16. Jahrgang Dienstag, 7. Avril 1936 Nr. 83 tlinlinfill Heller (ofaschlleBlich 5 Heller Porte) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII..FOCNOVA«. TEIEFON SM77. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEURt DR. EMIL STRAUSS, PRAG. IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK Völkerbündrat Genosse Taub eine rechtliche Rote vom 31. Der Fürsorgeminister Jng. R e i a S hat sich entschlossen, dir Verhältnisse in den ärgsten Notstandsgebieten Böhmens anS eigener Anschauung bennenzulernen. Di« Reise, die er am vergangenen TamStag in Begleitung deS deutschen sozialdemokratischen Abgeordneten Taub und der westböhmischrn Abgeordneten der deutschen Sozialdemoöraten, Eugen de Witte und Franz Katz, durch die Bezirke Elboge«, Graslitz, Neudek und Karkstad un- ternahm, hat nicht nur in den weitesten Kreisen der Bevölkerung große Beachtung gefunden und viele Freude ausgelöst, sondern sie war auch in sozialer, wirtschaftlicher und politischer Beziehung sehr lehrreich. Zweifellos hat sie dazu beigetragen, daß daS enge Band, daS unseren Fürsorgeministrr mit den arbeitende» Masien des Sudetendeutschtums verbindet, noch fester geknüpft wurde, ja, sie hat bewiesen, daß die Arbeit der Sozialdemokratie in der Regierung nicht nur von den unmittelbaren Anhängern der sozialistischen Arbeiterbewegung, sondern auch von deren Gegnern anerkannt, geschätzt und mit Dankbarkeit ausgenommen wird. Tie Reife war für die Teilnehmer um so beschwerlicher, als Jng. RetaS sich noch den Verhältnissen in der eingehendsten Weise erkundigte und sich bei jeder Zusammenkunft erst dann zufrieden gab, wenn er ei« vollkommen abgeschlossenes Bild gewonnen hatte. Dies« Gewissen- Hastigkeit und die Oeffenheit, mit der Reias alle Probleme behandelte ,in Verbindung mit seinem gewinnenden Wesen, hat in den Teilnehmern der Aussprachen die Ueberzeugung gestärkt, daß hier ein Mann am Werke ist, dem die national« Gerechtigkeit und die selbstlose Hingabe an di« Sache der Armen oberste Richtschnur sind. Es ist wahr, daß die Unterredungen mit Recas allen Teilnehmern ein tiefes Erlebnis wurden, und wir wollen dem Fürsorgeminister, von dem wir wissen, wie er alS Tscheche für di« deutsche« Notstandsgebiete mit besonderem Eifer sorgt, für diese ibm und«ns so wertvolle Reis« anS ganzem Herzen danken. Sir hat ihm nicht nur Material für seine weitere Arbeit geliefert, sondern wohl auch die Ueberzeugung vermittelt, daß sich diese Arbeit auf das Vertrauen und die Liebe der deutschen sozialdemokratische« Arbeiter unseres Lande- gründet. Möge ihm dieses Bewußtsein neue Kraft bei der Erfüllung seiner übermenschlich großen Aufgabe vermitteln! der Gesamtbevölkerung nicht nur einen staatlichen und europäischen, sondern einen Weltrekord erreicht zu haben. Diese Feststellung trifft eigentlich ans daS ganze bereifte Gebiet zu. Die Ziffern, -dir von den Vertrauensmännern der Arbeiter und von de« Vertretern dec Industrie vocgelegt wurden, sprechen eine deutliche Spräche. So hat z. B. di? Porzellanindu strie, die früher die Ballanländer hundertprozentig belieferte, diese Absatzgebiete entweder durch die Konkurrenz oder durch handelspolitische Schwierigkeiten vollkommen verloren. Die Depisenschwierigkeiten sind so groß, daß die Fabriken nicht einmal ihre eigenen Lager in den betreffenden Ländern beliefern können. Dazu kommt eine erschreckende Senkung des JnlandSkonsumS, die vor allem mit der gesunkenen Kaufkraft der Bevöllerung zusammenhängt. Auch durch das Zugabegesetz entstand ein Produktionsausfall von 8 Millionen Xö und außerdem haben die Sanktionen gegen Jtafien gerade in der sudetendeutschen Pörzellanindustrie den allergrößten Schaden angerichtet. In Italien wurden für 11 Millionen XL Porzellanwaren umgesetzt. Der Beschäftigungsstand ist in dieser Industrie von 16.000bis 18.l>00 auf etwa 0000 gesunken. Während z. B. im Bezirk Karlsbad 1929 noch 8000 Beschäftigte in der Pörzellanindustrie waren, sind es heute nur nach 3800. Aehnlich liegen die Dinge in der Glasindustrie. hat folgenden Wortlaut:.. Am 1. April hat der Bundestag rin Gesetz angenommen, dnrch welche- das für Oesterreich im fünften Teile deS Vertrages von Saint Germain festgesetzte Militärstatut abgeändert wird. Diese durch einseitigeKündigung des betreffenden Teiles des Vertrages von Saint Germain durchgeführte Aenderung stellt eine off««sichtlich« Verletzung der Militär» k l a u s e l n des erwähnte« Vertrages dar. Unter diesen Umständen steht fich die Tschechoslowakei(Rumänien, Jugoslawien) alS Signatar des Vertrages von Saint Olrrmain gezwungen, gegen die Verlautbarung des betreffenden Gesetze- energisch zu Protest i e r e n, Auch alS Mitglied deS Völkerbundes bedauert sie tief, daß Oesterreich, ebenfalls Mitglied deS Völkerbundes, eS für an»ezeigt gahafien hat, einen Weg zu beschreiten, welchen der Völkerbundrat unter analogen Umständen durch die Resolution vom 17. April 1935 feierlich verurteilt i hat. Di, Regierung der Tschechoslowakischen Re- Flandins Gegenplan Schaffung einer internationalen Truppe Paris. Nach einer Darlegung pes Außenministers F l a n d i n und nach einer Debatte gr- uehmigtr der Ministerrat: 1. den Plan des französischen Memorandums, mit dem daS deutsche Memorandum vom 31. März beantwortet wird, und 2. den Text des sogenannten konstruktiven Friedensp tun e S, den die französische Regierung dem■*“ vorlegen will. Das Memorandum enthält der in der deutschen französischen Außenpolitik gemachte« In seinem zweiten Teil wird konsta- Deutschland auf daS Londoner Ab- vom 19. März Dort sank, der Stand der Beschäftigten aus ein Drittel, der Umsatz auf ein Viertel bis ein Drittel! Allerdings hat die Rationalisierung einen entscheidenden Anteil an dieser Entwicklung. Reichsdeutsche Schmutzkonkurrenz Richt minder aber die Schmutzkonkurrrnz, die von der reichsdeutschen Seite unter Zuhilfenahme der Exportförderung und schwindelhafter Eine lehrreiche Rundreise- Die WUnsdie und Hoffnungen der Bevölkerung publik(Rumäniens, Jugoslawiens) kann in keinem Falle zulassen, daß sich Oesterreich durch seinen einseitige« Schritt, der eine Ablehnung der internationalen Verpflichtungen darstrllt, ein Recht schaffen könnte. Deshalb behält sich die Tschechoslowakei(Rumänien, Jugoslawien) das Recht vor, fich später über die Maßnahmen zum Schutze ihrer Interessen auszusprechen. Oesterreick reagiert nicht! Die amtliche Nachrichtenstelle knüpft an die Wiedergabe der Rote folgende Bemerkung: Der Minister des Aevßere« hat diese Rote entgegengenommen. Die österreichische Regierung gedenkt nicht, aus diese« gemeinsamen Schritt der Tschechoslowakei, Rumäniens und Jugoslawiens zu reflektiere«. AlS sie das neue Gesetz schuf, tat fie es in voller Ueberlegung und mit dem Bewußtsein, damit de« Lebensnotwendigkeiten des österreichische« Volkes und der Sicherheit der Existenz des österreichische« Staates pflichtgemäß Rechnung getragen zu Haden." Fiirsorgeminister Necas Weltrekord der Arbeitslosigkeit •v Mit Recht hat in der letzten Unterredung in Karlsbad der Abgeordnete Witte darauf hingewiesen, daß der einst so reiche Bezirk Karlsbad heute den traurigen Ruhm in Anspruch nehmen kann, beim Anteil der Arbeitslosen an baldiger Rücktritt Baldwins? Paris. Die Pariser Mittags- und Abendblätter drucken die Londoner Nachricht der „Daily Mail" ab, derzufolge es entweder nach den Osterfeiertagen. oder. spätestens bis zu den Pfingstfeiertagen znwich' tigen A ende r ung e n i n d e r britischenRe- gierung kommen werde. Ministerpräsident Stanley Baldwin werde sich Wegeri zunehmender Schwerhörigkeit seines Amtes begeben. Sein Nachfolger werde Neville Chamberlain sein. Neville Chamberlain im Amte eines SchatzamtsselretärS soll Sir Samuel Hoare ersetzen. Eden werde zum Minister für Indien ernannt werde«. Für das Amt des Außenministers soll entweder Lord Halifax oder Sir Robert Horne auKersehen sein. Methoden getrieben wird. So wird die Wirkung . des Boykotts, der auk dem amerikanischen Markt gegen reichsdeutsche Erzeugnisse verhängt wurde, ■ dadurch umgangen, daß in Deutschland erzeugte Handschuhe nach Abertham gebracht» hier einem Schein-,»Beredelungsverfahren" unterzogen werden nur zu dem Zwecke, damit fie dir Stempelung „Made in Ezechoslovakia" erhalten. Sie gehen als „Tschechoslowakische" Handschuhe nach Amerika, der ExportauSfall für wirkliche tschechoflowakische Handschuhe beträgt 25 Prozent» was einer Be- schäftigungSziffer von etwa 1000 entspricht. Die Not der Bergarbeiter 1 Am traurigsten liegen wohl die Verhältnisse bei der B r a u n l o h l e n i.n d u st r i e des 1 Falkenauer Reviers und bei denSpieltvaren- und Instrumentenmachern deS Erzgebirges. Während I es im Falkenauer Revier im Jahre 1921 noch 12.644 Bergarbeiter gab. die 44.8 Millionen Meterzentner Kohle förderten, waren im Jahre 1935 noch 3987 Bergarbeiter mit einer Förderung von 28.7 Millionen Meterzentnern in Beschäftigung. Die Wirkung der Rationalisierung ist . aus den folgenden Ziffern erkennbar: Während i der Förderanteil pro Schicht und Arbeiter im. , Jahre 1921 etwa 14 Meterzen* er betrug, Ivar er im Jahre 1935 auf nicht weniger als 31 Meterzentner, also um mehr als daS Dovpelte, gestiegen. ES versteift sich, daß die Löhne in der . gleichen Zeit, empfindlich.gesenkt worden sind, llehrigens verfahren die meisten der verbliebenen viertausend Bergarbeiter nur drei Schichten wöchentlich.— Di« Wirkung der deutschen Konkurrenz ist auch in der Spielwarenindustrie bemerkbar. 3700 Einwohner— 67 Berufstätigei Hier gibt es regelrechte I n d u st r i e v e r- schkeppung von Graslitz nach lAingenthal, ' wie man überhaupt sa»en nntß, daß ein großer Teil der Schuld an dem iudetendeutschen Wkrt- schaftSelend auf das Konto Deutschlands zu buchen ist. Es ist selbstverständlich, daß unsere Henleinleute darüber kein Wort verlieren und daß sie sich auch bei dem Besuche des Fürsorgeministers diese von industrieller Seit« gemachten Feststellungen wortlos anhörten. Der Beschäftigtenstand in der Musik-Instrumenten« Industrie ist auf weniger als ein Drittel, ge- ^sunken. Früher machten in dieser Industrie die Ablehnmrg März der Vorwürfe. tiert, daß kommen der Loearnostaaten keine positive Antwort gegeben hat. ES wird insbesondere präzisiert, daß Frankreich nicht darauf cingehrn würde, daß Deutschland in der ehemaligen entmilitarisierten Rhein- landzone Festungen baue. Die zweite Rote, auch konstruktiver Plan genannt, empfiehlt: 1. I« militärischer Hinficht die Organisierung des aus der Gleichberechtigung aller Staate« gegründeten Friedens. Sie empfiehlt ferner die Schaffung internationaler Militärkräfte. Di« Großmächte würden je drei biS vier Tioisionen, die kleine« Staaten je eine Division dieser Verusstruppr stelle», welche modern motorisiert und in ständiger Berritschafi wäre, um einer Aufforderung des Völkerbundes zur Unterdrückung der Verletzung eines internationalen Vertrage», internationaler Verpflichtungen«. ä. söfort Folge leiste« zu können. 2. In politischer Hinsicht die B e r st ä r- kung der kollektiven Sicherheit dadurch, daß der Artikel 16 deS Bölkerbundpaktev eine größere Wirksamkeit erlangt. 3. Organisierung der europäischen grgen fertigen Hilfe für die von der Gefahr einrS Neber falles bedrohte« Staaten sowohl imOsten als auch im Westen Europas. Rach französischer Ansicht sollte« all« diese Anregungen von einer vom Völkerbund delegierten europäischen Kommission durchstudiert werde«. Es ist die» demnach eine Art Rückkehr zu dem europäischen Plan Briands. Gemeinsamer Protest in Wien von den Gesandten der Kleinen Entente Überreicht Wien. Montag, um 17 Uhr haben der rumänische und der jugoslawische Gesandte, sowie der tschechoslowakische Geschäftsträger im Bundes- tanzleramtr gemeinsam drei textlich gleichlau tende Protestnoten gegen die Einführung der Die Rote Weiterer italienischer Vormarsch London. Die siegreichen italienischen Truppen, die laut einer Meldung auS eritreischer Quelle gegen Süden vorrücken, habe« 20 Kilome ter von der Stadt Ouoram die Reste der abessi nischen kaiserlichen Garde geschlagen, die den Rückzug der Reste der kaiserlichen Armee vertei digen. Rach einer Meldung des Reuterbureaus aus Addis Abeba treffen allmählich die ersten Mel dungen über die Schlacht ein, an der der Kaiser mit seiner Garde persönlich teilnahm, wobei er zwei Tage und zwei Rächte lang ein Maschinen gewehr bediente, ohne sich auch nur einen Augen blick Ruhe zu gönnen. Schließlich erteUte er den Befehl zu einem strategischen Rückzugg, der sehr allgemeine« Dienstpflicht überreicht, besonnen war. Etwa ei« Drittel der kaiserlichen Garde blieb in der Reserve. Seile 2 Dienstag, 7. April 1936 Nr. 83 Arbeiterlühne etwa 19 Millionen aus, Heute kaum noch(i Millionen. Die Zahl der Kleimneister ist von 408(mit 593 Gehilfen) auf 231 gesunken. Gehilfen find jetzt in den Kleinbetrieben überhaupt.nicht mehr beschäftigt. Die Not dieser Kletilgetverbetreibenden ist womöglich noch großer als die der Arbeiterschaft. Der Anteil der Arbeitslosen und ihrer Angehörigen an der Gesamtbevöl- lerung beträgt im Bezirke Graslitz 55 Prozent. Im Bezirk Falkanau sank das Gesamteinkommen der dei der BezirkSkrankenversicherungS- anstalt gemeldeten Personen von 49.2 Millionen Xi im Jahr« 1929 auf 29 Millionen Xi im Jahre 1935! In R o t h a u gibt es unter 3700 Einwohnern nur 65 Berufstätige. Alle anderen sind arbeitslos!