Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller Porto) 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion UNO Verwaltung präg JUL, fochova«. TELEFON 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR» DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 16. Iahraang Sonntag, 12. April 1936 Nr. 88 des deS blemstellungen. Hildebrand sah auf dem Höhepunkt des westeuropäischen Industrialismus seine kommende'Erschütterung. Daß uns Nordamerika mit Riesenschritten überholen wird, daß sich Rußland in raschem Tempo industrialisiert, daß in Südamerika und im Fernen Osten neue Wirt- schaftsreiche erstehen, sagte er vor einem Vierteljahrhundert mit bewundernswerter' Sehergabe voraus. Unabwendbar schien ihm die Ändustnali- „... Europa kann nicht mehr gerettet werden. Nur wer die Weltgeschichte nicht kennt, könnte denken, daß Staatsmänner in der Lage wären, Europa zu retten^ Agonie, Streitigkeiten, neu« Wunden, Alterstod und tragisches Eiüie: das ist das Schicksal Europas. Aber wer denkt, die Lage würde einen neuen Krieg verursachen, ist ebenfalls im Irrtum. Europa ist nicht stark genug, um einen Krieg zu führen ES hat nicht genug Mut und Lebenskraft. Aber was nnmer in Europa geschehen mag. es ist kein Weltproblem mehr. Die Welt wird nur als schauer dfe Agonie, die Dekadenz und den Europas mitansehen..." sierung der Agrarländer diesseitsund ienseitsder Meere und damit der Fäll des westeuropäischen Jndustriemonopolsist der Weltwirtschaft. Soist eS muh gekommen.'Ter Weltkrieg häk eine Ent- wicktung,. dfe sich piefleicht Ms MZMhnte erftxeckt hätte, katastrophenhaft beschleunigt. Die Agrarländer bauen auf eigener Bauernbäsis ihre- neuen Industrien auf. Die alten Industrieländer können ihre Bauernbasis nur wenig oder gar nicht verbreitern. An Lebensmitteln und Rohstoffen herrscht beängstigender Überfluß. Er ist größtenteils nicht anzubringen, weil sich die früheren Bauern- und Farmerländer weigern, den Er- zcugungsüberschutz der alten Industrieländer aufzunehmen, weil sie lieber ihre eigenen Industrien ,,—' nicht zuletzt aus wehrpvlitischen Gründen— entwickeln. Die Strukturkrise des Kapitalismus verschärft noch diesen Zustand, denn sie hindert durch die Abwürgung der Massenkaufkraft Arbeiter und Bauern selbst innerhalb der Landesgren- Wn daran, ihre Produkte auszutauschen. Nordamerika mit denkbar breitester Nahrungs- und Rohstoffbasis hat seine 12 Millionen Arbeitslosen. Aber die gewaltigen Veränderungen in der Weltstruktur haben das soziale Problem in doppelter Bedeutung aufgeworfen. Es geht nicht mehr allein um die Neuordnung von Produktion und Konsumtion im eigenen Lande. Es geht auch um die Neuordnung der wirtschaftlichen Beziehungen innerhalb der Staaten und Kontinente. Europas Nutznießerrolle an der kapitalistischen Wellaüfschließung ist dahin. Seine Position in der Weltwirtschaft ist erschüttert, ja auf das schlimmste gefährdet. Große Reiche, ganze Kontinente richten sich darauf ein, auf die europäische Leistung zu Verzichteck; ja noch mehr: der japanische, der amerikanische, morgen vielleicht auch der chinesische und indische Kapitalismus ziehen aus,, den europäischen Industrialismus auf seinen .heimatlichen Märkten zu schlagen. Genf. Die abesiinische Delegation hat in Addis Abeba um Weisungen für die Verhandlungen mit den italienischen Delegierten ersucht, welche kommende Woche unter der Aegide des Vorsitzenden des Dreizehnerausschuffes ausgenommen werden sollen. i Genf.(Reuter.) Hiesige berufene Kreise erklären; daß die Nachrichten unrichtig sind,§ denen znrolge der Ncgus in einem Telegramm an Minister Eden mitgeteist habe» daß seine Situation verzweifelt sei und daß ihm nur- mehr 8000 Soldaten übrig bleiben, auf die er sich verlassen könne. Uederempflndllck Wie nachträglich gemeldet wird, hat der italienische Vcrrrcter zu Beginn der Locarno-Be- sprechmigen mn Freitag namens seiner Regierung eine Erklärung abgegeben, worin sich Italien beschwert, daß cs bei allen kürzlich ergangenen offiziellen Verlautbarungen der. britischen Regierung in Sachen der Rheinlandskrise„offensichtlich ignoriert" worden sei. Er habe daher den Auftrag, an jede der vertretenen Mächte die Frage zu richten, ob die Anwesenheit Italiens und seine Mitarbeit an einem neuen Locarno e r- wünscht erscheine. Sollte dies nicht der Fall sein, so habe Italien„keinerlei Gründ, irgendwelche Gefahren und Verantwortlichkeiten zu übernehmen, und es Müßte sich Vorbehalten, sein weiteres Verhalten entsprechende! n- z u r i ch t e n." * Addis Abeba. Die abessinische Regierung sandte ein Protest-Telegramm wegen der ständigen Verschiebungen der Behandlung abessinisch-italienischen Konfliktes nach Genf. Der tragische Hintergrund Im Iahte 1910 ist in Jena ein Buch erschie nen.' Das Buch eines Außenseiters der Sozial demokratie^Deutschlands, der sich später von der Partei getrennt hat(Gerhard Hildebrand:„Die Erschütterung der Jndustrieherrschast und des IndustriesozialismuS"). ES ist längst vergriffen, nur noch in' wenigen Bibliotheken ansMdbär.,_.......... ,, Dennoch bleibt es ein unentbehrlicher Beitrag; weil sich eine ganze Reibe von.jungen Völkern I Ungarn oder in der Tschechoslowakei schon wirl- zur Erkenntnis der modernen europäischen Pro-j gegen die deutsche, industrielle. Vorherrschaft, auf jchafispolitisch; gewinnen? Deutschland hat seine Dieses japanische Todesurteil über Europa, erschienenem der großen Tokioter Tageszeitung „Zomiuri" entnehmen wir der schweizerischen Zeitschrift„Der Europäer". Wird es sich erfüllen? Wird Europa jenen Selbstmord vollziehen, auf den seine ostasischen Erven•;— und nickt nur diese— schon warten? Das ist die große Schicksalsfrage unseres Kontinents, um deren Entscheidung das diplomatische Würfelspiel geht. So spricht der junge japanische Kapitalismus. Er siet-nur die tödlichen Schwierigkeiten des kapitalistischen Europa und zieht daraus seine Schlüsse. Sie siisic übereilt. Ter japanische Imperialismus denkt in seinen eigenen Begriffen. Er sieht nur das Versinkende in der europäischen Staatenwelt, nicht ihre gefesselten Aufstiegskräfte. Das Vergebende, nicht das Kommende. Europa ist noch zu retten. Aber es muh sich der tödlichen Gefahren bewußt werden, die es umlauern^ Nicht nur seine inneren Schlvierigkeiten» sondern auch seine äußeren» Gefahr du ng en gilt es zu erkennen. Untergang oder Rettung Europas steht auf der Tagesordnung seiner Völkerschicksale. Rüdcschlag und Wirrnis Der Weltkrieg ist ausgebrochen, weil in der Weltwirtschaft für den englischen und deutschen Kapitalismus nebeneinander nicht Platz war, Reihe Die Sdiidcsalskrise Europas Die diplomatischen Fronten spiegeln die innere Lage des Kontinents und sein Verhältnis zu England nur ungenau. Wie weit gehen Frankreich und England zusammen, von welchen Punkt an streben sie auseinandsL? Ist Italien des braunen Deutschland Bundesgenosse oder der stille ^Partner Frankreichs gegen Hitler? Wo steht Polen nach innerem Entschluß? Niemand weiß, ob es morgen mit Deutschland gegen Rußland ziehen wird oder mit Frankreich gegen Deutschland. Der Unsicherheitsfaktoren im europäischen Kräftespjel ließen sich noch mehr aufzählen. Zwischen den diplomatischen Gruppierungen läuft so mancke Ouerverbindung. Der arme Zeitungsleser weiß zum Schluß nicht mehr, was eigentlich in London beraten und in Genf vertagt wurde. Wissen die Staatsmänner, um was gespielt wird? Im Negativen wohl, im Positiven weniger. Richtig scheint zu sein, daß die Mehrheiten aller am Spiel be- telligten Völker keinen Krieg wollen. Sonnenklar isr, daß alle übrigen europäischen Staaten, einschließlich Italiens und sogar Polens keinen deutschen Waffensieg und keine deutsche Kontinentalherrschast wollen. Das aber ist nur ein negatives Ziel. Kommt es aber auf dieses durchaus unfruchtbare Wollen entscheidend an? Leider nur bedingt. Japan hat es in der Hand, morgen in der Mongolei loszuschlagen, die Sowjetunion zum Waffengang herauszufordern, Hitler-Deutschland das Stichwort zum Losschlagen zu geben. Was .nützen dann alle Friedensresolutionen? Europa hat sein Schicksal, nicht mehr allein in der Hand. ^Dfls Stück Selbstbestimmung, das ihm noch geblieben ist. wußte es bisher nicht zu nützen. Um jeden Preis vorwärts I London. Der Kriegsberichterstatter Reutcrbüros meldet: Die Italiener beabsichtigen nunmehr zu h ö ch st entscheidenden Kriegsoperationen zu schreiten, um den Krieg in den nächsten Wochen zu beenden. An der Nordfront geriet die italienische Vorhut, die entlang der- sogenannten Negusstraße vorrückt, in der Umgebung von W a l d i e mit abessinischen Truppen in Kampf, die von Ras 2 e y o u m und von Ras Kassa reorganisiert wurden. Diese italienische Vorhut ist bis auf 100 Kilometer von Dessie dorgedrungen, das die Italiener im Läufe der nächsten Woche zu besetzen hoffen. Die von Gondar vorrückende italienische Kolonne befindet sich jetzt in der Umgebung von Debra Tabor.-■., An der Somalifront haben vorzeitige Regengüsse begonnen, wodurch die Kriegsoperationen wahrscheinlich verlangsamt, wenn nicht ganz zum Stehen gebracht werden würden. Rach von Addis Abeba eingetroffenen Nach, richten schlagen die Abessinier an der Ogaden- front erbitterte Angriffe der Armee deS Generals Graziani zurück, obwohl' die Italiener Giftgase verwenden. Es sind erbitlerie Kümpfe im Gange. Mussolini will den Frieden diktieren Ohne Vermittlung des Völkerbundes Paris. Ter römische Korrespondent des „Paris Midi" meldet, Mussolini scheine der sofortigen Aufnahme von Frirdensverhandlungen mit Abessinien nicht geneigt zu sein. Er erwarte vielmehr in den nächsten Tagen einen neuen entscheidenden Sieg der italienischen Armee in Abessinien und wolle dann Abessinien selbst und ohne Vermittlung des Völkerbundes die Frirdensbr- dingungen diktieren. Dir Drohungen mit einer direkten oder indirekten Aktion Englands, wie sie Minister Eden in Genf formuliert hat, würden in Italien ruhig ausgenommen und als„u n- überlegt" bezeichnet. dem Kontinent erhob. Sie wollten ihren eigenen Kapitalismus haben, ihre eigene Industrie, ihren eigenen Staat. Deutschland ist unterlegen, Oesterreich wurde in seine industriellen und agrarische» Zonen zerstückelt. Der Rückschlag, den ganzEuropa in den Bereichen der Weltsvirtschaft erlitt, mar schlimm genug. Er wurde noch verschärft durch den Äutarkiewahn, der dem Kriege folgte. Tie Sieger vermochten zwar ein neues politisches Statut zu schaffen, doch sie haben es nicht verstanden, Europa wirtschaftlich zu reorganisieren. 1910 schrieb Hildebrand:„Die Zeit, sin der jede Bevölkerungsklasse, jede Nation ungestraft nur an sich selbst denken konnte, nähert sich für die mittel- und westeuropäischen Industriestaaten mit schnellen Schritten ihrem Ende. Ein neues Ge- ckteinschaftsgefühl macht sich notwendig, per Selbsterhaltungstrieb dsr führenden Kulturvölker des neunzehnten Jahrhunderts muß und wird sich im zwanzigsten verwirklichen." Die Kapitalistenklassen aller kriegführenden Länder haben, nur au sich selbst gedacht. Lm Kriege unp nach dem Kriege wurde die europäische Völkersolidariräk mit Füßen getreten. Das besiegte Deutschland litt am schwersten darunter. Es verlor seine Handelsflotte, seine Auslandskapitalien, seine Kolonien. Dazu sollte eS durch Generatioireu astronomische Kriegsentschädigungen zahlen. Hier sollen kem» Schuldfragen aufgeworfen"werden. Alle haben sich seit 1914 an den ehernen Geboten der europäischen Schicksalseinheit schwer versündigt. Jeder Europäer hat heute vor der Tür seines eigenen Volkes genug zu kehren. Ter äußere Anstoß für ein riesengroßes Aufflammen des nationalistischen und militärischen Geistes in Deutschland war jedenfalls gegeben. Soviel steht fest, daß die Staatenordnung, die nach den napoleonischen Kriegen vom Wiener Kongreß geschaffen wurde, tzas europäische Gleichgewicht säst auf ein Jahrhundert, sogar trotz ernstester Teilkonflikte, gesichert hat. Diesmal sind noch keine zwei Jahrzehnte seit der Kriegsbeendigung verflossen und wir stehen mitten in der schlimmsten europäischen Wirrnis. Erstarrte Ideologien, falsche Fronten Europa ist von außen her am schwersten bedrängt. Seine Kräfte verkrampfen sich jedoch nach innen hinein. Hitler hat sich als Kämpfer gegen die Versailler Bindungen und als Prediger einer tnilitaristischen Expansionspolitik ans Ruder geschwungen. In seinem»Mein Kampf" schreibt er:„3o sehr wir heute auch alle die Notwendigkeiten einer Auseinandersetzung mit Frankreich erkennen,.so lvirkungslos bliebe sie in dec großen Linie, wenn sich in ihr unser außenpolitisches Ziel erschöpfen lvürde. Sie kann und wird nur Sinn erhalten, wenn sie die Rückendeckung bietet für eine Vergrößerung des LebensraumesUnseres Volkes in Europa. Wenn wir aber heute in Europa von neuem Grund und Boden reden, können wir i n erster Linie nur an Rußland und die untertanen Randstaaten denken." Rußland ist längst kein Bauernland mehr. Seit dem Kriege wurde aus ihm ein agrarisch-industrielles Reich» dessen Jndustriesektor sprunghaft im Wachsen begriffen ist. Vergeblich würden deutsche Eroberer namentlich im europäischen Rußland jungfräulichen Siedlungsboden suchen. Und die Rand- staaten? Als Hitler sein Buch schrieb, waren dort schon tiefgreifende Agrarreformen im Gange. Der Boden gehört längst den litauischen, lettischen, estnischen Kleinbauern.. Man müßte diese Völker ausrotten, um ihr Land für deutsche Bauern zu gewinnen. Während aber im Zeichen, hockmodcr- ner Kriegsführung.in den litauischen Dörfern eine Million Menschen ausgerottet würde, wären gleichzeitig in den rheinisch-westphälischen Großstädten zehn Millionen,Deutscher dem Untergang geweiht. Weniger programmatisch betont, aber durch politisches Handeln abgczeichnet ist die zweite Borstoßrichtung des Dritten Reiches nach Südosten, der aus militärischen Gründen wahrscheinlich der- Vorzug zuerkannt werden dürste. Was aber könnte Deutschland' in Oesterreich, in -Seite 2 Sonntag, 12. Avril 1936 Nr. 88 KcmpaÖ-Bank vom Phönix mitgerissen Wien. Im Zusammenhang mit den Borfällen in der Versicherungsgesellschaft„Phönix" hat die Wiener Kompaß-Bank um Verhängung der Geschäftsaufsicht ersucht. Die gegen die„Phönix" eingeleitete polizeiliche Untersuchung wurde infolgedessen auch auf die Kompaß-Bank ausgedehnt. Am Samstäg wurden folgende drei Direktoren dieses Instituts verhaftet: Arthur Prager, Fritz Saphier und Josef Graf. eigenen Jndustriefriedhöfe. Wir haben unsere. Oesterreich hat seine. In Ungarn rufen Millionen von Landproletariern und Kleinbauern nach Boden. Sollte denn ein pangermanisches Konti- nentalreich als Generalversammlung aller pau- perisierten Europäer geschaffen werden? Bei uns also, in Oesterreich und im weiteren Donautal wsrd der neudeutsche Imperialismus weder Äauernboden noch Jndustriemärkte, die seiner industriellen Ueberkapazität entsprechen, finden. Was inacht Polen im Bunde mit Deutschland? Es besitzt Bauernland genug, es baut erst seine eigene Industrie auf. Dennoch sind seine Volksmassen bitter am, hundertmal ärmer als die Schweizer, die in engen Alpentälern Hausen und die Segnungen einer Oberstenregierung entbehren müssen. Die übervölkerte Tschechoslowakei wird wiederum durch den deutschen Expansionsdruck immer fester an das saturierte Frankreich gebunden. Die Sudetendeutschen gar, die auf Hitler schwören und nach Nürnberger Vorschrift täglich den Bolschewismus verfluchen, sind sich gar nicht dessen bewußt, daß sie in einer Front der japanischen Konkurrenz stehen. Würde die Gablonzer Schmuckindustrie nach einem deutsch-japanischen Sieg über Rußland besser beschäftigt sein? Liegt ein japanischer Sieg im Interesse eines einzigen Europäers? England und Deutschland Auch der glanzvollste deutsche Eroberungssieg auf dem Kontinent würde die Existenzprobleme des deutschen und mitteleuropäischen Industrialismus nicht lösen. Dieser Industrialismus braucht den Wiederanschluß an die Weltwirtschaft. Dieser Wiederanschluß ist nicht nur ein handelspolitisches, sondern auch ein machtpoliti- schesProblem. England weiß es. Es fühlt sich von Nordamerika wirtschaftlich konkurrenziert und von Japan, wie von Italien an den empfindlichsten Punkten seines Weltreiches bedroht. Abgesehen davon, daß die englischen Kapitalisten um ihr an Deutschland geliehenes Geld bangen, kokettieren weite cnglischeKreise trotz ehrlich demokratischer Einstellung mit dem Dritten Reich, weil sw nach einem starken kontinentalen Rückhalt gegen die wachsenden kolonialen Sorgen suchen.. In der englischen Politik kämpft derzeit die Angst vor der totalen Störung des europäischen Gleichgewichtes mit der Versuchung, dem deutschen Eroberungsdrang nach Osten oder Südwesten freie Bahn zu geben. Vor allem, wenn sich der braune Tiger an dem russischen Bären verbeißt, hofft das wohlhabende, eroberungssatte England eine Atempause für sich zu gewinnen. Die Rechnung ist natürlich falsch, weil jeder größere europäische Krieg sehr bald sein revolutionäres Echo in Aegypten und Indien fände. Europa muß sich aber vorsehen, daß sein Friede und seine Existenz nicht fiir kurzsichtige englische Kolonialintereffen hingeopfert werden. Unabhängig von der heutigen politischen Staatengruppierung ist daher die geschichtliche Auseinandersetzung zwischen den euro päischen Festlandsinteressen und den Sonderzielen des britischen Jnselreiches vorzubereiten. Deutschland fordert von England Kolonien zurück. Wir haben kein Interesse, gegen diesen Wunsch aufzutreten. Vielleicht braucht das deutsche Volk wieder einige Negerstämme in seiner Obhut, um daraufzukommen, daß ihm auch einige koloniale Brocken nicht helfen können. Was