Donnerstag, S. April 1936 16. Jahrgang Nr. 85 Einzelpreis 70 Heiter (»inschlMlich 5 Heller Porte) 1ENTRALOEGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION und Verwaltung präg xii., fochova 42. teleeon«77. HERAUSGEBER 1 SIEGFRIED TAU». VERANTWORTLICHa REDAKTEURi DR. EMU STRAUSS. FRAG. Ein wahrer Friedensplan: Vereinigte Staaten von Europa Frankreichs 25 Punkte zur Einigung und Rettung Europas Genf.(Tfch. P. B.) Die französische Delegation hat Mittwoch folgende Dokumente veröffentlicht: 1. Ein Memorandum an die englisch« Regierung, worin die französische Regierung zu dem deutschen Friedensplan vom 1. April Stellung nimmt. Dieses Memorandum wurde auch der italienischen und der belgischen Regierung mitgeteilt.- 2. Einen Friedensplan, worin die französische Regierung ihre Absichten hinsichtlich der Festigung des Friedens Europas darlegt. In der Einleitung zum französischen.Friedensplan erklärt die französische Regierung ihren Willen zu dem„Frieden mit allen", dem absoluten und dauernden Frieden, bei Gleichberechtigung aller, dem auf der Ehre aller und auf der Respektierung des gegebenen Wertes beruhenden Frieden» dem Frieden auf der Grundlage einer weiten Rüstungsbeschränkung, die allmählich'zur vollkommenen Abrüstung führen würde. Der französische Plan umfaßt im ganzen 28 Artikel. Was die Grundsätze betrifft, besagt er, daß die Grundlage der internationalen Beziehungen di« Anerkennung der Gleichberechtigung und U a a h hän ata k 1 t t aller Staaten, sowie die Respektierung der Vertragsverpflichtungen sein muffe. Es gibt keinen dauerhaften Frieden zwischen den Völkern, wenn er den Veränderungen der Notwendigkeiten und dem Ehrgeiz eines jeden Volles unterworfen wäre. In den internationalen Beziehungen, heißt es weiter, ist ein? faktische Sicherheit unmöglich, wenn nicht alle Konflikte nach einem für alle obligatorischen internationalen Recht, das vor einem internationalen Arditragrtribunal interpretiert und durch Militärkräste aller Staaten, die in der internationalen Gemeinschaft vereinigt sind, garantiert wird. Die Gleichberechtigung ist kein Hindernis dafür, daß rin Staat im allgemeinen Interesse die Ausübung seiner Souveränität und seiner Rechte bauptsächlich in Rüstungsangelegenheiten beschränkt. Die gegenwärtige tatsächliche RechtSungleich- heit unter den Böllern muß durch gegenseitige Hilfe gegen Verletzung dcS internationalen Rechtes ergänzt werden. Wenn es vorläufig schwierig ist» rasch und wirksam diese gegenseitige Hilfe im Weltrahmen des Völkerbundes zu verwirklichen, muffe sie wenigstens durch regionale Verträge vorbereitet werden. Was die politischen Dispositionen(kollektive Sicherheit, gegenseitigen Beistand, Abrüstung) antangt, schlägt, der französische Plan die Lrganifiermrg der kollektiven Sicherheit in Europa durch gegenseitige Hilfeleistung und Abrüstung vor. Das durchführende Vollzugsorgan wäre der Europaausschuß, der im Rahnren des Völkerbundes errichtet würde. In dem neuorganisierten Europa, in welchem alle Staaten die gleichen Rechte genießen, würden sich diese Staaten frei vereinigen. Jeder Staat verpflichtet sich, das territoriale Statut der übrigen Mitglieder zu achten und dieses.Statuts wird nicht ohne die Zustimmung aller. geändert werd« können. Keine Forderung auf Abänderung kann, vor 25 Jahren eingebracht werden. Die europäischen oder regionalen Verträge über die Unabhängigkeit der Staaten sowie jede frei- willig übernommene Beschränkung, besonders in der Frage der Rüstungen, werden unter die gemeinsame Garantie der vereinigten Mächte gestellt. diesem Zwecke sind besondere Dispositionen vorgesehen, um nach der durch die maßgebende internationale Autorität festgestellten Verletzung, dieser Verträge S a n k t i 0 n s- mahnah ne n ergreifen zu können, die, wenn cs sein muß, bis zur Anwendung von militärischer Gewalt zur Wiederherstellung des internationalen Rechtes gehen können. Um den Pflichte« des gegenseitige« Bei- . standes gerecht zu werden, werden die im europäischen»der im regionalen Rahmen vereinigten Staaten eine besondere und ständige militärische Streitkraft unterhalten, di« sich auch auf die Luftstreitkrifte und die Flotte ausdehnt und die dem Enropaansschutz»der dem Völkerbund zur Verfügung steht.. Die ständige Kontrolle über die Durchführung der Verträge in europäischen oder regionalem Rahmen wird durch den EuropaauS- s ch u ß organisiert. Alle vereinigten europäischen Staaten verpflichten sich, diese Kontrolle zu erleichtern und die Durchführung der Beschlüsse, die diese Kontrolle Hervorrufen könnte, sicherzustellen. Nach Organisierung der kollektiven Sicherheit durch gegenseitigen Beistand wird zu einer weitgehenden Abrüstung aller beteiligten Staaten geschritten. Die Rüstungsbeschränkung eines jede» Staates wird durch irgendein anderes Organ bestimmt, das vom Völkerbundrat»«-ersehen worden ist. Jeder Staat hat das Recht, einen ständigen internationalen Schiebsgerichtshof anzurufen, der zu diesem Zwecke vom Böllerbundrat geschaffen wird. Diese Bestimmungen werden sich auf di« wirtschaftlichen wie auf die politischen Abkommen beziehest. Was den W irtscha f t s f r i eben anlangt, schlägt^ der französische Plan die Organisierung der wirtschaftlichen Zusammenarbeft der Nationen vor. Er glaubt, daß eine rationelle Organisier ungdesAus tausche-die Basis der wirtschaftlichen Zusammenarbeit ist. Die Erweiterung-er Absatzgebiete stell« eine erste Lösung dar. Eine erste Erweiterung muß in einem Präferenzsystem gefunden werden, das auf den europäischen Austausch angewandt wird. Wirtschaftliche Sonderbeziehunge« kann man sogar bi- zur teilweise«»der vollständigen Zollunion führen, wodurch die wirtschaftlichen Bedingungen per«, schiedener europäischer Bezirke fühlbar verbessert würden. Die Sicherheit im Warenaustausch muß durch«in internationales öder wenigstens durch Genf. Die Beratungen des Dreizehner- ausschusses, der mit der Regelung des italienischabessinischen Konfllltes betraut wurde, wurden Mittwoch vormittags in ziemlich gedrückter Stimmung eröffnet. Offiziell befaßte sich der Ausschuß lediglich mit de» Beschwerden über die Verwendung von Giftgasen durch die italienischen Flieger. In privaten Beratungen wurde allerdings der ganze Konflikt besprochen und es ist vielfach von Sanktionen die Rede. Die französische Delegation vertritt offensichtlich den Standpunkt, daß die Erweiterung der Sanktionen gegen Italien untunlich sei, während die englischen Delegierten sich für eine schärfere Anwendung drr Sank- t i 0 n e n aussprrchen. Der mexikanische Delegierte sandte dem Vorsitzenden. der Konferenz für Sanktionen Basronrellos ein Schreiben, in dem er die Mtig- keit des DreizehnerausfchusseS kritisiert und verlangt,' daß zur Einstellung der Feindseligkeiten eine Frist gesetzt«erden müsse. Während den Verhandlungen über den definitiven FriedrnSschlutz müßten die Waffen ruhen. RamenS seiner Regierung erklärt«' der merflanische Gesandte, daß diese auch nicht einest Teil der historischen Verantwortung für Maßnahmen tragen könne, welche w t r- k u n g s l» s.find und dos ganze Gebäude der kollektiven Sicherheit' schwächen< ein europäisches Abkommen geschützt werden, das Garantien gegen Mißbrauch geben würde. Der Abschluß eines.europäischen Zollwaffen- stillstandes, der durch einen fühlbar ausgeglichenen Standard in Europa möglich gemacht würde, ist ebenso notwendig wie die Schaffung eines internationalen Warenaustausch-Gerichtshofes, der die Kündigung der Handelsabkommen und den Abbruch wirtschaftlicher Beziehungen zwischen den Böllern verhindern würde. Schließlich müsse« die Währungsschwankungen und dir Verknappung des internationalen Kredites bekämpft werden,«nd zwar besonders durch eine Geld-nndKre- dit0rga»isati0n im europäischen Rahmen. Die unerläßliche Notwendigkeit eines gemeinsame» R 0 h- stoffreservoirS»nd eines Absatzgebietes für den Ueberschuß der europäischen Erzeugung müssen zu einer Revision gewisser Kolonialsta- tute führen, nicht auf dem Gebiete der politischen Souveränität, sondern nur unter dem Gefichtspunkt der Gleichheft der wirtschaftlichen Rechte und der Kreditzusammenarbeit zwischen den europäischen Staaten. Alle diese Probleme müssen, sobald die politische Sicherheit wieder hergestellt sein wird, durch eine Dondenebteilung d«S Europaausschusses behandelt werden, bevor sie, falls die- notwendig erscheint, dem Völkerbund oder'einer allgemeinen Konferenz zur Annahme unterbreitet werden, zu der auch Nichtmitglsedstägten des VLllerbuNdes einzuladen wären. Die Schlußartikel de- französischen Planes besagen, daß alle in diesem Friedensplan enthaltenen Anregungen in den Rahmen des Völkerbünde- und des Völlerbundpaktes eingefügt werden. Die Prinzipien des Völker- burüipaktes müssen das souveräne Gesetz der Vertragsparteien sein. Di« Richtzüstimmung zu diesem Plan seitens dieses oder jenes Staates der europäischen Gemeinschaft würde das Jnkraftsetzen des Plane- zwischen den anderen Staaten, die sich zu dem Plan bekennen, nicht verhindern. Der Plan müßte allerdings entsprechend abgeändert werden, besonder- soweit die Organisierung der kollektiven Sicherheit, des gegenseitigen Beistandes und der Abrüstung in Frage kommt. In der offiziellen Sitzung des Dreizehner- ansschuffeS beantragte der Vorsitzendem M a d a- riaga, ehestens mit der Behandlung der abessinischen Beschwerden gegen die Verwendung vorz Giftgasen durch die italienischen Flieger zu beginnen. Minister Eden hob in entschiedener Weise hervor, daß beide Parteien sich durch Unterzeichnung der Genfer Konversion vom Jahre 1925 verpflichtet haben, unter keinen Umständen und in keiner Form Giftgase abzuwenden. Demgegenüber ersuchte Fl a n b in, die italienischen Beschwerden wegen der Verwendung von Dum-Dum-Geschossen und der Verübung von Grausamkeiten seitens der Abessinier zu prüfen. Die Verhandlungen wurden schließlich vertagt, um dem Vorsitzenden Gelegenheit zu geben, vouder Zentrale des Roten. Kreuzes konkrete Mitteilungen über• die Verwendung von Giftgasen in Abessinien einzüholen..• Am Nachmittag beauftragte der. Ausschuß ein b t e i 0 Heb E t g e s I u rrste n- k 0 m i t e e mit. der Prüfung, welche internationalen Abkommen durch die Art der.KriegS- fühtUng in Abessinien verletzt wurden. Der Vorsitzende und der Generalsekretär Avenol wurden zu Verhandlungen, mit den beiden Parteien über die Einstellung der Feindseligkeiten ermächtigt. Tragödie Abessiniens- und des Völkerbunds . Als Mussolini unter den Augen der Genfer Bundesmächte vor Jahr und Tag mit der systematischen Vorbereitung des Raubzuges gegen das Reich der Amhara begann, haben wir an dieser Stelle einmal auf die Tragik verwiesen, die für Abessinien in seiner Vertragstreue lag. Wir haben ] damals die Vermutung ausgesprochen, daß der Negus, wenn er die noch schwachen italienischen Kräfte in ihren Aufmarschräumen angreifen würde, sie ins Meer werfen und den Krieg gewinnen könnte. Indem Abessinien sich streng an di« Satzungen des Völkerrechts und des Vüller- bundes halte, so schrieben wir damals, verscherze es sich wahrscheinlich die einzige Möglichkeit» den Krieg zu gewinnen, während Mussolini eben als Nutznießer fremder Vertragstreue und eigenen Vertragsbrüche- siegen werde. Wir fügten hinzu, daß diese Tragödie Abessiniens aber auch zur Tragödie des Völkerbundes werde, denn sie heilige für lange Zeit den Gedanken des Präventiv-Krieges und lasse in den Augen der Völker die rechtlichen Staaten und ehrenhaften Politiker als Dummköpfe und Verderber ihres Landes erscheinen. Nun sind wir also soweit. Der Negus hat in vöröildlicher Vertragstreue, alles auf die eine Karte des Böllerbundes setzend, den Angriff der Italiener 30 Kilometer jenseits der Grenze abgewartet. Er, hat ruhig, zugesehen, wie Italien ein« Viertelmillion Mann, wie' es Tragtiere, Auws, Flugzeuge und Geschütze landete, wie es die Straßen ins Gebirge Vorwärtstrieb, die für Abefsi- nicnS Völker Straßen des Todes werden mußten. Der Negus traute Genf u n d dem W 0 r t« der weißen, der„z i v i l i s i e r t e n" Nationen. Diese loeißen Nationen sahen ebenfalls zu. Tatenlos, entschlußlos. Monatelang hatten sie Zeit, zu einem Entschluß zu kommen, hatten sie Gelegenheit, Mussolini durch einen klaren Spruch zu zwingen, durch eine Demonstration ihrer Macht klein zu machen. Nichts geschah. Erst als der Aufmarsch beendet war, als der Krieg schon begonnen hatte, kam der Genfer. Mechanismus in Bewegung;, aber langsam, nur immer langsam voran... Nachdem Italien als Angreifer erklärt worden war, hätte der 8 16 der Volkerbundsakte an- gewendet werden müssen. An ihm gab es gar nichts zu deuteln. Er sagt eindeutig, was zu geschehen hatte: Abbruch sä m t kicher Beziehungen mft dem Friedensbrecher. Es waren die Gesmidten abzuberufen, der Reiseverkehr zu unterbinden, jeglicher Handel