgegenkämen, daß er es jedoch für notwendig erachte, vorher klarzulegen, ob die Die Schöpfer des französischen Sicherheitssystems arbeit die Durchorganisierung des französischen Sicherheitssystems vollbracht. Nach Maginots Tode wurde Weygand der Vollender seiner Adern. Nach seinem Abschied wegen Erreichung der Altersgrenze übernahm er den Posten eines Administrators der Suez-Kompagnie und lebt seitdem zeitweise in Aegypten und zeitweise in Paris. In allerletzter Zeit konnte es scheinen, als ob er sich an den politischen Vorgängen stark desinteressiert hätte, aber er hat sicherlich sein letztes Wort noch nicht gesprochen. Generalissimus Gamelin. Nach dem Abschied von Weygand übernahm Gamelin den Posten des Generalstabschefs, im Jahre 1933, den er bis heute bekleidet. Er ist es, der im Falle eines Krieges der Generalissimus der französischen Armee heute werden würde. Er ist zehn Jahre jünger als Weygand und gilt als ein außergewöhnlich moderner, ja, im militärischen Sinne fast revolutionär gesinnter Oberbefehlshaber. Er ist jedenfalls einer der besten Kenner der so tiefgreifenden Wandlungen, die die letzte Entwicklung der Technik mit sich gebracht hat, und es gibt keinen Gedanken, dem er sich von vornherein verschließt. Sein« Karriere begann General Gamelin in den Kolonien, und er vertritt den Gedanken, daß die Zukunft Frankreichs im Ausbau feines KolonialSreiches liegt. Dies hat ihn jedoch nicht verhindert, der Vollender des von Maginot geschaffenen, von Weygand fortgeführten Sicherheitssystems des Mutterlandes zu werden. Politisch ist er neutral. Seine immense Arbeitskraft — man findet ihn zuweilen 18 Stunden in seinem Büro— verwendet er ausschließlich für sein« militärischen Aufgaben, die er mit wissenschaftlicher Präzision erledigt. Daladier hat das treffende Wort geprägt:„Gamelin, das ist ein Fach, der Einstein studiert hat." Dies find die drei Männer, die das Vertei- digungswerk Frankreichs schufen. Der Panzer auS Beton und Stahl aber trägt allein den Namen Maginot. Bon 1921 bis 1924 war Maginot Kriegs» Minister im Kabinett Poincark. Er war es also zur Zeit der Ruhrbesetzung. Als Poincark durch die Linke gestürzt wurde, ging auch Maginot. Aber keinen Tag hörte er auf, für seine Ideen zu kämpfen. 1929 übernahm er wiederum das Amt und 1930 hatte er endli" die Verwirklichung seines alten Traumes erreicht und die Mittel in die Hand bekommen, um Frankreich den Schutz zu geben, den es an seinen Grenzen braucht. Nur wenige Monate konnte er selbst das ungeheure Werk leiten, das da in Angriff genommen wurde, und dessen Pläne alle von ihm, und zum Teil sogar von ihm allein stammen. Er starb an einer Grippe, das Werk, das seine Schöpfung war, konnte er ruhig in andere Hände legen. General Weygand. Der Mann, der es zunächst fortfichrte, war General Weygand. Ganz anders als Maginot, der ein impulsiver Draufgänger war, ist Way- gand ein verschlossener, überlegter, kühler und schweigsamer Mann. Er arbeitet in der Stille, liebt die Künste und die Wissenschaften, ist ein ausgezeichneter Stilist und ein Schriftsteller eigener Prägung. Er kommt aus der Generalstäbskarriere, von 1918 bis 1920 war er Chef des Generalstabs von Foch. Aber 1920 zeigte Weygand, daß er keineswegs nur ein Kabinettsgeneral war, Man weiß, daß er damals nach Polen entsandt wurde, und wieviel Polen ihm bei dem Sieg über die Russen im ruffisch-polnischen Kriege verdankt. Von 1926 bis 1933 war Weygand Generalstabschef. In diesen sieben Jahren an der Spitze der Armee hat er in unermüdlicher Klein- .... j- Frie dens toi Fernen Osten Rechnung tragend, einverstanden sei, Maßnahmen zu ergreifen, daß ebensolche Kommissionen an den mongolisch-mandschurischen Grenzen geschaffen werden, da er— Stomonjakow— annehme, daß die japanischen Vorschläge unter dieser Bedingung eine wohlwollende Haltung seitens der Moskauer Regierung finden könnten. Außerdem macht« Stomonjakow den Botschafter Ohta darauf aufmerksam, daß. bei den Verhandlungen, welche zwischen den beiden Regierungen über die Schaffung von Grenzkommissionen zwecks Regelung der Grenzkonflikte geführt wurden, stets im Auge behalten wurde, daß derartige Kommissionen für die gesamte sowjetrussisch-mandschurische Grenze und nicht bloß für