aber dem einen recht ist, muß dem anderen billig sein. Die Tschechoslowakei, Oesterreich, Ungarn, die Schweiz oder Jugoslawien werden bestimmt keine Kolonien verlangen. Worauf aberauchdikübrigen Kontinenialvölker Anspruch haben, das ist die Oeffnung der Schranken der kolonialen Welt- reichefürihreGüter/undMenschen. Der Gedanke der- Gemeinschaftsverwaltung der europäischen Kolonien ist aus der gemeinsamen Lndustrienot West- und Mitteleuropas geboren. Mag er heute absurd erscheinen, morgen kann er sehr aktuell sein. England kann in naher Frist zu wählen haben, ob es die Grenzen Australiens und Südafrikas für europäische oder japanische Einwanderer öffnen will. Europa darf nicht der Raubgier der faschistischen Machthaber hingeopfert werden. Es soll aber auch nicht an der Habgier der imperalistischen Bourgoisie Englands und Frankreichs oder Portugals zugrunde gehen! Den Ausweg: soziale Gemeinbürgschaft Die Deklamationen englischer Lords über eine angeblich geplante„Neuverteilung der Rohstoffe" können nicht befriedigen. So leicht werden sie unß ihre unverkäuflichen Vorräte nicht andrehen. Kontinentaleuropa hat für überseeische Rohstoffe nur insoweit Interesse, als die Ueber- seeländer Interesse für seine Jndustriewaren bekunden. Darum kommt der französische Plan den Problemen schon näher, indem er das Projekt innereuropäische Zollgemeinschaften mit der Möglichkeit des gemeinsamen Zutrittes zu den kolonialen Rohstoffzonen verbindet. Es kommt aber nicht mehr auf Programme, sondern auf die Taten an. Frankreich hat gerade auf diesem Gebiete bisher seine besten Freunde enttäuscht. Frankreich könnte seine außenpolitische Position mit einem Schlage bessern, wenn es sich dazu aufraffen würde, in seinem europäisch-afrikanischen Wirtschaftsreich den Gedanken der europäischen Solidarität praktisch vorzudemonstrieren. Mit Defensiv- und status quo-Parolen kann die Demokratie in solcher Umbruchszeit nicht auskommen.. Auch die antihitlerische Opposition in Deutschland kann keine Durchschlagskraft gewinnen, solange sie in den Augen des Volkes für die französischen Sicherheitsthesen streiten muß. Nur ein positwes wirtschaftlich-soziales Europaprogramm kann dem deutschen Volke vor Augen führen,'was es durch den Frieden zu gewinnen ustd durch den Krieg zu verlieren hat. Ist dieses Programm mit England zu schaffen, um so besser. Geht es mit England nicht, dann muß es ohne und gegen England entstehen. Zwischen London und Moskau muß sich die kontinentale Arbeiterbewegung auf ihre ureigenste Mission besinnen, Bahnbrecherin, Schöpferin einer sozialen Gerne inbürgschaft der abendländischen Völker zu sein. Pflicht und heiligste Aufgabe aller bewußten Europäer ist es, den Golgathaweg unseres blutenden Kontinents abzukürzen. Stürzt er durch Hitlers Wahnsinn und Englands Doppelspiel in den Abgrund eines neuen Völkermordens, dann gibt es für Europa keine Auferstehung mehr. Spanten vor einer Der Rücktritt des Präsidenten Alcala Za- m o r a ist bloß eine Episode in der lnagwierigen Entwicklung, die Spanien seit dem' Sturz der Monarchie 1931 durchmacht. Zamora ist gestürzt worden, weil.er auf sich die Antipathien sowohl der Linken, die ihm sein Betragen während des Oktoberaufstandes 1934 nicht verzeihen kann, als auch der Rechten, die ihm seinen Republikanis- mus und AntiklerikaliSmus übelnimmt, konzentriert hat. Aber der Sturz des Präsidenten löst M. Barrio, der provisorische Präsident keines von den akuten Problemen und macht die ohnedies recht verwickelte politische und parlamentarische Situation noch komplizierter. Zunächst ist, rein parlamentarisch gesprochen, die Linke, also die Linksrepublikaner, Sozialisten und Kommunisten, nach dem Wahlsiege- des 16. Feber der Rechtsopposition bloß um rund 70 bis 80 Mandate überlegen. Sodann ist diese linke Regierungsmehrheit keineswegs einig. Der Ministerpräsident Manuel Azaüa, der Geburt nach ein Kastilier, der aber einen baskischen Großvater und eine katalanische Großmutter hat, ist zweifellos ein Mann von bedeutendem Format und von einer für spanische politische Verhältnisse ungewöhnlichen persönlichen Integrität. Aber er ist ein„reiner Republikaner",«» Demokrat und Liberaler von der auf dem europäischen Festland bereits fast ausgestorbenen Sorte. Seine letzte Regierungserklärung ist ein Kompromitzprodukt von echt„kerenskys cher" Art. Dabei ist Azaüa, hinter dem keine Klique steht und der das Durchschnittsmaß des Parlamentariers an. Klugheit, Anständigkeit;.vnb.Ofienheit weit'üb^xxngj, keineswegs populär. Man nimmt ihm seinen Ernst und seine Unbestechlichkeit übel. Viel wichtiger ist die Tatsache, daß Azaüa vollkommen isoliert ist. Auf die Rechte kann er sich nicht stützen, weil er, als kluger Politiker und ehrlicher Republikaner, sehr gut weiß, wohin eine solche Allianz führt. Dazu ist die Rechte, vor allem ihr Kern, die Katholische Volksaktion, nach der Wahlniederlage volUommrn zerfahren. Die Stellung von Gil R o b l e s ist stark erschüttert, ihm ist in der Person von Jimenez Fernandez ein bedeutender Rivale entstanden. Vor allem hat sich Nobles, durch das Gemisch von Diktaturallüren und Passivität, das seine Taktik kennzeichnet, kompromittiert. 58 MANNER, FRAUEN UND WAFFEN I Roman von Manfred Georg Copyright by Dr. Manfred Georg, Prag Schumann lachte kurz:- „Das glaube ich nicht. Ich verlange ja 'nichts vom Leben. Wenn Sie alles wissen, wird Ihnen auch das bekannt sein. Ich sagte Ihnen ja, daß ich die Ereignisse yjcht aufhalten kann, um ihre Struktur zu sehen. Es steht in Ihrem Belieben, mich für einen Verrückten zu halten. Aber bedenken Sie Ihren und Ihrer Kameraden Lebenslauf. Sie werden manches Geschehen darin finden, das an sich so unwahrscheinlich im Ab- lauf ist, daß, hätte man es Ihnen erzählt. Sie den Erzähler einen Fabulierer gescholten hätten." Die Stimme des Staatsanwaltes hatte gar keine Tonstärke. Der Beamte flüsterte: „Damit haben Sie sogar recht. Aber das ändert nichts daran, daß Sie in den Kreis eines Verdreckens gerieten, für das Sie büßen müssen. Es sei denn..." Schumann horchte auf. Schien sich hier mitten in der Nacht seiner Hoffnungslosigkeit ein Ausweg zu bieten? „Ich hätte Ihnen einen Vorschlag zu machen," kamen die Worte aus dem Dunkel. »,Paffen Sie gut auf: wir haben im Hauptprozetz außer Ihnen sieben Angeklagte, macht acht. Die Anklage wird schlagkräftig sein und hat einen immensen Propagandawert für uns. Aber ob wir acht Leute erschießen oder sieben, oder sechs, dgs ist uns schließlich einerlei. Wenn Sie sich dazu entschließen könnten, etwas, was Sie sicher eingeschen haben, zu tun, so könnte ich Ihnen gewisse Versprechungen machen." „Und was sollte ich einschen?" „Daß es richtig wäre, sehr ausführliche Zeugenaussagen zu machen. Wir wissen, daß Sie mit Makropulos und seinem Konsortium zusammenhängen. Wir glauben, daß Sie aber in unmittelbarem Auftrage des Sir Dunaimis handeln und, ich spreche ganz offen mit Ihnen, es wäre für uns von bedeutenderem Wert als Ihr gewiß schätzenswerter Leichnam, wenn Sie in der Hauptverhandlung das so mitteilen würden, daß es für die Welt unwiderlegbar erscheint." „Sie spielen ja wirklich mit offenen Karten." „Ich kann mir das leisten. Aber seien Sie vernünftig! Sie find doch nur ein Mensch, der nicht weiß, was er will. Ihre Unterhaltungen, die wir teils gehört, teils durch Zeugen erfahren haben, zeigen die typischen Ansichten eines, durch den Krieg desorientierten Menschen Ihrer Generation. Das wichtigste sind aber Ihre Kenntnisse, und wenn Sie uns helfen, vor der Welt Dunaimis als Auftraggeber zu entlarven, so werden wir angesichts Ihres Reue-Bekenntnisses ein formales Urteil fällen und Ihnen Gelegenheit geben, nach einer gewissen Zeit Ihr fachliches Wissen bei unö zu verwerten. Rauchen Sie?" Eine Hand schob Schumann eine gefüllte Zigarettenschachtel ins Licht und verschwand wieder. Die uralte Kriminalisten-Methode, mußte dieser denken und hörte mit einer gewissen Verachtung den Staatsanwalt mit einem Bleistift oder sonst etwas an den Heizungsröhren des Zimmers entlang fahren, daß es ein zerbrochenes Klingen gab. „Und wenn ich nicht darauf eingehe?" «Dann beantrage ich die Todesstrafe. Sie können sicher sein, daß sie vollstreckt wird." Zeit gewinnen, war hier alles gewinnen. Was gingen ihn schließlich Dunaimis an, was Makropulos! Und in Rußland würde man ihn bestimmt nicht lange halten können. Hier war das Leben zu retten, weiter gar nichts. Der Staatsanwalt hatte ganz recht. Es war ein kluger Schackzng von ihm. Der tote Sckumann war wahrhaftig weniger wert als der atmende. Er erhob sich: „Ich gebe Ihnen noch vor der Verhandlung Bescheid." „Ja, das genügt mir. Aber so, daß ich noch reichlich Zeit habe! Sie verstehen, wegen der Arrangements." „Ich verstehe," nickte Schumann. War das alles langweilig! Er hockte sich auf die Bank seiner Zelle und kam sich genarrt vor. Mit einem Male brach ihm alles sinnlos auseinander. Ec, der untertauchen wollte, sollte herausgehoben werden zum Popanz einer Haupt- und Staatsaktion. Er, der frei sein wollte, um seinem privaten Schicksal zu leben, sollte sich jetzt einspannen lassen in Aufgaben, die ihn nicht im geringsten interessierten.' Er kannte diese Leute. Sie würden ihn auf ein Ehrenwort hin mit einem der verantwortlichsten Posten betrauen. Aber er wollte Ruhe haben. Ruhe für sich und sein kleines Leben. Wenn schon die Suche nach den Kindern scheiterte, vieUeicht würde Haydee leben bleiben. Er rannte gegen die Wände der Zelle. Die Sehnsucht nach ihr kam jäh und überwältigend. Oft dachte er tagelang nicht an sie. Dann wieder gab es nur ein einziges Gefühl des Hinftürzenmüffens. Er mußte zurück zu ihr. Er mußte unbedingt alles daran setzen. Früher gab es keine Lösung. Das war es. Er hatte immer nur davon sprechen hören, daß es magische Verhältnisse zwischen Menschen gab. Jetzt schien es ihm, als ob der Weg über die Kinder der Weg zu Haydee war, daß er sie nicht eher besitzen würde, als bis er sich von den Schatten der Kinder erlöst hatte. Er stand in dem dunklen Viereck, die Hände in den Taschen vergraben, steif wie ein Bock. Wie kalt er dachte, durchfuhr es ihn. Er dachte an Schatten, nicht an lebendige Menschen. Tote zogen ihn. Aber wenn ich sie tot denke, sind sie tot. Ich darf Rudolf und Thessa nicht aufgeben. Vielleicht leben sie noch, und ich töte sie dadurch. Aber sicher sind sie nahe. Der Staatsanwalt hatte ganz recht. Wenn man ihn fragte, was sind Sie denn eigentlich. nenen Revolution? Aber auch die Linke ist keineswegs gefestigt. Wenn man in Spanien heute von der Linken spricht, so meint man die Sozialistische Partei, weil sie den Kern der Linksfront darstellt. Sie ist zwar als Hauptsiegerin aus den Feberwahlen hervorgegangen, die Situation in der Partei ist aber keineswegs eindeutig. Drei Gruppen kämpfen dort um die Macht: Der rechte Flügel unter Julian B e st e i r o, das Zentrum unter Jndalecio P r i e t o, der ein persönlicher Freund des Ministerpräsidenten Azaüa ist, und dem Asturier Gonzalez Peüa und, schließlich, der linke Flügel mit Largo Caballero und Julio« Alvarez del Vayo, dem volkstümlichen Abgeordneten von Madrid und ersten spanischen Botschafters in Moskau, an der Spitze. Alles hängt nun davon ab, wie der in den nächsten Tagen beginnende Kongreß der Sozialistischen Partei zusammengesetzt sein wird. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Caballero und Vayo dort die Mehrheit bekommen, aber auch ein Sieg der „Priestisten" ist möglich. Der Hauptkampf innerhalb der Partei geht zwischen dem Zentrum und der Linken. Siegt Caballero, so wird in der Arbeiterbewegung die radikale Richtung zum Durchschlag kommen, die auf einer Allianz zwischen den linken Sozialisten und den Kommunisten beruht. Auch eine Spaltung der Partei liegt im Bereich der Möglichkeit, dann wird der„prietistische" Flügel zweifellos in eine enge Koalition mit den Linksrepublikanern eintreien, auch eine Beteiligung an dem Kabinett Azaüa ist dann nicht ausgeschlossen. Man spricht auch in den letzten Tagen von einer Umbildung der Regierung, wobei Azaüa selbst das Kriegsportefcuille übernehmen werde, das er schon einmal innegehabt hat. Sollte es zu einem Bruch zwischen Azaüa und den Sozialisten kommen, was im Falle eines Sieges von Caballero auf dem kommenden Parteikongreß wahrscheinlich ist, so ist wohl zunächst eine Verschiebung nach rechts innerhalb der Leitung der Linksrepublikaner und der Regierung selbst zu erwarten. In diesem Falle ist der wahrscheinlichste Kandidat auf den Regierungsvorsitz der rechte Linksrepublikaner Sanchez Roman; als kommender Innenminister wird oft Quiroga genannt, der sich 1932 durch eine rücksichtslose Unterdrückung eines kommunistischen Aufstandes in Andalusien bekannt gemacht hat. Beide gelten als Gegner einer„Einheitsfront" mit den Sozialisten und Kommunisten. Die Situation ist also äußerst unklar. Die Klassengegensätze in Spanien sind sehr zugespitzt. Auf der einen Seite stehen die Arbeiter und Bauern. Das städtische Proletariat, besonders das del: Großstädte, ist revolutionär gestimmt. Die 'Lanvärbeittr Üüd Klemfariner,'' nut'''Ausnahme einiger wenigen Gebiete im Norden und im Zentrum, sind Aber ihre elende Lage sehr erbittert. Auf der anderen Seite ist der Großgrundbesitz und das Großunternehmertum zum äußersten bereit, um ihre Vorrechte aufrechtzuerhalten. In keinem anderen Lande sind die Großgrundbesitzer so brutal wie gerade hier. Die einzigen Anhänger der bürgerlichen Demokratie sind die freien Berufe, der kleine Mittelstand und einige Bauernschichten, aber gerade diese Klassen sind politisch und zahlenmäßig sehr schwach. Eine weitere Zuspitzung des politischen Kampfes innerhalb und außerhalb der Parlaments ist demnach sehr wahrscheinlich. konnte er nicht antworten.„Kaufmann" stand im Paß. Und was waren Sie?„Soldat" stand in den Papieren. Irgend ein Kaufmann, irgend ein Soldat, eine Nummer in den Büchern. Und man wird weiter fragen: Warum haben Sie r ebt? Man wird die Frage ordentlich registrieren und teilen in„Haben Sie eine Idee geliebt" und„Haben Sie einen Menschen geliebt"? Und er würde hierauf die ordentlichen Leute verblüffen und die Fragen zusmnmenziehen in eine Antwort: ich habe eine fixe Idee wirklich geliebt. An ihr habe icb mich angeseilt, und sie schleift mich durch die Jahre. Ich möchte einmal ausruhen! Jetzt, da er hier saß und nichts sein nannte als den Anzug, den er anhatte, und der Tod nur zu vermeiden war, wenn er sich einem fremde» Willen beugte, ergriff es ihn mit mächtiger Gewalt, daß er nicht so denken konnte, wie andere Gefangene: an ein Leben, in dem bei allem trüben Wetter doch mancher frohe, befreiende Tag gewesen war, an dem man einmal klar über sich und die Welt dagestanden batte und,gefühlt: ich bin. Bestenfalls war bei ihm alles nur ein Werden gewesen, ein Hinhetzen durch die Zeit, und Haydee war ein Unbegreifliches, Unbegriffcnes» dem die Konturen fehlten, etwas Lockendes, um das die Erwartungen schivebten. Er dachte an sie wie an ein Land, dessen Küste man kaum betreten, in dessen Hafenstadt man nur wenige Stunden geweilt hatte, das aber längst schon in der Zeit verschollen, immer wieder hinter Nebeln auftauchte, wie ein nicht erwachter Tag, der gelebt sein wollte. Ein Licht fiel in die Zelle. „Entschuldigen Sie den späten Besuch noch einmal." Es war der Staatsanwalt. Er ließ den Wärter mit der Laterne draußen und setzte sich in dem Dunkel auf das Ende des Schumannschen Bettes. „So rasch habe ich mir nichts überlegen können." ivottete dieser. /Fortsetzung folgt.) Nr. 88 Sonntag, 12. April 1936 Seite 3 fudetendeu tscficr Zeitfspiegel Arzt, Mensch, Kämpfer Zum sechzigsten Geburtstag des Genossen Professor Dr. Oskar Fischer Die SdP beginnt endlich zu handeln Vorläufig aber bloß mit Tuch Schwarz auf weiß steht es, daß Genosse Pro- seffor Dr. Oskar Fischer heute, am 12. April, sechzig Jahre alt geworden ist. Wir hätten es selber nicht für möglich gehalten. Denn wenn von irgendeinem der Aclteren das Wort gilt» daß er in der Bollkraft steht und wirkt, vital wie ein ganz Junger, so von Genossen Professor Fischer. Man sollte also eigentlich die unwahrscheinliche Tatsache dieses„Sechzigers" übergehen— wenn sie uns anderseits nicht endlich einmal willkommene Gelegenheit gäbe, diesem Genossen zu sagen, wie ungemein wir ihn schätzen und wie stolz wir darauf sind, daß er einer der Unfern ist. Unser nicht nur nach Weltanschauung und Parteizugehörigkeit, sondern unser auch als kämpfender Mann der Demokratie, des Sozialismus, der Humanität, der Friedensgesinnung, als Mann mit unablässig arbeitendem Gehirn, als Mann des warmfühlen- den sozialen Herzens. Oskar Fischer, 1876 in Schlan geboren, 1900 züin Doktor der Medizin promoviert, widmete sich der wissenschaftlichen Laufbahn des Psychiaters und Neurologen und wurde schon 1914 zum außerordentlichen Professor an der Prager Deutschen Universität ernannt. Seine wissenschaftlichen Arbeiten erstrecken sich auf die pathologische Histologie des Zentralnervensystems, dann auf die Klinik und Histopathologie der progressiven Paralyse und der senilen Demenz; er führte als erster die Röntgenbestrahlung der Rückenmarkgeschwülste ein, und in die Therapie der Paralyse und der Tabes das Nuklein, das er zusammen mit unserem verstorbenen Wie- chowski in der Form des Phlogetan verbesserte. Nach ihm besteht die Bezeichnung der„Fischerschen Drüsen". Während des Krieges war Genosse Prof. Fischer zwei Jahre lang Chefarzt der neurologischpsychiatrischen Abteilung des Prager Garnisonsspitals, weitere zwei Jahre Chefarzt der neurologischen Zentralabteilung in Pardubitz, wo er die grausame „Behandlung" der Kriegsneurosen mit Starkstrom, dem Schrecken aller Kranken, sofort abstellte. Schon seit 1908 ist Professor Fischer ununterbrochen Leiter des Sanatoriums Veleslavin bei Prag. Der Ruf des Genoffen Professor Fischer als Arzt und Wiffenschaftler reicht weit über unser Land hinaus, seine Sachkenntnis, seine Forschungsarbeit, seine immense Fähigkeit als Lehrer sind beispielhaft, das. Vertrauen, dgs er als praktischer PstHiaker undMeuMoge gestreßt» ungewöhnlich. Nun o6Ä auch ein Wort darüber, wie Fischer seinen Beruf mit Menschen- und Kämpfertum. erfüllt. Dafür bleibt immer noch als stärkstes Beispiel sein mutiges Auftreten"gegen den berüchtigten H a l b h u b e r, jenen fürchterlichen k. u. k. Oberstabsarzt, der während des Weltkrieges die Geißel aller kranken Soldaten des PragerBereiches war, der unmenschlich und unmedizinisch einer der scheußlichsten Schergen eines gehaßten Systems war; unserem Genossen Professor Fischer fällt das große Verdienst zu, dem Treiben dieses Halbhuber «in Ende gesetzt zu haben. Und wie im Fqlle Halbhuber> so stand Fischer jederzeit— früher einmal schon in der Affäre Hilsner— auf Seiten der Menschlichkeit, der Gerechtigkeit, der Anständigkeit, immer auch-auf Seiten der sozial Schwachen. Als Arzt, als Mensch, aber auch als tapferer Mann, dem es stets um die Wahrheit ging, kam er in unsere Reihen, wurde Sozialdemokrat und ist es geblieben. Wiederholt kandidierte Genoffe Fischer für unsere Partei in Parlament und Prager Stadtvertretung. Unsere Preffe schätzt ihn als einen ihrer wertvollsten Mitarbeiter, unsere Prager deutsche Arbeitersendung als einen ihrer bedeutendsten medizinischen Sprecher. Und wir alle verehren und lieben ihn als ausgezeichneten, liebenswürdigen und dabei be- scheidenden Menschen, mit dem auch nur ein Gespräch zu führen reinstes und herzlichstes Vergnügen ist. Genoffe Professor Fischer— übrigens allem Schönen und so auch der Musik, der er sich in Mußestunden ausübend mit hervorragendem Künstlertum widmet, zugetan— ist einer unserer Besten und wir zweifeln nicht daran, daß er es noch Jahrzehnte lang bleiben wird. Zu seinem sechzigsten Geburtstag— sollte der nicht doch ein Irrtum sein?