abzubrechen. Statt dessen verfiel man auf den albernen. Witz der„s a n f t e n Sanktionen"— eine Idee des jämmerlichen'Laval—-und die größte Sorg« der Friedensengel war, daß der Kriegsgütze ihnen nicht die Unehre antue, ihre Gesellschaft zu verlassen, daß also Italien ja nicht, aus dem Bmtd austrete l Nüchterne militärische Beobachter haben die Chancen Italiens nicht allzugünstig, die Lage Abessiniens nicht als hoffnungslos angesehen. Der englische Generalftab rechnete mit einem Kriege von Jahren. Haben sich diese Beobachter getäuscht? In einem Krieg gibt es immer eine große Zahl unberechenbarer Elemente. Setzt man in die Wahrscheinlichkeitsrechnung Größen ein» die nachher nicht stimmen, so stimmt leicht die ganze Rechnung nicht. Nach dem Auftreten Englands im Herbst 1S3S durste man hoffen, daß der Völkerbund oder jener Teil des Bundes, der mit England zu gehen bereit war, in kurzen Fristen die S an ktionenvers ch'ä r f« n, daß er Italien die Kriegsführung erschweren werde. Das ist nicht eingetreten. Die Sanktionen wurden la; durchgeführt, vielfach durchbrochen und sie erstrecken sich nicht auf die für- Italien kriegswichtigen Rohstoffe Oel und Kohle.. So war Italien, freilich unter Ausbietung einer unverhältnis- mäßig großen Zahl von Menschen und Menge von RüsttingSkapital imstande, dem. Krieg nach zwei Monaten unglücklicher Führung vom Dezember an unter Leitung Badoglis einen mächtigen An- trieb zu geben. Der Einsatz aller technischen Hilfsmittel einer Großmacht, durch kein« wirksam« Sanktion gehemmt, und der rücksichtsws« Verbrauch von Menschen(vor allem Farbigen) überwanden, einen großen Teil der Schwierigkeiten, die das Terrain,.das Klima, die Länge der Etav- Unsicherheit In(Senf England für Verschärfung der Sanktionen/ Frankreich dagegen Debatten über den Gaskrieg als Lückenbüäer Seite 2 Donnerstag, 9. April 1936 Nr. 85 GEDENKET bei allen Anlässen der Arbeiterfürsorge! Koalition setzt Acndcrnng der Stcucraovdlc durch penstraßen bereiteren und niit denen die Militärkritiker des Auslands gerechnet batten. Tie Abessinier erwiesen sich noch weniger, als man vermutet hatte, den rein militärischen Aufgaben gewachsen?. Sie zeigten sich unfähig, den Kl ei krieg zu o r g a- n i si erett(wir haben an dieser Stelle auf die entscheidenden Mängel der Amharischen Heeres- organisation ebenso frühzeitig verwiesen wie aus das Problem, ob ein Heer ohne moderne Per» kehrsmittel von den Vorteilen der„inneren Linie" mit Nutzen Gebrauch machen würde); sie setzten ihre Truppen in Massen zum Kampf mit dem technisch und zuletzt auch zahlenmäßig überlegenen Gegner ein und sie wurden, zum andern- mal, von den FreundenimBöl- kerbund im Stich gelassen. Wer immer mit einem wachsenden Widerstand der Amhara gerechnet hatte, der ging von der Voraussetzung aus, daß sie in drei ms vier Monaten genügend Maschinengewehre, Schnellfeuer- und Lnftabwehrgeschütze, daß sie auch Flugzeuge(wenigstens Jagdflieger) und leichte Kampfwagen haben und daß ihnen London und Genf die Mittel zu solcher Rüstung schaffen würden. Nichts dergleichen geschah. Auch in den letzten Kämpfen standen die Schützen und Reiter des Negusa nagast mit alten Gewehren und einer geringen Zahl leichter MG gegen die schwere Artillerie, die Fliegerschwärme und Tankbataillons der nun auch an Zahl überlegenen Italiener. * Ist der Krieg also verloben? Auch das läßt sich noch nicht endgültig behaupten. Angenommen selbst, daß vor Beginn der Regenzeit noch die Bahn nach Dschibuti durchschnitten, vielleicht Addis Abeba besetzt wird, könnte sich die Lage der 330.000 Mann, die Badoglio dann als Besatzung über ein Gebiet von 600.000 bis 700.000 Qua- dratkilometer verteilen müßte, in der Regenzeit und einer Volkserhebung gegenüber, die im am- harischen Kernland eher aufflammen wird als in den Randprovinzen, sehr unerquicklich gestalten und ein schwerer Rückschlag wäre keineswegs ausgeschlossen. Gepaart mit einer energischen Sanktionspolitik könnte solcher Volkskrieg noch zu einer Wendung führen. Aber die Entscheidung liegt wieder inGenf, also faktisch i n L o n- donundParis. Wenn England Mussolini schlagen will, so kann es ihn noch immer schlagen und es könnte gerade heute Frankreich zur Einhaltung der Verträge zwingen. Aber vielleicht hat England, auf längere Sicht in ernstere Sorgen verwickelt, die Partie am Blauen Nil zunächst verlorengegebcn, dann wird sich die Tragödie Abessiniens vollenden. Abessiniens— und des Völkerbundes! Denn niemand täusche sich über die verheerenden moralischen Folgen eines Triumphes der Friedensbrecher. Frankreichs Ruf nach Sicherheit und Englands Weigerung, die Mandate berauszugeben, werden nur ein schwaches Echo finden— vor allem in der angelsächsischen Welt — wenn ein moralisch bankrotter Völkerbund hinter ihnen steht. Wenn der Negus sein Reich verliert, so verliert Genf seine Ehre und damit die Seele seiner Macht. NealirniilleroRt durch dos rinan Mittwoch vormittags setzte das Steuer- subkomitee der Koalition die Beratungen!über die Steuernovelle fort. Das Subkomitee beendete die Medaktion der einzelnen Koalitionsanträge, so daß die'ganze Materie nunmehr koalitionsmätzig vereinbart und durchgearbeitet ist. DaS Finanzministerium wird«ms Gründ dieser Anträge eine Neustilisierung jener Paragraphen der Vorlage vorbereiten, auf di« sich die Anträge der koalierten Parteien beziehen. Daß Subkomitre hat nach Beendigung dieser Arbeiten erneut betont, daß es einheitlich auf seinen früheren Beschlüssen beharrt, welche die Herabsetzung der Getreide- Uebernahmsprelse? Zur Deckung der Verluste des Monopols Die„P r ag e r P r e s s e" meldet, daß di« Anhäufung der Vorräte bei der- Äetreidegesell- schaft'lwmer dringender«fite"grunK^g'ende Lösung der sich daraus ergebenden finanziellen. Belastung als notwendig erscheinen ließ, zumal sich herausgestellt habe, daß Mit einem Abbau.der Ueber- schüsse durch Verringerung der Anbauflächen nach der bisherigen Praxis nicht gerechnet werden könne. Als oberste Richtlinie für die Neuordnung im Getreidemonopol mutzte der Grundsatz anerkannt Werden, daß— da für die Deckung der sich aus der Verwertung der überschüssigen Vorräte durch Export« etc. ergebenden Verluste die Staatskasse nicht herangezogen werden kann — die Preisrelationen der Getreidegesellschaft derart Modifiziert werden müssen, daß sie die vollkommen« finanzielle Selbstgenügsamkeit des Monopols garantieren. * Vom Landwirtschüstsministerium wird derzeit ein Elaborat über diese Fragen ausgearbeitet. Es werde im wesentlichen durch Herab- setzungderAufkaufspreisesürGe- t r e i d e die Preisspanne zu den unverändert bleibenden Verkaufspreisen derart zu erweitern haben, daß daraus die bisherigen Verluste gedeckt und Reserven für künftige Fälle dm- gelegt werden können. Erst nach Bereinigung der Verluste könnte auch«ine entsprechende Herabsetzung der Verkaufspreise zugunsten des Konsums in Frage kommen. Diese Lösung würde zugleich auch das wirksamste Mittel-gegen die übermäßige Erweiterung der Getreideanbauflächen darstellen, die sich durch die bisher'angewandten Mittel nicht verhindern ließ. Tschechische Sozialdemokraten gegen Machnlk-ErlaB Ein« Bede des Abgeordneten Klein Der tschechische sozialdemokratische Abgeordnete Robert Klein sprach am vergangenen Sonntag in einer Versammlung der Privatangestellten nn Karlsbader Kurhaus. Er behandelte auch den Machnik-Erlaß. Nach Erörterung der Lage der Geschäfts, reisenden verurteilte Abg. Klein in schärfster Weise die Bestrebungen, den Arbeitsplatz der deutschen Angestellten und Arbeiter einzuschränken. Ministerium dir nächsten Mittwoch Aenderung des Stenerjahres, die fakultativ« Einbebnng der Gemeindrzuschlägr durch di« darum ansuchenden Gemeinde» und die Ber- einfnchnng der Stcueresirhebung bei den kleinen Steuerträgern betreffen. Die nächste Sitzung des Koalitionssub- komitees.wird am Mittzvycb ngch.Astern um 15 Uhr im Beisein bon Vertretern des Finanzministeriums stattfindeu. Das Ministerium wird in dieser Sitzung die Ncustilifierung jener Paragraphen vorlegen, welche über Antrag der koalierten Parteien geändert werden sollen. Die Arbeit soll so fortgeführt werden, daß die Steuernovelle so bald wie möglich im Budget- üusschuß und im Plenum des Abgeordnetenhauses verhandelt werden kann. Das ist kein Weg zur Verständigung und zur Befriedung der Tschechoslowakei. Angehörige einer anderen Nation dürfen nicht dafür gestraft werden, daß sie Angehörig« dieser Nation sind. In der gegenwärtigen Periohe der internationalen Schwierigkeiten braucht die Tschechoslckvakei in höchstem Maße die innere Ruhe. Mit solchen Ver- flgungen wie der des Ministers Machnik erreicht map aber das Gegenteil. Der deutsche Angestellte und Arbeiter hat die Pflicht, gegenüber seiner Nation alles zu erfüllen, was von einem Bürger zu erwarten ist. Vor uns müssen zuerst die wirtschaftlichen Fragen stehen» deren Lösung im Interesse des ganzen Staates notwendig ist. Krach In der Organisation der bergarbelterpenslonlsten Vor einiger« Zeit wurde die Hauptversamm- lung des Verbandes der Bergarbeiterpensionisten abgehalten, wobei einige ganz interessante Feststellungen gemacht wurden. Der frühere Lckmann Bretfeld wurde abgesetzt und eine neue Verbandsleitung gewählt. Der Brüxer Berbandstag hat eine vollständige Umstellung der Organisation gebracht. Die neue Berbandsleitung hat ihren Sitz in Obergeorgenthal. Vergangenen Sonntag sollte nun die Haupwersammlung der Ortsgruppe Oberleutensdorf dieses Verbandes stattfinden. Die Verbandsleitung war davon verständigt worden und ihre Funktionäre nahmen daran teil, doch verhinderten die Oberleutensdorfer Mitglieder» daß diese dort sprechen konnten Es mußte schließlich, da sich in dem Krach überhaupt niemand mehr verständlich machen konnte, die Staatspolizei geholt werden, die ganz einfach die Hauptversammlung a u f l ö st e. Eine anschließend im Gasthaus„Freundschaft" in Oberleutensdorf stattfindende Berbandsleitungs- sitzupg beschloß, zur prpvisorischen Leitung der Ortsgruppe Oberleutensdorf zloei Leute zu bestimmen. Die neuerliche Hauptversammlung, einberufen von der Berbandsleitung, wird nun am 18. April im Gasthaus„Zum Weißen Roß" in Oberleutensdorf stattfinden. Aufgelöste Komnmnistenversammlung. Die Kommunisten hatten für Dienstag abends ins Schützenhaus in Karlsbad eine Versammlung einberufen. Nachdem Abg. Köhler etwa eine Stunde gesprochen hatte, wurde die Versammlung nach vorhergehender Verwarnung wegen der von dem Redner erhobenen scharfenAn- griffe gegen die Außenpolitik der Regierung vom Regierungsvertreter aufgelöst. Militärbündnis gegen Japan Moskau.(Daß.) Di« Blätter veröffentlichen dm Text des Protokvllrs über die ge-mseittge Hilfe zwischen der Sowjetunion und der mongolischen Volksrepublik, welches am 12. März in Ulanbator unterzeichnet wurde. Im Falle eines drohenden Angriffes auf das Territorium der Sowjetunion oder auf die mongolische Volksrepublik seitens emes dritten Staates verpflichtm sich die beidm Regierungen» die entstandene Lage sofort gemeinsam zu erwägen und alle jme Maßnahmm zu treffen, di« sich zum Schutz« der Sicherheit ihrer Territorien nötig erweism könntm. Im Falle emes militärische» Augrifse- auf einen der vertragschließenden Partner verpflichten sie sich, einander jeglich« Hilfe, auch die militärisch« zu l«istm. Das Protokoll tritt im Augenblicke seiner Unterzeichnung in Kraft und wurde für die Dauer von zehn Jahren abgeschlossen. Ein kompliziertes Tauschgeschäft Deutschland will Korridorgebühren künftig bar bezahlen Warschau. Die deutsch-polnischen Verhandlungen über die Regelung deS Transiwerkehres durch den Korridor haben nach Beseitigung großer Schwierigkeiten zu einer provisorischen Einigung geführt. Die deutsche Regierung verpflichtet sich, rückwirkend vom 23. März alle laufenden Transitgebühren bis zur Höhe von 1.5 Millionen Goldmark, d. i. Wer 3 Millionen Zloty, monatlich i n B a r g e l d zu begleichen. Der Transitverkehr wird in Zukunft diesem Betrage angepaßt sein. Die Angelegenheit der 90 Millionen Zloty, die Deutschland aus diesem Titel bereits schuldig ist, wird Gegenstand weiterer Verhandlungen sein. Da Deutschland an den Sanktionen gegen Italien nicht teilnmunt, hat es aus dem Titel von Lieferungen Italien gegenüber ein hohes Aktivsaldo, aus dem es nun gegen Verrechnung auf die 90 Millionen Zloty gewisse polnische Schuld en an Italien(aus dem Titel der Tabakanleihe) abdecken will. Ole»Deutsche Glaubensbewegung** ohne Führer Berlin. Auf einer Tagung der Landgemeinde- Leiter der deutschen Glaubensbewegung in Berlin wurde der Rücktritt des bisherigen Leiters der deutschen Glaubensbewegung, Professor Dr. Wilhelm Hauer- Tübingen und der Austritt seines Stellvertreters Graf Ernst Revent- l o w- Potsdam bekanntgegeben. Hitlerspion verurteilt Paris.(Tsch. P.