1 Freitag, 10. April 1936 16. Jahrgang Nr. 86 Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller Porto) ie NTBäLOEGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK IRSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion und VERWALTUNG präg xiufochova 42. teiefor sm, HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUS. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR■ DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Hilflosiskeit und Ratlosigkeit Verlegenheits-,,Appell“ des Dreizehnerausschusses /Vertagung? in Genf Genf. Der Dreizehueraus-I schuß des Bölkerbundrates Hal beschlossen» an I die Regierungen in Addis Abeba und in Rom folgenden Appell zu richten: „Der Dreizchner-AuSschuß hat von den < Mitteilungen, die die italienische und die abes- finische Regierung über verschiedene V e r- letzungeninternationaler Vereinbarungen Wer die Kriegsführung an den Generalsekretär deS Völkerbundes gerichtet haben, Kenntnis genommen. Er möchte der Erregung Ausdruck geben, die die Weltöffentlichkeit ergriffen hat und richtet an die beiden kriegführenden Staaten einen dringenden Appell, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um jeden Verstoß gegen die genannten Abkommen und die Grundsätze deS Völkerrechtes zu verhindern. Der Ausschuß hofft, von den Mächten, an die er diese Aufforderung richtet, Zusicherungen zu erhalten, die dazu geeignet find, die Erregung zu beseitigen, zu deren Wortträger er sich macht." . Der Dreizehner-AuSschuß nahm hierauf den Bericht der juristischen Kommission zur Kenntnis und betraute sie mit einer weiteren Ausgabe, nämlich mit der Feststellung, welches Organ des Völkerbundes die Verpflichtungen der Abkommen über die Art der Kriegsführung geltend machen soll. Die franzöffsche und die englische Delegation haben gestern die notwendigen Vorbereitungen zu den heutigen Verhandlung e n der Signatare der Locarnoab- kommen getroffen. Wenn heute im Dreizehner-Ausschuß des Rotes, der am Vormittag zusammentritt, nichts anderes beschlossen werden wird, und werm Baron Al» ist die Nachrichten bestätigen wird, denen zufolge er keine Instruktionen zu den Beratungen über den abessinisch- italienisch en Konflikt hat, werden die weitere« Berhandlungen über Abessinien auf nächste Woche vertagt werden. Handln unbedingt gegen Sanktionen England für deren Beschleunigung Trotz angestrengten Verhandlungen zwischen der französischen und der englischen Delegation konnten die einem französisch-britischen Einver« Pehmen über das Vorgehen bei der Lösung des italienisch-abessinischen Konfliktes im Wege sie-. henden Haupthindernisse nicht beseitigt werden. 1 Es handelt sich hauptsächlich um das Einschreiten> gegen den Staat, von dem der Rechtsausschuß . festgestellt hat, daß er das Abkommen aus dem i Jahre 1925 betreffend das Verbot einiger kriegS- technischer Mittel, verletzt hat. Außerdem beharrt Minister F l a n d i n auf dem Standpunkt der französischen Regierung, wonach angesichts der gegenwärtigen Situation weitere Sanktionen nicht in Anwendung gebracht werden können, auch wenn die Berhandlungen zur Beilegung des Konfliktes nicht rasch genug zu einem positiven Ergebnis führen. Demgegenüber betonte Minister Eden am Donnerstag neuerdings, daß die englische Delegation Genf so lange nicht zu verlassen beabsich«! tigt, als sie nicht Klarheit darüber haben wird, ob ein Bergleichsabkommen im Rahmen und im Geiste des Völkerbundpaktes möglich oder das I Schiedsverfahren vollkommen gescheitert ist. In diesem letzteren Falle würde die englische Regierung alles unternehmen, damit bereits in der kommenden Woche der 18gliedrige Ausschuß der . Sanktionskonfertnz in Genf zusammentritt und weitere Sanktionen gegen Jta- l i e n beschließt. „e§ gibt vier Lösungen..." Paris. Jules Sauerwe i n, der Genfer Sonderberichterstatter des»Paris Soir", faßt die dcnnerstägige Situation in Genf folgendermaßen zusammen: Es gibt vier Lösungen der Situation: 1. Die englische Lösung: Italien bestrafen und zerbrechen, Hitler gegenüber aber Wohlwollen zeigen. 2. Die Völkerbund- Lösung: Gegen beide Diktatoren, den italienischen wir den deuffchen gleichzeitig energisch vorgehe n. Addis Abeba.(Reuter.) Bereitsfünf Tage hindnrch wütet an der Südfront bei Birkos und weit von Gabre Darre ein« heftige Schlacht. Nach den in der Hauptstadt eingetroffenen Informationen haben beide Seilten große Verluste aufzuweise«. Der ■ Ausgang der«lacht ist bisher unentschieden. Die Städte Saffabameh und Dagabur wurden Mittwoch von italienische« Flugzeugen bombardiert, doch ist der Schaden nicht besonders groß. * Rach einer Stefans-Meldung aus Asmara sind die erpthreischen Armeekorps in raschem Vormarsch auf D e s s i e begriffe«. Ihnen folgen die Divisionen„Alpina" und„Sabando" und Schwarzhemden. Sie haben bereits das große Zynische Ablehnung Berlin. In Berlin ist eine offizielle Stellungnahme zur französischen Denffchrift und zum französischen Gegenvorschlag noch nicht erfolgt. In der Wilhelmstraße sei der erste Eindruck der, daß die französische Denffchrift fast nichts Positives enthalte und nur polemisiere. Was die französischen Gegenvorschläge betrifft, so würden sie gebührend geprüft werden, aber so viel sei schon sicher, daß sie vielAltes und Unpraktisches enthaften. Die gesamt« Morgenpreffe kritisierte gestern in ablehnender Weise das französische Memorandum. Der„Völkische Beobachter" meint, daß die französische Antwort auf den deutschen Friedensplan allen Merkmalen nach leider negativ sei. Auf den klären und logischen Plan der deutschen Regierung habe die französische Regierung mit einem fast endlosen Phrasenschwall geantwortet. Die „Berliner Börsenzeitung" macht Vorhaltungen, daß Frankreich der Meinung sei, mit Deutschland noch immer im Tone ClemenceauS und Poin- cares sprechen zu können. Die französischen Gegenvorschläge hält das Blatt für zur Behandlung ungeeignet. Der„Lokal-Anzeiger" sagt, daß Frankreich'bis an die Zähne mit seinen Paragraphen, seinen Ansprüchen, seinem Sicherheitswahn und seinem Dünkel bewaffnet bleibe. Die„Kreuzzeitung" schreibt, Deutschland hat Frankreich die Hand gereicht, welche mit kalter Geste abzelehnt wurde, obwohl es sich um das Schicksal Mropas handelt.. britische Verfestigung im Mittelmeer London. Die britischen Marine- und Flug« stützpunfte im Mittelmeer wurden während des vergangenen Winters bedeutend verstärkt und reorganisiert. Hiedurch konnte eine ziemlich große Zahl britischer Kriegsschiffe in den letzten Wochen wieder in. die heimischen Gewässer entsandt werden. Bereits im September hätte die Admiralität die.Sondermaßnahme getroffen, M alta und andere Festungen im Mittelmeer gegen alle Eventualitäten'eineS Fliegerangriffes zu schützen. 3. Die französische Lösnng: Sich mit Italien verständigen» es aber ablehnen, daß die Gewalttat Deutschlands im Rheinland ohne Sanktionen hingenom- men wird. Die englische Lösung kann Frankreich nicht akzeptieren, weil dies die Notwendigkeit in sich schließen würde, gegen Italien Front zu machen in einem Augenblick, wo es von Deutschland bedroht wird. Mer auch die Völkerbundlösung kann Frankreich nicht annehmen, weil es damit riskieren würde, sich gegen zwei Fronten wenden zu müssen, was seine militärischen Kräfte überschreiten würde. 4. Die Praktische Lösnng: Einen Strich durch die Vergangenheit zu machen, es als Tatsache anerkennen, daß Italien Abessinien erobert hat, sowie mit der zweiten Taffache sich abzufinden, daß Druffchland das Rheinland mllitärffch besetzt hat und unverzüglich ei» neues L o e a r« o zu schaffe«. Das übrige würde sich in dem konkreten Geist des französische« Planes ergeben. Dorf Zabul, etwa 50 Kilometer von Enda Maria entfernt, besetzt. Im Norden: Vormarsch mit Hindernissen London.(Reuter.) Die italienischen Armeen setzen im Ä o r d e n ihren Vormarsch fort und rücken in beschleunigtem Tevtpo und in konzentrischem Marsch in, der Rich- tung gegen D e s-s i e vor, ohne bei den Abessi- niern auf ernsten Widerstand zu stoßen. Die Messimer fliehen vor dem Feind, doch sammeln sie sich sicher hinter dem Rücken der Italiener wieder zu kleinen Abteilungen oder Gruppen, und greifen die italienischen Verbindungen nach dem Hinterland an, welche um so leichter verletzbar sein werden, je weiter sie sich erstrecken werden. Die Ankerplätze der britischen Kriegsflotte im Mittelmeer befinden sich in einem solchen Zustande, daß sie jedem Angriffe zur See und in der Luft standhaften können. Zur Ergänzung der Verteidigung für die Kriegsflotte dienen bestimmte Kreuzer, welche für Flugabwehr besonders eingerichtet sind. Es handelt sich noch darum, einige neue Marine st ützpunkte im Mittelmeere in einer weniger exponierten Lage» als es Malta ist, zu schaffen. * London. Im Unterhaus teilte Finanzminister Neville Chamberlain mit, daß die zusätzlichen Ausgaben für das Militärflugwesen im Jahre 1936 rund zehn MillionenPfund Sterling betragen werden. Chamberlain fügte hinzu, er hoffe, nach den Osterfeiertagen in der Lage zu sein, die Nachttagsschätzung für die Ausgaben der Kriegsmarine betteffend den Bau von neuen Einheiten im laufenden Jahr vorlegen zu können. Rüstungsffonds In Polen Warschau. Auf Grund der Vollmacht, die der Sejm der Regierung erteilte, genehmigte der Ministerrat den Verordnungsentwurf des Präsidenten der Republik, durch welchen ein F o n d s für die Nationalverteidigung errichtet wird. Der Fonds wird aus dem Erlös des Verkaufes einiger staatlicher Immobilien, aus budgetären Zuweisungen und anderen Ein- nahmSquellen errichtet werden, die später durch das Gesetz festgesetzt werden. Der Fonds ist für die materielle Ausstattung der polnischen Armee über den Rahmen des normalen Budgets hinaus bestimmt. Neuer Grenzzwischenfall Chardin. Amtlich wird erklärt, daß 14 Mitglieder der sowjetrussischen Geheimpolizei auf m a n d-s ch u r.i.s.ch e m(?). Gebiet östlich von der Station Pograniönaja eine aus einem japanischem Offizier und- vier Soldaten bestehende Streife überfallen haben, wobei" der japanische 'Offizier.getötet wurde. Durdibrndissdiladit tllr die Einheitsfront? Die Kommunisten haben auch nach der Rückkehr des Herrn Gottwald aus Moskau ihr Werben für die Einheitsfront nicht eingestellt. Im Gegenteil! Sie rufen eben jetzt darnach, den 1. Mai 1936 zu einer„Durchbruchsschlacht für die Einheftsfront" zu gestatten. Und es ist selbstverständlich, daß die kommunistische Presse nach wie vor gegen die bösen sozialdemokratischen Führer vom Leder zieht, denen sie nachsagt, daß sie Feinde der Einheitsfront seien, weil sie um ihre Posten zittern und vom Verrate der Klassenfront leben. Und triumphierend verweist sie auf die eben erfolgte organisawrische Vereinigung des kommunistischen mft dem sozialdemokratischen Jugendverband Spaniens, welche die Vorstufe zur Vereinigung der beiden proletarischen Parteien sei» werde. Ganz abgesehen dabon, daß die sozialistische Jugendbewegung Spaniens von dieser Bereinigung nicht' viel Freude haben wird, ist die glatte Abwicklung der Parttienvereinigung stark zu bezweifeln. Es gibt nämlich auch in Spanien Sozialisten, die das kommunistische Spiel durchschauen und von einer Einheitsfront-Politik oder gar der Vereinigung der beiden Parteien auf der Grundlage einer kommunisttschen oder halbkommunistischen Ideologie keinen Vorteil erwarten, sondern im Gegenteil eine Katastrophe der sozialistischen Politik befürchten. In der spanischen sozialistischen Partei gab eS in der letzten Zeit einen heftigen Kampf um den Sitz des Parteitages. Zwei Städte bewarben sich um die Ehre, den Parteitag beherbergen zu dürfen:'M a d r i d und B a r c e l o n a. Barcelona ist die Stadt der katalanischen Revolutionäre, die neben den Asturiern beim Oktoberauf- stand die schwersten Blutopser gebracht haben. Den katalanischen und asturischen Helden kann also niemand Bereitschaft zum„Klassenverrat" nachsagen. Dennoch befürworten