16. Jahrgang Mittwoch, 1. April 1936 Nr. 78 ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag nü fochova 42. Telefon sm77. HERAUSGEBER) SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 1ENTRALORGAN DEE DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Einzelpreis 70 Heller (einsrhließlich j Heller Porte)»». Ribbentrop in London: Heute deutsche Antwortnote Angebot eines„moralischen Waffenstillstandes** London. Botschafter von Mbbrntrop und die übrigen Mitglieder der deutschen Abordnung sind Dienstag abends 20 Uhr 35 Minuten englischer Zeit auf dem Flugplatz Crovdon gelandet. Die ,deutsche Antwortnote wird Mittwoch Bormittag Nutzen Minister Ede», durch Botschafter von Mbbrntrop überreicht werden. Protest In Berlin gegen die Kandidatur von 3ung, Krebs und Schubert Berlin.(Tsch. P. B.) Der tschechoslowakische Gesandte in Berlin Dr. M a st n H hatte Dienstag eine längere Unterredung mit dem Staatssekretär im Auswärtigen Amt von Bülow, bei der er ihm eine Protestnote gegen die Kandidatur der ehemaligen tschechoslowakischen Abgeordneten Jung, Krebs und Schubert für den deutschen Reichstag überreichte. .Wir haben über die juristische Seit« -der Angelegenheit bereits berichtet. Die genannten l drei Herren können nach dem Staatsangehörigkeits- . vertrag mit Deutschland Üom Jahre 1920 noch nicht t die- reichsdeutsche Staatsbürgerschaft erworben [ haben, weil sie von der Tschechoslowakei noch jn.icht aus dem Siaatsverband ^entlassen worden find. Diese Entlassung könnte ihnen nach dem Vertrag zwar nicht, verweigert wer- I den, da sie ja nachweisen könnten, daß sie ihren i Wohnsitz nach Deutschland verlegt haben, aber sie Phasen es bisher nicht der Mühe für wert befunden, -dieses Ansuchen zu stellen.. Deutschland hat aber -ausdrücklich die Verpflichtung übernommen, Neuaufnahmen tschechoslowakischer Staatsbürger in den 'Staatsverband erst dann durchzuführen, wenn der ländere Staat die betreffenden Personen aus,feinem ^Staate entlassen hat. Die neugebackenen Reichstags- i Mitglieder sind also noch immer tschechoslowakische Staatsangehörige. Leider kommt die offizielle Intervention nach I erfolgter Wahl etwas spät. Auch läßt die Meldung fnicht ersehen,' ob die deutsche Regierung eine Aiit- wort in Aussicht gestellt hat, bzw. ob das in dem (zitierten Vertrag vorgesehene Schiedsgericht -wird in Funktion treten müssen. Elnstllndiser Generalstreik In ganz Polen proklamiert Warschau. Die sozialistische Partei so- wie alle anderen politischen Arbeiterorganisatio- mcn Polens haben für den 2. April einen e i n- stündigen Demonstrationsstreik gum Zeichen des Protestes gegen die blutige Unterdrückung der in der vergangenen Woche in Krakau und Czenstochau stattgefundenen Arbei- terdemonstrationen proklamiert. Der Streik fall in allen Privatmrternehm>mgen und auch in den städtischen Unternehmungen in der Zeit zwischen &1 und 12 Uhr durchgeführt werden. Die Behörden haben umfangreiche Vorbeugungsmaßnahmen getrafen und erklären, entschlossen zu sein, feiner eventuellen Ausbreitung des Streiks«nt- Megrnzutreten. Die der Regierung nahestehende Presse warnt die Arbeiterschaft eindringlichst vor der Beranstaltung eines solchen Streiks. I In der letzten Zeit sind gesteigerte Maßnahmen der Behörden gegen die Arbeiterschaft zu Bemerken. In Kowel und Umgebung, sowie in Blrakau, Lemberg und Czenstochau wurden dieser Tage zahlreiche Verhaftungen vorgenommett. Diese Maßnahmen stehen zweifellos mit der anwaltenden Gärung unter der Arbeiterschaft in Verbindung, die in den Straßendemonstrationen won Krakau und Czenstochau ihren Ausdruck fanden. Auch bei den Gerichten läßt sich ein schär« Meres Einschreiten bemerken. Das Bezirks- gericht in Wilna verurteilte 13 Kommuni- Uen, Mitglioder der weißrussischen kommunistischen Partei, zu Kerkerstrafen im Aus« r Maße von 2 bis 8 Jahren. 13 Angelelaste aus dem Wiener < SozlalistenprozeB freiselassen K Wien.(Tsch. P.-B.) Dreizehn der im kürz- Mch beendeten Prozeß gegen die 30 revolutionären Sozialisten freigesprochenen Angeklagten wurden Mm Laufe des Freitag und Samstag in Freiheit gesetzt, da der Staatsanwalt auf eine Nichtigkeitsbeschwerde verzichtet hat. Auch die zwei wegen IMeheimbündelei zu sechs Monaten Gefängnis verurteilten Frauen befinden sich bereits in Freiheit. Wiegen das Urteil betreffs der übrigen Angeklagten des Prozesses haben bekanntlich der Staats«. Wnwalt und teilweise auch die Verteidiger Nich« Migkeitsbeschwerden eingebracht.■"* Was man über den Inhalt der deutschen Antwortnote in Berliner politischen Kreisen hört, ist widerspruchsvoll, hoch z'yll der Kern der deutschen Vorschläge darin bestehen, daß ein moralischer Waffenstillstand zwischen Deutschland und Frankreich auf vier Mona te vorgeschlagen wird. Während dieser Frist soll keine Erhöhung der Truppenbesahungen, weder auf der deutschen noch auf der französischen Seite erfolgen. Diese Bestimmungen soll ein UeberwachungSausschuß kontrollieren, der aus einem Engländer, einem Italiener und einem von diesen beiden ernannten neutralen Mitglied« besteht. Der übrige. Inhalt der Rote besteht aus theoretischen Erörterungen, die den bekannten deutschen Standpunkt nochmals zu begründen versuchen. ' In Paris hofft man trotz' dem Schwanken einiger Mitglieder des Kabinetts Baldwin, daß noch bis zu den Osterfeiertagen die vor der Einberufung der Beratungen der vier Locarnomächte nach Brüssel notwendigen direkten Beziehungen zwischen London und Paris erneuert sein werden. Abends wurde aus London gemeldet, daß die Schwierigkeiten dieser Angelegenheit im Schoß des britischen Kabinetts überwunden wurden. Bis in die späten Abendstunden war in Paris über die deutsche Antwort nichts Genaues bekannt. Den letzten Meldungen zufolge, ist diese Antwort ziemlich kurz und enthält weder eine kategorische Ablehnung noch befriedigende Vorschläge, sondern sie will durch allgemeine Konzessionen die Tür zu weiteren Verhandlungen und Verzögerungen offen lassen. Von Konzessionen Deutschlands an Belgien spricht der'heutige„New Jork Herald", in welchem es heißt, Hitler wäre bereit, die deutschen Truppenabteilungcn von der belgischen Grenze in einer bestimmten Entfernung zurückzuziehen, um so offen kundzutun, daß Belgien, das kein Abkommen mit Sowjetrutzland unterzeichnet hat, die Locarnoabmachungen nicht verletzt hat. Konferenz mit Deutschland in Ostende? Rom. Nach Informationen der Agenzia Stefani wird in den Kreisen der westlichen Großmächte erwogen, für Juni oder Juli eine Konferenz mit den deutschen Delegierten nach Ostende einzuberufen. Mitglied des Kabinett Baldwin demissioniert London. Der Minister ohne Geschäftsbereich Lord Eustace Perry ist Dienstag abends zurückgetreten. Wehrwille und Wehrkraft Das Gesetz über die Verteidigung des Staates, das im Entwurf soeben verösfentlicht wurde, hat wohl nur in gewissen Einzelheiten überrascht; d a ß es kommt und gerade jetzt kommt, nimmt niemanden wunder. Nicht nur, haß diesem Gesetz ähnliche Gesetze in anderen Staaten'vorausgegangen sind, bedeutet der Faschismus, dessen bloßes Vorhandensein den Frieden ständig.bedroht,' die vollständige Dauermobilisierung der ganzen Nation, die planmäßige Kriegsschulung jedes einzelnen Bürgers, eine Schulung, die schon im frühesten Kindesalter beginnt und die Frauen im gleichen Maße erfaßt wie die Männer. Der Kriegstreiber Faschismus ist es, der in erster Linie begriffen hat, daß kommende Kriege Volkskriege sein werden, in denen ,es den Einsatz sämtlicher geistigen, materiellen und seelischen Kräfte aller Volksteile gilt. Die Angriffsbereitschaft der faschistischen Länder, ist ein wichtiger Bestandteil ihres Kriegspotentials; die Verteidigungsbereitschaft der demokratischen Völker ist für deren Kriegspotentiale nicht minder bedeutungsvoll. So ist denn das Gesetz zur Verteidigung des Staates, über das jetzt in der breitesten Oeffent- lichkeit diskutiert wird, nicht als der Ausdruck des Kriegswillens eines demokratischen Landes zu verstehen, sondern als der Ausdruck der großen Sorge vor dem Kriege, dckssen Kommen oder Ausbleiben nicht von dem Willen der demokratischen Völker allein abhängt, sondern in erster Linie von den machtpolitischen und persönlichen Bedürfnissen der faschistischen Diktatoren; Die demokratischen Völker haben ihre Freiheiten im Innern nicht zudemZweck«bewahrt, um sie bei einem faschi st i scheu Angriff von außen wehrlos preiszugeb en. Die Konsequenz des demokratischen Behauptungswillens im Innern ist der Äehauptungswille auch nach außen; und es liegt im Sinne der Demokratie, die Verantwortung für den Schutz des Landes und seiner Völker- auf die Gesamtheit der Bürger zu übertragen. Allerdings sieht das Gesetz für den Ernstfall die Aufhebung vieler Freiheiten vor; es stellt die Gesamtheit der Staatsbürger unter militärische Aufficht, einen Großteil unter direkte militärische Leitung. Es fordert von dem einzelnen den größtmöglichen Einsatz seiner physischen und geistigen Fähigkeiten und umschreibt zum ersten Male den Begriff der staatlicheu Zuverlässigkeit. Man wird da sorgsam prüfen müssen, daß dieser nun gesetzlich, festgelegte Begriff der„Zuverlässigkeit" nicht mißbraucht und nicht etwa gegen ganze Gruppen von Staatsbürgern— insbesondere jene, die den Minderheitsnationen■ angehören— angewandt wird, die wohl bereit sind in entscheidender Stunde für den Staat einzustehen und dessen demokratische Freiheiten zu verteidigen. Es wird daher über manche Einzelbestimmung des Gesetzes noch zu reden'sein. Zu den bedeutungsvollsten Vorzügen der Demokratie gehört eben die Tatsache, daß .diese Diskussion in Freiheit erfolgen kann, während in den faschistischen Ländern so weitgehende Maßnahmen ganz einfach dekretiert werden und zur Kenntnis genommen werden müssen. Es wäre wünschenswert, daß jener Teil des völkischen Bürgertums, der den Begriff der staatlichen Verläßlichkeit diskutiert, auch sich sechst und seine geistige Haltung in seine kritischen Betrachtungen eiwbezieht. Dieses Bürgertum möge nicht den Kopf in den Sand stÄlen und die anderen für so naiv halten, daß man die Hitlersym- pathien in gewissen Kreisen übersieht und daß man daran zweifelt, ob alle Hitlerverehrer in diesem Lande die demokratische Freiheit gegen Hitler verteidigen werden. Doch sei nochmals gesagt, daß auch wir uns an' der Diskussion, über gewisse Einzelheiten beteiligen werden» weil wir meinen, daß ein Gesetz von so weittragender Bedeutung gewissenhaft geprüft, werden mutz. Die sudetendeutschen Arbeiter erkennen in der Landesverteidigung gegenüber dem faschistischen Krjegsstreben eine, politische und soziale Aufgabe, die sie gem.einsam,mit d en Arbeitern der and erendemokra- ti s ch e n L ä n d e r erfüllen müssen. Und sie verbinden mit dieser Erkenntnis die Ueberzeugung, daß die Arbeiterschaft in den faschistischen Ländern, die den Krieg, genau so haßt wie wir, an der Lösung der politischen und sozialen Aufgabe, die in der Friedenssicherung durch den Sturz der faschistischen Diktaturen besteht,..mitzuwirkhp be- Vie Italiener bedrohen Dessie Asmara. Nach einem wochenlangen Marsch durch die Danakil-Wüste besetzten die italienischen Truppen das ganze Sultanat Aussa/ das etwa 380 Kilometer südwestlich von Assab liegt. Die Truppen wurden bei. ihrem Marsch durch 25 Flugzeuge verproviantiert und durch Flugzeuggeschwader gegen feindliche Angriffe gesichert. Die Bevölkerung von Aussa ist größtenteils islamisch und war dem Negus stets feindlich gesinnt. Das Gebiet, das im Jahre 1896 von Menelik erobert wurde, ist etwa 280 Kilometer breit. Der Kriegsberichterstatter des Reuterschen Bureaus meldet: ' Tie Italiener haben die Besetzung des Sul- kanats Aussa.beendet, dessen Boden ungewöhnlich reich und fruchtbar ist. Sie errichten jetzt Garni- wnen tn den wichtigen Zentren dieses Sultanats. Im Nordwesten setzen die Italiener den Bormarsch zum Tanassee fort. Nach Berichten aus eritreischer Quelle nähert sich eine motorisierte italienische Kolonne rasch Gondar. Die Besetzung dieser Stadt wird jeden Augenblick erwartet. Zahlreiche italienische Eingeborenenkolonnen, die vor einigen Wochen mis Assabu und aus Bei- lulu aufgebrochen sind, durchquerten die Danakil- Wüste unter schweren Entbehrungen, die noch durch die sengenden Sonnenstrahlen und durch die unerträgliche Hitze gesteigert wurden. Zahlreiche abessinische Abteilungen erschwerten diesen Vormarsch durch unaufhörliche Angriffe. Die Danakil-Wüste ist vollkommen unfruchtbar, wasserlos und wird bloß von wenigen Nomadenstämmen bewohnt. Die italienischen Kolonnen mutzten mit Nahrungsmitteln und mit Wasser aus Flugzeugen versehen werden. Deshalb wurden sie von 28 Flugzeugen begleitet, die inr ganzen 8.7 mal in der Wüste landeten. Obzwar dies sehr gefährlich war, ging dennoch kein italienisches Flugzeug verloren. Die italienischen Flugzeuge mußten außerdem mit Maschinengewehrfeuer zahlreich^ feindliche 'Abteilungen zersprengen, unter denen sich auch Kavallerieabteilungen befanden, die die italienischen Kolonnen bedrohten. Die Stadt Sardo, die von d'en Italienern besetzt wurde, ist ein wichtiger .Knotenpunkt. Durch die Besetzung dieser Stadt- kamen- die Italiener dem Hauptkarawanenwege sehr nah«, der das abessinische Hochplateau mit dem Röten Meer verbindet. Außerdem fanden sie hier Wasser. Durch di« Besetzung dieses Sultanstes kam die italienische Eingeborenenarmee Dessie näher, als die Kolonnen, die gegen die Armee des NeguS vorgehen, die nun beim Aschangi-Sre konzentriert ist. Die schwersten Augenblicke für die italienischen Eingeborenen-Soldaten bei deren Vormarsch im Sultanate Aussa gab es vorwiegend in den Nachtstunden Wenn die Truppen kampierten, waren sie von allen Seiten vom Feinde umgeben, der auch in der Finsternis schoß. Die letzte Etappe, das ist etwa 60 Kilometer, wurde vollkommen ohne Wasser überwunden. Die Schwierigkeiten, denen die italienischen Flieger begegneten, wurden noch durch die häufigen Sandstürme vergrößert. Bei der Landung war es notwendig, die Flugzeuge auf der Erde festzumachen, damit sie nicht vernichtet werden. Es wurde behauptet, daß der Sultan absichtlich in diese Kämpfe nicht eingegriffen hat, da'er abwartete, welche Seite siegreich sein werde. Wahrscheinlich wird er sich jetzt den Italienern cmschließen.» Mussolini verspricht... Rom. Mussolini hat den Präsidenten des internationalen Rotkreuz-Komitees, Professor Max Huber, empfangen, der in Verfolg eines von Mussolini Mitte Jänner an ihn gerichteten Schreibens betreffend die Kriegführung in Abessinien nach Rom glommen ist. In einer amtlichen Mitteilung über den Empfang Hubers bei Mussolini wird besonders darauf verwiesen, daß der Duce bei dieser'Gelegenheit den Willen der italienischen Regierung bekräftigt habe, den wirksamen Schutz des Roten Kreuzes zu gewährleisten.