16. Jahrgang Dienstag, 24. März 1936 Nr. 71 Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller Porto] IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova«2. telefon s®z. HERAUSGEBER 1 SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR t DR.(MIL STRAUSS, PRAG. internationale Kundgebung im Wortlaut unseren Lesern zu übermitteln. TaS Mant alle Arbeiter I alle frelheftslledenden Männer und Frauen! kürzt werden kann. Ferner müssen durch gesetzliche Bestimmungen weitere B e t r i e b s e i n- Heilungen und Massenentlassungenverhindert werden. Es liegt im Interesse der Allgemeinheit, daß, bevor Betriebsneugründungen, Bctriebserweiterungen und die technische Rationalisierung von Betrieben und Betriebsabteilungen bewilligt werden, im Einvernehmen mit den zentralen Fachorganisationen der Arbeiter geprüft wird, ob nicht einem stillgelegten Betriebe der gleichen Industrie im gleichen Gebiete die Wiederaufnahme der Produktion ermöglicht werden kann. Die Konferenz macht darauf aufmerksam, daß im heurigen Jahre der Vertrag des Staates mit der Spiritusgesellschaft abläuft und fordert bei der Neuregelung der Spiritusbewirtschaftung die stärkere Berücksichtigung der öffentlichen Interessen. Ebenso fordert sie eine Revision der Verwertung des Holzes aus den staatlichen Forsten, deren gegen Ivärtige Form einer einzigen kapitalistischen Unternehmung große Gewinne zuschanzt. Landwirtschaft Die Konferenz bekräftigt die positive Ein- stellung der Sozialdemokratie zu einer plan- mäßigen Regelung der landwirt- schaftlichen Produktion, fordert aber, daß dabei auf die Interessen der industriellen Produktion und vor allem cytf den Schutz der Verbraucher Bedacht genommen wird. Ebenso entschieden verlangt sie den Schutz der Kleinbauern und Häusler, insbesondere ihre volle Berücksichtigung bei den auf Betreiben der sozialistischen-Parteien«ingeleiteten Altionen zur Belstellungvon Futtermitteln und die Ausgestaltung dieser Aktionen. Bei der geplanten Regelung des landwirtschaftlichen Ausgleichsverfahrens muß auf die Bedürfnisse der kleinen Landwirte, aber auch der dieser Verhandlungen zu bestimmen haben. Wir können nicht zulassen, daß Hitler den Völkern vorschreibt, welche Vorschläge geprüft werden sollen und welche nicht. Der Frieden der Welt ist in Gefahr. Es gilt, die Zivilisation auf eine sichere Grundlage zu stellen. Nur ein Mittel gibt es, sie zu sichern: die entschlossene Verwirklichung der kollektiven Sicherheit. Die Grundsätze des Pertrages von Locarno müssen verstärkt und erweitert werden; Das Gebiet ihrer Anwendung soll durch den Völkerbund so weit wie möglich ausgedehnt werden. Der Frieden ist ein unteilbares Ganzes. Alle Staaten müssen sich ohne Zaudern zur Hilfeleistung für ein angegriffenes Land vereinigen. Ein Vertrag muß geschlossen Werden, der diese Hilfeleistung sichert und schnelles und einheitliches Handeln zur Unterstützung jedes Opfers eines Angriffes verbürgt. Der Vertrag muß allgemein sein, allen offenstehen, d?n Grundsätzen des Völkerbundes entsprechen und darf daher die Sowjetunion nicht ausschließen, wie Hitler es will. Die internationale Arbeiterbewegung ist, wie sie im Falle des italienisch-abessinischen Konfliktes erklärt hat, und noch heute erklärt, entschlossen, die Gefahren und Verantwortungen einer solchen kollektiven Organisation des Friedens auf sich zu nehmen. Diese Gefahren sind viel geringer als die jeder anderen Politik. Isolierung und das alte System der Militärallianzen führen schließlich zum Krieg. Ein verbrecherischer Angriff kann nicht durch einen moralischen Appell verhindert werden. Jedem, der den Angriff wagen wollte, muß eine überlegene Macht entgegentreten, zu der alle Länder entsprechend einem vereinbarten, Es Gilt, die Zivilisation auf eine » 1_ 11- ie nächste Zeit darstellt: nützlich sein und insbesondere bei entsprechender Regelung der Exportförderung dienen kann. Wir widersetzen uns daher keineswegs grundsätzlich dem Gedanken der Zwangssyndizierung, wir müssen aber gegen die Form der Regelung, wie sie insbesondere in den derzeit abgeführten Verhandlungen über die Zwangssyndizierung in der Textilindustrie vorgeschlagen wird, die ernstesten Bedenken Äihebcn. Wir erblicken in dieser Form der Regelung ein« schwere Schädigung der Arbeiter, der, Konsumenten, aber auch der kleineren und mittleren Unternehmungen. Die Konferenz fordert daher, daß die Errichtung von Zwangssyndikaten nach einheitlichen gesetzlichen Grundsätzen erfolgt. Im Rahmen der Zwangssyndikate ist den zentralen Fachorganisationen der A r b e i t n e h- m e r der mit entscheidende Einfluß zu sichern. Voraussetzung der Syndizierung muß fein, daß Lohn- und Arbeitsverhältnisse durch Kol« lektivv ertrage verbind! lchtge- regelt sind. Sollen die Zwangssyndikate zu einer Belebung des Jnlandmarktes beitragen, dann müssen sie die Voraussetzung schaffen, daß ehestens die Arbeitszeit ohne Lohnentfall v e r- sichere* Grundlage zu stellen** Das Manifest der Sozialistischen Arbeiter-Internationale Wie wir bereits berichtet haben, hat die in London tagende, gemeinsame Konferenz der Sozialifti. schen Arbeiter-Internationale und des Internationalen Gewerkschaftsbundes ein Manifest an dir Weltöffentlichkeit beschlossen, bas wir im AuSzugr bereits Sonntag veröffentlicht haben. Es ist aber notwendig, diese wichtige fest lautet: Vie nächsten Aufgaben der Sozialdemokratie Stellungnahme der Partei zu den innerpolitischen, wirtschaftlichen und sozialen Problemen In der Sonntag, den 22. März, stattgeftin denen Parteikonferenz wurde nach einem Referat des Genossen Tr. Czech und nach einer regen Debatte folgende Entschliessung angenommen, welche ein Arbeitsprogramm der Partei für die Arbeitsbeschaffung Die wirtschaftliche Entwicklung in der Tsche choslowakischen Republik ist Hinter der Erholung, welche in der Weltwirtschaft zu verzeichnen ist, weit zurückgeblieben. Trotz erhöhtem Außenhan delsumsatz, trotz steigender Rohstoffzufuhr und trotz einer in manchen Produktionszweigen nicht unbe trächtlichen Steigerung der Erzeugnisse dauert die schwereDeprefsionan und geht vor allem die Massenarbeitslosigkeit nicht zu- . rück, was um so härtere Folgen hat, als es sich um eine nun schon jahrelang andauernde Arbeitslosig keit handelt, welche ihre Opfer physisch und mora lisch vollkommen erschöpft hat, insbesondere die Jugend zur Verzweiflung treibt und der faschisti schen Demagogie ausliefert. Ohne zu verkennen, daß diese Situation zum Teil durch die fortdauernde weltpolitische Unruhe verschuldet ist, daß sie zum Teil auch in der besonderen Abhängigkeit des tschechoflowakischen Exports von den Welthandelsverhältnissen begründet ist, sprechen wir aus, daß Regierung, Parlament und alle veranttpprtljchen Faktoren ijj x e. B c nxii- Hungen zurBeseitigungderinnern Krisenursachen steigern müssen. Die schwere Notlage aller arbeitenden Volksschichten er-' fordert energische Eingriffe zur Hebung der Pro duktion und damit der Konsumfähigkeit der Massen. Zu diesem Zwecke muß zunächst dieöffent- liche Arbeitsbeschaffung intensiviert werden. Die Konferenz begrüßt die eben in Ver handlung stehende Vorlage über die Baubewegung, fordert jedoch darüber hinaus die beschleunigte In angriffnahme aller öffentlichen Investitionen und die Beschleunigung der Maßnahmen, welche durch Hilfe für die Selbstverwaltung den Bezirken und Gemeinden die Durchführung ge meinnütziger Arbeiten ermöglichen. Die stagnierende, ja teilweise zunehmende Arbeitslosigkeit bei steigende- Produktion beweist, daß die technische Rationalisierung trotz der Krise fortschreitet. Diese Tatsache macht die Berk ürzüngderArbeitszeit und damit die Wiedereingliederung eines Teiles der Arbeitslosen in den Produktionsprozeß aus sozialen Erwägungen immer dringlicher und zu gleich ökonomisch möglich. Neben der Aufteilung des verfügbaren Arbeitsquantms auf eine größere Anzahl von Beschäftigten muß die Einstellung der sozial bedürftigsten Arbeitslosen durch die endliche Verwirklichung der obligatorischen Ar beitsvermittlung gesichert und zugleich dem Gesinnungszwang und Betriebsterror ein Riegel vorgeschoben werden. Nicht minder wichtig als die angeführten Maßnahmen ist die systematische Forderung des Exportes. Die Konferenz verweist neuerlich auf den ganz besonderen Notstand der industriellen Randgebiete de« Staate« und fordert ihre volle Berücksichtigung sowohl bei allen sozialpolitischen Aktionen, als auch bei allen Maßnahmen, die auf die vermehrte Einstellung von Arbeitskräften abzielen. Bei allen diesen Aktionen dürfen ausschließlich das soziale Bedürf nis, keineswegs aber nationalistische oder sonstige Nebenintereffen maßgebend sein. Stellungnahme zu den Zwangssyndlkaten Die Sozialdemokratie hält an ihrer Ueber- zeugung fest» daß nur eine planmäßige Regelung der Pr oduktion auf gemeinwirtschaftlicher. G r u n d- l a g e, die allem die einheitliche Leitung und Unterordnung unter die Interessen der Gesamt heit zu gewährleisten vermag, die Krise wirklich Überwinden kann. Dabei verschließt sich die Kon ferenz keineswegs der Erkenntnis, daß die zweck- Uiäßige Organisation einzelner Industriezweige An An Wieder einmal droht der Welt ernste Gefahr für den Frieden. Wieder einmal will» die Nazidiktatur ihre Ziele durch Wortbruch erreichen. Nicht allein der Vertrag von Versailles ist rücksichtslos zerrissen worden, sondern auch der Vertrag von Locarno, den Deutschland frei geschloffen und Hitler selbst noch im Mai des vergangenen Jahres ausdrücklich anerkannt hat. Die internationale Arbeiterbewegung verurteilt auf das^schärfste diesen verbrecherischen Akt. Die Konferenz stellt mit Befriedigung fest, daß der Völkerbund den Bruch des Vertrages verurteilt hat. Würde ein solcher Bruch von Treu und Glauben geduldet, so würde alles Bertrauen in internationale Verträge und das ganze System der kollektiven Sicherheit zerstört.. Der Zweck dieses jüngsten Gewaltaktes ist klar. Es ist die Vorbereitung zur Befestigung der entmilitarisierten Zone und zur Errichtung von Flughäfen, also eine Vorstufe zum Angriff gegen friedliche Länder im Osten und Westen. Den Vor- loand für diesen Bruch eines feierlichen Versprechens bildet die Behauptung, da der französisch- ruffische Pakt mit dein Vertrag von Locarno, in Widerspruch stehe. Dies zu entscheiden, gibt es ein eifaches Mittel. Im Jahre 1933 hat Hitler die von seinen Vorgängern feierlich ausgesprochene Annahme der Gerichtsbarkeit des Internationalen Gerichtshofes im Haag erneuert: man unterbreite also diese Streitfrage unverzüglich dem Haager Gerichtshof. Bei allen Verhandlungen mit Hitlers Abgesandten aber sind eS die friedliebenden Staaten innerhalb| des Völkerbundes,.die den Inhalt und die Formt ländlichen Gewerbetreibenden Rücksicht genommen werden. Sozialpolitische Forderungen Die Konferenz ist sich bewußt, daß alle Maßnahmen zur Belebung der Produktion und zur öffentlichen Arbeitsbeschaffung innerhalb der .kapitalistischen Gesellschaftsordnung weder die Arbeitslosigkeit dauernd aus der Welt schaffen, noch die Not der arbeitenden Menschen beseitigen können. Daher ist auch die Ausgestaltung des sozialpolitischen Schutzes notwendig. Die Konferenz begrüßt die Aktion des Gesundheitsministers für die erholungs- bedürftigen Kinder der Arbeitslosen und verurteilt mit Entrüstung die Hetze der SdP gegen diese Aktion. Sie begrüßt die Novellierung des KriegSbefchädigtengesetzes, welche trotz mancher Mängel das Los vieler Kriegsinvaliden erleichtern wird, als eine Abschlagszahlung auf die Forderungen der sozialistischen Parteien. Sie begrüßt das Zustandekommen einer Einigung über die S ä n i e r n n g der Bruderladen und fordert, daß der llnaufschiebbarkeit der Regelung Rechnung getragen und die vereinbarte Vorlage ehestens der parlamentarischen Behandlung zugeführt wird. Die Konferenz begrüßt die Aufrechterhaltung des Mi e t e rschutzes für die wirtschaftlich Schwachen und die Notstandsgebiete. Sie fordert die Schaffung eines Mietenausgleichsfonds für die Besitzer von Kleinhäusern, deren Wohnungen unter Mieterschutz stehen. Mit aller Entschiedenheit fordert die Konferenz die Verwirklichung der vom Fürsorgeminister Genoffen NeLas beantragten Vereinfachung und Verbesserung desGeu- t e r S Y st e m s. Sie verurteilt die unsachlicht und unsoziale Agftation gegen die sogenannten S a i sonarbei ter, die, da sie nur wenige Wochen im Jahre Beschäftigung finden und ihrer höheren Entlohnung, längst verlustig gegangen Plan beitragen müssen. Gemäß diesem Zweck muß die Bewaffnung der einzelnen Staaten geregelt werden. In der Verbesserung des Systems der kollektiven ^Sicherheit liegt die einzige Hoffnung auf eine erhebliche Verminderung dieser drückenden Last. Die Abschafftmg der privaten Rüstungsindustrie und des privaten Waffenhandels würde die Sicherheit noch wirksamer gestalten.... Hitler sucht seine Angriffsabsichten unter Friedensbeteuerungen zu verstecken. Hitler spielt sich als Friedensstifter auf. Er kann die Aufrichtigkeit seiner Vorschläge nur dadurch beweisen, daß er im' Einvernehmen mit den anderen Ländern seine Rüstungen durch ein internationales Abkommen begrenzt und sie internationaler Kontrolle unterwirft. Ein Abkommen über die kollektive Sicherheit durch gegenseitige Hilfeleistung und durch Abrüstung müßte die Grundlage bilden, auf der der Völkerbund Deutschland mit gleichen Rechten zum Abschluß