Sozialdemokrat ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA 62. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 16. Jahrgang Sonntag, 22. März 1936 2611 M Die Stimme der Internationale Zusammenschluß zur Niederwerfung des Faschismus London.( Reuter.) Der zur Zeit in und im West en vorzubereiten. Hitler London tagende Kongreß der Sozialistischen Ar- dürfe nicht erlaubt werden, zu diktieren, welche beiter Internationale nahm am Freitag, wie Vorschläge geprüft werden dürfen und welche offiziell mitgeteilt wird, ein von 18 Delegationen nicht. gebilligtes Manifest an. Eine Delegation sprach sich gegen das Manifest aus, während sich cinige Delegationen der Stimme enthielten. In dem Manifest wird vor allem erklärt, daß die nationalsozialistische Diktatur ihre Absichten dadurch zu verwirklichen trachtet, daß sie ihre Versprechungen aufhebt. Der internationale Sozialismus verurteilt in schärfster Weise die Verletzung des Versailler und Locarno- Vertrages. Der Kongreß konstatiert mit Genugtuung, daß der Völkerbund die Verletzung der Verträge verurteilt hat, welche, wenn dies nicht der Fall gewesen wäre, das Vertrauen in die internationalen Verträge und in das ganze System der kollektiven Sicherheit zu vernichten gedroht hätte. Es gibt ein einziges Mittel, die Zivilisation zu retten: Die sich aus dem Locarno- Pakt ergebenden Verpflichtungen müssen unterstützt und noch erweitert und durch Vermittlung des Völkerbundes in möglichst großem Umfange angewendet werden. Die die kollektive Sicherheit durch gegensetige Hilfeleistung gewähr leistende Konvention und die Abrüstung müssen die Grundlage der Einladung an Deutschland bilden, sich zu Verhandlungen auf dem Prinzip der Gleichberechtigung zwecks Vereinbarung eines allgemeinen Paktes einzufinden. Eine Ablehnung Deutschlands müßte als Beweis angesehen werden, da es die Absicht hegt, die Ordnung und den Frieden in Europa dauernd zu stören. Das Endziel dieser Verlegung vertraglicher Dann wäre es Pflicht der Regierungen und VölVerpflichtungen ist ganz offenfichtker, den Frieden ohne Hitler- Deutschland zu I i ch. Es ist die Einleitung zur Befestigung organisieren. der ent militarisierten Zone Das Manifest schließt mit der Aufforderung. und zur Schaffung von Flugzeugbasen, alle Kräfte zusammenzufaffen, die zur Niederteilweise zu dem Zwecke, einen Angriff auf werfung des Faschismus und zum friedliche Staaten im Osten Sieg des Weltsozialismus führen. Schwierige Entscheidung Ribbentrop bei Hitler Ausflucht zu Verzögerungen? Berlin. Botschafter von Ribbentrop ist Samstag abends von London kommend auf dem Flughafen Tempelhof eingetroffen. Die deutsche Antwort wird wahrscheinlich nicht vor Montag veröffentlicht werden. Die deutschen Blätter sind einig in der Ablehnung der Vorschläge, in der Erkenntnis, daß die bisherigen Londoner Verhandlungen eine diplomatische Niederlage Deutschlands bedeuten. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß man sich in Berlin bemühen wird, durch Proteste und Gegenvorschläge eine Milderung zu erzielen. Enttäuschung in Berlin sung wird in den Mittagsstunden durch eine aus London eintreffende Nachricht bestätigt. London.( Reuter.) Die deutsche Delegation„ Le Oeuvre" verbreitete die Nachricht, daß ist, wie verlautet, durch die Aufnahme, die sie in Polen Montag oder Dienstag dem VölkerbundLondon gefunden hat, enttäuscht. Nach den rate einen neuen Antrag unterbreiten wird, der Informationen des Reuterbureaus tam die die Einberufung einer Konferenz aller deutsche Delegation nach London, um an der Nachbarn Deutschlands, also Polens, Aussprache der Locarnomächte teilzunehmen. Frankreichs, der Tschechoslowakischen Republik, Statt dessen wurde ihr jedoch wie in deutschen der Schweiz, Belgiens, Hollands, Litauens und Kreisen fonstatiert wird 24 Stunden nach Oesterreichs, vorsieht und der Italten und Engihrer Antunft ein Dokument überreicht, ohne ihr land als Garanten zugezogen werden sollen. Das den geringsten Einfluß auf die Ausarbeitung Blatt fügt hinzu, daß diese polnische Kombination dieses Dokumentes einzuräumen. Dieser Umstand nichts anderes verfolge, als die Sowjetunion in habe bei der deutschen Delegation eine ungün- den Hintergrund zu drängen. stige Reaktion ausgelöst. Aus Kreisen der deutschen Delegation wurde dem Reuterbureau ange= deutet, daß sie das Weißbuch als ein in einigen Richtungen sehr bedauerliches Dokument bezeichnet. In offiziellen Londoner Kreisen wird betont, daß die im Weißbuch enthaltenen Vorschläge nicht derart abgefaßt wurden, daß sie an genommen oder verworfen werden sollen, sondern es seien dies Vorschläge, über die Deutschland auf Einladung diskutieren oder seine Auffassung aussprechen, oder, falls es irgendwelche Einwände erhebe, Aenderungen vor schlagen könne. Das Reuterbüro erfährt aus amtlichen britischen Kreisen, daß die internationale Polizeimacht, welche nach dem bekannten Vorschlag die deutsche entmilitarisierte Zone an der französisch- deutschen Grenze besetzen soll nur eine symbolische Macht wäre. Polnisches Gegenmanöver Die Konferenz bestätigte sodann die Resolu= Einzelpreis 70 Heller ( einschließlich 5 Heller Porto) Nr. 70 tion betreffend den italieniſch- abeffinifden Stries Die Internationale tagt und sprach die Forderung aus, da der Völkerbund die Unabhängigkeit Abessiniens verteidige und diese Aktion ständig ohne Zögern und ohne Schwäche fortsetze. Labour Party fordert Von der Konferenz der beiden Internationalen, an der aus der Tschechoslowatei die Genossen Soukup und Paul für die jozialdemokratischen Parteien und Bro decky für die Gewerkschaft teilnehmen, erhalten wir folgenden Eigenbericht: Frieden für ganz Europa E. P. London, 19. März 1936. In einer ungeheuer ernsten Zeit sind in 2ondon. In der freitägigen Unterhaus- London an die hundert Vertreter der sozialisti Sigung erhielt nach der Erklärung Edens der schen Parteien und der freien Gewerkschaften zus Führer der oppositionellen Arbeiterpartei Attlee das Wort. Er erklärte, angesichts der jammengekommen, um an der gemeinsamen KonSchwierigkeit der Lage wolle die Arbeiterpartei ferenz der S. A. J. und der J. G. B. beizuwohdiesmal gern auf eine politische Aussprache ver- ist in zwei Gesichtspunkten begründet, in der zichten. Was die vorgeschlagene Weltkonferens Gleichzeitigkeit mit den Beratungen der im Völanlange, so halte er es für selbstverständlich, daß ferbund vereinigten Staaten und in der alle DeleEden nicht von der Annahme ausgehe, der Friede könne lediglich durch eine Regelung in West- gierten mit schwerster Sorge erfüllenden Gefahr europa gesichert werden, vielmehr müsse versucht werden, den Frieden für ganz Eurova und die übrige Welt sicherzustellen. Eden antwortete, er habe ganz klar zum Ausdruck gebracht, da seine Bezugnahme auf Westeuropa lediglich mit den Bemühungen erfolgt sei, die man hinsichtlich eines Ersatzes für Locarno mache. Er habe erklärt, daß das Ziel Englands sehr viel weiter gehe. Die Tschechoslowakei beharrt auf Kollektivsicherheit des Krieges. Die Vertreter der Arbeiterklasse haben es in ihren Aussprachen gleichzeitig leichter und schive= rer zugleich wie die offiziellen Repräsentanten der Völkerbundmächte. Sie haben es leichter, veil sie, wie der Vorsitzende des J. G. B. Genosse Citrine mit Recht in seiner Ansprache betonte. nicht nur verbunden sind durch die gemeinsame Gesinnung, sondern auch, weil sie einig sind in dem Abscheu vor dem Kriege und in der Verurteilung der faschistischen Friedensbrecher. Sie haben auch die bedauerliche Genugtuung erlebt, wie ebenfalls Genosse Citrine erklärt, daß das eingetreten ist, was eine gemeinsame Sizung der beiden Internation..len schon vor Monaten feststellte: wenn der Völkerbund nicht die Straft hat, Brag. Der Vorsitzende der Regierung Dr. gegen Mussolini einzuschreiten und seinem Ueberfall auf Abessinien ein Ende zu bereiten, dann Hodža übermittelte heute dem tschechoslowa| wird in furzer Zeit Hitler die Welt noch in fischen Aktionsausschuß für den Völkerbund eine viel schwerere Gefahren stürzen. Es ist leider so Rundgebung, in welcher es heißt: Ich halte es für sehr vorteilhaft, bei allen gekommen... Sie haben er schwerer, weil die Ich halte es für sehr vorteilhaft, bei allen Arbeiterbewegung nicht in allen Ländern wirksam geeigneten Gelegenheiten die Grundiheje über werden kann in den faschistischen Staaten, dem das Verhältnis unseres Staates zu den heutigen Berd der Kriegsgefahren, ist sie als legale Straft Hauptproblemen Europas immer wieder zu vies ausgeschaltet, weil sie durch die Wirtschaftsderholen, insbesondere jene Tatsache, daß der krise vielerorts schwer gehemmt wird und weil sie Kern aller unserer Bemühungen und Anstrengun nur in einem kleinen Zeil auf die Entscheidungen gen die Erhaltung des Friedens ist. Das billigen der Regierungen Einfluß nehmen kann, uns auch alle unvoreingenommenen ausländischen Faktoren zu. Die Aufgaben der internationalen Arbei Die Folge unserer Friedensbestrebungen ist terbewegung in dieser schiveren Zeit werden vom unsere Ergebenheit der Völkerbundsidee gegen Vorsitzenden der S. A. J., Genossen de Brou über, zu der wir in guten und bösen Zeiten fère, scharf umrissen. Sie muß dahin wirken, stehen wollen. In dieser Idee erblickten wir die daß Europa neu organisiert, daß ein neues, Verwirklichung des demokratischen Ideals, dem besseres Locarno geschaffen und daß der Völlerwir uns in unserer innenstaatlichen Politik und bund gekräftigt und mit entsprechenden Machtauf internationalem Gebiet annähern wollen. mitteln ausgestattet werde. Ich scheue nicht", Die Einführung des kollektiven Sicherheits- so sagte der greise belgische Genosse ,,, auszu systems erachten wir als die beste Art, den euro- sprechen, daß, wenn es unausweichlich ist, auch zu päischen Friedensbemühungen einen festen und den Waffen gegriffen werden muß, um den Frie realen Grund zu geben." den zu verteidigen." In diesem Zusammenhange verweist Genosse de Broufère mit Recht darauf, daß die faschistischen Mächte die begreifliche Angst der Völker vor dem Kriege in ihre Rechnung einbezogen haben und zitiert das sehr zeitgemäße Wort Jean Jaurès: Wir verabscheuen den Krieg auf tiefite, aber wir haben keine Angst vor ihm." Diese Auffassung bedeute aber nicht, daß die Arbeiterschaft eine hemmungslose Aufrüstung Neue Ueberraschung im Wiener Sozialistenprozeß berlangen müsse, denn es gibt genug andere Mittel, durch die die friedliebenden Völker durch follektives Einschreiten die faschistischen Kriegsgefahren beseitigen können. Wir müssen eine Bewegung wachrufen, die den Völkerbund voriväris treibt und überall die demokratischen Kräfte stärkt. Urteilsverkündung erst am Dienstag Starke Tätigkeit der Jllegalen Wien.( Eigenbericht.) Die leber die Freilassung der angeklagten Sozialisten und raschung des letzten Verhandlungstages war die die Legalisierung der Bewegung gefordert wird. nach den Plädoyers erfolgte Mitteilung des Gerichtsvorsitzenden, daß das Urteil erst am Diens- Dr. Osivald Richter, einer der Verteiditag, den 24. März, um 9 Uhr vormittags verger, sagte, daß der Hauptbelastungszeuge Stöd I, fündet werden wird. Man hatte als sicher ange der wegen Hochverrat im Gefängnis sist, in Wahr- waltigen Verantwortung erfüllt, die in diesen Die eingehende Diskussion ist von der ges nemmen, daß den Angeklagten weitere qualvolle heit Hochberrat an der sozialistischen Idee began Stunden nicht nur auf den Regierungen der Tage des Wartens und der Spannung eripari gen habe. Auch in Oesterreich werden die Tage europäischen Staaten, sondern auch auf der bleiben und das Urteil noch Samstag mitgeteilt der Freiheit bald wiederkehren. Dr. Trebitsch Arbeiterklasse lastet. Sie wird, wie in der Natur werden würde. Die Verschiebung des Urteils- ironisierte das Gerichtsverfahren und die Unab- der Sache liegt, vorwiegend von den Vertretern spruches wird hier damit erklärt, daß das Gericht hängigkeit der österreichischen Rechtsprechung. Man der großen Staaten bestritten. In knappen, Paris. Die Aufmerksamkeit der französischen auf Weisungen von höchster Stelle warte. Ent- jei neugierig, ob dieses Gericht das höchste Gebot gerade durch ihre Sachlichkeit überzeugenden politischen Kreise ist nunmehr auf die Antwort weder sei man sich über diese Weisungen im Schoße der Rechtspflege erfüllen werde, nämlich die objek- Worten, durch die verhaltene Leidenschaft zittert, Deutschlands konzentriert. Trotz der Hamburger der Regierung noch nicht einig, oder man warte tive Würdigung der Beweise. Nach der heutigen fennzeichnet Genosse il ferding die wirk Stede des Reichskanzlers und der ablehnenden auf die Rückkehr des Bundeskanzlers Dr. Schusch- Situation scheine es für die Sicherheit am zwed- liche Lage Hitlerdeutschlands und die VerHaltung der reichsdeutschen Blätter glaubt