Nr. 87 Hamstag, 11. April 1936 16. Jahrgang Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Meller Forto) IE NTRALORGAN DER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion und Verwaltung mag xii.,fochova a. teiefon sm. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICH» REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Botschafter Hoesch gestorben Das HavaS-Bür» meldet in einer Sonderrundfunkrelation aus London, daß der dortige deutsche Botschafter von Hoesch Freitag um 10 Uhr vormittags plötzlich gestorben ist. Er starb in seinem Zimmer, als er im Begriffe«ar, sich anzukleiden. Den Abend vorher schien er noch vollkommen gesund z« fei«. Leopold von Hoesch stammte, tvie viele seiner diplomatischen Kollegen auS dem Industrie-Adel. Der Mann mit dem klugen Kops hatte eg nicht schwer, vorwärtszukommen. 1907 begann er seine Laufbahn als Attachs in Peking. Daun ging es in rascher Folge nach Paris, Madrid und 1912 erstmalig nach London. Im Jahre 1915 erregten seine Berichte aus Sofia eine, wenn auch nicht stets für ihn bekömmliche Aufmerksamkeit. Er prophezeite den drohenden Zusammenbruch Bulgariens bereits anno 1916. Man schickte den Propheten nicht in di« Wüste, aber man rief ihn zurück nach der Wilhelm- stratze. 1918 aber ging er berestS als Legationsrat nach Christiana. Ein kurzes Gastspiel in Madrid bereitete den Uebergang nach Paris vor, wo er 1928 als Botschaftsrat während des Ruhreinmarsches als Vertreter des abberufenen Botschafters in schwieriger Situation selbständig zu amtieren hatte. Seine Verdienste in dieser Zeit sollen unbestritten bleiben, sie brachten ihn nach Beendigung des Ruhrkampfes die Ernennung zum Bot sch after. . In Paris wußte sich Leopold von Hoesch bald den Namen eines nicht nur geschickten, sondern auch kenntnisreichen, Kunst und Literatur zugetanen Mannes zu erwerben. Der elegante Junggeselle— der Klatsch wußte nichts von galanten Abenteuern, ober viel von repräsentativer Kleiderfülle und „Gesellschaftlichkeit" zu berichten, war im Grunde ein ArbcstStier. Dabei. keines, dem man nach des Tageslast die vergangenen Stunden in der Unwirtlichkeit eines nervösen Temperaments abzukosten gezwungen war. Also im Rahmen seine- Milieus kein schlechter Mann, den man im Herbst 1932 als Nachfolger des damaligen Papenministers von Neurath nach London sandte. Freilich ein verkappter„Linker", wie mancher ihm bekannte Journalist vermeinte, der Plaudereien für Verbindlichkeiten nehmen mochte. Ein Weltmann mit jener Beamtenpsychologie, die„dem Staate" an sich zu dienen vermeint oder vorgibt, selbst dann, wenn der Staat nicht nur die Regierung, sondern auch die Berfaffung und die Farbe seiner Entschlüsse ändert. So ist Hoesch auch unter Hitler geblieben. Er, der einst bei seinem Pariser Abschiedsbesuch Herriot die Goethe- Medaille überreicht hatte, durfte nun Reden und Politik des„Führers" als die letzte Weisheit vertreten. Schließlich gab man ihm noch den Weinreisenden, Herrn von Ribbentrop, eher zum Vormund als zum Mitarbeüer. Herr von Ribbentrop hat seinen letzten Aufenthalt in London merkwürdig lange ausgedehnt; diesen merkwürdig langen Aufenthalt des Herrn von Ribbentrop hat Herr von Hoesch merkwürdig kurz überlebt. Zuviel Aufregung, zu schwere Gorgen oder zu schweres Esten? Mangel an Charakter schützt die Begabung nicht. Gleichschaltung ist kein Schutz vor. dem Tode, sondern nur vor dem Nachruhm., Kurze Osterpause in Genf Diese Lösung der zwei Hauptfragen der Tagesordnung des Dreizrhnerausschustes wird als Kompromiß zwischen der französischen und der englischen These angesehen. Die Engländer erblicken darin dir Möglichkeit des« n v e r- züglichenEinschreitcns des S a n k- tionenausschusses» falls dies notwendig sein sollte. Außerdem gelang es den Engländern, die für die Friedensverhandlungen gesetzt« Frist auf eine Woche abzukürzen. Di« französische Delegation wiederum erblickt in dieser Lösung die volle Wahrung der Rechte Italiens und beurteilt die Möglichkeit einer endgültigen Vereinbarung zwischen Italien und Abeffinien ziemlich optimistisch. Zeeland und Ban Zuylen. Die Sitzung dauerte bis halb 8 Uhr abends und sollte nach einer zweistündigen Pause erneut am Sitz der französischen Delegation wieder ausgenommen werden. Die Vertreter Frankreichs, Italiens, Englands und Belgiens traten um 23 Uhr 30 Minuten zusammen, um folgendes Kommunique auszugeben: Die Bertreter Belgiens» Frankreichs, Englands und Italiens haben die in den Absätzen 3, 4, 5, 6 und 7 des Paragraphen 22 des deutschen Memorandums vom 21. März 1936 enthaltenen Absichten zur Kenntnis genommen es handelt sich hier um das Versprechen der dentschen Regierung, den Stand der Garnisonen im Rhrinlandgrbiet nicht z«erhöhen), des weiteren nahmen sie Rotiz davon, daß die deutsche Regierung k e i n e n Beitrag zur Erleichterung der Verhandlungen über neue Verträge geleistet hat, halten es für erforderlich, daß keine Gelegenheit zur Ueber- brückung der Gegensätze verabsäumt wird, und sprechen den Wunsch aus, daß einige Punkte sowohl im deutschen wie im französischen Memorandum aufgeklärt werden. Der Vertreter- Englands wird deshalb mit der deutschen Regierung hauptsächlich darüber- Die juristischen Sachverständigen haben ferner festgestellt, daß der Dreizehnerausschuß als Organ des Völkerbundes für die Behandlung der Beschwerden über dir Anwendung von Giftgasen durch die Italiener, bzw. über die Grausamkeiten der Abrffinirr z« st ä n d i g ist. Die Sachverständigen bereiten für den Ausschuß eine ganze Reihe von Dokumenten, insbesondere von Zeugenaussagen von Funktionären des Internationalen Roten Kreuzes vor. Auf Grund dieser Dokumente wird der DreizehnerauSschuß eine besondere Untersuchung veranstalten und die entsprechenden Maßnahmen gegen diese Art der Kriegführung treffen. Französische Anleihe In Holland? Amsterdam. Nach einem halbamtlichen Bericht wird über eine französische Anleihe in Holland verhandelt. Es handelt sich um eine Summe von einer Milliarde Franks. Dr. Mannheimer von der Amsterdamer Firma Mendelssohn weilt «hea in Paris. Spanische Präsidentenwahl am 10. Mal Madrid. Die Wahlen der Delegierten, die gemeinsam mit den Abgeordneten den neuen Präsidenten der spanischen Republik wählen werden, finden Sonntag, den 26. April, die engeren Wahlen am 3. Mar statt: Die Präsidentenwahl wird am 10. Mai vorgenommen werden. Dritter Fememörder verhaftet Wien. Wie aus Marburg gemeldet wird, ist dort der 22jährige Grazer Wilhelm W ö t s ch» als er bei Refchnik die Grenze zu Fuß überschritt, auf jugoslawischem Gebiete verhaftet worden. Er steht ebenso wie die beiden früher verhafteten Oesterreicher im Verdacht, an dem Fememord in Feldbach, wo der Monteur Hofer ermordet wurde, beteiligt gewesen zu sein. Im Verlaufe der Aufklärung der beiden Fememorde wurden in der Steiermark bisher ungefähr hundert Personen verhaftet. Es handelt sich durchwegs um Mitglieder der illegalen SS. und Kraftfahrstaffel. Außerdem wurden auch etwa 20 Kraftwagen beschlagnahmt. sehr chungen resultierende Anregung» sekretär des Bölkerbundes Avenol Regierung zu verhandeln, wurde gegenwärtige Tagung nicht unterbrechen, sonder« nur die Sitzung auf nächsten Donner s t a g vertagen. Unterdessen wird Madariaga am Dienstag bei den direkten abessinisch-italienischen Beratungen zugegen sein, zu denen Abessinien den Pariser Gesandten Wolde Mariam und Italien einen Sonder- delegiertn entsenden wird. Im Dreizehnerausschuß wird-betont, daß der Achtzehnerau-schuß f ü r Sanktionen einberufen werden soll, um die Anwendung eventueller weiterer Sank- tion en gegen Italien in Beratung zu ziehen, wann immer es dessen Vorsitzender Basconcelo für zweckmäig und geboten erachten sollte. Rückfrage in Berlin wegen der Nichtangriffspakte Der Dreizehnerausschuß des Bötterbundrates führte Freitag eine stundenlange, abessinisch-italienischen Konflikt ab. Die ans privaten Brspre- daß der Ausschutzvorfitzende Madariaga und der General- n a ch Rom fahren sollten, um mit der italienische« zum Schluß ab gelehnt. Der Ausschuß wird die Inzwischen direkte Friedensfühler Sonst droht Verschärfung der Sanktionen Genf, lebhafte Debatte über den Genf. Freitag nachmittags traten die Lo- IRichtangriffspakte bedeuten und wie carno-Mächte zu der in der Vorwoche anberaum-! man diese Pakte in die Organisationder kollek- ten Besprechung zusammen. Anwesend waren• tiven Sicherheit und in die im Bölkerbundpakt für England Eden, für Frankreich F l a n-- nethaltene« Verträge einfügen kann, d i n und P a u l- B o n t i« r, für Italien Der Bertreter Frankreichs machte Vorbehalte « l° r s. und R°tc» und für Belgien Ban[ betreffend die materiellen A e n d e- r u n g e n, die in der gegenwärtigen Situation in der Rheinlandzone während der Zeit der Ber- handlungen entstehen könnten. In diesem Falle würden die Bertreter der Signatarstaaten unverzüglich zu Beratungen zusammentreten. Die Signatarstaate« haben weiter zur Kenntnis genommen, daß die B e r a t u n g e n der General stabe am 15. April beginnen werden. Weiter wurde beschlossen, den französischen Plan dem Völkerbund zur eingehenden Durchberatung zu unterbreiten. Die deutsche Regierung wird aufgefordert werde«, Einzelheiten betreffend einiger Punkte ihres Memorandums mitzuteilrn. In jedem Falle werden die im Polens Unke marschiert —na. Warschau. Als vor einigen Tagen acht Todesopfer blutiger Streik-Unruhen in Krakau von Zehntausenden zu Grabe geleitet wurden und die Freien Gewerkschaften an diesem Tage aus eigener Kraft die Aufrechterhaltung der Ordnung in der aufgewühlten alten polnischen Königsstadt durchführten, da standen die Betriebe auch in den anderen Industriezentren des Landes für einige Stunden stift. Ein klerikales Rechtsblatt schrieb unter dem Eindruck dieser schweigenden Demonstration:„Wer da glaubte, daß der Sozialismus in Polen tot sei und daß die regierungstreuen Gewerkschaften die Führung der Arbefterschast in die Hände bekommen hätten, der muß jetzt einsehen, daß er sich geirrt hat. Die Sozialistische Partei hat offenbar nicht weniger, sondern mehr Anhänger als vor der Gründung jener Organisationen» die sich spalten sollten." Man darf Worte der Anerkennung aus dem Munde von Gegnern niemals überschätzen. Die Träger der klaffenbewußten Arbeiterbewegung in Polen kennen die Mängel und Schwächen ihrer Organisationen selbst recht gut. Diese stehen in Westgalizien, wo die Erziehung der allen ösrer- ; reichischen Sozialdemokratie nachwirkt, am besten da. In Warschau und anderen nordpolnischen Großstädten lassen sie noch viel zu wünschen übrig. Doch die Ereigniffe der letzten Wochen haben den . Sozialisten in ganz Polen neuesSelbstbe- - wußtsein gegeben. Bis weit in die Reihen des Bürgertums - hinein fand die Haltung der klaffenbewußten Ar- , beiterschaft in den Wirtschaftskämpfen großer Jn- - dustriezweige Verständnis und Billigung. Im , Lodzer Textil-Revier konnten die Gewerkschaften i ihr« Forderungen angesichts dieser Stimmung nach kurzem Streik voll durchsetzen. An den Krakauer blutigen Zusammenstößen wagte niemand den Sozialisten die Schuld zu geben. Selbst ein Teil der Regierungspresse zeigte vielmehr deutliche Unzufriedenheit mit der Haltung der Behörden, die es nicht durch bösen Willen, aber durch ungeschickte Behandlung eines an sich nicht allzu schwierigen Lohnkonflikts zum Blutvergießen kommen ließen. Und nicht nur gegenüber dem Regierungslager hat die sozialistische Bewegung durch diese und einige ähnliche Vorgänge an stimmungsmäßigem Einfluß gewonnen. Vor allem zeigte die Haltung weiter Bevölkerungskreise auch, daß die soziale Not die oppositionelle Stimmung nicht nach rechts