irgendeinen einzelnen Grenzabschnitt geschaffen werden. (MTP.) Unmittelbar nach der Zerreißung des Locarno-Paktes und gleichzeitig mit dem Einmarsch der deutschen Truppen in die demilitarisierte Zone wurden die Befestigungswerke der Maginot-Linie in Bereitschaft gesetzt. Diese Linie stellt ein zusammenhängendes System von Siche- rungsanlagen längs der französischen Grenze, von den Alpen bis nach Belgien dar und wird auf belgischem Boden durch die Devize-Linie fortgesetzt. Es ist allgemein bekannt, daß es sich um ein großartiges, nach dem Urteil aller militärischen Sachverständigen unüberwindliches Bertei- digungssystem handelt. Um so intereffanter dürfte es sein, zu erfahren, wer die Schöpfer dieser grandiosen Grenzsicherung Frankreichs waren. Andrt Maginot,„Gtant Invalide" Der eigentliche Schicksalstag der Weimarer Republik war der Wahltag des 14. September 1930, bei dem die Nationalsozialisten den ungeheuren Wahlsieg mit 107 Mandaten im Reichs» wg erhielten. Am nächsten Tage, am 18. September 1930, legte der damalige Kriegsminister Andre Maginot dem Kabinett und dem französischen Parlament den Plan zur Befestigung und zum Äüisbau eines Sicherheitssystems an der französischen Ostgrenze vor. Di« ungeheure Schnelligkeit, mit der Maginot reagierte, hat ihren Eindruck nicht verfehlt. Sie war nur ein Wesenszug seines Charakters, und er hat sich Zeit seines Lebens durch die Unmittelbarkeit und di« entschlossene Energie seiner Beschlüsse und ihrer Durchführung ausgezeichnet. Er war ein unbeugsamer Mann; man wird sogleich sehen, daß dieses Wort sein ganzes Leben beherrschte. Er wurde in der Heimatstadt PoincarkS, in Bar-Ie-Duc, geboren. Man schrieb 1871, und deutsche Truppen waren in seinem Elternhause einquartiert. Seine früheste Jugend war noch von dem Schrecken des Siebziger-Krieges beherrscht. Seine Bonne mag dem Knaben, wenn er unartig war, gedroht haben, daß ihn die deutschen Soldaten in Gefangenschaft führen würden. Der Jüngling wuchs in der Zeit der Revanche-Ideen auf. Eines der ersten Bücher, die er gelesen, waren die„Chants du Soldat" von Deroulöde, ein Aufruf zur Revanche. Man wird verstehen, daß diese Jugeirdeindrücke auch sein späteres Leben beherrschten. Furcht vor einer neuen deutschen Invasion, Liebe zu seiner Heimat und Haß gegen die Schrecken des Krieges haben sein späteres Werk bestimmt und ermöglicht. Nach ejyer kurzen Beamtenlaufbahn im Kolonialdienft wurde er 1910 ins Parlament gewählt. Sofort trat er an die Seite der Männer, die in Anbetracht der Gefahren die dreijährige Dienstzeit wieder einführen wollten: Raymond Poincare und Louis Borthou. Mehr als zwei Meter groß, mit donnernder Stimme, sehr leicht erregbar, wurde er sehr bald eine Persönlichkeit ersten Ranges und der erklärte Führer der nationalistischen Bewegung im Parlament. Jaures gegenüber rief er einmal die beleidigenden Worte: „Tais-toi, avocat de l'Allemagnel" Als der Krieg ausbrach, blieb er, anders wie viele andere, seinen Ueberzeugungen treu: er meldete sich sofort freiwillig als einfacher Soldat. Er kämpfte mit Leib und Seele, und trotz- dem brachte er es nur bis zum Korporal. Denn dor Verdun wurde er schwer verwundet und für immer kampfunfähig. Er konnte nunmehr nur noch auf Krücken gehen, und seine Riesengestalt war alsbald allen unter dem Namen„Geant Invalide" vertraut. Wie lange werden Sie die Wiederbelebungsversuche fortsetzen, Herr Kandidat? Bis er tot ist, Herr Professor! Die kommende LandrSvertretuns von Palästina ist seit langem hart umstritten, da die Juden alles aufbieten, um sie nicht in der geplanten Zusammensetzung verwirklicht zu sehen. Aus einem Antwortschreiben des Kolonialministers Thomas an den bekannten Lord M e l ch e t t geht aber hervor, baß die Regierung an ihrer Absicht festhält, den Landesrat auS acht Arabern, drei Juden und einemChristen zusammenzusetzen. Die Tschechoslowakei im Welthandel Der Rückgang deS tschechoslowakischen Außen, Handels in den Krisenjahren hat auch eine Verminderung seines Anteils am Welthandel zur Folge gehabt. Nach einer Uebersicht, die wir aus den Swtistischen Jahrbüchern für daS Deutsche Reich zusammengestellt haben, betrug der perzen- tuelle Anteil deS tschechoslowakischen Außenhandels am Weühandel: Einfuhr