16. Jahrgang Mittwoch, 8. April 1936 Nr. 84 Elwiiweis 70 Heiter (•inKhli.Slich 5 Heller Ferto) 1ENTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME MS MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag»i-, fochova«. Telefon sm?. HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAUE. VERANTWORTLICHER EEDAKTEUE: DE. EMIL STRAUSS, FRAG. Präsident Zamora absesetzt Durch Mißtrauensvotum des Parlaments Madst d Das Parlament hat Dienstag in den späte» Abendstunden mit 238 gegen 5 Stimmen den Präsidenten der Republik, Zamora, zum Rücktritt gezwungen. Der Cortes-Präsident Martinee B a r r i o übernimmt sofort interimistisch di« Geschäfte des Staatspräsidenten. Oer Dreizehner-Ausschuß vor schwierigen Problemen Paris. Außenminister Flandin reiste Dienstag abendS in Begleitung des Ttaatsmini- strrs Paul- Bon cour und einiger Beamten des Außenministeriums nach Genf. Mit dem gleichen Zuge haben sich auch der britische Staatssekretär für Aeußeres Anthony Eden sowie der rumänische Außenminister TituleScu nach Genf begeben. An französischen politischen Stellen wird kein Geheimnis daraus gemacht, daß die Genfer Ver- haudlungen und der Standpunkt Frankreichs im Dreizshner-Ausfchnß recht delikat sein werden; erstens mit Rücksicht auf di« neue anti- italienische Kampagne in London, zweitens mit Rücksicht auf die F» r d e r« n g e« FlalienS, das auf der Aufhebung der Sanktionen als Vorbedingung für die Zusammenarbeit mit den übrigen Locarnostaaten und für Friedensverhandlnngrn in Lstafrika beharrt. Einige» in Paris kursierenden Meldungen zufolge habe auch Freiherr von Ribbentrop di« Absicht, von London nach Genf an reisen, um mit der britischen Regierung während der Beratungen der Locarnostaaten in Fühlung zu bleiben. Englisches Weißbuch gegen Deutschland London, lReuter.) Heute wird in London«in 80 Seisen umfastendes Weißbuch veröffentlicht werden, in welchem die verschiedenartige« Situationen werden ausgezäblt werden, bei denen Deutschland m de» letzten Monaten Gelegenheit hatte, auf friedlichem diplomatische« Wege ein« Lösung seiner Beschwerde« hinsichtlich de» Locarno-Vertrages zu verlangen, waS aber Deutschland nicht getan hat, da es vorzog, mit einer fertige«Tatsache z« antworten. Generalstabskonferenz nächsten Mittwoch London. Laut einer Meldung do» amtlichen britifchon Radiodienstes wurde festgesetzt, daß die im Memorandum der vier Locarnostaaten vom 18. März vorgeschlagenen Beratungen der Generalstäbe am Mittwoch, den 15. April, in London beginnen werden. Nichtangriffspakt Deutschland—Litauen? Kaunas. Die litauische Preff« teilt mit, daß Deutschland Litauen nach der Beendigung der zur Zeit im Gange befindlichen Handelsver- tragsverhandlungen Verhandlungen über den Abschluß eines Nichtangriffspaktes zwischen de« beiden Staate« vorschlagen werde. Gömbös duelliert sich Budapest. Der Abgeordnete Tibor Eckhardt hatte in einer Sitzung des Außenausschusses an die Adresse des Ministerpräsidenten Gömbös eine beleidigende Bemerkung gerichtet, die innerpolitische Fragen betraf. Gömbös sandte hierauf dem Abgeordneten Eckhardt seine Zeugen, und zwar den Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses Szta- nyavszki, sowie den Unterstaatssekretär im Mini- sterratspräsidium Tahy. Da es zu keiner Versöhnung kam, wurde diese.ritterliche Affäre- Dienstag um 10 Uhr vormittags durch ein Pistolenduell ausgetragsn. Der Zweikampf verlief unblutig, di« Gegner schieden unversöhnt. Rach der Verfassung hat der Präsident wäh-' rend seiner Amtstätigkeit nur das Recht zu einer zweimaligen vorzeitigen Auflösung des Parlaments. Eine dritte Auflösung hat, wenn sie nicht nachträglich vom Parlament genehmigt wird, dir Absetzung des Präsidenten zur Folge. Am DienStag verhandelten di« Cortes über die Frage- ob Präsident Zamora mit der Auflösung deS letzten Parlaments seine Befugnisse überschritten habe oder nicht. Die Sozialisten erklären, daß Zamora die Verfassung verletzte, alS er letzthin daS Parlament zum drittenmal auflöste, und daß er deshalb abgesetzt werden solle. Demgegenüber Genf. Der abessinische-Gesandte in Paris, Wald« M a r i a m, richtete an den Völkerbund eine Protestnote, in Welcher er sich ickl Namen der abessinischen Regierung an den Dreizehner- ausschuß des Völkerbündrates und an den Acht- zehneragSschuß der Sanrtionskonferenz mit einer ausführlichen Beschwerde wendet. Di< abessinische Regierung adressiert den letzten Appell an den Völkerbund und erinnert daran, daß der italienisch- abessinische Konflikt in Genf bereits durch 15 Monate hindurch beigelezt werde. Die abessinische Regierung habe alle Anregungen, des Rates und jedes Vorgehen entsprechend dem Völkerbundspakt angenommen, während die italienische Regierung alle Vorschläge und die friedliche Lösung des Konfliktes a b l e h n t e. ES bestehe gar kein Zweifel darüber, daß der Krieg, wenn der Wille der Mitgliedsstaaten sich auf die Einstellung des Angriffes durch Anwendung wirksamer Sanktionen konzentrieren würde, bald b« e n bet wäre. Der italienischen Regierung sei eS aber gelungen, energische Maßnahmen abzwvenden und insbesondere die Petroleumsanktionen hinauszuschieben. Des weiteren erwähnt di« Rote des abessinischen Gesandte« die Art und Weise, in welcher die italienische Armee in Abessinien Krieg führt und macht anfmerksam, daß der Angreifer keinem Blutvergießen ans dem Weg» 7-ht, wehrlose Städte bombardiert«nd in Brand setzt nnd systematisch die schwachen Subsistenzmittel der abessinischen Bevölkerung vernichtet. Italien base selbst vor der Verwendung von Stick- «nd Giftgase« nicht halt gemacht. Zuni Schlüsse seiner Note stellt der abessinische Gesandte folgende Fragen: Soll die abessinische Regierung die Hoffnung aufgeben, daß sie vom Völkerbund Hilfe erhalten wird, auf. welche üc nach dem Völkerbund-Pakte ein Recht, hat? Besteht unter den Mitgliedsstaaten noch ein Zweifel über die tatsächlichen Absichten des angreifenden Staates? Die praktische Straflösigkeit des italienischen Angreifers hat bereits in der ganzen Belt eine moralische Verwirrung zur Folge. Die kleinen Staaten fragen erklären die republikanischen Parteien und die Liberalen, daß die Auflösung der ersten konstituierenden Nationalversammlung vom Jahre 1833, die bloß einen provisorische« Charakter hatte, nicht gezählt werden kann und daß somit der Präsident die Verfassung nicht verletzt habe. Die Absttmmung ergab di« Annahme des von der Linken eingebrachtrn Resolutionsantrages, daß die vom Präsidenten der Republik seinerzeit angeordnrte Auflösung des früheren Parlaments, die dritte im Laufe seiner Amtstätigkeit, „überflüssig" gewesen sei. Rach der Verfassung kommt dieser Beschluß der Absetzung des Präsidenten glejch. sich, welchen Schutz ihnen die vom Pakt versprochen« kollektive Sicherheit bietet. Auch die Groß- mächte fühlen heute den Einfluß des Angriffsgeistes. Sie appellieren deshalb auch an den Völkerbund und an die kollektive Sicherheit und behaupten, daß der Frieden unteilbar ist. Soll heut« di« kollektiv«.Sicherheit platonisch« Proteste gegen die Angreifer darstellen? Dir abessinische Regierung gibt der Hoffnung Ausdruck, daß der Völkerbund vor der Vernichtung des abessinischen Volkes nicht ohne Bewegung bleiben und nicht länger die wirksame Hilfe hinauSschjeben wird, die er Abessinien als Opfer eines ungerechten Angriffes schuldig ist. Es stehe nicht nur dir Unabhängigkeit Abessiniens auf dem Spiel. Addis Abeba soll nicht bombardiert werden Rom. Dem britischen Botschafter in Rom wurde vom Unterstaatssekretär Suvich die Versicherung gegeben, daß AddisAbeba und D i red a u a nicht werden bombardiert wer-. den. Dabei setzt die italienische Regierung allerdings voraus, daß diese abessinischen Städte nicht als Truppenzentren oder Kriegsmateriallager verwendet werden. Dessie als nächstes Ziel London. Der Kriegsberichterstatter des Reu- terbüroS teilt mit: Während der Negus die Mobilisierung bis zum letzten Mann angeordnet hat, um so den vielleicht letzten Versuch zur Rettung seines Landes zu unternehmen, rücken die italienischen Truppen rasch in der Richtung nach Süden vor und, wie aus eritreischen Quellen mitgeteilt wird, begegnen sie bei ihrem Vorrük« ken nur sehrgeringen Widerst an d .Lei den Trümmern der abessinischen Armeen. Die längs der großen Straß« vorrückende italienische Kolonne soll.nurmehe 125 Kilometer von Dessie entfernt sein. Mikl dem Fäll dieser Stadt wird bereits gerechnet, den« die abessinischen Truppen, die in der Umgebung von Dessie konzentriert waren, ha ben, wie eS scheint» bereits de« Rückzug an- getrete«. Eine andere italienische Kolonne rückt gegen Magdala vor. Bei ihrem Vormarsch haben die Italiener zahlreiches Kriegsmaterial erbeutet, insbesondere die Rundfunkstation des Ne- guS. Die italienischen Formationen, welche bereits bis zum Tana-See vorgedrungen sind, haben sich nunmehr in südöstlicher Richtung gegen Debra Tabor in Bewegung gesetzt und wollen sich, wie es scheint, mit den gegen Magdala und Dessie vorrückenden Truppen vereinigen. Von derOgadenfront werden heftige Regengüsse gemeldet, welche wahrscheinlich eine Verzögerung der Offensive des Generals Gräziani zur Folg« haben werden. Inzwischen bombardieren die italienischen Flieger die befestigten Stellungen der Armee des Ras .RasLb«.' Dunamlt-Ansdilag auf den NadUciprcß □n politisches Attentat/ 90 lote? Mexiko. Montag nachts wurde von»«bekannte« Täter« ein schweres Tvnamitatten- tat ans de» Nachtrag Vera Cr»»—Mexiko bei Pas« del Macho verübt, als der Zug gerade eine Brücke überfuhr. Die Lokomotive, der Postwagen, der Gepäckwagen und zwei Pnllmanuwagen stürzte» i» de» Abgr»ad»ad Warden völlig zertrümmert. Die Zahl der Toten wird aaf 70 bis 90 geschätzt. Man vermalet, daß der Anschlag ans politische» Gründen verübt worde» ist, da mit de« Z»ge mehrere Kandidaten für den Govvernflerposte» des Staates Bera Cruz reiste«, welche.Sonntag an de» interne» Wahle» der»ationalrevolutioaäre» Partei teilgenom- men hatte«.,''"'*•\■ An der Unfällstelle sind mehrere Hisfszüge ans Pera Crnz eingetrofien..,, Letzter Appell des Negus an Genf Ein Hauten Sdicrbcn Der Zusammenbruch der Kollektiven Sicherheit Seit Hitlers„Theatercoup" vom 7. März haben sich die weltpolitischen Verhältnisse in wahrhaft katastrophaler Weise zum Schlechten gewandelt und man würde sich gefährlichen Illusionen hingeben, wenn man nicht mit dem Faktum rechnete, daß heute das System der kollektiven Sicherheit, das zu Beginn dieses Jahres zu triumphieren schien, in Trümmern liegt. Drei Momente bezeichnen Vor allen anderen den Tiefstand des internationalen Rechts in diesem Frühjahr 1936: der Triumph Italiens über Abessinien und die Sanktionsmächte, der täglich durch neue Rechtsbrüche der italienischen Kriegsführung unterstrichen wird, die Hilflosigkeit, mit der die West- mächte der Zerreiß u ngdesLo» carnovertrages gegenüber st e- h e n, so daß Hitlers„Friedensplan" heute auch in der Weltmeinung die Tatsache des Vertragsbruches verdrängt hat, endlich die Verletzung des Fr jeden s Vertrages von St. Germain durch Oesterreich, also einen so gut Ivie wehrlosen Kleinstaat, die deutlicher noch als die Rechtsbrüche der Großmächte den Jammer des Völkerbundes und die Fragwürdigkeit der„kollektiven Sicherheit" erweist. Oie Schuldfrage Schon heute wird bei der Erörterung der weltpolitischen Krise von allen Seiten die Schuldfrage aufgerollt und später einmal wird sie die Historiker beschäftigen. Die Franzosen bezichtigen di« Engländer, die Briten bezichtigen die Fran- ’ zpsen als Hauptverantwortliche. Eine objektive Betrachtung wird auf b e i d e n S e i t e n ein volles Maß Schuld finden und geteilte Schuld ist hier wahrhaftig nicht halbe Schuld.. Es ist wahr, daß England seit langem die Politik Hitlers gefördert und den Gedanken der Revision begünstigt hat. Aber eS ist ebenso wahr, daß England vom Sommer 1935 bis zum Feber 1936 bereit war, sich mit ganzer Kraft für die Idee und das praktische System deS Völkerbundes einzusetzen und daß er in dieser Zeit Frankreich gewesen ist, das den Bölkerbundsgedanken im Stich gelassen hat. Die Enttäuschung der britischen Oeffentlichkeit über di« französische Haltung , im abessinischen Krieg ist nicht die letzte Ursache der gegenwärtig in England vorherrschenden deutschfreundlichen Stimmung. Das Völkerrecht ist unteilbar Di« Franzosen haben dar Wort vom„unteilbaren Frieden", das Litwinow geprägt hat. mit Leidenschaft aufgegriffen und kolportiert. Man hat ihnen entgegengehalten und, wie man nunmehr bestätigt sieht, mit gutem Grunde entgegengehalten, daß auch das Völkerrecht unteilbar ist, daß man die moralischen Grundsätze, die man am Rhein durchsetzen will, nicht am Tiber außer Kraft setzen kann. Das Prinzip, daß jede Macht den Völkerbund nur dann bejaht, wenn s i e ihn braucht, ist unvereinbar mit dem Gedanken der kollektiven Sicherheit und hat recht eigentlich das System zerstört, auf dem der europäische Frieden seit 1919 beruhte. Richt nur in England, nicht nur in Deutschland, auch in weiten Kreisen des übrigen Europa und gerade in Kreisen, die weltanschaulich und politisch sehr scharf gegen Hitler eingestellt sind, hat man kein Verständnis für eine „M oral", die aus einerVertragSverletzung ohüe Blutvergießen einen