ausschlagen läßt, sondern die Reihen der Linken auffüllt. Die Hoffnungen der polnischen Rechtsradikalen, durch antisemitische und regierungsgegnerische Agitation die Wasser der allgemeinen Un- zuftiedenheit auf ihre eigenen Mühlen zu lenken, haben sich nicht erfüllt. Von den drei großen poli- tischen Gruppierungen Polens, der nationalistischen Rechten, dem militaristischen Regierungs- , lager und der demokratischen Linken macht das linke Lager gegenwärtig zweifellos die größten ' Fortschritte. Die polnischen Sozialisten haben seit Jahresfrist wieder Anhänger aus den Reihen der illegalen kommunistischen Bewegung zurückgewonnen, die hier zu völliger Unfruchtbarkeit ver- , dämmt ist, weil sie sich noch nicht zur grundsätz- ; lichen Anerkennung der staatlichen Unabhängigkeit ’ Polens durchgerungen hat. Die Gründung scheinrevolutionärer Splittergewerkschaften, das Schwanken zwischen wüsten Angriffen auf die sozialistische Bewegung und Einheitsfront-Vorschlägen auch an bäuerlich-bürgerliche Gruppen hat die Kommunisten in Polen den Rest ihres Ansehens gekostet. Aber die sozialistische Bewegung hat Zuzug nicht nur von links, sondern auch von rechts aus den Kreisen früherer Pilsudfli-Anhän- ger. Insbesondere aus der Jugend des Regierungslagers haben sich hoffnungsvolle Gruppen neuerdings der Sozialistischen Partei zugewandt. Noch Wichtiger ist im Agrarland Polen die Haltung der B au e r n s ch a f t. Ihre einzige große Partei, die sogenannte Bäuerliche Vollspartei, war in den letzten Jahren von allen Seiten her umworben worden. Die Regierung versuchte es mit wirtschaftspolitischen Versprechungen, die Rechte mft der in Polen, dem judenreichsten Lande Europas, besonders bequemen antisemitischen Parole. Aber die bäuerlichen Maffen, die in Osteuropa auf kleinen und kleinsten Besitzungen ^überwiegend ein durchaus proletarisches Dasein Skgnatarmächte der Loearnoverträge in Genf Mai znsammentreten. 4r. Bor der Sitzung hatte Minister Flandi« dem britischen Außenminister Eden rin n««e8 Memorandum überreicht, in welchem in 13 Punkten der Standpunkt der französischen Regierung z« dem deutschen Friedensplan dargelegt wird. Minister Flandin betont« neuerlich, daß die deutschen Ariedensvorschläge als negative Autor» Kuquini rnrgir»»na»nruurr.wort auf die Anregungen der Unterzeichner des verbandeln, was nach dem deutschen Antrag die I Locarnoabkomm«ns angesehen werden müssen. ■Seift 2 Samstag, II. April 1936 N-. 8? führen, sind diesen Lockungen nicht gefolgt. Die Bauernpartei hat sich zwar für die Förderung der jüdischen Auswanderung durch die Regierung ausgesprochen, aber die. eigentlich antisemitischen Losungen abgelehnt und die wirtschaftlichen Ber« sprechungen der Pilsudski-Partei mit begründeten Zweifeln ausgenommen. Ihr Parteitag erklärte sich nicht nur für taktisches Zusammengehen mit der Arbeiterschaft, sondern auch für die'Soziasi- sierung der industriellen Großbetriebe, verstärkte damit also eindeutig die Front der sozialistischen Politik. Es wäre verfrüht» aus all diesen Erscheinungen auf eine baldige Eroberung der Macht durch die verbündeten Arbeiter und Bauern zu schließen. Noch verfügen di« Erben des Marschalls Pilsudski über die wichtigsten Positionen im Staat: Armee, Polizei, Verwaltung. Aber der Versuch des jetzigen Kabinetts Koscialkotvski, die Grundlage des Regimes durch Gewinnung eines festen Anhangs im Volke zu verbreitern, muß be reits als gescheitert gelten. Bon den wirtschaftspolitischen Versuchen dieses Kabinetts ist der industrielle Preisabbau auf halbem Wege stecken geblieben» die Bemühungen um erweiterten Spielraum für die bürgerlichen Pribatunternehmungen rasch wieder in neue Ausdehnung des.Staatskapitalismus umgeschlagen» der Ausgleich des öffentlichen Haushalts nach anfänglichem Gelingen durch weitere Rüstungsfordernngen der Armee neuerdings gefährdet. So bleibt als Hoffnung der Regierungspolitik jetzt die Aussicht auf eine größere Au sl an d s a nl ei h e7 wie sie"zur Zeit nur Frankreich gewähren könnte. Voraussetzung dafür ist aber sicherlich der Verzicht auf die Fortsetzung des außenpolitischen Flirts zwischen Warschau und Berlin. Die Herrschaft der Erben Pilsudskis geht also aus wirtschaftlichen wie aus außenpolitischen- Gründen in diesem Jahr einer schweren Krise entgegen. Umso wichtiger ist es, daß die polnische Linke für ,diese Zeit der Entscheidungen gerüstet ist..~• tersuchung, die sich in unserem Lande nur langsam Bahn bricht, während andere Länder längst schon die große Bedeutung dieser sozialhygienischen Maßnahme erkannt und eS begriffen haben, daß die rechtzestige Krankheitsdiagnose die beste Gewähr für eine erfolgreiche Heilfürsorge ist. Das Gesundheitsministerium Das Gesundheitsministerium hat, da es vor so bedeutsame Probleme gestellt ist, bereits Hand ans Werk gelegt.. Aber darob hat es in keinem Augenblick die unmittelbaren und" brennendsten DageSaufgaben übersehen, die auf da- Amt ununterbrochen einstürmen. Er hat bereits einen Teil D« Aufgaben, die kn dem seinerzeit Im Gesund- heitsausschuß vörgetragenen Expose enthalten sind, der Verwirklichung zugeführt. Die Mas«- ryk-Schuk« fü r Ge-su n dheits- und sozial^Fü rsor-g«,-deren Schicksal damals noch nicht entschieden war, wurde bereits verwirklicht. Auch mit der Schulung, der staatlichen Aerzte, welcher in 86 Gebietskursen nahezu 2000 Aerzte unterzogen wurden, wurde schon begönnen. Die im ministeriellen Programm nur als Hoffnung signalisierte 'Hilfsaktion für'Kind er von Arbeit sl o s e n ist bereits im Völlen Gange und gerade in diesem Augenblick befinden sich die ersten 4500 gesundheitlich gefährdeten Kinder bereits unterwegs im Anmarsch auf die für ste bereitgestellten Kinderheime. Die Beratungen über ,die' Ausgestaltung der sozialen Statistik sistd im Gange. Die Schaffung der ärztlichen Gewerbeinspektion bildet den Gegenstand ministerieller Beratungen. Zusammenarbeit aller am gemeinsamen Werk Das Gesundheitsministerium kann aber all diese Arbeit nur dann ans Ziel bringen, wenn es mit der Unterstützung und der Mitarbeit der ganzen Bevölkerung rechnen kann. Augenblicklich konzentrieren sich unsere ganzen Sorgen auf die Sicherheit unserer Republik und ihrer demokratischen Einrichtungen und wir alle stellen uns in den Dienst dieser Aufgabe. Nach ihrer Erfüllung kommt aber unsere Zeit, in der der Kampf um die Volksgesundheit auf der ganzen Linie entbrennen wird. Die Schuldenrrgelung der Gemeinden and Bezirke. Wie der„Deutsche Nachrichten-Dienst" erfährt, hat das Finanzministerium dem Hilfsfonds bei den Landesgeldinstituten die erste Rate der für die Schuldenregelung der Gemeinden und Bezirke bestimmten Mittel überwiesen. Die Gemeinden und Bezirke Böhmens werden in den nächsten Wochen mit der Verfassung der Gesuche um die Schuldenregelung beschäftigt sein. Die Gemeindenneuerlich darauf auf-: merksam: gemacht' ffri Voraussetzung! der Schuldenregelung, daß nicht einmal mit einem Landesbeitrag ein ausgeglichener Voranschlag erzielt wurde. Das.setzt wieder voraus, daß die Gemeinde alle Bedingungen für die Gewährung des Landesbeitrags erfüllt. Bei den mährischen Gemeinden und Bezirken wird jetzt die Fortsetzung der ziemlich weit fortgeschrittenen Arbeiten an der Schuldenregelung veranlaßt weroen. Der Verband der deutschen Selbstverwaltungskörper setzt seine Anstrengungen fort, damit nicht die ganzen Ersparnisse aus der Zinsfußsenkung und der Tilgungserleichterung dem Staate zugute kommen, sondern daß sie auf einen bestimmten Teil dieser Ersparnisse beschränkt werden. Unser Gesundheitswesen Interview mit Minister Dr. L. Czech Der Minister für öffentliches Gesundheits- • wesen Dr. L. Czech hatte mit dem Sekretär . der Aktion des. Roten Kreuzes eine Aussprache über den Inhalt und den Sinn des Oster- Appells: „Die gesunden Menschen den Kranken!“ Der Minister sagte u. a.: ■ Es war ein glücklicher Gedanke des Roten Kreuzes, gerade im heurigen Jahr die Idee der Solidarität der gesunden Menschen mit den Kranken, in die Mitte seines. Oster-Appells zu stellen und ihn so zu einem Weckruf in ernster Stunde zu gestalten. Die Wirtschaftskrise mit allen ihren Begleiterscheinungen hatte eine ganze Reihe ernster Auswirkungen im Gefolge, die die vom Krisennotstand heimgesuchten Bevölkerungsschichten nicht nur sozial, sondern auch gesundheitlich aufs Schwerste in Mitleidenschaft zogen. Man bedenke, daß es Ende März d. I. noch immer 795.550 arbeitslose Menschen gab, die durchwegs, auf kärgste Ration gesetzt sind, und vergegenwärtige sich die Gefahren, die die ständige Unterernährung für darbende Familien und insbesondere für den kindlichen Organismus in sich birgt. Man halte sich aber auch die Arbeiter-Behausungen mit ihrer unzureichenden Licht- und Luftzufuhr, die leichte Zugänglichkeit des geschädigten Organismus für die tückischen Volks- und ansteckenden Krankheiten vor Augen und lass« sich auch nur einen Augenblick die Tatsache durch Pen Kopf gehen, was eß bedeutet, daß sich alle diese Erscheinungen durch Jahre hinziehen und daß dabei für die durch ste betroffenen Menschen-— um auch noch das psychische Moment änzudeuten— auf. weite Sicht keiu Ausblick, kein Hoffnungs-. schimmer sichtbar ist. Wer die Augen offen und sein Herz am rechnen Fleck hat, der wird angesichts dieser Tatsachen den Alarmbuf des Roten Kreuzes begreifen und ihm Folge leisten. „Gesundheitsdefizit“ im Krisengebiet So klar es ist, daß sich zur Verteidigung der Volksgesundheit, wenn sie wirksam sein soll, das ganze Volk erheben mutz, der kranke Mensch, aber auch^der gesunde, so sicher ist es» daß auch hier wieder dem Staate die Hauptaufgabe zufällt. Die öffentliche Gesundheitsverwaltung hat auch tatsächlich die schicksalIschweren Aufgaben, die ihr der harte Notstand auferlegte, im vollen Maße klar erfaßt und, was in ihren Kräften lag, in ihren Dienst gestellt. Leider vermochte sie sich aber mit ihren' unzulänglichen legislaicrischen' und organisatorischen Einrichtungen und vor allem mit ihren unzureichenden finanziellen Mitteln absolut an ihre schicksalsschweren Aufgaben nicht im vollen Maße heranzuarbeiten. Und so stehen wir nun den von der Krisennot heimgesuchten Teilen des Staates trotz der Anspannung aller Kräfte durch die öffentliche Gesundheitsverwaltung, trotz der aufopferndsten Hingabe der nach Tausenden zählenden freiwilligen charitativen Organisationen und trotz der Rekordleistungen einer großen Schar selbstlosester sozialer Helfer vor einem sehr betrüblichen Gesundheitsdefizit unserer Bevölkerung, aus dem dem Staat, aber auch allen Menschen guten Willens, eine große ltnb verantwortungsvolle Aufgabe erwächst. „Soziale Gesundheitsfürsorge" Diese Aufgabe liegt aber nicht allein auf gesundheitlichem Gebiet, sondern bedarf einer Lösung auch von der sozialen Seite her. Jeder Versuch, der schweren gesundheitlichen Krisenwirkungen lediglich mit Hilfe der kurativen Fürsorge Herr zu werden, wäre vergeblich. Vielmehr vermögen wir den sOveren sozialen Schäden auch dort, wo sie sich bloß gesundheitlich auswirken, Nwx durch die.von. sozialem Geiste getragene„Soziale MsUNdheitsfLrsorgr^ betzakommen, die zu den Grundpfeilern der modernen GesundheitS- pflege gehört.