„Ausgehend von ihrer ttefen Ueberzeugung über, den wirklichen Wert des Roten Kreuzes für alle Staaten", habe die italienische Regierung, in dieser Absicht strenge Weisungen gegeben, ivornach das Rote Kreuz- Zeichen peinlich respektiert werden müsse, ebenso Wie auch kein Mißbrauch mit ihm getrieben werden dürfe. Oer Negus an die Front Dschibuti. Nach Meldungen aus Addis Abeba wurden in den letzten Tagen auf abessinischer Seite einige Truppenverschieüungen südlich von Socota und vom Aruba Alagi durchgeführt.. Auch wird die Nachricht bestätigt, daß der Negus selbst den Angriff leiten wird. Sette 2 Mittwoch, f.«prrt 1936 Re. 78 gemeinschaft legten der Plenarsitzung ih^e Elabo- rate vor, die sich auf die Lösung einiger Pro- grammpunkte beziehen, vor allem: a) Neuregelung der Urlaube-er öffentlichen Angestellten (Referent Abgeordneter Ntmec) b)- Standvunki zu der Regierungsverordnung über die Beamtenaspiranten(Referent Kalfus) c) Ausbau-des Sözialinstituts. Der Referent zu diesem Punkte Abgeordneter Bergmann informierte das Plenum der Arbeitsgemeinschaft auch über den auf An-. regung des Ministers Dr. Franke von der Post-■ sparkaffe ausgearbeiteten Entwurf zur Schaf-' fung eines Entschuldungsfonds für die Staatsangestellten. Sei-: nem Referat schloß er dann noch folgende An»' träge an: 1) Einführung der 35jährigen Dienstzeit für die Staatsangestellten. 2) Ernennung der Kanzleihilfsbeamten nach lOjährigem Dienst' zu pragmatikalischen Beamten ad personam." reit ist. Im Friede n, und, wenn die Diktaturen den Krieg beginnen sollten, auch im Krieges Wer kann von Gesetzentwürfen von der Art des vorliegenden begeistert sein? Jeder, der es mit dem Wohle seines.Volkes ehrlich meint, empfindet es als Schande für die zivilisierte Welt, daß das Kricgsgeschrei wiederum so laut ertönt. Aber er weiß auch, daß dieses Kriegsgeschrei aus den faschistis chen Staaten klingt'und Ver- teidigungsmahnahmen dagegen drückend, aber notwendig find. Wir möchten aber auch nicht derhehlen, daß die Wehrkraft der Staatsbürger und auch ihr Wehrwille zwar organisiert werden müssen, in erster Linie aber doch von dem Ausmaß ihres sozialen Wohlergehens abhängen. Dies ist der Punkt, wo die Wehrpolitik am erfolgreichsten einsetzen kann, wo sie zunächst einsetzen muß. Das Gesetz ist in seinen Grundzügen notwendig; möge unser Land'davor b-e wahrt w erden, je-mals davor gestellt zu werden» es w i r k s am z u ma ch e n l Ein aufgezwungener Krieg wird uns zur Abwehr bereit finden; die'Bewahrung des Friedens aber erstreben wir aus ganzem Herzen! Organisatorischer Aufstieg der tschechischen Sozialdemokratie Wie der„Internationale Nachrichtendienst der tschechoslowakischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei" mitteilt, weist die Partei zu Ende 1935 5809 Lokalorganisationen gegen 5316 im Jähre 1934 guf. Im vorigen Jahre wurden 546 neue Organisationen gegründet und 53 aufgelöst, so daß der reine Zuwachs 493 Organi- firtionen beträgt. Bemerkenswert ist auch, daß im Jahre 1935 wieder ein Zuwachs bezahlter Parteisteuer festzustellen ist. Während im Jahre 1934 1,405.554 Beitragsmarken bezahlt wurden, waren es 1935 1,630.004, was einen Zuwachs von 224.490 Stück bedeutet. Danach hat die Partei an 170.000 zahlende Mitglieder, die Anzahl ist jedoch in Wirklichkeit größer und betragt etwa 200.000, denn eine Reihe von Mitgliedern war infolge der Wirtschaftskrise nicht in der Lage, Parteibeiträge ordentlich zu bezahlen. Bei einem Vergleich der Anzahl der Wähler bei den Parlamentswahlen im Jahre 1935 mit der Anzahl der ordentlich zahlenden Mitglieder kann festgestellt werden, daß von den sozialdemokratischen Wählern 15.3 Prozent organisiert sind. Was die Jugend betrifft, gibt es 360 selbständige Organisationen mit etwa zehntausend Mitgliedern, Frauenausschüsse gibt es 577. Der Verband sozialistischer Gewerbetreibenden hat 53 Ortsgruppen mit 4270 Mitgliedern, die Orga- nisation der sozialdemokratischen Lehrer und Pro- sesscren 56 Ortsgruppen mst 1200 Mitgliedern, der Verband der Arbeitertouristen 32 Ortsgruppen und,0200 Mitglieder. Der Präsident der Republik empfing gestern eine Deputation der tschechoflowakischen Sängergemeinde in Prag, das Präsidium des Legionär- Sozialinstituts, den österreichischen Minister a. D. Eduard Heinl und schließlich den Vorsitzenden des Radiojoürnals Dr. Ladisiav Sourek. Reue Gewerbeinspektorate. Die mit Regierungsverordnung 126/35 neu errichteten fünf Gewerbeinspektorate in Strakonitz, Kolin, Luöe- nec, Michalovce und Chust nehmen ihre Tätigkeit am 1. April auf. Mitschuld der Aufsichtsbehörden? Eine Zeitschrift hat schon 1-34 die Geschäftsmethoden des „Phönix“ mit jenen Stavlskys verglichen Die Zeitschrift„Teftoslovenskä assekurakni listy" beschäftigt sich seit dem Jahre 1934 mit. dem finanziellen Stand.des„Phönix" und seiner internationalen Verbindungen und hat auch bereits in der Oktober-Nummer des Jahres 1934, auf Seite 187 und im Dezember des gleichen Jahres auf Seite 244 den Nachweis geführt, daß die österreichische„Phönix" einen Verlust von 337 Millionen Kc in den die mathematische Reserve für die Tschechoslowakei repräsentierenden Werten erlitten hat. DieseDe Zeitschrift brachte in ihrer Nummer 2 vom 15. April 1935 auf Seite 47(Correspondance tchkcoflovaque) einen Bericht, in dem nachstehende Zeilen standen: „Dre Situation des österr. Levens- Phönix wird in der Tschechoslowakei als sehr delikat beurteilt und seine Geschäftsmethoden wurden von einer tschechoslowakischen Zeitschrift mit den Methoden Stavistys verglich«:. — Es ist richtig, daß von esnem leitenden Beamten des„Phönix dir Klag« gegen dies« Zeitschrift eingebracht wurde, jedoch erfolglos, da sich der Kläger zur Tagsatzung nicht einfand. Infolgedessen verlor der Repräsentant des„Phönix" dSesen Prozeß, was durch die geklagte Zeitschrift öffentlich kommentiert wurde. Das Urteil des Bezirksgerichtes in Prag trägt da- Datum vom 25. September 1934 und hat die Zahl T 1—VI. 2911/34." Dir Zeitschrift, um die eS sich Hiebri handelt, ist die„Eft. obrana, Praha II, PStrosova 7, Jahrgang 34, Seite 26—28 und 86—87. Die ,,§sl. assekurakni listy" verwiesen weiters öffentlich darauf, daß der„Phönix" bei unS weder durch unsere Gesetze vorgeschriebene Bücher noch Dokumente besitzt. Nach diesen Veröffentlichungen wurde wähl eine Untersuchung des Innenministeriums eingeleitet, doch hat di« Oeffentlichkeit trotz Aufforderung feiten- der interessierte« Kreis» von dem Ergebnis der Revision nicht erfahren. Wenn nicht durch die österreichischen Maßnahmen auf die scktzvachen Stellen in dieser Versicherungsgesellschaft aufmerksam gemacht worden wäre, wer weiß, was noch geschehen wäre. Wenn nun seit 1934.bereits die Verluste bekannt waren und bei unS in den Fachschriften darauf aufmerksam gemacht wmHe, so ist gewiß die Frage berechtigt, ob unser Innenministerium alles veranlaßte, um unsere Wirtschaft vor Schäden zu bewahren. Neber die Ursachen der Verluste des „Phönix" gibt die„Amtliche Nachrichtenstelle" in Wien eine Darstellung heraus, in der es u. a. heißt: Bedauerlicherweise find die Bestrebungen der Gesellschaft in einen übermäßigen Expansionsdrang ausgeartet, der sich.insbesondere auch in der Ausdehnung der Geschäftes auf das Ausland durch Erwerbung von Beteiligungen und Einrichtung von Repräsentanzen äußerte. Die Mittel für die hiemit verbundenen bedeutenden Kosten sollten in erster Linie auch durch eine Intensivierung des Geschäftes im Inland gefunden werden, wo eine Reihe kleiner nicht lebensfähiger Versicherungsanstalten und notleidende Portefeuilles ausländischer Versicherungsgesellschaften ost mit Verlust übernommen worden sind. Das angestrebte Ziel konnte hiedurch um so weniger erreicht werden, als die Ausbreitung des Geschäftes nur durch Unterbietung von Tarifen und durch hyperchrophe Ausgestaltung des Werbeapparates im Wege der Einbeziehung berufsmäßiger Werber sowie durch einen ungewöhnlichen Auftvand für Propagandazwecke zu erreichen war. Die Deckung dieser gesteigerten Spesen erfolgte großenteils auf Kosten der Prämienreserve. Dieser Umstandhätte schon längereZeit die Aufmerksamkeit der Aufsichtsbehörde erregenmüssen. In Wien wird«ls» die Mitschuld der Aufsichtsbehörden amtlich zugegeben. Hilfe für die ständigen Theater Im Senat befaßte sich Dienstag ein Subkomitee des Kulturausschusses unter Porsitz des tschechischen Genossen Vojta Benes und in Anwesenheit des Schulministers Dr. Franke mit der Frage der Unterstützung der ständigen Theater und erzielte die Z u sag e d e s Ministers, daß er die gesetzliche Regelung dieser Frage nicht aus LemAuge lassen und.scckange eine gesetzliche: Regelung aus Budgetgründen sich als ungangbiw erweist—alles tun wird, um die Unterstützung der ständigen Theater wenigstens in dex bisherigen Form sicherzustellen; Der Kulturausschuß stellte das Ersuchen, die den ständigen Theatern aus den bisherigen Quellen gewährten Unterstützungen mit einer höheren Summe als bisher zu bemessen. Minister Dr. Franke versprach auch im Namen des Postministers TuLny, dessen Reffort bei der! Dotierung der Theater aus den Rundfunkgebühren mitzureden hat, daß sie sich bemühen werden daß in dieser Richtung die geforderte Hilfe erreicht werde. Handelsvertrag mit Oesterreich vor der Unterzeichnung Wien. Die Textierungsarbeiten betreffend den ffchechoslowakisch-österreichischen Handelsvertrag sind nunmehr beendet worden. Man erwartet, daß die Unterfertigung des Vertrages nach der Fertigstellung des Druckes Mitte dieser Woche durch die beiderschtigen Delegationsführer, Minister Dr. Friedmann und Gesandten Wildner, erfolge» Mrd..' Die Arbeitsgemeinschaft der Organisati». »en der öffentlichen Angestelten hielt Dienstag eine Plenarsitzung ab, in welcher der Vorsitzende F. R k m« c über den Verlauf und die Ergebnisse der vom Präsidium vom 13. bis 28. März vorgenommenen Interventionen und Audienzen einen eingehenden Bericht erstattete. Der Vorsitzende konstatierte in allen Fällen ein p 0 s i t i- ves Ergebnis der Interventionen. Die Plenarsitzung nahm seinen Bericht zur Kenntnis und beauftragte das Präsidium, in den nächsten Tagen eine Audienz beim neuen Finanzminister Dr. Kalfus zu erbitten. Die Referenten der Arbeits- Spanlsche Reaktion verläBt das Parlament Madrid. Kurz nach der Eröffnung decZ Parlamentssitzung verkündeten die Fraktionen der V katholischen Volkspartei, der Erneuerunzsbewe-M gung(Monarchisten) und der Traditionalisten, U daß sie sich bis auf Weite res von denI Parlamentssitzungen zurückziehen. Japan protestiert noch wenn seine Soldaten Grenzzwischenfälle provozieren Moskau. Der sowjetrussische Botschafter inW Tokio Jurenew hat beim japanischen Mini-W sterpräsidenten Hirota wegen der am 26. März W erfolgten Grenzüberschreitung japanischer bewasf-V neter Abteilungen und wegen der Ueberfälle auf. sowjetrussische Grenzpatrouillen Protest eingelegt.A Er forderte eine strenge Untersuchung sowie die Bestrafung der Schuldigen und behielt sich vor,« eventuelle Entschädigungen geltend zu machen. In Moskau besuchte der japanische Botschaf-W ter Ohta den Stellvertreter des VollskommifsärsM .für AeußereS Swmonjakow und protestierte in-^ derselben Angelegenheit. Swmonjakow lehnte den 2 Protest in entschiedener Weise ab und verwies auf, die Umftcmde, die in unwiderlegbarer Weise dar-« auf schließen lassen, daß eine Grenzverletzung^ von japanischer Seite vorliege. Sto«A monjakow sprach die Ansicht aus, daß gewissen. J lokalen japanischen Behörden in Mandschukuo, die Möglichkeit einer Besserung des sowjetrussi« schen-japanischen Verhältnisses nicht gelegen sei.J und sie deshalb künstlich neue Konflifte her-' vorrufen.