man nigg aus Rom. Durch diese Dinge wird die große mäßigsten zu sein, den Verkehr auf der Nordbahn- trauensunwürdigkeit des Regimes, das sich durch in Paris dennoch, daß Deutschland im Prizip politische Bedeutung dieses Prozesses noch unter- Strecke( nach Brünn) einzustellen. Dr. Schönben fortgesetzten Bruch seiner Versprechungen feld sagt, daß in einem System, das für Män- außerhalb des Kreises der verhandlungsberechmen wird. Deutſchland wird jedoch haupt- trichen, den die österreichische Preſſe totzuſchweiner und Frauen von solchen geistigen und sittlichen tigten Nationen gestellt hat. Der Beauftragte des gen versucht, soweit sie seine Ergebnisse nicht vers Qualitäten keinen anderen Plaz hat als die An- Nationalrates der englischen Arbeitervartei und fälschen kann. Die illegale Propaganda hat ttagebant, manches nicht in Ordnung sein müsse der englischen Gewerkscha ten, Genoffe Dal. einen gewaltigen Umfang angenommen. In fast Der Staatsanwalt verzichtete auf eine Replit, ton, skizziert, vom tiefen Friedenswillen des allen Straßen Wiens sind am hellichten Tage worauf der Vorsißende die Vertagung des Urteils- englischen Voltes ausgehend, den Eindruck des massenhaft fleine Flugblätter zu finden, auf denen spruches bekanntgab. Vertragsbruches in England und fordert die Vors des Abkommens der Locarno- Mächte anne h= -sächlich aus Gründen der Wahlpropaganda die Antwort hinausziehen und neue Gegenforderungen stellen, hauptsächlich in bezug auf die Haager Arbitrage und auf die Räumung der 20- Kilometer- Rheinlandzone. Diese Auffas - Seite 2 Sonntag, 22. März 1936 Nr. 70 Der Funkkrieg hat begonnen Trommelfeuer auf die Radlosender Straßburg und Moskau Dank Masaryks fUr die Glückwünsche zum 86. Geburtstag Lang. Ter Präsident-Befreier erhielt z« seinem 86. Geburtstag einige tausend lieb« Grüße. Statt besonderen Danksagungen veröffentlichen wir folgende an alle adressierte Kundgebung, die z« diesem Tage dem Präsidenten Masarvk geschrieben haben: „Ich danke Euch, daß Ihr Euch meiner am 7. März erinnert habt, und wünsche Euch alles Gute." L a n y, im März 1936. T. G. Masarvk. läge eines Manifestes, das die Grundlagen des Friedens anfzeigen soll. Die Genossin Alice Pele, verdolmetscht die Auffassung der sozialistischen Frauen und fordert die Entfaltung einer Massenbewegung in der ganzen Welt gegen Hitler, während Genosse Kimmen von der Internationalen Transportarbeiter- Föderation die Frage stellt, welche Aufgaben die Arbeiterbewegung von sich aus erfüllen könne, um den Frieden zu sichern. Vincent A u r i o l schildert ebenso wie der vor ihm sprechende Vertreter der französischen Gewerkschaften Iouhaux die tiefe Ilnruhe, von der die französische Oeffentlich- kett durch den Vertragsbruch Hitlers erfüllt wurde. Der Führer der englischen Transportarbeiter B e v i n behandelt das wichtige Problem, Ivelche Garantien durch die Vertragstreuen Staaten zur Einhaltung der kollektiven Sicherheit geschaffen werden können. Am späten Menü werden die Verhandlungen, deren Spannung durch die stündlich einlangenden Nachrichten über die Beratungen im Völkerbundrat noch vermehrt wprde, abgebrochen und vertagt, nachdem die Konferenz noch die Genossen de Broulere. Auriol, Citrine und Dal- ton sowie die Sekretäre der beiden Internationalen beauftragte, den Entwurf des Manifestes auszuarbeiten. Graz. Das Schwurgericht in Leoben hat den Bäckerlehrling Otto Zechner wegen Verbreitung kommunistischer Flugblätter nach dem Hochverratsparagraphen zu sechs Jahrän schweren Kerker verurteilt. Warschau. Auf Grund einer behördlichen Anordnung wurde in den Posener Ortschaften Ra- wicz und Bojanow die Ortsgruppen der deutschen nationalsozialistischen Jugend-Organisation.^Jungdeutsche Vereinigung" aufgelöst. Die Auflösung erfolgte Nach der Feststellung, dass die OrgamsationS- leitung auch polnische Jugendliche zum Eintritt in die Organisation zwang. Chabarewsk.(Taß.) Nach einer Meldung der lokalen sowsetruffischen Behörden wurde am 21. Oktober 1888 auf die falsche Anzeige eines Weißgardistischen Polizisten hin in der Station Mjan- duche der sowjetrussische Bürger Bogomolow ver- hafret, von japanischen Gendarmen und Weißgar- Pfingsttagung der deutschen Juristen. Die diesjährige Haupttagung der Ständigen Vertretung des Deutschen Juristentages findet zu Pfingsten in Freiwaldau statt. Auf dem Programm der Haupttagung befindet sich das Thema„Reform des juristischen Studiums". Bis zum 7. März war eS den Bewohnern des Dritten Reiches immer noch möglich, sich durch den Rundfunk Über die wichttgsten Vorgänge im Aus, land zu unterrichten. Besonders der Moskauer Sender wurde gern gehört, obwohl das Abhören als strafbare Handlung gitt und mit Zuchthausstrafen geahndet wird, wenn es durch mehrere Personen gemeinsam erfolgt. Seit dem 7. März ist aber selbst mit den besten Radioapparaten der Moskauer Sender nicht mehr hörbar. ES war naheliegend, an diesem Tage das Echo der Hitlerrede durch ausländische Sendex zu verfolgen. Wien, Prag, Luxemburg und andere Sender deutscher Drache nahmen zuächst keine Stellung. Auch Rom, das seit Beginn des abessinischen Krieges regelmäßig in deutscher Sprache Propaganda für Mussolini übermittelt, beschränkte sich auf die Nachricht, daß der Inhalt der Hitlerrede um 11 Uhr vormittags den fremden Botschaftern in Berlin bekannt gegeben worden wäre. Moskau bezeichnet« als»außen» polittsches Hauptereignis der Woche" die Erklärungen, die Stalin einem amerikanischen Journalisten einige Tage früher gegeben hatte. Als dann die Rede auf Angriffsstaaten kam, die darauf ausgingen, mangels direkter Nachbarstaaten»Grenzen auf Kredit" zu nehmen(eS war um 21.08 Uhr), setzten durchschlagende Rasselgeräusch««in. Seit diesem Tage sind von den Moskauer Sendungen in deutscher Sprache immer nur einzelne Worte hörbar. Inzwischen aber wurde dem Ausland über alle deutschen Sender die Rede wiederholt, die Hitler in der Kroll-Oper gehalten hatte. Der Straßburger Sender kündigte dann mn Sonntag, den 8., die deutsche Uebersetzung der Rede des französischen Ministerpräsidenten Sar- raut an, die auch mit großer Verspätung übertragen wurde. SarrautS Rede konnte jedoch nur ungenau und in einzelnen Bruchstücken gehört werden. Auf der Straßburger Welle(349 Meter) lag plötzlich ein bisher unbekannter Sender, der mit höher Kapazität hohe Summertöne aussandte. Kraftstellen in der Rede SarrautS wurden außerdem durch einen noch stärkeren Morse-Sender übertönt. Seitdem werden alle Sendungen deutscher Sprache aus Straßburg ebenfalls systemattsch gestört. Nur ist das System dafür sozusagen verfeinert worden. Der tönende Brumm-Sender beginnt seine Tättgkeit regelmäßig kurze Zeit vor der Nachrichtenübermittlung. Außerdem aber laufen auf der gleichen Welle zwei andere ebenso starke Sender/ von denen jeder offenbar immer die gleiche Schallplatte spielt: Walzertatte und Glockengeläut. Diese Schallplatten setzen vorübergehend aus oder werden schwächer, wenn Straßburg Nachrichten übermittelt» die sich nicht mit Deutschland befassen. Dann stört nur der Brummsender. Alle referierenden Nachrichten aber, Berichte über den Völkerbund, Prefsestimmen usw. werden durch die vereinte Arbeit der drei Störsender in Deutschland unhörbar gemacht. Läßt man die Einstellung des eigenen Radioapparates unverändert, so ist eindeutig feststellbar, wie innerhalb von fünf Minuten nach Beendigung der Nachrichtensendung aus Straßburg einer dieser drei Störsender nach dem andern seine Tätigkeit einstellt und di« in Straßburg meist an schließenden Konzertübertragungen find dann, wie immer, absolut störungsfrei hörbar. Die deutschsprachigen Sendungen aus Moskau aber werden seit dem 7. März ganz systemattsch ohne Rücksicht auf ihren Inhalt gestört. Das geschieht durch zwei oder drei Sender, die mit höchster Kapazität arbeiten. Zwei senden Rassel- Geräusche in gleich bleibendem, hohen und ttefen Ton und der dritte übermittelt in schnellstem Rhythmus Geräusche ähnlich einer Bildfunküber- ttagung. Die Reden von Hitler, Goebbels und Göring aber sind von allen deutschen Sendern ohne jedwede Störung und wahrscheinlich weit über die Grenzen des Reiches hinaus, zu vernehmen. (»Neuer Vorwärts") Charles Maurras— vier Monate unbedingt Paris. DaS Uebertretungsgrricht verurteilte den Chefredakteur deS royalisttschen Blattes „Action Francaise", Charles Maurras, wegen eine- am 13. Jänner veröffentlichten Arttkels, in dem er zur Ermordung politischer Gegner, namentlich deS sozialistischen Deputterten Lion Blum aufforderte, zu vierMonatenGe- fängniS unbedingt. Dieses Urteil hat in RrchtSkreisen große Erregung hrrvorgerufe«. Schuschnigg und Gömbös In Rom Rom. Bundeskanzler Dr. Schuschnigg und Ministerpräsident GömböS wurden Samhtag von Mussolini empfangen. In der Kammer, deren Sitzung sie beiwohnte«, wurden ihnen große Ovationen bereitet. Die Pariser Presse widmet den römischen Unterredungen große Aufmerksamkeit..Journal des Dibats" teilt mit. daß die gegenwärttgen Wirtschaftsabkommen unter diesen drei Staaten werden intensiver gestaltet werden, ohne jedoch den Charatter einer Zollunion anzunehmen. Deshalb ist es recht gut möglich, sie den Ergebnissen der Wiener Reise uiü» den Unterredungen des Vorsitzenden der ttche- choslowattschen Regierung Dr. HodZa einzugliedern. Auch..Jntransigeant" verweist darauf, daß die Wiener Reise Dr. HMas Früchte getragen hab«. In Rom werde bereits von einer baldigen Reise Schuschniggs nach Belgrad gesprochen. Abessinische Erfolge? Italienische Gasbomben gegen Frauen Paris. Das HävaSbüro meldet" äÜS Addis Abeba, daß Ras Kassa und Ras Seyoum im Uarrital eine Offensive gegen die Italiener entfaltet und dem Feinde große Verluste zugefügt hccken. Auch an der Eritreafront sollen die Abessinier militärische Erfolge erzielen. Marschall Badoglio meldet nur, daß auch Samötag die Bombenaüivürfe fortgesetzt werden. Italienische Flugzeuge unternahmen Freitag vormittags einen Angriff auf die Stadt Erga Alem in der Provinz Sidamoh und warfen Gasbomben ab, wobei zahlreiche Frauen und Kinder ums Leben kamen. Das norwegische Rote Kreuz hat die Opfer dieses Luftangriffes in Pflege genommen und gleichzeittg beim Völkerbund gegen die Anwendung von Giftgasen scharf protestiert. 40> MÄNNER, FRAUEN I UND WAFFEN I Roman von Manfred Georg Copyright by Dr. Manfred Georg. Präs Schumann horchte auf den Zornesausbruch Gabrieles, die sich noch nicht beruhigt hatte. Sie erzählte, weil sie sah, daß er ahnungslos war, wie sie gezittert hatte, zu Mardrier zu gehen, wie der Wunsch, vielleicht doch Aufflärung über den Vater zu erlangen, sie schließlich hingetrieben hatte. Nachher hatte er sie mit ein paar Redensarten aus dem Zimmer geivyrfen. Gar nichts hatte sie erfahren. Schumann hörte und hörte und blickte auf Jnanito, der an einem Stück Gummi kaute. Er sah sich in dieses kleine Gesicht hinein und verweinte immer nur wieder MardrierS Züge darin zu erblicken. Welche Rechnung war hier zu begleichen! Zivei Tage blieb.er eingeschlossen auf seinem Hotelzimmer. Er wagte sich nicht mehr hinüber zu seiner Tochter. Zehn, zwanzig Briefe hatte er angefangen, hatte sie wieder zerrissen, hatte von neuem begonnen. Unrasiert schmierte er über die Papiere, die verkleckst und schmutzig waren von seinen hastigen, nervösen Bewegungen. Er hatte nicht Auge und Ohr für däS, was draußen auf der Straße vorging. Ab und zu spießte er mit einem Holzstäbchen eine von den Oliven auf, die der Wirt heraufgebracht hatte. DaS übrige Essen, das man ihm hinstellte» wurde sauer und stand in der Stube. Am Morgen des dritten Tages taumelte er, von einem riesigen Krachen geweckt, aus dem Bett, Geschrei auf der Straße. Geschrei auf den Treppen. Die Hölle war auSgebrochen. Limeo wurde beschossen. Er kannte den hohen, sausenden Ton der Granaten, hörte durch das offene Fenster ihr Zwitschern, ehe sie krepierten, unterschied den Aufschlag der Fliegerbomben. Ein Krachen und Splittern, das Dach des gegenüberliegenden Hauses zerbarst. Der Feind mußte schon mitten in der Stadt sein. Im Nu war Schumann auf der Straße, geriet in einen Strom Flüchtlinge, der nach dem Gewerkschaftsgebäude hintrieb. Als sie ankamen, ertönte drinnen eine Detonation und das Gebäude fiel wie eine Spislzeugschachtel in sich zusammen. Reben ihm schrie jemand:„Sie haben sich selbst in die Lust gesprengt." Trommelwirbel rückte heran, Trompeten schmetterten. Mit weißel^ wehenden Mänteln brach Kavallerie durch die schmalen Straßen- schluchten. Eine Frau brüllte:„Schande, Schande, sie haben Marokkaner geschickt. Sie lassen uns von Wilden abschlachten." Dann kam es mit verhängten Zügeln heran, Pferdekopf an Pferdekopf, mit wildem, fremdartigem Geschrei. Ein Säbelhieb traf Schumann in die Schulter, mitten in die Kriegsnarbe hinein. Er stürzte ohnmächtig nieder. Als er wieder zum