Nr. 80 Freitag, 3. April 1936 16. Jahrgang Ehuetvrelc 70 Hslier (•inwhlitBlich S Heller Porto) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung PRAG xii.,fochova rr. telefon«77. HERAUSGEBERS'SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Die Novelle des Genter Systems tritt am 1. Juni in Kraft Am 31. März lief die Regierungsverordnung aus den: Jahre 1933 über das Genter System ab. In der neuen Verordnung gelang cs, einige Aenderungen herbeizuführen, welche von den Gewerkschaften seit einigen Jahren gefordert wurden und für welche sich auch das Koalitions- Subkomitee des sozialpolitischen Ausschusses des Abgeordnetenhauses aussprach. Diese Arnderun- gen bringen Vorteile nicht nur für die Gewerkschaften und ihre arbeitslosen Mitglieder, sondern auch Erleichterungen für die Administrative. Dir Festsetzung einer sechsmonatlichen, eventuell dreimonatlichen Wartezeit, die nach Erschöpfung des Anspruches auf der» Staatsbritrag notwendig war, um den Anspruch neuerlich erheben zu können, hatte eine ungerechtfertigte Schädigung jener Arbeitslosen zur Folge, welche zeitweise beschäftigt waren. Diese Wartezeit wird nun beseitigt und es wird die Ungleichheit beseitigt, welche zwischen den Arbeitslosen bestand, die ihren Anspruch mit bzw. ohne Unterbrechung erschöpft haben. Diese neue Fassung bringt Vorteile auch insofern, als dir Arbeitslosen nun auch kurzfristige Arbeiten annrhmen können, ohne befürchten zu müssen, dass sic den Anspruch aus Unterstützung verlieren. Die Verordnung auS dem Jahre 1933 hatte auch insofern Komplikationen zur Folge, als sieben verschiedene Unterstützungssätze des Staatsb^z- trags festgesetzt waren. Dies führte zu einer beträchtlichen administrativen Belastung sowohl der staatlichen Armter als auch der Gewerkschaften. Die Novelle erzielt eine Vereinfachung dadurch, dass sie den eineinhalb und den eineinviertelsachen Satz beseitigt und g« ihre Stelle den zweifachen Satz stellt. Im Interesse der Staatskasse war es bisher nötig, daß öffentliche Bauführer dein Fürsorgeministerium die von den Lohnempfängern unterschriebenen Lohnlisten vorlegten. Um die Möglichkeit ausznschließen, daß diese Listen als gebührenpflichtig angesehen werden, wurde jetzt ihre Befreiung von Stempeln und Gebühren ausdrücklich ausgesprochen. Die bisher geltenden Bestimmungen bleiben jedoch noch zwei Monate in Kraft, damit die Gewerkschaften die Möglichkeit haben, sich administrativ auf die Durchführung der novellisiertrn Regierungsverordnung über das Genter System vorzubereiten. Die Neuregelung tritt daher am 1. Juni d. I. in Kraft. Kündigung des Lohntarifs Im graphischen Gewerbe Wie der„Gutenberg", das Organ der Buchdrucker, mitteilt, Hat der Verband der graphischen Gremien in Prag dem Verband der Buchdrucker den Lohntarif gekündigt und«erlangt dessen Revision. Die Unternehmer fordern in ihrer Zuschrift, daß als bezahlte Feiertage nur noch zwei Tage im Jahre verbleiben, für die übrigen bisherigen Feiertage soll der Lohn nicht mehr gezahlt werden. Auch andere Bestimmungen des bisherigen Lohntarifrs sollen zugunsten der Unternehmer revidiert werden. Nachdem das Vorgehen der Prinzipalitat eine glatte Ignorierung der geltenden Vorschriften des Regierungserlasses darstellt, welcher zum Schutze der Kollektivverträge herausgegeben wurde, hat der Verband der Buchdrucker die Kündigung des Lohntarifrs nicht zur Kenntnis genommen und die Untrrnehmerorganisation von diesem seinen Standpunkt in Kenntnis gefetzt. Eckener in Ungnade? London.(Reuter.) Der Berliner Berichterstatter des Reuterbücks teilt mit, daß der bekannte Fachmann in Luftfragen, Dr. Eckener, bei den Rcgierüngskreisen in Ungnade gefallen ist, weil er es ablehnje, seinen neuen Zeppelin,,Hindenburgs freiwillig in die Diebe der Wahlagitation zu stellen und außerdem anordnete, daß aus dem Hangar, wo sich das Luftschiff befindet, die Wahlplakate entfernt iwerden. Verschiedenen Gerüchten zufolge sprach sich Eckener, auch recht scharf über die ReäierüngHkreise, aus. Es verlautet auch, daß Dc. Eckener, der sich derzeit'an.Bord des'„Hindenburg" befindet, nicht mehr auf seine Stelle zurücktchrcn dürfte. Kühle Aufnahme der Hitler-Note England händigt den Dundeshricf In Paris aus Die erste sichtbare Folgeder Note Hitlers ist die endliche Uebergabe des englischen Dokuments an Frankreich, in dem die Verbindlichkeit des britischen Schutzes für Frankreich— angeblich mit einer kleinen Aenderung gegenüber dem erste» Entwurf— anerkannt wird. Die französische Presse stellt sich s ch r o f f.a b l e h n,e n d gegen Hitlers Vorschläge, insbesondere gegen sein System der zweiseitigen Pakte, das zur Isolierung der kleinen Staaten führen soll. In England bezeichnet man Hillers Note vielfach als Diskussionsgrundlage, ist aber im allgemeinen auch sehr enttäuscht. Zwischen Ribbentrop und Eden» ebenso innerhalb der Kabinette von London und Paris haben Verhandlungen stattgesuden, doch wurden keinerlei Beschlüsse bekanntgegeben. Ede« soll Freitag im Unterhans Stellung nehmen. Der Vormarsch der Italiener Gondar besetzt Rom.(Stefanie.) Heeresbericht Nr. 173 lautet: Die Mitte Nkärz begonnene Offensive im nordwestlichen Abessinien schließt mit unserem vollen Erfolg. Eine Kolonne beweglicher Truppen unter dem Oberbefehl von Starace, die von Omager am 20. März abmarschiert ist, ist nach Uebcrwindung aller möglichen Schwierigkeiten in einem Marsch von/über 300 Kilometer, in G o n- d u r einmarschiert.' Eine andere Kolonne, die aus der dritten erythreischcn Brigade und aus bewaffneten Scharen bestand, hat in einem glänzenden Marsch Dabt besetzt, den einstigen Sitz des Ded- schas Maelu Butru. und hat dann unter Fortsetzung des Vormarsches Mäsal Denghig erreicht. Obwohl von abessinischer Seite auch setzt wieder die italienischen Erfolge bestritten und eigene behauptet werden, läßt sich doch feststellen, daß der Krieg seit Beginn des Jyhres einen fortlaufend ungünstigen Verlauf für Abessinien nimmt und daß der größere Teil seiner Randprovinzen heute so gut wie verloren sind. Die Erfolge derJtalienersind darauf zurückzuführen, daß sie seit Jahresbeginn nicht nur ihre gewaltige technischelleber- l e g e n h e i t rücksichtslos eingesetzt, sondern auch die zahlenmäßige Uebermacht erzielt haben. Sie führen diesen Kolonialkrieg,, in dem es ja um einen Prestige-Erfolg der Diktatur, um Sein oder Nichtsein des Faschismus geht, mit einem