— In Karlsbad sind nicht weniger als 100 Unternehmungen in Zwangsverwaltung. Die Wirtschaftslage ist so schlecht, da ft sich bei Zwangsversteigerungen überhaupt keine Käufer finden. Während in früheren Jahrein tausende Menschen vom Land in die Kurstadt in den Dienst gingen, gibt es heute in Karlsbad soviel Arbeitslose, daft dieser Zuzug völlig aufgehört hat. Stzas das für die soziale Position der Landgemeinden bedeutet, ist kaum z« ermessen. Vie Wünsche der Bevölkerung Der Hauptwunsch der Arbeiter- uick der Industrievcrtreter war der nach Exportförderung durch den Abschluß von Handelsverträgen, nach der Durchführung und Finanzierung von R o t st a n d s a r b e i t e n. Es war selbst die Meinung der Jndustrievertreter, daß die Lohnstabilisierung durch die Verbindlichkeitserklärung der Kollektivverträge zweckinä«ig ist. Dieses Eingeständnis, das vor dem Fürsorgeminister gemacht wurde, ist sehr wertvoll. Die sozialdemokratischen Arbeitervertreter haben dem Für;örge- minister allerdings nicht verschwiegen,, daß bei der Durchführung der Ernährungsaktion aufreizende, durch die Bürokratie und durch mangelhafte Bestimmungen verschuldete Unzukömmlichkeiten festzustellen sind. Gerade in diesen Elendsgebieten wäre die Eingliederung der Zwergrentner, vor allem aber die Eingliederung der Häusler" in die Ernährungsaktion wünschenswert. Und allgemein war der Ruf nach der Berücksichtigung der Jugend- l i ch e n bei der Ernährungsaktion l Die Elendsbilder, die von den sozialdemokratischen Vertretern entworfen wurden, erschütterten den Für« sorgeminifter immer aufs Neue, nicht minder aber die Tatsache, daß die Bürokratie diesem Elend vielfach verständnislos gegenübersteht. Staatshilfe und Privathilfe ES gab keinen Zuhörer, der den Verficherun- gen des FürsorgenttnistrrS, daft er alles tu«, was i» seiner Kraft steht, um das Elend zu mildern,| nicht geglaubt hätte. Und es war notwendig, daß Jng. Rrkas in jeden» Bezirk r'.ne Darstellung dessen gab, waS unter dem Einfluß der sozialdemokratischen Partei«» für die Arbeitslosenfürsorge getan wird. Die Zahlen für den am schwersten betroffenen Bezirk Graslitz sind sehr aufschlußreich: Für die laufende Periode der Er- nährungsaktion vom 16. März bis 19. AprU wurden 310.000 X bewilligt. 8000 XL wurden für die Milchaktion, 30.000 für dir Brotaktion ausgrgeben. Außerdem wurde ein außerordentlicher Beitrag von 100.000 Xi bewilligt, di« Zuwendungen aus der Weihnachtsaktion belaufe» sich auf 72.000 XL. Im Rahmen der Wintrrhilfs- aktio» wurden 200 Meterzentner Kunstfett, 140 Mrterzenwer Zucker, 265 Meterzentner Graupen ■ und fast 100 Meterzentner Kaffee ausgeliefert. Di« Leistungen aus dem Genter System sind dabei nicht berücksichtigt. Wen« man bedenkt, daß die Sammlungen der SVH für de« Bezirk Graslitz im ganzen 200.000 XL betragen, so ergibt sich, wie lächerlich gering di« private Hüf« ist. Mit Recht sagte der Minister, daß der Einwand, die Staatshilfe sei eben leichter z» erreichen, keine Geltung habe: es muß um jede Krone hart gerungen werden. Und meistens müssen dir Hilfsmaßnahmen jette« abgetrotzt werden, die aus agitatorischen Gründe» behaupten, dir Sozialdemokratie tu« zu wenig. Eten jetzt wird das diesjährige Sammelergebmis der Sudetendeutschen BolkKhilfe mitgrteilt, jener Fürsorgeeinrichtung, von der eine gewiss« und gewissenlose Propagande behauptet, daß nur sie di« Rettung der Sudetendeutschen vor dem Hnngrrtodr bedente. Assein für den Bezirk Graskitz betragen die ganzjährigen Barzuwendungra ans der Ernährungsaktton das Dreifache dessen, WaS die ganze Sudetendrutschr Bolkshilfe an Grld- und Sachspenden znr Verfügung hat. Dabei weiß der Fürsorgeminister so gut wir die sudetendeutsche Sozialdemokratie, daß auch diese Hilfsmaßnahmen unzureichend sind und ihre Steigerung unbedingt notwendig ist. Bor allem ab«r gelte es, so sagt« Neias immer wieder, die Frage der Arbeitsbeschaffung zu läsen. Er versprach, die in dieser Richtung vorgebrachten Wünsch« gewissenhaft zu prüfe«. Und jeder weiß, daß dieser Mann Wort halte» wird! Vie Verlogenheit der SdP Mehr als merkwürdig ist die Rolle, welche die Vertreter der Sudetendeutschen Partei bei der Rundreise des Fürsorgeministers gespielt haben. In Falkenau beschränkte sich der sattsam bekannte SdP-Abgeordnete Wo litt e r, der zu den unverfrorensten Bekämpfern der Sozialdemokratie und ihrer Arbeit zählt, darauf, sich ganz einfach den Ausführungen der Sozial« deinokraten Zinner und Abg. Katz anzuschließen, Es war kein Wort der Anklage gegen die Regierung zu vernehmen, noch viel weniger erfolgte einer jener unqualifizierbaren Angriffe, die von dieser Seite ununterbrochen gegen die sozial» demokrattschen Minister gerichtet werden. In Neridek sagte der SdP-Bertreter einen ganze n S a tz, der sich auf die Notwendigkeit der Notstandsarbeiten bezog, dann setzte er sich still, in Karlsbad'sagte der SdP-Senator Tischer zaghaft und schüchtern fünf Sätze, dann ging er fort. Nur in Elbogen machte der Vertreter der S8P einen Vorstoß. Wer sprach denn da für di« Interessen der sudetendeutschen Arbeitslosen? Nun, derPorzellanindustriell« Kämpf, dessen Lohndrücker- und Ausbeutermethoden in der ganzen Gegend sprichwörtlich süvd. Ihm hat es die Zw'ammensehung der So- zialkommissionen angetan, von denen er behauptet, daß sie von den Marxisten beherrscht und terrorisiert würden. Dieser seltsame Proletarierführer wollte nichts weniger als eine Vertretung der SdP in der Sazialkommission, obwohl natürlich in den Sozialkommiffionen die polittschen Parteien überhaupt nichts zu suchen Hecken. Gewerkschaften hat aber die SdP nicht.— Die FeiAeit und Zwicschlächttgkeit der SdP wurde in der Karlsbader BertrauenSmännerver- sammlung vom Abg. Taub unter stürmischer Zustimmung der Anwesenden gebrandmarkt. Aber die SdP ist nicht nur vpr den sozialdemokratischen Funktionären, sondern vor der gan-en Oeffent- lichkeit auf das schwerste bloßgestellt. Sie, di« die Arbeitslosen ununterbrochen gegen die Sozialkommissionen und gegen die Regie ruiq aufwiegelt, hat die glänzende Gelegenheit ungenützt vorübergehen lassen, ihre Agitationsparolen einem Minister gegenüber vor dem Forum der breitesten Oeffentlichkeit zu wiederholen. Sie hat gute Gründe für diesen Verzicht: das Material der Fürsorgeministers ist für die SdP vernichtend, so beschimpft man ihn besser in seiner Abwesenheit. Es versteht sich, daß der fabrikantliche Arbeiter- und, Arbeitslosenvertreter Kämpf eine sehr wirkungsvolle Antwort der Sozialdemokraten«instecken mutzte. Und übrigens wurde festgestellt, daß er dem Minimer eine Unwahrheit gesagt hatte: in der Porzellanindustrie beträgt der Lohnanteil am Produkt nicht, wie er behauptet hatte, fünfzig, sondern nur dreißig Prozent! Ebenso schüchtern und verlegen wie die SdP- Bertreter benahmen sich die Sprecher der Kommunisten. Auch sie hatten nicht den Mut, ihre geschwollenen und hetzerischen Agitationsworte dem Minister gegenüber zu wiederholen. Während die kommunistische Presse bis in die letzten Tag« die bevorstehend« Verschlechterung dek Genter Systems vorausgesagt hatte, nahmen die kommunistischen Vertreter die Feststellung des Für- sorgeministerS, datz eben jetzt eine Verbesserung des Genter Systems erreicht werden konnte, sehr beifällig entgegen, nicht minder aber de« Bericht über seine Bemühungen um ausreichende Hilfs- matznahmen. Bel den sozialdemokratischen Vertrauensmännern Unvergetzlich sind die Eindrücke, die die Teilnehmer der beiden sozialdemokratischen Bertrau- enSmännerversammlungen empfingen, in denen Jng. N e L a S und Taub sprachen. Zunächst war der Fürsorgeminister Gast der Rothauer Arbeiter. Eine Welle der Begeisterung und deS Vertrauens schlug ihm entgegen. Baumgart!, der gute Vater aller Rothauer Krisenopfer, hieß ihn mit herzlichen Worten deS Dankes willkommen. Er sagte, datz die Rothauer Arbeitslosen der Sozialdemokratie treu geblieben sind und ihr treu blecken werden. Beim letzten Wahlkampf haben die Genossen einander so abgelöst wie früher beim Schichtwechsel und so werde es bleiben. NeLas verwies darauf,, datz ihm Rothau nicht fremd sei, immer wieder begegne es ihm bei seiner Arbeit im Ministerium. Er habe durch die Tat bewiesen, datz ihm nationales Unrecht fremd ist und seine Partei werde nicht dulden, daß die deutschen Gesinnungsgenosse«» unter dem Terra« der andere« leiden. Die tschechische Sozialdemokratte danke der deutschen auch im Namen der Demokratte und der Republik, denn es gebe keine treueren Kämpfer der demokratischen Republik als die sudetendeutschen sozialdemokratischen Arbeiter. Die Solidarität mit den deutschen Sozialdemokraten gehe der tschechischen Sozialdemokratie über alle-. Ni« werde matt vergessen können, wa- die sudetendeutschen Arbeiter hier um ihrer Gesinnung willen und als Opfer der Krise durchgemacht haben, aber es sei die Hoffnung begründet, datz bald bessere Zeiten komMen werden.— Und als dann noch Taub gesprochen hatte und dem Minister den Dank für die Solidarität mit den deutschen Arbeitern verdolmetscht hatte, wollte di« begeisterte Zustimmung der Rothauer Arbeiter kein Ende nehmen. Ein aller Mann stand auf und sagte in tiefer Ergriffenheit, der Minister solle den tschechischen Genossen treue Äampsgrütze der Rothauer Sozialdemokraten überbringen.— Nicht anders war eS in K a r l s b a d» wo die BerttauenSmän- ner noch am späten Abend zusammengekommen waren. Hier wieS Abgeordneter deWittein seine« Eröffnungsworten auf die Schmutzigkeit des Kampfes unserer Gegner hin, die selbst kriminelle Elemente al» Kronzeugen gegen die Sozialdemokraten führen und mitDuldung der Behörden die Fundament« der Republik untergrüben.