Ausfuhr Gesamtumsatz in Prozenten 1930 1.62 2.00 1.80 1931 1.69 2.11 1.89 1982 1.61 1.76 1.68 1938 1.40 1.58 1.46 1934 1.32 1.64 1.48 Während 1934 demnach der Anteil der Tschecho- slowakei an der Welteinfuhr weiter gesunken ist, hat sich ihr Anteil an der Weltausfuhr um ein geringes erhöht. Auch der Umsatz weist eine Steigerung um 0.02 Prozent aus. Durch diese Entwicklung ist die Tschechoslowakei in der Bedeutung im Welthandel von anderen Staaten zurückgedrängt worden. Stand sie 1930 in der Einfuhr noch an fünfzehnter Stelle, so besetzt sie 1984 erst die zwanzigste! In der Ausfuhr hatte sie 1930 die elfte Stelle inne, um 1934 auf die siebzehnte nachzurücken. Beim Umsatz ist die Tschechoslowakei von der zwölften auf die sechzehnte Stelle gerückt, Im Jahre 1935, für das die Berechnungen noch nicht vorliegen, wird nach der Entwicklung des tschechoslowakischen Außenhandels kaum eine wesentliche Verschiebung im Anteil am Welthandel zugunsten unseres Staates eingetreten sein. An der Spitze der Welthandelsländer steht England. Sein Anteil am Gesamtumsatz betrug 1930 13.61 Prozent, 1934 14.20 Prozent. Im Gegensatz zur Tschechoslowakei konnte England demnach seinen Anteil wesentlich mehr erhöhen. Das Ist Amerika... Aus den Notizen eine« Auswanderers Amerika ist ein Land der Gegensätze. Grandios und seltsam. Immer wieder stößt der Europäer auf Dinge, die ihn begeistern und auf solche, die ihn befremden. Zumeist sind es die Geschehnisse des täglichen Lebens, die den Unterschied zwischen„drüben" und hier besonders klar wachen. Viel llarer, als die umfangreichen Bücher eiliger^Touristen, die so schnell und flüchtig mit ihrem Urteil sind. Einige dieser Merkwürdigkeiten hübe ich hier ausgezeichnet, * Gestern waren wir in einer Konditorei auf dem Holü)wood Boulevard. Ein riesiges Lokal ^nit kunstvoll geschnitzter Holzdecke und vielen gemütlichen Nischen, worin es sich mit den beiden jungen Mädchen auS Australien so anregend und hübsch plaudern ließ. Sie wußten soviel Interessantes von ihrer Tournee als Schauspielerinnen durch China und Indien zu erzählen. Wir aßen ausgezeichnetes Erdbeereis, und Miß Viola trank noch ein Glas Malted Milk(Malz-Milch). Plötz- lich Hub Musik zu spielen an— ich traute meinen Ohren nicht— beugte mich aus der Nische, um besser sehen zu können(daß ich mich dabei über Viola beugt«, war nicht zu vermeiden)— und waS sah ich?.... Die rückwärtige Wand des Lokales hatte sich geöffnet und gab den Blick auf eine gewaltige Orgel frei... Ein junger Musiker spielte mit den hingebungsvollsten Gesten die ergreifendsten Kirchenlieder. Um aber die Stimmung nicht gar zu melancholisch werden zu lassen, wechselte der begabte Musiker die Tasten und ein rhythmischer„Rumba" füllte die amerikanischen und australischen Mädchenherzen mit Entzücken.... Erdbeereis mit Orgelbegleitung — Die Kirche in der Konditorei— die Konditorei in der Kirche— bequemer kann man es wirklich nicht mehr haben. * .... Bequemlichkeit. In der„Los Angeles TimeS" vom 2. Jänner d. I. las ich: Zipper now used in surgery.(Zippverschluß in Medizin verwendet....) Die Uebevschriften d«r amerikanischen Zeitungen sind kurz und bündig. Sie verzichten auf Nebensächlichkeiten wie Artikel und Fürwotte.(Da sich die deutschen Zeitungen hier auch diesen„Stil" angewöhnen, überraschte es niemanden, unlängst eine„Headline" von dem entsprungenen Raubmörder Sigmund Zahn wie folgt zu lesen: Zahn bricht aus. Floh im Panzerhemd.) Doch diesmal meldete die L. A. Times aus Chicago, daß es Dr. Morris Fischbein gelungen sei, am Magen eines Kranken einen Zippverschluß anzubringen, der daS unangenehme Auspumpen erspart und eine gründliche Reinigung des Magens erlaubt.„Selbstverständlich muh auch am Bauch des Patienten ein Zipper angebracht werden", sagt Dr. Fischbein.