Bewußtsein kam, fühlte er einen schweren Druck auf seiner Brust. Ein bärtiger Arbeiter lag quer über ihm. Er wälzte den Toten herunter und kroch mühsam in den Hauseingang, vor dessen Stufen er lag. Da aber zerrten ihn schon Hände hoch, Soldaten schleppten ihn weg. Er flog eine Treppe hinunter und verlor von neuem das Bewußtsein. Es war ein improvisierter Gefangenenraum, in dem er sich befand. Mindestens hundert Menschen lagen und standen, meistens verwundet, in dem niedrigen Keller. Wo ist Gabriele? war sein erster Gedanke, als er erwachte. Er fragte mit schwacher Stimme seinen Nachbarn. Der aber konnte nicht sprechen, weil bei jedem Versuch dazu ihm das Blut in hellen Strömen zum Munde herausschoß. Die meisten saßen in dumpfer Apathie so wie sie vor Stunden— oder war's vor Tagen? —- hier hineingebracht worden waren. Es waren Männer und Frauen jeden Alters, auch Kinder waren dabei. In einer Ecke starb ein aller Mann seit drei Stunden. Niemand kümmerte sich um ihn. Das Schicksal hatte alle so schwer getroffen, daß sie ihst um seinen Tod beneideten. Es war besser, hier allein sich davon zu machen, als die schrecklichen Minuten mit der Binde vor den Augen an einer Mauer draußen zu erleben. Tief in der Nacht erschien ein Mann mtt einer Laterne und rief den Namen Schumann auf. Als dieser sich meldete, hoben ihn die beiden, den Mann mit der Laterne begleitenden Soldaten hoch und trugen ihn nach oben. Ein Ostizier salutierte. Er war frei. Girobles, der um Schumann- Anwesenheit in Limeo gewußt hatte, hatte sich um seinen Verbleib gekümmert. Die Stadt war vollkommen besetzt von Truppen und zeigte noch alle Spuren des Kampfes. Noch nicht einmal die Toten waren davongetragen worden. Man hatte keine Zett dazu. In der Umgebung wurde noch gekämpft, die Regierungstruppen brauchten jeden Mann. Der Säbelhieb war mit der flachen Klinge gekommen und mehr schmerzhaft als verletzend gewesen. Nach Anlegung eines Rotverbandes entließ der Arzt den Rittmeister. Das Bombardement hatte die Gegend so seltsam verändert, daß er kaum das Haus Gabrieles fand. Schließlich erkannte er es an der kleinen, weißen Tür, die fast allein noch von dem übrigen Fach- und Mauerwerk aufrecht stand, wie ein grotesker Eingang in einen Schutthaufen. Er brauchte nicht lange zu suchen. Er konnte nicht erkennen, ob Gabriele von einer Kugel getroffen oder von niederstürzendem Gestein zerschmettert worden war. Aber er sah Kleid und Schuh« deutlich genug. Nach dem Kinde suchte er nicht. Er hätte die Steinhaufen aufwühlen müssen. Ein Priester, der vorüberging, half ihm, die Tote in die improvisierte Leichenhalle zu bringen, die in der Turnhalle der Bürgerschule aufgeschlagen worden war. Schumann war nicht allein. Eine ganze An- Wle es sich Ribbentrop in London dachte>•. ... und wie es kam Der Schuldsprudi Der Kraftaufwand Italiens Rom.(Tsch. P. B.) Der Staatssekretär im Kriegsministerium General Baistrocchi erklärte vor der Kammer, daß für den ostafrikanischen Feldzug 21 Divisionen mobilisiert worden seien. 87.000 Maultiere und 13.000 Kraftfahrzeuge würden in diesem Kriege verwendet. 1,000.000 Tossnew verschiedenen Materials' IcF in 7600 Zügen, 255.000 Waggons und in 450 einzelnen Schiffsreisen befördert worden. Angesichts der Tatsache, daß sich der Krieg 4000 bis 8000 Kilometer entfernt vom Mutterlande abspiel«, überstiegen die für Ostafrika gemachten Anstrengungen diejenigen für den Welttrieg. l» Im Verhältnis zu diesen Anstrengungen ist der Erfolg recht mager. Evwägt man noch, daß dieses Riesenaufgebot von Menschen und Technik sich gegen ein schlecht bewaffnetes,„unzivillfier- tes" und staatlich kaum organisiertes Volk von zehn Millionen Farbigen richtete, so wird man den Gipfelleistungen italienischer Kriegskunst trotz allem skeptisch gegenüberstehen. zahl von Frauen und Männern saßen und knieten in dem Raum und betrachteten fassungslos, was eben noch blühendes Menschenleben gewesen war. Nonnen gingen umher und suchten Trost zu spenden. Aber niemand hörte auf sie. Gabriele war bis zu den Füßen mit einem Tuch zugedeckt. Schumann wagte es nicht, es zu lüften. Er holle wie im Trance die alle, kleine Photographie aus der Tasche, steckte sie wieder fort, holle sie noch einmal hervor, als wolle er sich vergewissern, daß dieses alles Wahrheit war. Dann äste er, auch jetzt noch, ohne sich recht klar zu sein, was er tat, eine Lederschleife von dem braunen, kräftigen Schuh, der da vor ihm aufragte, steckte sie in die Tasche und ging hinaus. Er ging eine ganze Weile. Aber erst vielleicht nach einer halben Stunde merkte er, daß er stoischen hohen Bäumen auf einer Landstraße marschierte. Geschützdonner grollte ihm in die Ohren, am Horizont lag heller Feuerschein. Dort brannte ein Dorf. Lichter überfluteten ihn jäh. Ein Auto tauchte auf. Er ging nicht zur Seite. Die Bremsen deS Wagens kreischten. Ein Soldat sprang heraus und schrie ihn an:„Sind Sie wahnsinnig geworden?" Er blinzelte nur trübe zurück und flüsterte: „Ja, vielleicht, würden Sie sich darüber wundern?" Der Soldat fluchte. Er verlangte seine Papiere, griff ihm in die Tasche, fand die Empfehlung und lud ihn auf den Wagen. # Wie er schließlich nach Barcelona ins Krankenhaus gekommen war, daran konnte sich Schumann nicht mehr erinnern. Eines Tages saß Girobles an seinem Bett und lächelle erfreut: „Mso, eS geht ja schon wieder. Heute bin ich nur wenige Minuten hier. Der Arzt hat streng verboten, länger bei Ihnen zu bleiben. Aber ich komme sehr bald wieder." (Fortsetzung felgt.) Rr. 70 Sonntag, 22. März 1036 Seite 3 fudetcndcutscftc| Zeitspielel bei i \ der Staatsbahndirektion in Königgrätz untersucht. Anton Roscher, Vorsitzender. Wann darf man armen Arbeiterinnen Lohnse'der vorenthalten? Die internationale Gewerkschafts-Aktion für den Frieden. Die gemeinsame Landeszentrale der Gewerkschaften hat in ihrer letzten Sitzung den Beschluß gefaßt, im Rahmen der Aktion, welche von der Gewerkschafts-Internationale eingeleitet wurde, auch in Prag, ebenso wie dies in anderen europäischen Hauptstädten geschehen wird, eine Kundgebung für den Frieden und gegen die den Frieden gefährdenden Methoden zu veranstalten. Die Kundgebung wird Donnerstag stattfindcn. Der Henlein-Landesvertreter Julius Helzel aus Johannesdorf bei Haida, welcher armen Blumenarbeiterinnen einen Teil ihres Lohnes mit der Begründung vorenthalten hat, daß er das Geld für sich brauche, hat unseren seinerzeitigen Artikel berichtigt. Wir haben diese Berichtigung, welche dem Pretzgeseh entsprach— Helzel kennt sich im Prcßgesetz anscheinend ebensogut aus wie im Strafgesetz 1— veröffentlicht und mit einer Bemerkung versehen. Helzel sieht nun die Gelegenheit zu einer Preffe klage gegen uns; für uns ist dies ein Anlaß, ihm neuerlich öffentlich zegenüberzutreten. Helzel zitiert uns vor das Prcssegericht, wir zitieren ihn vor das Gericht der Arbeiter. Woher kam der KampfeSeifer dieses Spitzenfunktionärs der eindeutig sozialen Henleinpartei? linier erster Bericht vom 1. Feber d. I., in welchem wir Hststellten, daß Helzel armen Heimarbeiterinnen Lohngelder aus den Jahren 1027 und 1928 schuldig geblieben ist— Beträge bis zu 330 XL, aber auch solche von 22, 25 und 82 XL —, wurde von ihm nicht berichtigt. Bis heute nicht! Erst als wir auf Grund einer unrichtigen Information meldeten, daß er deshalb wegen Veruntreuung. verurteilt worden sei, rückte Helzel mit Berichtigungen und der Klage heraus. Wieso kommt es, daß Helzel freigesprochen wurde und sogar in der Rolle des gekränkten Ehrenmannes auftreten kann? Hat er etwa den armen Heimarbeiterinnen, die mit jedem Heller Lohn rechnen müssen, rechtzeitig alles ausgezahlt, was er ihnen zu zahlen hatte, ist er ihnen etwa nicht Gelder aus den Jahren 1927 und 1928, also sieben und acht Jahre, schuldig geblieben— mit der späteren Begründung, daß er eS für sich gebraucht hätte? Sah sich die Staatsanwaltschaft nicht veranlaßt, gegen ihn die Anklage wegen des Verbrechens der Veruntreuung zu erheben? Nichts von alledem. Diese Feststellungen sind richtig und blieben auch von Helzel unwidersprochen. GNur eines konnten die Arbeiterinnen, die gegen ihn die Strafanzeige erstatteten, und auch die Staatsanwaltschaft nicht wissen: daß nämlich eine einfache Formfrage Helzel zu Hilfe kommen würde. Damit verhält cs sich so: Helzel konnte nachweisen, daß zwei verschiedene Arbeits- bzw. Gcschäftsverhältnisse bestanden. Das eine zwischen ihm und der Auftragsfirma, das andere zwischen ihm und den Heimarbeiterinnen. Zwischen der Firma und den Arbeiterinnen bestand kein Arbeitsverhältnis und Helzel war nur tatsächlich, aber nicht im A u f t r a g der Firma Vermittler. Zwar wußten alle Beteiligten, daß in den Beträgen, welche Helzel erhielt, die Löhne der Heimarbeiterinnen enthalten waren, aber er erhielt sie nicht mit dem Auftrag, die Löhne auszuzahlen. Der Buchstabe des Gesetzes war für Helzel. Helzel ist ein Ehrenmann ohne Vorstrafe. Er ist nur den Lohn jahrelang schuldig geblieben. Doch das ist eine— zivi lrechtliche Frage. Die armen Arbeiterinnen, welchen der Hen- lein-Mann Teile des Lohnes nicht ausbezahlt hat, können ihn jetzt vor das Zivilgericht rufen. Dort werden sie von ihm hören, daß i h m selbst zwar alles bezahlt wurde, daß er aber einen Teil dieses Geldes sofort zurückgeben mußte(weil er sich Geld für ein Motorrad ausgeborgt hatte l, so daß ihm nur soviel übrig blieb, als er für sich selbst brauchte. Gewiß werden sie Mitleid mit dem armen Henlein-Landesvertrcter haben und auf den Rest des Lohnes verzichten. Und ebenso gewiß werden die Arbeiter, die nun den Sachverhalt kennen, sagen: Dem Helzel ist Unrecht geschehen, denn tvaS ist natürlicher, als daß er erst an sich und dann an die Zahlung von Löhnen denkt? Und was ist natürlicher, als daß gerade er Landesvertteter der eindeutig sozialen Henleinpartei ist? leit von Volk zu Volk und von Stand zu Stand. Mühlig enthielt sich in seiner Rede jedes Angriffes auf die Arbeiterschaft» was er aber über die Auslandstätigkeit unserer Erportindusttie gesagt hat, war zu wenig, um überzeugend zu wirken. Daß ein Unternehmer, gegen^kooperative Wirtschafsformen" ist, überrascht weiter nicht, nur hat es sich gezeigt, daß die Privatinitiative in dieser Krise versagt hat und daß es daher naheliegt, zu kooperattven Wirtschaftsformen zu greifen. Der zweite Redner Preiß gab zunächst einen geschichtlichen Rückblick, in welchem er zeigte, daß auch in früheren Jahrhunderten Zusammenarbeit zwischen Tschechen und Deutschen stattgefunden habe und setzte sich sodann insbesondere für die Beseitigung der Schwierigkeiten des internattonalen Außenhandels ein. Bemerkenswert ist jene Stelle in der Rede, in welcher sich Dr. Preiß mit dem Verhältnis von Industrie und Landtvirtschast befaßte.„Es geht darum, in diesem Staate ein solches Regierungssystem zu schaffen, welches auf Grund bedingungsloser Rechtssicherheit und unter Berücksichtigung der Tragfähigkeit aller Schichten unparteiisch und gleich gerecht für die Hebung sowohl industrieller Interessen wie auch landwirtschaftlicher Arbeit wirken würde, weil Industrie und Landwirtschaft schicksalhaft aufeinander angewiesen sind."(Der Beginn dieses Satzes ist reichlich dunkel, man kann sich darunter alle? mögliche denken, während man mit dem Schluß einverstanden sein kann.) SdP in Tetschen wurde den versammelten Delegierten feierlich versprochen, daß künftig alle unsozialen Elemente aus der alleinseligmachenden Volksgemeinschaft hinausfliegen werden. Run ist es an der Zeit, daß die sogenannten Standesvertrrter der SdP-Arbeiter nicht nur reden, sondern auch handeln. Wir sind gerne bereit, ihre unzureichenden Kenntnisse über das unsoziale Verhalten von SdP- Unternehmern laufend zu ergänzen. Die Henlein- Proleten aber mögen gut aufpassen, ob die Versprechungen der Herrn Henlein, Sandner und Kasper auf der Tetschner Tagung auch ernst gemeint Ivaren, oder nur eine gewöhnliche Augenauswischerei darstellten. Zu diesem Thema geben wir heute unserem Pilsner Bruderblatt»Zukunft" das Wort. Es schreibt: »Konrad Henlein hat auf der Standesta- gung der Arbeiter in Tetschen höchstpersönlich gesagt, daß die SdP, e i n d e u t i g s o z i al" sei und niemand in ihr Platz habe, der nicht ebenfalls eindeutig sozial sei. Wir erlauben uns nun, dem hohen Führer einige Fragen vorzulcgen. Er möge die Freundlichkeit haben, unS zu sagen, ob das Verhalten gewisser Leute eindeutig sozial ist und wenn nicht, dann möge er Ordnung schaffen. Der Verleger Müller auS Hesselsdor f ist Mitglied der SdP. Er beschäftigt mehr als 100 Heimarbeiter. Von diesen Heimarbeitern dürfte kaum einer in der Kranken- und Altersversicherung gemeldet'sein, obwohl bei der Mühlig und Preis zur Wirtschaftslage Samstag, den 21. März, fand in Teplitz die Vollversammlung des Deutschen Haupwerbaudes der Industrie statt, auf welcher Dr. Josef Max Mjihlig und der Zipnobankdirektyr Dr< Preiß Reden hielten.'