— NeLaS wies darauf hin, datz nicht die Sozialdemokraten schuld sind an den schlechten Handelsverträgen, sondern eher jene Parteien, die die Henleinbetoegung fördern. „Es ist", sagte er,„unser Stolz, daß wir im Ministerrat viel radikaler find als in den Versammlungen. Die anderen aber, die in den Versammlungen große Wort« machen» schleiche» in Prag sehr demütig durch di« Korridore. Die Wähler hätten, wenn sie sie dabei sehr» könnten, an ihnen keine Freudr. Auch wir könnten schöne Resoluti»«» schreibe« wie di« Kommunisten, wir könnten sogar noch mehr verlangen als sie. Was nützt aber«ine Resolution, wenn die Arbeiter «eiter hungern? Wir ziehen es vor, für die Arbeitslosen ohne große Wort« zu wirken. Wir verteidigen die Demokratte und die Menschenrechte und werden alS Tschechen diese Rechte den Deutschen unter allen Umständen garantieren und die Demokratte mit euch gemeinsam biS zur letzten Konsequenz verteidigen. Den Diktaturen aber wird kein langes Leben beschieden sei«. Sie stürzten in Bulgarien» Litauen, Spanien. Sie werden auch in Deutschland und Oesterreich fallen." Die Redner aus dem Kreise der Vertrauensmänner stimmten den Darlegungen des Ministers zu und dankten für seinen Besuch. Einer der Redner verwies zur Untersttitzung der Forderung nach der gesetzlichen Arbeitsvermittlung auf die Tatsache, datz heute die öffentlichen Arbeitsvermittlungsämter nichts anderes tun als die Arbeitslosenzahlen zu registrieren, während fast alle freien Posten von der Arbeitsvermittlung des Bundes der Deutschen an Henleinanhänger vermittelt werden. Ein tschechischer Vertrauensmann sagte, datz die tschechischen Sozialdemokraten di« deutschen Genossen nie verlassen werden. Der deutsche Sender sei notwendig. Man bedürfe keine Ausnahmegesetze gegen die Feinde der Republik, müsse aber di« bestehenden endlich in ausreichender Weise anwenden. Bank an Netas Der Abgeordnete Taub sprach alle« deutschen Sozialdemokraten aus dem Herzen, als er sagte, di« Reise deS FürsorgrministerS durch di« Elends» gebiet« sei allen» die daS Glück hatten, an ihr teilnehmen zu können, ein tiefes Erlebnis gewesen. Er bedauerte, daß die breiten Massen nicht Gelegenheit hatte«, zu sehen, wie sich die Vertreter der verschiedenen Parteien bei dieser Reis« benahmen. Es blieb auch diesmal den Sozialdemokraten Vorbehalten, die Wünsche und Beschwerde» der Be- völlerung zu formulieren, während sich die Verlogenheit der Hetz-Parteien in dem verlegenen Schweigen ihrer Vertreter manifestierte. Taub schloß mit dem Wunsche aller deutschen Sozialdemokraten, datz Reias, dem ebenso die Herzen der sudetrndeuftchen Arbeiter gehöre« wie Dr. Czech, noch recht lang« in seinem jetzigen Amt« bleiben möge. MANNER, FRAUEN I UND WAFFEN I Roman von Manfred Georg, Cppyriffht by Dr. Mintred Georg, krag Er stietz sie fort: „Du suchst daS Mädchen und nicht mich." „Wie kannst Du das sagen? Mit einem Manne wie Du begeht man doch keinen Miß» brauch. Aber kannst Du mir nicht verzeihen, wenn ich ihr nachzufühlen versuche?" Er streichelte die schwer Atmende. Sie war schön in der Gelöstheit ihres etwas zu starren, übergepflegten Körpers. Dabei war sie demütig, datz es ihn erschütterte. Als sie fortging, flüsterte sie noch einmal in einem Kuß: „Kehr' um! Geh' zu Hahdie! Warum führst Tu Krieg mit Dir und den Menschen?" * Als Schumann nur in Begleitung von Sima und Glazunoff nach Bielostroi kam, war der Staudamm fast fertig, Es fehlten nur noch ein paar kleinere Bauten und Vorrichtungen,, die in kürzester Frist hcrgestcllt sein mußten. Der Ort selbst rings um den Danun war ein wirres Durcheinander von Gruben, von schienendurchpflügten Feldern, Sand- und Kieshaufen, Zeltstädten, Baracken und weiter in der Ebene gelegenen Ber» arbeitungsfabriken, deren schmutziger, gelber Mauch über das mächtige Gelände zog und die dicke mehlige Luft noch trüber machte. Seit drei Jahren arbeiteten hier achttausend Werkleute unter dem Kommando einheimischer und fremder Ingenieure in vier Schichten Tag und Nacht und zehn Sprachen schwirrten durcheinander. Von den Baggern und Maschinentürmen: von den Kantinen und Werkgebärcken wehten die Fahnen der Union, meist kleine, halbzerfetzte Tücher und die Anzüge der Arbeiter waren zerrissen und ihre Stiefel schadhaft. Mit den Maschinen war es eine Qual. Bald hier, bald dort setzten sie aus, standen stöhnend still, die Kocken griffen ins Leere. Schumann überzeugte sich: hier war jammervolles Material geliefert worden, aber es war phantastisch zu sehen, wie rasch und mit welchen unmöglichen Gegenständen, die jeder Ingenieur in einem andern Lande abgelehntyatte/merore Ausbesserungen erfolgten.-, Die Lust war drückend und erfüllt von ewigem Lärm und Gekreisch,' von Hämmern und Kolbenschlag. „Ein wahnsinniges Volfl', vertraute ihm in oer Kantine ein amerikanischer Vorarbeiter, der aus Detroit stammte, an." So habe ich noch nirgends bei der Arbeit singen hören, und die Feste, die hier alle vier Wochen gefeiert werden, wenn wieder ein planmäßiger Abschnitt erreicht ist, ganz ohne Alkohol, bloß mit Räuschen aus Begeisterung und Stolz— daS ist zum Lachen komisch." „Sie werden gut bezahlt?" Daran hapert es nicht. Aber was man denen hier an Rohstoff-Matcrkal anhängt, das ist zum Speien. Was sie seckst Herstellen, geht ja. Obwohl auch da viel Bruch dabei ist. Aber sonst wird jede dritte Sendung zurückgewiesen, so offenkundig ist sie Mist. Bei jeder zweitenSendung stellt sich nach Monaten heraus, das sie irgendwie zur Hälfte auch Mist ist. Und trotzdem schaffeff, sie eSI Sie haben den Ernst von Kindern und ihre Ausgelassenheit. DaS sind alles keine Erwachsenen. Da sehen Sie sich mal den Mann an, der da hinten geht!" Mister Watson wies auf einen blonden, jungen, hochgewachsenen Mann, der in Schaftstiefeln den Hof überquerte. „22 Jahre ist der Bursch« und für den ganzen Bau hier politisch verantwortlich." „Donnerwetter, das könnte mir imponieren!"'' „Wird Ihnen aber erst imponieren, wenn Sie. erfahren, daß der Bursche schon seit seinen: vierzehnten Jahr Dienst macht! Mit zwanzig war der schon Hauptmann in der Armee. Sie haben ihn noch nicht kennen gelernt?" „Nein," sagte Schumann kurz. „Richtig, er war ja bei Ihrer Ankunft Verreist. Na, er wird sich schon melden. Der hat seine Augen überall.", „Soll mich freuen!" brummte Schumann. Er wohnte mtt Sima in einem zweistöckigen Gebäude, das sich„Hotel" nannte, weil es über fünf-kahle Zimmer verfügte, in denen je«in Feldbett und, auf einem Dreifuß, eine blecherne Waschschüssel stand. Schumann selbst hatte bei der Ankunft einen Auftrag der„Polnisch-Amerikanischen" wegen Belieferungen der großen Kanttnen des Baubezirkes vorgewiesen. Auf der Straße spielten Kinder. Ruffisch- Japanischen Krieg. Es waren unzählige Kinder überhaupt auf dem Gelände. Sie waren stolz und selbstbewußt und gingen Schumann durchaus nicht aus dem Wege. Ein Knirps versuchte ihm sogar einmal ein Bein zu stellen, so daß er um ein Haar mit dem Gesicht in einer Lehmpfütze gelandet wäre. Der Bauleiter war einer der wenigen älteren Männer von Bielostroj. Er trug«inen berühmten Namen und hatte schon zwei mächtige Werke in Turkestan und in Sibirien geschaffen. Er war schwerhörig und Schumann mußte ihm seine Fragen ins Ohr brüllen. Er gab nur ganz einsickig Antwort. '„Ja, wenn wir diesen Fluß hier gebändigt haben, dann wird die ganze Provinz erst sied« lungSreif. Ein großes Werk, mein Herr! In zwei Wochen sind wir so weit!" Am Abend ging Schumann, von den Ingenieuren eingeladen, in die Versammlungen. Aber noch lieber besuchte er die Schulen, die ebenfalls in Baracken untergebracht und überfüllt waren, und in denen Sechzehnjährige neben Vierzigjährigen, Stenotypistinnen neben den Ingenieursfrauen, Traktorenführer neben den Mineuren saßen und Geschichte und Englisch, Wirtschaftslehre ,,un> Partei-Historie lernten. Er saß neben dem Lehrer und beobachtete diese angestrengten, eifrigen Gesichter, die, von der Arbeit des Tages ermüdet, beim Lernen'sich äuf^ heiterten, klarer, ja schöner wurden. Am Ende einer Stunde erhob sich ein junge? Mädchen und meldete sich zur Wort: „Ich möchte Vorschlägen, datz der Herr aus Wien uns nicht nur zuhört, sondern auch einmal etwas für uns tut. Wir möchten gern von ihm einen Vortrag hören über die Arbeiterbewegung in Oesterreich." Schumann wurde rot. Man hätte von ihm auch verlangen können, einen Vortrag über die Braut-Sitten der Eskimos zu halten. Die Eskimos riechen nach Tran und haben viele Kinder. DaS hätte er von den Eskimos gewußt. Und von den österreichischen Arbeitern vielleicht, daß sie wenig Gehalt bekamen und meistens unzufrieden waren. Aber er nerneigte sich höflich uick versprach, demnächst mitzuteilen, wenn er den Borttag fertig habe. Das Mädchen war unzufrieden: „Nein, wir wollen gar keinen vorbereiteten Borttag. Sie brauchen ja nur so zu erzählen, was Sie wissen und aus Ihren eigenen Erfahrungen zu sprechen." Der Lehrer machte eine einladende Handbewegung und Schumann erhob sich. Er sprach. Und während er sprach, machte er die Bemerkung, daß er mit seinen Ausführungen von Armut und Bettlertum und allem, was er so rasch an Gedan- kenfehen zusammenfassen konnte, ganz furchckar bei seinen Zuhörern abfiel. Sie bestürmten ihn Mit Fragen nach Zahlen, Vertt.igen, Organi- sattonen, die er nicht beanttvorten konnte, und als die Qual schließlich vorüber war, hatte er den Eindruck, daß man ihn geradezu für matzlos dumm hiett. (Fortsetzung folgt.) Nr. 83 DienStag» 7. April 1936 Stile 3 fudetcndeutscfieT Zcitspiegct „Volksgemeinschafts**-Bilder aus Asch Verwandle Henleins als Unternehmer zahlen 60 Heller stundenlohn/ Nicht gemeldete ueberstunden Wir haben vor kurzem ein paar Ausbeutungs-Beispiele aus dem Ascher Bezirk aufgezeigt und darauf hingewiesen, daß es sich nicht um vereinzelte Fälle handelt und daß wir darüber bald noch Interessanteres berichten werden. Wir halten 88 ort. In Asch, Spritzenstraße 13, gibt es einen Fabrikanten Ehr. Prell. Dessen Sohn hat eine Schwester der Fran Henleins zur Gattin. Dieses BerwandtschastSverhältniS zwischen den Prells und den Henleins ist gleichzeitig auch«in Freundschaftsverhältnis. Während des vorjährigen Wahlkampfes waren das Bild Henleins und die SdP- Wahlplakate massenhaft in diesem Betrieb angebracht. Und in dieser Fabrik, zu der es Henlein also unüberbietbar nahe hat, beträgt der Stundenloh« für die fünfzehnjährige« Mädchen s« ch- wurde am Sonntag, den 5. April, vom Obmann’ Josef Hudl mit einer Ansprache eröffnet. Unser Ziel, sagte er, ist die Bölkerversöhnung. Ein Mittel hiezu die neu« Schule.— Namens des Internationalen Berufssekretariats der Lehrer, das 120.000 Mitglieder umfaßt, überbracht« der Holländer M o e r m a n die Grüße zur Tagung. Betvundrrnd gedachte er der großen demokratischen Vorbilder dieses Staatec» MasarykS und Beness. Unter großem Beifall wurde die Absendung eines HuldigungStelegrammes an den Präsidenten Benes beschlossen. Hierauf sprach Prof. Dr. K l«i n b e r g (Karlsbad) über die neue Schule. Er unterschied drei Probleme: daS individualpädagogische, sozialpädagogische und das humanitärpädagogische. Die Jndividualpädagogie fördert alles, waS dem jungen Menschen hilft, selbst zu sehen, zu wollen, zu handeln. Sie verlangt den Weg vom Autoritätsprinzip zur Selbstverantwör- tüng,, von der Lernschule zur Arbeitsschule. Ein Miltes dazu.ist di« SLAlrrsZbstpettwrltüNg..Bremst nd wirkt aber die große Schulerzahl indrn Klaffen, die eine eingehende Behandlung der Schüler fäst nicht zuläßt, Notwendig ist aber ein« ganze Lehrerper- sönlichkiit, die nicht im Automatismus erstarrt. Die Aufgaben der Sozialpädagogik liegen vor allem darin, den großen ewigen Werten,, wie: Religion, Vaterland, Vollltum, nationale Ehre, die heute mißbraucht werden, ihre innere Bedeutung wiedrrzugeben. Darauf muß der Lehrer vom ersten Schultag an loSarbeiten, daS Eigengefühl des Kindes zum Gemeinschaftsgefühl erweitern. Der heroische Drang im Kinde darf nicht durch die Vorbilder auf den Schlachtfeldern genährt werden, sondern muß durch Beispiele auS der Wissenschaft, Kul« tur, durch Beispiele der namenlosen Helden der Arbeit genährt werden. Selbständige, aus geklärten Voraussetzungen frei waltend« Menschen hecanzubil- oen, ist da« Ziel der Sozialpädagogik. Die heutige Fugend wird häuftg gegen diese Ideen immunisiert, sie muß aber dazu erzogen werden, nicht nachzuschwätzen, sondern sich selbst die Begriffe zu erarbeiten. Notwendig ist, nicht Lernstofte, sondern Erlebnisstoff zu formen. Ter historische Materialismus schafft nur die Grundlage, auf der die Kulrurerschei- nungen aufbauen. Die Krönung ist dann die humanitäre Erziehung. Gebildet ist nicht der Mensch, der ein lebendiges Konversationslexikon ist. sondern Geist und Seele bildungsfähig zu nrachen verstanden hat. Der Schulaufbau müßte nach diesen drei Grundprinzipien etwa fo auSiehen: bis zum 16. Lebensjahre ein« reine Bildungsschule, die nicht Rücksicht nimmt auf die Zukunft oder Fach, vom 16. bis 18. Lebensjahr eine Kombination von Bildungsund Fachschule, einfach« leichtere Fachvorbereirung für die Menschen, die inS werktätige Leben treten: akademisches Studium, aber nicht wie heute als«ine Insel, auf der der Arzt nichts vom Juristen weiß, sondern eine Durchdringung des ganzen Studenten mit Wissensgebieten.(Starker Beifall.) *** Montag sprach zunächst BezirkSschulinspektor Rohm, Eger, über:.Die Methode der neuen Schule". Der Vortragende ging vom Verhältnis von Didaktik und Methodik auS und behandelte dann die vielen modernen pädagogischen Bestrebungen, die i» den neuen Normallehrplänen für Volks- und Bürgerschulen enthalten ftnd. Im zweiten Teile deS VorcrageS beschäftigte sich der Vortragende mir den Bestrebungen um die Schaffung eines Gesamtunterrichtes. Im Gesamtunterricht fließen viele moderne Anschauungen zusammen, die bei dieser Gelegenheit erörtert werden können. Die Formen wurden skizziert und der didaktische Gehalt. deS Gesamtunterrichtes herausgearbeiket. Schließlich wurde di« ästhetische Einstellung, die Tendenz zur Svnthese und der starke Idealismus der Verfechter des Gesamtunterrichtes gezeigt. Tas Problem.Fach- Fächerung" wurde angedeutet und die Wurzeln deS Gesamtunterrichte- in der KonzentrationSbewegung wurden aufgedeckt.