— entbieten wir dem Lebenstüchtigen und Lebenskräftigen, dem prachtvollen Streiter, unsere allerherzlichstcn Grüße' und Wünsche. Ole Prager Deutsche Arbeitersendung bringt in dieser Woche: S o n n t a g, 12. Aprjt, 14 Uhr 30 bis 14 Uhr 43: Kollektivformen in der Gesellschaft. (Gab M. Lippmann.) M i t t w o ch, 15. April, 13 Uhr 40 bis 18 Uhr 50: Arbcitsmarkt.— 18 Uhr 20 bis 18 Uhr 40: II. Zwiegespräch über Mensch und Raffe.(Karl R o t h e.)— 18 Uhr bis 18 Uhr 45: Soziale Informationen. F r e i t a g, 17. April. 18 Uhr 35 bis 18 Uhr 45: Aktuelle zehn Minuten. S o n n r a g, 19. April: Aktuelle Probleme in historischem Gewand.(Dr. Gerhard Schulz.) Die politischen Geschäfte der SdP gehen seit den Wahlen schlecht. Sollte sie eine Bilanz über Gewinn und Verlust ziehen, müßte der Bankrott eingestandcn werden. Die Partei Konrad Henleins wendet sich also anderen Geschäften zu. Das Handeln, welches sie den Wählern versprochen hat, nimmt die Form einer Agentur an. An die Stelle der Rundreisen Henleins scheinen Henleins Reisende getreten zu sein. Der Brief, dessen Inhalt wir nachstehend abdrucken, ist von der Bezirksleitung Jägern- d o r f, der SdP am 13. März 1936 an die P ar teizentra le.in Eger gerichtet worden und trägt die Stampiglie der Organisation sowie die Unterschrift, des Bezirksleiters Karl Januschke. Er lautet: Werte Kameraden! Nachstehend geben wir jene Tuchfabriken bekannt, die Mitglieder unserer Bewegung sind: (Hier folgen die Namen zweier JägerNdorfer Tuchfirmen). ■ Hievon ist die Firma.... besonders leistungsfähig und erzeugt Warrn billiger und mittlerer Qualität. Nahestehende Unternehmungen sind folgende:.. ,, (Hier-folgen die Namen von fünf , Jägerndorfer^ Tuchfirmen). Die Firma erzeugt besonders gute Waren, eine gute preiswerte Mittelqualität. Wir verweisen jedoch noch auf den Umstand, daß die hiesigen Tuchfabriken große Aufträge von Hückel Aussig erhalkin. Solche Großfirmrn legen häufig Wert darauf» daß die einzelnen Tuchfabriken ihre Erzeugnisse für rin bestimmtes Gebiet nur an sie allein liefern. Sollten Sie noch weitere Auskünfte benötigen,. sind wir gerne bereit», dieselbe» eventuell von einzelnen'Mrmen einzuhölen. Ti« Zählungs- konditioncn betragen 90 Tage bei Nachweis der Kreditfähigkeit. Es ist Wittich ein neuer Äcist,' weiten die SdP in das politische Lebetl des Sudetendeutschtums trägt. Der Geist des Handels(der air die Stelle des Handelns gesetzt wird), legt es Mähe, nach der Provision zu fragen, die zu ihm gehört. Angestellten-Tagung in Reichenberg eröffnet In der gleichen Stadt, wo der Allgemeine Angestellten-Berband vor 42 Jahren gegründet wurde, in Reichenberg, wurde auch der diesmalige Verbandstag abgehalten. Der geschäftsführende Vorsitzende des Verbandes, Genosse Florian Bergmann, eröffnete die Tagung, ! begrüßte die Gäste und Delegierten und schlug I im Auftrage des Büros des Verbandstages vor, ! an den Präsidenten der Republik folgendes Be- ! grüßungs-Telegramm zu übermitteln: Der Berbandstag des Allgemeinen Angestellten-BerbandeS in Reichenberg entbietet dem Herrn Präsidenten als dem Wahrer der Demokratie in unserem Staate ausrichtige Begrüßung und die Versicherung steter Bereitschaft zur Arbeit im Änne seiner Grundsätze für Friede, Freiheit und Fortschritt. seitens der Gäste ergriff der Genosse Franz M a c o u n als Vertreter des Deutschen Ge- ■ Werkschaftsbundes und des Klubs der sozial- i demokratischen Abgeordneten und Senatoren das Wort: Die wirtschaftlichen Tagungen der Gegenwart, so betonte der Redner, finden im Krisentief statt, j Erst spätere Geschlechter werden es einmal zu wür- 1 digen wissen, was die Gewerkschaften in dieser Zeit an praktischer Solidarität ge- j leistet haben. Di« im Deutschen Gewerkschaftsbund vereinigten Verbände haben in den bisherigen fünf 1 Krisenjahren nicht weniger als 180 Millionen Kö i aus eigenen Mitteln für die in Not geratenen Mit- I glieder geleistet. Als Vertreter des Klubs der i sozialdemokratischen Abgeordneten und Senatoren ! kann ich sagen, daß die politische Vertretung der Angestellten und Arbeiter mit großem Erfolge bemüht war, die gesetzlichen Einrichtungen zum Schutze der Angestellten zu verbessern. Das Pensions- !versicherungsgesetz und das P r i- i vatangestelltengesetz werden für immer als Resultate dieser Bemühungen gelten können. ! Genosse Macoun gedachte der reichsdeut- - s ch e n und österreichischen Ange- I stellten und Arbeiterbewegung und gab der Hoff- i nung Ausdruck, daß es recht bald gelingen möge, ! die Organisationsfreiheit in diesen wichtigen Ländern wieder herzustellen. Tätigkeit und Leistungen des Verbandes Der Zentralsckrrtär Genosse Ernst Gr 2 nz» st e r ergänzte in zweistündiger Rede den gedruckt vorliegenden Tätigkeitsbericht. Die Aufgaben, die der Verbandsvorstand vom letzten Verbandstag"überwiesen bekam, waren nicht einfach. Heute muß der Verbandskag anerkennen, daß die Entscheidungen des Vorstandes in den drei Fahren so waren, daß der Verband auch den schwersten Anforderungen gerecht werden konnte. Der Verbandsvorstand hat in den letzten drei Jahren zu den wichtigsten Vorkommnissen im öffentlichen Leben Stellung genommen. Das im ,Porjghre herausgegebeue Sofortpr o g ramm Mt.:hjs-zu-depOchsten Regierungsstellen,aeLüh- rende-ÄÜfnähme. gefunden. Die inneren EinrrchtUst- gen des. Verbandes sind ständig verbessert worden. Di«, Errichtung von' Fachgruppen, Berufssektionen und'andere Einrichtungen geben uns heute die Möglichkeit, die Interessen der Mitglieder nach jeder Richtung hin wahrzunehmen. Unsere Tätigkeit in den Kommiffinen und Körperschaften zum Schutze der Arbeitsmöglichkeiten, zur Erhöhung der Exportmöglichkeiten und so weiter, haben für die Angestellten manchen Vorteil gebracht. Es konnten dadurch viele Arbeitsplätze für die deutschen Angestellten gereitet werden. Dies wurde besonders deutlich bei den BeMuhlmge^fstm die Verteilung der Margarinekontingente., Der^Schulung der Mitglieder, der,Jugendarbeit and anderen- Obliegenheiten wurde große Aufmerksamkeit geschenkt. Ueber die finanzielle Gebarung des Verbandes berichtete der Verbandsobmann Genoffe Bergmann. Er konnte feststellen, daß sich bei der Angestelltenschaft eine Besserung der Verhält- nisse in der Beschäftigung noch nicht bemerkbar gemacht hat. Die Anforderungen an den Verband werden immer größer. Das Problem der langfristig Beschäftigungslosen ist eines der schwersten und dringendsten der Zukunft. Die Vermögensaufstellung ergibt ein erfreuliches Bild. Der Obmann der Kontrolle konnte feststellen, daß die Geschäftsführung des Verbandes in bester Ordnung bei allen Kontrollen befunden Vereinsmenschen Von Karel Capek Nehmest wir an, es war so: In der Gemeinde 1 Allhütten unterm Kragelstein gebar irgendein Kopf I den Gedanken, an der Gemeindestraße eine Birke !zu pflanzen, die„den Reifenden bewillwmmnrn ! und dem müden Wanderer Schatten spenden 1 würde". Also wurde eine konstituierende Bcr- : sammlung des Vereines zur Anpflanzung einer Birke beim Eingang zur Gemeinde Allhütten einberufen und vorgeschlagen, diese Birke feierlich zu setzen und der Oeffentlickkeit zu übergeben. An dieser Versammlung nahmen auch alte und erprobte Matadoren des öffentlichen und Vcrcrns- lebens teil; dank ihrer Teilnahme hatte die Versammlung ein überragendes Niveau und wurde, ; wie der Vorsitzende am Ende erklärte, von einem vollen Erfolg gekrönt. „Verehrliche Versammlung", begann einer dieser hervorragenden Faktoren.„Ich begrüße mit Begeisterung den schönen Vorschlag, am Eingänge unserer lieben Gemeinde aui feierliche Weise eine Birke zu setzen und verspreche im vorhinein, daß ich alles tun werde, was in meinen Kräften steht, damit dieser herrliche Plan gelingt. Wir sind uns gewiß alle darin einig, bei Verschönerung unserer Heimat aern Hand anzulegen. Bemühen wir uns gemeinsam, damit unsere srolze Ge meinde im frffchen Grün der jungen Birke versinke. Ich weiß, daß niemand seine Hilfe bei diesem Werke eines edlen Idealismus versagen wird. Aber als alter Politiker, meine Herren, lege ich besonderen Nachdruck darauf, daß wir dadurch auch den Fremdenverkehr heben und damit auch den Wohlstand der ganzen Gegend. Ich hoffe» allen aus dem Herzen zu sprechen, wenn ich den Einberufern der heutigen Versammlung für ihre prächtige Initiative danke und ihnen versichere: mit uns könnt ihr rechnen!" Diese Rede wurde mit lebhaftem und zustimmendem Beifall belohnt. „Meine Damen und Herren", ergriff darauf ein anderer hervorragender Faktor das Wort,„ich schließe mich voll und ganz den Worten des Herrn Vorredners an. Wir müssen alles, ich sage alles zur Verschönerung unserer Heimat tun. Wenn ich aber so überlege— meine Herren, muß es gerade eine Birke sein? Warum könnte es nicht unsere geliebte Linde oder ein schattiger Nußbaum sein? Allerdings muß damit gerechnet werden, daß.so ein Setzling etlvgs kostet, sagen wir zehn bis fünfzehn Kronen; dazu kommt die Zufuhr und der Lohn für das Ausheben der Grube. Die Herren haben angedeutet, daß die betreffende Grube auf feierliche Weise unter freiwilliger Mithilfe der ganzen Gemeinde ausgehoben würde. Ich fiage: ! wäre, eine so dilettantisch ausgehobene Grube fack- I gemäß und den Grundsätzen der Hortikultur ent- Alle Atus-Turner und-Turnerinnen, Sportler und Sportlerinnen, Alle Freunde des ATUS werben bei ihrer Osterwanderung für das 3. Buiedesturnfest 4. bis 6. Juli KOMOTAU. wurde. Die Entlastung wurde einstimmig erteilt. In der Nachmittagssitzung behandelte der Verbandssekretär Grünzner die Anträge. Der Berbandstag. erledigte dieselben in einer Weise, die sich für die Organisation günstig auswirken wird. Gottwald ist snädis Aber nicht weise Am Samstag begann in Prag der siebente ordentliche Kongreß der§kPC. Es wurde ein „Ehrenpräsidium" gewählt, in das Stalin, Di- mitroff, Woroschiloff, Manuilski, Ercoli, Thal, mann, Thoxez^und, wie der Bericht sagt, andere Führer der kommunistische» Bewegung„entsendet" wurden.-Das Arbeitspräsidium besteht aus Gottwald, Kopeckh, Köhler, Sixokh, Zäpotockh, Steiner, Kreibich„und anderen." Das Hauptreferat erstattete G o t t w-a l d, der sich zunächst mit der Kriegsgefahr, hervorgerufen durch die Politik des Faschismus, beschäftigte. Im Gegensatz zu seiner Stellungnahme kurz nach der Rückkehr aus Moskau sprach er sich für die Stärkung der tschechoslowakischen Wehrkraft gegen den Faschismus aus. Dann wandte er sich dem Verhältnis zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten, zu. Er verlangte die Gewerkschaftseinheit, die Einheitsfront und das Ueber- winden der. Isolierung der Arbeiterklasse von der Bauernmaffe und den Mittelschichten. Zugleich verlangte er allerdings die. Aufhebung der„sozialdemokratischen Zusammenarbeit mit der Bourgeoisie", obwohl diese Zusammenarbeit, in unserem Lände vornehmlich mit den Bauermitzrssen und den Mittelschichten erfolgt. In diesem Zusammenhang mutet.es merkwürdig an, daß Gottwald sagte:„Trotz unserem prinzipiell ablehnenden Standpunkt zur Teilnahme an einer Bourgeoisregierung machen wir den Austritt, aus der Regierung nicht zur Bedingung für die Einheits- front". Man sieht, Gottwald ist gnädig; man sieht aber auch: er i st n i ch t w e i s e! Seine sprechend? Die Herren haben uns leider nicht gesagt, auf welche Weise ste die Mittel beschaffen wollen, um den riesigen Aufwand zu bestreiten. Wir befürchten, daß es nicht so leicht sein wird. Wir müssen heute mit jedem Heller rechnen uird können unseren Mitbürgern nickt immer wieder neue Opfer zumuten. Ich wiederhole nochmals: ich bin absolut dafür, daß zur Verschönerung unserer Gemeinde etwas geschehe; aber als Mann der Praxis muß ich mich fragen, wie dies am besten wäre und wo die Deckung auftreiben. Wir müssen planmäßig vorgehen, meine Herren, aber nicht von einem Baume aus, sondern von ganzen Alleen; ohne Landes- und Staatssubventionen kann über eine solche Aufgabe erst gar nicht gesprochen.werden. Es sagt sich leicht, wir setzen selber wenigsten? eine Birke. Ja, aber wer wird sie begießen, frage ich, wer wird sie bewachen, damit sie nicht von einem böswilligen Täter beschädigt wird? Und wozu überhaupt eine Birke pflanzen, wenn wir in unserer Gemeinde einen Ver« sckönerungsverein haben, der sich darum zu kümmern hätte? Ick glaube also, wir wüten uns in dieser Hinsicht nickt zersplittern und uns lieber, wie schon gesagt, für ein planmäßiges Vorgehen entscheiden." Auch diese Rede wurde mit lebhaftem und zustimmendem Beifall belohnt. Es wurde natürlich keine Birke gepflanzt. >(Deutsch von Julius Mader.) «Seite 4 Sonntag, 12. April 1936 Nr. 88 An unsere Abonnenten, Leser und Kolporteure! Anläßlich der Osterfeiertage wird im Buchdruckergewerbe am Montag nicht gearbeitet, so daß unsere Nummer am Dienstag, den 14. April entfMIIL Die nächste Ausgabe erscheint dann zur gewohnten Stunde- am Mittwoch, den 15. April.. Gedankensprünge mögen interessant sein, sie haben jedoch mjt politischer Logik und den politischen Realitäten nichts zu tun.— Gottwald war ins übrigen sichtlich bemüht, die von ihm gemaßregelten Führer M- P e r m a und Slanskh wieder zu versöhnens" um der Diskussion über die Linie der KP§ die Spitze abzubrechen. Das mag ein.Zeichen dafür sein, daß das„Führertnm" de-Gottwald nicht unumstritten ist und die Ge- gciifätze sehr tief gehen.- prorek um die Kaution für Schubert . Der jetzt in den Reichstag gewählte frühere nätwnalsozialistische Abgeordnete Schubert aus Fulnek wurde seinerzeit aus der Hast entlassen, als der Karlsbader Rechtsanwalt Dr. Brittani eine Kaution von 150.000 KL für ihn erlegte. Als. Schubert nach einer zweiten Verhaftung wieder entlassen wurde, flüchtete er nach Deutschland. . Dr. Brittani verlangte nun die Auszahlung der Kaution mit der Begründung, daß sie sich nur auf die erste Haftentlassung Schuberts bezogen hätte. Gleichzeitig wandte jedoch der „Wohlfahrtsverein in Fulnek", aus dessen Mitteln die Kaution gestellt wurde, in einer Klage xjn,. da das Geld nicht Dr. Brittani gehöre. Da der. Staat die Kaution mit Recht für verfallen erklärt hat, entstand ein Prozeß, in welchem der Rechtsanwalt die Aüsfolgung der 150.000 KL erreichen will. Es fehlte nur noch, daß auch der Herr Schubert persönlich die Kaution zurückverlangte. Die BetriebSauSschußwahlen in der Gummifabrik Optimit in Odra» brachten der Henlein- givertschaft eine schwere Niederlage. Trotz aller Bemühungen war es ihr nicht, möglich, die notwendige Anzahl von Unterschriften fixe eine eigene Kandidatenliste aufzutreiben, ein Beweis, daß die Henleinagitation von allen Arbeitern abgelehnt wird, die ihre Ueberlegung bewahrt haben. Die freie Gewerkschaft, welche gemeinsam mit dem Närodnik-Berband kandidierte, gewann ein Mandat und erhielt 7, die deutschen Christlichsozialen behaupteten von ihren zivej-Mandaten üur eines,*.