eines allgemeinen Vertrages äuffordern soll. Deutschlands Weigerung würde der Beweis seines unentwegten Willens fein, die europäische Ordnung und den Frieden zu stören. Es wäre dann die Pflicht der anderen Regierungen und Völker, den Frieden ohne Hitlerdeutschland zu organisieren und alle Maßnahmen der kollektiven Sicherheit zu treffen, die notwendig sind, um den Frieden aufrecht zu erhalten. Ein dauernder Friede kann nur begründet sein auf soziale Gerechtigkeit und die Beseitigung der wirtschaftlichen Ursachen des Krieges. Darum fordern wir, daß eine entschlossene Bemühung zur Beseitigung dieser Ursachen unternommen werde. Die Organisation des Völkerbundes muß derart ausgestaltet werden, da sie die freie und systematische Erörterung dieser wirtschaftlichen Probleme und eine wirksame Aktion zur Hebung der Lebenshaltung der Arbeiter der ganzen Welt ermöglicht. Wir rufen die Arbeiter auf, alle Kräfte anzuspannen, nm den Faschismus überall zu schlagen und den Weltsozialismus zum Siege zn führen. Wir rufen alle Freunde der Freiheit und des Friedens auf, kraftvoll und unablässig den Kampf gegen den Krieg zu führen. Wir müssen das Gefühl der internationalen Solidarität stärken. Wir fordern die unS angeschlossenen Organisationen auf, alles zu tun, um alle Kräfte, die von gleichem Wollen erfüllt sind, zn einer gewaltigen Bemühung zusammenzufassrn. Seite 2 Dienstag, 24. März 1936 Nr. 71 sind, den Charakter als Saisonarbeiter verloren| daß sie in Wirklichkeit das Hindernis der Verständigung der Völker im Staate und in der sondern imstande, neuerdings zu wiederholen, daß haben. Ebenso wendet sich die Konferenz mit proletarischen Ginigung ist. internationalen Politik unbeirrt fortsetzen. die Belagerung es niemals demütigen wird. aller Entschiedenheit gegen Demgegenüber wird die sozialdemokratische Die Parteikonferenz anerkennt, daß der alle fleinlichen Schifanierun Bartei in Zusammenarbeit mit allen demokrati- Parteivorstand und die parlamentarische Bertre- Friedensfühler des gen der Arbeitslosen bei der schen Kräften des Landes und insbesondere in tung diesen Zielen pflichtbewußt und unermüdDurchführung der staatlichen Er- engster Verbindung mit den Parteien des demo- lich gedient haben und beauftragt sie, ihre Arbeit Dreizehner- Ausschusses nährungsaktion sowie gegen alle fratischen Sozialismus im tschechoslowakischen im Interesse der Republik und der Demokratie, London. Der Dreizehner- Ausschuß hat willkürlichen Streichungen und Volke ihren Kampf um den Wiederaufbau der der Sicherung des Friedens, des wirtschaftlichen fordert die ausreichende Dotierung dieser Aktion Produktion, um den sozialen Schutz der Maffen, Aufbaues und des sozialen Aufstieges der Maffen die Ma dari aga und Ave no I damit beam Montag eine Resolution angenommen, durch und der sie begleitenden Hilfsaktionen. Mit allem um die Erhaltung der Demokratie und um die weiterzuführen. Nachdruck verlangt die Konferenz die endliche Verwirklichung des Antrages auf Einbeziehung ter 3 ug en dI ich en in die Ernährungs Hitlers Antwort nicht vor Mittwoch? aftion. Politische Aufgaben Die Konferenz Tenkt die Aufmerksamkeit aller arbeitenden Schichten des Volkes auf die entscheidende Tatsache, daß alle diese Forderun gen, daß alle Maßnahmen zur Verbesserung der Lage der Volksmassen nur durchgesezt werden können durch den Kampf gegen die kapitalistische Oberschicht. Diese Erkenntnis hat die jüngste Arbeitertagung der Sudetendeutschen Partei Ungünstiger Eindruck in Paris läßt sich Zeit Berlin. Der Reuterberichterstatter will Auch Mussolini erfahren haben, daß die Antwort Hitlers wahrscheinlich nicht vor dem Mittwoch übergeben werden wird. Wie das Deutche Nachrichtenbüro erfährt, wird sich Botschafter v. Ribbentrop im Laufe des Dienstag nach London zurückbegeben. Paris. An den politischen Stellen in Paris beginnt der Umstand eine gewisse Verwunderung zu erwecken, daß die italienische Regieauftragt werden, mit Italien und Abessinien in Verbindung zu treten, um es so dem Ausschuß zu ermöglichen, eine Unterredung mit bei den strittigen Parteien zu vermitteln und im Rahmen des Völkerbundes und im Geiste des Völkerbundpaktes eine schnelle Beendigung der Feindseligkeiten und die Wiederherstellung des Friedens zu verwirklichen. Ueber die Sanktionen wurde nicht verhandelt. Am Nachmittag fanden bereits Unterredungen des italienischen Botschafters Grandi mit Madariaga und Avenol statt. Handel" mit ihrer Forderung einer 70prozentigen rung noch nicht ihre Zustimmung zu dem MemoDer Sonderberichterstatter des„ Daily Mail" randum der vier Signatarstaaten des Rheinpaktes Das ,, zufriedenste Volk der Welt" Ward Price, der mittels Flugzeuges nach Ber- gegeben hat. Es wird dies dahin ausgelegt, daß lin reiste und den deutschen Reichskanzler nach Italien die Entscheidung des Dreizehner- Aus- arbeiter von Heß, dessen gegen Schacht gerichtete Berlin.( AP.) Albrecht Fortmann, der Mitin Tetschen nicht widerlegt, sondern im Gegenteil Breslau begleitete, berichtet, daß die Vorschläge schusses über die Sanktionen abwartet. Auch der Broschüre„ Der Kampf um den internationalen ernent bestätigt. Denn dieser Tagung ist ein der Locarnomächte an deutschen Regierungsstel- Reuter- Korrespondent ist der Auffassung, daß fozialpolitisches Programm vorgesetzt worden, len als„ t it 3 ulässige Ueberreste Mussolini bemüht ist, die Locarnofrage zum das in allen seinen Teilen im Wesen aus sozialbes Berjailler Geist e s" bezeichnet Handelsgegenstand im Hinblick auf die Markabwertung großes Aufsehen erregt hatte, ist demokratischen und freigelverkschaftlichen Forde werden. rungen entlehnt ist, aber es wurde kein Weg ge= zeigt und es konnte fein Weg gezeigt werden, ein folches Programm, das mit den Klasseninteressen des kapiatalistischen Unternehmertums notivenParis. Der Umstand, daß Kanzler Hitler = Sanktionen zu machen. berhaftet worden. in seiner Breslauer Rede keine direkte Anspielung Berlin.( AP.) In der letzten Zeit haben in Angriffe gegen England auf die Londoner Vorschläge der Rheinpaktfignaallen Teilen des Reiches wieder Massenverhaftungen Viel vermerkt wird eine Rede Mussolinis stattgefunden. Seit Jahresbeginn sind in Düsseldorf digerweise in Widerspruch geraten muß, im Wege erachtet. Man glaubt, daß Hitler durch allerlei Korporationen, in der er u. a. erklärte: Wir in Magdeburg 50 Verhaftungen erfolgt. In Leipzig tare gemacht hat, wird in Paris als beunruhigend vor den Vertretern der italienischen nationalen 800, in München 250, in Greiz( Thüringen) 150, der ,, Volksgemeinschaft" zu verwirklichen. Die Spiegelfechterei des Ausschlusses unsozialer Un- erzögerungen versuchen wird, die Antwort bis leben in der Zeit des Krieges unter Umständen, beträgt die Zahl der Festgenommenen mehrere hunternehmer aus der Sudetendeutschen Partei, der zum fonntägigen Plebiszit hinaus 3uzie unter denen 52 Länder Jtalien, wie dies ein dert. In Hamburg wurden bei Blohm u. Voz 45 diese ebensowenig zu einem sozialen Verhalten Linie" erwedt, wie in Paris unter Hinweis auf In diesem fünften Monat der Belagerung Jia- Dresden, Berlin, Nürnberg, Chemnik und Bielefeld. hen. Dieses Hinausziehen auf der ganzen einziger Staat gewünscht hat, belagern. Arbeiter verhaftet. Aehnliche Nachrichten kommen aus den Kampf um soziale Rechte nicht einmal zum bundrates und des Dreizehnerausschusses erklärt schichte Europas bleiben wird, ebenso wie die Verhafteten insgesamt etwa 4000. Diese Attion erdie Hinausschiebung der Beratungen des Völker- liens, die ein Zeichen der Schande in der Ge- In 40 deutschen Großstädten beträgt die Zahl der wird, einen ungünstigen Eindruck. Der Abessinien gewährte moralische und materielle streckt sich aber auch auf die Kleinstädte. In 27 jächStaatsminister Paul- Boncour weilt ständig in Unterſtüßung eine Seite der Unehrenhaf- fischen kleineren Orten sind zirka 550 Mann in den London, aber bei der gegebenen Lage ist es nicht tigkeit, ist Italien nicht nur nicht gedemütigt, legten zwei Wochen verhaftet worden. bekannt, wann Außenminister Flandin nach Lonberanlassen wird, wie ihre Mitgliedschaft, kann don reist. Schein ersetzen. Sie bedeutet nichts anderes als eine Nachäffung der sozialen Ehrengerichtsbarfeit" im Dritten Reiche, mit der die Arbeiter über den Verlust der gewerkschaftlichen Freiheit und die Zertrümmerung ihrer sozialpolitischen Einrichtungen hinweggetäuscht werden sollen. Das Spiel der Sudetendeutschen Partei mit den GeDie Linke, hauptsächlich die Sozialisten, profühlen der Arbeiter ist nur ein Mittel mehr, um testieren scharf dagegen, daß Frankreich eine Andie Sehnsucht der Massen nach Verbesserung ihres regung durch die Tat gebe oder daß es sich in tätiLoses zu reaktionären 3weden zu ger Weise an der Vertagung oder sogar an der mißbrauchen. Denn in allen ihren Hand- Widerrufung der Sanktionen gegen Italien lungen war die Sudetendeutsche Partei nichts beteilige. anderes als ein Werkzeug der tapitalistischen und nationalistischen Reaktion. Sechs Tote bei Arbeiterdemonstrationen Polizei schießt an zwei Stellen in die Menge in Krakau gegen 50 Schwer- und Leichtverletzte forderten. Bei den beiden Zusammenstößen wurden Kratau. Die Stadt Krakau war am bäudes der Handels- und Gewerbekammer, das Neue britische Intervention Montag der Schauplatz schwerer Arbeiterunruhen unweit des Woiwodschaftsgebäudes gelegen ist, und Straßendemonstrationen, die nach den bis- fam es zu Zusammenstößen, wobei die PoliDie kommunistische Partei der Tschechoslowakei Berlin. Im Anschluß an die sonntägige erste her vorliegenden Meldungen sechs Todesopfer und zei schoß. hat erneut bewiesen, daß sie für den Zusammen- Besprechung Hitlers mit dem Sonderbotschafter schluß der demokratischen Kräfte noch immer nicht bon Ribbentrop hatte der britische Botschafter Sir Die polnische sozialistische Partei hatte in den in Betracht kommt. Nach einem kurzen und schüch- Phipps in den Abendstunden noch eine längere Morgenstunden einen ein tägigen Protest- fechs Personen getötet und gegen 50 verletzt. Auf ternen Anlauf zu einer verantwortungsbewußten telephonische Unterredung mit den deutschen streit der Krakauer Arbeiterschaft zweds Unter- Seite der Polizei gab es 11 Verletzte. Während Politik ist die kommunistische Partei auf den Außenminister von Neurath. Hiebei bat, wie das stützung des Lohnkampfes der Arbeiter in den die Polizei gegen die Demonstranten vorging, Weg der hemmungslosen Dema Reuterſche Büro bereits bestätigt hat, Botschafter großen Gummiwerken Semperit" pro- tam es in einigen Teilen der Stadt zu Ausschreigogie zurückgekehrt, die der antimarri- Phipps den deutschen Außenminister nochmals flamiert. stischen Propaganda geradezu täglich neue Stich dringend, daß Deutschland das Memorandum der Der Proteststreif nahm in den Vormittags= worte liefert. Indem die Partei auf das Kom- Locarno- Mächte in der vorliegenden Form an- stunden zunächst einen ruhigen Verlauf. Erst in Straßenbahnwagen und Autobusse umt. Die Unmandowort eines einzigen Menschen willen nehme. Er hat nochmals darauf hingewiesen, daß den Nachmittagsunden, als eine von der Streif- Straßenbahnwagen und Autobusse um. Die UnIos und würde los, unter Ver die internationale Polizeitruppe doch nur eine leitung einberufene Versammlung abgehalten ruhen dauerten bis in die späten Abendstunden an. Ieugnung und Schmähung ihrer provisorische Einrichtung wäre, die na- worden war, formierte sich trok dem Abraten der Die Polizei nahm Maffenverhaftungen vor. Die Handlungen von gestern, in die türlich vorübergehenden Charakter haben würde, Leitung der Partei ein Demonstrations- Lage in der Stadt ist noch immer sehr gespannt alte ,,, neue Linie" einschwenfte, bat ebenso wie seinerzeit die internationale Polizei- zug, der vor das Woiwodschaftsgebäude mar- und es besteht die Befürchtung, daß sich die Unsie bewiesen, daß sie für andere politische Parteien truppe während der Saarabstimmung. schierte, um auch hier eine Protestkundgebung zu ruhen infolge der großen Erbitterung unter der fein seriöser Verhandlungspartner ist. Indem sie Herr von Neurath hat dem Vernehmen nach veranstalten. Die Polizei sperrte den Demon- Arbeiterschaft in den Nachtstunden wiederholen zu der Methode der Beschimpfung der Sozial- die Mitteilungen des britischen Botschafters ftranten den Weg und machte schließlich von der werden. Alle öffentlichen Gebäude in der Stadt demokratie zurückkehrte, hat sie erneut dargetan, sehr reserviert angehört. Schußwaffe Gebrauch. Auch in der Nähe des Ge-| sind durch starke Polizeiabteilungen bewacht. 