- Die neueren Triebkräfte zur Entwicklung des Gesamtunterrichte-, wie fie in-er neueren Psychologie, der ArbeitSschuübewegung, dem Heimatsschulprinzip und der Besinnung nach oem Weltkriege gegeben sind, wurden eingehend beleuchtet. Der russische Komplexunterricht und der z l S Heller, während ältere Mädchen immerhin de« fürstliche« Lohn von KC 1.50, verheiratete Frauen sogar von Xi 1.80 erhalten 1 Gearbeitet wird in diesem Betrieb— wie übrigen- in fast alle« Ascher Fabriken— sehr oft länger al- 48 Stunden in der Woche; aber etwa 98 Prozent dieser Aeberstunden fallen unter die Rubrik„nicht gemeldet"! WaS sagt Herr Henlein zu diesen„eindeutig sozialen" Verhältnissen? Und waS sagen die Arbeiter dazu, die in Asch und di« anderswo? Wie lange werden sie, immer noch zu Zehntausenden, noch von dieser.Volksgemeinschaft" sich zum Narren halten und ausbeuten lassen? Epochalunterricht nach Dc. Rudolf Steiner wurden angedeutet. Die Durchführung-Möglichkeit des Gesamtunterrichtes auf der Unterstufe ist allgemein anerkannt, auf der Mittelstufe beginnt neben Gesamtunterricht um Heimatkunde und Bürgerkunde(Le» beurkunde) die Auffächerung und auf der Oberstufe ringen die vereinzelten Versuche mit der Aufgabe einer zweckdienlichen Lehrplangestaltung. Unser« Lehrpläne geben die Methode frei und ermöglichen durch die ausdrückliche Feststellung.Alle Bestandteile der Schularbeit bilden eine harmonischeEin- h e i t" und viele einzelne Hinweise die Schularbeit im Sinne eines begrifflich weiter gefaßten Gesamtunterrichtes. Schließlich wurde auf die deuffche Ber» suchsschularbeit in unserem Staate, die in dieser Richtung arbeitete, und auf die tschechischen Bestrebungen in der Methode der Globalisation hingewiesen. Die Hauptversammlung deutscher sozialdemokratischer Lehrer fand am 4. April in Aussig unter starker Betel« liguns--statt.- ES waren-neben--Stadt- und-Landbezirk Aussig vertreten: Teplitz, Karlsbad, Prag, Leitmeritz, Eger, Mähr.-Ostrau, Reuhammer, Reu« dek, Trautenam Luditz, Rumburg, Tepl, Bodenbach usw. Als Gässe konnten begrüßt werden: Abg. Kirpal für den Parteivorstand, Pokapka für den Atu-, K r a l i k für die Lokalorganisation, Steffi Hirsch für die Teplitzer Bezirksorganisation, Schäfer für den-Gewerkschaftsbund, Lehnert für die Kinderfreunde, Malek für die tschechische Bruderorganisation. Besonderen Beifall erntete Genosse M o«r m a n(Holland) als Vertreter des Internationalen Berufssekretariats der Lehrer für seine Begrüßung-Worte, seine scharfsinnige Analyse der gegenwärtigen politischen Verhältnisse Und Ziel- setzung der-Demokratie.- Obmann Hudl erstattete, den Tätigkeitsbericht, aus dem vor allem die äußerst gelungene Pädagogische Woche in Teplitz-Schönau hervorragt. Dort sprachen der damalige Außenmini- ster'und jetzige Präsident Dr. Benes und Justiz- Henlein hält es in bezug auf Geld mit Kaiser Vespasian, der das. klassisch gewordene »„Non ölet"(„Es stinkt nicht") gesprochen hat. Seine„Sudetendeutsche Volkshilfe" hat er zu einem an reichsdeutschen Vorbild geschulten Schnorr-System ausgebildet, dessen Methoden einmal unter die kritische Lupe genommen werden müssen. Da schicken z. B. diese Patentdeutschen, die am liebsten alles gleichschalten wollen und jeden, der nicht auf den„Führer" schwört, aus der„Volksgemeinschaft" stoßen, unzählige Schnorbriefe an Adressaten, von denen sie im voricherein wissen, daß diese nicht„rasserein" sind. Sie können zwar keinen Juden leiden, aber ihr Geld nehmen sie dafür um so lieber. Das„Finanzkapstal" wird umschmeichelt und umworben, die„j ü d i s ch e n" Bankhäuser, werden torpediert mit Aufrufen tm„alle deutschen Volksgenossen", sie mögen die Rot„in unserer Heimat" lindern, man schickt den Direktoren mehr oder weniger.„arische" Deputationen ins Haus, um sie zur Zeichnung namhafter Beträge für die„Volkshilfe" zu bewegen, wobei man, wie wir glauben, mit der Charakterlosigkeit der außerhalb der„Volksgemeinschaft" stehenden rechnet. Allem setzt aber die Perfidie, in der Art des Vorgehens beim Verschicken der Schnorrbricfe an jüdische Finanzgewaltige die Krone auf. Auf der Rückseite der Briefumschläge ist mit einer Stampiglie folgende A u f f o rd e- rung an de» Briefträger gedruckt. ‘ Nicht etwa in deutscher Sprache, sondern wie es Minister Dr. D e r e r über das Thema der Völkerverständigung. Ein-weiter Lichtpunkt in der Tätigkeit der RV ist die schöne Verbreitung der.Neuen Erziehung". Auch die Vorbereitung. der jetzigen Pädagogischen Woche erforderte viel Zeit und Mühe. Ein Referat über die kulturpolitische Lag« brachte Dozent Dr. Josef Fischer. Er ging den Ursachen der Entstehung de- Faschismus innerhalb und außerhalb der Grenzen unseres. Staates nach und hält, dagegen als Mittel Volksbildung, Planwirtschaft im sozialistischen- Sinn. Die meisten Fragen sind nur als Machtfragen zu betrachten, daher der Kampf um die Macht. Die technische Errungenschaften dürfen die Menschen nicht zu Herdentiere machen, denn dann sind sie für den Faschismus reif.. Hier hat die Volksbildung einzusetzen. Demokratie kann nur bestehen bleiben, wenn sie weiter ausgebaut wird. Auch wir müssen mit der Zeit gehen» müssen eine elastische Taktik haben.(Anhaltender Beifall.) In der Debatte sprachen H u d l, Dr. H e r tz k a, Rohm, Tauschet, Abg. Kirpal. Die Wahlen brachten die einstimmige Annahme der Vorschläge deS Wahlkomitees. Dem Einfluss des Dritten Reiche- entrissen. In dem hart an der Grenze liegenden WeigS- d o r f i. B. gab es bisher keine Schule, die Kinder von WeigSdorf, Priedlanz und Wüstung besuchten die Schule in Weigsdorf in S a ch s e n. Nun ist diesem Uebel abgeholfen worden, in WeigSdorf i. B. wurde vom Schulministerium ein Schulgebäude mit einem Kostenaufwand von über KL 400.000 hergestellt und am 1. April wurde die dreiklassige Volksschule eröffnet. Natürlich ein Emigrant... In Weist e n s u l z wurden der Gastwirt Stöhr und ein Reichsdeutscher wegen Falschmünzerei verhaftet. Bürgerliche Blätter versahen diese Meldung mit der Ueberschrift„Auch ein Emigrant ist dabei" und nannten als den einen Täter den „reichsöeutschen Emigranten Resch". Wieder ein Beispiel für die verlogene und skrupellose Emigrantenhetze, die ja nicht nur in Südböhmen betrieben wird. Der wegen Falschmünzerei mitverhaftete Reichsdeutsche-— er heißt übrigens nicht Resch, sondern Johann G r ö t s ch, mts Moosbach in Bayern stammend— ist kein Emigrant und war politisch überhaupt nie tätig. Er ist ein Gauner, der schon vor Jahren in Werden wegen Falschmünzerei und wegen vielfacher Betrügereien abgestraft wurde und übrigens auch in Eger schort eine Stt'afe wegen Betrugs erhielt.! Tragischer Tod eines Bergmannes. Am Maria-Äntonie-Schacht iin Gemeindegebiet Raud- ntg ereignete sich ein Unfall, der ein Menschenleben forderte. Der aus dem Schacht obertagS beschäftigte Arbeiter Alfred Brosche aus Karbitz geriet zwischen einen gemauerten Stützpfeiler einer Rampe und einen Waggon, wobei ihm der Brustkorb eingedrückt wurde. Brosche wurde auch am Kopf verletzt. Die Verletzungen waren derart schwer, daß Brosche kurze Zeit nach dem Unfall verschied. 60 SdP.Leute verhaftet. Zu unserem Bericht in der Samstagnummer ist nachzutragen, daß der Gendarm, der von einer Horde völkischer Erneuerer -überfallen wurde, weil er zwei Pascher angehalten hat, die sich weigerten, ihre Personaldaten anzugeben, Havliöek heißt. Der Vorfall hat sich am Mittwoch, den 28. März(nicht 2. März), zuge- tragen- sich für die Patentdeutschen versteht, in tschechischer, denn der Zweck heilt auch hier die Mittel. Also lesen wirs Pro listonofie! KdyÄ nedoruCitelny, odeslat zpßt odesilateli. Duvod nedoruCitelnostl proalme dole podtrh- nouti.— Uctivy dik! Zemfel— pttjmutl odmitnuto— nevyzdviieno adresa neüplnä— pfestShoval se kam?* Das heißt zu deutsch: An den Briefträger Wenn uitbeftellbar, zurück an den Absender. Den Grund der Ilabestelldarkeit bitten wir unten zu unter st reichen. Besten D-yk! Gestorben Annahme verweigert— nicht behoben— Adresse unvollständig— übersiedelt wohin? Ein raffiniert erklügeltes Spitzelsystem ist das, wozu man den Briefträger'mißbraucht! Die Henleins wünschen, daß die reichen Juden Prags ihrer„Volkshilfe" Geld geben. Wer den Schnorrbrief nicht annimmmt, soll mit Hilfe der Post vernä» d e r t werden. Die Kontrolle, die der„Bund der Deutschen" durch den Brifträgec durchführen läßt, ist eine Methode, die hier zu Lande nicht geduldet werden sollte, denn man versucht einen „moralischen^ Zwang aus den Empfänger der Schnorrbricfe auszuüben, der geradezu an Erpressung grenzt. Gestern Vizekanzler— heute Hochverräter Graz. Der ehemalig« österreichische Vizekanzler im Kabinett Dr. Seipel und führendes Mitglied deS Laudbundos, H. H a r t l r b. wurde am Montag auf seinem Gut in Neumarkt in Graz wegen Hochverrates verhaftet. Hartleb betelligtr ich in der letzten Zeit an der illegalen Arbeit der Nationalsozialisten, wobei er besonders an der Begründung neuer Organisationen Anteil nahm. Hartleb steht weittrS unter dem dristgenden Verdachte, grössere Geldbeträge von der nationalsozialistischen Partei empfangen zu haben. * Wien. Wie daS„Wiener Montagsblatt" berichtet, geriet der Wiener Konsumverein in ZahlungSschlvierigkeiten. Maßgebende Kreise sind bestrebt, diese ehemals hervorragende Konsumorganisation zu retten, doch haben die zuständigen Verhandlungen bisher noch zu keinem Resultat geführt. besinn der Wahlkampagne In Frankreich Paris. Der vergangene Sonntag stand in ganz Frankreich im Zeichen der Wahllampagne. Die Kaminerwahlen finden in drei Wochen, a>n 26. April statt. Das neue Gesetz hat die freie Plakatierung auf drei Wochen beschränkt. Tie sozialistische Partei hat bereits ihre Wahlproklamation erlassen. Es heißt, daß im ersten Wahlgang überall die Sozialisten selbständig kandidieren werden. Im zweiten Wahlgang werden sie dann für den Linkskandidaten in Ueber- einstimmung mit den in der Volksfront vereinigten Linksgruppen stimmen. Ein ähnliches Vorgehen haben die Kommunisten beschlossen. Beginnend mit der nächsten Woche werden die Vertreter aller politischen Parteien sukzessive i m Rundfunk sprechen. Die Regierung hat sich Vorbehalten, daß sie im geeigneten Augenblick ebenfalls eine Rundfunkkundgebung senden wird. Für die 615 Abgeordneten Mandate haben sich bisher im Ministerium des Innern 2730 Kandidaten gemeldet. Japanische Kriegsindustrie unter staatlicher Leitung Tokio. Blättermeldungen zufolge arbeitet das Kriegsministerium an einem Plan, demzufolge alle Industriezweige, die für den Fall eines Krieges von Bedeutung sind, allmählich unter staatliche Kontrolle gebracht werden sollen. DaS Blatt„Asahi" bemerkt hierzu, daß dieser Plan zunächst in der Flug«, Auwmobil- und Naphthaindustrie zur Geltung gebracht werden soll. Tas. Blatt„Lomjuri" erfährt, daß die Regierung eine Verordnung plant, derzufolge alle Petroleumgesellschaften in Japan Vorräte in der Höhe eines sechsmonatigen Absatzes werden qm Lager halten müssen. Diese Verordnung soll am 15. April in Kraft treten. Das Blatt bemerkt hiezu, daß die britischen und amerikanischen Petroleumgesellschaften entschlossen seien, lieber den japanischen Absatz auf« zugeben, als daß sie sich dieser Verordnung fügen würden, aus Furcht, daß die so entstandenen Reserven im Kriegsfall der japanischen Flott« anheimfallen würden. MoSka». In Ostsibirien sind in der letzten Zeit zahlreiche neue Städte"entstanden. In der fernen Taiga, wo 1V8Ü an den, Hängen deS Jablonoi- Gebirges. nur wilde Tiere und eingeborene Jäger anzutreffen waren, entsteht die neue Stadt Blü- cherowSk, die bereit- 5000 Einwohner zählt. Bukarest. Der HeereSetat für 1086/37 wurde »m 706 Millionen auf 5219 Millionen Lei erhöht. — In Kifchinew häufen sich in den letzten Wochen sie antisemitischen Ausschreitungen. Banden durchziehen die Sttaßen und greifen jüdische Passanten an. Madrid. General Ochoa, der seinerzeit den asturischen Aufstand niederwarf und nach den Wahlen verhaftet wurde, forderte, daß die Amnestie auch auf ihn angewandt würde. Dem Gesuch wurde mchr staltgegeben., Sofia. DaS bulgarische Olympiade-Komitee erhielt von Berlin durch Vermittlung deS Tabakkonsortiums 660.000 Lewas alS Unkostenbrihllfe. Deutschland kaust also die Olympiade-Teilnehmer Belgrad. Hier erscheint neuerdings eine deutsche Tageszeitung.DaS Belgrader Tageblatt" die für die Vertiefung der Beziehungen zwischen dem Reich und Jugoslawien einttitt. Das Blatt nennt die Serben die Preußen des Balkans. Grwerbeparteilicher Erfolg. Bei den am Sonntag stattgefundenen Wahlen in das Budweiser Handelsgremium erhielten nach einer Privatmeldung die Gewerbepartei 607 Sttmmen und 21 Mandate, gegen 12 Mandate früher. Die übrigen Parteien erhielten: Nationale Bereinigung 6(12), Nationalsozialisten 3(2), Deutsche 2(7), Volksparteiler 3(1), Sozial- tzemokraten 0(1). Delegierte der amerikanischen Freidenker in Prag. Zu dem internationalen Kongreß der Freidenker, der vom 8. bis 14. April in Prag stattfindet, sind Sonntag Angehörige de- amerikanischen Verbandes der Freidenker eingetroffen. 