„Wenn man die beiden Zipper sterilisiert, so ist die Gefahr einer Infektion gering." * In daS Kapitel Bequemlichkeft gehören auch die Appartementhäuser. Möbliert und unmöbliert, bieten sie ein äußerst angenehmes Wohnen. Was da alles in einem Raum eingebaut ist, macht einen staunen. Elektrisch gekühlte Eiskästen, diverse Schränke, Doppelbetten, Badezimmer, Duschen, Klo setts(mit der Betonung auf der ersten Silbe, bitte. So heißen hier die Ankleide- I zimmer) und Küchen in modernster Ausführung. Preis: 25 Dollar und aufwärts. Bei den möblier« I ten Appts. ist aber auch wirllich alles vorhanden, Service, Gläser, Servietten usw. Man braucht nur einzuziehen und zu bezahlen. Schön ist das Wohnen in sogenannten Courts, einer kleinen Siedlung von Einzelhäuschen, Bungalows. (Hier ist es von Vorteil, sich sofort zu überzeugen, ob die Millionen winziger roter Ameisen nicht die Wände unterminiert haben, so daß einem bei leisester Berührung die Gardinenstangen auf den Kopf fallen.) Die Ungestörtheit ist ideal. Das Selbst-Aufräumen-müffen sagt einem europäischen Junggesellen, der von manchen Wirtinnen verwöhnt(oft aenug allerdings auch maltrai- tiert) wurde, weniger zu. Bettwäsche wird jede Woche gewechselt, Handtücher(soviel man will) jeden Tag. Will man nicht die Radiomusik seines Nachbarn durch die Wand genießen, so schaltet man den eigenen Apparat auf die doppelte Lautstärke. Los Angeles hat 28 Radiostationen, New 8ork 84. Uebrigens besitzt jede größere Stadt in ll.S.A. einen eigenen Sender. Die Programme werden von privaten Firmen bezahlt und bieten das Phänomenalste in allen Sprachen der Welt. Der Reichtum an Talenten überrascht täglich aufs neue. In den„Amateur-Stunden" ist man auf Dilettanten gefaßt— und hört vollendete Künstler. Klaviervirtuosen, Kunstpfeifer, Koloratur, sängerinnen, Crooner(Flüstertenöre), Komiker, Imitatoren, Conferenciers, und immer wieder Gruppen von Cowboys, die die romantischen Lieder der Prärie fingen. Hin und wieder ein„flop" (Versager)— wird sofort ,ab-gegongt' und mit Humor zur Kenntnis genommen. X ♦ Die Mannigfaltigkeit ist unerschöpflich. Uebertragungen auS der Metropolitan Opera in New Jork, Konzerte berühmtester Dirigenten sind auf der Tagesordnung. Niemals ein trockener Vortrag, nichts Langweiliges, politisch jedem eine Plattform bietend, macht jede Company die mach-, tigsten Anstrengungen, um ihre Hörerzahl zu vergrößern. Man lauscht den Negerspirituals und einem chinesischen Sänger, entzückt sich an spanischen Liebesliedern und mexikanischen Räuberromanzen. Hawai ist so nah— und den Walzer„An der schönen blauen Donau" kennt jeder Amerikaner. Die Wiener Musik nimmt einen beträchtlichen Raum ein Im Programm. Interessant ist die March of Time, in der in dramatisierter Form die wichtigsten Tagesereignisse behandelt werden. Der Nachrichtendienst ist erstklassig. News sind Amerikas Stärke. ES gibt nichts, daS einem amerikanischen Reporter verborgen bleiben könnte. Die„Jiddische Stunde" weist hervorragende künstlerische Qualitäten auf und ist wegen des Sprachgemisches aus jiddisch, deutsch und englisch sehr amüsant. Unlängst vernahmen Millionen Zuhörer folgende Bekanntmachung:«La« dies and Gentleman, Carl Lämmle junior, geht sich etwas herum mit einer Schilfe. Er wir se heiraten. Aber sei Vater» der alle Laemmle, der wos a frommer Jid is, wird dos eppes nicht zugeben...."(Wissen Sie übrigens, daß bei fast allen Radiodarbietungen Publikum anwesend ist und daß die Schauspieler wie auf einer richttgen Bühne geschminkt und kostümiert sind?). In den Straßen gibt es viele Büfetts und Restaurants, an die man mit den Autos heranfährt. Smarte Mädchen bringen alles Gewünschte auf niedlichen Tabletten herbei, man muß nicht aussteigen, um zu lunchen.„Drive in"(Fahren Sie herein), steht über den Torbogen. Ist das nicht bequem? Leite 6 „Sozialdemokrat" Donnerstag, 19. März 1938. Nr. 67 Im Arrest erhängt. Dieser-Tage wurden die Einbrecher Josef Itoväk und Alois Janoud verhaftet, die die Auslage der Pelzfirma Marek in Prag XII., zerschlagen und ausgeraubt hatten, wobei sie einige Silberfüchse und Persianer miigehen ließen und einen Schaden von über 12.000 Kd verursachten. Bon diesen beiden wurde Janoud in der Nacht auf gestern erhängt im Arrest aufgefunden. Er ist knapp 21 Jahre alt geworden.— In der gleichen Sache wurde gestern ein dritter Mittäter, der 26- jährige Schriftmaler Josef Kubas aus Prag verhaftet, der zuletzt im Nachtasyl gewohnt hat. Er ist geständig.- Sechs Selbstmorde an einem Tag. Die 48jäh- rige Marie Mysicka aus Neu-Berneiice sprang in der Nacht auf gestern aus dem Fenster des Aborts der Klinik Jerie im allgemeinen Krankenhaus und starb zwei Stunden später an ihren schweren Verletzungen.