.."• Mühlig verteidigte die Export'industrie insbesondere dagegen, daß sie die Organisation des Ausfuhrgeschäftes vernachlässige, daß sie zu bequem sei und zu wenig ins Ausland gehe. In Wirklichkeit habe die Ausfuhrindustrie Anstrengungen gemacht, um auf den fremden Absatzmärkten einzudringen. Sie habe sich auch bemüht, die Kostenbestandteile herabzusetzen, soweit dies möglich sei. Und die Industrie könne aus der Kriese nur herauskommen, wenn ihr Schicksal als eine der wichtigsten Fragen des Staates behandelt werden wird. Mühlig wandte sich dann gegen die„schrankenlose Airwendung kooperattver Wirtschaftsformen", welche der Beseitigung des Systems der privaten Unternehmertätigkeit gleichkommen. Zum Schluß mahnte Mühlig zur Einig-1 Brief an den Zeitspiegel Der tschechoslowakische Rundfunk im Dienste der SVH „Wer Mittwoch abends die deutsche Sendung abhören wollte, um zu erfahren, was man mit Hitlers Rechtsbruch in London angefangen hat, war überrascht und glaubte, er hätte sich in der Skala geirrt und einen reichsdeutschen Sender eingestellt. Denn aus dem Lautsprecher ertönte im■Auftrage der SVH. der Aufruf: Sudetendeutsche und Sudetendeutscher! Nur noch drei Tage läuft die Sammlung für„unsere“ SVH. Spende daher jeder soviel als möglich, damit in diesem Jahre das doppelte Erträgnis wie im Vorjahr erzielt wird!— Abgesehen davon, daß wir diesen Aufruf als eine schwere Entgleisung der Rundfunkleitung ansehen, denn die behördlichen Eingriffe in die Machinationen der SVH. und das Material, das uns zur Verfügung steht, beweisen deutlich, daß es nicht um eine Spendenverteilung für alle Notleidenden geht, sondern um einen Seelenfang, hinter dem die SdP. steht, werden wir nun in Zukunft das gleiche Recht für unseren Verein„Arbeiterfürsorge“ in Anspruch nehmen und verlangen, daß auch unsere Sammelrufe durch den Rundfunk verbreitet werden. Gerade in diesen schweren Tagen, in denen durch die Friedensbedrohungen des Dritten Reiches die ganze Welt weiß, woher der drohende Sturm kommt, ist es ein Hohn auf alle demokratischen Friedensbemühungen, wenn aus unserem Rundfunk für die SVH., der Nachahmung der reichsdeutschen Winterhilfe und der damit verbundenen Augenauswischerei, Propaganda getrieben wird.“ Die„Deutsche Preffe" setzt ihre unrühmliche Tätigkeit im Dienste Starhembergs und gegen tie in Wien angeklagten Sozialisten fort. In einem Leitattikel stellt sie die unwahre Behauptung auf, die Angeklagten hätten versucht, M i t H i I f e desAuslandes eine neue Partei zu crgani- sicren. Sie behauptet ferner, die Sozialisten der ganzen Welt interessierten sich deshalb so sehr für den Prozeß, weil die Aufdeckung des angeblichen Hochverrats sie schweb treffe. Dazu wollen wir der»Deutschen Presse" nur verraten, daß es für uns eine moralische Pflicht der Solidarität gibt, die vielleicht jenen katholischen Kreisen unverständlich ist, di? ihrerseits so lang- Zeit für den verfolgten reichsdeutschen Katholizismus keinerlei Solidarität aufbrachten; uns und allen sittlich empfindenden Menschen ist solche Solidarität aber selbswerständlich. Um unsere Bewegung in Oesterreich ist uns nicht bange. Sie lebt gerade in den letzten Monaten wieder so sichtbar auf, daß sie nicht, wie die»Deutsche Presse" sich ausdrückt, aus der Versenkung spricht, sondern überall sichtbar wirkt.„AuS der Versenkung" sprechen eher jene Christlichsozialen, die unter den Triumphwagen des Starhemberg gekommen sind und sich nicht erholen können. Wenn wir uns für unsere Genossen einsetzen, so geschieht eS endlich auch aus der Sorge, daß ein Regime, dem nichts heilig ist, das Eide gebrochen, Menschen in Massen gemordet und mit dem Nazismus immer wieder gepackelt hat, seine Drohung lvahrmachen und auch Sailer und seine Mitangeklagten ermorden könnte, wenn das zivilisierte Europa nicht sehr deutlich seine Meinnung über solche »Justiz" zu erkennen gibt, die zu verteidigen außer der»Deutschen Presse" kaum jemand Lust zu haben scheint. Es gehört wirklich ein robustes G e wissen und ein guter Magen dazu, um das SystemStarhemberg zu schützen I Ein Eduard Benes-Platz in Tetschen. Die TetschNer StadtvertretuNg hat einstimmig beschlossen, den Sternplatz in Dr. Eduard Benes-Platz umzu» „Obwohl sieh Genosse Lorenz nicht entschließen konnte.. In der»Roten Fahne" veröffentlicht ein gewisser Herr Lorenz einen schwulstigen Artikel„Zur Parteikonferenz der DSAP in Prag". Der Mann.war.seinerzeit inA kch.sozialheMsm-r bischer Parteisekretär. Sein Einschwenken ins kommunistische Fahüvasser wurde von allen, die ihn kannten, keineswegs als tragischer Verlust gebucht. Nachdem ihn die KPC schon seit Jahren als den bekehrten Saulus von Versammlung zu Versammlung geschleppt hat, fand sich für Lorenz auch ein Pöstchen als deutscher Sekretär der sogenannten»Freunde der Sowjetunion". Obwohl sonach die polittsche Einstellung des Artikelschreibers außer jedem Zweifel steht, stellt ihn die»Rote Fahne" mit folgenden ulkigen Komplimenten vor. „Obwohl sich Genosse Lorenz nicht entschließen konnte, der KPTsch beizutreten, geben wir ihm dennoch als einem Linken der Tatund wahren Freund der Einheitsfront gerne das Wort.,." Dieses Lob der„Roten Fahne" hat sich Lorenz redlich verdient. Daß er sich bisher nicht entschließen konnte, das Mitgliedsbuch einer Partei zu erwerben, in deren Versammlungen er eine beliebte Attraktion darstellt, dürfte doch taktische Ursachen haben. Wir wollen unS doch nichts-vor» machen lassen: Weil die kommunistischen Redner nicht mehr ziehen, werden sie mit Vorliebe wenigstens mit dem Nimbus deS ehemaligen Sozialdemokraten ausgerüstet, Wettern sie dabci fleißig auf die Partei, deren guten Namen sie mißbrauchen, dann wird ihnen der bombastische Titel eines „Linken der Tat" verliehen. Sjie Sozialdemokraten, die mit dem HenleinfaschismuS im erbitterten Kampfe stehen und für ihre Gesinnung oft ihre Haut zu Markte tragen, sind natürlich Waisenknaben gegen besagten„Linken der Tat", der als bezahlter kommunistischer Agent durch das Land reist. Diese Mätzchen kennen wir nun seit fünfzehn Jahren. Sie werden von den sozialdemokratischen Arbeitern schon genügend durchschaut. Das enthebt uns auch der Aufgabe, uns mit den Ergüssen deS Herrn Lorenz über die weltbewegende Bedeutung eines Vereines, genannt Bund der Sowjetfreunde, auseinandcrzusetzen. Denn die Sozialdemokraten bleiben der„Roten Fahne' und ihrem Liebling Lorenz zum Trotz: S o- wjetfreundederTat. ZugSrntgleisung bei Ober-Einsiedel. Tie Staats- ! bahndirektion in Königgrätz teilt mit: Am 20. März 1836 entgleisten um 17.48 Uhr in der Haltestelle beim Bahnhof Ober-Einsiedel die letzten vier Waggons des Lastzuges Nr. 384. Die Sttecke blieb bis 20 Uhr unpaffierbar. Die Reisenden der Züge 6507 Eindeutig unsozial! Wann werden die Ausbeuter aus der SdP hinausfliegen? Auf der gesamtstaatlichen Arbeitertagung der bekannten schlechten Lage der Heimarbeiter Krank-, ~’ heiten in ihren Familien sehr häufig sind. Ist das benennen. „eindeutig sozial", Herr Henlein, daß diese über Gebühr ausgemergelten und ausgebeuteten Arbei- ter keinen Schutz im Falle der Erkrankung und der Jnvalidttät haben? Derselbe Verleger zahlt so schlechte Löhne, daß die Heimarbeiter zumeist für die fertige Ware nicht einmal den Preis des ver-1 und 310 mußten umsteigen. Personen sind nicht arbeiteten Holzes verdienen, ,verletzt worden. Ter Materialschaden ist gering. V. ordentlicher Gewerkschaftskongreß des Deutschen Gewerkschaftsbundes In der Tschechoslowakei Die Zentralgewerkschaftskommission hat im Einvernehmen mit den Verbänden des Deutschen Gewerkschaftsbundes den 5. Ordentlichen Gewerkschaftskongreß für die Tage vom 23. bis e i nsch li e ßli ch 26. Mai 1936 nach R e i- ch e n b e r g in die Räume des„Volksgarten" einberufen. Vorläufige Tagesordnung: 1. Eröffnung und Konstituierung. 2. Die Tätigkeit des Deutschen Gewerk schaftsbundes: Rückblick. " h) OrganifättonSfragen. z 3. Wirtschaft und Sozialpolitik,' 4. Gewerkschaften und Demokratie. 5. Wahlen. 6. Anträge und Angelegenheiten, die früheren Punkten nicht erledigt werden konnten. Die näheren Mitteilungen zur Tagesordnung über die Delegierung und die Einbringung von Anträgen sind, den zuständigen Oranisatio- nen auf schriftlichem Wege zugegangen. Für die Zentralgewerkschaftskommission des Deutschen Gewerkschaftsbundes in der Tschechoslowakei: Franz M a c o u n» Sekretär. arbeit et en Holzes verdienen,, Die Verdienste der Verleger! Die Ursache des Unfalles wird von einer Kommission aber sind glänzend I Wir verweisen/ nur darauf, daß Spielwaren erzeugt werden, die! am Markt mit zwei Kronen per Stück zum Ver kauf gelangen. Der Heimarbeiter bekommt für liintt lind FPhc tausend Stück XL 60.—, manchmal aber auch nur«*MlijJ Ml IM KlGUo Xö 25.—. Der Verdienst deö Zwischen« und auf der RelChltagtWahlllfte Detailhandels bei tausend Stück dürfte sich zwi schen XL 1500.— bis XL 1750,— bewegen. Nun, Herr Henlein, wir fragen Sie, ob die ses Vorgehen„eindeutig sozial" ist. Wir haben nur Herrn Müller genannt. Sie können aber ihre SdP-Berleger ausnahmslos dem Herrn Müller gleichstellen. Die Unternehmer der SdP lassen die Arbei ter bei niedrigen Löhnen 70 und 80 Stunden arbeiten, während der Herr Kaspar von der 40- Stundenwoche spricht. Ist das„eindeutig sozial"? Herr„Führer"! Antworten Sie auf unser- Fragen und kneifen Sie nicht ausl Sie müssen Farbe bekennen I Ihren Worten müssen nun die Taten folgen. Jetzt gilt es, zu handeln. Ist das Verhalten der Unternehmer und Verleger nicht eindeutig sozial, dann hinaus mit ihnen aus der SdPI" Die Liste der für den Reichstag auser- sehrnen Personen wurde nunmehr auch der Oeffentlichkett bekanntgegeben. Sir enthält auch Namen von tschechoslowakischen und österreichischen Emigranten, so Frauenfeld, Hofer und Reschny. Sowohl Krebs als auch Jung kandidieren. Zwischen beiden steht im Verzeichnis der Mörder Killinger. Listrnführer ist Hitler. e> Daß die schon längst vom Dritten Reich besoldeten Krebs und Jung bei dieser Gelegenheit auftauchen, ist alles andere als zu bedauern. Es soll nur jeder immer wieder zeigen, in welche Gesellschaft er gehört. Es trägt auch nichts wesentlich Neues zur Charakteristik des Hakenkreuzes bei, wenn es solche Subjette auf gutbezahlte Posten setzt, die es als Ehrenstellen bezeichnet Seite 4 Sonntag, 22. März 1936 Mr. 70 Jagesneuigkeiten Sein Monument In Karlsruhe sagte Hitler: ,, Wenn wir heute in einen Krieg gestoßen würden, dann kostet jede 30-3entimeter- Granate 3000 Mart, und wenn ich noch anderthalb tausend Mark dazulege, dann habe ich ein Arbeiterwohnhaus, und wenn ich eine Million solcher Granaten auf einen Haufen lege, dann ist dies noch lange fein Monument. Wenn ich aber eine Million solcher Häuser habe, in denen so viele deutsche Arbeiter wohnen können, dann fese ich mir damit ein Denkma I." Ich Mir!" Wilhelm konnte es nicht so gut. Zunächst errichtete Er Sich übrigens in Karlsruhe teine Arbeiterhäuser, sondern ein Versammlung szelt, das laut Bericht der Berliner Morgenzeitung also aussah: Von dem Umfang der Riesenhalle fann man sich einen Begriff machen, wenn man folgende Zahlen hört: Gesamtlänge 192 Meter, Gesamtbreite 112 meter; dazu sind 45.000 Pfähle nötig, während die für die Sizreihen erforderlichen Bretter eine Länge von insgesamt 30 Kilometer ausmachen. Die Rednertri büne findet ihren Plazz unmittelbar vor dem Mittelzelt. Gleichzeitig mit der Errichtung des Zeltes erfolgt der Einbau einer aufs modernste eingerichteten Lautsprecheranlage. Auch die elektrische Beleuchtung wird auf das sorgfältigste vorbereitet. Zahlreiche Tele phonze II en stehen der Presse zur Verfügung. Das Riesenzelt erhält einen ansprechenden Schmuck von Fahnen und Tannengrün, der auf 80 raftwagen herbeigeschafft wurde. In solcher und ähnlicher Weise setzt ErCich so viele Denkmäler, daß die gemeinnügigen Baupläne leider bis auf weiteres verschoben werden müssen. ( Aus dem Neuen Boriväris") 3 Blick auf die Ratstagung während der Rede Ribbentrops Donnerstag hielt der Vertreter Hitlers, Rippen trop, vor dem Völkerbundsrat seine provokante Rede über Hitlers Standpunkt zu der Locarnofrage. Unser Bild zeigt einen Teil der Ratstafel, und zwar von links nach rechts: Botschafter Grandi Italien, Außenminister Flandins Frankreich, Ratspräsident Bruce-Australien, Generalsekretär Avenol, Außenminister Eden England, Kommissar Litwinow Sow jet- Rußland, Außenminister Oberst Bed Polen. urteilen. 