dir. 72 Mittwoch, 25« März 1936 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller («iiuchlitSlich i Heller Fort») 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii„ fochova«. telefon 5M7. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Mildes Urteil in Wien 20* Monate Bas System ferchtet die Arbeiter und die Weltöffentlichkeit Wie».(Tsch. P.-B.) Heute vormittags wurde das Urteil gege« die dreißig revolutionäre« Sozialisten verkündet. Der Hanptangcklagte Sailer wurde zu zwanzig Monaten, die Angeklagten Emhart zu achtzehn Monaten, F e l l e i s zu sechzehn Monaten, Fischer, Grils, Knechtelsdorfer und Kreisky z« je zwölf Monate«, R a«s ch e r z« zehn Monate«, P r o k s ch z«»en«, Mohler u«d Pfänner zu je acht, P a st a tz z« sechs, Furuberg nnd H o»«e r z« je vier Monate« schwere» Kerker verurteilt. Dr. Schick, Elise Z e r u e r und Leontine Haas wurde« z« je sechs Woche« strengen Arrests verurteilt. Die übrigen dreizehn Angeklagten wurden freigesprochen. Die österreichische Sozialdemokratie hat sich in tausend Kämpfen glänzend geschlagen, sie hat jahrelang dem Ausnahmsznstand der achtziger Jahre getrotzt, bis er beseitigt war, sie hat anderthalb Jahrzehnte um das gleiche Wahlrecht gekämpft, bis es auf den Straßen der Städte errungen war, sie hat das Aufbauwerk der Gemeinde Wien in einer Reihe von Wahlschlachten verteidigt, sie hat sich heldenmütig gewehrt gegen die Kanonen der Dollfußchristen im Feber 1934 und sie hat in dem jetzt beendeten Prozeß einen Geist bewiesen, der zeigt, daß diese Partei nicht nur eine glanzvolle Vergangenheit, sondern auch eine strahlende Zukunft hat..Obwohl' die angeklagten Sozialdeuwkraten wußten, daß ihrer schwere Strafen harren können, haben sie sich mutig zu ihrer Partei und ihrer Weltanschauung bekannt und hcchen dmnit eine moralisch« Ueberlcgenheit über ihre Ankläger bewiesen, die umso migenfäl- liger wirkt, als die österreichische Presse an den Angeklagten kein gutes Haar gelassen Hal. Zum Verständnis dieses Urteilsspruchs ist zu sagen, daß der Prozeß unter der allergrößten Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit stand» die ganz einfach nicht zur Kenntnis nehmen konnte, daß es sich hier um Hochverräter handelt. Das Prozeßergebnis beweist, daß selbst die illegale österreichische Arbeiterbewegung dem Gedanken der österreichischen Unabhängigkeit diente. Vor kurzem hat man den Gewerkschafter Holowatjr wegen geringerer Delikte zuzehnLah- ren Zuchthaus verurteilt. Es ist kein Zweifel, daß auch dieses Urteil milder ausgefallen wäre, wenn das Ausland in gleicher Weise eingegriffen hätte, wie diesmal. Dann aber wurde durch den Prozeß auch offenbar, daß die österreichische Arbeiterbewegung weiterlebt: nicht nur als positive politische Kraft, sondern mich als Warnung an die österreichischen Richter. Der Vorsitzende des Gerichts zittert seit d?m Urteilsspruch stber-Gerl um sein Leben, man sieht ihn nur in Begleitung einiger Detektive. Wenn die Wachleute Wiens zu Hunderten Rückversicherungen mit den Sozialdemokraten suchen, ist es begreiflich, daß sich auch Richter mit den künftigen Herren Oesterreichs bester stellen möchten. Es ist noch nicht zu sagen, ob dies dem Mörder Gerls etwas nützen wird. Wenn die österreichischen Schwnr- gerichte wirklich Schwurgerichte wären und nicht eine sible Parodie auf sie, wären sämtliche Angeklagte freigesprochen worden. Es sei darauf hingewiesen, daß der erblindende Sailer noch sechs Monate im Gefängnis bleiben soll! Jeder Tag, den dieser Mann der Freiheit beranbt bleibt, ist eine unvorstellbare Grausamkeit. Die Arbeiter der ganzen Welt müssen fordern, daß er sofort amnestiert werde! Das gleiche güt hinsichtlich Holowatjis und der anderen mit schweren Zuchthausstrafen belegten Illegalen! Dieses Urteil ist der Ausdruck der Schwäche und Unsicherheit der österreichischen Machthaber. Vielleicht auch ein Ausdruck der Furcht der österreichischen Richter vor den Arbeitern. Auf jeden Fall aber Beweis dafür, daß sich die österreichische Arbeiterbewegung mächtig regt und daß die Herrschenden und ihre Organe mit ihr rechnen. Die geistige Klärung, die auf dem Parteitag im Landesgericht erreicht wurde und der Ausdruck' der Kraft, der die Haltung unserer Genoffen war, sie werden sich in der gesteigerten Arbeit der Illegalen Widerspiegeln. Vielleicht wird die österreichische Regierung nickt mehr, allzuviel Lust verspüren, solch« Prozesse zu wiederholen. Vor dem Wahlkampf E. 9i. Paris., „Die Regierung bringt Ihnen nach Tagen voller Bangigkeit die Festigung des Friedens." Damit leitete am 20. März der französische Außenminister Flandin seinen Rechenschaftsbericht über die französische Außenpolitik seit dem 7. März, dem Tage der deutschen Rheinlandbesetzung und des Bruchs des Locarnovertrazes, vor der Kanuner ein. Dieses Fazit der Londoner Ver- bandlungsergebnisse spiegelt völlig klar das Auf- atmen wider, das angesichts der Uebereinkunft zwischen den„Locarnomächttzn" Frankreich, Belgien, England und Italien durch Frankreich gegangen ist. Die Befriedigung ist groß und allgemein,. daß man sich überhaupt geeinigt hat und daß man jetzt mit einem Vorgehen an der Seite Englands für die nächste Zukunft rechnen kann. Bald nach dem Hitler-Coup war der Schrecken über diesen Streich und seine Folgen einer nervösen Spannung und einer quälenden Unruhe gewichen, die der Ausdruck der großen Unsicherheit vor der nächsten Zukunft und vor allem aber die Wirkung der englischen Haltung war. Bis zum heutigen Tage ist es den Franzosen ganz unbegreiflich, wieso eine zivilisierte Nation wie die Engländer, nicht vorbehaltlos der französischen These zustimmten, daß zuerst einmal der Rechtsbruch gesühnt werden müsse, bevor man sich mit dem Rechtsbrecher wieder an einen Tisch setzt. Ja, wenn man eine solide englische Generalstabsgarantie gegen die künftigen Vertragsbrüche und gegen künftige Angriffshandlungen Hitlers heimtragen könnte, dann svürde man mit größerer Fassung auch an die Neuordnung des zerzausten europäischen Blumenstraußes schwebender außenpolitischer Probleme Herangehen. Aber haben die Franzosen nicht etwas Aehnliches wirklich erreicht? Die Einzelheiten der Einigung zwischen den Locarnomächten(Italiens Zustimmung steht nicht ohne Absicht noch aus) sind noch nicht sehr deutlich in das allgemeine Bewußtsein eingedrungen, aber der Alpdruck ist gewichen, und die kritische Analyse beginnt erst. Bei Zustimmung im großen ganzen legen die Blätter der Rechten und der Linken auf die Einzelheiten verschieden starkes Gewicht. Für Pertinax im„Echo de Paris" stehen die Generalstabsabmachungen tm Vordergrund, während Läon Blum im sozialistischen„Popu- laire" vom 21. März die Forderung erhebt, daß auch bei negativer Antwort Hitlers auf die Locarnoresolution von London eine allgemeine Staatenkonferenz stattfinde, welche die kollektive Sicherheit durch Schaffung einer allgemeinen militärischen Beistandspflicht gegen den Angreiferstaat organisieren soll. Herriot, Ehrenpräsident der Radikalsozialistischen Partei, erblickt im „Oeuvre" vom 22. März in den Londoner Resolutionen den ersten Schritt zur Wieverbelebung des Genfer Protokolls von 1924, das eine allgemeine Beistandspflicht gegen den Angreiferstaat vorsah, alle Vülkerbundsmitglieder verpflichten sollte und schließlich an dem Widerstand Englands gescheitert ist. Die mussolini-freundliche Presse verlangt ein rasches Ende der Sanktionen gegen Italien ohne Rücksicht darauf, ob der Negus den Frieden unterschreibt oder nicht; Schluß mit„dieser Ungerechtigkeit angesichts der straflosen Rechtsbrüche Deutschlands", ein Ende„diesem Unrecht wegen einer einfachen Kölonialaktion? Alle Zeitungen beweisen genau aus Buchstaben und Sinn der Londoner Uebereinkunft die Gültigkeit der neu errungenen wechselseitigen militärischen Garantiepflicht der vier Locarnomächte auch und gerade bei negativer Antwort Hitlers und beim Scheitern der weiter reichenden. Pläne für ein Locarno Nr. 2. Deshalb ist eigentlich auch das Kopfzerbrechen über Hitlers Haltung nicht so groß, und nur ganz gelegentlich wird zaghaft der Nachdrück vermerll, mit. welchem Herr Eden dem Delegierten Hitlers für die Rückreise nach Berlin die Versicherung, mit auf den Weg gab, die Viermächteeinigung sei ein Berhand- lungsvorschlag und kein Ultimatum an Deutschland. Für. den Augenblick also ist die Stimmung erleichtert, und die Gedanken wenden sich den kommenden Dingen im Lande selbst zu. Der Senat bat sich quf den Juni vertagt, und»die Kammer hat in der Rächt zum 21. März ihren letzten Atemzug getan; schnell wurden noch einige Laval- Verordnungen„verincnschlicht" und die Anlcihe- crmächtigung für die Staatskasse erhöht. Damit katstazunz ergebnislos Vertagung bis Hs! abgebrochen London. Dienstag abends wurde die Tagung des Böllerbundrates sang- und llangloS beendet. Der Rat wird offenbar erst wieder im Mai zusammrntreten. In seiner letzten Sitzung hat der Rat lediglich zur Kenntnis genommen, daß die von den Signataren des Locarno Paktes ausgearbeiteten und ihm vorgelegtrn„B o r s ch l ä g t“ gegenwärtig von den zuständigen Regierungen geprüft werden. Ter Rat ist der Meinung, daß mit Rücksicht auf die Unterredungen, welche noch fortgesetzt werden, jede weiter« Aktion deS Rates vorläufig aufgeschoben werden muß. Er ersucht die beteiligten Regierungen, ihm über den Fortgang dieser Unterredungen Bericht zu erstatten, und beschließt, zur«eiteren Prüfung dieser Frage zusammenzutreten, sobald die Umstände dies erfordern werden. Frankreich bleibt konsequent Paris. An den Pariser amtlichen Stellen wird mit aller Entschiedenheit erklärt, daß der Standpunkt Frankreichs, wie ihn Flandin am Freitag in der Kammer und im Senat darlegte» unverändert bleibe. Frankreich wird in keine Berhandlungen mit Deutschland eintreten, solange dieses nicht die Bedingungen der vier Signatarmächte des Rheinlandes annimmt. Der Umstand, daß Flandin Dienstag nachmittags Paris verließ, ohne die deutschen Gegenvorschläge abzuwarten, die Ribbentrop nach London brachte, und daß er zu einer mehrtägigen Tournee in seinen Wahlbezirk fuhr, deutet beredt darauf hin, daß der Standpunkt Frankreichs unabänder- l i ch ist. Die letzte Erklärung Edens im Unterhause, daß es sich nicht um Bedingungen der vier Locarno-Mächte, sondern bloß um„elastische B o r s ch I.S g e" handle, hat in Paris scharfen Widerspruch und Protest hervorgrrufen. Frankreich könne die Borschläge Hitlers erst erwägen, und zwar nur auf einer gemeinsamen Konferenz mit den vier Signatarstaaten des Rheinpaktrs, bis Deutschland den ihm bekanntgegebenen Bedingungen entspricht. Rohstoffe nur bis Ostern? Kritische Lage In Hitler-Deutschland Berlin.(Havas.) Dr. Schacht soll, wie in deutschen Wirtschaftskrisen behauptet wird, den Reichskanzler Hitler in sehr nachdrucksvoller Weise darauf aufmerksam gemacht haben, daß Deutschland bis Ostern die gegenwärtige diplomatische Krise überwunden haben müsse. In wirtschaftlichen Kreisen Deutschlands wird zugegeben, daß die deutsche Industrie mit Roh st offen nur biS Ostern versorgt ist. Der Mangel an Devisen werde es notwendig machen, die Borräte zu erschöpfen, und ihre Erneuerung verhindern. FallS sich die Lage verschlimmern werde, werde mit einer Einschränkung der Ernährung der Bevölkerung. mit einer Berlin. Auch die letzte Wahlrede, die Hitler Dienstag abends in der Deutschlandhalle hielt, unterschied sich in nichts von den anderen vorangegangenen Wahllundgebungen. Auch diesmal enthielt die Rede des Reichskanzlers nur sehr geringe, konkrete. Mitteilungrn über den Stand der internationalen Verhandlungen, ließ aber dennoch deutlich genug erkennen, dqß Deutschland die Forderungen der Locarnomächie z u r ü ck- Berschlimmrrung der Arbeitslosigkeit und einer Belastung der gesamte» soziale» Lage zu rechnen seüt. Acht Tote in Krakau Arbeitsruhe während des Begräbnisses der Opfer Krakau. Im städtischen Spital sind zwei weitere Opfer der blutigen Avbeiterunruhen gestorben, so daß sich die Zahl der Toten auf a ch 1 erhöht hat. Die Behörden nehmen weitere Verhaftungen unter den Anführern der Demonstration vor. Die Zahl der Verhafteten übersteigt 150. Mittwoch vormittags findet das Leichenbegängnis der acht Todesopfer der Unruhen statt. Die sozialistische Partei fordert die Krakauer Arbeiterschaft auf, in großen Masten an dem Begräbnis teilzunehmen, das die Form einer großen Trauermanifestation der gesamten Arbeiterschaft erhalten soll. Während des Begräbnistes wird in allen Fabriken, Werkstätten und Betrieben die Arbeit ruhen. gewiesen habe. Zum Schluffe seiner Ausführungen kündigte Hitler an, daß eramkom- menden D ie n s ta g sein Programm noch klarer und eindringlicher wiederholen und der Well zeigen werde,„was möglich ist und was wir zu tun bereit sind, so wie ich hellte mitgeteilt habe, was nicht möglich ist und was wir niemals tun werden." Hitlers Antwort ablehnend Neue Vorschläge nach den Wahlen versprochen London. Botschafter von Ribbentrop ist Dienstag in London rmgetroffen und hat abends dem britischen Staatssekretär Eden die vorläufige Antwort der deutschen Regierung auf die Note der Locarno-Mächte überreicht. Der Kern