-. Darum freuen wir uns der nicht nur verständnisvollen, sondern auch innigen. Zusammen arbeit der beiden Ressorts der ö f f e n t l i ch. e n G e s undheits- Verwaltung, die sich gerade in letzter Zeit so sehr bewährt und so gute Früchte getragen hat. „Der unbekannte Kranke“ Zu den nächsten und dringlichsten Aufgaben unserer öffentlichen Gesundheitspflege zählt auch die auf das Gebiet der gesundheitlichen und sozialen Vorbeugung fallende Gesunden-Un- MANNER, FRAUEN I UND WAFFEN I l Roman von Manlred Georg Copyright by Dr. Manfred Georg, Prag In Wirklichkeit konnte Dunaimis nicht mehr viel retten. Denn bald tauchte der Name Makro- pulos in den Funksprüchen auf. Der Fall war zu klar, Sinia gab die Spuren an, die Moskauer Agenten» in Wien und in Warschau hatten keine allzu schwere Arbeit. Es folgten Maffenverhaftungen in der Ukraine. Ein Geständnis zog zehn andere nach, die Regierungen der umliegenden Staaten distanzierten sich schleunigst und stellten die verschiedenen Waffenlager zu eigenen Zwecken sicher. Schumann saß mit. Glazunoff, zusammen in einer Zelle.. Man hatte ihn noch nicht sehr viel verhört. Gerade, weil er der Hauptängeklägte war, spann man erst das Netz der übrigen, Geständnisse aus. Dagegen war Glazunoff häufig vorgeführt worden/ Eines Tages kam er mit der Nachricht wieder:. -„Daß Sie wenig Hoffnung haben, wissen Sie ja. Aber wie wenig Sie hgben, wird Ihnen wohl aufgehen, wenn Sie hören,-aß unser Freund,-er Kommissar, nicht nur die Untersuchung führt, sondern auch der Vorsitzende des außerordentlichen Gerichtes sein wird." Schumann sah auf die Wand, deren Mauersprünge sich ihm immer wieder als eine Landkarte darstellten, auf der er mit seinen Gedanken herumphantasiert«. „Aber selbstverständlich. Wir sind am End«. Wenn sich nicht Dunaimis um uns kümmert." Glazunoff brummte geringschätzig: „Glauben Sie das?" Er ist doch nicht wahnsinnig! Et wird sich doch' nicht völlig kompromittieren!" „Ja, nicht für uns. Aber er hat alle- Interesse daran, daß die Welt nicht an solche Verschwörungen glaubt, wie wir sie versucht haben. Das Agitationsmittel darf er den Leuten hier doch nicht lassen." „Sie sind ein Optimist. Das ist doch eine Lawine, die nicht aufzuhalten ist. Ich mache Ihnen gar keinen Vorwurf. Ich hätte auch auf Sima geschworen." „Sicherlich. Denn er konnte doch nur gewinnen. Er war im Aufftieg. Es hat ihn hier umgeworfen." „Aber was, um Gotteswillen?" fragte Glazunoff.„Tas schlechte Essen, die schwere Arbeit, das primitive Leben? Er wollte doch gerade aus alledem heraus." ,-habe ich auch gedacht. Mer es gibt Narren, die immer glauben, die Welt fängt von vorn an, wenn irgendwo einer etwas zerstört und dann mühsam wieder aufbaut. Sima ist ein schwacher Mensch gewesen. Er hatte vermutlich das Gefühl, sich selbst verraten zu haben. Ein sentimentaler Mensch. Auck Solidarität ist Mangel an Persönlichkeit, Nicht-allein-stehen-können, Schutzsuchen vorEinsamkeit. So wie Leute, die einen Krieg nicht lieben und doch mitmarschieren, wenn die Musik tönt, so ist Sima hiär plötzlich wieder mit der Musik der Dampfhämmer und der Lieder in den Kantinen mitgelaufen. Der Esel hat, wie man das wohl so nennt, heimgefunden. Dabei hatte ich ihm noch in Warschau unterfertigte und deponierte Versprechungen gemacht. Gegen Hysterie ist eben selten etwas auSzurichtwr. Da hat man einfach Pech. • Der Tag der Verhandlung nahte heran. Schumann wußte, daß der Prozeß gegen ihn, Glazunoff, Sima und die Ingenieure«ine große Schau werden würde mit Radio-Uebertragung, theatralisch aufgezogen, um die Wichtigkeit» die man der Anklage gab, zu unterstreichen. Der Rittmeister war fatalistisch. Er kannte den Fanatismus, der hier herrschte und machte sich angesichts des erdrückenden Beweismaterials und des Fehlens auch der geringsten mildernden Umstände keine großen Hoffnungen. Der einzige, der, als Kronzeuge, dabei mst dem Lehen wegkommen würde, war Sima. Wer Verbannung war auch diesem sicher. Eines Nachts wurde Schumann aus dem Schlaf geweckt. „Der Staatsanwalt will Sie sprechen. Er ist ÄbeN eingetroffen," erläuterte der Posten die unerwartete Störung. Das Zinuner, in dem ihn der Beamte empfing, hatte nur einen langen, schmalen Tisch, mit Papieren und Akten behäuft. Eine kleine, grüne Lampe beleuchtete lediglich die karge Fläche eines Löschpapier-Quadrates, auf dem verlassen ein Federhalter lag: Zuerst sah man überhaupt niemanden im Zimmer. Dann ertönte aus dem Dunkel der Ecke eine Stimme: »Mitte, nehmen Sie Platz!" Schumann grüßte ins unbestimmte Dunkel hinein und setzte sich. Der Fremde löst« sich im- I mer noch nicht aus deni Dunkel. Schumann j spürte, wie zwei Augen ihn scharf beobachteten. I Dann kam der Staatsanwalt heran, setzte sich ihm wortlos gegenüber und begann, stumm in den Papieren zu blättern: Er war ein ähnlicher Typ wie der Kommissär, bartlos, jung, nur waren seine Züge viel härter. Er hatte eine weiche, tonlos« Stimme, die ihn wegen ihrer Ruh« berühmt gemacht hatte. Die Augen hielt er gesenkt. Er murmelte vor sich bin: „Sie sind eigentlich Oesterreicher? Aktiv im Generalstab?" »Lächerlich." „Sie beschäftigen sich also nur als Kaufmann?"» „Ja.". An unsere Abonnenten, Leser und Kolborteure I Anläßlich der Osterfeirrtage wird im Luch- druckergewerte am Montag nicht grarbeiter, so daß«nsere Nummer am Dienstag, den 14» April entfällt Tic nächste Ausgabe erscheint dann zur gewohnten St«nde am Mittwoch, de« 15. April. Die Berwaltnng. Vom Kriegsschauplatz Rom. Marschall Badoglio telegraphiert: Gallaslämme haben, sich gegen den Regus empört und arbeiten mit unseren Truppen bei der Verfolgung der abessinischen Abteilungen wirksam zusammen. Die Luftstreilkräfte an der Somalifront bombardierten die feindlichen Stellungen bei Biskut, Segalo, Dagamedo, Daggabur und Saffabaneh. In diese Aktion wurden 22 Maschinen eingesetzt, die trotz der sehr starken Abwehrtätigkeit des Feindes und der ungünstigen Witterung in ihre Ausgangsbasen zutückkehrän.-•': Die italienischen Truppen sind über G o n- d a r hinaus vorgerückt und haben sich am Rande der großen Ebene, die Gondar vom Tana-See trennt, festgesetzt. General R a s s i b« teilte mit daß di« Städte Saffabaneh und Daggabur an einem einzigen Tage» und zwar am 8. April, mit dem Giftstoff A p e r i t besprengt wurden. Hiebei kamen 80 Personen ums Leben. Die Truppen des Negus stehen seit Donnerstag bei Waldie, etwa 80 Kilometer nördlich von Deffie, mit den italienischen Abteilungen in Berührung. Man erwartet hier, daß die Truppen des Generals Graziäni bald den Vormarsch antreten werden. Die Somali-Abteilungen sollen vor kurzem mit etwa 2000 Lastauws ausgerüstet worden sein und werden in den nächsten Tagen in.der Richtung gegen Harrar und Addis Weba vorrücken, wo General Graziani selbst di« italienische Flagg« hissen will. Frankreich bewilligt uns höhere Kontingente Paris. Die seit einigen Wochen in Paris geführten französisch- tschechoslowakischen Verhandlungen betreffs Regelung der handelspolitischen Beziehungen für das zweite' Trimester 1936 wurden Freitag abends erfolgreich abgeschlossen. Frankreich bewilligt der Tschechoslowakei erhöhte Kontingente für mehr als 60 Warengattungen. Die Tschechoslowakei bewilligt Frankreich die teilweise Herausnahme von Erdwachs(Ozokerit) aus dem Gesamtkontingent Expräsident Calles deportiert Mexiko. Der ehemalige Präsident der Republik Calles, sein Sohn und drei Mitarbeiter wurden am Freitag verhaftet und im Flugzeug aus Mexiko deportiert. Unbestätigten Nachrichten zufolge wird sich der ehemalige Präsident in Guatemala niederlaffen. „Sie haben hier neulich einen Vortrag über Waffen gehalten. Warum taten Sie das?" „Ich wurde darum gebeten." „Ich nehme an, Sie wollten etwaige Spüren von vornherein ablenken." „Nein." „Sie verdienen viel bei dem Geschäft?" „Darf man ein paar Zahlen wissen?" Schumann nannte welche. „Welcher politischen Partei gehören Sie an in Ihrem Heimatlande?" »deiner." „Bitte, schildern Sie mir doch einmal Ihre Privatleben." „Der Richter hörte zu, machte sich Notizen, verglich. Schumann sah immer noch auf den blonden Scheitel, der mit Mühe durch das dichte Haqr gezogen war. „Aber wenn Sie für sich so wenig brauchen, was veranlaßt Sie, privat ein so großes Risiko einzugehen?" Der Rittmeister hielt es für angebracht, seine Beweggründe zu erzählen. Währenddessen zog sich der Staatsanwalt wieder in seine dunkle Ecke zurück. „Sie wissen, daß Sie vermutlich zum Tpde verurteilt werden?" „Das habe ich nicht anders erwartet." „Dann verstehe ich Sie nicht. Sie erzählten vorhin, daß Sie Ihre Kinder suchen, und ehe Sie sie gefunden haben, wagen Sie Ihren Kopf." „Ich kann Ihnen das schwer erklären, ich glaubte auf dem richtigen Wege zu sein." „Aber aus allen Gesprächen, die wir gehört haben— ich weiß nicht, ob es Ihnen bekannt ist, daß wir in Ihrer Zelle ein kleines Mikrophon eingebaut haben— geht doch hervor, daß Sie ein nüchterner und real denkender Mensch sind. Trotzdem benehmen Sie sich romantisch. Irgend etwas stimmt da nicht. Wahrscheinlich ist Ihre Geldgier größer, als die Liebe zu Ihren Kindern." (Fortsetzung, folgt.) Samstag, 11. April 183« Seife 3 Nr. 87 Hat die KPD etwas gelernt? In einer Erklärung, die das Polbüro der KPD veröffentlicht, lesen wir u. a.:' „Die KPD will die antifaschistische Volksfront für den Sturz Hitler- und ist bereit, mit ■ den antihitlerischen Kräften zusammen für ein demokratisches Deutschland zu kämpfen, in dem das deutsche Volk selbst über das Regime entscheiden wird. Die KPD betrachtet die Wiederher- j- stellung bürgerlich-demokratischer Rechte als einen bedeutenden Fortschritt, obwohl sie weitergehende Ziele erstrebt. Der Kampf um die demokratischen '■ Freiheiten, um die gröbere Bewegungsfreiheit r., heute,, ist eng verbunden mit der Verwirklichung '' eirkes wirklichen demokratischen Regimes nach ^Hitlers Sturz. Diese Aufgaben können nur auf dem Wege der Massenbewegung für Freiheit, Frieden und Brot gelöst werden." Sofern dieses Bekenntnis e r n st gemeint ist, ist zu sagen, daß die KPD zu ihm den Umweg über den Hitlerfaschismus nicht nötig gehabt hätte: über den Wert der Demokratie waren die Sozialdemokraten in Deutschland sehr gut unter- "richtet schon zu einer Zeit, da die Kommunisten - gemeinsam mit den Nationalsozialisten den Bolks- . entscheid gegen die Preutzenregierung organisier ten. HIRSCH fudefcndeutecfter Zeitspiegel I gge-SUPPENWORZE Ortsgruppen und Mit- das folgende Schreiben frftdnndk in affen VertetfunfMteffen der Konsum ienossense ne ine Angestelltenverband ' Reichenberg. r Der A r b e i t e r- S ä n g e r b u n d hat unter der Krise schwerer zu leiden als alle anderen Arbeiterorganisationen. Die Arbeiter spa- ' ren zunächst an den kulturellen Ausgaben und meistens ist der Gesangsbetrieb für jeden Teil- ■ nehmer mit Sonderleistungen verbunden, die Arbeitslose beim besten Willen nicht aufzubringen vermögen. Trotz alledem hat der Arbeiter- Sängerbund auch in dieser schweren Zeit gute Arbeit geleistet und auf kulturellem Gebiete schöne Erfolge aufzuweisen. Die Ostertagung wird sich vornehmlich mit der schwierigen finan- zieftep Kage der Organisation zu beschäftigen häbsn. Wir zweifeln nicht daran, daß die schon oft bewährte Treue der Sangesgenossen zu ihrem Sängerbund dessen großen Schwierigkeften überwinden helfen wird und daß der Acbeiter-Sän- <**. gerbunb alich. iw Hinkunft seine schöne, upb - opfervokke Aufgabe im Rahmen der- sozialistischen Gesamtbewegung erfüllen wird. Der Tagung unserer Sänger wünschen wir besten Erfolg und ' gute Arbeit. Auch der Allgemeine Ange st e ll- tenverband wird sich auf seiner Ofterta- gung vornehmlich mit den Auswirkungen der Krise zu beschäftigen haben. Die großen sozialen Leistungen des Allgemeinen Angestelltenverbandes sind bekannt. Sie wurden in der Krise nicht verminderte sondern in unvorstellbarer Weise gesteigert. Eine bezeichnende Ziffer aus dem Bericht: in den ersten 23 Jahren seit Bestehen des Verbandes wurde an Notfallunterstützung weniger ausbezahlt als jetzt in einem halben -M an a t! Für die Stellenlosenunterstützung hat der Verband in den letzten drei Jahren aus eigenen Mitteln 8.65 Millionen und mit dem Staatszuschuh 25,1 Millionen KL ausbezahlt. In den letzten zwei Jahren hat der Verband nur etwa 500 Mitglieder verloren.