0 M teoriten zusammen. Am Flugzeug wurde die[ Entlassung auszusprechen... Schußhaft fönne delifte. Dafür aber bestehen die übrigen 90 Pros Antenne und die Flügelverspannung beschädigt. schon für sich allein einen wichtigen Grund zur zent fast ausschließlich auf Totschlag und KörperDie acht Reisenden tamen ohne Unfall davon. fristlosen Entlassung bilden; sie werde es regel- berlegung, eine Folge des sehr hoch entwickelten EhrAnfangs glaubte man, daß das Flugzeug von mäßig dann sein, wenn sie voraussichtlich längere gefühls, das die sofortige Sühnung jeglicher BeleiGutsbesitzer Robert Ley.( JTF.) Der Herr einer verirrten Kugel getroffen worden sei. Zeit dauert."( Urteil des Landesarbeitsgerichtes digung gebietet. Die fürchterlichste Beleidigung Dr. Robert Ley befand sich bis zum Beginn des Die Bilanz der Ueberschwemmungsfata Frankfurt, Frankfurter Zeitung, 14. März aber ist der Vorwurf, ein Dieb zu sein. Dritten Reiches in Geldschwierigkeiten; nicht strophe in den 14 Unionstaaten beträgt 240 Tote, 1936). Die Geheime Staatspolizei kann jeden Kriegsmarine auf Sfiern. Matrosen pflegen in weniger als dreimal hat er den Offenbarungseid 300.000 Obdachlose und 400.000 Dollar Schä- Mißliebigen zur Dauererwerbslosigkeit ver- der Ausübung ihrer beruflichen Pflichten normalergeleistet. Als Leiter der Arbeitsfront hat er sich den. Das Rote Kreuz kämpft in Pennsylvania aus den den deutschen Arbeitern und Angestellten und in Westvirginia gegen Typhus und Diphabgepreßten Beiträgen die ſeinen Bedürfnissen therie. In Maine wurde der Kriegszustand verentsprechenden Bezüge gesichert, heute zählt er zu tündet. Daily News" zufolge haben Frauen und den Neureichen des Dritten tei- Kinder in Pittsburg den Nahrungsmittelmarkt che 3. Da man in einflußreichen Kreiſen Hitler- geplündert. Beim Einschreiten der Miliz wurden Mark rechnet, versucht Leh, sein Geld in Sachwerten anzulegen und da im Dritten Reich wieder wie im wilhelminischen Kaiserreich die adligen Gutsbesizer und Offizire tonangebend sind, hat er sich in Waldbröhl bei Köln jezt das ca. 600 Morgen große Gut Rottland gekauft( Kölnische Zeitung, 21. Feber 1936). Der Kaufpreis wird mit 300.000 RM. angegeben. Der Brünner Gattenmord nach einer Romanvorlage ausgeführt. In der in Prag er scheinenden illustrierten Wochenschrift Zeit im Bild" wurde in der Zeit vom Oktober bis Dezember 1935 ein englischer Kriminalroman, be" zwölf Personen verlegt und zahlreiche angehalten. Auch in Leetsdale bei. Pittsburg wurden neun Personen wegen Plünderung von Geschäften verhaftet. Die heimgesuchten Gegenden bieten jetzt, wo das Wasser wieder langjant zurüdgeht, einen berzweifelten Anblick. Die vor Kälte zitternden und ausgehungerten Flüchtlinge verlassen ihre zeitweiligen Zufluchsstätten. Kleine Kinder irren, schmuzig und mit Kot bedeckt, durch die Gegend und suchen mit schreckerfüllten Augen ihre Eltern. in einer Höhle in Wheeling kamen drei Kinder zur Welt. werden. Bluttat eines Wahnsinnigen. Der 48jährige Sektionsrat der österreichischen Tabakregie Dr. Her mann Frühe, wohnhaft im 18. Bezirk, durchschnitt Samstag, früh seiner Quartiersfrau, der 78jährigen Witwe, Maria Meißel, die Kehle und öffnete sich darauf ſelbſt die Pulsadern. Beide wurden in einer Blutlache tot aufgefunden. Frühe hat, wie es scheint, die Tat in einem plöslichen Wahnsinnsanfall begangen. weise weder zu reiten noch stizulaufen. Der letztere Fall hat sich allerdings nun in der französischen Marine ereignet, die sich genötigt fah, eine Sti läuferabteilung zu schaffen. Der französische Ord mungsdienst in Syrien wird zu einem großen Teil von Marinesoldaten versehen, zu deren Dienstbe fugnissen auch die Aufrechterhaltung der Ordnung im Libanon gehört. Zur besseren Ueberwachung der hochgelegenen Pazübergänge sah man sich nun genötigt, die französischen Matrosen zu dieser gar nicht marinemäßigen Fortbewegungsart zu bringen, Wetteraussichten für Montag: Andauer des schönen Wetters. Wie der Mensch das Tier beträgt. Die traditionellen Elefantenjagden finden auch heute noch mit viel Pomp und unter der Begleitung von HunVom Rundfunk derten von Dienern und Dußenden von zahmen Elefanten, statt. Aber die moderne Zeit hat auch hier Empfehlenswertes aus den Programmen: ihren Einzug gehalten. Reiche Inder warten jetzt Montag: nicht mehr eine Einladung irgendeines Maharadichas ab. Sie begeben sich mit wenigen Begleitern in die " der Altersgrenze" ist der in ganz Jugoslawien beBolizeihund im Ruhestand. Wegen Erreichung Unter der Einwirkung eines Druckhochs über fannie Polizeihund Seftor, der fünf Jahre lang Bolen und Bessarabien, das sich am Samstag noch feinen Dienst an der Gendarmerie Station in Rus- verstärkt hat, dauert in unseren Gegenden bereits nica versehen hat, in den Ruhestand versekt worden. den vierten Tag schönes Wetter an. Bei erneut gegen Sektor respektive sein Herr erhielt während seiner Südosten drehendem Wind und ungestörtem SonnenDienstzeit 70 Dinar Gehalt monatlich; seine Alters- schein stieg die Temperatur am Samstag nachmittags pension ist auf 40 Dinar festgesetzt worden. Sein in der Republik stellenweise über 15 Grad an. Drud Die Sommerzeit in Frankreich wird heuer Herr glaubt, ihm mit dieser Summe ein ruhiges, störungen über dem Ozean und dem angrenzenden um Mitternacht vom 4. auf den 5. April durch wenn auch bescheidenes Leben bieten zu können. Teil des Festlandes werden einstweilen feinen, Eins titelt, Die Teufelstate", von James Cain ber- Verschieben des Stundenzeigers um eine Stunde Allerdings teilte er Reportern mit, daß Heftor noch fluß auf die Entwicklung des Wetters bei uns öffentlicht, die einen Mord behandelt, dessen Aus- voraus eingeführt werden. Damit wird in Frank- boll Tätigkeitsdrang sei und nunmehr als freier erlangen. Wahrscheinliches Wetter von heute: führung in allen Einzelheiten mit größter reich während der Sommermonate die französische Amateur- Detektiv gern jeden Auftrag ausführen Vorwiegend heiter, tagsüber warm, Südostwind. Wahrscheinlichkeit dem Mord an dem Brünner mit der mitteleuropäischen Zeit übereinstimmen. würde. Gerichtsrat Velgo zur Vorlage gedient zu haben scheint. Die mit der Untersuchung des Brünner Brand im Arbeiterviertel. In der schweGattenmordes betrauten Kriminalorgane haben dischen Stadt Halmstadt ist ein großer Brand nun ihrerseits die Vorlage des Kriminalromans ausgebrochen und hat viele Arbeiterhäuser ber angefordert, um auf Grund der Lektüre die Ver- nichtet. Während des Brandes spielten sich herz höre zu führen. zerreißende Szenen ab. Viele Frauen und Kin Mährisch- Ostrau bekommt einen Flugplak. der fonnten sich aus den brennenden Häusern nur Samstag wurde die Regulierung des Flugplages durch Sprung ins Sprungtuch retten. Die Retin Mährisch- Ostrau- Hrabůvka in Angriff getungsarbeiten wurden durch den herrschenden nommen, die derart beschleunigt werden soll, Wind sehr erschwert. Fünf Feuerwehrleute er- Dichungel und führen außer den Gewehren noch daß der Flugplatz im Juli ds. J. in den Dienst litten bei den Rettungsarbeiten Gasvergiftungen, einen anderen Apparat mit, den sie zwar nicht als des Flugverkehrs gestellt werden kann. zwei von ihnen mußten ins Krankenhaus gebracht Waffe gegen die Elefanten benußen, die aber doch dazu dient; die Gefahren einer solchen Jagd wesentDeutsche Buchgemeinschaft. Die in Gemein lid; berabzumindern. Es handelt sich nämlich um schaft mit dem Schußverband der deutschen ,, Heldische Bibelforschung. Im Bliz" Schriftsteller in der Tschechoslowakischen Republik einem Organ der Deutschen Glaubensbewe Grammophone mit starken Lautsprechern. Sobald gegründete„ Deutsche Buchgemeinschaft" weist gung". gibt der frühere evangelische Geistliche eine Herde wilder, Elefanten eine bedrohliche Halschon in ihrem ersten Bestandesjahr eine erfolg- ald unier der Ueberschrift Arisches und Untung einnimmt, werden die Schallplatten gespielt, reiche Wirksamkeit auf, die von der gesamten arisches" folgende Feststellungen" von sich: auf denen das Gebrüll von Tigern festgehalten ist. deutschen Presse rühmend anerkannt wird. Ihre Jejus Geisteshaltung in seinen leßten Stunden Das genügt, um die Elefanten zu erschrecken und bisherigen Veröffentlichungen, unter denen sich sei völlig unnordisch" gewesen. Der arische jogar in die Flucht zu jagen. auch eine solche des Alterspräsidenten Masaryk Mensch gehe ruhig und gefaßt seinem Schicksal| Ein Haus für eine Briefmarke. Ein kleiner Anbefindet, haben besten Anklang gefunden; um entgegen, möge es auch noch so schwer sein. Jesus gestellter in Seattle war ein leidenschaftlicher deren literarischen Wert noch zu heben, wurde habe in Todesangst gefleht, wenn es möglich sei, Briefmarkensammler. Vor kurzem wurde ihm die jezt für den besten Roman ein Preisausschreiben solle dieser Leidenstelch an ihm vorübergehen. Möglichkeit geboten, eine feitene Briefmarke veranstaltet. Die Bestrebungen der Deutschen Sein so widerspruchsvolles Dasein sei in bejam Sanada 1868 deren Katalogwert 500 Dollar Buchgemeinde, erstklassige Bücher in vornehmster meritswerter Enttäuschung über das Ausbleiben beträgt, anzukaufen. Sein ganzer Besiz beitand Ausstattung zu bisher unerreicht billigen Preis der bis zum letzten Augenblick erhofften wunder außer seiner über alles geliebten Sammlung und sen zu verbreiten, verdient eifrigste Förderung, baren Hilfe" Gottes ausgeklungen. Kein Held, jei seinem Haus. Die Kanada- Marke war die einzige, zumal für den geringen Jahresbeitrag durch Lie- da gestorben, sondern ein bemitleidenswert die ihm noch zum vollen Saz fehlte. Er entschloß sich, sein Haus zum Tausch gegen diese Marke anferung von sechs Halblederbänden eine wertvolle schwacher, hilfloser Mensch. Die Hungerpeitsche.( ITF.) Die Geheime zubieten. Der Verkäufer schlug ein. Der Tausch iche Presse, 19.30: Hebertragung aus Bilsen: Gegenleistung geboten wird. Zu den vornehmsten Aufgaben der Deutschen Buchgemeinschaft gehört Staatspolizei fann jederzeit jeden Deutschen in wurde notariell festgelegt, und in dem Vertrag wurde es auch, den heimischen Schriftstellern Verwertung Schußhaft" nehmen. Ein Rechtsmittel gegen die der Wert des Hauses ausdrücklich nicht durch eine und Verbreitung ihrer Geistesprodukte zu ermög- Maßnahmen der Gestapo gibt es nicht, das Dritte Summe Dollar, sondern für alle Zeiten durch den lichen; gleichfalls ein Umstand, der jedermann Reich ist ein Staat der Willfür. Jetzt hat ein Lan Wert der Briefmarke festgesetzt. V veranlassen sollte, seinen Beitritt unverzüglich desarbeitsgericht sogar noch entschieden, daß. Ar- Das ehrlichste Volf der Welt. Die neuesten anzumelden. Prospekte sendet bereitwilligst die beiter und Angestellte, die in Schuzhaft genom Kriminalstatistiker: erbringen den Nachweis, daß die Verwaltung der Deutschen Buchgemeinde Brünn, men wurden, auch wenn ihnen feine strafbare Tat Montenegriner ihren Ruf, das ehrlichste Volk der nachgewiesen werden kann, fristlos entlassen wer Welt zu sein, ganz zu Recht haben. Ziffernmäßig ist So etwas geschieht nicht alle Tage. Ein den fönnen. Die spätere Einstellung des Straf die Kriminalität in Montenegro nicht wesentlich gegroßes amerikanisches Flugzeug stieß während verfahrens ändere nichts an der Berechtigung des ringer als in anderen Ländern Europas; aber nur eines Fluges in Nord- Karolina mit einem Me- Betriebsführers, wegen der Schuzhaft die fristlose| 10 Prozent aller Verbrechen fallen auf EigentumsBratislavská 4. Brag, Sender 2: 6.15: Turnstunde, 10.05: Deutsche Presse, 12.10: Caruso auf Schallplatten, 13.30: Arbeitsmarkt, 13.40: Smetana: aus der Verkaufien Braut", 15: Liederkonzert, 15.20: Beethovenkonzert, 16.10: Nachmittagskonzert, 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Franz: Zehn Jahre Charitas, 18.45: Surrle: Theater in der kleinen Stadt. 