der Rote liegt in dem Schlußabsatz, daß dir deutsche Regierung am Dienstag, den 31. März, also erst nach den deutschen „Wahlen", ihre eingehende Stellungnahme mit neuen positiven Borschlägen der britischen Regierung zur Verfügung stellen wird. In der Einleitung wiederholt di« deutsche Regierung nochmals„die Grundsätze und Gedanken, aus denen die innere Notwendigkeit ihrer Haltung ersichtlich werden wird", und erllärt schließlich, sie müsse alle jene Bestimmungen des Borschlagrs der Locarnomächie ablehnen, dir geeignet sind, die„Ehre der Ration erneut zu diffamieren" oder die Gleichberechtigung in Frage zu stellen, bzw. zu beseitigen. Andererseits verspricht Deutschland, de« Anregungen der britischen Regierung zu folge» und von sich aus einen„neuen, eingehenden Borschlag für die Ueberwindung der europäischen Krise" zu unterbreiten, über die sie sich noch nicht in Einzelheit« neinlassen will. Zur Ausarbeitung dieser Borfchläge sei sie in der Wahl Woche schon rein technisch nicht mehr in der Lage. Teile 2 Mittwoch, 25. März 1936 Nr. 72 hat die Kammer von 1932 zu bestehen aufgehört, der Wahlkampf hebt an. Natürlich steht der Beginn der Kampagne stark unter dem Eindruck der schicksalsschweren letzten zwei Wochen, und die Rechtspresse spart nicht mit dem Hinweis auf die Gefahr einer Linksentwicklung für die so nötige^patriotische Einigung" gegen die deutsche Jnvasionsgefahr. Aber langsam schieben sich die eigentlichen innenpolitischen Fragen in den Vordergrund der Debatten. Kräftig und ohne Vorbehalt setzt sich der Präsident der Radikalsozialistischen Partei, Daka d i e r, gegen Zweifel der Rechtspresse an der Herzlichkeit der Beziehungen innerhalb der Volksfront für die Front der Linksparteien ein. Er zitiert beifällig sogar einen kommunistischen Artikel und fordert den rückhaltlosen Kampf gegen die Ausbeuterprivilegien der Industrie- und finanzkapitalistischen Oberschichten(„gegen die 200 Familien"— die Frankreichs Oekonomie zugunsten der eigenen Tasche beherrschen—). Die Kommunistische Partei spendet durch die Feder eines ihrer Führer Daladiers Proklamation der Selbständigkeit und Handlungsfreiheit der Volksfrontparteien Beifall und stellt bei dieser Gelegenheit wieder fest, daß sie den Eintritt in eine ftinftige Volksfrontregierung schon jetzt ablehnt. Ganz 'selbständig gehen auch alle Linksparteien in die Schlacht, um erst nach dem ersten Wahlgang am 26. April ihre Vereinbarungen für die Stichwahl am 3. Mai zu treffen. Die Kommunisten stellen znm erstenmal in allen Wahlkreisen für den ersten Gang eigene Kandidaten auf mit, der deutlichen Absicht, ein Barometer für die eigen« Stärke zu haben, das bei allen künftigen Schritten der Partei gegenüber der Volksfront oder auch nur gegenüber der Sozialistischen Partei seine Bedeutung haben kann. Aber vorerst ordnen die Parteien noch die Flugblattpakete und regeln die technischen Fragen der Wahlagitation. Der Schreck vom 7. März und di« Nervosität der Tage danach saßen zu tief in den Gliedern, um nach der Entspannung dieser ersten Frühlingstage gleich wieder ein neues Fieber zu ermöglichen. Erst der Sturz der Diktaturen bringt den Frieden Genosse de Witte in der außenpolitischen Debatte Prag. Im Außenministerium des Abgeordnetenhauses wurde am Dienstag in ganztägiger Sitzung die Debatte über das außenpolitische Erpoft des Ministers Krofta abgeführt. Gegenüber den außenpolitischen Ereignissen der letzten Wochen traten diesmal die wirtschafspolitischen Aspekte ziemlich in den Hintergrund. Bemerkenswert war die scharfe Sprache einzelner Koalitions- reduer gegen Hitler-Deutschland, die often aussprachen, daß man diesmal den Wünschen Hitlers einen starken Damm entgegensetzen müsse, soll nicht Europa binnen kurz oder lang in eene kriegerische Auseinandersetzung hineingetrieben werden. Der Ernst der Situation ist nach Auftastung fast aller Redner nicht zu verkennen. Für unsere Fraktion sprach Genoste de W i t t e, der unter Beweis stellte, daß der Friede in Europa immer nur an einem Haar hängen wird, solange große europäische Staaten unter der faschistischen Diktatur stehen. Jnnerpolitisch zog Genosse de Witte die Nutzanwendung, daß es keine rrfolgverhrißrnde Außenpolitik ohne Stütze durch eine kluge Innenpolitik und durch eine di« Bedürfnisse aller Bevöl- kerungsschichten gebührend berücksichtigende Wirtschaftspolitik des Staates gibt. Auch hier wurde, wie de Witte ausführ«, bisher viel versäumt; um so eher sollten wenigstens jetzt dir berechtigten Wünsche j«»er Hunderttausender von armen Menschen> m sudetendeutschen Gebiet berücksichtigt werden, die trotz allem von der deutsch-faschistischen Gleichschaltungswrlle nicht mitgrrissen wurden, weil sie durch unsere sozialdemokratische Schule gegangen sind. Europa ist— soviel dürfen wir für den Augenblick wohl schon hoffen— noch einmal am Rande des Krieges vorbeigekommen. Aber es wäre ein unentschuldbarer Selbstbetrug, zu glauben, daß wir nicht bald wieder vor einer neuen Kriegsgefahr stehen dürften. Jedenfalls ist eines nunmehr durch die Erfahrungen gewiß schon gründlich genug erhärtet: daß der Friede immer nur an einem Haar hängt, solange große europäische Staaten unter faschistischer Diktatur stehen. Denn»er im eigenen Lande gewälttätig die von ihm be schworenen BerfaffungSrrchte beseitigt, wer zu HanS alles auf die Brutalität und nichts auf das Menschenrecht stellt,«er sei« Volk lehrt, die Humanität»lS verächtliche Schwäche zu verabscheuen und einem Heroismus zu huldigen, der in der Vernichtung Andersdenkender seine höchste Befriedigung zu suchen habe, der wird auch internationale Verträge nur anerkennen, solange er nicht anders kann und er wird die Verträge zerreißen, wenn es ihm s o passen wird. Seit 1918/19 bis heute verfolgen wir eine für Europa verhängnisvolle Kette von Fehlgriffen der westlichen Demokratien. Die Staatsmänner des Westens waren stark gegen die ftiedenswillige demokratische deutsche Republik und schwach gegen den mit kriegerischem Wollen zur Macht gelangten deutschen Faschismus. Dafür zahlt heute das deutsche Boll mit dem Verlust seiner bürgerlichen Freiheit und zahlt Europa— vorläufig— mit der Verschwendung des Volksgutes an die Rüstungsindustrie. DaS Fallenlassen der Kriegsschuldlüge, die volle Gleichberechtigung und die Souveränität Deutschlands über sein ganzes Land— das hätte allen Gerechtdenkenden eine Selbstverständlichkeit sein müssen. Man hätte nicht erst den Faschismus über Deutschland heraufbeschwören muffen, um ihm dann unter den gefährlichsten Umständen zu bewilligen, was man der deutschen Demokratie in unbilliger und unkluger Weise versagte. ' Nun zu den Aufgaben 8er Tschechoslowakischen' Republik. Herr Minister Dr. Krofta hat sie' sehr gut umschrieben: Die Tschechoslowakisch« Republik har Völkerbundpolitik zu machen. Alles andere wäre weniger gut; denn bei alle« Fehlern, Versäumnissen und Widerspielen in dieser Bereinigung steht die Lache am Ende doch so, daß der Völkerbund immer noch der einzige, das heißt der l e tz t e Friedensgarant ist. Die Tschechoslowakische Republik will den Völkerbund und den Frieden. Das ist unsere Linie auch, und darum ist eS uns leicht, dem Außenminister zuzustimmen. Allerdings gibt rS keine erfolgverheißendr Außenpolitik ohne Stütze durch eine kluge Innenpolitik und durch eine auf dir Bedürfnisse aller Schichten der Bevölkerung gebührend Rücksicht nehmende Wittschaftspolittk des Staates. Der Bürger muß das Bewußtsein haben, daß die Regierung und Verwaltung des Staate- von der ehrlichen Sorge um ihn erfüllt ist. Er muß überzeugt sein, daß der Staat ein Schützer und Förderer seine- materiellen und geistigen Wohles, seiner wirtschaftlichen Existenz und seiner Kultur fein will. Der vernünftige und nicht einer Hetze erlegene Staatsbürger wird keine unbilligen Forderungen an den Staat stellen. Er weiß, daß der Staat nicht omnipotent ist. Er wird also z. B. auch nicht die Regierung für die zwangsläufigen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise verantwortlich machen; aber er darf erwarten, daß diese Auswirkungen nicht durch eine engherzige einseitige Jnteressenpolitik verschärft und bis ins Untragbare gesteigert werden! Wie leicht wäre die geistige Verheerung und politische Verirrung großer VollSmaffen im sudetendeutschen Gebiet zu verhindern gewesen, wenn in der Staatsverwaltung immer dje großen Konzeptionen eines Masarhk oder eines Benes mehr— und die gegenteiligen Auftaffungen von den Aufgaben der Politik und Verwaltung weniger zum Ausdruck gekommen wären! Kein Kenner der Entwicklung der Verhältnisse im deuftchen Randgebiete des Staates wird bestreiten wollen, welchen Anteil an dieser Fehlentwicklung eine bis zur Skrupellosigkeit ge- ttieben« und mit einem Riesenapparat arbeitende Demagogie hatte; niemand wird die Flüsterpropaganda im Lande selbst und die jahrelange Bearbeitung dieses Volkes durch den deuftchen Rundfunk übersehen dürfen. Ater niemand sollte auch daran vorbcigehrn, daß diese Propaganda auf ein Volk gestoßen ist, das dmWeltrekordinderArbeitS- losigkeit hält. Trotz alledem sind hunderttausende arm« Menschen im sudetrndeutschen Gebiete von der deuftchfaschistftchrn Gleichschaltungswelle nicht mUgerissen worden,«eil sie durch unsere sozial- demokratische Schule gegangen sind und darum die Freiheit der Person, des Wortes und der Gesinnung zu schätzen wissen. Alle diese Menschen unser« Bewegung fühlen sich als mindestens ebenso gute Deutsche, wie die anderen sie sein wollen,- aber sie wisse« es auch zu schätzen, was es für sie(und für die andere«) bedeutet, daß hier noch eine Insel der Demokratie im Meere der Faschismen gehalten wird. Diese Menschen find Helden in einem Kampfe gegen Rot, Terror, List, Gewalt und Betrug. An ihnen ist vieles gutzumachr», was bisher veftäumt ward««, und hier eröffnet sich schon eine Aufgabe, an der wahre Staatskunst sich zu bewährm versuchen sollte! Ihnen allen von der ftchechftchen Seite will ich darum sagen: Sie haben treue Bürger auch in den deutschen Landesteilen, Bürger, die selbst in der Rot von heute nicht mit denen drüben tauschen wollen, weil diese anderen alles dessen entbehren, wäs fteisinnigen Männern und Frauen das Leben erst lebenswert macht. Helfen Sie mit, diesen guten Bürger zu überzeugen, daß jeder im Staate auch für ihr« materiellen, geistigen und seelischen Interessen vollesVerftändnis hat! Saisonarbeiten beginnen— Exportschwierigkeiten dauern an Der Bankrat der Tschechoflowakischen Nationalbank hielt am 24. I. M. seine ordentliche Monatssitzung unter dem Boftitz deS Gouverneurs Dr. Karl Englis ab. Dem Geschäftsbericht entnehmen wir folgendes: Die internationale Lage wurde in den letzten Wochen durch die deuftche Kün- digung des Locarno-Vertrages und die Besetzung der entmilitarisierten Rheinzone erschwert. Hiedurch wurde neuerdings die politische und wirftchaftliche Unsicherheit zu ungunsten der erforderlichen schnelleren Belebung der Wirtschafts- verhältuisse, vor allem in Europa, gesteigert. Die Entwicklung in der Tschechoslowakei nahm auch in den letzten Wochen der internationalen Verwirrung einen ruhigen Verlauf. In der Beschäftigung äußern sich die ersten Anzeichen der eintretenden Frühjahrssaison in einem etwas lebhafteren Ausmaß als zu derselben Vorjahrsperiode. , Die ZelKacheiten haben in einigen niedrigeren Lagen bereits begonnen, im ganzen bot keebtsbeirat konstituiert Prag. Dienstag fand im Gebäude des Prä- sidjums. des Ministerrates die konstituierend« Sitzung des Rechtsüeirates unter dem Voisitz des Vorsitzenden der Regierung Dr. Milan HodAa und unter Beteiligung des Justizministers Dr. Derer als besten Vorsitzender-Stellvertreter statt. Die Sitzung wurde mit einer Ansprache des Vorsitzenden der Regierung eröffnet, in welcher ex u. a. betonte, daß es vollkommen unrichtig sei, dje Antithese der Begriffe des Rechtsstaates und jedoch die Landwirftchast in diesem Zeitabschnitte noch Kleine ausgiebigere Arbeitsgelegenheit. JnderJndustrieerzeugung konnte in den letzten Wochen in einigen für den Inlandsmarkt arbeitenden Unternehmungen eine gewisse Besserung wahrgenommen werden. In den Saisonzweigen setzt gleichfalls die Arbeit ein. Im Interesse der Unterstützung der heimischen Wirtschaftstätigkeit wäre es nöttg, die gesetzlichen Voraussetzungen zur Belebung der Bautätigkeit und die Gesetzentwürfe zur Förderung des Automobilismus zu beschleunigen. Für die Ausfuhr bleibt die Gesamtlage unverändert, die Exportschwierigkeiten verringern sich nicht, hingegen kommt eine um so größere Bedeutung den Ergebnissen des Feberaußenhandels zu, welche sowohl bei der Einfuhr als auch bei der Ausfuhr eine Umsatzsteigerung ausweisen. Die Exportbesserung entfällt wieder in beträchtlichem Maße auf Märkte mit freiem handelspolitischen und Devifen-Regime, was auch für die Feberbilanz des Außenhandels, welche aktiv war, bedeutungsvoll ist. deS sozialpolitischen Staates hervorzuheben, daß vielmehr die Synthese dieser beiden Merkmale des modernen demokratischen Staates notwendig sei: Die Tschechoslowakei will sotvohl ein sozialpolitischer als auch ein Rechtsstaat sein. In der Aussprache, die sich nach dieser Kundgebung entwickelte, wurden die Hauptrichtlinien für das Vorgehen und die Arbeitsmethode des Rechtsbeirates festgelegt. In dec nächsten Sitzung wird er bereits zur Behandlung einer Reihe aktueller Fragen schreiten. MÄNNER, FRAUEN I UND WAFFEN I Roman von Manfred Georg Copyright by Dr. Manfred Georg, Prag Er kommt in alle Kreise, in die er will, mit seinem Hokuspokus. Wir haben ihm schon viel zu verdanken. Worum andere sich wochenlang mühen, das fliegt ihm zu.. Leute, die sonst drei Schlöffer vor dem Munde tragen, schütten alles in ihn, wie in einen Papierkorb. Er ist «ine Art Pionier für uns. Er wird übrigens auch gleichzeitig mit Ihnen eine Vortragstournee durch die russischen Gegenden beginnen, in denen Sie arbeiten werden. Was ich übrigens noch fragen wollte: wollen Sie die kleine Tänzerin jetzt überall mitllehmen?" „Das"ist lediglich meine Sekretärin.