sie, anders als in den Boroktobertagen, eine realistische Politik der Mäßigung, während die Madrider, die früher gemäßigt waren, jetzt den linken Flügel der Partei bilden. Madrid hat gesiegt und damit die Parteilinke. Und gleich konnte man. in der„Roten Fahne.", die sonst für die Einheitsfront wirkt, folgenden frohlockenden Bericht aus Madrid lesen: „Die Abstimmungsergebnisse der Befragung der Provinzseftionen der spanischen Sozialdemo- kratte über den Tagungsort des kommenden Parteitages lassen erkennen, daß die Linke eine überwältigende Mehrheü habenwird. Der Hauptpunkt der Tagesordnung deS Madrider Parteitags wird die Reinigung der Partei von den reformistischen Gegnern der Einheitsfront sein. ES ist zu erwarten, daß die rechten Führer, die nur eine kleine Minderheit in der Partei und in der Parlamentsgruppe sind, aus der Partei ausgeschlossen werden und daß der Parteitag sich vorbehaltlos für die revolutionäre EinheitSftont und für die Vereinigung mit der Kommunistischen Partei Spaniens entscheiden wird." Zwar ist die Nachricht der„Roten Fahne" Iber den Sieg Madrids noch nicht bestätigt, aber man kann schon jetzt sehen: Für die Asturier und Katalanier wäre in-einer von Kommunisten beeinflußten Partei also kein Platz. mehr; mm: wirft sie im Zeichen der Einheitsfront hinaus l Und die Sache wird nicht dadurch besser, daß die„Rote Fahne" lügt, es handle sich um eine kleine Minderheit reformistischer Führer. Die Einheftsfrontwerbung der Kommunisten ist also so gemeint, daß im Falle ihres EHolgeS die Andersdenkenden hinaus gerei- n i g t werden! Die KPC will.sich vorläufig allerdings sogar mit den H e n l e i«-Arbeitern vereinigen. Ein Gegenstück zu dem Erfolg der Einheits- frontbefttebunge« in Spanien gibt es in der Schweiz. Dort hat die Kommunistische Partei die vor einem Jahre im K a n t o n B a s e l mit de» Sozialdemokraten gebildete Einheitsfront zerschlagen. Begründet wurde dieser Schritt damit, daß die sozialdemokratische Kantonsregierung ein un- ttagbareS Finanzprogramm vorgelegt habe. Wie uns aus der Schweiz berichtet wird, handelt es sich bei diesem Ptogramm um einen Versuch, pie Jn- trigen der Reaktion abzuwehren, die auf eine Bc- Und inzwischen geht dat Morden weiter... Seite 3 Freitag, 10. April 1936 Nr. 86 Vie Politik der norwegischen Arbeiterpartei Interview mit dem norwegischen Außenminister Halvdan Koht vormundung der sozialistischen Kantonsregierung hinauslaufcn. Die Kommunisten haben nun das Referendum gegen das Finanzprogrannn der so» zialdemokratischen Kantonsregierung angemeldet, also dieselbe Tat gesetzt, wie seinerzeit beim preußischen Volksentscheid.*■», SB Aber der Hinweis der Kommunisten auf das angeblich untragbare Finanzprogramm ist nur ein Borwand, hinter dem sich die Furcht der Kommunisten vor einer für sie ungünstigen Auswirkung der Einheitsfront verbirgt. Der Basler Sozialdemokrat Schneider gehörte zu den eifrigsten Befürwortern der Einheitsfront; ihm ist es überhaupt zu danken, daß es in Basel zu ihrer Bildung kam. Nun hat er zu dem Beschluß der Kommunisten u. a. folgendes zu sagen: „Die Bevormundung des Kanwns wie im Jahre 1920 rückt in die Nähe. Bittgänge nach Bern und Annahme der politischen und finanziellen Bedingungen des reaktionären Bundesrates werden unerläßlich l Das muß verhindert werden und dafür nehmen wir das Finanzprogramm selbst in seiner jetzigen Gestalt in Kauf. Was würde aus den Absichten für eine großzügige Arbeitsbeschaffungsaktion? Sie bliebe«in totgeborenes Kind, denn ohne Geld ist sie nicht zu verwirklichen. Diese Ueberlegungen dürste sich die KP.-Leitung auch gemacht haben. Und doch kam sie zum Beschluß, das Referendum zu ergreifen. Was hat sie trotz allen übersehbaren Folgen zu ihrer Haltung veranlaßt? Wir glauben die Gründe in folgen» ' dem erblicken zu dürfen: Die Aktionseinheit hat sich im Frühjahr und Herbst und bis jetzt ausgesprochen zugunsten derSozialdemokra- t i e ausgewirkt. Sie wurde eigentlich Sieger^ während die KP. im Rahmen der Einheitsfront Niederlagen erlitt. Ihre Anhänger nahmen ab, sie verlor Mandate, den Sitz des Genossen Bodenmann konnte sie nur dank der sozialdemokratischen Stimmen hallen. Die Aktionseinheit wirkte sich also g e g e n sie aus. D a S ist der tiefere Grund für ihr jetziges Verhalten. DaS Finanzprogramm ist der Borwand zur Zerschlagung der Einheitsfront. Sie wnrd» dem Partei-Egoismus zum Opfer gebracht!" Die Kommunisten werden in Spanien und in Frankreich die Einheitsfront genau so zerschlagen wie in Basel, wenn sie ihnen nicht mehr in den Kram paffen sollte. Und nur deshalb, weil sie sich von der Einheitsfrontagitation in der Tschechoslowakei noch einen organisatorischen Erfolg versprechen, predigen sie die Einheitsfront Nur aus diesem Grunde wollen sie den 1. Mai zu einer»Durchbruchsschlacht des Einheitsfrontgedankens" machen. Da uns aber der Gedanke der proletarischen Einheit teurer ist als den Kommunisten und wir es ab- lehnen, aus ihm ein schmutziges Organisationsgeschäft zu machen, wird auch aus der angekündigten Durchbruchschlacht nichts werden. Madrid und Basel sind uns eine gute Lehre! Neuwahl der Brzirksvertretungen Dux und Bilm. Infolge der Errichtung einer Bezirksbehörde in Bilin und der Teilung der bisherigen Berwaltungs- und BertretungSbezirke Dux in zwei selbständige Bezirke wurde bekanntlich die Duxer Bezirksvertretung aufgelöst. Die Landesbehörde hat die Wahl der Bezirksvertretungen Dux und Bilin für Sonntag, den 10. Mai 1V3S angeordnet. Der diesbezüglich« Erlaß ist den beiden Bezirkshauptmannschasten bereits zutzegan- gen. Unser ständiger P. M. Mitarbeiter hatte ein« Unterredung mit dem in Prag weilenden, der Arbeiterpartei angehärende« norwegischen Außenminister Halvdan Koht. Wir geben nachstehend einige Fragen unseres Mitarbeiters und die Antworten des Ministers wieder: Welche Stellung nehmen die neutralen, besonders die skandinavischen Länder zu der durch den Bruch des Locarnovertrages gegebenen Lage ein? „Eine formulierte Stellungnahme liegt nicht vor. Aber nun wird ja der französische Vorschlag vorliegen und da wird für alle Mitglieder des Völkerbundes Gelegenheit sein» Stellung zu nehmen." Was halten Sie von dem Vorschlag, dem Völkerbund eine internationaleMili- t ä r m a ch t zur Verfügung zu stellen? »Ich gestehe, daß ich dazu sehr skeptisch stehe. Einmal, weil ich nicht einsehen kann» wie man den Krieg mit Kriegsmitteln verhindern soll» denn den Teufel mst dem Belzebub auszutreiben, halte ich für eine ganz verfehlte Politik, dann aber auch, weil diese Bölkerbundarmee sofort nicht funktionieren kann, wenn auch nur eine Macht dagegen ist. Der Völkerbund ist ja keine einheitliche und selbständige Macht. Ich bin also sehr skeptisch." Darf ich auch auf die norwegischen Fragen zu sprechen kommen? Wie ist nun die Lage der Arbeiterpartei und der Arbeiterregierung? In einem halben Jahr finden doch Wahlen statt? „Für Wahlen soll man nicht prophezeien. Mer es ist die allgemeine Ansicht, daß die S te l- lung der Arb«iterregierung sich seit ihrem Bestand außerordentlich gestärkt hat. Die norwegische Bevölkerung hat vor allem das Gefühl, daß etwas geschieht. Die Arbeiterpartei hat vor den Wahlen den Kampf gegen die Krise durchzuführen versprochen und nun ist der Eindruck und die Stimmung im Volk, daß sie ihr Versprechen gehalten hat und in dieser Richtung handelt." Welch« Erfolg« hat die Arbeiterregierung im Kampf gegen di« Krise aufzuweisen? Viele Arbeitslose werden durch die öffentlichen Arbeiten, deren Finanzierung uns durch das Bündnis mit der Bauernpartei ermöglicht wurde, inArbeit gesetzt. Dann haben wir die Industrie durch Garantien— nicht durch direkte Subvention— gefördert. Schließlich haben wir die Lage der Bauern dadurch gebessert, daß wir seine Gewinne erhöhten. Man kann sagen, daß die landwirtschaft- licheKrise in Norwegen nun bereits überwunden ist. Eine große Rolle im Krisenkampf hat die Sanierung der notleidenden Gemeindefianzen gespielt, und zwar durch Unterstützung des Staates, durch Neuregelung der öffentlichen Ausgaben, durch Schuldenliquidierung ü. a." Die Regierungsstellung der norwegischen Arbeiterpartei hat Wohl auch ihre Stellung innerhalb der internationalen Arbeiterbewegung geändert. Die Gewerkschaften find der Amsterdamer Internationale beigetreten. Ist für die Arbeiterpartei eine Revision ihrer Stellung zur Internationale zu erwarten? „Die praktische Arbeit hat natürlich ein« gewisse Aenverung der^Haltung de? Arbeiterpartei bewirkt. Und es besteht bei uns zweifellos das Bedürfnis zur Verbindung mit den anderen Arbeiterparteien. Bor allem natürlich wirkt sich dieses Bedürfnis für Skandinavien selbst aus. ES ist ja natürlich, daß, da in den drei skandi- navischen Ländern Arbeiterregierungen am Ruder sind, diese Verbindung gefunden wurde. Nicht allein mit Dänemark und Schweden, sondern auch mit Finnland. Für Finnland ist ja diese Verbindung mit den skandinavischen Arbeiterparteien besonders wichtig. Im Sommer finden Um den„Phönix“ Ein« neue österreichische Anstalt Di« österreichische Bundesregierung erließ in Durchführung der Reform des Privatversiche- rungswesenS ein Gesetz, wonach als Verwalter für die LebenSverficherungsgesellschaft„Phönix" die„Oeste^reichische Bersiche-! r u n g s- A k't i e n g e s e l l s ch a ft" mit einem Eigenkapital von zehn Millionen Schilling gegründet wird, welche durch die Creditanstalt- Bankverein, dann daS Kreditinstitut für öffentliche Arbeiten, die Afficurazione Generali und die Städttsche Versicherungsanstalt Wien errichtet wird. Die neue Gesellschaft übernimmt sämtliche Rechte und Pflichten der Phönix und den österreichischen Versicherungsstock der Phönix, wogegen ihr die Deckungswerte und die Obligationen des Prämienreserveregisters zugewiesen werden. Leitung und Verwaltung der neuen Gesellschaft werden ausschließlich aus Personen bestehen, welche der Versicherungsgesellschaft Phönix nicht angehörten und bei ihr nicht tätig waren. Eine Durchführungsverordnung setzt die Umlagen der Versicherungsanstalten für die Versicherungsfonds mit 1 bis 6 Prozent für die Leistungen der Versicherungsnehmer, mit 1.5 bis 3 Prozent für die Leistungen der Anstalten an die Versicherten fest. Neue Anstalt auch in Deutschland Wie der deutsche Handelsdienst meldet, wird hinsichtlich des deutschen Lebensversicherungsbestandes des Wiener„Phönix"-Konzerns eine Lebensversicherungsgesellschaft mst einem Mtien- kapital von drei Millionen RM gegründet, welcher der Bestand übertragen werden soll. Die Gründung erfolgt unter Führung der Münchener Rückversicherüngsgesellschast und unter maßgebender Beteiligung deutscher Lebensversicherungsunternehmen. Versicherungsangestellte: „Keine Katastrophale Lösung“ Der Zentralverband der Versicherungsangestellten in der TschechoslowakischenRepüblik, in welchem die Mehrhest der Beamten und Bediensteten der Privat- Lebensversicherungsgesellschaften in der Tschechoslowakischen Republik vereinigt find und dessen Verantwortung um so größer ist, da in diesem Verbände die gesamten Beamten und Bediensteten der Lebens-Versicherungsgesellschaft„Phönix" in der Tschechoslowakischen Republik organi- 56 MÄNNER, FRAUEN I UND WAFFEN I ! Roman von Manfred Georg Copyright dy Dr. Manfred Georg, Prag Schumann könnt« nicht sagen, daß ihm die Typen, die ihm Glazunoff da ausgesucht hatte, gefielen. DaS waren keine Leute, auf die man sich im Falle etwas schief ging, verlassen konnte. Sie waren geldgierig, feige, und wenn einer mit Schumann allein war, versuchte jeder den andern herabzusetzen. Bis auf einen, einen Georgier, der ungewöhnlich viel Alkohol vertrug und nie betrunken wurde. Er behauptete, der eigentliche Planer des Staudammes gewesen, aber beim Wettbewerb durch die Jury um seine Arbeit zugunsten des dann gewählten Ingenieurs betrogen worden zu sein. Wenn er davon sprach, wurde sein Blick ganz schwarz, und man