Kräfte-Aufwand, wie ihn kein Land bisher für ein ähnliches Unternehmen jemals eingesetzt hat. Kürzlich wurde in dem Bericht an den Gro ßen Rat von der Regierung selbst zugegeben, daß der Aufwand in dem Krieg gegen das Zehnmillionenvolk„unzivilisterter" und jedenfalls schlecht betvaffneter Abessinier größer gewesen ist, als der im Weltkrieg. Italien dürfte bisher rund 380.000 Mann und ein unübersehbares Material eingesetzt haben. Es hat seine wirtschaftlichen Reserven aufs stärkste in Anspruch genommen und versucht den Krieg vor Beginn der Regenzeit züm Abschluß zu bringen. Der ungeheure Aufwand, der mit. dem möglichen Gewinn in keinem Vergleich steht, wird Italien in neue schwere Krisen stürzen, aus denen Mussolini aufs neue einen kriegerischen Ausweg suchen wird. Das Blut, das am Takazze und auf dem Amba Aladschi fließt, wird nicht das letzte sein, das Mussolini zu Ehren vergossen wird Und die europäischen Mächte werden esnochzubereuen haben, daß sie im Vorjahr, als es möglich war, den Krieg nicht, im Keime erstickt haben. Die A bes sinter haben ihre Niederlagen vor allem einer verfehlten Strategie und einer mangelhaften Taktik zuzuschreiben. Sie hätten mit den Kräften haushalten und sie im Kleinkrieg einsetzen können. Schlachten zu wagen, wie es nunmehr auch der Negus, anscheinend um des Ehrenpunktes willen, getan hat, ist Selbstmord gegenüber einem Feind, der an Zahl und Waffen so überlegen ist wie die Italiener den Amhara. Wo bleibt die Gerechtigkeit?l Ein Aufschrei Abessiniens Genf.(Tsch. P. B.) Der abessinische Gesandte in"Paris Volde Mariam sandte im Namen seiner Regierung dem Völkerbund eine umfangreiche Protestnote. Die abessinische Regierung erinnert daran an die Ergebnisse der Tagung des Dreizehner-Ausschusses des Vülkerbundsrates in London und erklärt, daß sie die schmerzliche Pflicht habe, den Dreizehnerausschuß darauf aufmerksam zu machen, daß das Verhalten Italiens die"pessimistischesten Erwartungen weit übertrifft. Durch ihre Handlungen habe die italienische Regierung bewiesen, daß sie nicht die Absicht habe, die Feindseligkeiten einzustellen, sie habe im Gegenteil die Barbarei in der Führung des Angriffskrieges gegen das abessinische Volk verdoppelt, denn sie bringt— abgesehen von der erdrückenden Ueber- macht— auch verbotene Kriegsmittel zur Anwendung. Sie führt mitleidslos einen Vernichtungskrieg und vernichtet systematisch Frauen, Kinder und Greise, Städte und Dörfer, Kirchen und Klöster: ja sogar Krankenhäuser^ Mit Bitternis stellt sie fest, daß Abessinien keine finanzielle Hilfe gewährt wurde und darüber hinaus wurde der Artikel 16 des Völkerbundpaktes nicht einmal vollkommen gegen den Angreifer Mr Anwendung gebracht. Derk italienischen Regierung sei es gelungen, die Einfüh- Mng der Vetroleumsanktionen neuerlich zu ver-' schieben Md-Italien rechne sogar mit der'Auf- ; Hebung aller Sanktionen. I st d i e s a l l e s m i.t d e m G e ist e, d e s B ö l k e r b u n d s p a k- t. e's' v■ r.efn S arA Zum Schlüsse der Note stellt die abessinische Regierung folgend« Forderungen: 1. Gewährung eurer finanziellen Hilf«, damit Abessinien Italien besser Widerstand leisten könne, 2. daß alle Hindernisse beseitigt werden, welche dem Transport von Waffen für die abessinische Armee im Wege stehen, 3. daß die Sanktionen nach Art. 16 des Völkerbundpaktes verstärkt, 4. daß die italienische Regierung durch beschleunigtes Einschreiten dazu gezwungen werde, die Kriegsgesetze und internationalen Abkommen zu respektieren und daß der Vernichtung der abessinischen Bevölkerung Einhalt geboten werde. Die Nrte der abessinischen Regierung rief in Gens einen tiefen Eindruck hervor. Vie Japaner zurückzeschiasen Moskau.(Taß) Aus Ulan Bator wird gemeldet: Die im Laufe des ganzen 31. März und eines Teiles der Nacht auf den 1. April andauernden Zusammenstöße zwischen japanisch-mandschurischen und mongolischen Truppen im Gebiet zwischen dem Grenzposten Adykdolon und Tamsyk- bulak endeten erst gegen Morgen des 1. April. Den mongolischen Truppen, welche dir wiederholten Versuche der japanisch-mandschurischen Truppen, Tamsykbulak zu besetzen, vereitelten, gelang es am 1. April früh, die japanisch-mandschurischen Abteilungen gegen die Grenze znrückzudrängen und die hierauf voin Territorium der mongolischen Volksrepublik zu vertreiben,. wobei ihnen schwere Verluste zugrfstgt wurden. Der mongolische Grenzposten Adykdolon wurde wieder von mongolischen Truppen besetzt. Beginnende Klärung in England Der Beschluß der englischen Regierung, die Generalstabsbesprechungen mir Frankreich und Belgien unabhängig von den weiteren Verhandlungen mit der Hitler-Regierung stattfinden zu lassen, beweist, daß die Hitler-Fxeunde im Londoner Kabinett auf dem Rückzüge sind. Eden beginnt sich durchzusetzen, und wenn man seine Taktik auch außerhalb Englands als allzu zögernd und unentschieden kritisiert hat, so muß man doch fragen, ob sie angesichts der Differenzen in der englischen Regierung und der frankreichfeindlichen Stimmung in der britischen Oeffentlichkeit nicht die einzig mögliche war. Man darf bei der Beurteilung der englischen Außenpolitik auch nicht vergessen, daß England heute das einzige europäische Land ohne Wehrst f l i ch t ist und daß deshalb die militärische Unterstützung der bedrohten Staaten durch England im Ernstfälle nur dann voll wirksam werden könnte, wenn— wie es 1914 nach dem Ueber- fall auf Belgien geschah—die Stimmung der britischen Oeffentlichkeit für ein Eingreifen in den bewaffneten Konflikt wäre. Wenn sich Baldwin vor allem deshalb für möglichst weitgehende Verhandlungen mit Hitler eingesetzt hat, weil er Zeit für die englische Aufrüstung gewinnen will, so hat Eden die Verhandlungen nicht abreißen lassen, weil er dem eigenen Volke beweisen will, daß alles geschieht, was zu einer gütlichen Beilegung des Konflikts führen kann, wenn Hitler ihn wirklich beilegen will. Je mehr sich erweist, daß er es nicht will, desto mehr wird sich auch'die englische Volksstimmung aus die Seite der Gegner Hitlers stellen. Hat schon die Haltung Ribbentrops bei den Londoner Verhandlungen viel zur Enttäuschung jener englischen Kreise beigetragen, welche die Rheinlandbesetzung wirklich nur für eine belanglose„Geste" Hitlers hielten, so werden die neuen „Vorschläge" Hitlers, die deutlich die Absicht zum Ausdruck bringen, im Rheinland Befestigungen anzulegen und über die Angriffsabsichten