* Makropulos runzelte mißbilligend die Sttrn: „Bei solchen Geschäften kann man keine Sekretärinnen gebrauchen. Die alte Witzblattfigur von der Stenotypistin, die auf dem Schoß ihres Chefs sitzt, ist überhaupt vollkommen witzlos. .Denn es muß so sein. Es ist noch immer das sicherste Mittel eines Chefs, eine wirkliche Stütze —- und besonders in einem großen Betrieb einen, nennen wir es„Wachhund" zu haben, der von ihm ip gewisser Beziehung abhängig ist. Es braucht ja keine furchtbare Liebe zu sein. Wenn sie nur sich nicht lösen kann und er sie ab und zu belohnt. Sie verstehen schon, dann ist das hundertmal besser als etwa ehr Buchhalter, der schon beim Vater war. Neuauflage der Lieblingssklavin, weiter gar nichts. Entschuldigen Sie, aber mir wäre es schon angenehmer, die Dame wäre Ihre Geliebte." „Also, wenn es Sie beruhigt; ich kann mich auf sie verlassen." „Das genügt mir. Aber seien Sie hellsichtig. Ich mutz das von Ihnen als Geschäftspartner verlangen: Sie werfen sie nicht sofort raus, wenn eS zu End« ist! Es gibt da Methoden des Abbaus, bei denen wir vor Äusplauderung von Geschästsgeheimniffen verschont bleiben." Schumann verabschiedete sich und wollte schon gehen, als Makrcpulos ihn noch einmal anrief: „Hören Sie, beinahe hätte ich eS vergessen: ich habe ja von Dunaimis noch eine weitere Hilfsperson für Sie bekommen. Sie kennen Sie schon, die Fürstin Satoresru. Jetzt haben Sie zwei Frauen, mit denen Sie sich wirklich sehen lassen können!" Schumann hörte den, Spott in der Stimme Makropulos' kaum. Er war von tausend Ge- danken durchstürmt, rannte in großen Sprüngen die Treppe hinunter und fi|r ins Hotel. Haydie saß in einem Sessel am Fenster und begrüßte ihn mit de» Frage: „Kennst Du einen griechischen Geschichtsschreiber mit acht Buchstaben? In der Mitte„o." Es war das Seltsamste an ihr vielleicht, daß sie Kreuzworträtsel liebte.„Das entspannt mich so schön", pflegte sie zu behaupten. „Xenophon", sagte er kurz.„Und jetzt pack' Deine Sachen und verlaß scfort Wien. Fahr ins Südbahnhotel auf dem Semmering und warte, bis ich telephoniere! Mardrier kommt her." „O", sagte sie erschrocken. Er half ihr. Im Handumdrehen war sie reisefertig. „In vier Wochen fahren wir nach Rußland. Geschäftlich. Ich erzähle Dir noch alles." Dann war sie hinaus. Obwohl es noch gar nicht die verabredete Zeit war, ja sogar noch eine Stunde früher, klopfte es an die Tür. Schumann zuckte zusammen. Er hatte sich fest vorgenommen, Mardrier aus dem Leben zu streichen. Die Gelegenheit würde sich geben. Daß sie nicht gleich da sein würde, war ihm bewußt. Er wußte seine Nerven behalten, durfte sich, nichts anmerken lassen. Aber nicht Mardrier trat in das Zimuier. sondern herein schob sich dieser unangenehme junge Mann mtt der Mütze und dem schiefen linken Auge. Schumann«rhckb sich erstaunt. „Sie wünschen, bitte?" Der Mann setzte sich breit, rückte sich umständlich auf dem Stuhl zurecht und meinte mit einer gedehnten Stimme: „DaS läßt sich nicht so mit einem Wort sagen." „Also dann sagen Sie es mit mehreren." Schuhmann war kein schlechter Beobachter. Er trennte sehr wphl das unangenehm^ Gefühl, das ihm dieser Fronde da wegen seiner Verbindung mit Hayde« eingeflößt hatte und eine davon unabhängige Abneigung, die er gegen den Typ als solchen empfand. Der Mensch war verkrochen. Tas gesunde Auge hatte einen unruhigen Blick. Er war gar nicht schlecht, wber etwas verlottert angezogen, und sein Lächeln saß nicht. Es war gezwungen. Er holte umständlich eine Zigarette aus der Rocktasche und begann vor sich hin zu rauchen. Das einzig Gute an ihm waren di« Hände, die vom Verfall des übrigen Menschen nicht mit angegriffen waren. Als er sich ein Streichholz anzündete, entdeckte des Rittmeisters scharfer Blick in dem losen Rockärmel, in dem keine Wäsch« war, ttef unterhalb des linken Handgelenks eine Anzahl kleiner roter Punkte, typische Spritzeneinstiche. „Zuerst Muß ich Sie bitten, mir Ihr Ehrenwort zu geben, daß meine Anwesenheit hier vctl- kommen unter uns bleibt.", „Das wird davon abhängen, worum es sich handelt. Ich gebe keine Blanco-Unterschriften." „Das brauchen Sie auch nicht. Sie werden gleich merken, daß wir beide von der Unterhaltung profitieren werden." Er blies den Rauch von sich und sagte frech und bestimmt: „Sie sind demnächst in einer wichtigen Mission in Rußland?". Schumann erschrak, aber er gab keinen Laut des Staunens. „Ich bin Kaufmann. Daß ich nach Rußland fahr«, ist mir nicht bekannt. Erzählen Sie mir also, bitte, nichts über mich, sondern kommen Sie damit heraus, was Sie wollen. Wir verlieren'sonst unnütz Zeit." „Also Sie fahren nicht nach Rußland? Dann wird das hier auch gar kein Interesse für Sie haben. Aber Sie können sich's mal ansehen." Er überreichte dem Rittmeister einen zu- sammengefatteten Bogen. Dieser laS kurz darin. Dann fragte er: „Wem gehört das?" „Das gehörte, so weit ich weiß, einem Herrn Mardrier. Ganz interessante Liste, wie?" Schumann steckte das Papier ein: „Wie viel wollen Sie dafür?" Der Mann schütteüe den Kcpf: „Ach nein, so geht das doch nicht. Ich will nicht bloß jetzt eine Summe Geld. Wir brauchen doch kein Verstecken zu spielen. Ich möchte Ihnen meine Dienste verkaufen. Eine Prämie, gern, aber ich will auch eine Stellung! Ich möchte eine Stellung bei Ihnen!" »Ich glaube, wir sind saweü, daß Sie etwas offener reden können." Schumann holte Kognak und Wein aus dem Schrank... „Danke schön," sagte der Mann.„Ich trinke sehr gern. Aber Silben Sie sich nicht ein, daß ich nach ein paar Gläsern mehr rede, als ich will." Mein Magen verträgt sehr viel. Jetzt bekomme ich übrigens schon zwei Dienste bezahlt: erstens kriege ich Geld für die Liste, die Sie eingesteckt haben und zweitens für die Mttteilung, daß Ihre Sekretärin Sie bespitzelt. Es ist Ihnen wohl klar, woher ich die Liste habe." „Sie ist ein Verräter? Und wen verraten Sie." (Fortsetzung folgt.). Nr. 72 Mittwoch, 25. März 1936 Seite 3 fudetendeute(ftei Zeitepie^ef Urteil Im Patscheider-ProzeB Von den Angeklagten im Patscheider-Prozeß Kurden 13 verurteilt und vier freigesprochen. Verurteilt wurde Dr. Alfred Fuchs zu schwerem Kerker in der Dauer von zweieinhalb Jahren, Dr. Patscheider in der Dauer von vier Jahren, Paul Lamatsch gleichfalls zu vier Jahren, Erwin Witte! zu drei Jahren, Dr. Emil Lehmann zu zwei Jahren, Franz Schneider zu acht Monaten, Dr. Hans Schwarz gleichfalls zu acht Monaten, Otto Eßler zu neun Monaten, Jng. Rudolf Staffen zu einem Jahr, Adolf Sadowski zu einem Jahr, Friedrich Schiller zu neun Monaten, Jng. Friedrich Fulda zu acht Monaten, Heinrich Mol- drzyk zu acht Monaten, freigesprochen wurden: Guido Oehm, Emil Bremer, Max Kudera und Max Gröger, während gegen Kiesewetter die Anklage bekanntlich zurückgezogen worden ist. Der öffentliche Ankläger beantragte mit Rücksicht aus die Höhe der Strafe und die Gefahr der Flucht, die Verurteilten Dr. Fuchs, Wittek, Dr. Lehmann und Jng. Fulda sofort in Gerichtshaft zu nehmen. Die Verteidiger meldeten die Nichtigkeitsbeschwerde und die Berufung an, einige behielten sich eine Frist zu Rechtsmitteln vor. Für die Verurteilten, die in die Gerichtshast genommen werden sollen, wurde eine Kaution angeboten. Das Gericht beschloß, daß Dr. Lehmann mit Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand— er war bei der Urteilsverkündigung in Ohnmacht gefallen— in Freiheit belassen wird, wenn er innerhalb von 14 Tagen eine Kaution von 18.000 XL erlegt. Das Gericht gibt sich auch damit zufrieden, daß diese Kaution auf das unverschuldete Haus Lehmanns intabuliert werde. Was Jng. Fulda betrifft, beschloß der Gerichtssenat, daß er nicht in Haft genommen werde, da er nur einen geringen Rest der Strafe zu verbüßen hat. Dr. Fuchs und Wittek schrieb daS Gericht eine Kaution von je 100.000 XL vor. Ihre Verteidiger boten sich an, für die Kaution die persönliche Garantie zu Übernehmen, das Gericht nahm jedoch ihr Angebot nicht an, da es ihre Vermögensverhältnisse nicht kennt. Dr. Fuchs und Wittek wurden sodann bis zur Erlegung der Kaution in Gerichtshaft genommen. Was der Deutsche Pädagogische Verein treibtl Der Deutsche Pädagogische Verein in P r a g veranstaltet diesen" Freitag in der»Urania" einen Abend mit folgendem Programm: 1. Wochenschau, 2. Lichtbildervortrag über die O l y m- psade, 3, Garmisch-Partenkirchen und 4. Die Bayrischen Alpen im Winter. Wir brauchen zur politischen Erläuterung dieses Programms wohl kein Wort zu verlieren; es ist s o n n e n k l a r. Unseres Erachtens kann ein pädagogischer Verein sich in solchem 'Fall auch nicht auf erzieherische Aufgaben in^der Körperkultur ausreden, da solchen Vorwand sich höchstens ein Turnverein leisten könnte. Womit also klargestellt ist, daß der Deutsche Pädagogische Verein in Prag seine Visiten karte bei Hitler abzugeben sich bemüht zeigt und daß ihm zu diesem Zwecke sich die„Urania" zur Verfügung stellt. Wir werden uns das merken. Gleichschaltung der Neudeker Wollkämmerei mißlungen Karlsbad.^Eigenbericht.) Im Betrieb der Neudeker Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei fanden DienSlag BetrirbSairSschutzwahlen statt» welche für die SdP eine Krastprobr ab- geben sollten. Mit allen Mitteln versuchte sie in diesem Betriebe einen„zweiten 19. Mai" herbeizuführen. Einige Mitglieder des Stabes Konrad Henleins» Abgeordnete und Funktionäre der Deutschen Arbeiter-Gewerkschaft bemühten sich» die Arbeiterschaft zu gewinnen. Unterstützt wurden sie dabei von dem Beamtenapparat des Werkes. Geldspenden und LebenSmittelpakete auf der einen, Drohungen auf der anderen Seite vervollständigten dir Agitation. Einstellung von Henlein- Anhängern in den letzten Monaten sollte der „Eroberung des Betriebes" dienen. Die Wahlbeteiligung war stärker als im Borjahr. ES erhielten die „Ein Stoß Ins Herz der europäischen Sicherheit** Außenpolitische Entschließung der Parteikonferenz Die am 22. März stattgefundene Parteikonferenz in Prag hat zu den außenpolitischen Fragen die nachstehende Entschließung gefaßt: Der deutsche Nationalsozialismus hat einen neuen Anschlag auf den europäischen Frieden verübt. Getrieben von den wachsenden finanziellen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten des diktatorischen Regimes hat er den Vertrag von Locarno, der seit 1925 einer der tragenden Pfeiler der Friedenssicherung ist, zerrissen, seine Truppen ins demilitarisierte Rheinland einmarschieren lassen und so um seines innerpolitischen Prestiges willen die ganze Welt in Unruhe»nd KriegSfurcht versetzt. Keine der sozialen Verheißungen des Regimes ist erfüllt worden, die Finanzierungskünste Schachts gehen ihrem Ende zu, die offene Inflation droht und die Devisenknappheit äußert sich in steigendem Lebensmittelmangel. D i e Dikta tu r kann es nicht mehr wagen, die Scheinwahlen der Bert rauen s r ä t e durchzu führen, weil sie selbst unter dem Druck eines unerhörten Terrors und unter der Wucht des Trommelfeuers der monopolisierten Propaganda zu einer Bloßstellung des Regimes führen würde: Hitler sucht eine außenpolitische Plattform, um dem betrogenen Volke noch einmal die Zustimmung zu seiner Diktator abzulisten, indem er ihm die Befreiung von den Fesseln des Versailler Vertrages vortäuscht. In Wirklichkeit hat der Nationalsozialismus daS deutsche Bolk nicht befreit, sondern in tiefes Unglück und schwerste Gefahr gestürzt. Der Nationalsozialismus ist nicht das deutsche Bolk; er hat das deutsche Bolk vielmehr innerpolitisch versklavt, jede Regung freier Meinungsäußerung unterdrückt, die Geschichte des deutschen Volkes mit Handlungen von unerhörter Grausamkeit geschändet und das kulturelle Leben des deutschen Volkes zerstört. Aber er hat auch außenpolitisch keine wirllichen Erfolge errungen. Die internationale Gleichberechtigung und die. Wiedereingliederung^ in die europäische Völkerfamilie hat in Wehrhest der eben zerrissene Rheinpakt dem deutschen Volke gebracht, er hat es in den Völkerbund geführt, tbo ihm gleich den übrigen Großmächten ein ständiger Ratssitz eingeräumt wurde. Hitler hat Deutschland aus dem Völkerbund- wieder hinausgeführt und in eine außenpolitische Isolierung gedrängt. Hitler hat dem deutschen Volke die„Wehrhoheit" zurückgewonnen, aber um den Preis, daß alle Hoffnungen der Völker auf Abrüstung auf lange, hinaus