-B.) DaS Strafgericht verurteilte den ehemaligen österreichisch-ungarischen Fliegerhauptmann Eduard Bernhüber wegen Spionage zugunsten Deutschlands zu fünf Jahren Gefängnis, 2000 Franks Geldstrafe, zehn Jahren Landesverweisung und Konfiszierung des beschlagnahmten Vermögens. Bernhüber ist seit dem Jahre 1933 Mitglied der deutschen nationalsozialistischen Partei, spricht fließend einige Sprachen und hat sich die Informationen insbesondere in Journalisten- und in diplomatischen Kreisen beschafft. 55 MANNER, FRAUEN | UND WAFFEN| Roman von Manfred Georg Copyright by Dr. Manfred Georg, Prag Er zuckte auf. Hatte nicht die Satorescu dasselbe gesagt? War nicht Haydce auch dieser Meinung gewesen? Auch diese beiden gatten ihn keineswegs bewundert, hatten nicht den aus Heimtücke und Hatz gemischten Respekt gehabt, mit dem ihn seine Geschäftsfreunde sonst belauerten. Er arbeitete im Auftrage des Todes, suchte dabei nach den Opfern des Krieges und zweimal hatte sich der Auftraggeber persönlich gemeldet: Gabriele war wcggeschoffen worden, Haydee lag, vielleicht retttingslos verloren, in dem weißen Zimmer am Senunering. Gesang scholl vom Stauüamm herüber. Er konnte die Worte deutlich vernehmen: „Wir bauen den Damm, wir bauen den Fluß, Bruder, greif zu! Das Voll befahl, was gelingen nun mutz. Ich trag die Sorge und du!" Aergerlich warf er das Fenster zu. Er würde schon zeigen, daß er nicht überflüssig in der Welt war, daß er noch lebte! Ja, wem würde er das zeigen? Herrn Makropulos, der ihm das Mädchen beinahe zu Tode getroffen hatte? Oder Herrn Dunaimis? Oder wem sonst? Dem Riesen von Gprnitsch, der aus dem Dunkel hervorgetreten war und per ihn jetzt durch alle Dunkel hindurchjagte? Oder lockte ihn der nur hinter sich her? Was tat er hier in diesem verdammten Nest? Er brachte das Unglück im Koffer mit sich. Wenn Haydce davon erführe, würde sie sicher vor Schreck sterben, wenn sie bis dahin nickt am Wundfieber verendet war. Und doch, während ec sein Bewußtsein um und um grub, wahrend er versuchte, sich den Zwang, der auf ihm lastete, von der Seele zu reißen, war es wie ein feines, hohes Singen im Raum, nicht stärker, als wenn sonst einmal die Ohren klangen und obwohl er sich diese zuhielt, vernahm er deuttich: Du bist noch nicht zu Endel Geh weiter, wie«S dir bestimmt ist! Er stand auf und sah hinaus. DqH Hotel lag auf einer kleinen Anhöhe. Man konnttz die Lsckter am Damm und die hujchenyenSchatten der Ar? beiter deutlich sehen. Der Himmel wär'davon erhellt und das dampfe Trotzen der Rammer hallte in rhhGmischen Abständeck^hetswer.' Nein, wahrhaftig: er war noch nicht freBEr war eingesponnen in Stricke, die noch fest schnürten. Vielleicht hatte er gerade den um den Hals so gelockert, daß er Haydse hatte küssen können. Er kam sich hilflos gebunden, weiter in den Strom der Ereignisse geworfen vor.' Es klopfte an die Tür. Der junge Kommissar trat ins Zimmer, den ihm Watson gezeigt hatte. Er mußte sich im Rahmen bücken, so groß >var er und überragte den an sich stattlichen Schumann noch um einen Kopf. „Ich bringe Ihnen Ihren Paß wieder, Herr Heller," sagte er und legte den falschen Paß, den Schumann dem Hotelportiec gegeben hatte, auf den Tisch.„Sie waren uns ja schon von Moskau avisiert. Wir freuen uns. Sie hier zu sehen. Hoffentlich wickeln sich die Geschäfte zur allseitigen Zufriedenheit ab!" Dabei setzte er sich, ohne daß ihn Schumann dazu aufgefordert hatte. Es war ein hübscher, frischer Mensch von durchaus unslawischem Aussehen mit einem Blondschopf und einem großen, lachenden Jungenmund. Er trug keine Uniform, sondern nur auf der ziemlich zerschlissenen Joppe den höchsten Orden, den die Regierung zu vergeben hatte. Schumann fragte höflich: „Wo haben Sie den her?" ■ Der Kommissar lächelte geschmeichelt mit einem netten natürlichen Stolz: „Den habe ich schon mit siebzehn Jahren bekommen, nachdem ich in Georgien eine ganze Provinz von Banditen frei gemacht habe. Es waren gefährliche Burschen, vom Ausland finanziert, aber wir haben sie restlos auSgerottet. ES war eine blutige Arbeit. Wer was half's?" »So jung ioaren Sie damals?" „Da war ich sckon drei Jahre bei der Armee. Mlstviexzehn war ich Maschinengewehrschütze in einem sibirischen Panzerzug." „Alle Achtung!" „Uebrigens, worauf ich Sie noch aufmerksam machen wollte: Sie haben da vorhin mit der Genossin Krestoff gesprochen. Bitte schön, wir bekümmern uns nicht um die Ansichten der Leute, die hier mit uns Geschäfte machen wollen. Wer ich möchte Sie darauf Hinweisen, daß es unter Umständen für Sie gefährlich sein könnte, sich so unbedenklich zu äußern, wie Sie es getan haben. So was wird herum erzählt, wird diskutiert, man weiß nie, welche Unannehmlichkeit für Sie oder auch für andere» die noch nicht erwachsen sind oder die Dinge richtig sehen gelernt haben, daraus entstehen. Ich bin für den Bezirk hier verantwortlich. Sie werden mir das nicht übel nehmen. Es ist meine Pflicht!" „Es sollte mir leid tun, wenn ich Fräulein Krestoff den Kopf verdreht habe mit meinen Reden!" Der Kommissar lachte schallend: „Aber wo denken Sie hin! Die Krestoff läßt sich doch nicht mtt ein paar Motten irre machen.. Mit der können Sie ruhig diskutieren. Mit mir übrigens auch, wenn Sie Lust dazu haben. Bin noch nie aus dem Land herausgekommen, und ich gestehe, daß mich jeder Fremde reizt. Es ist doch ganz etwas anderes, als wenn man bloß die Schilderungen in den Zeitungen liest." „Das will ich meinen!" Der junge Kommissar bekam ein abweisendes Gesicht: „Ich wollte die Schilderungen in den Zei tungen nicht verdächtigen. Ich möchte sie mir nur ergänzen." „Also dann kommen Sie vielleicht einmal an einem Wend zu mir. Ich habe auch noch eine echte Flasche französischen Kognak im Gepäck. Wir werden plaudern und trinken. Bringen Sie auch die Krestoff mit. Es soll mir recht sein!" Der Kommissar nahm dankend an, salutiette und ging. Wie er da zur Tür herausschrijt. stramm und federnd, schlug das alte Militärherz in dem Rittmeister. Donnerwetter, das war ein Kerl! Hell und offen und fröhlich. Und dabei von einem Ernst erfüllt, der offenbar wußte, was er wollte. Die Leute hatten schon recht, wenn sie ihm einen wichtigen Posten gegeben hatten. Das hätte Schumann auch getan! Und, als ob ihm die Begegnung wohl getan hätte, legte er sich nieder, zog Haydee einmal in Gedanken an sich und war in wenigen Minuten eingeschlafen. Ah und zu hatte sich Schumann mit den Ingenieuren, die Glazunoff als zuverlässig bezeichnet hatte, gettoffen. Es waren lleine, aber ehrgeizige Leute, die die ewige Unterordnung satt hatten und sich danach sehßten,„mit einem Schlag etwas Großes" zu werden. Obwohl gut bezahlt, sahen sie kein Vorwärtskommen. Mehrere von ihnen hegten auch noch einen alten Groll gegen das heutige System von früher her. Sie stöhnten sich bei Schumann aus, ließen sich von ihm die Rechnungen begleichen und versicherten ihn ihrer ewigen Treue. Gewiß, sie gaben zu, daß der Staudamm bei der herrschenden Stoffknappheit und der kurzen Frist, die für seine Fertigstellung bestimmt war, fast ein Wunderwerk schien. Wer an sich sei er schließlich ein Staudamm wie viele in der Welt, vielleicht nur etwas größer als die meisten. Alles aber bekäme in diesem Lande eine besondere Bedeutung, würde als weiß Gott was gefeiert, es sei schon ekelhaft. (Fortsetzung folgt.) Nr. 85 Donnerstag»!). April 1936 Seite 3 fudetendeutscfter£eitspicgef das D i e Verwaltung. vle be- deS Unterrichtes aller Schulkategorien. und der sein d l der AuSspruch Napoleons hin, daß zwei Mächte die Welt regieren: Bajonette Und Ideen, daß aber am Schluß die Ideen immer stärker seien als die Bajonette. Die Pädagogischen Tagungen haben immer Ideen beleuchtet, dir der Kämpfer Lessing, der Philosoph Herder, der Seher Schiller aufgestellt und verfochten' haben: Freiheit, Fortschritt, Humanität. Wir befinden uns heute neben der finanziellen Krise auch in der geistigen Krise des Schlagwortes. Unser Kurs aber lehrte in allen seinen Borträgen, wie man Spreu, vom Weizen scheiden solle. Jeder Kursteilnehmer wird aus den Vorträgen geistige Erhebung gegen den Ungeist der Zeit mitgenommen haben und dadurch ist der Zweck unserer heurigen Pädagogischen Woche erfüllt. Anschließend sand ein technisch ganz hervorragender experimenteller Vortrag des Herrn P r o f. K ö g l e r. Reichenberg, über Schallplatte, Radio und Photozelle im Unterricht statt, der das Erstaunen der Teilnehmer hervorrief. Damit schloß die 8. Pädagogische Woche in Aussig ab. Besondere Anerkennung hatte sich die B u ch- han.dlungMiksch, Aussig, erstorben, die eine allen fachmännischen Ansprüchen gerecht werdende pädagogische Buchausstellung zusammengestellt hatte. lesen. Die Zeitungen, die such so hämisch ob jedes Hiebes freuen, den sie an die Sozialdemokratie weitergeben können, sollten doch wenigstens die Presse l e s e n, die sie im Auftrage Henleins mit Kot bewerfen. Das„Trommelfeuer auf den Aktivismus" weist keinen einzigen Treffer und jedenfalls lauter Blindgänger auf. W am 30. Hofer in den späten Abendstunden aus dem Haufe seiner Verwandten in Feldbach mittels Automobils entführt. Die Leiche Hofers, der nach dem Obduktionsbefund durch einen Schlag auf den Hinterkopf betäubt und dann erwürgt worden war, wurde am 1. April anfgefunden. Alle Anzeichen sprachen dafür, daß es sich um einen Fememord handelte. Im Laufe der Untersuchung konnte die Polizeidirektion in Graz feststrllen, daß der arbeitslose Bäckcrgehilfe Franz Godar aus Graz am kritischen Tage verschwunden war. In seiner Begleitung befand sich der Schmiedegehilfe Johann Schöllauf. Beide wurden der Tat verdächtigt und, wie nun ans Marburg gemeldet wird, von der dortigen Polizei verhaftet und dem Gerichte eingelirfert. eigener reichsdeutschcr Zahlen die niedrigen Löhne und die hohen Rüstungsgewinne, der sinkende Lebensstandard in Deutschland gegenüber dem Lebensstandard in den benachbarten Staaten, die Entwicklung der. Löhne und Preise in Deutschland gegenüber der Entivicklung der Löhne und Preise im Ausland gegeben wird; es genügt, wenn Augen- und Ohrenzeugen der furchtbaren Hitler-Justiz ihre Erlebnisse schildern unter genauer Beweisführung, mit Nennung aller Namen und der näheren nachprüfbaren Umstände; es genügt, wenn die verlogenen Argumente der Außenpolitik des Hitlersystems in ruhiger, sachlicher Weise behandelt und zerpflückt werden und zwar möglich st von deut scher.Seite selb st, aus dem Munde anerkannte rdeutscher Patrioten; es genügt, wenn die Zustände in: Auslandsdeutschtum, der unheilbare Schaden, den der Terror der Hitlerpartei im Anslandsdcutschtum anrichtet, mit einfachen, klaren Worten von auslandsdeutscher Seite selbst dargelegt werden; wenn täglich die wichtigsten hitlerischen Zeitungen besprochen, d. h. beantwortet und richtiggestellt werden. Aber all das nicht nur einmalig und mehr oder minder zufällig, sondern Tag für Tag nach genauem Plan, von allen Stationen, von allen Ländern, die überhaupt an der Erhaltung des Friedens interessiert sind." Grazer Fememörder In Marburg verhaftet i t n. Wie seinerzeit gemeldet, wurde März der arbeitslose Monteur Georg Trommelfeuer mit Blindgängern Der gesamten gleichgeschalteten Dürgerpresie ist großes Heil widerfahren: sie wurde, offenbar von der Pressekorrespondenz des Herrn Henlein, mit einem Artikel beliefert, der unter der Ueber- schrist„Trommelfeuer auf den Aktivismus", das liebliche Märchen cuftischt, die sozialdemokratische Presse habe zu dem Gesetz über die Staatsverteidigung bisher geschtviegen. In der„Ascher Zeitung" erschien die Nachricht am 3. April, im Troppauer„Neuen Tagblatt" am 4. April, im „Saazer Anzeiger" und in der„Neutitscheiner Zeitung" am 3. Avril. Die Runde wurde am 2. April von der„Brüxer Zeitung" eröffnet. Auch die„Rumburger Zeitung" vom 4. April tat mit. — Nur dies als Antwort: Die Stellungnahme der sozialdemokratischen Presse zu dem StaatS- berteidigungsgesetz war in den sozialdemokrati- jchen Blättern am 1. April an leitender Stelle zu Der Friede unteilbar Englische Erklärungen im Oberhaus London.