01« Pädagogische Woche der Reichsvereinigung deutscher sozialdemokratischer Lehrer SdV. Juden und tschechische Briefträger Erbärmliche Schnorrbrief-Methoden Seite 4 Dienstag. 7. April 1936 Nr. 83 NAesnemgLeiteir Amerikas Kulturschande Nicht der Fall Bruno Hauptmann als sol- cher ist von Wichtigkeit. Mer daß dies möglich war, und daß eS in diesen Formen hat geschehen können, wirft ein unerbittliches und grelles Licht auf die Tiefe, bis zu der die D e m o r a- l i s i e r u n g des Bewußtseins menschlicher Würde heute fortgeschritten ist. Es ist selbstverständlich, fern von Fleming- ton und Trenton, vollkommen unmöglich, ein Urteil Mer den Prozeß Bruno Hauptmann ab- zugeben. Selbst die besten Kenner der Akten haben sich bis zur letzten Stunde nicht eindeutig für oder wider die Schuld Bruno Haupt- manns aussprechen können. Und das ist das Entscheidende: wie belastend die Indizien auch gewesen sein mögen, die Möglichkeit eines Justizirrtums ist nicht ausgeschlossen worden. Und so steigt nach den Schrecken dieser Hinrichtung und all dem, was ihr vorangegangen ist, das Bild eines Justizmordes auf, begangen an der amerikanischen Justiz selbst. Schwer würde es sich rächen, wenn es doch eines Tages herauskäme, daß Bruno Hauptmann nicht der Schuldige oder nur der Mitschuldige gewesen ist. Diese grauenhafte„Sensation" würde die amerikanische Justiz nicht ohne verhängnisvolle Erschütterungen überleben. Und damit kommt man zum Kern der Sache: es ist nach der Hinrichtung Bruno Hauptmanns sehr unwahrscheinlich geworden, daß jemals Licht in diese Angelegenheit gebracht wird. Noch in den letzten Tagen hieß es, man sei einer neuen Spur nachgegangen, und es wäre nicht unmöglich, daß Bruno Hauptmann nur das unschuldige Opfer einer ungeheuren Verschwö- rung von Gangstern sei, deren Macht und Bezie- Hungen alles: Untersuchung, Prozeßführung, Urteilsfällung und Urteilsvollstreckung bestimmt hätten. Es ist aus anderen Vorgängen erwiesen, wie nahe zuweilen die Beziehungen zwischen Gangstern und Polizei sind. Was aber niemals mehr verborgen und vergessen werden wird, ist die u n m e n s ch l i ch e F o r m, in der diese Exekution vollstreckt worden ist. Ueber ein Jahr wartete Hauptmann auf seinen Tod. Die Intervalle in dieser entsetzlichen Melodie des Todes wurden immer kürzer: 90 Tage, 30 Tage, 48 Stunden, und zum Schluß noch wenige Minuten, während denen der Gou- verneur Hofsmann um das Leben Hauptmanns mit dem Staatsanwall Willentz rang— eine Dostojcwskische Szene, in der der Engel mll dem Großinquisitor kämpft. Freilich war der Gouverneur Hoffmann kein reiner Engel. Die politischen Hintergründe, die ihn zu diesem Kampfe veranlaßten, sind bekannt: wäre es ihm gelungen, in dieser sensationellen Form die Unschuld eines zum Tode Benrrteilten zu erweisen, seine Mitbürger hüllen es ihm mll einer Präsidentschafts-Kandidatur gedankt. Zum Schluß hat auch er die Nerven verloren: als nichts mehr zu tun war, ohrfeigte! Prager deutsche Sendling im nan Das literarische Programm unserer deutschen Abendsendung erhielt im vergangenen Monat Auftrieb und Ausgestaltung durch einige Hörspiele, die in der Durchführung und Leitung mrsprechend und imeressant waren. Go Gerhart Hauptmanns unvergängliches Werk„Hanneles Himmelfahrt" mit der starken Ausdruckskraft der Inge Waern als Hannele,.„Auferstehung" von Felix Salten mit Leopold und Pepi Kramer, ein nettes Hörspiel„Die Freiherrn von Gentern" mit Heinrich Fischer und Hans Fürth und die ausgezeichnete Wiedergabe von Frantisek Langers Lustspiel„Die Bekehrung des FerdyS Pistora" unter der"Leitung Viktor S o r d a n S. Weniger gelungen war das Hörspiel „D i e n a ck t e W a h r h e i t", ein Kriminalstück in Monologform, in dem der Sprecher auch gleich Antworten auf nicht zu hörende Fragen erteilt; das Verständnis des Zuhörers leidet darunter und nicht weniger die Spannung; die alte Form des Hörspiels ist unbedingt vorzuziehen. Es gab auch manches aus Theatern und über die Theater in der Provinz zu hören. So hatte man reine Freude an einer ausgezeichneten Nebertragung der„Verkauften Braut" mit Hilde Konetzni und Richard Tauber aus der Wiener StaatSoper über den Prager Sender. Nur unterließ man in der vorherigen deutschen Abendsendung, die Hörer besonders darauf aufmerksam zu machen. Aus dem Aussiger Stadttbea» ter hörte man leider nur den ersten Akt der Oper „Butterfly" in einer sauberen Aufführung, diz das hohe Niveau unserer Provinzbühnen beispiel* gebend erwies. Was aber der Gablonzer Theaterdirektor"über die Führung seines Tbeaters erzählte, konnte keinesfalls beftiedigen. Er mag ein ausgezeichneter Reklamechef sein, denn es! er ohne Grund einen seiner Untergebenen. Die Formen, in denen sich der Kampf abspieüe, könnten nicht besser symbolisiert werden. Wie die Dinge auch gelegen haben mögen: niemals hätte jene Tortur zugelasien werden dürfen, die immerhin ein Mensch, wenn auch vielleicht ein Mörder, in den letzten Monaten er- litten hat. Das ganze Ereignis fällt, so wie es sich abgefpiell hat, in die düsteren Bezirke der untersten Triebe der Menschhell» von denen man beschämt zu schweigen versucht wäre, wenn es in unserer erschütterten Gegenwart nicht so drin- gend geboten wäre, darüber so laut wie nur irgend möglich und allen vernehmbar zu sprechen. Tagung der Bank- und Sparkaffenbeamten. Am 4. und 5. April 1936 haben Beratungen der Verbandsleitung und des Zentralvorstandes des Verbandes der Bank- und Sparkassenbeamten stattgefunden. Aus den Berichten der Verbandsleitung ergibt sich, daß die Entwicklung des Verbandes durch Gewinnung neuer Mitglieder einen sehr befriedigenden Verlauf nimmt und daß der Verband besonders in den letzten zwei Jahren sehr viele Neuaufnahmen und Uebertritte von Mitgliedern aus anderen Orga- nisallonen zu verzeichnen hat. Nachdem der Zentralvorstand die Berichte über die Kaffagebarung des Verbandes zur Kenntnis genommen hat, genehmigte er einige diesbezügliche Anträge der Verbandsleitung und beschäftigte sich sodann mit den aktuellen WirtschastSfragen und sozialpolitischen Angelegenheiten. Der Zentralvorstand beschloß anläßlich der Beratungen über das Staats Verteidigungsgesetz dahin zu wirken, daß sich die eventuellen sozialpolitischen und arbeitsrechtlichen Konsequenzen dieses Gesetzes nicht einseitig zu Ilngunsten der Arbeitnehmer auswirken. Nach Besprechung der in der letzten Zeit durchgeführten Aktionen beschloß der Zentralvorstand die Richtlinien für die in den Banken zwecks Re gelung der Gehalte- und Pensionsnormalien bereits eingeleiteten Verhandlungen. Ferner wurde der Beschluß gefaßt, im Mai in Tcplitz-Schönau eine Tagung der im Verbände organisierten Sparkassenangestellten abzuhalten. Keine Mehlverteuerung. Auf Grund einer Staatsgarantie in der Höhe von 14.3 Mill. Xö wird das Getreidemonopol den Müllern bei der Getreideabnahme Erleichterungen im Rahmen dieser Garantie gewähren. Die Mühlen haben dafür die Verpflichtung auf sich genommen, die Mehlpreise unverändert zu belassen. Reue Fluglinie Prag—Dresden. Das Ac- beitsministerium hat die Bewilligung zur Führung einer.neuen Fluglinie von Dresden nach Rümänien über- Prag erteilt. Der Verkehr auf dieser neuen Flugstrecke soll noch im Laufe dieses Jahres ausgenommen werden, das genaue'Datum ist aber noch nicht festgesetzt. Flugzeug am Felsen zerschellt. Ein zweimotoriges Bombenflugzeug, besten Pilot sich im Sturm verirrt hatte, zerschellte an einer Felsenwand in den pennsylvanischen Bergen. Alle fünf Insassen fanden dabei den Tod. Blutrausch. Wie aus Nyregyhaza gemeldet wird, hat dort der Kutscher Josef Kozma seine Ehefrau mit einer Axt erschlagen, worauf er der Leiche beide Arme und beide Beine abhackte. Sodann suchte er die Großmutter seiner Frau auf, die er ebenfalls mit der gleichen Axt erschlug. Er gelang ihm durch seine Werbemethoden 1800 ständige Besucher zu gewinnen, aber was er als künstlerischer Leiter einer Provinzbühne darüber nicht verlauten ließ, war gleichfalls kennzeichnend. Eher befriedigte schon der Direktor deS 3^e plitzer Stadttheaters, der in der Auffassung seiner Aufgaben den künstlerischen Wert und die kulturelle Notwendigkeit des Theaters hervorhob und darnach mich erfolgreich zu Arbeiten scheint. In den Abschnitt der literarischen Sendungen soll noch daS Spiel Georg Mannheimers„M asaryk in Genf" wegen seiner vornehmen und inhaltsreichen Sprache angeführt sein, das ant Vorabend des 86. Geburtstages T. G. MasarykS gesendet wurde. Es behandelt die'Zeit, in der der einsame Professor in der Schweiz lebt«, ohne Nachrichten aus der Heimat, beseelt von seiner historischen Aufgabe und überzeugt von der Kraft seiner sittlichen Ideen, allein den Kampf für die Befreiung seines Volkes gegen viele Millionen von Soldaten zu führen. Bedauerlicherweise hat der Spielleiter Max Liebl für den vollkommen unzureichenden Sprecher deS Masärhk keinen anderen als sich selbst gefunden. Außerdem hat„fich noch die Sendeleitung, ein Stückchen geleistet, indem sie nach dem eindrucksvollen und ttef wirkenden Ablauf deS Spieles nichts anderes anzuknüpfen wußte als Messe-Nachrichten l In den musikalischen Sendungen hatte der Hörer das reine Vergnügen, endlich zwei Sängerinnen zu hören, die vor dem Mikrophon bestehen können: Fine R e i ch- D ö r i ch, die ihr schönes und großes Organ mit vollendeter Künstlerschatt einsetzt und mit wirklich erfühltem Ausdruck gestaltet; dann Frl. Grünwald, eine junge Sängerin mit starken gesanglichen Qualitäten, die man aus einem Konzert aus R u m b u r g kennen lernte. Hoffentlich sind beide öfter zu hören, um endlich die sonst verwendeten Sängerinnen abzulösen, Das Mikrophon ist für die SangeSkunst sehr gefährlich, es entblößt alle stimm- und gesangstechnischen Mängel und der Hörer kann sich dann nur so wehren, daß er den Apparat abschalret. Erwähnenswert ser noch j begab sich gleich hernach zu seinem»Schwiegervater, dem Vater der Ehefrau, und verletzt« chn mit der Axt lebensgefährlich. Nach den Mordtaten begab sich Kozma in den bei der Stadt Nyiregy- haza liegenden Wald, wo er sich an einem Baume erhängte. Die Liebe vom Zigrunerstamm... Der Zigeuner Desider Farkas aus der Mukaäevoer Zigeunerkolonie überfiel unweit der ungarischen Grenze in der Nähe der Gemeinde Szaloky im UZHoroder Bezirke die Zigeunerin Gisela Sugar, die aus der gleichen Kolonie wie Farkas stammt. Farkas band das Mädchen an einem Baume fest an, schor ihm den Kopf kahl, biß ihm hierauf die Nase ab und raubte ihm zehn Pengö. Der Zigeuner verübt« die Tat wahrscheinlich aus Eifersucht, da die Sugar den Zigeuner Virago geheiratet hatte. Der Zigeuner Farkas floh sodann in Richttmg auf Mukaäevo. Die Gendarmerie ist ihm auf der Spur. Der Erfinder des Pyramidons, Dr. Friedrich Stolz, ist in Frankfurt am Main gestorben. Di« Bevölkerungszahl Polens betrug am 1. Jänner 1936 33,823.000 Personen, d. i. um 405.000 mehr als am 1. Jänner 1935. Italienischer Bomber ins Tyrrhenische Meer gestürzt. Nördlich von Neapel im Tyrrhenischen Meer ist ein llalienisches Bombenflugzeug abgestürzt. Die fünf Mann starke Besatzung kam dabei ums Leben. Wikingerblut? In B e r l i n wurde Samstag abends in der Paffauerstraße, wenige Schritte von der sehr belebten und bekannten Tauentzienstraße entfernt, ein verwegenes Gangsterftückchen verübt. Vor dem Geschäfte eines Juweliers in der Paffauerstraße hielt ein Personenkraftwagen an, aus welchem ein junger eleganter