verschüttet sind und daß einem fieberhaft aufrüstenden Deutschland die Aufrüstung einer ganzen» dem deutschen Reich mißtrauenden West gegenübersteht. Hitler hat unter Bruch der Verträge das Rheinland militärisch besetzt, deutsche Truppen stehen wieder am Rhein, aber um den Preis» daß sich der Ring des Mißtrauens um Deutschland enger schließt, um den Preis, daß die Friedenspakte, zu denen Deutschland der Zutritt offenstand, eine gegen Deutschland gerichtete Spitze erhalten, nicht aus dem Willen der vertragschließenden Mächte, sondern durch die Schuld Hitlers, um den Preis, daß die Sicherheit der ganzen Welt und damit auch Deutschlands Sicherheit aufs schwerste er-, schlittert ist. So hat der N a t i o n a l s o z i a l i s- musdas deutsche Volk außenpolitisch wie innenpolitisch in Wahrheit aufs schwer st ege- s ch ä di g t. Vergebens versucht die Distatur des Hakenkreuzes ihre Taten zu beschönigen unF die Sympathien der Kulturvölker zu gewinnen, in-em sie. sich, alg den Retter der europäischen Zivilisation vor dem„asiatischen"*BolschewiSmus aufspielt. Immer neue Bildnisse der an der Erhaltung des Friedens interessierten Staaten mit der Sowjetunion geben darauf Antwort. Die„Tat" Adolf HitlerS am 7. März war» wie alle seine Taten vorher» kein Schritt zur Befreiung des deutsche« Bolles, sondern ein Stoß ins Herz der europäischen Sicherheit, des Friedens der Welt. Wie immer die Entscheidung im diplomatischen Ringen ausfallen mag, sicher ist, daß Hitler die internationalen Spannungen verschärft, dem Wettrüsten einen neuen Auftrieb gegeben und f» die drohende Kriegsgefahr verhängnisvoll gesteigert hat. Wir klagen den Faschismus an, daß er das eigene Volk ins Verderben führt und die ganze West-in. dieses Verderben mitzureißen droht. Nun indem'sich das deutsche Boll von der nationalsozialistischen Diktatur befreit, nur indem alle friedcnSwilligen Staaten sich zusammenschließen, kann diesem Unheil Einhalt geboten und der offene Ausbruch von Konflisten verhindert werden. Indem wir dies feststellen und damit zugleich „Hilfe über Rumänien und die Tschechoslowakei“ Der Vorsitzende des Rates der BolkSkom- missäre der Sowjetunion Molotow hat dem Berichterstatter des französischen Blattes „Temps" eine Aussprache getvährt, in welcher Molotow vor allem außenpolitische Probleme behandelte, aber auch auf. die Frage der Demokratisierung der Sowjetunion zu sprechen kam. Ueber die Besetzung des Rheinlandes durch deutsches Militär sagte Molotow: Die Remilitarisierung des Rheingebietes hat unzweifelhaft die Bedrohung der Länder, die sich östlich von Deutschland befinden,'" darunter auch der Sowjetunion, erhöht. Die- zu übersehen wäre falsch. Nichtsdestoweniger bedeutet der Einzug deutscher Truppen iu das an Frankreich und Belgien grenzende Rheingebiet und die Schaffung von Befestigungen längs der französischen und belgischen Grenze, womit die bekannten internationalen Verträge verletzt werden, vor allem«ine Bedrohung für die westlichen Nachbarn Deutschlands, Frankreich und Belgien. Der Vertreter der französischen Zeitung fragte dann» welche Hilfe die Sowjetunion Frankreich praktisch erweisenkönnte, falls Deutschland im Westen einen Angriff unternähme und Polen neutral bliebe. Die Antwort Molotows war: Die Frage ist von etwas strategischem Charakter. Offenbar würde dir Hilfe feiten- der Sowjetunion eine Hilfe über Rumänien und dir Tschechoslowakei bedeuten. Eine Neutralität Polens würde aber in bedeutendem Motze dir Handlungen t:r Sowjetunion erschweren. Konstituierung des Römischen Blocks Vertrag nach dem Muster der Kleinen Entente und des Balkan-Bundes Paris. Dir eben in Rom unterzeichne ten italienisch- ungarisch- österreichischen Zusatzabkommen enthalten, wie die Pariser Blätter melden» auch mehrere Gebeimklanseln., Man ist der Meinung, daß diese Klauseln am ehesten Einzelheiten sowie die politische Orientierung und die wirtschaftliche Organisierung der Staaten des römischen Blockes betreffen. Diese Staaten haben sich nunmehr nach dem Muster der Kleinen Entente organisiert. Union der Textilarbeiter 1507 Stimmen«nd 8 Mandate. f1934: 1671 Stimmen— 9 Mandate.)* Kommunisten 724 Stimmen«nd 3 Mandate. <1934: 677 Stimmen— 3 Mandate.) Deutsche Arbeiter-Gewerkschaft 973 Stimmen und 5 Mandate.(1934: 523 Stimmen— 3 Mandate.) Der Angriff der Henlein-Lente ist abgeschlagen, die SdP hat ihre große Enttäu- schling unter den Neudeker Arbeitern erlebt. Die freie Gewerkschaft hat trotz dem Trommelfeuer, welchem sie auSgcsetzt war, ihre führende Position gehalten und den Beweis erbracht» daß sie das Vertrauen der Arbeiterschaft besitzt. Ole Zusatzprotokolle Im ersten Protokoll wird zunächst das Abkommen vom Jahre 1934 bestätigt. Es heißt dann weiter, daß es im Interesse aller drei Länder gelegen ist, daß ihre Aktionen auf allen Gebieten stets miteinander in Uebercinstimmung gebracht werden, wann immer dieS die spätere Entwicklung der europäischen Situation erfordern wird; sie beschließen daher» eine einheitliche Gruppe zu bilden«nd zu diesem Zwecke ein permanentes Organ für die gegenseitige Konsultierung zu erraten. Im zweiten Protokoll heißt eS: Alle drei Regierungen erklären in Anlehnung an die Beschlüsse» von welchen daS erste Zusatzprotokoll spricht, neuerlich ihre Entschlossenheit» in keine wichtige«, die politischen Verhandlungen über die Donaufrage mit der Regierung eines anderen Staates einzutreten, ohne vorher mit den beiden übrigen Regierungen in Fühlung getreten zu sein. Obwohl alle drei Regierungen sich über die Nützlichkeit der Entwicklung ihrer wirtschaftlichen Beziehungen mit den übrigen Donaustaaten vollkommen einig sind» erkennen sie dennoch an, daß eine solche Vertiefung vorläufig nicht ander-als durch bilaterale Verträge verwirklicht werden kann. Das dritte Protokoll bestimmt eine Ordnung für die regelmäßigen Beratungen. unsere volle llebereinstimmung lilir der Außenpolitik unseres Staates aussprechen, rufen wir die Arbeiter auf, den Kampf gegen den Faschismus mit gesteigerter Kraft fortzusetzen und sich zur Erhaltung und zum Ausbau der Demokratie zusammenzuschließen. Ganz im Sinne des Manifestes der Sbziä- listischen Arbeiterinternationale rufen wir darum die Arbeiter zur Sammlung in der sozialdemokratischen Partei, zum Kampf um ihre sozialen Rechte und um die Erhaltung der Demokratie im eigenen Lande auf, weil sie nur durch die Erhaltung und Sicherung der Demokratie und damit der Friedenspolitik des eigenen Landes dem Frieden und dem sozialen Fortschritt in der Welt zu dienen vermögen. Nieder mit der faschistischen Reaktion, nieder mit dem faschistischen Imperialismus! Es lebe der Friede, die Demokratie und der Sozialismus! Der Radio-Bortrag drS Genossen Jakfch beginnt nicht, wie irrtümlich angegeben war, Donnerstag um 19.50 Uhr, sondern bereits um 19.45 Uhr. Rudolf Prochäzka gestorben. Der bekannt- Musikschriftsteller und Komponist Rudolf Fr. Prochäzka ist Montag früh in Prag gestorben. Er war 1864 in Prag geboren, absolvierte die juridische Fakultät, studierte Musik bei Foerster, Fr- bich und Grünberger und war lange Jahre hindurch Landesmusik,referent von Böhmen. Auf seine Initiative ist die Gründung der Prager Deutschen Musik- Akademie zurückzuführen. Im Jahre 1930 wurde er mit dem tschechoslowakischen Staats^ preis ausgezeichnet. Von seinen Werken sind erwähnenswert: Mozart in Prag(1892), eine Biographie von Robert Franz, eine Biographie von Johann Strauß, das Orawrium„Christus", das beim vorjährigen Katholiken-Kongreß aufgeführt wurde und im Jahre 1901 entstand; gemeinsam mit Kothe schrieb er 1909 die„Populäre Musikgeschichte";„Das romantische Prag"; die Oper „Das Glück", welche 1898 in Wien uraufgeführt und unter Angelo Neumann im Prager Deutschen Theater mit großem Erfolg gespielt wurde, ferner viele Lftder und Kammermusikstücke. Die nachgemachte„Pfingstorgel".Im Egerer S t a d t t h e a t e r ist am 18. ds. erstmals das Stück„Die Pfingstorgel", eine bayrische Moritat von Lippi,-Musik von List, aufgeführt worden. Der Aufführung vorausgegangen ist eine Erklärung des Böhmerwaldschriftstellers Dr. Rudolf Kubitschek, daß der Verfasser die .Pfingstorgel^ der Erzählung„Die Bärenlocher Orgel" aus Kubitscheks Buch„Die Wald- ler" entnommen habe, ohne die- Quelle zu nennen, weshalb der Autor gegen die Aufführung des Stückes ohne Nennung seines Namens Protest erhoben hat. In der Angelegenheit hat der Schriftstellerverband Verhandlungen mit dem Prager Vertreter des bayrischen Schriftstellers Lippi geführt, und es ist schließlich'auch erreicht worden, daß die Ankündigung der Aufführung im Egerer Theater den Vermerk enthält:„Nach einer Erzählung von Dr. Kubitschek". Für das Egerer Theater selbst hat sich der Streit um die Autorschaft der„Pfingstorgel" recht günstig ausgewirkt, denn die erste Aufführung der Komödie wies einen ungewöhnlich guten Besuch auf, so daß sie sich bis zum Ende der jetzigen Spielzeit auf dem Spielplan erhalten dürfte. Die faschistische Lehrmethode in der erste» Mädchenbürgerschule in Teplitz-Schönau gelangte in der Sitzung des böhmischen Landesschulrates am Dienstag, den 24. März, zur Sprache. Gen. Dr. Strauß stellte unter Hinweis auf die Veröffentlichungen in der sozialdemokratischen Parteipresse an den Vizepräsidenten des Landesschulrats das Ersuchen, den Tatbestand festzustellen. Der Vizepräsident Dr. Dvoräk erklärte, der Landesschulrat werde die Angelegenheit genau prüfen und er werde in der nächsten Sitzung die Anfrage des Genossen Dr. Strauß beantworten. Ein entsetzlicher Plan. In Kolosoruk, Bezirk' Brüx, lebt die 24jährige verheiratete Taglöhnerin Anna Bitterling mit ihrem Kind; ein zweites Kind erwartet sie. Ihr Gatte hat sie verlassen und erklärte, nicht früher zurückzukehren, bis ihre Mutter Rosa Jungnickel, die mit ihrer Tochter in Hochpetsch lebt, und drei Häuser besitzt, seiner Gattin ein Haus überschrieben habe. Die Bitterling befürchtete, ihren Mann für immer zu verliere» und gelangte zu einem fürchterlichen Plane. Sie forderte einen Bekannten, den Arbeitslosen Karl Hansal aus, gegen eine Belohnung von etwa 4000 XL ihre Mutter und Schwester zu ermorden, worauf die Bitterling den ganzen Besitz zu erhalten hoffte. Hansal enthüllte jedoch den Mordplan einem Landwirt in Kolosoruk, der die Gendarmerie verständigte. Die Bit-. terAng wurde verhaftet. Sie ist geständig, den' Hansal zu dem Dopvelmord gedungen zu haben. Sie wurde dem Brüxer Kreisgericht eingeliefert. 141 Advokaten klagen die Wolf-Presse. Bor einigen Wochen brachte die Saazer Wolf-Presse mit ihren zehn Nebenausgaben einen mit„Dr. Troppauer" gezeichneten Artikel, der heftige und beleidigende Angriffe gegen den Advokatenstand enthielt. Die Advokatenkammer in Prag hat nun an die Advokaten in jenen Städten, in denen die Wolf-Blätter verbreitet sind, den Auftrag erteilt, Klagen gegen die Wolf-Presse einzubringen. Es haben nun wegen des obbezeicbncten Artikels„Los vom Advokaten" 141 Advokaten in Deutschböhmen den Wolf-Berlag geklagt. Seite 4 Mittwoch, 25. März 1836 Nr. 72 dteue postmsrleen ruzunLten 6er notleidenden ILInder Line dankenswerte Aktion der„Demokratie für das Kind“, der Postverwaltung und des Fürsorgeministeriums In einigen Tagen,— am 1. April— werden von der Postverwaltung neue Marken im Nennwert von 50 Hellern, einer und zwei Kronen ausgegeben werden, mit deren Verkauf eine Wohltätigkeitsaktion für die notleidenden Kinder in der Form verbunden, daß jeder, der eine solche Marke kauft, außer dem Nennwert noch 50 Heller zahlen wird(insgesamt also KL 1.