— Gestern nachmittags vergiftete sich der 30jährige Ingenieur Ladislaus Plihal aus Smichow in seinem Badezimmer mit Leuchtgas. Als Motiv seiner Tat gab er in einem hinterlassenen Brief häusliche Zerwürfnisse an.— Der 20jährige Hand- lnngsreiscnde Anton Hamouz versuchte sich gestern mit einem Rasiermesser die Halsschlagader aufzuschneiden und wurde auf der Klinik verbunden. Da er ständig wiederholte, daß er seinen Selbstinord voll» endssn werde, wurde er vom Polizeiarzt auf seinen Geisteszustand untersucht und auf dessen Gutachten hin in die Landesirrenanstalt eingeliefert.— In der Rächt auf gestern wurde die 18jährige Hausgehilfin H. O. aus Prag XIII., von Passanten, die sie in Krämpfen beim Koschirscher Friedhof aufgefunden hatten, auf die Klinik Pelnäk gebracht. Es wurde fcstgestellt, daß sie sich kurz vorher— aus Angst vor Krankheit, wie sie angab— mit einem unbekannten Gift zu Men versucht hatte.— Gestern morgens, wurde im Reßlpark in Krc ein Mann an einem Baume hängend gefunden; er wurde später als der 6ljährige Gemeindebeamte Wenzel Pomahäi aus Pankratz sichergestellt. Die Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht, das Motiv der Tat ist unbekannt.— Gestern vormittags wurde auf dem Mort eines Gasthauses in der Klimentska der 31jährige Chaufteur Alois Koten aus Prag l., ohnmächtig aufgefunden. Er hatte kurz vorher Lysol getrunken. Das Motiv der Tat konnte, da er noch nicht zum Bewußtsein erwacht ist, nicht festgestellt werden. Wieder zwei Kinder überfahren! Gestern nachmittags fuhr der Chauffeur Wenzel Hlavath aus Michle mit seinem schweren Lastauto P—11.076 durch die Podöbrader Straße in Lieben, als ihm der elfjährige Schüler Gustav Petrü aus Lieben in die Fahrbahn lief und vom Auto zur Seite geschleudert wurde. Mit einer Gehirnerschütterung und einer Rißwunde am Kopf wurde er ins Krankenhaus aus der Bulovka gebracht.— Gestern um 5 Uhr nachmittags fuhr der Bankbeamte Josef Zmatlik aus Zizkov in seinem Personen auto P-10.490 die Landstraße nach Böhmisch-Brod entlang, als ihm der neunjährig« Jaroslav Rybüäek aus Jarov in den Weg lief und vom rückwärtigen Kotflügel erfaßt wurde. Der Knabe, der eine Gehirnerschütterung und einen Bruch des linken Fußes erlitten hatte, wurde vom selben Auto ins ffchechische Kinderspital gebracht. Tas Verfahren wurde in beiden Fällen eingeleitet. Pubertäts-Romantik Tie heißblütige 15jährige Ausreißerin Ein merkwürdiger Entführungsprozetz Prag. Vor dem Senat Kry^tufek stand gestern der 21jährige Handlungsgehilfe Josef Sil- Han unter Anklage des wiederholt begangenen Verbrechens derEntführung, außerdem der Verleitung einer jugendlichen Frauensperson zur Unzucht und endlich der Uebertretung des Vagabundengesetzes. Die weibliche Hauptperson dieses merkwürdigen Kriminalfalles ist die heute 18jährige Sylvia V., ein auffallend hübsches und sichtlich temperamentvolles Mädchen, die als Hauptzeugin vor den Richtern erschien. Unverkennbar herrschte im Gerichtssaal vom Beginn der Verhandlung an eine für den Angeklagten durchaus günstige Stimmung, die sich im Verlauf des Verfahrens noch verstärke. Sylvia ist die Tochter eines gut situierten Schlossermeifters und wurde schon vor zwei Jahren, als Schulmädchen, mit Josef Silhan bekannt und schloß sich ihm innig an. Er holte sie von der Schule ab, schrieb ihr liebevolle Briefe, doch verlief das Verhältnis durchaus harmlos. Nach Absolvierung der Schule wurde Sylvia Praktikantin in einem hiesigen Unternehmen. Zu diesem Zeitpunkt begannen ihre Ellern auf diese Freundschaft aufmerksam zu werden, mißbilligten fie«wer vorläufig nicht, denn Silhan Halle bei'einem Priwer, einem Gärtner, eine annehmbare Stellung inne. Erst als der junge Mann seine Stellung verlor, weil das Geschäft nicht genug eintrug! begannen sie die Bekanntschaft zu mißbilligen und redeten sowohl ihrer'Tochter, als auch deren Freund zu, vernünftig zu sein und sich die Sache aus dem Kopf zu schlagen. Bezeichnenderweise war eS der junge Mann, der mit"ch reden ließ, während die heißblütige Fünfzehnjährige von einem Wschied nichts wissen wollte. Silhan begab sich' gehorsam ein-* Tages zu der Fortbildungsschule, die die kleine Sylvia besuchte, um ibr ihre Briefe zurückzugeben und für immer Abschied zu nehmen. ES kam indessen ganz anders. AuS dem geplanten Abschied wurde eine „Entführung". An jenem Tage— es war im Dezember v. I.