sah ihm an, daß er am liebsten vor Zorn alles um sich herum zertrümmert hätte. Er schloß sich sehr an Schumann an, dessen Wortkargheit ihm imponierte, und dessen Geringschätzung für die Uebrigen er spürte. »Ich verstehe Ihren Freund Glazunoff nicht,' was er sich da alles ausgesucht hat," vertraute er Schumann an.»Das find doch überhaupt keine Laute, die auf längere Zeit hinaus dicht halten können." Glazunoff entschuldigte sich bei dem Rittmeister. Er habe«8 auch nicht vorauSsehen können, die Betreffenden seien durch Mittelsmänner dringlich empfohlen worden. »Schieben Sie die Sache nicht mehr lange hinaus!" mahnte der Georgier,»es ist ja auch alles so west, daß, wenn wir sprengen, ein wirklich unersetzlicher Schaden angerichtet wird. Auf was warten Sie noch?" Schumann gab keine Antwort. Er wartete auf das Signal, auf das Attentat, das den Volkskommissar des Aeußeren zur Strecke bringen sollte. Aber die Dinge in Moskau gingen ungünstig aus. Das Attentat erfolgte zwar programmäßig, aber die Kugel traf nur einen Begleitosfizier in dir Schulter. Ein Schrei der Empörung durchhallte das ganze Land. Jeder empfand die sichtbar gewordene Bedrohung gegen sich selbst gerichtet, politi- sche und polizeiliche Maßnahmen jagten einander. Sie hatten auch in Bielostroj ein Echo. Ungefähr dreißig Personen wurden hier verhaftet, ohne daß man erfahren konnte, warum. Sie sollten einen Herd der Opposition gebildet haben. Bon Schumanns Ingenieuren war keiner darunter. Er atmete auf, als Glazunoff ihm das erzählte. Aber nun drängte auch Glazunoff: „Die Atmosphäre des Friedens, die vorhanden war, ist vorüber. Es werden Mberufungen und Versetzungen kommen, Verschärfungen des Sicherheitsdienstes. Wir sind zwar west vom Schuß, aber es wird gar nicht so lange dauern, dann weht auch hier ein neuer Wind. Ich habe den Kommissar gestern beim Essen gesprochen. Er raste. So jung er ist. ist er doch schon einer von den Alten. Der geht rücksichtslos seinen Weg, verlassen Sie sich darauf! Und dumm ist er auch nicht." „Also morgen abends", beschloß Schumann. ,Mnd heute abends werde ich mir mal den jungen Mann vorknöpfen. Er kommt zu mir. Da werden wir ihn mal auf Herz und Nieren Prüfen." Er sagte es fast fröhlich, denn er freute sich auf diese Begegnung. Die Frisch« und Stärke des Eingeladenen ließ ihn fast bedauern, daß dieser Mann sein Gegner war. Es war das Herz des alten Offiziers, das sich ritterlich über die gute Positive des Feindes freute, und es sich als Ehre anrechnete, vor einem harten Kampf zu stehen. Er hatte den primitiven Hoteüisch Herrichten lassen mit dem Besten, was er für seine Valuta in der Baracke hatte auftreiben können. Die trübe Petroleumlampe brannte nicht, dafür standen drei hohe Kerzen in Bierflaschen gesteckt, zwischen. den Büchsen, Schüsseln und Tellern. Glazunoff hatte ein zerschrammtes Grammophon aufgetrieben, das auf dem Waschständer balancierte. Pünktlich um acht Uhr trat, wahrend Glazunoff in einer Ecke Flaschen entkorkte, der Kommissar ein. Er sah mst einem überraschten Blick auf die festliche Tafel und blieb, die Hände auf dem Rücken verschränkt, stehen: „Sie haben ja Großes vor!" Schumann lächelte freundlich: „Ich hoffe, daß Sie Appetit mitgebracht h<ü>en!" „Kann ich leider nicht sagen. Der Appetst ist mir heute nachmittag vergangen!" Schumann hatte ein feines Ohr. Er hörte andere Worte noch hinter dieser Unböflichkeit. Ta tönten sie ihm auch schon ins Gesicht: „Dieser Herr hier hat uns das Weichbrot verdorben." Der Kommiffar ritz aus dem Korridor ein Bündel Mensch herein. Es war Sima. Er blickte böse und feindselig auf Schumann. Seine Augen waren durch Schläge fast zugeschwollen, und Blutschorf klebte um Nase und Mund. „Ich blauere, daß wir mtt diesem Herrn ein wenig grob verfahren sind, aber er wollte uns nur die Hälfte sagen von dem, was er wußte. Da mutzten wir ihn um den Rest stärker bemühen." Blitzschnell war es Schumann klar geworden, was mit Sima in den letzten Tagen vorgegangen war. Test der Ankunft in Bielostroj war er mür- risch herumgeschlichen. DaS ganze Leben und Treiben hier mußte auf ihn deprimierend gewirkt haben. Er hatte offenbar den Verrat auS schlechtem Gewissen begangen, ein schwacher Mensch, hin- und hergeworfen von Stimmungen» in seiner ja Wahlen in Finnland statt und es ist durchaus möglich, daß die finnische Sozialdemokratie so stark wird, daß auch sie als vierte der skandinavischen Arbesterparteien die Regierung bilden wird." Glauben Sie, daß in diesem Moment nicht ein Rückschlag des finnischen Faschismus erfolgen könnte? „Nejn, der finnische Faschismus ist tot. Gerade der Rückhalt, den die finnische Arbeiterbewegung an den anderen skandinavischen Arbeiterparteien hat, ist eine gute Bürgschaft für siL" Und die Stellung der Norweger zur Internationale? *„Wie gesagt, das Bedürfnis nach Zusammenarbeit mit den übrigen Arbeiterparteien ist jedenfalls da. Ich glaube, daß die Entwickln^ sich in dieser Richtung bewegt." siett find, sendet der Presse«ine Erklärung, in der es u. a. heißt: Es ist Sache der berufenen Behörden sowie der gesamten tschechoslowakischen Oeffentlichkeit, den Fall„Phönix" unter Berücksichttgüng der Wahrung der vollen Ansprüche der Versicherungsnehmer und der Existenzen der Angestellten zu ■ lösen. Ohne uns in eine Polemik über die Lösungsvorschläge einzulaffen, machen wir aufmerksam, daß jedwed« katastrophale Lösung des Falles „Phönix" in der Tschechoftowakischen Republik weder zur Sicherstellung der Ansprüche der Versicherungsnehmer, noch zur Erhaltung der Existenzen der Angestellten bettragen kann und im Widerspruche zu diesen Bestrebungen steht. Was die Untersuchung des Falles„Phönix" und Feststellung des Verschuldens anbelangt, halten wir es für selbstverständlich, daß in dieser Beziehung unter Anwendung aller gesetzlichen Mittel vorgegangen wird. Ole österreichischen Maßnahmen und die Lsl. Versicherten Die Eingriffe in das österreichische Ber- sicherungswesen, die durch die neuen erlassenen österreichischen Gesetze durchgeführt wurden, ändern in nichts di« Situation der Prager Repräsentanz der„Phönix"-Versicherungsgesellschaft. DaS Ministerium des Innern hat alle not-, wendigen Maßnahmen getroffen, respektive wird diese treffen, damit die berechtigten Interessen de» in Betracht kommenden tschechoftowakischen Versicherungsnehmer nicht beeinträchtigt werden. Drei„Phönlx"-Dlrektoren verhaftet Wien. Im Zuge der Untersuchung gegen die »Phönix" wurden drei D i r e k tor« n dieser Anstatt, Brettschneider, N-mßhrech*r und Hany, verhaftet und dem Landesgericht eingeliefert. Parteigenossin! Parteigenoffe! Bist Du schon Mitglied der Minarrfrennae? wenn nicht, dann tritt bei. „8ren«&fttaft!“ Hysterie durch das Geschehen im Flugzeug, das er wohl dunkel ahnte, doppelt veräno^^t. Der Kommissar war höhnisch verbindlich: „Natürlich kann sich das alles als eine blöde Angeberei Herausstellen, aber es ist meine Pflicht, Sie einstweilen zu verhaften," „Bitte", sagte Schumann,„ich.werde Sie nicht an Ihrer Pflicht hindern." Und er ging Glazunoff voran. Hinter sich hörte er ein Klirren und Krachen. Der Kom- miffär hatte mit einem Fußtritt den Abendbrot- Trsch umgestotzen. • Es wurde eine Sensation. Sima, durch das Versprechen als Kronzeuge auf eine gewisse Begnadigung hoffen zu können, angefeuert, half in fieberhafter Hast dem Untersuchungsgericht bei der Entwirrung des Falles. Er wußte Mar nichts von dem Attentat in Moskau, aber die Verbindung war für die gesamte OeffentliiAeit rasch hergestellt. Es war in der schwierigen außenpolitischen Situation der Regierung geradezu ein Geschenk vom Himmel, diese Verschwörung in den Aether funken zu können. Makropulos telephonierte verzweifelt mtt Dunaimis. „Die Verantwortung tragen Sie", quäkte die Greffenstimme durch den Apvarat. Der Zwerg zappelte schwitzend auf seinem Stuhl: „Mer Sie selbst..." «Es war Ähre Empfehlung, basta!" „Und was soll ich tun?" „Auf jeden Fall alles leugnen, Hände weg! Wstoppen! Sänttliche Angeklagten werden fallen gelassen. Ob das freilich noch etwas nützt, weiß ich nicht. Das gilt aber nur für die Leute persönlich. Sachlich machen Sie der Presse klar, daß das ganz« Borgehen ein AblenkungÄnanöver der russischen Regieru-g von ihren inneren Schwierigkeiten ist und seDftvcrständlich alles unwahr." (Fortsetzung folgt.) Nr. 86 Freitag, 10. April 1936 Seite 3 tfudetcndeutscfier Settsfricget Schacht will Anleihen erpressen Er droht mit Rücktritt und Staatsbankrott An 40 SdP-Lcutc In „Lidove Noviny" veröffentlichen eine Statistik, der wir Folgendes entnehmen: Im Hultschincr Ländchen sind allein seit dem 1. Feber 1936 nicht weniger als 40 Per- s o n e n in das Troppauer Preisgericht als lln- tersuchungshäftlingc eingeliefrrt worden. Sie werden beschuldigt, Anschläge gegen di« Republik versucht, Hochverrat geübt, Menschenraub vorbereitet und sich an politischen Morden beteiligt zu haben, ferner mit der Gestapo und anderen reichsdeutschkn Funktionären in Verbindung gewesen zu sein. Fast alle Häftlinge sind Mitglieder der Sudetendeutschen Partei, ja, sogar Orts- und Bezirksfunktion äre, Sekretäre und Ausschussmitglieder. Henlein-Leute als Spione verurteilt Wie das„Prävo Lidu" meldet, hat sich der Strafsenat des Reichenberger Kreisgerichtes am 7. April mit der Anklage gegen Hermann Runge, Adolf Müller und B. M e d i tz be- SdP-Tagungen verboten „Parteitag“ und„Kutturwoche“ In Aussig und Teplltz untersagt Die von der SdP mit großer Aufmachung «mgekündigten und mit reichen Mitteln der Agitation vorbereiteten Manifestationen, die vom 17. bis 24. Mai in Aussig und Teplitz stattfinden sollten, wurden von den Behörden zur Gänze untersagt, nachdem bereits vor einiger Zeit die geplanten Aufmärsche verboten worden waren. Die jetzigen Verfügungen betreffen den sogenannten„Sudetendeutschen Parteitag 1936" in Aussig und die„Sudetrndeutsche Kulturwoche" in Auffig «nd Teplitz. Das Verbot der Aussiger Kundgebungen erfolgte gemäß 8 6 des Gesetzes über das Versammlungsrecht aus Gründen der öffentlichen Sicherheit» Ruhe und Ordnung. In der Begründung des Bescheides wird gesagt: Ereignisse auswärtiger Natur, die politisch ge- spannte Situation und die wirtschaftliche Lag« drücke« auf das öffeutliche Leben in einer Art, die nicht weiter gesteigert werden darf. Zu den von der Sudetendeutschen Partei in Auffig proponirrten politischen sowie kulturellen Ver- anstaltungen sollen nach der von der genannten Partei betriebenen Propaganda viel« Zrbntaus«ndr Teilnehmer aus dem ganzen Staatsgebiet herangezogen werde«. Die Propaganda operiert mancherorts auch mit der Behauptung, daß die beabsichtigten Beran» ftaltungen von der Partei auch im Fall eines behördlichen Verbotes inszeniert werden würden. Mit Rücksicht ans diese Umstände und die bestehenden parteipolitische» Gegensätze müßte mit einem unruhigen Verlauf der gesamten Veranstaltungen gerechnet werden, was bei der in Aussicht genommenen Maffenteilnahme besonders in Erwägung gezogen werde« muß. Di« beabsichtigte maffeuhafte Zusammenziehung der Parteiangehörigen zu diesen Veranstaltungen ungewohnter politischer«nd neuartiger Prägung, welche offensichtlich eine« demonstrative« Charakter haben sollen, würde» unbedingt auch außerordentliche Sicherheitsmaßnahmen erfordern. * Die SdP kündigt Schritte gegen dieses Verbot an, macht aber gleichzeitigt bekannt, daß die Vorbereitungen für den Parteitag unterbrochen werden. Audi ein„Erfolg“ der Henleinpartei Als am vergangenen Samstag der Fürsorgeminister nach Falkenau kam, hatte sich auch der SdP-Abgeordnete W o l l n e r zur Aussprache gedrängt, oblvohl er dort nichts zu suchest hatte. Wollner beschränkte sich darauf, den Ausführungen der sozialdemokratischen Redner zuzustimmen und im übrigen den Minister aufzufordern, auch nach G r a s l i tz und Neudek zu fahren, um die furchtbare Not im Erzgebirge zu studieren.