(Reuter.) In der außenpolitischen Aussprache, welche im Oberhaus stattfand, sagte Lord Halifax u. a.: Die Tatsache, daß wir im europäischen Westen besondere Verpflichtungen Lbcr- nommen haben, welche wir für den europäischen Osten nicht wiederholen wollen, darf nicht in dem Sinne ausgrlegt werden, daß wir einfach kein Interesse an den Ereignissen und Fragen hätten, welche außerhalb' des Loearno- bereichs entstehen. Ein derartiger Standpunkt wäre einfach unmöglich, da d e r F r i e- drn unteilbar ist und es sich schwer anerkennen ließe, daß der europäische Westen das Gefühl der Sicherheit haben könnte, wenn im europäischen Osten ein Brand entstände. Unsere Politik beruht darauf, daß wir alle, welche den Frieden suchen, fest unterstützen, und uns allen entgegenstellen werden, welche den Frieden nicht suchen und die Sache des Friedens verraten. Zu den deutschen Vorschlägen erklärte der Lord, jeder Vorschlag müsse mit voller Aufrichtigkeit und ohne jede Leidenschaft geprüft werden. Vorläufig vernachlässige England nichts,, um einen passenden Boden für deh Frieden& schaffen, es vernachlässig aber auch keine Sicherheitsmaßnahmen. Emährunsspolitlk fürs Volk Wem die statistischen Erhebungen nicht genügen, der soll sich von dem Gesundheitszustand der Kinder und Erwachsenen in den industriellen Elendsgebieten überzeugen, um zu erkennen, welche verheerenden Auswirkungen die Massenarbeitslosigkeit und die Verteuerung wichtiger Nahrungsmittel auf weite Schichten der Bevölkerung unseres Staates hat. Es ist darum um so mehr zu begrüßen, daß der Verband der Deutschen Wirtschaftsgenossenschaften in einer Entschließung der Regierung eine Reihe ernster Vorschläge zur Bekämpfung des wirtschaftlichen Notstandes unterbreitet hat. „Durch den Anschluß an unsere genossenschaftlichen Verbraucherorganisationen", so heißt eS darin,»hat uns ein Drittel der deutschen Bevölkerung unseres Staates die Wahrung ihrer Interessen als Verbraucher anveriraut. Diese berantwortungSreiche und ehrenvolle Aufgabe des Schutzes der Verbraucherinteressen hat unsere Organisation zu allen Zeiten mit allen ihr zu Gebote stehenden Kräften zu erfüllen getrachtet. Je mehr di« schaffenden Verbraucher in Stadt und Land durch die Auswirkungen der Wirtschaftskrise verelenden, desto nachdrücklicher geben wir unsere Ueberzeugung kund, daß nur dutch eine grundsätzliche Umgestaltung der gesellschaftlichen Ordnung die Wohlfahrt des Volkes erreicht und gesichert werden kann, und zwar durch die Aufrichtung einer sozialen Gemeinwirtschaft, in der nicht das private Wohl des Einzelnen, sondern das öffentliche Wohl der Gesamtheit für die Regelung aller gesellschaftlichen Verhältnisse entscheidend ist." Um den Aufgaben der Gegenwart gerecht zu werden, werden im Namen von Hunderttausenden Vcrbraucherfamilien von der Regierung und von den zentralen Behörden folgende Maßnahmen im Interesse der Verbraucher gefordert: Eine Regelung der Getreide- Preise, die sowohl den Verbrauchern als auch der Masse der Bauern entspricht. Durch eine Staffelung des Uebernahmepreises für das von der Getreidegesellschaft bewirtschaftete Getreide nach dem Grundsatz, daß sich der Uebernahms- pxeis im Verhältnis zur abgelieferten Menge senkt. Dadurch würde erreicht, daß der großen Masse der kleinen Grundbesitzer bis zu zehn Hektar die gleichen Ertragsmöglichkeiten gewahrt bleiben und der Gesamtaufwand für die von der Getreidegesellschaft' aufgekausten''Getrridemengen niedriger wird. So würde die Voraussetzung für’ernt Herabsetzung der Brotpreise geschaffen und außerdem die Lage der Brotbäckereien gebessert werden. Um den Verbrauchern die Deckung des Bedarfs an Vieh- und Fleischprodukten in ausreichender Menge und zu gerechten Preisen zu sichern, wird gefordert: Festsetzung genügender Einfuhrmengen von Schlachtvieh. Herabsetzung der Zölle für Fleischschweine, Aufhebung aller Maßnahmen, welche die Futtermittelpreise und damit die Fleischpreist erhöhen, Herabsetzung der Fleischstener und gerechte Regelung der Gebühren und Abgaben. Die Errichtung eines Viehmonopols wird abgelehnt, weil es die Interessen der kleinbäuerlichen Viehzüchter und der Verbraucher mißachtet. Die ausreichende Versorgung der Verbraucher mit Margarine bedingt: die Aufhebung des Margarinegesetzes. Bis sie erfolgt ist, ist die Freigabe eines genügend großen Kontingents für den Verbrauch und die Sicherstellung eines ausreichenden Quantums für die Mitglieder der Konsumgenossenschaften notwendig. Gegen die Absicht, eine Margarinesteuer einzuführen, und zu indirekten Preiserhöhungen überzugehen, protestiert der Verband Deutscher Wirtschaftsgenossenschaften. Damit der inländische Zuckerverbrauch wieder eine Steigerung erfahren kann, Wird eine Herabsetzung des Zuckerpreises um 1 KL se Kilogramm gefordert. Diese für die Ernährungspolitik unseres Staates entscheidenden Forderungen entsprechen den Interessen der Verbraucher. Weil sie die gewaltige Mehrheit im Volke bilden, sollten sie bei der Regierung und den Behörden die entsprechende Berücksichtigung finden. An unsere Abonnenten, Leser und Kolporteure I Anläßlich der Osterfeiertage wird im Bnch- drnckcrgrwerbe am Montag nicht gearbeitet, so daß unsere Nummer am vlenstsz. den 14. April entfällt. Die nächste Ausgabe erscheint dann zur gewohnten Stunde am Mittwoch, den 15. April. Eine„Radio-Offensive gegen Hitler** PSdagoglsche Woche In Aussig Dienstag nachmittags sprach Prof. Wala über i Thema: „Erziehung und Wehrhaftigkeit". Der Vortragende hält die Wehrhaftigkeit nicht für den Zweck des Lebens. Wehrhaftigkeit und Wehr macht sei ein Uebergangszuftand der Menschheit, aber derzeit durch die politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen der einzelnen Staaten zueinander un bedingt nötig. Der Zustand der Weltpolitik und des Aufrüstens seien zu real, als daß man sie durch ab strakte Ideale bekämpfen könnte. Aber den Waffen und der Wehrhaftigkeit hafte immer die latente Ge fahr de? Waffenabgottes an, die Gefahr des Mili tarismus. Hier findet er die verantwortungsvolle Aufgabe der fortschrittlichen Elemente der Lehrer schaft. In dem Ministerialerlatz über die Wehrhaf tigkeit der Jugend wird dieser Bemühung Rechnung getragen. Für unsere Zwecke kommen die körperliche Er tüchtigung und die theoretische Erziehung in Be tracht. Die spezielle Ausbildung in der Waffe und im Kampfe ist den militärischen Fachleuten Vorbe halten. Der erwähnte Ministerialerlatz enthält wich tige Winke. Es wird daher hier empfohlen, die Idee der Demokratie zu betonen, ferner den Sinn für Gemeinschaft, Disziplin, für tapferes und«nergi- sches Eintreten, aber auch für selbstloses Unterwer fen zugunsten des Kollektivums zu unterstreichen. Diese Eigenschaften können nicht nur in der Bür gerkunde, sondern.auch in der Heimatkunde, in Ge schichte, Geographie, in der Unterrichtssprache, beim Turnen und in den Gesangsstunden. In der Geo graphie wird die Orientierung und das Distanz messen und Kartenlesen geübt. Die Physik kann die Kenntnisse über Lichtsignale, Fernroh«, Telegraph und Telephon» Flugzeuge und Fliegerabwehr erwei tern. In Chemie bespricht man die Explosiv« und Brandstoffe, die Gase und ihre Abwehr, Land schaftszeichnen und Terrainprofile in den Zeichen stunden. Die Gesamtstunde übt Marschieren. In be zug auf die Körpererziehung sind folgende Aufgaben zu bewältigen: 1. Durchgreifende Ausbildung des Körpers. 2. Der Sport und seine physischen und mö- rälifchen Werte. 3. Die Spiele sollen daß Gefühl der Gemeinschafftichkeit'' und der' Opfrrwilligkeit fördern; ferner die rasche Entscheidung und Selbstän digkeit. 4. Marschübungeu zur Ausdauer und Orien tierung. 5. Wanderungen und Lagern im Freien sollen die Liebe für die Natur erschließen. Das Be obachten, das Orientieren, das Skizzieren, erste Hilfe usw. werden spielend im Lagerleben gelernt. Dasselbe gelte für die Mädchen, die auch für den im Ernstfall« schweren Pflegerinnendienst genügend körperlich ertüchtigt werden müssen. Dienstag nachmittags berichtete Stabskap. V a l I a in eurer theoretisch wie'praktisch ausge zeichnet fundierten Art, wie die Heeresverwaltung sich vorstelle, daß Schule und Lehrerschaft in den Dienst der Wehrhaftigkeit treten solle. Nicht im mechanischen Drill, im kindischen Soldatenspiel, son dern in der Erziehung der Kinder zu festen Charak teren, zu selbständiger Auffassung im einzelnen, in der Liebe zur Heimarscholle und Republik, in der Erziehung zur Kameradschaft und Menschlichkeit seien all« Elemente enthalten, welche der Staat für den Schutz seiner Existenz auch im Ernsffalle nötig«. Mittwoch vormittags sprach Obmann H u als erster Redner über die„Schulaufsicht in neuen Schule". Er charakterisierte die notwendigen pädagogischen und staatsbürgerlichen Eigenschaften des Bezirksschulinspektors, die sich freilich wirffamer entwickeln könnten, wenn einerseits die Schulbezirke verkleinert würden, andererseits auch die materielle Lage der Bezirksschulinspektoren, und der Lehrer zeitgemäß geregelt wären. Der Inspektor hat weni ger BerwaltungSbeamte, aber mehr kameradschaft licher Berater deS Lehrers zu fein. Das Urteil des BezirkSschulinspektorS ist für den Lehrer sehr ge wichtig und mutz daher mit großer Vorsicht aus gesprochen werden. Gerade in unserer Zeit boller politischer Spannungen ist der Einfluß deS Inspek tors auf das OrganisationSleben der Lehrerschaft, auf ihre Fortbildung, auf die Parteinahme für die! und wissen, daß der Opfer der Maschine. Am Montag, den 6. ds. verunglückte im Reichenberger Siechenhaus die 36 Jahre alte Ordensschwester M. F. Z i m a in schwerer Weise. Bei der Bedienung der Wäschezentrifuge beschäftigt, hatte sie diese bereits zum Stillstand gebracht, als sie ausrutschte und mit dem rechten Arm in die noch rotierende Trommel geriet, wobei ihr der r e ch t e Unterarm abgerissen wurde. Im Hospital mußte der Verletzten der Arm bis zum Schultergelenk am- putiert werden..~.ü n' r-rei Einführungskurs für technische Unterrichtshilfen. Das Ministerium für Schulwesen und Volkskultur betreut schon seit. Jahren die technischen Unterrichtshilfen: Lichtbild, Film, Funk und Schallplatte und führt seit jüngster Zeit auch den Lehrfilm in den Unterricht ein. Die Uranig-Prag hat nun im Verein mit dem.deutschen Lehrerbund es sich zur Aufgabe gemacht, diese UnterrrichtShilfen unter der Lehrerschaft des gesamten Staates zu propagieren und die Lehrer in den Gebrauch dieser modernen technischen Geräte einzuführen. Dieser Tagt findet der fünfte Einführungskurs für technische Unterrichtshilfen im Uraniahaus in Prag statt, der aus allen Teilen der Republik von Vertretern der Lehrerschaft beschickt ist. Die Borträge, die bereits gehalten wurden, unterrichteten eingehendst über den Stand der modernen Photographie, den Farbenfilm„Kodachrome", den Tonschmalfilm, die Handhabung der Apparaturen und den Schmalfilm als Unterrichtsfilm. Der letzte Tag des Einführungskurses ist dem Schulfunk gewidmet und abschließend findet«ine Führung in- Radiojournal statt, um den Kurteilnehmern einen Einblick zu geben über einen neuzeitlichen Sendebetrieb. fordertOttoStrassers Wochenschrift„Dix deutsche Revolutio n". Nachdem das Blatt die verheerenden Folgen des Goebbels'schen Monopols auf die Bildung der öffentlichen Meinung in Deutschland dargestellt hat, schreibt es u. a.: „So klar und entschieden wir deutschen Revolutionäre gegen jede militärische Intervention des Auslandes Stellung nehmen, weil wir wollen .,.... Sturz des Hitlersystems und Erziehung zum sozialen und nationalen Verstehen per Aufbau des deutschen Sozialismus eine Sache ausschlaggebend.' des deutschen Voltes selbst sein muß und nicht Als zweiter Redner sprach zu diesem Thema entstehen kann unter dem Schutz ausländischer Landesschulinspektor Dr. Schroubek. Er brachte Bajonette— so entschieden und begründet vertei- zunächst eine sehr imeressante historische Uebersicht! digen wir die Notloendigkeit einer planmäßigen, über die Gesetzgebung der Schulaufsicht seit dem! ununterbrochenen, unaufhörlichen, mit allen Mit- 18. Jahrhundert. Auch die im Entwurf vorhandenen i teln der Technik durchgeführten Aufklärung des Instruktionen der Bezirksschulinspektoren wurden deutschen Volles, weil dies nach unserer Ueber- zitierl, wie auch die Bestimmungen der Normallehr-! zeugung die einzige Müglichleit ist, dem Hitler- pläne für Volks- und Bürgerschulen. Hier ging der j system das verbrecherische Spiel des Krieges aus Vortragende näher ein auf die Einflüsse örtlicher der Hand zu schlagen. und zeitlicher Natur, auf die körperliche und sittliche| Dabei kann und darf es sich nicht um Ver- Erziehung, auf die soziale Jugendfürsorge und schlytz> breitung sogenannter„Greuel-Nachrichten" han- mit einem Hymnus auf die bewutzte Erziehung zur\ tzeln; es genügt, wenn alle Sender um Deytsch- Humauität als dem obersten Ziel der Erziehung und'| land herum, insbesondere aber alle deutschspra chigen Sender immer und immer wieder der Haß- Für die Kyrsleitung faßte nun Dir. D r.