des Dritten Reiches in Mittel- und Osteuropa zweideutig schweigen, zweifellos noch mehr Klarheit über die wahren Ziele der Hitlerschen Politik schaffen. Das schließt nicht aus, daß die englische Regierung nicht auch über diese„Vorschläge" diskutieren wird. Aber die englische Oeffentlichkeit wird dabei von ihr nicht mehr soviel Entgegenkommen verlangen wie beim erstenmal. Die fortschreitende Klärung der englischen öffentlichen Meinung kommt in den Kundgebungen und Diskussionen deutlich zum Ausdruck, die in den Tagen nach der„Wahl" im Dritten Reich in der englischen Presse erschienen sind. Zunächst erfolgte am Montag im„Daily Herald" eine ausführliche Stellungnahme des Führers des Labour- Party, Major Attlee, zur internationalen Krise. Darin weist Attlee zwar auf die Schuld der englischen^stegierung an der Schwächung des Völkerbundes und die Schuld Frankreichs an.. der Unerfüllbarkeit des Versailler Vertrags hin, kommt aber zu dem Schluß, daß die gegenwärtige deutsche Regierung daraus nicht das Recht ableiten dürfe, den bestehenden Zustand einseitig und gewaltsam zu ändern.. Dann umreitzt Attlee die Stellung der Laboür-Pärty zu dem Problem,der internationalen Rohstoffverteilung, und erklärt, daß Hitlers Anspruch auf Kolonien nichts zur Lösung dieses Problems beitrage. Denn mit einem Besitzwechsel überseeischer Territorien würde nur eist neuer imperialistischer Handel beginnen, der erneute Kriegsgefahren brächte.' Zum Schluß spricht der Führer der Labour-Party von der Abrüstung und legt dar,' daß sie kollektiv erfolgen müßte, daß aber alle im Völkerbund vereinten Staaten so stark bleiben müßten, daß sie gemeinsam jeden Angreifer äbwehren könnten. Atllee stimmt also der B e rurteilungHit- l e r s wegen der Zerreißung, des. Locarnopaktes zu, verwirft seinen A n s p r u ch a u f K o l o- n i e n und verlangt eine k o l I e kti ver schweren Arbeit ab und geben den sogenannten höheren Berufen den Vorzug. So wuchs in den Jahren 1926 bis 1929 die Zahl der Versicherten bei der Allgemeinen Pensionsanstalt von 211.919 auf 280.603, während der Bersicher- tenstand bei der Zentralsozialvcrsicherungsanstalt sich überhaupt nicht änderte. Das wichtigste Mittel zur Begrenzung der Jugendarbeitslosigkeit bleibt zwar die Beschaffung von Arbeit, daneben lassen sich jedoch bemerkenswerte Erfolge durch sozialpolitische Maßnahmen erreichen, wie z. B. durch die Novelle des Pcnsionsgesctzes aus dem Jahre 1934., Beschleunigt kann die Freimachung von Stellen für jüngere Anlvärter auch durch Kolonisierungsaktionen für öffentliche und private Rentner werden, wenn dabei auch beträchtliche Schwierigkeiten im Wege stehen. An Hand von englischen Erhebungen und Erhebungen der' Allgemeinen Pensionsanstalt führte Prof. Schoenüaum aus, daß nur" ungefähr Achten Sie mehr auf die Qualität ala auf den Prelsl Alpa wird aut reinem Weingeist erzeugt Unruhen auf dem spanischen Lande Madrid.(Tsch. P.-B.) Die innerpolitische Lage in Spanien ist angesichts der am 12. April stattfindenden Gemeindewahlen außerordentlich gespannt.' In Vandälätosa bei Sevilla versuchten Landarbeiter mehrere Polizeibeamte^zu entwaffnen. Dabei kam es zu einer Schießerei, die vier Todesopfer und vier Verletzte forderte. In Cosmela bei Malaga wurden bei einem Zusammenstoß zwischen Gutsbesitzern und Landarbeitern zwei Personen getötet. für jede Art von wirt sch a f t l i ch eän Terror, der gerade in den Betrieben des Weipert-Preßnitzer Bezirkes in skrupellosester Form ausgeübt wird und der so recht zeigst, wer die eigentlichen Hintermänner der Henlein- partei sind«- Durch diese Feststellungen ist auch schon die politische Situation im Grenz- hezirk gekennzeichnet. Eine hemmungslose Propaganda in den Betrieben, ganz offen von den Unternehmern unterstützt, arbeitete für hie HMeinsche„Volksgemeinschaft". Der-Mansch zu-Henlein nach Preßiütz war. mehr oder minder von den Unternehmern a n b e f o h l e n, und die fehlende gewerkschaftliche Organisation in den Betrieben, die mangelnde politische Einsicht und die große Indifferenz der Erzgebirgsproleten bildeten die Etappen zu dem Wahlsieg der Henleinbewegung auch in unserem Bezirke. Der politische Flugsand ist von uns abgewandert. Mit Stolz können wir hier sagen, daß unsere Organisationen sich unerschüttert gehalten haben. Kein Pessimismus, im Gegenteil, erhöhte Kampfbereitschaft. Der Mitgliederstand ist der gleiche wie im Vorjahr. Die Kassierung hat sich wesentlich gebessert. unorganisierte Arbeiterschaft die staatliche Ernährungsaktion, die Hilfsaktionen"der Regierung eine weitaus größere Unterstützung bedeuten, als die so groß aufgezogene Seelenkaufaktion der SdP, der Sudetendeutschen Bolkshilfe. Diese verzweifelte politische Situation der Erzgebirgsproleten aber ist leider der günstige Nährboden Die Bezirkskonferenz Freudenthal am vergangenen Sonntag(im Arbeiterheim in Römerstadt) war von 114 Delegierten beschickt und nahm einen sehr eindrucksvollen Verlauf. Die Bezirksvrganisation Freudenthal-Römerstadt hat allen Stürmen der Vergangenheit gut getrotzt und die Organisationen nicht nur intakt ge- ! hallen, sondern teilweise noch a u s- Arbeitslosigkeit und Altersschichtuns Ein Vortrag Prof. Schoenbaums Im Sozialen Institut sprach Donnerstag Prof. Dr. Schoenbaum über die Arbeitslosigkeit der Jungen und der Alten. Eingangs machte der Vortragende auf den Mangel an verläßlichen statistischen Daten über die Arbeitslosigkeit aufmerksam. Noch bedenklicher ist aber der Mangel einer statistischen Ueber- sicht über die Arbeitslosigkeit nach Altersgruppen, nach ihren Ursachen, ihrer Dauer usw. Bei der Beurteilung wichtiger Probleme sind wir daher darauf angewiesen, fremde statistische Daten als Unterlage heranzuzichcn. Aus einem reichen Mate ritt wies Prof. Schoenbaum nach, daß auch bei uns als Folge einer langdauernden Arbeitslosigkeit der Jugend und einer beschränkten Aufnahme von Lehrlingen und Jungarbeitern Mangel an gelerntem und qualifiziertem Nachwuchs droht, so daß in einigen Industriezweigen bei Rückkehr normaler Verhältnisse keine Möglichkeit bestehen wird, den Abgang an älteren qualifizier- Am 18. März hatte die„B o h e m i a" einen Auszug aus einem Artikel veröffentlicht, der tags vorher aus der Feder KonradHen- le i n s in der Londoner Zeitung„E v e- ningS landab d" erschienen war. Am folgenden Tage teilte zu dieser Veröffentlichung die Presse st elle derSdP mit, daß