—, i.50, 2;'5O). Da vier Millionen Stück ausgegeben werden, kann mit einem Reinertrag von zwei Millionen K€ gerechnet werden. Die Dkarken werden nur in den Monaten April, Mai und Juni erhältlich sein, doch ist eine Wiederholung der Aktion in Aussichtogenonunen. . In einer informativen Sitzustg erläuterte Dienstag Postminister TucnH der Tagespresse die Grundgedanken der Aktion, welche von der „Demokratie für das Kind" angeregt und von der Postverwaltmig im Einvernehmen mit dem Mrsorgeministerium in die Tat umgesetzt wurde. Der Minister hob hervor, daß die Post seit zehn Jahren keine Marken zu nichtpostalischen Zwecken ausgegeben hat, jetzt aber mit Rücksicht auf die besondere Wichtigkeit der Fürsorge für die Kinder von ihren Grundsätzen abgewichen ist. Sektionsrat Dr. Zaürel vom Fürsorgeministerium stützte sich in seiner Begründung der Hilfsaktion auf die Schilderung, welche Genosse Dr. Ezech im Gesundheitsausschuß des Abgeordnetenhauses von der Not der Kinder, ihrer Gefährdung durch Krankheiten und Hunger und von der Kindersterblichkeit gegeben hat. Prägnant faßte die Möglichkeiten der Mtion ihr Initiator, der Schriftsteller Dr. Karel Eapek, zusammen: Wer eine solche Marke kauft, zahlt eure Mit- tagssuppe für ein Kind. Für 100 verkaufte Marken kann ein Kinderkleidchen an geschafft werden. Das erste Land, welches Postwertzeichen zur Forderung von Fürsorgeinstitutionoir herausgab, war, wie Obersektionsrat Dr. Najemnik ausführte, Dänemark; ihm folgten nach und nach alle europäischen Staaten. Das unmittelbare Vorbild für die Tschechoslowakei'ist die Schweiz, welche die Aktion seit 1912 unter dem Motto „Pro juventute"(„Für die Jugend") durchführt. In den ersten Jahren nach dem Umsturz erschienen zwar auch bei uns Markenserien für verschiedene gemeinnützige Zwecke, doch kam man von dieser Hebung ich. Erst für" die Kinderfürsörge wird eine Ausnahme gemacht. Es ist hervorzuheben, daß die Organisationen der Postler, deren sozialer Fonds bei früheren. ähnlichen Anlässen stets einen Anteil an dem Erträgnis des Verkaufs erhielt, diesmal auf einen Anteil verzichtet haben. Für die neuen Marken wurde das Mänes- Bild„Jänner" aus dem Zyklus der Uhr auf dem Altstädter Rathaus gewählt, die Ausführung des Stiches wurde Boh. Heinz übertragen. Die Marken werden von der Graphischen Union durch Rotationstiefdruck hergestellt. Die nationale und politische Zusammenset-, znng der deutschen Gemeindevertretungen. Wie wir dem„Deutschen Nachrichtendienst" entnehmen, hat der Verband der deutschen Selbstverwäl- tungskörper in 2135 Mitgliedsgemcinden Erhebungen über die politische und nationale Zusammensetzung der sudetendeutschen Gemeindevertre- tnngen veranstaltet. Danach hatten die befragten Gemeinden insgesamt 30.422 Vertreter, von denen 28.644 deutscher, 1748 tschechischer und 30 jüdischer Nationalität waren. Politisch gehörten die meisten Geineindcvertreter, 8300, dem Bund der Landwirte an, 7510 der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, 3157 der Sudetendeutschen Partei, 3051 der Deutschen Christlichsozialen Volkspartei, 2555 örtlichen Wahlgruppen, 1703 den Kommunisten, 1333 der Deutschen Gewerbcpartei, 761 waren parteilos. Von den tschechischen Parteien ist in den deutschen Ge- meindevertretungen am stärksten die tschechische sozialdemokratische Partei mit 420 und die tschc- cknsche Ikationalsozialistische Partei mit 293 Mitgliedern vertreten. Die Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft ist durch 242 Gemeindevertreter vertreten. Der Senat erledigte am Dienstag in einer halbstündigen Sitzung ein Zusatzprotokoll zum Handelsvertrag mit Polen über die Verlängerung gewisser Zollbegünstigungen, sowie zwei Immunitäten. Bis zur nächsten Sitzung, am Donnerstag 12 Uhr mittags, werden die Ausschüsse u. a. die Bauförderung,, den Mieterschutz und die Novelle zum Kricgsbeschädigtengesctz vorbereiten. Der Präsident der Republik empfing am 24. März 1936 eine Deputation der Tschechoslowakischen Nationalbank unter Führung ihres Gouverneurs Dr. E n g l i 6. Ferner empfing der Präsident Vertreter der, tschechischen Technischen Hochschule in Brünn und Vertreter der deutschen Tech- nischen Hochschule in Brünn, sodann Minister Dr. Franke und schließlich den Schriftsteller Dr. Aarcl C a p e k. Erster telegraphischer Bilder-Empfang in der CSR vollzog sich am Montag In Prag Der Erfinder der Phototelegraphie, Professor Edouard Belin aus Paris, hielt am Montag in der Zentralbibliothek der Hauptstadt Prag vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft einen BorHamEr schilderte anschaulich die Entwicklung der Photo-Telegraphie, deren Anfänge in da? Jahr 1907 zuruckreichen. Durch eine Reihe gelungener Aufnahmen und technischer Bilder, ergänzte er den Vorträg, der nicht'nur für den Fachmann, sondern auch für den Laien höchst interessant war. Die Photo-Telegraphie ist, schon heute so weit entwickelt, da sich durch einen Ueber- tragungsapparat, der 20 Kilogramm wiegt, von einer beliebigenStelle, wo sich das Telephon befindet. Bilderübertragen lassen. Die meisten Städte in Europa sind bereits mit einem Sendeapparat ausgestattet, in L o n d o n und in Paris hat besonders die Tagespreis e eigene Sende» und E m p f a n g s a p p a r a t e. Neben den meisten europäischen verfügen auch die außereuropäischen Staaten über Sende- und Empfangsapparate des Systems Belin oder des Systems Siemens-Halske. Prag hatte bisher weder die Möglichkeit zum Senden noch zum Empfang von Bildern. Nach dem Vortrag gab Ministerialrat KuLera einen Ueberblick über den Tarif für die Uebertragung aus Prag. So kostet ein Quadrat» Arbeit für die sudetendeutsche Zukunft Die Deutsche L a ndesko m m i s- s i o n für Kinderschutz und Jugendfürsorge gab bei einer Pressebesprechung der sudetendeutschen Oeffentlichteit Aufklärung über die Art und den Umfang ihrer Arbeit, über die vielfach noch nicht genügend Klarheit herrscht. Zunächst handelt es sich darum, die irrige Auffassung zu berichtigen, daß die Landrskommisston eine Behörde ist: sie ist eine autonome, überkonfessionelle und überparteiliche, private Organisation, die sich den gesundheitlichen und moralischen Schutz der sudetendeutschen Jugend zur Aufgabe gestellt hat und vom Staate, der die Bedeutung ihrer Arbeit anerkennt, ebenso wie von den Gemeinden Zuschüsse erhält— im wesentlichen aber auf die Beiträge ihrer Mitglieder-angewiesen ist.-In seiner Eröff-- mmgsansprache wies Genoss« Anton- S ch ä s e r (Reichenberg) darauf hin, daß infolge der verschlechterten Finanzlage, insbesondere der Gemeinden, die öffentlichen Zuschüsse seit Jahren immer geringer geworden sind und daß deshalb die Deutsche Landeskommssion stärker noch als bisher guf die Unterstützung, des Oeffentlichkeit angewiesen iss. Die Arbeit der Landeskommission erstreckt sich auf alle Gebiete der Kinder- und Jugendfürsorge. Sie unterhält,^wie Professor Max K ü h n(Reichenberg) berichtete, sieb e n Erziehungs h e.i in e,..in denen elternlose oder verwahrloste Kinder erzogen und beruflich ausgebildet werden: das Kleinkinderland in Reichenberg, die beiden Hugo Heller-Erziehungsheime in Hohenelbe, das Mädchenerziehungsheim in Libock a. d. Elbe, ein Heim mit eigener Schule bei Aussig,«ins in Ossek und das Theresien- jugendheim in Schönlinde. Zusammen mit den in fremden Anstalten, in der Landwirtschaft, in der Krüppelfürsorge, in Pflegefamilien und durch Adoption untergebrachten Kindern wurden iM vergangenen Jahre 3355 Kinder mit einem Ko- stenauftvand von 1,154.559 K£ betreut. Wie Direktor Eduard R o h n(Reichenberg) betonte, hat die Schule den Wert und die Bedeutung der Deutschen Landeskommiffion seit langem erkannt und sucht ihre Arbeit durch Schulsammlungen nach Kräften zu fördern. Wie groß die erforderlichen Mittel sind, ging aus einem Lichtbildervortrag von Dr. Robert Gol- l i t s ch e k hervor, der erwähnte, daß die Deutsche Jugendfürsorge im vergangenen Jahre in mehr als 300.000 Fällen mit 22 Millionen KL geholfen hat. Eine Summe, die nicht erstaunlich ist, ivenn mau die Arbeitsgebiete erfährt, auf die sie sich erstreckt: Gesundheitsfürsorge(insbesondere Mutterberatung), Erziehungsfürsorge, Rechtsfürsorge(durch Ucbernahme der Berufsvormundschaft und der Jugendgerichtshilfe), Berufsfürsorge(insbesondere Berufsberatung), Ernäh- rungs- und Bekleidungsfürsorge(besonders für die Familien der Arbeitslosen) und die Schaffung von Heimstätten und Arbeitsgemeinschaften für jugendliche Arbeitslose, die im Auftrage des Ministeriums für soziale Fürsorge gerade jetzt errichtet werden. Es handelt sich, wie der Vortragende betonte, hier nicht um beschauliche Wohltäterei, sondern um die Zukunft des sudctendcutschen Volkes, dessen Lebensquell seine gesunde, heute aber durch die wirtschaftlichen und moralischen Folgen der Krise bedrohte Jugend ist. Die Mitgliedschaft bei der Deutschen Landeskommiffion für Kinderschutz und Jugendfürsorge ist schon für 10 KL jährlich zu erwerben; da bisher erst 3% der sudetendeutschen Bevölkerung Mitglied der Landeskommission ist, besteht Grund genug, die Werbung für diese Organisation zu verstärken und zu unterstützen. zenftmeter für die Äeberirägnng nach Berlin'85 Heller, das Minimum beträgt 100 Quadratzentimeter, demnach 85 KL, das größte Bild, das über- trag'en werden kann^ darf 13X18^Zentimeter groß sein. Bilder ppn, 100 Qgadrakentimeter kosten ferner: Bon Prag nach Wien 85 KL, nach Stockholm 200 KL, nach'London 250 KL, nach Paris" und Brüssel-140 KL, nach Argentinien 880 KL, nach den'Vereinigten Sftläten'shier beträgt das Minimum 150 Ouadratzentimeter) 2200 KL. Außer Bildern können allerdings z. B. auch Verträge usw. gesendet werden. Hierauf wurde zum E m. p f a n g von B i l d e r n geschritten. Es waren die ersten Photographien, welche auf telegraphischem Wege in unserem- Staate- empfangen wurden. Das erste war ein Bild aus Paris, eine Ausnahme des Gesandten O s u s'k h, das zweite ein Bild von dem B e g.r ä b y i s, B e n i s e los in Paris. Von Berlin wurde, ebenfalls versuchsweise, ein Bild, von den P sie r d« r.e n n e n», und schließlich, von..Brüssel, ein Bild, von einem im Hafen von Antwerpen gescheiterten. S ch t"f f gesendet. Die Bilder wären durchwegs 13X18-' Zentimeter groß.- Die- Uebertragung eines Bildes dauerte nicht ganz 12 M i nu t e n. Alle Bilder waren sehr, deutlich und konnten selbst vom Fachmann nicht vom Original unterschieden werden. Radiovortrag Dr. Vzechs entfällt.,. Das Tschechoslowakische Rote Kreuz meldet: Der Vortrag,, den Minister Dr- Czech' heute, Mittwoch, abends im. Friedenszyflus des Roten.Kreuzes „Gesunde Leute den Kranken" hatten sollte, wird auf den Monat A p r i l verschoben. Genossenschaften und unlauterer Wettbewerb. Eine bürgerliche Presseagentur verbreitet« vor kurzem die Meldung, daß auf Grund einer oberstgerichtlichen Entscheidung«in allfälliger Verkauf in Genossenschaften an Richtmftglieder als unlauterer Wettbewerb geahndet wird. Diese Meldung wurde, auch vom.„Prager.Tagblatt" und. von der „Zeit" übernommen,, wobei' her nichiinformierte Leser den Eindruck erhielt, daß er sich um eine erst jüngst ergangene Entscheidung handle. Vom Verband deutscher Wirtschaftsgenossenschaften wird uns dazu mitgeteilt, daß die oherstgerichtliche Entscheidung bereits vor mehr als zwei Jahren erfloffen ist und heute k e i n gelt e n des Recht mehr darstellt, da durch die Regierungsverordnung Nr. 116 vom 19. Mai 1935 ausdrücklich festgesetzt wird, daß ein allfälliger Per- kaüf'an Nichtmitglieder mit'den guten Sitten des Wettbewerbes n i ch t im Widerspruch steht. Leitergerüste bei Anbringung neuer Fassaden unzulässig. Gegen den Standpunkt der Landesbehörde, daß Fassadenarbeiten an bestehenden Gebäuden zu den.leichten Artbeiten gehören, sind die in Frage kommenden Gewerkschaften beim Fürsorgeministerium vorstellig geworden. Auf Grund dessen hat.das Ministerium nunmehr den Standpunkt eingenommen, daß diese Fassadenarbeiten nicht-zu den leichten Arbeiten gehören und daher dürfen bei deren Ausführung keine Leitergerüste verwendet, werden. Statthaft ist nur die Benützung breiter, dichter Fußböden. Das Programm der Postverwaltung für das heurige Jahr ist sehr reichhaltig. Es werden am l.Mai Gelegenheitsmartken zum 100-Todestag des Dichters K. H. Mächa ausgegeben werden, ferner wird Mitte Mai die Ausgabe von Porträtmarken mit neuen Sujets und'mit dem Porträt des Präsidenten Dr. Benes- sowie mit dem Bilde Ko- menskH-erfolgen. Weiter wird die Postverwaltung neue Freimarken mit neuen Landschaftsmötiven ausgeben. Daneben werden noch Heuer neue Freimarken mit neuen Sujets, welche die Marken mit Aus der Arbeiter-lurn* und Sportbewegung Besinn der FuBbalUMeifterschaft im 5. Atus-Kreis Mit 2 9. März beginnt die Meisterschaft deS 5. Kreises,' deren Spieleknteilüng schon betänntge- gebrn wurde. Es ist deshalb jeder Funktionär und Sportler verpflichret, die Verlautbarungen genau zu verfolgen. Tie-Schiedsrichter haben am Platze pünktlich zu erscheinen und die Berichtsbogen am selben Tage der zuständigen Gruppenleitung zu Lbernütteln, nur dann ist eine erfolgreiche Berichterstattung möglich. Die Solidaritätsspende-Aktion ist von den Bezirksspielleitungen genauest zu organisieren und monatlich der Kreisleitung abzurechnen. Unsere Parole muß sein:„Alle arbeitslosen Fußballer zum Bundesfest nach Komotaul" Ta auch neue Adressenverzeichnisse angelegt werden, werden alle Bezirksspielleiter ersucht, das gesamte Adressenmaterial der Vereine und Hauptfunktionäre der Kreisleitung einzusenden. Es wollen jedoch nur verläßliche Schriftenempfitnger bekanntgegeben werden.. Tie Serien-Einteilimgen werden im Laufe der nächsten Woche den Bezirken zugesandt. Die Kurse für die Fußballerübungen zum Bundesfest in KoMotau, welche der Bund durchführt, sind von allen Sportlern zu besuchen. Meisterschaftsspiele am 29. März im 5. Mittelkreis Gruppe IV: Prosetitz gegen Pihankcn, Klein- äugezd gegen Ladowitz, Weiskirchlitz gegen Langu- gest,' Dux gegen Graupen. Spielfrei: Zückmautel. Gruppe V: Eichwald gegen Tischäu, Neuhof gegen Kkemusch, Sobrusan gegen Wisterschan. Spielftei i.'Wohontsch. Erstgenannter Verein ist immer der Platzgeber. Anstöß nach Vereinbarung der Gruppenleitung, sonst 3 Uhr nachmittags. Anstoßänderungen müssen vor allen dem Kreisschiedsrichterobmann, Genossen Seemann, und der Kreisspielleitung bekanntgegeben werden. Die Kreisspielleitung. dem mittleren Staatswappen ersetzen werdew sowie neue Zeitungsmarken ausgegeben werden. Dieses umfangreiche Programm beginnt die Postverwaltung mit den neuen Wohltätigkeitsmarken, die bereits am 1. April zum Verkauf gelangen werden. Die Wetterverschlechterung ist aus den Alpenländern in Begleitung einer vorübergehenden leich- ten Abkühlung über unsere Gegenden vorgedrungen. Eine kleine Drnckstörung, welche diese Verschlechterung veranlaßt hat, zerfällt bereits. Bei überwiegend südlicher bis südwestlicher Luftbewegung dürfte es zunächst noch im allgemeinen relativ warm bleiben. Von der Ostsee beginnt jedoch langsam gegen Deutschland- kühlere- Luft zuzufließen: In der Ikähe einer Wärmegrenze wird die weitere Ent- wicklung des Wetters später unsicher werden.