Kriegsfall konstruieren möchte» aber den Friedensbruch Mussolinis und die täglichen grauenhaften Untaten der italienischen Generalität als nebensächlich abtut. Was wir seft Monaten warnend behauptet haben, ist nunmehr erwiesen: daß die Duldung der i t a l i e n i s ch e n Gew a l't p o l i- tik nicht etwa di e Po siti on H i tle r s geschwächt, sondern daß es sie unerhört v e r,- st ä r k t hat. Und vollends klar zeigt/ sich die Fehlspekulation nun an dem Beispiel Oesterreichs. Der Vasallenstaat Mussolinis darf eS,sich erlauben, den Friedensvertrag' einseitig' aufzuheben. Die Entrüstung aber, die man in Bukarest und Belgrad entwickelt,/ wird nirgends in der Well sonderlich ernst genommen. Denn ein wirksamer Protest, müßte sich.an Rom und nicht an Wien Seite 2 9k. 84 Mittwoch, 8. April 1936 wenden und im übrigen fragt fich jeder anständig I denkende Mensch, ob ein Prizip, das die Großen ungestraft verletzen durften, gerade für die Kleinen bindend sein soll. Dabei hat Serbien seine Freundschaft für Hitlerdeutschland seit langem so offen zur Schau getragen, daß ihm die Entrüstung über Oesterreich doppelt schlecht zu Gesicht steht. »Di« Verträge sind tot, es lebe der Vertrag“ I So ungefähr hat Ministerpräsident Doktor Hoda vor kurzem das aktuellste Problem der europäischen Politik formuliert. Es kommt zweifellos heute nicht mehr darauf an, aus dem Scherbenhaufen ein paar brauchbare Trümmer zu retten, es kann heute nicht die Aufgabe der friedlich und freiheitlich Lenkenden xuropäischerr Menschen sein, papierene Phantome zu verteidigen, an die niemand mehr glaubt und die schon ein Schuschnigg zerreißen kamt, sondern es kommt Nur noch darauf an, ein n e u e s S y st e m d e r S i ch e r h e i t. zu begründen und es auf gerechteren Grundsätzen, aber auch in einer stärkeren realen MachibasiS zu verankern uls das bisherige. Es ist überaus erfreulich, daß man zu dieser Erkenntnis nunmehr auch in Frankreich vorzudringen beginnt. Die Abkehr der Franzosen von dem Phantom der Verträge und papierenen Sicherheiten» ihre Wendung zum Ideal eines neuen Systems ist neben den bescheidenen militärischen Sicherungen, zu denen es in Westeuropa gekommen ist, der einzige Lichtpunkt in der Verwirrung der letzien Wochen. Noch ist über Flandins„Fricdensplan" Verhandeln oder nicht? Die Stimmung der französischen Presse Man kann nun deutlich den Unterschied zwischen der Auffassung der rechts- und linksgerichteten Pariser Presse feststellen. In der linken und in der großen Jnfor- mationsprefse, die die Stimmungen des„ManneS auf der Straße" wiedergibt, herrscht in bezug auf den Hitler'schen Vorschlag ein großes Schwanken.„Paris Midi" meint, es sei nicht so leicht, England eilvaS aufzuzwingen. Solange aber kein Bruch zwischen London und Berlin erfolgt sei, würde der Bruch zwischen Paris und Berlin zugleich auch den Bruch zwischen Paris und London bedeuten. Das sei aber mit allen Mitteln zu vermeiden. Das Deutschland von 1936 sei vom Hitlerfieber besessen. Hitler und das deutsche Volk— das sei eins und dasselbe. 1914 habe Frankreich den Krieg gewonnen, weil die ganze Welt auf seiner Seite gewesen sei. Es wäre sehr gefährlich, heute eine Situation zu schaffen, bei der die Welt unsere Sache für'unrecht halten würde. Mast Müsse also auf alle Fälle auf dasSpiel von Hitler eingehen, denn wir würden ihn damit mehr hemmen- als wenn wir uns geweigert hätten, an diesem Spiel teilzunehmen. Die rechte Presse dagegen ist noch immer unversöhnlich.„Journal des Debats": Die Alliierten haben einen Fehler begangen, als sie sich bereit fanden, mit einem Partner zu verhandeln, der den Revolver auf den Tisch gelegt habe. „Echo de Paris": Es gebe ein sicheres Kriterium, um zu bestimmen, ob Hitler gesiegt habe oder geschlagen sti. Das sei die Frage der Befestigungen aM Rhein. Wenn es Deutschland gelingen sollte, am Rhein Befestigungen an- lvenig bekannt geworden und das Wenige darf nicht als sicher gelten. Der Grundgedanke aber scheint doch der zu sein, daß man dem erneuerten Völkerbund eine Exekutive geben will. Bisher hat der Völkerbund— so wie ehedem der berüchtigte»Deutsche Bund" der Jahre 1815/1868 — immer versagen müssen, weil er keinerlei Exekutive besaß. Es wäre eiN wesentlicher Fortschritt, wenn wir zu einer Völkerbundsarmee kämen, wobei das Richtige und Natürliche vor allem die Ucbertragung aller schweren technischen Waffen(Flugwaffe, Panzerwaffe, schwere Artillerie, motorisierte Abteilungen) an den Völkerbund wäre. Mit Hitler und Mussolini? Eine Illusion, der man nicht erliegen darf, ist aber die, man könne zu einer wirksamen Organisation des Friedens kommen, wenn man Hitler und Musiolini einbezieht. Es geht doch eben darum, ob sich der Frieden noch organisieren läßt, oder ob Hitler und Musiolini schon die Vorhand haben, was eben den sicheren Krieg bedeuten würde. Eine europäische Lösung wird nur möglich sein ohne den Faschismus. Den Scherbenberg, vor dem wir heute stehen, danken wir ja der ivahnsinnigen Politik Loudons und Paris, di«> abwechselnd mit Hitler und mit Mussolini den Frieden sichern wollten. Es gibt aber keinen Frieden mit ihnen und darum wird die einzig tra.- gendeJdeeder europäischen Sicherheit nur der Sozialismus sein können, der di» Ueberwindung nicht nur der Krankheitssymptome, sondern der Krankheits u r s a ch e n des heutigen Europas erstrebt. Lpionaze-Vorlase! vom Ausschuß angenommen An unsere Abonnenten, SdP veranstaltet einen Exodus Leser und Kolporteure! Prag. Im Abgeordnetenhaus befaßte sich der verfassungsrechtliche Ausschüßen Anwesenheit des Justizministers mit der jüngst eingebrachten Novelle zum Schutzgesetz. Die Vorlage sieht bekai^istlich. eme MpfiiidlicheVerschärfung der Straf«» fiir Militärverrat vor, die unter besonders erschwerenden Umständen selbst bis zur Verhängung der Todesstrafe gehen kann. Bisher waren die Strafen für Spionage bei uns, gemessen an den Nachbarstaaten, verbälmis- mäßig gering. Die Vorlage tangiert ferner in gewissen Punkten die Zustand igkest der Gerichte für die Bestrafung det Spionage, und sucht das Verfahren zu beschleunigen und schränkt die freie Wahl der Verteidiger auf jene Anwälte ein, die in einem eigenen Verzeichnis beim Justizministerium eingetragen sind. Di^Opposition gegen di§ Vorlage bestand im Ausschuß lediglich aus den Kommunisten und der SdP. Letztere befolgte ihre schon bei der Beratung der Verteidigi!ng8vorlage ein geschlagene Taktik, die Tendenz der Vorlage angeblich v o r- behäItloszu billigen und noch extra durch Dr. Neuwirth zu versichern, auch sie seien dafür, daß man Spione baumeln lasse, dann aber in Detailfragen mit einer Menge von Einwänden formal-juristischer Art zu kommen, von deren Berücksichtigung man dann Pie eigene Abstimmung abhängig macht. Wenn die Koalition nicht alles schlucken will, so ist dann der er- Anlästlich der Osterfeiertage wird im Buchdruckergewerbe am Montag nicht gearbeitet, so dass unsere Nummer am Dienstag, den 14. April entfallt Die nächste Ausgabe erscheint dann zur gewohnten Stunde am Mittwoch, den 15. April. Die Verwaltung. Auftakt zum Freldenker-KongreB Prag. Dienstag abends waf rn Prag der Vorsitzende der Internationalen Organisation der Freidenker der Brüsseler Uinversität-prosesior Dr. M. Terwagne ein, der Samstag, den 11. April um 14-Uhr im Smetana-Saal des Gemeindehauses den Internationalen Freidenker-Kongreß eröffnen wird. Die Gäste wurden auf dem Wilson-Bahnhof vom stellvertretenden Vorsitzenden der tschechoslowakischen Freidenker, Dr. Milde, und den Mitgliedern des Zentralausschusses begrüßt. Ein Teil der belgischen Delegation ist bereits Dienstag mittags eingetroffen. Weitere Delegationen europäischer Staaten werden im Laufe des Mittwoch eintreffen. oppositionellen Gesinnung Ausdruck g. KAsten Novelle hl Die übrigen Sprecher erklärten sich milder einen Am Vorlage einverstanden. Die Vorlage wurde-dann auch mit kleineren, meist formalen Aenderungen angenommen. Ms in der Abstimmung über den 8 1 der Abänderungsantrag der SdP verworfen worden war, erhcb sich Dr. Neuwirth und erklärte, da der Ausschuß auf eine sachliche Behandlung angeblich. nicht«inzugchen gewillt sei, enthalte sich die SdP der Abstimmung und verlasse den Ausschuß. Daraufhin veranstalteten die anwesenden SdP-Ber« treter einen Exodus, der aber di« beabsichtigte Wirkung auf die übrigen Parteien vollkommen verfehlte. Nach Annahme der Vorlage vertagte sich der Ausschuß bis nach Ostern. z u l e g e n und damit Frankreich gegebenenfalls zu verhindern, fich aktiv gegen die deutschen Abenteuer in Zentral- und Osteuropa zu wenden, dann würde das den Beginn der Neutralisierung Frankreichs, den Anfang vom Ende des euro- päischcn Systems der kollektiven Sicherheit, den Beginn des Triumphes des Pangermanismus bedeuten. Tschechoslowakische Musik In Moskau Moskau.(Taß.) Das Symphonie-Konzert tschechoslowakischer Musik unter Leitung des Dirigenten Adler hatte in MoÄau einen großen Erfolg. Vorgetragen wurden Komposstionen von Smetana, Bernäsek und Dvorak. Dem Konzert wohnte auch der tschechoslowakische Gesandte Bohdan Pavlü bei. Um die Steuernovelle Am Mtttvoch fand die erste der schon in der Vorwoche angekündigten gemeinsamen Beratungen des Steuersubkomitees der Koalition mit den Vereitern des FinanzisiinksteriumS statt in denen die noch bestehenden- Differenzen über die Novelle zu''dem diteflen Steuern in offener Aussprache überbrückt werden sollen. Finanzminister Dr. K a l f u ß gab eine ausführliche fachgemäße Darlegung, in der er den Standpunkt des Finanzministeriums zu der ge- ^lantenNovelle hervorhob. Die Finanzverwal- "">«ine V ereinfachung irai w endig ist, namentlich bei, den kleinen Steuerträgern. In dieser Richtung habe sie bereits den ersten Schritt getan: den kleinen Steuerträgern mit einem Einkommen bis zu 15.000 KL soll die Steuer als Pauschale für zwei Jahre vorgeschrieben- werden.-Diese; Maßnahme werde mau vertiefen und erweitern müssen; um di« FisiaNzberwckMng für größere Aufgaben freizumachen. Gegen eine Aenderung des Steuerjahres erhebt der Minister keine sachlichen Einwendungen, doch ist er der Auffassung, daß diesbezüglich noch gründliche Beratungen und Erhebungen notwendig sein werden, was eine bestimmte Zeit erfordern wird. Die gemeinsamen Beratungen werden fortgesetzt werden. Elf lote del einem Flugzeugabsturz Uniontown(Pennsylvania). Dienstag stürzte hier«in grosses Verkehrsflugzeug der Gesellschaft Transkontinental Western Air LineS ab. Elf Personen, und zwar zwei Piloten und neun Passagiere, kamen umS Leben. Drei Passagiere find bei der Katastrophe lebend davongekonrmen. Vorschläge Deutschlands betreffend die der aufgelaufenen polnischen'Guthaben aus dem' Titel des deutschen EisenvahntransitS über Pommern in der Höhe von über 90 Millionen Zloty als für die polnische Regierung unannehmbar erwiesen. Die deutsche Regierung erklärte sich zwar bereit, die Forderungen Polens in Bargeld zu decken, verlangte jedoch gleichzeitig ejne so bedeutende Herabsetzung der EisMnhnsrsiMren, daßMtse pölnisihen Regietung sticht akzeptiert' werden kÄMteri. Di« Verhandlungen sind somit wieder auf toten Punkt angelangt. Transit-Verhandlungen mit Polen bleiben ergebnislos Warschau. Nach Informationen aus gut unterrichteter Ouelle Haven sich auch die ucu^u aus dem ye wünschte Vorwand da, um trotz aller aktivistischloyalen Einstellung g e g e n die Vorlage stimmen zu können. Auf diese Weise wollen di« Herren offenbar vor allem bei den tschechischen Agrariern Liebkind bleiben, obwohl der Ministerpräsident erst vor kurzem ausdrücklich versichert hat, die Stellung zu diesen Vorlagen werde der Prüfstein für di« Lovalität und Staatstreue auch der Opposition sein. Dem Herrn Neuwirth antwortet der tschechische Sozialdemokrat Dr. MareS, daß der Grundgedanke der Vorlage der sei, das Verbrechen der Spionage so streng wie möglich zu bestrafen. Dieses Ber- b recken ,WÜssL»iss«üich einwa.Ltz^x et n ach- en'fHn. und bezüglich der Sichertisig vkr Lbjektivität des Versah«ns gebe es auch mit ü>er ^dP Icine Liiierenzem Aber m,r dem vinweis auf A^eintlrM ilngereimtheiten und mit der Hervör- -eoung IninScr wtchtHer technischer Dekaiwdurfe man nicht grundsätzlich die ganze Vorlage erschlagen. Der kommunistische Sprecher betonte wiederum, daß die Vorlage nicht au-reichen werde, um die Spionage an exponierten Stellen der Wirtschaft zu verhindern; dafür könne sie Leute erfassen, die mit Spionage nichts zu tun haben, sondern nur ihrer MANNER, FRAUEN I UND WAFFEN I Roman von Manfred Georg Copyright by Dr. Manfred Georg, Prag Es verletzte ihn. Und mit einer zynischen Wendung, die ihn selbst erschreckt-, erbot er sich, seinen Zuhörern etwas über den internationalen Waffenhandel vorzutragen. Er hätte da einige Studien gemacht und möchte, da sie doch offensichtlich nach Kenntnissen drängten, ihnen wenigstens das geben, was er wüßte. Sie nahmen mit Beifallsklatschen an. Der Vortrag wurde am Brett der Läger-Zeitung angeschlagen, und am Abend des betreffenden TageS teilte ihm Dora Krestoff— es war die Fragerin, die ihn in die ganze Sache hineingeritten hatte — mit, daß man infolge des starken Interesses die große Eßbaracke der Erdarbeiter als Raum gewählt habe.. Mächtige Petroleumlampen hingen schivan- kend von den Holzbalken