es sich um eine Mystifikation handeln müsse, da H e n l e i n keinen Artikel für den„Evening Standard" und überhaupt auch keinen ähnlichen Artikel geschrieben habe. Weiterhin hüllte sich die gesamte H e n- leinpresse in Schweigen, das sie auch nicht brach, als ein anderes Prager Blatt die Photographie des Kopfes des genannten englischen Blattes samt der deutlich lesbaren Ueberschrift des Henlein-Artikels mit dessen Autorennamen veröffentlichte. Und gestern teilte die„B o h e m i a" mit, daß die zitierte Nummer des englischen Blattes in ihrem Besitz sei und daß der Inhalt des dort veröffentlichten Artikels völlig mir dem Auszug übereinstimmt, den die„Bohemia" am 18. März auf Grund eines telephonischen Berichtes veröffentlichte. Und wegen des Vorwurfes einer„Mystifikation" habe sich die„Bohemia", wie sie weiter bekanntgibt,„an die nunmehr betroffene Redaktion des.Evening Standard' gewendet. Sie teilt uns mit, daß sie den Artikel von der literarische^ Agentur Bensons Limited, 110—111 Strand London WC 2 gekauft hat. Die Agentur hat den Artikel direkt aus P r a g: e rh a lt en, mit einem Begleitschreiben, oas auf einem firmierten Briefbogen der Geschäftsstelle der SdP Von 1000 Berufstätigen 433 Arbeitslose Unsere Bezirksorganisation W eipert (zu der auch der Bezirk P r e ß n i tz gehört), hielt vor wenigen Tagen in Schmiedeberg ihre Bezirkskonferenz ab; dem dort vom Genoffen Siegmund erstatteten Bericht entnehmen wir folgende bemerkenswerte Feststellungen: .,2m Bezirk Preßnjtz entfallen' guf 10 0 0 Berufstätige’i 2 3 St r’_ b'e i ,t.ß T o f Der Arbeitslosen stand des Bezirkes ist wiederum g e st i e g e n und betrug mit Ende Dezember 1935 4231 Arbeitslose. Das Lohneinromme'n der Arbeiterschaft in den Betrieben ist gerade in diesem Jahre der „Volksgemeinschaft" gewaltig gesunken und beweist so recht, wie„sozial" die Unternehmer eingestellt sind. Man sieht gerade an diesem Beispiel, wie gut sich die Wahlgelder verzinsen I Man verdient auch an der„Volksgemeinschaft"! Diese Feststellungen laffen die trostlose Situa tion an der Grenze drastisch erkennen. Würde nicht durch die Unterstützung nach dem Genter System eine wesentliche Hilfe von den freien Gewerkschaften gebracht— so zahlte allein die Ortsgruppe der Union der Textilarbeiter in Weipert im Berichtsjahre die Summe von weit über einer Million Xc an Unterstützung aus—, wäre es um die Arbei* tigung finden. Aus der Publikation des Sozialen Instituts„Der, Einfluß der Krise auf die Familien Arbeitsloser" leitet der Vortragende ab, daß die dauernde Arbeitslosigkeit ein anderes und wesentlich schwereres PrMcm darstellt als die Arbeitslosigkeit der Jugend, da die Wirtschaft des beschäftigungslosen Arbeiters nach Erschöpfung der Ersparniffe und der Arbeitslosenunterstützung auf.Geschenke, Anleihen, kurz gesagt auf Mild- tätia'cit angewiesen ist. Der Vortragende be- sckiäf.'.gte sich mit den'sozialpolitischen Maßnah- welche mit Rücksicht darauf notwendig daß auch bei normalen wirtschaftlichen ganze Zehntausende älterer Personen arbeitslos bleiben werden, ohne Anspruch auf eine Sozialversicherung zu haben. Die Verlängerung der menschlichen Lebensdauer und die Rationalisierung führen einerseits zu einem größeren Anteil der älteren Personen an der Gesamtbevölkerung, andererseits zu einem größeren Mangel an Arbeitsgelegenheiten für sie, so daß die Arbeitslosigkeit der älteren Jahrgänge schon mit Rücksicht auf die Folgen für ihre Familien sich als ein Problem von gleicher Bedeutung wie die Arbeitslosigkeit der Jugend darstellt. Für beide Probleme werden verschiedene Lösungen gefunden werden muffen, fiir das. eine Arbeits- beschaisung, fiir das andere eher sozialpolitische Maßnahmen. j gebaut. Der Markenumsatz im Jahre 1935 ist im Verhältnis zum Jahre 1934 g e- st. i e g e n. Die Frauen- und Jugendbewegung Ivird gut betreut und mit allen anderen proletarischen Organisationen ist ein gutes Einvernehmen festzustellen. Die R. W. des Gebietes wurde lobend hervorgehoben und den Funktionären der Belvegung der Dank zum Ausdruck gebracht. Das an die Berichte anschließende Referat des Abgeordneten Z i s ch k a(Sternberg) wurde beifälligst ausgenommen. Die Besprechung der internationalen politischen Situation löste großes Jn- tereffe aus und auch die Ausführungen über die letzten Ereignisse in unserem Lande fanden viel Beachtung.. Es schloß sich eine rege Debatte an dieses Referat. Zum Bezirksvertrauensmann wurde der Genosse Josef Gabriel wiederge- KirchrnrnuV. In der Nacht vom Montag zum Dienstag dieser Woche wurde, wie aiw B.-Leipa gemeldet wird, in die Kirche in Döbern eingebrochen. AuS dem Tabernakel wurde ein Meßkelch im Werte von 1000 liö gestohlen. Mehr Schaden noch als durch den Diebstahl entstand an den Altären. So wurde u. a. ein werwolles Altarbild beschädigt. tcn Arbeitern durch den Nachwuchs zu ersetzen.> 20 Prozent all-r Arbeitslosen dauernd tmd län- Tiese Erscheinung äußerte sich schon anläßlich der ger als ein Jahr beschäftigungslos sind, während Rüjtungskonjunktur in Deutschland in der Fein- 180 Prozent für längere oder kürzere Zeit Bcschäf- Der polnische Protest-Streik Warschau.(Tsch. P.-B.) In ganz Polen wurde Donnerstag in der Zeit zwischen 11 und 12 Uhr der von den politischen Arbeiterorganisationen mit der sozialdemokratischen Arbeiterpartei an der Spitze proklamierte Demonstrationsstreik zum Zeichen des Protestes gegen die blutige Unterdrückung der letzten Arbeiterdemonstrationen in Krakau und Czenstochau sowie gegen die anhaltenden Lohnherabsetzungen in der Industrie dnrchgeführt. Gemäß einer Weisung der Streikleitung enthielten sich die Streikenden jeglicher Straßendemonstrationen und I verblieben während der Dauer des Streikes in den Arbeitsstätten. Größeren Umfang nahmen die Demonstrationen in der Provinz und insbesondere in Krakau, Lodz und vor allem auf dem ganzen Gebiete von Polnisch-Oberschlesien sowie in dem Dom- broivarr Industriegebiet an. Auch in ganz Oberschlesien war die Streikbeteiligung der Arbeiterschaft fast 100prozentig. An dem Dcmonstra- tionsstrrik der Arbeiterschaft haben sich ferner in zahlreichen Ortschaften auch die g e r st i g e n Arbeiter, darunter z. B. in Warschau, die Beamten in den Privatbanken und in verschie-, denen Handels- und Jndustricunternehmungen beteiligt. Der Streik ist überall in vollkommener Ruhe verlaufen. Vie braune Feme wütet Ein zweiter Mord In Oesterreich Graz.