„Die Zeit" des Herrn Henlein berichtet über dieses Zwischenspiel folgendes: „In längeren Ausführungen verwies dann auch Abg. Wollner auf die traurigen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse des Falkenauer Bezirkes und bat den Minister, wenn dies irgendwie angängig sei, doch auch das Graslitzer und Reudeker Notstandsgebiet aufzusuchen, einer Bitte, der Minister Jng. Neöas unter ausdrücklicher Berufung auf den Mg. Wollner auch entsprach." Also ein Erfolg des Herrn Wollner? Keineswegs, denn das Reiseprogramm war schon vor dem„Eingreifen" des Wollner festgesetzt und hatte den Besuch von Graslitz, Rothau und Neudek vorgesehen. In diesem Sinne hat der Fürsorgeminister dem Abgeordneten Wollner geantwortet.— So sehen also die Erfolge der SdP «ns. Daß die Sozialdemokraten von dem bevor- Hultsdiin verhaftet schäftigt, welche alle aus der Gegend von Deutsch- Gabel stammen. Die ersten zwei waren wegen des Verbrechens des Militärverratcs nach Paragraph 6 des Gesetzes zum Schutz der Republik angeklagt, Meditz wegen des Verbrechens nach Paragraph 12 desselben Gesetzes, weil er die Tätigkeit Runges den Behörden nicht anzeigte. Runge und Müller haben nach Deutschland militärische Nachrichten geliefert. Runge wurde gerade dabei verhaftet, als er sich zur Grenze mit Angaben über den Reichenberger Flugplatz begab. Die Angeklagten legten vor Gericht dar, daß die Uebermitilung von Nachrichten betreffend den Reichenberger Flugplatz nichts Staatsgefähr- lichcs sei.' Runge und Müller erhielten je dreieinhalb Jahre schweren Kerkers, Meditz sechs Monate. Alle Angeklagten sind Mitglieder derHenlein-Partei, Runge sogar Funktionär. In Langenau wurde der Arbeitslose Münzberg aus Warnsdorf in Haft genommen, weil er sich des Hitlergrußes bediente und sich überdies gefährliche Drohungen zuschulden kommen ließ. stehenden Ministerbesuch wußten, ist kein Wunder; er entspringt nämlich ihrer Initiative. So daß die Aufregung der.Leit" über die„Hintansetzung" der im übrigen rechtzeitig verständigten änderen Parteigruppen herzlich überflüssig ist. Erfolg der freien Gewerkschaft Betriebsausschußwahlen bei Schindler- Schönlinde Wieder Arbeit für mehr als 12.000 Arbeiter Produktive Arbeitslosenfürsorge Das Ministerium für soziale Fürsorge hat im Einvernehmen mit dem Finanzministerium über 327 neue Gesuche von Gemeinden, Bezirken und anderen öffentlichen Bauherren um die Gewährung des Staatsbeitragrs zu öffentlichen Fnvestitionsarbeiten beraten. Aus den Mitteln der produktiven Arbcitslosenfürsorge bewilligte das Ministerium für diese Beiträge insgesamt 11,498.100 Kt. Damit wird die Durchführung öffentlicher Jnvestitionsarbei- ten mit einem Gesamtaufwand von 100,559.523 Kö ermöglicht. Bei d i e s e n Arbeite» finden 12.627 Arbeiter Beschäftigung. Tod im Steinbruch. Ein tödliches Unglück ereignete sich im Steinbruch der Landwirtin Marie Endler aus N i x d o r f. Am Mittwoch vormittags war der 32 Jahre alte Arbeiter Johann Schneider aus Nixdorf mit drei Arbeitskollegen beim Ausgraben eines großen Steines beschäftigt, als sich plötzlich oberhalb der Arbeitsstelle schwere Stein- und Sandmassen loslösten und den Unglücklichen unter sich begruben. Schneider war von seinen Arbeitskameraden gewarnt worden, konnte aber den Steinmaffen nicht mehr ausweichen und wurde eineinhalb Meter tief verschüttet. Man fand den Verunglückte» in kauernder Stellung mit gebrochenen Gliedern nurmehr als Leiche auf. Da die Arbeitsstätte, wie es heißt, nicht genügend gesichert war, wird der Tod des auf so tragische Weise Verunglückten ein gerichtliches Nachspiel haben. Am Montag, den 8. April,, wurden bei der Firma Stefan Schindler in Schönlinde Betriebsausschußwahlen durchgeführt. Die Deutsche Arbeitergewerkschaft glaubte in dieser Wirkwarenfabrik, deren Arbeiterschaft seit dem Jahre 1925 ohne Betriekkausschuh war, allein die überwiegende Mehrheit zu erlangen. Es ist jedoch astders gekommen. Die Wahl zeigte folgendes Ergebnis: Union der Textilarbeiter: 223 Stimmen, 4 Mandate, die Deutsche Arbeitergewerkschaft: 240 Stimmen, 4 Mandate, Rote Gewerkschaft(Kommunisten) 55 Stimmen, 1 Mandat. Die Arbeiters«haft, des Betriebes hat' Lck also in ihrer Mehrheit gegen die DAG'üNd"damit gegen Henlein ausgesprochen. Das Ergebnis ist um so beachtenswerter, als die Belegschaft vor dem 19. Mai 1935 fast zur Gänze den Parolen der Henlein-Partei erlegen war. Franzbranntwein lindert Rheumatismus Achten Sie mehr auf die Qualität als auf den Preisl Alpa wird aus reinem Weingeist erzeugt Smeral, der Egerländer. Auf der Kreiskonferenz der KP§ in Karlsbad hatte A p p e l t die Aufgabe, die neue Gottwaldlinie zu rechtfertigen. Er fand selbstverständlich Zustimmung, da Andersdenkende ja aus der Partei geworfen werden. Noch fröhlicher aber als die„überzeugenden" Darlegungen des Appelt mutet die Tatsache an, daß diese Kreiskonferenz der egerländi- schen Kommunisten den— enteral als Parteitagsdelegierten gewählt hat. Angesichts der Bemühungen der KPC,^ auch mit den Henleinleuten eine„Einheitsfront" herzustellen, muß es nicht durchaus als ausgeschlossen gelten, daß Smeral demnächst der„Egalända Gmoi" als Mitglied beitreten wird. Großes Schadenfeuer in Kreibitz. Im Hause der Kartonnagenerzeugung Krollop und Gambe auf dem Marktplatz in Kreibitz brach Donnerstag um die dritte Morgenstunde ein großes Feuer aus, dem das Gebäude in kurzer Zeit zum Opfer fiel. Es gelang nur den größten Teil der Buchhaltung zu retten, die Maschinen und der Lagerbestand dürften jedoch zur Gänze vernichtet fein. Zum Glück konnte das drohende Uebergreifen des Feuers auf die Nachbaranwesen infolge der Windstille und Tätigkeit der Feuerwehr verhindert werden. Es wurde ein enormer Schaden verursacht, der jedoch durch die Versicherung gedeckt sein soll. 50jähriges Bestandsjubiläum der Auffiger Handelsakademie. Die Auffiger Handelsakademie, eine der ältesten und derzeit die größte deutsche kaufmännische Lehranstalt der Tschechoslowakei, feiert am 17. und 18. Oktober d. I. das Fest ihres 50- jährigen Bestandes. Die Anstalt als„Höhere Handelslehranstalt" war ursprünglich dreiklassig und wurde im Schuljahre 1900/1901 zu einer bier- klassigen Handelsakademie.ausgebaut. Angegliedert sind: ein einjähriger Abiturientenkurs für Mittel- schulabfolventen, eine zweiklaffitze Handelsschule für Knaben und Mädchen, eine kaufumnnische Fortbildungsschule. Aus der Anstalt sind während der Zeit ihres Bestandes mehr als 15.000 Absolventen hervorgegangen. Aus Anlaß des 50jährigen Ju- biläums sind u. a. eine Festaufführung im Aus- siger Stadttheater, ein Festakt, eine Ausstellung in den Räumen der Anstalt geplant. In einer besonderen Festschrift soll ein lleberblick über den Entwicklungsgang der Schule und die Stellung ihrer Absolventen gegeben werden. Insbesondere soll das Fest aber auch den ehemaligen Absolventen Gelegenheit zu zwanglosen Zusammenkünften bieten. Die Schule ersucht schon jetzt alle ehemaligen Absolven- ten(-innen) und Schüler(-innen) aller Abteilungen und Kurse, um Bekanntgabe ihrer Adresse, damit sie in der Lage ist, ihnen weitere Mitteilungen unmittelbar zugehen zu lassen. Zuschriften erbeten an die Direktion der Auffiger Handelsakademie. Arbeitslose durchwandern die Welt 8000 Kilometer in 250 Tagen wanderten diese drei arbeitslosen Jugendlichen aus Falkenau- Kittlitz zu Fuß. Sie durchzogen die Tschechoslowakei, Oesterreich, Deutschland, Dänemark, Holland, Schweden, Norwegen und sind nun wieder in ihrer Heimat eingetroffen. Borträge unterstützt durch Lichtbilder und Lieder zur Laute, die sie in einigen Orten Nordböhmens abhielten, waren massenhaft besucht und fanden ungeteilten Beifall. Der englische Journalist Francis William berichtet im Londoner„Dailt; Herald" über eine Unterredung, die Reichsbankpräsident Dr. Schacht am vergangenen Sonntag in seinem Landhaus in Badenweiler mit den Direktoren der Baseler Bank für Internationalen Zahlungsverkehr hatte. Sckmcht hatte die Vertreter des internationalen Finanzkapitals zu sich gebeten, um sie bon der Notwendigkeit einer internationalen Anleihe an Deutschland zu überzeugen. Er wies darauf hin, daß er sich nur durch eine solche Anleihe weiter im Amte halten könnte, da unter Führung von Goebbels eine heftige Opposition gegen ihn im Gange sei und Hitler ihn nur halte, weil er in ihm den Mann sehe, der bei den ausländischen Bankiers Vertrauen genieße. Schacht erklärte, cs sei ihm gelungen» Hitler von der Möglichkeit zu überzeugen, durch neue Steuern und Ausländsanleihen Deutschland vor dem finanziellen Zusammenbruch'zu retten. Wenn ihm die Ausländsanleihe nicht gelinge, dann würde er gestürzt werden, und die Folge davon würde sein, daß alle Anleihen, die man Deutschland bisher geivährt habe, verloren wären. Wenn dieser englische Bericht den Tatsachen entspricht, woran zu zweifeln kein Grund besteht, dann zeigt er, daß Schacht gesonnen ist, seine Finanzpolitik weiterzuführen, die von Anfang an darauf gerichtet war, das Dritte Reich auf Kosten des Auslandes wirtschaftlich über Wasser zu halten und sich zu diesem Zwecke dem Auslande gegenüber als den„Gemäßigten" und„Vertrauenswürdigen" aufzuspielen. Daß Schacht jetzt zu Drohungen und Erpressungen übergeht, beweist allerdings, daß seine letzten Anleche« bemühungen in London(und, auch die des Bankdirektors v. Stauß) erfolglos waren. Auch in Badenweiler sollen die versammelten Bankiers, dem englischen Bericht zufolge, erklärt haben, daß für die gewünschte Anleihe die praktischen Voraussetzungen fehlen. Dennoch habe Schacht .»augenscheinlich begründete Hoffnungen, daß in absehbarer Zeit seine Gastfreundschaft belohnt werden wird". Mit anderen Worten: er hat die Hoffnung, daß die Kriegsvorbereitungen des„na- 'wnalsozialistischen" Hitler-Regimes mit Hilfe des internationalen Finanzkapitals weiterfinanziert werden und er sich dadurch als Wirtschaftsdiktator des Dritten Reiches wird halten können. Nicht einmal die Steine dürfen reden 1 Wien. Die Witwe des Führers des sozialdemokratischen Republikanischen Schutzbundes Maria Weißl hatte am Grabe ihres Mannes, der bekanntlich beim Feber-Aufstand i. I. 1934 hingcrichtet wurde, auf dem Zentralfriedhof einen Gedenkstein mit folgender Inschrift setzen lassen:«Ein Stein unter Steinen im Aufbau der Menschheit". Der Wiener Magistrat hat die Beseitigung dieser Inschrift angeordnet, die nach der Auffassung des Magistrats eine„politische Kundgebung" darstellt und die Tätigkeit des Verstorbenen billigt. Die Witwe legte beim Obersten Bundesgericht Berufung ein» das die Beschwerde gleichfalls mit der Begründung verwarf, daß die Inschrift eine tÄütik darstellt, die nicht auf einen Friedhüf gehört. Jn Q Brüssel. Der Senat hat den Gesetzentwurf über die Vollmacht für die Regierung mit 134 Stimmen angenommen. Acht Senatoren enthielten sich der Stimme. Nach der Sitzung ist Ministerpräsident van Zeeland in einem Sonderflugzeug nach Paris äbgeflogen, von wo er mit dem Nachtzug heute früh in Genf eintrifft. Los Angeles.