herunter und erhellten dürftig flackernd das Meer von Köpfen, das unter Schumann brandete. Hinter ihm saßen als Versammlungsleiterin Dora Krestoff in einer einfachen/ weißen, hoch geknöpften Bluse sowie einige Ingenieure. Auch der politische Kommissar war erschienen und machte sich eifrig Notizen. Selten hatte Schumann eine solche Art von Zuhörern gesehen. Wie hier Beifall und Ablehnung sein« Sätze unterstrich, Empörung aufbrauste oder höhnisches Lachen ertönte, das war — wie Mister Watson gesagt hatte— als säße dort ein großer Haufe erregter Kinder, die sich durchaus, ebenso wie Kinder, als Mittelpunkt der Welt fühlten. Schumann schilderte die Entstehung von VickerS, von Dupont, von Krupp, streifte die Tätigkeit Sir Dunaimis', bei dessen Namen sich gellendes Pfeifen erhob, und kam dann auf die letzten aktuellen Waffenschiebungen zu sprechen. Mit Leichtigkeit sondert« er allgemein Bekanntes von Unbekanntem, hielt scharf die Grenze ein, über die hinaus zu gehen, Argwohn erweckt hätte, blieb laienhaft und doch für oie Leute von Bielostrof sensationell. Nachher ging er mit Dora Krestoff spazieren. Bon fernher kam das dumpfe Getöse der Nachtarbeiter am Damm, der, von vielen hohen Lampen übevwimpelt, ein geheimnisvoll leuchtendes Leben im Dunkel zu führen schien. Sie stol- perten die Abfallhalden entlang. Das Mädchen war durch den Vortrag sehr aufgeregt und fragte: „Aber warum lassen fich denn die andern Völker diese paar Menschen gefallen, die alles itf der Hand haben?" „DaS müßten Sie doch wissen! Sie sind doch eine gelernte EnthMerin des Kapitalismus!" Sie merkte den Spott in seiner Stimme nicht und entgegnete heftig: „Aber warum schießt man diese paar Leute nicht herunter?" Eine unvorsichtige Frage! Sie wissen doch, daß individueller Terror keinen Zweck hat. Wenigstens gemeinhin nicht. Außerdem: haben Sie keine Rüstungsfabriken?" „Nur zur Abwehr!" „DaS sagen die ändern auch!" „Aber wir werden niemanden angreifen." „Wer garantiert Ihnen das in fünfzig Jahren?" „Unsere Weltanschauung." „Weltanschauungen ändern sich. Damit muß man rechnen. Glauben Sie, daß Ihre Lehre di« letzte ist?" „Ich glaube an die Lehre. Ich sehe ihre Wirkung:«in neue» Volk. Wir haben viel tüten müssen, obwohl wir den Tod hassen. Bei Ihnen tötet man, weil man den Tod liebt. Das ist der Unterschied. Und das ist auch der Unterschied zwischen Euren Rüstungsfabriken und unseren. Aber Sie, Herr Heller, der Sie so gut alles durchschauen, der Die wissen, wie alles nur zum Privatprofit wird, die Tränen der Mütter im Krieg«, die Tränen der Frauen in den Aufständen— warum können Sie nicht drüben zu den Arbeitern gehen und ihnen das erzählen?" „Weil man mich vermutlich einsperren würde." „Sie fürchten sich davor?" „Ja, und ich habe auch kein Interesse daran, jemanden aufzuklären. Meinen Sie, Ihre Freunde in den europäischen Rüstungsfabriken sind, nicht aufgeklärt? Trotzdem arbeiten sie. Es wäre doch ihre Sache, es nicht zu tun, nicht die meine, sie daran zu hindern. Sie werden das auch noch erfahren: eines Tages wird alles so da sein, wie es war, nur unter einer neuen Fahne. Na, und bloß wegen des Fahnenwechsels rege ich mich nicht auf." Sie sah ihn entsetzt an: „Sie sind ein verlorener Mensch!" Er blieb stehen und scharrte mit der gufe« svitze an eittpst Sckotterüein...... „Datum? Ich bin ein Mensch' Menschen' sind immer verlorenen dem.AugenbM, da sie geboren werden." „Weil Sie nicht glauben. Weder an sich noch an etwas anderes." „Ich glaube an mein Schicksal." „Sie haben ja gar«ins. Oder vielmehr nur das Schicksal Ihrer Klasse." „Vielleicht. Aber wenn ich Ihnen mein Schicksal erzählen würde, würden Sie bald auch selber leugnen, daß es das Schicksal einer Klasse ist." „Vielleicht sind Sie ein kluger Mensch, aber verstehen werden wir uns nicht. Seien Sie mir nicht böse, aber ich muß Ihnen etwas sagen: ich glaube, Sie leben garnicht mehr." „Mir schmeckt mein Essen ausgezeichnet." „Ja, und Sie verdauen es gewiß auch. Aber I für Sie ist alles so fix und fertig, so erledigt. Sie haben gar keine Ansprüche an die Welt und an Ihre Mitmenschen. Ich habe einmal ein Theaterstück gesehen, da kam ein Mensch wie Sie vor. Er war blind, fraß Papier und trug sechs Revolver umgeschnallt. Immer, wenn ihm etwas nicht paßte, schoß er. Schließlich stellte sich hexqus, daß es eine Maschine war, künstlich konstruiert^ Mit der Zeit verweste sie, verrostete, zerfiel. Früher haben di« Menschen an den Teufel geglaubt? So könnte ich ihn mir vorstellen." „Sie schmeicheln mir." „Das will ich gar nicht." Sie nahm seine Antwort ganz ernst.„Ich begreife gar nickt, daß man Leute wie Sie in unser Land hineinläßt. Sie könnten doch die Menschen verderben," fuhr sie naiv fort. Sie waren in einem großen Bogen, am Fluß vorbei, wieder zurück nach den Baracken gelangt. In den kaum gepflasterten, zertrampelten Straßen herrschte taghelles Leben. Sie musterte im Schein der elektrischen Birnen Schumanns versunkenes Gesicht. Er tat ihr leid: „Abex.^s haben sich bei uns auch schon ganz alte Lesite gefiiwml lknd sind li^ile Schlechtesten von unS gewordeH. AufLBiedersehenl" Schon ganz alle Leute— er machte ja einen hervorragenden Eindruck! Das Mädchesi hielt ihn ^außerdem für einen Narren, schlimmer noch: für einen Verbrecher. Man war Überhaupt ohne Re- spekt. Er war ja nicht mal ein Techniker, Er war ein Handelsmann, der Geschäfte machen wollle und vor dem man fich in acht nehmen mußte. Er war offenbar furchtbar dumm und zurückgeblieben. Wem hätte er hier, in diefau nüchternen Rausch der Arbeit, klar machen wollen, daß er seit vielen Jahren nichts weiter tat, als seine Kinder zu suchen? Man hatte es als ein Kuriosum gebucht und die Suche als eine töricht vergeudete Anstrengung, die besser anderen Dingen zugekommen wäre. (Fortsetzung folgt.)' Nr. 81 Mittwoch, 8. April 1938 Seit« 3 fadetendcufedier ZeUspiejet Pädagogische Woche in Aussig Lebensunterhalt gewähren. im »y Die„Deutsche Arbeitnehmergewerkschaft“ Im Licht Ihrer Funktionäre: Die Arbeitslosigkeit In Nordböhmen unter der Vorjahrshöhe Ende März betrug die Zahl der Arbeitslosen in Nordböhmän 139.272. Der Nückgangim Laufe des»ergangenen Monats— 6117- bewirkte es, daß die Arbeitslosigkeit niedriger ist als in der entsprechenden Zeit der Vorjahre, und zwar gegenüber 1935«m 1874, gegenüber 1934 um 4611 und gegenüber 1933 um 43.100. Bis Ende März wurden in Rordböhmen staatliche Beiträge für 233 Rotstandsarbeiten bewilligt, bzw. die Kristen für solche verlängert. Die freigemachten Beträge, insgesamt 12,247.000 Kronen, können Beschäftigung für mehr als 13.000 Personen bieten. produktive Arbeitslosentürsorge Das Ministerium für soziale Fürsorge behandelte in der letzten interministeriellen Beratung 84 neue Gesuche um Gewährung eines staatlichen Zuschusses für öffentliche Investitionsarbeiten, für welche es im ganzen 3,536.000 Xc bewilligte. ES handelt sich diesmal— mit Ausnahme einet einzigen— um Arbeiten des Landes Mähren-Schlesien und des Staatsfonds für wasserwirtschaftlich« Meliorationen, deren Aufwand mit einem Betrag von 27,864.000 XL veranschlagt ist und bei denen im ganzen 3700 Arbeiter ihren Lebensunterhalt finden werden. Das Ministerium für soziale Fürsorge hat Heuer bisher 853 Gesuche positiv erledigt, die um einen Staatsbeitrag für öffentliche Eisenbahnarbeiten ansuchten und die deshalb durchgeführt werden, damit die Beschäftigung erhöht werde. Die gewährten Zuschüsse, beziehungsweise die zinsenlosen Anleihen erreichten die Höhe von „Deutschen Arbeitnehmergewerkschaft" Wes sie in Asch treiben und vertreiben! Dienstag morgens fiel aus einem Brief, den uns ein westböhmischer Vertrauensmann eingeschickt hatte, ein kleiner, etwa fingerlanger, harter Gegenstand auf unseren Schreibtisch. Es war eine hölzerne Statuette Hitlers. Und dazu Wurde uns berichtet, dass diese Hitler-Miniaturen zur Zeit in der G r e n z s ch ä n k e„Z w e ck" bei Asch um fünfzig Pfennige verkauft werden und bei den Henlein-Nazir reissenden Av- s a tz finden. Bezeichnend für die Gedankenwelt, in der die Verführten leben, ist auch der Umstand, dass sie, wie uns weiter berichtet wird, in den Ascher Betrieben den Kandidaturen JungS, Schuberts und Krebs' grosse Bedeutung beimessen und von diesen Herren als künftigen Statthaltern sprechen... dass der Leitung nichts anderes übrig blieb, als abzutreten. „Untemehmersöldllnge“ Inzwischen ist der neuen Führung eine neue Gegnerschaft entstanden. Die jüngste Opposition wird geführt vom AuffichtsratSmitglied Alfred Müller, dem Obmann des Elbegaues Alfred Tampe und dem Obmann des Gaues Böhmisch- Leipa Johann Zeckert. Die drei Genanntem haben jetzt ebenfalls ein Flugblatt hrrausgegeben, worin sie erklären, daß sie zur neuen Leitung nicht das geringste Vertrauen haben. In dem Flugblatt wird gesagt, dir neue BerbandSleitung läge zur Gänze in den Händen einiger leitender Beamten der Großfirma W. Weber in Schlucken»«, dir „Untrrnehmersöldlinge" seien und die Gewerkschaft zu einer„gelben Schutztruppe der Unternehmer" machen wollen. Zu diesen Leuten hätten die Arbeiter berechtigtes Mißtrauen und»S ergehe daher an die Mitglieder der Appell, durch eine Reuwahl des gesamten Vorstandes die „Deutsche Arbeitnehmergewerkschaft" vor ihrem „vollständigen moralischen und finanziellen Zusammenbruch" zu retten. Tas Flugblatt schließt mit der Aufforderung, geschlossen in den Kampf „um Reinheit und Einheit" des Verbandes ein- zütreten. So'sieht es'also m einer antunärxrstischen Gewerkschaft aus. Wir betonen nochmals, dass all das, was in diesem Artikel gesagt wird, den beiden Flugblättern entnommen ist, von denen wir eingangs Erwähnung taten. Klar ist auf jeden Fall, dass es in dieser famosen Gewerkschaft einfach skandalös zugegangen ist. Im Gewerkschaftslager der„VoUsgemeinschaft" herrschte ein Einvernehmen, dass die Haare zu Berge stehen müssen. Zu bedauern sind nur die Arbeiter dieser Gewerkschaft, die bei der ganzen Geschichte die Leidtragenden sind. kennt. Eine vlanmässig und periodisch durchgeführte, obligatorische Ueberwachung von Gebutt an ist darum eine Kardinalforderung, deshalb ist der schulärztliche Dienst ein unentbehrlicher Bestandteil einer wissenschaftlich unterbauten Erziehung. Die Beseitigung von„Mangelschäden" erwartet er, solange wir nicht in solchen GesellschaftSverhältnifsen leben, in denen jeder Mangel ausgeschlossen ist, von der .zielenden Hilfe". Wenn wir aber die Skala der Mindestbedürfniffe verfolgen, kommen wir zu einer immer schwierigeren Beantwortung der Frage, was eigentlich zum Gedeihen notwendig ist. Cs handelt sich um Befriedigung der Minima nicht allein für den Körper, sondern auch für die Seel«. Gerade die Wissenschaft hat feftgrstellt, dass es seelische Bedürfnisse gibt, deren Nichtbefttedigung den Erfolg der Erziehung vernichtet» kann(Mangel an Liebe gegenüber dem ErziehungSobjeft.) In Hinkunft wird es schwer sein, sich einen Erzieher zu denken, I der nicht vom Arzte gebildet und beraten wird und umgekehrt, Arzt und Erzieher müssen zusammen- > arbeiten. Der mit reichem Beifall aufgenommene Bortrag löst« eine ausgedehnte, anregend« und fruchtbare Wechselrede aus, in welcher auf verschiedene Punkte der Schulgesundheitspflege Bezug genommen wurde(Schulärzte, Jodprophylaxe, Diphtherieimpfung, Zusammenwirken von Arzt und Lehrer, praktische Ernährungslehre in der Schule, Naturheilverfahren usw.). In seinem ausführlichen Schlußworte nahm der Vortragende zu den vorge- brachten Anregungen, Einwänden und Anfragen vom Standpunkte des Arztes und Wissenschaftlers Stellung. Nach einer Pause nahm dann Sektionsrat Schulministerium Wenzel Patzak das Wott seinem Referate: „Die Schule in der Tschechoslowakei". Ausgehend von der Entwicklung des Schulwesens in den hiswrischen Ländern, der Slowakei und in Karpathorußland kam er auf das jüngst geschaffene Sprengelbürgerschulgesetz zu sprechen. Weiter behandelt« rr die Frage der 4. Klaffen an Bürgerschulen, die Lex Uhlii, den Schulfunk, den Schulfilm, die Frage der Lehrbücher und nahm dann Bezug auf die pädagogischen Reformen der letzten Zett. Als Novum führte er an, dass von nun an die Vorbereitung der Kindergärtnettnnen vier Jahre in Anspruch Nehmen werde. Zum Mittelschulwesen Steilung nennend, wies er darauf hin, dass die Mittelschulreform fast vollendet ist und dass zwei Entwürfe über die Klassifikatton und die Reform der Disziplinarvorschriften in Vorbereitung sind. Was die Hochschulen anbetrifft, handelt es sich hier nicht allein um die Reform des Studiums, sondern auch j um di« Revision und Reform der Autonomie, welche sich als Rest eines Zunftwesens bei uns am längsten erhalten hat, während sie im übrigen Europa schon längst abgebaut worden ist. Der Vortragende kommt dann noch auf die äusserst wichtige Frage der Volksbildung, auf die .Tätigtest per.BezirksbildungsauSschMp und OxtS- bUdüngSauSschüsse'zu sprechen'und ist der Meinung, dass diese Arbeit ttotz der jetzt eingettetenen misslichenVerhältnisse Iveder aufgegeben werden, noch eine Beeinträchtigung erfahren dürfe. Auch an diesen Bvrttag schloss sich eine rege Wechselrede, Di«„Pädagogisch^ Woche" wurde am I deS Sinnes fifc die praktische und biotische Be« Montag nachmittag- mit der Debatte über dir| deutung der Philosophie. Jeden dieser Punkte vormittägigen Borträge deS Herrn Inspektors l' Rohm und deS Herrn Dr. N y k l, Direktor des KomeniumS in Prag-Nufle, fortgesetzt. Daraus sprach in unvergleichlich fesselnder und streng wissenschaftlicher Weise der Leiter der Studien abteilung deS Verbandes tschechoslowakischer Mit telschullehrer, Herr Prof. CiZek aus Prag, über das Thema:„NeueRichtungen in den Mittelschulen". Er sei, so führte er auS, notwendig, die Ziele mit einem Maximum! exakter Klarheit'zu formulieren. Die Voraus setzungen dazu seien das Studium der mensch lichen Gesellschaft, die Feststellung des Vakuums zwischen der höheren Bildung und den Bedürf nissen der Gesellschaft und die Feststellung de? Charakters dieser Bedürfnisse sowohl nach ihrem Inhalt, als auch nach den Methoden. Das ge schehe leider nicht, da man gewohnt sei, mehr spekulativ und dialektisch vorzugehen. Wer den Entwurf für die Mittelschulen aufmerksam durch lese, sehe, daß die Denkmethöden hergebracht und nicht abgeleitet seien. Man hält es nicht für notwendig, sich mit den Grundlagen der zeit genössischen Gesellschaft zu beschäftigen. Nach der allgemeinen Auffassung besteht die höhere Bil dung leider nicht darin, gesellschaftlich funktio nell zu denken, sondern darin, etwas auswendig gelernt zu haben. Um zu einem Ziele zu kom men. müsse man erst wissen, was man nicht mehr braucht, damit man sehe, was man haben wolle. Dazu sei eS notwendig, gegen folgende Dinge zu kämpfen: 1. Gegen das Verhältnis des studier ten Menschen zu den Gewohnheiten. 