Mann heraussprang, der im Nu die große Scheibe deS Geschäftes eingeschlagen hatte und in unglaublich kurzer Zeit aus der Auslage Goldwaren im Werte von mehr als 8000 RM raubte. Obwohl sich die Paffanten dem Räuber in den Weg stellten und ihn an der Flucht hindern wollten, gelang es ihm dennoch, da er mehrere Revolverschüsse gegen die Paffanten auf dem Gehsteig abgab» in der entstandenen Panik ins Auto zu enttommen, das ihn in wilder Fahrt in Sicherheit brachte. Von den Fußgängern wurde glücklicherweise niemand getötet oder verwundet. Orkan über Tupelo. Das ganze Westviertel der-Stadt T u p e l o im Staate Miffffsippi ist durch einen Orkan zerstört worden, Auch in den Staaten Alabama,. Tennessee und Mississippi richtete der Orkan schwer« Verwüstungen an. Bisher beträgt die Zahl der Toten 40, die der Verwundeten mehrere Hundert. Die Stadt Tupelo ist von der Außenwelt völlig abgeschlossen. In aller Eile hat man Rote Kreuzzüge zur ersten Hilfeleistung entsandt. Der Sachschaden ist ungeheuer. Dem Orkan folgten an verschiedenen Orten Explosionen und Großfeuer. Die Rettungsmannschaften befreien bei Fackelschein die Opfer aus den Trümmern, die die elektrischen Leitungen unterbrochen sind und die ganze Stadt in Dunkelhell liegt. Die Rettungsarbeiten werden auch durch heftige Regengüsse erschwert, der aber gleichzeitig zum'Glück den Ausbruch von Feuersbrünsten verhinderte. Kommt ein Bogerl geflogen. Zwischen den Ortschaften Stauding und Botenwald landete Sonntag nachmittags ein reichsdeutscher Sportballon mit zwei Mann Besatzung an Bord. Der die Brünner Aufführung der hunderr Jahre alten komischen Oper„Im Brunnen" von Blodek, eines melodienreichen, entzückenden Werks, das aus dem Born tschechischer Volksmusik schöpfte. Die einfübrenden Worte trugen gewiß zum Verständnis der Aufführung bei, dagegen nicht die rücksichtslose Abbrechung der Sendung, der dann einige Minuten später, zut Zeitausfullnng,' eine nichtssagende Schallplatte folgte. Eine Nebertragung aus Karlsbad, die den Hörer mit dem begabten, jungen Komponisten Hans Feiertag und seinem Werk, einer ausgezeichnet wiedergegebenen Kantate, bekannt machte, sei noch anerkennend genannt. Oester kam auch derMissenschaftler zu Worte und die Ausführungen Dr. R e d i s ch's über die B a s e d o w' s ch e K r a n k h e i t, Prof. Wenckebachs- über Herzkrankheiten waren populär und wesentlich für den Zuhörer. Prof. Franks Vortrag über neue Bestrebungen für die Einheit der.Wissenschaften war ein Bekenntnis zum klaren Denken, ein Aufruf gegen den mystischen Anhang, der die Wissenschaft verdunkelt. Das wirtschaft! icheRelief Dr. Alfred Albrechts war ausführlich, gradlinig und kennzeichnete objektiv di« augenblickliche wirtschaftliche Lag«. Die großen, auf'alle Kreise der Bevölkerung ttekwirkenden polittschen Ereignisse des vergangenen Monats kamen in den Sendungen für den d e u t- schenArbeßterzur Geltung. So war der ausgezeichnete Vortrag über die Wahlen in Spanien ein interessanter Auftakt zu dem nachfolgenden instruktiven und klar verständlichen Rekerat des Genossen T e j e s s y aus Aussig, der über die Mächte im Mitte l m e e r sprach und alle polittschen und wirtschaftlichen Zusammenhänge, soweit sie in der augenblicklichen polittschen Situation zu erkennen waren, darlegte. Die aktuellen zehn Minuten waren mit den Berichten über die überaus ernste Lage ausgefüllt, in der die friedliebende Welt durch die plötzliche Besetzung der de- j I Ballon verfehlte im Nebel den Weg und mußte dann wegen Gasmangels eine Notlandung vornehmen. Am Landungsort erschien die GendarmrriefnKn- dungSstatkvn auS Neutiffchein. Tie zuständige Ün- terfuchung wurde eingeleitet. Brennendes Schiff. Der norwegische Dmnpfcr ^Tricolar" der sich auf der Fahrt von San Francisko nach Aoköhama befindet, steht in Flammen und sandte SOS-Rufe aus. Der britische Zisternendampfer„Iarraville" eilte dem brennenden Schiff zu Hilfe und nahm seine Passagiere an Bord. Die Besatzung des„Tricolor" verblieb an Bord des brennenden Schiffes, um den Brand zu bekämpfen, was ihr auch allmählich gelang. Ter 100jährige Todestag des Schöpfers der „Marseillaise". Am 26. Juni jährt sich zum hun- derfften Mal der Tag, an dem in einer Mansarde in Choisy-le-Roi der Schöpfer der„Marseillaise", Rouget de Lisle, im Alter von 76 Jahren verstorben ist. Er war es, der in der Nacht vom 24. bis 25. April 1792 im Salon des Bürgermeisters Dietrich von Straßburg zum erstenmal das von ihm kom- pouierte Lied am Clavecin sang, das in wenigen Tagen in ganz Frankreich bekannt wurde und bis heute die französische Nationalhymne ist. Rouget d« Lisle hat ein bewegtes Leben hinter sich gehabt. Während der Zeit des Terrors ist er mit knapper Not der Guillotine entgangen, war aber schon 1796 Bataillonschef und wurde dann Botschafter. Das Kaiserreich brachte ihn unr alle seine Aemter, und erst Louis Philippe machte ihn zum Ritter der Ehrenlegion und setzte ihm für die Schöpfung der Nationalhymne eine jährliche Rente von 1500 Francs aus. Sein Todestag soll in der Weise gefeiert werden, daß sämtliche Musikkapellen der französischen Armee an diesem Tag« zu gleicher Stund« auf öffentlichen Plätzen der französischen Städte die „Marseillaise" spielen. Schlechte- Osterwetter? Der Luftdruck sinkt stark unter dem Einfluß einer ttefen Störung, welche Skandinavien in südöstlicher Richtung durchwandert. Hinter dieser Störung dringt von Grönland eine nue Kältewelle vor, welche in Begleitung vorübergehender Schauer bald auch unsere Gegenden erreichen dürfte. Der allgemeine kühle Witterungscharakter dürfte daher noch anhalten. Wahrscheinliches Wetter Dienstag: Zunächst strichweise noch ziemlich heiter und verschiedentlich leichter Rachffrost, im allgemeinen jedoch wieder Ilebergang zu unbeständigem Wetter. Bei auffrischendem Wind aus nordwestlichen Richtungen zunehmende Bewölkung. Wetteraussichten für Mittwoch: Veränderlich und windig, strichweise Schauer, wieder kälter, auf den Bergen Frost. Vom Rundfunk empfehlenswerte! aus«len Programmen! Mittwoch: Prag, Sender Lr 6.15:- Gymnastik, 10.05: Deuffche Presse, 12.10: Operngesänge auf Schallplatten, 13.40: Deuffcher Arbettsmarkt, 16.10: AuS der Oper„Der Barbier von Sevilla", 16.55: Theater für die Jugend, 18.10: Deuffche Sendung: Dr- Moucha: Neue Bücher, Arbeiterfunk: Josef Bunzl; Victor Hugo und der Parlamentarismus, 18.40: S o z i a l i n f o r m a t i o n e n, 18.45: Deuffche Presse, 22.15: Tanzmusik.— Sender S: 14.15: Deutsche Sendung: Kinderstunde, 14.40: Schallplatten, 18: Tanzmusik.— Brünn 13.30: Arbeitsmarkt und Sozialinformationen, 17.40: Deuffche Sendung: Madonna auS Holz geschnitzt, Rundfunkspiel, 19.55: Rundfunkorchesterkonzert.— Preßbnrg 12.35: Mit« tagskönzert, 22.30: Tanzmusik.— Kascha« 15: Rundfunkorchesterkonzert.— Mährisch'Ostrau 18: Groteskes Jazzquartett. militarisierten Rheinlandzone mit deuffchem Militär versetzt wurde. Aller Ernst, der unserer Ehrlichkeit innttvohnt, sprach aus den Berichterstattern, die mit aller Klarheit ein offenes Wort zu diesen Zeitereignissen von höchster Bedeutung für Frieden und Fortschritt, für Demokratie und kulturellen Aufstieg sprachen. Genossen Prof. Mühlbergers Ausführungen zur sozialen Erziehung trafen vor allem das Ohr des Lehrers. Mutige Gedanken zeigte er zu diesem Thema auf und auch prakttsche Vorschläge, für die es ibm vielleicht gelang, unter den Arbeiterhörern Freunde zu finden, die ihn gerne 'untersttitzen werden. Die Kulturarbeit der Gewerkschaften erläuterte in überzeugender Weise Genosse Wilhelm Weigel aus Reichenberg. Auch der Vorttgg Dr. KleinS aus Teplih über die Notwendigkeit der Aufrechterhaltung des Mieterschutzes war von nachhal- ttger Wirkung. Dann sei noch der sozialen Informationen gedacht, in denen die erfolgreiche Arbeit unseres Genossen Dr. C z e ch als Ge- sundheitsminffter gewürdigt wurde, und zwar die Verbesserungen in der Fürsorge für den.Kriegsinvaliden und die große Tat der Erholungsfürsorge für tausende Kinder von Arbeitslosen. WaS aber wurde dem Landwirt geboten? Er hört« in seiner Sendung nichts anderes als: Die richtige Behandlung des Stallmistes, ein Rundgang durch die Ställe, das Viehmonopol, das Kartoffelmonopol, die Qualität der landwirtschaftlichen Produkte usw. Dann darf man sich aber nicht wundern, wenn in einem Zwiegespräch anläßlich des Tages des Buches für dieses bei dem Bauer mtt Argumenten geworben werden mußte, die wir einem deuffchen Arbeiter, der durch unsere Schule gegangen ist, nicht vor fünfundzwanzig Jahren hätten vorsetzen dürfen; er hätte uns schon damals aus- gelacht, wären wir ihm mit solchen Binsenwahrheiten über den Wert des guten Buches gekommen, wie man sie noch im Jahre 1936 dem deuffchen Bauer vorzuschen für notwendig erachtete. Richard B ä u m l. Nr. 83 Dienstage 7. April 1936 Seit« 5 Luter Kaffee verlangt in der Zubereitung ein bifichen Liebe und Sorgfalt Es genügt nicht, daS Sie den Meinl- Kaffee in der Filiale ganz frisch bekommen; er muß auch frisch vor der Zubereitung gemahlen werden. Julius Meinl Neugründung der jugoslawischen Sozialdemokratie Eine vorbereitende Konferenz in Belgrad Am 22. März würbe in Belgrad ein« Konferenz verschiedener Arbeiterorganisationen ad- gehalten, ans der di« endgültige Fassung des Partriprogrammes beschlossen wurde. Der vorbereitende Au-schuß wurde zur Anmeldung der neuen Partei ermächtigt, die den Namen„S o- zialistischer Bund des arbeitenden BolkeS" führen wird. I Auf der Konferenz sprach Topalobii über die Grundideen des neuen Parteiprogramms. ES müsse die Umwandlung des Staates in eine Volks-Arbeitsgemeinschaft angestrebt werden, die verpflichtet ist, jedem Mitglied Existenz und Beschäftigung zu sichern. Diese Umwandlung des bürokratischen Staates könne sich nur beim Vorhandensein staatsbürgerlicher Freiheit und Gleichheit vollziehen. Der Kampf ums Brot müsse gepaart werden mit dem Kampfe um die Freiheit. Eine Besserung der Wirtschaftslage sei lediglich durch eine Hebung der Kaustrast zu erreichen. Demokratie bedeute auch nationale Freiheit und Gleichheit aller Volksgruppen und ihre Teilnahme am Staatsleben. Die Klaffenscheidung, deren Vorhandensein auch von Anhängern der kapitalistischen Wirtschaftsordnung nicht bestritten wepden könne, führe zwangsweise zum Klaffenkampf. Dieser müsse geführt, er könne aber organisiert und kultiviert werden; er solle sich im Rahmen des Staates und durch seine Vermittlung vollziehen. Die Freiheit der Organisation sei eine Voraussetzung für den erfolgreichen Kampf der Arbeiterklasse und ihre Mitwirkung am Staats- ' leben. Die Neubildung der Partei wurde von Topaloviö mit dem folgenden Hinweis auf die politischen Zustände im heutigen Jugoslawien begründet: Nur Wir Sozialisten sind immer dafür eingetreten, dass es dringend notloendig ist, politische Parteien wieder ins Leben zu rufen, um aus den chaotischen Zuständen herauszukommen und der Charakterlosigkeit zu begegnen, die im öffentlichen Leben platzgreist. Diese Erfahrung haben alle Parteien gemacht. Da es aber vollkommen ungewiß ist, wann das neue Vereinsgesetz heraus- komnit, ist man eben gezwungen, die Partei nach dem bestehenden Gesetz anzumelden. Wir nehmen es mit Befriedigung zur Kenntnis, daß auch die Leitung der früheren Demokratische^ Partei diese Ansicht teilt. Unsere Propaganda hat also Erfolg gehabt und wir sind jetzt in der Lage, die Anmeldung der Partei vorzunehmen. Davon werden wir die Oeffentlichkcit noch in Kenntnis setzen.