— kam Sylvia nicht mehr nach Hause. Sie war gemeinsam mit ihrem Freund ausgerückt, geflüchtet vor der vermeintlichen Verfolgung ihrer Liebe durch Oft schon nach einmaligem Putzen beseitigt Tube Kc 4.- den mißfarbigen Zahnbelag und üblen Mundgeruch die Ellern. Die Verhandlung ließ keinen Zweifel darüber, daß das Mädchen dabei die treibende Rolle gespielt hat. Das Pärchen fuhr nach Pilsen und trieb sich nun elf Tage in der Umgebung dieser Stadt umher. Die beiden Leutchen schliefen, ungeachtet der Winterkälte, in Strohschobern und Wächterhütten. Hie und da bekamen sie in einem Dorf auch einen Schluck Milch und ein Stück Brot, daß sie aber gebettelt hätten, wie ihnen die Anklage unterstellt, bestritten sie bei der Verhandlung mit ehrlicher Entrüstung. Schließlich fing man sie ein und die Eltern des Mädchens waren vernünftig genug, es bei ruhigen Vorstellungen bewenden zu lassen.' Deren Wirkung hielt fteilich nicht allzulange nach. Bereits einenMonat später kam es zur »Entführung" Rr. 2. Bei dieser spielte der angeflagte Jüngling eine noch passivere Roll«. Er hatte sich nach Beendigung jenes ersten Abenteuers zu seinem Vater. nach Eisenbrod begeben. Begreiflich, daß die Wieder- sebensfteude mit dem arbeirslosen Sohn nicht ungetrübt war, der nun seinen Eltern zur Last fiel. Sylvia aber, die ihren Freund nicht enwehren konnte. rißz»mzweitenmalaus und fuhr ihm nach. Und neuerlich begaben sie sich, diesmal von Eisenbrod aus, auf die„Walze", die sie zunächst nach Tannwald führte, von wo di« romantischen Kinder nach Prag fuhren. Hier llieb Silhan bei Bekannten und Verwandten einiges Geld auf und die beiden tipvelren zu Fuß neuerlich in die Pilsner Gegend, um auf ähnliche Art. wie beim ersten„Ausflug", ihr Leben kümmerlich genug zu fristen. Die Gendarmerie bereitete dem Idyll schließlich ein höchst prosaisches Ende. Diesmal aber wurde der Liebhaber in Haft genommen und ihm der Prozeß wegen Entführung und den angeführten Rebendelikten gemacht. Bei der Verhandlung zeigten sich die Eltern des Mädchens als wirklich vernünftige Menschen, die den Pubertätsstreich ihres Töchterchens ohne überflüssig« Uebertreibungen und Erhitzung einschätzen. Sie haben auch gegen den jungen Mann, der übrigens als kreuzbraver Mensch geschildert wird, keine ernsten Einwendungen. Was das Töchterchen betrifft, so war dessen Aussage konfus, aber absolut entlastend für den Angeklagten.„Ich hab' ihn gern!" stellte die Kronzeugin zum Schluß resolut fest. Es scheint, daß sich hier«in regelrechtes happy end vorbereitet. Der erste Schritt dazu war. daß der Gerichtshof den Angeklagten vom Verbrechen der Entführung frei sprach und nur wegen der miteingeklagten Uebertretungen zu einem Monat Arre st verurteilte und noch dazu bedingt. rb. Vorträge Abgeordneter Genosse Wenzel Jaksch häü im Klub„Nova Svoboda" in der„När. Kavär- na". När. Trida, 1. St., Spiegelsaal, heute, Donnerstag, den 19. März, um 8 Uhr abends einen Vortrag über das Thema„V o l k und Arbeiter"(zeitgenössische Fragen im deutschen Sozialismus). JCuft&t and Mssen Vereinigung bildender Künsfer Im Repräsentationshaus veranstaltet die Vereinigung bildender Künstler(Sbrujew vhtvarnikü) ihre 54. Ausstellung, in der die Landschaftsmaler:- einen brejten Raum einnimmr. F. Charvät mit seinen Landschaften aus der Prager Umgebung liebt das. Erdige, Feuchte stimmungsschwerer Vorfrühlings- und Herbstlandschaften, die ein verhülltes Leuchten erwartungsvoll macht. Er mall sie mit feiner Einfühlung in die Stimmung; man spürt die fertige, meisterlich sichere Hand. Ihm scheint R. Jin di ich nachzustreben; die Neigungsgleichheit reicht bis zur Wahl genau gleicher Mottve. Stim- mungsverwandt, doch anders im Ausdruck ist I. H o d e k s Flußtal in Schwarzgrau mit weißen Schneerändern. In hell flingenden, von innen durchleuchteten Farben sieht A. Kalous die Landschaft um Raudnitz. Seine Pastelle, in denen er den Papiergrund mitwirken läßt, muten in ihrer lockeren Durchsichtigkeit fast wie Aquarelle an. In I. L e n- Harts Vorstadtlandschaften mindern die dekorativen Farben um einiges den Vorzug