Donnerstag, 2. April 1936 Nr. 79 16. Jahrgang 1 A Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller forte) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii.,fochova«r. TELEFON 0077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS. PRAG. Kundmachung, drei Monate nach dem formellen welche Mittel die Landeshilfsfonds,, zusammen Wien.(Tsch. P.-B.) Der Bundestag«ahm per Akklamation ein Gesetz an, wodurch die allgemeine Bundesdienstpflicht für körperliche Zwecke" eingeführt wird. Der Bundeskanzler als Bun- desführer wird dadurch ermächtigt, die Heranziehung der männlichen Bevölkerung vom 18. bis zum 42. Lebensjahre nach Maßgabe des Erfordernisses mit oder ohne Waffen einzubernfen. Der Bundeskanzler erlLnterte Mittwoch vormittags in einer politische« Rede, die auch über alle österreichischen Rundfunkstatione» verbreitet wurde, den Zweck dieses Gesetzes und betonte, daß in den brette» Schichten der Bevölkerung schon seit Zahre» der Wunsch darnach geäußert wurde. Schulden durch die Zinsfußsenkung und durch die Senkung der Amortisationsraten erzielen. Damit wird die Hilfeleistung des Staates für die Bezirke und Gemeinden in einem vorläufig unbestimmbaren Ausmaße, aber jedenfalls sehr beträchtlich eingeschränkt. Danach ist wohl die Frage gestattet, mit welchem Rechte für andere Gruppen, etwa für die Landwirtschaft eine zusätzliche, über die allgemeine Zinsfußsenkung hinausgehende Entschuldungsaktion gefordert werden kann, wenn den Selbstverwaltungskörpern eine solche Hilfe versagt wird. Schließlich wird der Anteil, der den Landeshilfsfonds aus den für die Unterstützung finanziell schwacher Bezirke und Gemeinden bestimmten Umsatzsteuerüberweisungen zufließen soll, von 35% auf 50%, d. i. von etlva 50 auf ungefähr 72 Millionen KL erhöht. Das bedeutet nun allerdings wieder eine Stärkung des Landeshilfsfonds, aber aus Mitteln, die ohnehin für die Selbstverwaltungskörper bestimmt sind. Die Landesbeiträge, die zur Herstellung des Gleichgewichtes in der laufenden Gebarung not- leihender Bezirke und Gemeinden dienen sollen, werden zugunsten der Schuldenregelung empfindlich gekürzt. Es ist richtig, daß all das schon im Artikel XX des Finanzgesetzes für das Jahr 1936 vorgesehen war. Aber die bloße Tatsache, daß die Abänderung deS Gesetzes über die Schuldenregelung diesen Bestimmungen des Finanzgesetzes erst nach mehr als einem Vierteljahr nachfolgte, zeigt uns, daß um diese Regelung ein heftiger Kampf im Schoße der Regierung geführt wurde, in dem schließlich das fiskalische Interesse über die Bedürfnisse" der Selbstverwaltung gesiegt hat. Aber damit mußte nach dem Finanzgesetze gerechnet werden und damit müßten wir uns schließlich abfinden, in der Erwägung, daß auch die Staatsfinanzen in Rot sind und daß insbesondere der Anleihemarkt nicht mehr, als unerläßlich ist, in Anspruch genommen werden soll. Was aber auch dann schwere Bedenken Hervorrufen muß, ist die Tatsache, daß durch diese Art. der Regelung die Durchführung der Schuldenregelung außerordentlich erschwert wird. Das Gesetz"vom 9. April 1935 setzte den staatlichen Beitrag zur Entschuldungsaktion mit bestimmten, auf. die einzelnen Länder ziffernmäßig aufgeteilten Beträgen fest. Von diesen ziffernmäßig bestimmten Beträgen kommen nun vor» läufig'unbestimmte und nur durch recht verwik- kelte Berechnungen bestimmbare Summen in Ab- Trotz der merkwürdigen Benennung diese? Gesetzes und obwohl die österreichische Regierung ausdrücklich bestreitet, daß es sich um die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht handle, liegt hier offensichtlich die Rückkehr zu diesem Wehrund He eres-System vor. Die 88 119—122 des Vertrages von St. Germain hatten Oesterreich eine Reihe von Beschränkungen des Wehrsystems auferlegt(Freiwilligenheer von höchstens 30.000 Mann, zwölf Jahre Dienstzeit, Bewaffnung des Heeres nur mit leichten Waffen, Ausbildung und Zweck der Armee, Verbot militärischer Vereinigungen— das längst durchbrochen worden ist— Zahl der Polizisten, Heger, Finanzer etc.). Die meisten dieser Bestimmungen waren längst außer Kraft gesetzt. Es gab militärische Verbände, die uniformiert und bewaffnet in qller Oeffentlichkeit auftraten und sich sogar die Staatsgewalt aneigneten, es gab seit langem wieher schwere Waffen und Flugzeuge und von einer zahlenmäßigen Begrenzwrg war keine Rede mehr. Die Einführung der Dienstpflicht reißt nur den letzten Stein aus dem längst brüchigen Gebäude. Daß die Abkehr von den letzten Bestimmungen des Vertrages nur im Gefotze der politischen Ereignisse des Monats März möglich geworden ist, wird trotzdem jeder begreifen. Zuerst hat Hitler durch den„Theatercoup" vom 7. März den italienischen Kollegen heraus- gepaulkt, dann hat Mussolini die Vasallen zum Rapport kommen lassen und ihnen offenbar den Auftrag gegeben, ihrerseits die Verträge einseitig und via facti zu ändern. Daß Ungarn demnächst folgen wird, ist kaum noch zu bezweifeln. Die Vertragspartner und der Völkerbund werden es schwer haben, sich gegenüber Oesterreich oder Ungarn als Hüter der Heiligkeit der Verträge aufzuspielen. Es würde grotesk wirken, wollte man gegenüber den Kleinen eine Rolle weiterspielen, die man gegenüber den Großen aufgegeben hat. Wenn protestiert wird, so müßte der Protest natürlich in Rom überreicht werden. In einer Zeit, da die eine große Garantiemacht von anno 19, England, sich bemüht, Hitlers Revisionismus zu sanktionieren, während die andere, Frankreich, den Italienern nachkriecht, darf man sich über die Eigenmächtigkeit Oesterreichs nicht wundern. Eine andere Frage ist die, welchen Nutzen Oesterreich aus dem neuen Wehrsystem ziehen kann. Zahlenmäßig gesehen könnte Oesterreich wohl ein Friedensheer von 80 bis 70.000 Mann aufstellen und in zwei bis drei Jahren genügend Reservemannschafien ausgebildet haben, um 250 bis 350.000 Mann ins Feld stellen zu können, wovon etwa zehn bis zwölf Divisionen(ca. 150 bis 180.000 Mann) als erste Linie in Betracht kämen. Aber zueinemBolksheerge« hört auchein Volk, das den Staat bejaht und zu verteidigen bereit ist. Das österreichische Bolt, das zu einem Drittel den heuttgen Staat, zu mindestens zwei Dritteln das Regime Starhcmberg leidenschaftlich ab lehnt, ist kein geeigneter Waffenträger. Oesterreich könnte sofort ein erstllasfigrS Bolksheer haben, wenn eS fein jetziges Rrgie- rungSsostem opferte. Die Schaffung einer legale« Arbeiterbewegung, eines Willensträgers der sozialistischen Bolksmaffen und feine Heranziehung zur Staatsmacht würde der allgemeinen Wehrpflicht in Oesterreich erst einen Die deutschen Vorschläge Keine neuen Zugeständnisse/ Berufung auf die 14 Punkte Wilsons „Bundesdienstpflicht“ in Oesterreich einseführt Zum Volksheer fehlt nur das Staatsvolk I lerismus machen, freilich auch zur Waffe gegen Mussolini. Wie Oesterreich heute ist, wird die allgemeine Wehrpflicht seine Sicherheit nicht erhöhen, sondern neue Gefahren heraufteschwöre«. * Lin Generalstabs-Chef Wien.„(ANs Amtlich wird gemeldet: Der Bundespräsident hat den Feldmarschalleutnant Alfred Jansa zum Chef des Generalstaöes für die bewaffnete Macht ernannt. General Jansa war bis zum Sommer 1935 Militärattache in Berlin. Das Bureau des Generalstabes verbleibt im Verband des Landesvertridigungsminifte- riums. Soldaten gegen Helmwehr Berlin.(Tsch. P.-B.) Das Deutsche Nachrichtenbüro meldet aus Graz, daß sich dort Diens- Ein bedeutsames Problem Wann kommt die Regelung der Selbstverwaltunqschulden? Von Robert Wiener In dem am 31. März ausgegebenen Stück der Gesetzessammlung ist eine Verordnung erschie- tag abends ernste Zusammenstöße zwischen An gehörigen der österreichischen Bundestruppen und Mitgliedern des Heimatschutzes ereignet haben. Einer Meldung des Berliner offiziösen Büros zufolge herrschte bereits seit einigen Tagen unter den österreichischen Soldaten in Graz große Un zufriedenheit, da viele von ihnen beurlaubt und durch Mitglieder des Heimatschutzes ersetzt wur den. Die Soldaten hielten eine Versammlüng und veranstalteten nachher einen Demonstra- neu, durch die einige Bestimmungen des Gesetzes fionszug auf dem Dollfußpsatz, wo sie mit Mitgliedern des Heimatschutzes zusammenstießen. Fußgänger sollen sich den Soldaten angeschlossen haben, worauf eine Schlägerei entstand. Die Er regung nahm immer mehr zu. Erst nach dem Ein treffen großer Polizeiverstärkungen konnte die Ruhe wiederhergestellt werden. Brauner Fememord Graz.(Tsch. P.-B.) Der Monteur G e- orgHofcr wurde Dienstag nachts in Feldbach auf geheimnisvolle Weise entführt. Gegen 21.45 Uhr hielt vor dem Hanse, iu dem Hofer wohnt, ei« Personenautomobil, in dem vermutlich vier Personen faße«. Einer der Insasse» des Auto-1 letzung, nämlich der BesehungdesRuhr- g e b i e t e s, die selbst von englischen Kronjuristen als Rechtsbruch bezeichnet worden ist. D) Der sogenannte„freiwillige Verzicht" auf die Souveränität Deutschlands in diesen westlichen Provinzen des Reiches ist mithin eine Folge des Versailler Diktats und einer Kette von sich hier anschließenden schwersten Bedrückungen des deutschen Volkes, wobei insbesondere hinge wiesen werden muß auf die furchtbare Not und Zwangslage des Reiches infolge der Rheinland besetzung. Die deutsche Reichsregierung hat bereits in ihrer vorläufigen Note vom 24. März.1936 darauf hingewiesen, daß der von Frankreich mit Sowjetrußland abgeschlossene militärische Ver trag den Locarnopakt sowohl die rechtliche, als aber besonders die politische Grundlage und da mit die Voraussetzungen seiner Existenz ent zogen hat. Die eigentlichen Vorschläge Deutschlands sind in zahlreiche Punkte gegliedert und reden mit einem gewaltigen Wortschwall um die entschei denden Fragen herum. Konkret wird so gut wie nichts Neues geboten. Unter. der Voraussetzung völliger Gleis berechtigung und des Verzichtes aus alle Bindun gen aus dem Locarnovertrag bietet Deutschland den Westmächten wieder den Luftpakt, den Friedenspakt auf 25 Jahre, die Einbe ziehung auch der Niederlande in den Patt, die Teilnahme an militärischen Beratungen der Westmächte(das möchte Hitler passen!) und für die Zeit der Verhandlungen die Bildung einer gemischten Kon trollkommission aus einem Engländer,, einem Italiener, einem Neu tralen.und je einem Deutschen und Franzosen vor, die über die. Aufrechterhaltung des derzei tigen militärischen Zustandes in der Grenz-Zone wachen soll. Deutschland erklärt. sich bereit, mit den Staaten anseiner Südost- und Nordoftgrenze in Verbindung zu treten, um diese zum Abschluß der angebotenen R i ch t a n g r i f f s p a k t e unmit- telbar einzuladen" und nach Abschluß dieser Ber- ,zug. Wir wissen also heutet ein.Lahr nach der träge wieder in den Völkerbund einzutreten. Kundmachung, drei Monate, nach dem formellen Auch ein— Abrüstungsprogramm wird mit WirksamkeitSbcginn d-S Gesetzes, noch nicht, über allerhand schönen Einzelheiten entwickelt« Berlin.