(Tsch. P.-B.) Mittwoch wurde an der'Peripherie der Stadt Graz unweit des Ausflugsortes„Zum Schwarze» Hund" ein neuer Fememord verübt. Der arbeitslose Hilssarbeiter Leopold Krulik wurde auf seiner Heimfahrt am Fahrrad do« zwei Bursche« überfallen, mit einem Schraubenschlüssel niedergeschlagen und durch einige Revolverschüsse am Kopf schwer verletzt. Die Täter flüchteten in einem bereitgestellten Auto. Leopold Kralik wurde ins Spital eingeliefcrt, wo er Donnerstag mittags, ohne das Bewußtsein erlangt zu haben, starb. Die Polizei konnte den Leuker des Antos in der Person des Nationalsozialisten Wilhelm T o b s ch e r, eines Tischlcrmcistersohnes in Graz, aussorschen und derhastru. Im Zusammenhang mit dem neuen Femeanschlag wurde« auch mehrere andere Personen in Graz verhaftet. Bequeme Finanzwirtschaft Berlin.(Havas.) Das Amtsblatt veröffentlicht das Finanzgcsetz für das Jahr 1936 Das Gesetz enthält keine Angaben über die Höhe der Einnahmen und Ausgaben des Reiches, sondern bestätigt nur die dem Finanzminister erteilte Vollmacht für die Ausgaben. Der Finanzabschluß für das Jahr 1935—1936, welches mit dem 131: März abschloß, ist nicht veröffentlicht worden. in Prag geschrieben war. An Hand dieser Angaben wird die Pressestelle der SdP die Angelegenheit nun wohl weiter aufklären können." „Können schon! Aber wird sie es tun? Das ist die Frage. Die Henleins sind wieder einmal in einer verzwickten Lage. In dem„englischen" Artikel Henleins hieß es zu Beginn: „Wir Sudetcndeuischen haben weder direkte noch i^n direkte Ver- bendungen mit dem Faschis- m u s-^o d e r dem Nationalsozialismus inirgendeinem anderen Lande. Wir sind wcker.nach unserer Handlungsweise noch nach unserer Denkart als die böhmischen Nazi anzusehen. Wir bekennen uns weder zum Hitlerismus noch zum Faschismus, sondern wir sind loyale Bürger des Staates, dem wir angehören und dessen Verfassung wir billigen und anerkennen. Wir können keinen besseren Beweis für diese Gesinnung vorbringen, als wenn wir diejenigen, die uns vernichten wollen, erinnern, daß sudetendeutsche Soldaten den F a s.ch i st e n p u t s ch in Brünn unterdrückt und die bedrohte Republik mit ihrem Leben geschützt haben." O Man kann sich leicht vorstellen, daß Herr Henlein gegen eine solche Analyse seiner Bewegung in England nichts einzuwenden hätte; aber in D e u t s ch b ö h m e n? und aber in Deutsch l'an d?I Eine„Mystifikation" ist da jedenfalls ein Ausweg— aber keine Erklärung... Unbekanntes Sudetendeutschtum So kämpft unsere Jugend I Arbeit und Kampf unserer sozialistischen Jugend findet in der breiten Oeffentlichkeit keine übermäßige Beachtyng. Einß Bewegung, die keine Skandal-Affären liefert/ m der es keine Spaltung, keinen Führerstreit, keinen Parteikrach givt, ist für durchschnittliche Zeitgenossen wenig interessant. Die stille und zähe Arbeit unserer Juug- sozialisten wird aber trotzdem noch manch:» Marxistenfresser vor peinliche Ueberraschung stellen. Sie kämpfen gegen Wind und Sonne, doch sie dringen vorwär t s! Die Kreisorganisation Teplitz-Saaz der Sozialistischen Jugend hat— wie unlängst auf ihrer Tagung in Gürkau festgestellt wurde— mit 1350 Mitgliedern den höchsten Stand seit 1927 erreicht. Unter welchen wirtschaftlichen und soziale« Voraussetzungen wurde dieser Aufstieg erzielt-, Hier einige Daten: Von 16 Mitgliedern der Kreisleitung sind 12 arbeitslos. Alle 5 Bezirksvertrauensmänner sind arbeitslos. Alle 56 Gruppenobmänner sind arbeitslos. 65 Prozent der Mitglieder sind arbeitsloÄ Eine Fanfarengruvpe der Komotauer Jugend zählt 21 stramme Burschen. Ihrer zwanzig sind arbeitslos.—"--■ Erwähnung! verdient noch, daß- Jugend- grupen auf dem Kamme des Erzgebirges, die nur arbeitslose Mitglieder umfassen, eine hundertprozentige pünktliche Beitragskassierung ausweisen. Und diese Jugend spart Noch durch viele Wochen für den Reichsjugendtag in Bodenbach. Wovon spart sie? Von den letzten und armseligsten Alltagsfreuden, die einem arbeitslosen Burschen oder Mädel noch geblieben sind. Wahrscheinlich auch von ihrem kargen Stück Brot. Dieser Einsatz für die Idee ist kaum noch zu überbieten. Jedes Wort der Anerkennung ihrer kämpferischen Leidenschaft und Opferkraft wäre zu schwach. Diese Jugend wird zu Pfingsten in Bodenbach aufinarschieren mit ihren roten Sturmfab- nen, mit ihren roten Liedern, mit ihrem hellklin- genden Freiheitsgruß auf den Lippen. Einer bitterschweren Zeit, einer haßerfüllten llnwelt zum Trotz.. Diese Jugend wird morgen dem Rad des sudctcndeutschen Schicksals in die Speichen greifen. .j—. Leite 4 Freitag, 3. April 1936' Nr. 80 Ia-esnem-LeiteN' berliner, 6er Nenn. 6er auf 6er Aktentasche schlief wird augenblicklich jener zahllosen Legenden entkleidet, welche die bürgerliche Presse in allen Tonarten verbreitet Hat. Ganz wie bei Kreuzer, von dem die Schlieferln aller Richtungen vier- zehn Tage vor Aufdeckung des gigantischen Schwindels seitenweise erzählten, wie einfach der Arme lebte, ganz ohne Alkohol, Frauen und sonstigen Komfort(nicht einmal homosexuell soll er gewesen sein!) des zwanzigsten Jahrhunderts, nur der„Arbeit" hingegeben, natürlich viel mehr arbeitend als irgend einer seiner Angestellten oder irgend einer der für seine Brief- tasche tätigen Holzfäller aus Schwedens Wäldern. Berliner verschenkte sein Gehalt, Berliner lebte im Schlafwagen, Berliner schlief im Büro auf der Aktentasche, wo ihn die Bedienerin fand, Berliner, der genialste Finanzoperateur Europas, Berliner trug prinzipiell nur Anzüge von der Stange, für alle hatte Berliner Geld(auch für den Sektionschef Ochsner), nur für sich hatte Berliner kein Geld, auf Speisekarten rechnete Berliner die genialsten Finanzierungsprojekte aus usw. Jeden Tag brachten die Kulis, die vierzehn Tage vorher noch nicht wußten, wer Berliner war, neue sensationelle Kloakengerüchte. Nun liegt alles wieder einmal in Scherben da. Nichts als Scherben. Wie. erquickend für den, der von vornherein an den ganzen Schwindel nicht glaubte, weil er vom Schwindel überzeugt war, wie eh und jeh, liest sich der Rundfunkvortrag des österreichischen Bundeskommissärs Adam, eines Mannes, dem Offenherzigkeit nicht ganz abgesprochen werden kann, und der mit großer Vorsicht doch eher zu wenig zugibt, als zuviel. Immerhin, es reicht. „TaS Geld verschleudert und für dunkle Zwecke ausgegeben wurde...' „Der• frühere Leiter des Unternehmens, dem eine außerordentliche