41 er eine Handbewegung, die alles abschnitt. Er MÄNNER, FRAUEN fügte nur ganz kurz hinzu: UND WAFFEN Roman von Manfred Georg Copyright by Dr. Manfred Georg, Prag Schumann nickte schwach mit dem Kopf, wollte etwas fragen, dämmerte aber schon wieder ein. Doch die Krise war überwunden. In den folgenden Tagen erholte er sich zusehends. Er bat den Bankier zu sich: ,, Was hören Sie von Haydée?" ,, Während der Aufruhrtage ist sie entkommen. Das Untersuchungsgefängnis war während vier Stunden ohne Herren. Heute kam dieser Brief für Sie." Er stammte aus Paris und hatte ganz furz folgenden Inhalt: ..Liebster, schreibe Mutter, wo und wann wir uns treffen können. Bin gesund und sehnsüchtig. Deine Handée." Der Arzt hielt nur noch fünf Tage Aufenthalt für notwendig. Schumann bat Haydee nach Genua. Von dort wollte er mit ihr nach Wien zurüdfahren. ,, Gabriele ist tot." Sie gingen den schmalen Pfad an den Felsen entlang, von Palmen überweht. Das Meer schäumte frisch und start heran und warf seinen Gischt in fleinen Sprißern hoch hinauf bis bor ihre Füße. Mit einem Male sagte er: ,, Du kannst mir jetzt übrigens sagen, warum Du Mardrier bestohlen hast. Ich habe auch eine Rechnung mit ihm, und ich möchte auf jeden Fall, daß er sie bezahlt." So, eine Rechnung? Jest hast Du eine Rechnung? Und bisher hattest Du keine?" Er verstand und biß sich auf die Lippen: ,, Damals ließest Du Dich nicht halten." ..Ich habe jeden Schritt bis zu dem Hotel gezählt. Ich dachte, Du würdest nachkommen. Noch auf der Treppe drehte ich mich um, ob Du nicht auftauchtest. Aber Du liebtest Gabriele." " Ich kannte sie ja gar nicht. Es muß etwas anderes gewesen sein." ,, Und jetzt liebst Du Rudolf und wirst Thessa lieben. Du würdest mich noch einmal zu Mardrier schicken!" " Ja, aber mit einem anderen Auftrag. Jest aber: was stahlst Du Mardrier?" ,, Eine Liste." Er glaubte seinen Ohren nicht zu trauen: ,, Eine Liste? Ja, was hast Du für ein Interesse an irgendeiner Liste? Wer stand denn darauf?" ..Hundertundzwanzig Dednamen mit Dedadressen von Unteragenten Mardriers." Als er sie am Bahnsteig stehen sah, kühn und spähend, in ihrem wehenden Sommerkleid, erfüllte ihn eine wilde Freude. Sie gingen wortlos nebeneinander durch die genuesischen Gassen, freuten sich an den bunten Wäscheguirlanden, die hoch oben in allen Farben wimpelten, aßen in einer fleinen Delikatessenstube vielerlei Fisch,, Was erzählst Du mir da für Räuberzeug, das beim Fadelschein in der Nacht aus dem geschichten! Wozu braucht dieser Scharlatan Meer heraufgeholt worden war und fuhren mit Agenten?" der Bahn schließlich hinaus nach Nervi. ,, Das weiß ich auch nicht. Vielleicht für seine Also hast du das gar nicht für mich getan?" ,, Damals hast du das ja nicht gewußt." verhaften lassen?" Und wegen solcher Liste kann dich Mardrier " Vielleicht hat er etwas anderes angegeben. Aber frag mich, bitte, nicht weiter. Die Dinge sind doch vorbei." tungen, wobei mehrere Geschäftsläden im Zentrum der Stadt demoliert wurden. Ferner warfen die Demonstranten mehrere elektrische „ Ach, das war doch gar nicht für mich, son- Stenotypistin, hinauszugehen. Dann zog er ein dern für meinen Kameraden, den du kennst." Anie an, faltete die Hände darum und lehnte sich „ Du lügst doch wie gedruckt. Wer soll dir zurück: denn das glauben? Willst du mir vielleicht ge= ,, Wir haben bereits die nötigen Waffenmenfälligst sagen, was dein Freund an solcher Liste gen, die wir nach Rußland importieren möchten, für ein Interesse hat?" in den einzelnen Nachbarstaaten aufgeteilt... „ Ich glaube, er will ihn in der Zeitung ent- Sie sind in der Obhut von Personen, die im gros Tarven. Er will sich Geld damit verdienen. Ihn Ben und ganzen zuverlässig sind. An verschies interessieren die Kniffe solcher falschen Offultisten." denen Stellen sind es Regierungsbeamte. Ueberraschungen sind nicht zu fürchten. Auch die Verbreitung von Univillen und Unruhe in den bes treffenden russischen Grenzgebieten ist ziemlich borangeschritten. Sie ist ja bei einem gewissen Prozentsaz der Bevölkerung immer latent gewesen, aber die Ohnmacht, keine Waffen zu haben, hatte die Wut nie ausbrechen lassen. Jetzt horchen sie und spigen die Ohren, haben sogar schon wieder ein paar Formationen alter Weißgardisten und Als er nach Wien zurüdfam, war im sich Stojaten zusammen. Wir werden ihnen hochquali überstürzenden Wirbel der europäischen Ereignisse fizierte Waffen und Flugzeuge geben, alles hängt dieses Jahres die Geschäftskonjunktur für Makro- von der Technik der Ueberrumpelung ab. Aus pulos noch gestiegen. Er arbeitete in seinem Büro Japan melden unsere Agenten ein immer rascheres vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Hilfs- Anwachsen der neuen Festlandoffensive und eine fräfte waren eingestellt. Die Aufträge und Ver- fast hundertprozentige geheime Mobilisierung für handlungen folgten einander ohne abzureizen. die nächste Zeit. Wir haben schon tüchtig in punkto „ Sie haben Ihre Sache in Spanien sehr gut Sabotage gearbeitet, aber die großen alarmierens gemacht," begrüßte Makropulos Schumann aus den Ereignisse zu schaffen, das ist Ihre Sache! feinem Diftat heraus, das er gerade einer talts Alle Details wird Ihnen unser Vertrauensmann, schnäuzig und uninteressiert dreinschauenden Ste- Herr Mardrier, geben, der Sie heute nachmittags notypistin gab. aufsuchen wird. Und jetzt haben Sie plein pou voir! Ab und zu lassen Sie mir wohl die nots wendigen Stichworte mitteilen." ,, Girobels hat mir berichtet. Aber daß es Sie auch erwischen mußte dabei! Künstlerpech! Na, nun sind Sie ja wohl so weit, daß wir Sie wieder einspannen tönnen. Ihr Besuch bei Du naimis, großartig! Alle eingeweihten Kreise spre chen davon, daß Sie Vollmachten hätten." Da in seiner Stimme Zweifel lagen, reichte ihm Schumann sein Papier. Makropulos ftudierte es sorgsam. Viel län Schumann und spürte von Kopf bis Fuß ein Ers " Verzeihung, sagten Sie Mardrier?" fragte lahmen der Sinne.„ Mardrier? Das ist doch der Varietétünstler, so ein Hellseher?" „ Auch, auch. Aber wirklich Geld verdient er nur mit uns. Als reisender Artist ist er unauf( Fortsehung folgt.) Ihr fiel auf, daß er noch weniger sprach Experimente, damit er überall schon vorher weiß, ger als er zum Lesen brauchte. Er verbarg offen- fällia. ale früher. Als sie eine andeutende Bemerkung was am Orte los ist, in den er kommt." machte, die nach seinen Erlebnissen zielte, machte ,, Und was willst du damit?" bar sein Mißbehagen, aber er gab es ihm nur mit einem lächelnden Zunicken zurück und winkte der Nr. 71 Dienstag, 24. März 1936 Sudetendeutscfier Zeitspiegel Unsere Parteikonferenz fapitalistischen und faschistischen Gegner entgegen- Fabrikanten gegen alle Arbeiterforderungen. stischen Parteien zu verwenden, anstatt sie dem vor stemmen sich die der SDP. angehörenden Die Deutsche sozialdemokratische Arbeiters partei in der Tschechoslowakischen Republit hielt Sonntag, den 22. März, im Radiosaal in Prag eine Konferenz ab, an der 142 Vertrauensmänner der Partei aus deren gesamten Organisationsgebiete teilnahmen. Eröffnet wurde die Tagung gegen 9 Uhr bormittags vom Abgeordneten Genossen De Witte- Karlsbad, der einleitend gegen die Rechtskomödie, die augenblicklich in Wien beim Prozeß gegen die Sozialisten aufgeführt wird, protestierte und den Angeklagten ein herzliches Freundschaft der Konferenz und der gesamten Partei entbot. Diese Sympathiekundgebung soll ein feierliches Gelöbnis aller deutschen Sozialdemokraten in der Tschechoslowa kei sein, mitzuhelfen, daß wieder bald überall die Fahne der Menschlichkeit, der Freiheit und des Sozialismus wehe. Gleichzeitig erhebt die Konferenz flammenden Protest gegen die grausame Verurteilung unseres Jugendgenossen Konrad Gerich- Warnsdorf, der von einem Gericht des Dritten Reiches auf zehn Jahre ins Zuchthaus gesteckt wurde. Alle Teilnehmer der Konferenz, so sagte Genosse De Witte, find der Ueber zeugung, daß der verurteilte Genoffe die Freiheit früher als in zehn Jahren sehen wird. Genosse De Witte beantragte die übliche Ges schäftsordnung und eine Antragsprüfungsfommis sion, in welcher jeder Kreis einen Vertreter hat und in die der Parteivorstand die Genossen Jakich, Heller, Taub und Wiener entsendet. Das politische Hauptreferat erstattete Genosse Dr. Czech Er führte u. a. aus: Europa erlebt bange Er führte u. a. aus: Europa erlebt bange Stunden und wir wären beinahe in einen Krieg hineingeschlittert. Es ist das Verbrechen des reichsdeutschen Faschismus, die Brandfackel des Strieges in unseren Erdteil geschleudert zu haben. Die wachsenden Spannungen im Innern ließen Hitler feinen anderen Ausweg übrig, als durch Aufpeitschung der nationalistischen Leidenschaften einen Teil des Volkes vor seinen Kriegswagen zu spannen. Die Tschechoslowakei muß treu zu ihren Verbündeten stehen und mit ihnen zusammen den Frieden Europas aufrecht erhalten. Im entscheidenden Augenblick wird der deutsche Faschismus vor der einheitlichen Aktion der demokratischen Parteien der Tschechoslowakei stehen. Die deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei wird sich mit allen sozialistischen und demokratischen Parteien zum Stampfe gegen den Faschismus vereinigen, denn es ist ihr bewußt, daß es ohne Niederwerfung der faschistischen Kräfte feine Befriedung der Welt gibt. Wir können aber nur vorivärtskommen im Kampfe gegen den Faschismus, wenn wir uns die wirtschaftlichen Kräfte unseres Landes nugbar machen. Wir können des Faschismus nicht Herr werden, ohne Neuordnung der Wirtschaft in Europa und bei uns. zusetzen. So stand die deutsche Sozialdemokratie während ihrer Zugehörigkeit zur Koalition im tonzentrischen Feuer, um so höher ist es zu werten, daß es ihr dennoch gelang, die fozialen Rechte der sudetendeutschen Arbeiterklaffe zu sichern und deren demokratische Freiheiten zu erhalten, von ihr jenes Unglück abzuhalten, das über einige sozialistische Parteien herein gebrochen ist. Die Aufgaben, vor denen wir stehen, sind ungeheuer und von schicksalhafter Bedeutung. Wir werden uns diesen Aufgaben gewachsen zeigen. Wir sind erfüllt von der Unbezwingbarkeit unserer Ideen und lassen uns durch keine Macht der Erde von unserem Ziel abbringen. In der Stunde der Gefahr werden wir mit den Arbeitern der anderen Nationen in den Kampf ziehen, an beffen Ende der Sieg unserer Ideen stehen wird. ( Langanhaltender Beifall.) In den Reden des kommunistischen Abgeordneten An das Referat des Genossen Dr. Czech Gottwald und in der für den Parteitag dieser knüpfte sich eine Debatte, in welcher die Partei vorbereiteten Resolution kommt zum Aus- Genossen Hein- Fischern, Göz- Rothau, Fischer druck, daß die Kommunisten nichts anderes wol- Freudenthal, Tinkl- Zwittau, Heger- Mährisch len, als die sozialdemokratischen Arbeiter unter Trübau, Amstätter- Asch, Müller- Aufsig, Dr. ihre Botmäßigkeit zu bringen. Dazu geben wir Heller- Tepliz, Eckl- Podersam, Kutscha- Sägern die deutsche Arbeiterklasse nicht her und wir wer- dorf, Möckl- Neudet, Maria Deutsch- Prag und den uns nicht von den Kommunisten abbringen Benda- Eger teilnahmen, worauf noch Genosse lassen in der Verteidigung des Staates und der Karl Kern, welcher dem Wiener Sozialisten demokratischen Rechte der Arbeiter. prozeß beigewohnt hatte, einen Bericht über seine in Wien gewonnenen Erfahrungen erstattete. Das Schlußwort zu der Debatte hielt Genosse Dr. Czech, der auf eine Reihe von den Debatten rednern aufgeworfenen Fragen antwortete und mit dem unbengsamen Willen zu Arbeit und zum Was die Sudetendeutsche Partei betrifft, hat sich diese durch die sogenannte ,, Kulturrede" Henleins entlarvt. Sofern danach noch ein Zweifel über den nationalsozialistischen Charakter dieser Bewegung übrig geblieben ist, hat diesen Charatter der Beifall der Presse dieser Partei zum Gewaltstreich Hitlers enthüllt. Der deutschen Sozialdemokratie erwächst die historische Aufgabe, die sudetendeutsche Bevölterung vor der Katastrophe zu bewahren, in die sie die SdP. hineintreibt. Wir müssen die Arbeiter, die in die Klauen der Henleinbewegung geraten sind, dieser wieder entreißen und ihnen zeigen, welcher Betrug an ihnen begangen wird. Wir haben dem Herrn Henlein in sprechen zu erfüllen, jeden, der sich unsozialen unserer Presse Unterlagen gegeben, um sein VerBerhaltens schuldig macht, aus seiner Partei auszuschließen. Wir warten vergebens. Nach wie Kampfe schloß. Sodann wurden zwei Resolutionen, über deren Beratung in der Antragskommission Ge noffe Dr. Seller berichtete, einstimmig zum Bes schluß erhoben. Die eine Entschließung behandelt die außenpolitische Situation, die andere die wirtschaftlichen und politischen Probleme unseres Landes. Nachdem die Beratung und Abstimmung über die beiden Entschließungen die volle Einmütigkeit der Konferenz gezeigt hatte, schloß Ges welcher er die Ergebnisse der Konferenz in noffe De Witte mit einer anfeuernden Rede, in packenden Worten zusammenfaßte, gegen 44 Uhr die Beratungen. Hitler- Propaganda in unseren Schulen Die 1. Mädchen- Bürgerschule in Teplitz- Schönau als Beispiel So oft wir feststellen, daß in unseren Schu- gabe, wie er von der Lehrperson auf die Tafel Ten teilweise ein Unterricht erteilt wird, der im geschrieben wurde, wiedergeben, er hatte folgen Gegensazt zur Demokratie steht, den Wortlaut: dann schreien alle Henlein- Blätter auf, und erklä ren uns als Volksfeinde. Troßdem werden wir mit unserer Kritik nicht aufhören, so lange der große Teil der deutschen Lehrer sich in der Verherrlichung des Hitlerismus nicht genug tun kann. Aber auch unsere Schulbehörden sind bei der Behandlung derartiger Fragen sehr nach= ichtig und finden für jede derartige Handlung eine Entschuldigung. Wir wollen heute an einem Beispiel aufzei gen, wie eine Lehrperson sich nicht genug tun fann in der Verherrlichung des Reichskanzlers Hitler. Wir sind überzeugt, daß dieselbe Lehr= Person bei Besprechung unserer Staatspräsidenten nicht den zehnten Teil von Begeisterung auf= bringt. In der vorigen Woche erhielten die Schüle rinnen der 1. Mädchenbürgerschule in TeplitzSchönau, Kapellengasse, in der 1. Klasse a und b eine Auf diesem Wege liegen die Bemühungen nach Schaffung größerer Wirtschaftsräume, besonders in