(Deutsches Nachrichtenbüro.) In dem Memorandum der deutschen Regierung, das Botschafter von Ribbentrop am Mittwoch der britischen Regierung übergeben hat, heißt es unter anderem: 1. Das deutsche Voll ist entschlossen, unter allen Umständen seine Freiheit, seine Selbständigkeit und damit seine Gleichberechtigung zu wahren. Es sieht in der Vertretung dieser natürlichen internationalen Grundsätze des staatlichen Lebens ein Gebot der nationalen Ehre und eine Voraussetzung für jede praktische Zusammenarbeit der Völker, von der es unter keinen Umständen mehr abgehen wird. 2. Das deutsche Voll wünscht mit allen seinen Kräften am großen Werk einer allgemeinen. Versöhnung und Verständigung der europäischen Nationen zum Zwecke der Sicherung des für diesen Kontinent, seine'Kultur und seine Wohlfahrt so notwendigen Friedens mitzuhelfen. In dem Memorandum heißt es weiter: A) Deutschland hat im Jahre 1918 den Waffenstillstand auf Grund der 14 Punkte Wilsons abgeschlossen. Diese sahen keinerlei Einschränkung der deutschen Souveränität im Rheinland vor. Im Gegenteil, der hauptsächlichste Grundgedanke dieser Punkte war, durch eine neue Völkerordnung einen besseren und dauerhaften Frieden aufzubauen. Er sollte im weitesten Umfange dem Selbstbestimmung«recht gerecht werden, und zwar ohne Rücksicht auf Sieger oder Besiegte. B) Der königlich britische Außenminister hat in seiner Rede vom 26. März über die entmilitarisierte Zone mitgeteilt, daß diese nur als Ablösung für eine eigentlich von Frankreich im Jahre 1918 angestrebte Lostrennung des Rheinlandes von Deutschland errichtet wurde. Aus dieser Feststellung ergibt sich, daß die demilitarisierte Zone selbst nur als Folge der vorausgegangenen Verletzung einer auch die Alliierten bindenden Verpflichtung entstanden ist. C). Die Demilitarisierungsbestimmungen des Versailler Vertrages basieren demnach sebbst auf der Verletzung einer Deutschland gegebenen Zusicherung und besaßen als einziges rechtliches Argument nur die Gewalt. Sie sind vom u.»h«.............. Versailler Vertrag" in den Locarnopakt übernom- Dinn verleihen und sie zur Waffe gegen den Hit-1 men worden nach einer neuerlichen. Rcchtsver-' vom 9. April 1935 über finanzielle Maßnahmen im Bereiche der terriwrialen Selbstverwaltung abgeändert und ergänzt werden. Diese Verordnung behandelt ausschließlich das Problem der Schuldenzahlung, die ja den Ivesentlichen Inhalt des Gesetzes vom 9. April 1935 bildet, und es scheint daher die Frage, wann die Schuldenregelung kommt, auf den ersten Blick ganz unangebracht zu sein. Aber leider muß sestgestellt werden, daß die erwähnte Verordnung nicht zur beschleu«■ nigten Durchführung des Gesetzes beitragen wird, das nun schon bald seinen Geburtstag feiern wird und das formell am 1. Jänner d. I. in Kraft getreten ist, sondern daß sie die Gefahr weiterer Verzögerungen in sich birgt. Die Verordnung kürzt im Einklang mit den mobil- begab sich in die Wohnung HoferS und! Bestimmungen des Artikels XX des Finanzgeset- zwang ihn mit vorgehaltenem Revolver, ihm in i zes für das Jahr 1936 die Beträge, welche aus das Auto z« folge», welches dann eiligst davon-1 staatlichen Mitteln für die Schuldenregelung befahr. Es liegt zweifellos ein nationalsozialisti- I reitgestellt werden in dreifacher Weise. Erstens scher Femeanschlag vor. Die Ermittlnnge» der! werdendenLand-sh.lfsfonds lene Bttrage abge- zogen, dre sie dadurch ersparen, daß ihre Schuld- Ä„Ä S I Verschreibungen infolge der Zinsfutzsenkung nicht Mittwoch morgens wurde nun dre Lerche|^it 5%, sondern nur mit 4%% verzinst wer» "ks Hofer außerhalb des Ortes Mure« rm den. Dagegen ist an sich nichts einzuwenden, da Saasbach aufgefnude». Nach den bisherige« diese Ersparung nicht auf Kosten der Gemeinden Feststellungen wurde er erdrosselt. Für! geht, sondern auf Kosten der Gläubigeranstalten. Angabe«, die znr Erniernug der Täter führe«,! Zweitens sollen jene Ersparungen von der staat- wird eine Belohnung bi« zu 2000 Schilling! lichen Hilfe abgezogen werden, welche die Bezirke ausgesetzt. i und Gemeinden, deren Schulden geregelt werden, auch an ihren nicht in die Regelung einbezogenen eite 2 Donnerstag, 2. April 1936 Nr. 79 Todesurteil gegen Spione in USSR Moskau.(Latz.) Ein Militärsenat des Obersten Gerichtshofes der Sowjetunion verurteilte drei leitende Beamte der Tomsker Eiscn- bahnstrecke namens Medsychovski, Mariennof uhd Klotschkow wegen konterrevolutionärer Spionage und Organisierung von Sabotage-Akten zum Tode, durch Erschietzen. Die Genannten waren mit Agenten einer ausländischen Spionage-Abteilung in Verbindung getreten und hatten bis zum Beginn des Jahres 1936 an der Tomsker Eisenbahnlinie eine Reihe von Sabotage-Akten unternommen. und jeder für sich, außer den 72 Millionen Um- satzsteueranteilen überhaupt verfügen lverden. Statt daß die Aktion bereits m vollem Zuge ist, wißen wir heute noch nicht einmal, welchen Wert sie für die Selbstverwaltungskörper nach den Kürzungen noch besitzt. Und wie sollen diese Kürzungen errechnet werden? Sie können nicht berechnet tverdcn, ehe feststeht, welche autonomen Körperschaften in die Regelung einbezogen werden, und es kann nicht bestimmt werden, weicht Körpxr- schaften einbezogen werden, ehe beurteilt werden kann, welche Beträge dafür zur Verfügung stehen. Wir stehen also in einem fehlerhaften Kreislauf, der um ft verhängnisvoller ist, als die Kürzungen um so größer sein müffen, je mehr Bezirke und Gemeinden in die Regelung einbezogen werden, so daß die Mittel des Landeshilfsfonds um so kleiner werden, je mehr er zu leisten unternimmt. Man wird sich also mit Durchschnittsberechnungen und Schätzungen behelfen müssen, um auch nur einen vorläufigen Entschuldungsplan aufstellen zu können, um überhaupt mit den Arbeiten an der Durchführung des Gesetzes beginnen zu können. Die Verordnung enthält eine begrüßenswerte Bestimmung: sie ermöglicht es, die rückständigen Annuitäten des Jahres 1935 zmn Kapital zu schlagen und so in die Schuldenregelung einzubeziehen, während dies bisher nur bei den bis Ende 1934 fälligen Tilgungsraten möglich war. Was das bedeutet, zeigt uns das einzige Beispiel des Bezirkes Komotau, besten rückständige Annuitäten, bei einer Gesamtverschuldung von 21 Millionen Kö 1,400.000 Kc betragen, wovon nicht weniger als 800.000 XL im letzten Jahre zugewachsen sind. Aber auch dieser Vorzug der Verordnung wird durch die Verzögerung der Schuldenregelung entwertet, weil ja auch die An- nuitäten des Jahres 1936 rückständig bleiben werden, so daß das sinanzwirtschastliche Chaos inancher Bezirke und Gemeinden noch weiter wachsen wird. Angesichts dieser Tatsachen hat die Regierung, hat vor allem das Finanzministerium die Pflicht, wenigstens jetzt alles daran zu setzen, r-atz die j«::lrng hinausgezögerte S ch u l denre g e I u ii g endlich in Angriff genommen wird. Dazu ist die sofortige Aktivierung der Landeshilfsfonds nötig, aber auch die Erlassung eindeutiger und verständlicher Durchführungsbestimmungen, die das arithmetische Rätsel lösen, wie eine unbe- stinunte Summe von einer bestimmten abgezogen wird, damit die Landeshilfsfonds und ihre Kura- tcrien eine Grundlage für ihre weiteren Arbeiten haben. An Komplizierungen ist gerade genug getan worden, es mutz endlich mit der praktischen Arbeit begonnen werden. Esi ft allerhöchste Zeit, dafür zu sorgen, daß ein gutesWerknichtinseinGegenteil verkehrt wird I Die Verteidigungsvorlage im Ausschuß Positive Stellungnahme der KoalMionspartelen Abänderungen für die Spezialdebatte vorbehalten Prag. Im Wehrausschuß des Abgeordnetenhauses begann Mittwoch die Aussprache über die Vorlage zur Verteidigung des Staates in Anwesenheit des Verteidigungsministers M a ch n i I und hoher Funktionäre seines Refforts. Zum Referenten wurde mit Rücksicht auf die Bedeutung der Vorlage der Ausschußvorsitzend« David gewählt. Der Ausschuß soll bevrits Donnerstag vormittags die Generaldebatte beenden und dann sofort in die Spezialdebatte eingehen, für di« mehrere Partei«» dir Geltendmachung von Abänderungswünsche« angekündigt haben. Prinzipiell nahmen alle Koalitionsparteien einen positiven Standpunkt zu der Vorlage ein. Unser Sprecher, Genoffr Heger, verfehlte nicht darauf hinzuweisen, daß nurdurchdasAn- wachsen des Faschismus in Europa die Kriegsgefahr so drohend geworden ist, daß nun auch unser Staat zu verstärkten Sicherheitsmaßnahmen gezwungen ist. Bor Eingang in die Tagesordnung betonte Minister Machnik die unbedingte Notwendigkeit der Vorlage. Sie ziehe alle und alles zur Verteidigung des Staates heran und kenne keine Ausnahmen und keine Privilegien. Er gab zu. daß die Vorlage tief in die Eigentumsrechte und Freiheiten aller Staatsbürger eiiiareife: diese Opfer seien heute unbedingt nötig für die Sicherung der Existenz des Staates und des Lebens seiner Bürger. Der nächste Krieg werde nicht nur die Armee, sondern die ganze Bevölkerung treffen. Für einen solchen Krieg müssen zeitgerecht Vorkehrungen getroffen werden, nicht nur für die Ausrüstung und Versorgung der Armee, sondern auch zur Sicherung und Versorg»»" der ganzen Bevölkerung. Dazu sei in der industriellen wie landwirtschaftlichen Produktion eine möglichst große Autarkie nötig. Die Industrie muß auf eine möglichst große Produktionshöhe gebracht werden und die Industrie freilich auch nach allen Richtungen zu- vcrläffig sein, damit sie im kritischen Zeitpunkt-einwand frei funktioniere. Die Militärverwaltung braucht für ihre Maßnahmen eine rechtliche Grundlage Vorbereuet sein sei alles. Wenn der Feind wisse, daß er bei uns auf einen vorbereiteten stählernen Widerstand stößt, daß wir alle bereit sind, jeden Schlag nicht nur abzuwehren, sondern auch zurückzugeben werde er sich einen Angriff gut überlegen. Der Minister kündigte für die nächste Zeit die Einbringung einer Vorlage über die Wehrvorbereitung an. di« mit der Vorlage Liber die Verteidigung des Staates und der Svionagevorlage ein einheitliches Ganzes bilden soll. Eine große Rolle spielten in der Aussprache . dir vorgesehenen Bestimmungen über den Ausschluß„unverläßlicher* Persbnen von der Be- schäftigmig in kriegswichtigen Betrieben,. Der Referent David betont« ausdrücklich,' in der Vorlage seien Sicherungen vorhanden, damit' bei dem Ausspruch über die Unverläßlichkeit niemandem Unrecht getan werde. Diese Maßnahmen richten sich, wie betont werden müffe, nicht gegen die Angehörigen nichitschechosiowaki- scher Nationalität. Tie Zugehörigkeit zu einer bestimmte« Nation werde und dürfe kein Kriterium für die staatliche Verläßlichkeit sein; diese werde vielmehr selbständig beurteilt werden müffen. Es gehe einzig darum, ob es sich um ein« vom Standpunkte des Staates unzuverläffige Person handle, wobei die Nationalität nicht entscheidend sei. Die Eigentumsbeschränkungen für Ausländer im Grenzgebiet finden sich in anderen Staaten noch schärfer ausgeprägt vor. Auch die Frauen können in einer Reihe anderer Staaten zu persönlichen Dienstleistungen herangezogen wer den, so in Deuffchland und Polen in annähernd demselben Umfang als bei uns. Oesterreich und Ungarn sehen die Heranziehung der Frauen zum Samariter- und Flugabwehrdienst vor. Der Referent beantragt schließlich die Annahme der Vorlage mit einer Aenderung hinsichtlich des zitterten Eisenbahngesetzes, das entgegen den ursprünglichen Dispositionen erst später fertig werden wird als das Vcrteidigungsgesetz. * In der Debatte gab am Nachmittag Genosse Heeger namens unserer Fraktion folgende Erklärung ab: Es ist selbstverständlich, daß die deutsche So- zialdemokratte zu dem Gesetz über die Staatsver- I tcidigung positiv Stellung nimmt.' Auch wenn wir nicht in so außerordentlichen außenpolittschen Verhältnissen lebten, wäre es Pflicht jeder verantwortungsbewußten Regierung, den Staat gegen alle Gefahren zu sichern. Wenn das Gesetz über die Staatsverteidigung aber gerade in dieser Situatton zur parlamentarischen Verhandlung gelangt, und die Probleme der Staatsverteidigung gerade jetzt aktuell sind, so deshalb, weil die internattonale Situatton gerade jetzt besondere Wachsamkeit erfordert. Seit der Beendigung des Weltkrieges ist die internationale Situatton noch niemals so schwierig, ja geradezu verworren grwesen wir jetzt. Seitdem der Faschismus die Macht in enttcheidrn- den Staaten Europas errungen hat, sind ekle imperialistischen Tendenzen auf das verhängnisvollste gesteigert und damit die Kriegsgefahr drohender geworden. Vor wenigen Jahren konnte» wir noch baffen, durch ein internationales Abkommen zur allgemeinen Abbürdung der militärischen Lasten zu gelangen. Der Faschismus hat alle diese Hoffnungen vollkommen zerstört und alle Staaten zu verstärkten Sicherungsmaßnahmen gezwungen. Dieser Notwendigkeit kann sich auch unser Staat nicht entziehen. Auch in diesem Gesetzentwurf wird wieder der demokratisch-republikanische Charakter des tschechoslowakischen Staates betont und in der Begründung mit- erfreulicher Eindeuttgkeit der unbeug» same Friedenswille der tschechoslowakischen Staatspolitik ausgesprochen, so daß kein Zweifel darüber Lbrigbleiben kann, daß dieses Gesetz ausschließlich der Verteidigung dienen soll. Ebenso selbstverständlich ist eS, daß die Verteidigung deS Staates nur beruhen kann auf dem festen VrrteidigungSwillen feiner Bevölkerung., Die deutschen sozialistischen Arbeiter haben diesen Willen und sie haben ihn wiederholt in unzweideutiger Form bekundet. Sie sind darum auch überzeugt, daß die Durchführung des Gesetzes von ketznerlri Reben- a b s ich t e n begleitet sein, daß sie weder zu einer Beeinträchtigung der sozialen Rechte de» Arbeiterklasse, noch zu einer Schädigung brr nattonalen Minderheiten mißbraucht werden wird. Die deutschen Arbeiter werden um so freudiger und um so entschlossener ihre Kräfte in den Dienst der Staatsverteidigung stellen, je stärker sie das Bewußtsein habe« können, daß der Schutz des Staates auch ihrem Schutze dient. Unbeschadet der Stellungnahme zu gewissen Einzelbestimmungen, die wir uns für die Spezialdebatte Vorbehalten, erklären wir daher bereits jetzt, daß wir bei der Schlußabstimmung für die Vorlage votteren werden. In der Debatte urgierte auf feiten der Koa- tton Genosse Pik die Lösung der Frage der Unter- haltsbeittäge für die Familien jener Arbeitslosen, die