2. Gegen die Gewohnheit, neuere Wissensbereiche(Biologie, Psychologie, Soziologie) entweder überhaupt nicht zur Kenntnis zu nehmen oder m der Form eines toten, nur zu memorierenden Stoffes ohne Ver ständnis für seinen instrumentalen Wert. 3. Gegen die Gewohnheit, das Wissen höher zu schätzen als das Denken. 4. Gegen die Gewohn heit, am selbständigen Denken weniger Wohl gefallen zu finden, als es seinem individuellen und sozialen Wert entspricht. 5. Gegen die Un fähigkeit, sich durch Tatsachen belehren zu lassen. 6. Gegen das geringe Verständnis für die Aus bildung der Vorstellungskraft, besonders an sozialen, wirtschaftlichen, politischen und psychi schen Tatsachen. 7, Gegen die statisch« Vorstel lung von der Wissenschaft. 8. Gegen di« Gleich- gülttgkeit, ja Verachtung für theoretisches Den ken. 9. Gegen die geringe Uebung im Unter scheiden vom Allgemeinen und Besonderem und schließlich 10. gegen das fast vollständige Fehlen führte der Vortragende in ungemein interessan ter Weise aus und er schloß'feinen Vortrag mit der. Feststellung, daß Kenntnisse nicht kämpferisch seien, die Bildung jedoch tatsächlich kämpfe und darin liegt ihr hoher ethischer und sittlicher Wert. Der Montag-Nachmittag gehörte zu den Höhe punkten dieser pädagogischen Tagung. -> Dienstag vormittags sprach Dozent Dr. Theo dor G r u s ch k a über das Thema„A r z t und Erziehung". Der Mensch als Objekt der Er ziehung ist mit der höchsten Leiftungsfähigkeü aus zustatten, damit er sich ganz im Interesse der Ge meinschaft betätigen könne. Der Vortragende be schäftigt sich sodann mit drei grundlegenden Fragen, nämlich: 1. Welche Aussichten und Schwierigkeiten bietet das Erziehungsobjekt? 2. Welche Umstände sind der Erziehung förderlich? 3. Welche Umstände hemmen die Erziehung? Er verwirft den erzieheri schen„Nihilismus", der darin besteht, daß man jede Erziehung aufgibt in der Annahme, daß alle seelischen Eigenschaften angeboren sind, wogegen doch di« Biologie und die Erblichkeitslehre das ge rade Gegenteil beweisen. Das Schicksal einer Ent wicklung wird nicht allein durch die Anlagen be stimmt, sondern auch durch die Möglichkeit, das In- dividuum in eine günstige Umwelt zu versetzen, j 23,346.280 Xö'Der Aufwand für dieseArbeiten Hemmende Umstände in der Erziehung sirw vor allem' beträgt 235,849.763 XL. Wenn dies« Arbeiten Krankheit, Mangel und seelische Widerstände, welche^em beabsichtigten Umfange werden durch- hinweggeräumt werden müssen, wozu geführt werden, dann werden sie im ganzen e- srerlrch notwendig tfi, bafc man sie rechtzeitig er- 35.943 Personen aus den Reihen der Arbeitslosen Eine Schutztruppe der Unternehmer! Die„Deutsche Arbeitnehmergewerkschaft, Sitz Tetschen", ist eine gut nationale Organi- sation. Ihre Führer stehen zum großen Teile in jener Partei, die so warm für die„Reinheit und Sauberkeit" in der Politik und im öffentlichen Leben einttitt. In der genannten Gewerkschaft scheinen aber diese Grundsätze noch nicht genügend verankert zu sein. Vor unS liegen zwei Flugschriften, aus denen hervorgrht, daß rS in der recht lieblich ausschaut. Zum befferen Verständnis deS Inhalts der beiden Flugblätter sei vorauSgeschickt, daß im August 1935 der alte Vorstand davongejagt und eine neue Leitung eingesetzt wurde. Ein Rundschreiben, herauSgegeben vom jetzigen Vorstand und Finanzausschuß der „Deutschen Arbeitnehmer-Gewerkschaft", spricht in der Einleitung von unliebsamen Vorfällen, die sich in der außerordentlichen Hauptversamm- lung am 1. März 1936 in Bodenbach ereignet haben. In dieser Versammlung gab es nämlich eine heftige Opposition gegen die neue Führung. Dieser geht es darum, den Mitgliedern' zu er klären, was für einen Sauhaufen sie im August 1935 übernommen hat. Geschäftsfiihrender Obmann der„Deutschen Arbeitnehmergewerkschaft" war früher ein ge wisser Gaube. Unter seiner Aera wurde so ge wirtschaftet, daß— nach den Behauptungen des zitierten Rundschreibens— bereits zu Be ginn der Wirtschaftskrise die Kassen leer waren. Aus diesem Grunde war die alte Leitung ge zwungen, sehr bald rigorose Sparmaßnahmen zu ergreifen. Zunächst wurden die Saison arbeiter auf 18 Wochen gekürzt und der 14tägige Arbeitsnachweis eingeführt. Ein Haches Jahr später wurden die Beiträge erhöht. Da die Unterlagen niemals genau stimm ten, mußten immer wieder neue Maßnahmen beschlossen werden. Am 27. Jänner 1938 war man dann so weit, daß man den Unterstützungs beziehern nahelegen mußte, auf die ArbeitSlosen- unterstützung überhaupt zu verzichten und ihnen zu empfehlen, sich um die staätlichen Lebens mittelkarten zu bewerben. Das Rundschreiben untersucht dann in ziemlich ausführlicher Weise, wieso denn die Gewerkschaft immer in so großen finanziellen Schwierigkeiten war. Um nur ein Beispiel zu nennen: Der ehemalige Haupt geschäftsführer ließ sich in drei Vierteljahren den Betrag von 9683 XL auszahlen, ohne angeblich darauf ein Anrecht zu haben. In den Ortsgruppen sah es womöglich noch schlimmer aus, so Waffenlieferungen nach Ungarn Linz. Rach einer Meldung der„Linzer Tagespost" wurde Montag auf dem Linzer Hauptbahnhof ein Eisenbahnwaggon, der als Transitgutsendnng aus Finnland nach Ungarn unter der Deklarierung„Maschinenbestandteile" lief, auf Aviso auS Passau (!) behördlich untersucht. ES wurde feftgestellt, daß die Kisten nicht Maschinenbestandteil«, sondern Gewehre enthielten. ein Grubenunglück vor Gericht Die Staatsanwaltschaft in Leitmeritz hat am 11. Jänner 1936 wegen des am 6. Oktober 1935 am Prokopschackit bei Soüorten erfolgten Schachtunglückes, bei welchem infolge eines Einsturzes im Hauptstollen die sechs Familienväter Wenzel K o r e I u s, Rudolf Pacher, Josef H y b s, Richard Herrmann, Eduard Wagner und Anton Winckler durch die herabstürzenden, brennenden Kohlen verschüttet und durch die Kohlengase erstickt wurden, gegen die an dem Unfall verantwortlich gemachten Personen eine Anklage wegen des Vergehens nach 8 335 gegen die Sicherheit des Lebens erhoben, weil diese auf der Grube Prokop eine Handlung unternommen, bzlv. unterlassen hatten, die infolge besonders gefährlicher Verhältnisse eine Gefahr fiir das Leben, die Gesundheit und körperliche Sicherheit von Menschen herzuführen und zu vergrößern geeignet waren. Unter Anklage stehen deshalb die beiden Besitzer der Grube Josef U h e r in Turn, Josef M u z i k a t, Schuhoberteilerzeuger in Teplitz, und die mit der Beaufsichtigung und Leitung des Betriebes betrauten Jng. Franz Komrska in Laun, Julius Wend, Schachtaufsehrr in Turn, und Heinrich L a d m a n n, Schichtmeister in Turn. Die Hauptverhandlung über die erhobene Astklage war bereits für den 6. April 11)36 vor einem Strafsenat in Leitmeritz angeordnet, wurde jedoch über Gerichtsbeschluß neuerlich vertagt, um die von der Verteidigung eingebrächten Beweisanträge vor der Hauptverhandlung zu überprüfen, eventuell auch durchzuführen und im Zwischenverfahren noch ergänzen zu lassen. Or. Czech für die Reichenberger Hebemmenschule In seiner Eigenschaft als Gesundheitsminister hat Genosse Dr. Czech beim Finanzministerium beantragt, einen Betrag von 500.000 XL als.erste Rate eines.S.taa tsbei.tr a g e S für. die Erbauung einer Hebammenschüle in Reichenberg in das Budget für das Jahr 1937 einzusetzen. Falls das Finanzministerium diesem Antrag beitritt, ist die Sicherung gegeben, daß in absehbarer Zeit mit dem Bau begonnen werden kann, der nicht nur Arbeit schafft, sondern auch der Stadt eine indirekte Einnahmsquelle bietet. Der Wettstreit der StraBenmuslkenten Der am Sonntag, den 5. d. M., in Karlsbad von der Fischerner„Urania" veranstaltete Strgßensänger-Wettbewerb hatte gewaltigen Zu- lauf auS allen Schichten der Bevölkerung. Die „Urania" in Fischern hatte bekanntlich vor etlichen Wochen einen Aufruf an alle diejenigen erlassen, die, unverschuldet des Arbeitsplatzes verlustig geworden, mit Geige, Gitarre, Ziehharmonika und Klarinette als Straßen- und„Hof"-Sänger ein Fortkommen zu finden suchen, zu einem Wettkonzert in Karlsbad anzutreten; den siegreich aus dieser Konkurrenz hervorgehenden Musikern und Sängern, so verhieß das Ausschreiben, werde Gelegenheit zu öffentlichem Auftreten in verschiedenen größeren Städten und damit die Möglich-, leit eines Engagements geboten werden. Aus allen Gebieten des Staates hatten sich Interessenten ftir die Veranstaltung gemeldet. Unter den Bewerbern wurden 18 Gruppen mit zusammen 58 Personen ausgewählt, Schrammler, Sänger und Harmonika- und Zitherspieler, die. oft von weit her zu Fuß nach Karlsbad gekommen, am Sonntag im Schützenhaus zum Wettkampf, in welchem das Publikum mit Stimmzetteln Schiedsrichter spielte, antraten. Die Gruppe G r a S l i tz, ein Quartett, erhielt den ersten Preis, die Gruppe Fischern den zweiten, die Gruppe M a r i a s ch e i n, die sich 14 Tage auf dem Marsch nach Karlsbad befunden hatte, den dritten, die Gruppe K i t t l i tz den vierten und die Gruppe Karlsbad den fiinften Preis. Die Preise selbst bewegen sich zwischen 50 und 250 XL, und feder Preisträger erhält ein Diplom, desgleichen wird aber auch den übrigen Teilnehmern an dem Wettbewerb eine CrinnerungSplakatte auSgehändigt. Einen erfreulichen Erfolg hat die Konkurrenz insoferne bereits aufzuweisen gehabt, als der Besitzer des Taft„Schweizerhof" in Karlsbad fünf von den an der Konkurrenz teilnehmenden Gruppen kür ein Sonderkonzert am Ostersonntag engagiert bat. Desgleichen veranstaltet die„Urania" mit Rück« sicht darauf, dgß Hunderte von Interessenten keinen Einlaß mehr finden konnten, in der nächsten Zeit in Karlsbad eine Wiederholung des Straßen- musikerwettstreites und eine Reihe gleicher Veranstaltungen in den größeren Städten der Republik. Seite 1 Mittwoch, 8. April 1936 Rr. 84 vas Museum des„narrischen Grafen“ Die Ahnen des neuen Zeppelin innert, wie sie damals aus Nacht und Wolken auftauchten, die brummenden, langsam dahingleitenden Ungeheuer, umtobt von der Meute der Schrapnells, umblitzt, von den Strahlen der Scheinwerfer,.. Eine höllisch« Vision. Es war der erste Auftakt des zukünftigen Luftkrieges. Und diese 480 Menschen—sie erlebten keine weniger grauenvolle Hölle als die, denen sie Tod und Verderben brachten Ueber den schweiß- und ölgetränkten Gesichtern trugen sie dick wattierte Helme mit eingebauten Kopfhörern für die Befehlsübch:- mittlung. Die eisigklammen Finger aber bedienten den elektrischen Boinbenabwurfsapparat, der harmlos aussieht wie eine Telephoi^entrale. Daneben steht im Museum ein Spähkottb, der mit einem Mann besetzt 1000 Meter tief unter die Wolken heruntergelassen wurde,: Die Militärs hatten sich plötzlich ausgesöhnl mit dieser Luftwaffe und benützten sie ohne Rücksicht auf Men- scken und Material. In der Heimat verließ Zeppelin auf Zeppelin die Werkstätten. In irgend einem großherzoglichen Schloß wurde der Thronsaal mit Arbeiterinnen belegt die für die Kriegsluftschiffe die StoffhaUt klebten und nähten. 1919; das erste Friedensluftschiff nach dem Krieg, die„Bodensee".„LZ 126", der Repara- tionszeppelin, überquert auf seiner AblieierungS- fahrt zum ersten Mal den Nordatlantik ohne Zwischenlandung in 59 Stunden. Und fünf Jahre später, 1929, beginnt der neue„Graf Zeppelin" seine Reise rund um die Welt. Deutschland kann ein ungeheures moralisches Plus buchen. Eckener zeigt sich als genialer Verwalter des Zeppelinschen Erbes. Das Luftschiff besteht alle Zerreitzpzcobem 1931 trifft es sich in der Arktis mit dem russischen Eisbrecher„Malygin". Die Welt wird kleiner und kleiner. Südamerikafahrten, Orientfahrten, Nordlandfahrten im Zeppelin, Verbindung von Kontinent zu Konsinent in Rekordzeiten— das ist zum Alltag geworden. Kein Wunder, daß die leitenden Männ«r dieses Werkes— Dr. Eckener, Ingenieur Dürr, Kapitän Lehmann— Menschen von internationaler Geltung und weltbür- ! gerlicher Gesinnung sinh, Feinde jedes engstirnigen Nationalismus, der zugleich ja auch der Feind ihres Werkes-sein muß. Eckener sicht das Unheil über Deutschland hereinbrechen und will ibm, obwohl Typ, des„uupolitischeu" deutschen, Technikers, mit allen Mitteln steuern. 