Geschicklichkeit in der Durchführung aewiffer Finanzoverationen nicht abgesprochen werden kann, hat es verstanden, die wahre Situation au verschleiern.' Einen wesentlichen GrundfürdasGelingen dieser Verschleierung hat die amtliche Verlaut- darung durch den Hinweis auf den Selbstmord des Sektionschefs Ochsner anaedeuiet. der als Leiter der Versicherungssektion das wichtigste Organ der staatlichen Aufsichtsbehörde war."'' ,Ss wurde gegebenundaenommen. Der Mann, der für die Gebarung der Anstalt und ihre Geschäsrsmerhoden'verantwortlich war und dem Ganzen und den Einzelheiten die Züge seiner Begabung, aber auch seines Charakters und seiner politischen Vielseitigkeit ausgeprägt hatte, kann vom irdischen Richter nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden." „Man wird hier zu unterscheiden haben zwischen gesetzlich zu ahndender Beste ch- lichkeit und schmutziger Geschenkannahme." „Die Last der Reform fällt zum Teil auf die Versicherungsanstalten überhaupt, auf die Beamten und Angestellten des Versicherungswesens und zum Teil auch auf die Versicherungsnehmer. Die Regierung geht von der Erwägung aus. daß es den Interessen aller drei Gruppen besser entspricht. gewisse Opfer zu leisten, als das Vertrauen der Bevölkerung in das Versicherungswesen zu erschüttern." Zuerst sprach Adam davon, daß die 267.000 Inhaber der kleinen Polizzen vor allem geschützt werden müßten, jetzt, enthüllt er, daß gerade sie Opfer zu bringen haben.(Von In England wird nach Oel gebohrt In der Nähe von Portsmouth wurde jetzt der erste Bohrturm in Enaland errichtet, mit dem man nach Erdöl bohren will. Unser Bild zeigt die Eröffnungs- feier an dem Bohrturm, bei der der Vorsitzende der Anglo-Jra- nian-Oel-Companie sprach. 330.000 bei dem Phönix, Wien, Versicherten, haben 267.000 Polizzen bis zu 1000 Schilling, also ungefähr 80 Prozent aller Versicherten, sind kleine Sparer!) Wir entrüsten uns nicht moralisch über den Korruptionssumpf, aus dem zweifellos bei diesem Regime der„Phönix" wieder aufsteigen wird wie der Phönix aus der Asche, zu der, er eben verbrannt wurde, wir wissen, es ist nur ein j einziges Symptom dieser Krankheit, die den Kapitalismus ergriffen hat und die ihn eiyes Tages zum Tode führen wird, aus dem es kein phönixgleiches Auserstehen mehr geben wird. I. E. Eine Biographie des Präsidenten Benes. Im Roland-Verlag Moraivitz, Prag, ist soeben eine Lebensbeschreibung des Präsidenten der Re- prrblik Dr, Eduard Benes, erschienen Das Buch, ist etwa 250 Seiten stärkt sein Verfasser 7sk Dr. Arthur Werner,' bekannt durch seine gute und lesbare Masarykbiographie. Ein großangelegtcr Betrug wurde in Reichenberg aufgedeckt und zur Anzeige gebracht. Anläßlich einer Revision in der Kohlenabtoilung der Speditionsfirma Alfred Deutsch& Co. in Ober-Rosenthal bei Reichenberg kam man auf Unterschlagungen des dortigen Lagerhalters, des 52jährigen Wilhelm Piubellini, der sofort durch die Reichcnbexger Kriminalpolizei verhaftet wurde.. Schon nach einer oberflächlichen Revision konnte fcstgestcllt werden, daß der Lagerhalter in einem Zeiträume vom Mai 1933 bis Ende März 1936 einen Betrag von 133.437 XL zum Schaden, der genannten Speditionsfirma zu verschleiern verstand,' welcher Betrag sich noch dadurch erhöhen dürfte, sobald der gesamte Lagerbestand gänzlich überprüft sein dürfte. Ein Tunnel unter dem Bosporus. Die türkische Regierung und die Istanbuler Gemeinde studiert einen Plan, dentzufolge ein Tunnel unter dem Bosporus gebaut werden solle, der Europa mit Asien verbinden würde. Dürch dieses Tunnel soll auch die E i s e n b ahnst r e ck e führen, die es unnötig machen würde, daß die aus der europäischen Türkei kommenden Reisenden, die stach der asiatischen Türkei wollen, in Istanbul den Eisenbahnzug verlassen und zu Schiff nach der ersten Eisenbahnstation auf dem asiatischen Ufer, Haydar-Pascha, fahren müssen. Km Hauptmann. Der Gouverneur des Gefängnisses in Trenton,.Kimberling, erklärte betreffs der Hinrichtung Hauptmanns, daß diese von Freitag auf ein späteres Datum verschoben werden kann, wenn bis zu dieser Zeit die Groß- Jury zu keiner Entscheidung in der Angelegenheit Paul Wendels gelangen könne, welcher bekanntlich ein gewisses Geständnis in Sachen der Entführung des Lindbergh-Kindes gemacht hat, das er später widerrief. Kimberling fügte noch hinzu: Die Beschuldigung Wendels seitens der Groß-Jury würde mir nicht das Recht geben, die Hinrichtung ans einen späteren Zeitpunkt als bis° Ende dieser Woche zu verschieben. Dazu würde die Entscheidung irgendeines Gerichtes oder kompetenter Behörden notwendig sein. Ertrunken. Mittwoch stieß auf dem Kurischen Haff ein Ausflugsdampfer mit einem Motorboot zusammen, das sofort sank, wobei fünf Personen ertranken. Noch ein Hitlersieg. Wie dem„Daily Herald" aus Paris aus verläßlicher Quelle gemeldet wird, ist nach der Zerreißung des Locarnopaktes die Witwenpension der FrauStrese- mann eingestellt worden, offenbar weil Gustav Stresemann Locarno abgeschlossen hat. Hitler schrieb damals, alle Unterzeichner dieses Vertrages müßten totgeschlagen werden wie Hunde. Den Stresemann haben sie nur totgehetzt, der Mitlocarnist Hans Luther aber ist Botschafter in Washington. Immerhin dürste Frau Stresemann nicht zum Verhungern verurteilt sein, da sie aus begüterter Familie stammt und ihr Mann den Nobelfriedenspreis von 90.000 Mark erhalten hat. Aber zugleich hat man, wie wir dem gleichen Blatt entnehmen, auch die Pension der Witwe des ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert„eingespart". Frau Ebert dürfte allerdings auf die Gnade des Berliner Wohlfahrts- amtes angewiesen sein. Hurrigan. Die kleine Stadt Cordele sm Staate Georgia ist von einem heftigen Sturm verwüstet worden. Der Sturm zerstörte mehr als fünfzig Wohnhäuser. Die einstürzenden Gebäude haben zahlreiche Personen unter sich begraben. Bisher sind 10 Leichen geborgen worden. Man befürchtet, daß noch viele Todesopfer festgestellt werden müssen. Bisher hat man 60 Verletzte ge-■ zählt. Sonderbarer Tkelcttfimd in Theresienstadt. In Hrdly bei Theresienstadt wurde, wie dem DRD gemeldet wird, beim Oeffnen einer Sandgrube, die an der nach Prag führenden Staatsstraße gelegen ist, in einer Tiefe von 1.5'Meter ein Skelett gefunden, dessen Schädel an der rechten Schläfenwand eine Einschußöffnung aufweist. Tas Skelett maß enva 170 Zentimeter und dürste, dem Gebiß nach, einem jungen Dänin von etwa 25 Jahren angehört haben.' Das Alter des Skeletts wird auf 150 Jahre geschätzt. Ein in der Nähe des Fundortes gelegenes Feld heißt im Volksmund„Am Galgen". Während angenommen wurde, daß das Skelett einem erschossenen. Soldaten angehöre, konnten in der Nähe weder Waffenstücke, noch Uniformknöpfe gefunden werden. Zugleich ergab sich, daß der Erschossene seinerzeit nackt bestattet worden sein muß. Eine„Haile-Selassie"-Straße. Als erste europäische Hauptstadt hat Belgrad«ine Straße erhalten, die nach dem Negus benannt ist.