Militärdienst leisten. Genosse S r b a betont«, es nicht zulassen zu können, daß die bürgerlichen Freiheiten über das unbedingt nötige Maß hinaus beschränkt werden, und behält sich in dieser Richtung Anträge für die Spe- zialdebatte vor. Man müsse auch an eine erhöhte Kontrolle durch das Parlament denken und auch fest- legen, daß niemand an der Verteidigung des Stankes verdienen dürfe; die Industrie hätte zu Regiepreisen zu arbeiten. Genosse Drba setzte sich auch für die Verstaatlichung der Rüstungsindustrie em. Auch der tschechische Volksparteiler Bicauek unterirrich, daß nicht die Absicht bestehe, die Minder- heiten zu treffen. Die Bestimmungen über das Grenzgebiet wären auch nicht anders ausgefallen, wenn dort nur Tschechen und Slowaken ansässig wären.. Aehnlich sprach auch der Gewerbevarteiler Pekarek. Der Agrarier Sliva versicherte, daß das Gesetz nur Verteidigungscharakter habe und sein« Aufgabe darin liege, das demokratische Regime und die Selbständigkeit unseres Staates zu verteidigen. Ebenso begrüßte der Vertreter der Hlinkapärtei Hassik die Vorlage. Gegen di« Vorlage sprachen sich lediglich die Kommunisten aus. die gleich zu Beginn einen Rückverweisungsantrag gestellt hatten, während Herr Dr. Peters(SdP) sehr vorsichtig lavierte. Gegen die für Kriegszeiten vorgesehenen Bestimmungen habe er nichts einzuwenden, dagegen um so mehr gegen die Bestimmungen, die auch im Ftteden gellen sollen, vor allem gegen jene über die unverläß- lichen Elemente in wichtigen Betrieben. Fortsetzung der Debatte Donnerstag 10 Uhr früh. Friede in der tschechischen Bolkspartei. Im vorigen Herbst ist es bekanntlich zu schweren Gegensätzen innerhalb der tschechischen Bolkspartei gekommen. Auf der einen Seite stand der ge- werffchaftliche Flügel der Partei, dessen Vertreter einen entschieden demokratischen, arbeiterfreundlichen Standpunkt einnahmen, während auf der anderen Seite die konservativen Elemente sich befanden. Es ist nun, wie die»Lidovs Noviny" mitteilen, zu einem Ausgleich der Gegensätze gekommen und der Gewerkschaftsflügel hat bei der Partei durchgesctzt, daß ein sozialpolittscher Ausschuß beim Parteivorstand der tschechoflowakischen Volkspartei errichtet wird, der die Interessen der Arbeiterschaft wahrnehmen soll. Billigerer Mais für Karpathorußland. Der Ernährungsausschuß des Abgeordnetenhauses befaßte sich Mittwoch unter dem Vorsitz des Genossen Jak sch mit der Versorgung Karpathorußlands mit Mais. Abg. Haupt berichtete ausführlich über die Ernährungsverhältnisse und die hohen Maispreise in Karpathorußland. Es wurde eine Resolutton angenommen, in der die Regierung aufgefordert wird, den tatsächlichen Einkaufspreis für Mais festzustellen und dementsprechend die Preise im Detail zu regulieren. Auch sollen die von einigen Rednern vorgebrachten Beschwerden über Unzukömmlichkeiten untersucht werden. Der parlamentarische Spar- und Kontrollausschuß befaßte sich am Mittwoch unter Vorsitz des Genossen R e m e s mit der Angelegenheit der P h ö n i x-Gesellschaft. Er nahm den Bericht des Vertreters des Innenministeriums über die getroffenen Maßnahmen zur Kenntnis und wird die Untersuchung in weiteren Sitzungen fort- führen. . 49 MANNER, FRAUEN I UND WAFFEN I l Roman von Manfred Georg| Copyright by vr. Manfred Georg. Prag Haydfts Zustand machte eine sofortige Ueberführung in das Krankenhaus notwendig, wo kurze Zeit nach ihrer Einlieferung eine operative Entfernung von Slittern aus der Schädelwunde erfolgte. Nach zwei Stunden hatte die Gendarmerie festgestellt, daß der oder die Täter in einem Auto entkommen waren. Es hatte kurz nach dem Ueberfall geregnet, der Boden unter dem Fenster war aufgeweicht. Schumann selbst konnte keine Auskunft geben. Im übrigen schienen alle Indizien auf einen Raubüberfall zu deuten. Der Morgen graute schon, als Schumann das Krankenhaus verließ. Man hatte die Hoffnung geäußert, Häydee durchbringen zu können, ohne daß man ihm Versprechungen machen wollte. An eine Vernehmung war vorläufig nicht zu denken. Das würde sich unter Umständen wochenlang hinauszögern, da mit sich über den Umfang der Verletzungen und deren Wirkung nicht im klaren war. Als er ins Hotel zurückkam, fand er einen Telephonanruf vor von Makropulos, der ihn sofort nach Wien bat, da sich wichtige Dinge ereignet hätten., '** „Nein, den Gefallen können wir Ihnen nicht tun", bedauerte Makropulos, als ihm Schumann den Hergang des Raubübersalles sowie den Zustand Haydfts geschildert hatte und mit Hinweis darauf um eine Verzögerung der Abreise ersuchte. „Das geht doch nicht, das werden Sie doch selbst einsehen. Sie können jetzt nicht den Krankenpfleger spielen. Die Verhältnisse in Europa hÄien sich in den letzten Tagen bedeutend verschlechtert. Wir haben sehr zuverlässige Mitteilungen darüber. Wir müffen unsere Aktion so rasch wie möglich in Gang bringen. Bor allen Dingen heißt es jetzt: Fachleute an die Front. Sie können versichert sein, daß wir Ihnen jode Aenderung im Befinden der Dame mitteilen werden. Im übrigen sind die Haupüeilnehmer unserer Expedition schon im Nebenzimmer versammett. Wir warten nur noch auf Sie." Als sie eintraten, erheben sich von dem runden Konferenztisch alle dort Sitzenden bis auf die Fürstin Satorescu. Schumann sah sich die Runde mit einem Blick an, der durch das Een erlittene Leid doppelt geschärft war. Makropulos führte de» Vorsitz. Ihm zur Rechten saß Schumann, zur Linken Glazupoff. Es folgten Mardrier, Lendvai, die Fürstin Sato- reStu sowie die beiden Herren mit dem ausladenden Profil, an die sich Schumann noch von der Femina her erinnerte. Nun, dachte Schumann, wenn das Haydie iehen würde, würde sie wissen, daß ich mit den'„Tieren" recht gehabt habe. Aber was bin ich für ein Tier! Vielleicht ein Wolf, ein angeschossener, todeshungriger Wolf. Er'fand den Vergleich abgeschmackt und banal, aber er sah im Spiegel gegenüber das böse Gesicht, das ihm gehörte, plötzlich wieder alt-und zerfressen, und er ärgerte sich, überhaupt hier zu sein. Makropulös begann, in knappen Worten die Lage zu schildern. Er wurde unterbrochen durch einen Boten, der für Schumann einen dringenden Brief abgab. Er kam vom Chefarzt des Krankenhauses und lautete: „Sehr geehrter Herr Rittmeister, wunschgemäß halte ich Sie über alle Vorgänge im Befinden der Patientin auf dem Laufenden: am heutigen Nachmittag erwachte sie kürz und machte ein paar Bewegungen als ob sie schreiben wollte. Wir gaben ihr einen Zettel und sie produzierte Beiliegendes. Dann fiel sie wieder in ihre tiefe. Ohnmacht zurück. Sowohl ich wie meine Acrzte sind der Meinung, daß es wochenlang dauern! kann, bis auch nur der Versuch eines Verhörs zu erlauben ist." Ihr Dr. Maixner. Während Makropulos gerade über die Möglichkeit, gewisse noch in Oppositton befindliche Kreise der Ukraine für die Sache des Herrn Du- naimis zu gewinnen, sprach, holte Schumann den beigefügten Zettel aus dem Kuvert. Er war vollkommen leer und zeigte nur ein im letzten Beistrich abbrechendes, kritzeliges- M. Schumann schloß für einen Augenblick die Augen. Unbeirrbar stand in ihm fest, daß HaydLe hatte Mardrier schreiben wollen. Aber wieso war Mardriers Interesse an der Vernichtung des Mädchens so stark? Es galt ruhig zu sein, nicht aufzuspringen, sich mft keiner Miene zu verraten. Er blickte wieder auf und lächelte Mardrier zu. Dieser neigte sich verbindlich etwas vor, er war von seiner stets falschen Heiterkeit. Aber wenn es Mardrier gewesen war, so war er es sicher nicht allein gewesen. Er mußte einen Komplicen gehabt haben. Für beide mußte jemand, wenn es schief ging, die Deckung übernommen haben. Mardrier war doch nicht so wahnsinnig, einen als Ra wo überfall verkleideten Mord auszuführen. Er sah Haydee liegen, wie er sie verlassen hatte, den ganzen Kopf eingebunden, völlig regungslos, die eine Hand auf der Bettdecke in Mullbinden verborgen und nur ganz leise atmend. Aengstlich hatte er dagestanden und auf dieses Atmen gelauscht. Es durste uicht aussetzen. Wie ost hatte er während der Typhus-Pest im Gefangenenlager dem Tode zugesehen, wie oft Augen zugedrückt und Kinnladen hochgebunden. Dieses Mädchen trieb sein Schicksal weiter und nahm die Schläge, die ihm zugedacht waren, auf sich. ES war ihm, als ob sie sein eigentliches Leben wäre und als würde er erlöschen, wenn sie zerfiele. Da war irgendwo in Westindien ein Neger einmal über eine Weiße hergefallen, oder vielleicht auch ein Weißer über eine Negerin, und jetzt nach über hundert Jahren, lag der späte Nachkomme todwund in einem Krankenbett am Semmering, und er, der frühere k. u. k. Rittmeister Werner Schumann war abhängig davon, ob der Schlag eines Mörders auf dieses Haupt tief genug gegangen war oder nicht. Wie Wachspuppen saßen sie um ihn herum. Makropulos kaute Worte, füa Sekunden hörte Schumann sie kaum. Schließlich stand fest, daß man beginnen würde mit einer groß angelegten Sabotage des Staudammes von Bielestroy. Seine Zerstörung würde die Vernichtung einer zehn Jahre langen Arbeit bedeuten und gleichzeitig den Tod von drei unterhalb des Dammes gelegenen Städten. Gleichzeitig damit sollte eine Anzahl individueller Attentate durchgeführt werden, und das wichtigste davon galt dem Volkskom- miffär des Aeutzeren, dessen Verschwinden in vielen Kanzleien Europas teils Genugtuung, teils Verwirrung stiften würde. Für dieses Attentat sowie für die Sprengung des Staudammes übernahm Schumann persönlich die Verantwortung. Zuerst aber würde er die Waffenlager inspizieren und etwaige Veränderungen, die sich als notwendig Herausstellen sollten, anordnen. Als Schumann die Treppe hinunterging, überholte er die Fürstin Satorescu, der ein Handschuh entfallen war. Er hob ihn ihr auf und sie gingen im Gespräch weiter. Er wollte sich immer wieder verabschieden, aber sie blieb, die belanglosesten Dinge erzählend, neben ihm, bis sie plötzlich sagte: »Lassen sie Haydee nicht allein zurück." Er blieb stehen. Sie drängte: »Nicht stehen bleiben. Kommen Sie weiter. Da ist so ein einäugiger Mann mit einer Mütze hinter uns her." Schumann sah im Fenster einer Auslage SimaS dahinbummelnde Gestalt. »Den kenne ich, der tut uns nichts." "«Fortsetzung folgt.) Nr. 79 Donnerstag, 2. April 1936 Seite 3 Sudetendeutscher Zeitspiegel | Die brennende Grenze Japaner 45 km tief in der Mongolei Aus Moskau wird«ine neue Verletzung der mongolischen Grenze durch japanische Truppen gemeldet. Diesmal handelt es sich aber um einen regelrechten kleinen KrirgSzug, denn eine sHrkere japanisch« Abteilung verschiedener Waffengattungen hat dir Grenge überschritten und einen Angriff aus die 45 Kilometer lan deinwärts liegende Stadt Tamfyk-Bulak unternommen. Zurückgeschlagen, sind die Japaner neuerlich zum Angriff auf die mongolische Stadt Lbergegangen. Der Kampf auf mongolischem Boden dauert noch an. Für Entprivatisierung des Versicherungswesens! Der Fall„Phönix" zeigt mit aller Deutlichkeit, daß die bisherige Art der Verwaltung riesiger Kapitalsreserven, wie sie die Versicherungsstocks darstellen, durch Privatgesellschaften mit letzten Endes rein individualistischer Geschäftsführung sich überlebt hat. Ob man nun der Ansicht ist, daß die staatliche Aufticht allein immer versagen muß, oder daß es, wie in diesem Falle, nur an der Person des Aufsichtsbeamten lag; die unvoreingenommene Oeffentlichkeit wird sicher das Gefühl haben, daß es nicht in der Ordnung ist, wenn die Vcrsicherungsansprüche, zum Großteile aus abgesparten Groschen erworben, vom Ausfälle von Effektenspekulationen und ähnlichen Börsenkunststücken abhängen, die zu unternehmen gerade dem besonderen Talente eines Generaldirektors entspricht. Und wenn die Oeffentlichkeit sich mit dieser Seite der Frage beschäftigt, so wird sie ebenso ihr Augenmerk aus die anderen Schönheitsfehler des Versicherungswesens richten, die in der Ueberdimensionierung des Akquisitionsapparates, der für den einfachen Mann undurchsichtigen Prämienkunststücken usw. liegen, denn unser Versicherungswesen ist nun einmal nicht—• was privatkapitalistische Spekulation noch verständlich erscheinen ließe— die Angelegenheit von Filmdiven, die schöne Beine, oder Sängern, die unbezahlbare Stimmbänder versichern lassen wollen, sondern es ist, vorläufig einmal nur in Ansehung des Lebensversicherungswesens, eine recht ernsthafte Sache der Anlage von Kapitalsreserven in einem solchen Umfange, daß die Kapitalsleitung gesamtwirtschaftlich von höchster Bedeutung ist. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß das Versicherungswesen zu jenen Teilm der Volkswirtschaft gehört, die reif sind für die Entprivatisierung. Handelt es sich hier doch um die Erwerbung von Ansprüchen, für deren Entgelt jahrzehntelange Erfahrung auf Grund exakt wisienschastlicher Methode die rechnerischen Voraussetzungen festgestellt hat. Warum sollte diese Sparte des Versicherungswesens nicht ebenso der privatkapitalistischen Wirtschaftsweise entzogen sein wie beispielsweise die Sozial- und die Pensionsversicherung? Es soll hier nicht bloßer Verstaatlichung das Wort geredet werden, denn cs handelt sich nicht darum, den Staat mit einer neuen Aufgabe zu belasten, sondern darum, bei möglichster Konzentration des Versicherungswesens eine oder eine kleine Anzahl so beschaffener Anstalten zu schäften,' daß die Versicherung verbilligt, d. h. den gegenwärtigen Sterblichkeitsziffern angepaht, daß die unproduktive Tätigkeit im Akquisitionsapparate, die unsinnige Ausspannerei beseitigt würde, daß mit der Leitung ein Gremium, zusammengesetzt aus allen in Frage kommenden Interessentenschichten, unter schärfster öffentlicher Kontrolle betraut wäre, daß die Kapitalsleitung von gesamtwirtschaftlichen Gesichtspunkten aus zu erfolgen hätte, und daß damit die gewaltigen Kapitalsreserven, die in den VersicherungSstockS liegen, nicht der Machtstellung einzelner Personen dienen, sondern dorthin geleitet würden, wo sie sozial förderlich wären, so dem Spargedanken, der in der VersicherungSidee liegt, entsprechend. Man wende nicht ein, daß dies bereits jetzt geschehe. In wie unzureichendem Maße es der Fall ist, zeigt eben der Fall„Phönix". Die Dislozierung der Prämieneingänge müßte nach regionalen Gesichtspunkten erfolgen, um so nicht Zusammenballungen zu schaffen, die zwar dem Machtwillen einzelner dienlich, der Gesamtwirtschaft aber nicht förderlich find. Die vorliegende Betrachtung hat sich in erster Linie mit den Lebensversicherungen befaßt, da sic vom Falle„Phönix" ausgeht. Damit soll nicht gesagt werden, daß nicht auch das Elemen- tarversicherungswesen reif ist für eine Entpriva- tisterung. Gewisse Diskussionen über Prämiensätze in der Kraftwagenversicherung haben in der Oeffentlichkeit sehr stark den Gedanken aukkom- men lassen, daß es wohl möglich sein müßte, die Auswirkungen einer obligatorischen Versicherung von dem Gutdünken von Privatgesellschaften unabhängig zu machen. Der Gedanke der Entprivatisierung des Versicherungswesens sei hiemit zur Diskussion gestellt und die maßgebenden Kreise seien darauf aufmerksam gemacht, daß hier ein Gebiet offen liegt, auf welchem gemeinwirftchaftliche Grundsätze leicht und mit günstigster Wirkung angewandt werden können. C. S. SdP-Leute als Ausbeuter Der Ort, auS dem Herr Henlein seinerzeit„aufbrach", ist Asch. Interessant, daß man noch heute gerade in dieser westböhmischen Stadt die edle Praxis der glorreichen Volksgemeinschaft in Reinkultur studieren kann. Die elendesten, nicht mehr zu unterbietenden Schundlöhne werden nämlich in Ascher Betrieben bezahlt, und zwar von Unternehmern, die in der SdP eine Rolle spielen. Beispielsweise ist da der Stein- metzmeister Jobst in Haslau und der Porzellanfabrikant Hoffmann jun., welch letzterer seinen Arbeitern bei zvölfstündigcr Arbeitszeit wöchentlich dreißig Kronen bezahlt! Beide Herren sind SdP-Bezirksvertreterl Vielleicht können wir demnächst noch mft einem dritten Beispiel aufwarten, das die Oeffent- lichkeit um Herrn Henleins willen noch mehr interessieren wird! El» Erfolg der freien Gewerkschaft Die Firma H a a s L C Z j Z e k A.-G. in Schlaggenwald hat im Dezember des vergangenen Jahres bei der Bezirksbehörde in El- botzen die vorübergehende Stillegung ihres Schlaggenwalder Betriebes angemeldet. Die ausschlaggebende Ursache war dabei jedoch die Verlegung eines größeren Teiles der Produktion nach Chodau, bei welchem Anlaß die Beseitigung des Arbeiterbetriebsausschusses erreicht werden sollte. Da die Angaben der Firma nicht richtig waren und ihre Maßnahmen den gellenden Bestimmungen widersprachen, schritt die Arbeiterschaft und der Be- triebsausschuß bei der Bezirksbehörde und der Schiedskommission'für Betriebsausschüsse in El- bogen ein. Die Schiedskommission erklärte, daß die Kündigung der Betriebsausschußmitglieder und deren Ersatzmänner zu Unrecht erfolgt ist. Ebenso entschied die Bezirksbehörde in Elbogen, daß die Firma, da sie den Betrieb in Schlaggenwald am 5. März in größerem Umfang wieder ausgenommen hat, ohne mehr als einen Teil der früheren Arbeiter wieder einzustellen und die Kündigungen rechtzeitig anzumelden, verpflichtet ist, die vor der Stilllegung Beschäfttgten(ev. minus 15 Prozent) wieder einzustellen. Durch diese beiden Erkenntnisse der Schiedskommission und der Bezirksbehörde wurden die Absichten der Firma vereitelt. Der Erfolg ist ausschließlich dem Eingreifen der freien Gewerkschaft zu verdanken. Die Partei-Brzirkskonferenz für den Bezirk Mähr.-Ostrau fand, am 29. März in Oderberg statt. Ueberaus zahlreich waren die Vertreter der Lokalorganisationen und der sonstigen Organisa- ttonen der deutschen Arbeiterbewegung vertreten. Auch die Genossen der tschechischen Partei und der tschechischen Gewerkschaften richteten herzuche Worte an die Konferenz. Eifrig und intensiv wurden die wichtigen Fragen der Weiterführung des Kampfes im Bezirk besprochen. Die Konfe- renz' NÄHm beifällig und" einmütig eine Entschließung an, die der Parlamentsfraktion und speziell den Genossen Czech und Taub herzlichen Dank für ihre Arbeit ausspricht. Den Höheputckt der Konferenz bildete das Referat des Genossen Le i n s m e r- Troppau:„Unser Kampf gegen Krise und Kriegsgefahr". Seine rinstündigen Ausführungen wurden mit großer Spannung verfolgt. Starker Beifall am Schluß des Vortrages bewies die einheitliche Auffassung der Konferenz zu den großen politischen Fragen. Eine ausgiebige Debatte, die auf guter geistiger Höhe stand, folgte. Die Bezirksleitung wurde ohne wesentliche Veränderungen wiedergewählt, vornehmlich der bisherige Bezirksvertrauensmann Genosse Pelka- Oderberg. Mit begeisterten Freiheitsrufen und dem Absingen der ersten Strophe der„Internationale" wurde die Konferenz geschloffen. Dreijahrspla« für die genossenschaftliche Schuherzeugung. Der Gec-Verhand hat für seine Schuhfabrik in Böhmisch-Kamnitz einen Dreijahrsplan zur Steigerung der Produktton ausgestellt. Nach diesem Plan soll die Schuherzeugung der Kamnitzer Fabrik in der Periode von 1936/37 um 85 Prozent Wer den Produkttonsstand von 1934/35, in der Zeit 1935/36 um 48 Prozent Wer den Stand von 1934/35 und 1937/38 um 123 Prozent Wer den Stand von 1934/35 erhöht werden. Die Schuherzeugung soll also in drei Jahren mehr als verdoppelt werden. Unser ständiger Mitarbeiter für die fernöstlichen Fragen äußert sich über die Hintergründe und möglichen Folgen des neuen Zwischenfalles folgendermaßen: Die Grenze zwischen der Mongolischen Volksrepublik, die unter russischem Protektorat steht, und der Mandschurei ist immerhin so klar demarkiert, daß cs wunder nehmen muß, daß kaum ein Tag vergeht, an dem keine Grenzzwischenfälle stattfinden. Diese Grenze wird nämlich von einer Reihe sich von Norden nach SWen hinziehender kleinen Seen gebildet. Es ist völlig unwahrscheinlich, daß die japanischen Offiziere nie gemerkt haben, daß sie auf mongolischem Gebiete sind, als sie einen so bedeutenden Ort wie Tam- syk-Bulak erreichten, der 45 Kilometer von der Grenze entfernt auf mongolischem Gebiete liegt. ES ist schwer zu sagen, wie sich die weiteren Ereignisse entwickeln werden, aber es ist sehr unwahrscheinlich, daß es sich um mehr handelt, als um einen gewöhnlichen Grenzwischenfall. Kott H i r o t a, der neue japanische Ministerpräsident, führt seine Außenpolitik unter der Parole durch:„S i e g o h n e K r i e g". Die letzten Veränderungen in der Besetzung der wichtigsten Posten in der Kwantung-Armee deuten auch darauf hin, daß man einen Kompromißkurs treiben will. Der frühere Oberbefehlshaber der Kwantung-Armee, zugleich der japanische Botschafter in Mandschukuo, M i n a m i, der, wenn Kundfunk als Friedensinstrument Einberufung einer Internationalen Konferenz durch den Völkerbund Der Generalsekretär des VöllerbuWes hat den Mitgliedstaaten die berichtigte Vorlage eines internationalen Abkommens Wer die Verwendung des RuWfunks im Interesse des Friedens übermittelt. Dieses Abkommen wurde bereits zweimal von den Regierungen der Mitgliedstaaten geprüft und auch in der Völker- bundversammlung vom September-1935 beraten.. Die Bälkerbundversammlung hatte erklärt, daß es am Platze sei, eine diplomatische Konferenz zur eWgültigen Ausarbeitung des Abkommens einzWerufen und ersuchte den Völker- bundrat, in diesem Sinne alle Maßnahmen zu treffen. Der Bölkerbundrat hat beschlossen: 1. Daß die Konferenz für ein internationales Abkommen Wer die Verwendung des Rundfunks im Interesse des Friedens am3. September 19 3 6 zusammenftete, 2. daß zu dieser Konferenz außer den Mitgliedstaaten auch folgende Länder eingeladen werden: Deutschland, die Bereinigten Staaten von Amerika, Brasilien, Costarica, die Freie Stadt Danzig, Aegypten, Island und Japan, 3. daß der Generalsekretär des Völlerbundes die Regierungen der Mitgliedstaaten aufmerksam mache, die Delegierten rechtzettig zu der genannten Konferenz zu enftenden. Dre Regierungen der Mitgliedstaaten sollen außerdem dem Völkerbunde bis zum 15. Juli l. I. ihre eventuellen Anmerkungen zu dem letzten Entwurf des Abkommens Wer die Verwendung des Rundfunks im Interesse des Friedens Wermttteln. Verstaatlichung der Durer und Teplitzer Polizei. Die Polizei von Dux und Teplitz-Schö- nau wird cch 1. Mai d. I. verstaatlicht. Das Teplitzer Korps der Staatspolizei wird 130 bis 150 Mann zählen. Zugleich soll eine Expositur der Staatspolizei in Katharinaberg errichtet werden. schon kein Arakist, doch ein ziemlich radikal gestimmter General ist, wurde durch den gemäßigteren General U y e d a ersetzt. Die eigentliche Seele aller nordchinesischen Abenteuer, General D o i h a r a, ist gleichfalls abberufen worden. Es scheint überhaupt, daß Hirota gewillt ist, die beiden rivalisierenden Generalskliquen, an deren Spitze Araki und Hayashi stehen, aus dem obersten Kommando auszuschalten und durch Fachmilitärs zu ersetzen. In dieser Richtung liegen auch die neuesten Ernennungen zum Obersten Kriegsrat, wobei einerseits Araki, andererseits Hayashi mit ihrem Anhang zur Disposition gestellt wurden.'' Hirota beabsichtigt wahrscheinlich auch nicht, die ohnedies schwierige Lage des Marschalls Tschangkaischek noch mehr zu erschweren. Man ist nämlich in den Kreisen der Kuomintang mit der schwächlichen Haltung des Marschalls gegenüber Japan recht unzufrieden. Das Zentrum dieser Unzufriedenheit befindet sich in Kanton, wo sich der alte Parteiführer HuHanMinin ziemlich offener Weise gegen die Außenpolittk von Tschangkaischek ausgesprochen hat. Auch die Situation in der I n n e n m o n g o l e i ist sehr unklar. Den Japanern ist es allerdings gelungen, den jungen Prinzen T e h W a n g auf ihre Seite zu bringen. Aber das Gros der mongolischen Fürsten hat sich entschieden gegen die japanischen Intrigen und für die Allianz mit Nanking ausgesprochen. Rückfragen an Ribbentrop London. Die britische Regierung wird auf das deutsche Memorandum keine Antwort erteilen, bevor sie sich nicht mit Frankreich und Belgien beraten haben wird. Der diplomatische Reuter-Berichterstatter hat den Eindruck gewonnen, daß noch einigeZeit vergehen wird, bevor die Antwort auf das deutsche Memorandum ausgearbeitet werden wird. Unterdessen wird Minister Ede« am Donnerstag mit Ribbentrop eine Unterredung haben und ihm einige Fragen vorlegen, durch dir er bestimmte Aufklärungen über das deutsch« Memorandum erlangen will. Dieses Vorgehen wurde nach der Mittwoch nachmittags stattgefun- denen Beratung Edens mit dem ftanzösischen und dem belgischen Botschafter beschlossen. Am Nachmittag fand ei» Kabinrttsrat statt, der über dir Fragen beriet, welche Eden Ribbentrop vorlegen soll. Der Kabinettsrat traf auch die Entscheidung über die Besprechungen des britischen Generalstabes mit den Generalstäben Frankreichs und Belgiens, obwohl das genaue Datum noch nicht festgesetzt ist. Das Berhandlungsprogramm, das die Grundlage dieser Unterredungen bilden wird, wird im Einvernehmen mit der französischen und der belgischen Regierung ansgearbeitet werden. Lieg über den Negus Rom.