— Wir alle wissen, wie wichtig die Angestelltenbewegung für den Kampf um den Sozialismus gerade in dieser Zeit ist und wünschen daher, daß die Ostertagung des Allgemeinen Angestelltenverbandes dazu beitragen möge, die Organisation zu festigen und ihr neue Erfolge zu sichern. um schwache Suppen «ad lat» schmackhaft zu machen. see-suppENwoRZE tot sehr ipvun im Verbrauch. ♦ Henlein-Leute aus Taus In Verbindung mit dem reichsdeutschen Spionagedienst Vom Bauarbeiterverband. Sonntag, den 5. ypttl 1936, fand in Prag die Jahressitzung des Vorstandes des Bauarbeiterverbandes statt. Im Bericht wird darauf hingewiesen, daß auch im Jahre 1935 die Arbeitslosigkeit der Bauarbeiter eine große war. Selbst im Hochsommer gab eS i über 50.000 arbeitslose qualifizierte Bauarbeiter. Zury. Zwecke der Herabsetzung der Arbeits« I losigkeit wird die sofortige Inangriffnahme der i Investitionen und die Verkürzung der Arbeitszeit ! gefordert. Im. Organisationsbericht wird darauf verwiesen, daß die Verhandlungen zur Schaffung eines großen Einheitsverbandes im Baugewerbe, der auch die Kommunisten und Nationalsozialisten umfassen sollte, gescheitert sind. Ende des Jahres 1935 zählte der Verband an 43.000 vollzahlend« Mitglieder. Im Jahre 1935 wurden 119 Kollektivverträge neu obgeschlossen, 32 Lohnschiedsgerichtserkenntniffe herbeigeführt, 43 Verträge durch Protokolle verlängert und 75 größere Verträge durch die Regierungsverord-, Inung Nr. 89 automatisch verlängert. suchung wurden Verbindungen mit dem reichsde u t scheu Spionagedienst nachgewiesen. Zum Verhör wurden 15 Personen vorge führt. Bon diesen wurden in Hast behalten: Karl Beck und Franz Bogel aus Reu-Pren- net, Karl Weber aus Alt-Prennet, Max Kosina und Franz Brunner aus Maxberg, Johan« K o b r a z aus Fichtenbach. Sie wurden zum weiteren Verhör auf die Polizeidireftion in Pilsen gebracht, von wo sie dem zuständigen.-,—,—, Kreisgericht«erden zur Strafverfolgung ausge- Kinder ertranken, bevor jemaird auf sie ausmerk- ---— sam wurde. Geständige Brandstifter. Vor Jahren brannte das Haus des Wenzel Strobach in Tinscht im Bezirk Leitmeritz nieder. Tie Versicherungsanstalt zahlte den durch das Feuer entstandenen Schaden von 28.000 KL aus. Der Hausbesitzer baute ein neues anstelle des alten Hauses, das überschuldet .war. Nun wurden die Brüder.Ernst und Westzel Strobach.verhaftet, die eingestanden/ haben, damals gemeinsam das Feuer gelegt zu haben/ An der Löschung des Feuers und beim HiNaustragen der Habseligkeiten beteiligten sie sich damals zum Schein. Die verhafteten Brüder Strobach haben auch" zahlreiche Einbrüche und Diebstähle im Bezirk Leitmeritz am Kerbholz. Ihre Mittäter, der beschäftigungslose Franz Müller aus Nieder-Welhoten bei Tich- lowitz und Hermann Wagner wurden ebenfalls festgenommen und haben ein Geständnis abgelegt. Romanpreisausschreiben der Deutschen Buchgemeinde in der Tschechoslowakei ergebnislos. Die Preisrichter Dozent Dr. Karl Esst, Julius Mader, Dr. Frank Matzke, Buchdruckereidirektor Dr, Anton Moucha und Maria Stone beschlossen mit vier gegen eine Stimme:„Den von der Deutschen. Buchgemeinde in der Tschechoslowakei für den besten deutschen Manuskriptroman ausgesetzten Preis nicht zur Verteilung zu bringen. Unter den überaus zählrei-' chen Einsendern aus dem In- und Ausland befanden sich wohl mehrere beachtenswerte Talente, auf kein einziges Manustript aber konnte sich eine Mehrheit von Stimmen vereinigen. Die Preisrichter empfahlen, den ausgesetzten Preis für ein Jahr zurückzustellen." Eine Reihe von Manustripten wurde dem Lektorat zur Durchsicht übergeben, um sie auf ihre Verwendbarkeit für die Bücherreihe hin zu prüfen. Wagner hat einen Vrr- lenmdnngSfeldzng gegen mich unternommen bzw. gefördert, weil ich der Ansicht bin, daß Abgeordnete vom BolkSwillen getragen fein müssen, nicht aber ernannt werden dürfen, daß in einer politischen Partei militärische Disziplin nicht am Platze ist, insbesondere Leute, die von der Politik lebe«, keine Opfer ehrenamtlicher Amtswalter anordne« dürfen, daß eS rin Berbrechen an der Volksgemeinschaft ist, einen Gegensatz zwischen jung und alt-rrvorzukebren, daß um eine« Partrivorsitzenden keine Mauer bestehen darf, wir dies bei Konrad Henlein der Fall ist, daß die AnSwnrzerri dr- Arbeiter- und Bauern, ebenso marstschrrirrische, teure Reklame zu unterbleiben bat. Wagner fand bei seinem Vorgehen den Schutz der Hauptleitung. Nm freie Hand zu haben, bin ich a«S der Partei ausgetreten, sprecht Wagner daS schärfste Mißtrauen a»S l Duldet diese Mißstände nicht!" Bezeeny bemerft übrigens, daß Kreisleiter Wagner ein zweites Mal die Abrechnung von Wahlschatzkarten verlangt habe, daß dieses Verlangen jedoch unter Hinweis auf die von Wag- ner bereits unterzeichneten Emp-- fangsquittungen zurückgewiesen wurde. Mit Recht bemerft die„Landpoft", daß dieser Fall eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Fall Nentwich habe. Die Kreisleiter„säubern", der t große Henlein ober ist unerreichbar.., IST DIE Aus der„Volksgemeinschaft". Der Ascher Webwareitfabrikänt Müller ließ vor einiger Zeit eine arme Mietspartei aus seinem Hause delogieren. Müller ist ein strammer Hvnleinmann. Als er selber in Zahlungsschwierigkeiten kam, erwarb sein Parteikamerad Höhn den Müllerschen Besitz im Wege der Zwangsversteigerung. Am Laufe der vorigen Woche ließ nun Höhn seinen Kameraden" Müller aus dessen ehemaligen Be sitz auf die Straße setzen.— Man muß mit dem Müller kein Mitleid haben. Aber der Vorfall ist bezeichnend für den Geist, von dem die Volks- gemeinschastler erfüllt sind. Die Festschrift der SdP zu dem inzwischen verbotenen Parteftag, betitelt„Sudetendeutsch tum im Kampf",.wurde vom Pressegericht in Leitmeritz auf Grund des Schutzgesetzes beschlag nahmt. Ein Kommunist über die Kommunisten. In der„Roten Fahne" wird eifrig über den bevorstehenden Parteitag,diskutiert. In der Freitag- Nummer vertritt ein gewisser TomeS die Gott- waldlinie, ein anderer Diskutant namens S.e- f r a n e k liest den Gottwäldleuten folgendermaßen die Leviten: „Der Hauptinhalt des Kampfes gegen den Faschismus sei allerdings die Maffenverteidigung aller Interessen und konkreten demokratischen Rechte des Werktätigen Volkes, der Massenkampf für ihre Erweiterung. Die Verteidigung der bürgerlichen Demokratie gegen den Faschismus bedeutet auch keineswegs nur für eine Minute die Propaganda der Endziele des Proletariats abzuschwächen." Und schließlich umschreibt er die heutige Haftung der KP§ mit folgenden Worten: „Ein kleinbürgerlicher Panikmacher beobachtet die Bourgeoisie nervös und kopflos, wobei er sie gewöhnlich als„eine reaktionäre Masse" er- klärt. Anstatt dann die Widersprüche im bürgerliche« Lager auszunützen, pflegt er gewöhnlich viel Lärm mit«ltralinken Phrasen zu machen." Uns dünkt, daß Sefranek nicht so unrecht hat..« Zwei Knaben ertrunken. Ein schreckliches Unglück ereilte den pensionierren Bezirksgärtner Teichert in Bischofteinih. Am Dienstag spielten seine Kinder, ein sechsjähriger und ein achtjähriger Knabe, bei dem kleinen Teich, der zum Hause gehört. Der jüngere Knabe siel hiebei in das Wasser und als der ältere Bruder ihm helfen wollte, ereilte auch ihn das gleiche Schicksal. Beide ■V'?dl HIRSCH Aus der„Bolksgcmeinschaft". Der Ascher Webwareckfabrikänt Müller ließ vor einiger Zett eine arme Mietspartei aus seinem Hause delogieren. Müller ist ein strammer Henleinmann. Als er selber in Zahlungsschwierigkeiten kam, erwarb sein Parteikamerad Höhn den Müllerschen Besitz im Wege der Zwangsversteigerung. Jin Laufe der vorigen Woche ließ nun Höhn seinen „Kameraden" Müller aus dessen ehemaligen Besitz auf die Straße setzen.— Man muß mit dem Müller kein Mitleid haben. Aber der Vorfall ist bezeichnend für den Geist, von dem die Volks- gemeinschaftler erfüllt sind. Die Festschrift der SdP zu dem inzwischen verbotenen Parteitag, betitelt„Sudetendeutschtum im Kampf",.wurde vom Pressegericht in Leitmeritz auf Grund des Schutzgesetzes beschlagnahmt. Ein Kommunist über die Kommunisten. In der„Roten Fahne" wird eifrig über den bevor- Seite 4 «r. 87 Samstag, 11. April 1936 Frankreich« Frauen veranstalten eine„symbolische Wahl" Die französischen Frauen sind bekanntlich vom Wahlrecht ausgeschlossen. Trotzdem beteiligen sie sich, wenigsten- handelt es sich hier um eine recht beträchtliche Gruppe französischen Frauen, sehr aktiv am Wahlkampf, um die Lesjeutlichleit wieder auf ihre Forderungen nach dem Wahlrecht aufmerksam zu machen. In einem Papier Bezirk stellten die Wahlrechtlerinnen sogar zwei Kandidaten für eine„symbolische Wahl" auf. Hier sieht man die Frauen vor einem entsprechenden Plakatonschlag aus den Wahlbrettern von Paris. Naturfreunde- Arbeit’ Sonntag, den 5. April, fand auf der„Mor-) bachhiitte" die Gauhauptversammlung des Touri-1 sftnvereines„Die Naturfreunde", Gau Nord»\ Westböhmen, statt, die von 50 Delegierten besucht I war.| Genosse Konhäuser brachte den Bericht über die Tätigkeit im vergangenen BereinSjahr, die als' gute Arbeit bezeichnet werden kann. Bor allen hatten die bezirksweise durchgeführten Führer» k u r s e einen guten Erfolg zu buchen. Der Kassa-, bericht lag schriftlich vor, so auch' die übrigen Be» richte, und wurde vom Gaukassier Wg. Majsopust ergänzt. Leider ist im Mitgliederstand ein Verlust zu verzeichnen, was teil- auf die Verschlechterung ver Bahnbegünstigungen, vor allem aber wohl auf Vie schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse zurückzu» führen ist. Genosse Zobel berichtet unter anderem über die Unfälle, deren es verhältnismäßig viele gab, die durchwegs gut abgeschlossen wurden sowie über den neuen Erlaß des Eisenbahnministeriums, der eine kleine Verbesserung der Be» günstigungen für den Touristen vor» sieht. Der Antrag der Kontrolle auf Entlastung wurde einstimmig angenommen. Utber die 13. Hauptversammlung der Natur- freunde-Fnternationale, die vom 7. bis 9. August in Brünn stattfindet und an die sich eine Urlaubswoche anschließt, sprach Genosse Dietl(Aussig), ver auch einen allgemeinen Bericht über die Lage und die Tätigkeit deS ZnetralauSschusseS gab. Es ist Aufgabe aller Mitglieder, denen es Halbwegs möglich ist, sich den Urlaub für diese Zeit zu sichern. Die touristische Fahrpreisermäßigung von SO Prozent ist gesichert; die Fahrkosten belaufen sich ab Aussig auf 90.90 K5. Seitens der Gauleitung wurden Sparmarken und»Karten herausgegeben. Der Bericht über die am Vorabend ahgehal» tene Hüttenkonferenz und die dabei gestellten Anträge wurden zur Kenntnis genommen. Die Neu- .wählen erfolgten einstimmig; Genosse Konhäuser ist wieder Gau»Obmann. Erfolgreiche Arbeit Im Böhmerwaldgebiet Auf der Partei-Bezirkskonferenz in T a- ch a u wurde berichtet, daß nach dem 19. Mai 1935 im Bezirksgebiet nicht weniger als elf Lokalorganisationen mit 276 Mitgliedern ge» gründet wurden. Mit den Beitritten aus den bereits bestehenden Organisationen ist ein Mit» gliederzuwachs von 400 zu verzeichnen.— Auf der Bezirkskonferenz Unterreichen st ein konnte über eine Steigerung des Markenumsatzes und die Neugründung einer Lokalorganisation be» richtet werden.