— Wahrscheinliches Wetter heute: Wechselnd bewölkt, vorwiegend niederschlagsfrei, Temperatur wenig verändert. Vom Rundfunk iMPtahlaniwurtM aus den ProaruMMi Donnerstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 11.05: Salonkonzert, 12.10: Operngesänge, 17.15: Lieder, 17.45: DeMsche Sendung: Für die Jugend, 18.45: Deutsche Preisse, 19.10: Englisch für Anfänger, 20.05: Konzert des tschechoslowakischen Rundfunks, 22.15: Salonorchesterkonzert.— Sender S: 14.15: Deutsche Sendung: Dr. Sturm: Heute muht Du bauen,— Vorlesung aus Büchern, 19.10: Volkstümliches Konzert.— Brünn 17.40: Deutsche Arbeitersendung: Fritz Perlsee: Zur Erinnerung an Wilhelm Liebknecht, 19.25: Chorkonzert.— Preßburg 18.35: Märsche auf Schallplatten.— Kaschau 15: Rundfunkorchesterkonzert, 17.35: ungarische Lieder.—• Mährisch-Ostrau 16.10: Nachmittagskon- zert, 19.10: Deutsche Sendung: Erwin Ott: Aus eigenen. Werken,—. Schallplatten. Fisdimarkt unter Wolkenkratzern Ein malerisches Bild vom Fulton-Fischmarkt in New D o r k, der nach dem Dillingsgatcr Fischmarkt in London als der größte Fischmarkt der Welt gilt. Im Hintergrund die ragenden Wollenkratzer von Manhattan. Nr. 7S Mittwoch, 25. März 1936 Seite 5 -7 Unvorsichtige Automobilfahrer verschuldeten am vergangenen Sonntag auf der Staatsstraße im Gebiet von Iiöin zwei ernste Unfälle. Bon einem Prager Auto, dessen Lenkerin keinen Führerschein hatte, wurde die 15jährige Ludmila Pospisilovä aus Zeleznice, die auf dem Fahrrad von einem Ausflug zurückkehrte, überfahren. Sie erlitt einen Bruch des rechten Fußes. Ein unbekanntes Auto riß den Soldaten der Er- satzkompagnie des Inf.-Reg. 22 Franz Kadanek zu Boden; er erlitt einen Beinbruch. Der Wagenführer löschte sofort die Lichter aus und verlangsamte die Fahrt, fuhr aber dann davon und kümmert.e sich nicht um den Verletzten.— Auf der Staatsstraße von Jiöin nach Sobotka gibt es einige gefährliche Stellen, weshalb die Auwmobilisten größte Vorsicht walten lassen müssen. Evidenz der Fahrräder in den Händen eines Betrügers. Die Nächoder Gendarmerie machte dieser Tage den 27jährigen Josef Bergmann aus Teplitz-Schönau wegen unerlaubter Durchführung der Evidenz von Fahrrädern und des Verkaufs von Erkennungsmarken stellig. Bergmann gab sich, als Redakteur der Zeitschrift „Üstkedni kolatü" in Königgrätz aus und suchte die Besitzer von Fahrrädern auf, denen er laut einem gefälschten Auftrag des Innenministeriums Erkennungsmarken zuteilte. Für die angebliche Amtshandlung und die Tafel hob Bergmann 4 bis 7 Ke ein. Er begann seine Tätigkeit bereits im August v. I. in Königgrätz und setzte sie in Eipel fort, wo er überall gute Geschäfte machte. Die eingehobenen Beträge sandte er an ein Geldinstitut in Königgrätz. Bei seiner Verhaftung wurden 98 für Nächod vorbereitete Tafeln bei ihm gefunden. Bergmann war auch mit einer scharfgeladenen Pistole versehen, ohne im Besitz eines Waffenpasses zu sein. Der Betrüger befindet sich jetzt in der Haft des Bezirksgerichtes in Nachod. Gnadengesuch für Hauptmann. Gouverneur Hoffnmn hat dem Generalanwalt Wilentz in einer Besprechung vorgeschlagen, daß sie beide das New- Jerseyer Begnadigungsgerichb ersuchen wollen, das Todesurteil gegen Hauptmann in lebenslängliche Gefängnisstrafe umzuwandeln. Grauenhafte Ueberschwcmmungsfolgen. Nach der letzten Berechnnung beträgt der durch die Ueberschwemmungen in 13-nordamerikanischen Bundesstaaten angerichtete Gesamtschaden 507 Millionen Dollar. 429.000Menschen find obdachlos geworden. Etwa eine halbe Million Arbeiter ist mit dem Wiederaufbau der heimgesuchten Gebiete beschäftigt. Insgesamt sind 17 1 Menschen bei den Ueberschwemmungen umgekommen.— Das Hochwasser des Ohio-FlusseS hat am Montag weite Gebiete von Kentucky in der Nähe von Lousswille überflutet. Ein Wirbelsturm hat verschiedene Ortschaften Süd-Missouris heimgesucht und zahlreiche Häuser zum Einsturz gebracht. Zwei Personen wurden getötet, sechs schwer verletzt. Der Sachschaden ist sehr groß. In Mittel-Oklahoma richtete ein Sandsturm großen Schaden an. In verschiedenen Ortschaften mußten die Schulen geschlossen werden. Sowjetflüge zum Franz Josephs-Land. In den nächsten Tagen gehen in Moskau die beiden sowjetrussischen Flieger Wodopjanow und N a ch o t k i n auf zwei eigens für Arktisflüge eingerichteten Flugzeugen zu einem Flug nach dem Franz Josephs-Land an den Start. Sie fliegen über Nowaja Semlja. Es ist dies der erste Flug vom Feslland aus nach dem Franz Josephs-Lande. Die Flieger haben eine Strecke von 650 Kilometern über dem Meere zwischen Äowaja Semlja und der Fichaja-Bucht zu überfliegen. Opfer der Eisenbahn. Nach einer Meldung aus Deutsch-Feistritz wurden der Schlossermeister Eduard W a z e t von der Signalstreckenleitung der österreichischen Bundesbahnen' und der Werkführer Johann H u m m e l e, beide aus Villach, bei der Arbeit auf der Eisenbahnstrecke in P e t- tau von einem Triebwagen überfahren und auf der Stelle getötet.— Aus Rosenbach in Kärnten wird gemeldet, daß infolge unrichtiger Verschiebung auf dem dortigen Bahnhof der Verschubtcil eines Gütcrzuges in das Heizhaus fuhr und die Mauer der anschließenden Kanzlei eindrückte.. Durch den Anprall wurde das Haus niedergerifsen und der Heizer Gustav Hofer getötet.— In der Nacht auf Dienstag entgleisten auf dem Bahnhöfe in Panical e einige Wagen eines Personenzuges auf der Strecke Rom—Florenz. Hiebei wurden dreiPersonen, darunter zwei Eisenbahnangestellte, getötet und 20 Personen leicht verletzt. Erste Fahrt der Queen Mary..Bei sehr schönem Wetter und günstigem Winde trat am Dienstag vom Dock der Firma' Clydein Glasgow per majestätische Dampfer„Queen Mary", der Stolz der britischen Flotte, zur ersten Fahrt nach Greenock an. An der Küste hatten, sich gegen ejne Million Zuschauer versammelt, die das in See stechende■ Schiff begeistert begrüßten. Tauben Völkern ins Ohr geschrien! Großes Auflehen hat in London der Selbstmord eines Kriegsinvaliden aus dem Weltkriege, Charles Peers, erregt. Peers hat sich erhängt und einen Ärief hinterlassen, in dem er ausführt, daß ihm ein weiteres Leben sinnlos scheine, nachdem\ der Krieg und die Opfer und Leiden der Mensch- I heit nicht dazu geführt haben, solche Katastrophen in Zukunft unmöglich zu machen, sondern viel- j mehr heute wie niemals zuvor die Kriegsgefahr unmittelbar droht. 1 t Internationaler Landstrcicherkaugrrß. In verschiedenen Staaten der Welt existieren Verbände von Landstreichern,, aber keiner ist so aktiv wie die unter dem Vorsitz des„Königs der Bett- i ler" Jeffe Davis stehende amerikanische Orga- Inisatton. Zu Ehrenmitgliedern dieser Organisation gehören schon lange Chaplin und Dempsey. Davis hat nun für August nach London eine Internationale Tagung aller Landstreicher der Welt zusammenberufen. Dieser Ruf richtete sich an Volkswirtschaft und Sizialpilitik Die Konsumgenossenschaften gegen das Frühkartoffel-Syndikat Gegen die Errichtung eines Frühkartoffel- Synkikats wenden sich die Genossenschaften in einer Kundgebung, welche an einige Ministerien gerichtet wurde. In diesem Protest heißt es u. a.: Die vorgeschlagene Regelung des Anbaues und des Handels mit Frühkartoffeln bedeutet nichts anderes als die Schaffung eines neuen Monopols und würde eine Verteuerung dieses Lebensmittels zur Folge haben, da ja der Zweck der Vorlage nur darin liegen kann, daß dem Produzenten hohe Preise gesichert werden. Wir stehen auf dem Standpunkte, daß den Produzenten von Frühkartoffeln auf Kosten der Verbraucher bereits ein weitgehender Schutz gegeben wurde, der darin besteht, daß die Einfuhr von Frühkarwffeln aus dem Auslande, die vor fünf Jahren noch bis zum 30. Juni möglich war, in der Folge bis zum. 23. Juni und im Jahre 1934 sogar nur bis zum 14. Juni beschränkt wurde. Die Einfuhr muß also gerade zu einer Zeit beendet sein, wo ausländische Ware am billigsten ist. Dadurch, daß einerseits Auslandkartoffeln nach dem 14. Juni nicht mehr importtert werden können, anderseits aber noch keine Jnlandware vorhanden ist, enffteht auf den Märkten eine Warenknappheit, die es den Kartoffelproduzenten er- möglicht, für ihre erste Ware wesentlich höhere, oftmals sogar ganz unangemessen hohe Preise zu erzielen. Aus all diesen Gründen könne« wir als Vertreter der Verbraucherintereffen nur erklären, daß wir uns mtt aller Entschiedenheit gegen die Ge- setzwerdung dieser Regierungsvorlage Aber die Regelung des Anbaues und des Handels mit Frühkartoffeln stellen und mit Rücksicht auf die Notlage der Arbeiterschaft verlangen, daß die bisherige freie Bewirtschaftung bewehalten und daß die zollfreie Einfuhr aus dem Auslende tme vor fünf Jahren bis zum 30. Juni verlängert wird. Kein Verkauf an das Eisenkartell. Daö Eifentarteü bemühte sich,-..von" der' Gemeinde Rokizan die Essenwerke zu erwerben. Der Stadtrat hat daö Ansuchen abgelehnt und beabsichttgt, die Eisenwerke selbst weiterzuführen. üustaack Die versäumte Gelegenheit von 1919 Die Baseler„Nationalzei- t u n g" befaßt sich in einem Leitartikel mit den „großen Defiziten der Gegenwart". Ueber die fehlerhafte Anlage des Friedens von Vers a i l l e s und über die ihrer Meinung nach unglückliche Lösung des Donauraum-Problems schreibt die angesehene Schweizer Zeitung ü. a.: t „Der Ausbruch des Krieges von 1914 war. ein Unglück, das in seiner wirklichen Größe viel» leicht überhaupt noch niemand erkannt hat. Und Begegnungen In drei Ländern Ich sitze inmitten der Bauern in einer kleinen südtiroler Gastwirtschaft, unweit von Bri- xen. Es ist die Zeit unmittelbar nach dem Inkrafttreten der Sankttonen. Ich hatte in den vorangegangenen Tagen Gelegenheft gehabt, zu verwachten, wie man aus den Sanktionen rin Mittel der Kriegspropaganda machen kann. „Sanzionamo i sanzionistil".(Sankttonie- ren wir die.Sanktionen!) schreien Plakate, sn allen Ladenfenstern...Au.;' um Äug', Zahn um Zahn!"—„Es lebe Italien! Es lebe der Duce!" Ueber den Toren der proviscrischen Kasernen macht sich«in Radauheroismus breit:) !,Credere— obedire-— combattcre!" r(Glauben •— gehorchen— kämpfen!). Und gegenüber der Kirchcntüre in Traniin liest man folgendes bombastisches Glaubensbekenntnis:„Wir glauben an den Duce, weil wir an Gott glauben!" Nun beobachte sch meine. Nachbarn in der Gastwirflchast, kernige,, wortkarge Leute. In der Zeitung'lese ich gerade eine neue PrÄlamation an Hausfrauen und die Besitzer von" Lebensmittelgeschäften. Es wftd zu größter Sparsamkeit mit dem Umschlagpapier aüfgefördert— viele Waren, so wird gesagt, lassen sich ohne Verpackung nach Hause tragen. Also: Hausmütter, tut euere Pflicht!^' „Hat man wirklich so wenig Papier in Italien, daß dies nötig ist?" frage ich meinens Nachbarn. nicht weniger als 800.000 Mitglieder der verschiedenen Verbände, und man nimmt an, daß viele Tausende sich Monate vorher auf die Wanderschaft begeben, um rechtzeitig nach London zu gelangen, Uebrigens ist der Kongreß beschlossen worden, ohne daß die Londoner Polizei vorher, um Genehmigung befragt wurde. Jeffe Davis verspricht auf.dem Kongreß eine Reihe von sensationellen Enthüllungen und„wundervollen" lleber- raschungen zu bieten. die Art und Weise, wie dieser Krieg 1918/19 in einen Friedenszustand übergeführt worden ist, hat dieses Unglück nicht verkleinert. Nordamerika ist zwar, nicht aus Liebe zum Recht, sondern aus Sorge um seine Kriegsanleihen, seinen Schuldnerstaaten zu Hilfe gekommen. Aber diese Hilfe hat mit dem Kapitulationsangebot Deutschlands sofort aufgehört. Es konnte nicht dazu gebracht werden, aus dem preußisch-deut« s ch e n Waffen st ill st andsan gebot dieeinzigrichtigeFolgerungzu ziehen, das deutsche Heer zu entwaffnen, Deutschland zu besetzen und den Frieden, st att zu Versailles» dort zu schließen, von wo der. Krieg ausgegangen ist, z u Potsdam. Dann hätte die deutsche Nation daran geglaubt und es begriffen, daß sie den Krieg verloren habe. Dann aber hätte man ihr auch einen gerechteren und für sie s elber besser sorgenden, ihre Zukunft glücklicher gestaltenden Frieden als den von Versailles anerbicten müssen. Hätte die Rechts- und nicht nur die Selbstschutzidee den Frieden, von 1919 geschaffen, so hätte er die abendländische Entwicklung dem unheilvollen Banne der Bismarckschen Gewaltpolitik, die bei Königgrätz erfolgreich einsetzte und von dort ihren Siegeszug genommen hat, entzogen. Statt dessen hat der F r i e d e vonDersailles- S t..G e r-m a i n- T r i a n o n denjeni- genvonPrag vom 23. August 1866 vollendet und Oesterreich zertrümmert! Diese- wurde als rem.deutscher Kleinstaat mit einer der Voraussetzung ihrer Größe entrissenen Hauptstadt zur schutzlosen Beute des nun erst recht konzentrierten, nationalistischen Deutschlands zuwegge- schnittrn. Daß dieses Oesterreich, ohne eigener! Staatsgedanken, ohne eigennattonale TraditioU