18.45: Deutsche Pressenachrichten, 19.10: Smetana: Aus dem Stu", 19.15: Englisch für Anfänger, 20.55: III. Stonzert für Klavier und Orchester, 21.40: Jazzlieder, 22.20: Russisch für Fortgeschrit tene. Sender S: 7.30: Orchesterkonzert, 14.20: Deutsche Sendung: Bunie Schallplattenfolge, 14.50: Deutsche Nachrichten, 19.10: Flötenkonzert. Brünn 15.35: Klavierkonzert, 17.40: Deutsche Sendung: Dr. Hermann: Werte Hugo von Hofmanns Presburg 12.35: thals, 20.40 Violinkonzert. Mittagskonzert, 21.40: Harfenkonzert. Mährisch stran 17.35: Klavierkonzert, 21.40: Tanzmusik. Dienstag: Brag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 11: Grieg Stonzert, 11.05: Deutscher Schulrundfunt: tschechisches Stulturleben, 12.10: Mozart- Stonzert, 17.20: Klavierkonzert, 18.10: Deutsche Sendung: Reine Wahrheit" Rundfunkfomödie, 18.45: Deut střička: Dipolhia, Oper, 22.20: Ronzert: moderne Musik. Sender: 7.30: Schallplattentonzert, 14.15: Deutsche Sendung: Prof. Pellegrini: Fröhliche Erlebnisse eines reisenden Mujifanten, 14.50: Deutsche Nachrichten, 19.10: Streichquartett auf Schallplatten, 20: Buntes Konzert. Brünn 17.40: Deutscher Arbeiterfunt: Goziale Informa 16.10: Nachmittagskonzert, 17.20: Volkslieder, tionen, Bescha: Jugend und Arbeitslosigkeit, 18.30: Klaſſiſche Musit. Breßburg 15: Nachmittags fonzert, 22.35: Tanzmusik. sterfonzert, 17.25: Aus Lohengrin". Kaschau 11: Orche Nr. 70 Frankreich tritt in den Wahlkampf In diesen Tagen wurde der französische Wahlfampi offiziell eingeleitet. Ueberall werden die Borberei tungen für die Propaganda getroffen. Mitten in der Stadt errichtet man an Holzfassaden und Gartenfronten große Solabretter, an denen in den nächsten Tagen die Wahlplakate ihren Plaz finden. Kampf gegen die Grippe Der berühmte amerikanische naturwissenschaftliche Schriftsteller Paul de Kruif, der der Kulturwelt die Bücher: Mitrobenjäger" und„ Der Mensch gegen den Tod" geschenkt hat, erzählt in der Zeit schrift ,, Country schrift Country Gentleman" von den Influenzajägern." Die jüngsten großen Entdeckungen werden zur Besiegung dieser furchtbarsten Seuche führen, die 1918 auf ihrer Reise um die Erde 20 Millionen Menschen hingerafft hat, in einem Jahre fast doppelt so viel, als der Weltfrieg in 4½ Jahren. Aber de Kruif gibt Hoffnung. Sonntag, 22. März 1936 der gefundenen Gifte und Gegengifte zwischen Eng- von Serum gegen die Influenza zu erzeugen. land und Amerika. Ergebnis: Der Erreger der Im Kinderspital von Philadelphia wurde eine Sta menschlichen Influenza ist überall derselbe, wo tion zur Erzeugung des Anti- Influenza- Serums immer er gefunden wird und die Mikroben der eingerichtet. ,, Aber", so schließt de Kruif seinen AufJowa- Schweine, die auch 10 Jahre später entdeckt sab ,,, mun stockt die Arbeit. Man könnte jetzt Serum werden, erkannte Laidlaw als Blutsbrüder der in Massen bereiten und das würde auch geschehen, Menschenmassenmörder. wenn unsere Welt gesund wäre und nicht finanziell zu Tode frank. Die Aerzte des Kinderspitals sind nicht imstande, die lumpigen 25,000 Dollar aufzu bringen, die dazu nötig sind, eine Gelegenheit au gewinnen, die schlimmste aller menschlichen Seuchen zu besiegen. Dant der 25jährigen Bemühungen eines Dritten, Dr. W. J. Elser, ist es nun möglich, Bas aillen beliebig lange in einem Zustand zeitweilig ausgeschalteten Lebens zu erhalten, was der Wissen schaft jederzeit instand seßt, alle nötigen Mengen Volkswirtschaft und Sozialpolitik Die Verbrauchssteuern Die Entwicklung der Einnahmen aus den Verbrauchssteuern hat in den letzten drei Jahren feine große Aenderung erfahren. Gegenüber den Jahren von 1930/32 ist eine Erhöhung zu verzeichnen, die im Jahresdurchschnitt etwa 200 Millionen Kronen ausmacht. Es wurden an Verbrauchssteuern vereinnahmt: 1935 1934 . 1933 1932 1931 1930 Millionen Kč 1985 2000 2005 1743 1800 1848 Seife 5 Im Kochbuch steht immer genau: So und so viel von diesem, von jenem usw. Die tüchtige Hausfrau ändert das natürlich oft nach ihrer eigenen Erfahrung ab und macht die Speisen noch pikanter und besser. Genau so weiß sie aus Erfahrung, daß nur eine genügende Menge AECHT FRANCK dem Kaffee seinen hervorragenden Geschmack, den Duft und die schöne Farbe gibt. Aecht Franck zu jedem Kaffee! Ausland Hinter den Kulissen der Londoner Verhandlungen tursangestellten sprach im Präsidium der Advokatentammer für Böhmen in Prag und der Advofatenkammer für Mähren und Schlesien in Brünn vor, um die Forderungen der Advokatursdelte in Prag mit dem Vizepräsidenten der Kamangestellten vorzutragen. Die Deputation verhan mer Dr. Švehla und in Brünn mit dem Vizepräsidenten der Kammer Dr. Rosenberg. Den größten Wert legte sie darauf, daß von den Advokatenkammern mit der Organisation der Angestellten ein tollektiver Arbeitsvertrag abgeschloffen werde. Die Abordnung setzte auseinander, daß der Kollektivvertrag vor allem Mindestgehälter bestimmen, das Bezahlen der Ueberstunden und besonderer Arbeiten anordnen und die Arbeitszeit Aus gut informierter Londoner Quelle wird regeln müßte. Als Mindestgehalt oder als An- über ernste Meinungsverschieden Die seit dem Jahre 1933 eingetretene Erhöhung für Stanzleifräfte 500 Kč verlangt. Ferner wurde se a bine t'ts berichtet. Obgleich die Sizungen fangsgehalt wurden für Konzipienten 800 Kč, heiten innerhalb des britischen Einfühim der Einnahmen ist in erster Linie auf die Einfüh- im Zusammenhang mit der Frage der Rege- des britischen Kabinetts außerordentlich geheimrung neuer beziv. auf die Erhöhung alter Ver- Tung der Arbeitszeit brauchssteuern zurückzuführen. Es wurden nach chen, daß die Feiertagsarbeit in den Advokaten geheimnis angesehen werden, spricht man in Londer Wunsch ausgespro- nisvoll sind und ihre Protokolle als ein Staatsdem durch die Krise hervorgerufenen Absinken der kanzleien in Uebereinstimmung mit der Uebung don davon, daß Eden und die jüngeren ReVerbrauchssteuer- Einnahmen eine Steuer auf der Gerichte gebracht werde. An Feiertagen, an gierungsmitglieder sowie der Schatzkanzler NeZündhölzchen, Hefe, Glühlampen, Mineralöl ein- denen die Gerichte überhaupt nicht arbeiten, sollte pille Chamberlain in offene Opposition geführt und außerdem die Biersteuer erhöht. Wenn auch in den Advokatenbüros nicht gearbeitet wer- zu dem anderen Teil des Kabinetts getreten sind. trotz dieser steuerlichen Maßnahme die Einnahmen den; an Feiertagen, an denen für die Gerichte nur Eden und seine Anhänger treten für eine tataus den Verbrauchssteuern nicht mehr gestiegen eine beschränkte Arbeitszeit gelte, sollte die Beträftige Unterstübung Franta sind, so hat das seine Erklärung darin, daß die schränkung der Arbeitszeit auch für die Angestellte ich s ein und schlagen vor, der Pariser ReFortdauer der Krisenwirkungen den Verbrauch der ten der Advokaten maßgebend sein. Die Ver- gierung als Ersak für die demilitarisierte Zone mit Steuern belasteten Waren immer mehr ein- treter der Advokatenkammern verhielten sich ge- mindestens einen Garantiepakt hach Art jenes angeschränkt hat. genüber den geäußerten Wünschen nicht ableh- zubieten, der im Jahre 1919 zwischen England nend. Sie versprachen eine genaue Prüfung und und USA einerseits und Frankreich und Belgien eine baldige Mitteilung wegen der von der Ab- anderseits unterzeichnet, aber infolge der Weige ordnung angeregten Verhandlungen über das rung des amerikanischen Senats, den Versailler Abschließen eines Kollektivvertrages. Friedensvertrag zu ratifizieren, nie in Kraft ge= In den vergangenen Teßten Monaten haben Der„ Deffentliche Dienst", Zürich, veröffent Der Fremdenverkehr im Feber 1936 be treten ist. Eden steht auf dem Standpunkt, daß englische und amerikanische Forscher mit 99%%% licht einen Artikel über die Erfahrungen der Sicherheit diese mörderische Mikrobe entdeckt. 1918 Tschechoslowakei mit Zwangssyndikaten, nament- stätigt seine bereits seit dem Vorjahre becbachtete Frankreich infolge der Sanktionsanwendung gegen raste die Seuche durch den amerikanischen Staat lich in der Glasindustrie. Der Artikel kommt zu ungünstige Entwicklung. Die Zahl Italien einen Bundesgenossen auf dem Kontinent Jowa. Der staatliche Tierarzt J. S. Noen beob- dem Schlusse, daß die Gefahr einer einseitigen der ausländischen Besucher mit Reisepaß ist nach berloren habe, und daß gerechterweise England achtete damals bei Schweinen einen trockenen Husten, Wahrung der Unternehmerinteressen dabei nicht der Grenzerhebung zwar immer noch ziemlich be- Frankreich einen Ersaz dafür bieten müsse. der von Fieber begleitet war. Unter dem Gelächter durchivegs vermieden worden ist und daß man trächtlich, ja sie steigt sogar ein wenig, doch ver- Baldwin dagegen, ebenso wie Macdonald aller Aerzte, auch der Influenzaforscher, behauptete bei solchen Maßnahmen in Hinkunft erhöhte türzt sich die Aufenthaltsdauer der fremden und die älteren konservativen Kabinettsmitglieder, er, daß die Schweine eine von Menschen ererbte Sicherungen für die Mitbestimmung der Arbeiter- Besucher bei uns immer mehr. Demgegenüber sind der Meinung, daß es unmöglich sei, die Influenza hätten. Bis dahin war es nie gelungen, schaft treffen müsse. Der Artikel schließt:„ Die steigt die Zahl der Reisen unserer Staatsbürger demilitarisierte Zone aufrecht zu erhalten. Die Keime der Seuche wirksam vom Menschen auf Tiere Entschlußfähigkeit und die Entschlußtraft der Be- ins Ausland im Vergleich mit den beiden letzten von Berlin angebotenen Garantien genügen vollzu übertragen. Darum das Gelächter. Erst 15 Jahre triebsleitungen soll gewiß nicht bürokratisch be- Jahren und namentlich ihre Aufenthaltsdauer im kommen, besonders wenn man beachtet, daß auch später gelang es dem Engländer 2 a i dla w mit schränkt werden. Aber das demokratische Mit- Auslande nimmt auffällig zu. Die Bilanz des England gegebenenfalls bereit sei, mit allen Tropfen des Gurgelwassersecrets aus den Stehl- Sprachrecht von Staat, Arbeiterschaft und Konsus Fremdenverkehrs wird dadurch für uns verschlech- Streitkräften Frankreich zu schüßen. Diese Infor mation wird von dem Londoner Mitarbeiter des Töpfen Influenzafranker Meerschweinchen anzumenten fann bei der Organisierung der Industrie tert. Der österreichische Außenhandel belief sich a Id win, der erste Lord der Admiralität „ Echo de Paris" bestätigt. Danach seien steden. Einer seiner Assistenten erwarb die Krank- nicht entbehrt werden, wenn ihr volkswirtschaftheit wieder von den Meerschweinchen. Der Forscherlicher Zived nicht ins Gegenteil verkehrt werden im Feber in der Einfuhr auf 94.8 Millionen Mounce II, der Handelsminister Run cifiltrierte die Ausscheidung sehr sorgfältig und ent- soll. Dieser Zweck ist, der volkswirtschaftlichen Schilling, die Ausfuhr auf 70.5 Millionen; das man und der Dir eftorder Engli= deckte nun eine besonders kleine Mikrobe, die die Vergeudung, wie sie mit der Nur- Warenerzeu Jäger" bisher nicht finden konnten. Ein Jahr spä- gung verbunden ist, einen Damm zu seßen. Die Passivum beträgt daher 24.3 Millionen fchen Bant Montague Norman für Verhandlungen mit Deutschland auf möglichst ter Versuche mit Mäusen. Die hier gefundene Mi Erzeugung darf nicht Selbstzweck einer Profit- Schilling. breiter Grundlage. Sie alle seien durch das kolos= frobe war dieselbe. Zur selben Zeit arbeitete in wirtschaft bleiben, sondern sie muß auf die Deksale Wachstum der deutschen Militärmacht eingeAmerika der Arzt. Thomas Franc i 3 jr. am fung des Bedarfes ausgerichtet sein". schüchtert und erstreben ein Kompromiß, das EngRockefellerinftitut. Francis stedte seine Versuchstiere land gestatten würde, möglichst geringe Opfer bei mit dem Schleim Influenzafranfer aus Porto= der kommenden Neuverteilung der rico an. Das war 1934, Genau dieselbe Wirkung. 1935 lieferten Strante aus Philadelphia den Stoff. Wieder dieselbe Wirkung. Nun Austausch An der Schwelle der Geheimnisse Von Karel Čapek. Es gibt Menschen, die an nichts glauben, nicht nicht einmal daran, daß ein Floh auf der Hand einen Brief bedeutet; doch selbst diese verstocktesten Ungläubigen glauben an das Schicksal. Schweizer Stimme über tschechoslowakische Zwangsyndikate Auch Treibriemen- Preise steigen. Die Preise für Treibriemen steigen seit einiger Zeit. Angeblich ist die Erhöhung durch die Verteuerung der Die Advokatursangestellten fordern einen Kollektivvertrag. Eine von Dr. Zelenka geführte schweren Rohhäute und durch die steuerliche Be- kolonien zu bringen. Derselbe Korrespondent Abordnung der zum Einheitsverband der Pri- lastung der Treibriemen erzeugenden Betriebe teilt mit, daß in der allernächsten Zukunft ein vatangestellten gehörenden Sektion der Advoka- bedingt. jie, die Erzähler, auf die Straßenbahn warten, Inungen auf einmal zahlen. Das Schicksal hat die immer in entgegengesezter Richtung fahren. Manie, sich zu wiederholen. Wenn man am meis Einer meiner Bekannten versuchte das Schicksal sten zu tun hat, bekommt man sieben Besuche, dadurch zu überlisten, daß er absichtlich bei dem einen nach dem anderen. Das ganze Leben lang in entgegengesetter Richtung führenden Geleise kann man Goldfarne suchen; auf einmal, wenn wartete. Doch das Schicksal ist unerbittlich: es man am wenigsten daran denkt, findet man überzog sich dadurch aus der Schlinge, daß es eine all Goldfarne zum Verrücktwerden. Auf der Verkehrsstörung verursachte, so daß alle Linien ganzen Welt gibt es angeblich nur sechs blaue außer Betrieb waren. Es gibt zahllose ähnliche Marken von Mauritius; ich wette, daß sich einFälle. Das ist eben ein Gesek. mal plöblich gleich dreitausend finden werden, und noch dazu falsche. Das ist das Gesetz der Serie. Newton hat zivar entdeckt, daß jedes Ding Eine andere solche Erscheinung ist das Gesenkrecht zur Erde fällt, aber das ist nicht wahr; sez des dritten. Für gewöhnlich erwarten so zum Beispiel ist jedem bekannt, daß der Kra- wir, daß eine Sache entweder so oder so ausgenfnopf niemals lotrecht zur Erde fällt, sondern fällt; aber siehe, am Ende fällt sie weder so noch irgendwie schräg, so daß er sich immer unterm so, sondern noch ganz anders aus, auf eine Art, Bett oder unterm Wäscheschrank befindet, Steine die sich überhaupt nicht