1932 versucht er, eine demokratische Partei als Gegenpol zu der immer stärker anschweklenden Flut des Nationalsozialismus und Erbe der sterbenden„Deutschen Staatspartei" zu gründen. Seine Gegner haben es nicht schwer, dein auf diesem Gebiet imgeübten Mann die Waffen aus der Hand zu winden. 1933: von Anfang an besteht Kriegszustand zwischen der Reichskanzlei und Friedrichshafen. Eckener kennt seine Stärke, die in seiner Unersetzlichkeit besteht. Er kann es sich leisten, passive Resistenz zu üben und Friedrichshafen zu einer liberalen Insel im Dritten Reich zu gestalten. Er braucht Hitler nicht, aber Hitler braucht ihn. Eckener kann bis zum Jahre 1984 verhindern, daß man das Hakenkreuz auf das Steuerruder seines Luftschiffes pinselt, und auch dann geschieht es nur auf der einen Seite, die andere wird schwarz- weißrot. Diesmal ist die Konzession nicht zu umgehen— der neue Zeppelin„LZ 129" ist im Bau, von Berlin droht man mit Subventionsentzug. Es gibt sckwcre Kämpfe hinter den Kuliffen. Und der neue Lnftriese entsteht— nicht als Zeuge für das Dritte Reich, sondern gegen eS. Dutzendmal versucht uum, Eckener ein Bein zu stellen. Es gelingt nicht. Seine amerikanischen Freunde Pasten auf. Und ein Zeppelin ohne Eckener ist nicht denkbar, heute noch nicht. Dutzendmal spielt man mit dem Gedanken, den„LZ 129" nicht wesierzubauen. Aber von Friedrichshafen aus versteht man immer wieder Meldungen in die Welt zu bringen, die das Propagandaministerium in die furchtbarste Klemme gebracht hätten, wenn der neue Luftgigant plötzlich„abgeblasen" worden wäre... Ml diese Dinge erfährt man zwar nicht im Zeppelinmuieum, aber von rechts wegen gehörten sie hinein. Und man tut gut daran, sie nickt zu vergessen im Lärm des pompösen Jubels, den die Herren des Dritten Reichs um„ihren" neuen Zeppelin anftimmen, auf den niemand weniger Recht hat als sie. Ela., Der Besucher der Zeppelinwerft in Friedrichshafen ist höchst erstaunt, daß auf dem ganzen Riesengelände der sonst obligatorische Gruß«Heil Hitler" nicht zu hören, daß kein pathetisch emporgerechter. Arm zu sehen ist, es sei denn von selten regimetreuer Besucher. Die Werksangehörigen, die Ingenieure und Direktoren sagen einfach „Servus" oder„Grüß'Gott" nach süddeutscher Art, und es scheint, als fürchteten sie keinen Racheftrahl aus braunem Himmel... Wer die Geschichte der Zeppeline kennt, den wich diese passive Rcsislcnz au einer Stelle, die doch scheinbar so estg mik dem Dritten Reich verbunden ist, durchaus njcht wundern. Der. neue Luftgigant„LZ 129", mag er noch so stolz das Hakenkreuz am Steuerruder tragen,— daß er existiert, ist nicht auf das Konto der neuen Herren in Deutschland zu buchen; im Gegenteil, er ist der lebendige Zeuge eines wütend geführten Kampfes gegen sie, eines Kampfes, der seil nunmehr vierzig Jahren von der Südwestecke des Reiches aus gegen die Bürokratie, Dummheit und Borniertheit deutscher Machthaber ausgefochten wird. Ein niedriges Haus dicht neben der ungeheuren Halle des neuen Zeppelin weiß dem aufmerksamen Beobachter eine ganze Menge darüber zu erzählen: Das Zepeplin-Museum, das Museum des„närrischen Grafen". Am Eingang, dicht über unseren Köpfens hängt der neue„LZ 129" in tausendfacher Verkleinerung. Und daneben— seltsames Rendezvous— ein Modell des„LZ 1", des ersten Zeppelins. Die ganze Entwicklung der wenigen Jahrzehnte spricht aus diesem wortlosen Nebeneinander: hier noch das plumpe, fast rührend ungeschickte Vehikel mit seinen offenen Gondeln, seinen herausspringenden Stahlrippen am mageren Luftschiffkörper— dort das ungeheure, elegante, in sanfter Stromlinienkurve dahinschwebende Riesenschiff. Aber welcher Weg war es bereits, bis jener „LZ 1" starten konnte! Wie hat sich der„närrische Graf" herumschlagen müssen nicht nur mit Natur und Materie, sondern noch mehr mit der Stupidität der herrschenden Kreise, der Borniertheit der Militärs, der Blindheit der Bürokratie. Recht offen gibt das Museum darüber Aufschluß — in Gestalt von Karikaturen aus zeitgciwssi- schen Witzblättern. Den Nagel auf den Kopf traf der„Simplizissimus" mit einer Zeichnung von der ersten Probefahrt des„LZ 1" vor den Generalstäblern, mit dem Text:„Aber das geht doch nicht— der Kerl fliegt ja über unseren Horizont!" Freilich, sehr elegant sah der erste Entwurf Zeppelins nicht gerade aus. Es war ein„Lust- fahrtzug Mik Anhängern" aus dem Jahre'1895, ein Motorluftschiff mit einigen durch Stoffgelenke verbundenen motorlosen Ballons, eine seltsame Kette von fliegenden Würsten— der erste„D- Zug der Luft", der heute in so ganz anderer Weise Wirklichkeit geworden ist. Erst fünf Jahre später, am 2. Juli 1900, ist es dem Grafen gelungen, sein Luftschiff starten zu lassen. ES bedeutete ein Ereignis von unbeschreiblicher Wirkung; ganz Europa schien in zwei Lager gespalten: chier grenzenlose Bewunderung, dort kompromißlose Ablehnung. Und diese.Spaltung war stärker als irgendwo in Deutschland selbst. Das Volk hatte Zeppelin mit einem Schlag erobert — aber die Mächtigen im Lande taten alles, um seinen Erfolg zunichte zu machen. Man gewährte ihm so wenig Unterstützung wie irgend möglich. Noch 1908 muh er bei Manzell im Bodensee eine Zeppelinhalle als Pfahlbau errichten, die in ihrer Primitivität wahrhaftig an die Heimstätten der vorsintflutlichen Bodcnsecbewohner gemahnt, mit ihren in den See gerammten Pflücken und ihrer einfachen Holzkonstruktion. Sie beherbergte jenen LZ 4, der im gleichen Jahr die fürchterlich« Katastrophe von Echterdingen erlebte. Damals schien es in Deutschland für alle Zeiten aus mit Luftschiffprojekten. Der Graf stand vor den rauchenden Trümmern seines Werkes, vor den grotesk verbogenen Stahlknoten, die das Trümmerfeld von Echterdingen bedeckten und heute einen Sondertisch im Zeppelinmuseum einnehmen. - 2a, cs schien aus. Aber nun war es das Volk, das trotz aller behördlichen„Warnungen" wie ein Mann hinter Zeppelin stand, der alles verloren hatte. Das Volk half ihm. Die„Zeppe- 'linspende" brachte auf unzähligen Kanälen Pfennig auf Pfennig fiir einen neuen Zeppelin. So unglaublich es schien— der„kleine Mann" war es, der den richtigen Blick für die Aussichten des starren Luftschiffbaus hatte und an seinen Erfinder glaubte; er ließ sich nicht beschwatzen von den Neunmalweisen, die immer wieder mit erhobenem Finger nach Echterdingen wiesen; und er sollte recht behalten. Aus dem gesammelten Geld entstand der„LZ 5". 1910 gab es schon eine ganz hübsche Passagierkabin« im Zeppelin. Im Museum ist sie zu betrachten. Ein bißchen eng und unbequem freilich, das Fensterchen war mit Gardin- chen geschmückt wie Mutters gute Stube, und im gleichen Zeppelin wurden die Befehle aus der Führergondel noch— schriftlich weitergegeben l Denn per Telephon hätte man bei diesem Lärm kein Wort verstehen können. Eine Ehrentafel: 480 Tote forderte der Luftschiffkrieg aus der Zeppelinmannschaft. Dutzende von Luftschiffen zerbarsten im Feuer der Abwehrkanonen, zerkrachten führerlos in Frankreich, Belgien, England. Aber iwch heute schaudert es den Pariser und Londoner,, wenn, er sich er- Frühjahrssorgen Die„Reichenbergkr Zeitung" befaßte sich dieser Tage in einem Artikel„Schönheitspflege im Frühjahr" mit'den Sorgen, die in der jetzt- gen Zeit an die Damen der Gesellschaft heran- treten.„Jetzt kp.mmt wieder, die Zkstt<, wo den »steiften Frauen ihr Teinf. nicht mehr gefallt" konstatiert sie als Einleitung und dann folgen die Ratschläge, die das Blatt allen denen vermit» I telt, die vor Langwelle nicht wissen, wie sie den I Tag totschlagen sollen. Arbeiterfrauen, die Tag für Tag in der stickigen Fabriklust leben oder aber im Freien bei jeder Witterung sich schinden und plagen müssen, um daS bißchen Leben fort- zubringen, und die froh find, daß sie noch eine Arbell haben, haben wahrlich andere Sorgen! Es ist aufreizend im wahrsten Sinne des War- tes, wenn man von den„Sorgen" liest, die sich die bürgerliche Gesellschaft macht. Nichts schadet der Haut so sehr wie Tem« peraturwechsel, der gerade in den Früh- lingSmonaien das einzig Beständige ist. Also doppelte Aufmerksamkeit für die liebe Schönheit! Tsie Folge kalter und warmer Tag« wirkt auf das Gesicht wie eine Wechseldusche: es wird rot und empfindlich, Also seien wir besonders sanft mit ihm! Creme hilft nicht viel. Trotzdem sollte man sie stets unter den Pud er legen, doch wählt man ihn um diese Jahreszeit weniger fett als sonst. Auch Glycerine-Creme ist im Augenblick nicht empfehlenswert, er reizt die Haut zu sehr. Dagegen ist der sonst nicht sehr ge- sthätzte Zusatz von Zinkoxyd gerade jetzt nützlich. Denn die von den Stürmen und Temperaturschwankungen verletzte Haut braucht Pflege und Austrocknung. Und nun folgen die Ratschläge, wa§ weiter zu beachten und zu befolgen ist. Am inter- essantesten ist aber ohne Zweifel der Schlußab- satz dieses lehrreichen Artikels. Er lautet: Und dann die Diät! Wenig Flessch essen, aber viel Gemüse, Früchte, Mehlspeisen. Erfrischung und Entgiftung ist jetzt das Gegebene. Dagegen find Abmagerungskuren jetzt am Ende des Winters, wo die wenigsten in guter Form sind, nicht anzuraten. Um mager zu werden, mutz man ganz gesund und frisch sein. Jetzt ist die Zeit, in der in der Natur alles wächst und sich entwickelt. Wir wollen nicht vergessen, daß wir schließlich auch immer noch ein Stück Natur sind und wollen in dieser Zeit des Aufblühens nicht mir dem Abbauen anfangen. Wir wollen nur feststellen, daß die von eben der Gesellschaft, die süh solche„Sorgen" macht, den Hunderttausenden Arbeitslosen aufgezwungenen und unfteiwMgen Abmagerungs- kuren den Opfern der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaftsordnung auf keinen Fall zuträglich sind, ebensowenig aber der Gesellschaft selbst, die in der Zeit des Aufblühens so viel abgebaut hat. Sie weiß noch nicht, wie empfindlich ihre Haut! ist. Aber sie wird es noch merken, spätestens, wenn es soweft sein wird, daß sie der Teufel holl! »Albern". Ueber den politischen Inhalt der Roden englischer Staatsmänner zur Rheinlandbesetzung Deutschlands dürfte manchem eine Redewendung des Lord Zetland, des Ministers für Indien entgangen sein, die politisch belanglos sein mag, die aber«in klares Zeugnis darstellt, wie das geistige Niveau der gegenwärtigen Führergarnitur in Deutschland im allgemeinen und des-,„Führers," inr besonderen gewertet wird. Lord Zetland sagte: ,,Dey A)ruch dieses Vertrages(Locarnovertrag d. R.) so zu rechtfertigen, wie es Hftlsr tut, ist a l b e r n."-„A l b e r n" das heißt einfältig, beschränkt, dumm.(Siehe Brockhaus.) Äm Sprachgebrauch englischer Staatsmänner und Diplomaten ebenso wie der Parlamentarier ist man solch drastische Ausdrucksformen nicht gewöhnt. Sie bewegen sich immer in ernster Sachlichkeit, beachten alle Formen internationaler Höflichkeit und bewahren auch in der Auseinandersetzung mit dem Gegner stets die Grundsätze höchster Vornehmheit. Deshalb kann man dieses Wort„albern", angewendet auf«ine politische Aeußerung des derzelligen deutschen Reickskanzlers nicht als eine rednerische Entgleisung dieses aktwen englischen Ministers ansehen, sondern als«in bewußtes Werturteil über eine politische Auslassung Hitlers und da er doch als Regierungschef sprach, der gesamten Reichsregierung. Und damit kennzeichnet ein seriöser Staatsmann, ein Minister des britischen Weltreiches die polllische Geistigkeil des Dritten Reiches schlechthin. Die Methoden» das System der Nazi, sind barbarisch, gemein, sind roh. kriminell, aber das was sie im Dritten Reich für Politll ausgeben, das was der„Führer" als Ausfluß höchster politischer Weisheft verzapft und das auch von der hiesigen Henleinpresse dafür gehalten wird, bezeichnet ein wirklicher englischer Staatsmann als a l b e r n, also als Ausdruck der Einfälligkeit, Beschränktheit, Dummheit und die Geschichte wird beweisen, daß er recht hat! Ein Kind mordet. Ganz Frankreich hat mii Entsetzen von einer Kindertragödie Kenntnis ge- nouunen, die sich in einem Dörfchen in der Nähe von Bordeaux abgespielt hat. Dort wohnte ein Landarbeiter mit Namen Tranque mit seiner Frau und seinen drei Kindern, einem Knaben Aves von neun Jahren und zwei Mädchen von fünf und zwei Jahren. Der kleine Aves war seines bösen Charallers wegen im ganzen Dörfchen bekannt. Man hat ihn wiederholt dabei ertappt, wie er Tiere quälle oder nach Passanten mit Steinen warf. Bor einigen Tagen verließ der Vater das HauS, um sich zur Arbeit zu begeben. Auch die Mutter hatte einige Besorgungen zu er, ledigen und befahl Aves, auf seine kleinen Schwestern achtzugeben, damit diese nicht auf die Landstraße herausliefen und unter ein Auto kämen. Aves benutzte die Abwesenheit der Eltern, um die fünfjährige Giftle kaltblütig zu erschießen. Er gab an. daß er sich mit der Schwester gezankt habe und daß er sie immer schon nicht leiden konnte. Der Knabe holt« das Gewehr des Vaters aus einem Verschlag und brach, da«S nicht geladen war, eine Schublade auf, in der, wie