* Tokio. Die Situation an'der mändschuri-W scheu Ostgrenze hat sich bedeutend gebessert, undA zwar infolge der Beratungen zwischen den Ver-W tretern der japanischen und sowjetruffischen H Militärbehörden, die Montag nachmitwgs auf-M genommen wurden und sich in einer über Erwar-W ten höflichen Atmosphäre abspielten. Gleichzeitig wird von der mandschurisch- mongolischen Grenz« ein neuer Zwischenfall ge- f meldet. Nach einer japanischen Mitteilung wurdeW eine aus japanischen und mandschurischen SoldaeD ten zusammengesetzte Grenzwache von zwei, mongolischem Militärflugzeu«W gen b 0 m b a r j i e r t, wobei ein Mann ge-M tötet und vier verletzt wurden. s——S-Vssssssssnsssssssssssssssmss MÄNNER, FRAUEN I UND WAFFEN I i Romon von Manfred Georg| Copyright by vr. Manfred Georg, Prag ' Und da tat ichSima den Gefallen, ihm hier und da so zu helfen, wie ich konnte. Ich wußte durch ihn, daß Mardrier einer der gefährlichen Burschen war, die er besonders haßte. So kam das alles. Ich wußte nicht, daß ich dir in dein Geschäft pfuschen würde. Ich ging ja für dich zu Mardrier." Sie sagte dies alles sehr schlicht und ohne jedes Pathos, führte aus, tme sie in Simas Begleitung in Asylen und Fabriken, auf Arbeits- losen-Aemtern und in Höhlen der Obdachlosen gewesen war, Siechatte ihn, kurz nachdem er nach Wien gekommen war, kennen gelernt. Wohin sie auch von da ab ihr Variete-Schicksal verschlug, hatte sie, von ihm an die verschiedensten Adressen gewiesen, überall auf eine fast kindliche Art, die aus Neugier, Erttsetzen und Mitleid gemischt war, Erlebnisse gesammelt. Unruh« und Helfenwollen waren in ihr und eine schöne, mädchenhafte Wut gegen alle, die, wie sie sich ausdrückte, zum Elend der Welt beitrugen. „Nun hat dich also dein Freund verraten!" sagte Schumann, als sie geendet hatte, fast mit Güte.„Da siehst du, was sie wert sind, deine Lehrer und Gönner.Glaub mir mein Kind, ich kenne auch das Elend der Welt, aber was willst du dennt setze einen derer, die du da bemitleidest, vor ein tüchtiges Fressen und versprich ihm eilte kleine Rente, und er wird dir alle seine Gefährten ausliefern, so wie Herr Sima, der jetzt für mich arbeitet. Die, die elerw sind und keinen Willen hüben, schließen sich gern zusammen, weil sie glauben, daß viele Nichtwillen einen Willen ergeben. Ich sage dir: aus dem Kampf kommt di« Well nicht heraus. Kampf bedeutet den Sieg des Stärkeren. Und wenn der Stärkere gesiegt hat, wer es auch ist, wird er gegen den Schwächeren unbarmherzig sein und sich wehren, daß er vom Platz vertrieben wird. Es fällt ja.immer nur. der Schwache. Laß die Hände davon, Haydke. Wer einmal im Krieg gewesen ist, wie ich, und gesehen hat, daß es nicht die Helden, sondern die losge- lassenen Tiere gewesen sind, die den Kampf entschieden haben, der weiß, daß. die Tiere auch gleichzeittg immer die Waffen haben werden. Oder besser gesagt: daß sie sie am besten gebrauchen können. Der Dolch ist nur verlängerte Klaue, das Bajonett der verlängerte Zahn, und das Giftgas der Dunst ihrer Gemeinheit, die sie abblasen. Es ist besser im Schatten der Mächttgen zu leben und von ihnen zu profitteren, als durch Mitleid schließlich ans Kreuz zu kommen. Deine Freunde demonstrieren und wählen und haben Regierungen hier und da, und dann zögern sie zu schießen, oder sie haben nicht einmal Kanonen, mtt denen sie das tun können. Sie stürzen die Machthaber und werfen sie in Gefängnisse, aus denen sie ganz leicht auÄbrechen. Mit papierenen Protesten rennen sie gegen Tanks. Benimm dich doch nicht sinnlos» Haydeel Sieh dir die Verhältnisse richtig an. Wer die Macht hat, muß drücken, um die Macht nicht zu verlieren. Der Gute wird sie niemals hccken, weil er nicht Tier genug sein kann." Sie saßen jetzt ganz im Dunkel ertrunken da. Die Zigaretten glühten nicht mehr. Ihre Sttmme kam von weit her: „Also was soll ich denn machen?" „Einfach leben. Bor dem Tod noch soviel leben, wie du Leben im Körper hast." Sie erwiderte sehr schwach: „Ich weiß, daß du unrecht hast,«chex ich möchte mtt dir leben!" Schumann war aufgestanden und zog sie vom Sttchl zu sich hoch: „Das ist sehr schön von dir." Sie stürzten sich in die nächsten Tage, besinnungslos beide, Schumann voll Grauen vor der eigenen Erkenntnis, Haydke voll Furcht vor ihrem GeMffen. Die Stunden gingen ohne Uhrenschlag ineinander über. Sie sahen auf den Ausflügen Farben von Menschen, Kleidern, Häusern, Landschaften. Ader nichts hatte Kontur. Nur ihr eigener ausgreifender Schritt war Wirklichkeit, daplötzliche Zueinander-Sinken im Wald! die Entfesselungen ihrer Sehnsüchte, die sich aus allen Banden lösten. Es wurde nicht viel gesprochen. Ihre Gesichter fielen den Menschen auf drvch die Art, wie sie abgeblendet waren von allen äußeren Eindrücken. In der Nacht vor der Abreise— Makropu- los' Telegramme wurden immer dringender— hatten sie sich früh getrennt, um am Morgen frisch zu sein. Schumann laS im Bett in seinem Lieblingsbuch, einer Miniaturausgabe von MommsenS Römischer Geschichte und ließ ab und zu den kleinen Band sinken um lächelnd dem Schritt und dem Tun Haydkes im Nebenzimmer zu lauschen. Dann hörte er sie das Licht aus» knipsen. Er blätterte noch ein wenig weiter, war dann auch müde und schlief ein. Es mußte schon ziemlich spät sein, als er sich im Bett auffetzte und nicht recht wußte: hatte er dieses Poltern gettäumt oder war es Wirklichkeit gewesen? Er horchte angestrengt, dann sprang er mit einem wilden Satz heraus und stürzte zur Tür des Nebensimmers. Sie war verriegelt, dahinter aber schien etwas vorzugehen, was er nicht sofort deuten konnte. Es war ein Schleift» am Boden, ein Gegenstand fiel um, dann hörte er ein Stöhnen, einen leisen Schmerzenslaut, aber alles so gedämpft, als spiele sich das Ganze wie in Watte gepackt«ch. Ein rasender Schreck durchfuhr ihn. Er klinkte zweimal heftig, die Tür gab nicht nach. Er versuchte, vom Mur aus in das Zimmer HaydäeS zu gelangen. Auch hier war zu. Mit drei Schrtt- ten war er am Ende des Korridors, wo die Feuer- Alarmglocke hing, riß den Hebel herunter, mit einem kurzen Sausen schwang der gellende Pfiff an und ging nach wenige» Sekunde» in ein heulendes Tuten über. Schumann stand schon wieder vor der Tür Haydees. Die Zimmer rings öffneten sich, die Gäste stürzten heraus, verschlafen wankte der Rachtportier herauf. „Wo ist hier ein Nachschlüssel?" keuchte^ Schumann. Zwei Herren versuchten unterdessen" mtt kräftigen Stößen die Tür einzudrücken. Aber sie hielt. Schließlich swlperte der Liftboy, vor,''7 Aufregung fast Anfallend, mit dem Schlüssel her-W an. An der Spitze der Uebrigen brach Schumanns in Haydees Zimmer. Er prallte zurück. Im aufgedrehten Licht-'- zeigte sich ein zerwühltes Bett, der danebenW stehende Stuhl, die Nachtttschlampe waren umgc-M rissen und zum offenen Fenster hin lag HaydftW den Pyjama völlig in Fetzen, regungslos am Bo-W den. Das Gesicht, nach unten zur Seite gedreht,,« war überfloffen von einem Blutstrom, der vor« einer großen Wunde, die durch das Haar verdeckt,W wurde, zu kommen schien und der über AugenM und Wange rieselte. Die nackte Schuller zeigte schwere Kratz»M wunden, und die rechte Hand war ebenfalls blut-D besudelt. Der Hoteldirektor drängte sofort alle hinausD und ließ die Gendarmeriestation anrufen. DecM Kommissar kam gleichzeitig mit dem Arzt. HäydeeW lebte, ober ihre Ohnmacht war tieft Die Unter-: 1 suchUng der Kopstvunde ergab eine besonderHW schwere, durch ein Schlaginstrument 1>eigebracht«H Verwundung. Die Verletzung der Hand zeigte f bösartige Bißwunden. Offensichtlich hatte ma>M versucht, Haydee zum Fenster zu schleppen, nach-W dem»mn ihr Watte in den Mund gedrückt hatte. 1 Büschel davon fanden sich noch zwischen Jung« und Zähnen, sowie zwischen Zähnen und Lippen. ,4 Sie hatte sich wie wahnsinnig gewehrt und waM dabei mtt der Hand in den Mund deS Entführer« geraten, um ihm offenbar den Unterkiefer auszu«W reellen, so daß dieser sich nur mit einem Biß bisW auf den Knochen hatte befreien können. Geldtäsch-D chen, Uhr und Schmuck fehlten. .(Fortschung folgt.)! Nr. 78 Mittwoch, 1. April 1938 Seite 3 fudetendeutsrfier Zeitspiele! I f größte Armutszeugnis, falls das von ihnen ausgegebene Schlagwort ihrer inneren Ueberzeugung entspricht. Ueberdies müßte man aus den Vorschlägen zur Berufung ersehen, daß tatsächlich Männer genannt werden, die ein höheres wissenschaftliches Niveau aufweisen als die hiesigen„Jn- zuchtsprodukte". Meistens ist jedoch das Gegenteil der Fall, jüngere Leute, deren wiffenschaftliche Produktion auch weit hinter der des hiesigen ortsgebundr- nen Nachwuchses steht, werden in Betracht gezogen! Warum? Dies kann nur zwei Gründe haben: 1. Die Majorität der staatsfremden Professoren(an der medizinischen Fakultät gibt es von 19 Professoren nur sieden, die aus der Tschechoslowakei stammen) entdeckt, daß sie, sagen wir auS B l u b o- R ü ck s i ch t e n, ihren früheren Landsleuten untersteht als ihren hier bodenständigen Schülern. 2. Daß die wissenschaftliche Ouä- ' lifikation nicht der Maßstab ist, sondern politische, oder besser gesagt p a rt eipolitische Erwägungen und Erwartungen. Das ist aber nicht Freiheit der Wissenschaft; nur zum Zwecke der Freiheit der Wissenschaft hält, man bei uns an der Autonomie der Universitäten fest; wo aber die Universitäten ihre Autonomie zu wenn auch eventuell massierten« antidemokratischen und antistaatlichen Zwecken gebrauchen, dann haben die Universitäten das Recht auf die Autonomie verloren. Caveant consules! Wenn die Hochschulautonomie es ermöglichte, daß von 19 ordentlichen Professoren der medizinischen Fakultät nur sieben aus der Tschechoslowakei stammen und die Fakultät sich seither anschickt, dieses M r ß v e r h alt- nis noch krasser zu ge st alten, dann kann es passieren, daß der Staat in diesen Mißbrauch der Autonomie eingreist. Es ist klar, auf welche Häupter die Schuld fallen wird. Ein demo- krattscher Staat muß verlangen, daß die Universitäten reine Wiffenschaft pflegen und züchten und daß sie sich nicht zu antidemokratischen und damit antistaatlichen Brutstät- t e n entwickeln; wir brauchen an unseren Hochschulen gediegen«, ernste, womöglich bodenständige Wissenschaftler und Lehrer und keine irgendwie gearteten fremden Parteigenoffen. und dadurch herbeigeführt, daß ein tschechisch e r Sachverständiger vom Gericht bestimmt wurde, mit dem der Herr SdP-Vertreter ohne weiteres einverstanden war. Das zeigt wiei^r einmal so recht, wohin Parteifanatismus führen kann und wie die gepredigte Volksgemeinschaft in Wirklichkeit aussieht. Verlesung der Sprachenvorschriften durch Staatsbehörden. Durch.die Zeitungen ging die Nachricht, daß die Bezirksbehörde Mähr.-Schön- berg die Stadtgemeinde Mähr.-Schönberg beauftragt hat, mit dem Zollamte dortselbst ausschließlich in der Staatssprache schriftlich zu verkehren. Dieser Auftrag ist selbstverständlich ungesetzlich und bezeugt dirft eine Mißachtung der Vorschriften der Sprachenverordnung. Das Oberste Ber- waltungsgericht hat in seinem Erkenntnisse vöm 3. Mai 1932, Z. 7259, Boh. 9872, ausgesprochen, daß die Vorschriften des Artikels 78, Absatz 1, der Sprachenverordnung dem Sprachengesetze nicht widersprechen. Diese Vorschriften verpflichten die Staatsbehörden, deren Wirkungskreis sich auf einen qualifizierten Minderheitenbezirk erstreckt, zur Annahme amtlicher Zuschriften der deutschen Gemeinden in deren Geschäftssprache. Sowohl das Zollamt, als auch die Bezirksbehörde Mähr.