voraussehen ließ. Nehmen Phhjit, teine Gravitationstheorie hat bisher diese wir einmal an, ein Mensch dächte folgenderfatale Erscheinung erklärt; unstreitig handelt es maßen: Entweder werde ich Geld haben, und sich um eine metaphysische Erscheinung, um ein dann kaufe ich mir einen Anzug, oder ich werde einfaches und geheimnisvolles Gesetz des Schick- keins haben, dann kaufe ich mir ihn nicht. In jala. einem solchen Falle jedoch hat der Mensch 1. entSolcher Geieise gibt es eine Menge. Ich weder wirklich Geld, kauft sich jedoch keinen Anführe als Beispiel das durch tausendfache Beob- zug, oder 2. hat er kein Geld und kauft sich den achtungen bestätigte Gesez der Absicht noch einen Anzug, wobei er sich noch anschmiert. I ich leiten. Das, was man nicht braucht, Ganz sicher. Es gibt keinen Ausweg. Ganz eintommt einem fortwährend unter die Augen; sowie fach Schicksal. man es braucht, ist es weg. Man sucht es plan- Ein anderes der Schicksalsgeseße ist das Gemäßig in allen Kasten und Schubfächern; es ist seh der Serien. Das ganze Jahr trifft man nirgends. Endlich padt einen die Wut und man Herrn X. nicht, aber an einem Tag, weiß der behilft sich ohne das Ding. In diesem Augenblick Teufel, trifft man ihn siebenmal. Das ganze zeigt sich das Gesuchte entweder an dem Ort, wo Jahr lang tommt man nicht auf den Heuwages seit jeher liegt, oder an einem anderen, wo es play, aber eines Tages, man kann tun, was man überhaupt nicht hingehört, und reist einem so will, tommt man gleich siebenmal hin. Die Erlange, bis man es wieder braucht; dann ver- eignisse haben eine besondere und schwindet es mit unheimlicher Pünktlichkeit. sagen unangenehme Neigung, sich einander Einige Leute behaupten, daß die Wagen, wenn zuzugesellen. Immer muß man mehrere Rechich möchte finanzielles Abkommen zw i= schen London und Berlin bevorstehe, wonach die City Deutschland eine große Anleihe gewähren soll. Schachts Vertrauensmann, von Sta u B, soll bereits seit einigen Tagen in Verhandlungen darüber mit dem bekannten Londoner Bankhaus Schröder stehen. Deutschland und Belgien. Die belgische Zei tung La Flandre Libérale", die in der letzten Beit aufregende Enthüllungen über die deutsche Aufrüstung bringt, kommt in ihrer letzten Nummer zur Untersuchung der Möglichkeit eines Das menschliche Leben wird demnach von plöblichen Angriffes Deutsch höheren Gesetzen beherrscht, die sich der Natur- Tands auf Belgien. Der Verfasser dieser ordnung und wissenschaftlichen Erklärung ent- Untersuchung tommt zum Ergebnis, daß die, ziehen. Warum mußte mir zum Beispiel aus- motorisierte deutsche Armee Belgien von einem gerechnet heute dreimal das Schuhband reißen? Ende zum anderen Ende innerhalb einiWarum mußte ich vier Leuten begegnen, denen ger Stunden passieren kann. Die deutsche ich etwas versprochen habe, aber bisher nicht ge- Armee befize die modernsten Tanks und Raupenhalten? Warum habe ich eine halbe Stunde wi- Istwagen. Die Ausrüstung der Tanks und der tend und fluchend eine Halsbinde gesucht und sie Panzerautos jei gegenwärtig bis zur höchsten dann, nachdem ich eine andere umgenommen Vollkommenheit durchgeführt. Infolge ihrer hatte, friedlich auf dem Wäscheschrank liegen ge- außerordentlichen Geschwindigkeit( 80 Stilometer funden? Glaubt mir, auch das kleinste Mißgeschick in der Stunde) und ihrer geringen Größe sind die ist von dem Geheimnis des Schicksalhaften um- deutschen Tants fast unangreifbar: es sei beinahe wittert. Ich kenne eine Frau, die, sagen wir, eine unmöglich, sie aus einem Geschüß zu treffen. DaSchere in der Hand hält; und auf einmal ist gegen vermögen sie dank der Schnellfeuergeschütze die Schere weg; nach verzweifeltem zweitägigen und der Maschinengewehre die belgische InfanSuchen findet sie sie, indem sie sich drauffezt. Sie terie ohne jede Schwierigkeit niederzufämpfen. erblickt darin ein boshaftes Wert der Hausgeister. Wenn man noch die Motorräder hinzurechnet, die Ich glaube, sie macht sich da eines Gößendienstes der deutschen Armee in kolossaler Menge zur Verund groben Aberglaubens schuldig. Es gibt keine fügung stehen, so könne man sagen, daß die Deutböswilligen Hausgeister. Sondern nur Geseze. schen die ganze Strede bon Eupen bis Unerklärliche und unabwendbare Gesetze des Ostende, ett a 250 Kilometer Schicksals. Fluglinie, in einigen Stunden passieren können. ( Deutsch von Julius Mader.) Leite 6 „Sozialdemokrat" erntft»j,??. Wjtrg 1936. Rr. 70 Jroger Rötung Semaphor zertümmert. In der Nacht aus gestern um 1 Uhr fuhr der Chauffeur Josef Polka aus Prag XII mit seiner Autodroschke-P—27.066 sc heftig gegen das Semaphor in der Bubnaer Straste in der Nähe der Hlävkabrücke, dast der Vorderteil des Wagens fich vollständig in den Betonsockel des Semaphors einbobrte. Der Wagen wurde stark beschädigt, sein Insasse, der Privatüeamte Ottokar Koutenskt; aus Prag VII,. erlitt durch die Glassplitter Schnittwunden im Gesicht und der Chauffeur Polla einen Rippendrnch. Der Wagen wurde, da Polka behauptete, dast die Bremse versagt habe, beschlagnahmt, die beiden Verlebten von einem vorbeifahrenden Auw auf die Klinik Jiräsek gebracht. Arbeitsanfall. Der 43jährige Maschinenführer dec Ttaatsbahnen, Friedrich Cipcra aus CerCan, wurde gestern nachmittags auf die Klinik Prof. Jiräsek gebracht. Er hatte, wie er angab, während der Fahrt von KrC nach Modran etwas an der Maschine gerichtet, wobei er sich vorgebeugt und mit dem Kopfe gegen einen elektrischen Leitungsmast gestosten habe. Er sei von der Lokomotive gestürzt und besinnungslos liegen geblieben^ die Untersuchung ergab, dast er eine Gehirnerschütterung, einen Bruch des rechten Vorderarmes und einer Rippe, sowie zahlreiche Quetschungen erlitten habe. Sterbender Lumpensammler. In der Nacht auf gestern bemerkte die Wache auf d«n Belvedere in Holleschowitz den 46jährigen Lumpensammler Bohumil Kroupa, der sich an den Papiertörben zu schaffen machte; da Kroupa aber betrunken schien, wollt« sie ihn archalten. Eh« sie ihn noch erreichen konnte, fiel dieser jedoch bewußtlos zu Boden und starb noch während des Transportes ins Krankenhaus, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Als Todesursache wurde Entkräftung festgeftellt. Die Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. Selbstmord im Nachtasyl. Die 23jährige arbeitslose Köchin Anna Nezbeda versuchte sich in d«r Nacht auf gestern im Nachtasyl mit ihrem Taschentuch zu erdrosseln; da sie bei ihrer Auffindung noch Lebenszeichen von sich gab, wurde sie auf die Kinik Pelnäk gebracht.— Der 38jährige Heizer Jdsef Cervenka erhängte sich gestern in seiner Wohnung in Wrschowitz. Die Leiche wurde zur Bestattung freigegeben. Gegen Stuhlbeschwrrden und Krruzschmrrzen ist' das Natürliche„Franz-Josef"-Bitterwasser— ein Glas voll früh auf nüchternen Magen genommen — infolge seiner schmerzlos reinigenden und angenehm erleichternden Wirkung zu fortgesetztem Gebrauch besonders gut geeignet. Aerztlich empfohlen. Kunst wul Mssrn. Fest Konzerte. Nicht weniger als vier Fest- jkonzert, wurden in den letzten Lägen in Prag abgehalten. Das eine deutsche darunter hatte der Deutsche BLHmertvaldbund zur Feier des fünfzigjährigen Bestandes seines engeren Damenkomitees in Szene gesetzt. Es bot konzertseltene Klaviermusik zu vier Händen auf einem und auf zwei Klavieren: W. A. Mozarts entzückende/ vierhändig«' Original-Klaviersonate in C-dur, vier sehr schöne und wirkungsvolle Konzert- «rüden für zwei Klaviere von dem deutsch-mÄrrschen Tonsetzer Felix Petyrek. Max Regers gewaltige Beethoven-Variationen, wohl das bedeutendste und schwierigste Werk der gesamten Literatur für zwei Klaviere, Friedrich Chopins Rondo in C-dur für zwei' Klaviere und schließlich Mäher und Ungarische Tänze von Jäh. Brahms. Ausführende Pianisten des Konzertes waren die Professoren der Prager Deutschen Atufikakademie Franz Langer und Eugen Kal ix, zwei Künstler, die über ebenso glänzende technische Fähigkeiten gebieten wie fie Meister des Vortrages find. Das zahlreich erschienene Auditorium begeisterte sich an den gebotenen seltenen Kunstgenüssen Und spendete reichen Beifall.— Ein höchst pietätvolles Festkonzert hatte der Verein des Musikerstandes in Prag anläßlich, des 80. Geburtstages seines Ehrenmitgliedes Josef Klitika, des Orgelvirtuosen und Nestors der tschechischen Komponisten veranstaltet, bei dem ausschließlich Werke des Jubilars zur Aufführung gelangten. Werke, die zwar einer Kunstrichtung von vorgestern angehören, die aber bedeutendes Können nicht minder offenbaren wie Gefühl und starkes Ausdrucksvermögen: eine Orgelsonate, ein Orgelkonzert(mit Orchesterbegleitung). Lieder, Konzertstücke für Harfe und ein Chorwerk. Solisten des Konzertes waren die Orgelmeifter und Professoren Mich älek und Wiedermann, eine ausgezeichnete Sopranistin Vera Mora von! der Bukarester Staatsoper und der Harfenvirtuose Wenzel Kli 5 ka. der Sohn des Jubilars. Das Orchester hatte bas Tschechische Staatskonservatorium beigestellt, dessen Lehrer Josef Klikka jahrelang war, den Chor der tschechisch« Gesangverein,^Hlahol". Dirigenten waren Jaromir Herle(Chor) und Prof. Paul D i b a 111(Orchester).— Zwei festliche Kammermusikabend« dankte man schließlich dem Tschechischen Staatskonservatorium aus Anlaß seines 125jährigen Bestandes; ihre Programme enthielten Kompositionen von einstigen Lehrern und Schülern der jubilierenden Anstalt. Die künstlerische Durchführung lag in den Händen der talenriertesten und reifsten Zöglinge des Konservatoriums. E. I. Kusine Betty" von Honre de Balzac als tschechisches Drama. In seinem Roman„Kousine Betty", hat Balzac ein Sittenbild der französischen Metropole nach dem Sturz Napoleons mit scharfer Kritik gezeichiret. Die aus den Schichten des Kleinbürgertums hervorgegangenen Generäle,.die Emporkömmlinge der Vorstadt, die, Neureichen und Neugeadelten, di« Bauernkinder, die der Krieg nach Paris zog, wurden sämtlich von dem Glanz, des Hofes, den noblen Allüren der adeligen Gesellschaft bezaubert und suchten,fie nachzuähmen, um nach und nach wieder ins Elend zu versinken. An ihre Stelle trat dann ein neuer Faktor— die durch den Wirtschaftsaufschwung gebildete Hochfinanz und Großindustrie, deren Vertreter die verarinte Gesellschaft mit neuen Geldquellen speisten. Der Lektor des Nationaltheaters, Frantisek Götz, hat den Roman .Kousine Betty".in einem fünfakrigen Drama, Verarbeitei, dessen Premiere im Weinberger Stadttheater am 19. März gezeigt hatte, haß die scharf gezeichneten Gestalten, jede einen Typus vertretend, bei der heutigen Umschichtung der Gesellschaft höchst aktuell sein können. Die Zersetzung der aus der Revolution hervorgegaugenen Schichten spiegelt sich in den Geschicken der" Familie des von Napoleon geadelten Staatsrates Hulot d'Ervy, der an dem schlechten Beispiel der noblen Gesellschaft zugrundegeht, damit«in Wolf, den der Friede und Ruhe korrumpiert, zu den Wölfen zurückkehrt,— zum Vorstadtproletariat, aus dem er hervorging. Das Maitressentum frißt am Familienleben und Vermögen der abenteuerlichen Emporkömmlinge, und Götz hat mit Absicht die Hauptgestalt des Dramas, die arme, häßliche, stets abseits stehende, ländliche Kousine Betty als hassende Rächerin Aller, denen Glück und Liebe versagt wurde, besonders hervorgehoben. Frau Skorkovskss war in dieser Rolle eine haßerfüllte, kupplerische und doch zu einer tragisch-dramatischen Größe wachsende Gestalt. Im Schlußakte des Dramas kamen die Anzeichen der Kollektivauflehnung der Rechtlosen verschärfter zum Vorschein, als es im Roman der Fall ist. Die Regie hatte Ferdinand Hart, der die Tragkraft der einzelnen Darsteller richtig abschätzend, einige bemerkenswerte Leistungen an dem interessanten Abend hervorzubringen vermochte. So Herr V r b s k h als Hektor Hulot, Frau Friedlovä als seine«n- gelsgleiche Frau, Fvl. G o l l o v ä als die Tochter Hortense, die fich gegen das Schicksal der ergebenen Frau schon ganz modern zu wehren weiß, Frau Rosülkoväals Valerie, die sich zu einer Maitreffe großen Stiles entwickelte und alle die Männerrollen,- die fast ohne Ausnahme zu erwähnen wären. m. i. Tanzvorstellmrg Hans Weidt. Ob es jemals gelingen wird, den Solo-Tanz aus seiner esoterischen Vereinsamung herauszuführen und zu einer Kunst für die Massen zu machen, ist fraglich. Der Tänzer Hans Weidt, der am Samstag zum ersten Male in Prag auftrat, versucht einen solchen Weg zu finden, indem er aktuelle Gestalten und Figuren, die durch die zeitgenöffische Literatur bekannt sind, tänzerisch darstellt: Hie Gestalt des Arbeiters, die Erscheinung eines toten Soldaten oder einen niexikanischen Baumwollpflükker. Sie bleiben in seiner Darstellung allerdings nur Gestalten und werden nicht eigentlich zu tänzerischen Themen. Die muskulöse Schwere des Tänzers und eine gewisse Primitivität der Bewegungskomposition erscheinen hinderlich, wobei aber nicht von vornherein geleugnet werden soll, dast fie nicht mit der Zett zu Elementen eines eigenen Htils werden könnten. Das inr„D 36" versammelt« Publikum zollte Hans Weidt(der auch einige Nummern mit einer tschechischen Gruppe vorführte) Anerkennung, schien aber an dem von Karel Behounek zwischen den Tänzen gebotenen Ziehharmonika-Konzert mehr Gefallen zu finden.