er wußte» sich die Munition befand. Nach dem Verbrechen lief er auf die Straße und ries einen Cftcrfniedc n Es ist ein schöner Brauch, der in der Tschechoslowakischen Republik seit Jahren üblich ist, daß zu,-Ostern durch das Rote Kreuz friede verkündet wird. Gerade heuer hat dieser Osterfriede großen moralischeu Wert, In Abessinien wütet noch immer ein grausamer Krieg, der auch vor Lazaretten und unbefestigten Städten nicht halt gemacht hat, der den Tod aus den Lüften nicht nur auf die Soldaten, sondern auch auf Greise, Frauen und Kinder sendet. ,Und während wir erschüttert sind von den Greueln eines Kolonialkrieges, richtet sich drohend das Gespenst eines neuen Völkermordens in Europa auf, das den alten Erdteil, den Mittelpunkt der Zivilisation, mit Untergang bedroht. Wohl vermag der Friede an Feiertagen nicht die an Hunderten von Werktagen im Jahre frech sich spreizenden Kriegsdrohungen zu verscheuchen, wohl vermag die Menschlichkeit von Stunden nicht fertig zu werden mit der Barbarei eines Jahrhunderts. Dennoch muß inmitten des Klirrens von Eisen die Stimme der Vernunft ertönen und den zersetzenden Elementen, die aus dem Schoße einer chaotischen Gesellschaft emporwachsen, der unerschütterliche Wiße entgegengestellt werden, den Frieden und die Kultur Europas, die Menschlichkeit zu erhalten. vorübergehenden Bauern an: seine Schwester babe mit dem Gewehr gespielt und sich erschossen. Aber da das Gewehr am anderen Ende der Stube lag, wußte man sofort, daß es sich um einen Mord haitdclte, den Aves auch ohne weiteres zugab. Als Grund gab der Knabe an, daß seine Mutter die kleine Gisäle vorzog und daß ihn das geärgert habe. Bier Minuten rast der Tod. Die Gesamtzahl der durch die Wirbelsturmkatastrophe getöteten Personen beträgt in der Stadt Tupelo im Staate Mississippi 870. In den Garagen, Kirchen und in den Schulen liegen 2500 Verwundete. Der Sachschaden beträgt mindestens zehn Millionen Dollar. Von den 125 Arbeitern einer Fabrik in Gaincsville in Georgia gelang es nur 40 zu entkonunen. Die anderen wurden von den stürzenden Mauern erschlagen oder verbrannten beim Fliehen, Der furchtbare Wirbelsturm dauerte nicht länger als vier Minuten. In den fünf betroffenen Südstaaten forderte der Tornado schätzungsweise 200 dis 500 Tote und über 1000 Verletzte. Viele tausende Menschen sind Obdachlos. Der Sachschaden beträgt mehrere Millionen Dollar. Im Staate Georgia wurden insgesamt etwa 20 Dörfer und Städte zerstört. An vielen Orten brachen Brände aus, die infolge Zerstörung der Wasserleitungen, nicht gelöscht loeroenloNnicn.’ Das Gastmahl der Patrioten. Die Pariser Reaktioiüire und offenen Faschisten haben ein Wahlbündnis.geschlossen, das in einem brüderlichen Bankett besiegelt werden sollte. Aber schon der erste Redner, der bekannte Abg. Tait- tinger,„Führer der Jugend" wurde von einer anderen Brüdergruppe niedergebrüllt. Bei den folgenden Rednern flogen bereits Teller, Flaschen und Gabeln durch den Saal. Orangen wurden als Wurfgeschosse gegen die Sprecher verwendet. Draußen wurden Dutzende abgekämpfter Strefter verbunden und gelabt. Nachher erklärten die Veranstalter, alles sei— ein M i ß v e r st ä n d- n i s gewesen und nur durch das Versagen eines Lautsprechers verursacht worden. Die Strecken des Grauens. Im„Ne lson"- Schachte wurde unter großen Schwierigkeiten«in neuer Grubenabschnitt gewältigt, wobei man zivei Tote und Teile einer weiteren Leiche fand. Eine Identifizierung der Toten war noch nicht möglich. Die gewonnenen neuen Strecken weisen schwere Verheerungen auf, welche der Explosionsswß angerichtet hat. Ei« doppelftickiger Dtromttnirn-Eiseniahnzug führte seine Jungfernfahrt auf der Strecke Hamburg—Lübeck—Travemünde ans, Ter Zug erreichte eine Durchschnfttsgeschwindigkeft von 100 bis 120 Kilometer. Wahrscheinliches Wetter Mittwoch r Weitere Verschlechterung des Wetters. Zunahme der Niederschlagsneigung. In den böhmischen Ländern mäßig kühl, im Karpathengebiet allmählich« Erwärmung. Wetteraussichten für Donnerstag: Andauer der un- reundlichen Wftterung, zeitweise Niederschläge. Vom Rundfunk l—lalilMiwirtM aus den ProflrMMMMi Donnerstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 12.10: Schallplatten, 18.40: aus Verdi-Opern. 17.15: Lieder, 17.45: Deutsche Sendung: Lieder von Kre- nek, 18.10: Stunde der Bauern: Hans Mutterer liest vor, 18.40: Deutsche Presse, 19.10: Geigenkonzert, 21: Konzert des Rundfunkorchesters, 22.15: Salonorchesterkonzert.— Sender S: 7.30: Leicht« Mufft, 14.15: Deutsche Sendung: Gerichtsrat Möh- wald: Rechtsverhältnisse der Prioatangeftellten, 14.50: Deutsche Presse, 18. Salonorchesterkonzert. — Brünn 11: Salonorchester. 16.10: Nachmittagskonzert, 17.40: Deutsch« Sendung: kttteiterfnuk: Schmrrda: Ferdinand FreUigrath.— Fritscher: Was für uns Ostern bedeutet, 19.40: Frühlingslie- der.— Preüburg 15: Nachmittagskonzert, 19.10: Schwedische Lieder.— Mähr.-Lftrau 12.35: Mittagskontert. 18.10: Deutsche Sendung: Spiel aus dem Studium Mittwoch, 8. Avril 1836 Seite 8 Nr. 84 r, Der Veste Aprilscherz. Die englischen Zeitungen erinnern an einen der gelungensten Aprilscherze, der seinerzeit ganz London zum Lachen gebracht hat. Der„Eveging Star" veröffentlichte am 31. März 1846 die Meldung, daß am nächsten Tage eine Schau in London eröffnet werden würde, die niemand versäumen sollte. Die raffereinsten Esel Großbritannicns'würden im Saale von Islington zu sehen sein. Der wundervollste Esel Englands würde prämiiert, werden. Tatsächlich fielen die Leser der Zeitung auf die ganz ernst aufgemachte und sehr geschickt stilisierte Dteldung herein, und Hunderte wanderten am nächsten Läge zur Ausstellung, wo sie sehr bald feststellen konnten, daß sie selbst die größten Esel- Englands waren. Die Zeitung brachte am folgenden Tage ein Bild der Versammlung und stellte befriedigt fest, daß ihre Ankündigung sich voll bewochrheitet habe. Mrs. Till« gestorben. Auf ihrer Besitzung in Brookwood in der Grafschaft Surrey ist die.Mutter der 8000 Beine", Mrs. Tiller, gestorben.. Viele Hunderte ihrer ehemaligen Schülerinnen haben fie zu Grabe geleitet. Sie war die erste, die Girlstänze in den Revuen organisiert hat, und ihre Truppe war seinerzeit die berühmteste von allen- Die.Tiller- Girls" feierten in der ganzen Welt Triumphe. Im Laufe der Jahre hat sie über 4000 Girls ausgebildet, die nach ihren Bühnenerfolgen zum Teil Karriere gemacht haben. So heiratete, z. B. eine von ihnen, Grace Holt, einen Radsah und-eine andere, Reich Birch, einen amerikanischen Millionär, Zwischen ihren Schülerinnen und Mrs. Tiller bestand ausnahmslos, auch nachdem diese die Truppe verlassen hatten, ein herzliches VeHMnis. Die Girls nannten fie.Mutter", und' fie war auch mütterlich zu ihnen. Sie bleibt es auch nach ihrem Tode, denn sie hat ihr gesamtes Vermögen, mehrere Hunderttausend Pfund, für eine ,Tiller-Girls-Stiftung" hinterlassen, die für diejenigen ihrer Schülerinnen sorgen soll, die vom Glück weniger begünstigt worden find. Eine Ton-Tuichote-Briefmorkc. Die spanische Postverwaltung hat zum 13jährigen Jubiläum des Madrider Journalistenverbandes eine neue Luftpostmarke herausgebracht, auf der man Don Quichote und Sancho Panza zu zweit auf dem Rücken der Rofinünte sitzen sieht, gerade als sich.der Ritter von der traurigen Gestalt" anschickt, von dem Dache' eineS Hauses in die Lüste aufzusteigen. Besonders amüsant ist die Figur des Pferdes, die wie ein Kinderspielzeug gezeichnet ist. Der Jahresverbrauch eines Ozeanriese«. Kurz vor der Jungfernfahrt der.Queen Mary" wird auch die Trägerin des Blauen Bandes, die.Normandie", am 6. Mai die diesjährige Saison des Wettrennens über den Ozean eröffnen. 1985 hat die„Normandie" insgesamt 16 Reisen gemacht und über 18.000 Passagiere befördert. Während dieser Zeit hat das Riesenschiff folgenden Verbrauch an Lebensmitteln und? ähnlichem' zu.' verzüchpeüt, 39.000 Hühner, Ente«, Tauben und anderes Se- flügel,. 200.000 Kilo Fleisch, 700.000 Eier, 35.000 Kilogramm Fisch, 215.000 Kilogramm Kartoffeln, 85.000 Kilogramm Mehl, 28.000 Kilogramm Butter, 5200 Kisten Obst. Noch eindrucksvoller find die Zahlen für Getränke. Richt weniger als 1 600.000 Liier Bier, 130.000 Flaschen Wein, 25.000 Flaschen Champagner». 38.000 Flaschen Mineralwasser und 8000 Flaschen Likör sind ausgetrunken worden- Auch die Raucher haben wahre Orgien gefeiert: die staatlichen Tabakstände verkauften 125.000 Päckchen Zigaretten, 27.000 Pakete Tabak und 15.000 Pakete Zigarren. - Traurig« Rekord. Elisabeth Wright stand wieder einmal vor Gericht. Und zwar zum 200. Male wegen desselben Vergehen-— fie war völlig betrunken aufgegristen worden. Sie zahlte auch dieS- mal bereitwillig ihre Strafe in Höhe von 5 Schilling und erklärte dem Richter, daß sie sich zwar kaum mehr'bessern würde, aber daß eS nicht mehr lange so gehen würde. Der Richter teilte diese Meinung: die Dame ist nämlich 89 Jahre alt. Bei ein« Keffelertzlofinu deS Dampfers.Sanandres" kamen sechs Personen ums Leben, fünf Per so neu wurden schwer verletzt. Dreimal Deutschland Der Sekt verbrauch ist in Deutschland in den htzten drei Jahren gewaltig gestiegen. Im Jahre 1982 wurden f im Inland 4,810.000 Flaschen Schaumwein konsumiert. Im Jahre 1985 waren eS 13 Millionen Flaschen. Da dir''Löhne der deutschen Arbeiterschaft seither nicht gestiegen, sondern sogar gesenkt worden find, ist die Antwort auf di« Frage, wer wohl die 13 Millionen Flaschen Sekt im Jahre 1935 getrunken haben mag, nicht schwer: Hitlers Bonzokratie und die Rüstungsgewinnler! * Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamtes betrug der Fleischanteil im Feber 4-80 Kilogramm je Kopf der Gesamtbevölkerung. Gegenüber dem Vormonat ergab sich rin Rückgang um 8.9 Prozent. Im Vergleich mit dem Feber 1935 ist die Fleischwenge um 2.2 Prozent niedriger. o- Die„Frankfurter Zeitung" meldet:„Die Bevölkerung der Stadt Braunschweig wird ge- meins am Eintopf essen. Die Ortsgruppen der Partei werden sich an einem besonderen Sammelpunkt zusammcnfinden und unter Voran- tritt von Musikkapellen zu den Kasernen der Stadt marschieren, in denen Soldaten das Essen in den Kantinen verabreichen. Teller und Löffel muß sich jede/ Teilnehmer mickringen. ES wird aufge- fordert, den Löffel beim llmmarsch in das Knopfloch zu stecken." Der Poet der Merseiisiceit im Bereich der Möglichkeiten. England und Italien. Die italienische Presse in den letzten Tagen ihren F e l d z u g Schweden plant Hntzollerhöhung. In Schweden lagen dem Bewilligungsausschuß des Reichstages mehrere Anträge auf Zollerhöhungen vor, die für Fenster- und Spiegelglas,. Thermosfla-. scheu etc. abschlägig erledigt wurden. Demgegenüber wird damit gerechnet, daß der Ausschuß dem Antrag auf Hutzollerhöhung entsprechen wird. Es handeÜ sich um Herrenhüte aus Haarfilz und in zweiter Linie aus Wollfilz, Da der Zollantrag, auch durch den Reichstag muß, wüxde die Zollerhöhung aber erst nach einigen Wochen in Kraft treten. Durch die geplante. Zollerhöhung würde die tschechoslowakische Ausfuhr von Haarfilzhüten stark betroffen, da Schweden 1935 mit 5.1 Millionen Kronen Einfuhr weitaus unser bester Kunde war. trolle über den einzigen Zugang zum östlichen Mittclmeerbecken aus dem Schwarzen Meer, also aus dem russischen Machtbereich, zu gewähren und gegebenenfalls der britischen Flotte die Möglichkeit zu geben, eine effektive Blockade der südrussischen Küsten durchzuführen. Etwa zehn Jahre lang hat die Angora-Regierung di« Lausanner Konvention eingehalten.Nachdem aber Deut sch- land aus dem Völkerbund ausgetreten und die Aufrüstung in fieberhafter Weise begonnen hat, schritt auch die Türkei,' gestützt auf die diplomatische. und-technische Unterstützung hon Mo s k a u, zur Befestigung der Dardanellen und insbesondere zur Errichtung vonschweren Batterien an den Meerengen. Gleichzeitig sind auch die Garnisonen in der europäischen Türkei bedeutend verstärkt worden. Aber alle Versuche der Türkei, diese Aufrüstung zu legalisieren, Versuche, die nach jedem Vorswß Deutschlands gegen den Versailler Fri-edensberirag unternommen wurden,.stießest immer auf den Widerstand England s, das sich stets darauf berufen hat, daß die Lausanner Konvention von der Türkei freiwillig unterschrieben worden ist. Die Angora-Regierung setzte jedoch die Befestigung der Meerengen fort» und da England auf die Unterstützung der Türkei im Falle eines ernsten Konfliktes mit Italien rechnen muß, so hat in der letzten Zeit die englische Regierung tatsächlich die türkische Aufrüstung in den Dardanellen geduldet. Als der wichtigste Gegner dieser Aufrüstung erscheint nun Rom. on allen Mächten ist aber Frankreich in der heutigen Situation am meisten an der Befestigung der Meerengen interessiert, weil die Dardanellen die im Kriegsfälle w i ch t i g st« Verbindung zwischenRußland und Fran k- r eich darstellen würden. Ein deutscher Vorswß über Wien, Belgrad, Sofia auf Konstantinopel und damit auf die Dardanellen liegt jedoch durchaus' WM Schule der Seeftrategie be-' daß seit der Entwicklung der Mittelländische Meer als MöttAkoyMtrMqff-' ustd- äls Am 9. April jährt sich zum 50. Male der Todestag Joseph Victor v. S ch e f s e l s, der durch Jahrzehnte einer der berühmt«sten und meistgelesensten deutschen Schriftsteller war. Sein„Ekkehard", mehr