der Komposition. F. M a t i k k a bevorzugt landschaftliche Motiv«, die eine kubistisch« Gliederung bis zu einem gewissen Grade schon in sich tragen. A. B. S l a v i l e I erfüllt seine aquarellierten oder farbig gezeichneten Landschaften Keinen Formats mit warmer farbiger, gleichsam traumerfüllter Stimmung. Reizend ist die leicht karikierende Fröhlickikett in der Kavalkade der heimkehrenden Pferdehändler. Mit drei StU- leben und einer Landschaft, in ihrer gesättigten Farbe und in der Kompositton gleich gut. fällt L. Marek auf. Aus dem Gesamtbild der Ausstellung treten zwei Maler-eigenartig hervor: N. R o d i o n o v mit seinen selffam exotischen Figurenbildern, die geheim- niSerfüllter anmuten, als es die Benennungen aus drücken. In diesem erdhaften Caliban von Hirten, in der körperschweren blankschwarzen Negerin(„Brot und Salz") in diesem einsam in russischer Däm- merungslandschast stehenden Jungen(recht fehlweisend anettodisch„Die erste Zigarette" benanntraunt es von legendären Deutungen, von denen auch die farbige Stimmung durchweht scheint. Und von balladeskem Geschehen erfüllt sprechen die Bilder B. S. ll r b a n s an. Düster in rötlichem Schein, vor rauchig glimmenden Hintergründen, dem körperlich Wirklichen seltsam enttückt und doch im hingleitenden Licht frappant gemalt fleischlich lebend tragen diese Frauenerscheinungen ihren klassischen Bereichen entlehnten Sinn ins Visionäre. Die Plastik ist durch drei Namen gut vertreten. E. Brjczinsky stellt zwei sehr lebensnah wirkende, über das äußerliche Abbild hinaus zu geistigem Ausdruck vertiefte Porträtbüsten und eine ab- Bezirksverein Arbeiterfürsorge, Prag Einladung znr Generalversammlung am Montag, den 30. März 1936 um 8 Uhr abends im Kleinen Handwerkervereinssaal, Smeckagaffe: 1. Verlesung des Protokolles. 2. Berichte. 3. Neuwahlen. 4. Frrientage im Hirschberger- Kinderheim; Lichtdildervorführung. solut plastisch empfundene, aus dem ruhigen Stand einer ägyptischen Statue wachsam schauende Diana aus; erst die Bronze, für di« diese Diana gedacht ist, würde den Reiz der Oberflächenbehandlung voll zur Geltung bringen. Unter den fünf Terrakotten von A. S. Urbanova sprechen die auf dem Acker hingebeugt kmeende Frau und der das entspannte Hingesunkensein in Schlaf nachfühlbar ausdrückende Frauenkopf, dessen malerischer Reiz durch die geschickt angebrachte Grüutönung noch erhöht wird, am stärksten an. In der Statue eines blinden Mädchens von F. B i ch r a ist das Ahnende, innerlich Schauend« der Haltung und die schützend tastende Gebärde der übereinandergelegten Hände vorzüglich aufgefaßt. Der stehende Jünglingsakt gemahnt an Vorbilder aus Lehmbrucks Räbe. Id. Frcderic Lamond, der große Pianist, be- stäfigte auch bei seinem zweiten Be e t h o v e n- Abend am Dienstag, daß er der iheethoven- Spieler der Gegenwart ist. Wie Lamond sich in seine Beethoven-Aufgaben versenkt, wie er sie ganz im Geiste des großen Mufiktitanen löst, dessen elementare Größe er ebenso überzeugend aufllingen läßt wie seine Gefühlstiefe, seine musikalische Freude und seinen musikalischen Humor, das offenbarte dieser große Beethoven-Spieler vorgestern besonders eindringlich, da er ein Programm gewählt hatte, das Beethovens Tonkunst in vielseitigster Ausdrucksgestaltung auffchloß. ES enthielt die jugendlichen und freundlich gestimmten Sonaten in C-Dur. Opus 2, Nr. 3 und in F--Dur, Opus 10, Nr. 2, die Fantasie in G-Moll, die selten gehörte C-Dur-Polonaise, die sechs leichteren Variationen über ein eigenes Thema aus den„Ruinen von Athen", daß schöne und gesangvolle Andante favori und als Hauptwerk des Abends die großartige Sonate in C-Dur, Opus 53, jene als„Waldstein"-Sonate bezeichnete, für den unerreichten Klavierstil Beethovens beispielhaft Tonschöpfung. Soweit wir der Kunstgaben La- monds wegen anderweittger Verpflichtung teilhaftig werden konnten, hatten wir den Eindruck, daß der Künstler besonders disponiert und in nachschöpftri- scher Stimmung war, so daß das zahlreich erschienene Publikum wieder einmal ein wirkliches Kunsterlebnis hatte.' E. I. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Donnerstag, halb 8 Uhr abends: Liebe ist nichtsoeinfach, Erstaufführung, C 2.— Freitag, halb 8': F i d e l i o, D 1.