(Stefani). Marschall Badoglio teilt in seinem Heeresbericht mit: Im Gebiet des Aschangi-Sees hat Dienstag, am 31. März, in der Richtung auf Ouoram eine große Schlacht stattgefundrn. Das Herr des ReguS mit den Gardetruppen, die mit allen modernen Waffrnarten ausgerüstet find, hat einen Angriff auf unsere Stellungen unternommen. Der Tag schloß mit dem vollen Sieg unserer Waffen. Die abessinische Aktion, die erwartet worden war, begann um 6 Uhr morgens und dauerte bis 18 Uhr abends. Alle Frontal- und Umgehungsangriffe wurden zurückgeschlagen. Am Nachmittag sind unsere nationalen und erythrä- ischen Truppenformationen zum Gegenangriff übrrgrgangrn und haben den Feind in die Flucht geschlagen. Die Abessinier zogen sich in regelloser Flucht zurück und wurden dabei von unseren Flugzeugen und unserer Artillerie bombardiert. Die Verluste auf Seiten des Negus sind sehr schwer: sie werden auf 7000 Tot« geschätzt. Darunter befindet sich eine größere Anzahl Unterführer. Es wurden viele Gefangene gemacht und große Mengen von Waffen erbeutet. Unsere Gesamtverluste betragen: zwölf Offiziere und 51 Soldaten des Heimatheerrs;'44 Offiziere und 152 Soldaten des Heimatherres wurden verwundet. Unter den erythräischen Truppen gab es 800 Tote und Verwundete. Unsere Flieger haben lebhaften und wirksamen Anteil an der Schlacht genommen und wurden vom Gegner angegriffen, wobei viele Flugzeuge getroffen wurden. Aus Angaben von Gefangenen geht hervor, daß die abessinischen Truppen ungefähr mit 20.000 Mann an der Schlacht beteiligt waren und daß der Regns persönlich den Angriff gegen unseren linken Flügel geleitet hat. Wo rieften die Italiener Im Norden? Eine Uebersichtskarte zu den jüngsten Truppenbewegungen in Nord-Abessinien. Die Italiener haben nunmehr die Orte Addi Arcai, Debarak und Socota erreicht, von denen namentlich das letzte einen wichtigen Karawanenknotenpunkt darstellt. DaS nächste Ziel der italienischen Truppen dürste nunmehr der Tana-See sein, der bekanntlich für die Wasserversorgung Ägyptens entscheidend ist. Seite 4 Donnerstag, 2. April 1838 Nr. 78 Luftwunder über der Südsee Ein Jahr Organisation des Transpazlflk>Luftverkehrs Eine Reportage von George White (AiPT.s San Francisco, im Märzi' Am 27. März 1935 verließ der von den „Panamerican Airways" gecharterte 15.000 Tonnen-Tampfer„North Haven" das„Golden Gate" von San Francisco, um sich hintereinander nach den Zauberinseln Honolulu, Midlvay, Wake, Guam und Manila zu begeben. Die„North Haven" hatte die Mission, die Lustlinie über dem Pazisik zu organisieren. USA soll endlich so nahe an China herangebracht werden, daß die Ueberquerung des Meeres eine Promenade wird. Bis jetzt braucht das schnellste Schiff 16 Tage, um von Frisco nach Schanghai zu gelangen. Durch die Lüftverbindung wollte man die Entfernung um zwei Drittel verkürzen und damit den amerikanischen Einfluß im Reich der Mitte außerordentlich verstärken. Gleichzeitig konnte Hawai auf diese Weise zu einem Ausflugsort für amerikanische Millionäre werden, während die übrigen pazifischen Inseln eine militärische Bedeutung ersten Ranges erlangen. Die Fahrt der„North Haven" wurde streng geheimgehalten. Die Japaner durften keinen Wind von ihr bekommen. Dabei wird sie in der Geschichte der Eroberung des Pazifik historisch bleiben.- Noch nie hatte ein Schiff eine solche Mannschaft und Ladung befördert wie dieser Danrpfer. An Bord befanden sich: das komplette Material zur Errichtung drei kleiner Kolonien für die Beamten und ihre Familien; die Ausrüstung für fünf Flughäfen und Landungsplätze; eine Million Liter Oel und Benzin; 1,018.897 Werkzeuge und andere Gegenstände vom Trakwr bis zum Handwörterbuch; die besten Radio- Spezialisten, Piloten, Lotsen, Mechaniker, Elektriker, Meteorologen, Ingenieure, Aerzte und Zeichner Nordamerikas. Am 4. April ging das seltsame Fahrzeug vor der Reede von Honolulu vor Anker und lud dort eine Rundfuirkstation aus. Während ihrer Montierung wurde die„North Haven" streng überwacht, um indiskrete Besuche zu verhindern. Als man am 16. April auf Midway Island eintraf, erwies sich die Arbeit als,besonders delikat. Man mußte nämlich zunächst einmal die fünf Chinesen und sieben Japaner entfernen, die sich unter den 23 Kolonisten befanden. Erst nachdenz man sie auf einer Nachbarinsel untergebracht hatte, konnte man mit der Errichtung der Siedlung beginnen. In 48 Stunden stellte man ein Dutzend Häuser auf, möblierte sie, installierte Bäder, Küchen und Eisschränke. Dann schuf man einen Flugplatz mit Lkuchttürmen, Hangars, Tankstellen und Reparaturwerkstätten. Man setzte ein kleines Waffer- und Elektrizitätswerk in Betrieb, eröffnete ein Klubhaus mit Kino. und Bibliothek, und die künftige Transozean-Station war fertig. Nach einer Woche konnten die Mitglieder der neuen Kolonie ausführliche Radiogramm-Unterhaltungen mit ihren Familien in Miami, Alaska und San Francisco führen... Die Insel Wake war vollkommen unbewohnt, als die„North Haven" dort landete. Sie war von dichtem tropischen Urwald bestanden. Die Fauna setzte sich vornehmlich aus Stelzvögeln und Schlangen zusammen. Zwölf Spezialisten wurden hier zurückgelaffen, während die übrige Mannschaft nach Guam und Manila weiterfuhr. Dort war die Aufgabe des Schiffes natürlich viel leichter zu erfüllen. Cs gab Arbeiter im Ueberfluß, die bei der Errichtung der neuen Flugstationen behilflich sein konnten. Auf dem Rückrveg kam der Dampfer nach acht Wochen wieder an der Insel Wake vorbei. Sie ivar überhaupt nicht wiederzuerkennen. Im Schotten der jahrtausendealten Bäume und inmitten bunter Blumengärten standen dort zwölf Landhäuschen mit Veranden und Liegestühlen. Am Strand hatten die modernen Robinsons farbenfrohe Badezelte und Sonnenschirme aufgestellt, wie man sie sonst nur in mondänen Kurorten zu finden pflegt. Im Hintergründe glitzerte der weiße Luft-Bahnhof der„Panamerica Airways" in der Sonne. In seiner Nähe waren die Paradies-Bewohner dabei, ein Golfgelände abzugrenzen und Tennisplätze herzustellen. Heute ist auf Wake bereits ein hochfeudaler Hotelpalast im Bau. /’ Inzwischen nämlich ist folgendes geschehen: kurz nach der Rückkehr der„North Haven"»ach USA, im Juli 1935, haben eines Morgens sechs Männer in der blauen Uniform der„Panamrri- can Airivayö" ein riesiges Wasserflugzeug bestiegen, dessen vier Motoren 3200 PS entwickelten. Vom Rundfunk laptahlMswarlM aus den ProeramnMni Freitag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 12.16: Mexikanische Musik, 15: Nachmittagskon- zcrt: französische Musik, 17: Russisch kür die Jugend, 18.10: Deutsche Sendung: Funkhörkasten, Lberge- richrsrat Weinhuber: Rechtsberatung für jedermann, 18.35: Arbeitersendung:Ak-> tuellezehnMinuten, 18.45: Deutsche Presse, 19.20: Volkslieder, 22.20: Klavierkonzert. Sender S: 7.30: Örchesterkonzert, r.4.15: Deutsche Sendung: Mr die Frau.— 9lad liest auS seinem „Rübezahl", 18.30: Zitherkonzert.— Brünn 12.35: Mittagskonzert, 13.35: Opernarien, 17.40: Deutsche Sendung: Sportnachrichten, 19.10: Zitherkon- zerr.— Kaschau 19.50: Rundfunkorchesterkonzert. plährisch-Lstrau 16.10: Nachmittagskonzert, Sie nahmen zwei Tonnen Briefe und Pakete mit sich sowie 20.000 Liter Oel und Benzin. Rach einer letzten majestätischen Schleife über dem „Golden Gate" flogen sie in Richtung Hawai davon. Sie hatten eine Strecke von 4000 Kilometer ohne Zwischenlandung vor sich. Die Sonne sank, die Nacht brach herein. Der Apparat flog in einer Höhe von 2000 Metern. Wenn man den Blick senkte, sah man tief unten die Schaumkronen der Wellen sich überstürzen. Hob man die Augen, so erblickte man am wolkenlosen Himmel die funkelnden Sternmyriaden, Es war überirdisch schön, so durch die Unendlichkeit zu schweben. Die sechs Piloten aber beobachteten mit gespannten Nerven ihre Instrumente. Der beste mechanische Kamerad war das Ghroskop,"das automatisch Richtung auf Hawai hielt. Der Telegraphist blieb in ständigem Kontakt mit den Einer, der sich in die Kesseln setzte... Her Karl HansStrobl, gewaltiger Tschechophobe vor dem Herrn und sozusagen„sudetendeutscher Heimatdichter" Par erzel- lence, hat sich schon vor Jahrzehnten„drüben" anzukratzen verstanden, längst, ehe die Krebs und Jung auf dieselbe gewinnbringende Idee kamen. Herr Strobl glaubte, mit besonderem Eifer in reichsdeutsch-preußischer Mentalität machen zu müssen. Dieses seiner geschäftstüchtigen Spekulation entsprang nicht nur eine voluminöse B i s- marck- Trilogie, sondern vor einiger Zest auch ein historischer Germanen-Roman, betitelt„H eerkönig A r i o v i st". Er besingt teutonisches Krieger- und Heldentum, daß, weiß es Gott, die alten Eichen nur so rauschen. Herr Strobl wähnte sich wohl grade für die seelischen Verhäünisse des jetzigen Dritten Reiches fein damst heraus. Aber die sind doch ein wenig komplizierter, als so ein Adeptks in seinem Eifer ahnt. Was insbesondere seine Glorifizierung der alten Gennanen angeht, so hat unser Karl Hans arg daneben getreten, wie die folgende litcra- rische Beckmesser-Affäre des Dritten Reiches jetzt beweist: . In der letzten Nummer der wohl hier ganz und gar zuständigen und vom reichsamtlichen- Goebbels-Kurs alimentierten'„3 e i t s ch r ist f ü r d e u t s ch e V o l k s kwn d e" wird in einem langen Artikel stark beanständet, wie die alten Deutschen, die doch eine besonders edle Rasse und hervorragende Kulturträger gewesen wären, immer wieder als eine Art beserkerhafter Austtalneger auch von der deutschen Literatur angesprochen würden. In diesem Zusammenhang wird wiedergegeben, in wie schnöder'Kriegsbemalung sie auch der Germanen-Roman Strobls, zwar sicherlich gut gemeint, ab/r doch auch; deri Zeitgenossen der edlen Thusnelda bitter, Unrecht tuend, zeige. Zum Beispiel hatte Strobl über die bekannte Schlacht, die während des gallischen Krieges den Germanen-Herzog- Artovist auf die Legionen des Cäsar stoßen ließ, u. a. ge- schrieben:. „Der Anprall war fürchterlich, Krachen der Schilde gegeneinander, schon sah/man das Weiße: in den Airgcn der Barbaren, die hlind.drkinhie.bew. mit dem Ungestüm toügcwordener Sucre, nur Funkstationen von San Francisco.und Honolulu.' Alle zwanzig Minuten zeigte ihm eine Depesche, die atmosphärischen Bedingungen an, die das Flugzeug erwarteten. Rach siebzehn Stunden ging es genau zur festgesetzten Minute im Hafen von Honolulu nieder. 4000 Kilometer lagen hinter ihm, 8000 noch vor ihm. Eine neue Mannschaft führte es nach Midway Island, das 2400 Kilometer entfernt war. Von dort wurde es durch frische Kräfte über Wake und Guam nach Manila gesteuert. Vier Tage waren vergangen, seit der Apparat in San Francisco aufgestiegen war. Der Geschäftsmann-in Manila nahm den Brief in Empfang, den sein New Dorker Vertreter vor fünf Tagen aufqegeben hatte. Bisber hatte er immer drei bis vier Wochen warten müssen. Die Luftpostlinie San Francisco—Manila befördert heute schon nicht mehr nur die Post, sondern täglich bis zw zwanzig Passagiere. Bereits in Kürze wird die Verbindung mit dem asiatischen Festland ganz und gar hergestellt werden. Der'chinesische Hafen Dkacao liegt„nur" 1100 Kilometer von Manila entfernt... . die Kraft, nichts als rohe Kraft... Sie schnauf- ■ ten bei dieser Arbeit, sie waren völlig trunken von Blut, spürten keine Wunden, die Ketten von Men sch e n z ahnen, die ihnen als Schmuck um den Hals-hingen,>klingelten und klirrten in den Tanz, wahnsinnig brüllende, halbnackte Fleischmaffen wälzten sich über die Römer«... usw. usw." Donner und Doria— das freilich hat es der komplizierten Rassetheorie des Dritten Rei- ches doch einigermaßen angetan! Dagegen sind ja doch Wohl die Buschmänner noch brittsche Rigth Honourables— so meint mit Recht Herr Goebbels oder doch wohl sein Sittenrichter fiir „deutsche Volkskunde". Herr Strobl, der es doch so gut gemeint hatte, muß also folgende Zensur in der genannten Zeitschrift über.sich ergehen lassen:- „Hier offenbart sich, wie. verhängnisvoll es ist, wenn deutsche Schriftsteller der Barbarenlüge der alten Schriftsteller geistig erliegen. Ketten aus Meiffchenzäbnen am Halse germanischer ‘ Krieger— welch eineAusgeburteines überhitzten Begriffesvonfuror teutonicus." Da hat also der bekehrte Großdeutsche sozusagen seine kleindeutsche Ohrfeige weg! Aber schadet es was bei solchen problematischen Naturen, wie sie in der Tat die Strobl e tutti quantt sind?!. F. E. R ot h. Hauptmanns Hinrichtung wieder verschoben... Auf Antrag des Obmannes der Groß- Gkfchworenen, die das Geständnis von Paul Wendel unkKfuchem'gewährten' die Grcß-Gcsckstoorencn Hauptmann einen Strafaufschub von 48 Stunden. Hauptmann hat an den Gouverneur des Staates New Jersey, Hoffman, ein längeres Schreiben gerichtet, dem er unter Berufung auf.seine Frau und sein kleines Kind in bewegten Worten um Gnade bittet und nochmals versichert, daß er an der Ermordung