*..... ,,,**•'■' Verbiudlichkeitscrklärüng von Kollektivverträgen. Nach längeren Verhandlungen hat das Ministerium für soziale Fürsorge den Kollektivvertrag für die LeiNenwebereien und die Jute- Betriebe in den Bezirken Trautenaü, Marschendorf, Schatzlar, Hohenelbe und Arnau für verbindlich erklärt. Die beiden Verordnungen werden nach den Osterfeiertagen publiziert werden. Danksagung! Anläßlich meines 80, Geburtstages sind mir so viele Glückwünsche zugegangen, daß ich außerstande bin, jedem Einzelnen zu danken. Aus diesem Grunde bringe ich hiemit allen meinen Freunden und Genossen meinen herzlichsten Tank zum Ausdruck. Ludwig Glaser, Litschka» bei Saaz. Jsergebirgs-AuSstellung in Gablonz. Gablonz ,a N.,, und der Gewerbe- und Museumsverein der Stadt begehen Heuer eine 70jährige Jubelfeier. Vor 70 Jahren wurde der Markt Gablonz a. N. zur Stadt erhoben und im. gleichen Jahre gründete sich der genannte Verein. Trotz der schweren jahrelangen Krise veranstaltet der Verein mit Hilfe der Stadt eine'Ausstellung großen Maßstabes, um augenfällig zu zeigen, daß trotz der Notzeit Arbeitswille, Arbeitskraft und Erfindungsgabe der Landschaft ungebrochen slnd und in ererbter Zähigkeit schaffen, um den Weltruf der heimischen Erzeugung zu wahren und neue Möglichkeiten aufzuschließen. Dieses Ringen um den Weltinarkt soll die heurige Ausstellung widerspiegeln, sie soll einen Begriff vermitteln von der Nervenspannung, von der Erfindungsgabe und dem zähen Fleiß,- die in diesem Kampfe eingesetzt werden. Glas Und Schmuck sind der Mittelpunkt ter Aussteung, um sie scharen sich in zwanzig Abteilungen alle andern Schaffensgebiete, so außer den Hilfsindustrien wie Gravieren, Malen usw. alle Gebiete gewerblichen und kunstgewerblichen Schaffens. Auch über das Schaffen auf dem Gebiete der Literatur und der Wiffenfchaft gibt eine Abteilung Uebersicht. Ausstellungen der Erfinderschutzverbandes und der Lichtbildfreunde gliedern sich an. Untergebtacht wird die Ausstellung in sechs großen Gebäuden. Jubiläum des Genossen Stlvln Der Chefredakteur des„Prävo Lidu", Abgeordneter Genosse Josef S t i v t n, feiert jetzt die fünfundzwanzizste Wiederkehr des Tages, an welchem er die Leitung des Zentralorgans unserer tschechischen Bruderpartei' übernommen hat. Diese» Vierteljahrhundert sah den Genossen Sti- vin stets in der vordersten Reihe des politischen Kampfes. Der Aufschwung der Bewegung und des Blattes sind innig mjt seinem Namen verknüpft. Dem Dank für Stivins Leistung und den Glückwünschen für feind zukünftige Tätigkeit, welche ihm seine Freunde und Mitarbeiter anläßlich des Jubiläums entbieten, schließen auch wir uns aus vollstem Herzen an. faule Ostereier| Unserem Bildberichierstatter ist es gelungen, ein Gruppenbild der heurigen Ostereier zusammen-- zustellen. Er.beehrt sich sie den verehrten Lesern darzubieten(von links nach rechts): 1. Eines der harten Eier, mit denen Muffolini Abessinien belegt.—2. Das schon stark angeknickte Völkerbundei.— 3. und 4. Herr Hitler mit seinem rauchenden Friedensei, das einer Bombe recht ähnliich siebt.— 5. Krumme Eier von einem Hühnlein gelegt.—6. Schuschniggs Ueberraschungsei.— 7. Das Mongol-Ei, von dem niemand weiß, was aus ihm herauskommt.— 8. Das Ei des Pleite-- geiers, dem Vogel Phönix in's Rest gelegt, und 9. das Ei der Friedenstaube, aus dem der ewige Weltfrieden ausgebrütet werden soll. Heuer Uussenprerev in Mitteldeutschland 120 Sozialisten von jahrelangem Zuchthaus bedroht Am 15. April 1936 beginnt in Magdeburg ein neuer Monstreprozeß, während die serienweise Aburteilung der 160 Angeklagten-in Wuppertal noch nicht abgeschlossen ist. Die 140 Magdeburger Angeklagten stammen sämtlich aus der Industriestadt Zeitz und ihrer Umgebung. Zeitz hieß früher„Tie Kinderwagenstadt", weil dort die größten Fabriken Deutschland- für diese Erzeugnisse, Puppenwagen, Bestandteile dazu, Puppenaugrn, Straßenroller«sw. arbeiteten. Durch den Verlust seines Außenhandel-, den es Hitler zu danken hat, ist diese Zeitzer Industrie sehr zurückgegan- gen. Wenn auch andere Werke dort jetzt für die Kriegsrüstung des Dritten Reiches produzieren und viele Arbeitslose zum Bau geheimer unterirdischer Flugzeughangars und Munitionslager an den neuen Kriegsautostraßen verschickt wurden, so sind doch noch genug Arbeitslose in Zeitz und dir allgemeine Reduzierung der Löhne um rin Drittel sowie der Unterstützungen haben in der Bevölkerung dir Erinnerung an die Kämpfe der Zeitzer Arbeiter in der Revolution 1918, gegen Kapp 1920 und die Hitlerbanditen in den letzten Jahren der Demokratie nicht umkommen lassen. Gerade darum aber wütet der braune Terror in Zeitz besonders arg. Nachdem schon in den ersten Jahren der Hitlerherrschaft viele Sozialdemokraten, SAP-Leute und KommunistsN. nach .pjehtschen.Mißhandlungen zu vieljährigem Hucht-i Haus verurteilt worden wären, hak Man vor einem Jahr durch Gestapo a u>s B e r l i n« n d Halle Massenverhaftungen vornehmen lassen. In der ersten Serie dieses Monstrrprozesses sind 35 Männer und Frauen angeklagt, als erster der SAP-Mann Dr. Rudolf Agrirola, früher Oberlehrer an einer Handelsschule und Stadtverordneter. Unter den Mitangeklagten ist der frühere ReichstagSabgeordnete und Kreis- jugendpfleger Paul W e g m a nn, der 67jäh- rige tschechoslowakische Staatsbürger! F r a n z K r a«s e, ein pensionierter Konsumver- einsbeaMter, und seine 70jährige Frau. Sie werden verfolgt, weil ihre beiden Söhne ins Ausland geflüchtet sind. Die Frau des einen ist gleichfalls angeklagt und ihr zehnjähriger S o h n in ein Razi-Erzirhungshaus gesteckt worden, wo das arme Kind geistig und körperlich i ruiniert wird. Fast alle Angeklagten, Arbeiter und Intellektuelle, haben Familie und außerdem noch I Eltern zu erhalten. Sir alle sind bei und nach der Verhaftung schauerlich mißhandelt worden. In einigen Fällen sind Ehepaare angeklagt. Zumeist bekleideten die Angeklagten vor dem Fall Deutschlands ins Dritte Reich Aemter und Stellungen in der Selbstverwaltung, im politischen Leben, in Gewerkschaften» Arbritersportver- einrn usw. Das eben hat ihnen die haßerfüllte Verfolgung eingetragen. Aber sie alle sind ungebrochen geblieben, haben einander nicht zu. Unrecht beschuldigt. Der ganze Prozeß, dessen erster Akt nun beginnt und in drei Tagen hinter verschlossenen Türen beendet sein soll, ist nur rin neuer Versuch, durch Terror den Arbeitern jealiche Lust zur Auflehnung gegen die Knechtschaft, gegen Lohnraub, Aushungerung. undKriegc-deUeauozutreibkU.Die-- ser Magdeburger Prozeß Ist daneben auch die Antwort Hitlers auf jene unverbesserlichen Naivlinge im Ausland, die ihm und seiner Kohorte nachgrsagt haben, sie hätten anläßlich der„Wahl" vom 29. März der unterdriickten Opposition Versöhnung angeboten! Dieselbe sudetendeutschePresse, die im Patscheider-Prozeß ihre„Humanität" zeigte, wird über den Magdeburger Monstrt- Prozeß natürlich schweigend hinweggehen! Der Freidenker-Kongreß Prag, Samstag wurde im Smetana-Saal des Gemeindehauses der Hauptstadt Prag- die Plenarsitzung des Internationalen Freidenker- Kongresses eröffnet. Der Saal war mit den Flaggen der elf vertretenen Staaten geschmückt. An der Stirnseite des Saales standen Büsten des Präsidenten- Befreiers T. G. Masaryk und des Präsidenten Dr. Benes. In den Logen sah man zahlreiche Ehrengäste, darunter den Senatspräsidenten Genossen Dr. F. Soukup. Nach Jntonierung der Staatshymne durch die Prager Typografia begrüßte Kapitän Voska die Kongreßteilnehmer. Er betonte, daß die Welt vor allem für den Weltfrieden manifestieren solle. Er gab bekannt, daß fich zu dem Kongreß zehn Delegierte aus den Bereinigten Staaten, acht aus England, zwölf aus Belgien, zwei aus Holland, drei aus Frankreich, neun aus Luxemburg, fünf aus Deutschland, drei aus Rußland, vier aus Polen sowie zwei deutsche und ein französischer Delegierter aus der Schweiz eingefunden haben. Hierauf hielt der Vorsitzende der Freidenker- Internationale MUDr. Modeste Terwagne aus Brüssel die Eröffnungrede. Begrüßungsansprachen hielten der Stellvertreter des Primators. der Hauptstadt Prag Genosse Kellner und der russische Delegationsführer Lukatschewskij. Eine Begrüßungskundgebung schickte Romain Rolland. Hierauf folgten Referate des Doz. Dr. I. V. Klima über Laien- Moral," des Fachlehrers Korejs aus Prag und von R. Strivay aus Lüttich über Schulreform und Schulgesetze, von I. Curda-Lipovskh über Schule und Religion in der Tschechoslowakei. Bom Kongreß wurden Begrüßungstelegramme an den Präsidenten Dr. Benes und an den Präsident-Befreier T. G. Masaryk gesandt. Der Präsident der Republik empfing Samstag eine Deputation des Internationalen Freidenker-Kongresses in Prag; weiter empfing der Präsident den Minister des Aeußern Dr. Kamil Krofta. Hierauf nahm der Präsident der Republik an der Verkündung des Osterfriedens des Roten Kreuzes im Abgeordnetenhaus teil. Türkei verlangt Souveränität über tte Dardanellen Unter Berufung auf den Völkerbundpakt Genf. Die türkische Regierung hat am Samstag dem Generalsekretär des Völkerbundes eine Rote übersendet, worin sie die Frage der Sicherung der Dardanellen aufwirft, deren Befestigung ihr im Friedensvertrag von Lausanne bekanntlich verboten worden ist. Tie Türkei stellt im Gegensatz zu Deutschland und Oesterreich die Vertragspartner nicht einfach vor die vollendeten Tatsachen, sondern beruft sich ausdrücklich auf den Artikel 19 des Völkerbundpaktes, der besagt: „Die Bundesversammlung kann von Zeit zu Zeit die Bundesmitglieder zu einer Nachprüfung der unabwendbar gewordenen Verträge und solcher internationaler Verhältnisse auffordern, deren Aufrechterhaltung den Weltfrieden gefährden könnte." Die Note führt u. a. aus: Als die Türkei im Jahre 1923 in Lausanne das. Meerengen- Äbkommen unterzeichnete,, das die freie Durchfahrt und die Entmilitarisierung festlegte, befand sich Europa auf dem Wege zur Abrüstung. Seitdem.hat die Laze im Schwarzen Meer das Bild einer in jeder Hinsicht beruhigenden Eintracht geboten, während sich im Mittel- meer«ine immer größere Unge- Mitzhr^rt- breirmacht.2 Tie-Türkei! ist:.so.-an jhoek verwundbarsten-Stelle dell-schlimmsten Gefahren ausgesetzt. Sie hat sich im Jahre 1923 nur mit der g e m e i n s a m e it Garan- t i e der vi e r G r 0 ß m ächte für die Sicherung der Meerengen abfinden, können. Die Lage dieser Garanten gegenüber dem Völkerbund und die'besonderen Umstände, die die effektive militärische Zusammenarbeit dieser Garanten zur Erfüllung ihrer Aüfgab» mindestens zweifelhaft machen, haben den ganzen Aufbau^' des Abkommens vom Jahre 1923 umgestoßen. Heute kann nicht mehr behauptet werden, daß die Sicherheit der Meerengen durch eine reale Garantie gewährleistet sei. Die Türkei verlangt daher die Einleitung von Verhandlungen mit dem Zweck, die rechtliche Stellung der Meerengen im Sinne der Sicherheit und Unverletzlichkeit des türkischen Gebietes und unter voller Berücksichtigung der fortschreitenden Entwicklung des Seehandels zwischen dem Mittelmeer und dem Schwarzen Meer neu zu regeln. In politischen Kreisen glaubt man, daß diesem Ersuchen der türkischen Regierung nicht viele Hindernisse im Wege stehen und lediglich England und Italien ein direktes Interesse daran haben, daß dir Dardanellen nicht befestigt werden. London. Im Zusammenhang mit der türkischen Rote über die Befestigung.der Dardanellen» die im britischen Außenamt überreicht werden wird, verlautet, daß der amtliche britische Standpunkt vor dem Ende Osterferien nicht bekanntgegeben werden wird. Je längere Zeit uns von den Ereignissen des großen Krieges trennt, desto mehr verschwimmen die gleichartigen Erlebnisse ineinander, so gewaltig auch der erste Eindruck des einzelnen im Augenblick gewesen sein mag. Dutzendmai erlebtes Trommelfeuer vereinigt sich zum beklemmenden Rauschen, das den Angsttraum unterbricht, in dem die Wellen feindlicher Krieger aus hundert Gefechten gegen unsere Sehnsucht nach friedlicher Ruhe branden.. Immer geringer wird die Zahl jener Bilder, die bleibend bedeutungsvoll, weil einmalig und entscheidend, im Wachen oder im Schlaf vor die - Augen unserer Seele treten und ihr zurufen: !„Schau und lerne!" Manches unter ihnen, früher trotz dieses Rufes wenig beachtet, tritt immer klarer in Erscheinung und gewinnt mit der Zeit an einprägsamer Kraft. Heiß brennt die.Sonne des Augustmittags auf die wciten Bodenwellen, die in langen Recht ecken gezeichnet sind durch frisch gepflügte schwarze Erde, gelbe Stoppelfelder und das Grün von Kartoffeln und Klee. Aus der flachen Senke peitschen die Schüsse unserer unsichtbaren Jäger. Fauchend sausen nach dem harten Schlag des Abschusses die Geschosse der eigenen Batterie über das lichte Geäst des Birkenwäldchens, hinter dem ein flimmerndes Stauben die Artillerie des Feindes verrät. Die kommt nicht zur Wirkung. Wir schießen rascher, bis überall gegenüber aufwallender Staub den Rückzug des berittenen Gegners anzeigt. Hurra!— Auf zur Verfolgung! Die Protzen anfahren l Warum wird der Sonne Licht so fahl? Kommt ein Gewitter? Ein Blick auf zum Himmel. Keine Wolke, nur die Sonnenfinsternis vom 21. August 1914. Wo bleiben die Protzen? Neben ihren Pferden, taub und ungehorsam dem Befehl, mit gefalteten Händen betend knieen ! die Reiter. In diesen Minuten sind sie nicht die j schneidigen FährkänbNiere der reitenden Artillerie division, die vor einer Stunde im Galopp die Höhen südlich Komarow gewann, sondern arme polnische Bauern, die, ausgeliefert dem Grauen vor Unfaßbarem, das über sie verhängte Geschick knieend erwarten wollen, aber hoffen, daß ihr letztes Gebet Gottes Güte wachruft. Der Befehle harter Zwäng wandelt die betenden Bauern rasch wieder in tapfere Soldaten. Zwei Minuten wurden versäumt. Das war in diesem Falle nicht wichtig. Aber es hätte wichtig sein könNen, da man jn jenen Tagen der ersten Gefechte noch glaubte, die Entscheidung des Krieges muffe in wenigen Wochen herbeizuführen sein. Man war sehr böse auf die Gottesfürchtigen.- Wer aber heute zurückblickt nach zwanzig heillosen Jahren auf jene Minuten, dq die Sonne verdunkelt war über allen Gefilden, auf denen später Millionen fasten mußten im jahrelange^ Verharren gegen die Nächstenliebe, der wird empfinden: Recht behielt die gläubige Einfalt jener Knieenden, der die verfinsterte Sonne eine letzte Warnung des Kosmos war. Richard Rax. Nr. 88 Seite 3 Sonntaff, 12. April 1936 Leist und Schicksal Europas Das Werk eines sudetendeutschen Sozialisten Die erschütternde Entwicklung, welche die europäische Politik und Kultur seit dem Weltkriege genommen hat, die jahrelange Krise der Wirtschaft, welche Millionen von Menschen hungern und in dumpfer Verzweiflung leben läßt, der Triumph des Faschismus, der alle Menschlichkeit und Hochkultur Niedertritt, hat die Frage nach dem Sein oder Nichtsein der abendläi^ischen Zivilisation erneut gestellt. Kommt ein.Neuer Weltkrieg, dann wird alle europäische Kultur in einem Meec von Blut untergehen, bleibt uns der. Friede, aber auch der Kapitalismus erhalten, dann ist dies nur möglich bei dauernder Arbeitslosigkeit von Millionen und herabgesetzter Lebenshaltung eines großen Teiles der arbeitenden Menschen. Ende mit Schrecken oder Schrek- ken ohne Ende scheint das Schicksal Europas..Stehen wir wirklich vor dem Untergang des Abendlandes oder gibt es noch einen Ausweg aus der Hölle von Hunger, Krieg und Barbarei? Aas dem Ringen um dieses Problem ist das Buch des Genoffen Dr. Emil F r a n z e l geboren, ein kühnes und bedeutendes Werk, in Anlage und Absicht am ehesten dem letzten Buche Hendrik de Mans vergleichbar.*) Mit großer Entschlossenheit, mit der schweren Artillerie umfassender Kenntnisse auf dem Gebiete der politischen, wirtschaftlichen und Geistesgeschichte greift der Ver- faffer die kapitalistische Welt an— aber nicht nur das. Äüch viele uns liebgewordene und selbstverständliche Auffassungen, die wir in der Zeit vor 1914 in uns ausgenommen haben und die felsenfest schienen, werden von Franzel berannt, so daß das Buch heftig umstritten werden, von einer Seite vielleicht leidenschaftliche Ablehnung, von der andern stürmische Zustimmung finden wird. Der Unterschied zwischen Franzel und den bisherigen marxistischen Autoren besteht schon in dem Ausgangspunkt seiner Untersuchung. Während diese meist die Epoche der kapitalistischen Wirtschaft untersucht, die Entwicklungskräfte der bürgerlichen Gesellschaft aufgedeckt haben und daraus ein Bild der künftigen Entwicklung der Menschheit zum Sozialismus zn gewinnen trachteten, sieht Franzel im kapitalistischen Zeitalter nur ein Zwischenspiel. Heute, da es um milleniäre Entscheidungen geht, kann uns das. 19. Jahrhundert nicht alles sagen und seine Staatstheorien, als Analysen von bleibendem Wert und notwendig, versagen doch vor -en konstruktiven Aufgaben dieser Zeit. Dagegen «nag der Rückbli ck auf den Ursprung «ben-l.ändischer S taa tlichkeit dem Suchen nach Sinn und Ziel günstig sein» Deswegen gibt uns der Verfasser ein umfassendes Bild der Entwicklung des Abendlandes feit dem Zusammenbruch der römischen Welt, worin er nicht einfach Tatsache an Tatsache reiht, sondern in der historischen Darstellung die Triebkräfte der Kulturentwicklung unter Betonung eines eigenartigen Standpunktes und einer leidenschaftlichen, rücksichts- und kompromißlosen Parteinahme darlegt. Hervorstechend an FranzelS Darstellung ist die große Bedeutung, die er dem Christen- tum in der Kulturentwicklung Europas beilegt. Die christliche Kirche erscheint ihm einesteils als die Reaktion auf das Machtprinzip und den schrankenlosen Individualismus des Römertums, *) Emil Franzel: Abendländische Revolution, Geist und Schicksal Europas. Verlag Eugen Prager, Preis XL 28.