„Ulica Haila Selasija" kann man auf den Namensschildern dieser Straße lesen, die sich im Stadwiertel Neu-Belgrad befindet. Allerdings sind die zuständigen Stellen der Sradtverwalmng nicht geftagt worden, sondern die neue Namensgebung ist auf die Privatinitiative der' offenbar mit Abessinien sympathisierenden Anwohner dieses Stratzenzuges erfolgt. Die Stadt kann solch« Uebergriffe, die eine politssche Demonstration darstellen, nicht dulden und beabsichtigt, den Namen des Negus aus dem Belgrader Straßenverzeichnis zu löschen. Die Bewohner der Straße wehren sich mit allen Kräften dagegen. Das älteste Haus von Paris. Das älteste heute noch bewohnte Haus von Paris befindet sich im dritten Bezirk und trägt die Nummer 8 in der Rue Volta. Eine Inschrift verkündet, daß das Haus 1240 gebaut worden ist. Tatsächlich ist es etwas jüngeren Datums und dürfte Ende des 14. Jahrhunderts in seiner heutigen Form errichtet worden sein. Es hat vier Stockwerke und besitzt im Erdgeschoß zwei Läden; über einem hängt ein Schild„Zum ältesten Haus von Paris". Die Kältewelle, welche sich von Nordwesten her ausbreitet, ist bereits bis zum Aermellanal gelangt und dürst« bald auch das Binnenland erfassen.— Wahrscheinliches Wetter^ Freitag: Veränderlich mit Schauern, Winddrehung gegen Rordwesten und allmähliche Abkühlung.— Wetteraussichten für Samstag: Abnahme der Bewölkung und auch in den Niederungen Rachstostgefahr. Vom Run6fuitk favMlMiwtrtu au*«en ProerMunem Samstag: Prag, Sender L: 10.05: Deuffche Presse, 11:' Schallplatten, 17.55: Deuffche Sendung: Dr. Deut, Cambridge: Zur Eröffnung des internationalen Kongresses für Musikerziehung in Prag. 18.05: Hörbericht aus einer Kaserne, 18.45: Deuffche Presse, 22.15: Tanzmusik. Sender S: Leichte Musik, 14.10: Deuffche Sendung: Lieder und Klavierstücke von Wagner, 14.40: Kulturrelief: Prager Kunst und Leben.— Brünn 13.45: Schallplatte», 17.40: Deuffche Sendung: Für die Jugend, 19.40: Bunte Folge.— Preßburg 15: Nachmittagskonzert, 19.15: Slowakisch« Lieder.— Kascha« 17.25: Symphonieorchester auf Schallplaffen.— Mährisch. Ostrau 12.35: Mittagskonzert. Es lebe die Kunstl Von Julius Mader „Nein", sagte sich Karl energisch, nachdem er.bereits vierzehn Tage in dem Mauseloch von Atelier, das der höhnischen Wintersonne und den stostigen Sternen so nahe lag, gefroren und gehungert hatte,„so geht es nicht mehr weiter!". Vergeblich schöpfte er Trost aus den Lebensgeschichten jener Genies, die zeitlebens in einer ähnlich erbärmlichen Lage gewesen waren. Aber das machte ihm die drei mit Kunstbutter bestrichenen Brote, von denen er je eins morgens, mittags und abends verzehrte, nicht schmackhafter. „To geht es nicht weiter!" Er starrte plötzlich angestrengt auf eine schadhafte Stelle im Glasdach, durch die der Wind Tag und Nacht Herein- Pfiff.„Donnerwetter... ja— das wäre was... das wäre sogar was ganz Großes." Seine Stirn wurde feucht von heftigem Nachdenken. „Mensch, Karl- bist ja gar nicht so dumm wie du'aussiehst", ulkte er sich an, während er vor dein halbblinden Spiegel stand und seinen Haarschopf in Ordnung brachte. Einige Minuten später klingelte er Sturm bei Richard.„Dich Hai wohl ein Hund gebissen", schnauzte Richard, aber Karl fegte herein, deutete mit dem Kopf nach der Staffelei, sagte:„Laß den Dreck jetzt!" und setzte sich mit solchem Schwung auf das improvisierte Sofa, daß die Kisten darunter gefährlich krachten. „Wo ist Gaby?"—„Du bist wohl über—". —„Wo ist Gaby?" unterbrach ihn Karl streng." —„Vor einer Stunde weggegangen, um bei Bekannten Geld aufzuireiben", sagte Richard finster.-—„Nicht mehr nötig", sagte Karl.„Ich habe eine j^dee. In zwei Wochen sind wir reiche Leute," Richard bekam einen Lachkrampf. „Idiot", zischte Karl,„hör mich erst an und.dann meckere, meinetwegen stundenlang." Als Gaby heintkam,. war das Zimmer eine einzige Rauchwolke.„Nirgends auch nur eine Krone zu bekommen",.sagte sie niedergeschlagen.„Tut nichts", strahlte Richard,„Karl ist ein Genie, zumindest ein geschäftliches,. er hat einen Einfall, der sein Geld wert ist."-Sie steckten die Köpfe zusammen, Richard skizzierte.gewandt auf einem alten Stück Karton. Schließlich erhob sich Gaby langbeinig und. lief zum Kunsthändler, eine Kupferplatte dreißig mal vierzig zu erstehen. Als Tauschmittel nahm sie zivei alte Oelskizzen mit. Die Platte, die sie bald darauf auf den Tffch legte, glänzte verheißungsvoll. Zärtliche Finger fuhren über die feinpolierte Metallfläche.„Herrlich",^ sagte Richard.aufatmend. Alle drei sahen sie bereits den Anbruch eines neuen Lebens.„Ehe wir mit der Arbeit beginnen,- sctzen.wir den Vertrag auf", schlug Richard vor.„Einverstanden!" nickte Karl stolz wie ein Hauptaktionär. Gaby brachte Schreibzeug.„Vertrag", malte Richard mit eigenwillige^ großen Schnörkeln als Ueberschrift, „Zwffchen Herrn Karl Brandhuber, Kunstmaler, und Herrn Richard Martinek, akademischer Maler, beide in Prag, wurde heute folgendes Abkommen geschlossen: Die Obgenanntckn bringen gemeinsam ein speziell für Aerzte bestimmtes Original- Kunstblatt unter dem Titel.„Der Sieg des Arztes" auf den Markt. Herr Rich.Martinek, akad. Maler, überninnnt den Entwurf uird die Ausführung in Schwarz-weiß-Technik. Herrn Karl Brandhuber, Kunstmaler, obliegt die Pflicht des sauberen Kopierens des Entwurfes sowie»des Radierens in die Kupferplatte. Die Gewinstver- tcilung ist folgende—". Richard hielt im Schreiben inne:„Darüber müssen wir uns noch einig werden."—„Darüber müssen wir uns noch einig werden", echote Karl. Richard blickte Gaby, an, die dasaß, leicht bebend vor Erwartung. Ihr Mund glich dem Spalt eines Granatapfels.„Ich — schlage vor— sechzig— für mich vier zig— für dich", sagte Richard Wort für Wort. Die Sfflle, die eintrat, war so vollkommen, daß man Karls Brauen förmlich hochschwellen hörte. „Wieso?", brachte Karl hener und erblassend vor. —„Was, wieso?"