des Lindbergh-Kindes völlig uns ch u l d ig sei. Weiter geht er nochmals auf die sonderbare Rolle, die Dr. C o n d o n in der Angelegenheit gespielt hat, ein und betont, daß der Fall nbch in keiner Weise geklärt sei. Die Verschiebung der Hinrichtung Hauptmanns wurde erst einige Minuten vor dem für die Hinrichtung festgesetzten Zeitpunkte bekanntgegeben. Der Großgeschworene der Grafschaft Mercer studierte den ganzen Nachmittag die Paul Wende'l betreffenden Akten, welcher gestanden hat, der Mörder des Lindbergh-Kindes zu sein, später aber sein Geständnis widerrief. In einer an die Pressevertreter abgegebenen Erklä- rung^ teilte der Direkwr des Trentoner Gefängnisses Kimberling mit,' daß das Geschworenen- geeicht ihu benachrichtigt habe, die Hinrichtung aulgchchoüen BMxdta Aas der Arbeiter Turn- und Sportbewegung Atus 5. Kreis, Fußball Spielergebnisse der Gruppen II und III: Schönprieseii gegen Aussig-Nord 7:1, UllgerS- dorf gegen Nesterfitz 1:3, Wannow gegen Kleifche 0:11, Türmitz gegen Predlitz 0:5. Der Bericht Aussig-Ost gegen Schönfeld ist bis heute nichr eingelangt. Die Schiedsrichter haben die vorgedrucklen Kuverts zu verwenden mrd rechtzeitig den Bericht einzusenden, denn nur so kann eine flotte Berichterstattung erfolgen. Tie Bezirksspielleiter werden neuerlich aufgefordert, die Adressen sämtlicher Vereinsspielleiter bekanntzugeben, da neue Bdreffenverzeichnisse angefertigt werden müssen. Die Spielbekanmgabe der Meisterschaft bat nun wöchentlich von jeden Gruppenleiter zu geschehen. Auch der Stand ist immer mitanzuführen. Die Solidaritätsaktion ist monatlich beim Kreis in Abrechnung zu bringen. Tie Kreisspielleitung. Momente in der Aftäre aufgetaucht sind, welche das Geschworenengericht untersuchen wolle. Ermordung eures politischen Mörders. Aus Barcelona wird gemeldet, daß der Leutnant der spanischen Fremdenlegion Dimitrij Iwanow, der bulgarischer Staatsbürger ist, am 24. März in Tauina in Marokko ermordet wurde. Iwanow war einer der Führer der Unterdrückung der Aufstandsbewegung im Oktober 1934 in Asturien und einer der Urheber der Ermordung des republikanischen Journalisten Jouis Desilva. Arbeiter-Maffentod. Der Neubau des Nationalmuseums von Antiochia(Nord-Syrien) stürzte Dienstag zusammen. 50 Arbeiter wurden unter den Trümmern begraben. Bisher wurden sechs Schwerverwundete geborgen. Die Hälfte der Verunglückten dürste tot sein. Die Emanzipation der norwegischen Frau. Das norwegische Abgeordnetenhaus hat mit 64 gegen 38 Stimmen den Gesetzentwurf angenommen, durch den die Frauen das Recht erlmigen, sämtliche Stellen in der staatlichenAdmi- nistrative unter den gleich en Bedingungen wie dies bei den Männern der Fall ist, zu erlangen. Während der Debatte machten einige Redner darauf aufmerksam, daß die Ernennung der Frauen zu P a st o r e n die religiösen Gefühle der Mehrheit der Bevölkerung verletze. Der Iusttzminister erwiderte, die Regierung werde in spärlichem Ausmaße von dem Rechte, Frauen zu Pastoren zu ernennen, Gebrauch machen, damit die religiösen Gefühle nicht berührt werden. Der Prozess wegen der Berliner Einsturzkatastrophe. bei dem Tunnelbau für die Nord- Süd-Stadtbahn in.der Hermann-Göriug-Straße am 20. August des. vergangenen Jahres, bei der 19 A r b e i t e r den T o d fanden, begann gestern vor dem Berliner Landgericht. Gegen die Berliner Olympiade äußerte sich so nebenbei,im Unterhaus der bekannte Konservative Locker Lampson, der als Sprecher der Regierimg vor einigen Jahren sehr häufig in der Presse aller Länder genannt wurde. Es ist also nicht ohne Bedeutung, wenn ein so führendes Mitglied der Regierungspartei eben erklärte, Engländer sollten lieber nicht zur Olympiade nach Deutschland fahren, denn das Geld, das sie dort ließen, werde doch nur für die deutsche Aufrüstung verwendet! Die nicht weniger bekannte Arbeiterparteilerin Ellen W i l k i n s o n griff das Thema auf und stellte an das Kabinett folgende streng ordnungsgemäße Anfrage:„Möchte die Regierung nicht ihren Ein?, fluß auf Hitler dahin ausüben, daß entsprechend der eben vollzogenen Reichstags„wahl" bei den olympischen Kämpfen immer nur ein e i n z i- ger Bewerber zugelassen wird?„Stürmische Heiterkeit und vielfacher Beifall folgten diesen Worten. Aufs weite Meer hinaus fuhren 54 Reichsdeutsche aus Danzig am vergangenen Sonntag. Dort lag außerhalb der Dreimeilenzone das schöne, vom Zweiten Reich erbaute Mowrschiff „Preußen" vor Anker und darauf konnte man als auf reicksdeuffchem Boden abstimmen. Andere Danziger Bewohner reichsdeutscher Bürgerschaft konnten dieses Geschäft auf dem Landwege verrichten, wenn sie nach Pommern oder Westpreu- ßen fuhren. Unsere 54 aber ließen sichs auf der „Preußen" wohl sein, tranken Bier und sogar Champagner, den die Nazis ja verbilligt haben. Und dann gingen sie hin und stimmten— wir der„Daily Herald" meldet— einmütig und geschloffen mit einem deuttichen und unverkenn» baren Nein! Sonntags-Rückfahrkarten zu Ostern 1936. Sonntags-Rückfahrkarten werden ivährend der Oster- Schulferien vom Dienstag, den 7-. April, dis zum Montag, den 13. April, ausgegeben werden und gelten für die Rückfahrt erst vom Sonntag, den 12. April, bis zum Dienstag, den 14. April, wobei die Reffe am letzten Tage der Gültigkeit um 24' Uhr beendet sein muß. Regenwetter und Kälte. Wahrscheinliches Weiter Donnerstag. Noch Andauer des relativ warmen Wetters, bei südwestlichem Winde. Vorwiegend bis wechselnd bewöltt, namentlich im Nordwesten der Republik stellenweise Regen.— Wetteraussichten für Freitag, den 3. April: Winddrehimg gegen uüjii* da MM MWÜe Nordwesten. Veränderlich und kälter. Im Lsttel daheim Das Training einer amerikanischen Zirkusreiterin Str. 79 Donnerstag, 2. April 1936 Seite 5 Das Durchschnittsalter des Parlaments. Der „NeueMorgen" errechnet und vergleicht das Durchschnittsalter der Parlamentarier in den Kammern des allgemeinen Wahlrechts in Oester« reich und in der Tschechoslowakei. Die Zusammenstellung ergibt bei Berücksichtigung beider Häuser folgendes Bild: Reichsrat in Wien, 1907: Durchschnittsalter 44.31 Jahre, Reichsrat in Wien, 1911: Durchschnittsalter 45.22 Jahre, Revolutionäre tschechoslowakische Nationalversammlung 1918(nicht gewählt), Durchschnittsalter: 48.06 Jahre, Gewählte Nationalversammlung 1920, Durchschnittsalter: 46.28 Jahre, Nationalversammlung 1925: 48.15 Jahre, Nationalversammlung 1929: 49.61 Jahre, Nationalversammlung 1935, 50.04 Jahre.— Zu berücksichtigen wäre allerdings, daß die Einrechnung des Senats, der von Haus aus eine untere Altersgrenze von 45 Jahren hat und der mit dem österreichischen Herrenhaus, in dem auch jüngere Leute saßen, kaum zu vergleichen ist, das Bild verwischt. Im allgemeinen aber herrscht die Tendenz eines langsamen Ansteigens des Durchschnittsalters vor. Alles schon dagewesen!„Es gibt tatsächlich nichts, was uns daran hindern könnte, Frieden und gut nachbarliche Beziehungen zwischen uns und Frankreich zu wünschen. Ein Krieg mit Frankreich, falls er sogar glücklich für uns verlaufen sollte, würde uns garnichts nützen... Frieden und gegenseitiges Vertrauen sind im Interesse der beiden Völker notwendig» die nicht dazu berufen sind, miteinander Kriege zu führen» sondern dazu bestimmt sind, gemeinsam die Wege des Wohlstandes und der Zivilisation zu beschreiten."— Also sprach nicht etwa Adolf Hitler, sondern Otto von Bismarck am 20. Dezember 1866 im preußischen Herrenhaus. Vier Jahre später gab es Krieg. Der Privatfkugplatz König Eduards VIII'. Unmittelbar nach dem Regierungsantritt König Eduards VHI. bewegte die Frage, ob der König seiner Passion für das Fliegen auch als Herrscher treu bleiben würde. Es wurde seinerzeit gemeldet, daß Eduard VHI. sich. durch verschieden? Bitten dazu habe bestimmen lassen, aus die immer noch nicht sicher erscheinende Beförderungsart zu verzichten. Schon die Schaffung eines Postens des„Piloten seiner Majestät" zeigte, daß dieses Gerücht keineswegs richtig war. Und jetzt lvird sogar im Park von Windsor ein eigener Flugplatz für den König angelegt. Er besitzt heute zehn Flugzeuge, von denen die größten erst in der letzten Zeit angekaust worden sind. FamiHen-Idyli Sie: Wenn ich ein Vöglein wär*,., Er: Dann möchte ich eine Flinte sein! Pie englische Armee Das englische Landheer besteht aus der regulären Armee, mit Reserve, der Territorial- Armer und dem sogenannten Officers Training Corps. Gleich nach dem Kriege ist England zu seinem alten Prinzip einer freiwilligen Söldnertruppe zurückgekehrt. Die Dienstzeit beträgt zwölf Jahre, davon in der Regel sieben aktiv, der Rest in der Reserve. Ungefähr die Hälfte der regulären Armee steht in normalen Zeiten im Mutterland, die andere Hälfte in Uebersee. Die Territorialarmee war bis jetzt eine freiwillige Miliz mit vier Jahren Dienstverpflichtung. Das Officers Training Corps endlich dient zur Vorbereitung von Offizieren der Territorialarmee; es wird aus Schülern von höheren und Hochschulen gebildet und steht unter der Leitung von aktiven Offizieren. Die regulären Truppen sind in fünf Divisionen, zwei Kavallerie-Brigaden und eine Reihe kleinerer, selbständiger Einheiten gegliedert. Die Gesamtstärke soll rund 207.000 Mann, inklusive 12.250 Offizieren, betragen. In Wirklichkeit fehlen momentan etwa 10.000 Mann, weil der Freiwilligenzufluß nicht ausreichend groß ist. Die Reserven betragen: Armeereserve 120.000 Mann; Ergänzungsreserve 20.000 Mann— Ingenieure, Techniker, Eisenbahner, nur für technische Truppen, wenn Mobilmachung. Rund ein Viertel der Armee steht in Jichien. Die Territorial-Armee ist in vierzehn Divisionen und zwei Kavallerie-Brigaden zusammengefaßt. Die Sollstärke ist 171.000 Mann; in Wirllichkeit sind aber nur 132.000 vorhanden. Nach der neuen Organisation besteht die englische Infanterie-Division aus drei Brigaden; jede Brigade zählt vier Bataillone, davon drei Schützen- und ein motorisiertes Bataillon der sogenannten Feuerunterstützung. Das Schützen-> bataillon hat eine Stabs-Kompanie mit je einem Zug Maschinengewehre und Mörser und vier Schützenkompanien. Insgesamt hat das Bataillon 52 leichte Maschinengewehre neuesten Modells. Das mowrisierte Bataillon soll drei schwere Maschinengewehrkompanien, eine Tankabwehrkompa- me, eine Stabskompanie und Aufklärer haben. Der Division sind unmittelbar unterstellt: ein Tankbataillon und zwei Artilleriebrigaden. Das Charakteristische dieser Neuorganisation besteht vor allem in der Beschränkung der mechanischen Waffen des Bataillons auf leichte Maschinengewehre und die Zusammenfassung der schwereren Waffen in der Brigade, die ungefähr dem »kontinentalen" Infanterieregiment entspricht. Vorerst werden zwei Gardebataillone und 13 Linienregimenter, die sich im Mutterlande befin- !den, in Maschinengewehrbataillone umgewandelt. Die Kolonialtruppen kommen erst später heran. . Das, Neueste in der Bewaffnung der englischen Infanterie ist die Tankabwehrwaffe, die wie folgt verwendet wird: jeder Jnfanteriezug bekommt ein Tankabwehrgewehr Boys', dessen Kaliber 12.7 Millimeter und dessen Gewicht 17.5 Kilogramm beträgt. Das MG-Bataillon in der Brigade bekommt ein Tankabwehrgeschütz, dessen genauere Angaben noch unbekannt sind. Die neuen Jnfanteriemörser haben ein Kaliber von 75 Millimeter, die Armee wird außerdem mib rund 3000 neuen schweren Brenn-MG ausgerüstet. Alle schweren MG und der gesamte Train werden Motorzug haben. Nachspiel einer Liebestragödie Pilsen. Das Jugendgericht in Pilsen befaßte sich Mittwoch mit der Tragödie eines jungen Liebespaares, die sich in der Rächt auf den 11. Feber d. I. in einem P r a g e r H o t e I abgespielt hatte und die das Leben der,23jährigen Marie Bärtovä, einer Häuslertochter aus Chocenice bei Movice, zum Opfer fordertet Die Bärtovä unterhielt mit einem um sechs Jahre jüngeren Burschen eine Bekanntschaft. Die Eltern des Liebespaares setzten jedoch dem Verhältnis, hauptsächlich infolge des unangemessenen Altersunterschiedes, Widerstand entgegen. Die beiden jungen Leute beschlossen deshalb, gemeinsam in den Tod zu gehen. Der junge Mann entwendete daheim etwa 500 Kc und einen Revolver und fuhr mit dem Mädchen nach Prag, wo sie sich gemeinsam in einem Hotel einmieteten und nachdem sie mehrere Flaschen Wein getrunken hatten, den Beschluß faßten, gemeinsam Selbstmord zu begehen. Diesen Beschluß gaben sie ihren Eltern in Briefen bekannt. Wie verabredet, feuerte der junge Liebhaber zuerst Schüsse gegen die B^r» tovä ab, die sofort tot war.