—. demgegenüber sie die soziale Bindung der Menschen vertritt, andererseits als der Gegenspieler des heidnisch-germanischen Barbarentums, als die Idee der Vereinigung der Völker und der Schaffung des Friedens an Stelle von Chaos und Kampf. Das Christentum hat nicht nur große kulturelle Werte aus dem Altertum in die germanisch-romanisch-slawische Welt Europas gerettet, es bedeutete die Einheit Europas gegenüber jenen, welche diesen Erdteil immer wieder zu zerreißen und zu atomisieren versuchten. Zu dieser Auffassung ist Franzel wahrscheinlich gelangt, weil er in der heidnischen Barbarei, in der Rassenlehre, in dem Ungeist des Hakenkreuztums den eigentlichen Feind sieht, der Europa in den Untergang zu ziehen droht. Er mag damit Recht haben, daß die katholische Religiosität menschlicher ist als die Hitler-Streichersche Barbarei. Hat aber die Kirche den herrschenden Gewalten gegenüber stets das höhere Element dargestellt, insbesondere seit sie im untergehendcn Römerreich Staatsreligion geworden war? Gewiß, sie hat im beginnenden Mittelalter auf dem Gebiet der Wirtschaft und des Geistes Gewaltiges geleistet— aber schon gegenüber den Arabern war das katholische Spanien nicht das höherstehende Element und die in der Neuzeit auftretende Freiheit des Geistes hat die Kirche tödlich gehaßt. Die soziale Funktion der Kirche war nicht zu allen Zeiten dieselbe— sie hat auch seit der Machtergreifung Mussolinis eine starke Anpassung an die Ständestaatsideologie bewiesen, von der sie jetzt abzurücken beginnt und Brüning war ebenso der Schrittmacher Hitlers wie Papen. Ebenso fordert eine andere Anschauung Franzels zur Kritik heraus. Franzel geht, um die Entlvicklungskräfte Europas zu erkennen, aufs Mittelalter zurück. Dagegen ist nichts einzuwenden und was der bürgerlich« Aufkläricht über das„finstere" Mittelalter uns zu sagen wußte, ist von der historischen Forschung schon längst als Kinderei erkannt. Die feudale Gesellschaft hat in ihrer Blütezeit für die Erschließung und Besiedlung Europas Ungeheueres geleistet und die Barbaren der Völkerwanderung zu Ackerbauern und Städtebürgern gemacht. Erst in der Zeit ihrer Zersetzung begann die schamlose. Ausbeutung der Bauern, die zu den Bauernkriegen geführt hat. Aber auch der Kapitalismus hat das Gesicht der Welt verändert und war eine ungeheuere Triebkraft der Geschichte, er hat ganz andere Wunderwerke geschaffen als ägyptische Pyramiden, römische Wasserleitungen und gotische Kathedralen, wie Marx sagt, er hat die Besiedlung der ganzen Welt ermöglichte freilich,hat. er den Naturvölkern Alkohol-und Syphilis gebracht und verpestet, wie Franzel richtig bemerkt, mit seinem Verwesungsgestank das ganze Jahrhundert. Aber auch die feudale Gesellschaft des Mittelalters war eine Klassengesellschaft, die zwar nicht die Qualen der ursprünglichen Akkumulation des Kapitals gekannt hat, aber die Ausbeutung der beherrschten Bauern, durch die herrschenden Grundherren sah wie der Kapitalismus die Ausbeutung des Proletariats durch den Kapitalisten. War also auch das Mittelalter in seiner Blütezeit nicht finsterer und grausamer als etwa das 19. Jahrhundert, mag es zum Teile, aber auch nur zum Teile richtig sein, daß„der europäische Sozialismus auch den Geist der Inbrunst, der Hingabe, der Solidarität, den ihm nicht Antike und Humanismus, sondern Mittelalter und Gotik einhauchen müssens nicht entbehren kann"— daß der„Geist des Mittelalters... sozialistisch" gewesen ist, erscheint als eine fteberschätzung gewisser Entwicklungskräfte und Einrichtungen des Hochmittelalters, die. dem Verfasser den Vorwurf eintragen wiro, er gebe die Parole«Zurück zum Mittelalter" aus. Mag sein, daß derselbe kühn« Schwung die Kämpfer um die sozialistische Umgestaltung der Welt beseelen wird, wie die Baumeister der gotischen Dome, die Entwicklung von mehr als einem halben Jahrtausend hat die Welt und mit ihr die Menschen geändert— und nicht nur im bösen— die Revolution der Zukunft kann ihre Vorbilder nicht aus der Vergangenheit beziehen, es gilt eine Welt aufzu- b au en, für die es in den früheren Jahrhunderten und Jahrtausenden wohlein Gleichnis, a b e r k e i n M o d e l l g ich t. Aehnliche Bedenken müssen gegen Franzels Auffassung der N e u z e i t als einer Epoche des Verfalls geltend gemackt werden. Gewiß, wir Angehörigen der älteren und mittleren Generation sind erzogen worden im Glauben an den menschlichen Fortschritt, zu Beginn des 20. Jahrhunderts erschien uns die Menschheit in unaufhaltsamem Aufstieg begriffen. Diese unsere Vorstellung haben Weltkrieg und Weltkrise zerstört und wir wissen, daß die Entwicklung des Menschengeschlechtes sich nicht in stetig aufsteigender Linie bewegt, daß vielmehr in ewiger Dialektik Wellenberg und Wellental mit einander abwechseln und daß der Sozialismus in den heftigsten sozialen Erschütterungen geboren werden wird. Dennoch kann ich mich zur Meinung Franzels nicht bekennen, daß die Neuzeit eine„Epoche des Zerfalls der abendländischen. Gesellschaft" ist, während ihm das Mittelalter als„die Periode organischer Entfaltung" erscheint. Diese Ansicht des Autors hat seine Ursache darin, daß er stets den Hochkapitalismus vor sich sieht, der in der Tat alle Elemente der Zersetzung in sich trägt. Franzel sagt von der Neuzeit: Es ist wesentlich für diese Ordnung, daß sie keine ist, niemals ein« sein kann, daß sie immer Un-Ordnung bleibt, die sich von dem Bewegungsprozeß freilich Ordnung auf der nächsten Stufe, im größeren Raum, in der nächsten Epoche verspricht, aber in ebendiesen nur vor dem größeren ChaoS steht. Neue Märkte, neue Kolonien, noch diese Fabrik, noch jene Erfindung, noch ein Gesetz und noch «ine Verordnung erstrebt die Menschheit der bürgerlich-kapitalistischen Welt, immer in dein Wahn, damit endlich Ruhe, LebenSraum, Zeit gewonnen zu haben, dabei endlich rasten und verweilen zu können. Aber der neu« Markt, die neuen Rohstofte, Patente. Maschinen, Institutionen schäften ein Doppeltes an neuen Rätseln, Aufgaben, Verwirrungen. Jedes neue Recht gebiert notwendig Unrecht, jeder neue Erwerbszweig schafft neue Arme, Arbeitslose, Scheiternde, jeder neue Markt mehrt den Ueberfluß, jede neue Ware den Hunger. Der ' einzige S.imr. dieser dynamischen, etpig bewegten, ' hästendtn,' ftöttschresteNden Unordtwstg' ist ibtxt der Fortschritt an sich, gezeugt vom Widersinn, als der sich jeder zurückgelegte Schritt erweist. Im Ueber- fluß zu ersticken, scheint das Los dieser Gesellschaft, das heute Millionen und Abermillionen bewußt geworden ist. Fest steht, daß keine Gesellschaftsordnung so viel Chaos in die Welt gebracht hat wie der Kapitalismus, daß keiner Gesellschaft wie der bürgerlichen der arbeitende Mensch mehr war als eine Zahl, eine Maschine, Hat aber nicht auch der Feudalismus Aufstieg und Niedergang mitgemacht? Man erinnere sich nur, daß auch die feudale Gesellschaft im 18. Jahrhundert eine Krise mitmachte, daß die Landwirtschaft infolge der Bauernversklavung verfiel, ivährend der Nahrungsmittelbedarf der Städte als Folge der gewerblichen Entwicklung stieg. So geriet auch damals das Abendland in eine Sackgasse, aus der es nur durch die revolutionäre Bauernbefreiung herausgelangte. Hat doch der Kapitalismus den Sin« Erinnerung an die Hofburg Karl Fleißner, Kanonier vom Kaiserhaus bitzenregiment, geht mit seinem Leutnant, nachdem ihre Batterie an der russischen Front vollkommen vernichtet worden war, nach Wien. Neugierig und befangen wandelte der Kanonier Karl Fleißner, dessen Heimat wett hinten im waldumwachsenen Grenzland ist, durch die Straßen der großen Donaustadt. Mit der Zeit, die in der Wienerstadt ganz angenehm dahingeht, macht Kanonier Fleißner die Bekanntschaft weiterer zehn Offiziersburschen, die so wie er jeden Mittag in den Prater fahren, um ihre Menage zu holen. Da hat sich, obwohl die elf in sehr verschiedenen Winkeln der Doppelmonarchie zu Hause waren, gar bald eine wirkliche Kameradschaft herausgebildet. Sobald es die Dienswbliegenheiten zuließen, war die Zehnerschaft mit ihrem Führer, dem Wiener Poldi Latschner, auf der Straße, um kreuz und guer durch Wien zu wandern. Einmal schlendern alle elf wieder recht lässig vom Prater kommend durch die Straßen. Als sich die Kameradschaft fast müde geschaut, bemerkt Poldi Latschner: „Habt ihr denn schon einmal die Hofburg gesehen?" Allgemeine Verneinung und der Wunsch, sie heute noch zu schauen. Bereitwillig übernimmt der Doldi Latschner die Führung. Unterwegs zählt er noch in schneller Reihenfolge die Sehenswürdigkeiten auf, die es da gibt. Und schon treten sie in den Burghof ein. Ein grandioser HauSblock mit unheimlichen Fensterreihen liegt vor den Blicken der Zehnerschaft. Schon beginnt Poldi Latschner:„Hier in diesem Flügel wohnte der Kronprinz Ferdinand, —— das dort oben waren die Gemächer der Kaiserin Elisabeth" da ertönt ein Pfiff. Der Kanonier Karl Fleißner blickt zurück und bemerk einen Zugsführer, der ihm winkt. Sagt er zu dem Wiener:„Du, Poldi, da hinten winkt ein Zugsführer I" Gibt ihm der Latschner zur Antwort:„Scher dich nicht um ihn, gehen wir weiter!" Gesagt, getan. Da erschallt der Pfiff schriller, herrischer. Nun wenden sich alle elf zurück. Karl Fleißner geht allein einige Schritte zum pfeifenden Zugsführer hin, da brüllt dieser: „Alle zusammen Herkommen!" Die Zehnerschaft mit ihrem Führer macht Kehrt und marschiert dem brüllenden Manne zu. Der führt sie in ein Wachzimmer und fragt nun ganz burschikos:„Ja, Männer, wo kommt denn ihr her?" und Poldi Latschner gibt für alle Antwort. „Und von welchem Regiment bist du?" beginnt der Zuzsführer den Ersten zu fragen. Der nennt seine Regimrntsnummcr und fügt bei:„Und Offiziersdiener." Der Zweite macht es gleichfalls so, ebenso der Dritte. Da zieht ein breites Lachen über des Zugs- führerS Gesicht und er beginnt hintereinander zu ftagen:„Auch Offiziersbursch? Du auch? Du mich?" Und als er festgestellt, daß alle elf den gleichen Dienst erfüllen, reißt er eine Nebentür auf und brüllt:„Herr Feldwebel, kommen Sie I mal rein! Schau'n Sie, was ich gefangen habe. elf Pfeifendeckell Was soll ich mtt ihnen machen?" Erwidert die Mutter der Kompagnie:„Aufmischen, daß die Knochen prasseln!" und verläßt die Wachstube wieder. Da schwindet mit einemmale der burschikose Zug aus dem Antlitz des Zugsführers und im Kommandoton schallt eS:„Antreten in ein Glied!" Darauf folgen Salutterübungen, einzeln, gemeinsam, einzeln, gemeinsam, eine volle Stunde lang. Der Latschner will einmal ganz schüchtern nach dem Grunde ihres Hierseins ftagen, da fährt ihm der Dreimalgesternte grob über den Mund. Das hat die Zehnerschaft mit ihrem Hofbürgführer zur Kenntnis genommen und ist ganz still geblieben. Nach den Salutierübungen folgt die tiefe Kniebeuge. Eine Ewigkeit scheint es den elf Hof- burzbesuchern, bevor die„eins" über die Lippen des Zugsführers kommt. Ebenso macht er es mtt der„zwei". Schweißperlen fallen auf die ausgetretenen Ziegelsteine. Der Atem pfeift, die Knochen, das- Wadenfleisch schmerzen. Eine kurze Paus«, und wieder erschallt das Kommando:„Habt acht! Hüsten fest! Tiefe Kniebeuge! Zum Wippen! Uebt, eins— eins, zwei, eins zwei— eins zwei—l" Erst wie der Besternte sieht, daß Karl Fleiß- nH und ein Kamerad umgesunken sind, stellt er die„Wippübung" ein. Während die beiden endlich hochkrabbeln, schreit der Zugsführer wieder nach dem Feldwebel. Was er nun weitermachen solle? Der schreit ihm zur Antwort zurück:„Schmeiß sie raus!" Bevor er dies zur Tat werden läßt, fragt! Vie Genfer„13“ Die Weltöffentlichkeit ist entrüstet, daß der Schiffbrüchige und der Haifisch nicht Frieden halten wollen...! Aufstieg der geschichtslosen Jiationen, des Proletariats, die Demokratie, die Verbreitung von Kenntnissen bis tief in die Arbeitermaffen gebracht, also die Voraussetzungen des Sozialismus schaffen geholfen! Gewiß ist, wie Franzel meint, auch der Proletarier ein Geschöpf der bürgerlichen Welt— hat doch schon Lassalle gesagt, daß die Arbeiterklasse die Läster ihrer Unterdrücker hat, die ihr nicht geziemen. Aber auch die bürgerliche Gesellschaft hat ihren Raum in der Geschichte, sie weist Größe und Niedergang auf und hat ihr Teil beigetragen zur Kulturentwicklung der Menschheit so wie die orientalischen Despotien, die griechisch« Demokratie, das Römerreich und das christlich-germanische Mittelalter. Diese hier vertretene Auffassung, daß die feudale Gesellschaft ebenso eine Klassengesellschaft ist wie der Kapitalismus, ist aber kein Hindernis einer fruchtbaren Selbstkritik der sozialistischen B e w e g u n g, deren Notwendigkeit ich ebenso empfinde wie Dr. Franzel. Diese Kritik ergibt sich schon^daraus, daß der Vorkriegskapitalismus wirtschaftlich und sozial ein ganz anderes Gesicht getragen hat als unsere Zeit. Mit dem I n d u st r i e- kapitalismus ist auch der Indust riesozialismus erschüttertworden. Während früher das Industrieproletariat gewachsen ist, steigt dessen Anteil an der Gesamtbevölkerung heute nicht mehr, das Verhältnis der Jndustriearbeiterfchast zu den Mittelklassen hat eine weit größere Bedeutung als ehedem. Nicht nur die brittschen Arbeiter, deren Lebensstandard durch den Reichtum des Empire sichtlicht bedingt und"zum guten Teil von Kolonialsklaven erarbeitet war, die Arbeiter und Sozialisten aller Länder dachten in den Gesetzen der kapitali- strschen Entwicklung. Sie glaubten an di« Dauer und den Segen der Industrialisierung, die ihnen zugleich unabsehbares Wachstum des industriellen Proletariats und damit die Erreichung der zahlenmäßigen Mehrheit im demokratischen Wählerheer und im Parlament verhieß. Die Aenderung der ökonomisch-sozialen Voraussetzungen unserer Arbeit müssen auch zu einer der Zugsführer jeden einzelnen, wo seine Heimat ist. Als die Reihe an Poldi Latschner kommt und dieser sagt:„Bon Wien", springt ihn der Ge- wapige an und brWt:„Sag es noch einmal, daß du von Wien bist, und ich schlag dir die Goschen auseinander! Hast du draußen im Burghof das mit der Erde gleichgelegte Brett gesehen?" „Ja," erwidert Poldi Latschner. „Und am Ende dieses Brettes die Stange mit der kleinen Fahne?" fragt der Zugsführer weiter. -Ja-* „Und du weißt als Wiener nicht, daß man vor dieser Fahne salutieren muß?" „Nein, Herr Zugsführer." „Dann bist du ein Dreck und kein Wiener!" Packt ihn beim Krage« und stößt ihn zur Türe hinaus. Packt den Karl Fleißner, der sich so unbändig auf die Hofburg gefreut, und macht eS mtt ihm ebenso, und mit den anderen nicht minder sanft. Im Eilschritt machen alle elf zum Burgtor. Da brüllt von oben eine Wache:„Nun, was ists?" und mit einer strammen Kopfwendung reißen dir elf den letzten Salut an den Mützenschirm. Erst als sie weitab von der Hofburg sind, beginnen alle zehn über Poldi Latschner herzufallen, der den schönen Sommernachmittag zur Hölle gemacht hat. Poldi schupft verlegen die Schultern und meint:!„Das habe ich nicht gewußt!" Seither lebt in dem Erinnern des Karl Fleißner die Hofburg als etwas Böses, Gespenstisches, Grausiges. Josef Egerer. Seite 6 Sonntag, 12 April 1936 Nr. 88 Aendcrung der sozialdemokratischen Politik führen — wer aus der Niederlage des deutschen Sozialismus nichts lernen will, lernt überhaupt nichts mehrl Franzel nennt jene Anschauungen, die noch immer von der Welt vor 1914 ausgehen, liberalen Sozialismus, den er leidenschaftlich bekämpft— aber im Namen eines glühend-idealistischen neuen Sozialismus, der nach Franzels Meinung' der Kompaß ist, der uns aus dem Dickicht der Gegenwart den Weg in eine freiere Zukunft weist. Niemals wird" ein Gefangener des neuzeitlich-liberalen Weltbildes begreifen, daß Sozialismus ein« sittliche Größe, die sozialistische Revolution nicht der Spaziergang ini Schlaraffenland, und dar Jenseits der Revolution immer anders ist, als die Vorstellung von ihm war. Es fragt sich nur, ob der ein wenig romantisch angehauchte Idealismus"nicht zu Nutz und Frommen unserer großen Sache eine größere Anleihe bei Marx und Engels vertrüge, als sie der selbständige Denker, der Genosse Franzel ist, ausgenommen hat. Franzel hat von Marx und Engels viel gelernt. Die Analyse der bürgerlichen Gesellschaft durch Marx ist für Franzel die Hauptquelle seiner Auffassung und Kenntnisse des Kapitalismus. Ich bin auch mit Franzel einer Meinung, daß die Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise, die Marx erforscht hat, daß die Resultate seiner Untersuchungen eben für eine be- stimmle Epoche der Menschheit Geltung haben, daß— um nur ein Beispiel zu nennen— das Marxsche Wertgesetz nur im freien(klassischen) Kapitalismus gilt. Darüber hinaus aber bleibt für uns die Mansche Methode eine Methode der Erkenntnis überhaupt und es ist eine Aufgabe, die unserer Generation gestellt ist, m i t d i e s e r Methode die Geschehnisse unserer Zeit zu durchforschen, mit diesem Licht die Dunkelheit unserer Tage zu erleuchten. Mit dieser Feststellung soll nicht übersehen werden, daß Doktor Emil Franzel eine Fackel angezündet hat in der grauenhaften Finsternis unserer Zeit, daß er uns enkgegenhält die entsetzliche Fratze der Wirtschaft und Kultur der bürgerlichen Gesellschaft, deren politische Philosophie, den Liberalismus, er mit Recht verdammt. Der Liberalismus proklamiert Freiheit, aber er schändet und vergewaltigt sie tausendfach durch das System wirtschaftlicher Repressalien. Er pro» klamiert Gleichheit, aber er versteht sie so» daß es dem Arbeitslosen wie dem Bankier verboten ist, unter einer Brücke zu nächtigen. Er proklamiert Brüderlichkeit, um sich mit Wertvolleren gemein« zumachcn, um alle- zum Bürger herabzuziehen, aber er läßt ganze Völker nist» Klassen in Hunger, Unterdrückung und Degeneration verkommen, wo- iür er Begründung in zivilisatorischen Aufgaben, In der ztvaNgikliiufigen Entwicklung' und üfr'bÄi Notwendigkeiten der Wirtschaft sinder. Er hat die Freiheit durch die Korruption verächtlich gemacht, die Vernunft durch Rationalisierung in Verruf gebracht, den Fortschritt durch den Rekord heillos kompromittiert. Retten kann die Welt nur. der Sozialismus, der das Schicksal des Abendlandes ist und. der Weg dahin führt über die