— Samstag, halb 8: Der Rosenkavalier, B 1.— Sonntag, halb 3:D«rheiligeAntonius; halb 8: L i eb e istnichtso einfach, D 1. Spielplan der Kleinert Bühne. Donnerstag,%8: Im Londoner Nebel, volkstüml. Vorst.— Freitag, 8: Was Ihr wollt.— Samstag, 9; Unentschuldigt« Stunde.- Sonntag, 3. Unentschuldigte Stund»; halb 8: Spiel um die Welt, Erstaufführung. Der Ntm ZV Tage Im Lande der Sowjets Im Frühjahr 1935 waren englische, amerikanische, frmvwsisch« und tschechoslowakische Delegationen auf Einladung der russischen Gewerkschaften in der Sowjetunion, und ihre Reise-Eindrücke sind in einem(von englischem Text begletteten) Film festgehalten worden, den man als Reportage bezeichnen kann, weil"er die Bilder der Wirflichkeit bringt, ode rals Propaganda, weil er die lichtesten Stellen Luis Trenker in dem Film„Der Kaiser von Kalifornien". dieser Wirflichkeit ausgewählt und besonders betont hat. Jedenfalls ist es ein sehenswerter Film geworden; denn die Reise der Sowjetgäste führte zur großen Maifeier in Moskau, von dort nach Magnitogorsk und zum Tnjepostroj, zu den Bergwerken und Kollektivfarmen des Don-Gebietes, in die Oelstadt Baku, nach Tiflis und von der Schwarzmeerküste wieder nordwärts nach Charkow und Leningrad: durch das ganze europäische Rußland also von der polnischen Grenze bis zum Ural und vom Kaukasus bis zur Ostsee. Die militärische Stärke der heutigen Sowjetunion wird durch die Maiparade auf dem Roten Platz in Moskau demonstriert, die technische Entwicklung durch die neue Moskauer Untergrundbahn und die riesigen Jndustriewerke, das neue Lehen durch moderne Wohnbauten, Schulen, Kindergärten, Kolchose und die schönen Arbettersanatorien am Schwarzen Meer. Besonderes Interesse dürfte« auch die historischen Sehenswürdigkeiten aus der Zarenzeit finden, die sich-— wie der Peterhof bei Leningrad— in Volkserholungsftäiten oder— wie das Winterpalais— in Erinnerungsstätten der russischen Revolution verwandelt haben. Der Haupr- wert des Films, der vorerst in einer Sonderausführung gezeigt wurde, ist seine Anschaulichkeit, und es wäre deshalb nützlich, wenn man die in mehreren Sprachen gehaltenen, aber inhaltlich gleicharttgen Begrüßungs, Dank, und Abschiedsreden aus ihm entfernen würde.—eis— Dereingnttcftricftte«. Große Atus-Akademie am Sonntag, den 19. April, von 3 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends, im großen Radiosaal, Fochovä 56. Neben den 100 Anis-Turnern und Turnerinnen wirken noch mit: die p„.,, Volkssmggemeinde, die sozialistische rBAU Jugend, die roten Falken. An dieser Akademie werden alle Genossen und Genossinnen teilnehmey. Bei der tschechischen Bruderorganisanon besteht großes Interesse für diese Veranstaltung und es kann«ine zahlreiche Beteiligmig erwartet werden. Die Karten kommen jetzt zur Ausgabe und wir cr- suchen, sie im Vorverkauf abzunehmen. Erwachscp« 5 sic. Kinder 2 sic. Ortsgruppe Groß-Prag des Arbeiter-Abstinentenbundes in der Tschechoslowakischen Republik Generalversammlung am 27. März 1936 um 8 Uhr abends im Vereinsheim Prag II, Närodni tk. Rr. 4. Tagesordnung:!. Berichte, a) des Obmannes, b), des Kassiers. 2. Unsere nächsten Aufgaben. 3. Neuwahlen. Vorsitzende Maria Deutsch. Sozialdemokratische Flüchtlingöhilfe. Donnerstag abends 7 Uhr im Heine-Saal. Fochovä. Versammlung. Thema: Nationale Befreiung durch Hitler?- Mitteilungen aus dem Publikum Alles staunte, als zum erstenmale die neuesten Frühjahrsschuhe im Schaufenster erschienen. Sie sind leicht, luftig und elegant. Bitte, probieren Sie diese unverbindlich in unserer Verkaufsstelle. Baka. Biele Unreinheiten der Gestchtshaut, wie rötliche Flecken, Pickeln, Pusteln usw., die von ungenügender Verdauung herrühren, verschwinden nach öfterem Gebrauch des natürlichen„Franz-Josef"- Bitterwassers ganz sicher. Aerztlich empfohlen. Verlanget überall Volkszünder Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Poft monatlich Kä 16.—. vierteljährig Kä 48.—, halbjährig KC 96.—, ganzjährig Kä 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bet Einsendung der Rewurmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tele- graphendirektton mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:.„Orbis". Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G. Prag.