noch dasVersepos„D er Trompetet v o n S ä ck i n g e n" und seine Trinklieder (Lindenwirtin), waren wohl das Volkstümlichste) was es an deutscher Poesie zwischen 1860 und 1890 gab. Scheffel hatte einen kaum zu bestreitenden Zug ins Geniale, besaß Humor und Stilbegabung, blieb aber als Mensch und Dichter in der b i er- seligen Romantik'des ewigen Studenten Audi Holland rüstet Die holländische Ortschaft Den Bosch erhielt soeben eine Schwadron Panzerwagen als Garnison. Unser Bild zeigt den Marktplatz während des Aufmarsches der neuen Panzerwagen- Schwadron vor dem Bürgermeister der Stadt. » Die Meerengenfrage wird akut Eines nach dem anderen werden nun alle PrMeme akut, die durch die letzten Friedensverträge eine scheinbar endgültige Lösung gefunden haben. Die Türkei erhebt jetzt Anspruch auf di« Revision der Lausanner Konvention von 1923 über die Demilitarisierung der Dardanellen, Nach dieser Konvention, di« der Türkei von England aufgedrängt wurde, dürfen die Dardanellen nicht befestigt werden, die Stärke der Garnisonen in der europäischen Türkei, also in Adria- nopel und Stambul soll 10.000 Mann nicht überschreiten, schwere Artillerie ist in dem Meer- engengebiet sowie in der europäischen Türkei gänzlich.verboten. Handels- und Kriegsschiffe dürfen jederzeit, im Krieg und Frieden, die Meerengen ungehindert passieren. Abgesehen von diesen lokalen Rüstungsbeschränkungen hat dir Türkei im übrigen nach dem Lausanner Frie- j densvertrag volle Wehrfreiheit. Die RüstungS- j beschränkungen in dem Meerengengebiet'dienten 'im wesentlichen dem Zweck, England die Kon- Neue strategische Orientierung der britischen Admiralität In der britischen Admiralität kämpfen in der letzten Zeit zwei Tendenzen mit einander. Die eine, die man konservativ nennen kann, vertritt den Standpunkt, daß nach wie vor das Mittelländische Meer das eigentliche Zentrum der britischen Seestrategie darstelle. Nach dieser Ansicht sei die Herrschaft über das Mittelmeer sowohl für die Aufrechterhaltung der Reichsseewege als auch für die britische Seeherrschaft überhaupt absolut notwendig. Als neulich die Rede davon war, Malta als Hauptstützpunkt der englischen Flotte aufzugeben, ist von dieser Seite ein energischer Protest erhoben worden. Einer derakti» ven Admirale hat sich sogar zu dem Ausspruch verstiegen, die Aufgabe Von MaÜa sei gleichbedeu^ tend mit dem Ende der britischen Seeherrschast. ' Die neue Haupte! jedoch, Flugwaffe das Basis Wr. Ne~ Hauptweg zwischen England und dem Ortens an Bedeutung sehr stark verloren Habe. Das Mittelländische Meer sei»zu eng", um im Zeitalter der Technik die alte Rolle spielen zu können. Von diesem Standpunkt ist die wirkliche Heimat der britischen Flotte in ihrer modernen Form der Atlantische Ozean. Der Hauptstützpunkt der Flotte müsse irgendwo nach Westafrika, etwa nach der S i e r r a L e o n e, übertragen werden. Hier würde die britische Flotte sowohl vor den Angriffen aus der Luft als auch vor. irgendwelchen Operationen eines feindlichen Lanhheeres gesichert sein. Der alte Seeweg nach dem Orient über das Kap der Guten Hoffnung müsse wieder zu seinem Rechte kommen, während der„mittelländische Korridor" samt dem Suez-Kanal in den Hintergrund zu treten habe. Als wichtigstes Glied der Seeverbindung zwischen Großbritannien und dem Fernen Osten müsse nach dieser strategischen Konzeption, der Indische Ozean erscheinen. Der Indische Ozean, der im wesentlichen' von britischen oder unter britischem Einfluß stehenden Gebieten umrandet ist, müsse einen strategischen Ausbau erfahren, der ihn tatsächlich zu einem„britischen See" machen würde. Dieser Ozean mit den neu auszubauenden Flottenstützpunkten auf hen Inseln Socotra, Mauritius und Eehlon, ist als strategisches Hinterland für den wichtigsten englischen Seehafen'im Orienl, Sin- gapore, anzusehen. Dieses müsse aber nicht nur als das wichtigste Glied im System der Verteidigung des Jüdischen Ozeans angesehen' werden, fondern auch als ein AuSfallStor gegenüber dem Pazifik. WfW null WM Tschechoslowakische Wirtschaftsnachrichten Kartell verteuert Pappe-Preife. Obwohl die Preise für Kartonnagepappe keineswegs besonders tief lagen, hat das Pappe-Kartell soeben eine Erhöhung um zehn bis fünfzehn Prozent durchgeführt. Preissteigerung in Rohhäuten geht weiter. Der Bedarf an Rohhäuten ist infolge der fort- dauernden Aufrüstung in den verschiedenen Ländern weiterhin groß. Bei den in unserem Staate stattfindenden Auktionen überbieten die ausländischen Käufer, insbesondere die aus Deutschland, die Preise ganz erheblich. Daraus ergibt sich für die heimische Leder« und lederverarbeitende Industrie eine Verteuerung ihres Rohstoffes, die sich für die Bevölkerung schon in kurzer Frist in einer Preiserhöhung für Leder und Schuhwaren auswirken Mutz, Es sollte rechtzeitig eingegriffen werden, damit diese Entwicklung nicht hemmungslos weitergeht. Die im Zentralverband der tschechoslowakischen Genossenschaften vereinigten Konsumvereine zählten Ende 1935 384.882 Mitglieder. Das sind 14.700 mehr als im Jahre vorher. Der Umsatz dieser Genossenschaften ist um sieben Prozent ge-., stiegen und betrug 1935 817.409.800 Kronen. Der Durchschnittsumsatz je Mitglied erreichte 2070 Kronen. Die Zahl der Verteilungsstellen betrug 2460. Gut beschäftigte Industrie. Eine Industrie» die nicht unmittelbar als Rüstungsindustrie anzusehen ist und die doch zur Zeit eine gute Beschäftigung aufweist, ist unter anderem auch die Hut- induftrie in Neutitschein. Die bekannte Hutfabrik I. Häckel u. Söhne, die im vorigen Jahre nur tausend Arbeiter beschäftigte, gibt gegenwärtig rund 1800 Arbeitern Beschäftigung. Sie arbeitet insbesondere an Exportaufträgen für Südamerika und Rußland. Rekordausfuhr in Lederhandschuhen. Im Monat Feber 1986 sind 730.190 Paar Lederhandschuhe im Werte von 13.4 Millionen Kronen zur Ausfuhr gebracht worden. Mengenmäßig wurde die gleiche Ausfuhrhöhe im Feber 1931 und im Jahre 192? erreicht. Seither nicht wieder. Deutsches Dumping gegen tschechoslowakische Erzeugnisse. Vor kurzem hat eine Gtaskiher Firma die Erzeugung von chirurgischen Zwirnen, die bisher aus Deutschland. eingefühxt wurden, ausgenommen. Um diesen neuen Industriezweig niederzukonkurrieren, sind die deutschen Fabriken zum Preisdumping übergegangen, so daß der chirurgische Zwirn deutschen Fabrikates in der Tschechoslowakei jetzt viel billiger ist als vorher und sauch,MligKk!»-aN iaSr. heimische. Erzeugnis. hat g e g e n E n g l ä n d, der vor etwa einem Monat unterbrochen wurde, wieder emeuert. Die römi schen Zeitungen sprechen von England in einem außerordentlich wegwerfenden und groben Ton. Man vermutet, daß diese Aenderung in der Hal tung her italienischen Presse mit der Besetzung von<8 o n d a r im Zusammenhang steht, da ja mit. der Besetzung dieser Stadt Italien fast un mittelbar in die britische Einflußsphäre am Täna- See eingebrochen ist. Der günstige Augenblick versäumt. Der Pa». riser Mitarbeiter der Londoner„Times" meldet: Auf der neulichen Botschafterkonferenz am Quai d'Orsay, hielt der französische Botschafter in Ber lin Francois Poncet einen sensationellen Vortrag über die Berliner Stimmungen während der ersten Tage nach der Rheinlandbesetzung. Danach sei es klar daß F r a n k r e i ch den psychologisch richtigen Augenblick für den diplomatisch-militärischen Eingriff v e r p a tz t habe. Sofort nach der Besetzung, berichtet Pon cet, haben sich in Berlin» große Bedenken und Schwankungen eingestellt. Man habe in den er sten Stunden mit der größten Angst auf franzö sische Gegenschritte gewarwt. ,Es seien sogar B e- f'ehle über den Rückzug der'Besetzungstruppen ausgefertigt worden für den Fall, wenn Frank reich energische Schritte unternehmen würde. Aber nichts ist seitens Frankreichs unternommen worden, und Hitler und seine Partei seien als Sieger nicht bloß über Frankreich, sondern auch über die W i l h e l m st r a ß e, über Neurath und seine vorsichtigen Geheimräte her-1 stecken. Seine Werke haben viele Leser erfreut, viele Vorgegangen. j aber auch durch Sentimentalität verderben helfen. Oh ■■. - j Seite 6 „Sozialdemokrat" Mittwoch. 8. April 1836. Nr. 84 Schieben Sie den Ostereinkauf von Schuhen und Strümpfen nicht auf! Wir empfehlen Ihnen, die Einkäufe schon jetxt xu besorgen. Besuchen Sie uns nach Möglichkeit vormittags. Si* gewinnen dadurh Zeit xu rascher und bequemer Bedienung und Ruhe xum Entschluss. Deutsche Minderheitsbücherei. Anläßlich der Osterfeiertage- bleibt die Deutsche MinderheitS- biichcrei von Freitag, den 10., bis einschließlich Montag, den 18. April, geschlossen. Am Ostersonntag und Ostermontag verkehren bei günstiger Witterung aus der Strecke Prag— Braue—Ceröany, beziehungsweise Dobris folgende außerordentliche Züge: Am O.stersann tag ab Prag-Weinberge 8.02 bis Luka(an 0.34). ab Bra- nik 10.35 bis Jilobö(an 11.40). Rückfahrt ab Dobiis 18.28 bis Prag-Weinberge(an 20,44). Am Ostermontag Rückfahrt nach Pray-Weinberge von folgenden Stationen aus(Ankunft in Prag« Weinberge in Klammern): ab Jilovl 17.00 (18.82); ab Thnec n. S. 16.50(18.59); ab Ji- love 18.08(19.53); ab Eeröany 17.40(20.12); ab Wlöbe 19.05(20.50), ab Jilove 20.44(22.14); ab Dobris 19.28(20.44). Außerdem werden noch weitere außerordentliche Personenzüge nach Bedarf eingeschaltete. AuSflugSzüge der Staatsbahndirektion. Zu den Osterfeiertagen wird«in Sonderzug mit Verpflegung in den Tagen vom 11. bis 18. April für 150 Kc abgefertigt. Samstag, den 11. April, fährt, ein Motorschnellzug um 18 Uhr nach JohanniSbad und Petzer.für 75 Kö. Anmeldungen mit einer Angab« nimmt das AuSflugSzügSreferat im■ Basar neben dem Wilsonbahnhof entgegen; Telephon 883-35. Aerztenachrichtrn. Di« Erste Prager Krankenversicherungsanstalt der Handels- und Privatange- stellten in Prag II., Jungmaimova 29, gibt bekannt, daß am Samstag, den 11. April l. I., nicht amtiert und im Ambulatorium nicht ordiniert wird. Ten Jnspektionsdienst wird Herr Dr. Franz Fischer in den Vormittagsstunden versehen. 3397 Iümst und Msseo Präser Internationaler Musikpädagogischer Kongreß Die Fülle der unterschiedlichsten Bcranstal- tangen dieses Kongresses ist geradezu erdrückend; Vorträge zu allen Tageszeiten wechseln ab mit Konzerten und Opernaufführungen, den theoretischen Auseinandersetzungen sind, gleich auch die praktischen Beweise uiid Beispiele ästgeschldssen. ES fit bezeichnend für di« Kris« in der moderne» Musitgädagogik, daß alle ihre maßgebenden Bertreter.für die Preisgabe des Einzelunterrichtes eintreten und den Gemeinschafts« und Kollekttvitätsgedanken, die Sozialisierung in der modernen Jugendmusikerziehung propagieren. Diese Gedanken beherrschten auch den deutsches Vortrag, den der Professor der Musikwissenschaften an der Prager deutschen Universität Dr. Becking über die moderne sudetendeutsche Zugendmusikbewegung hielt.— Am Montag-Abend wurde im großen Saale der städtischen.Bücherei unter dem Titel„Wie die Jugend in den verschieden en Ländern singt u n d spielt" dar erste praktische Jugendmusik- k onzert gegeben, bei dem vor allem die ausländischen Jugendgruppen Hörbeispiele ihrer Jugendmusikbildung vorführten.. Es zeigte fich dabei aber, daß das Chorsingen der Mehrzahl dieser Jugendmusitverbänd« nicht dem durchschnittlichen Musikbildungsniveau der Jugend entspricht, alsoso etwas wie eine volksnahe und volkLnützliche Allge- meinkunst ist, sondern schon in das Gebiet der hochentwickelten und technisch gründlich fundierten. Konzertkunst gehört. Viel lieber hätte man Proben einer natürlich und mit den durchschnittlichen Mitteln entwickelten Jugendmusikerziehunq als eigentlicher Jugendmusik gehört. Künstlerisch bedeutend waren insbesondere die Borträge der jugoslawischen und r um ä n i s ch e n Jugendgruppen. Besonderen Beifall fand die Schweizer Mädchengruppe, die in drei Sprachen(deutsch, italienisch und französisch) sang und damit ihre echt schweizerisch« Internationalität bekundete. Auch die Dänen ersangen sich viel Beifall, ebenso die Holländer, deren Chorliederr teilweise von der neuerdings in der Jugendmusik so beliebte Blockflöte begleitet waren. Das reichhaltige und beinahe zu umfangreiche Programm dieses JugeiDmusikkonzerteS fand bei der sehr zahlreich erschienenen Hörerschaft begeisterten Beifall. E. I. Vom Stadttheater In Teplitz-Schönau Das Theater hat mit der Konkurrenz der erwachenden Frühling-Herrlichkeit einen schweren Kampf zu bestehen. Schon mußte das„W«iße Rößl" der müde gelaufenen Operette vorgespannt werden. Weder die„Zirkusprinzeffin" in fünfter Auflage, noch die„Fledermaus'' in fühlbarer Verarmung nach dem Gastspiele Vera Schwarz erwiesen sich für solchen Dienst als genug erfolgreich., Leo Falls.Lieber Augustin" mußte sich schon die'Premiere mit volkstümlichen Preisen erkaufen und di« anderwärts vielleicht„Vielgeliebte" von Rieo Dostal rührte hier an keines der Herzen. In solcher Ver- lassenhett war Fred RahmondS uraufgeführter „Ball der Rationen"«in wirkungsvoller Helfer und die auch schon zum fünften Male wiederkehrende, also langsam ins Matronenalter hineingreifende„Gold'Ne Meisterin" wußte durch den Mund d«S gastierenden Harry Payer immerhin einiges zum Trost zu sagen.