Fsöderalisie- r u n g Europas, über die Schaffung eiües europäischen Wirtschaftsraumes neben dem amerikanischen, englischen, russischen und ostasiatischen. Gilt für die innere Gliederung Europa- zweifelsohne da- Wort Victor Hugos: La. Suisse dans Thtetorie aura le dernier mot, in der Geschichte wird die Schweiz das letzte Wort haben, trinkt als Ziel und Losung die Föderalisterung der Nationen und organischen Staatsgebilde zu den Bereinigten Staaten von Europa, so ist doch dieses Gliederungsproblem gerade nach Versailles nicht mehr losgelöst zu ftenfen von unserem wirtschaftlichen Los, um'erer sozialen Ordnung, unserer geistig-sittlichen Orientierung im kommenden Jahrhundert. Dar nationale, das zwischenstaatliche, politische Problem Europa- ist heute nur ein Teil der großen Schicksalsfrage, die dem Abendland gestellt ist und auf die es antworten muß mit estier europäischen Revolution, will sagen einer europäischen Gesamwrdnung. Die europäische Föderation ist im Kapitalismus nicht möglich, es bedarf der sozialistischen Revolution, deren Träger aber nicht ein einziges Volk sein kann und an deren Gestaltwerdung auch daS deutsche Volk mächtigen Anteil nehmen wird. Das Bekenntnis zu dieser national- tzeutschen Aufgabe bildet das Schlußkapitel des Franzelschen BucheS. Die Tragik der deutschen Seele ist daS Widerspruchsvolle an ihr: . In Nietzsche- Ringen mit Wagner, in dem Kampf zwischen humanistischem und teutonischem Bildungsideal, Weimar und Potsdam, in der Problematik jedes deutschen Schicksal- und jeder deutschen Seele spiegelt sich der doppelte Widerspruch unserer Werdens und unseres Wollens: Deutscher und Europäer, gotsscher Mensch und Bürger, Nachtrab des Feudalismus und Vorläufer der sozialistischen Abendländer sein zu wollen, mehr als das: sein zu müssen. Der Nationalsozialismus verschüttet den Seelenreichtum des Deutschen— aber mehr noch, er bedroht Deutschland und Europa mit Untergang. Der Aufstand der deutschen Nation gegen Europa würde die fremden Imperien auf den Plan rufen und, wie immer ein solcher Krieg auS- ginge, er würde mit der Aufteilung Europa- in Interessensphären der ftcmdcn Weltreiche enden. Oer Osterfrieden des Tschsl. Roten Kreuzes wurde wie üblich Karsamstag mittags durch eine große Kundgebung der Regierung im Parlament gewürdigt. Es waren zahlreiche Gäste aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens erschienen. Der Präsident des Abgeordnetenhauses M aly p et r und der Außenminister Dr. K r o f t a sprachen in längeren Ausführungen zu der besonderen Parole dieses Jahres ,JD i e Gesunden den Kranken". Umrahmt waren die Reden durch künMerische Darbietungen— Musik und Cfcör*— die programmatisch auf den sittlichen Ernst der Feier abgestimmt waren. Vor dem Parlamentsgebäude war die Statue des>,Verwundeten“ von Stursa auf gestellt worden, an der ein Kranz niedergelegt wurde. Der Niederlegung des Kranzes womt- ten auch der Präsident der Republik und seine Gattin, sowie die Vorsitzende des Roten Kreuzes, Dr. Alice Masarykovd bei. Im Leben der Großstadt trat wie üblich die Z w e i m i n u t e n p a u s e ein. Daß die zwei Minuten von je einem Kanonenschuß begrenzt waren, wirkt diesmal doch als ein gefährliches Symbol. Es ist leider so, daß die Besinnung der Welt nach Minuten zählt und daß kein wahrer Osterfrieden das Blutvergießen der einen und das Rüsten der andern unter den Feinden des Menschengeschlechtes unterbricht! au-gerLsteteS Laboratorium mit Chemikalien, eine große Anzahl von Nachschlüsseln und mehrere Kassenschränke, die mit Dokumenten aller Art angefüllt waren. Die Polizei bat den Fund beschlagnahmt und die Beiden verhaftet.(mH) Sozialistische Europa-Föderation ist die Rettung Deutschlands und des Abendlandes^,Im sozialistischen Abendland wird ein freies Deutschland ausgehend So vermählt Franzel Deutschtum und Europäertum, Ordnung und Freiheit, Vergangenheit und Zukunft. Man liest das Buch mit höchster Spannung, stärkster innerer Anteilnahme und hohem Genuß. Wenn daran einige Kritik geübt wurde, so war es?um der Sache willen, der wir alle dienenr- all unsere geistige Kraft dem hohen Ideal zu Leihen, das barbarische Heute niederzuringen, damit die Sonne aufgehe über dem besseren menschlicheren Morgen! Emil Strauß. WDWWWW ««WM Ostern E» blüht tote jedes Jahr, bet Frühling ist ein Singen, und dennoch will nicht recht ein ftohes Lied erklingen. Ein eisenharter Takt, das Hammern der Motoren ans Erden, in der Lnft weicht nnS nicht ans den Ohren. Der Glocken sanfter Ruf erfüllt die Regionen— vielleicht sind morgen sie die Münder der Kanonen. Vielleicht wird dieser Lenz niemals znm Herbste reifen, des Krieges giftger Hauch den letzten Hal« ergreifen... Kein Bülkerfrühling liegt in diesen schwülen Lüsten, eS schmeckt nach Massengrab und nach BerwesnngSdüsteu. Es blüht wie jedes Jahr, der Frühling ist ein Singen, dem Dichter ober will kein Osterlied erklingen. Hornung. Die Bergpredigt gleichgeschaltet. Der Londoner„Daily Herold" berichtet: Reichsbischöf Ludwig Müller hat der Bergpredigt eine neue Fassung gegeben, die einige offenbar zweckdienliche Aenderungen aufweist. Was in der Luther« 'chen Uebersetzung heißt„Selig sind die S a n f t» nütigen, denn sie werden daS Erdreich be- itzeN" ändert der„Reibt" in„Glücklich ist der. der immer gute Kameradschaft hält, denn er wird stets erfolgreich in der Welt sein". AuS „Selig sind, die da Leid tragen, denn sie ollen getröstet werden" macht Müller„Der das Leid mit Männlichkeit trägt, wird nicht verzweifeln und den Mut nicht verlieren". Die Stelle „Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen" faßt der Reichsbischof so:„Glücklich sind die, die Frieden mitihren Landsleuten halten, denn sie werden GotteS Willen erfüllen". Besonders anstößig muß wohl deS Heilands Wort befunden worden sein von der linken Backe, die man dem Hinhalten solle, der auf die rechte geschlagen hat usw., denn Müller macht daraus:„Sollte dir rin Kamerad in seiner Erregung ins Gesicht schlagen, so ist er nicht immer recht gehandelt, den Schlag auf der Stelle zu erwidern. Es ist männlicher, unerschütterliche Ruhe zu bewahren, denn I* DaS Riesenflugboot„Brazilian Flipper" der Panamerican Airways stieß in Port of Spa in(Trinidad) beim Aufsteigen mit einem Motorboot zusammen. Don den 25 Passagieren und der stebenköpfigen Besatzung wurden zwei Passagiere und ein Steward getötet. Zahlreiche Personen erlitten schwere Verletzungen. DaS Flugboot wurde zerstört. Dr. Eckener sucht bei Göring Hilfe? Dr. Eckener erklärte gegenüber einem Korrespondenten des Reuter-Büros, daß er am Dienstag nach Berlin fahren und den preußischen Ministerpräsidenten General Göring aufsuchen wolle, um mit ihm hinstchttich der Gerüchte eine AuSsprache herbeizuführen, die davon wissen wollen, daß Eckener in Ungnade gefallen sei. Die Freunde Dr. EckenerS erwarten, daß General Göring nicht zulassen wird, daß der deutschen Lustschiffahrt Hindernisse bereitet werden, Einnahmen und Ausgaben deS Heilfond-. Der Heilfonds der öffenüichen Angestellten hat in der Zeit vom 1. August 1986 bis Ende 1934 an Versicherungsprämien 911.2 Millionen KC eingenommen und I?Mhiw 19.1 1 für Äratluh, 91,, Handlung, 244.9 Millionen für Medikamente, für Bäder« und SanstoriumSkuren 51.4 Millionen und für KrankenhauSbehandlung 85.9 Millionen Kd. Veränderliches und kühle- Osterwetter. Die Kaltluftmassen, welche SamStag bei nordwestlichem Winde über da- Binnenland borgedrungen sind, sind bis zdm mittleren Teil der Republik gelangt, wo an einigen Orten Gewitter auftraten. Dadurch hat sich ein bedeutender Temperaturunterschied-wischen dem Nordwesten und dem Südosten ausgebildet. In Böhmen, wo es vormittag- geschneit hat, wurden um 14 Uhr meist nur 4 bis 7 Grad verzeichnet, Karpa- thorußland hatte dagegen noch 15 bis 17 Grad. Der Zufluß kalter Lust au» dem Druckloch, welches sich über Nordeuropa erstreckt, dürfte noch anhalten.— Wahrscheinliche» Wetter von heute! Veränderliche Bewölkung, vereinzelte Schnceschauer, kühl, frischer; später allmählich abflauender Nordwind.— W etterauss ich ten fü r Ostermontag: Andauern der kühlen Witterung; Nachtfrostgefahr. bad. tett. neu Ueberrragung aus dem Rattonaltheater: Smetana: Teufel-Wand. 22.80 Schubert-Kompositionen. 28.00 Tanzmusik.— Brünn: 11.00 Rundfunkorchester» konzert.— Pretzbnrg: 22.45 Schallplattenkonzert. — Kascha»; 12.15 Mittagskonzert.— Mährisch- Ostrau: 16.00 Nachmittagskonzert. 17.50 Deutsche Sendung: Kinderstunde. DirnStag Prag: Sender L.r 6.15 Morgengymnastik. 11.05 Salonorchesterkonzert. 12.10 Schallplatten. 18.40 Donizetti: Vorspiel aus„Don Pasquale". 15.00 Mozart: Geigenquartett. 17.20 Liederkonzert. 18.10 Deutsche Sendung: Musik aus der Barockzeit. 18.45 Deutsche Presse. 20.20 Konzert Vor 75^akren: Nordamerikanischer Sezessionskrieg Am 14. April sind 75 Jahre vergangen, seit mit der Einnahme von Fort Sumter bei der Stadt Charleston der nordamerikanische Bürgerkrieg begann. Als mit Lincoln 1860 ein Republikaner auf den Präsidentenstuhl kam, trennten sich elf Südstaaten von der Union. Der Versuch der Unionisten, die Südstaaten oder Sezessionisten, wie sie auch- genannt wurden, auf friedlichem Wege wieder zum Beitritt zu bewegen,'wurde aussichtslos, als diese am 14. April 1861 die Unionsgruppen aus Fort Sumter vertrieben und das Fort stürmten. Erst 1865 war der Bürgerkrieg beendet. Unser Bild gibt eine zeitgenössische Darstellung von der Erstürmung des Forts wieder. der Kamerad wird sich wohl vor sich selber schämen." Es ist, alles in allem, wohl die unge heuerlichste Fälschung, die es im Bereich der menschlichen Ueberlieferung gibt! Schwimmende Tanks. Breite und tiefe Grä ben, Erdunebenheiten, Flußläufe waren bisher die Hindernisse für die Fortbewegung der Tanks ge«. wesen. Dieser Schwierigkeit sucht nun der neue schwere englische VickerS-Kampfwagen abzuhelfen, der 4.5 Meter breite Gräben überschreiten kann. Er verfügt über eine eigene— Flußbrückel Das sind zwei schwere Schienen, die am Bug des Tanks! für die bei ihm Versicherten 886 Millionen US ausangebracht sind. Sie können beim Ueberschreiten! gegeben; davon 421.1 Millionen für ärztliche Be- eines kleinen FlutzlaufS mit Hilfe eines Flaschen« zuges vom Inneren aus heruntergelassen werden. Der Tank fährt dann über die von ihm selbst ge« legte Brücke, di« er nach Ueberschreiten wieder auf zieht. Dazu kommt der leichte Vickers-Kampf wagen, der für die gleichen Zwecke eine lang ausgestreckte Bug- und Schwanzstütze besitzt. Die Bug stütze wird vorgestreckt und stützt sich mit einer Fußplatte auf den Boden aus. Gleichzeitig sucht die Schwanzstütze hinten Fuß zu fassen und wirkt in umgekehrter Bewegung wie die Bugstütze. Eine eigenartige Parade. Vor einigen Tagen fand in Moskau eine seltsame Parade statt, der der größte Teil der Bevölkerung als Zuschauer beiwohnte. Ueber 50.000 Arbeiter und Arbei terinnen von Moskau zogen in Gasmasken durch die Straßen der Stadt. Der Umzug dauerte mehrere Stunden. Es handelte sich um diejenigen Arbeiter, die ihr Examen für„Verteidigung im Lust- und Gaskrieg" abgelegt hatten. Nach und nach wird die ganze Bevöllerung darin ausgebil det werden. Riesenbrand. Im westlichen Teil der Stadt Kanton brach ein Brand aus, der einige hundert Gebäude vernichtete. ES bestehen Befürchtungen, daß bei dem Großfeuer viele Menschen ums Läen gekommen sind. Während des Brandes explodier ten in einem Magazin Sprengstoffe, was die Pa nik noch vergrößerte. Ein Auto abgestürzt. In Grünewald geriet ein Privatwagen aus der Bahn und stürzte eine sieben Meter tiefe Böschung hinunter. Der Wagen überschlug sich mehrmals und ging beim Aufprall auf den Kalkboden vollständig in Trümmer. Von den fünf Insassen wurden zwei getöte^, die übrigen drei schwer verwundet. Sabotage. Die Londoner Polizei untersucht in Plymouth einen neuerlichen Sabotagefall an Bord eines Unterseebootes. Es handelt sich um das Unterseeboot„54", an dem im Hafen von Devon port Reparaturen vorgenommen werden, die in folge einer vergangenen Mittwoch eingetretenen Motorftörung notwendig geworden sind. Nazi-Zentrale in Genf auSgehoben. Der Genfer Korrespondent deS„Manchester Guar dian" berichtet, daß in der letzten Woche in«hier Billa der Avenue de Miramont eine Razi-Zen- trale aufgestöbert worden ist. Die Besitzerin ist alS Rattonalsozialistin bekannt. AlS die Polizei er schien, erklärte sie, allein im Hause zu sein, aber bei der anschließenden Durchsuchung wurde ein Mann gefunden, der behauptete, Schweizer Staatsbürger zu sein. Man entdeckte ein wohl» Vom Rundfunk ImpleMonnwortai aas Sm Prowr; Montag Prag: Tender L.r 7.80 Konzert aus Karl-« 8.80 Orgelkonzett. 9.10 Muziks Salonquar« 17.50 Deutsche Sendung: Prager Kompositto- von Mozart. 18.50 Deutsche Presse. 19.30 deS SängerchorS Typografia. 22.15 Tanzmusik.— Sender St.: 7.80 Leichte Musik. 14.15 Deutsche Sendung: Univ.-Pr-f. Utttz: Philosophie und Leben. 14.85 Schallplatten. 18.00 Schrammelkonzert.— Brünn: 17.20 Liederkonzert. 17.40 Deutsche Sendung: Sozialinformationen, Arbeiterfunk: Dr. Brügel:' Problem der Aurwan« d e r u n g. 19.10 Unterhaltung-musik.— Preß- . bnrg: 16.10 Nachmittagskonzert. 22.30 Tanzmusik. — Kascha»: 21.00 Rundfunkorchesterkonzert. Nr. 88 Seite? Sonntag, 12 April 1936 Italienischer Fliegrrgenrral«-gestürzt. Während eines nächtlichen Uebungsfluges, der von General Mario Be l t r a m i befehligten italienischen Geschwader stürzte der bekannte Fliegergeneral auf dem Flugfelde bei Lonate Pozzolo tödlich ab. Die Ursache des Unglückes ist noch nicht bekannt. Wieviel Telephone gibt es in der Tschechoslowakei? Zum 1. Jänner 1936 gab es in der Tschechoslowakei insgesamt 119.950 Haupttelephonstationen, von denen fast 50 Prozent auf Zentralen mit automatischem Betrieb entfallen. Hiezu kommen noch 66.926 Nebcnstatto- nen(davon 26.838 staatliche). Insgesamt waren also 186.876 Telephonstationen in den lokalen Tprechverkehr eingeschaltet. Bei einer Einwohnerzahl von 15.1 Millionen entfallen also in der Tschechoslowakei auf 1000 Einwohner 12.4 Telephone, die damit in der Reihe der europäischen Staaten wenigstens schon vor Spanien und Italien rangiert.— In Prag selbst ist der Prozentsatz der Telephonbesitzer selbstverständlich bedeutend höher. Hier gab es zum 1. Jänner <1936 37.453 Haupt- und 28.017(darunter 7058 staatliche) Nebenstationen, insgesamt also 65.470 Telephone. Auf je 1000 Einwohner Groß-Prags entfallen somit 71.1 Telephone. Diese Ziffer ist schon nicht mehr sehr weit von dem Durchschnitt deutscher Großstädte wie Leipzig, Köln, Dresden, Magdeburg usw. entfernt und bereits höher als die Bergleichziffern für Rom, Rotterdam, Danzig, Madrid und Budapest. Ein trauriges Gedächtnis. Auf Ostersonntag, den 12. April 1936, fällt der 20. Jabrestag der Eisenbahnkatastropbe, die sich am 12. April 1916 in der Nähe von Voroöov bei U z h o r o d ereignet hat. An jenem Tage um 7 Uhr früh fuhr ein österreichischer Militärzug, bestehend aus 30 Güterwaggons, einem Personenwagen II. Klaffe und einem Dienstwagen aus Stanislau nach Nyireghyhaza. Er beförderte nach Nyireghhhaza 1200 Soldaten, die alle über 22 Monate an der ruffischen Front gewesen waren und zu ihren Familien nach Hause zurückkehrten. Der Transport paffierte in rascher Fahrt die enge Klamm hinter der Haltestelle Voroöovo, wo die auf bereits verfaulten Schwellen montierten. Schienen unter der Last des Zuges nachgaben. Der Zug entgleiste und die Waggons türmten sich in drei Schichten aufeinander. Der Umfang der Katastrophe wurde nur dadurch gemildert, daß die Soldaten im Zuge bereits wach waren. Trotzdem wurden an Ort und Stelle aus den Trümmern 36 Tote und 144 Schwerverletzte geborgen, die. mit Hilfszügen rasch ins UZhoroder Milirär- krankenhaus gebracht wurden. Nur einer der Verletzten, der Kommandant des Transportes, erlag seiner Verletzung nach fünf Tagen. Er hatte die Füße und Hände gebrochen, die SchädelbafiS durchschlagen und auf der linken Seite, die Rippen gebrochen. Die übrigen Verletzten wurden wieder gesund. Leichtverletzte gab eS eine große Anzahl; sie versammelten sich aber ohne Verband auf der Straße und gingen zu Fuß nach UZHorod. Die Trümmer der Waggons wurden läng? der Strecke zur Seite geräumt und lagen dort noch drei Jahre nach der Katastrophe, bis fie die Bevölkerung der Umgebung aufräumte. Verhinderte Schwindeleien einer Basler Gesellschaft in Prag. Im vorigen Monat suchte eine Firma.Kapitalnachweis-Aktiengesellschaft" in Basel durch Inserate in den hiesigen Tageszeitungen tschechoslowakische Vertrauensleute zur Durchführung von Kreditgeschäften. Im Hinblick m>f die schlechten Erfahrungen, die man gerade im Kredit- vermitrluttgsgeschäft mit unverantwortlichen Personen gemacht hatte, war das Prager Polizeipräsi- Englands jüngste Fallschirmpllotln Mit 21 Jahren hat Fräulein Jo- sefine Radin ihre offizielle Prüfung als Fallschirmpilotin bestanden. Die junge Sportlerin, dit schon eine große Anzahl von glücklichen Absprüngen durchführte, ist Englands jüngste Fallschirmpilotin. Hier probiert sie vor dem Aufstieg ihren Fallschirm noch einmal gründlich durch. Das rote Osterlied Von Pierre Osterlied wird Lied der Not— Hirt ihr, was die Mütter sage«.—?