Mittel- und Südosteuropa. Gerade bei uns haben wir mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, regenüber anderen Staaten kommt unsere Wirts schaft nur teuchend vorwärts. An der Kata- Schulaufgabe über die Olympischen Winterstrophe im deutschen Gebiet hat sich fast nichts ge- spiele in Garmisch- Partenkirchen. ändert und wir erheben deswegen von dieser Stelle aus laut und vernehmlich den Ruf nach ent- Die Art und Weise, wie das vorgetragen wurde scheidenden Abwehrmaßnahmen. Diese Auf- und wie den Kindern die Schlagworte ans forderung richten wir nicht nur an den Staat, gegeben wurden, zeigen ganz deutlich, daß es sondern auch an die Unternehmer, welche uns in nicht allein um eine Beschreibung der Winter dieser Beziehung alles schuldig geblieben sind. spiele ging, sondern, daß besonderer Wert darauf Verschärft wird die Situation dadurch, daß die gelegt wurde, daß Adolf Hitler rie Spiele eröffder Sudetendeutschen Partei angehörenden Unters net hat. Darauf wurde dann noch ein 3 weites nehmer versuchen, an Stelle freigewerkschaftlich mal hingewiesen. Warum die doppelte Fest= organisierter Arbeiter solche zu bringen, die den stellung? der Sudetendeutschen Partei nahestehenden Ge- Damit aber unsere Leser sehen, wie dies werkschaften angehören. Andererseits ist jede gemacht wird, wollen wir den Rahmen der Aufdem Deutschen weggenommene Arbeitsstelle in der öffentlichen Verwaltung eine Agitation für den deutschen Nationalismus. Insolange wir den Massen nicht Arbeit schaffen können, müssen wir in sozialer und gesundheitlicher Hinsicht für sie sorgen. All das müssen wir in der Koalition erkämpfen. Jede Entscheidung, die eine der Gruppen der Koalis tion betrifft, muß im Kampfe erarbeitet werden. Das Leben in der Koalition war für uns manch mal schwer zu tragen. Aber da wir vor die Aufgabe gestellt worden sind, das Land vor dem Zugriff der faschistischen Gewalten zu bewahren, haben wir alles getan, um dem Faschismus den Weg zur Regierung zu versperren. Christlichsoziale schärfer gegen Henlein Politisierter Katholizismus Seite 3 Donnerstag indagi as Schlußverhandlungen mit den Slowaken Prag. Ministerpräsident Dr. Hodža hat Montag die Verhandlungen mit den Vertretern der slowakischen Volkspartei fortgesezt. Ge= genstand der Beratungen bildete, wie es in dem amtlichen Bericht heißt, das slowakische Problem in wirtschaftlicher, finanzieller und budgetärer Beziehung, und zwar auf Grund der Ziffern der staatlichen und Landesbudgets und der Rechnungsabschlüsse. Gleichzeitig wurden die verschie denartigen Möglichkeiten der Lösung der Kompetenz der örtlichen Organe der öffentlichen Ver= waltung, wie zum Beispiel des Landespräsiden ten und der Landesvertretung behandelt und auch die Frage der Kompetenz der einzelnen Staatsbahndirektion besprochen, Dienfifräfte in einigen Angestellten- Kategorien anzustellen, Ebenso wurde in diesem Zusammenhang auch die Frage der Kompetenz der Landes- Finanzdirek tion und der regionalen Postdirektion berührt. Die nächste Besprechung am Donnerstag wird der konkreten Formulierung der einzelnen Verhandlungsergebnisse gewidmet sein. Der Ministerpräsident beabsichtigt hiezu auch andere politische Fattoren einzuladen. Die Unterhändler der slowakischen Volkspartei werden dann Freitag in Prag einer gemeinsamen Sitzung ihrer beiden parlamentarischen Klubs über die Ergebnisse berichten. Für den Arbeiterturn- und Sportverband! konferenz in Prag am 22. März geführt wurde, Aus der Diskussion, welche auf der Parteimöchten wir die Ausführungen des Genossen Senator Heinrich Müller aus Aussig hervor heben, der die Konferenz auf die Arbeit der Sdp in den bürgerlichen Stulturorganisationen aufmerksam machte. Die Henlein- Leute streben da die turn- und Sportverband der stärkste Konkurrent Totalität an und sie erkennen, daß der Arbeiterder Henleinpartei bei der Gewinnung der Jugend ist. Funktionäre des Verbandes werden gemaßregelt und man versucht, dem Verband auch die Turnsale abzutreiben. Gerade deswegen müssen alle politisch und gewerkschaftlich Organisierten die Arbeiterturns und Sportbewegung aufs tatfräftigſte unterstüßen und das Turn- und Sportfest in Komotau muß eine machtvolle Demonstra= tion für Freiheit, Demokratie und Sozialismus werden. Grundstücke für Arbeitslose. Die Stadtver tretung von Turn hat beschlossen, den Arbeitslosen 20.000 Quadratmeter Boden leihweise zu überlassen, um ihnen den Anbau von Gemüse und Kartoffeln zu ermöglichen. Eröffnung am 6. Feber durch Reichskanzler Adolf Hitler. Geschloffen am 16. Feber.- 28 Nationen nahmen teil. Riefenarena 60.000 Menschen. 11 Uhr Geginn der Eröffnung. Musikkapellen spielen die nationalen Hymnen. Mitsingen der Mas- Um das Egerer Elektrizitätswerk. Aus Eger sen, ein Ortan des Jubels. Die Wettkämpfer wird uns berichtet: Das städtische Elektrizitätsder 28 Nationen sehen sich in Bewegung. An werk in Eger war bisher an die E. L.-G.( Elekder Spitze stand Griechenland, gefolgt von trizitäts- Lieferungs- Gesellschaft) in der Form Australien, Belgien, Bulgarien usw. Jede Nation empfangen mit Beifall. Aufstellung der Alleen. Reichskanzler Hitler er klärt die Olympischen Winterspiele 1936 in Garmisch- Partenkirchen für eröffnet. Ertönen der Olympischen Hymne. Dröhnen der Salven.- Klingen der Glocken. -Aufflammen des Olympischen Feuers. His sung der Olympischen Fahne mit den fünf Ringen. Leistung des Schwures durch Stimeister Willi Bogner. Abmarsch der Nationen. Wir glauben, daß durch derartige Lehrmethoden feine Staatsbürger im Sinne der Republik und Demokratie erzogen werden! Derartige Lehrmethoden sind politischer unter richt, der nach unserer Auffassung nicht in die Schule gehört. Wie möchten denn die Herrschaften des völkischen Lehrervereines sich entrüsten, wenn ein sozialdemokratisch gefinn ter Lehrer seine politische Gesinnung in derart aufdringlicher Weise im Unterricht zur Anwendung brächte, wie es hier diese Lehrpersont tut: Diese Hakenkreuz- Methoden müßten restlos aus dem Schulunterricht entfernt werden. Wir sind neugierig, was die zuständigen Schulbehörden in diesem Falle tun werden. " verpachtet gewesen, daß die ELG nach dem zivischen ihr und der Stadtgemeinde abgeschlossenen Uebereinkommen verpflichtet war, einen bestimm ten Anteil des Reingewinnes an die Stadtkasse abzuführen. Da sich nun in der lezten Zeit ergab, daß diese von der ELG zu leistenden Zahlungen immer kleiner wurden, obwohl der Stromkonsum durchaus stabil geblieben ist, hat sich die Stadtge= meinde Eger entschlossen, nachdem auch das jeweils von 5 zu 5 Jahren laufende Uebereinkommen mit der ELG ehestens abläuft, das Elektrizitätswerk entweder in Eigenregie zu übernehmen oder eine Neuverpachtung zu günstigeren Bedingungen zu erzielen.. Da sich für das Unternehmen schon seit einiger Zeit auch das Mieser gemeinnüßige Werk interessiert, wurden mit der ELG Berhandlungen hinsichtlich der Leistung einer höheren Entschädigung an die Stadtgemeinde geführt, die insofern erfolgreich verliefen, als sich die Gesellschaft zu neuen Zugeständnissen bereit erklärt hat. Das Unternehmen in Mies hat der Stadtgemeinde Eger gleichfalls ein recht günstiges Angebot unterbreitet, so daß es wahrscheinlich zu einer Uebernahme des Elektrizitätswertes in die Eigenregie der Stadt nicht kommen dürfte; dagegen wird die Geschäftsleitung des Egerer Eleftrizitätswertes unter zweifellos besseren Bedin= gungen als bisher an eine der beiden im Wettbewerb um das Egerer EW stehenden Unterneh mungen übergeben werden. Rechtsniederlage im tschechischen Studentenverband. Sonntag, in der Nacht auf Montag und Montag Vormittag hielt der Zentralverband der tichechoslowakischen Studentenschaft in Brünn seine Generalversammlung ab. Im Mittelpunkt stand die Debatte über die Möglichkeit der Einhaltmachen dürfe. Zu dem religiösen Statholizismus als christlicher Grundlage müsse der politische Katholizismus treten. In diesem Zu sammenhang polemisierte Bat gegen die Prager Kultur"-Rede Henleins und wies unter anderem die Phrase vom politisierenden Geistlichen" zuAm Sonntag erstattete bei einer Kundge- rück; der judetendeutsche Priester habe ein Recht, bung der deutschen Katholiken in Pilsen der Ges sich auch zu öffentlichen Fragen zu äußern. Im schäftsführer des Deutschen katholischen Afade- übrigen betonte Bat den katholischen Willen zu führung einer Verhältnis- Vertretung. Der von miferverbandes, Direktor 3osef Bat, ein Re- Frieden und Völkerversöhnung und die Notwen- der Rechten beherrschte Prager Verband erhob das ferat, dem eine gewisse Bedeutung nicht nur für digkeit eines regen Kulturaustausches zwischen den gegen prinzipielle Einivendungen. Die Verhanddie judetendeutsche Politik zukommt. Der christ- Sudetendeutschen und den Tschelungen nahmen einen derart erregten Charakter lichsoziale Sprecher erklärte- hierin sichtlich von chen; die deutschen Katholiken hoffen, daß schon an, daß Montag um 6 Uhr früh die Tagung in der Politik des Hilgenreiner- Flügels abrückend die nächste Zeit einen praktischen Schritt ein anderes Lokal verlegt werden mußte. Nach ganz dezidiert, daß die judetendeutschen Ka- in dieser Annäherung bringen werde. weimaligem Wahlgang fiegte bei der Wahl des Vorsitzenden der Kandidat des demokratischen tholiken den Nationalsozialismus Blocks mit einem Stimmenverhältnis von 352 zu 225. Die weiteren Verhandlungen wurden in Abwesenheit der Vertreter des Prager Verbandes beendet. Die Leitung der zentralen tschechischen Studentenorganisation ist damit den Händen der nationalistischen Rechten entwunden. Aufs tiefste beklagen wir, daß die Kräfte der Arbeiterbewegung gespalten und dadurch ihre als Weltanschauung ablehnen, und zwar im Radiovortrag des Genossen Jaksch. Im RahSchlagkraft geschwächt worden ist. Das gilt inter- Hinblick auf die eigene christlich- religiöse Weltan- men einer Vortragsfolge von Politikern der Koanational und innenpolitisch. Die sozialdemokra- schauung, die Rasse, Staat und Nationen Gottlitionsparteien spricht am Donnerstag, den 26. tische Bewegung ist durch den kommunistischen als dem einzigen totalen Wert" März, zwischen 19.50 und 20 Uhr abends, AbEinbruch furchtbar geschädigt worden. Niemals unterordnen. Und als eine verschärfte Kampfans geordneter Genosse Jatsch für die deutsche sozialhätten sich die kapitalistischen Klaffen so empor- fage gegen Henlein ist es zunächst anzusehen, daß demokratische Partei im Prager Rundfunk. Bu gearbeitet, wenn die Kommunistische Partei nicht nach der geäußerten leberzeugung Bats der Ein- dem gemeinsamen Thema: Was uns verbindet" ihre Zentralaufgabe darin erblickt hätte, ihre fluß des Katholizismus insbesondere sprachen bisher die Abgeordneten Beran und ganze Kraft auf die Bertrümmerung der sozialis in dieser Zeit auch vor der Politit nicht Hampl. Der neue Gesandte der Französischen Repu= blik De Lacroix ist Sonntag mit Gattin und Familie um 6 Uhr abends in Prag eingetroffen Seite 4 Dienstag, 24. März 1936 Nr. 71 Das Ergebnis von Rom Erweiterung auf Deutschland erst nach Garantie der österreichischen Unabhängigkeit No mt. Die Verhandlungen Schuschniggs und Gömbös' mit Mussolini wurden durch Abkommen beendet, die am Montag abends unterzeichnet wurden. Sie werden erst Dienstag veröffentlicht werden. Wie verlautet, gab es große Diffe= renzen zwischen Schuschnigg und Gömbös hinsichtlich der Möglichkeit der Erweiterung der Römischen Protokolle auf andere Staaten, da sich Ungarn das Recht vorbehalten wollte, ähnliche Verhandlungen, wie sie jest zwischen der Tschechoslowakei und Desterreich geführt wer= den. auch mit Deutschland aufzunehmen. Die ersten Mutmaßungen über den Inhalt der Vereinbarungen besagen, daß die Verhand lungen zwischen Desterreich und der Tschechoslo= wakei werden vertieft werden können, während mit Deutschland über eine Annäherung mit Deutschland über eine Annäherung nicht verhandelt werden könne, solange Deutschland nicht die Unabhängigkeit Desterreichs garantiert und sich verpflichtet, sich in dessen innere Politik nicht einzumischen. Für eine tatsächliche Einbes ziehung der Staaten der Kleinen Entente in die römischen Protokolle sei allerdings die Aufhe= bung der Santtionen nötig. Hinsichtlich der Außenpolitik sollen sich Jtalien, Oesterreich und Ungarn neuerlich verpflich= tet haben, daß sie gemeinsam einen grundsätzlichen Standpunkt einnehmen werden. 