— Auf der Jahreskonferenz der Bezirksorganisation Winterberg wurde be» richtet, daß diese Bezirksorganisajion nach dem 19. Mai 1925 den höchsten Mitgliederstand seit sechs Jahren erreicht hat, Im zweiten Halbjahr 1935 sind zwei Lokalorganisationen neu ge» schassen worden. Unrar Kampfboden In Nordmähren Auf der Jahreskonferenz der Bezirksorganisation Sternberg wurde berichtet, daß in den drei politischen Bezirken Sternberg, Olmütz und Bärn Ende Feber 20.000 Arbeitslose gezählt wurden. Im Sternberger Bezirk entfallen auf 1000 Berufstätige 338 Arbeitslose. Bei der Sternberger Krankenversicherungsanstalt sind 74 Prozent aller Versicherten in der 1. bis 4. Lohn« klaff?. Im Bezirk Bärn waren am 1. Jänner 1936 40 Prozent in der zweiten Lohnklasse, während im Jahre 1929 nur 15 Prozent in dieser Lohnklqsse versichert waren. Diese Ziffern be» weisen, daß das Elend der noch in Arbeit stehenden ein erschreckendes Äüsmaß erreicht hat; die Lage der Arbeitslosen ist selbstverständlich noch schlimmer.— Trotz diesen Schwierigkeiten stei- *yerte die Bezirksorgänisatton Sternberg den Mit» gsiederstand um 81 und den Umsatz der Vollmarken um 800. In der Berichtszeit konnten auch zwei neue Lokalorganisationen gegründet werden. — Aehnliche soziale Verhältnisse sind auch im Bezirk M ährisch-Schönberg zu finden. Auch in dieser Bezirksorganisation wurde, wie aus den auf der Bezirkskonferenz erstatteten Berichten hervorgehr, erfolgreiche Parteiarbeit geleistet. Ein Bolkserneuerer als Defraudant. Ein Herr Franz Anders, Portier bei den Achilles- werken in Ober-Politz und im Nebenberuf Stan- desführer der Sudetendeutschen Bauernschaft im Rahmen der SdP, wurde fristlos entlassen, da er große Unterschlagungen begangen hat. Die Schadensumme beträgt vorläufig etwa 10.000 KL. Die Reichenberger Messe 1936(16 bis 23. August) umschließt wieder 18 Warengruppen der allgemeinen Mustermesse, mit Textil- erzeugnissen, Maschinen- und Bedarfsartikeln der technischen Branche, RahrungS- und Geüußmitteln, ferner den verschiedensten Ware« unserer Export- inhustrie(Textil-, Glas-, Porzellan-, Spielwaren usw.), elektrotechnische Erzeugnisse, Haushaltungsartikel, Möbel und Klaviere, chemisch-technische Pro- dukre, Erzeugnisse der Radiobranche, Bekleidungs- artskel, Gebrauchs- und Luxutwaren usw. Die Messeleitung wird auch Heuer wieder, der allgemeinen Mustermesse zugkräftige S o n d e r Veranstaltungen angliedern. Die Teilnahme an der 17. Reichenberger Messe als Aussteller, als quch als Einkäufer, wird im Rahmen des Möglichen erleichtert. Fahrpreisermäßigungen, Frachtbegünstigungen und Einreise-Erleichterungen werden auch in diesem Jahre den Ausstellern und Besuchern eilige räumt werden. Informationen ,und Anmelde- druckiorten wollen vom Messeamt Reichenberg ein-. geholt werden.’’ Kein Opfer Ist zu groB für einen Staatsmann, wenn er den Frieden erhalten, Herstellen oder—■ über ihn reden kann. Mr. Anthony Eden hat laut Genfer Meldungen dem französischen Kollegen die entschiedene Er- llärung abgegeben, er werde„s e l b st über die Osterfeiertagein Genf bleiben", wenn es nötig sein sollte, um den Frieden zwi- schen Italien und Abessinien zu sichern. Jnzwi- schm hat sich der D r e i z e h n e r»Ausschuß, an dem sich ein alter Aberglaubm langsam zu bestätigen beginnt, wieder um eine Woche ver- tqgt, wahrscheinlich, um den Gottessrieden der Osiertage nicht durch seine Derhandlungm zu stören. Ob unter diesen Umständen der heroische Opfermut Mr. EdmS zur Tat ausreifen und ob der eleganteste Minister der Welt wirklich sein Wochenende und obendrein sein Oster-Wochen- mde für den Weltfrieden hingeben wird, ist zur Stunde nicht sicher. Melleicht geht das schwerste an ihm vorüber und er kann nach England fliegen, vielleicht muß er— man denke doch wel- ches Opfer!— am lachenden Genfer See bleiben und für den Frieden kämpfen. Unterdessen verbreitet Badoglio in Wessi- nien europäische Kultur und kein Osterfest wird ihn abhalten, Städte und Dörfer zu bombardie. ren, Frauen und Kinder zu vergiften, Menschen in Massen abschlachten zu lassen. Den Staatsmännern aber scheint jedes Or- gan des Verständnisse- dafür zu fehlen, daß gewisse gut gemeinte Gesten und wohlmeinende Reden der Sache der Kultur und deS Friedens noch mehr schaden können als die nackte Brutalität selbst. Die Versicherung Edens, daß er dem Frieden selbst das Weekend opfern wolle, wird keineswegs für seine Friedenspolitik werben, sondern auf dem grauenhaften Hintergrund der Metzelei in Abessinien als ein zynischer Witz wirken. Ergebnislose Suche nach dem Grünaner Mörder. Die Gendarmerie, welche Donnerstag nachts in der Gemeinde Grünau bei Mährisch- Trübcnl konzentriert wurde, wo in bestialischer Weise der 52jährige Pfarrer Josef Haska und seine 49jährige Wirtschafterin Marie Dvoiäk er- mordet wurden, arbeitete während der ganzen Nacht an der Perlustrierung aller in der Gemeinde Grünau und in den umliegenden Ortschaften wohnenden Personen. Gleichzeitig nahm sie eine Durchsuchung der ganzen Umgebung vor, wobei in Schobern und Wäldern sowie auch in der Gemeinde Mährisch-Trübau Nachforschungen angestellt wurden. Diese Arbeit blieb aber bisher ohne jedes Ergebnis und die angehaltenen Personen mußten, da sie einwandftei ihr Alibi nachwiesen, freigelaffen werden. Gleichzeitig blieben die Nachforschungen nach den Mordinstrumenten ergebnislos. Bet der Aufstellung der Hinterlassenschaft deS Pfarrers gemäß seinem letzten Willen wurde feftgestellt, daß der Mörder außer der goldenen Uhr ein auf den Betrag von 47.000 AL lautendes Einlagebüchel der landwirtschaftlichen Vorschußkaffe in Bautsch entwendet hat. Durch telephonische Feststellung in der Gemeind« Bautsch wurde festgestellt, daß bisher niemand diese Sin» läge behoben hat. Deshalb wurde sie von der Gen» darmerie bis zur weiteren Entscheidung des Ge» richteS sofort beschlagnahmt. Gleichzeitig wurde darauf auftnerksam gemacht, daß die Gendarme rie. falls jemand versuchen würde, die Einlage zu beheben, sofort zu verständigen ist. Am Freitag haben sämtliche Gendarmeriefahndungsstationen Abteilungen in AutoS auf eine Fahrt durch ganz Mähren entsandt, um jene Personen auSzufor- schen, welche in der letzten Zeit mit dem Pfarrer und seiner Wirtschafterin zusammenträfen und die in verschiedenen Orten Mährens wohnen. Diese Aktion blieb bisher ergebnislos. Die Stimmen der Radiosender. Eine interessante Sendung veranstaltet Montag um 19.10 der Sender Liblitz. Bon Grammophonplatten werden die Pausenzeichen einer Reihe von Auslandsstationen, verbunden mit charakteristischen Proben ihres Programms, übertragen werden. Wahnsinnstat etnor Mutter. Die 28jährige Franziska Wunsch aus P k i v o z warf Freitag Vormittags in einem plötzlichen Wahnsinnsanfall ihr 17 Tage'altes' Töchterchen Renata aus dem Fenster ihrer im zweiten Stockwerk gelegenen Wohnung auf die Straß« und sprang sodann nach. Beide wurden sofort von der Rettungsstation ins Krankenhaus überführt. Das Kind erlag fünf Minuten später seiner Verletzung. Die Mutter ist ernst verletzt. Sie erlitt einen Bruch des rechten Schulterblattes und des Elbogengelenks. An die Nnfallstelle wurden die Polizei und eine Gerichtskommission berufen. Die Kindesleiche wird gerichtlich obduziert werden. Mangel an Filtta-Zigarette«. Zu den Bor» würfen wegen Mangels der neuen Filtra-Ziga- retten teilt die Zentraldirektion der Tabak-Regie mit: Diese Vorwürfe werden bei jeder Neueinführung von Zigarettensorten erhoben. Niemals kann der Ilmfang der Nachfrage nach neu eingeführten Sorten von Tabakerzeugnissen vorauS- gesehen werden. Daher muß bei der anfänglichen Erzeugung mit einer gewissen Vorsicht vorgegangen und die Erzeugung erst auf Grundlage der gewonnenen Verkaufserfahrungen definitiv geregelt werden. WaS die Filtta-Zigarette anbelangt, so handelt eS sich um eine ganz neue, nicht gewohnte Type mit hygienischem Filter. Für die Erzeugung dieser Zigarette können die bisherigen Maschinen nicht verwendet werden. Der anfäng» liche Mangel an Filtrazigaretten im Hinblick aus das ziemlich unerwartete Interesse für diese Zigarette ist daher begreiflich und entschuldbar. Der Mangel ist aber nur vorübergehend und die Zen- ttaldirektion hat bereits Maßnahmen getroffen, um die Erzeugung der Nachfrage allmählich än- zupaflen. DaS Luftschiff.Hindenburg" hat, noch ehe eS den Kontinent erreichte, einen ernsten Motorschaden erlitten, der es zu einer beträchtlichen Herabsetzung deS Tempos zwang. Zeitweise sollen nur ein Motor noch gearbeitet haben. ES gelang Dr. Eckener trotz deS Defektes, auf der Route Rhonetal—Schweiz—Bodensee ohne Zwischenlandung den Heimathafen zu erreichen. wo das Luftschiff Karfreitstg um 18 Uhr landete. Der jüngste Ehemann. In der Nähe von Sarajevo hatten zwei Freunde, beide ältere Männer, verabredet, ihre Frauen zu tauschen. Die eine von ihnen— sie heißt- Aischa wie die Frau des Propheten«— war damit nicht einverstanden; sie hatte, ISjährig, keine Lust, ihren 60jährigen Gatten gegen einen gleichaltrigen zu wechseln. Sie entfloh, verließ das Dorf und die Gegend, bettelte pch durch und machte die Bekanntschaft eines anderen„M mnes", der etwas jünger als sie war. Der zehnjährige Abdullah sorgte für sie, sie fühlte zuerst Dankbarkeit, dann Liebe, und begab sich mit ihm zum ScheriatS- gericht, wo sie ihre ganze Lebensgeschichte erzählte. Der Richter fühlte Mitleid mit ihr, Erklärte ihre erste Ehe für geschieden, und die beiden Kinder ließen sich ttauen. Abdullah dürfte der jüngste Ehemann Europas, die heute 14jährige Aischa die jüngste geschiedene Frau jein. Die Gefunden für die Kranken Es war ein glücklicher Gedanke des Tschechoslowakischen Roten Kreuzes, dem heurigen Osterfrieden, dessen Bedeutung wir bereits gewürdigt haben, einen ganz bestimmten, eng umschriebenen Zweck zu geben. Die Losung des diesjährigen Qsterfriedens lautet-: „Die Gesunden den Kranken“, d. h. es soll einerseits jeder einem einzelnen Kranken aus seinem Bekanntenkreise helfen, anderseits aber sollen wir dafür sorgen, daß durch öffentliche Mittel der erkrankten Menschheit Hilfe geleistet und die gesundheitlichen Einrichtungen in unserem Lande vervollkommnet werden. So soll also der Osterfriede einen humanitären Zweck erfüllen, jeder kann dar zu beitragen, im Sinne dieses Osterfriedens etwas für seine Mitmenschen zu tun. Das Tsechechoslovakische Rote Kreuz proklamiert heute Samstag den Osterfrieden: Von 11.58 bis 12 Uhr mittags soll die Bevölkerung des Osterfriedens und seiner Parole eingedenk werden durch ein kurzes Schweigen und Einhalten in der Arbeit. Möge in unserer chaotischen Zeit der Kriegsgefahr und Barbarei, die Idee des Friedens und der Humanität von allen, die guten Willens sind, begriffen werden. Zttgszusammenstoß. Auf dem Bahnhof in Laroche im Departement Donne stieß um Mitternacht vom Donnerstag auf Freitag ein aus Paris nach Valorbe fahrender Schnellzug auf eine. Lokomotive, die dort stand. Bei dem Zusammenfwß wurden 20 Personen vecketzt, davon einige schiver, so daß sie» ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Weiße Kultur. In der brittsch-afrikanischen Kolonie Kenya wurde der griechische Pflanzer R eni er iS verhaftet auf Grund der Anzeige eines vorher bei ihm beschäfttgten Negers. Dem Pflanzer fehlten 25 Pfund. Er beschuldigte den Neger des Diebstahls, dieser beteuerte seine Unschuld. Um bin Neger zu einem Geständnis zu bringen, ließ Regnie- ris ihn 1H Tage hindurch in gewissen Zwischen- räm.:en mit Dornenzweigen und Knüppeln schlagen. AlS dies vergebens blieb, wurde dem Neger eine Seilschlinge lose um den HalS gelegt, das freie Ende über einen Ast geworfen und RegnieriS begann nun, daran zu ziehen. ES gelang aber dem Neger, zu ent« kommen und einen Polizeiposten zu erreichen. Gr wird vor Gericht gestellt werden und nur gegen ein« Kautton von 100 Pfund wurde er einstweilen auf fteien Fuß gesetzt. Militärärzte in Reserve. Das Ministerium ijür nationale Verteidigung macht neuerdings alle Militärärzte in der Reserve aufmerksam, daß eS in ihrem eigenen Interesse liegt, so