-Schönberg setzt sich über dieses Sprachenrecht der Minderheitrngemeinden hinweg und sucht auf diese Weise die sprachlickien Rechte der deutschen Gemeinden noch über die Sprachenverordnung hinaus einzuschränken.' Die Bezirksbehörde behauptet geradezu die Gesetzwidrigkeit der Sprachenverordnung l Gute Bädersaison in Sicht? Viele Anzeichen deuten darauf hin, daß die Saison 1936 in den westböhmischen Kurorten gegenüber der Vorjahre eine aufsteigende Linie zu verzeichnen haben wird. ,Tas mit Oesterreich bestehende Reiseabkommen wurde verlängert, mit Un g a r n gegenüber dem Vorjahre außerordentlich verbessert, das kürzlich mit Deutschland getroffene Abkommen für die Kursaison 1936 läßt einen bedeutend erweiterten Zustrom von Gästen aus dem Reiche erwarten. Das zwischenstaatliche Abkommen mit Polen ist ebenfalls befriedigend. In der Schweiz wird derzeit bereits von der Werbestelle der wcstböhmischen Kurorte eine Werbefeldzug eingcleitet, der hoffentlich gute Erfolge zeigen wird. Tatsache ist jedenfalls, daß sowohl in Karlsbad, als auch" Marienbad bei den kurörtlichen Amtsstellen rege Nachfragen einlaufen, daß aber auch bereits viele effektive Bestellungen vorliegen. Heuer keine Walleustri«-Festspiele? Man schreibt uns aus Eger: In der Propagandazeitschrift der Pilsener Staatsbahndirektion erschien letzthin eine Anzeige, mit welcher zum Besuche der Egerer Wallenstein-Festspiele, die in den Monaten Juni und Juli d. I. stattfinden sollen, eingeladen wird. Diese Photographie darf wohl als Symbol des inneren und Heßeren Wertes „Volksgemeinschaft"^"'‘*■*” Prachtvolle Bezirks konferenz in Karlsbad Am vergangenen Sonntag fand im Alt- rohlauer Arbeiterheim die Bezirkskonserenz Karlsbad unter dem Vorsitze des Genossen Hein statt. Dem Bericht über die' Konferenz, die von jubelnder Kampsbegeisterung erfüllt war, entnehmen wir zunächst aus dem Referat des Bezirksparteisekretärs Genossen Hopf die erfreu- licbe Feststellung, daß weder die wachsende Arbeitslosigkeit noch die. Wahlniederlage am 19. Mai dem Geiste unserer Bewegung im Karlsbader Bezirk Abbruch zu tun vermochte, daß dort im Gegenteil neuer Aufbau Wille und neuesLeben herrscht. Durchaus ähnlich günstig lauteten die Berichte der Vertreter der Fraüenorganisation, der Sozialistischen Jugend, der Arbeiterfürsorge und der Kinderfreuirde. Das politische Referat erstattete, mit stürmischem Beifall begrüßt, Genosse Ta ub,.der sich zuerst mit der außenpolitischen Lage beschäftigte und dann, bei der Behandlung der Verhältnisse in unserer Republik, insbesondere großen Beifall erntete, als er dem Gedanken Ausdruck gab, daß wir deutschen Sozialdemokraten die Demokratie und die Republik mit allen Fasern unseres Herzens zu verteidigen entschlossen sind. Bemerkenswert ist u. a. ein e r n st e s Wort Taubs an die tschechische Seite: „Wir werden für das Gesetz zum Schutze des Staates stimmen. Wir sind gewillt, Elemente, die der Spionage überführt sind, der verdienten Strafe zuzuführerr. Aber wir verlangen, daß mit diesem Gesetz kein Mißbrauch getrieben wird. Man würde dem Staat nicht dienen, wenn man dem Gesetz« eine falsche und einseitige Auslegung geben würde. Kein Haar darf gekrümmt werden einem ehrlichen, aufrechten deutschen Sozialisten!(Starker Beifall.) Jeder tschechische wahrhafte Patriot sollte darin mit unt einig sein. Mit der deutschen Arbeiterschaft, die ohne Gegenleistung entschlossen ist, ihr Leben für den demokratischen Staat einzusetzen, muß es bei der Durchführung dieses Gesetzes nur enge Zusammenarbeit und Verständigung geben. Wer im deutschen Sprachgebiete dem deutschen Arbeiter seinen Arbeitsplatz nimmt und diesen Platz einem tschechischen Arbeiter gibt, der hat diesem Staate keinen Dienst t i to i c j e n, sondern der leistet TpMgräbrr- arbeit!' Auch am Schloß seines Referates, der der Henleinpartei und den-Kommunisten gewidmet war, erntete Genosse Taub neuerdings stürmischen Beifall der Konferenz, deren Vorsitzender dem Redner besonderen Dank aussprechen konnte. Die Konferenz ging sodann über ein Schreiben der Kommunisten, das zur gemeinsamen Demonstration aufforderte, zur Tagesordnung über und entwickelte ferner eine lebhafte Debatte insbesondere über organisatorische Fragen. Nach wiederum beifällig aufgenommenenSchlußworten des Genossen Taub und des Genossen Hopf wurde bei der Wahl der neuen Bezirksparteileitung Genoffe Hein einstimmig zum Bezirksvertrauensmann, wiedevgewählt. Nach dem Schlußappell Heins sand die prächtige Tagung, nach fast achtstündiger Dauer, unter dem Gesang der Internationale und mit stürmischen Freiheitsrufen ihr Erst>e. _ t Jener gelten, mit de r die Reaktion, aber nicht das Volk gemeint ist. Neue Lokalorganisationen. Unseren Genossen im Bezirk Nembsistritz ist es kürzlich gelungen, in Neuhaus eine Lokalorganisation mft zunächst 20 Mitgliedern zu errichten. Wenige Tage darauf wurde auch in N e u st i f t eine Lokalorganisaiion mit fünfzehn Mitgliedern gegründet.(Dabei besteht in Neuftist schon eine Ortsgruppe des Kleinbauernverbandes und eine sozialistische Jugendorganisation, so daß also der Großteil der Neustifter Bevölkerung durch die sozialistische Bewegung erfaßt ist) »Im Zeichen der Volksgemeinschaft." Unter diesem Titel meldet die„D e u t s ch e L a n d- Post": Ein Rechtsanwalt aus Podersam, der als Mitglied d e r S d P sich ganz besonders hervortun zu müssen glaubt, hat in einem Prozesse einen deutschen Sachverständigen einzig und allein aus dem Grunde a b gelehnt, weil er der Partei des B. d. L. angehört. Mitgliedsbuch zerrissen' Wir berichteten vor wenigen Tagen über den Leidensweg einer Proletarierfrau in Dux, der Frau M e yer, der samt ihrem Manne trotz Dauer-Arbeitslosigkeit und Not kein« Hilfe von der Sudetendeutschen Partei, der sie beide angehörten, zuteil wurde. Ms Frau Meyer, nach vielen vergeblichen Bittgängen in der Kanzlei des SdP-Aügeordneten in Teplitz, Dr. Z i p p e l i u s, auch noch grob behandelt wurde, zerriß sie an Ort und Stelle die Mitgliedsbücher. Hier ist die Abbildung des»inen der beiden entsprechend behandelten Legitimationen» Aus Prager deutschen Universitätskreisen wird uns geschrieben: Der Vorstand des pathologisch-anatomischen Institutes, Prof. Ghon, ist in Pension gegangen. Der Vorschlag des Professorenkollegiums enthält— man ist das schon so gewöhnt— ausschließlich zwei Fremde. Daraus muß der Schluß gezogen werden, daß das Profefforen- i kollcgium einstimmig der Anschauung ist, es sei Prof. Ghon in 25 Jahren Lehrtätigkeit nicht ! gelungen, einen fähigen Nachfolger-aus dem su- I detendeuischen Nachwuchs zu erziehen.(Er hat ja bloß 7 bis 8000 Mediziner unterrichtet!) Dann hätte also Prof. Gißn eine der wichtigsten Aufgaben eines Hochschullehrers nicht erfüllt, für geeigneten akademischen Nachwuchs zu sorgen. Es gibt nur drei Möglichkeiten: 1. Entweder taugten die Studenten nichts. 2. Oder Professor Ghon war unfähig zu dieser erzieherischen Aufgabe. 3. Es spielen andere Gründe mft als wissenschaftliche Oualifikation.' Zum 1. Punkt: Es ist ausgeschlossen, daß 3.5 Millionen Sudetendeütscher keinen fähigen Hochschulnachwuchs liefern könnten, wenn dies lleinere Staaten wie Dänemark, Finnland, Norwegen und der Schweiz möglich ist. Bliebe als Ursache also nur einer der zwei anderen angeführten Gründe übrig. Aber Prof. Ghon ist ein hervorragender Wisienschaftler und Lehrer— also kommt nur Punkt 3 in Frage. Was können das für Gründe sein? Es wurde einmal das Schlagwort geprägt, man müsse di« Prager deutsche Universität vor Inzucht schützen. Das ist eine sehr sonderbare Fassung, die dort in Betracht käme, wo„Vererbung sgesetz" Geltung haben, und das träfe nur dann zu, wenn— es ist beinahe lächerlich zu sagen— es sich um die Söhnederhiesige n’U niversitäts- professoren handeln würde. Doch in der Wissenschaft kann man von keiner Inzucht«eben. Ist ein Hochschulprofessor als Forscher und Lehrer qualffiziert, dann kann er aus gutem Stu- dentenmaterial auch Gutes erzielen, kann er das aber nicht, dann ist er alS Hochschullehrer fehl am Ort. Diejenigen, die diese Jnzuchtfrage aufgeworfen haben, gaben sich als Hochschullehrer selber das Der Skandal um die Berufunsen an die medizinische Fakultät Ein Märtyrer der Arbeiterklasse Der Iugendgenosse Konrad G e r s ch aus Warnsdorf wurde nach neun Monaten Haft vom»Volksgericht" in Berlin zu zehn Jahren 3 u ch t h ans verurteilt, obwohl man ihm die Verbreitung illegaler Zeitschriften, deren er beschuldigt wurde, nicht nachzuweisen vermochte. Indessen steht noch keineswegs fest, ob es überhaupt zur Abhaltung dieser Veranstaltung kommt, da«in bindender Beschluß des vorbereitenden Ausschusses noch keineswegs gefaßt worden ist; es ist weder ein Regisseur bestimmt, noch sind Darsteller für di« Festspiele engagiert bzw. Verhandlungen in dieser Richtung ausgenommen worden. Man rechnet kaum damit, daß es im heurigen Jahre tatsächlich zur Abhaltung dieser Veranstaltung kommen wird. Bor der Hochzeit in den Tod segangen. Wie uns aus Bleistadt bei Falkenau a. d. E. berichtet wird, hat die dort bei ihrer Mutter wohnende 21jährige Ida Hochftraßer unerwartet ihrem Leben ein Ende dadurch bereitet, daß sie, als ihre Mutter im Kino weilte, nicht weniger als dreiviertel Liter Lysol ttank. Als das unglückliche Mädchen, das kurz vor der Tat von seinem Bräuttgam aufgesucht worden war, von der heimkehrenden Mutter gefunden wurde, war es bereits tot. Da die Unglückliche, kurz vor ihrer Verheiratung stand, keinerlei Aufzeichnungen hinterließ, bleibt das Motiv ihrer Tat ein Rätsel. Versuchte Erpressung. An dem frühereit Direktor S ch i f f n e r der Landbank in Tetschett wurde dieser Tage ein Erpressungsvcrsuch verübt. Er wurde verständigt, daß jemand ein an Sch. adressiertes Schreiben in Händen habe, dessen Inhalt für ihn kompromittierend sei. Wenn er 20.000 KL erlege, könne er das Schreiben erhallen. Gleichzeitig wurde ihm mitgeteilt, daß er am Freitag an einer bestimmten Stelle in einem Tetschener Parke erwartet werde. Sch. erstattete die Anzeige und die Tetschener Polizei verhaftete an dem vereinbarten Orte den früheren Direktor Schade der„Deutschen Volksbank" in Leitmerih. Ins Verhör genommen, legte dieser ein Geständnis ab und nannte als seinen Komplicen den Kriegsbeschädigten G ü n t h e r aus Tetschen, der ebenfalls verhaftet wurde. Bei ihrer Einvernahme gaben die beiden an, daß sie den erwähnten Brief von dem früheren Beamten der Landbank R a m i s ch erhalten hätten, der sich diesen vor längerer Zeit widerrechtlich angeeignet hatte. Daraufhin wurde auch Römisch verhaftet und alle drei dem Kreisgerichte in Leit- meritz eingeliefert. Die Regierung von Iran(Persien) hat die Schließung ihrer Gesandtschaft in Washington und aller Konsulate auf dem gesamten Gebiet der Vereinigten Staaten angeordnet mit der Begründung, daß einige amerikanische Zeit« ' schrifien unhöflicheArtikel über-en Schah von Iran geschrieben haben. Es verlautet, daß dieser Mr mit der ün Oktober vorigen Jahres in "Elkion in Diarhland erfolgten Verhaftung eines gewesenen iranischen Ministers in Verbindung steht. Schanghai. Montag begann hier einer der bedeutendsten politischen Prozesse, die jemals in China geführt wurden: sechs Angeklagten wird zur Last gelegt, an einem Attentat beteiligt gewesen zu sein, dem am 1. November 1983 der chinesische Ministerpräsident Wang-Ching-Wej zum Opfer gefallen ist. Ans den Auslagen der An- gellagten geht hervor, daß General Tschermingtschgu, der Führer der Aufftandsbewegung in Füllen, Mithelfer einer Verschwörung war, welche die Aufgabe hatte, Verwirrung zu stiften, in der sie sich der Regierung. bemächtig«« sollte. Verfassungsänderung in Schweden. Der BerfaffungSausschutz des Reichstages zu Stockholm hat eine Reform vorgeschlagcn. Ihr Haupt- inhalt ist, das Stinnnrecht für Gemeinde« und politische Wahlen einheitlich bei dem Alter von 23 Jahren beginnen zu lassen. Die jetzige indirekte Wahl der Ersten Kammer soll abgeschafft und Has Alter der Wählbarkeit auf 25 Jahre festgesetzt werden. «fite t Mittwoch, 1. Aprfl 1938 Nr. 78 Rassenfrage endlich gelöst „Die deutsche Revolution" zitiert aus der „VolksgesundheitSwacht" einen Aufsatz von Dr. med. E u g e n S ü h l e, der mit einer herzerfri. schendm Dummdreistigkeit endlich eine klare Antwort auf die verwickelten Fragen gibt, die man sich bisher angesichts der Günther-Streicher- Hitler-Goebbels'schen Rassentheorie immer wieder stellen mußte. Dieser Dr. Suhle stellt eine Rassentheorie auf, die so blödsinnig wie einfach ist. Er sagt u. a.: ,,., Der NS hat diesen nordischen, hochrassigen Blutsanteil unseres Volkes hinter seiner Fahne in seinen Gliederungen gesammelt. Was heute noch abseits oder gar gegen den nationalsozialistischen Staat steht, ist meist niederrassisch, selbst wenn «S der Statur nach langschädelig, hochgewach- sen und blond sein sollt«. Wer klein und ängstlich am Bekenntnis klebt und in der Welt seiner Denkens immer nur die eigene Kirchturmspitze umkreist..., wer engherzig den Pfennig zusammenhält und demokratisch alles bemeckert... der ist o st i s ch, auch wenn er kornblumenblaue Augen hat. Wer,,. den Weihrauch liebt und den Krummstab und das Gepränge barocküberladener GotreSshcater, wer Autorität und Totalität bejaht, aber auf dem falschen Gebiet kirchlicher Dogmen... der ist w e st i s ch, selbst wenn ihm Blondhaar vom Schädel wallt. Per immer über die Regierung schimpft wer dazu im heißen Bierzelt schinkel-schunkelt ... und vor lauter Gemütlichkest seinem Nachbarn mit dem Bierseidel das Hirn zerirümmert, der ist dinarisch, auch ohne Turmschädel und kühn geschwungener Hakennase. Wer aber in jedem zweiten Satz das Wort „Bismarck" anwendet, beharrlich von der glorreichen Monarchie redet und über Adolf Hitler großzügig hinwegsieht, sonst aber brav, bieder und auch national seinen Weg geht, der ist f ä l i s ch, auch wenn seine Kraft nicht ausreicht, den Zwiehänder zu schwingen. Wer dem toten Gegner haßerfüllt noch neue Wunden schlägt, dann aber aus scheinheiliger Buße in Frömmigkeit und Reue zerfließt, wer Arbeitslosigkeit als Schicksal leer und stumpfergeben trägt, ohne sich dagegen zu wehren und höchstens darauf um Gnade und Erbarmen bei höheren Mächten winselt, wer gestern noch„Heil Moskau" und heute evensolaut und 110„Heil Hitler" ruft, der ist o st b a l t i s ch und braucht die starke Faust der Ueberwachung ständig im Nacken, damit nicht unvermittelt der VolkS- vetrat aus falscher Rassenseele in