— Das Programm unserer Partei wird nur die grundlegenden Probleme der Gegenwart umfassen. Mit großen Zukunftspränen wird man sich erst später befassen können, bis eine Normalisierung der Zustände eintritt und das parteipolitische Leben an Festigkeit gewinnt. Ribbentrop und Hitler. Die letzte deutsche Denks ch'r i f t, deren Entwirrt"in der Wil- helmstratze fertiggestellt wurde, soll von Hitler im letzten Augenblick umgeändert worden sein. Von Ribbentrop soll auf der Reise nach England-in dem rheinischen Städtchen Godesberg(bei Bonn) Elation gemacht haben und dort mit Hitler zusammengetroffen sein. Tort hat die Denkschrift nach mehrstündiger Arbeit der beiden ihre endgültige Form erhalten. Die Denkschrift ist während der Weiterreise durch die Uebersetzer der deutschen Delegation übersetzt worden, so daß Ribbentrop sie bei dem ersten Besuch bei Eden in englischer Sprache Vorträgen konnte, Trager Leitung Forsythienblüte * Seit Tagen schon stand es zu erwarten. ES war, als ob die schwanken Zwelge schwungvoller sich neigten. Doch daS kam nur daher, daß an ihnen locker aufgereiht die Blutenknospen blaßgelb aufschimmerten und den Schwung der Zweige sichtbar machten. Slillstehende Schwärme Heller Funken schienen es nachts in den von Laternenlicht durchstreiften Anlagen zu sein. Und von Tag zu Tag und zuletzt von Stunde zu Stunde wurden die Schwärme dichter, sprühender. Und nun stehen die Sträucher in voller Blüte, leuchten» schwefelgelb auf grünem Rasengrund. Verflochten zu lockeren. Lauben, von Sonnenlicht durchsprengt neigen sich die Zweige in Biegungen und Rundungen einander zu, Iverfen ihren Schwung in lässiger Grazie weit hinaus in die blasse Luft. Es ist der erste klare Far- benklaug im Freien, die erste Blütenfreude lange vor dem Weißen Aufschäumen der Kirschblüte. China ist die Heimat dieses Strauches mit dem wohlklingenden Namen, der einem Mädchen aus einem Liebesmärchen anzugehöxen scheint: Forsy- thia. Seit einem Jahrhundert etwa schmückt die Forsykhia die Anlagen und Gärten europäischer Städte,, die ihr strahlendes Gelb durchhallt wie ein Frühlingsfignal blitzender Trompeten. Man brauchte um ihre Herkunft gar nicht zu wissen, um doch zu erraten, daß sie nur in ostastatischen Bereichen heimisch sein kann, so»japanisch" wirkt sie in ihrer dekorativen Grazie, die wie geschaffen scheint,'mn als Lackmalerei in Gold auf spiegelndem Schwarz, als locker ausgebreitete Stik- ktrei auf seidenen Gewändern, als LerS in einem chinesischen Liebesgedicht vielfältig wiederzukehren gleich den Chrysanthemen des Herbstes., Amselgesang und die schmetternden FrühlingS- schlager der Buchftnken umklingen die blühenden' Forsythie» in unseren Aulaaen.._Luf umhegten Plätzen spielen die Kinder schon im Freien und auf den Bänken genießen die alten Leute die Wohltat der ersten sonnigen Stunden, bis sie die Kühle vertreibt, die aus der feuchten Erde aufsteigt. Es ist noch gar nicht so weit, aber noch an trüben Tagen meint man die Sonne zu spüren, wenn man dem leuchtenden Scheine blühender Forsythlest begegnet In ihrer Anmut strahlen sie die Botschaft in den Tag: Doch— eS wird! Das Blühen hat begonnen l Schulfeier. Sonntag, den 5. April, fand im Hause der Kotva in Prag die Feier des fünfundsiebzigjährigen Bestandes der Altstädter Deutschen Volks- und Bürgerschule statt. Die Feier wurLe vom Vorsitzenden des Ortsschulausschusses, Herrn Architekten Kopetzky, eröffnet, toorauf außerordentlich gelungene Schülerdarbietungen folgten, die von den erschienenen Gästen, unter denen sich verschiedene Funktionäre der Schulverwaltung befanden^ mit großem Äntereffe-ausgenommen wurden.. Für die deutscheii"Dszialdtmvkra- ten war Stadtvertreter Dr. S ch w c l b anwesend. Gin« Fübi'ahrsblumcnichail findet gegenwärtig im Pavillon Myflbeck am Graben statt. Die Räume find in blühende Gärten verwandelt worden. Ein glühendes Azaleenbeet, ein schwellende» Kiffen roter Blüten nimmt den Mittelraum«in, vor dessen Wänden ein üppiger Urwald wuchert, einzTickicht aus vielerlei exotischen Wintergartenpflanzen, in deren Gewirr fleischrote Anthurien und bmte Orchideen blüben, anzusehen wie bizarr« Schmetterlinge, wie seltsame Spinnentiere und manche wie große, zu phantastischer Schönheit gesteigerte. Stiefmütterchen. Eine fleischfressende Repenthe«, deren Btäner sich zu sonderbaren Kannen umgeformtchaben,..erregt besonderes Interesse. In jedem der vier Nebenräume kommt ein anderes Gebiet der Blumen- und Gar» tenfteude zur Geltung. Ein HauSgetrten mit weißer Lculbe prangt im Flor erlesener Rosen. Magnolien' Schneeball, Clematis, Glycinien, Hortensien, AM» ben und die bunten Cinnerarien nehmen schon den SomMerflor vorweg. Ein anderer Aaum zeigt am Beispiel eines japanischen SchmuckgärtchenS Mit allerlei Zwerggehölzen und einem Steingarten, wie noch die kleinste Garteneck« in eine wahre Schatzkammer der Gartenfreude verwandelt werden kann. Fm dritten Raume, geschmückt mit Gloxinien, Alpenveilchen, Amaryllen, Kakteen erhält- der Beschauer Anregungen für Zimmerblumenschmuck, Fenster- und Balkonbepflanzung. Und endlich im letzten Nebenraum, von dem sich die Besucher am schwersten trennen können, steht man vor einem holländischen Blumenfeld von Tulpen. Narzissen. Hyazinthen, Scilla und Crocüs, das sich wie em farbenprächtiger Teppich vor einer über und über blühenden Rhododendrongruppe ausbreitet. Unter den Hyanzinthen fallen einige schöne Neuzüchtungen besonders auf: die zart porzellanblau Myosotis, die Lord Balfour in einem eigenartigen Lilarosa und die tiefdunkelviolett leuchtende Indigo Queen. Auch die sehr großblumige Narzisse Golden Queen verdient Beachtung. Mit der Blumenschau, die bis 18. April dauert und sich eines sehr lebhaften Besuches erfreut, ist ein Wettbewerb für Fenster- und Bal- konblumenschmuck verbunden. Eine Woche der Osterfreude in der Hohe« Tatra für 485 Kc. Der Vergnügungs-Sonderschnellzug zu einer Osterwoche in der Hohen Tatra vom 7. bis 14. April ist gesichert. Im Preise sind das Fahrgeld, Unterkunft und Verpflegung mit allen Gebühren, daS Programm, die Führertaxen, die Versicherung und die Auwbusfahrt vom Bahnhof zum Hotel inbegriffen. Unterkunft in den erstklassigen staatlichen Hotels in Tatranflä Lomnica. Fünf-Uhr- Tees und Tai^Unterhaltungen. Abfahrt am Diens-. tag um 9 Uhr abends vom Wilsonbahnhof. Anmeldungen auf die restlichen Plätze werden noch im Basar neben dem Wilsonbahnhof, Telephon 383-35. entgegengenommen. Hencktssaak Lin„Detektiv" sucht Falschgeld Prag,^ine originelle Methode leichten Geldverdienstes hat sich der 21jährige.ehemalige Duch- -bindergehilfe Josef Safakrk zugelegt. Er pflegte j alleinstehende vermögende Frauen auszubaldowern. , von denen er wußte, daß sie zu, Hause Geld liegen \ hatten. Bei diesen Frauen erschien das Bürschchen, i drehte flüchtig den Rockaufschlag um und erklärte. ! er sei P oli z eiinsp ekto r und.komme, eine Haussuchung zu halten. Der Polizeidirektion sei nämlich die Anzeige zugegangen, daß die betreffende Dame fälscheSGekd aufbewäbrei Er bedauere, aber er müsse einmal Nachschau halten.' , Die entrüsteten Damen verfehlten natürlich nicht, auS ihren Kommodenfächern ihre Geldvorräte herauszuzie.hen, um dem„Herrn Inspektor," seinen Irrtum'nach'»Weesen. Der. vermeintliche Detektiv betrachtete die vorgetegtcn Tausender und Fjtnfbunder- ter kritisch gegen das Licht.,besichtigt« sie hierauf mit der'Lupe und'schüttelte Völl^amtlicher Mißbilligung den Kopf. Zum Schluß klärte er stets einige der Banknoten als höchst verdächtig und.konfiszierte" sie. Natürlich stellte er eine ordentliche Empfangsbestätigung über ben.beschlagnahmten" Betrag aus und entfernte sich unter düsteren Andeutungen eines ^bebövstebendeii Stratverfahkens. wobei- er- der» v»r- schüMstlen Uräustt kN Harschem Ton' auftrug, sich der Behörde zur Verfügung zu halten. - Kein schlechtes Geschäft, wenn man bedenkt, daß ex auf diese Weise einer Frau 1020 flö. einer andern 1019 flö„konfiszierte".' ohne da*» sich die Betroffenen getrauten, sich nach der Legitimation des .Herrn Fujpeklors",,»u erkundigen. Es darf freilich nicht Verschwiegen werden, daß daS starke-Geschlecht dem Schwindler nicht weniger bereitwillig auf den Leim kroch. Bei einem gennffen Gewerbetreibenden ^beschlagnahmst!" der treffliche.Detektiv" 600 K£ undcherstmg sich diesem sogar dazu, detk-entsehten Besitzer de» angebliches Falschgeldes für verhaftet zu erklären. Der„Ansoektor" war indessen menschlich genug, den Beanständeten„vorläufig auf freiem Fuß zu belassen", als dieser 590 Kc.Kaution" erlegt«. worüber, der Gauner natürlich.gleichfalls eine Bestätigung ausstellte, um sich sodann höchbefriedigk zu entfernen.\ Als der erste Schrecken verfloaen war. stellte sich der Gebrandschatzte im- Gefühl seiner Unschuld beim zuständigen- Kommissariat ein. um der Sache auf den Grund zu gehen. Hier erfuhr er, daß er einem Schwindler mifgesessen sei und nun begaben sich die wirklichen Detektivs auf die Suche nach dem falschen Kollegen, der dann auch binnen kurzem dingfest gemacht wurde.. Vor dem Straflsenat Pernt spielte Safasst keine gute Rolle. Da er sich bei seinen Betrügereien fälschlicherweise den Charakter- einer Amtsperson angemaßt hatte, wurde er zu einem Jähr schwerenund verschärft«n Kerkers ver- Ein Rezept für ein gutes Osterbroti % kg Mehl, 10 dkg Zucker, 10 dkg SANA, 3 Dotter. Zitronenschale, Salz, 3 dkg Hefe, 1 bittere Mandel, Vs Liter Milch. Die Hefe wird in der lauen Milch auf* gelöst und mit den anderen Zutaten vermengt. Es wird ein glatter Teig gemacht, ein Laib daraus geformt und nach dem Aufgehen goldgelb gebacken. urteilt. Bei der Verhandlung stellte sich heraus, daß der„Detektiv" bei den„Haussuchungen" auch allerhand Wertsachen hatte nebenbei mitgehen lassen. rb. kür Diebstahl— Todesstrafe? Um die Ausweisung eines Emigranten Prag. Der Prozeß, über den wir hier berichten, hat sich nicht gestern abgespielt. Wir verschweigen den Namen des Angeklagten, wir verschweigen auch den verhandelnden Senat. Wir verzeichnen’ bloß die tragische Szene, die der Urteilsverkündigung folgte. Angeklagt war ein jüdischer Emigrant, einer der Allerelendesten aus der großen Armee des Elends, die nach Einbruch des HitlerregimeS die Grenzen dxr Nachbarländer überschritt. Ein armer Teufel, der nirgends die Möglichkeit eines, wenn auch noch so bescheidenenLebensunterhalteS sah. Ausgehungert, verelendet und demoralisiert beging die-- set Mensch lein« schwere- Straftat- Er plünderte,,,,, 'eines TageS die: Wohnung seiner Ouartierfrau und ging mit einer Beute davon, deren Wert auf 2190 Kö geschätzt wird. Natürlich wurde er bald eingefangen. Das armselige, zermürbte Menschenwrack war .geständig und krümmte sich vor Scham auf der Anklagebank. Seine Verteidigung beschränkte sich auf die immer wieder gemurmelten Worte:„Hunger" —.Not"—.Elend"—. Das Gericht fällte ein mildes Urteil: Drei Monate Kerker. Dann aber kam der furchtbare Nachsatz: Nach Verbüßung soll der Angeklagte in seine- .Heimat" abgeschoben werden Als der Vorsitzende dem Angeflagten diesen 'PassuS des Urteilsspruches übersetzte) folgte eine -herzzerreißende Szene. Der Verurteilte beschwor . das Gericht auf den Knien, ihn lieber auf der Stelle umbringen zu lassen, als ihn in das Dritte Reich' auszuliefern. Denn das bedeute für ihn ein Todes»- urteil'— die Verurteilung zu einem unsagbar. gräßlichen Tod. Denn dieser Mann wird aus .politischen Gründen" von der-Gestapo gesucht., Der Vorsitzende, sichtlich beeindruckt von der maßlosen Verzweiflung des Angeklagten, bedeutete ihm, es stehe ihm frei, gegen daS Ausweisungserkenntnis Berufung einzubringen. Der Verurteilte meldete hierauf— unter Annahme der verdienten Freiheitsstrafe—- dieses Rechtsmittel an, über das nun das O berge r i ch t zu entscheiden haben wird. rb. Troppauer Theater briet Noch einen Monat und das Stadttheater acht in die Sommerferien, die bis zum 1. Oktober dauern. Die Finanzen stehen schlecht; die Stadwerwaltung mußte der Direktion Dr. Terramare entgegenkommen, um einen Wechsel in der Leitung der Bühne zu vermeiden. Die Stadt übernimmt für die kommende Spielzeit auch die Bezahlung des Bühnenpersonal? Ein anderer Vorschlag, die Oper vom Sviel- plan abzusetzen, fand erfreulicherweise keine Billigung. Es geht wie bisher weiter. Die Direktion wird im flotten Unterhaltungstempo für muntere Ab» Wechslung sorgen, nur durch ernste Opernaufführungen und drei oder vier Schauspiele etwas gestört. - Die Einhaltung des Achtstundentages dürfte der Direktion Dr. Terramare Mühe machen..Von Anfang Dezember bis Ende Viärz sind über dje Trop- pauer Bühne gegangen: acht Opern, acht Operetten und elf Sprechstücke, im ganzen 27 Aufführungen. Dazu müssen die neun Aufführungen während der zwei Monate vorher addiert werden. Es ist hier wie im Handel: die Masse muß es bringen. Auf keinen Fall hält aber das Troppauer Theqter den Rekord in der Republik und wir find ihm nicht böse darüber. Bon den Uraufführungen soll zuerst„Reiterpatrouille" von Langer nenannt werden, das bis dahin nur tschechisch zur Aufführung, kam. Schauspiel, und Darbietung befriedigten. Zur Welturaufführung gelangt««in Schauspiel von Dubsky„Johanna, die Wahnsinnige". Ter Autor ist ein Reffe der Dichterin Ebner-Eschenbach. Das Stück spielt im finsteren Mittelalter, da Inquisition, Gift und Dolch für Ordnung im Staate sorgten. Bitte keine Vergleiche mit der Jetztzeit. Johanna, die Königin von Kastilien, wird durch ihren Gatten zum Wahnsinn getrieben. Die grausige Geschichte kam durch eins logisch streng durchgeführte Handlung mit dichterischem Schwung zum tragischen Abschluß und fand beifällige Aufnahme. Eine dritte Uraufführung für die Tschechoslowakische Republik war eine von Alkohol durchduftete, lässig fein sollende Angelegenheit, die sich Kontuschovka nennt und Axel Nielsen zum Verfasser hat. Klatsch kam uns die Direktion zweimal. Zuerst„Othello" mit einer Fehlbesetzung der DeSdemona und einem unzulängl.chen Jago und später„Agnes Bernauer" von Hebbel. Dazwischen in bunter Reihenfolge Hauptmanns„Biberpelz", MolnarS„Große Liebe".