—„Wieso sechzig zu vierzig. Du vergiß wohl ganz, daß die^dee von mir stammt!"—„Idee! Idee! Titel und Entwurf sind die Haupffache. Und dir stammen von mir." —„Halb und halb", warf Karl eisig dazwischen. „Lächerlich!" sagte Richard und schmiß die Feder hin, daß ejn Riesenklecks entstand.—„Gar nicht lächerlich! Der Einfall ist das Wichtigste. Und radieren muß ichs auch selber. Ich sehe also nicht ein, warum ich mich mit vierzig von Hundert zu- stieden geben soll."—„Dann leg deinen Einfall in Essig, du... du Anstreicher!" schrie nun Richard bereits." Siehst ja, schließlich mußt du doch zmn Künstler koimnen, allein bist du aufgesessen." Beim Wort„Künstler" ichlug er sich mit der Zaust gegen die Brust, daß es dröhnte.—„Aber| Richard hatte doch schon vor Monaten eine ähnliche Idee gehabt", griff Gaby, die Mandeläügige! sanft flötend ein. Richard starrte sie einen Herzschlag lang fassungslos an.„Eine ähnliche...? Aber natürlich", polterte er los,„nicht bloß ähnlich, fast die gleiche, nur war statt des Schachspielers ein Kartenspieler, der mit dem Tod um das Leben des Sterbenden spielt."— Karl schlug eine schneidend höhnische Lache auf: ,Lar- tenspieler?! Da sieht man deine grenzenlose Ungebildetheit! Kartenspieler?! Hat man je so tvaS gehört! Die Bilder sind doch für Akademiker bestimmt, und denen liegt Schach bestimmt näher." —„Quatsch keinen Blödsinn", brüllte Richard.". Das Bild wird im Wartezimmer hängen, wo es auch Laien zu sehen bekommen, und die werden eS besffmmt natürlicher finden, wenn der Arzt mit dem Tode Karten spielt und nicht Schach." Sie funkelten einander an wie zwei Kampfhähne. Da drängelte sich Gabys Stimme durch das Dickicht des gefährlichen Schweigens:„Du mußt schon zugeben, lieber Karl, daß Richard im Recht ist. Erstens ist er ja doch der größere Künstler von euch beiden, und zweitens»— hat er auch eine Frau zu ernähren."—-- Das gab den Rest.„Was geht denn das mich an, soll ich vielleicht noch seine Frau erhalten!" schrie Karl krebsrot im Gesicht, packte den Hut und stürmte hinaus, daß er fast den Türrahmen mitnahm. Die künstlerische Radierung„Der Sieg des Arztes" ist nie zur Ausführung gelangt. Gaby benützt die seinerzeit angeschaffte Kupferplatte als praktischen Aussatz ihres Primuskochers. Nr. 80 Setting, 3. April 1936 (Seile 5 Die Notwendigkeit eines Gesundheitsbogens für Bürger wurde in der letzten Zeit vielerorts erörtert. Man erfuhr von der verpflichtenden Ein- fühung von GesundheitSlegifimafionen im Ausland, unser« Arzte rufen mit Rückficht auf den ungenau bzw. überhaupt nicht bekannten physischen Zustand der Bevölkerung und vor allem der Jugend- nach einer Vereinheitlichung der Untersuchungsmethoden und der Gesundheitsbögen. Die Frage des Gesundheitsbüchleins, das den Menschen von seiner Geburt an durch das ganze Leben begleiten soll, in Verbindung mit den Aufzeichnungen über den phhfischen Zustand und über durchgemachte Krankheiten, ist heute zwar aktuell, aber bei weitem noch nicht gelöst. Die Einführung solcher Büchlein hätte bestfimni ihre Vorteile— bei der Assentierung, vor der Heirat, bei der Arbeitszuteilung; der untersuchende Arzt hatte ein genaues Bild von den vorhergegangenen Krankheiten und könnte den Zustand des Pafienten leichter und besser beurteilen; der Staat als Ganzes hätte eine leichtere Evidenz über den Zststand seiner Bürger und wäre eher imstande zu erkennen, wo die Notwendigkeit besteht, zur Gesundung der Nation einzugreifen. Gleichzeitig aber tauchen auch die Nachteile solcher Gesundheitsverzeichnisse auf: das soziale Unrecht bei der Ablehnung von Arbeitsbewerbern mit schlechtem Gesundheitszeugnis, Irrtümer deS Laien bei der Beurteilung des eingetragenen ärztlichen^Befundes, Familienzwistigkeiten bei der Feststellung don gesundheitlichen Fehlern, Vermehrung der Arbeit d«S Arztes durch Schreibarbeiten, Möglichkeit der Dokumentenfälschung ufiv. Damit hängt auch die Frage zusammen: Wie ist es möglich, daS Aerztegeheimnis zu wahren, zu welchen sind die Aerzte den Pattenten gegenüber verpflichtet und welche halten fie sorgfälfig ein?-— ES ist daher klar, daß die Frage der Einführung von Gesundheitsbögen nicht so einfach ist. Tod eines heldenhaften Hundes. In Washington verstarb einer der berühmtesten Hunde deS Weltkrieges, der Liebling des ersten Expeditionskorps der „American Legion", RuggS, im Hause seines Pflegevaters Colonel Hardenburgh. Ruggs war ein Drahthaarterrier, der von dem amerikanischen Soldaten Jimmy Donovan herrenlos auf der Straße in Paris aufgelesen und mtt an die Front genommen wurde. In den Argonnen hat Ruggs die schwersten Kämpfe mitgemacht, fich als ein wahrer Held erwiesen, wurde verwundet und gasvergiftet,. Überstand aber mit seiner Truppe alle Leiden. Er war der beste Meldehund der Armee und verstand, mitten im Trommelfeuer seinen Weg zu finden. In den Kämpfen verlor er ein Auge, versah aber seinen Dienst bis zunt Waffenstillstand weiter. Er wurde auch einmal auf einem Fesselballon abgeschossen. Der Beobachter, der ihn mitgenommen hatte, sprang im Fallschirm herunter. Der deutsche Flieger, der in den Armen des Mannes einen Hund sah, soll, der Legende nach, daS Feuer sofort eingestellt haben und 'sogar durch Winken das Tier begrüßt haben. Jedenfalls landete Ruggs unverletzt. In Amerika ist eine Biographie hon Ruggs erschienen, Gipsabgüsse seiner Pfoten werden in einem Kriegsmufeum aufbewahrt. Ruggs bezog eine staatliche Pension, und niemand seiner ehemaligen Kriegskameraden versäumte, ihn in Washington zu besuchen. „Tatak und Liete verlängern das Leben." Im Alter von 111 Jahren ist in St. LouiS die Aerztin Mrs. Davenport gestorben. Sie hat ein recht bewegtes Leben hinter sich. Mit 13 Jahren heiratete sie «inen russischen rinzen, der im Duell getötet wurde. Von ihrem zweiten Gatten, einem französischen Vicomte, hatte sie elf Kinder. Nach seinem Tode beschloß die keineswegs mehr junge Witwe, Medizin zu studieren. Ihr neuer Beruf und das Studium hinderten sie aber nicht, im Alter von 68 Jahren den 22jährigen William Davenport zu heiraten, mit dem fie in glücklicher Ehe lebte und der trotz des Altersunterschiedes seine„junge" Gattin ebenfalls als Witwe zurücklaffen mußte. Die„Doktorin" war in ganz St. Louis bekannt und' berühmt. Sie ist vielmals wegen ihrer Alttrsfrische interviewt worden und hatte seinerzeit erklärt, daß ihrer Ueberzeugung nach nur die Liebe und der Tabak