derAnschluß- manieü er fällen mußte, wurde nicht überlegt, nur die notwendig psychologische Wirkung aus einer solch ungeschichtlichen und irrigen Anordnung, eben der Anschluß, juristisch verboten und damit im Prinzip bereits der Keimzuneuen Kriegen gelegt. Man hätte ebensogufl Polen, die Tschechoslowakei^ Kroatien-Slowenien als selbständige Nattonalstaaten innerhalb einer mitteleuropäischen Föderation gruppieren können, zusammen mit einem ungeteilten Ungarn, und, als selbständige- Staaten, mitten druflchsprecheNden österreichischen Ländern sowie eventuell den süd- und mitteldeutschen Bundesstaaten. Ein solcher öder ähnlicher mitteleuropäischer Bund hätte mit keinen Kriegslasten belegt werden dürfen. Er wäre sofort in den Völkerbund aufzunehmen gewesen. Man hätte jedem einezlnen seiner Bundesländer die Haltung einer Miliz gestatten, dem ganzen Gebiet Neutralität gewähren und es darauf verpflichten sollen." Personalveränderrmgen in Japan. Da- japanische Kriegsministerium gibt bekannt, daß al- Folge der Ereignisse vom 26. Feber l. I. wichtige Personalveränderungen in der japanischen Armee, im Generalstab, im Kriegsministerium und bei den Truppenkommandos zu verzeichnen sind. Der Personalwechsel in der Umgebung der Kaisers ist jetzt abgeschlossen. Zum Flügeladjutanten wurde Generalleutnant Usa- mis als Nachfolger des Generals Honjo ernannt. Nachfolger des Hofmarschalls Zzuzuki dürste der bisherige Minister der Kriegsmarine, Usumi, werden. Finster grcAt er: „Vielleicht— aber soviel Papier werden wir auf jeden Fall aufbewahren, daß Mussolini darauf sein Testament schreiben kann!" Spricht's, trinkt aus und geht, in der Sorge, am Ende zu viel gesagt zu haben... Das war Italien... * In Garmisch-Partenkirchen komme ich zufällig einige Tage später mit einem Einheimischen ins Gespräch, einem Manne in landesüblicher Fracht, der sich aber schließlich als Akademfter entpuppt. Er hat offensichtlich mit der Katholischen Aktion zu, tun gehabt und weiß in allen einschlägigen Fragen gut Bescheid. Sein Steckenpferd ist die unausrottbare bayerische Abneigung gegen Preußen. Er möchte gerne nach Schweden ressen, aber seine Ueber« zeugung verbietet ihn, durch Preußen zu fahren. Im Knopfloch trägt er ein Fähnlein in den bayerischen Farben blau und weiß. ^>alb ironisch frage ich ihn, ob er nicht wisse, daß die verschiedenen Landesfarben seit dem Nürnberger Flaggengesetz nicht mehr gezeigt werden dürfen. Eine fast dramatische Geste begleitet seine Antwort: „Herr, Blau und Weiß,sind die Farben des Himmels! Mögen die Nazi noch so tüchtig sein — so tüchtig sind ste nicht, daß sie zu einem Verbrechen stempeln können, wenn man sich zur Farbe des Himmels bekennt!" Das war in Deutschland... Ausreden lassen!- Ich wollte sagen: ausgesprochen minderrassig muß der sein, der diesem Kopf nicht die edle Rasse ansieht. Abenteuerliche Zechprellerei Prag. Der 37jährige Franz Novh. seinerzeit Inhaber einer größeren Agenturfirma, hat es mit den Grundsätzen kommerzieller Anständigkeit nicht eben ernst genommen. Ungeachtet feiner bisherigen formellen Unbescholtenheit faßte er gestern wegen allerlei Kautions- und Lieferungsschwindeleien zehn Äionate schweren Kerkers aus, und zwar unbe- dingt. Das Interessanteste an diesem Fall ist eine kleine Episode, die nur nebenbei erwähnt wurde. Eine ebenso unwahrscheinlich anmutende als charakteristische Episode, die beweist, was«in taleMierter Betrüger der menschlichen Leichtgläubigkeit zumute» darf. Der besagte Herr wurde im Spätherbst, nachdem er einige Wochen in Untersuchungshaft verbracht hatte, auf freien Fuß gesetzt. Er begab sich in eine Restauration in der Nähe des Kreisgerichtes, wo er, obwohl er kein Geld bei sich hatte, gut zu Mittag aß und nebst einigen Pilsnern zehn Acavvtische konsumierte. Dann rief er den Kellner— einen jungen, noch ziemlich unerfahrenen Menschen— und sagte ihm mit großer Selbstverständlichkeit:„Herr Ober, ich kann nicht zahlen. Ich komme nämlich aus der Untersuchungshaft und habe also kein Geld bei mir." Der Kellner erstarrte.„Ich bin Direktor Novh und hatte eine politische Sache..Und nun ging es los. Er besitze eine Billa in Karlsbad, sei Inhaber der Firma soundso und habe bloß deshalb kein Geld bei sich, weil er unvermutet entlassen wurde und die Banken schon gespertt seien. Er werde dem Kellner aber einen Scheck ausstellen. Und mit großer Geste zog er ein Scheckbuch aus der Tasche! Der junge-Kellner< wurde schwankende Das Scheckbuch imponierte ihm,' denn er wußte nicht, dastt das Bankkonto des Herrn Novy keinen Heller wert war. Der Betrüger bemerkte den günstigen Eindruck und begann seinen Mann nun erst richttg zu bearbeiten. Kurz und gut: die Sache endete damit, daß der Kellner nicht nur die Zeche von 28 fli kreditierte, sondern dem„Herrn Direktor" auch noch 100 Kc lieh, weil dieser nicht anders als per Lari heimfahren und außerdem noch ein paar Groschen für alle Fälle bei sich haben wollte. Dafür stellte ihm Novh nicht nur einen Scheck über den Schuldbettag (plus 50 XL Trinkgeld) aus, sondern gab ihm noch eine weitere erstklassige Sicherstellung, nämlich feinen Sttafakt, der durch die vielen gestempelten Pavierei den armen Ober als guter Pfand erschien. Dabei bemerkte der Betrüger noch mit wichtiger Miene: „Mensch, dieser Akt ist Tausende wert!"- Der bettrauensselige Kellner beruhigte sich um so eher, al- er in der Gerichtkanzlei erfuhr, daß der. vorläufig Haftentlgffene tatsächlich einen sicheren Wöhnott und vermutlich auch noch etwas Vermögen habe. Aber Novks ließ nichts mehr von sich hören und mußte schließlich auch vmn Gericht gesucht werden, ehe man ihn neuerlich und diesmal endgültig hinter' Schloß und Riegel setzte. Sein Geld hat der Kellner allerdings nicht wieder gesehen. rb. —| In einem Wiener Kaffeehaus beobachte ich ihn, den Mann vom„kcmmcnden Groß- Oesterreich Ein k. u. k. Hauptmann a^.P., 1105 lang und ebenso geräuschvoll wie groß. „Glauben Sie mir", donnerte er seine Zuhörer an,„ich bin Realpolitiker! Es gibt keinen dauernden Frieden in der Welt, ehe wir die ästeste und sauberste Bssitenkarte offen auf-en Tisch legen, die Karte, auf der ein einziges Wort steht: „Habsburg!" ' Seine Zuhörer sttmmten teils bewundernd, teils nur verwundert zu. Jedenfalls hat man hier im Lande wenigstens Narrenfreiheft, denke ich, wenn man schon keine andere Freiheit hat. Eines Tages bringt der Mann schwarzes und gelbes Papier und Schere und Klebegummi mit und j^ginnt eifrig zu arbeiten. Neugierig folgen meine Blicke seinem Tun. Er schneidet fleine Papierstückchen aus Und klebt sie zusammen zu kleinen Fähnchen, die er den Angehörigen feines Kreises gibt. Seine Augen begegnen meinen, entdecken meine Neugier. Er deutet sie falsch und kommt zu meinem Tisch herüber. „Mein Herr» sicher wollen auch Sie diese sauberste Fahne der Weügeschichte offen der Welt zeigen!" Und stolz lächelnd dekottert er mich, ehe ich den Mund zum Widerspruch öffnen kann, mit dem Papierfähnchen und zieht sich zufrieden an seinen Tisch zurück. Das war Oesterreich.., Alm. Leite 6 „Sozialdemokrat" Mittwoch,?si. März 1936. Nr. 72 Unk«» venn„Vun6erdrunnen- Gestern nachmittags entstand beim„Wunderbrunnen" in einer der Buden am Karlsplah, die der Julie Jirouch aus Prag VII gehört, ein solcher Menschenandrang, daß das hölzerne Geländer brach und der 48jährige Brauer Ferdinand Furch uns Äuchelbad sowie der 20jährige Autoklempner Ja- roslaus Eervenka aus Prag II in den„Brunnen" stürzten. Sie wurden auf die Klinik Jirasek gebracht; Eervenka ist nur ganz leicht verletzt. Furch hat eine Gehirnerschütterung und zahlreiche Quetschungen erlitten. Das Verfahren wurde eingeleitet. Zwei Knaben überfallen. Vorgestern abends nach 8 Ilbr fanden fich zwei 16jährige Lehrlinge auf der Klinik Jirasek ein, von denen der eine ein« Stichwunde im Rücken, der andere eine in der Unterlippe batte. Sie gaben an, daß sie auf dem Karlsplatz im Park von einem Unbekannten überfallen worden seien. Der eine der Verletzten, der die Stichwunde im Rücken hatte, verblich auf der Klinik in Pflege, der andere wurde nach Hause entlassen. Die Untersuchung wurde eingeleitet. löjähriger Schüler vermisst. Seit dem 10. März wird der Schüler der vierten Bürgerschulklasse Jaroslav David auS Prag vermißt. Er ist 179 Zentimeter groß, mit blauen Augen und braunen Haaren, trug einen schwarzgrauen Pullover, dunkelgraue, schwarz, karierte Hosen,«inen dunklen Raglan und«ine grüne Mütze. Nachrichten sind an seine Eltern, Prag II., Opatovickä 14, oder an die Gendarmerie zu richten. Zwei Radfahrer-Unfälle. Der 32jährige Tischler. Artton Bärta aus Zizkov fiel gestern nachmittags um halb 3 Uhr in der Svihovstygaffe in Zizkov vom Rade und verletzte sich tödlich. Er wurde mit einer schweren Gehirnerschütterung und einem Bruch der Schädelbasis auf die Klinik Schlaffer gebracht. Während im allgemeinen die Radfahrer die Fußgänger umwerfen, ereignete sich gestern der umgekehrte Fall. Der Ingenieur Georg Nettel aus Karolinental stieß gestern vormittags in der Jtalskä in Prag XII beim Ueberschreiten der Fahrbahn so heftig gegen das Fahrrad des 34jährigen Arbeiters Karl Slaby aus Prag-Weinberge, daß dieser gegen Vas in entgegengesetzter Richtung kommende Autp P4787 des Chauffeurs Wenzel Hoza aus Cboce- rad geschleudert wurde und einen Bruch der rechten Kniescheibe sowie Hautabschürfungen erlitt. Er wurde vom selben Auto auf die Klinik Jirasek gebracht. Ter Embryo im Kanal. Gestern nachmittags wurde beim Hause Nr. 1222 in Michle im Kanal uiuer der Eisenbahnstrecke in Lumpen eingewickelt ein toter weiblicher Embryo gefunden. Der Fund wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht, nach der Mutter wird geforscht. Selbstmorde. Der 46jährige Mittnhaber einer ^Werkstatt für Metallformen, Oßkar Gtbtz äus Karolinental, wurde gestern mittags Von. seiner Gattin auf dem BodeN seines Hauses in einer Schlinge hängend gefunden. Er hatte erst den Hals in die Schlinge gesteckt, die er an einem Dachbalken befestigt hatte und sich dann auS einer Repetierpistole drei Kugeln in den Kopf gejagt. Er wurde sofort Von der Rettungsgesellschaft ins Allgemeine Krankenhaus gebracht, starb aber aus dem Wege. Die Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. Das Motiv der Tat ist Nervenkrankheit. In der Nacht auf gestern versuchte sich der 85jäh- rige ZeitungSverkäufer Heinrich Nosek im Abort seiner Wohnung in Lieben zu erhängen, wurde jedoch rechtzeitig gefunden und abgeschnitten. Als Motiv seiner Tat gab er häusliche Zerwürfnisse an. Ostern in Reichenberg. Die Ortsgruppe Prag des Allgem. Angestellten-Berbändes unternimmt zum Berbandstag eine Reise nach Reichenberg. Programm: Abfahrt Samstag früh, Rück- fahrt Montag abends. Wanderungen ins Jeschken- ünd Jsergebirg«. Gäste willkommen. Anmeldungen bei der Ortsgruppe. Ein Sondermotorschnellzug Petzer—JobanniS- bad fährt vom Wilsonbahnhof am SamStag um 1.8 Uhr für 75 Xö ab(einschließlich Nachtlager, Frühstück, Autobus und Versicherung). Anmeldungen im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Telephon Nr, 38.335. und Mssen- Ferdi! DuSa Im Ausstellungsraum des„Elan" in der Spä- lenä sind bei freiem Eintritt zwei Dutzend Aquarelle von FerdisDusa auS den Jahren 1984/35 ausgestellt.. Es sind Bilder aus der Landschaft des Mährisch-Ostrauer Kohlenreviers, die DuSa in einem früheren graphischen Zyklus das„Traurige Land" genannt hat. Landschaft— das ist ein viel zu schmük- kendes Wort für diese Szenerie der Schächte und Kohlenhalden, der Förderbahngerüste über schwarzen Kohlenstraßen und der ttisten Bevgarbeiterhäuser, aus denen die Freude für immer gewichen ffchKnt. Dusa, der Herkunft nach und in seinem Wesen selbst ein Sohn des„Traurigen Landes", bezwingt künstlerisch diese Welt, selbst bezwungen von ihrem Ernst und erfüllt von einer schwermütigen Verbundenheit mit ihrer dämonischen Trostlosigkeit. Er steift sie dar in ihrer kargen Härte, in ihrer Düsterkeit unter rötlich-grauen Himmeln, verhüllt von Rauch und Kohlenstaub, ohne ftohen Klang auch da, wo Bäume ihre Wipfel in den Rauchdunst breiten. Es gibt kaum ein Grün in diesen Bildern; wo es sich als Feld zwischen Halden, als zerttettner Rasenfleck hervorwagt, ist es kein heiteres Grün. Und selbst wenn Frauen auf dem Acker Kartoffeln auSgraben, scheinen sie eher nach Kohle zu schürfen. Auch die Aquarellfarben, für die Künstlerhand bereit als das lichtftohestt Medium, verlieren ihre Transparenz und versinken ins Schwere und ledige, ins Rostig-Schlackige und Schwarzverhüllte, wenn Dusa sich ihrer bedient, um mit sicher gestaltender Hand, die großzügig zupackend das Wesentliche erfaßt, dieser Plutonischen Szenerie ihren künstlerischen Ausdruck zu entreißen. Und das gelingt ihm mit packender Unmittelbarkeit auch des seelischen Ausdrucks; er verdammt diese Welt, indem er ihre Trostlosigkeit künstlerisch gesteigert gestaltet. Die Kohlenhalden werden zu Sinnbildern auch seelischer Belastung und die wirren Gestänge der Förderbahnen schlagen den Himmel in Fesseln. Die; unentrinnbare Verbannung ins „Traurige Land" ist in Du§as Bildern ausgedrückt. Schwermütig anklagende Stimmen aus den„Schlesischen Liedern" des Bergarbeiterdichters Petr Bezruö gewinnen Gestalt.