bald als möglich ihren StandeSkörpern zu melden— wenn sie dies bisher nicht schon getan haben— in welchem Fache sie den Titel eines Spezialarztes erlangt haben— oder in welchem ärztlichen Fache sie am besten versiert sind. Nur so kann sie dann die Militärverwaltung im Bedarfsfälle an Stellen verwenden, die ihrer speziellen ärztlichen Ausbildung entsprechen. Stipendien der Alexander von Humboldt- Stiftung für tschechoslowakische StaatSangehärige. Dar Ministerium für Schulwesen und Vollskultur schreibt unter der Voraussetzung, daß auch für das Schuljahr 1936/37 die genannten Stipendien zur Verleihung gelangen, einen Konkurs für dies« Sti» pendien mit der Einreichungsfrist der Gesuche bis zum 1. Mai 1936 bei den Dekanaten, bzw. der Hochschulen au», wo die näheren Konkursbedingungen eingeholt werden können. Stndenten-KonkurSauSschreibung. Die Amca schreibt einen literarischen Konkurs für die drei besten Arbeiten von Mittelschulstudenten und die drei besten Arbeiten von Hochschulstudenten über dak Thema auS:„Die kann unser Student für den Frieden arbeiten?" Die Artikel sollen mindesten» 200 Worte haben und müssen bis zum 10. Mai bei der Dmca, Prag H., Porti 12, übergeben werden. Preise in jeder Kategorie folgende: 1. Preis: Reise und Aufenthalt gratis bei der Sommerstudentenkonferenz in Jvanöice bei Brünn(in der ersten Hälfte Juli), 2. und 3. Preis: Bücher(im Werte von 150 und 100 Xi). Die Arbeiten werden von den Prager FLbrern der Delegation beurteilt, die die akademische Amca für den Genfer Kongreß der Jugend für den Frieden organisiert. Die Ergebnisse, werden zu Pfingsten bekanntgegeben werden. Wahrscheinliches Wetter Karsamstag: Zunahme der Bewölkung, unbeständig, namentlich am Nordrand des Staates zeitweise Mederschläge. Zunächst mäßig warm, später Abkühlung bei ftischem Nordwest- bis Nordwind.— Wettervoraussage für Ostersonntag: Veränderlich und kühl, Nordwind. Später allmähliche Beruhigung. Vom |—lnlllMIIW»rtM MH dM PrearMMMBI Sonntag Prag: Tender L.r 7.30 Ueberttagung aus Karlsbad. 8.80 New Aorker philharmonische» Or« chester aus Schallplatten. 10.55 Rundfunkorchesterkonzert. 12.20 Buntes Programm. 15.20 Kompositionen von Ondiiöek. 16.00 Nachmittagskonzert. 17.10 Tanzmusik. 17.50 Deutsche Sendung: Scholz: Hof ohne Erben, Schauspiel. 18.50 Deutsche Presse. 19.10 Militärkonzert. 22.85 Dalonorchesterkonzert. — Sender St.; 14.30 Deutsche Sendung: Ar» beiterfunk: Lippmann: Kollektivformen in der Gesellschaft. Brünn: 10.20 Geigenkonzert. 11.25 Rundfunkorchefterkon» zert. 17.50 Deutsche Sendung: Die Kerze der Himmelskönigin, Ostermärchen.-— Preßburg: 20.50 Buntes Konzert «r. 87 Samstag, 11. April 1936 Seite 5 Jugend Im Kampfe gegen den Krieg Eine Kundgebung der Sozialistischen Jusendinternatlonale Las Exekutivkomitee der Sozialistischen Jusendinternationaie beschloß in seiner Brüsseler Sitzung einstimmig die folgende Kundgebung: Der Kipenhagenrr Kongreß der Sozialistische« Jugend-Internationale im August 1935 hat die Jugend aller Länder zum Kampf gegen die drohende Kriegsgefahr aufgerufen, und er hat die in der Sozialistischen Jugend-Internationale vereinigte sozialistische Jugend verpflichtet, alle Aktionen der internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung zur Verhinderung eines neuen Völkrr- mordens mit ihrer ganzen Kraft zu unterstützen. Jugend, die in dar Hochflut des Rationalismus ihre sozialistische Gesinnung bewahrt und unter dem unerhörten Druck der Diktatur ihren Kamps gegen Faschismus und Kriegsgefahr führt. Es grüßt mit Stolz die spanischen jungen Sozialisten, die an der Wiedereroberung der Demokratie in Spanien hervorragenden Anteil haben, es grüßt I die illegalen Kämpfer in Oesterreich und in den anderen faschistischen Ländern, die mit ihrem jetzigen Kampf gegen die faschistischen Diktaturen und für die Wiedereroberung der Freiheit ihrer Völker gleichzeitig die Vorkämpfer des europäischen Friedens sind. Das Exekutivkomitee der Sozialistischen In-1 gend-Jnternationale dankt aber auch den sozialistischen Jugendverbinden in den Ländern der Demokratie. Sie haben durch ihre energische und planmäßige sozialistische Erziehungsarbeit»roße Schichten der Jugend dem demokratischen Sozialismus zngeführt, und sie haben dadurch in hohem Matze die frirdenserhaltende Kraft der Demokratie gestärkt. Das Exekutivkomitee bestätigt feierlich die unerschütterliche Entschlossenheit der Sozialistischen Jugend-Internationale und dir innere Verbundenheit ihrer Sektionen in gemeinsamer Zielsetzung. Sie wiederholt, daß die Sozialistische Jugend-Internationale auch im Falle des Kriege- ein lebendiges Organ der sozialistischen Jugend aller Länder sein wird. Angesichts der wachsenden Kriegsgefahr ruft die Sozialistische Jugend-Internationale die arbeitende Jugend der Welt zur Sammlung auf. Seit dem Kopenhagener Kongreß ist die Kriegsgefahr in der Welt bedrohlich gestiegen. Mehr als ein halbes Jahr ist bereits vergangen, seit hem Tag, an dem Mussolini das friedliche Abessinien im offenen Angriff überfiel, und täglich mehren sich die schweren Opfer an Gut und Blut, dir die Völker Italiens und Abessiniens diesem verbrecherischen Unternehmen bringen müssen. Im höchsten Maße aber ist die europäische Situation durch die neue außenpolitische Aktion Hitlers gefährdot worden. Der Bruch des frriwUlig von Deutschland unterzeichneten Locarnopaktes und die vertragswidrige Besetzung der entmilitarisierten Rhrinlandzone ist die Uebertragung der innerpolitischrn Gewaltmethodrn des deutschen Nationalsozialismus auf dir Außenpolitik. Diese Vorgänge beweisen der Welt erneut, daß der Faschismus eine ständige furchtbare Bedrohung des Weltfriedens bedeutet. Ter Faschismus ist aus seinem Wesen heraus gezwungen, in der Auspeitschung der nationalistischen Leidenschaften einen Ausweg aus den Schwierigkeiten zu suchen, die er im Jnnorn seines Landes findet. Er mißbraucht den Haß der arbeitenden Menschen gegen den Krieg. Die sozialistische Jugend ist gegen de« Krieg. Sie will alles tun, um den Frieden zu erhalten. Sie weiß aber, daß die Kriegsgefahr in Europa erst dann wirklich gebannt worden kann, wenn die Arbeiterschaft in dm wichtigsten Ländern die Macht erobert hat und damit in die Lage versetzt wird, den Völkerbund wirksam zu beeinflussen. Deswegen verbindet sich der Kampf um den Frieden mit dem Kampf um die politische Macht der Arbeiterklasse. Je mehr die kapitalistischen Regierungen der einstige« Siegerstaatrn, die der deutschen Republik die Gleichberechtigung verweigerten, um ihrer Klaffenintereffen willen vor dem Nationalsozialismus kapituliere» und damit die Kriegsgefahr noch vergrößern, umso energischer muh die Arbei- trrklasse die Idee der kollektiven Sicherheit im Kämpf gegen den kriegslüsternen Faschismus verteidigen, um die Führung ihres Volkes im Kampf für den Friede« zu übernehmen. Auf der Basis der kollektiven Sicherheit und der organisierten gegenseitigen Hilfe gilt es, di« internationale gleichzeitige und kontrollierte Abrüstung zu verwirklichen. DaS Exekutivkomitee der Sozialistischen I«- gend-Jnternational«, das in einem Augenblick berät, in dem die Sache des Friedens in Europa von neuem bedroht ist, erklärt seinm Willen, sich mit allen ihm zur Verfügung stehmdrn Mitteln dem Ausbruch eine- bewaffneten Konflikt- ent» gegenzustellm. Da- Exekutivkomitee der Sozialistischen Jugend-Internationale sieht in der ge- gmwirtigen ernsten internationalen Situation in der Aufrechterhaltung und Festigung des Bündniffes mit der internationalen sozialistischen Arbeiterbewegung, im engsten Zusammenwirken von junger und alter Generation der Arbeiterklasse auf dem Boden des internationalen Sozialismus die wirksamste Form de- Kampfe- gegen den Krieg. Da- Exekutivkomitee der Sozialistischen Jugend-Internationale ist überzeugt, daß der Friedenswille des Proletariats und der arbeitenden Jugend das sicherste Bollwerk gegen den Krieg ist. Es beschließt daher folgend« praktische Maßnahmen: 1. Die Verbände werde» aufgefordert, die von der SA2 und dem JGB geführten Aktionen gegen den faschistischen Angreifer(Boykott, Kontrolle der Durchführung der Sanktionen, Knnd- gcbungen) z« unterstützen. 2. Die Verbände veranstalten am Vorabend des 1. Mai Weltkundgebungen der Sozialistischen Jugend gegen den Krieg. 3. Die Verbände veröffentlichen im Juli 1936 Sondernummern ihrer Zeitschriften mit internationalem Material über den Faschismus und di« Kriegsgefahr. 4. Das Sekretariat der SJJ wird beauftragt, im Einvernehmen mit den Vertretern der illegale« Verbände Flugblätter an die Jugend ihrer Länder herauszugebe«. 5. Di« Verbände werden aufgefordert, ihr« Propaganda zur Gewinnung antifaschistischer und indifferenter Jugendschichten für den Kampf gegen den Krieg zu verstärke». In tiefer Dankbarkeit grüßt das Exekutivkomitee der Sozialistischen J»g««d-2uteru»ti»- nale die tapferen jungen Sozialisten Italien-, die unter schwerste« Opfern den Kampf gegen den Wahnwitz Mussolini- und gegen sein faschistische- Regime führe«. Es grüßt di« deutsche sozialistische »er„Wundcrarzt of Ein ArbcltsHenditsprozcA, der 1 Prag. Die beiden Herren, deren Stritt vor dem hiesigen Arbeitsgericht Mittwoch begonnen und gestern bis auf weiteres einer ganz anderen Behörde zur weiteren Behandlung abgetreten wurde, sind interessante Ttwen. Beide stammen aus dem Osten der Republik und der eine, Karl Müller, klagte seinen angeblichen I Dienstgeber MUDr. Kalman Iakubo- v i e c z auf Abrechnung einer 20prozentigen Provision, auf die er als dessen„R eklgmechef" und„Vertreter gegenüber den Behörden" Anspruch habe. Den Wert seiner Forderung beziffert der„Reklamechef" mit 130.000 K5, und zwar für ein« etwa dreimonatige Tätigkeit! Einen Prozeß solcher Art bat das Arbeitsgericht kaum noch erlebt und der Fall verdient seiner monströsen Einzelheiten wegen eingehende Beachtung. Im Ämmst vorigen Jahres begann im Stki- brnbblatt„P oledni list" eine wahrhaft amerikanische Reklame für „Die Wunder vom Pokik" einzusetzen, als deren Urheber niemand anderer hingestellt wurde, als eben jener Dr. Kalman Ja- kubovicz, von dem behauptet wurde, er heile alle erdenklichen Krankheiten durch wundertätig wirkende Injektionen. Diese natürlich bezahlten Reklameartikel trieben, wie die Klage ausführt, dem„Wunderarzt" eine zahlreiche und gut zahlende Klientel zu, und die Anklage rechnet dem Dr. Jakubovicz vor, er habe monatlich 80.000 Kl verdient. Welcher Art diese wunderwirkende Behandlung war und welchen Wert sie hatte,'davon wird einerseits das bei der Aerztekammer anhängige Verfahren und andererseits die Staatsanwaltschaft ! zu entscheiden haben. Der Arbeitsgerichtsprozeß, von dem wir hick berichten, bildet nur den Auftakt zu weiteren und ernsteren Untersuchungen. Der Kläger Karl Müller verlangte also Abrechnung über eine Provisionsforderung und behauptet, daß der glänzende Ersatz de-„Wunderdoktors" einzig und allein seiner Tätigkeit als Reklamechef zuzuschreiben sei und Dr. Jakubovicz auf diese Forderung nur 8470 KL bezahlt habe. Wie der Vorsitzende GR. Dr. Jina bei der gestrigen Ver- hondlung bemerkte, besteht allerdings ein merkwürdiger Widerspruch darin, daß der Kläger sich in einem Atem auf„D i e n st l e i st u n- g« n" beruft und die ganze Tätigkeit seines Dienstgeber» als ärgsten Humbug, ja als eine Serie strafbarer H andlung en hinstellt. Schon von anderer Seite ist' öffentlich darauf hingewiesen worden, daß eine ganz^ Reihe„wunderbarer" Heilungen, die in den Reklameartikeln aufge- zählt wurden, sich als wüste Mystifikationen erwiesen, sei e». daß die angeblich geheilte schwere Krankheit(chronisches Asthma, RückenmarkSschwind- sucht) oder der Name