—eis— Der strahlende Augenblick, das dramatische Spiel des jungen englischen Dramatikers Keith Winter wurde zum ersten Male tschechisch im Ständetheater am 20. März aufgeführt. Es ist eine Historie von kurzen vier Wochen, in denen die Frau des aus den Kolonien heimkehrenden Bruders der Familie Linden fich in ihren Schwager verliebt, den sie mit ihrer eleganten Erscheinung der Stadtdame im„strahlenden Augenblick" ihrer ersten Begegnung in seinem GütShause bezaubert hatte. Seine junge Frau ahnt trotz ihrer anscheinenden Einfalt, dast sie den gelickten Mann verlieren muß und sucht in der brennenden Scheune den Tod unter dem einstürzenden Dach, um mit ihrem Tode das Glück d«S Mannes zu begründen. Die beiden nehmen trotz allem das Opfer an und das Glück, daß sich ihnen dadurch gckoten hat. Das Stück hat einige Jute Dialoge— die Regie Dostals hat mit einzelnen Szenen aus dieser Familiengeschichte das Möglichst« herausgeholt. m. i. Arbritrrvorstellung„Der Freischütz", Oper, am Sonntag, den 5. April, um halb 3 Uhr nachmittags. Karten ab Dienstag täglich von 8 bis 2 Uhr, 4 bis 6 Uhr bei Optiker Deutsch, Koruna. Frederic Lamoud gibt das dritte Konzert seines Beethoven-Zyklus am Dienstag, den 24. d. M., in der Produktenbörse. Am Programm: Sonaten c-moll, op. 111, G-dur, op. 14, Nr. 2, c-moll, op. 13. (pathftique) Sonata quasi una Fantasia cis-moll, op. 27(Mondschein) und Sonate f-moll, op. 57 (Appassionate). Ein neues Werk von Hans Kräsa, konzertante Mufik für Cemballo und 7 Bläserinftrumente, findet seine Uraufführung Mittwoch, den 25. Mär z, um 20 Uhr in dem Orchesterkonzert der Musikgruppe Mänes. Die Solostimme spielt Frank Pollak, ferner spielt das F. O. K. Orchester und Dr. B. Smetäöek. Weiter werden aufgeführt neue Werke von I. Je,sek, I. KrejCt, F. Bartos, P. Borkovec und Boh. Martinü. Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theater-, Heute. Sonntag, halb 3: Der heiligeAn- t o n i u s, hack 8: L i e b« ist nicht so einfach, D 1.— Montag 5: D i e Meistersinger, Theatergemeinde der Jugend, Abonnement aufgehcken.— Dienstag halb 8: 2 i t b e i st nichtsoeinfach, AI.— Mittwoch halb 8: Katarina I s-m ailowa. Bl.— Donnerstag hach 8: Orpheus in derUnter- w e l t, C 1.— Freitag halb 8: L h s i st r a t a, D 2.— SamStag halb 8:DerheiligeAn- tonius, C2.— Sonntag halb 3: U n e n t- .schuldigte S t u n d e, 7: DerRosen- kavalier. D 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute. Sonntag 3: Un entschuldigte Stunde, halb 8:Spielum die Welt, Erstaufführung.— Montag 8: AlleRechte Vorbehalten, Bankbeamte I und freier Verkauf.— Dienstag y: Spiel um d i e W e l t. — Mittwoch 8: Der^oldeneKranz, Gastspiel Kramer-G l öckn e r, Bankbeamte II und freier Verkauf,— Donnerstag 8: S p i e I um die Welt, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Freitag:.8 Uhr: Anna sagtnein, volkstümliche Vorstellung. SamStag halb 8 Uhr: Dr. m ed. H i o b P r ä t o- r i u s, Erstaufführung.— Sonntag 11: Tanzmatinee SaschaLeontiew, 3 Uhr: Was JhrPollt, 8:Dr.med. HiobPräto- rius? Vorträge „Eduard Berres als Politiker und Diplomat" war das Thema des zweiten Urania-Vortrags über den neuen Staatspräsidenten, den Genosse Dr. Emil F r a n z e l hielt. Er verglich Benes mit den be- deutendsten Verkörperungen des Diplomaten- und des Politikertyps im letzten Jahrhundert europäischer Geschichte und kam zu der Feststellung, daß sich in Benes beide Typen vereinen: der von weltanschaulichen Grundsätzen und geschichtlichen Einsichten ausgehende konstruktive SkaatSn;any und der mit ruhigem Geschick und mit taktvoller Geduld die Konflikte und Krisen des Augenblicks meisternde Diplomat. Dies« hervorragende Eigenart habe Benes befähigt, bei der Vorbereitung Und Gründung des tschechoflo- wakischen Staates eine entscheidende Rolle zu spielen, trotz vieler Konkurrenten und Kritiker 17 Jahre lang die Außenpolitik der Republik zu leiten und bei Masaryks Abdankung als der einzige berufene Nachfolger zu erscheinen. Der Redner zeigte in Benes' Laufbahn die weltanschaulichen(von Masaryks Realismus bestimmten) Voraussetzungen und die politischen(von der Verbundenheit des jungen Benes mit dem tschechischen Sozialismus beeinflußten) Erfahrungen auf, die für seine politische Wirksamkeit richtunggebend wurden. Er wies auf die realistische Haltung zum ffchechoslowakischen Problem hin, die Benes gemeinsam mit Masaryk eingenommen hat, bis beide bei Ausbruch des Weltkrieges die Möglichkeit einer revolutionären Lösung gekommen sahen. Schon während des Krieges habe Benes seinen Charakter als großer Politiker und Diplomat gezeigt: er sei von der Ueberzeugung ausgegangen, daß der Befreiungskampf feiner Station nicht mehr zur Ruhe kommen werde, habe aber immer mit der Möglich- kert gerechnet, daß dieser Kampf noch sehr lange dauern könne und fich deshalb durch keine Enttäuschungen und Befürchtungen an der konsequenten Fortsetzung seiner Politik bindern lassen. So wie er sich schon vor dem Weltkriege mit der Voraussage, daß nur ein Krieg zwischen England und Deutsch- land die Entscheidung bringen werde, als überlegener Politiker erwiesen habe, so habe«r nach dem Kriege mit der Verankerung der tschechoslowakischen Außenpolitik in der französischen Freundschaft und in der Erweiterung dieser Verbindung auf Rußland seine Üeberlegenheit über die panslawistischen Romantiker und mit dem Festhalten an dem Grundsatz, daß die Tschechoflowakei keine Sieger« und Expansionspolitik treiben dürfe, seine Üeberlegenheit über jede Art abenteuerlicher Außenpolitik gezeigt. Seine Grundüberzeugungen find humanistisch und evolutionär: wieweit sie durch die Entwicklung der Dinge zu widerlegen sind, könne nur die Zukunft erweisen. Unbestreitbar sei, daß Benes' Außenpolitik niemals Rückschläge erlebt habe und daß er fich auch bei der Lösung innenpolitischer Konflikte(in der katholischen Frage, in der Nationalitätenfrag« und beim Ausgleich zwischen Bürgerlichen und Sozialisten) als erfolgreich erwiesen hab«. Mit der Hoffnung, daß seiner politischen Wirffamkeit auch in seinem neuen Amte Erfolg beschieden sein werde, verband der Redner die Ueberzeugung, daß Benes niemals von den Prinzipien und der politischen Linie abweichen werde, die er bisher befolgt habe. —eis— Der Dkvt Königswalzer Der Film spielt 1852 in München und die beiden mehr oder weniger glücklichen Paare, die einander kriegen, sind die Prinzessin Elisabeth und der österreichisch« Kaiser Franz Josef(der geschmack- oollerweise nicht auftritt) und die KaffeefiederStochter Therese und der fesch« Leutnant Tettenbach(Willi Forst), ein flotter Draufgänger, der-so nebenbei im Englischen Garten Thereses Schwester geküßt hat, die er zur Beruhigung der Münchner Bürger heiraten soll. Dieses Spiel um Leine Hofintriguen und romantische Liebe, um Hofball und Stadtklatsch ist ganz reizend gemacht und unbeschwert wie der hübsche Walzer,—„Wie ein Wunder kam die Liebe über Nacht"— der durch den ganzen Fflm llingt. Das München der gemütlichen Bürger mit den runden Hüten, die aber doch daS Jahr 1848 noch nicht vergessen haben, die Zeit der Spitzenhöschen und Reifröcke, der Politik der nützlichen Heiraten und des diplomatischen Ballgeflüsters, des guten Bieres und des ebenso guten Kaffees wird in vielen schönen Bildern lckendig und die Regie(Herbert Maisch) hat mit Uniformen und Umzügen, mit Fahnen und Guirlanden, Milstärmusik und Trompetenblasen nicht gespart, um' Augen, Ohren und Herz zu erfteuen. Dazu wird ausgezeichnet gespielt: Willi Forst, der indessen durch seine hervorragenden Regieleistungen unvergessen blick, kehrt nun als charmanter Licküaber gern gesehen wieder. Das Schwesternpaar Tomasoni wird durch die bezaubernde und springlebendige Heli Finkenzeller und die muntere Ellen Schwaneke dargestellt, die aus ernsten Filmen, wie„Kinder vor Gericht" und „Mädchen in Uniform" nun auch erfolgreich in das leichtere Genre übersiedelt ist. Paul Hörbiger stellt als Bayernkönig Max H. eine sympathische Gestalt hin. Aus der Reihe der Darsteller seien noch die bildhaft schöne Carola Höhn als„Sissy", Danegger als Cafetier, und Oskar Sima erwähnt, der einen Münchner Bürger, Demokraten von 1848, prachtvoll zeichnet. Der Film wird in seiner wohlüerechneten Mischung von Humor und Sentimentalität, in seiner glanzvollen Ausstattung, seiner beschwingten Musik— wir hören übrigens auch ein paar Szenen aus Mozarts„Don Juan"— und seiner ansprechenden Handlung mit Recht viel Anklang finden, jk. Herbftmanöver. Ein Manöver-Operettenfflm, der keine Ueberraschungen bringt. Die Manövereinquartierung vereint- Sohn und Tochter zweier Gutsnachbarn und beendet den alten Prozeß um einen Wassergraben, den die Soldaten nächtlicherweile herstellen. Beim Morgengrauen gibts Kuß. Versöhnung und Verlobung. Dazwischen schmeichelnde Walzer und zu Gehör gehende Lieder von Robert Stolz. Die feindlichen Nachbarn find, damit es etwas zu lachen gibt, Leo Slezak und die resolute Jdä Wüst, das junge Pärchen Hans Söhnker und oie ziemlich farblose Susi Lanner. Wer gern küßende, singende und tanzende Uniformen und den ganzen Zauber der Montur hat, mag sich bei dieser durchaus friedlichen und idyllischen Operette unterhalten, jk. VekemsnaciuickteE Große Atus-Akademle unter Mitwirkung der Bollsfing- gemeinde, der Sozialffttschen Jugend und der Fallen am Sonntag, den 19. April, im großen Radiosaal, von 3 Uhr nachmittags bis 8 Uhr abends Der Kartenvorverkauf hat begonnen._ Erwachsene 5 Kc, Kinder 2 Kc. rKAU Deutsche Bollssinggemeinde Prag. Dienstag, den 24. März, Gesangsübung für Frauen um 7 Uhr und Männer um 8 Uhr abends. Kommt zahlreicher! IKUtdlungetickr»Urania« Einmaliges Konzert Maria Kupf-Mansfeld, Suff Dretzler-NarbeShuber. Das sorgfältig zusam- mengestellte Programm bringt neben Liedern und Klavierwerken von Schubert u. a. eine Reihe moderner Schöpfungen von Bachrich, Bricht, Pisk und Kanitz. M o n t a g 8 Uhr. Karten Urania, Andre. Wetzler. Ludwig Hardt verabschiedet fich Freitag 8 Uhr mit einem vollständig neuen Programm heiterer Dichtung.„Liwwig Hardt ist der beste Rezitator fett Kainz".(Neue Freie Presse). Karten Urania, Andrö, Wetzler. „Unvergeßliche Filme":„Zwei Menschen". Hervorragender Film mit Ch. Susa und G. Fröhlich.(Nach dem Roman von R. Voß). Montag 8)4 Uhr. Masarhk-Volkshochschirle Univ.-Prof. Dr. Z. Stary:„W asbraucht der Körper an Vitaminen?" Ein Thema von grundlegender Bedeutung.„Populärmedizinische Reihe". Montag 8 Uhr. „Benckig".(Schicksal imb Antlitz einer Stadt). Dr. W. M e h e r- Bolzano enttollt in lckendiger Weise die große Vergangenheit der Jnselstadt. Dienstags Uhr. „Kunstwanderungen durch Prag". Jeden Sonntag, ab 29. März, Dr. L-Polaschek. Einmalige Besprechung Mittwoch 8 Uhr, Urania. Arania-Kino „Das Mädchen vom Moorhof". Herrlicher Film nach einer Novelle der Lagersöf mit humorvollen und ernsten Szenen.(H. Krwteck, Winterstein usw.) H e u t e 4, 6 und%9 Uhr.' Filme in Prager Lichtspielhäusern Urania:„Das Mädchen vom Moorhof."— Adria:„Die Sextanerin."(Tsch.)— Alfa:„D i e sündigen Frauen von Boom."(Fr.)—- Avion:„Charge Chan in Aegypten."-(A.— Warner Oland.)— Beranrk:„Ter Kurier des Zaren." (D.— Adolph Wohlbrück.)— Fenix:„Die Junggesellenbraut."(A.)— Flora:..Der Kurier des Zaren."(D.)— Gaumont:„Herbstmanöver."(D.) -7- Hollywood:.Königswalzer."(D.)— Hvözda: „Die Sextanerin."(Tsch.)— Julis:„Tara Bulba." (Fr.— Harry Baur.)— Kinema: Journale, Grotesken, Reportagen.— Koruna: Journale, Grotesken.— Kotva B 36:„30 Tage in Sowjetrußland."(Ruff.)— Lucerna:„Die Junggesellenbraut."(A.)— Metro:„Königswalzer." (D.)— Olympic:„Prinzessin Inkognito."(A.— I. MacDonald.)— Passage:„Herbstmanöver." (D.)— Praha:„Charlie Chan in Äegypteiu"(A.) — Radio:„Golem."(Fr.)— Staut;„Der Kurier des Zaren."(D.)— Svcto.ir:„Taras Bulba." (Fr.— H. Baur, Regie Granovsky.)— Alma: „Prinzessin Inkognito."(A.)— Baikal: ,Komö- diantenprinzeffin."(Tsch.)— Belvedere:.Dränen der Liebe."(«.)— Beseda:„Golem."(Fr.)— Carlton:„Liebesleute."(D.)— Illusion:„Prinzessin Inkognito."(A.)— Kapitol:„Gosem."(Fr.)' — Lido II:„Der Leine Oberst."(A.— Sh. Temple.)— Louvre:„Der Kurier des Zaren." (D.)— Maceska:„Prinzessin Inkognito."(A.) — Roxy:„Der Kurier des Zaren."(D.)— Sport: .Komödiantenprinzeffin."(Tsch.)— U Bejvodu: „Die Csardasfürstin."(D.)— Baldek:„Golem." (Fr.)— Beletrhy:„Der kleine Oberst."(A.) Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. 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