20 Tonnen Bomben auf Dschidschiga Eröffnung des neuen spanischen Parlaments Blick in die Deputierten- Kammer während der Wahl des neuen Kammerpräsidenten. Tagesneuigkeiten Von Island lernen! Vor einiger Zeit berichtete die Presse von Addis Abeba. Am Sonntag wurde die Stadt der Tat Professor Knaus', der einer armen Frau Dschidschiga von 27 italienischen Bombenflug half, indem er ihre Schwangerschaft unterbrach zeugen mit Bomben belegt. Das Bombardement und so verhütete, daß sie, die bereits Mutter von dauerte über eine Stunde und forderte viele Opfer. II. a. wurde das abessinische Krankenhaus mehreren verkrüppelten Kindern war, abermals und verschiedene Lager, die Europäern gehören, ein verkrüppeltes Kind zur Welt bringen mußte. vernichtet. Auch das Lazarett des finnischen Ro- Das Kind wäre tatsächlich die Bilder des ten Kreuzes wurde vernichtet, von seinen Patien- Fötus bewiesen es verfrüppelt, mit ten einer getötet und sechs verwundet. Unter den Schwimmhäuten zwischen den Fingern zur Welt Opfern befindet sich kein finnischer Staatsange- gekommen. Professor Knaus handelte nach dem höriger. Worte Billroths, wonach nur ein guter Mensch ein guter Arzt sein könne, indem er der armen Frau einfach half, wiewohl er wußte, daß dies nach dem strengen Wortlaut des hier noch immer geltenden§ 144 des Strafgesetzbuchs, der nur gabur. Nach italienischen Meldungen wurde das Lebensgefahr der Mutter als Indikation der Bombardement Dschidschigas von dem Obertom Schwangerschaftsunterbrechung fennt, nicht er. mandanten des Flugwesens General Rt an za laubt ist. Er nahm alle Konsequenzen auf sich, geleitet. Die italienischen Flieger tauchten ganz da er sich nach bestem Wissen und Gewissen zur unerwartet über der Stadt auf. Die Fliegerab- Tat berechtigt, ja sogar verpflichtet fühlte, er wehr sei nach einigen Minuten vernichtet worden. handelte also sittlich. Die Italiener warfen mehr als 20 Tonnen Bom In Dschidschiga befindet sich das Hauptquartier der abessinischen Südarmee. Montag morgens wurde Dschidschiga erneut von italienischen Fliegern bombardiert, ebenso auch die Stadt Daben ab und zerstörten Munitionsdepots und Mas gazine. Eine mächtige schwarze Rauchsäule deutete darauf hin, daß auch das Benzinlager getroffen wurde. Weiters wurde die Hauptstadt von Sidamo, Ergaalem, mit Bomben belegt, worunter sich viele Gasbomben befanden. Nach bisher unbestä tigten Nachrichten ist die britische Ambulanz in Chilga( westlich von Gondar) mit Bomben belegt worden. Nach italienischen Meldungen wird die Organjation des Nachschubes in den besezten Gebieten ohne Unterlaß fortgesetzt. Neber den Tafazzefluß ist bereits eine Brüde von 110 Meter Länge gebaut worden. Deutsche Spione verhaftet Straßburg. In den Rheingrensdepartements wurden viele der Spionage verdächtige Personen berhaftet. In diesem Zusammenhange ist es nicht uninteressant, ein Gesetz zu betrachten, das bei weitem das modernste Gesetz aller bürgerlichen Staaten zu sein scheint, das von Island. Dieser kleine und von uns so ferne Staat gab sich am 28. Jänner 1935 ein„ Gesetz über die Anleitung ben Frauen zur Empfängnisverhütung und über die Unterbrechung der Schwangerschaft", das in mannigfacher Hinsicht beispielgebend ist. V fen vorgehe. Der Engländer habe Angst vor dem Kriege. Man müsse übrigens verstehen: Angst vor dem Krieg zu haben ist keineswegs gleichbedeutend mit friedliebend zu sein. Gleichzeitig möchte der Engländer seine Verpflichtungen gegenüber Frankreich erfüllen. Aber England fühlt, daß sein Verteidigungs system veral tet sei und daß sein Beitrag zur kollektiven Engländer verstehen sehr gut, daß es heute um Sicherheit heute nur unbedeutend sein kann. Die das Schicksal der abendländischen Zivilisation geht. Man weiß in England ausgezeichnet, daß alles, was wir für gut und schön halten, in Deutschland systematisch vernichtet wird. Wie kann man aus dieser furchtbaren Situation herausfommen? Vielleicht könnten alle freiheitliebenden Nationen, wenn sie sich zusammenschließen wir den, damit fertig werden. Wer kann aber dafür einstehen, daß die Anwendung der Gewalt gegen den Friedensstörer nicht zu Resultaten führt, die den erwarteten entgegengesetzt sind? Zweifel, drückende Zweifel, wohnen heue in der Brust jedes Engländers! Umgebung von Deutsch- Feistriß stürzte der nach Graz zuständige Tourist Johann Haider 70 bis 80 Meter tief ab und kam ums Leben. Am Schneeberg bei Wien stürzte die bekannte Sli fahrerin Julie Huber, die erst fürzlich das Mont Blanc- Massiv mit den Stiern bewältigte, so un glücklich, daß sie sich einige Rippen brach und eine Gehirnerschütterung zuzog. In hoffnungs losem Zustand mußte sie ins Strankenhaus gebracht werden. Ebenfalls am Schneeberg stürzte der Wiener Ingenieur Herbert Mörth in eine Schlucht und zog sich lebensgefährliche Verletzungen zu. Einen ähnlichen Unfall erlitt der Wiener Magistratsbeamte Karl Duhen am Groß- Venediger. Verdächtige Brände. Montag vormittags brach im Anwesen des Josef Jckovic in Benediktovce, Bezirk Mukačevo, ein Brand aus, der, wie man ber mutet, gelegt wurde. Vor einigen Tagen brannte in der Nachbargemeinde Medvedovce ebenfalls ein Anwesen nieder. Auch hier handelte es sich um Brandlegung. In der legien Zeit wurden auch einige Brände registriert, die sich als Versicherungsschwindel erwiesen. So wurden in der Gemeinde Strabis čob im Bezirk Mukačevo zwei Landwirte verhaftet, die ihre Anwesen selbst angezündet hatten. Ende der vergangenen Woche wurde im Stall des Kaufmannes Ladislaus Moštovic in der Gemeinde Visco im Bezirke Velké Berezno ein Brand gelegt. Es verbrannten sechs Kühe, drei Strohschober und das Stallgebäude. Es wurde der 27jährige Peter Jackiv berhaftet, der am Abend vor dem Brande Moškovic' mit einem Racheakt gedroht hatte. Tödliches Spiel. Die spanische Presse meldet, daß in dem Dorfe Beni Tuzim in Spanisch- Marokko bier Berberfinder eine Granate fanden, die explo= dierte. Alle vier Kinder wurden getötet. Welches ist der teuerste Gesangverein der Welt? Der deutsche Reichstag. Einmal im Jahre versam meln sich die Mitglieder, hören. den Geschäftsbericht ihres Dirigenten. Dann singen sie das Horft- Wesselvon rund zehn Millionen Reichsmark. Lied. Und dafür bekommen sie ein Jahreshonorar Der letzte vom Stamme des Columbus. In einem alten, weiträumigen Palast in Madrid lebz völlig zurückgezogen der letzte vom Stamme des Columbus. Er trägt den Namen seines großen Vors fahren Christophor, wird aber in Madrid Don Chris stobal genannt. Es ist der fünfzehnte in der Generationsfolge und sein Stammbaum geht direkt in männlicher Linie auf Diego Columbus, den Sohn des großen Entdeckers, zurück. Er hat an sich das Recht, sich immer noch Marquis von Jamaica und Fürst beider Indien zu nennen. Er trägt aber den Titel Herzog von Veraga. Der 57jährige Herzog ist eingefleischter Junggeselle und beschäftigt sich mit Pferdezucht auf einem Gestüt in Toledo. Nach seinem Tode wird die männliche Linie von Columbus aufhören, zu existieren. Tragödie im Dorfzirkus. Sonntag abends gab eine Gruppe von Dontosaken in der Gemeinde Lipovec eine Vorstellung. Auf zwei Pferden produzierte sich das Ehepaar Rupir. Aus bisher un Die ersten Fliegerinnen. Die erste Frau, die bekannter Ursache scheuten die bei der Vorführung je in die Lüfte aufstieg, war eine Französin. Sie verwendeten Pferde und die Partnerin Rupirs hieß Mademoiselle Tible und wagte sechs Monate wurde in großem Bogen vom Pferde geschleudert nach dem ersten Aufstieg der Brüder Montgolfier, und fiel auf das steinerne Brückegeländer, wo jie bewußtlos liegen blieb. Sie erlag noch, bevor Menfieur Fleurand, einen Luftballonaufstieg, der am 5. Juni 1783, unter Leitung eines gewissen fie ins Strantenhaus gebracht werden fonnte, wäh- cusgezeichnet gelang. Auch die zweite Frau, die sich rend des Transportes in der Gemeinde Drahany. als Fliegerin betätigte, ließ nicht mehr lange auf Bei der ärztlichen Untersuchung wurde festgestellt, fich warten: es war die Engländerin Mrs. Sage im daß sie sich im dritten Monat der Schwanger- Jahre 1785. Die erste hingegen, die einen Nachtschaft befand. Das Pferd, auf dem Rupir saß. flug unternahm, war wieder eine Französin, die am lief in die Zuschauermenge und stieß die Anna Urbejová aus Prostějov, die in Lipovec zu Besuch 15. April 1811 aus Anlaß eines Festes für Napoleon weilte, zu Boden. Sie blieb bewußtlos liegen und sogar Feuerwerk an Bord eines Montgolfier anziindete. Aber diese Ehrenliste französischer Frauen erlitt innere Verlegungen, sowie eine Verlegung Nach§ 1 dieses Gesetzes ist der Arzt, der der Schädelbajis. Sie wurde sofort ins Kranten geht noch weiter; denn im Jahre 1850 ließ ein fran aus Gesundheitsrücksichten mit einer Gefahr ver- au Besorgnissen Anlaß. Rupir, der vom Pferde mit einem Pferd und einer Dame als Inſaſſin in feſtſtellt, daß die Schwangerschaft für eine Frau haus nach Prostějov gebracht; ihr Zustand gibt ösischer Kunstpilot, Monsieur Poitevin, eine Salesche bunden ist, berpflichtet, ihr dies mitzu- fiel, wurde nur leicht verletzt. Unter der Zu einem Luftballon aufsteigen. Die Dame sprang dann teilen, sie zu warnen und ihr eine zur Verhütung schauermenge entstand eine große Panik, wobei mit einem Fallschirm ab. Dieser fühne und gelun der Empfängnis geeignete Anleitung zu geben. einige Personen verletzt wurden. Erst nach einiger gene Versuch erregte bei den Zeitgenossen das allerIst aber die Feststellung einer solchen Gefahr Zeit gelang es, die Pferde einzufangen und un- größte Aufsehen. noch nicht erfolgt, so kann die Frau also jede schädlich zu machen. jederzeit den Arzt aufsuchen, der sie wenigstens über die Empfängnisverhütung aufzuflären hat. Der isländische Arzt darf auch ohne weite Ein Kopfschuß und seine späten Folgen. Bei Staßfurth( Provinz Magdeburg) hat sich eine schreckliche Familientragödie abgespielt. Ein Beamter einer Gutverwaltung in Redlingen erschos seine vier Kinder und seine Ehefrau. Er beging Tat verleiteten, sind noch nicht ganz geflärt, doch nimmt man an, daß er unter dem Druck eines schweren Nervenleidens handelte, das er sich im Kriege als Folge eines Stop fich uiies zugezogen hatte. Der tschechoslowakische Zirkusfönig gestorben. Im Brünner Siechenheim starb dieser Tage der leste Chef des Zirkus Kludſty, Karl Kludsky. Der Verfall seines Zirkusses, größten tschechoslowakischen Ursprungs, war seinem Tode vorangegangen. Wahrscheinliches Wetter von heute: In den aber nur ganz vereinzelt ein wenig Regen. Milder, verringerte Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Winddrehung gegen Südwest. Im Karpathengebiet wechselnd bewölkt, bis ziemlich heiter, tagsüber warm. Wetteraussichten für Mittwoch: Namentlich im Westen des Staates ein wenig fühler. Wie die Wahlen gemacht" werden. Im res operativ der Schwangerschaft ein für alle dann Selbstmord. Die Gründe, die ihn zu dieser böhmischen Ländern Be wöltungszunahme, ganzen Reich sind von der NSDAP sogenannte Wcale vorbeugen, wenn diese mit Lebens- oder ..Wahlverantwortliche" bestimmt worden, die Gesundheitsgefährdung verbunden ist.(§ 2) Das neue isländische Gesetz kennt auch die zivei bis drei Häuser zu beaufsichtigen und dafür zu sorgen haben, daß sämtliche wahlberechtigten fo 3 i al e Indikation für Unterbrechung der Bewohner auch tatsächlich zur Wahl gehen. Die Schwangerschaft. Bei Abschätzung aller Gefahren, ser Spizelapparat ist natürlich zur Einschüch- die aus der Schwangerschaft resultieren können, Im Bergwerk begraben. Bei einem Erdrutsch terung bestimmt. Eine interessante Neuerung be- bat der isländische Arzt zu berücksichtigen, ob die in den schottischen Stohlengruben von Bardyte steht auch darin, daß Kranke zum ersten Male in Grau mehrfach Kinder in geringen Zeitabstän- wurde ein Bergarbeiter getötet. Man befürchtet, den Wohnungen abstimmen dürfen. Sie werden von einem dreiköpfigen sogenannten„ Wahlaus- den, und das letzte vor kurzem geboren hat, so- daß in dem Bergwerk vier bis fünf Arbeiter ums schuß" aufgesucht, in dessen Beisein sie wählen" wie ob sie unter schlechten wirtschaftlichen Ver- Leben gefommen sind. Die Rettungsarbeiten werden fortgesetzt. dürfen. Sehr verständlich, denn die Zellen braucht hältnissen lebt. man ja bei dieser Wahl" sowieso nicht. " In Kürze Der Eingriff ist bei gegebener Vorausset zung innerhalb der ersten acht Wochen der Schwangerschaft zulässig, in besonders schweren Fällen aber innerhalb der ersten 28 Wochen. Sacharinschmuggler erfchoffen. In der Nähe der jugoslawischen Grenze bei Komenda versuchten drei aus Oesterreich kommende Sacharinschmuggler mit Waren die Grenze zu passieren. Sie wurden jedoch von den jugoslawischen Grenzwachen bemerkt, die den Schmugglern mehrere Schüsse nachsandten, als diese auf die Auffordeder Schmuggler wurden auf der Stelle getötet, der dritte vermochte unerkannt zu entkommen. Wieviel Elend könnte verhindert werden, Bei den Leichen fand man je 28 Kilogramm SaGälte es nicht nur im fernen Jsland! Uns erscheint dieses Gesetz Islands durch aus den modernen gesellschaftlichen Erfordernis. London. An Bord des Torpedobootzerstörers sen angepaẞzt. Es ist im höchsten Grade wert, stu- tung, ſtehen zu bleiben, die Flucht ergriffen. Zwei ,, Griffin" wurde ein Sabotageaft verübt. Das Er- diert und diskutiert zu werden. gebnis der amtlichen Untersuchung wird streng geheimgehalten. ,, Griffin" ist von modernster Bauart und wurde erst im August des Vorjahres vom Stabel gelassen. Die Wasserverdrängung beträgt 1350 Tonnen. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programment Mittwoch: Brag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 10.15: Deutscher Schulfunk für Unterstufen, 10.35: Opern mujit, 12.35: Buntes Stonzert, 13.40: Deutscher Arbeitsmarkt, 16.55: Theater für die Jugend, 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Moucha: neue belehrende Zücher, 18.20: Arbeitersendung: Dr. Walter Kleins Teplit- Schönan: Die Notwendigkeit des Mieterschußes in der Strifenzeit, 18.40: Sozialinformation nen, 19.10: Stompofitionen von Chopin, 19.55: Besuch im tschechoslowakischen Preisebüro, 21.05: Dr. Czech. Minister für Gesundheitswesen: Strise Reford in Sti- Unfällen. Aus Desterreich und Strankheit, 21.20: Rundfunforchesterfonzert. ,, Warum sind die Engländer so?" Diese wird eine ganze Reihe von Unglüdsfällen in den Sender S: 7.30: Salonorchester, 14.15: Deutsche wichtige politische Frage versucht der internatio- Bergen und bei Ausflügen gemeldet. Bei einem Sendung: Für die Jugend, 14.50: Deutsche Nachrichten, 18: Klavierkompofitionen, 19.10: Glowas nal gut bekannte alte englische Publizist Wickham Stiausflug auf den Hochreichhart in der Umge- tische Lieder. Brünn 13.30: Arbeitsmarkt und Paris. Die sterblichen Ueberreste des grie- Steed in der letzten Nummer der neuen links- bung von Lechen stürzte der 24jährige Stilehrer Sozialinformationen, 17.40: Deutſche Gendung: chischen Staatsmannes Venizelos wurden gerichteten Pariser Wochenschrift Vendredi" zu Franz Kulturer aus Dinawit von einem Felsen Erport nach Amerika, Rundfunkitüd.