ihm aufspringt." Mit anderen Worten: der einzige Nachweis nordischer Nassenzugehörigkeit ist der Besitz eines Mitgliedsbücher der NSDAP. Wenn ein D o l l- blutneger der NSDAP beitritt, wird er nordisch, aber wenn Greta Garbo gegen Hitler ist, so ist sie eben niederrassisch-negroid. Die Skandinavier sind demnach überhaupt' Ras- sengeschmeiß übelster Sorte, während G o e b- dels reinstes Germanentum dar- stellt. Bismarck war ein„Mischer" Querschädel, aber Adolf Schicklgruber ist Wotans eingeborener Sohn. Es wäre gut, diese Lehre offiziell an den deutschen Hochschulen einzufübren. Sie ist die einzige, die alle Zweifel behebt! Ein Denkmal des P^äfidmtrn-Befteiers in Kymotan. Bei der Sektion für den Bau eines Denkmals für den Präsidenten-Befreier T. G. Masaryk in Komotau sind bis heute 10.000 XL cingegangen. Ein einzigartiger„Grenzzwist" zweier Gemeinden. Ein einzigartiger Zwist ist zwischen den Gemeinden Mähris ch-Ostrau und Schlesisch-Ostrau ausgebrochen. Die natürliche Grenze zwischen den beiden Gemeinden bildet die Ostrawitza. nur an einigen Stellen verschiebt sich die Stadtgrenze jenseits und diesseits des Flußlaufes. Das eingehende Studium der Ausmaße der beiden Gemeinden ergab jetzt, daß-sich der Spielplatz des Fußballklubs von Schlesien-Ostrau zum Teil auf dem Boden von Schlesisch-Ostrau befindet, während bisher an-' genommen wurde, daß er zur Gänze in Mährisch«' Ostrau liege, weswegen auch diese Gemeinde alle Abggben von den Veranstaltungen des Klubs der Naöhbctrstabt bezog. Nunmehr fordert Schlesisch- Ostrau eine Teilung der einschlägigen Abgaben- upd Gebühreneinnahmen in dem Verhältnis, in Welchem sich der Spielplatz über die beiden Gemeinden erstreckt. Falls keipe Einigung erzielt wird, will Schlesisch-Ostrau seine Ansprüche aus gerichtlichem Wege geltend machen., Verlängerung des Centralbank-Moratorium-. Mit Erlaß des Finanzministeriums vom 26. Mrz ISS«, Zl. 36.61S/36—IIA/3, wird. daS Moratorium bei der Centralbank bis 30. Juni 193« verlängert. Das Schema der„Maglnor-Llnle In den Jahren nach dem Kriege hat bekanntlich Frankreich unter einem Kostenaufwand von.dielen Milliarden seine ganze Ostgrenze in einen einzigen riesigen Festungsgürtel verwandelt, der alles in den Schatten stellt, was man bisher auf diesem Gebiete kannte. Wir zeigen hier nach'einer englischen Quelle einen Querschnitt durch, diese unvorstellbaren Festungsanlagen, die all« tief unter der Erde liegen, so daß rmr einige gut getarnte Panzerkuppen über den Erdboden ragen. Es sind förmliche unterirdische Städte, die sich viele Stockwerke tief erstrecken. Vom Aufenthaltsraum und Lazarett bis zu gewaltigen Vorrats- und Munitionskammern fehlt nichts, ebensowenig die Telephon« und Telegraphenzentrale. Den Verkehr bewältigen in vertikaler Richtung zahllose Aufzüge, in horizontaler regelrechte Untergrundbahnen. Eigene Kraftanlagen liefern das Licht und bedienen die Enllüstung. Bis zu einer Tiefe von 328 engl. Fuß oder etwa 100 Meter erstrecken sich diese Giganten der Festungsbautechnik. Berwegene Einbrüche wurden in der letzten Zeit im Gebiet von Böhm.- Budweis in Wohnungen und Geschäftslokale und in der Umgebung der Stadt auch in Wirtschaftsgebäude verübt. Die Einbrecherbande raubte Lebensmittel, verschiedene Gegenstände des Haushaltes und auch Lebendvieh. Montag nun gelang es, den Tätern auf die Spur zu kommen. Die Gendarmerie hielt den mehrmals vorbestraften Dieb und wahrscheinlichen Führer der Bande, Karl Kaiser, den gefährlichen Verbrecher Domin P a v e l, ferner. Franz Sekyra, Anton Hmerl« und Johann und.Karl Klimes an, die in die Haft des Kreisgerichtes eingeliefert wurden.— Die Untersuchung der bei dem Böhm.-Budweiser Geschäftsmann Johann Teply längere Zeit hindurch begangenen Diebstähle wurde abgeschlossen. Es würden zwei Angestellte verhaftet, welche die entwendeten Waren dem Marktfahrer Josef Dube skp verkauften, der sie unter dem Preise absetzte. Die Böhm.-Budweiser Polizei hat bei einer bei Dubskh vorgenommenen Haussuchung einen Teil, der entwendeten Waren aufgefunden. Hauptmann- letzte Stunden. Nachdem Gouverneur Hoffmann bekanntgegeben hatte, daß er Hauptmann keinen weiteren Strafaufschub gewähre, wurde die Hinrichtung für gestern vorbereitet. Frau Hauptmann besuchte Montag ihren Mann in seiner Zelle. Sie behauptet ständig, daß Hauptmann unschuldig sei. „Hindenburg" fliegt nicht über Frankreich. Das Luftschiff„Hindenburg" ist Dienstag früh 5.28 Uhr in Friedrichshafen zu seiner ersten Südamerikafahrt unter Führung von Kapitän Lehmann mit 3« Passagieren an Bord gestartet. Außerdem führt es mit 55 Tonnen Betriebsstoff, der für 120 Flugstunden ausreicht, 50 Kilo Post, zweieinhalb Tonnen Proviant und 1500 Kilo Fracht. Unter den Passagieren befinden sich außer Presse- und Regierungsvertretern Angehörige verschiedener Nationen, Brasilianer, Holländer, Franzosen, Oesterreicher und Nordamerikaner, darunter Kommandeur Peck von der amerikcknischen Marine. Dr. Eckener nimmt als Beobachter an der Fahrt teil. Der Sonderkorrespondent des Reuterschen Büros, welcher an dem Fluge teilnimmt, meldet, daß das Luftschiff auf seiner ersten Reise nach Südamerika über Holland fliegen wird. Dieser Umweg sei durch di« gegenwärtige internationale Lage hervorgerufen worden. Wie Reuter weiter mitteilt, weiß Frankreich nichts von irgendeinem Ansuchen um Bewilligung für das Luftschiff, über französisches Gebiet zu fliegen.„Graf Zeppelin" sei bei seinen Reisen nach Südamerika immer über Frankreich geflogen. Bei der Besteigung des Elbrus kamen vier Touristen, die in eine Schlucht stürzten, ums Leben. Weitere vier Touristen, die am selben Seil angebunden waren, kamen bei dem Unglück mit schweren Verletzungen davon. Privater Judenmord— Todesstrafe. Das Schwurgericht in Br am n s chw ei g hat den 28jährigen Wilhelm Sievers wegen Ermordung eines. jüdischen Kaufmannes namens Ziprkowski zum T o d e verurteilt. Das Urteil ist insofern interessant, als der Angeklagte versuchte, seine Tat als eine pofitische hinzustellen. Er gab nämlich an, Ziprkowski durch einen Kopffchuß niedergestreckt zu häben, aus Empönmg darüber, daß .sich der Kaufmann mit zwei Mitgliedern der Deutschen Acbeitsftont unterhalten hatte. Seine Verantwortung hatte keinen Erfolg, zumal für ihn sehr belastend war, daß Zeugen bekundeten, daß Sievers mit einigen Paketen den Laden Ziprkowski verlassen hatte. Es konnte zwar nicht festgestellt werden, was er im einzelnen geraubt hatte, doch wurde der Raub als erwiesen angenommen. Der Gerichtsvorsitzende hatte bei der Urteilsbegründung erwähnt, daß die Nürnberger Gesetze gegen die Rassenüberfremdung geschaffen worden seien, daß aber niemand daraus folgern dürft, daß ein Fremdstämmiger in Denffchkand keinen Schutz genieße. Verhinderte Lynchjustiz. Das Einschreiten eines Zuges Soldaten hat auf den Straßen von Alabama die Lynchung von vier Regem verhindert, welche verdächtigt werden, ein weißes Mädchen, das am Samstag in ein Kino ging, vergewaltigt und dann getötet zu haben. Die entstellte Leiche des Mädchens wurde am Sonntag an einer Straßenecke aufgefunden. Grab im Meer. In Hongkong herrschen Befürchtungen über das Schicksal des japanischen Dampfers„T e j a n", der Montag SOS-Rufe aussandte, als er bei der Durchfahrt durch die Meerenge von H a i n a n in Gefahr geriet. In der Nacht hörten plötzlich die Notsignale auf, wodurch die Befürchtung entstanden ist, daß der Dampfer mit 30Personenan Bord gesunken ist. Da es vollkommen ausgeschlossen ist, sich der Gefahr der nächtlichen Einfahrt in die Meerenge von Hainan auszusetzen, konnten die britischen Schiffe, die die Notsignale gehört hatten, dem Dampftr nicht zu Hikfe eflen. Der Blutspender. In deu Pariser Markt- hallen arbeitet als Lastträger«in gewisser Raymond Brieze, einer jener großen muskulösen Gestalten, die Nacht für Nacht die schweren Gemüsekörbe oder einen halben Ochsen auf den Schultern von dem Lastwagen zum Stand brin- ,gen. Seit zwölf Jahren ist dieser Mann einer der begehrtesten Blutspender in den Pariser Hospitälern. Er hat in dieser Zeit nicht weniger als 257 Liter Blut Kranken abgegeben. Vermutlich hält er in dieser Beziehung einen Weltrekord. Dabei hat er nur ein einziges Mal Unannehm- licksteiten gehabt, und zwar an einem Tage, wo ihm fünfmal hintereinander, zusammen etwa anderthalb Ater Blut, abgenommen wurden. Damals fühlte«r sich etwas schwach. Aber sonst ist es für ihn ein Kinderspiel, 300 bis 500 Gramm Blukzu verlftren. Er ist jung, frisch und immer guter Laune,«in großer Esser, der aber keinerfti Diät befolgt. Er ist jetzt für das Kreuz der Ehrenlegion wegen seiner aufopfernden Tätig- kein vorgeschlagen worden. Tankstelle« nur für Nüchterne. In Kanton ist eine Neuerung eingeführt worden, die zur Nachahmung empfohlen wird. Autofechrer werden an den Tankstellen nur noch bedient, wenn sie de» Beweis erbringen, daß sie sich in nüchternem Zustande befinden. Wen» der Tankstellenwärter Bedenken hat, ist er berechtigt, seine Kunden einer richtiggehenden Fahrprüfung zu unterziehen. Diese wird so ver- genommen, daß der Autofahrer eine 100-Mcrer- Strecke, die in der Nähe der Tankstelle angelegt worden ist und auf der«ine weiße Zickzacklinie aufgemalt ist, sicher durchfahren muß. Diese Prüfung ist so schwer, daß man zugleich auch ein Mittel in der Hanh hat, Sie. erteilten Führerscheine eventuell wieder zu entziehen. Aus der Artocllcr-Iurn- und Sportbewegung In der Fußball-Meisterschaft des 5. Atus-Kreises gelangen am Sonntag, den 5. April 1936, nachstehende Spiele der ersten Klaffe zur Austragung: Aussig-Nord gegen Nestersitz— Wannow gegen Ullgersdorf— Kleische gegen Schönpriesen— Aussig-Ost gegen Türmitz— Weiskirchlitz gegen Zuckmantel— Graupen gegen Pi Hanken— Langugest gegen Kleinaugezd— Ladowitz gegen Prosetitz— Kremusch gegen Wohontsch— Sobrusan gegen Eichwald— Tischau gegen Neuhof— Sporitz gegen Neudorf— Trupschitz gegen Komotau II— Komotau I gegen Atus Saaz. Das Spiel Schönfeld gegen Krochwitz findet nicht statt und wird auf unbestimmte Zeit verlegt. Der Schiedsrichtervereinigung zur Kenntnis. Alle nichtangeführten Vereine find spielftei. Anstoß: 3 Uhr, oder besondere Vereinbarung. Reuheiden unter sich. Es ist wenig bekannt, daß die„Neuheiden" keine einheitliche Richtung sind, sondern in unzählige Gruppen und Grüppchen zerfallen, von denen freilich die„Deutsche Glaubensbewegung" die weitaus größte ist. Unter den einzelnen Gruppen finden teilweise heftige Kämpfe statt, wobei sich die gegenseitigen Führer den Rang streitig machen und nicht gerade mit Samthandschuhen anfaffen. Zur Zeit wettert Arthur Dinter in seinem Organ„Deutsche Volkskirche" gegen Professor Hauer, den Führer der Deutschen Glaubensbewegung. Hier hat inan die Gleichschaltung noch nicht durchzusetzen vermocht. Man macht sich scharf Konkurrenz, veranstaltet um die Wette Versammlungen, treibt sick gegenseitig die Säle ab. In der Presse befehdet man sich am heftigsten. So erklärte Dinier kürzlich, daß in. der Deutschen Glaubcnsbewegung„der ganze buddhistisch-protestantisch-katholisch-jüdische Menschheitsbund" vereinigt sei. Die Gegenseite erwidert nicht weniger scharf. Vertieft man sich h; das Schrifttum und die darin enthaltenen grobklotzigen Angriffe, so kann man das Gesamtbild nicht gerade sehr„erbaulich" finden. Eine Zwölfjährige heiratet. Präsident Lebrun hat von einer Bäuerin aus einem Dorfe in der Nähe von La Rochelle ein Gesuch erhalten, in dem er gebeten wird, die Genehmigung zur Ehe ihrer zwölfjährigen Tochter Nanetre Delay« mit einem 23jäh- rigen spanischen Arbeiter zu erteilen. Die Keine Ranette ist im achten Monar schwanger und wird bald die jüngste Mutter Frankreichs sein. Bon Schmugglern getötet. In der Nähe von B l e i b ü r g an der jugoslawisch-kärntnerischen Grenze überraschte nachts der landwirtschaftliche Arbeiter Paula! einige Schmuggler, welche Pferde über die Grenze führten. Einer der Schmuggler erspähte Paulak und gab gegen ihn einen Schuß ab. der Paulak auf der Stelle tötete. Die Schmuggler entkamen auf jugoflawisches Gebiet. Sowjetrussische Bücher im Ausland. Im Jahre 1035 wurden im Auslande Bücher, Zeitschriften und Zeitungen, die in der Sowjetunion in russischer Sprache erschienen find, im Werte von insgesamt 380.000 Dollar verkauft, gegenüber 350.000 Dollar im Jahre 1934. Den stärksten Absatz finden sowjetrussische Ausgaben in russischer Sprache in den Bereinigten Staaten, in Frankreich, Polen, Deutschland, in der Tschechoslowakischen Republik, England usw. Die älteste Fran Ungarns ist die 11 4 j ä h» r i g e Frau Rosalie T a n.d a r i, die auf einem Gut bei Szeged lebt. Wetterlage bleibt veränderlich. Bei schwachem Südwestwind wird dem Binnenland relativ wa r m e, aber feuchte Luft zugeführt. In den boh- mischen Ländern stieg die Temperatur stellenweise etwas Wer plus 15 Grad Celsius an. Der allgemeine Wettercharakter bleibt jedoch unsicher, so daß noch nicht mit einer stabilen Wetterlage gerechnet werden kann.— Wahrscheinliches Wetrar von heutet- Andauer des ziemlich ruhigen, jedoch etwas unsicheren Wetters. Größere lokale Bewölkung-Unterschiede, nur vereinzelt noch Schauer. Mäßig warm.