-Dann aber versagte der Revolver und nach vergeblichen Selbstmordversuchen lief der verzweifelte junge Mann auf den Gang des Hotels und bat, man möge ihn umbringen. Auf den Schauplatz der Tragödie wurde die Rettungsgesellschaft und Polizei berufen, die nach Ermittlung des Tatbestandes den Jugendlichen in die Gerichtshaft einlieferte. Mittwoch hatte sich das Jugendgericht in Pilsen, dessen Sprengel der Angeklagte angehörte, mit dem Fall zu befassen. Das Gericht unter dem Vorsitz des OGR, Benysek erkannte nach sorgfältiger Erwägung aller Umstände den jugendlichen Täter schuldig und verurteilte ihn zu drei Jahren Verschließung. Im Hinblick auf seine Wohlverhaltenheit billigte ihm jedoch daS Gericht einen bedingten Strafaufschub mit einer Probezeit von vier Jahren zu.. Ferner wurde er zum Ersatz der Kosten deS Strafverfahrens und des den Eltern der ermordeten Bärtovä* zugefügten Schadens verurteilt. Der Staatsanwalt hat gegen die bedingte Verurteilung und das niedrige Strafausmaß die Berufung eingelegt. Valkswirtschatt und Sozialpalitili Rettet die Bausaison I . Im Gegensatz zu der seit Monaten erfolgten Ankündigung einer guten Bausaison für das Frühjahr 1936 hat die B a u.b e w e gung trotz günstigen Wetters bisher nur schwach eingesetzt. Diese-Feststellung wird auch in einer Üeber- sicht über den Stand in den Jndüstriezweigen im neuen Monatsbericht der Nä'tionahbank gemacht. Es wird dabei der Auffassung Ausdruck gegeben, daß die diesjährige Bausaison doch noch lebhafter sein werde als die vorjährige. Um die Erwartung zu rechtfertigen und um seinen Bemühungen im Kampfe gegen die Massenarbeitslosigkeit und für die Wiederbelebung der Wirtschaft vor allem auf dem Baumarkt, den Erfolg zu sichern, hatte der Minister für soziale Fürsorge, Ingenieur Necas, energisch gegen hig Preisjxerb^reie^ hei^Baumaterialien AGnt"gemacht. Auf seine Anregung hin war die Errichtung von Preiskomm rssionen vorgesehen worden, die die Preise für die wichtigsten Baustoffe untersuchen und, wenn notwendig, nach unter revidieren sollten. Diese Maßnahme war deshalb dringlich geworden, weil sich bereits zeigte, daß die Baustoffverteuerung die erwartete und vom Staate geförderte Baukonjunktur gefährdet war. Gegen diese Preiskommissionen setzte, noch ehe sie ins Leben gerufen waren, ein starkes Kesseltreiben der Interessenten ein. Sie wollen ihre Ueberprofite, die sie durch die hohen, meist von Kartellen gesicherten Preise beziehen, unangetastet sehen. Dieser Widerstand hat bisher Erfolg gehabt. Es ist bis jetzt nur eine einzige Preiskommission für Zement beim Landesamt ernannt worden, während die Einsetzung von Kommissionen für die übrigen Baustoffe von Woche zu Woche hinausgezögert wird. Daneben laufen die Bemühungen, die Arbeit der Kommissionen so zu Entheiligter Frühling Der Frühling kündigt sich nicht nur mit blauem Himmel und Vogelgezwitscher, mit aufbrechenden Knospen in den Gärten, niederftürzen- dm Lawinen in den Bergen und Veilchenfträu- ßen in den Großstadtstraßen an; seine Vorboten sind auch grellbunte Bilder auf den Titelseiten der illustrierten Wochenblätter, phantastische Wachsblumen in den Schaufenstern der Modehäuser und ein aufs Zehnfache erhöhter Einlauf an Gedichten in den Redaktionen der Tageszeitungen und literarischen Zeitschriften. Das ewige Wunder der Erneuerung des Lebens, das im Winter er- storben schien, regt auch Gemüter zum Dichten an, die zur Poesie sonst nur spärliche Beziehungen unterhalten. Die drei übrigen Jahreszeiten zusammcngenommen verschulden nicht einen Bruchteil des Verbrauchs an Papier und Tinte, den der Frühling auf dem Gewissen hat. In einem Augenblick, in dem das heiligste Schweigen und die ehrfurchtsvollste Scheu geboten wären, fühlen unzählige Menschen das Bedürfnis, in mehr oder weniger schlechten Versen zu wiederholen, was bereits millionenmal festgestellt worden ist: Daß der Frühling ein Symbol der Jugend, diese gleichbedeutend mit Liebe, Liebe aber die Poesie an sich sei, und der Mai daher die schönste Zeit des Lebens zu sein pflegt. Nirgends sind echte Poesie und banalster Kitsch einander so nahe, io ähnlich, wie in Frühlingsgedichten, Frühlingsliedern, Frühlingskompositionen. Die Weüliteratur kennt knapp ein Dutzend wirklich großer Frühlingsgedichte, aber eine unübersehbare Flut von Versen, in denen Halb- und Bierteltalente mit immer gleichen Metaphern das Loblied des Frühlings singen. Kaum einem halben Dutzend bedeutender Maler ist es gelungen, den Zauber des Frühlings in all seiner Vielseitigkeit einzufangen, aber jede Ansichtskarte erhebt Anspruch darauf, mit ein paar blühenden Zweigen, einer grünenden Wiese eines der höchsten Erlebnisse wieoergeben zu können, die der Menschheit überhaupt geschenkt worden sind. Bon Sindinzs„Frühlingsrauschen" bis zu den Schlagern von heute führt eine schnurgerade Linie musikalischer Banalitäten, die den Frühling zum lieblichen Kitsch,entweihen. Früher wurde von Völkern, die man„primitiv" nennt, der Einzug des Frühlings mit einem Fest gefeiert, war er Symbol und seine Verehrung eine kultische Handlung. Heute ist er nur noch eine besonders günstige Saison des Kunstmarktes, in der die Nachfrage nach Poesie zu steigen pflegt und für die die Erzeuger und Verkäufer von Poesie-Artikeln daher rechtzeitig Vorsorgen. Sie wissen es nicht, aber sie ahnen es leise: der Frühling ist die Revolution des Lebens gegen den Tod. Er ruft auch in der Seele des selbstzufriedensten Bürgers das Gefühl wach: Ich bin nicht allein, über mein enges, lleines Dasein hinweg rollt der Strom des Lebens in die Ewigkeit. Aber damit der Philister das Große erfasse, muß es verlleinert werden, verniedlicht und entheiligt. Die Landschaft des Frühlings sagt ihm weniger als der Buntdruck eines blühenden Baums; weil I er des stummen Gebets nicht fähig ist, das der Frühling ihm abzwingen will, sagt er sich gern ein blumiges Gedicht vor; und weil er die Musik der Himmel nicht vernimmt, summt er einen Schlager von Zrühlingsliebe im Mondenschem. Er fühlt nicht und sieht nicht: daß der Frühling in jedem Jahr neu und anders,, sein Niederschlag in der Poesie aber längst verblaßt, in Schablone erstorben, entgeistigt ist. Als das Dichten noch nicht Massenkonfektion geworden, gab es in der deutschen Sprache ein Wort für Frühling, das nur die Dichter anwandten: Lenz. Heute darf kein Dichter dieses Wort mehr gebrauchen, ohne sich dem Fluch der Lächerlichkeit auszuliefem; die Dichterlinge haben es entweiht, und die alten Jungfern, die ihr Leben nicht nach Jahren, sondern nach Lenzen zählen. Hurra, es ist gelungen: Das Erhabene ist so tief herabgezogen worden, daß es klein, alltäglich und banal wurde, wir die, die es nicht begreifen. Kosmisches Erwachen, in Konservendosen aus blechernen Worten abgezogen, für den^ Hausgebrauch. Der Schöpfer aber ist übertrumpft und muß., sich verstecken:, so schön, wie die Blüten aus Wachs und Papier, die man auf der Operettenbühne und in der Frühlingölandschaft des Kitschfilms bewundern kann, sind seine Blumen nicht, und bei einem Wettbewerb der Schlagerkomponi- sten hat das Trillern seiner Lerchen, der Gesang seiner Nachtigallen nicht die geringste Siegeschance.. Fünfgroschenpoeten, Farbenkleckser und Vio- linschlüffeldiebe haben den Frühling entheiligt, um an ihm zu, verdienen. Er rächt sich bitter: durch seine Mondscheinnächte, die einst das Sinnbild heiligsten Friedens gewesen, schleicht ein Gespenst, mit hohlen Augen, mit Totenfingern, und über seine jauchzende, farbenglühende Landschaft zieht riesenhaft der Schatten bombenträchtiger Flugzeuggeschwader... F. R. Der Stuhl, der Hauptmann erwartet Der elektrische Stuhl im Staatsgefängnis zu Trenton, durch den die Hinrichtung Bruno Richard Hauptmanns erfolgen wird. lenken, daß für dieses Jahr, oder wenigstens für die bevorstehende Bausaison, kaum noch Resultate zu erwarten sind. Es handelt sich um eine regelrechte Sabotage der Absichten des Sozialministers. Im„Venkov", jenem agrarischen Blatt, das schon öfters gegen eine bescheidene Erhöhung der Löhne Stellung genommen hat, weil'angeblich dadurch die Produktionskosten verteuert würden, bemüht sich ein Dr. techn. Klouöek um den Nachweis, daß die Baustoffverteuerung nur gering sei und daß selbst eine erfolgreiche Arbeit der Preiskommissionen günstigstensfalls eine Senkung der Preise um zehn Prozent bringen könne. Er errechnet, daß die Baukosten für ein Wohnhaus in Prag„nur" um 7.3 Prozent oder bei seinem Beispiel um 66.000 Kronen verteuert seien. Bei einer Senkung von bestenfalls zehn Prozent sei das nur eine Ersparnis von 6600 Kronen. Sie hält dieser Doktor für zu gering, um deswegen erst Preiskommissionen zu bemühen oder gar die Entscheidung über den Beginn von Wohnhausbauten abhängig zu machend Es bleibe dahingestellt, ob das erwähnte Beispiel in allen Einzelheiten richtig ist. Aber selbst die zugestandene Verteuerung dev Baukosten um 7.3 Prozent ist hoch genug, um' eine Herabsetzung zu rechtfertigen. Wird den willkürlichen Preiserhöhungen Wetter freier Lauf gelassen, so kommt die Baukonjunktur noch vor ihrem eigentlichen Beginn zum Erliegen und die wenigen Wohnhausbauten, die dennoch fertiggestellt werden, sind für die Bevöllerung mtt niedrigem Einkommen nicht beziehbar. Darum muß die Sabotage, die sich gegen die sozialen Absichten des Fürsorgcministers geltend macht, gebrochen werden. Es ist erfreulich, daß auch die Nationalbank für eine Beschleunigung der Verhandlungen der Preiskommissionen eintritt, damit die Bausaison nicht verpaßt werde. Lum Vorfall In der Lebens* Versicherungsgesellschaft„Phönix** teilt uns die zahlmäßig größte Fachorganisation, der Zentralverband der Versicherungsangestellten in der CSR., welcher auch die Beamten und Kanzleibediensteten der angeführten Versicherungsanstalt umfaßt, mit, daß er bereits alle nöttgen Vorkehrungen getrof» fen hat, und auch in Zukunft treffen wird, damit die bisherigen Rechte der Angestellten gesichert bleiben. EDie Angestellten eines Unternehmens können für dessen Wirtschaft nie. verantwortlich gemacht werden, wenn ihnen die Möglichkeit, in die Verwaltung einzugreifen, nicht gewährt ist. Der Zentralverband der Verficherungsangestell- ten hat bei verschiedenen Gelegenheiten gefordert, daß die Kompetenz der Betriebsausschüsse auch aus die Verwaltung der Utiternehmungen ausgedehnt werde,, leider wurde diesem wiederholten Ansuchen bisher nicht enffprochen. Der Vorfall in der Versicherungs-Gesellschaft „Phönix" beweist genügend die Notwendigkeit, das Gesetz über die Betriebsräte, mindestens was die Geldinstttute anbelangt, zu novellieren. Der Zenttalverband der Versicherungsangestell- tcn betonte bei verschiedenen Gelegenheiten eindring-' lich, daß er für unbedingte Ordnung in allen Versicherungs-Anstalten in jeder Richtung fei. Dieses Resultat kann jedoch nur dann erreicht werden, wenn die Angestellten. mit, den. zuständigen staatlichen Revisionsorganen gemeinsam systematisch Mitwirken unb in die Wirtschaft der Anstalten Einsicht nehmen und diese kontrollieren könnten. Dies wäre im Interesse sowohl der Angestellten, als auch ein Schutz der Versicherten. Im Falle der Versicherungs-Gesellschaft „Phönix" in der CSR. werden sicherlich alle Vorkehrungen zum vollen Schutz der Rechte der Versicherten getroffen Herden, was.auch aus der amtlichen Erklärung Hervorgeht. Der Zentralverband der Versicherungsangestell» ten verlangt, es möge 1 aus den obangeführten Gründen in der allernächsten Zeit die Novellierung des Betriebsausschußgesetzes durchgeführt werden; gleichzeitig fordert er, es. mögen in den. Privatversicherungsanstalten die Pensionsfonde, welche für die Pensionssicherstellung der Angestellten bestimmt sind, gesondert verwaltet und verrechnet werden. ieif»* 6 Sozialdemokrat" Donnerstag,? 1936. Nr. 79 was auf der Bühne vorging, klarer und verständlicher. Im Stück war die Rede von einem jungen Flieger und seiner Braut, dis infolge eines Motor- defekres gezwungen waren, auf einer unbekannten Insel notzulanden. Tie Verunglückten werden von Kannibalen umringt, die ihre Absicht, die Fremden zu verspeisen, nicht verbergen. Aber mit Hilfe der Sprache der Zeichen und Gesten bittet der Flieger den Häuptling der Kannibalen um Gnade für sich und seine Braut. Der Häuptling läßt sich schließlich erweichen, und alles endet gut. Nach Schluß der Vorstellung trat der Schanspieler, der den Häuptling gespielt hatte, vor die Rampe und erklärte dem Publikum— in der Zeichen- und Gestensprache des Professors Paget— die Vorteile der neuentstandenen Sprache. Zum Schlüsse trug ein anderer Schauspieler zu Geigen- und Klavierbegleitung ein Gedicht in der Zeichensprache vor.