- erfüllten Verlogenheit der Hitler-Propaganda Fischer das geistig Erarbeitete der 5. Pädago- gegenüber die ruhige Darstellungder gischen Woche kurz zusammen. Er wies auf den Wahrheit geben; es genügt, wenn anhand ver neue Präsident lein Sozialist? Neuwahl binnen fünf Wochen Madrid. Am Mittwoch erschien- im Hmtsblatte dir Mitteilung über di« Absetzung des Präsidenten der Republik Alcala Zamora im Sinne des Beschlusses der Cortes. Gleichzeitig wurde zum interimistischen Präsidenten Martinez B a r r i o ernannt. Das Ernrnnungsdekret wurde gleichfalls im Amtsblatte veröffentlicht. An informierten Stellen heißt es, daß Zamora die Absicht aufgegeben hat, gegen den Beschluß des Parlaments beim Gerichtshof für Berfassungsgarantien Berufung einzubringrn. Das spanische Volk hat nunmehr binnen fünf Wochen durch direkte Abstimmung 473 Delegierte zu wählen, welche gemeinsam mit den Mitgliedern der Cortes den neuen Präsidenten der Republik zu wählen haben. Dir Rechte befürchtet, daß die große Mehrheit dieser Delegierten Kommunisten oder Sozialisten bilden werden. Viele rechtsgerichtete Mitglieder der Cortes sind absolut pessimistisch sagen voraus, daß der künftige Präsident spanischen Republik ein S o z i a l i st werde. Seite 4 Donnerstag, 8. April 1936 Nr. 85 bevöllcerunssbevezuns in der CSR Geboren■■■■ Gestorben 1919 1920 1921 1923 1923 192« 1923 193« 1937 1923 1923 1930 3931 1932 1933 193« 1935 400.000 380.000 360.000 340.000 320.000 300.000 260.000 240.000 9,90 nnn 200 000 **« s 180 000 160.000 140.000 Das obige Diagramm gibt die Entwicklung der Geburten und Sterbefälle in der Tsche-- choslowakischen Republik von ISIS bis 1835 wieder. Bemerkenswert ist, daß die Geburtenzahl von ISIS bis 1821 rapid gestiegen ist und von da erst in langsamem Abfall begriffen war; seit dem Beginn der großen Krise hat aber der Geburtenrückgang ein rascheres Tempo angenommen.(Wir entnehmen das Diagramm den„Lidove Lisch"). TlAesoemAkeiten, „freu» euch 6er Redens I" An jedem 1. Mai führen die deutschen Sklavenhalter ihre Untertanen in den Berliner Lustgarten. Sie zählen die Sklaven und können dabei immerhin erfahren, wie es wäre, wenn die Skla- ven s i ch zu zählen begännen. Damst hat es frei- lich noch gute Weile; im allgemeinen geben fich diese mit Festen und Aufmärschen zufrieden, das Wort der tapferen Illegalen dringt noch zu wenig an ihr Ohr, oder aber es gebricht ihnen an Mut und Möglichkeit, der Schaustellung fernzu- bleiben. Es ist mehr als bezeichnen-, daß die Organisierung der Maifeiem bisher nicht etwa der Arbeitsfront anvertraut war, sondern dem Propagandaministerium. Vielleicht fürchten die Herrschaften, daß die Arbestsfront als Beran- stalterin, ohne es eigentlich zu wollen, soziale Gedanken in den Massen wecken könnte, die sich dann mit Erinnerungen an frühere Mai- feiern verbänden. Ist es ein Beweis für die Stabilität des Regimes, daß es die Organisierung der Maifeier selbst,„mit Ausnahme des hochoffiziellen Teils", der in den Händen des Pro- pagandaministers verbleibt, heuer doch der A r- beitsfront übertragen hat? Nein,, denn der Arbestsfront ist die Art genau vorgeschrieben, in der der Mai gefeiert werden soll. Alle Feiern müssen unter das Motto gesteltt werden: „Freuteuch des Lebens!"— Die Fortsetzung des schönen Liedes heißt:„Weil noch das Lämpchen glüht" und hat in dem Deutsch, land der Konzentrationslager und unkontrollierten polüischen Morde allerhand Nebenbedeutung. Wenn sich aber die große Masse der Deutschen dieses Lebens nicht mehr freuen wird, wird ihr Lebenslämpchen umso heller glühen. Am 1. Mai und an allen anderen Tagen. Brün«— billigste Stadt der Republik. Aus Grund eines Vergleiches der Preisindicis wurde vom Landeswirtschaftsrat festgestellt, daß Brünn die billigste Stadt der Republik ist. Kessel-Explosion. Vor Coruna explodierte der Kessel eines Fischdampfers, wodurch sechs Mann der Besatzung zerrissen wurden. Acht Seeleute wurden schwer verwundet. Tunnel zwischen Alaska und Sibirien. In amerikanischen Banttreisen wird augenblicklich ein riesiges Projett erwogen. Es handelt sich um die Schaffung einer großen Verkxhrsstraße, die in einem 78 Kilometer langen Tunnel enden soll. Dieser soll unter der Behring-Straße gebaut werden und Alaska mit Sibirien verbinden. Damst wäre eine Verbindung von Südamerika über Mexiko, USA, Kanada und Alaska bis zur USSR geschaffen. Einzelheiten über den Plan liegen noch nicht vor. Der amerikanische Minister für öffentliche Arbeiten erklärte, es seien noch viele Hindernisse zu überwinden, ehe man an die Ausführung gehen könne. Aus einem„Kulturstaat". Ein arischer Rechtsanwalt hatte im Juni 1835 mst einer Jüdin die Ehe geschlossen. Er wurde von dem örtlich zuständigen Ehrengericht wegen gröblicher Verletzung der Pflichten eines deutschblütigen Anwalts zu der Strafe der Ausschließung aus der Rechtsamoaltschaft verurteilt. Dieser Spruch ist jetzt vom Ehrengerichtshof bei der Reichsanwaltskammer bestätigt worden. Seine Entscheidung ist deshalb von grundsätzlicher Bedeutung, weil nach dem Wortlaut der Gesetze bisher eine bestehende Mischehe keinen Grund bildete, die Zulassung zur Anwaltschaft zu versagen, und die Eingehung einer Mischehe, soweit dies möglich war, keinen Grund, eine bestehende Zulassung zurückzunehmen. In der Begründung der Entscheidung heißt es: Der Angeklagte, habe sich vor allem darauf berufen, daß seine Frau ihn früher jahrelang aus ihrem Arbeitsverdienst unterstützt und ihm im Jahre 1830 eimnal beim Baden das Leben gerettet, habe, daß er deshalb eine so starke moralische Verpflichtung zur Eheschließung empfunden hwbe, daß gerade eine Nichtheirat eine Verletzung der Stan- despflicht dargestellt habe. Diese Ausführungen hielt der Reichsehrengerichtshof für nicht widerlegt. Er hielt dem Angeklagten zugute, daß dieser sich a u s s i t t l i ch e i n- wandfreien Beweggründen zur Heirat entschlossen habe. Die Erfüllung dieser moralischen Pflicht sei aber nicht möglich gewesen ohne gleichzeitigen schweren Verstoß gegen dw einem deutschblütigen Anwalt obliegende Pflicht, im Sinne der NSDAP an den großen Aufgaben des Volkes mitzuarbeiten. Stelle der Angeklagte in einem solchen Pflichtenwiderstreit die ihm seiner jetzigen Frau gegenüber Miegende moralische Pflicht über die Pflichten gegen Boll und Beruf, so müsse er auch die Folgen auf sich nehmen. Ein Rechtsanwalt, der in so schwerer Weise gegen die Rassegrundsätze des nationalsozialistischen Staates verstoße, sei für den Staat sdwohl wie für die Anwallschaft untragbar. Der Angellagte könne sich auch nicht darauf berufen, daß im Juni 1935 Mischehen noch nicht gesetzlich verboten gewesen seien. Die Verpflichtung zur klcktung der Rassegrundsätze des nationalsozialistischen Staates bestehe für jeden Volksgenossen und für den Anwalt als Organ der Rechtspflege ! in erhöhtem Maße, ganz unabhängig davon» in j welchem Umfang der Staat es für erforderlich er- I achte, diesen Raffegrundsätzen durch gesetzliche i Verbote Nachdruck zu verleihen.(„Franks. Ztg.") Stundenlohn 16.000 lic. Jeder Abgeordnete hat insgesamt 17.400 Mark erhalten. Göring erhielt insgesamt 86.600 Mark: 17.400 Marl als Abgeordneter und 68.000 Mark als Präsident. Dafür mußte man fünf Führerreden anhören und 10 Stunden 40 Minuten teils mit Zuhören, teils mit Heilrufen und Händellatschen verbringen. Die Abgeordneten erhielten für die Arbeitsstunde 1600 Reichsmark, während die natürlich kostbarere Arbeitsleistung des Reichstagspräsidenten Göring mit rund 8000 Mark je Stunde honoriert wurde. Auffüllung des Richterstandes notwendig. Das neue Ausgleichsverfahren für Landwirte sowie die Neuregelung langfristiger Forderungen und die durch die Zinsfußherabsetzung verursachten Zivilftritte bedeuten einen derartigen Zu- | wachs der zivilrechtlichen Agenda, daß das Ju- Istizminifterium Vorbereitungen für die Auffüllung j des Richterstandes trifft. Nach den bisherigen Er- I Hebungen wird es notwendig sein, 280 neue Richterposten und 520 neue Posten für den Stand der I Gerichtsbeamten zu systemisieren. Gleichzeitig ' werden endlich auch die Aktuarposten besetzt werden müssen. In dieser Kategorie find derzeit 248 ! Stellen systemisiert, aber nur 108 besetzt. Segelflugzeuge in der. Stratosphäre. Am 2. April startete auf dem Moskauer Zentralen Flugplatz ein fliegender Zug, bestehend aus einem Flug- zeug und zwei aufeinander folgenden Segelflugzeugen. In einer Höhe von 5 Kilometern wurden die Taue, die die Segelflugzeuge mit dem Flugzeug verbanden, allmählich ausgedehnt; dar erste Segel»| I flugzeug stieg nun um einen Kilometer höher auf ! als das Flugzeug, das zweste Segelflugzeug im Schlepptau des ersten— gelangte bis zu einer Höhe von etwa 7 Kilometer, um 2 Kilometer höher als das Flugzeug. Wie der Konstrutteur dieses fliegenden Zuges Jng. A. Schtscherbakow erklärt, ist eS jetzt schon technisch möglich, Segelflugzeuge- im Schlepptau von Flugzeugen in eine Höhe von 13.14 Kilometer ausiteigen zu lassen. Auch das Schema eines besonderen SrratosphärensegelflugzeugeS mit hermetisch geschloffener Kabine, das bis zu einer Höhe von 20 bis 25 Kilometer wird ausiteigen können, ist ausgearbeitet. Billig und bequem. Ein Major Lang von einem britischen Hufarenregiment hat vor kurzem seinen Abschied genommen. Um recht billig und bequem zu leben, hat er fich auf einem Schisi, das regelmäßig zwischen England und Australien verkehrt, häuslich niedergelaffen. Er hatte die Absicht gehabt, sich dort für Lebenszeit einzumieten, aber die Gesellschafl hat die Dauer des KontratteS auf ein Jahr beschräntt. Major Lang har die Fahrkoiien für dieses Jahr bereits bezahlt und hat das Recht, immer die gleiche Kabine zu benutzen. Er hat sie mit Bildern und persönlichen Erinnerungen ausgesiattet und erklärt, daß dies seiner Ansicht nach die einzige Möglichkeit sei, ruhig und unbelästigt zu leben. Außerdem seien die Fahrpreise immer noch billiger als das, was man in der Stadt verbrauchen würde. Dor Rausch der Rekordzahlen. In New Aork existiert, in der 32. Srraße ein Laboratorium, in dem man fich ausschließlich damit beschäftigt, die wirksamsten Mittel zur Fliegenvertilgung ausfindig zu machen. In diesem Laboratorimn leben normaler, weise 50.000 Fliegen, und ein Mittel gegen die Insekten wird erst dann für gut erkannt, wenn es geeignet ist, mindestens 100 Fliegen pro Minute zu töten. Zu Reklamezwecken wird dann«in solches Mittel durch wiffenschaftliche Berechnungen angepriesen. Etwa so:„Hätte das Laboratorium nicht das Mittel„Fliegentod"(oder ähnlich) zur Verfügung gehabt, so hätten sich seine 50.000 Fliegen im Lauf« der fünf Sommermonate auf 191,000.000,000.000,000.000 vermehrt." Und entsetzt über die astronomische und unaussprechliche Zahl der Fliegen, die fie bedrohen, kaust jede amerikanische Hausfrau das angepriesene Mittel. Kampagne gegen den— Eiffelturm. In Frankreich ist zur Zeit eine eigenartige Debatte ttn Gange. Von vielen Seiten wird gegen den Eiffelturm Sturm gelaufen und im Hinblick auf die bevorstehende Weltausstellung seine Niederreißung nach dem Muster des Trocadero gefordert, da er häßlich sei und das Gesicht der Stadt Paris entstell. Schon während des Baues des Eiffelturms hat es seinerzeit solche Angriffe gegeben, bei denen der Dichter Huysmans und andere Schriftsteller führend waren. Als der Eiffelturm 1910 Eigentum der Stadt Paris geworden war, verlangte man erneut seine Abtragung. Aber zahlreiche Verbände hielten ihr« schützende Hand über ihn, zumal er für die meteorologische Wiffenschast unentbehrlich geworden war. 1923 wurde abermals ein Vorstoß unternommen und erklärt, die neun Millionen Kilo- gramm Eisen würden bester für den Wiederaufbau der zerstörten Gebiete verwandt. Die Kosten des Abbruchs erwiesen sich jedoch als zu groß. Aber auch jetzt dürsten die Angriffe wieder abgeschlagen werden, denn das Werk Gustave. Eiffels har noch immer mehr Freunde als Gegner. Die Sängerin und der Gorilla. Die Sängerin Lilly Pons besuchte in Begleitung des berühmten französsschen Schauspielers und Bühnendichters Sascha Guitrh vor einigen Tagen die Besitzung des Verjüngungsheilands Professor Voronoff in Ventimiglia. Im Garten der Villa befinden sich auch die Affenkäfige, mit deren Drüsen Voronoff bekanntlich seine Operationen vornimmt. Durch eine Un- achtsanckeit blieb der Riegel zum Käfig eines riesigen Gorillas offen. Das Tier gelangte in Freiheit und fiel die Besucher an. Lilly Pons wurde glücklicherweise nur leicht verletzt, weil es einem Wärter gelang, den Gorilla, der an und für sich zahm ist, zu bändigen. Die anderen Besucher retteten sich durch die Flucht.’ Der Rumpelkammer-Konzern der USA. Die „National Surplus Company" ist ein Unternehmen, das schlechthin alles kauft und dem es in der Regel gelingt, ausnahmslos alles wieder abzusetzen. Mit ungeheuren Zwischengewinnen, wie es sich versteht. Die Direktoren dieser Gesellschaft haben fich, wie es scheinen könnte, geradezu darauf spezialisiert, die unwahrscheinlichsten Dinge zu erwerben. So haben sie vor kurzem in Massachusetts bei einer großen Schuhfabrik 30.000 Paar Damenschuhe, Modell 1905, mit hohem Schaft und vielen Knöpfen für zehn Cents das Paar gekauft. Sie ließen die Schäfte abschneiden, eS wurden immerhin recht hübsche Halb« schuhe daraus, und diese verkauften sie zu 30 Cents daS Paar nach Rußland. Bei den großen Ueber- schwemmungen am Mississippi wurde auch ein Zuk- kerlager vollkommen unter Wasser gesetzt. N. S. C. kaufte den scheinbar unverwendbaren Brei aus Schlamm und Zucker und setzt« ihn an die Bienenzüchter im Staate Wyoming und Idaho als ausgezeichnetes Bienenfutter mit ungeheurem Gewinn ab. Das letzte, was die N. S. C. kaufte, war ein außer Dienst gestelltes Militärlager, das 21 Millionen[ Dollar gekostet hatte. Die Gesellschaft zahlte dafür einige Zehntausend. Jeder, der«s wollte, konnie gegen 50 Cents hinkommen und sich holen, was er wollte. Es kamen im Lauft der Zett Hunderttau- sende, die Holz, Fensterglas, Eisentcile und Gatt weiß was wegboltcn. Abgesehen davon'fanden sich im Lager 100.000 Trompeten, die sehr gute Preise erzielten. Särge unter dem Hammer. Eine höchst merkwürdige und vielleicht erstmalige Auktion fand vor einigen Tagen unter fteicm Himmel auf dem Marchs aux Grains in Gent statt. Ein Genter Bestattungs-- institut war. in Konkurs geraten, und sämtliche Gegenstände aus seinem Besitz wurden öffentlich feilgeboten. Auf dem Bürgersteig waren ein Dutzend Särge in Reih und Glied aufgestellt, die die Inschriften trugen„Ruhe sanft",„Meinem innigst geliebten Manne" und andere. Auch Kindersärge waren dabei. Die Auktion hatte eine Menge von Neugierigen angelockt, aber niemand ensichloß fich, sich.mit" billigen Särgen einzudecken. Endlich fand sich ein Käufer: es war der Besitzer eines anderen Bestattungsinstitutes, der seine Freude nicht verbarg, nicht nur einen Konkurrenten losgeworden zu sein, sondern auch sein Lager zu lächerlichen Preisen auffüllen zu können. Da niemand außer ihm sich an der Auktion beteiligte, wurde zum Beispiel ein wunderbarer Prunksarg aus rotem Holz, innen mit Seide ausgeschlagen, für 75 belgische Francs zugeschlagen. Soll der„Louis d'or" wieder rollen? Die fran- zösische Münze hat bereits vor längerer Zeit einige wenige Musterftücke des neuen 100 Francs-Goldstücks geprägt, dessen Wert ungefähr dem des„Louis d'or" entspricht. Heber die Zweckmäsigkeit der Einführung von Goldmünzen Witt» seitdem lebhaft diskutiert. Das große Abendblatt„Jntransigeant" hat nun unter seinen Lesern eine Umfrage veranstaltet. 70.49 Prozent, insgesamt 22.963 Stimmen, sprachen sich dafür aus, die Goldmünze zu schaffen, 29.51 Prozent, das heißt 9612 Leser, waren jedoch dagegen. Während die Gründe der Mehrheit ohne weiteres verständlich sind, ist die Begründung der ablehnenden Haltung recht intereffant. Die fast 10.000 Gegner find nämlich alle für eine neue Franc-Abwertung. Sie sehen in der Schaffung einer Goldmünze geradezu eine Gefahr. Denn die Münzen wurden sowieso schnell in den Strumpf wandern und die gefährliche Thesaurierungsrendenz nur noch unterstützt werden. Ihrer Meinung nach wird der ,Louis: d'or" praktisch sowieso nicht rollen, sondern der Wirtschaft nur noch neu« Gelder entziehen. Wo am meisten Fleisch gegessen wird. Die jugoslawische Hauptstadt hält einen merkwürdigen Rekord: die neuesten stattstischen Erhebungen, ergeben, daß Belgrad diejenige Stadt der Erde ist, in der prozentual am meisten Fleisch gegessen wird. Auf den Kopf der Bevölkerung, Säuglinge mit eingerechnet, kommen nicht weniger als 60 Kilogramm Fleisch jährlich. Zum Vergleich sei angeführt, daß in einer anderen europäischen Stadt, die wegen ihres FleischkonstrmS berühmt ist, In Istanbul, nur rund 25 Kilogramm Fleisch pro Kopf der Bevölkerung rät Jahr kommen. Wahrscheinliches Wetter TonnerStag: Vorwiegend heiter, kühl, auch in den Niederungen vielfach Nachtfrost, tagsüber wieder-ein wenig wärmer, Wetteraussichten für Frettag: Zunahme der Bewölkung und rät ganzen etwas wärmer,’ namentlich nachts. Vom Rundfunk empfehlenswertes auserung des Fischfangs, die Organisation neuer und die Stützung alter Unternehmen, die sonst ihren Betrieb entstellen müßten, größere Beträge bereitznstellen. Außerdem nimmt die Regierung eintzn Zuschuß ztrr Förderung" deV FremdeNkst^ehrs rst AEficht.' Die Frage der- Maßnahmen--zur- Belebung des Schiffsbaues wird geprüft. Die Regierung wird dem Parlament ein StratzenbauvrogMinm und einen neuen Plan für die Elektrifizierung der Eisenbahnen vorlegen sowie Vorschläge über die Errichtung einer staatlichen Gewerbebank und einer staatlichen Hypothekenbank zur Erleichterung der Kreditgewährung. Die Kredite für die Krisenbekämpfung belaufen sich auf 88.4 Millionen Kronen gegen 69.9 Millionen für das abgelaufene Haushaltsjahr. vor miniere Orient erwacht Allen Anzeichen nach gerät nun der mittlere Orient, also die arabischen halb unabhängigen und unabhängigen Staaten zwischen dem Niltal und dem Persischen Golf, wieder in Gärung. Diesmal scheint das unter französischem Mandat stehende Sh r i e n die Führung der Unabhängigkeitsbewegung zu übernehmen. Nach zwei Monaten dauernden Streiks, Meutereien und Demonstrationen hat die französische Verwaltung eingesehen, daß man den Weg des Kompromiffes beschreiten müsse. Nachdem Mitte März zwischen dem französischen Hohen Kommissär de Märtel und den Führern der arabischen Parteien eine Zusammenkunft stattgefunden hat, hat man die Entsendung einer arabischenDelega- tion nach Paris beschlossen. Es ist zum erstenmal seit der Uebernahme des syrischen Mandats durch Frankreich, daß die Pariser Regierung sich zum Empfang einer offiziellen Delegation der arabischen Rationalisten bereit findet. Es handelt sich, wie verlautet, um Verhandlungen über den Abschluß eines Vertrages nach Art jenes, den Großbritannien seinerzeit mit Irak abgeschlossen hat. Man kann wohl sagen, daß es heute um nichts geringeres geht als um den mehr oder minder raschen Abbau des französischen MandatsüberSyrien. Man darf annehmen, daß die Zerreißung des Rheinpattes durch Hitler nicht ohne Einftuß auf die Nachgiebigkeit der ftanzösischen Regierung war.— Die Verhandlungen zwischen dem britischen Hohen Kommissär in Kairo und der äg y p t i- schen Nation a kl st e n r e g i e r ü n g scheinen, nach den letzten Londoner Nachrichten, auf einest toten Punkt gelangt zu sein. Es han- -delt sich noch.immer um die beiden entscheidendem Punkte: das britisch-ägyptische Kondmniniüm über den Sudan und die englischen Garnisonen in Kairo und Alexandrien. Bon ägyptischer Seite wird behauptet. Daß die Nationalisten in keinem Fall die Stationierung der britischen Truppen in den beiden ägyptischen Hauptstädten zulassen wollen. In der letzten Zeit, ist aber ein Kompromitzvorschlag aufgetaucht, wonach zwar die britischen Garnisonen aus den Hauptstädten zurückgezogen, der britische Generalstab aber ein Hauptquartier in Kairo haben und in beständiger Verbindung mit dem ägyptischen Kriegsministerium stehen solle.— In Palästina steht noch immer das Problem des G e- s L^gä-b Lmd.au 3ta.i.e.2..im.Vordergrund, Die Araber sind für seine Einsetzung, die Juden dagegen. Die Entwicklung. in Palästina wird aber wahrscheinlich von der allgemeinen Entwicklung in dein gesamten arabischen Orient abbängen. In diesem Zusammenhang/! müssen auch die be--' harrlich auftauchenden Geriichke übet die An- sprüche. deß Emisstz ÄB du l,^,gü^rqijD- jordanien auf den Thron eines zu gründenden neuen arabischen Königreiches, zu dem auch Palästina gehören soll, verzeichnet werden. Diese Gerüchte tragen einen ausgesprochenen Tendenzcharakter. Sollte aber die Aufhebung des syrischen^ Mandates zur Tatsache werden, so ist mit einem spontanen Wiederaufleben der arabischen Einig-! kettsbestrebungen zu rechnen.- Eine Konzession an die Flamen. Die belgische Kammer hat gegen den heftigen Widerstand eines großen Teils der Wallonen ein Gesetz über die Anpassung der Abgeordnetenzahl an die Ergebnisse der Vollszählung von 1930 angenommen, das für den flämischen Volksteil Belgiens möglicherweise von großer Bedeutung werden kann. Denn die Flamen erhalten dadurch Chancen, die Kammermehrheit zu erlangen. Nach der Volkszählung von 1930 bekannten sich nämlich 3,473.000 Belgier zum flämischen, 3,390.000 zum wallonischen Vollsflim, d. h. sie sind jeweils nur ihrer Muttersprache, flämisch beziehungsweise ftanzüsisch, mächtig., Weitere 1,450.000 Belgier sprechen beide Sprachest und dürften, sich imziem- ^sch^,gleiches Stärke'auf beide Grstppett vertei- len. Diese flämische Mehrheit wäre aflerdings wohl ziemlich klein.Rian darf dies Moment auch nicht überschätzen, denst die Flamen verteilen sich ja auf eine Reihe von Parteien, und die Mehrzahl derselben steht sowohl Flamen wie Wallonen offen, obwohl die beiden nationalen Gruppen oft getrennt marschieren, so daß der Riß mitten durch die Parteien hindurchgeht. Anderseits ist diese Stärttmg der Flamen angesichts der außenpolitischen Probleme Belgiens und der Einstellung eines großen Teiles der Flamen nicht unwichttg. Kaution für Treue Prag. Der 30jährige Karl Bachör, der gestern dem Strafsenat P e t r i k vorgeführt wurde, ist ein alter Ganner, der sich auf die Beschwindelung leichtgläubiger Weibchen spezialisiert- hat. Er verfügt über glatte Umgängsformen, eine schmalzige 'Beredsamkeit, eine elegante Garderobe und seine Finger find aufs, beste manikürt. Sein letztes Opfer ist-die 23jährige Beamttn Kl ata S. Bei der Verhandlung erwies sich, daß BachVt in reichem Ausmaß über zynischen Witz verfügt. Er verschmähte die billigen Effekte seiner Berufskollegen, die ihren„Bräuten" unter, verschiedenen materiellen Vorwänden ihre Ersparnisse abknöpfen. Karl Bachoi ging die Sache raffinierter an, „Ich bin Jurist", erklärte er seiner Auserwählten gleich beim ersten Stelldichein.„Aber ein akademischer Beruf kann heutzutage einen Mann von Kultur nicht ernähren. Ich habe daher ein Fahr- radgeschäst aufgemacht. Ich habe einen tüchtigen Geschäftsführer und kann mich also ganz der Literatur widmen. Denn eigentlich bin ich Dichter." Diese kühne Behauptung ist belegt durch einige poetische Ergüsse des Angeklagten, die dem Gerichts- akt beilagen und deren Verlesung beträchtliche Heiterkeit hervorrief. In einem dieser Gedichte heißt es z. B.:„Ich habe im Tal der Scharka geküßt meine süße Klärkä.. Als Klara einmal zu spät zum Stelldichein kam, schmuggelte er ihr ein weiteres dichterisches Meisterwerk ins Täschchen, in welchem er in schrecklichen Knittelversen erklärt, daß „sein Herz von Eifersucht gesprengt sei" usw. Die Wirkung blieb nicht aus und Klara flüsterte dem„Bräutigam" zu, daß sie eine ganz hübsche Mitgift mitbringe. Bachoi war indessen viel zu feinfühlig, um sich auf solche finanzielle Erörterungen einzulassen, was sein Ansehen bei dem verliebten Mädchen noch bettächtlich steigerte. Und doch endete dieser Liebesroman damit, daß 7000 XL auf Nimmerwiedersehen in den Taschen des Schwindlers verschwanden. Der Vorwand zu dieser Herauslockung war wirklich originell. Der Schwindler Bachoi gebärdete sich nämlich als überaus eifersüchtiger und mißtrauischer Liebhaber. Er traue keiner Frau, ehe nicht das heilige Band der Ehe vor Gott und den Menschen geknüpft sei. Er kenne die Frauen und deshalb glaube er keiner von ihnen. Er hab» überaus ttaurige Erfahrungen gemacht und seine heiligsten Gefühle seien mit Füßen zetteten worden. Kurz— er wußte die Sache so geschickt einzufädeln, daß schließlich das Mädchen selbst ihm die sieben Tausender geradezu aufdrängte — als Beweis ihrer selbstlosen Liebe und unwandelbaren Treue.„Bald werden wir ja Eheleute sein und es spielt keine Rolle, ob ich das Geld habe oder Du..." heißt es in einem Brief an den „Bräuttgam"... o Fräulein Klara war nicht die einzige Zeugin bei der Strafverhandlung. Zwei weitere Frauen wurden von Bachoi in ganz ähnlicher Weise herein-, gelegt, yltt dem ftyzigel) Uyjesschtkd^j>aß,er sich alß Architekt Wv! Zahntechniker ausgab.' Die Veihaüdlüitg endete damit, dtiß der Angeklagte zu sechs Monaten schweren Kerkers verurteilt und seine Anhaltung in der ZwangSarbeitSanftalt ausgesprochen wurde, denn die Sttafkarte dieses Schwindlers ist reich an Vorstrafen verschiedenster Art. Die sechs Monate nahm der Dichter mit der zerttetenen Seele unter sachverständigem Kopfnicken an, aber die ZwangSarbeitSanftalt ging ihm, wie allen seinesgleichen, bettächtlich wider den Sttjch. Er meldet» daher Berufung an. rb. Der neue Kamerad Unsere Schritte dröhnen dumpf im Stollengewirr. Mit jedem Schritt bröckelt ein Stück „Tag" von uns ab, bis nichts mehr übrig bleibt als unsere schmalen, trüben. Lichter. Draußen ist Sonne, hell und warm, wie eine wunderschöne Freude. So viel Sonne! Und wir müssen in den Berg—"'als' wäre die Sonne nur für andere gemacht. Mein Kamerad geht hinter mir. Er ist noch grubenneu. Dies verrät schon sein Gehen. Er tapst in jede Wasserpfütze und spritzt mir die schmutzige Brühe ins Genick. Soviel ich erfahren konnte, hat Hell irgendeine technische Schule hinter sich, aber leider keinen befreundeten Fürsprecher neben sich, der seine Zeugnisse erst'lebensfähig machen könnte. Hell ist ein großer, starker Junge mir offenem Gesicht und guten Augen. Er tut mir leid und doch mutz ich wieder lachen, wenn ich bemerke, wenn er bei den uns ganz selbstverständlichen Reden betreten um sich, schaut. Das wird sich eben alles noch legen.' Er wird von uns lernen und unsere Art verstehen. Die ist gengu wie wir selbst sind: einfach und dreckig. Wir. sagen nicht viel, aber das Gesagte sitzt, wenn auch für manche Ohren etwas zu saftig.... Oft sagt-nner am Tag draußen„Freund", dreht sich um und verzieht das Gesicht. Wir sagen nur„Kamerad", rennen.aber nicht davon, wenn wir einen aus dem fallenden. Abbau, helfen können..