- Hört der Arbeitslosen Klage«,■ Osterlied wird Schrei«ach Brot! Osterlied wird Lied der Onal, Unsere bleichen Kinder weine«, Und der Sonne Strahle» scheine« Auf die Sorge« ohne Zahl! Osterlied wird Lied der Zeit— Wird zum Lied der toten Herzen, Sturmgesang der tausend Schmerzen, Fackel über Menschenleid! Osterlied wird Flammenlied, Aus den lichtlos-dumpfen Gasse« Weht der Herzschlag uuserer Masten— Osterlied, das in«ns glüht! biuni vorsichtig genug, beim Basler tschechoslowakischen Konsulat nachzufragen, was für einen Ruf die betreffende Gesellschaft genieße; gleichzeitig legte es Drucksorten bei, die ihr ein Vertrauensmann, der sich der Gesellschaft zur Verfügung gestellt hatte, hatte zukommen lasten. Die Tätigkeit dieses Vertrauensmannes beschränkte sich übrigens bloß aufs Akquiriere», da die Gesellschaft sofort selbst mit den Kunden in Verbindung trat. Obwohl die Basler Informationen nicht sehr günstig lauteten, hatte die Prager Polizei damals keinen Anlaß, einzuschreiten, doch informierte.das Basler Konsulat von sich aus die tschechoslowakische Nationalbank und die Handels- und Gewerbekammer. Inzwischen ist die Gesellschaft aufgeflogen und ihre Mitglieder sind in einen Prozeß um den Betrag von 10 Millionen Schweizer Franken verwickelt, wobei es sich in 800 Fällen um Kreditbetrügereien handelt. Da die „Gesellschaft" noch inuner mit hiesigen Privaten und Firmen in Fühlung zu treten versucht, wird das Publikum hierauf aufmerksam gemacht. Zwanzigfachrr Brandstifter. In der Nacht zum Samstag wurde in die Haft des Budweiser Kreisgerichtes der 27jährige Knecht Blajej Roväk eingeliefert. Noväk hatte im Jahre 1929, als er bei einem Bauern in Trebon angestellt war, aus Unvorsichtigkeit den Brand eines Strohschobers verschuldet und war zu 14 Tagen Haft verurteilt worden. Der Versicherung, die dem Landwirt den Schaden, ersetzt hatte, mußte Noväk zlvansweise seine sämtlichen Erparniffe ausliefern, darunter auch mehrere tausend Kronen, die aus einer Erbschaft stammten. Seit dieser Zeit trug Noväk ein merkwürdiges Gebaren zur Schau und drohte allen Versicherungen mit Brandstiftungen. In den Orten, wo Noväk später^angestellt war, brach des öfter» Feuer aus. Npväk wurde zwar mehrmals verhaftet, jedoch aus de? Untersuchungshaft wieder entlaffen, da man bei ihm Anzeichen von Wahnsinn feststellte. Am letzten Sonntag brannte bei Lisov ein Strohschober nieder. Noväk wurde am nächsten Tag von der Gendarmerie verhaftet und an alle Orte geführt, an denen es in der letzten Zeit gebrannt hatte. Unter der Last der Beweise gab Noväk Brandstiftungen in 20 Fällen zu. Am häufigsten legte er die Brände in der Sonntagsnacht und half daim selbst beim Löschen. Das Tritte Reich und die Vornamen! Von amtlicher Seite führt man neuerdings in Deutschland einen Feldzug gegen die ausländischen Vornamen! Man will„einer Uebcrfremdung deutschen Ramensgutcs durch ausländische Namensgebung vorbeugen" und fordert, daß den deutschen Kindern solche Vornamen gegeben werden, die„den Grundzügen des Deutschen Reichs entsprechen". Die Auswahl ausländischer Vornamen soll an bestimmte Gründe geknüpft sein, die her Standesbeamte vor Einwägung in das Geburtsregister zu prüfen hat und die ihn berechtigen, bei Nichworliegen derselben den Einttagungsaatrag abzulehnen. Ueber di« Grundsätze und über die Merkmale, wann ein Vornamen als ausländisch anzusprechen ist, scheint man sich aber noch nicht im klaren zu sein. Vornamen, die in die deutsche Sprache Eingang gefunden haben, sollen als deutsche Vornamen bewertet werden, so z B. Margot, Helene, Beate, Renate, Henriette, Alice. Charlotte und Dagmar. Anders ist es bei typisch ausländischen Vornamen. Sie sollen nur zulässig sein bei teilweise ausländischer Abstammung der Eltern. Für die einzelnen Länder liegen Vor- namensverzeichniffe vor. Längerer Aufenthalt im Ausland odqx berufliche Tätigkeit im Ausland werden ebenfalls als„Entschuldigungsgründe" zugelassen, ferner Ehrung des Andenkens berühmtet Vorfahren, in Gelehrtenkreisrn Vornamen aus dem Kulturgebiet der Gelehrtenarbeit. Wenn in der Familie des verstorbenen Botschafters Solf, der früher Gouverneur von Samoa war, der Mädchenname Larghi vorkomme, so sei dies statthaft. Ablehnung von Namen müsse aber auch erfolgen, wenn der Name unanständig sei oder gegen die guten Sitten verstoße. So müsse der Vorname Lenin als anstößig abgelehnt werden. Nun soll noch' einer sagen, daß das Dritte Reich sich nicht um alles kümmert! LanSbnry wirbt für de« Friede«. Trotz seinem hohen Alter von 77 Jahren hat der Arbeiterführer Lansburh«ine Ress« nach- den Bereinigten Staaten angetteten, wo er für die Unterstützung der Friedensbestrebungen agitieren will. Ein interessanter Frankaturzwist. Ein nahe bei Prag ansäffiger Unternehmer ließ seine für Prager Adressaten bestimmten Briefschaften in Prager Briefkästen einwerfen, um nicht 1 XL Porto pro Brief, sondern nur 60 Heller zahlen zu müssen. Auf dieses Vvrgehen aufmerksam gemacht, forderte die Postverwaltung den Unternehmer auf, seine Korrespondenz von der Post seines Wohnsitzes aus befördern zu lassen. Der Unternehmer hat zur Entscheidung der Angelegenheit die Prager Handelskammer angerufen, die noch keine endgültige Stellungnahme bekanntgab, grundsätzlich aber auf feiten des Unternehmens steht, da nach ihrer Meinung die Tätigkeit der Post erst m:t dem Einwurf der Briefschaft in einen Briefkasten beginnt und sie sich darauf zu beschränken hat, die ihr anvertrauten Postsendungen rasch und verläßlich zu expedieren. Bukarest auf Oel gebaut. In Rumänien sind wiederum Untersuchungen vorgenommcn worden, um das Ausmaß desNaphtha-Reichtums des Landes festzustellen. Die Experten sind zu der Ansicht gekommen, daß die Erdöl-B„rkommen in Rumänien noch mindestens für ein Jahrhundert selbst bei Steigerung des heutigen Abbaus ausreichen dürften. Sehr interessant ist die Mitteilung, daß in der unmittelbaren. Umgebung von Bukarest große Oelfelder zu vermute« sind. Bukarest liegt über einem großen unterirdischen Salzsee und steht auf Oelgrund. Es könnte danach sehr leicht der Fall eintteten, daß eines schönen Tages der Asphalt auf einer der Hauptstraßen von Bukarest gesprengt wird und eine Petroleumquelle hervorsprudelt. Das Elefantenbaby, eine freudige Oster- Überraschung Auf den Spuren der Lysistrata Liebesstrelk Im modernen Athen Ter Liebesstreik- in Athen ist ein sichtbares Zeichen dafür, daß eine gute Idee und eine gute Tradition Jahrtausende überdauern können. Man lacht heute noch, genau so wie vor mehr als 2000 Jahren, über die unsterbliche«Lysistrata" des Aristophanes, der gezeigt hat, wie die klugen Frauen von Athen durch einen komisch-konsequenten Liebesstreik ihre Männer zur Einstellung des Krieges gegen Sparta und zur Abrüstung gezwungen haben. Moderne Abrüstungskonferenzen verlaufen weder so lustig noch so erfolgreich. Erstaunlich ist nur, daß man erst jetzt wieder auf klassischem attischen Boden auf das alterprobte Mittel zurückgegriffen und am Piräus einen großen Liebesstteik organisiert hat. Freilich unterschied sich dieser von seinem antiken Vorbild durch zahlreiche Einzelheiten. So wurde diesmal der Streik nicht von enttäuschten Frauen allein, sondern von Liebenden und Verliebten beider Geschlechter organisiert. Ein eigenes Komitee, das die Interessen von mehreren tausend Paaren vertrat, arbeitete mit Auftufen in Plakaten, Flugzetteln und Zeitungen, wobei es aber auf jene satirisch-saftigen Anspielungen verzichten mußte, die die modernen Regisseure ebenfalls meistens bei Lysistrata-Aufführungen aus Gründen der öffentlichen Moral zu stteichen oder zu mildern gezwungen sind. Ferner waren die Paare zum Unterschiede von ihren altgriechischen Vorbildern nicht verheiratet und gehörten auch nicht der waffentragenden Aristokratie, sondern allen Gesellschaftsschichten an, vornehmlich aber den Studenten, Dienstboten und«n Haushalte der Eltern lebenden, nicht«erchelichten, doch liebenden Kindern. Am krassesten wird der Unterschied gegen früher durch das Ziel der Forderungen, das nicht in der Einstellung des männexmordenden Kampfes bestand, sondern wesentlich zivileren Zwecken diente, und das am besten durch den Originalwortlaut des Aufrufes gekennzeichnet wird. Dieser lautet folgendermaßen: Syndikat der Liebenden— Proklamation an alle Berrinsmitglieder Freunde und Mitglieder! Der Vorstandsausschuß unseres Vereines hat gestern in einer' außerordentlichen Nachtsitzung beschlossen, einschneidende Maßnahmen durchzuführen, die die Lage unseres Standes erleichtern sollen. Der Vorftandsaus- schuß fordert Euch auf, unverzüglich an dem Kampfe tcilzunehmen, der mit einem allgemeinen und für jeden Verliebten verbindlichen Liebes-Streik zu beginnen hat. Das Ende des Streikes wird erst dann beschlossen werden, tvenn der Staat bzw. die aufgeführten Privatpersonen folgende Bedingungen erfüllen: 1. Aufhebung der Verordnung Nr. 25.299.168, die den Gendarmen gestattet, Liebespaare nachts aus Anlagen, Haustoren und Straßen zu verjagen. 2. Senkung der Einttitts- und Konsommattonspreise in Kinos, Theatern und Kaffeehäusern für jüngere Paare um mindestens 30 Prozent. 3. Gesetzliche Maßnahmen gegen Eltern,, die ihren Kindern durch Verbot von Freundschaften seelischen Schaden zufügen. 4. Ebensolche Maßnahmen gegen Hausfrauen, die die Emanzipatton ihrer weiblichen Hausangestellten verhindern; insbesondere Schaffung einer Vorschttft, die Hausangestellten neben zweimaligem freien Ausgang in der Woche das Recht gibt, ihre Freuide für den Fall, daß diese arbeits- oder wohnungslos sind, abends zu sich zu laden. 5. Eintragung des„Vereins der Liebenden" ins Vereinsregister. Solange diese Bedingungen nicht erfüllt sind, haben sich alle Liebhaber jeder Zusammenkunft gewissenhaft zu enthalten und insbesondere den Besuch der Kaffeehäuser, Restaurants, Theater und Kinos zu meiden. Alle Beziehungen dürfen höchstens telephonisch oder brieflich fortgesetzt werden. Bei Verstößen gegen diese Vorschriften werden die Stteikbrecher lebenslänglich aus unserer Mitgliederliste gestrichen. Für die Durchführung des Streiks sorgen auSgewählte Streik- posten vor und in allen einschlägigen Lokalen und Oertlichkeiten. So war es zu lesen an allen Haustvänden, auf Tausenden von knallgelben Zetteln und in allen Zeitungen, die den Liebesstreff-Aufruhr unmittelbar neben den Verhandlungen über die de- und remilitarisierte Rheinlandzone abdruckten. In den Geschäften und Büros sprach man von nichts anderem als dem Liebesstreff, den ganzen Tag über, und dann kam der Abend, die klassische Zeit der Liebenden. Große Menschenmengen belagerten die Eingänge der Parks, Hotels, Restaurants, Cafes und Kinos. Sowie sich ein junges Paar zeigte, wurde es mit lautem„Hallo" begoßt, nicht von den unsichtbaren Streikposten, sondern vom Publikum, das unbedingt mit eigenen Augen die Zahl der Streikbrecher feststellen wollte. Aber die meisten Paare, die kamen, konnten sich durch weithin geschwungene Trauscheine ausweisen, andere ließen goldene Eheringe in der Luft blitzen— die Liebenden schienen solidarisch, und die Menge verlief sich im Laufe des Abends. Am nächsten Morgen wurde gemeldet, daß die Verhandlungen zwischen dem Komitee und der Kaffeehausbesitzervereinigung begonnen hätten. Am Nachmittag, waren die Verhandlungen noch nicht weiter gedi'hen. Am Abend aber... Es war ein echt athenischer Frühlingsabend. Die Landschaft atmete Sommernachtstraum- Stimmunz. Alles sah unerhört lyrisch aus. Ein linder Wind blies vom Pieere... Das Idyll wurde unterbrochen. Aus eine»» Park erscholl Mädchenkreischen, eine Männerstimme protestterte, Menschen sammelten sich an, und dann brachte ein Schutzmann ein Pärchen ans Licht, das er auf Gründ der Verordnung Nr. 25,299.168 aus den Anlagen nachts zu vertreiben berechtigt war. Er holte alsbald ein zweites Pärchen-heraus, ein drittes. Die Kaffeehäuser waren voll wie je. In den Kinos kein freie? Plätzckien. Ein kleiner Krawall vor einem Theater zeigte an, daß drei Pärchen einen Studenten, der sich als Stteikposten zu betätigen versucht hatte, unsanft beiscitegestoßen hatten. Mit einem Wort: der Streik /war kläglich zusammen- gebvochen, nach knapp eintägiger Dauer, und obwohl die Forderungen des Komitees der Liebenden in keinem Punkte verwirklicht worden waren. Die Athener Presse hat Gelegenheit zu zahlreichen Kommentaren gefunden, von denen einer hervorgehoben zu werden verdient:«Es muß die Frage gestellt werden, warum der Liebesstteik mißglückt ist. Haben unsere jungen Mädchen und Männer nicht mehr die Seelenstärke wie ihre Vorr fahren vor 2000 Jahren, die auf die Liebe verzichteten, um das hohe Ziel zu erreichen? Ist das besonders verführerische Wetter daran schuld, daß die Paare die Trennung nicht aushielten? Der berühmte Athener Frühling? Früher entzog man sich und den Männern die Liebe um des Friedens wissen, heute aber, um zu herabgesetzten Preisen in? Kino zu gehen. Sollte das Ideal nicht ttagfähig genug gewesen sein?..." Anscheinend nicht, wenn schon ein Zephirhauch vom Meere genügte, um die guten Absichten umzuwerfen. J-denralls wird die Verordnung Nr. 25.299.lss8 am Piräus auch we-t-rhin Geltung behalten. I. B. Sonntag, 12. April 1936 Nr. 88 Ein Vorschlag zur Wirtjchaftibelebung Die letzte Zinsverbilligungsaktion hat unserem Lande ein für mitteleuropäische Verhältnisse sehr mäßiges Zinsenniveau gebracht. Die Einlagenzinssätze sind bereits so tief, daß, zumindest für längerfristige Einlagen nicht mehr gut darunter gegangen werden kann; die Hypothekars ätze haben eine fühlbare Ermäßigung erfahren und die Kreditnahme gegen Verpfändung von Grundbesitz erfolgt jetzt bereits zu Sätzen, die lv i r t s ch a f t l i ch t r a g- dar sind. Ziemlich gut bestellt ist es„auch mit dem Zinssätze, der bei vorübergehender Kredit- nahme gegen We ch s e l berechnet wird, wiewohl nach wie vor der echte Handelstvechsel in unserem Wirtschaftsleben eine untergeordnete Rolle spielt und das Wechselblankett.noch- immer viel häufiger für Deckungswechsel benützt wird. Tie Finanzierung der industriellen Produktion und, was noch bedenklicher ist, die der industriellen Jnvestitionsproduktion, erfolgt noch immer in Form des Kontolorrentkredites, bei welchem der Abbau der Zinssätze viel weniger fühlbar ist als beim Einlagenzins, da der nachgelassene Teil des Zinssatzes beim Schuldzins aus eine viel höhere Ziffer bezogen einen viel kleineren Prozentsatz ergibt als beim Einlagenzins. llnser Kreditwesen-entbehrt, bis auf wenige Ausnahmen, die die Regel bestätigen, der-Organisation der direkten Finanzierung der industriellen Produktion auf dem Wege der Ausgabe von T e i l s ch u l d v e r- s ch r e i b u n g e n-(Obligationen).-Mag sein, daß.die bösen Erfahrungen, die die Eigentümer von Teilschuldverschreibungen während der Inflation.machen mußten,, daran Schuld tragen, daß das im Vorkricgsösterreich im Vergleiche zu Deutschland viel schivächer. entwickelte L-bliga- tionSwesen nicht nur nicht zu der Entfaltung kam, für die noch Platz- war, sondern geradezu verkümmerte,, ab^r die anderen Artxn langfristiger Kapitalsanlage haben sich doch auch binnen kurzem von dem Schlage, den ihnen die Inflation im Wenn auch natürlich der Stäatslredit ziffernmäßig intmer eine weit größere Bedeutung haben wird als der Jndustriekrehft in Form der Teilschuldverschreibung, so kommt doch der im vorliegenden Artikel umriffenen Aufgabe ebenfalls große Bedeutung zu, denn es. ist nicht gleichgültig, wie die Milliardensummen bereits andersartig vergebener Jndusttiekthdite, die durch die Obligationskredite abgelöst werden könnten, verzinst werden, und welche Möglichkeiten der Jndu- striefinanzierung sich bieten, wenn die Jnvesti- tionskrcdite suchende Industrie einen aufnahmebereiten Obligationenmarkt-vorfindet. .. Die von unserer Seite- bereits vor einiger Zeit vorgeschlagene Schaffung einer Obligationenzentrale sei hiemit neuerlich zur. Diskussion gestellt. Von der sicher berechtigten Erwägung ausgehend, daß hynBankem aus n^helimenden.Gründen die Pro«. pWerung'nnd Äganifierung des Obligationenkredites nicht gelegen kommt, und daß kreditpolitische Maßnahmen der vorgesehenen Art in den Bereich der planmäßigen Organisierung der Wirtschaft, gehören, schlagen wir vor, daß ein öffeytliches Institut, in.diesem Falle die R e e s k o.m p t st e l l.e, mit der Schaffung einer Zentrale, befaßt werde, die sich die Pflege des Obligationenkredites zur Aufgabe zu machen hätte. Diese Zentrale, hätte die Anträge der kreditsuchenden Unternehmungen oder Unter- uehmüngenkollektivs zu prüfen, die Voraussetzungen füx die Auflegung einer Obligationenanleihe klarzustellen und dann, durch.obligatorische Vermittlung der Banken und ihrer Zweiganstalten die Obligationenanleihe zu propagieren. Das alles könnte mit einem Mindestaufwande geschehen und es würde sich daher zwischen dem Satze, den der Obligationär erhält und dem, den die Unternehmung zu zahlen hat, nur eine ganz geringfügige Differenz ergeben, die Direktheit der Finanzierung, die einer der hauptsächlichsten Grundgedanken der vorgeschlagenen Organisation ist, dürfte gleichen Maße zugcfügt hatte, erholt und die Emission von Staatsanleihen und Pfandbriefen ist seit Jahren eine Selbstverständlichkeit, während fick die Ausgabe von Obligationen nur auf wenige Fälle beschränkte, die Ausnähmscharakter harten und behielten. Niemand dachte daran, die große Jnve- stitionskonjunktur der Nachkriegsjahre direkt durch Lbligationenausgabe zu finanzieren, nieinand versuchte auch nur, dem Sparertum diese Art der Anlage seiner Mittel vertraut zu machen, das Obligationsioesen kam in eine Zone des Schweigens zu liegen und die Finanzierung der- Investitionen wurde-auf dem-Wege.des Kontolorrentkredites besorgt, mit der Konsequenz der Ueberteuerung, die im Laufe der Jahre ruinöse Wirkungen hatte, und der anderen nach- iciligen Konsequenz, daß kurz- und mittelfristig gedachte Einlagen zu sehr langfristigen Anlagen, wie es Jnveskitionslredite für die Industrie sind, verwendet