(Reuter.) Eine hiesige Flugzeugfabrik baut 31 Eindecker für China. Es handelt sich um Bombenflugzeuge mit einer Durch- schnittsgeschwindigkeit von 330 Kilometern und einem Aktionsradius von 1600 Kilometer. Moskau. Gemäß der zwischen den Regierungen Sowjetrußlands und Japans erzielten Vereinbarung fand am 2. April an der sowjetrussischmandschurischen Grenze in der Nähe des Zusammenstoßes vom 25. März die Auslieferung der Leichen der zwei japanischen Militärpersonen, eines Hauptmannes und eines Soldaten, statt, die während dieses Zusammenstoßes getötet wurden. Von den beiderseitigen Truppenteilen wurden hiebei die üblichen Ehrenbezeigungen erwiesen. Warschau. In den letzten Tagen wurden wegen umstürzlerischer Propaganda insgesamt etwa 1000 Kommunisten verhaftet, davon 300 in Warschau. Jerusalem. Nach Meldungen aus Damaskus sind dort 2000 Spinnereiarbeiter wegen Lohnforderungen in den Ausstand getreten. Man nimmt an, daß sich ihnen 5000 Weber zum Zeichen der Solidarüät anschließen werden. Seite 4 Freitag, 10. April 1936 Nr. 86 Trost der Technik Eine Rüstungsfabrik in U.S.A. besaß den Geschmack, ein Inserat diesen Inhalts aufzugeben:„Und wenn Sie schon— im Gaskrieg sterben müssen, so nur in unserer Gasmaske I Es stirbt sich schöner in ihr!" Ein smarter Herr—. Man sollte ihm nicht grollen, Ein guttr Rat ist immer noch begehrt, Hier spricht ein Fachmann gleichsam a»s dem Wollen, Der»ns den Tod als Kundendienst beschert! * Die Ankunft, die ans dieser Welt geblieben» Ist ein Produkt der Rüstungskonfektion, An diesem Inserat ist gar nichts übertriebe»—, Das Massengrab gehört zum guten Ton! Wenn wir im nächsten Krieg vergast, zerrissen Mit letztem technischen Comfort ins Jenseits gehn. Ist es beglückend, vor dem Gang zu wissen» Wie reizend wir im Grabe anznsehn—! • Wir leben gleichsam nur noch für das Sterben, Das ist der Weisheit resignierter Schluss, Ein schöner Tod in einem Berg von Scherben Ein schönes Leben«ns ersetzen muß...! Broschüre über den Wiener Sozialisten- Prozeß. Der Verlauf des Wiener Sozialistenpro- zeffes wird in einer soeben erschienenen kleinen Schrift wiedergegeben. Noch einmal erleben wir die tapferen Aussagen der Angeklagten und das ganze seltsame Milieu dieses Prozesses, in dem die faschistische Regierung Oesterreichs auf der Anklagebank saß. Auch das Eingreifen der Internationale und der Weltpresse wird eingehend gewürdigt, 7— Diese Schrift ist eines der wertvollsten Dokumente der internationalen Arbeiterbewegung, sie wird, vor allem zur Verbreitung in Oesterreich bestimmt, die Widerstandskraft der österreichischen Arbeiter stärken. Ihr ist jedoch auch das Interesse aller auherösterreichischen Sozialisten gewiß. Man kann sie zum Preise von 1 XL durch die Verwaltung der„Arbeiter-Zeitung", Brünn, Cejl 83—85, beziehen. Fritz Heckert gestorben. Einer der führenden Männer der Kommunistischen Partei Deutschlands, Fritz Heckert, ist vor einigen Tagen in Moskau gestorben. Er vertrat die KPD im Präsidium der Kommunistischen Internationale. Hek- kert ist 52 Jahre alt geworden. Pfarrer und seine Wirtschafterin ermordet. Ms Donnerstag früh in Grünsu bei Mährisch- Trübau den Ministranten in der Pfarrei nicht geöffnet wurde, drang die Gendarmerie vom Garten her durch ein offenstehendes Fenster in die Pfarrei und fand den 52jährigen Pfarrer Josef Haska und die 40jährige Wirtschafterin Maria Dvokäkovä tot auf. Beide wären durch mehrere Schläge mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf getötet worden. Den Feststellungen des Arztes zufolge ereignete sich der Mord um ca. 4 Uhr früh. Die Gendarmerie verhaftete eine Person, die davon unterrichtet war, daß der Pfarrer und die Wirtschafterin um 4 Uhr früh die Pfarrei verlassen wollten. Der Mörder ist wahrscheinlich in die Pfarrei in der Annahme eingedrungen, daß diese bereits unbelvacht sei. Man lernt nicht für die Schule» sondern fürs Lebt«. Für dieses alje Sprichwort haben zwei Tertianer in Prag eine eigenartige Bestätigung erbracht. Wie„Telegraf" meldet, brach Mittwoch in der Auslage eines Spielwarengeschäftes in Prag XVII. ein Brand aus, wobei die ausgestellten Sternwerfer, bengalischen Zünder, Kapseln und so weiter ein packendes Feuerwerk darboten. Die Polizei fand bald die Erklärung. Die beiden Mittelschüler hatten ihre Kenntnisse aus dem Physikunterricht dazu benützt, um mit Hilfe eines Brennspiegels-durch die Auslagescheibe hindurch eine Schachtel mit Kapseln in Brand zu stecken. Äie explodierenden Kapseln haben dann alles weitere besorgt. Die Waffen des Zukunftskrieges. Man braucht gar nicht seine Phantasie spielen zu lassen und in den neuen Zukunftsfilm von H. C. Bells zu gehen, um sich eine Vorstellung über die Kriegstechnik der nahen Zukunft zu machen. Es genügt die sehr ernsthafte militärische Fachzeitschrift„Army, Navy and Air Force Gazette" aufzuschlagen, wo man ständig die neuesten Errungenschaften auf diesem Gebiete dargestellt findet. So wird zum Beispiel in der letzten Nummer von einem neuen Gas berichtet, dessen„tödliche" Wirkung sich nicht auf Menschen, sondern auf... Motoren erstreckt. Man beschießt mit diesem Gas ein Flugzeug; es braucht gar nicht getroffen zu werden, sondern es genügt, wenn die Bomben in der Nähe platzen. Dann kommt dieses Gasgemisch mit der Luft in den Motor und bildet mit dem Brennstoff zusammen ein so stark explosives Gemisch, daß derMotor auseinandergesprengt wird. Weiterhin ist ein neues Maschinengewehr bemerkenswert, das keine Mannschaft zur Bedienung mehr fordert. Es wird elektrisch in Gang gesetzt und bestreicht automatisch einen Sektor von 180 Grad. Endlich sei noch em Land-Torpedo erwähnt, das nach dem Prinzip des Torpedos unmittelbar über der Erdoberfläche mit furchtbarer Gewalt dahinsaust und selbst starke Betonwände glatt durchschlägt« Oesterliches Großreinemachen Die englischen Eisenbahn-Gesellschaften rüsten für Ostern, wo tausende Londoner in Extrazügen an die Küste fahren werden, um dort die Feiertage zu verbringen. Die amtlichen Richtlinien für dm Samariter- dimst des zivilm Flugschutzes werden in den nächsten Tagen versendet werden. Die Richtlinien sind für die Gemeinden eine Anleitung, wie der Samariter- und'Rettungsdienst ausgebaut werden soll und in welcher Weise Stellen für die erste Hilfeleistung und Pflegestellen errichtet werden sollen. Damit erhalten die Gemcindm einen Behelf für die Schaffung einer der wichtigsten Kom- ponentey des Fliegerschutzes. Göring bei Oldenburg- Januschau. In deutschnationalen Kreisen erzählt man: Vor einiger Zeit besuchte Göring das Gut des alten konservativ-monarchistischen Haudegens Elard von Oldenburg-Januschau. Als man die ausgezeichnet eingerichteten Viehställe besichtigte, erkundigte sich der„sogenannte Generäl"— das ist der Spitzname Görings in konservativen Kreisen— wie lange schon der Gutsherr diese ausgezeichneten Einrichtungen besitze. Da sah der alte Junker den „sogenannten General" scharf an und sprach: „Ja, sehen Sie, das ist wie überall. Die Futterkrippen bleiben dieselben, nur das Rindvieh wechselt." Pariser Gangsters JrrDar^mehren sich in den letzten Tagen wieder die Verbrechen nach Art der amerikanischen Gangster. Bor zwei Tagen hatten vier junge Burschen den Direktor einer Nachtbar in der Wohnung überfallen, das Dienstmädchen gefesselt, den Direktor erschossen und beraubt. Tie Nachforschungen der Polizei nach den Tätern sind bisher ergebnislos geblieben. Gestern in den Mittagsstunden überfielen drti junge Burschen in der Rue Viledo nahe der Börse den Inhaber eines Restaurants in dessen Wohnung, fesselten ihn und wollten die Wohnung ausrauben. Dem Gefesselten gelang es aber, die Räuber durch Schreien zu vertreiben. Auf die Angreifer wartete unten ein Auto, mit dem sie, obwohl sie verfolgt wurden, entkamen. Kriegerischer Uebereifer bei einer Patrouillen- übung. Bei den Patrouillenübungen der Regi- ments-Nnteroffiziersschule in dem Wäldchen bei Hloubetin wurde am Donnerstag vormittags der Soldat Koloman Vago-Szalai von dem Soldaten Miroslav Ohnesorger durch einen Gewehrschuß verletzt. Durch eine Exerzierpatrone wurde er unterhalb des rechten Auges getroffen. Nach der ärztlichen Behandlung wurde der Soldat Vago- Szalai in das Divisionskrankenhaus überführt. Zu der Verletzung kam es durch einen unglücklichen Zufall bei einem Exerzier-Zusammenstoß feindlicher Patrouillen. Mörderische„Zivilisation". Man ist in Indien über das fortschreitende Aussterben der Elefanten sehr beunruhigt, und weist darauf hin, daß man auch hier gleiche Vorkehrungen treflen müßte wie in den britischen Besitzungen in Afrika, wo die Jagd auf kostbares Großwild streng reglementiert ist. Fachleute behauptm, daß die Hauptschuld an dem Aufsterben der Elefanten das... Billardsp iel trägt. In den letzten 100 Jahren sind nach sachverständigen Schätzungen nicht weniger als zwei Millionen Billardkugeln angefertigt worden. Aus einem Paar Swßzähnen erhält man sechs bis sieben Kugeln, d. h., daß nicht weniger als 300.000 E l e- f a n t e n in 100 Jachren dem elefantenmordenden Billardspiel zumOpfergefallen sind. Seit dem Kriege hat sich die Sache nur verschlimmert. Das Billardspiel ist heute in der ganzen Welt so beliebt und die Nachfrage nach Billardkugeln so groß, daß jetzt jährlich ebensoviel Elefanten zu diesem Zwecke gejagt werden wie früher in einem Jahrzehnt. Der Photoapparat in der Brille. Die amerikanische Polizei hat vor kurzem einen Spion verhaftet, in dessen Besitz sich ein Phowapparat befand, der vermutlich nicht seinesgleichen auf der Welt hat und als Wunder der Phowtechnik anzusprechen ist. Der winzig kleine Apparat befand sich in der.-.. Brille, die der Spion trug. Der Apparat war in den Wenige Willüneter dicken Schtldpattbügel der Brille montiert, die Linse war kaum so groß wie ein Stecknadelkopf, und in der-Färbung des Schildpatts überhaupt nicht zu bemerken. Die Auslösevorrichtung befand sich am Rande des rechten Brillenglases. Um zu photographieren, brauchte der Mann nur seine Brille scheinbar znrechtzurücken. Die Filme hatten eine Breite von einem Millimeter, die Aufnahmen konnten nur durch eine sehr große Lupe erkannt werden, waren«6er so scharf, daß sich eine beliebige Vergrößerung von ihnen Herstellen ließ. Ein vernünftiges Verbot. In Holland werden, wie in anderen Ländern auch, gern Hunde als Zugtiere für Milchwagen oder andere kleinere Gefährte gebraucht.. Die holländischen Tierschutzvereine waren der Meinung, daß es sich um einen ausgesprochenen Mißbrauch handelt, und die i,Jack London- Bereinigung", die fich um das Wohl der vierfüßigen Erdenbürger kümmert, hat vor kurzem einen Kongreß im Haag veranstaltet, in dessen Verlaufe es tatsächlich gelungen ist, für Holland das Verbot der Benutzung der Hunde für diese Zwecke zu erreichen. Dor wahnsinnige Bürgermeister. Der Bürgermeister eines serbischen Städtchens ist vorübergehend von seinem Amke dispensiert worden, weil er in der Oeffentlichkeit einen eigenartigen Exzeß begangen hatte. Bei einem Gelage erblickte er einen Hund und bat um ein Messer, um dem Tier den Schtvanz abzuschneiden. Als er das Messer nicht bekam, packte er das Tier und riß ihm blitzschnell mit den Zähnen den Schwanz aus. Dann wollte er das Kunststück bei einem zweiten Hund versuchen, wurde aber mit Gewalt durch die anderen Gäste daran verhindert. Großer Erfolg der Markenaktion zugunsten der Kinder. In der Presse wurde bereits die Meldung veröffentlicht, daß am 1. April Wohltätigkeitspostmarken mit einem Zuschlag von 50 Heller zugunsten der unter der Wirtschaftskrise leidenden Kinder in Verkauf gegeben wurden. Diese Aktion fand ungewöhnliches Verständnis seitens der gesamten Oeffentlichkeit. Bereits in den ersten Tagen waren bei zahlreichen Postämtern die Wohltätigkeitsmarken ausverkauft. In der ersten Woche wurden bereits 500.000 Wohltätigkeitspostmarken abgesetzt. Deutscher Tert zum Tschechoslowakischen Atlas. Wir haben seinerzeit das große Werk des Tschechoflowakischen Atlas gewürdigt, das beste kartographische Werk, das in der Tschechoslowakei überhaupt jemals erschienen ist. In unserer Kritik haben wir jedoch bemängelt, daß zu diesem Atlas wohl ein tschechischer uiw französischer, nicht aber ein deutscher Text vorliege. Es ist nun erfteulich, daß dieser von uns festgestellte Mangel behoben und ein deuffcher Text zu diesem Atlas erschienen ist. Starke Steigerung des Pferdefleischkonsums. Sowohl in Prag als auch namentlich in der böhmischen Provinz ist eine wesentliche Steigerung des Pferdefleischverbrauches erkenntlich. Infolge dieser erhöhten Nachftage hat sich auch der Preis für Pferdefleisch auf 10 bis 12 XL pro Kilo erhöht, so daß Rindfleisch nur noch, um 3 bis 5 XL teurer ist. Eine weftere Folge dieser gewiß als Zeftzeichen anzusehenden Entwicklung ist, daß die Pferdefleischhauer genötigt sind, für die