des angeblich Geheilten oder dessen Wohnort gefälscht waren. Der Kläger behauptet, bei seiner Propagandatätigkeit in„gutem Glauben" gehandelt zu haben, da ihm Dr. Ja- kubovicz fälschlich vortäuschte, er arbeite mit so berühmten Fachärzten, wie z. B. Prof. Jiräsek zusammen. Für die entsprechende Reklame habe er ihm 20 Prozent von den Brotweinnahmen zugesichert. Der Wunderarzt wieder Webt die ganze Schuld für die schwindelhafte Propaganda seinem.Fieklamechef" in die Schuhe und behauptet, dieser habe sich freiwillig und ohne Anspruch auf Entgelt aus purer Dankbarkeit für eine gelungene Kur als sein Propagator betätigt, und zwar ohne Genehmigung und sogar gegen seine« Wille». Es existiere daher auch kein Dienstvertrag und kein Anspruch auf irgendein Entgelt. Im Gegenteil — alle Verfehlungen dieser üblen Propaganda feiert ausschließlich das Werk dieses„dankbaren Patienten"(!), zuletzt habe ihm dieser sogar seine Patien- ten-Karthotek gestohlen. Der Bertreter de- Kläger» blieb dieser Verantwortung gegenüber nicht stumm, sondern brachte gestern in seinem Vortrag «ine lang« Reihe von Illustration«» über die Tätigkeit des Dr. Jakubovicz, -'cht nur beweisen sollen, daß dieser dem„Redakteur" Müller einerseits ausdrücklich Auftrag zu seiner Tätigkeit gab, sondern auch selbst korrigierend eingriff, Rechnungen dieser Art bezahlte, täglich urst ihm geschäftliche Konferenzen hatte usw. Dr, Jak«- d sein..ttckiamcdicf“ •el der Staatsanwaltschaft endet bovicz habe aber darüber hinaus auch selbst eine rege Mquisitionstätigkeit entfaltet, was natürlich den strengen Vorschriften der Aerztekammer absolut loidersprechen würde. So habe er die Inhaberin eines Weinberger Bridge-Salons dafür gewinnen wollen, ihm bei ihren weiblichen Gästen Reklame zu machen und seine „Wunderinjektionrn" zur Unterbrechung der Schwangerschaft zu einpfehlen, wofür er.ihr prächtige Einnahmen versprochen habe. Die Geschäfte seien übrigens, dank der vom Kläger aufgezogenen Reklame so trefflich gegangen, daß Dr. Jakubovicz an' die Eröffnung eines„S a- naiorium Serum" gedacht habe, in welchem Kläger die Stelle des leitenden administrativen Direktors spielen sollte. Für die enge dienstliche Verbindung mit Doktor Jakubovicz beruft sich der Kläger auf eine Reihe höchst fragwürdiger Intervention«», bei denen er im Auftrag des Beklagten diesem zu absolut rechtswidrigen Erfolgen verhalfen habe. Der krasseste der angeführten Fälle ist zweifellos eine Intervention bei der Finanzverwaltung, die eine Steuerabschreibung von 41.000 KL zum Gegenstand hatte— unter der falschen Angabe, daß Dr. Jakubovicz nur 1400 KL monatlich verdiene und seine Familie hungere. Dar sei zu eben der Zeit gewesen, als der„Wunderarzt" eine Luxuswohnung und eine teure Geliebte hatte und seinem Sohn fünf Hauslehrer hielt. Hier bemerkte der Vorsitzende, daß das vom Kläger behauptete„Dienstverhältni»" nach den beiderseitigen Beschuldigungen eher die Bezeichnung einer„Mittäterschaft" verdiene und daß in dieser Angelegenheit wohl das Strafgericht würde sprechen nrussen^ Herr Müller, der die Ausführungen seines Anwaltes immer wieder durch farbige Detailschilderungen ergänzte, schilderte ferner, wie Dr. Jakubovicz koinödienhafte„Dankszenen" angeblich geheilter Patienten arrangiert habe, wobei er sich z. B. von einer dazu gemieteten alten Frau die Hand küssen ließ, um anderseits einem durch zwei Jahre vergeblich behandelten Offizier noch am Rande des Grabes ein ungeheuerliches Honorar abzupressen. Rede und Gegenrede— Beschuldigung und Gegenbeschuldigung. Schließlich zog sich das Gericht zur Beratung über einige prozessuale Anträge zurück, auf die wir hier nicht eingehen wollen. Denn die Beratung endete damit, daß das Arbeitsgericht beschloß, vorerst einmal die Akten der Staatsanwaltschaft atzntreten, da der begründete Verdacht beiderseitiger strafbarer Handlungen vorliege. rb. Meder Margarinenot? Ungenügende Freigabe der K»rnstfetttonttngente für das zwefte Vierteljahr. Bekanntlich bewilligte das Handelsministerium den Margarinefabriken für das erste Jahresviertel 30 Prozent des gesamten Jahreskontingentes zu erzeugen. Aus Zeitungsberichten erfahren wir, daß für das zweite Jahresviertel nur 20 Prozent sreigegeben werden sollen. Während die 30 Prozent für da- erste Jahresviertel genügend waren, weil in diese Zeit die Hausschlachtungen fallen, sind LO Prozent für das zweite LahreSviertel viel zu wenig. Eine derart kleine Freigabe würde eine krasse Fettnot für dse ärmsten Menschen bedeuten, die eben ihren Fettbedarf nur in Kunstfett decken können. Mit Recht verlangt da» Sozialministerium auch für das zweite Jahresviertel die Freigabe, von 30 Prozent. Wir appellieren an das soziale En»pfinden aller jener, die über diese Frage zu entscheiden haben! Sie möchten bedenken, daß durch eine beschränkte Zuweisung von Margarine und Kunstfett die Lebenshaltung der ärmsten Menschen neuerlich verschlechtert wird, ohne daß dem Butterkonsum geholfen werden kann. Der überwiegende Teil der Verbraucher von Kunstfett hat nicht soviel Geld, um die doppelt so teuere Naturbutter zu kaufen. Was treibt das Handelsministerium? Ist es denn Bei Schmerzen :«tt-17711 ■Ihn Apothikm in den Gelenken und Gliedern, Kopfschmerzen und bei Erkältungen hilftreweh Togol. Hoben Sie Vertrauen zu Togal. Ein Versuch überzeugt. Viele Xrztegutachten seine Aufgabe, die Produktion, den Handel- zu bremsen? Glaubt das Handelsministerium, daß es die angeblichen Interessen der Landwirtschaft zu vertreten hat? Das besorgt schon Herr Minister Dr. Fadina ausgiebig genug. Es ist doch allen klar, daß das festgesetzte Jahreskontingent nicht reichen wird und Nachtragskontingente bewilligt werden müssen, will man nicht Unruhe schaffen. Warum also eine langandauernde Fettnot Hervorrufen, die die Unzufriedenheit der Ber- brauchermassen immer mehr und mehr äufftacheln muß? Wenn, im ersten Halbjahr 60 Prozent verteilt sein werden, bleiben eben für das zweite Halbjahr nurmehr 40 Prozent plus der von allen erwarteten Nachtragsfreigabe.* Aktuelle Wirtschaftsfragen Bei der Lösung der Wirtschaftsfragen dütfen nicht allein die Interessen derjenigen Schicht»m Volke Berücksichtigung finden, die sich durch den Besitz der Produktionsmittel auch des größten Teiles der Wirtschaft bemächtigt haben, sondern im Vordergrund daben dabei die Interessen derjenigen Millionen Menschen zu stehen, die das Volk ausmachen! Der V e rbanddeutscher Wirtschaft sgenoss enschaften vertritt mehr als 1% Millionen deutscher Verbraucher. Wenn er auf seinem X. Verbandstag seine Forderungen zu den aktuellen Wirtschaftsfragen erhoben hat, so verdienen sie höchste Beachtung. ZuderJndustrieorganisierung wird in der von ihm einstimmig gefaßten Entschließung diese Stellung bezogen: .Kartelle und ZwangSsyirdikatr find kapitalistische Organisation»!»»»»»«» und dienen daher kapitalistischen Interessen. Sie find in ihrem Wesen verbraucherfeindlich. Auf dem Weg« der zwangsweisen Syndizierung der Industrie wollen die kapitalistischen. Unternehmer die Sicherung des Kapiialprofites auch zu Zeiten der Krise erreichen, und zwar ohne Rücksicht auf die Interessen de» werktätigen Volkes und der Verbraucher. Gegen solche Absichten erheben wir unseren entschiedensten Protest. Sollte e» dennoch zur zwangsweisen Syndizierung der Industrie kommen, so fordern wir als Verbraucher industrieller Erzeugnisse einen ebensolchen Einfluß auf die Preisfestsetzung wie die Erzeuger. Wir verwahren uns gegen die Absicht, die genossenschaftlichen Eigenbetriebe in irgend einer Weise in ein System der Syndizierung der Jndusttie einzubeziehen. Hinsichtlich der Kartelle erneuern wir unsere Forderung nach einer Rovellisierung des KartellgesetzeS unter Bedachtnahme auf die In« tereffen der Verbraucher. So verlangen wir insbesondere, die Kartellvertrüge der Oeffentlichkeit zugänglich zu - machen und die Preispolitik der Kartelle einer ständigen Ueber- prüfungunter Hinzuziehung von FachleutenausVerbraucherk reisen zu unterziehen." Die Wirtschaftsplanung wird von dem Verband deutscher Wirtschaffsgenossenschaften nur insoweit unterstützt, soweit sie der Steigerung des Verbrauches und den Inter-, essen der Allgemeinheit dient, sie ftnbct schärfsten Widerstand, wo sie durch weitere Monopolisierung sich als einseitiger Produzentenschutz enthüllt. Es wird zur Erzielung angemessener Marktpreise die Freigabe der Einfuhr für jene Waren gefordert, die im Inland nicht in ausreichender Menge erzeugt werden können. Gegen Pläne des Gewerbes, die Konsumgenossenschaften durch Festsetzung von Minimälpreisen zu Preiserhöhungen zu zwingen, wird entschieden protestiert. In der Notwendigkett eines erhöhten Ber« braucherschutzes liegt die"Forderung nach Errichtung vonKonsumentenkam- m e r n begründet. Es sollen ihnen dieselben Rechtsbefugniffe zustehen, wie sie die Landeskulturräte als öffentlich-rechtliche Interessenvertretung der Landwirtschaft und die Handels- und Gewerbekammern als öffentlich-rechtliche Interessenvertretung von Jndusttie, Handel und Gewerbe besitzen. Zur Steuerpolitik wird an.den Staat das Verlangen gestellt, auf die Lage der Berbrauchernmssen Rücksicht zu nehmen. Jede Erhöhung bestehender und Einführung neuer Verbrauchssteuern, ebenso die beabsichtigte Erhöhung der Erwerbsteuer für die Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften wird abgelehnt. Wenn andere Wirtschaftsgruppen auf ih»en Tagungen Forderungen erheben, so sprechen sie stets nur für. einen zahlenmäßig schwachen Jn- teressentenkreis. Die Sttllungnahme des Verbandes deutscher Wirtschaftsgenossenschaften zu den aktuellen Wirtschaftsfragen aber entspricht den Jittereffen von nahezu 90 Prozent unseres Volkes! Seite 6 „Sozialdemokrat" Samstag, 11. April 183«. Rr. 87 HEUTE DER LETZTE TAG zum Osiereinknuf von Schuhen und Strümpfen. Eine Henne gackert am Brückl * Mitren im Gedränge der Stadt gackert- hell und vernehmlich eine Henne. •-„Tccktoktoktoktok-taak I" Man sticht und schaut sich um. In der Nähe ist die Markthalle— es wäre-nicht ausgeschlossen, daß. da eine Henne lebend entkommen und nun, in- Wjirert durch die vielen bunten Ostereier der industriellen Konkurrenz, am Brückl ein Ei"gelegt hätte -^- n.h r Osterei eigener Produktion. Und nun der» kündetsie laut, und eifrig das getane-Werk. „Toktoktoktoktok-taak I" S Eine, ganze Mißerfolge ruft das herbei. Ländliche-Landschaft im Osterlicht, knospende Zweige gÄchzen.-Hühner scharren im Mras, bunt,"rot und grütt, sprühend.sunkelt der Hahn,,-grüne Wiesen- arürwe mit gelben Blumen schmiegen-sich weich ins BfuhtälMnW,. Fahnen"tvehien über" Tramhhütten,. es riecht'" köstlich- nach' Holzrauch und das Äasser schnitzt-< u Nd' murmelt- einL'Osterlandschaft. hell üijter'?chläuem Himniel und- weißen Wolken zaubert" sich'hin mitten ins" Getriebe der" Stadt. Hoffentlich-wird das alles so. schön, wie es die Phantasie verheißt. Man schaut zum Himmel— wird er den Stadtmenschen die Flucht aus der Enge und zwei sonnige Tage im Freien gönnen...? ,^Loktoktoktoktok»taak I" .. Eine Gruppe Menschen steht eng beisammen. Aus ihrer Mitte schallt der Ruf— da steht ein Man», ein-Straßenhändler. Er verkauft einen SchÄzarkikel. Ein kleines offenes Päppkästchen mit einem grauen Plüschhühnchen darauf und einem Spagat daran. Die Schnur hat er mit Kolophonium eiNgerieben, und wenn er sie ruckweise durch die Finger zieht, entsteht täuschend ähnlich das Gackern einer Henne: Das Pappkästchen dient als Resonanz und so durchdriitgt der Ruf weithin und hell den Lärm der Stadt. „Toktoktoktoktok-tak"— es hat genügt, eine ganze Osterlandschaft alt lockende-Fata morgana ins Gedränge.am Brückl hinzuzaubern. Auch anderen geht es so. Sie kaufen sich so ein Ding, gehen lächelnd davon und lassen zur Probe den Spagat gak- kevn. Und nych einmal. Und nun schallt da und dort der Ruf. Fremde Menschen lächeln einander zu-— es ist nur ein komisches Spielzeug, aber der Ruf des hellen freien Landes im Lsterglanz hallt in die Stadt..Und allen, die ihre Aüsflugspläne für die Fejettz^e hgben. rutt-er chi:„»Fröhliche Ostern!"