■*.. Unsere Arbeit liegt am weitesten im Vortrieb und hat die schlechteste Luft..Mein Kamerad und ich. setzten uns auf die Zeugkiste und rauchen, uns vorerst mal eine an. Die halbe dämpfen wir. Ftzrs, Zigarettenrauchen ist das„Beding" nicht ausgestellt. Wir nehmen aus der'Kiste unsere Eisen und stellen uns zum Stock. Die Kohle ist hart und verspannt. Ansspringend, füllt sie die Augen und schlägt dis Handknöchel blutig. Tie ttüben Lichter rutzen lang auf in der dicken Luft. Wir schwitzen. Wir müssen bis Halbschicht einen Schramm machen. Was das heißt, weiß nur der, der es tun mutz. Man braucht sich ja nur vorstellen: beiläufig zehntausend Hiebe in zweieinhalb Stunden auf harte Kohle! Das heitzt, zweieinhalb Stunden Kohle und schlechte Lust schlucken und schwitzen, daß es nur so dampft. Dabei muß man zugrunde gehen, und es darf keiner Seele wundern, wenn Bergleute von vierzig und fünfzig Jahren schon dort sind, wo andere erst mit siebzig oder achtzig hinkommen. Mein Kamerad hält inne. Sein Mund zuckt. „Verdammte Schinderei!" Er spuckt aus. Die Spucke ist ganz schwarz. Hell ist erst eine halbe Woche im Berg, aber seine Lungen sind schon voll Kohle. Von seinen Händen und der rechttn Achsel rinnt Blut. Das ist Lehrgeld. Es wird besser werden, wenn er mal Hände und Achseln hat wie Leder. —r Würden uns die Leute, die drautzen. in der Sonne leben, so sehen, dann würden sie nicht mehr sägen, wtt sind roh: Das sind wir ja gar nicht. Wir sind nur stumpf wie das rutzige Licht vor unseren Höpstjt,' Kohle!— Sie bringt so vielen Glück und Behagen. Uns. aber stiehlt sie alles. Lachen und Weinen, Licht und Freude. Wir wühlen in sie hinein, verzweifelt und fluchend. Weil wir müssen. Wir haben sönst keine Möglichkeit. Hell schlägt nur mehr ruckweise. Der Schweiß rimtt in weißen Strichen über sein rußiges Gesicht. Seine Augen sind,leer, als sei ihr Leben ausgeronnen. Als..ich. djeje..Augxix zum erstenmal sah, waren sie'hell und eine frohe Jugend blitzte daraus.' Armer Kamerad!. Du hast gewiß auch geträumt, den Hitmnel herunterzureißen, die Erde aufzuwüblen und lachend durchs Leben zu gehen. Du hast eS nicht gekannt, dieses Leben. Jetzt keuchst du neben mir und statt der Erfüllung deiner himmelhohen Hoffnung«» hast du zerfetzte Finger...»- Hell lehnt am Ulm. Seine Hände hängen schlaff herunter.„Ich kann nimmer!" ächzt er. „Eine kleine Viertelstunde noch, Kamemd!" vertröste ich ihn.„Schau, unser Geding ist jo schlecht, daß wir heute nicht mal die blaue Suppe verdient haben!" Unsere Eisen fallen wieder gegen die Kohle. Jeder einzelne Hieb reißt fast die Arme aus den Gelenken. Wir bieten unser Letztes auf. Fallen nach vor, biegen sich zurück, vor, zurück. So schlechte Lust war hier noch nie. Ich glaube, ich mache heute selbst die Schicht nicht voll. Mein Kopf. surrt. Im Magen habe ich das efle Gefühl, eine Spinne krieche darin herum. Ein heftiger Schlaf quält mich. Endlich! Mein Schlitz ist fertig. Hell hat erst achtzig. Ich beginne den Bruch anzubohren. Er muß bis Schicht noch weg. Hell'S Keuchen neben mir ist zu einem Röcheln geworden.„Laß' Ka- merad, quäl' dich nicht so!" sage ich. Er tut mir leid und schließlich hat er für einen Lehrhäuer schon genug geschrammt. Er steht auf und taumelt. Gurgelnd fällt er vornüber. Rasch schlepp« ich ihn in die Hauptstrecke. Hell mutz an den Tag hinaus. Ich lege meinen Rock als Unterlage auf einen leeren. Wagen. Ich greife nach Hell, der auf dem Boden liegt, da flirren bunte Nebel vor meinen Augen. Rote, blaue, gelbe. Sie fließen zusammen zu einem großen pechschwarzenKlex, der auf mich zukommen will. Mit all meiner Willenskraft wehre ich mich dagegen und halte meine Augen offen. Ich darf nicht einschlafen. Was würde dann aus meinem Kamerad werden?— Auf sein Gesicht fällt trübes Licht. Der Mund ist halb offen. Es ist noch fast ein Kindermund. Zwei feine Speichelfäden rinnen von den Mundwinkeln herab übers rutzige Kinn. „Kamerad!" Ich höre meine eigene Stimme sechst kaum. Auch Antwort kommt keine. Aber er atmet noch ganz leise.- Ich streiche meinem Kameraden die verkleb» ten Haare aus der kalten, schweißnassen Stiru. Das flackernde Licht verzerrt durch Schatten und Helle sein Gesicht. Die Augen sind ttef drinnen und glasig, die Stirn kantet wett darüber vor, Nase und Kinn sind spitz und die Wangen eingefallen.— Ich möchte schreien. Hat demt dieses blutjunge Leben da vor mir gar keine andere Möglichkeit mehr, als sich auf diese Weise selbst umzubringen? Es begann doch so hoffnungsvoll... Mit letzter 5staft zerre ich Hell auf den Wagen und'schiebe diesen vor mir her. Schienenstöße knattern. Wie cwbröckelndeS Leben. Vor dem Mundloch kommt Hell zu sich. Ich führe ihn in die Kaue« Der Ingenieur mißt uns unfreundlich. „Es ist doch erst Halbschicht!" sagt er, als wisse er von nichts und wäre eben erst zur Welt gekommen. Mir brennt das Blut unter der Haut.„Tut es ihnen etwa gar leid, daß wir noch herausgefunden haben?" frnGe ich. Er zuckt die Achseln.„Was ich weiß, ist die Lust auf eurem Ort gar nicht so schlecht!" „Aber wir müssen darin arbeiten!" schreie ich. Mir ist alles schon gleich. Auf Augenblicke sehe ich schon zwei Ingenieure vor mir, wo doch nur einer ist. „Sie müssen nicht!" sagt er mit verdächtiger Sanftheit. Ich verstehe. Hell atmet immer heftiger. Plötzlich wantt er. Ich führe ihn aus der Kaue in die Nacht hinaus. Der Himmel ist neblig und beengend niedrig. Zwei unheimlich große, miteinander verwachsene Schatten hocken Aber uns darin. „Ich hab' nie geglaubt, daß es so schwer ist!" sägt mein Kamerad leise. Mir kommt's so vor, er möchte am liebsten weinen. „Ja, Kamerad, wir essen ein bitteres Brot!"— Der Körper in meinen Armen zittert. Ich fasse ihn fester. Hell gehört schon zu uns. Ich Weitz und fühl' es. Er wird noch viel Kohlenstaub und schlechte Lust schlucken. Er wird fluchen lernen und feine, gepflegte Hände verachten. Wie wir. Später einmal, vielleicht gar schon nach einem Jahr, wird er über sich selbst lachen, daß er einmal so dumm war und von einer Zukunft geträumt hat. Er hat keine Zukunft mehr. Wir wir. Karl I l g n e r. Leite 6 „Sozialdemokrat" Donnerstag, 9. Avril 1936. Nr. 85 Bereits die letzten 3 Tage des Ostereinkaufes an Schuhen und Strümpfen. Besuchen Sie uns noch heute. Wir sind voll eingedeckt und bereit. Sie vollkommen ru bedienen. vfe süße Stadt * Dem Fremden fallen In Prag noch andere Merkwürdigkeiten auf.als nur die Sehenswürdig- keiten. die ihm der Reiseführer anpreist. Zum Beispiel die linderschiebenden Ehemänner, die so brav ihre„Mitschuld" abdienen— wo sonst sieht man ste nqch? Bor allem aber die vielen Zuckerlwarengeschäfte! Und nicht nur ihre graste Zahl; auch dast sie spät abends noch, wenn alle anderen Geschäfte längst geschloffen haben, und auch Sonntags affen halten— das regt meinen Freund immer wieder zur Bewunderung an, obwohl er nun auch schon in Prag kein Neuling mehr ist. Ach batte ihn anfangs im Verdacht. > dast er wahrscheinlich die hübsche Verkäuferin in dem van ihm bevorzugten Geschäft sei, deren appetitlicher Anblick ibn für Süßigkeiten so geneigt mache: drall ist ne. erfreulich für Herz und Hand, rotbäckig und schwarz, mit weistem Stirnhäubchen, in' himmelblauem Arbeitsmantel— aber nein, es sind wirklich die Zuckerln, auf die mein Freund fliegt. Der Anblick der fußen Kleinodien im Schaufenster einer „Cükrärna" hemmt unwiderstehlich seinen Schritt— man kann sich denken, wie oft er stehen bleibt. ‘ Sin Statistiker hat es genau ausgerechnet: es kommt in Prag auf ungefähr 700 Einwohner«in Zückerivarengeschäft. wobeit die Häufung solcher Geschäfte in manchen Gegenden und Strasten besonders merkwürdig ist. In der Fochovä haben wir vom Museum bis zu den Olschaner Friedhöfen 26 Kan- ditengeschäfte und Konditoreien gezählt— ohne die über 30 anderen Gelegenheiten, in Kolonial- und Delikateffengeschäften, Drogerien, Büffets allerlei Süstigkeiten kaufen zu können, und ohne die fünf großen Cafes! Und es werden- immer mehr? In unserer Gegend ist gerade wieder ein neues Haus fertig geworden. Mein Freund und ich haben gewettet, ob in einen der vier Läden auch ein Zuckerwarengeschäft einziehen würde. Ach wettete dagegen.unter Hinweis darauf, dast es in nächster Nähe schon fünf solche Geschäfte gibt— ich habe die Wette verloren. Mein Freund har sich die zehn Deka Kognakbohnen als Wettgewinn schmecken laffen und ich mustte mir die Zigaretten selber kaufen, wobei ich festgestellt habe, dast aus etwa zwei Zuckerwarengeschäfte nur eine Trafik kommt. Aber ich hwbe mich gerächt.„Weiht du auch", habe ich meinen Freund gefragt,„warum«S in Prag iv auffallend wirle.Zahnärzle und Dentisten gibt und warum sie so'«roste Reklameschtlder überhsehälb« Hausfront hinweg' anbringen wie sonst in keinem Lande? Sie sind die Nutznießer eurer füsten Neigungen! Und ich habe gehört, dast die Zahnärzte«ine Interessengemeinschaft mit den Zuckerbäckern haben; sie sollen sogar Prämien für neu. eröffnete Zuckerwarengeschäfte aussetzen." Betroffen griff sich mein Freund an die Backe. Und erst als ihm einsiel, dast«s«in Gespräch am 1, April war, wurde ihm wieder leichter zumute. ?£(>« da blieb er auch schon wieder vorm Schaufenster einer Cukrärna stehen; es war die vierzehnte auf unserem Wege».. Die Reform des Rechtsstudiums. Diesem Thema galt ein Diskussionsabend, der von der Deutschen Hochschulgewerkschast, dem Gewerkschaftlichen Studentenverband und der Sektion der Angestellten von Advokaten und Notaren im Ein« beitsverbandshaus veranstaltet wurde. Die Hauptreferate hielten die Universitätsprofessoren Dr. Heinrich Rauchberg(Prager deutsche Universität) und Dr.. Ottokar Sommer(KarlS-Univer- sität). Professor Rauchberg sprach sich vor allem gegen die Verlängerung des Rechtsstudiums aus. Richtige soziale Gründe ständen einer solchen Verlängerung entgegen. Professor Rauchberg ver- längte aber eine Intensivierung deS RechtSstu- diumS. Als Ziel muffe die Befähigung zu wiffen- schaftlicher Arbeit viel stärkevaals bisher hervortreten. Das Rechtsstudium sollte aus drei Teilen bestehen und mit dem lebendigen, das heiße mit dem geltenden Recht beginnen. Den Staatswiffen- fchaften wäre ein breiter Raum zu widmen. Nach acht Semestern wirklichen Studiums sollte der Student alle Prüfungen ablegen können. Die Zu- laffung zu den Prüfungen will Prof. Rauchberg davon abhängig gemacht wissen, daß der Student an den— parallel zu jeder Vorlesung zu veranstaltenden— praktischen Uebungen mit Erfolg teilgenommen hätte. Die im Augenblicke noch bestehende Zwiefältigkeit der Prüfungen(Staatsprüfungen und Rigorosen) wäre abzuschaffen. Für das zu erwerbend« Doktorat sollte eine Dissertation die formale Grundlage sein. Als sehr wichtig.betrachtet Prof. Rauchberg schließlich eine zeitgemäße Reform der Lehrmittel.— Professor Sommer wandte sich dagegen, daß sich heute das Rechtsstudium für den größten Teil der Studierenden in Winkelrepetitorien abspiele. Es sei unerläßlich, daß die Studenten dazu zurückkehrten, wieder in den Hörsälen der Universität zu studieren. Notwendig sei auch eine Neuregelung des Erwerbes des Doktorates.' Die Voraussetzung müsse sein, daß der Kandidat eine wissenschaftliche Arbeit von Bedeutung leiste^— In der Debatte sprach u. st. der Urheber der. hem Justizministerium vom Einheitsverband der Privatangestellten überreichten Denkschrift über die Reform des Rechtsstudiums, Dr. I. Zelenka. Er forderte ebenso wie die beiden Hauptredner eine Vertiefung des Studiums, besonders auf den Gebieten des Verwaltungs-, des Arbeits- und des Sozialversicherungs-Rechtes. Universitätsprofeffor Doktor Turecek plädierte dafür, daß im Rechtsstudium den Staatswissenschaften ein viel größerer Raum als bisher zugemeffen werde. In einem Schlußwort antwortete Prof. Sommer den Diskussionsrednern. Restaurant Deutsches Vereinshaus Prag II., Smeiky 22 Neubewirtschaftet Mittagessen ab Kö 5.