Wursterzeugnisse aus Pferdefleisch Rindfleisch und Fett minderer Qualität zu verwenden. Die Verlosung der Gewinste der V. Klasse der 34. Klaffenlotterie wird am 18. April beginnen undi wird am 20. bis 25., 27. bis 30. April, und am 2., 4. bis 9., 11. und 14. Mai fortgesetzt werden. Verlost werden im Ganzen 44.400 Gewinste und eine Prämie von 1,000.000 XL, im Gesamtbeträge von 37,319.200 XL, welche den Spielern ohne Abzug ausgezahlt werden. Die amtlichen Tageslistpn werden immer am nächsten Tage nach der Verlosung, die ämtliche Gesamwerlosungsliste am 18. Mai ausgegeben werden« Der Internationale Freidenker-Kongreß. Dir Teilnehmer des Internationalen Freidenker-Kongresses, der am Samstag in Prag vom Vorsitzenden der internationalen Freidenker-Organisation, dem Brüsseler Universitätsprofessor Dr. Ter- wagne, eröffnet werden wird, besuchten gestern das Altstädter Rathaus, Sie wurden vom Primator-Stellvertreter Dr. Kellner empfangen, der in seiner Ansprache hervorhob, daß die Tsche- choflowakei im Laufe ihrer Geschichte für die Gesinnungsfreiheit gekämpft hat und dieser Tradition bis heute treu geblieben ist. Er schilderte sodann den Unterschied zwischen den diktatorisch regierten Staaten, in welchen die Gesin- nungsfteiheit nicht zugelassen wird, und den demokratischen Staaten, welche sie respektieren. Dr. Terwagne erklärte, daß die ausländischen Delegierten die tschechoslowakische Geschichte gut kennen und das liberale Denken dec Tschechoslowakischen Republik schätzen. Nachmittags wurde die amerikanische Freidenker-Delegation in Lany vom Präsidenten-Befreier Masaryk empfangen. Schönes Osterwetter wahrscheinlich. In Mitteleuropa war es Donnerstag vorwiegend heiter; nach der letzten kalten Nacht ist unter Einwirkung der Sonnenstrahlung wieder eine etwas stärkere Erwärmung eingetreten. In Böhm.-Bndweis wurden Donnerstag nachmittags,14 Grad verzeichnet. Relativ am stärksten ist die Temperatur auf den Bergen gestiegen; die Schneekoppe hatte um 14 Uhr plus ein Grad und auch auf den Alpengipseln herrschte nur mehr ganz leichter Frost. Hie und da behaupten fich noch kleine Wolkenzonen, so z. B. über dem mittleren Teil der Republik. Der Kern des Zentraldruckhochs liegt noch immer über den britischen Inseln. Im Zusammenhang damit wird dem Festland andauernd mäßig kühle Luft demNordwesten zugeführt. Es scheint jedoch, daß sich die Gesamtwetterlage in den nächsten Tagen günstiger gestalten wird.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Wechselnd bewölkt, stellenweise ziemlich heiter, im allgemeinen ein wenig wärmer. Verschiedentlich, namentlich in Gebirgs- . tälern jedoch noch leichte Nachffröfte.— Wetteraussichten für Samstag: Allgemeine Erwärmung. Vom Rundfunk InpHiiMiwartM au* du Ptofmmmi Samstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse. 12: Schallplatten, 1220: Grieg: Aus Peer Gynt, 13.40: Schallplatten, 16.05: Mozart: Klavierkonzert, 17.55: Deuffche Sendung:„Tod und Auferstehung" Hörfolge aus den Höritzer Paflionsspielen, 18.45: Deuffche Nachrichten, 21.20: Militärkonzert, 22.15: Schallplattenkonzert.— Sender S: 7.30: Leichte Musik,-14.10: Deuffche Sendung-:- Zwei- Klavjer- spnaten aus dem Jahre 4.H20..14LÖ:. Deutsche Presse, 18: Schallplatten.— Brünn 12.15: Offenbach: Aus„Hoffmanns Erzählungen". 15: Nachmit-' tagskonzert, 17.40: Deuffche Sendung: Konzert: Händel, Bach etc.-— Preßburg 12.35: Mittagskon- ert, 17.15: Klavierkonzert.— Kascha« 19.30: Rund- unkorchesterkonzert. * 858.479 Rundfunkhörer. In der Tschechoslowakei gab es Ende Feber 858.479 Rundfunkhörer, davon 5537 nichtzahlende. Hievon entfallen auf die Postdirekffonen: Prag 463.157 zahlende und(2399 nichtzahlende), Brünn 143.932(1279), Preßburg 63.521(432). Troppau 66.429(417), Pardubitz 84.104 (738), Kaschan 23.347(208), Karpathoruß- land 8452(64). Ein Wegweiser, wie ihn di« Welt bisher noch nicht kannte Auf dem holländischen Flugplatz Schiphol wurde dieser eigenartige Luftwegweiser errichtet, der die Richtungen anzeigt, in denen die verschiedenen Flugzeuge den Flugplatz verlassen. Gab es schon jemals in der Welt einen Wegweiser mit der Auffchrist:„Batavia via Leipzig 14.243 Kilometer"? Solche und ähnliche gigantische Enffernungen lassen sich an diesem Wegweiser ablese«. Skr. 86 Frettag, 10. April 193« Sekte 8 Deutschland das Unterste zu oberst gelehrt hat, beabsichtige er jetzt zum Reformator Europa- zu werden. Der deutsche Plan mache bereit- der der ersten Durchsicht den Eindruck eines grenzenlosen Hochmutes. Deutschland schlage ein neues Locarno vor, aber ohne'die de- militarisierteZone, d. h. ohne jene Sicherheitsgarantie, die gerade den Hauptfinn des alten Locarno ausgemacht habe. Hitler sage kein Wort vdn Rüßlcknd, da- damit sozusagen vogelfrei erklärt werde. Sollte der deutsche Plan verwirklicht werden, so würde das die Hitler- Diktatur über Europa bedeuten und gleichzeitig die Dämmerung aller Rationen, die noch den Grundsätzen der Demokratie und Freiheit treu sind. •—„Journal": Deutschland spiele jetzt mit offenen Karten. Alle deutschen Forderungen seien bereits in der Denkschrift vom 7. März enthalten, aber sozusagen im Keime. Die Denkschrift vom 1. April wirft auf sie ein grelles Licht. Im Grunde genommen könne es nur eine Antwort darauf geben:„Gennggeschwatztl"— Dieser KritU der Jnformationspresse schließen sich auch die politischen Presseorgane an. Pertinax im„Echo de Paris" ist über den Vorschlag, in Genf eine gemischte Kommission für die lleberwachung der Presse der beiden Länder einzusetzen, empört. Falls also Hitler einen neuen 80. Juni 1034 durchführen wollte, würden die französischen Zeitungen dazu schweigen müssend„Ami du peuple", das Organ des Faschistenfuhrers Taittinger, der noch unlängst mit dem Gedanken einer deutsch-französischen Entente auf Kosten Rußlands gespielt hat, ist vollkommen entsetzt: Sei Frankreich noch souverän?— Die linksgerichtete„R öpubl i- q u e" stellt fest, daß der deutsche Plan die Trennung Englands von Frankreich zum Hauptzweck habe. Wie paradox es auch klingen möge, habe Deutschland die Führung des europäischen Pazifismus an sich gerissen. IWfewtecfioft und SoaialpelUife Eckener, der nicht gern will, was Adolf will. fliistani .„Hitlerfriedcn". Der bekannte konservative Publizist Pierre Bernus spricht im „Journal de Debats" die Ueberzeugung aus, daß Hitlers Programm nur durch einen Krieg verwirklicht werden kann. Deutschland möchte den Krieg unter den allergünstigsten Bedingungen führen und die ganze diplomatische Adrion von Berlin bestehe bloß darin, den Kriegsbeginn bis zu einem für Deutschland günstigen Augenblick hinauszuziehen. Jedes Schwanken unter den anderen Staaten, jede Meinungsverschiedenheit unter ihnen vergrößert nur die Gefahr. Das gilt nicht nur für Frankreich und England, sondern auch für die kleinen Staaten, die sich neutral Verhalten wollen, um Berlins Gunst zu gewinnen. Sabotage gegen die Stachanow-Bewegung. Die„Leningradskaja Pravda" vom 29. März berichtet in ihrem Leitartikel„Vernichtet die Saboteure!", daß sich gegen die Stachanow-Bewegung Sabotage-Akte bemerkbar machen. Es wird festgestellt, daß in der letzten Zeit das Anwachsen der Stachanow-Bewegung sich verlangsamt hat und daß. auch ein Sinken der Zahl der Stachanow- Arbeiier beobachtet werden kann. Der Artikelschreiber wirft den Partei-, Wirtschasts- und Gewerkschaftsorganisationen vor, daß sie sich zu wenig um die Stachanow-Bewegung kümmern. In dem Leitartikel wird sodann eine ganze Reihe von Sabotage-Akten in einzelnen Betrieben Leningrads angeführt. Besonders wird darauf hingewiesen, daß in den Kommunalbetricken sich die Stachanow-Bewegung sehr langsam entwickelt. Wir haben an dieser Stelle wiederholt über die Stachanow-Bewegung in der SSSR geschrieben. Cs war vorauszusehen, daß sich gegen die Erhöhung der Arbeitsnormen sehr bald ein Widerstand der Arbeiter bemerkbar machen wird, zumal die Steigerung der Arbeitsleistung niemals eine entsprechende Lohnsteigerung mit sich brachte. Es ist wohl sicher, daß man mit den Saboteuren kurzen Prozeß machen wird und daß die einmal eingesetzt« Rationalisierung der Erzeugung mit allen Mitteln fortgesetzt und gefördert werden wird. „Der deutsche Friede." Die Pariser Presse lehnt, ohne Unterschied der Richtung, die deutsche Denkschrift vom 1. April in entschiedener Weise ab. Das große Boulevard-Blatt„Petit P a r i s i e n" schreibt: Der deutsche Plan stelle eine jede Phantasie übersteigende Mischung von Frechheit, Heuchelei und falscher politischer Romantik dar Nachdem Hitler in Zur Wiederkehr der Kosaken .(AP.) In diesen Tagen haben in Orenburg, in Asow und anderwärts große Zusammenkünfte der Don-, Kuban- und Terek-Kosaken stattgefunden. Die Feierlichkeiten trugen den Charakter einer Verbrüderung. Den Kosaken zu Ehren fand in Moskau die Uraufführung der Oper„Der stille Don" statt, die von Dscherschinski nach dem bekannten Roman von Scholochow komponiert worden ist. Durch alle diese Kundgebungen sollte demonstrativ die alte Vergangenheit, in der die Kosaken das zaristische Regime verkörperten, ausgelöscht werden. Um so stärker knüpfte man an entgegengesetzte Traditionen, wie die Bauernaufstände unter Führung von Kosaken kom Schlage Stenka RasinS und PugatschewS an. Im 16. Jahrhundert hatten die Kosaken sich gegen die Leibeigenschaft in heftigen Kämpfen zur Wehr gesetzt, doch gelang es den Zaren, ihre Füh» rex zu gewinnen und auf diese Weise die Kosaken Unter ihre Botmäßigkeit zü bringen. Dann begann jene Epoche, in der sie geradezu zum Symbol der Unterdrückung wurden. Man verwandte sie zur gewaltsamen Eroberung von Kolonien und zur Unterdrückung von Aufständen. Die Kosaken bildeten eigene Truppenteile, in denen jeder auf eigenem Pferde und mit. eigener Ausrüstung zu dseyen hatte, und erhielten gleichzeitig ziemlich große Landflächen, die ihnen ein bessere- Leben als dem Gros der Bauernschaft ermöglichten. So waren sie größten- Sechsstundentag in Japan Einer der größten japanischen Textilbetrieb«, die TextilgesellschastKanegafuchi, hat den Sechsstundentag in den Arbereibetrieben ihrer Fabrik in Kobe eingeführt und deshalb neue Arbeiter eingestellt. Die^Gesellschaft verteilte die Arbeit auf zwei'Schichten. Die erste Schicht arbeitet von 6—12 Uhr, die zweite von 11—17 Uhr. Die Löhne sind ungefähr um 25 v. H. höher als die üblichen Lohnsätze, da die neuen Arbeiter nicht in den Schlafsälen der Fabriknebengebäude untergebracht sind, sondern zu Hause wohnen. Diese ver- suchsweife Neuerung wird in Japan als ein Anzeichen für neue Bestrebungen zur Regelung der Arbeitszeit in der Textilindustrie angesehen. Besserung der Wirtschaftslage in Schweden Schweden hatte 1933 im Jahresdurchschnitt 164.773 Arbeitslose, die eine Arbeitslosenunterstützung beantragt hatten. 