— Ansonsten aber vermögen die ehrlichen Bemühungen den Lockungen der Sonne nicht zu trotzen. Das Ensemble hält spielfreudig und mutig zur Stange. Die Oper beschränkte sich nach zwei Versuchen, einmal Erwachsene, zum zweiten Male ein Schülerpublikum für den„SB affenschmied" zu interessieren, auf das Ehrenamt, den 86. Geburtstag, des Präsidenten-BcfreierS Masaryk mit einer sehr wür« Ligen Aufführung der„Verkauften Braut" zu feiern. Daß die Oper mit Ausnahme des unvergleichlichen Karl Norbert als Kezäl(bei den Wiederholungen mit Rudolf B a n d l e r auS Prag) burchwegS mit heimischen, also in der Operette tanzen Kräften besetzt werden und dennoch ein über- ourchschnittliches Niveau erreichen konnte, verdient immerhin Beachtung. Daß der im Chore wirkende Alois Wimmer als Wenzel einen stürmisch an- erkannten Erfolg erreichte, darf der Kritiker mit aufrichtiger und freudiger Zustimmung weitersagen. Er beklagt darum um so mehr die Verarmung, die das! Musikleben der Stadt durch den Verlust der ständigen Oper erfahren hat. Sie wurde ganz bejon-! Vers fühllbar, als die Wiener Symphoniker^ mit dem einmaligen Konzertabend am 28. März in diese Verlassenheit ein überirdisch großes und schönes Glück trugen. So setzt s'ch denn eine gewisse Tradition des Neuen Stadttheaters darin fort, daß das Schauspiel der lebensvollste Kraftquell der Bühne bleibt. Hat es auch nur einmal im Berichtsabschnitt aus der Tiefe geschöpft und ist es nur einmal mit Frantisek Langers„Reiterpatrouille" literarischen Verpflichtungen nachgekommen. so entspricht es doch der Nachfrage nach leicht bekömmlicher und angenehm zerstreuender Unterhaltung in einer Art. die den Zwang, die„Moralische Anstalt" wirtschaftlich lebensfähig zu erhalten, künstlerisch rechtfertigt. Eine von Tag zu Tag um den Kassarapport bangende Dheaterleitting darf nicht allein nach dem Spielplan beurteilt werden, an dem das Publikum mindestens mit 50 Prozent mitbeteiligt oder mit- lchuldig ist durch das Machtmittel seines Besuches. Der Theaterleiter guten Gewissen- hat immer sein Alibi in der Liebe, die er an. sein Werk hingibt. Freilich:.Liebe ist nicht so einfach"(Fodor) und unter den gegebenen Umständen bleibt sogar oft .Liebe— nicht genügend"(Bus-Fekete). Einmal vertraut man sich den altmodischen Narren aus der „Pension Schöller" an..., morgen beruft man Vex- j tirftils wesentlich modernere„Cousine aus Warschau" i zum anderen Male flüchtet man in die^Unentschuldigte Stunde" oder versncht'ö damit, daß man die bildhübsche Salondam« in einer„Bombenhosenrolle" al-„Seiner Gnaden Sekretär"(Erich Nötber, Uraufführung) ankündigt.. Immer aber istts der mühselige Kampf um- Brot, nach dem die Kunst seht. Immer ist'- aufopfernde, hingebungsvolle Arbeit; immer ehrliche- künstlerisches Bemühen, für das niemand den„Goldenen Kranz" so wunderbar verständnisvoll zu reichen. vermag wie Pepi Krame r-G l ö ck n e r. Außerordentlich ordneten fich in den Spiüplan ein der VortragÄünstler Ludwig Hardt mit heiteren Dichtungen und einer in Wort und Au-druck zu souveräner Einmaligkeit erhobenen Gestaltungskraft; ein Brünner Gastrnsemlble mtt zwei aller» liebsten Kindern als nachgeabmtes Max- und Moritz- Paar„Flick und Flock"; und ein sehr reizende-, von der Bezirksjugendfürsorge protegiertes, von dem Kinderchore der Frau Prof. Klinke zur Aufführung gebrachtes Kinderspiel„Sine Reise um die Erde" von Wetzig-Popelka. Inzwischen hat auch der Rat der Stadt, getagt und Herrn Direktor EurthHurrle das Theater für die nächste Spielzeit 1.936/87 wiederum anvertrant. Diese Entscheidung wird von theaterfreund« lichen Kreisen der Stadt aufrichtig begrüßt. ES wurde ihm mrch das Recht«ingerällmt, der mit Ende April abschließenden Spielzeit eine Nachsaison in Form einer unter seiner Leitung stehenden Arbeitsgemeinschaft anzuschließen, die Gastspiele frenwer Ensembles vorsieht. Wochenspielplon des Reuen Deutsche« Theaters. Mittwoch 8:„D i e Z a u b e r f l ö t e", anläßlich des Jnternattonalen Kongresses für Musikerziehung, Bl.— Donnerstag 7i/j:„E i n Kind klagt a n", C 1.— Freitag: geschloffen.— Samstag 8:„Un entschuldigte Stunde", A 2.— Sonntag 2fH:.Liebe ist nicht so einfach"; 7^h:„B o c c a e c i o", B 1. Wochenspielplan der Klemen Bühne. Heute Mittwoch 8:„Dr.med.Hiob Prätorius". Bankbeamte II und fteier Verkauf.— Donnerstag 8:„Ich und mein kleiner Bruder", Kulturverband Und fteier Verkauf.— Freitag: geschlossen.— Samstag 8:„Dr. med. Hiob P r ä t o r i u S"; 7J4:„Mordprozeß Falkner". Der Mm für eine Veil« Glück Dieser amerikanische Film heißt ,L>ie große Heimsuchung"(Magnifieent Lbesession), und die Uebersetzung seines Titels ist wieder einmal derart, daß plan, ernstlich die Frage, stellen muß, ob.die Prager. Titelverfaffer den Inhalt der von ihnen firmierten Filme überhaupt zur Kenntnis nehmen. Die große Heimsuchung geschieh! an«inan leichtlebigen MillionärSsahn. der durch seltsame Schicksal-Verkettung am Tode eines großen Arztes und an der Erblindung seiner Witwe schuldlos schuldig wird. Er liebt diese Erblindete unter falschem Namen und befolgt den Rat eines frouGnes Mannes, der ihn die Süigkeit de- Bebens gelehrt hat, von der Gebrauch zu machen dem Millionärssohn allerdings nicht schwer fällt. Und daß am Ende die geliebte Frau verzribt und der Liebende' ihr das Augenlicht wiedrrgibt. das hat weniger mit Früm- migkeit alS mit dem frommen Wunsch der Filmautoren zu tun, die Zuschauer nach vielen Tränen auch wieder lächeln zu lassen. Der Regisseur dieses Films ist derselbe John M. Stahl, der schon den„Back Srreet"-Film und ,F)nly hesterday"(Sine Frau vergißt nicht) inszeniert hat. Er ist also Spezialist für diese Frlm- gattuna. in der die schweren Schicksale reicher Leute mit edler Rührung und inniger Moral, mit wenig Wahrscheinlichkeit, abe. de^o mehr Breite darge- stellt werden. Mer seine Schöpfungen halten stch von grobem Kitsch fern, und er bat auch diesmal wieder für vornehmes Sviel gesorgt, vor allem bei den beiden Hauptdarstellern Irene Dünn und Robert Taylor.—eis— Der Favorit der Zarin. Alles, was man von einem Unterhaltungsfilm dieser Art erwarten kann,, wird geboten: Diplomatische Jntriguen, Hofball? Oster» in Petersburg, geheime Gänge im Zarenschloß,«ine Palastrevoluüon und eine Hochzeit. Tie Zarin Elisabeth von Rußland wird von einem jungen Offizier, der nur darum nicht, ihr Liebhaber wird, weil, er in eine junge Komtesse verliebt ist, vor dem gestürzten Favoriten der Zarin, der einen Putsch inszeniert, gerettet. Der Dialog ist manchmal hart an der Grenze der Albernhett. Nur stellenweise erhebt fich der Regisseur Werner Hochbaum ein wenig über die Schablone. Von den Darstellern ist Gutes zu sagen: Olga Tschechowa ist noch immer sehenswert und Anton Pointner, der Günstling der Zarin, ist ein eleganter Intrigant. Ohne Adele Sandrocks trockenem Humor können derlei Filme anscheinend nicht gedreht werden. Trude Marlen ist farblos wie ihre Rolle. Im ganzen ein Ausstattungsfilm, dem man nicht viel Gutes und nicht viel Schlechte- nachsagen kann. jk. Westböhmischer Arbeiterfußball Graslitz—, der kommende Meister? Sonntag hat in der Spitzengruppe wirkliche Ueberraschungen gegeben. Fast unglaublich ist die Niederlage von Maierhöfen in Unterreichenau, aber auch der AtuS Karlsbad konnte nicht einmal den am Tabellenende stehenden Gegner Franzensbad schlagen und mutzte ihm einen Puntt überlassen. In Reichenau werden zwar noch manche Mannschaften ihr blaues Wunder er, leben, aber 8:1 ist doch zu viel. Graslitz hat durch den sicheren Sieg in Fischern nun die Spitze«r- balten und steht relativ sehr gut da. Auch für dies« Mannschaft bleiben noch gefährliche Klippen zu nehmen, aber die Aussichten auf den Kreismeister sind stark im Kurs gestiegen. Interessant bleibt dalangsame Vorrücken der Falkenauer..Der FJK steht nun dicht hinter dem Tabellenzwetten unh-Dritten und zählt mit zu der Spitzengruppe Der knappe Sieg über Ehodau wurde erst nach einem ungemein spannenden Spiel in den letzten Minuten erziett. In der Mittelgruppe finden wir nun drei Vereine mit je zehn Punften. Traho- Witz hat einen ganz knappen Sieg über Neudek erfochten und ist damit auS der ersten Gefahr. Den Schluß bestreiten noch Reichenau, Franzens- b a d und Fischern. Die beiden ersten Vereine haben durch ihren Punktegewinn Fischern hinter sich gelassen. Schankau war spielftei. Die Osterfeiertage bringen eine Pause kn den Serienspielen, jedoch stehen auf dem Spielplan der Vereine de- 6. Kreises nennenswert« Propagandaspiele mit Vereinen aus dem 5. Kreis. Die Ergebnisse der wichtigsten Spiele: Fischern gegen Graslitz 2:5, Unterreichenau gegen Maierhöfen 8:1, Falkenau gegen Ehodau 2:1, Rapid Karlsbad gegen FranzenSbad 1:1, Drahowitz gegen Neudek 3:2, Schankau gegen Viktoria Chodov 2:1. Durch Entscheidungen des StrafausschuffeS wurden die Puntte von dem nicht ausgettagenen Spiel Fischern gegen Ehodau letzterem zugesprochen und im Falle Neudek. gegen Reichenau zugunsten Reudets. Der Tabellenft and Graslitz., 12 10 0 o 20 64:24 Materhöft«. 18 9 1 3 19 39:27 Karlsbad«, 13 8 3 2 19 21:13 Falkenau,, 13 8 1 4 17 37:22 Ehodau.. a 18 5 8 5 13 25.32 Schankau,, j, 12 4 2 6 10 38:38 Neudek.,. 18 4 2 7 10 27:31 Drahowitz.. 18 5 1 7 10 30:37 Unterreichenau •• 13 4 1 8 9 25:34 FranzenSbad. 13 2 3 8 7 18:50 Fischern.. •• 12 2 1 9 S 15:30 Serienbeginn der zweiten Klaffe Im 1. und 5. Bezirk haben nun auch die Spiele der zweiten Klaffe begonnen. ES liegt aber auo dem 1. Bezirk nur das Ergebnis eines Spiele- vor: Weheditz als Tabellenzweiter hat gegen Sitt« mes grün nur ein Unentschieden von 4:4 herausholen können. Im 5. Bezirk wurde der Neuling Silberbach in Neüsattl 5:0 geschlägen Auch Graslitz konnte seinen Gast Unter« rothau mit 4:1 besiegen. Beide Mannschaften standen punftegleich an der Spitze. 8. Kreis.(Fußball-Ergebnisse) der 1. Klaffe vom.Sonntag: G r u p p e II: Aussig-Nord gegen Nestersitz 6:8, Wannow gegen UllgerSdorf 0:1, Kleische gegen Schönpriesen 8:0.— Gruppe kllr Aussig-Ost gegen Schönfeld 0:1, Aussig-Ost gegen Türmitz 1:6.— Spieler sperren: Spieler Sehak Gustav vom Verein Schönpriesen, Patz 650, vier Wochen Sperre. Dieselbe beginnt mit 12. Aprtt 1936. Die Spieler Berwanger, Patz 80, und Rone, Patz Rr. 83, vom Verein Kleische und Schönpriesen erhalten je eine Rüge und werden bei Wiederholung mtt doppelter Strafe gesperrt. Die Kreisspielleitung. Zwei internationale Fußballspiele fanden aM Dienstag in Prag tm Rahmen einer Doppelver- änstaliung auf dem Slavjavlatze stqtt. Im ersten Spiele siegte Üjpest über BohemianS knapp mit 1:0 (1:0) und im Hauptkampf blieb Slavia über das Oxforder Studententeam mtt 8:2(5:1) erfolgreich. PinÄnsnaelnicllten. © Gruppenabend: Weinberge-Smichov Zentrum gemeinsam um 8 Uhr in der Liga Pettske nÄbiesi 1. Theo ma: Berufswahl. Holeso» Vice 8 Uhr Kamenickä 1, luftiger Heimabend.— Samstag-— alle die noch in Prag sind, zu unserer Ofterwanderungkl Treffpunkt pünktlich%4 Uhr Endstation der 17er, 21er Hoikoviöty und dann mif dem Zug nach MniSek. Mitteilungen aus dem Publikum Ei« vager Hake^>cin...., daß zu Ostern neue Schuhe unb Strümpfe die meiste Freude be- retten.' Bata hat eine herrliche Auswahl von Schüben und Strümpfen in jeder Preislage. BÖHMISCHE UNION-BANK Die Herren Aktionäre der Böhmischen Union-Baak werden hiemit zur 64. ordentlichen Generalversammlung welche am 25. April 123$ um 11 Uhr vormittags in Prak im Kassensaale des ehemaligen Allgemeinen Böhmischen Bank-Vereins. Na Pfikopö 3. stattfinden wird, eingeladen. TAGESORDNUNG: 1. Bericht des Vorstandes und Vorlage der Bilanz per 31. XII. 1935. 2. Bericht des Aufsichtsrates. 3. Beschlußfassung Ober die Verwendung des Reingewinnes. 4. Wahlen in den Verwaltungsrat. 5. Wahl des Aufsichtsrates. Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, welche an der Generalversammlung teilzunehmen beabsichtigen, werden ersucht, ihre Aktien mit Kupon Nr. 56— auf 10 Aktien entfällt eine Stimme— spätestens bis 17. April d. J. bei einer der folgenden Stellen zu hinterlegen und dagegen die Legitlmatlonakarten in Empfang zu nehmen: bei der Böhmisches Union-Bank in Prag oder bei einer ihrer Filialen in Aseh, Aussig. Bodenbach. Böhmlsch-Badweis. Bratislava. Branan i. B., Brünn, Brüx« Freiwal du. Erydek. Gahlens a. N.. Graalits. Hohenelbe. Iglau, Jägerndorf. Karlsbad. Königinhof a£■• Keltmeritx, Marlenbad. Mähr.-Östrau. Mlhriseh-Sehöaberg. Neu-Titschcln, Olmiitz, Pardnbiee. Pilsen. Prostejov, Reichenberg. Rumbnrg. Saaz. Teplitz-Schönau, Trantenau. Treppen. Warnsdorf. Znittan. in Wien: bei der Oeeterreichlsehen Kreditanstalt— Wiener Bankverein oder bei Rosenfeld & Co., Rathausstraße 30. ia Basel: bei der Basler Handelsbank. in Brüssel: bei der Banque de la Sociötf Generale de Belgique. in Mailand: bei der Banca Commerciale Italiens. PRAG, am 7. April 1536. Der Vorstand. (Nachdruck wird nicht honoriert.) Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich Kd 16.—. vierteljährig Ki 48.—,' halbjährig Kö 96.—, ganzjährig KC 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnete Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manusftipten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Tie Zeitmigsfrankatur wurde vcn der Poft- und Telegraphendirektton mtt Erlaß. Rr. 13.800/VII/1930 bewilligt,— Druckerei:.„Orbis"..Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G. Prag.