„Dse luftige Wallfahrt",„Morgen ist Feiertag".„Die Dame mit den Türkisen",„Geburtstag". Die Dar- ftellung war kneift zu loben. Zu den nicht bekannten Stücken ift auch nichts zu sagen. Bei dem Mangel an zugkrä»''"ey und melodischen Operetten ift es der Direktton nur zu danken, daß sie die guten alten Sachen wieder belebte. Oskar Strauß mit„Walzcrparadies", Kälmän mit„Zi- geunerprimas", Suppt mit„Boccaccio". Lehär mit „Die blaue Mazur" und Eysler mit.Der lachende Ehemann" kamen zu Gehör. Den größten Publika- tionserfolg hatte eine Revue„Troppau lacht wieder", von Direktor Swß ersonnen, Kapellmeister Emanuel hatte die Musst zusammengestellt, wie es in der Anzeige hiesp Aber auch„Der gütige Antonius" von Benes gefiel und zuletzt überraschte in einer Pressevorstellung Czajanek, ein sudetendeutscher Kom» panift, mit„Seine Hoheit, der Lakai" durch klingende. singende Melodien. Durch eine Reihe von Aufführungen an reichsdeutschen Bühnen wurde Rudolf Wagner-Regenys Oper„Der Günstling" besannt. Dr. Tarramare sicherte sich die deutsche Aufführung für die Tschecho- flowakische Republik, nachdem die Oper vorher schon das tschechische Landestheater in Brünn passiert halte. In Deutschland soll das Publikum sehr begeistert gewesen fein, hier weniger. Der wohlwollende Beurteiler glaubte manches manchmal schon besser gehört zu haben. Die Kinderoper„Hänsel und Gretel" von Humperdinck fand vor Weihnachten dank seiner guten Aufnahme sehr freundliche Aufnahme. Bei einer Festvorstellung wurde zum erstenmal in der Republik .der ,,Corregidor" von Hugo Wolf herausgebracht. Die Oper ift eine Liodfolge, eine schöne jtzvar, aber kein Musikwerk von opernhaster Prägung. Sonst bekam Troppau noch zu hören„Die verkaufte Braut",„Die toten Augen",„Falstaff",„Tosca" und„Andre Chenier". Wagners„Tristan uiw Isolde" mit zwei Gästen ist für AprU angezeigt. An Troppau herrscht Abschiedsstimmung. Das Rätselraten wer bleibt und wer geht, beschäftigt viele Theaterfteunde. Da uns die Direktton Dr. Terramare erhalten bleibt, besteht die Hoffnung, daß die kommende Spielzeit die nun bald beendete in jeder Hinsicht übertreffen wird.■=’ Seite 6 „Sozialdemokrat" »Irnsing, 7. April 1936. Nr. 83 Schieben Sie den Ostereinkauf von Schuhen und Strümpfen nicht auf! Wir empfehlen Ihnen, die Einkäufe schon jetzt zu besorgen. Besuchen Sie uns nach Möglichkeit vormittags. Sie gewinnen dadurh Zeit zu rascher und bequemer Bedienung und Ruhe zum Entschluss. JCunst und Mssa» Bom Internationale« Musikpädagogifchen Kongreß. Tas offizielle Festkonzert zur Einleitung-es I. Internationalen Musikpädagogischen Kongresses in Prag fand Samsrag abends im Smetanasaale des Gemeindehauses statt. Es ging unter allen Zeichen eines festlichen Ereignisses in Szene, vor einem wirklich internationalen Publikum, dem besondere Festgäste die besondere Note gaben. Auf dem Programme des Konzertes stand nur ein einziges symphonisches Werk, aber eines der bedeutendsten und in sich geschlossensten, der sechsteilige Symphonien-Zyklus„Mein Vaterland" Smetanas, das repräsentativste Werk der symphonischen tschechischen Musikliteratur, von dem ein deutscher Smetana-Biograph treffend sagte, dass es die musikalische Apotheose des tschechischen Landes ist, wie fie in solch grandioser Form noch kein-weites Land erfahren hat. Dirigent des Konzertes war Otwkar Jeremias, der ausgezeichnete, gründlich und hingebungsvoll seines Amtes waltende tschechische Dirigent, der gerade als Interpret des Sympbonien-Zyklus„Mein Vaterland" von Smetana Spezialist ist und dieses Werk schon wiederholt mit grösstem Erfolge aufgeführt hat. Der ausführenden Jnstrumentalkörper war das Orchester der Tschechischen Philharmonie, der künstlerisch bedeutendste und repräsentativste tschechische Orchesterverband, der diesmal ganz besonders passioniert und begeistert spielte, um seine ausserordentlichen künstlerischen Qualitäten, seine technische Vollkommenheit und seine ausserordentliche allgemein« Musikalität eindringlichst zu beweisen. E. I. » Im Rahmen des Prograunns des internationalen Kongresses fand Sonntag vormittags im Ratto- naliHeater eine Matinee unter dem Motto„Wie die tschechoslowakische Jugend singt und spielt" statt. Nachmittag referierte'der Brünner Professor Dr. Vladimir H e l f e r t. Als prakttsche Probe seiner Ausführungen sangen Kinder der Prager Kindergärten. Prof. Dobroslav O r e l- Bratislava, sprach über die Musikerziehung in der Slowakei und Kar- j pathorussland. Im Anschluss an diesen Vortrag san-! gen Kinderchöre aus Svalava' und Bratislava. Weiter sprach der.Professor der Deutschen Universität in Prag, Gustav B e ck i n g, zu dessen Ausführungen das Collegium musicum der Deutschen Prager Universität und die Prager Singgemeinde prakttsche Proben erbrachten. Am Sonntag abends«fand eine Festvorstellung im Rattonalcheater statt. Aufgeführt wurde„Der Jakobiner". Die künstlerische Bereinigung der Prager Musiklehrerinnen veranstaltet« gemeinsam mit dem Verein„Pritomnost"«in Konzert der musikalischen Jugend. Montag Nachmittag referierten zwei amerikanische Teilnehmer, S t i« wen und Dr. Spargue-Smith, sodann der jugoslawische Delegierte Dr. Milosevic, dessen Referat von einem Korps der jugoslawischen Gesangsvereinigung„SlavLek" begleitet war. Schliesslich trug Direktor Fisch der Musikschule aus Stein am Rhein(Schweiz) vor, wobei seine Schüler praktische Gesangsproben vorführten.. ch Die polnisch« Regierung teilte der tschechoslowakischen Gesandtschaft in Warschau entschul- digend mit, dass sie einen Delegierten zu diesem internationalen Kongresse nicht entsenden könne. Mozartopern im Konzertsaal. Der Dirigent Georg Sebastian hat in der Sowjetunion die Dtöglichkeit erlangt, eine von ihm lange gehegte Idee in die Tat umzusetzen: er bringt einen Zyklus von Diozartopern nicht im Theater, sondern im Konzertsaal, wo die Bühne nur eine Estrade ist, wo das Orchester— das Symphonische Orchester Moskaus— sich auf dieser Estrade befindet, und die Solosänger vor dem Chor auf derselben Esttade im Strahenanzug auf einfachen Sesseln sitzen. Formell ist das Ganze ein Konzert. In Wirklichkeit handelt es sich aber um echtes Theater, weil die Sänger, die zugleich auSge- wählte gute Schauspieler find.. nicht nur singen, sondern auch spielen. Sie haben aber keine Kostüme, keine Dekorationen, nichts unterstützt sie. und nichts lenkt den Zuhörer ab, so dass sie gewissermassen ge- zwungen sind, ihre ganze Ausdrucksfähigkeit auf die knappe Geste, auf das Spiel der Augen, auf die Mimik und vor allem natürlich auf die'Wirkung des Wortes und der eigenen Stimme zu übertragen. Das Ergebnis soll geradezu erstaunlich sein. Georg Sebastian scheint nicht nur ein ausgezeichneter Dirigent, sondern auch ein hervorragender Spielleiter zu sein. Die„Konzertaufführung" packe das Publikum stärker als die gewöhnlich« Aufführung im Theater. Der Zuschauer, dessen Phantasie gerade durch das Fehlen der Dekoration besonders angeregt zu werden scheint, werde hingettssen, zumal die Opern so durchgearbeitet sind und die Besetzungen so„klappen". dass man die sogenannten Hauptrollen von den Nebenrollen kaum zu unterscheiden vermag. Auf der ganzen Veranstaltung liegt jedesmal der Stempel grosser musikalischer Kultur. Der Zyklus begann mst „Don Giovanni", dann kam die.Lauber» flöte" und gegenwärtig wird„Figaros Hochzeit" gegeben.„Die Entführung aus dem Serail" ist bereits in Vorbereitung. Die Aufführungen find jeden Abend ausverkauft. Das Wachenende im Deutsche« Theater brachte, anher der schon erwähnten Revue in der Kleinen Bühne, Sonntag nachmittags in unserer Arbeitervorstellung den„Freischütz", musikalisch(Dirigent Zweig) eindrucksvoller noch als in der Premiere, mit ausgezeichneten solistischen Leistlingen, unter denen die. stimmprächttge Agathe K o n e tz n i s hervorragte.— Samstag abends wie derholte das Ensenchle des- Josefstädter T h e a t e r s seine glänzende Vorstellung von Molnars„GroßerLieb e", Sonntag abends waren die hervorragenden Wiener Künstler in„Ping- Po n g"(im Vorjahre Repertoir-Vorstelluyg der Kleinen Bühne) zu bewundern; Hans Jarah erntete doppelten Beifall als amüsanter Autor und ungemein liebenswürdiger, trocken komischer Darsteller des in Röte geratenen Ehemanns, ebenso die durch innere und sprachliche Diusitälität fesselnde Lili Darvas als Gattin. Bombenerfolg hatte Karl Paryla in der(hier von Paul Morgan kreierten) Rolle des Max; man lernte da einen jugendlichen Komiker ganz eigener und dabei stärkster Art kennen, die das Haus von Gelächter dröhnen lieh. Ein köstlicher Abend. l. g. Wochenspielplan des Neuen Deutsche« TheaterS. Heute, Dienstag, halb 8:.„Das Mädchen aus dem goldenen Weste n", AI.— Mittwoch 8:„Die Z a u b e r f l ö t e", anlässlich des Internationalen Kongresses für Musikerziehung, B'1.— Donnerstag 7>/j:„E i n Kind klagt an". CI.— Freitag: geschloffen.— SamStag 8:„UN e n t s ch u l d i g t eS tunde", A 2.— Sonntag 2lag«n. M.-Schönberg behält wohl weiter noch dieFührung, doch ttennt es nur ein Punkt vom DSV Troppau, welcher gegen DSV Brünn mit 4:2 erfolgreich blieb. DSK Teschen fertigte den DFC Jglau mit 8:3 ab. Sonstige Fußtallergrbnisse. B.- Krumau: DFC B.-Budweis gegen DFK 2:0(DFV-Mittel- gaumeisterichaft).— Karlsbad: KFK gegen SK Fischern 7:1.— Aussig: DSK Brüx gegen DFK 6:2.— Bodenbach: SpVg gegen DFK Komotau 6:0.— Gablonz: BSK gegen DSK 1:1(1:1)!— Warnsdorf: WFK gegen FK Rumbnrg 10:1.— Wien: Floridsdorfer AC gegen Hakoah 6:1.— Belgrad: Austria Wien gegen Beogradski SK 2:2(1:1).— Bern: Vienna Wien gegen fioung Boys 2:0.— Marseille: Sportklub Wien gegen Olympiqne 1:1.— Tel-Aviv (Palästina): Bocskai(Ungarn) gegen Hapoel 2:2(0:1). Länderspiele. In Wien verlor Oesterreich verdient gegen Ungarn 8:5 und in Zürich siegte Italien nach hartem- Spiel über di« Schweiz nur knapp 2:1, während dass Match der beiden B- TeamS in Novarra mit einem 2:0-Sieg der Italiener endete.— Frankfurt: England gegen Deutschland 8:2(Studententeams). Die Jnternattonale« Schwerathletik-Meister- schasten der Tschechoslowakei wurden in P r a g ausgetragen. Im Gewichtheben siegten durchwegs Wiener, nur im Schwergewicht blieb ein Tschechoslowake erfolgreich. Im Leichtgewicht erzielte der Wiener Fein im beidarmig Reißen mit 106.5 Kilo «inen neuen Weltrekord. Die Ergebnisse: Federgewicht: Zahradka(Wien) 270 Kilo; Leichtgewicht: Fein(Wien) 830 Kilo; Mittelgewicht: Hrdlikka(Wien) 827.5 Kilo; Halbschwergewicht: Hala(Wien) 357.5 Kilo; Schwergewicht: PSeniikr (Prag) 305 Kilo.— Im Ringen schieden die sudetendeuffchen Teilnehmer schon in den Vorrunden aus. Die Ergebnisse: Bantam: Szende(Budapest), Federgewicht: Brettschneider(Prag), Leicht« gewicht: Herda(Prag), Weltergewicht: Zvonak (Prag), Mittelgewicht: PalotäS(Budapest), Halbschwergewicht: Mrakek(Prag), Schwergewicht; Klapuch(Prag). Vrreinsnac/mckten, Deutsche BolkSsiuggemrinde Prag. Die GesangSprobe ist diesmal auf Donnerstag verschoben. Frauen um 7 Uhr und Männer um 8 Mr abends in der Smeistyoaffe.— Bro« benbesuch aller notwendig. SPD-Emigranten: Donnerstag, den 8. April, 18 Mr im Heinesaal, Fochova. Versammlung mit Vortrag über„DieArbeiterbewegung in Amerika". Bezugs b. e d i n gungen: Bei Zustellung ins HauS oder bei Bezug durch di. Post monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.—, h lbjähriy KL 86.—. ganzjährig KL 182.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Bost« und Tele- graphenüirektion mit' Erlaß' Nr. 13.800/VH/1030 bewilligt.— Druckerei:.jDrbiä". Druck-. Verlags- und Zeittmgs-A.-G. Prag.