— Wetteraussichten für Donnerstag: Keine größere Aen« derung. Vom Rundfunk ■nMMmwwIm am dM ProarMMMai Donnerstag: Prag» Sender L: 6.15: Gymnastik, 10.05, Deutsche Presse, 11d Schallplatten, 11.05: MufikS Salonquartett, 16.10: Tanzmusik, 17.45: Deutsche Sendung: Musik für die Jugend, 18.10: Sieber: die Buchdruckerkunst und deren Vorläufer, 18.20: Lehrer Blau: Auf dem Wege zur Dorfkultur, 18,45: Deutsche Presse, 19.15: Englisch für Anfänger. 19.30: Nebertragung au- dem Weinberger Theater: Unsere Furiosen, 20.15: Tanzmusik, 22.15: Salonorchesterkonzert. Sender S: 7.30: Leichte Musik, 14.15: Deutsche Sendung: Dr. Schuster: Erziehung und Jugendberatung-stellen, 14.50: Deutsche Presse, 18. Volkslieder.— Brünn 18.80: Deutscher Arbeitsmarkt, 17.25: Schallplatten, 17.40: Deutsche Sendung: Arbatterftmk: Josef Schramek: Weltkris» »nd Sozialpolitik.— Preßburg 12.85: Mittagskonzert, 19.30: Liederkonzert:— Mährisch-Ostra» 15: Jiachmittagskonzert. Nr. 78 Mittwoch, 1. April 1938 Seite 8 Der Riese der Meere im Trockendock Ein überaus eindrucksvolles Bild von dem Heck und den Schrauben des größten Schiffes der Welt, -er»Queen Mary", die gegenwärtzg in Southampton im Trockendock steht. Wie Ameisen erscheinen gegenüber den riesigen Schiffs- schrauben die Menschen Abkommen über den U-bootkrles London. Wie der Erste Lord der Admiralität M o n s e l l in seiner Rede bei der Unterzeichnung des Flottenabkommens andeutete, wird seitens aller Signatare des Washingtoner Vertrages ein weiteres Protokoll unterzeichnet werden, das Vorschriften fürÜnter- seeboote enthält, wie sich dies« im Falle eines Krieges Handelsschiffen gegenüber verhalten sollen. Die betreffenden Verhandlungen mit den einzelnen Signataren sind bereits weit fortgeschritten und, sobald das Protokoll von den fünf Washingtoner Vertragsmächten unterzeichnet sein wird, wird es auch den übrigen Seemächten mit der Einladung unterbreitet werden, demselben beizutreten. Der Standpunkt von Ramfah Maedonald. In der letzten Unterhausdebatte hat die Rede von Nicholson eine allgemeine Beachtung gefunden, der die Ansichten der kleinen, jedoch einflußreichen Macdonald-Gruppe entwickelt hat.„Bei uns ist Frankreich nicht beliebt," sagte Nicholson. „Die Franzosen lieben uns auch nicht. Sie sind klüger als wir, sie sind vielleicht überhaupt das klügste Volk der Welt. Dafür sind wir wenige» nervös als di« Franzosen. Jeder Engländer weiß aber ausgezeichnet, daß Frankreich England nie angreifen wird, was man nicht ohne weiteres von anderen Ländern sagen kann." Dieser Standpunkt, der Macdonald-Gruppe hat in einem sensationellem Aufsatz der„News Letter", die als offizielles Organ der Gruppe angesehen werden, eine noch schärfere Formulierung erfahren. In diesem Aufsatz wird merkwürdigerweise sogar eine Allianz mit Frankreich-Belgien empfohlen, aber mit sehr einschneidenden Einschränkungen. ES liegen GÄinds vor, angunehmen, meint das Organ von Maedonald, daß die öffentliche Meinung Englands in den nächsten Wochen sich Auf folgenden drei Grundsätzen einigen werde: 1. Man müsse, im Interesse der Sicherheit Englands, unbedingt einen deutschen Einfall nach Frankreich und Belgien verhindern. Als beste Methode dafür müsse man den Abschluß von klaren mroffenen Verträgen ansehen. 2. Die Sicherheit Englands verlangt keine sw egs nach einer unbedingten Aufrechterhaltung! des osteuropäischen Status quo. England darf nicht in einen Krieg hineingezogen werden,, der aus irgendwelchen Verträgen mit den, östlichen Nachbarn Deutschlands entstehen könnte. Der Friede kann nur im Rahmen einer großangelegten Revision derbeste- henden B o r t r ä ge und einer allmählichen Abrüstung aller Staaten gesichert werden. Das italienisch-albanische Abkommen.(AP) Das neue italienisch-albanische Abkommen bedeutet einen erheblichen Erfolg der italienischen Balkanpolitik. Die italienischen Schulen werden wieder eröffnet. Vorgesehen sind die Gründung einer italienischen Agrarbank, die Organisierung des albanischen Tabakmonopols durch italienische Organisatoren, der Ankauf der albanischen Produkte durch eine italienische Handelsgesellschaft und die Erweiterung der italienischen Petroleumskonzessionen in Albanien. In allen Abteilungen der albanischen Staatsverwaltung werden italienische Instrukteure ernannt. Die vor Jahren entlaffenen italienischen Militärinstrukteure kehren unter Führung' eines italienischen Generals nach Albanien zurück, um sich der Organisierung der Armee zu widmen, deren Bestand von 6000 auf 10.000 Mann erhöht werden soll. Geplant sind fernerhin die Befestigung des Berges Karaburna im Hafen von Balona und des Hafens von Durazzo, der verwaltungsmäßig völlig in italienische Hände übergeht. Als Gegenleistung gewährt Italien eine Anleihe von 40 Millionen Goldsranken in fünf Jahresraten, die für die albanische Landwirtschaft und das erwähnte Tabakmonopol Verwendung finden sollen. Ein gutes Geschäft. Der aufgelöste deutsche Reichstag hat in den zwei Jahren und drei Monaten seines Bestehens insgesamt-— fünfmal getagt. Die Abgeordneten höben insgesamt 10 Stunden und 40 Minuten für ihr Amt geopfert. Keiner der Abgeordneten hat je im Reichstag gesprochen. Ihre Tätigkeit erschöpfte sich int Anhören von fünf Reden Hitlers, fünf Ansprachen Görings und in fünfmaligem Erheben der Hand. Dafür erhielt Göring als Reichstagspräsident jährlich 30.000 Mark, die Abgeordneten monatlich 600 Mark. 70.000 Arbeiterzeitungen konfisziert. Unweit der ffchechoslowakischen Grenze bei Pvys- dorf haben österreichische Organe«in Auw angehalten, das nach Oesterreich 70.000 Exemplare der Brünner„Arbeiterzeitung" bringen wollte. Das Auw und die Fracht wurden beschlagnahmt, vier Personen verhaftet. Auch Holland rüstet. Die niederländische Regierung hat dem Parlament einen VetteidigungSplan vovgelegt, für den in den nächsten vier Jahren ein Betrag von 53 Millionen Gulden flüssig gemacht werden soll. Vorgesehen find eine Verstärkung der Landesverteidigungsmittel durch Anlage von Kasematten, Tankabsperrungen, Ausrüstung der Infanterie mit kleinen Geschützen etc. sowie eine Vermehrung der in den indischen Gewässern stationierten Kriegsschiffe. Das FriedenÄontingent, das zur Zeit nur 19.500 Mann beträgt, soll erhöht, die Dienstzeit, di« augenblicklich nur sechs Monate beträgt, verlängert werden. Die Absichten der Regierung finden allgemeine Zustimmung, auch bei den bisherigen Anhängern der einseitigen stchrüstung. Siebzehn Flcsscrstldic— Sprung ans dem dritten Slodf- und kein Todesopfer unwahrsdieiniKh giüdtlidier Ausgang eines Eilersuditsdramas Prag. Das Eifersuchtsdrama, das gestern vor dem hiesigen Schwurgericht stinen strafrechtlichen Abschluß fand, hat seinerzeit Aufsehen erregt, und zwar vor allem wegen seines unwahrscheinlich glücklichen LuSgangeS. Siebzehn schwere Mcsieftrich« und em selbstmörderischer Sprung aus dem drttten Stock — und alles das endete glücklicherweise nur mit einigen leichteren Verletzungen ,., Bor dem Schwurgericht(Vors. OGR. Dr. S ü- k o r a) stand der 37 jährige Tapezierergehilfe Anton Stohanzl, den die vom Staatsanwalt Dr. K a- brle vertretene Anklage des nicht vollendeten Mordes bezichtigte. Anton Stohanzl hat eine harte Jugend durchgemacht. di^ aus ihm einen außerordentlich ivar- samen, wortkargen und wenig umgänglichen Menschen machte. Er war ein tüchtiger und stiller Arbeiter. beliebt sowohl bei seinen Dienstaebern als bei den ArbeilSkamerqden, obwohl er gern seiner Wege ging. Seiner langjährigen Quartiergeberin fiel nun auf. daß ihr stiller und solider Untermieter plötzlich auf sonderbare Art seine Gepflogenheiten ändert«. Er begann auffällig zeitig- zu Bett zu gehen, um dann mitten iy der Rächt aufzustehen und das Haus zu verlassen. 1 Stohanzl hatte sich verliebt- und seine AuS- erwählte war die. um 13 Jahre jüngere, im Büfett ..Axa" angestellte Verkäuferin Bojena Tome- kek, ein sehr hübsches und auch sehr lebenslustiges Mädchen, daS ihren Am'ichten und Lebensgewohnheiten nach ziemlich schlecht zu ihrem schwerblütigen Partner paßte. Zunächst begleitete sie Stohanzl jede dlacht nach Geschästsschluß(also um drei Uhr früh) nach Hause, um sie vor den Anfechwngen der nächtlichen Gasse zu bewahren. Dann wurde das Verhältnis intim und es scheint, daß Stohanzl sich als reeller Bräusigam fühlte, während seine Freundin die Sache offenbar weniger ernst nahm. Die Verschiedenheit der Charaktere und Veranlagungen brachten eS mit sich, daß daS Verhälwis höchst unglücklich wurde. Der Liebhaber mußte feststellen. daß seine Freundin u. a. mit einem gewiffen Mann aus der Schweiz ein« zärtliche Korrespondenz führte, was heftige Eifersuchtsszenen hervorrief. Durch Monate hindurch setzte es ständig Zerwürf- nisse, Streifigkeiten und Drohungen, die dann stets mit kniefälliger Abbitte endeten. Kurz— Anton Stohanzl war dem Teufel der Eifersucht mit Haut und Haar verfallen und benahm sich auch danach. Bojsena nahm die Sache weniger ernst. Zweimal kam sie zu chrem offiziellen Freund und teilte ihm mit, daß sievonihmschwangersei. DaS erstemal freute sich Stohanzl und tröstete Bosjena damit.| daß er sie ja doch heiraten werde. Davon wollte sie aber nichts wissen, denn diese Ehe erschien ihr keineswegs als das erstrebenswerteste Ziel— die angeblichen Schwangerschaften erforderten ziemliche Geldopfer des eifersüchttgen Liebhabers, der zu alledem noch in der peinlichen Ungewißheit schwebte, ob er der wirfliche Urheber des Malheurs fei. Da er nicht die Kraft hatte, das unerträgliche BerMtnis zu beenden, sondern jeden Auftritt mit reumütigen Bitten um Verzeihung schloß, schleppte sich diese sonderbare und unerquickliche Liebe noch monatelang hin. bis endlich, am 29. Ottober vorigen Jahres, die Katastrophe eintrat. Am Abend vorher hatte ihm Bozena nach einem Beisammensein im Hotel erllärt, sie werde nun endgültig Schluß machen. Von der desolaten GeisteSver- fassung des eifersüchttgen Liebhabers zeugt ein sonderbares Schriftwerk, das man bei ihm auffand und das den Titel trägt:„Meine Lebensbeschreibung, d i e i ch z u s ch r e i b en b e» gannimJahre 1935, den 16. O k t o- b e r". Am 29. Oktober meldete sich Stohanzl krank. Zum Arzt ging er aber nicht, sondern lungerte vor der„Axa" herum, um wieder einmal«ine..Aussprache" mit feiner Geliebten herbeizuführen. Diesmal«rfichr er eine glatt« Abweisung, ließ sich aber nicht abschrecken, sondern wartete ab, bis Bozena sich nach Geschästsschluß auf den Heimweg begab. Er ging mit ihr bis zu ihrer Karolinentbaler Wohnung, wo er sie. nochmals mit Bitten bestürmte, zu ihm zurückzukehren. Bozena sagte ihm nachdrücklichst. daß alles zu Ende sei und gcch ihm gleichzeitig ein Täschchen zurück, das er ihr seinerzeit geschenkt hatte, wobei sie ihm spöttisch tänzelnd Vorsan«: „Suche deinGlück anderswo..,! Trotz allem ging er mit ihr bis in ihre Wohnung. In der Küche wollte sie ihn endgültig verabschieden und sperrte sich in ihrem Zimmer ein. Run geriet Stohanzl in Raserei. Er sprengte die Tür zu dem Zimmer seiner- Freundin auf und stürzte sich mit einem in der Küche aufgeraffien Meffer auf sie. Er brachte chr siebzehn schwere Stiche in Kopf, HalSund Sch u l t e r n bei. bis Bozena bewußtlos in ihrem Blut lieaen blieb. Dann sprang Stohanzl in der Meinung, daß seine Geliebt» tot sei, aus dem Fenster der im dritten Stock gelegenen Wohnung. Der Zufall wollte, daß er auf das Dach einer vor dem Haus stehenden Autodroschke fiel. Der Sturz hatte keine ernsten Folgen und der Attentäter wurde nach wenigen Tagen der Untersuchungshaft überstellt. Auch Bösiena starb nicht an den erlittenen schweren Verletzungen. Da aber einer der Sfiche die Schultersehne und die Nerven des linken Armes durch- Berliner Eintopfsonntag Von H. R. Es ist dafür gesorgt, daß Vorschriften im Dritten Reiche nicht nur auf dem Papier stehen bleiben, sondern auch eingehalten werden. Was der Deutsche macht, das macht er gründlich, auch die Diktatur. Und auch den Eintopfsonntag. Der Kellner bringt die„Menu"karte: Graupensuppe mit Rindfleisch, Kohl mit Hammelfleisch, Makkaroni mft Schinken.— Keine Vorspeise, kein Rachttsch. Mk 2.08 in einem besseren Restaurant. „Ist dies die Speisenfolge?"» fragst du. etwas verwundert, den Kellner.„Rein, eine von diesen Speisen", sagt der beleidigt,„heute ist doch Eintopffonntag."—„Und da gibts nichts anderes?"—„In ganz Deutschland nicht, wußten Sie das nicht?" Verlegen enffchuldigen wir uns, daß wir Fremde sind, mft den Gewohnheiten des Dritten Reiches noch nicht vertraut. Wir Hecken davon gehört, selbswerständlich, aber wer denkt denn immer an den Eintopffonntag I llird 2 Mark 3 für eine Suppe mit einem Stückchen Fleisch darin? DaS scheint unS etwas viel." „80 Pfennig müssen wir doch an die Winterhilfe abgeben", erwidert der Kellner vorwurfsvoll. Run magst du aber gerade Graupensuppe oder Kohl für dein Leben nicht leiden. Du hast einen schwachen Magen, leidest an Zuckerkrankheit, Fettleckigkeit, weiß Gott, was sonst, gerade Graupen, Kohl und Mehlspeisen hat dir der Arzt aufs strengste verboten. Hastig ergreifft du deine Ueberkleider, versprichst am Abend wiederzukommen und schon bist du mft einer gemurmelten Entschuldigung draußen. Was aber nun? Du weilst als Fremder in der Stadt und bist auf Gasthausküche angewiesen. Run, auch nicht schlimm, man kann ja einmal auf das Mittqgessen verzichten, es auf den Abend verlegen, wo es wieder normale Speisekarten gibt, und sich für den Augenblick mit einem„Wiener Gedeck", wie man es in jedem Berliner Cafe erhält, begnügen. Tee oder'Kaffe«, weiche Eier, belegtes Brot, dabei braucht man schlftßlich auch nicht zu verhungern. Gedacht— zu tun versucht. Aber noch lange nicht getan.