^- Klavierabend der Deutschen Musikakademie, Lyzeumsaal heute 20 Uhr, Prag II., Charvätovä Nr. 5. Deutsche sozialdemokratische Frauenorganisation Prag Freitag, den 3. April, 8 Uhr abends, im Parteiheim, Narodni tk. 4, Frauenabend mit Vortrag des Genossen Dr. E. Franzel über das Thema „Zwischen Frieden und Krieg“ dos- der Partei Bezirksfrauenkomitee. Freitag um 7 Uhr Sitzung. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Donnerstag halb 8: Das M ä d ch e n aus dem goldenen Westen, neuinszeniert, C 2.— Freitag halb 8:EinKindklagtan, Erstaufführung, Dl.— Samstag halb 8: Große, Liebe, Ensemblegastspiel des Theaters in der Jo- sefstadt, Abonnement aufgeboben.— Sonntag halb 3 Uhr: Der Freischütz, Arbeitervorstellung, halb 8: Ping-P ong, Gastspiel des Theaters in der Josefstadt, Abonn-ment aufgehoben. Spielplan der Kleine« Bühne. Heute, Donnerstag 8: U n entschul digte Stunde.— Freitag 8:Dr. med. HiobPrätorius.— Samstag halb 8: Ich und mein kleiner Bruder, Erstaufführung.— Sonntag 3: College Crampton, 8: Ich und mein kleiner Bruder. SIMM mit längerer Praxis, der tschechischen und deutschen Sprache vollkommen' mächtig, gesucht. Längere Betätigung auf sozialem oder gewerkschaftlichem Gebiet, bevorzugt. Zuschriften an die Verwaltung„Sozialdemo- i krat", Prag XU., Fochova ti. 62. Veremsnacänektetr Freitag, den 3. April, treffen wir uns alle um 8 Uhr abends im Restaurant„11 Sedivich" in Prag II., Ra Bojisri(gegenüber dem Sanatorium Schneider), zu einem gemütlichen ■ Bestammenftin mit unseren Sama- rKAG ritern, die zu einem achttägigen Kurs hier sind. ,Die DTJ-Samariter nehmen ebenfalls teil. Referenten: Genosten Senator Heinrich Müller, Verbandssekretär Ullmann. Jene Falken, welche am O st e r l a g e r im Brdywald teilnehmen, kommen am Freitag um 3 Uhr ins Parteiheim zu einer Besprechung. Letzter Termin für Neuanmeldungen zum Osterlager. Mitteilungen aus dem Publikum. Bei NeffelanSschlag und Hautjucken ist in jedem Falle Magen und Darm durch den Gebrauch des rein natürlichen„Franz-J»sef"-BitterwasserS öfters gründlich zu entleeren. Aerztlich bestens empfohlen. Am Sonntag beginnt das„Pariser Tageblatt" mit der Veröffentlichung des spannenden Zukunftsromanes Der Untergang von Prag Der englische Schriftsteller S. Fowler Sri g h t liefert hier ein Bild von Geschehnissen, die Europa jeden Tag überräschen können. Dieser Roma« ist von' so unerhörter Spannung, daß er den Leser von der ersten bis zur letzten Fortsetzung feffeln wird. In allen. Kiosken erhältlich. Soebest erschien das sensationelle Buch: Manuel Humbert: .^Hitlers Mein Kampf— Dichtung u. Wahrheit" .mit einem Vorwort von Heinrich Mann (Umfang 400 Seiten). Preis 30 ffrs. Verlag„Pariser Tageblatt" 3381 Paris 8", 5, Rue La Boötie. Trager Frühlingsschleifen * Man geht an Vorgärten entlang. Plötzlich raschelt es hinterm Zaun, Ein Mann richtet sich auf. Ein Gärtner mit braunem Gesicht. Am Jäckenknops hat er einen dicken Bajtzopf hängen. Einen Baststreifen hält er zwischen den Zähnen, ein schmales zähes Band. Er bindet den wilden Wein am Zaune fest, bindet lauter kleine schmucke Schleifen, nicht zu locker, aber auch nicht zu fest, damit die Ranke sich regen kann. Mit einigen Feldern ist er schon ftrtig. Die zierlichen Schleifen schmiegen sich um Latte und Ranke. Die Latten sind staubig und verblichen in der Farbe, und an den Ranken schlafen noch alle Blattaugen geschlossen und wartend, aber doch ist da mit einemmäle etwas neu und anders geworden. Tie Bastschleifen künden das Neue an: der Frühling ist da und der Sommer wird kommen. Letzte schmutzige Winterreste liegen noch überall umher, vermoderte Blätter, vom Sturm abgerissene Zweige, morsche Straßenbahnfahrscheine,, die der Wind durch den Zaun in den Garten geweht hat. Aber die Frühlingsschleifen leuchten-am Zaun— das ist der Anfang.• Ä’A' Und s o sollte-man den Frühling darstellen, nicht als nackten Jüngling, der lächelnd über erwachende Fluren schreitet, nicht als blükenstreuende Götrin, sonder« als braunen Gärtner mit der Baststrähne am Jackenknopf. Götter sind Chimäre; sie erscheinen auf den Bildern der Familienzeitschrif- ren. Aber ehe die Zeitschrift gedruckt ist, kann es noch einmal schneien. Und nichts ist lächerlicher als ein Frühlingsgott, der den Schnupfen hat. Auf Götter ist kein Verlaß. Wenn aber der Mann mit der Baftsträhne erscheint, dann ist es wirklich so weit. Er raschelt hinterm Zaun und bindet die Ranken fest. Mit kleinen Bastschleifen bindet er den Frühling und den Sommer fest. Der Zaun ist das Gerüst, an dem er mit schmalen Bändern die kurze Illusion des Südens befestigt, mit der uns auf dem 50. Breitengrade zwischen Frühling und Herbst der Sommer tröstet. Die Bastschleifen sind zähe und von schmiegsamer Festigkeit- Aber die Sommersonne wird sie rösten und nwrsch machen, und im Herbst werden sie grau und schmutzig und zerschlissen unter den entblätterten Ranken wieder zum Vorschein kommen. Tas sommerliche Fest wird zu Ende gehen. Unseren Illusionen ist keine Dauer beschieden. Sie sterben in kcchlen Gärten— wenn überhaupt in Gärten... Der Gärtner aber hat uns, ohne daß er es ahnt, etwas Gutes angetan Er ist der Frühlingsbote, und wir leben auf, wenn wir ihm begegnen. Denn dem Herzen tun die Illusionen Wohl, mit denen der Frühling die Menschen betört. Eine Provokation des Bio„Avion". Das Prager Bio„Avion" hat einen. Gefthäftsvrief unserer Verwaltung mit folgender Bemerkung in tschechischer Sprache zurückgesendet: P. T. Ihren Brief betrachte» wir als Gipfeich u n k t der P r o v o k a t i o n. Es ist Ihnen doch sicherlich bekannt, daß Sie im tschechischen Prag sind und einem tschechischen Unternehmen schreiben. Sie konnten also soviel Takt und A n st a n d besitzen und tschepisch schreiben. Von dieser Unterloeisung in Takt und Anstand mögen alle die vielen Deutschen, die auch das Bio Avion besuchen, Kenntnis nehmen! mehr kosten muß, als das Geschäft es einbringt. Neuerdings ist aber am Masaryk-Bahn iof ein besonders forscher Herr eingerückt, dessen Haltung und Ton gewiß nicht dazu beitragen, dem Fremden einen freundlichen Eindruck von der Hauptstadt zu vermitteln. Die Feldwebel-Visage als Haus-Segen über dem Tor zur Stadt— das- ist ein schlechter Einfall und die Verantwortlichen sollten sich, wenn der ganze Betrieb schon unerläßlich sein sollte, wenigstens bestimmen lassen, freundliche und weniger„diensteifrige" Leute aufzustellen. Denn Geld trägt es ohnehin keines, da der verärgerte Besucher meist lieber den Koffer öffnet als daß er die Krone spendiert, aber moralisch schadet es unermeßlich! Eine Friedenskundgebung der fortschrittlichen Frauen veranstalten die Liga für Menschenrechte und das Syndikat der arbeitenden Frauenintelligenz am Donnerstag, 2. April, im großen Saal der städtischen Zentralbücherei, Prag I., Marianske näm. 98, um 19.30 Uhr. Das Böhmisch- Sternberger Erholungsheim für Privatangestellte hat am 1. April seine diesjährige Saison eröffnet. Am 10. Mai findet von Prag aus eine festliche Fahrt nach dem Heim in Sternberg statt. Sie wird von dem Erhalter des gemeinnützigen Unternehmens, dem Einheitsverband der Privatangestellten, veranstaltet. Das Hauptbüro des Verbandes in Prag II., Na Zbotenci 18, gibt jede gewünschte Auskunft über das Heim und die Fahrt. Xunst und Mssrn. Das Theater der Gesten. Der englische Gelehrte, Sir Robert Paget, trägt s«h schon längst mit Gedanken, die eine Sprache der Gesten imd Zeichen betreffen, einer Sprache, die ohne weiteres allen Menschen verständlich sein müßte, ohne Umerschied der Ilationalität und des Zivisationsgrades. Im Laufe mehrerer Jahre beobachtete Paget zwei Schimpansen im Londoner zoologischen Garten und stellte mit ihnen allerlei Experimente an. Außerdem hat er viel Mühe zur Schaffung einer sogenannten „natürlichen Pantomime" verwendet, die geeignet wäre, die menschliche Sprache zu ersetzen. Die Arbeiten Pagets sind nun so weit gediehen, daß er sich em kleines Tbeaier gemietet hat.(das„Adephi- Theater in London), und jetzt darin Stücke in seiner Gesten- und Zeichensprache' aufführen läßt. Die Premiere fand- vor drei Tagen statt. Bor Beginn der Vorstellung hielt Paget einen-Vortrag, in dem er-nachzutyeisen suchte, daß unsere Sprache fich allmählich einens System aurouiatischer Mund- und Handbewegungen nähert. In Nelen Fällen fällt die Notwendigkeit, Worte auszusprechen, überhaupt bereits weg. Die natürliche Sprache der Gesten und Zeichen aber kann allen zugänglich, allen verständlich sein. Man kann sich an sie sehr leicht gewöhnen. Als dann der Vorhang aufging, hatten die Zuschauer in den ersten Minuten das Gefühl, in ein Irrenhaus geraten zu sein. Aber dieser Eindruck hielt nicht lange an. Mit jeder weiteren Minute wurde das. Zemska banka (früher Landesbank des Königreiches Böhmen) Zur Hebung und Belebung des Fremdenverkehrs in Prag und. in der Republik dient insbesondere die Einrichtung der vorfinfflutlichen Gepäks- kontrolle auf den Prager Bahnhöfen. Die Grünröcke, die dem ortsunkundigen Besucher, Vor allem auch dem spxachunkundigen, indem sie ihn durch behördliche Forschheit einschüchtern, eine Krone abzapfen, während der orts- und sprachkundige sich gegen den Anschlag auf seine Tasche gewöhnlich mit Erfolg zu wehren weiß(Steuerpflichtiges führt kaum irgendwer von den Paffanten mit), sind eine alte Landplage. Solange sie ihr Gewerbe taktvoll und zurückhaltend ausüben, mag man sich aber damit abfinden, daß hier ein paar Leute ihr Brot haben, obschon es die Gemeinde Prag weit aHlans per 31. Dezember 1935. Aktiva Kö I. a) Barbestände in ffchechoslowakischer Währung 42,133.719 b) Valuten und Münzen 64.025 II. Guthaben den Bankanstalten 93,719.091 III. Wechsel und kaufmännische Antveisungen 639.198.255 IV. Wertpapiere • 1.720,606.846 V. Wertpapiere des allgemeinen Reservefoudes 13,095.368 VI. Realitäten des allgemeinen Reservefondes 10,292.442 VII. Wertpapiere des SpezialreservefondeS der Filiale in Bratislava 6,589.110 VIII. Wertpapiere des allgemeinen und speziellen PensionSfondes 133,773.887 IX. Wertpapiere des Kurhauses der Zemska banka in Karlsbad 1,235.967 X. Vorschüsse und Kredite in laufender Rechnung 1.423.675.478\ XI. Sichergestellte Kredite 247,909.013 XII. Kommunaldarlehen 2.406,593.547 XIII. Meliorationsdarleben 133,322.397 XIV. Eisenbahndarlehen 108,939.623 XV. Realitäten 82,329.896 XVI. Inventar 1,840.259 XVII. Rückstände aus Darlehen und Krediten 20,479.225 XVIII. Uebergangs-Posten 4,827.870 XIX. Effekten der bankmäßigen Depositen 10.703,971.591 XX. Effekten der gerichtsmätzigen Depositen 319,041.587 Zusammen: 18.062,638.696 Zusammen: 18.062,638.696 Passiva ’ I. Betriebsgrundfonds ‘56,000.000 II. Allgemeiner Reservefonds Ke 24,020.468 III. Spezialreservefouds der Filiale in Bratislava„ 6,596.203 IV. Reservefonds vom Jahre 1926„ 14,019.706 V. Reservefonds für Kursverluste an Wertpapieren eigener Emission„ 500.000 VI. Außerordentliche Reserven„ 13,509.237 58.645.684 VII. Allgemeiner und spezieller Pensionsfonds 133,774.697 VIII. Einlagen auf Einlagsbüchel 1.374,509.257 IX. Einlagen gegen Kassascheine 93,194.400 X. a) Einlagen im Kontokorrente 2.831,534.959 b) Vorübergehendes Guthaben der Kreditoren in Girokonto 142,447.805 XI. Einlagen aus Darlehensgeschäften 64,443.680 XII. Kommunalschuldscheine 2.087,896.100 XIII. Meliorationsscheine 84,814.800 XIV. Eisenbahnschuldscheine 108,908.400 XV. Verloste Schuldscheine und fällige Zinsscheine 2,144.744 XVI. Uebergangs-Posten 50,325.618. XVII. Ueberschuß 1,485.424 XVIII. Bankmäßige Depositen 10.703.p71.591 XIX. Gerichtsmäßige Depositen. 319,041.587- Gewinn- und Verlusttouto per 31. Dezember 1935. Einnahmen: K£ Zinsen• 284,342.445 Provisionen und Courtage 6,195.300 Regiebeiträge 10,019.199 Kursdifferenz bei Schuldscheinen eigener Emission 2,644.815 Kursertrag an Wertpapieren fremder Emission 2,796.211 Ertrag der Realitäten 953.946 Dwerse Erträgnisse 168.130 Zusammen: 307,120.046 Ausgaben: Kö Zinsen 268,003.205 Provisionen und Courtage 195.010 Steuern, Gebühren und Beiträge 3,579.138 Regieauslagen 26,991.030 Wschreib'mg von Realitäten 502.507 Abschreibung vom Inventare 363.782 Zuteilung dem allgemeinen Pensionsfonds 6,000.000 Ueberschuß 1,485.424 Zusammen: 807,120.046 Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di, Post monatlich Kö 16.—. vierteljährig Kö 48.—, halbjährig Kd 96.—, ganzjährig KC192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitüngsfrankatur wurde von der Poft- und Tele- ■- gravhendirektion mit Erlaß Rr.-18.800/VIl/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Truck-. Verlags- und Zeitungs-A.-G. Prag..