- Tödlicher Arbeitsanfall. Der 28jährige Klempner Karl Mercl aus Jickbnitz, der gestern früh aus dem- Dach her Fabrik Walter u. Co. in Jinomtz arbeitete, stürzte er plötzlich von Schwindel erfaßt in -en Hof und wurde mit einem Schädelbruch, einer Ouetfchung des Rückgrats und einer Rißwunde"am Kopfe auf die Klinik Jirasek gebracht. Seine Verletzungen sind tödlich." Die Gendarmerie in Hlubo- cep.untersucht den Fall. TodeSsturz vom Motorrad. Der 26jährige Franz Bclihar und der 21jährige Ludwig Cim-, tutet, beide Metalldrechsler aus Smichov, fuhren vorgestern nachmittags auf ihrem Motorrad-6492 P die Hlubokeper Landstraße entlang, wobei sie gegen den" rückwärtigen Teil eines vor ihnen fahrenden Autos stießen. Belihar, der das Motorrad lenkte, stürzte zu Boden und erlag während des Transportes auf dir Klinik Schlösser seinen schweren Verletzungen. Ciutburek hat nur eine leichte Verletzung am.linken Fuß erlitten. Ohne Licht gefahren. Ein etwa 27jähriger unbekannter Mann wurde gestern mittags auf die Klinik Jirasek eingeliefert; er war ohne Licht auf! dem Rade" auf der Straße-nach Bichowitz gefahren und"hiebei" von einem unbekannten Automobilisten Greta Garbo in dem Film„Der. bunte Schleier" mit chrem >;"» neuen Partner George Brent. zu Boden geschleudert worden. Er hat eine Gehirnerschütterung und einen Bruch der Schädelbasis erlitten. Seine"Verletzungen sind tödlich. Die Bechowitzer Gendarmerie untersucht den Fall. Ein Kind trinkt Lange statt Likör. Die Arbeiterfrau Antonie Suchä räumte gestern ihre Wohnung auf, wobei sie verschiedene Flaschen in den Küchenschrank einräumte. Ihr dreizehnjähriger Sohn Milos wollte bei dieser Gelegenheit den selbstgemachten Heidelbeerlikör seiner Mutter kosten, verwechselte die Flaschen und trank eine Flasche mit Lauge zum Teile aus. Er wurde sofort ins tschechische Kinderspital gebracht, wo sich seine Verletzungen als leicht erwiesen. Sprung aus dem Krankenhausfenster. In der Nacht auf gestern sprang der 68jährige ehemalige Tischler Franz Liska aus dem Fenster deS im dritten Stockwerk gelegenen Abortes des Allgemeinen Krankenhauses in Prag ll in den Hof und blieb tot auf dem Pflaster liegen. Das Motiv der Tat ist unbekannt. Die Leiche wird seziert werden. Postschalter znm Internationale« Kongreß des Freie» Gedankens. Anläßlich des Internationalen Kongresses des Freien Gedankens in Prag wird am 12. April in den Räumlichkeiten des Gemeindehauses ein eigener Postschalter des Postamtes Präg I errichtet werden. Der Schalter wird die Bezeichnung „Praha I— Mezinärodni kongreS Volne myslenky" führen. Die Tätigkeit dieses Schalters wird sich auf die Aufgabe gewöhnlicher und eingeschriebener Briefpostsendungen und auf den Postwertzeichenverkauf erstrecken. Die Amtsstunden des Schalters werden ununterbrocheu von 8 bis 18 Uhr festgesetzt. Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Sitzung der Exekutive Am Dienstag, den 14. April, um 7 Uhr abends im„Sozialdemokrat", r.» Vezirksvertrctung am Freitag, den 17. April, 8 Uhr abends, im Parteiheim wichtige Sitzung Zwanzigjähriger dingt Sechzehnjährigen zum l'eberfall auf den eigenen Vater ^Jugendgericht.) ,■ Prag. Vor dem Jugendgericht(Vorsitz OGR. Dr. Svoboda stand gestern ein S e chz e h n.j ä h- -ri0er unter Anklage des Raubversuches und ein-Zwanzigjähriger fungierte als Hauptzeuge und gleichzeitig Anstifter zu diesem schweren Verbrechen. Dieser,«in gewisser Franz Kovaiik, wird in besonderem Verfahren vor dem Kreisgericht verfolgt werden, bei welcher Verhandlung wieder der gestern abgeurteilte Jugendliche als Zeuge auftreten wird. Der Sachverhalt ist einzigartig. Jener Franz Kovaiik ist der Sohn eines anständigen Arbeiters, aber arbeitslos und- wohl von Natur aus ein defekter Charakter. Er verbrauchte unverhältnismäßig viel Geld, ohne selbst zu verdienen und sein Vater hielt ihn nach mehreren schlechten Erfahrungen knapp und. in strenger Zucht. Der junge Mensch verfiü nun auf einen ganz ungeheuerlichen Plan, zu dessen Mitwisser und Vollstrecker er den angeklagten Jugendlichen erwählte, auf den er"offenbar großen Einfluß hatte. Dieser Plan bestand in nichts geringerem, als daß der 16jährige Komplice den eigenen Vater des Franz Kovaiik an einer geeigneten Stelle überfallen und durch Hiebe gegen den Kopf wehrlos machen sollte. Dann sollte im letzten Augenblick als Helfer in höchster Rot der Sohn des Ueberfallenen auftauchen und seinen Vater.retten". Von dieser.Rettung" versprach er sich ein entsprechendes Geschenk des dankbaren Vaters und weiterhin mehr Freiheit und reichere Geldzuwendungen. Die beiden Komplicen faßten di« Sache systematisch an und studierten durch sechs Wochen täglich auf dem Sandberg, der umvirtlichen Hochfläche hinter dem Petiin den Ueberfall ein. Als Schlaginstrument sollte zunächst ein eiserner Drtu fuß dienen, den sie irgendwo auf einem Kehrichthaufen aufgelesen hatten und in einer Höhle versteckt. hielten. Dieses zweifellos gefährliche Werkzeug wurde indessen— glücklicherweise— von unbekannter Hand geswhlen und so nähmen sie statt seiner eine alte Holzlatte. Als sie sich für hinlänglich trainiert hielten, setzten sie am 18. Dezember v. I. den Anschlag tatsächlich in Szene. Als Kovakiks Vater nachmittags aus der Arbeit, in sein« Bkepnover Wohnung heimkehrte, sprang ihn der Jugendliche, ganz im emgelernten Stil, an und schlug ihm die alte Latte Wer den Kopf, die in- deffen sofort in zwei Stücke brach, denn sie war bereits völlig vermorscht. Der Ueberfallene erschrak auch gar nicht, denn der Angreifer ist ein armseliges," kleines, verwahrlostes Bürschchen— ein uneheliches Kind übrigens, aufgewachsen in Not und Verkommenheit. Der alt« Kovaiik dachte also gar nicht daran davonzulaufen, sondern ging auf den jämmerlichen Angreifer los. Dieser ergriff die Flucht und ebenso der hinter einem Busch versteckte liebevolle Sohn, der gegen seine Berechnung um die Roll« des.Retters" gebracht wurde. Der Ueberfallene erstattete Anzeige— ohne zu wissen, daß er damit den eigenen Sohn hinter Schloß und Riegel brachte... Die Verhandlung vor dem Jugendgericht wurde nach Verlesung der Anklageschrift»aus psychologischen Gründen" für. geheim erklärt. Das Urteil lautete auf zweieinhalb Jahr« Verschließung. Nach Strafverbüßung werden sich die sozialen Fürsorgestellen des verwahrlosten Jugendlichen annehmen, rb. lümst und Wtesen, „Loheugrin", mit Fin« Reich.Törich«nd Zdenka Zikovä, als Arbeitervorstellung"(Maifestvorstellung) am Donnerstag, den 30. April, um halb 8 Uhr abends im Neuen Deutschen Theater. Karten ab Dienstag, täglich von 8 bis 2 Und 4 bis 6 Uhr, bei- Optiker Deutfch, Koruna. W-chenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Samstag 8: Unentschuldigt« Stunde, A 2.— Sonntag halb 3: Lieb« ist nicht s o einfach, halb 8: B o c c a c c i o. B 1.— Montag 3: I ch und mein kleiner Bruder, 7 Uhr: R o s e n k a v a l i e r, C 2.— Dienstag halb 8: O r p' h e u s i n derUnterwelt, A 2.— Mittwoch hall« 8: L y s i ft r ata, B 2.— Donnerstag halb 8: D e r h e i l i geAnto- nius, C 2.— Freitag halb 8: DasMädch« n ausdeurgoldenenWesten, D2.— Samstag 7: Tristan und Isolde, B 2.-— Sonntag habb 3: D r. m ed. Hiob P r ä t o- r ins, halb 8: B o c"c a c c i o, A 1." Wachenspielplan der Kleinen Bühn«. Samstag halb.8: M o r d P r o z e ß F olkn er.— Sonntag 3: D r. m ed. Hiob Prätor i u s, halb 8 Uhr: M o r-Prozeß Falkner.— Montag halb 8 Uhr: Ein Kind klagt an, 8 Uhr: Unentschuldigt« Stunde.— Dienstag 8 Uhr: Wordprozeß Falkner, Bankbeamte II und freier Verkauf.— Mittwoch 814: D r. m ed. Hiob Prätori us.— Donnerstag 8:Dr. med. HiobPrätorius.—- Donnerstag 8: D r. med. HiobPrätorius. — Freitag 8: Mordprozeß Falkner, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8: I ch und mein kleine r B r u d e r.— Sonntag 3%: Unent- schuldigte Stunde, 8: Morpr-ozetz Falkner. Uereiftsnacfcritfcten. im großen Radiosaal, Fochova 56, bei der Großen Atus-Akademle unter Mitwirkung der Bolkssinggemeinde, der| sozialistischen Jugend» der roten Falken und der Nestfalken. Alle bemühen sich, um den Genossen einen schönen Nachmittag zu bereiten! Regiebeitrag: Erwachsene 5 XL, Kinder 2 KL. Kaufet die Karten im Vorverkauf bei den Vertrauensmännern. © Ortsgruppe Prag. Samstag Zusammenkunft beim Denkmal, Wilsonbahn- hof, um viertel 3 Uhr. Fahrt nach Lüboch. O Deutsche BolkSfinggememde, Prag. Dienstag, 14. April, Hauptprob« zur- Atus-Akademi«- von halt 8 biS 8 Uhr abends in unserem UebunKslokal für Männer und "Frauen. Daselbst auch Näheres über die Akademie. Kreditanstalt der Deutschen SÄ'**” Verwaltungskapital 930 Millionen Kc. tzaftungSkapital 90 Millionen W. 91 MoSeeiassuu-eu. MtteiüuiAenä«»Urania« I« di« Blumenausstellung. Leitung Dr. Herbert Meyer, Assistent am pflanzenphysiologischen Institut. Hochinteressante Exkursion. 3.— und 4.—• Kc. Treffpunkt Montag 11 Uhr Urania-Haus. Unvergeßliche Filme:„Fünf von der Jazzband". Lustspiel mit Jenny Jugo üsw. Ostersonntag und Montag 11 Uhr vormittags. Urania-Kino Heute deutsche Premiere„Die Sextanerin", zum ersten Mal in deutscher Sprache. Heute 6, 8% Uhr, Osterfeiertag« 2, 4, 6, 8% Uhr. Filme in Prager Lichtspielhäusern UraniaKino:„Die Sextanerin." Premiere in deutscher Sprache! Schwanecke, Wanka ustv.— Adriar„Die ganze Stadt spricht davon."—A.— Alfa:„Die lustig« Scheidung." Astaire,— A.— Avion:„Mädchen mit Prokura."— D.— Beranek: „Die Sextanerin."— Tsch.— Ffnix:; ,2>er bunte Schleier." Greta Garbo.— A.— Flora:„Sturm Wer dem Gran Chaco."— A.— Gaumont:„Der Favorit der Zarin."— D.— Hollywood:„Viktoria." L. Ullrich.— D.— Hvczda: W.-DiSney- Mickeh-Programm. Für die Jugend.— Julis:„Di« unmögliche Frau."— D.— Kinema, B.-Th.l Journale, Groteske, Report.— Koruna: Aktualitätenbühne: Journale, Groteske.— Kot»» B 36:„Die Kameliendame."— Fr.•—Lncerna:■„Der bunte Schleier." Greta Garbo.— A.— Metro:„FW ein Weilchen Glück."— A.— Olympic: m S ch.a t- ten der Flugzeug«." R.— Passage:„Der Favorit der Zarin"— D.— Praha:„Durch die Wüste."— Skaut:„Die Sextanerin."— Tsch.— Svitozor:„Die unmögliche Frau."— D.— Alma: „Die Junggesellenbraut."— A.— Bajkal:„Frau in Ketten."-—A.— Belvedere: ,Ln den Gäßchen von Paris." Chevalier.— Fr.— Beseda:„Der Student von Prag."—D.—Carlton:„Sequoia." — A.— Illusion:„Die Junggesellenbraut."— A. — Kapitol:.Melodie der'W^si 1936."—A.— Kino Svanda-Theater: Grot. Journ. F. d. Jug. — Konvikt:„D i e sündigenFrauen von Boom."— Fr.— Lido:„Die Sextanerin.":— Tsch.— Louvre:„Die Sextanerin."— Tsch.— Maceöka:„Benvenuto Cellini."— A.— Roxy: „Der kleine Oberst." Temple.— A.— Sport:„Variete."— D.— tt Bejvodu:„Katharina— die Letzte." Franz. Gaal.— D.—» Baldek:„Sturm über dem Gran Chaco."— A. Beletrhy:»Leise flehen meine. Lieder."— D., Mitteilungen ans dem Publikum. Der Lfterhase gewinnt seine Wette mit dem hl. Peter, daß er Ihnen die größte Freude mit eleganten Schuhen und feinen Strümpfen von Bata bereitet, die' bei ihrer guten Qualität doch so billig sind. 1■ 2 « Hochleistungs-Drehbänke, Fräsmaschinen, Radialbohrmaschinen, Bohrwerke, Shaplng- u. Hobelmaschinen Spannfutter in modern*ter Ausführung erzeugt: Werkzeugmaschinenfabrik Arno Plauert Warnsdorf, graphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VIIl1930 bewUigt.— Druckerei: jDdnS". Druck-, Verlags-»nd Zeitungs-A.-G. Prag.