„Kaffee können Sie haben", erklärte man uns,„aber Eier..."„Ach so, Eier bedeuten in Deutschland einen unbekannten Leckerbissen..."—„Eier haben wir allerdings nickt", belehrte man uns,„aber selbst, wenn wir sie hätten, dürsten wir sie nicht geben. Auch be legtes Brot nicht. Das gibt es erst nach fünf Uhr. Heute ist doch Eintopffonntag." Wieder dieser stumme Vorwurf„Dann bringen Sie in Gottes Namen Kaffee und Butterbrot", ersuchen wir zermürbt und resigniert.„Auch Butterbrot dars ich nicht bringen", erfahren wir. Wir hatten allerdings nicht gedacht, daß selbst Eier und Brot mft in den„Eintopf" gerührt werden müssen. Also nicht einmal Hungerstreft ist gestattetl Man wird einfach gezwungen, für teures Geld Graupensuppe mit einem Stückchen Rirckfleisch zu verzehren. Unerfindlich ist, was die Winterhilfe davon hat, wenn wir uns den Magen mft Kohl oder Graupen verderben. Als ob ihr nicht ebenso gedient wäre, wenn man auf das reguläre Menu einen perzentuellen Aufschlag erheben würde! Der Gewinn könnte unter Umständen noch viel größer sein. Aber vielleicht kommt es mehr auf die schöne Geste an. Es macht sich gut, wenn man für sein Geld auch nichts anderes bekommt, als Graupensuppe und man soll keine Gelegenheit vorübergehen lassen, zu beweisen, daß man es ernst meint mft der Diktatur. Eüftopfsonntag ist Eintopffonntag im Drft- ten Reich, um den man sich nicht mft Kaffee und Buttexbrot herumdrücken kann. Ausweis für den Monat März (Die erste Zahl, bedeutet Parteifonds, die eingeklammerte Wahlfonds.) Bodenbach: Kk 6750.—(1600.—), Brü n- n:'KC 430.^(20?—), Karlsbad: Kc 4000.—(1000.—), KezmarkKL 32.— (8.—), Landskro»:KL 400.—(100.—). Pilsen:!« 1920.—(420.—), Pra g: Kc 600.—(150.—), Preßburg: KC 207.— (43.—), Reichenberg: KL 724.—(146.—), Sternberg: KL 800.—(200.—), Teplitz: KL 2000.—(500.—), Trautenau KL 1040.— (260.—), Troppau: KL 1650.—(360.—). trennt hat, wird sie zeitlebens einen gelähmten linken Arm behalten. * Stohanzl leugnete vor den Geschworenen die Mordabficht. für die nach Ansicht der Staatsanwaltschaft der Jnhatt jener kuriosen.Lebensbeschreibung" eindeutig spricht. Er erflätte vollkommen außer sich gewesen zu sein und nicht gewußt zu haben, was er tue. Als ihn der Vorsitzende ftagte, ob er eifersüchtig gewesen sei, erflätte er. er .wisse nicht, was Eifersucht heißt", gab aber zu„auf den andern Wutae- habt zu haben". Im Lbttgen erklärt er. er sei bereit. seine Bozena sofort zu heiraten, auf welchen Vorschlag daS Mädchen mit schaudernder Ablehnung reagierte. Den Geschworenen wurden nebst der Haupt- schuldfrag« auf das Verbrechen des nicht vollendeten Mordes noch die Eventualfrage auf vorsätzliche schwer« Körperverletzung vorgelegt. Das Geschworenenkollegium erkannte den Angeklagten einstimmig nur deS letztgenannten Delittes schuldig und verneint« auch die obligate Zusatzfrage auf die Riedttgkeü und Un- ehrenhafttgkeit der Beweggründe. Das Urteil d«S Schwurgettchtshofes lautete aus fünfzehn Monate schweren und verschärften Kerkers. Der Angeklagte nahm die Strafe an. rb. VoIMM Ult WM Der Kampf«m das GeschäftSrersendrngesetz. Auf einer von der„Union der Geschäftsreisenden un!d Bettreter in der ESR" einberufenen Tagung der Geschäftsreisenden, welche Samstag, den 28. März, unter Vorsitz des Gen. Glaser, Karlsbad, in Teplitz-Schönau stattfand, wurde die eheste Verwirklichung des Geschästü- reisendengesetzes gefordert. Die Sekretäre der „Union", Genosse Dr. Posamentir, Prag, und Genosse Lenk, Teplitz-Schönau, berichteten über die Erfolge, die darin bestehen, daß durch den Genossen Abg. Klein bereits die Genehmigung im parlamentarischen Angestelltenausschuß durchgesetzt wurde und nunmehr alle Kraft dazu verwendet werde, um auch die möglichst rasche parlamentarische Behandlung zu erzielen. Prager Herbstmesse wieder mit Exporttagen. Prag.— Die Prager Diesseleitung hat den Beschluß gefaßt, zur kommenden Herbstmesse die Exporttage beizubehalten. Begründet wird die Maßnahme danrit, daß es nicht angeht, den Termin ständig zu wechseln und damit das kaufende Ausland irrezuführen. Die zwei Exporttage seien bereits zur Tradition geworden und die müssen ausgebaut, nicht aber unterbrochen werden. Die kommende Prager Herbstmesse wird daher vom 6. bis 13. Septencker stattfinden, die Exportmeffe jedoch bereits am 4. September eröffnen. Keine Kriegsgewinne! Mit der Erraffung riesiger Gewinne im Weltkrieg und der jetzt wieder drohenden Kriegsgefahr begründete der Ar- beiterparteiler W. H. Maiwaring soeben im Unterhaus einen Antrag, die Regierung aüfzu- fordern, alle Kräfte der Nation aufzubieten, um den besten Weg zur Verhinderung von Kriegsgewinnen zu finden. In der Debatte erklärte W. S. Morrison vom Schatzamt, die Regierung arbeite ständig in dieser Richtung. Nach Zurückziehung eines konservativen Zusatzantrages wurde die La- bour-Resolution ohne Abstimmung angenommen. Gipfel der Zerstreutheit „So, Jetzt noch rasch telephonieren.. ,* „Sozialdemokrat* Mittwoch, 1. April 1936. Nr. 78 Seite 6 Trager fettunq Gelächter am Wenzelsplatz * Da lacht in einem Schaufenster ein kleiner Mann. Dickbäuchig, kahlköpfig, mit feistem Biergesicht sitzt er da und lacht, lacht breit übers ganze Gesicht, lacht mit dem Bauch. Er schüttelt sich vor Lachen und kann sich nicht beruhigen. Seine Stimme überschlägt sich und sein Gelächter geht über in«in schluchzend.es Wiehern. Es ist ein künstlicher Mann, ein Automat. Und er lacht ein künstliches Gelächter, um dir Passanten vor dieses Schaufenster zu locken. Sie bleiben auch stehen; immerwährend belagert eine Menge das Fenster und schaut den behenden Mann an. Aber seltsam: so„ansteckend" das Gelächter wirken soll und eigentlich auch wirken könnte— die meisten Leute lachen nicht. Sie schauen ziemlich verwundert den lachenden Mann an und wissen nicht, was sie mit diesem Gelächter anfangen sollen. Einige lächeln, wie Unbeteiligte lächeln angesichts einer finnlosen und bei aller Beharrlichkeit offensichtlich vergeblichen Bemühung. Und wenn wirklich einmal ein Zuschauer herzlich mitlacht, so lächeln die anderen wohl über ihn und der lebendige Lacher verstummt ein wenig irritiert. Auf manchen Gesichtern aber erscheint«ine Frage, für die nicht gleich eine Antwort zur Hand ist. Worüber lacht eigentlich der künstliche Mann so heftig, daß es ihn bis in den dicken. Bauch erschüttert? Es ist das Schaufenster eines Zeitungsverlags, in dem er lacht. Rechts und. links von ihm hängen angeklebie Zeitungsseiten, frisch vom Tage. Lacht er vielleicht über das, was in den Zeitungen steht? Erhebt er ein wahnwitziges Gelächter über das Heldentum italienischer Kampfflieger, die dürftige Stadtnester im abessinischen Karst und schwarze, schlecht bewaffnete Soldaten mit Tonnenlasten von Bomben zerstampfen? In einer Filmwochcnschau sah man die geflügelten Bomben zur Erde trudeln, sah sie einschlagen, sah die Toten liegen, verkrampft«,Leichen im beißen Gestein, mager, halbnackt in weißen Leinwandfetzen— lacht der Autouiat über den entsetzlichen Wahnsinn einer Welt, die sich zivilisiert nennt? Lacht er, weil anders verzweifelnder Ingrimm sich nicht zu helfen weiß? Lacht er über die Wahlkomödie eines zum willenlosen Ja-sage-Auiomaten erniedrigten Volkes? Lacht er über die Kühnheit eines terroristischen Regimes, das diese 99 Prozent Ja-Stimmen als Manifestation„der stahlharien Einheit von 66 Millionen" bewertet wiffen will, während alle Welt weiß, daß das„zu viel gesiegt" ist, um glaubhaft zu sein? Lacht er darüber? Lqcht er über uns alle? Oder— lacht er fLr uns alle? Kam da«in Mensch auf den Gedanken, einen Lachautomaten zu konstruieren, der nun unablässig sein künstliches Gelächter der Menschheit ins Gesicht gröhlt— weil in dieser irregewordencn Welt wir alle nichts zu lachen haben...? 0er Bezirksverein „Arbelterfürsorse“ veranstaltete am Montag seine diesjährige Generalversammlung. Aus dem Bericht der Borsitzenden Genossin Maria Deutsch gim; hervor, daß die Mitgliederzahl(456) im letzten BerbandSjahre unverändert geblieben ist, im kommenden Jahre aber durch intensivere Werbung erhöht werden soll. Die Beratungsstunden(unter Leitung der Genossin Roth) und das Unterstützungswesen wurden wie in früheren Jahren fortgeführt. Hinzu kam di« Ausgabe von 460 Milch- und Brotkarten, die zumeist an Emigranten verteilt wurden, denen auch die neu eingeführte Heilmittelhilfe zugute kam, für die allein etwa 1006 Kd verausgabt wurden. Auch im abgelaufenen Jahre hat die Arbeiterfürsorge wieder eine große Winter Hilfsaktion durchgeführt, dies- nial für die Notstandsgebiete im Jfergebirge, und das Ergebnis übertraf noch erheblich die Sammlung, die im Jahre 1934 für Steinschönau veranstaltet worden war. Es wurden diesmal 17.564 Kd(gegen 11.000 Kd im Winter 1934) gesammelt, von denen 13.350 den Krisenopfern in'den Jsergebirgs- bezirken Kamnitztal, Josefstal, Johannisberg und Wiesental zugutekamen. Genossin Deutsch sprach allen, die sich in den Dienst dieser Winterhilfsaktion gestellt hatten, besonders der Gec und den Fal« k e n.^den herzlichen Tank der Arbciterfürsorge aus, und Schriftführerin Genossin Anna Appell verlas Bericht« über den Verlauf der Hilfsaktion," aus denen die Dankbarkeit und die Freude der Notleidenden.hervorging, denen durch die SolidaritätS- akrion geholfen werden konnte. Nachdem Genossin Franzel den Kassenbericht erstattet hatte, der einen Ueberfchuß von 6200 Kd austveist, wurde der Ausschuß in seiner bisherigen Zusammensetzung (unter Hinzuwahl der Genossin Fleischer) wiedergewählt. Den Beschluß der Generalversammlung bildete die Vorführung des Films„Unser Heim", der in anschaulichen und schönen Aufnahmen daS glückliche Feriegleben der Proletarierkinder zeigt, die der Verein Arbeiterfursorge aus den dunklen Mietskasernen der Städte in das herrliche Erholungsheim amHirschbergerSee sendet, auf das die Arbeiterfürsorge mit Recht stolz sein kann. Schulfest. Am 5. April im Saale des Spinnerverbandes des Palais„Kotva", Revoludnt la, anläßlich des 75jährigen Bestandes der deutschen Volksund Bürgerschulen in Prag I. Schüleraufführungen um 3 Uhr nachmittags und Wiedersehensfeier um 8 Uhr abends.. Karten zum Preise von 5 Kd im Vorverkauf in beiden Direktionen der Volks- und Bürgerschulen in den Bor- und Nachmittagsstunden. Ausflugszüge. Die Staatsbahndirektion veranstaltet folgende AnSflugszüge. Vom 7. bis 14. April ritt Sonderzug mit Verpflegung in die Beskiden für 380 Kd, nach Tatranskä Lomnic« kür 495-Kd, nach Teig art für 470 Kd. und in den Tagen vom 11. bis 13. April ins Riesen-- a e b i r g e, Preis 150 Kd. Der Sonderausflug zu Ostern in die Hohe Tatra vom 7. bis 14. April ist gesichert. Preis 495 Kd. Anmeldungen für die noch freien Plätze nimmt der Basar neben dem Wilson- bahnhof, Telephon 38335, entgegen. „Die Arbeitslosigkeit der Jungen und der Altem" Im Sozialen Institut spricht über dieses Thema am 2. April um halb 20 Uhr Prof. Dr. Emil Schoenbaum, Direktor der Allgemeinen Pensionsanstalt. An die falsche Adresse geraten. An einen Ama- teurdetekfiv geriet, während er glaubte, an einen Berufsgenoffen geraten zu sein, der Bäckermeister Jan Eapek aus Michle, als er dem Lackierer Alois Vo- thpka in Michke den Antrag stellte, gemeinsam mit ihm die Pankratzer Borschußkaffe auszurauben. Vothpka, der ein unbescholtener Mann ist. ist nämlich der Bruder eines bekannten Kassenknackers Vo- typka; und für diesen seinen Bruder hielt ihn irrtümlich Capek, als er ihm sein Anerbieten machte. Votvpka. scheinbar vom Ehrgeiz, beseelt, den Lebenswandel seines Bruders zu sühnen, ging zum Scheine darauf«in. Run verschaffte§apek im Einverständnis mit dem Hausmeister deS Gebäudes der Vorschußkasse, Josef Pokorny aus Pankratz, den Schlüssel zum Vorhängeschloß der Kassa. Die Kassa verfügt jedoch über einen besonders umgänglichen Kassier, nicht nur, daß er den Schlüssel so nachlässig verwahrte, daß die Diebe ibn tagelang abwechselnd wegnehmen und wie- der zurücktragen konnten, hinterließ er auch täglich seine privaten Anmerkungen über den Kassenstand, so daß Eapek sich danach richten konnte und beschloß, ben Einbruch erst, auszuführen, wenn es sich lohnen würde. Als endlich 28;ö00 Kd in der Kassa beisammen wäre«, wmde beschlosst, loszuschlagen; doch erstattete am selben Tage Vorppka die Anzeige, auf Grund deren Capek und Bokornh gestern verhaftet und nach Pankratz eingeliefert werden konnten. Tas Auge des Gesetzes. Als ein Detektiv der Sicherhcitsabteilung gestern vormittag ins Geschäfts- lokal der