1934 waren es 114.802 und Ende Dezember 1935 57.965. ' Diese Besserung der Wirtschaftslage wird es ermöglichen, die kurzfristigen Anleihen restlos zu tilgen, die in. den Jahren 1933/34 zur Durchführung außerordentlicher öffentlicher Arbeiten ausgenommen wurden. Obgleich Industrie und Handel einen wirklichen Aufschwung genommen haben, ist die Arbeitslosigkeit noch größer als in der Zeit der wirtschaftlichen Blüte während des Jahrzehnts nach Kriegsende. Der Staat muß deshalb zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen. Der Haushalt für 1936 sieht größere Beträge für die Vermehrung der Betriebseinrichtungen der wirtschaftlichen Betriebe des Staates, für die Binnensiedlung, die Verbesserung des Wohnungswesens usw. vor, ferner auch für Notstandsarbeiten. In einer Rede des schwedischen Ministerpräsidenten führte dieser aus, daß es nach seiner Auffassung kein reiner Zufall sei, wenn Schweden die Krise unter besseren Bedingungen und leichter überwunden habe als andere Länder. Er glaube, daß di« Gesellschaft so organisiert werden kann, daß Krisen von diesem Ausmaße vermieden werden. Die Regierung hätte die Aufgabe, diese planmäßige Organisation in Angriff zu nehmen. Die Erzeugung könne nur durch starke staatliche Einflußnahme und Aufsicht beständig gestaltet werden. Dadurch solle keineswegs die Privatinitiative gelähmt Wellen; es wüvde sich nur darum handeln, Irrtümer zu vermeiden und der Industrie zu helfen, neue Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen. Eine amerikanische Stimme über die Handelspolitik der UdSSR. Die führende amerikanische Wirtschaftszestschrist„Journal of Com- merce" vom 14. März äußert sich in einem Leitteils die stärkste Stütze der Gegenrevolution. Nach deren Niederschlagung flüchtete ein Teil ins'Ausland. Ein Teil blieb im Lande und leistete der Kollektivierung heftigen Widerstand. Andere gingen fteilich schon früh zum neuen Regime über, und so gab es in der Reiterarmee des Generals Budjonny bereits zahlreiche Kosccken. Inzwischen hat sich ein Wandel vollzogen, ein Wandel bei den Kosaken und auch ein Wandel des Regimes gegenüber den nationalen Traditionen. Er trat neulich auch in einer Diskussion Wer Fragen des musikalischen Schaffens hervor. Eine Zeitlang hatten die Werke von Schostako- w i t s ch in der Stanislawski-Oper an erster Stelle gestanden, und man feierte seine Musik, die man als revolutionär bezeichnete. Dann trat ein Umschwung ein. Unter der Ueberschrist„Krach statt Musik" griff die„P r a w d a" ihn an, bezichtigte ihn linker Abweichungen und wandte sich gegen seine absichtlichen Dissonanzen, durch die der Hörer betäubt werde. Das Singen sei in Schreien verkehrt, und das Ganze stelle nur eine musikalische Variante zu gewissen Theaterexperimenten dar. Er solle sein« musikalische Inspiration im Volk suchen. Die Volksmusik ist jetzt wieder Trumpf, darunter auch die Don-Kosaken-Lieder, die man noch vor 10 ! Jahren als reaktionären Chauvinismus verwarf. Man hat die schwermütigen Bauerngesänge und wilden Reiterlieder wieder hervorgeholt. Man pftegi wieder die Vergangenheit und ihre Erbschaft. ! artikel über die Handelspolitik der Sowjetunion folgendermaßen:„Die Anstrengungen der Sowjetunion, ihren Außenhandel auf eine normale kcmmerzielle Grundlage zu stellen, gründen sich auf eine verbesserte Zahlungsbilanz und auf eine Besserung der innenwirtschaftlichen Verhältnisse. Im vergangenen Jahr überstieg die Ausfuhr den Import. Durch die wesentliche Steigerung der Goldgewinnung werden Reserven für den Fall einer ungünstigen Handelsbilanz in Zukunft geschaffen. Gleichzeitig ist die Auslandsverschuldung der Sowjetunion bedeutend zurückgegangen. Die gestiegene Produktion an Konsumware und an Produktionsmitteln hat zu einer Erhöhung des Lebenshaltungsniveaus gefiihrt und die Grundlagen für neue weitgesteckte Industrialisierungspläne gelegt. Die einheimische Produktion der Schwerindustrie ist derart gestiegen, daß sich dadurch der Charakter des Außenhandels verändert hat. Es ist weniger notwendig geworden, den Export zu forcieren, und der Sowjetunion ist schon nicht mehr daran gelegen, Auslandskredite um jeden Preis zwecks Bezahlung der im Ausland getätigten Einkäufe zu erhalten". Das Kartell für Aluminiumgeschirr, das im vorigen Jahre auseinandergefallen war, wird jetzt erneuert. Die zu diesem Zwecke geführten Verhandlungen stehen unmittelbar vor dem Abschluß. Tragödie zwischen Bahnschranken Prag. Vor dem Senat de- GR. P l o c e k fand gestern ein furchtbares Verkehrsunglück sein gerichtliches Nachspiel. Unweit der Haltestelle Jirny— Klanovice kreuzt die Straße die zweigleisige Koliner Bahnstrecke, die eine außerordentlich starke Frequenz aufweist. In der fünften Nachmittagsstunde des 20. Dezember v. I. hatte soeben der von Prag kommende Personenzug die Station passiert. Einige Minuten später sollte in der Gegenrichtung der Preßburger Schnellzug durchfahren^ und die Schranken bis dahin geschloffen bleiben. Der Bahnwächter WenzelBelza, der in der kritischen Zeit Dienst hatte, zog indessen in Betracht, daß dieser Schnellzug regelmäßig größere Verspätung zu haben pflegt und öffnete die Schranken, um ein vom Chauffeur Jarossav P o ch a gelenktes Lastauto der Firma Pucelik durchzulassen. Wie der Bahnwächter, bei der Verhandlung bewnte, hat das Streckenpersonal von oben her die Weisung, Automobilisten möglichst entgegenzukommen. Er zog also die Schranken aus und das Lastauw setzte sich langsam in Bewegung. Im gleichen Augenblick sah der Bahnwächter aber zu seinem Enffetzen den gerade an diesem Tag ausnahmsweise auf die Minute pünktlichen Schnellzug in der Ferne austauchen. Und während er dem Chauffeur zuwinkte und zurief, erblickte er au- der Gegenrichtung von Klanovice ein Personenauw. das sich in scharfer Fahrt den offenen Bahnschranken näherte. Bahnwächter Belza sah sich vor ein fürchterliches Dilemma gestellt. Das langsam fahrende Lastauto war nicht auszuhalten und von der anderen Seite raste«in besetzter Personenwagen dem sicheren Bewerben entgegen, wenn nicht sofort die Schranken herabgelassen wurden. Der Bahnwächter schloß die Schranken und der Personenwagen kam glücklich zum Stehen. Das unglückselige Lastauw aber wurde von dem mit 100 Stundenkilometern beranrasenden Schnellzug erfaßt und so zerfetzt, daß von dem schweren Wagen nichts übrig blieb, als einige verbogene Trümmer. Der Chauffeur Pocha wurde buchstäblich zermalmt. Bahnwächter Belza war angeklagt des Vergehens der fahrlässigen Tötung unter besonders gefährlichen Umständen nach§ 337 St.»G.. Die von SwatSanwalt Bennelik vertretene Anklage legte ihm insbesondere zur Last, er habe keinesfalls mit der Verspätung des Schnellzuges rechnen dürfen und auf alle Fälle sich zunächst beim Sta- twnsbeamten überzeugen müssen, ob der Zug wirklich verspätet sei.. Zur Last fiel ihm weiter, daß er das Signal zweifellos überhört hat. Auf der anderen Seite verwies der Angeklagte auf die bekannten Verkehrsschwierigkeiten bei derartigen Kreuzungen, auf die Weisung, den Automobilisten entgegenzukommen und schließlich darauf, daß er in der einmal entstandenen verzweifelten Situation noch ein weit größeres Unglück verhindert habe, in dem er vor dem Personenwagen rechtzeitig die Schranken BEI JEDEM SCHUHMAQlERMEISTEfc EBHÄUUCH» schloß. Das Urteil lautete auf vier Monate st r e n g e n Arrestes, aber bedingt auf drei Jahre. rb. Fabrikant und Steuerexekutor Prag. Der 78jährige Zuckerwarenfabrikant Cenek VorliLek aus Prag XII., scheint trotz seinem ehrwürdigen Alter ein recht streitbarer Herr zu sein-— wenigstens schildern ihn die zuständigen Steuerbehörden als solchen. Er hat offenbar, wie so viele seiner Standesgenoffen, eine tiefe Antipathie dagegen, seinen Steuerverpflichtungen nachzukommen und beantwortet jede Steuervorschreibung prompt mit umfangreichen Rekursen, Beschwerden und Eingaben aller Art. Der zuständige Steuerexekutor war denn auch keineswegs erbaut, als er am 30. Jänner den Auftrag erhielt, dem Herrn Fabrikanten einen Besuch abzustatten, um für einen Ast.euerrückstand von einer Bier- telmillion möglichst ausreichende Sicherstellung zu beschaffen. In Erwartung des„freundlichen" Empfanges nahm sich Steuerexekutor B. gleich einen Kollegen als Assistenz mit und beide begaben sich in die Büroräume der Fabrik. Als sie in der Kasse nur einige Hunderter vorfanden, erklärten sie dem Fabrikanten, daß fie nun in seiner Wohnung Nachschau hallen müßten." Das war nun freilich eine harte Nuß und es kostete langes Parlamentieren, elje Herr Vorlicek sich dazu verstand, die Exekutoren in seine Wohnung zu führen. Die Beamten hatten indessen strickten Auftrag, die Exekution durchzuführen und beharrten auf ihrer Amtspflicht. Als der Fabrikant seine Wohnungstür öffnete, und die Exekutoren eintteten wollten, erhieü einer von ihnen unversehens einen Fan st hieb in dieNase, daß ihm das Blut herausschoß. Gleich darauf wurde die Wohnungstür zugeschtagen und es dauerte eine lange Weile, ehe der herbeigeholte WachtnaM. den,..^rpflustig,en„.. Fabrikanten zum Öeffnen der Wohnung veranlaßte. Roch länger dauerte es, ehe das Nasenbluten des Exekutors gestillt war. Und als zuguterletzt die Pfändung doch vorgenommen werden konnte, fanden die Beamten nunmehr ein Sparkassabuch auf 40.000 XL vor, so daß der Verdacht bestand, daß der Fabrikant in der Zwischenzeit verschiedene taugliche Pfandobjekte, vor allem natürlich Bargeld und Wertpapiere hat verschwinden lassen. Fabrikant VorliLek war gestern vor dem Straf- senat Hruska der Gewalttätigkeit gegen eineAmtsperson und der Vereitelung einerAmtshandlung angeklagt. Er erklärte, er habe den Steuerxekutor nur .versehentlich" gettoffen und habe auch keinen Versuch gemacht, sich seiner Steuerpflicht zu entziehen. Ueberhaupt sei er ein loyaler Steuerzahler und habe fest dem Umsturz drei Millionen an Steuergeldern abgeführt(wobei der Herr Fabrikant freilich zugab, daß ihm weitere Millionen abgeschrieben wurden). Im übrigen sprach er die Hoffnung aus/ daß ihm von der gegenständlichen Steuerschull» von 250.000 UL mindestens 200.000 UL würden abgeschrieben werden. Der eingeklagte Tatbestand war Wer natürlich gegeben und dak Urteil lautete auf vier Monate schweren Kerker s, ver- schärst durch zwei Fasten— aber beding t.'Der Herr Fabrikant war seiner Aussage nach damals in besonders erregtet Verfassung, denn es schwebten Verhandlungen um das Schokoladenkartell. rb. / — Kaufen Sie einen^rima Lederkoffer! — Wozu brauch* ich einen Kaffer? — Damit Sie Ihre Kleider hereingeben! — Glauben Sie, ich werde Ihnen zuliebe nackt herumlaufen?.! eite 6 „Sozialdemokrat" Frefkag.ty.Aprrk 1936. Rr. 86 Bereits die letzten 2 Tage zum Ostereinkauf an Schuhen und Strümpfen. Besuchen Sie uns noch heule, solange wir noch volle Auswahl hnkpn DaS gelängte„i". Ein Philolog und Stilkünstler, dessen Virtuosität nicht immer einen reinen Genuß für den Leser, stets aber eine FMe von Anregungen bietet und dessen Verdienste ganz unbestritten sind, leistet fich, Wohl in besonders toller Laune, folgendes:. Der Namenszug ist daher, wie man einsehen wird,, tatsächlich kurios genug, wenn man an- denkt, welche Stücke der sich Fertigende auf sein Prärogativ des ersten Kavaliers seines Reiches,. ja Europas hielt. Ueber das gelängte„i" in dem apostolischen»Frautißek" zu lachen wäre heute töricht weil gar zu billig. Ob die Schreibung FrantiZek statt Frantisek so urkomisch ist, ob es heute töricht ist, darüber zu lachen oder nicht, das vermögen wir nicht zu beurteilen. Aber wenn einer schon mehr als eine halbe Zei- tüngsspalte über einen Schreibfehler drucken läßt, der unter Umständen auf eine mangelhafte Feder zurückzuführen sein.kann(i statt i I), so sollte er nicht.andenken", wo es nur zu bedenken gilt, und es beim langen i statt des gelängten bewenden lassen.. Besonders wenn der sich Fertigende einigen Grund hat, sein Prärogatw als erster Gram- maticus seines Reiches zu betonen! Durchs geschloffene Fenster geworfen. In der Nacht auf gestern ging der 28jährige Fleischergeselle Jakob Prystor aus Lieben mit seiner 23jährigen Geliebten Bozena Svanda durch die Primatorengasse nach Hause, wobei die beiden in kurzem in Streit gerieten, der in Tätlichkeiten■ ausartete. Schließlich ergriff Prystor die Svanda und warf sie gegen eine Häuserwand, so daß sie das geschlossene Kellerfenster mit dem Fuße durchstieß und durch die Glassplitter starke Schnittwunden davontrug. Außerdem erlitt sie eine Quetschung am Kopf. Prystor, der angeheitert war, wurde verhaftet. Möbelladung zertrümmert» Vorgestern abends^ warf an der Ecke Presl- und Fibichgasse in Smichoo der Chauffeur Josef Miller aus Prag XIII, dem im letzten Augenblick die Bremse versagte, das mn Möbeln beladene Lastauto P 4870 des 48jährigen Spediteurs Josef Pavelka aus Zijkov um. Pavelka erlitt eine Rißwunde am linken Vorderarm und wurde auf die Klinik Jirasek gebracht. Der Möbelwagen wurde beschädigt, das Möbel zum Teil auf die Straße geworfen und zertrümmert. Ter Schaden steht noch nicht fest. Bom Zug geköpft. Gestern sprang um 7 Uhr morgens der 29jährige Zugsführer Jan Unger, derzeit in der Kaserne am Hradschin wohnhaft, in Dej- witz beim Bahnübergang der früheren Buschtehrader Bahn vor einen fahrenden Zug, der ihm den Kopf vom Rumpfe trennte. Die Leiche wurde vom Polizeiarzt untersucht. Tas Motiv der Tat ist unbekannt. Beramon und Lysol. Die 18jährige Georgine Henhs aus Prag-Weinberge wurde gestern mit einer Lysolvergiftung auf die Klinik Pelnar gebracht. Sie gab an, das Lysol nicht in selbstmörderischer Absicht, sondern irrtümlich getrunken zu haben.