—, Abendessen in jeder Preislage, gut gekühlte Getränke. Um Zuspruch bittet 3399 Oskar Schirm««, Gastwirt. Gn Kintz aus dem Fenster gestürzt. Gestern mittags kroch, während die Bedienerin Emilie Smld in Null« ihr Essen kochte, deren zweijähriges Söhnchen in einem unbewachten Äugenblick aufs Fensterbrett und stürzte, da der Rahmen nachgab, äus dem im ersten Stock gelegenen Fenster auf die Straße. Am tschechischen Kinderspital wurde ein Bruch des rechten FüßeS, zahlreiche Blutungen und eine Ge- htrnerschütterüna festgettellt. Bier Arbeitsanfälle an einem Tag. Der 54jäh- rige Arbeiter Fedor Stelenü aus Dejwitz wurde gestern nachmittags schwer verletzt auf die Klinik Schloff« gebracht. Hier gab er an. daß er auf einem Neubau in Prag-Weinberge, wo er mit dem Abneh- Astlist Uftd WuftUl Prager Konzertsaal Die diesjährige Prager Frühjahrs-Konzert»■ saison war vor länger« Dauer als in den letzten Jahren; bis knapp vor Ostern waren die Prager Konzertsäle mit Konzerten versorgt. Einige dieser vorösterlichen Konzerte wären noch kritisch zu be- trachten Zunächst dar Konzert deS Prager tschechischen Sängerchores»Smetana", das Ende März im Smetanasaale des Gemeindehauses vor einer' überaus zahlreichen Zuhörerschaft vor sich ging. Dieser Verein bestätigte auch in diesem Konzerte neuerdings seinen künstlerischen Ruf, der dermalen beste, unt« den tschechischen Männerchören zu sein. Die Disziplin seiner Sänger, ihr chor- gesangstechnisches Können in der Jnwnation, rhythmischen und dynamischen Abstufung, ihr künstlerischer Vortrag und ihre Wortbehandlung sind ebenso vorbildlich und musterhaft wie ihre unerhörte Musikalität. Ihr Dirigent Profeffor Franz Spilka, dem sie alle diese außerordentlichen künstlerischen Fähigkeiten"zu danken haben, bedient sich dieser Chores fast wie eines Instrumentes, einer wirklichen und lebendigen Stimmorgel, die er allen seinen Wünschen und Absichten entsprechend meistert. Künstlerisch höchst bedeutend war auch das Programm dieses Chorkonzertes, das durchwegs Chöre tschechischer Meister enthielt, von Smetana, Jind- cich, Axman, Vomncka, Aim, Kricka, Picha und Spilka, Chöre, die teils d« Gattung der ganz schwierigen. Kunstchöre, teils der Gattung volksliedmäßig bestimmt« Chöre angehörten.— Am folgenden Abend hörte man an derselben Stell«(im Smetanasaale)«in ausgezeichnetes Konzert der Tschechischen Philharmonie, das Anlaß zu einer ebenso würdigen wie stiwollen kleinen Trauerfeier für den kürzlich verstorbenen hervorragenden tschechischen GeigerK. Hoffmann gab, dessen Gedenken die zur Einleitung des Konzertes gespielte Trauermusik zu Josef Su k S Bühnenmusik»Raduz und Mahulena" gewidmet war. Das den Namen.Frühling" tragende Streicherkonzert von Divaldi, Ottokar OstrLils„Sin- fonietta" und Johannes B r a h m s' erst kürzlich im Philharmonischen Konzert des Prager Deutschen Theaters gehörte Zweite Symphonie waren die weiteren Gaben dieses Orchesterkonzertes. Sein musikalischer Leiter war der Opernchef des Tschechischen Theater- in Mährisch-Ostrau Jaroslav V o- g e l, ein Konzertdirigent von den allerbesten künstlerischen Eigenschaften, ein Meister der Stabfüh- rungSkunst nicht nur im technischen, sondern auch und vor allem im geistigen. Sinne,«in Meister als nachschaffender Musiker.— Eine Art Festkonzert. zur Feier des einhundertfünfzigjährigen Bestandes des Prager Taubstummeninstitutes, bestritt im Radiosaal das Silhavy-Orchester, das uyferder umsichtigen Leitung seines Meisters und ; Lehrers nach einem einleitenden Festvprtrag.Doktor. S v o b'o d a s? das' Vorspiel zu Smeta n a s men des Baumaterials vom Aufzug, beschäftigt gewesen^ sei.'vom Auszug, der vorzeitig wieder her- unterfichr. mitindie Tiefe gerissen worden sei. Es wurde festgestellt, daß er eine Kopfwunde, einen Bruch deS rechten Fußes und mehrere Rippenbrüche sowie zahlreiche Quetschungen erlitten hat. Der 21jährige Zünmermannsgeselle Josef- Vojii aus Dobkis arbeitete gestern nachmittags auf einem Neubau in Nusle an der Hebung des Gebälkes. wobei das Brett brach, das unt« ihm stand und er etwa drei Met« tief in das unter ihm befindliche Stockwerk stürzte.- Er wurde auf die Klinik Schloff« gebracht. wo ein Bluterguß ins Knie und ein Bruch des rechten FußeS festgestellt wurde.— Gestern vormittags war der 86jährige Arbeit« Franz Krejki aus Dejwitz in Bubentsch mit Ausgrabungsarbeiten beschäftigt. wobei«ine Schicht der ausgegrabenen Erde auf ihn siel und ihn zu Boden riß. Er erlitt einen Bruch deS linken Schenkels und wurde auf die Klinik Jiräfek gebracht.— Der 29jährige Arbeiter Blasti- mil Skvaril. aus Prag H arbeitete gestern nachmittags in Lieben an der Legung eines elektrischen Kabels, wobei er— er arbeitete etwa in 70 Zentimeter Tiefe— von der ausgegrabenen Erde verschüttet wurde. Er wurde von der herbergerufenen Feuerwehr wieder befreit. Seine Verletzungen sind leicht. Die Arbeiten auf dem gefährdeten Platze wurden bis zur Abgabe des Gutachtens durch die Bau- ' kommisiion eingestellt. In tzer Affäre des Eisenbahuirars, dessen Autos, wie gemeldet, seit längerer Zeit von einer DiÄbs- bande zum Gegenstand ihr« Streifzüge gemach! worden waren, wurden gest«n zehn Personen zum Teil dem Kreisgericht in Pankratz, zum Teil dem Jugendgericht überstellt. Es-handelt sich jedoch auch bei denjenigen, die— meist wegen Hehlerei— nach Pankratz eingeliefert wurden, bis auf den 40jährigen Franz BodiLka durchwegs um junge Personen, die kaum die Volljährigkeit erreicht haben. Die Gesellschaft. der.bisher im ganzen 86 Diebstähle nachgewiesen werden konnten, hat übrigens auch zahlreiche Auslagen ausgeraubt, ferner eine Gänseherde im Werte von 500 Ke wegg«trieben; der Gesamtschaden bezisi«t sich auf über 50.000 Xc. AüSflugSzüge. Die Staatsbahnen veranstalten vom 11. bis-13. Aprll«ine Fahrt ins Riesengebirge mtt Verpflegung für 150.— Kä. Die Fahrt ist gesichert. Anmeldungen werden noch«ntgegengenom- men. Am Samstag, den 11. April, fährt ein Motor- S onder schnellzug für 75.— K6 mit Verpflegung nach Petzer und nach Johannisbad. Anmeldungen im Basar beim Wilson-Bahnhof. Telephon Rr. 883-85. Oper„Libusa" und Zdenko Fibichs symphonische Dichtung..Per Frühling" spielte. Solisten des Konzert« waren em« talentierte junge Wien« Pianistin Eva Wächter, die Friedrich LH»- p in s E-Moll-Klavierkonzert mit beachtenswert« technischer Fertigkeit und schön« Klangkultur spielte, ustd der-Geiger St. Balik, dem man eine technisch saubere und wnschöne Wiedergabe des E- Dur-ViolinkonzerteS von Vieuxtemps dankte. — Auch ein Solistenkonzert gab es noch knapp vor Torschluß, das der russischen Geigerin Lea Luboschutz, das übrigens zeigte, wie wenig Selbstkritik manche angehende Konzertkünstler haben und wie es ihnen,— auch minderen Erfolg voraussehend,—nur darauf ankommt, vor der großen Oeftentlichkeit spielen zu können. Gewiß ist Lea Luboschutz«ine Geigerin, die manches gelernt hat und manches kann; aber"ihre unreinen Doppelgriffe, ihre unzuverlässigen Flageolettöne bewiesen, daß sie vieles noch zu lernen, in vielem sich noch sehr zu vervollkommnen hat, um konzertreff zu sein. Konzertreif ist sie vorläufig nur in der Pose und im selbstbewußten Auftreten. Rühmend anerkannt sei die Wahl ihres Programmes, das fast durchwegS wertvolle Stücke enthielt, Werke von Pasquall, Johann Sebastian Bach, Chauffon, Bloch und anderen. Daß Re Könzertgeberin auch mit ihrem Klavierbegleiter Eugen Helmer nicht immer eines SinneS war,-trug ebenfalls nicht zum Genuß dieses Konzertes bei.— Das TschechischeStaatS- konservatorium hatte in der Reihe der Konzerte anläßlich seines 125-jährigen Bestandesfestes einen weiteren Kamm er- musikabend mit Werken ehemalig« Lehrer und Absowenten veranstaltet, fand dabei aber auch noch Zeit zu einem seiner vorbildlichen öffentlichen Mu s i k a b e n d e, bei dem verschieden« Fnstrumentglisten und Gesangszöglinge Proben ihres Könnens ablegen konnten. E. I. „Wintz und Regen". Die tschechische Erstaufführung dieses Spieles von der Jugend(von dem englischen Arzt Merton H o d g e) im Stände- theat« sollt« beweisen, daß trotz des Unwetters, das draußen wütet, die Jugend ihre Lebenslust und ihren Optimismus nicht einbüßt. Die drei Studenten, die im schottisch gemusterten„gemütlichen" Studentenheim der wackeren Koftschachtel Mrs. Mc Fie ihre Allotria treiben, sind gegen das Unwetter draußen mtt guten Regenmänteln, gegen sonstiges Unwetter mit gutgedeckten Schecks geschützt. Sie saufen Bier in beträchtlichen Mengen, treiben Sport zu allen Tageszeiten und studieren ausnahmsweise auch, wie die mehr oder mind« bestandenen Prüfungen beweisen. Es gibt auch Ausnahmen. aber die kommen aus London und geben dem Stück die notwendige Dosis Sentimentalität. Es kam diesmal die Jugend zum Worte, auch der tatsächliche schauspielerische Jugendnachwuchs und so konnte man die körperlichen Freiübungen auf den gepolsterten Stühlen mtd das tadellose Geländerrutschen bewundern und sich einen Abend lang an der Ausgelassenheit der studierenden Jugend freuen. Das Stück soll in London über 1000 Reprisen gehabt haben; es unterhält auch durch seine Atmosphäre des studentischen Lebens, bleibt aber, im Gegensatz zu„Alt-Heidelberg", in der ausgeglichenen Mitte ohne stärkere dramattsche Konflikte. Die drei Studenten John, Gilbert und Charles Tritton der Herren Grttß, Pivec und Pesek charakterisierten gut die.Typen des phlegmattschen, des ewigen Studenten und des mit jugendlichem Eifer in das Studieren und in die Liebe sich stürzenden Jünglings;' gut auch in der Episodenrolle des Peter Morgan Herr Neumann und H. Dohnal als Roger Cole. Frau Baldovä und ihr„gemeinsames" Studierzimmer wirkten wie Jllustrattonen zur Witzsammlung über die Schotten. Die Regie Frejkas erfüllte die Szene mit Jugendübermut. m. i. Spielplan des Neue« Deutschen Theaters. Heut«, Donnerstag, halb 8 Uhr:„E i n K i n d klagt a n", C 1.— Freitag: geschloffen.—■ Samstag8:«Arten tschuldigteStunde", A 2.— Sonntag LsHt.^stiebe ist nicht so e i n f a ch"; 7%:„B o c c a c c i o", B 1. Spielplan der Kleinen Bühn«. Donnerstag. 8:,Lch und mein kleiner Bruder". Kulturverband und freier Verkauf.— Freitag: geschlossen.— Samstag 3:„Dr. med. Hiob Prätorius"; 7/it ,.M ordprozeß Falkner"« Dee Dün Vie lustige Scheidung ist ein luftig« Operettenfilm aus Hollywood, der die Zuschau« mit Zwischenfällen. Verwechslungen und Mißverständnissen, mtt komischen Typen, großen Revueszenen und mtt einem neuen Tanz vergnügt, der„Continental" heißt(worauf sich im Englischen nicht nur sentimental, sondern auch„gentle" reimt, wovon die Textdichter eifrig Gebrauch gemacht haben).' Alles zusammen ergibt sogar eine nicht straff durchgeführte und nicht ernst gemeinte, aber gerade deshalb'«heiternde Handlung:«in Advokat arrangiert zu Scheidungszwecken einen Schein- Ehebruch, in der aber der Anbeter der scheidungslustigen Frau versehentlich hineingerät, so daß.es vor dem happy end noch eine Reihe von Auftegungen und Verlegenheiten gibt. Der Regisseur S a n d r i ch hat für«ffekwoll photographierte Szenen, für fwtte Musik und witzige Dialoge gesorgt, und die Darsteller gehören zu den besten Operettentalenten von Hollywood: Fred Astaire, der phantastisch bewegliche Tanz-Akrobat und komische Liebhaber, der von Lubiffch geschulte Typen-Darstell« Everett Horton(als Advokat) und die als Tänzerin und Sängerin begabte Ginger RogerS.—eis— Vereinsnacknc/tten. zgSfev Ortsgruppe Prag. Samstag Zusam- menkunft beim Denkmal, Wilsonbahn- Hof. nm viertel 3 Uhr. Fahrt nach Wteoa Liboch. Diejenigen, die sich an der XgineP' Ostertour beteiligen wollen, müssen sich Freitag abends mit ihren Legittmationen im Parteiheim einfinden. Mitteilungen au« dem Publikum Bei Kopfschmerzen und Schwindelanfällen, hervorgerufen durch trägen und harten Stuhlgang, ist es zweckmäßig, abends ein halbes Glas und früh nüchtern die gleiche Menge natürliches „Franz-Josef"-Bitterwaffer zu nehmen. ««ch Deine Blume« blühen so schön, wenn Du ie mtt dem gute» AMell'SMrrWg pflegst! 1 Paket KL 5.60 durch die Verwaltung der„Frauenwelt", Prag XII, Fochova ti. 62, und bei allen Kol» oorteuren erhältlich. Danksagung. | 1 ff Heute noch von den vielen Beweisen wärmster und treuester i Freundschaft und innigster seelischer Verbundenheit innerlich erregt, X danke ich allen herzlichst für ihre Glückwünsche zu meinem ff 60. Geburtstage. Ob ich die vielen Worte der Anerkennung wirklich N verdient habe, weiß ich nicht, ich habe nur, wie Ihr alle, meine £ Pflicht getan. Als Dank für Eure Liebe nehmt meine Versichenmg, daß ich mich auch weiterhin bemühen werde, mein ganzes Können ft in den Dienst d«S Proletariates zur Erreichung unseres höchsten » Zieles, der sozialistischen Gesellschaft, zu stellen, ft Komotau, am 8. April 1936. 8070 1 Franz Kaufmann. B e z u a s b'e d i n'g ü n ge n: Bei Zustellung iNS Haus öder bet Bezug durch di» Pott monatlich Xk 16.—. vierteljährig XL 48.^», halbjährig XL 96.—, ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst"berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten«folgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde vcn.der Post- und Teke> ; graphendirektior. mit Erlaß Nr. 13.800/V1I/1930 bewilligt.— Druckerei:.^Orbis". Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G. Präg.