- Preßburg Montag nachmittags auf den Lyoner Bahnhof ge- beantworten. Der Ausländer könne überhaupt ab und blieb in einer Schlucht mit zertrümmertem 16.10: Nachmittagsfonzert, 22.30: englische Tanzbracht, um nach Brindisi überführt zu werden. I faum begreifen, was heute in den britischen Köp Schädel liegen. Auf dem Pfaffentogel in der mufit. Mährisch stran 15: Nachmittagskonzert, charin. Nr. 71 Dienstag, 24. März 1936 Seite 5 Reichstasskandidatur von Juns und Krebs— ein neuer Vertragsbruch des Dritten Reiches Von Dr. Egon S c h w e 1 b Den Zeitungsmeldungen von Sonntag ist zu entnehmen, da8 sich auf der Kandidatenliste für die Wahl des sogenannten Deutschen Reichstages, die am 29. d. M. stattfinden soll, neben drei österreichischen Nationalsozialisten auch die ehemaligen deutschen nationalsozialistischen Abgeordneten der tschechoslowakischen Nationalversammlung Jng. Rudolf Jung und Hans Krebs befinden. Welche politische Bedeutung die Demonstration hat, daß dem künftigen deutschen Reichstage auch Vertreter Oesterreichs und der deutschen Gebiete der Tschechoslowakischen Republik angehören sollen, liegt auf der Hand. Es ist nicht Aufgabe dieses Auffatzes, diese politische Seite der Sache zu beleuchten. Die Angelegenheit hat dbtt auch eilte juristische, eine völkerrechtliche Bedeutung. Die Tatsache, daß die Herren Jung und Krebs auf der einzig zugelasienen, von Hitler geführten, offiziellen Kandidatenliste für die Reichstagswahlen figurieren, stellt nämlich den eklatantenBruch eines gültigen, zwischen d e r T s ch e ch'o s l o w a k i- scheu Republik und Deutschland abgeschlossenen Vertrages dar. Voraussetzung für die Erlangung eines Reichstagsmandates ist die reichsdeutfche Staatsangehörigkeit. Wenn Jung und Krebs in Len Reichstag kandidiert werden, so müssen sie sohin die deutsche Reichsangehörigkeit besitzen. Am 29. Juni 1920 hat das Deutsche Reich mit der Tschechoslowakischen Republik zur Regelung der Fragen der Staatsangehörigkeit einen besonderen Vertrag geschloffen. Am 12. September 1922 wurden inPrag die Ratifikationsurkunden ausgetauscht, wodurch der Vertrag internationale Wirksamkeit erlangt hat. Dieser Vertrag enthält nun in seinem Artikel 13 nachstehende Bestimmung: „Die beiden vertragschließenden Teile verpflichten sich, künftige Neuaufnahmen von Staatsangehörigen des anderen Teiles in ihren Staatsverband, soweft diese Neuaufnahmen nicht auf den Vorschriften des Friedensvertrages von Versailles beruhen, er st durchzuführen, wenn der andere Staat die in den - Staatsverband neu anfzuneh- menden Personen aus seinem Staate entlassen hat. Die Entlassung kann demjenigen niclsi. versagt werden.,.der . nachweift, daß er seinen Wohnsitz in das Gebiet des anderen Teiles verlegt hat oder im Begriff« ist, ihn dorthin zu verlegen. Sie gilt als nicht erfolgt, wenn der Entlassene beim Ablauf von sechs Monaten nach der Aushändigung der Enllassungsurkunde seinen Wohnsitz.noch oder wieder im Gebiet des bisherigen Aufenthaltsstaates hat." Es ist bekannt, datz Jung und Krebs bisher aus dem tschechoslowakischen Staatsverbande nicht entlassen worden sind. Beweis dessen ist der Umstand, datz man ja geradezu aus Anlatz ihrer Tätigkeit die Erlassung eines neuen Gesetzes anstrebt, durch welches das Ministerium des Innern in die Lage versetzt werden soll, in einem derartigen Falle den Verlust der tschechoslowakischen Staatsbürgerschaft auszusprechen. Wenn nun Deutschland den Herren Jung . und Krebs die Staatsbürgerschaft verliehen hat und sie zu Aemtern beruft, für d^ren Erwerbung die Staatsbürgerschaft Voraussetzung ist, so hat Deutschland den erwähnten Prager Vertrag verletzt. Zur Schlichtung von Streitigkeiten über die Handhabung des Vertrages sind zwei Organe borgesehen, ein« gemischte Kommission und ein ständiges Schiedsgericht. Die gemischte Kommission besteht aus je zwei von den beiderseitigen Regierungen zu bestimmenden Vertretern. Die Kommission verhandelt nur die ihr von einer der beiden Regierungen zugewiesenen Fälle, und zwar zunächst schriftlich. Wenn es nicht gelingt, auf diesem Wege eine Uebereinstimmung zu erzielen, so tritt die Kommission zwecks Erzielung dieser Uebereinstimmung zu gemeinsamen Sitzungen unter abwechselndem Vorsitz zusammen. Gelangt die gemischte Kommission nicht zur Schlichtung eines Streitfalles, so hat sie ihn dem Schiedsgerichte abzugeben. lArtikel.14 ff des zitierten Vertrages.) r. Das Schiedsgericht besteht aus je einem von jedem der beiden Teile bestellten Schiedsrichter und einem dritten Schiedsrichter als Vorsitzenden. Der Vorsitzende wird von.den Schiedsrichtern gewählt. Kommt keine Einigung zustande, so wird der jeweilige diplomafische Vertreter des Königreiches der Niederlande in Prag oder in Berlin don der Regierung des Staates, in welchem das Schiedsgericht zusammentritt, ersucht werden, den Vorsitz selbst zu übernehmen oder einen Vorsitzenden zu bestellen. Das Schiedsgericht ist ständig und tritt abwechselnd in Berlin und in Prag »zusammen. Das Schiedsgericht entscheidet durch Stimmenmehrheit. Der Obmann gibt seine Stimme zuletzt ab. Bei Stimmengleichheit gibt seine Stimme den Ausschlag.(Artikel 18 ff des zitierten Vertrages.) Das Verfahren, durch welches der Vertragsbruch Deutschlands festzustellen ist, ist, wie man sieht, im Prager Vertrage bereits eingehend geregelt. Durch den Prager Vertrag ist die Tschechoslowakische Republik naturgemäß nicht gehindert, auch andere Maßnahmen zu ergreifen, die sich nicht gegen die in der Kandidatur von Jung und Krebs liegende Verletzung des Prager Vertrages, sondern gegen Die Darin' ausgedrückte unzulässige politische Demonstration richten. Das Viermächteabkommen und die französische Presse Die Pariser Presse hat in ersten Augenblick das Londoner Abkommen fast einstimmig ablehnend ausgenommen. Der. einflußreiche parteilose ,L'J n t r a n s i g e a n t" meinte höchst erbittert:„Der Schuldige diktiert den Richtern seinen Willen... ES gibt überhaupt keine Richter mehr, sondern bloß Menschen, die vor der physischen Gewalt eine panische Angst verspüren und die bereit sind, diese Gewalt als das höchste Gesetz anzuerkennen. Es gibt keine Richter und es gibt keinen Völkerbund mehr." „Paris Midi" faßt die Situation folgendermaßen zusammen:„Man habe Deutschland das Recht der vollendeten Tatsachen zuerkannt. Frankreich beschäftigt sich mit Jurisprudenz, England mit Politik und Deutschland handelt." Der bekannte rechtsstehende Journalist de Kerillys warnt im„Echo de Paris" jene Rechtskreise, die in ihrer Panik soweit gehen, eine Annäherung an Deutschland zu empfehlen. „Annäherung an Hitler? Ihr seid wohl verrückt geworden? Heute geht es um den Rhein, morgen um Oe st erreich, übermor- morgen um die Tschechoslowakei...— Es ist die Stunde gekommen, wo man die Faust fester an dem Schwertgriff drücken soll." Die Samstag- und Sonntagpreffe beurteilt die Lage optimistischer, obgleich der Skeptizismus noch immer überwiegt. So schreibt der bekannte Publizist und Außenpolitiker Bla- Kampffront der Arbeiter und Bauern in Schweden Unter dem Titel„Schwedische Waldbauern im Klaffenkampf, Fortschritte der Sozialdemokratie auf dem Lande" bringt die„Frankfurter Zeitung" einen interessanten Bericht über den Kampf der in der Holzwirtschaft Schwedens beteiligten Bauern gegen zwei Großunternehmungen, wobei sie von den sozialdemokratischen Gewerkschaften solidarisch unterstützt werden. In Dalarna Gästrikland und Upland haben sich 6000 Bauern zu einer Kampforganisation(RLF) zu- sammengefchloffen und sind am 1. November gegen die beiden Großunternehmungen in den Streik getreten, der am 19. Feber im wesentlichen zu ihren Gunsten abgeschlossen worden ist. Dieser Erfolg war nur möglich, weil die sozialdemokratische Gewerkschaft der Waldarbeiter und Flößer mit ihren 2000 bei den gleichen Unternehmungen beschäftigten Mitgliedern in den Solidaritätsstreik traten. Der Kampf richtete sich gegen den bisherigen Zustand, daß die Gesellschaften allein mit dem Bauern einen Privatvertrag abschließen, der ihm auferlegt, auf eigene Rechnung ein bestimmtes Quantum Holz zu liefern, und es ihm überläßt, nun seinerseits als kleiner Arbeitgeber mit den Holzfällern zu verhandeln. Die Bauern gingen von dem lobenswerten Grundsatz aus» sich nicht mehr als Zwischenglied zwischen Sägewerk und Waldarbeiter«inschalten zu lassen. Die. Jugendorganisation des Bauernbundes hat gemeinsam mit den sozialdemokrafischen Jugendbünden in ganz Schweden Streikgelder für die Bauern in Dalarna gesammelt. Durch die Vermittlung des Bauernbundes wurden außerdem ganze Waggonladungen mit Weizen und Roggenmehl in die streikenden Waldgebiete gesandt. So helfen Arbeiter und Bauern in Schweden einander, wenN es um ihre vom Kapitalismus bedrohten Lebensrechte geht. Die hochkapitalisttsche nordschwedische Holzindustrie hat die Waldbauern so weit gebracht, daß ihr Lebensstandard bereits dem des Arbeiters angeglichen ist. Die verschlechterte Lebenshaltung, die den Großunternehmungen in der Holzindustrie Riesengewinne ermöglicht, war der Anlaß zur Gründung des Bauernbundes RLF, der heute über 60.Q00 Mitglieder zählt. Aber nicht im Kampfe gegen die Arbeiter, so wie es hierzulande der Fall ist. suchen die schwedischen Waldbauern ihre Lage zu bessern, sondern durch ein solidarisches Auftreten mit ihnen. Wie die„Frankfurter Zeitung" noch vermerkt, dürfte sich diese gemeinsame Kampffront zwischen Arbeitern und Bauern auch bei den kommenden Reichstagsw h- l e n in Schweden zugunsten der Sozialdemokraten auswirken. ES sei nicht ausgeschlossen, daß diese die cwsolute Mehrheit erreichen. Ei» Geheimvertrag zwischen Deutschland«nd Polen? Im„Paris Soir" ist der Text eines Geheimvertrages zwischen Polen und Deutschland, der angeblich im Jahre 1935 unterzeichnet wurde, veröffentlicht. Die wichfigsten Bestimmungen dieses Vertrages sollen darin bestehen, daß die Warschauer Regierung sich verpflichtet, die dentschen Truppen in dem Falle durch das polnische Gebiet durchzulassen, wenn Deutschland einem unprovo- dimir d' O r m e s s o n in i,Figaro":„Der Plan eines neuen Locarno ist doch ein netter Spatz. Ich danke Ihnen, ich habe bereits gespeist." Es unterliegt keinem Zweifel, daß Europa nun in eine neue Evoche der Erp re s- s u n g eingetreten ist.und daß Hitler keines- jvegs beabsichtigt, jetzt auf seinen rheinischen Lorbeeren auszuruhen. Wir werden allerdings eine gewisse Atempause erhalten, bis die neuen Be- festigüngen am Rhein vollendet sind. Danach, wird eine neue Serie von Erpressungen beginnen." De Kerillys glaubt, daß Deutschland sich den Weg zum Schwarzen, Aegäischen und Adriatischen Meer bahnen will, um ein„M i t t e l- europa" von de r Nord see bis zum M i t t e l l ä n d i s ch eF Meer zu schaffen. Was für eine Bedeutung habe unter diesen Umständen„die neue Torte, die man uns in Gestalt irgendeines vervollkommneten Locarno vorsetzen möchte? Ein neuer Schlag mit der Hitlerschen Faust auf den Tisch, und die ganze Torte liegt auf dem Boden!" Der bekannte Pariser Außenpolitiker P e r- t i n a x schreibt im„Echo de Paris": „Wir haben auf Sankfionen verzichtet, haben aber als Ersatz dafür den militärischen Beist and Englands gewonnen.' Um mehr zu erreichen, hätte Frankreich am Tage nach dem 7. März eine allgemeine Mobilisierung erklären müssen. England hat seinerzeit die Verhängung der Sanktionen gegen Italien dadurch erreicht, daß es seine Flotte im Mittelländischen Meer mobilisierte." zierten Angriff vom Osten oder Nordosten ausgesetzt wird. Die deutsche Regierung übernimmt dagegen die Verpflichtung, die. territoriale Unversehrtheit und politische Unabhängigkeit Polens mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zu verteidigen. Die beiden Staaten verpflichten sich außerdem im Falle von internationalen Komplikationen alle Maßnahmen vorher zu besprechen, di« notwendig werden könnten. Ribbentrop und Eden. Wie man dem" Pariser „Oeuvre" aus London meldet, habe die Unterredung zwischen Eden und Ribbentrop nicht wenig zur Aenderung in der Stellungnahme der britischen Regierung bvigrtragen. Man behauptet, daß Ribbenftöp seiiieWorte mitF au st sch l ä'g'e n auf den Tisch unterstrich. Auch soll er im Tone einer Drohung erklärt haben: Falls man auf uns in London nicht hören wird, wird die Welt das sehr bald bereuen! Die Engländer seien aber diesen Ton nicht gewohnt, und man sagt, daß die Taktlosigkeit von Ribbentrop Eden sehr verschnupft hat. Festigung der italienischen Herrschaft in Albanien. „Politika"(Belgrad) schreibt zu dem vor kurzem abgeschlossenest italienisch-albanischen Abkommen, daß mit diesem Abkommen die albanische Regierung die Politik der Balkan-Orientierung endgültig aufgegeben und sich völlig an Italien angeschloffen habe, »ach Informationen des Blattes hat das albanischitalienische Abkommen im wesentlichen folgenden Inhalt: 1. Ernennung italienischer Instruktoren in allen Zweigen der albanischen Staatsverwaltung, besonders in der Armee. Der italienische Chef des Jnstruktionsdienstes für die Armee, ein General, wird den Titel„Chef des königlichen Militärkabi» nettes" führen. 