„Kohle find ich im Vesperbrot..." Und angesichts der menschlichen Staffagen, die dunklen Schemen gleich die Düsternis der Szenerie mit sich und in sich ttagen, entsinnt sich der Beschauer einiger Verszeilen des Dichters Jiki Walker:„Und dann gibt es viele, die nicht einmal weinen, weil sie das Traurigsein nicht versteh'n..." Id.' Bezlrksorsanlsatlon Präs der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Freitag, den 27. März, acht Uhr abends, im Gewerkschaftshaus Prag I., Perstyn, Mitgliederversammlung Tagesordnung: Die europäische Krise und der Sozialismus. Referent: Genosse Dr. Emil Strauß. Künstler helfen der Wohltätigkeit Zugunsten der Armen, Kranken und Arbeitslosen, denen der zehnte Teil des Verkaufserlöses zugute kommen soll, veranstaltet die Caritas-Ortsgruppe Prag unter geistlichem Protektorat im Clam-Gallas- Palais eine Bilderausstellung, für die sechs Prager Maler ihre Werke zur Verfügung gestellt haben. Es handelt sich also darum, auf diese Veranstaltung hinzuweisen, qls di« künstlerischen Leistungen der Aussteller zu beiverten. Diese stellen dem Beschauer keinerlei Probleme. Es sind allgemeingefällige Bilder, wie sie in den Auslagen gängiger Bilderhandlungen ihr Publikum finden. Karl Kostial malt färbenschön, mit sorgfältiger Liebe fürs szenarische Detail die sudetendeutsche Landschaft. Er malt sie mit der Freude des Wanderers, der im Bilde seine Erinnerungen an die Gestaltung und Stimmung der Landschaft, die ihn entzückte, zuverlässig erkennbar wiederfinden will. George Jilovsky handhabt geläufig einen geglätteten Naturalismus, sehr auf„schöne" Wirkung bedacht, wie sie den anspruchslosen Bilderfteund«rfteut. Wie unbesorgt er sich mit der in diesem Sinn« schönen und für das Auge des Laien„naturgetteuen" Darstellung des Gegenständlichen begnügt, zeigt sein kompositorisch völlig auseinanderfallendes Sttlleben mit Herbstftüchttn. Professor Heinrich Hönich ist mit Mei großen Oel- gemälden und einigen graphischen Blättern vertreten. Sein« Sttinzeichnungen lassen die sichere Hand erkennen, die im tonigen Schwarz-Weiß der Lithographie malerische Werte auszudrücken weiß. Georg Koppe zeigt dekorattve Bildnisse und einige weichgestimmte Landschaften. Die Pastellporträts der Malerin Erzsi Koppe-Szegfy ttagen in j routinierter Technik den Anforderungen verbindlicher Gesellschaftsmalerri Genüge. Bildnisse stellt, auch Karl Wagner aus; sein malerisch Bestes gibt er in den„Anemonen". Alles in allem: es ist«ine Bilderschau, arrangiert für ein breiteres bilderfteund» liches Publikum, dem in Anbettacht des wtthllätigen Zwecks auch die Preise entgegenkommen. ld. Einmaliges Gastspiel Lauri Bolpi als Herzog in„Rigoletto" SamStag, den 28. März(Abonnement aufgehoben) Sitzplätze: Kä 17.— bis 80.—. Heute Vorverkauf für Abonnenten, ab morgen allgemeiner Vorverkauf. BoitoS„Mefistofeles"' im Rationaltheater. Das Prager„Närodni divadlo" bereitet für Ende April die tschechische Erstaufführung der Oper„Me- fistofeles" von Arrigo Boito mit Zitek in der Titelpartie vor; Regie: Turnau, Dirigent: Steiman. Arbettervorstelluug„Der Freischütz", Oper, am Sonntag, den 5. April, um halb 3 Uhr nachmittags. Karten ab Dienstag täglich von 8 bis 2 Uhr, 4 bis 6 Uhr bei Optiker Deutsch, Koruna. Spielplan des Neuen deutschen Theaters. Mittwoch H8:Katarina Ismailowa, B 1. Donnerstag 8 Uhr: Orpheus in der Unterwelt, E 1.— Freitag halb,8: L y s i st r a t a, D 2.— Samstag halb 8:Gästspi« l B olpi „Rigoletto".(Abonnement aufgehoben.)— Sonntag halb 3: Unentschuldigte Stunde, 7: Der Roseukavalier. D 2.— Spielplan der Kleinen Bühne. Heute, Mittwoch 8 Uhr:„Der goldene Kran z", Gastspiel Kramer-G l ö ck n e r, Bankbeamte II urrd fteier Verkauf,— Donnerstag 8: S p i e I um die Welt, Theatergemeinde des Kulturver- battdes und fteier Verkauf.— Freitag: 8 Uhr: Anna sagtnein, volkstümliche Vorstellung. Samstag halb 8 Uhr: Dr. med. Hiob Präto- r i u S, Erstaufführung..— Sonntag 11: Tanzmatinee Sas ch a L e o n t i e w, 3 Uhr: Was Ihr wollt, 8: Dr. med. H i o b Prato- Der Mm Tie Junggesellenbraut. Dem europäischen Zuschauer muß schlüsiivkig werden beim Hören und Sehen dieses Hollywood-Films, in dem ein schnoddrig tollller Slang gesprochen, geknurtt und gekaut wird und in dem eine gefühlstriefende Handlung auf die unglaublichste Weise ins Groteske gebogen wird.— bis sich schließlich auch der Zuschauer vor Lachen biegt. Wahrhafttg: es sind um'innig komisch« Szenen in diesem Film und mancherlei Witze. Der romantische (von Clark Gable kraftvoll gespielte) Liebhaber, der die Frau seiner Träume als Braut seines Freundes wiederfindet, Witt» von der Geliebten(die Joan Crawford darstellt) am Anfang öfters geobr- feigt, während er sie später verprügelt,— und wie oft die Helden der Handlung in Pfützen fallen, sich in die Finger schneiden und Feuer fangen, ist schwer toller Slang gesprochen, geknurrt und gekaut wird romantische Liebe, um Edelmut, Sehnsucht und schließliches Sichfinden, und es scheint, als hätte der (auf anderen Gebieten berühmt gewordene) Regis- zu zählen. Dabei handelt es'sich, wie gesagt, um wollen. Das Ganze wirkt wie die Leistung eines Lubitsch.dem die Eleganz fehlt: ein maßlos grober, aber unbekümmerter Ulk.—eis— Charlie Chan in Aegypten ist ein neuer Tetek- ttv-Film aus der bekannten Charlie Chan-Serie, in dem wieder Warner O l a n d die Gestalt des chinesischen Sherlock Holmes mit Weiser Behutsamkeit und kindlichem Lächeln spielt. Er macht seine Sache wieder gut, aber die allzuhäufige Wiederholung muß seine Wirkung abnützen, und wenn auch die Manuskriptschreiber diesen Charlie Chan von Erdteil zu Erdteil hetzen, so spürt man doch, daß ihre Erfindungsgabe mit der Zeit nachläßt.—eis— Sport-Spiel-JCoqwpffege 6. Kreis zum Bundesturnfest 55 Atus-Vereine melden 2326 aktive Teilnehmer! Tie Hälfte der Atus-Vereine des 6. Kreises haben ihre Bormeldung abgegeben; 751 Türner, 579 Turnerinnen, 534 Schülerinnen und 462 Schüler wurden zur attiven Teilnahme, an den Maffenübungen gemeldet. Bei dieser Vierung sind di« Fußballv«r«ine, welche zu eigenen gymnastischen Hebungen in Komotau antteten, nicht be- rücksichtigt. Von den 110 Atus-Bereinen, welche Turnbetrieb haben(20 Vereine des Kreises betteiben nur Fußball oder Schwerathletik), haben demnach genau die Hälfte ihre Vormeldung abgegeben. Außerdem wurden' 276 Wettkämpfer und Wettkämpferinnen für das Geräte- und leichtathletische Wetturnen vorgemeldet. Zirka 100 Abteilungen Turner, Turnerinnen und Kinder werden sich aus diesen 55 Vereinen an dem Vereinswetturnen beteiligen. Die sonntägige Konferenz der Techniker in Falkenau besprach die vorliegenden Ziffern gründlich. Ann 17. Mai finden in allen Bezirken des 6. Kreisverbandes die Maiwanderungen statt. Als Generalprobe für Komotau gelten die Bezirksturnfeste am 7. Juni in Altrohlau, Asch, Rothau, Tachau und Falkenau. Für das Bundesturnfest' stellt der 6. Kreis eine Reihe Techniker als Hauptleiter; besondere Beachtung wird in Komotau die Kreissondervorführung finden. In einem besonderen Tagesordnungspunkt wurde die Zusammenfassung der Sparten Handball, Leichtathletik, Wassersport und Wintersport behandelt. Die Spartenleittr genannter Sportarten werden nuiunehr im Kreis und in den Bezirken den Sportausschuß bildenpnd alle Fragen gemeinsam lösen. Gemeürsame Kurse und Tramingsstunden werden veranstaltet. Die Technikersitzung, an welcher die technischen Leiter aller Bezirk« teilnahmen, beschloß weittr das Programm des Atus für den„KreiS-Arbeitertag Westböhmen". Ueberraschungen im westböhmischen Arbeiter-Fußball Sonntag, den 22. März, begann die erste Fuß- ballklasse des 6. Kreises die Frühjahrsserie gleich mtt einigen Ueberraschungen. Der Tabellenletzte, Atus Franzens bad, welcher beim Nachspiel am vorletzten Sonntag in Fischern 1:1 spielte, konnte amh in Schankau einen Puntt erkämpfen. ASB Maierhöfen teilte mit seinem Tabellennachbarn Atus Karlsbad ebenfalls die Punkte und stellt sich damtt an die Spitze der Tabelle. G r a s l i tz war Sonntag spielfrei, der FFK Falkenau holte sich in Drahowitz zwei Punkt« und rückt wieder an die Spitzengruppe heran. Der Atus Unterreichenau ist derzeit gesperrt und in Neudek nicht angetteten, dadurch sielen di«.Punkte dem ASB N e u d e k zu. Das Spiel AtuS Fischern gegen Rote Elf Chodau fand ebenfalls nicht statt; die Ursache wird von der Kreisspielleitung untersucht werden. Der 5. Bezirk trug vor Beginn der Serienspiele seiner zweüen und dritten Klaff« ein A u S w a hl- spiel auS. Die Auswahlmannschaft der drittklassigen Vereine gewann 8:1 gegen den zweitklassigen Verein AtuS Reusattl. Der 5. Fußball- bezftk beabsichtigt, die zweit« und dritte Klasse für Der Internationale Gewerkschaftsbund veranstaltet in allen europäischen Hauptstädten Kundgebungen gegen die Kriegsgefahr, welche durch die letzten Ereignisse besonders akut geworden ist. Alle Gewerkschaftsmitglieder der Freien Gewerkschaften versammeln sich zu einer. Großen Kundgebung am Mittwoch, den 25. März, um halb 8 Uhr abends, iin Steiner-Saal des Volkshauses, Prag- Hybernftä. Redner: Rudolf T a y e r l e für Odborovö SdruZeni Ceskoslovenskö, Anton Schäfer für den Deutschen Gewerkschastsbund, I. S ch u l c z (Bratislava), Em. Chobot(M. Ostrau) und Dr. F. Soukup. Mitglieder der Freien Gewerkschaften! Friedensfreunde! Beteiligt Euch zahlreich an dieser Kundgebung! Unterstützt die Aktion des Internationalen Gewerkschaftsbundes für die Erhaltung des Wellfriedens. die Herbftserie in eine Klasse zusammenzuziehen und diese in zwei Gruppen einzuteilen. Selbswerständlich war auch der 1. Spielbezirk nicht untätig, auch dort steht die zweite und dritte Klaffe startbereit. Tas Bezirkseröffnungsspiel in Maierhöfen hat die zweite Klasse in Bewegung gebracht. Am 5. April wird die zwette Klaffe mit dem zweiten Teil der Serie beginnen. Die Spielergebnisse der ersten Klaffe: Atus Fischern gegen Atus Franzensbad 1:1, Atus Drahowitz gegen FFK Falkenau 2:3, Atus Karlsbad gegen ASB Maierhöfen 0:0, Atus Schankau gegen Atus Franzensbad 2:2. Tabellenstanb der 1. Klasse ASB Maierhöfen 11 8 1 2 17 32:19 ASB Graslitz, e 10 8 0 2 16 53:21 Atus Karlsbad, a 11 7 2 2 16 19:12 FFK Falkenau, 11 6 1 4 13 34:21 Rote Elf Chodau, 10 4 3 3 11 24:29 Atus Schankau< 11 4 2 S 10 37:33 ASV Reudek.« 11 4 2 5 10 22:24 Atus Drahowitz. 11 4 1 6 9 27:29 Atus Unterreichenau 11 3 1 7 7 17:32 Atus Fischern.. 10 2 1 7 5 14:25 Atus FranzenSbad • 11 1 2 8 4 14:47 Schacher um die Einnahmen im§vehla-Cup In Wien fand eine Konferenz der an dem Svehla-Cup interessierten Verbände, und zwar der Tschechoslowakei, Oesterreich, Schweiz, Ungarn und Italien statt, welche sich in der Hauptsache mit den aus den Spielen resultterenden Einnahmen sowie deren Nutznießung befaßte. Ungarn und Italien, Welche bei dieser Konkurrenz in ihren Ländern keine großen Einnahmen erzielen, haben den Vorschlag einer Teilung der Einnahme im Verhällnis von 60:40 Prozent von jedem Match eingebracht. Damit sind jedoch die Verbände der Tschechoslowakei und: Oesterreich— welche gerade den größten finanziellen Nutzen haben— nicht einverstanden. Die Schweiz nimmt vorläufig einen abwartenden Standpunkt ein; doch wird angenommen, daß sie sich für das Teilungsoder besser gesagt Sanierungsprojell einsetzen werde. Wo es bekanntlich ums Geld geht, da können die immer in dieser Hinsicht„bedürftigen" bürgerlichen Verbände nicht umhin, den sportlichen Erfolg als zweitrangig anzusehen. Das Gefeische um die obige vorgeschlagenc Teilung fand bei dieser Konferenz noch keine einigende Form und so wird sich eine im April in Prag stattfindende Generawersammlung damit entscheidend zu befassen haben, zu der— o, welche Komödie— doch nur wieder die gleichen Tel«gi«rten der gleichen Verbände sich einfinden werden... Virün&nachnchtin Heute 8 Uhr Gruppenabende. Weinberge-Smichov(Parteiheim): Die 1848er Revolution. Hollescho« Witz(Kamenickä): Romain Rolland. Zentrum(Liga): Joscf- Seliger-Feier.— Sonntag, den 29. März, um 3 Uhr im Liga- heim, Besprechung aller Funkttonäre:„Unsere Arbeit zum Reichsjugendtag". Allgemeiner Angestellten-Berband, Ortsgruppe Prag. Unsere Mitglieder werden ersucht, die Manifestationsbersammlung der Prager Gewerkschaften für Frieden und Freiheit, gegen Kriegsgefahr, heute Mittwoch abends, im Lidovy düm, Hybernskä, zu besuchen. Lieratur Büchereinlauf Martin Haller: Ein Mann sucht seine Heimat. Rama«.(Europa-Verlag, Zürich; Preis kart. Fr. 5.—, geb. Fr. 7.—.) ManuelHumbert: Hitlers„Mein Kampf", Dichtung und Wahrheit.(Verlag„Pariser Tageblatt", Paris 5, Rue La Bos ne; kart. ft. Fx. 30.—, geb. Fr. 50.—.) B. Traven: Dir Troza. Roman.(Büchergilde Gutenberg, Prag-Zürich.) John G. Rieger: Fahr zur Hölle, Jonny. Roman.(Büchergilde Gutenberg, Prag-Zürich.) Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HauS oder bei Bezug durch di. Poft monatlich Kö 16.—, vierteljährig Kä 48.—, halbjährig Kö 96.—, ganzjährig Kc 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.—Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tcle» graphendirektton mit Erlaß Nr. 13.8VP/V1I/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G. Prag.