—• Die 83jährige Beamtin Marie Balek aus Lieben wurde gestern von der Rettungsgesellschaft auf die Klinik Nonneubruch gebracht. Sie hatte in selbstmörderischer Absicht 30 Tabletten Veramon genommen. DaS Motiv ihrer Tat weigerte sie sich anzugeben. Auto überfährt Gemüsestand. Der 33jährige Kaufmann Wenzel Trojanek aus Prag-Weinberge fuhr gestern um 7 Uhr früh durch die Husgaffe in Wrschowitz zum Gemüsemarkt, wo er, als er zwischen Neues Leben im Prager Zoo Frühlingsglanz funkelt über Troja. In den Gärten am Hang leuchten die Goldtrauben der Forsythien und schon blühen die Aprikosen. Schwellende Knospen verheißen das weiße Fest der Kirschenblüte; nicht lange mehr und der Prager Zoo wird eingehüllt sein in die weißen Schleier blühender Kirschbäume. Nicht jeder zoologische Garten hat eine so glückliche Lage zwischen Strom und Berghang, die feuchten Wiesengrund, steile Kletterfelsen, schattige Wäldchen und trockene sonnige Bergflächen Als LebenSraum für die Bedürfniffe der verschiedensten Tierarten in sich vereinigt. Das schon ist ein seltener Glücksfall. Aber daß zugleich der Zoo zur Zeit der Obstblüte ein einziger weitzschäumender Blütengarten ist— diese Gunst ist wohl nur dem Prager Zoo zuteil geworden. Doch nicht nur der Blütenfrühling schenkt dem Zoo erneute Reize. Neues Leben hat auch den Tierbe st and gesegnet. Ueberall gibt es»K i n- d e r st u b e n". Ein junges Zebu liegt friedlich, reizend in seiner Tierkindlichkeit in der Frühlingssonne. Junge Biber trippeln hinter ihren Eltern drein. Würdevoll, mit prüfendem Blick unter gesenkten Lidern hervor duldet es die zottige Kamel- Mutter, daß die entzückten Menschenkinder ihren Sprössling, den schneeweiß-wolligen' Kamel-Jüngling streicheln. Eine Leopardenmutter bewacht in ruhelosem Schritt hin und her ihre drei erst einige Tage alten Leopardenkätzchen. Drei junge Tigerkätzchen säugt die schön gezeichnete Tigermutter Und in einigen Tagen, vielleicht schon bis Ostern, wird auch' die Löwin» ihre Kinderstube bevölkert haben. Es ist ein reicher Segen, der. den Besucher einem stehenden Gefährt und dem Gemüsestand des öSjährigen Gemüsehändlers Franz Bradaö durchfahren wollte, deffen Zelt umriß und Bradak selbst zu Boden warf. Bradac, der über Kopfschmerzen klagte, wurde von der Rettungsgesellschaft auf die Klinik Schlosser gebracht, wo festgestellt wurde, daß die Verletzung leicht ist.. Das Gemüse wurde zum Teil zerquetscht und verunreinigt. Der Schaden steht noch nicht fest. Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Sitzung der Exekutive Am Dienstag, den 14. April, um 1 Uhr abends im„Sozialdemokrat". Bezirksvertretung am Freitag, den 17. April, 8 Uhr abends, im Parteiheim wichtige Sitzung Erscheinen aller Mitglieder notwendig. Sonderpvststempel zu den Osterfriertagm. Das Rote Kreuz veranstaltet zu den Osterfeiertagen. auf. dem alten Ausstellungsgelände■ in Prag VII Las Volksfest.Fröhliche Ostern des Roten Kreuzes". Das reichhaltige Programm des Festes wird um eine Besonderheit— das Abstempeln von Briefen und; Karten durch einen Gelegenheits- und' örtlichen Tagesstempel— vermehrt. Das Postamt auf dem alten Ausstellungsplatz, das vorübergehend vom 11. erwartet. Auch Neuerwerbungen sind- eingetroffen, ein Puma, der.Silberlöwe" Südamerikas, eine Elchkuh und ein Paar dickköpfige Schneeeulen, die wie sonderbare Göttinnen des Schlafes auf ihren Stangen hocken. Aber das ist noch nicht alles. Die Leitung des Zoos ist trotz der Krise, trotz mancher Sorge eifrig auf die Erweiterung und Verschönerung des Zoos bedacht gewesen. Soldaten haben Felsen gesprengt und zugänglich gemacht, 250 Notstandsarbeiter haben monatelang gearbeitet und neue Wege gebaut, die das. obere Terrain auf der Berghöhe zugänglich machen. Da oben, im. Schatten des Kiefern- und Akazienwäldchens sind neue 'Gehege für Aaks, Wisente, Bisons, Hirsch«, Rehe und Renntiere entstanden, die schon bevölkert sind. Auch die Wildpferde und die Zebra werden noch dort hinaus übersiedeln. Jetzt erst, von dieser Höhe aus mit dem Blick auf Podbaba hinunter ermißt man die weitläufige Ausdehnung des Geländes, das dem Zoo für die Zukunft zur Verfügung steht und ihn zu einem der schönsten Zoos Europas machen wird, wenn nur erst einmal die Zeiten besser werden und alle Pläne verwirklicht werden können. Der Stelzvogelteich wird schon in nächster Zeit um das Doppelte seines jetzigen Ilmfanges erweitert werden; die Arbeiten sind bereits im Gange. Unter der Felswand ist in geschickter Verbindung mit dem Felsen ein Freilandb affin f.ür Seelöwen angelegt worden, das auch schon im Laufe"dieses Sommers besiedelt werden wird. Die größte Leistung aber ist das neue große Raubtierbaus, däS 20 nach neuen Erfahrungen gebaute Käfige für Löwen, Tiger und andere Raubkätzen umfaßt und bis 14. April offen sein wird, verwendet einen grünen Stempel mit der Legende„Praha 83— Belikonoce csl. cerveneho kitze". GeschäftSruhe in den Sparkaffen Graß-PragS zu Ostern. Die Böhmische Sparkaffe, die Prager städtische Sparkasse und die Weinberger städtische Sparkasse halten mn Karsamstag, den 11. April 1936, und Ostermontag, den 13. April 1936, ihre Kassenschalter sowohl in der Hauptanftalt als auch in allen Exposituren ganztägig geschloffen. MWM der Arbeiterstrsorge finden jeden Samstag von 5—7 Uhr im Verein deutscher Arbeiter, Smeckagaffe Nr. 27, statt. Kunst und Mssen Der internationale Kongreß für Musikerziehung, beschloß auf Antrag der amerikanischen und englischen Regierungsdelegationen, die Gesellschaft für Musikerziehung in Prag zu einer internationalen Institution zu erheben. Dieser Antrag wurde mit großer Stimmenmehrheit angenommen. Gleichzeitig wurde beschlossen, den nächstenKongreß wiederum in Prag äbzuhalten. Spielplan des Reuen Deutschen Theaters. Heute, Freitag: geschloffen.— Samstag 8 Uhr: ;,U'it e ntsch u l d i g l e Stund e". A 2.— Sonntag' halb 3 Uhr: ,L i e b e i st,'n i ch t s o eins a ch"; 7^4:„B o e c a c e i o", B 1. ■ Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag: ge- fchlpssen.— Samstag 3:„Dr. med. Hiob P r ä t o r i u s"; 7J4;„JK o r d p r o z e ß sFoltner"^. an deffen Seiten geräumige Ausläufe gebaut werden, in denen man dann die Tiere'in freier Bewegung wird betrachten können. Im Obergeschoß des Raubtierhauses, dessen Baukosten auf 800.000 XL veranschlagt sind, wird unter hellem Oberlicht ein Agüarium und Vivarium eingebaut. Das alles wird Ostern schon soweit fertig sein, daß es besichtigt werden kann. Die Tiere freilich können erst einige Wochen später in der neuen Behausung untergebracht werden. Alle diese Neuerungen wurden am Donnerstag den Vertretern der Presse gezeigt.. Der Direktor des Zoologischen Gartens Professor I a n d a verwies mit Recht darauf, dyß der Prager Zoologische Garten, der in das fünfte Jähr seines Bestandes eintritt, sich mit ähnlichen Unternehmungen im Ausland« messen könne. ’Sxz Vorsitzende der Genossenschaft des. Zoologischen Gartens,. Dr. M i k y s a, Rat des Obersten Ber- waltungsgerichtshofes, dankte den Journalisten für ihren Besuch, und die Aufmerksamkeit, die sie dem Prager Zoo widmen. Der Vorsitzende des Verwal» tungsraies, Landesausschußbeisitzer K s a n d r, brachte einige interessante Dqten über den Bau des Zoologischen Gartens vor, mit dem im Jahre 1981 begonnen wurde und der bisher Investitionen in der Höhe von fünf Millionen Kä erforderte. Im Vorjahre wurden an Eintrittsgeldern 830.000 KC eingenommen, welcher Betrag zur Deckung der Regie des Zoos ausreicht. Auf einem sich anschließenden Rundgange konnten sich dann die Vertreter der Prager Blätter davon überzeugen, daß die Leitung der Genossenschaft und die Direktion des Zoologffchen Gartens der Entwicklung des Unternehmens: alle Sorgfalt' widmen, die ihre Belohnung durch' einen zahlreichen Besuch des Zoos'verdient.: E. H. I Luise Ullrich, als„Viktoria" Der Schwimmländerkampf Oesterreich gegen Polen, welcher in Wien zum AuStrag kam, wurde von den Oesterreichern mit 60:43 Punkten gewonnen. Neuer Hochsprnng-Weltrekord. Der Amerikaner Osborne stellte im Hochsprung ohne Anlauf mit 1.67,8 Meter einen neuen Weltrekord auf. Du alte Rekord mit 1.67 Meter wurde vor 23 Jahren in New Uork aufgestellt. Ei« bürgerlicher Fußball-Star— sieben Monate Gefängnis! Der früher beim DSV Saaz und derzeit beim Teplitzer FK tätige Fußballspieler Paragi wurde dieser Tage vom Kreisguichte in Brüx zu sieben Monaten Gefängnis.unbedingt verurteilt, und zwar deshalb, weil er in Saaz einen Kaufmann I. so verdroschen hatte, daß dieser schwere Verletzungen davontrug.— Ein„netter" und teurer Hereinfall des TFK! Neuer Frauen- Weltrekord im Schwimmen. Bei einem Meeting in Amsterdam schwamm die Holländerin Tini Wagner über 500 Aards Freistil in 6:09.8 Min. und unterbot damit den Weltrekord der Dänin Hveger(6:14.2). Den Falsche«— erwischt? Die Ligastrafkommission distanzierte u. a. den Spieler S m o l k a von Zidenice mit einem Jahr Sperre. Smolka soll in Kladno«inen Linienrichter geschlagen haben. Es heißt jedoch, daß nicht dieser, sondern der Mittelläufer Posp ich al vom gleichen Klub dieses Delikt begangen haben soll und Smolka nur das ganze auf sich genommen Hoche, da P. für de« Klub^wertvoller" sei.,. Russischer Rekord im Eisschnellaufe« für Frauen. In Gorki stellte die sowjetrussische Eisschnelläuferin Serafima Paromowa über 5000 Meter in 9:53 Min. einen neuen SSSR-Rekord auf. Die alte Leistung hielt Issakowa^Kirowsk) mit 10:01.4 Min. ParomowaS Rekord ist um vieles besser, als der bürgerliche- Weltrekord. Belgien gegen Holland. Die Arbeiterfußballer beider Landesverbände tragen am 3. Mai in Brüssel ein Länderspiel aus. Mitteilungen aus dem Publikum. Tie Bäume knospen, der Schnupfe« blüht! DaS ist der HrWing! Dre UebergangSzeit mit ihren stets wechselnden Temperatmen hat die meisten Verkühlungen auf dem Gewissen. Da heißes fich besonders vorsehen: immer sollten Sie mne Flasche Alpa-Franzbranntwein im Haus haben, denn regelmäßige Alpa-Einreibungen machen den Körper widerstandsfähig und gefeit gegen Verkühlungen! Alpa. wird aus feigstem Weingeist erzeugt! 2 Verlange» Sie von Ihrem Schuhmachermeister die fachgemäße Anbringung von Berson-Okma- Gummileder-Sohlen und-Absätzen. Sie' werden Strapazschohe.nur mehr mit dieser Besohlung tragen, denn sie ist dauerhaft, leicht, federnd, wasserundurchlässig. 86 Der Osterhase gewinnt seine Wette mit dem hl. Peter, daß er Jbnen die größte Freude mit eleganten.'Schuhen und feinen Strümpfen von Daka bereitet, die bei ihrer guten Qualität doch so billig.sind. 2 Urania-Kino, Klfmentskä 4. .. Fernsprecher 61623. *‘**”“** Ole Sextanerin auks»N«KIiche Premier« der deutschen Version. Mttwtrlende: Wenk«, Schwanneke, Ltedl. Belkuer, Gittz. Meller. Badlesak u. a. Der„befestigte“ Steuerschalter Zum Schutz gegen Ueberfälle find die Steuereinnehmer in. der nordamerikanischen Stadt Jrvington mit Schnellfeuergewehren aüsgestattet. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Poft monatlich Kö 16.—. vierteljährig KC 48.—, halbjährig Kö 96.—, ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet.' Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken,— Die Zeitmigsfrankatur wurde vcn der Poft- und Telegraphendirektton mit Erlaß Rr. 13.800/VII/1930 bewilligt.•— Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags» und ZeitungH-A.-G. Prar