2. Befestigung der Höhen von Ka- raturna, im Hafen von Balona, wodurch die dem Hafen vorgelagerte italienische Insel Saseno geschützt werden soll, Schaffung einer selbständigen Verwaltung des Hafens von Turazzo, die sich ganz in italienischen Händen befindet, und eine Anleihe für die Durchführung aller notwendigen Hafenarbeiten. 3. Wiedereröffnung der im Jahre 1933 gesperrten katholischen konfessionellen und italienischen Privatschulen in Albanien. 4. Gründung einer Agrarbank mit italienischem Kapital, Reorganisierung des Tabakmonopols mit Hilfe italienischer Organisatoren und einer italienischen Anleihe, ferner Erweiterung der bestehend»» italienischen Petroleumkonzesfion in Albanien. 8. Italien gewährt Albanien eine neue Anleihe von 40 Millionen Goldftanken in jährlichen Raten von acht Millionen Goldftanken. VoMM M Sozialpolitik Ohne soziales Verständnis Zu den Kreisen der Unternehmer in unserem Staate, die wohl die rücksichtslose Durchsetzung ihrer eigenen Privatintereffen vom Staate fordern, die aber jedes Verständnis für die sozial«> politischen Forderungen der Arbeiterschaft vermissen lassen, gehören die Unternehmer der Ziegel-.» indusftie. Auf ihrer vor kurzem stattgefundenen i Hauptversammlung hkkben sie eine Reihe von For-1 derungen aufgestellt, deren Durchführung sie zur I Profiterhöhung für notwendig erachten. Es ge-\ hört dazu die vüflige Beseitigung des Mieter- I schutzes, die gesetzliche Syndizierung der Ziegel- i industrie und die Ausschaltung der Preiskommis-» sionen, wie sie das Sozialfürsorgeminifterium zur» Vas Roß läßt aber ewig, den Kopf hängen. Es ist eben zu stolz. Wehn Sie es erst ganz bezahlt haben werden, nachher werd’ns sehn, wie hoch es den Kopf trägt! Festsetzung der Baumaterialienpreise anstrebt« Außerdem aber faßten die Unternehmer den Beschluß, mit den Arbeitern und Beamten keinerlei Kollektivverftäge abzuschließen und die Löhne und Gehalte auf der Borjahreshöhe festzuhalten, d. h. also, daß die Ziegelindustriellen auch bei einer Erhöhung ihrer Gewinne die Arbeiter dazu ver-- urteilen wollen, sich mit den unverftäglich niedrigen Löhnen, die ihnen in der schlimmsten Krisenzeit aufgezwungen worden" sind, weiter abzufinden.. Ein solches Verhalten, das von einer stark reaktionären Gesinnung zeugt,' verdient die schärfste Verurteilung^ und es ist selbstverständlich, daß die Arbeiter und ihre Gewerkschaften diese Absichten der Unternehmer nicht widerstandslos hinnehmen werden: ßericsitsLaat Aus der Notkolonie Fünf Schlafgäste und ein böses Ende Prag. Viel Elend und Verkommenheit paart sich noch heute in den sogenannten Notkolonien draußen an der Prager Peripherie, obwohl nicht verkannt werden soll, daß die Bau- und Sozialämter in den letzten Jahren auf diesem Gebiete dankenswerte Arbeit geleistet haben. Einzelne dieser aus allem möglichen Abfall zusammengeflickten Hütten- e siedlungen sind bereits verschwunden, soweit es gelang, für ihre Bewohner menschenwürdigere Wohngelegenheiten zu beschaffen. Andere haben durch die Mühe ihrer Inwohner(fast durchwegs Arbeitslose oder Gelegenhesismcheiter) wenigstens äußerlich ein freundlicheres Aussehen gewonnen und nach mehr« facher Säuberung von kriminellen Zuzüglern auch viel von ihrem schlechten Ruf verloren. Aber immer noch gibt es Notkolonien, in denen heute noch die trostlosesten Zustände herrschen. , Die vier junges Burschen, die gestern wegen fdjtoe-r'et?- t tke-utech u’ angeklagt" waren, find alle Untermieter, odek sage» wir besser,' Schlafgänger in einem jener schrecklichen Quartiere. Eigentlich waren ihrer fünf/ die für je 10 KL wöchentliches Schlafgeld einen Raum„bewohnten".' der nach normalen Begriffen knapp für zwei Insassen ausgereichr hätte. Als Schlafgelegenheiten ständen zwei Eisenbetten zur Verfügung, in denen je zwei der Schlafgänger zusammen schliefen. Der zuletzt Gekommene mußte mit einem dünnen Strohsack verlieb nehmen, der auf'dem Fußboden lag und den restlichen Raum so ziemlich ausfüllte, was daraus der-, vorgebt, daß die Schlafgänger beim Aufftehen„übereinander wegftiechen mußten", wie einer der Zeugen sagte. Im zweiten Raum der Hütte, in der dieser Fall spielt, haust die sechsköpfige Familie des Ouartier- geberS. Solche Massenquartiere auf winzigstem Raum sind„da draußen" keine Seltenbeit. Von den Schlafgästen, deren Namen hier keine Rolle spielen, sind zwei als Kurzarbeiter beschäftigt. Einer ist ganz arbeitslos und lebt von kleinen Gelegenheitsverdiensten und der Unterstützung. Die restlichen zwei sind unbestimmten Berufes: nach Meldung der Polizei dürfte es sich um„FlinkS" bandeln, die von Zuhälterei, Falschspiel und allerM kleineren Schwindeleien und Diebereien leben. Unter den Schlafkameraden herrschte kein gutes Einvernehmen und es war schon wiederholt zu Reibereien gekommen. Unerträglich wurde die Situation,. als ftstgestellt,wurde, daß unter ihnen ein Dieb war. Immer wieder verschwanden dem oder, jenem Lebensmittel oder Geld. Die Diebstähle ereigneten sich regelmäßig nachts, wenn alle fünf im Quartier waren. Der Dieb, der nur einer von ihnen sein konnte, war so raffiniert, gleichfalls hie und da vorzutäuschen. daß er bestohlen worden sei. denn von den Diebstählen wurden alle gleichmäßig betroffen. Der Verdacht lenkte sich— sagen wir gleich: ungerechter weise— auf den Arbeitslosen Ldenkk F. Man kann annchmen, daß die wahren Täter bewußt den Unschuldigen beziOsisten, denn gerade jene zwei„Flinks", Franz Dubskh und Franz Krener waren es. die mit den Verdächtigungen begannen.(Diese beiden werden sich übrigens noch wegen anderer Delikte zu verantworten haben.) Strikte nachquweisen ist ihnen bezüglich dieser Diebstähle allerdings nichts. Das Unglück wollte es. daß der arbeitslose Zdenek F. am Dreikönigstage einen Bekannten traf, der ihn ins Gasthaus mitnahm und fteihiclt. Zdenök kam spät und angetrunken nach Hause,„Uns bestiehlt er und dann besaust er sich!" meinte einer der Mitschläfer. ZdenLk antwortete grob, ein Wort gab das andere und das Ende war, datz alle vier über ibn herfielen. ZdenK erhielt dabei einen Hieb über den Kopf, der eine schwere Gehirnerschütterung zur Folge hatte. Wer diesen Hieb geführt hat, konnte nicht aufgeklärt werden, da der Verwundete die Hände vor den Kopf hielt und in dem- halbdunklen Raum- die Angreiftr"nicht unterscheiden konnte. Man stellte alle' vier vor Gericht, da zweifellos alle an dieser Rauferei beteiligt waren. Die unmittelbare Schuld an dem Hieb bestritt indessen jeder. Die Verhandlung wurde schließlich vertagt, rb.. »Sozialdemokrat" ?t März 1936. Nr. 71 Seite 6 Raubzug in den Frühling Kunst and Wissen Sp&ft-Spiet-Xwpefp(fege Lärm angelockt, eine Menschenmenge versammelt hatte. Sämtliche Beteiligten wurden verhaftet und aufs Polizeikommissariat gebracht. Die mittelböhmische Division hatte mit der Niederlage des SK Nusle durch den Nuseliky SK mit 8:4 ihre größte lleberraschung. Cechie Karlin und Sparra Kosii teilten sich mit einem 3:3(1:2) die Punkte. Viktoria ZiZkov gewann in Liffa leicht mit 3:0, Bo- hemians blieben über Sparta Kladno mit 4:0 erfolgreich, Rapid und CAFE spielten 0:0, das Lie- bener„Derby" zwischen Slavoj und Meteor Entschied letztere mit 2:0 für sich und Union ZiZkov besiegte Viktoria Nusle 2:1. Division Böhmen-Land. CSK B.-Budweis schlug den Spitzenfübrer Königgrätz 2:1, Rakonitz und Jungbunzlaner SK spielten 1:1(1:0), SK Pardubitz siegte über Kopisty 2:1, Slavia Karlsbad gegen Polaban Rimburg 2:1, AFK Pardubitz gegen Snöhaii Taus 2:2(2:0), Petiin gegen Königinhof 4:1. Die mährische Gruppe der DFB-Division trug wieder zwei Spiele aus: SK M.-Schönberg gegen DSV Brünn 4:2(2:1) und S8 Jägerndorf gegen DSK Teschen 2:1(1:0). Die Führung in dieser Gruppe hat nun M.-Schönberg inne. Tödliches Radrennen. Di« italienische Radrennsaison wurde mit einem Rennen Mailand—San Remo eingeleitet. Bei dem Dorfe Rovi gab es einen Massensturz, bei welchem ein Fahrer einen tödlichen Schädelbruch und ein anderer einen Beinbruch erlitten, zwei weitere wurden leicht verletzt. Das Rennen wurde aber nicht abgebrochen. Ein Toter mehr oder weniger in Mussolini«« spielt derzeit keine Rolle. Wenn die einen in Abessinien verbluten,„opfern" andere sich zur„Ehre" des faschistischen Sports. Grundfragen zum Wiederaufbau Mitteleuropas. Zu diesem hochaktuellen Thewa wird Prinz Karl Anton Rohan am Dienstag, den 31. d., um 20 Uhr im Deutschen Haus(Bankettsaal) im Rah- • men der Deutschen Völkerbundliga sprechen. Bier Autodiebe verhaftet. Mit Hilfe der Nim- burger Fahndungsstation gelang es dieser Tage, zwei im Vorjahre aus einer geschlossenen Garage in Prag gestohlene Autos der Diarke Aero in Nimburg zu beschlagnahmen und die Täter zu verhaften. Diese, die eines der Autos mit Hilfe eines gefälschten Zertifikats einem Nimburger Gastwirt verkauften, sind: der 28jährige Automonteur Jaroslaus Horalek aus Malvidy, der 26jährige Kaufmann Ladislaus Stran- skh aus Prag II, der 47jährige arbeitslose Beamte Josef DoleZäl aus Podol und der 34fahkige, schon wegen eines anderen Deliktes in Haft befindliche Handlungsgehilfe Josef Starosta. Tie Auws wurden in Vlasim neu angeftrichen, um so unkenntlich gemacht zu werden, während DoleZal, der dies allerdings, obwohl bei ihm die falschen Stempel gefunden wurden, leugnet, die Zertifikate herstellte, mit deren Hilfe sie verkauft werden sollten. Beide Auws waren bereits im Sommer vorigen Jahres gestohlen worden und wurden nun den Geschädigten zurückgestellt. Stransky leugnet seine Beteiligung am Diebstahl. Alle Genannten wurden nach Pankratz eingeliefert. Den Fuß in den Liftschacht gerissen. Beim Neubau eines Zinshauses in der Fochstraße fuhr Sams« wg nachmittags der 47jährige Hilfsarbeiter Jan Hlousek aus Rikan Baumaterial auf einem Karren. AlS er vom Aufzug, der eben im sechsten Swck angelangt war, Bewn abnehmen wollt«, wurde ihm der rechte Fuß vom Aufzug, der eben hinuntergelassen worden war, mitgerissen, so dass er bis in den zweiten Stock hinunterfuhr und der Karren mit dem Bewn obendrein auf ihn fiel. Er erlitt eine ziemlich tiefe Verwundung im Schritt,«inen Bruch des linken Knöchels und Wadenknochens und wurde auf die Klinik Jirasek gebracht. Schiesserei an der Peripherie. Samstag/abends begannen drei Bewohner von Wohnwagen, die in einer Sandgrube in Bkevnov stehen und einigest • armen Menschen ein Unterkommen bieten, der 37jäh- rige Handlungsgehilfe Josef Filipek, der 31jährige Ringelspielbsitzer Anton Cerny und der 26jährige Anton Cerny«ine Rauferei, in deren Verlauf die 67jährige Mutter des Ringelspielbesitzers Anna Cerna und die 33jahrige Frau des Hausierers, Josefa Cerna, mit einem stumpfen Gegenstand Schlage in den Kopf erhielten, so daß sie auf die Klinik Jirasek gebracht werden mutzten. Ferner fielen— von wem abgefeuert, konnte nicht festgestellt und auch die Waffe nicht gefunden werden— während der Rauferei mehrere Schüsse, die zum Glück niemanden trafen, obwohl die Sandgrube dicht an der sehr belebten Straße liegt, auf der sich außerdem, durch den Das aber istkapitalifierte Plünderung d e r N a t u r. Es ist R a u b b a u, der nicht für immer und alle Zeiten ungestraft bleib:. Denn das in diesem Umfange massenhafte Pflücken der FrühlingMumen schränkt naturgemäß ihre Vermehrung und damit ihre Erhaltung ein und mutz über kurz oder lang zu ihrer Ausrottung und zur Verarmung und Verödung der Fluren zu jener „Kultursteppe" führen, in der nur noch gedeihen kann, was'' weder den Landwirt als Unkraut ärgert noch Unternehmer solcher Massenplünderungen der Natur lockt. In Nachbarländern hat man die Folgen solchen Raubes schon erkennen müssen und man hat sich entschließen müssen, eine lange Reihe von Pflanzen unter gesetzlichen Schutz zu stellen, um ihre völlige Ausrottung zu verhindern. Vielleicht wird mancher einwenden, daß das ja nun nicht geppde die brennendste Frage sei in einer Zeit, in der Millionen Menschen erwerbslos und hoffnungsws Not und Hunger leiden. Aber das ist falsch argumentiert. Es ist d i e- fei b e Zeitgesinnung, die sich in allen diesen Erscheinungen ausdrückt. Ob Millionen Menschen darben, weil kapitalistische Jnteressen- gruppen in selbstsüchtiger Verblendung sich jedem wirklich wirksamen Unchau der menschlichen Gesellschaft mit all ihrer Macht entgegenstemmen, ob eine flrupellose Plünderung zur Verödung der Natur führt, ob Flugzeuge, mit Bomben beladen, mit Maschinengewehren bewaffnet, abessinische Soldaten wie die Hasen auf einer Treibjagd zusammenschießen— es sind immer und immer wieder nur Symptome einer Zeit, in der die Jagd nach Vorteil und Gewinn rücksichtslos alles niedertritt. Spiel um die Welt • Der junge Prager Autor Walter Seidl hat seinem Drama, das am Sonntag in der Kleinen Ramis in Wien Am Sonntag fand in Wien, das Länderspiel Tschechoslowakei gegen Oesterreich im Svehla-Cup statt, welches 1:1(0:0) endete. Bei beiden Teams waren die Stürmer nicht bei der Sache und glänzten durch Schutzunsicherheit, während die Hintermannschaften, besonders die Verteidigungen, das Spiel hielten. Die österreichische Mann- schafl wurde wegen ihres schwachen Spiels ausgepfiffen. t$ir das tschechoslowakische Team bedeutet das Unentschieden ein Erfolg, der gar nicht erwartet wurde. Im großen und ganzen kann aber'nicht behauptet werden, daß dieses Match den erhofften Erwartungen in sportlicher Hinsicht gerecht wurde. Ein Theater der Volkskunst. In der vergangenen Woche wurde in M o s k a u das Theater der VoUskunst eröffnet. Die Aufgabe dieses Theaters besteht in der Popularisierung der Volkskunst und in der Ermittlung hervorragender Talente unter den Arbeitern und Kollektibwirtschaftlern. Auf der Bühne dieses Theaters werden systematisch die Amateurkunstleistungen einzelner Städte, Gebiete und Betriebe der Sowjetunion vorgeführt werden. Das Theater, das große Vollskunstfeste, cheatralisierte Karnevale usw. veranstalten wird, wurde mit einem Umzug von 1000 Mitwirkenden der ersten Vorstellung eröffnet. Neben Solodarbietungen von Sängern, Rezitatoren, Musikanten, Exzentrikern und Tänzern traten am Eröffnungsabend ein Amateur- Symphonieorchester— 100 Personen—, ein Ziehharmonikaorchester mit 60 Mitwirkenden, ein exzentrisches Orchester, ein Kinderchor— mit 150 Mitwirkenden— usw. auf. Am Eröffnungstage wurde auch im Foyer des Theaters«ine Ausstellung von Werken von Amateurkünstlern veranstaltet. Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theaters. Heute, Dienstag, halb 8 Uhr: Lieb« ist nichtso einfach, Al.— Mittwoch halb 8: Katarina Ismailowa, Bl.— Donnerstag 8 Whr: Orpheusin der Unter- w'e l t, C 1.— Freitag halb 8:Lysistrata, D 2.— Samstag halb 8:GastspielVolpi „R i g o l e t t o".(Abonnement aufgehoben.)— Sonntag halb 3: Unentschuldigt« Stunde, 7: Der Rosenkavalier, D 2.— Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute, Dienstag 8 Uhr: Spiel um die Welt, — Mittwoch»8: Der goldene Kranz, Gastspiel Kramer-G l ö ck n e r, Bankbeamte II und freier Verkauf,— Donnerstag 8: S p i e I um die Welt, Theatergemeinde des Kulturver- bandes und freier Verkauf.— Freitag: 8 Uhr: Anna sagtnein, volkstümliche Vorstellung. Samstag halb 8 Uhr: Dr. med. Hiob Prätori u s, Erstaufführung.— Sonntag 11: Tanz- matinee SaschaLeontiew, 3 Uhr: Was Ihr wollt, 8: Dr, med. Hiob Präto» rius. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich Kd 16.—. vierteljährig Kd 48.—, halbjährig Kd 96.—, ganzjährig Kd 192.—.—Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei- öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei nLinsendung der Retourmarken.—-Die ZeitungSfrankatnr wurde von der Post- und Tele- / graphendirekiion mit Erlaß Air.-13.800/VIU1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags- und Zeftungs-A.-G. Prag. DFC siegt in Nadiod Als einziges Ligaspiel fand Sonntag in Nachod die Begegnung DFC Prag gegen SK Nachod statt, welche mit einem überraschenden, jedoch knappen 8:2 (1:0)-Erfolg für die Prager abschloß. Der DFC führte nach der Pause zwar schon 2:0, aber die Nachoder holten innorhalb weniger Minuten Heide Tore auf. Der Kampf um den Sieg ging unter heftiger Anteilnahme der- Zuschauer vor sich, jedoch cine schöne Aktion des DFC führte zum Siegestreffer, den die wie wütend känipfenden Nachoder nicht mehr wettmachen konnten. Der DFC hat somit seine nicht gerade rosig gewesene Position in der Liga wiederum durch zwei unverhoffte, aber doch verdiente Punkte erheblich verbessern können. Frühjahrslaut der Präger DU DTJ Zizkov gewinnt den Pokal des „Prävo lidu” Am Sonntag wurde zum elflenmale der F r ü h- jahrslauf durch den Prager Baumgarten von den DTJ-Sportlern als erste leicht- athletische Konkurrenz in diesem Jahre durchgeführt, Vom Teplitzer Stadttheater Am Samstag wurde in den„Kammerspielen" das Lustspiel„S einer Gnaden Sekretär" von Erich Noether uraufgeführt. Der Internationale Gewerkschastsbund veranstaltet in allen europäischen Hauptstädten Kundgebungen gegen die Kriegsgefahr, welche durch die letzten Ereignisse besonders akut geworden ist. Ave Gewerkschaftsmitglieder der Freien Gewerkschaften versanuneln sich zu einer Großen Kundgebung am Mittwoch, den 25. März, um halb. 8 Uhr abends, im Steiner-Saal des Volkshauses, Prag- Hybernskä. Redner: Rudolf Tayerle für Odborove Sdruzeni Ceskoslovenske, Anton Schäfer für den Deutschen Gewerkschaftsbund, I. S ch u l c z (Bratislava), Em. Chobot(M. Ostrau) und Dr. F. Soukup. Mitglieder der Freien Gewerkschaften! Friedensfreunde! Beteiligt Euch zahlreich an dieser Kundgebung! Unterstützt die Aktion des Internationalen Gewerkschaftsbundes für die Erhaltung des Weltfriedens. Bom Autor ist nur die im geiswollen Plauderwn gehaltene, mit leichter Ironie menschliche Sonderheit belächelnde Komödie„Quintett" bekannt, di« vor neun Jahren auf die Bühne kam. Das neue Werk enthält ein Liebesgeschichtchen, das im politischen Wetterhimmel des Jahres 1809(Frankreich) seinen Hintergrund hat. Die eifersüchtigen Sorgen dreser Liebe zwischen einem Poeten Dubois und einer Näherin Puline stehen aber soweit im Vordergrund, daß politische Zeitdinge nur ganz episodenhaft und völlig lustspieünäßig mitspielen. Karl Schwelte r.und Felicitas Corda sicherten den freundlichen Erfolg in den führenden Rollen. Nanningers ausgezeichneter Fouchd; zwei wohlgezeichnete Charakterstudien von Fritz Kennemann und Hans Ritter: Ernst Wagners Polizeikommissär und Viktor S a x l s Amtsdiener sind die einprägsamsten Gestalten. Regie: Direktor Curth H u r r l e. Am gleichen Abend feiert« auf der großen Bühne im Rahmen des neueinstudierten„W e i- ßen Rössels" der Oberspielleiter der Operette. Adi Berger, sein 30jähriges Bühnenjubiläum. Das Publikum im nahezu ausverkauften Hause nahm , seinen Gieseke sehr herzlich auf und bewies dem Jubilar in stürmischen Ovationen seine Wohlgeneigtheit. Um den beliebten und um das Teplitzer Theater sehr verdienten Künstler türmten sich die äußeren Zeichen der Werffchätzung. Direktor H u r r l e— im Kostüm des Sigmund— beglückwünschte den Jubilar, der sich an das Publikum wandte und mit der einzigen Bitte antwortete:„Bleiben Sie dem Theater wohlgesinnt!"— Adi Berger, der unermüdliche Lberspielleiter der Operette und der ebenso unermüdliche wie immer gerne gesehene Darsteller im Fache des Charakterkomikers, ist eine der Haupt- stützen im Ensemble und blickt über eine reiche Erfahrung als Schauspieler und Theaterleiter(JnnS-' druck) zurück. Ernst T h ö n e r. * Schon lange vor Frühlingsbeginn erschienen die Frühlingsboten in den Straßen der Stadt in Gestalt ländlicher Frauen mit Körben voller Frühlingsblumen. Sie sind nett anzusehen, diese freundlichen Mütterchen mit den Sträußchen in den Händen. Es ist auf einmal ein frohes Leuchten in die Stadt gekommen, und selbst der Eilige bleibt stehen und nimmt gern ein kleines Sträußchen mit nach Hause. als heiteren Frühlingsgruß. Obendrein, denkt er, bringt es den Frauen einen willkommenen Verdienst. DaS alles ist schön und gut. Aber, die massenhafte Fülle dieser Sträußchen Tag für Tag gibt doch zu denken. Wo kommen alle die Blumen her? . Die wenigsten werden in Gärtnereien für den Markt gezüchtet. In ihrer großen Menge kommen sie von den Wiesen, aus den Wäldern in die Stadt. Und nicht nur so von ungefähr mrd beiläufig. Hinter den harmlosen Blumenfrauen verbirgt sich ein regelrecht kapitalisierter Betrieb. Erst dieser Tage las man in einer Prager Zeitung, daß es draußen auf dem Lande, wo die Frühlingsblumen wachsen, Unternehmer gibt, die das Recht, die Blumen zu pflücken, für ganze Gegenden erpachten und die„Frühlingsgrüße" industriemäßig in ganzen Lastauwsendungen nach Prag liefern.„Eine einzige Firma hat in einem Umkreis von 50 Kilometer um Prag das ausschließliche Recht zum Pflücken von Schneeglöckchen erworben und mit dem Pflücken die Ortsbewohner betrmit. In den letzten Tagen wurden täglich rund 12.000 Sträußchen Schneeglöckchen nach Prag geliefert." welcher, durch das herrliche Wetter begünstigt, einen schönen und glatten Verlauf nahm. 97 Wettkämpfer fanden sich am Start ein. Ferner beteiligten sich auch Soldaten der Prager Garnison in eigener Kategorie an dieser Veranstaltung. Zahlreiche Zuschauer verfolgten mit großem Interesse die auf der Strecke sich abwickelnden Kämpfe. Zuerst wurden die Jugendlichen abgelassen. Sieger über di« 1600 Meter lange Strecke wurde Pick(Prag I u. V) in 5:06.2 Min. vor seinem Vereinsgenosien Strnad in 5:06.4 Min. Tic Soldaten absolvierten den Lauf über eine Streck« von 3200 Meier. Als Sieger ging der Soldat Bam- bula(JR 5) in 10:31 vor L. Hajek(MNO) in 10.41.5 Min. hervor. In der Kategorie der DTJ- Sportler starteten die meisten Teilnehmer. Zum Mannschaftsbewerb um den Pokal des„Prävo lidu" stellten sich sieben Mannschaften. Den Einzellauf(3200 Meter) gewann Kolin(Radotin) in der guten Zeit von 9:57.1 Min. vor Karafiat(Ztz- kov) in 10:26.3 und Smetana(Smichov) 10:26.9 Min. Den Mannschaftsbewerb und damit den Pokal gewann die DTJ Zizkov vor Prag VH und Radlih. Am 2 9. März folgte als zweiter Teil des Saisonbeginns der„Holleschowitzer Rundlaus". m seinem Drama, das am Sonntag in der Kleinen Bühne«rstaufgeführt wurde, eine gute Idee unzu-' länglich gestaltet, was bei jungen Autoren nicht’ selten ist. Er hat den Ehrgeiz gehabt, in einem Stil,> der an Georg Kaisers„Gas" und Karl CapekS „W UR" erinnert, ein aktuelles MenschheitSpro-* blem im Rahmen einer utopischen Handlung zu ent-1 scheiden, aber es fehlte ihm an dem Ehrgeiz, sich die| große Sach« nicht leicht zum machen. Seidl hat es sich leicht gemacht: die entscheidende Auseinandersetzung zwischen dem Vorkämpfer der individualistischen und der kollektivistischcn Weltdiktatur beendet er drirch eine ins Zimmer geivorfene gasgefüllte Knallerbse, und die innere Wandlung des Diklarors, j der aus einer Sträflingskolonie ein glückliches > Eiland macht und der Well das Evangelium der Willensfreiheit hinterläßt, motiviert. er mst dem Tode der Geliebten Auch die«infache Art, auf die man hier werwollste Dokumente rauben und den Führer der Wellrevolution ermorden kann, wirkt nicht sorgfältig konstruiert. Aber es muß anerkannt werden, daß es deml Auwr um eine Idee und ei» Problem ging(was bei Autoren, die heute ausgeführt werden, selten genug ist): um die Idee der menschlichen Freiheit und um das Problem der Diktatur, das in diesem Stück in seiner letzten uwpischen Konsequenz gesehen wird: in Gestalt einer Wellwillensmaschine nämlich, eines universalen radioeleftrischen Gleichschallungs- apparates, der es einem einzelnen ermöglicht, alle i Menschenhirne seinem Willen unterzuordnen. Um diese Maschine entbrennt der Kampf zwischen dem individuellen Diktator, der seinen Willen für den überlegensten uftd berufensten HW, und dem sozia-. len Diktator, der seinen Willen als den Ausdruck! des Massenwillens betrachtet. Beide wollen die Menschheit zum Glück zwingen, während der Autor' meint, daß dieses Glück nur in der Freihest aller i zu erreichen sei. Auch mit dieser an sich lobenswer- ten Entscheidung hat er es sich allerdings leicht gemacht, da er den Weg zur Freiheit ebensowenig dis-\ futtert wie seine Diktatorengestalten den Weg dis- kulleren, auf den sie die Menschheft mit ihrem ge- i fünften Willen bringen wollen., Das Ganze ist also(auch im Dialog, der wenig\ Farben und wenig Leben hat) skizzenhaft geblie- i ben. Und der Spielleiter Arnold M a r l i hat(mit i Unterstützung des Bühnenbildners Emil P i r ch a n), geschickt versucht, das Schematische in einen liNea-, ren und monumentalen Stil zu bringen, in den sich\ die Darsteller gut hineinfanden. Besonders Fritz< V a l k und Frrtz Klippel stellten imposante; Redefiguren auf die Bühne, aber auch Willi V o l- k e r sprach würdevoll wie ein Greis der anllken Tragödie. Karl Padlesak spielte als verzweifelnder Erstickter der Diftaturmaschine lebendiges Theater, während Marion Wünsche auch da noch kühl wirkte, wo sie von aufopfernder Liebe sprach. —- Di«„szenische Musik" von Kurt Seidl erwies sich als exollsch atonal, aber nicht als notwendig. —eis— Bezirksorganisation Präs der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Freitag, den 27. März, acht Uhr abends, im GrwerkschaftShaus Prag I., Persthn, HNgrcderversaininiung Tagesordnung: Die europäische Krise und der Sozialismus. Referent: Genosse Dr. Emil Strauß. Erklärung. Wir haben am 16. Feber 1935 im„Nordböhmischen Tagblatt" und in der„Sudetendeutschen Tageszeitung" einen Artikel unter der Ueberschrist„Die Weinberge der GEC, Wein aus Treberm Chemikalien Zucker und Wasser" veröffentlicht und darin die Behauptung verbreitet, daß die GEC, Produktion»- und Großeinkaufsverband für Erwerbs- und Wirtschaftsver- einigungen, reg. Gen. m. b. H. in Prag, Wein aus Trebern, Chemikalien, Zucker und Wasser produziert hat und produziert, da die Zentrgle der GEC eine Erklärung veröffentlicht hat, die vor Ankauf des angeblich gefälschten Weines warnt, sowie, daß in den Kellereien der GEO Falschwein erzeugt wird. Die gefertigte Redaktion hat sich davon überzeugt, da die in dem beanständeten Artikel behaupteten Tatsachen der Wahrheit nicht entsprechen, aus welchem Grunde die gefertigte Redaktion die betreffenden Ausführungen und alle daraus gezogenen Konsequenzen und alle in dem Arttkel enthaltenen Herabsetzungen der GEO widerruft und das Bedauern ausspricht, daß dec Artikel veröffentlicht worden ist. 3372 Die Redaktion des „Nordböhinischen Tagblatt" und der „Sudetendeutschen Tageszeitung".