Firma Wolf u. Schleim trat, um einen Einkauf zu besorgen, begegnete ihm beim Eingang der bekannte Ladendieb Josef Neumann aus Zilkov mit einer unbekannten Frauensperson. Als die beiden des Detektivs ansichtig Warden, kehrten sie in den Laden zurück und die Begleiterin Neumanns ließ, als sie sich unbeobachtet glaubte, ein Paket aus ihrem Unterrock fallen. Der Detektiv versicherte sich sofort des Pakets, das Flanell im Werte von 850 Kd enthielt. Die beiden wurden verhaftet. In der Frau wurde die ebenfalls mehrfach wegen Diebstahls vorbestrafte Marie Wagner aus Prag-Zijkov feftgestellt. In die Moldau. Gestern wurde um 8 Uhr früh beim Winterstadion die Leiche der 35jährigen Hausgehilfin Anna Noväk, wohnhaft zuletzt Prag ll, Goldschmiedgasse 6, aus der Moldau gezogen. Die Leiche war etwa 14 Tage lang im Wasser gelegen. Sie wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. Gestern um 9 Uhr früh sprang der 47jäh- rige Arbeiter Josef Bojtdch aus Straschnitz von der Judeninsel in die Moldau und ertrank, ehe ex ber- auSgezogen werden konnte. Tie Leiche wurde ins Institut für gerichtliche Medizin gebracht. Das Motiv der Tat ist unbekannt. Iüurst und Mssen. „Aida“ mit Gästen In Anwesenheit des Präsidenten der Republik und seiner Gaüin, die wiederum respektvollst und herzlichst begrüßt wurden, gab es gestern im Deutschen Theater eine sehr interessante „Aida"-Aufführung, die gber künstlerisch die erwartete Solennirät nicht völlig brachte. Nach den ersten fünf Bildern zu schließen blieb vor allem der berühmte Teiwr Lauri Volpi, von dessen Ra- dames man sich noch«ine Ueberbietung seiner Leistung als Herzog versprochen hatte, seiner Partie manches schuldig. Tadellos wohl das„Celeste Aida" und imponierend des Sängers Anteil am Duett und Terzett des Nilakts, der ihm auch Gelegenheit zu vorbildlich schön gesungenen Phrasen gibt. Aber der ganz große Wurf wollte nicht kommen, anscheinend in Wechselwirkung zwischen einer gewissen Passivität des Darstellers und den befremdenden Launen des Stars, der nach dem dritten Aktschluß kaum für den Beifall sich bedanken kam. Sollte Lauri Volpi, nach dem mäßigen Niveau unserer „Rigoletto"-EnsembleS, unangenehm überrascht gewesen sein, daß diesmal mich andere Sänger und mit ihnen der Dirigent(Zweig) und das Orchester mit Recht großen Beifall fanden? Gewiß hat keiner im Ensemble die Singkultur Volpis; aber Herr Josef Schwarz ist vermöge seiner großen,"schönen und gesunden Stimme, kraft seines künstlerischen Ernstes, mit dem er auch dramatisch in Stimmausdruck und Spiel seiner Partie alles gibt, ein prachtvoller Amonasro— die eindrucksvollste, bedeutendste Figur des Abends, der aber auch unsere beiden Bassisten, Andersen und Gutmann, in bester Verfassung fand. Das andere Geschlecht war diesmal tatsächlich das schwächere. Der zweite Gast, Zdenka Ziko vä(Zika), bis nun an der Wiener Staatsoper, ist wohl genügend illusionsentsprechend in der Erscheinung und schauspielerisch einwandfrei; aber stimmlich und gesanglich zumindest derzeit wenig Überzeugekd. Da verlautet, daß die Direktion erwägt, die Dame für die nächste Spielzeit zu verpflichten. muß ausführlich darauf hingewiesen werden^ daß das schöne Material dieser Sängerin ange- grirfen und also nicht genug widerstandsfähig wirkt, vermutlich infolge nicht gerade vorbildlicher Gesangs- technik, die den Ton in der Mittellage reizlos und unergiebig,* im Forte der Höhe manchmal sogar unnybel erscheinen läßt. Dazu kommt ein allzuhör- bareS Atmen, aus dessen Not beim Phrasen-Abschluß oftmals die„Tugend" eines besonders gefühlsbetonten Schluchzers gemacht wird. Dagegen verfügt die Sängerin Wer einen schönen zarten Kopfton mnd Wer krafwolles Brio zur Führung der Ensembles. Aber auch an dem schönen und satten Organ unserer Frau Kindermann, deren persönlichkeitsstarke Am- neris der Aida darstellerisch überlegen war, siel gestern besonders ein Ueber-Bibrato und ein Wer- flüssiger und unschöner Hang zum Verdunkeln auf. Chor und Ballett sang und bewegte sich auf mittlerem Niveau. Der Beifall war im allgemeinen stark, aber keineswegs von jener südlichen Intensität, die Lauri Volpi hätte angemessen sein sollen; eher von freudiger Wärme für unsere tschechische Landsmännin Zikovä, die aber unseres Erachtens uWedingt zumindest noch in einer zweüen Partie ihr Können unter Beweis stellen müßte, ehe man an ein Engagement in welcher Form immer denken sollte. Im Uebrigen dürfte die Gesamtwirkung dieser Vorstellung auf das Publikum bestätigt hasten, was wir am Sonntag über den problematischen Wert solcher Gastspiele äußerten. L. G. Viertes philharmonisches Konzert Nach dem Generalprogramm der Philharmonischen Konzerte des Prager Deutschen Theaters war das vierte dieser Konzerte der sakralen Musst Vorbehalten.- Leider--wurde aber vorgestern sein Programm nicht eingehalten, so daß man um' die interessanteste Darbietung, die Missa Glagolskaja des bedeutenden tschechischen Tonsetzers Leos Janäcek, kam. Als sakrale Musik waren im Programm nur die beiden Kantaten von Johann Sebastian B a ch für Sologesang, Chor und Orchester beibehalten worden, die Kantate Nr. 56 „Ich will den Kreuzstab gerne tragen" und die Kantate Nr. hl.. jauchzet-Gott, in allen Landen". " ivährend die zweite Programmhälfte des Konzertes der weltlichen Konzertmusik gewidmet war;. hier hörte man das brillante, für den Weberschen Klavierstil so charakteristische K o n z e r t st ü ck für Klavier und Orchester in F-Moll von Karl Maria von Weber und di» formschöne und gedankenreich« Zweite Symphonie in D-Dur von Johannes BrabmS, der bekanntesten und meist- gespieltesten Symphonien des letzten großen absoluten Symphonikers..Fritz Zweig hatte sich dieses mehr vielseitigen als stileinheitlichen Programmes mit der ihm eigenen musikalischen Sorgfalt und Gründlichkeit angenommen und brachte die einzelnen Werte durchaus korrekt zur Geltung. Die Kantaten Bachs hätten allerdings noch größere rhythmische Lestendigkeit und mehr Gegensätzlichkeit in der Dynamik vertragen und ihre architektonische Gliederung"hätte noch großzügiger im Gesamtstil sein können. Zu sehr schöner Steigerung, die nach dem klanglich und dynamisch fein abgetönten Allegro doppelt wirksam war, brachte er die Symphonie Brahms'. Hauptsolist des Konzertes(in dem Weberschen Konzertstücks war der Pianist Paul Aron, ein ohne Zweifel tüchtiger Musiker und Klavierspieler, aber kein Konzertküttstler, dessen Technik einwandfrei oder gar brillant genug wäre, um Webers blendenden Klavierstil richtig zu inter- vretieren. Die vokalen Solisten in den Bach-Kantaten waren Josef Hagen, der sehr schön sang, aber ein wenig zu theatralisch im Vortrage wirkt«, und Rose Book, deren Stimme zu wenig ruhig und ausgeglichen ist, um dem Stile Bachs zu entsprechen. Ganz wundervoll in wnlicher und vor- traglicher Hinsicht brachte dagegen der Theaterchor den kleinen Choral in der ersten Kantate zur Geltung. Auch dar passioniert spielende T h e a- terorchester verdient gelobt zu werden. Der Besuch deS Konzertes war unbegreiflich schwach, da es sich doch um ein durchaus konservatives(klassischromantisches) Programm gehandelt hatte. E. I. Tschechische Philharmonie in Geldnöten. Nach der Kürzung der städtischen, staatlichen und Lan- dessubvcntion droht der Tschechischen Philharmonie ein Verlust von einer halben Million Kd, wodurch der Weilerbestand dieses Musikkörpers in Frage gestellt ist. Arheitervorstellung„Der Freischütz", Oper, am Sonntag, den 5. April, um halb 3 Uhr nachmittags. Karten ab Dienstag täglich von 8 bis 2 Uhr, 4 bis 6 Uhr bei Optiker Deutsch, Koruna. Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theaters. Heute, Mittwoch, halb 8 Uhr abends: Li e b e ist nichtsoeinfach, B 2'r■— Donnerstag halb 8: Das M ä d ch e N aus dem gold en e n Westen, neuinszeniert, C 2.— Freitag halb 8: Ein Kind klagt an, Erstaufführung, DI.— Samstag halb 8: G r o ß e Liebe, Ensemblegastspiel des Theaters in der Jo- sefftadt, Abonnement aufgehoben.— Sonntag halb 3 Uhr: Der Freischütz, Arieitervorstellung, halb 8: Ping-Pong, Gastspiel des Theaters in der Josefftadt, Abonnement aufgehoben. - Wochrnspielplan der Kleinen Bühne. Heute, Mittwoch, 8 Uhr: Spiel um die Welt, Bankbeanite II und freier Verkauf:— Donnerstag 8: Unentschuldigte Stunde.— Freitag 8: Dr. med. Hiob P r ä to rius.— Samstag halb 8: Ich und mein kleiner Bruder, Erstaufführung.— Sonntag 3: College Crampton, 8: Ich und mein kleiner Bruder. VereinsnaMc&kn Heute 8 Uhr Gruppenabende; Weinberge(Rärodni):...1. April". Zentrum(Liga): „Warum politische Jugendarbeit". H o l l e s ch o w i tz(Kamenickä): „Die politische Lage". Allgemeiner Angestellten-Verband, Ortsgruppe Prag. Mittwoch, 1. April, im Handwerkerheim Monatsversammlung. Erläuterung des Robert Taylor in dem Film„Für eine Weile Glück". UrlaWsrechtes, Krankenrechtes. Ferner Aufklärung Wer billige Urlaubreisen und Fahrprciseruräßigun- gen. Ost erfahrt nach Reichenberg. 8port8piet-X»rperp|tege Lute Teilnahme an Bundesfestaktionen im 6. Kreis Ter 5. Turnbezirk hat in vier Gruppen- Vorturnerstunden alle aktiven Turnvereine des Bezirkes erfaßt. Tie außergewöhnlich starke Teilnehmerzahl wurde durch, die Trennung der Uebungsstundcn erreicht. Es fanden in Falkenau eine-solche GruppeMurnstunde am 22. März für Turnerinnen und Mädchenturnen mit 71 Teilneh- -mern.-und am 29. März«ine solche für Männer- üstd Knabenturnen mit 50 Teilnehmern statt. Weiter fand am 15. März in C h o d a u eine Gruppen« Uebungsstunde für Männer und Knaben mit 43 Teilnehmern und in Neusattl am 29. März für Turnerinnen und Mädchen, mit 99 Teilnehmern statt. In allen genannten Sonntagszusammenkünften wurde das Uebungsmaterial für das Bundesturnfest verarbeitet und nach ihrem Abschluß fanden Beratungen der Turnwarte statt. Der 4. Turnbezirk marschierte Sonntag, de» 29. März, in d r e i Gruppenorten zum Bunde s- appell auf. 22 Atus-Vereine waren mit-125 Teilnehmern erschienen; zu ihnen sprach Bundes- turuwart Genosse Mhkura über die letzten Vorarbeiten für das Bundesturnfest. Teilgenommen hätten in Kosolup sieben Vereine mit 40 Funktionären, in Chot»schau acht Vereine mit 37 Funktionären und in P l a n sieben Vereine mit 48 Funktionären. In Plan waren auch, zahlrinche Turnerinnen zugegen. Lebhafte Diskussionen bewiesen-das. groß« Interesse der Vereine des Pilsener Turnbezirkes für das Bundesturnfest und für die weitere Entwicklung derArbeiier-Turn- und Sportbewegung. Am 4. und 5. April finden die restlichen Bundesappelle in Westböhmen statt. Es werden die Genossen Ullmann und Kunig von der Bundesleitung sprechen. Westböhmischer Arbeiterfußball Die Spitzenführer vergrößern den Vorsprung Das Hauptmerkmal der sonntägigen Punkte- kämpfe der ersten Fußballklasse waren die sicheren Siege der Spitzeuführer Maierhöfen und G r äs l i tz. Beide' Mannschaften konnten auf eigenem Platz mit je sechs Treffern die Gegner aus dem Mittelfeld der Tabelle abfertig«». Allerdings bleibt es an der Tabellenspitze unverändert, da auch die nächstfolgenden zwei Mannschaften Atu s Karlsbad und FFK Falkenau mit knappen 1:0-Siegen ihre Punkte nach Hause brachten. Diese knapp errungenen Erfolge sind deshalb beachtlich, da beide Siegermannschaften auswärts spielten. Ter bisherige Tabellenletzte, A t u s Franzens- b a d, hätte den ASV Äeudek zu Gast und ge- wann di« Punkt«.-Es besteht die berechtigte Hoff» 'nung, den eineigen Vertreter des 2. Spielbezirkes durch seine ansteigende Spielstärke in der ersten Fußballklasse zu erhalten.. Anis Fischern war spielfrei und gelangt dadurch an das Tabellenende. -Erfreulich isti das zielbewußte Arbeiten. der Bezirks-Schiedsrichterausschüsse. Sonntag gelang es" deig 5: Spielbezirk^ in einem ganztägigen Kurs sieben- n e u e Schi edsrichte r anS- fünf- Bereisten zu gewinnen. Ständige Weiterbildung in allen übrigen.Bezirken gibt di« Gewähr, daß der Schiedsrichterbestand an Zähl und Qualität steigt. ', Die? Ergebnisse vom Sonntag: FSB Maierhöfen gegen Atus Drahowitz 6:0, Atus Franzensbad gegen ASV Reudek 4:3, Mote Elf Chodau gegen AtnS Karlsbad 0:1,- Atus Unterreichenalt gegen--FFK Falkenau<0:1, ASB Grasljtz gegen ASB Schankau 6:2, FFK Falkenau 1b gegen-Tttr- ner GraneSau 3:3,- Atus- Weheditz gegen Atus Fischern 3:1, Aius Aich gegen ASB Taschwih 4:5. Der Tabellrnstand der 1. Klaffe ASB ' Maierhöfen. 12 9 1 2 19 38:19 ASB Graslitz.. 11 0 0 2 18 59:23 AtUS; Rapid Karlsbad 12 8 2 2 18 20:12 FFK Falkenau-. 12 7 1 4 15 35:21 Rote Elf Chodau., 11 4 3 4 11 24:30 ASB Schankau.. 12 4 2 6 10 38:38 ASB Neudek. 12 4 2 . 6 10 25:28 Atus Trabewitz 12 4 1 7 ' 9‘ 27:35 Atus Unterreichenau. 12 3 1 8' 7 17:35 Atus Franzensbad,' 12 2 2 's 1- 6' , ±7:49 AtuS Fischern.'.‘ 10 2 1 7 ■5 14:25 Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Ke 16.—, vierteljährig Kd 48.—. halbjährig Kd 96.—, ganzjährig Kd 192.—.-*■ Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.—- Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitongsfrankatuc wurde von der Post» und Tele» graphendirektion mit Erlaß Rr. 13.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G. Prag.'