wurden, kvas dann zu Zeiten der Geldmarktkrise von unheilvollster Wirkung war. Die gegenwärtige Flüssigkeit des Geld- niarktes— darin sind sich alle Beurteiler einig t- 4-- ist nur deshalb noch nicht in dem Maße zur Verflüssigung des Kapitalsinarktes geworden, fvcil das Verwertung suchende Geld die kurzfristigen.Verwertungsmöglichkeiten des Geldmarktes benützt, solange es sich nicht zur.länger- fristigen Anlage entschließt, durch die es zum Kapitale wird. Zu einen: solchen Entschlüsse aber gehört die Schaffung einer Atmosphäre von Ver- rraüen in langfristige Anlagen, was bei den Staatstitres bereits gelungen ist, wenn auch da die Führung der verschiedenen Aktionen mehrfach zur Kritik herausfordern konnte; im behandelten Falle also gehört dazu, daß man das Obliga- tioneiuvesen wieder in den Bereich der Diskussion bringt, es populär gestaltet. Arbeitslosigkeit und Beschäftigungsgrad Ministerpräsident Dr. HodZa hat in der jüngsten Pressebcsprechung ausgeführt, daß Heuer Ende Jänner in allen Gruppen des Arbeitsmark- tes mindestens.200.000 Personen mehr beschäftigt seien, als im Jänner 1934. Hält man sich nur an die Entwicklung der Arbeitslosigkeit, so kommt man zu der Feststellung, daß ihre Ziffern die Behauptung des Ministerpräsidenten nicht genügend stützen. Zutreffender erscheint sie bei der Berücksichtigung des Bcfchäfngungsgradcss der bei den Krankenversicherungsanstalten versicherten Personen, lvie ihn monatlich die Zentralsozialversicherungsanstalt aufweist. Wir lasten nachstehend die Zifsern für. die Arbeitslosigkeit und den Beschäftigungsgrad- für die letzten drei Jahre folgen. Es betrug die Jänner Arbeitslosigkeit Beschäftigung 1936 850.000 1,733.500 1935 818.005 1,626.299 1934 838.982 1,589.000 Danach liegt die Arbeitslostgkeit im Jänner 1936 uöch um 11.000 höher als vor zwei Jahren. Dennoch hat die Zahl der beschäftigten Personen um mehr als 144.000 zugenommen. Wenn damit auch die vom Ministerpräsidenten angenom- mene Zahl von 200.000 Mehrbeschäftigten nicht ganz erreicht wird, so ist die Zunahme doch immerhin recht erheblich. Ta. aber die Arbeitslosigkeit. keine entsprechende Verminderung erfahren hat. so darf daraus geschlossen werden, daß die Produktion annähernd, so viel Arbeitskräfte neu ausgenommen hat, wie der jährliche Zuwachs auf dem Arbeitsmarkt ausmacht. und würde darunter nicht leiden. Die Zentrale könnte dann gleichzeitig mit jenen Funktionen betraut werden, die nach dem schwerfälligen und unzureichenden, deshalb im Zusgmmenhange damit unbedingt zu novellierenden Prioritätengesetze der Kurator der Prioritäre zu versehen hat, es könnte darüber hinaus eine Berechtigung zur ständigen Beaufsichtigung der kreditnehmenden Unternehmungen, ein getoiffes Jntiativrecht, statuiert werden. Von größter Wichtigkeit wäre aber die Schaffung der Obligationenzentrale für die Vermittlung billigen direkten Jnvestitivns- wie überhaupt langfristigen Kredites für die Mittel- und Kleinunternehmungen, die einzeln kaum in der Lage sind, sich einen teuren Kontokorrentkredit zu verschaffen. Auf dem Wege aus der Krise wird so ost die schiere Unmöglichkeit, bei aller Geldflüssigkeit in Prag da in der Provinz heraußen Kredit zu bekommen, das schwerste Hemmnis sein für die Aufnahme oder Erweiterung einer an sich lohnenden Erzeugung, die Schaffung der hiezu notwendigen fabrikatorischen Voraussetzungen u. a. m. Die Kredithergabe sollte nun dadurch erleichtert werden, daß einem ad-hoc-Kollektiv mehrerer Klein- und Mittelunternehmungen der Wege zur Zentrale möglich gemacht wird, diese hätte festzustellen, ob die Ausgabe einer Gemeinschaftsobligation mit teilweiser Ausfallhaftung der Mitglieder fiir einander, teilweiser subsidiärer Haftung des Staates oder anderer öffentlicher Körperschaften möglich ist, und es wird sich häufig zeigen, daß einer solchen Ad-Hoc--Bereinigung der billige Obligationenmarkt zugänglich gemacht werden kann, deren einzelne Mitglieder sonst bestenfalls teuren Kontokorrentkredit bekämen. Wichtig wäre schließlich auch noch ein lebendiges Obligationenwesen für genossenschaftliche oder ähnliche gemein- oder gemischtwirtschaftliche Formen der Wirtschaft, die mit der planmäßigenUmgestaltung der Wirtschaft entstehen werden. Der Plan der Organisierung des langfristigen Fndustriekredites sei hiemit neuerlich zur Debatte gestellt. C. R. Sch. Das Lebensniveau unserer Arbeiterschaft Annabella spielt die Hauptrolle in dem nach dem Roman von Josef Kessel„L'Equipäge" aufgenommenen Film, der bereits in nächster Zeit auch bei uns unter dem Titel„Tie blaue Brigade" zur Premiere kommt Der Erfolg des„Plans".. Der belgische Minister für öffentliche Arbeitsbeschaffung, Ge- noste He ndrikde Ma n, der Schöpfer des berühmten„Plan der Arbeit" und Hauptanreger des„Panismus" im internationalen Sozialismus überhaupt, konnte dieser Tage bei einem Preffe- Empfang auf Grund amtlicher Zahlen den Erfolg seiner Plan- Politik nachweisen. Am 31. März 1935 hatte Belgien 273.520 Arbeitslose. Am 31. März dieses Jahres waren es, dank der planmäßigen Bekämpfung der Krise nur noch 163.357. Um mehr als 40 Prozent hat sich die Arbeitslosigkeit in einem. Jahr vermindert. & • e r 4 5 der die Christentum und Kapitalismus. Eine Entschließung, die von der Ttmode der vereinigten christlichen Kirchen in Kanada angenommen wurde, in. der das ! kapitalistische System verurteilt wird,.lautet:„Wir ! behaupten, daß das kapitalistifcheSy- s st e m a n t i ch r i st l i ch ist, und zwar aus folgenden Gründen: 1. Ist es geschaffen, ständig Aktionen hervorzurufen, die Jesus verdammt hat. 2,^Zerstört es di« Jgjriqtivz, die Freiheit und die Sicherheit-des- Lebens der großen Raffon der-Br» vollerung. 3. Verfälscht es den Rang der christlichen Werte, indem es die Interessen des Geldes höher stellt als die Interessen der Menschlichkeit. 4. Es ist nicht gerecht und nicht menschlich in der Verteilung der Pflichten und der Genüffe im Verhältnis zu den wirtschaftlichen Kräften der Masten. 5. Verhindert es ständig den Willen der Menschen, die Lehren Jesu -Christi zu üben und zu erfüllen. Aus diesen Grün- ; den glauben wir, daß die soziale Verwirklichung des - Reiches Gottes nicht vcreinbarlich ist mit dem Wei« ' terbestand des kapitalistischen Systems,und wir glauben, daß die Kirche nun ohne Zaudern die gesell- I schafrs- und christlichen Grundlagen des kapitalisti- : scheu Systems entlarven und ihm den schärfsten Krieg erklären muß.? Habsburg»der Anschluß. In einer Pressekonferenz erklärte laut der Nazi-Korrejpqpdenz. Jpa der ehemalige Ministerpräsident und Führer der na- ' tionaley Bauernparjxi Rumäniens Julius Maniu, ' einer der kommenden Männer Rumäniens, daß er Das Internationale Arbeitsamt hat einen Bericht ausgegeben, aus welchem der Prozentsatz ersichtlich ist, den die Arbeiter von ihrem Lohne für Lebensmittel aufwenden. Die Tschechoslowakei steht mit 57.6 Prozent unter den Staaten mit dem niedrig st en Lebensniveau der Arbeiterschaft. In Dänemark beträgt dieser Prozentsatz in der schlechtesten Lohnklafle nur 38.6, in Schweden und der Schweiz 36.3 Prozent. Ein niedrigeres Niveau als. die Tschechoslowakei weisen nur noch Polen mit 58, Finn- tand mit 62, Estland mit 60.1, Belgien gleichfalls mit 60.1 und China mit 72.2 Prozent auf. 45 Prozent Dividende Die Smichover Aktienbrauerei, deren Aktien auf 4000 KL lauten, hat Ende des vorigen Jah res den Aktionären eine Abschlagsdividende von 1000 KL je Aktie zur Auszahlung gebracht. Jetzt wird mitgeteilt, daß der demnächst stattfindenden Generalversammlung eine Nachtragszahlung von 800 biß 900 KL vorgeschlagen werden soll. Das heißt also, daß die Aktionäre für das letzte Ge schäftSjahr, das wegen der Anpastung an dm Kalenderjahr 15 Monate umfaßt, 1 8 0:0 o d 1900 KL pro Aktie oder rund Prozent Dividende erhalten. Man muß es wirklich als eine Lücke in Gesetzgebung bezeichnen, daß der Staat nicht Möglichkeit Hai, derart hohe Unternehmung!.,._ gewinne, die die Ausschüttung solcher Dividenden einem Anschluß Oesterreichs an Deutschland der ermöglichen, steuerlich entsprechend heranzuzie-.Restauration-der Habsburger den B o r z u g gehen. Bei der bekannten Finanzkamalität dcs.ben würde..(Ta dürfte Schacht wieder einmal Tr- Staates ist das um so mehr zu bedauern. I Visen gehab't haben.'..) der Obligation das Höchstmaß von Sicherheit und dem Obligationär das Gefühl der Geborgenheit gibt. — Komm doch herein! — Ich warte, bis es zu regnep aufhört, damit ich die Blumen gießen kann. Die Hochschulen für Leibesübunsen in Rußland Eine Delegation des französischen Arbei- tersporlverbandes(FTGT) weilte im vergangenen Jabre in Sowjetrußtand und mit ihr der Sekretär des Bürgermeisters von Toulouse, F. Tussol, welcher in der französischen Zeitschrift.Sport" seine Eindrücke wiedergab, denen wir nachstehende Einzelheiten entnehmen:' Jedes Jahre gewinnt die Arbeitersportbewegung mehr und mehr an Ausbreitung: Hunderrrau- sende neuer Sportler strömen den bestehenden Sportorganisationen zu. Es wurde und es wird auch jetzt noch das wichtigste Problem der Förderung der Sportbewegung aufgeworfen. Zwanzigtausend Instruktoren sind bereits in Funktion, aber eine Unzahl von Anforderungen aus allen Teilen der USTR laufen unaufhörlich ein. Es wurden bereits 23. Mittelschulen für die Ausbildung von Lehrern geschaffen, aber die Kaders, welche auf der Grundlage der' Sport-Revolution fußen, Kehen aus den vier Hochschulen für Leibesübungen hervor, welch« in M o s kau, Leningrad, Charkow und Baku errichtet wurden. Diese vier Hochschulen find wirtliche Fakultäten der Universitäten, wo die sportliche Praxis sich mir der Theorie vereinigt und in welchen die Studenten außerdem eine sehr breite allgemeine Bildung erlangen. Außerdem werden sie auch zu einer politischen Disziplin herangezogen(Studium des, Marxismus oder des Leninismus). Die von den Studenten verlangte Betätigung ist also, nicht ausschließlich sportlich. > Sie sind Spezialisten für Körperkultur, aber das I Studienprogramm beinhaltet sehr zahlreiche andere Marerien. Nur die Moskauer Hochschule allein besitzt eine zweite Fakultät: die sportliche und technische Fakultät, deren Zweck es ist, für die Zukunft die Kaders der Trainer vorzubereiten, welche, selbst ausgezeichnete Sportler, einer wissenschaftlich sportlichen Betätigung fähig sind und die Elite der russischen Athletiker ausbilden und einüben sollen. Das Srudienprogramm ist in allen Hochschulen das gleiche. Die Tauer des Studiums an den Fakultäten für sportliche Organisation beträgt vier Jahre. Das After der Studenten schwankt zwischen 18 und 34 Jahren. Sie muffen sich einer Aufnahmsprüfung in Sprache, Physik, Chemie, Mathematik, Sportgeschichte, Geschichte des Leninismus, Tportpraxis usw. unterziehen. Diese Studenten find somit schon ausgewählt und vorbereitet, um dem Zyklus des Hochschul- smdiums folgen zu können, welches einen theoretischen Teil über Pädagogik, Psychologie und Physiologie, Anatomie, Geschichte der Körperkultur und des Sports sowie die verschiedenen Sportmethoden, Ma- tematik, Studium der deutschen Sprache, des Marxismus und Leninismus umfaßt. Die eine Hälft« der Zeiteinteilung ist dem theoretischen Studium, die andere den praktischen Uebungen gewidmet. Ter Studien-Zykftis der sportlichen und technischen Fakultät in Moskau dauert zwei Jahre und beinhaltet einen sportlichen Teil, gefolgt von theoretischen und wissenschaftlichen Themen, die im Sinne der Heranbildung von Athletikern und Elitesportlern geleitet werden. Die Kurse für Vorturner der ländlichen Sportorganisationen schließlich dauern sechs Monate. Wäder schönen Jahreszeit erfolgt das I Training ber Studenten in den Erholungslagern. Die Hochschulen besitzen gleichzeitig, wenn auch in geringerer Zahl, Schüler, die von der Armee entsendet werden, um dem theoretischen und praktischen Kurs zu folgen. Die Sporrpraxis wird von technischen und wissenschaftlichen Studien begleitet, welche die Körperkultur zur Grundlage haben müssen. In Leningrad z. B. steht die 100.000 Werke umfassende Bibliothek und verschiedene fremde Publikationen zur Verfügung der Schüler. Die Hochschulen sind von einer sehr bedeutenden Zahl von Studenten und Studentinnen ftc- auentiert. In Moskau zählt man 650 Studierende und 150 Vorturner für die ländlichen Sportvereine, in C h a r k o w 800 Studenten, davon 4 0 Prozent Frauen. In Leningrad sind im ganzen 1100 Schüler, davon 330 junge Mädchen. -60 Prozent find intern und die anderen extern. Ter von den Ruffen bewilligte finanzielle Aut- wan distbedeutend. So war 1928 das Budget für Körperkultur an die 20 Millionen Rubel, während es sich 1 9 3 4 bereits auf 2 4 0 Millionen belief. Ter erste Fünfjabrplan hatte 145 Millionen Rubel für körperliche Erziehung vorgesehen. Tie Hochschulen find von einen, spezialisierten Personal von Professoren und Assistenten geleitet und stehen unter der Direktion eines von der Regierung ernannten Generaldirektors. Das Institut von Leningrad z. B. beschäftigt 2 0 0 Professoren und Assistenten, welche in den verschiedenen Zweigen der theoretischen- und praktischen Erziehung lehren.- Außerdem sind 150 Angestellte mit der Verwaltung und Erhaltung der Hochschule betraut. Man ist dann auch nicht er- stannt, wenn man erfährt, daß das Budget des Leningrader Instituts sich auf fünf Millionen Rubel beläuft. Nr. 88 Sonntag, 12. April 1936 Seite S Trager Zeitung «Äcrel int Oslerrute * Es sind uralte heidnische Symbole, die, von Generation zu Generation weitergereicht, den Sinn des Osterfestes durch die Jahrhunderte tragen. Es ist der Sinn, den auch die christliche Kirche übernahm, als sie Ostern, das heidnische Frühlingsfest, als das Fest der Auferstehung in ihren Kalender übernahm.„Ich bin die Auferstehung und das Leben"— das christliche Osterevan- gelium verkündet mit anderen Worten die gleiche Botschaft, die sich in den,alten Osterbräuchen versinnbildlicht. Das„Osterei", das bunte Geschenk, bedarf als Urform des L/benI kaum einet'Deutung. Es ist nicht nur Sinnbild; es ist die Grundform der ewigen Erneuerung des Lebens, der unaufhörlichen Auferstehung aus dem Vergehen schlechthin. Und der gleiche Sinn liegt auch der buntgeflochtenen, bändergeschmückten Osterrute zugrunde. Mit frisch von sprossenden Sträuchern geschnittenen Ruten peitschten in alten Zeiten die jungen Burschen am Ostertag scherzend die jungen Mädchen; aber der tiefere Sinn war mehr als Scherz— die Schläge mit grünenden Ruten waren eine Beschwörung der Fruchtbarkeit, mit der geheimnisvolle Götter das junge Geschlecht segnen sollten. Die Welt hat ihr Gesicht unaufhaltsam gewandelt. Die alten Götter, von denen die Menschheit in Vorzeiten Hilfe erivartete und Unheil befürchtete und deren Gunst sie durch mystische Opfer beschwor, sind tot. Die alten Symbole sind zum bunten Festschmuck geworden, den die Industrie am laufenden Band erzeugt. Aber der alte Sinn ist geblieben. Immer noch ist Ostern das Fest, das Jahr für Jahr der Menschheit neue Hoffnung schenkt— Hofstwng, die aus den erneuerten Kräften der Natur quellend auch den Menschen beseelt und sein Lebensgefühl erfrischt. Nie hat die Menschheft die Hoffnung aus Erneuerung, den Glauben an„die Auferstehung und das Leben" so nötig gehabt, wie in diesen Zeiten. Die Welt ist zerriffen und verstört. Sie krankt an den Widersprüchen einer„Weltordnung", die weniger denn je eine Ordnüng zu nennen ist. Menschliches Wirken hat diese Wirrnis herbeigeführt, aber die gleiche Menschheit, verstrickt in Feindschaft, Not und Qual, hat noch nicht die Kraft, das Chaos zu meistern. Es sind andere Ruten, peinigende Peitschen, geschwungen von dämonischen Uebermächten, unter deren Schlägen die Menschheit seufzt. Und sie richtet, von der Sehnsucht nach einer neuen, besseren Weltordnung beseelt, den Blick in die Zukunft. Der alte Glaube, dec sich im Osterfeste symbolisiert, ist auch im weiteren, tieferen Sinne die Stütze, an der sich die Menschheit immer von neuem aufrichtet. Es ist ein Glaube, der zum Wissen werden muß—^um Wissen, daß kein Gott, kein Messias, kein wundertätiger „Führer" das Heil bringen kann, sondern daß es sich die Menschheit aus eigenen Kräften schaffen muß, damit endlich ein Weltostern, ein Bölkerfrühling, die Menschheit segnet. JCwtsl luul Mssen Gablonzer Theaterbrief Begonnen wurde diese Spielzeit mit' der großen Frage, ob es überhaupt möglich sein wird, den Theaterbetrieb aufrecht zu erhalten. Es standen weniger rein künstlerische als vorwiegend soziale, wirtschaftliche und kommunale Dinge im Vordergrund. Der Auftakt durch die Direktion Hennig war ausgezeichnet, aber die Hoffnungen haben sich nicht im vollsten Dtaße bis zum Abschluß der Spielzeit erfüllt; es verbleibt ein Passivum, bei dem allerdings die geringe Subventionierung der Bühne in Berracht zu ziehen ist. Die zweite Hälfte der Spielzeit zeigte aus allerhand Ursachen eine gewisse| Theatermüdigkeit des Publikums. Im großen und ganzen bleibt es aber ein Verdienst der Direktion! Hennig, diese Spielzeit ohne besondere Schwierig-l keilen überwunden zu haben. Daß der Vertrags mit Dir. Hennig vorzeitig gelöst wurde,,hat Ursachen, die in der Zeit vor seiner hiesigen Direktion datieren. Das Theater ist nunmehr zur Neuvergabe ausgeschrieben. W Ter Verlauf des künstlerischen Geschehens in> den letzten Monaten kann als den Verhältnissen an-1 gemessen bezeichnet werden. Wie schon früher be-! richtet, war der weitau-''überwiegende Teil des Repertoires auf die gebräuchlichen Unterhaltungswerke der Operette und des Sprechstückes ausgebaut.| Bis an die zwölf Werke gingen allmonatlich neu in I Szene und gaben Zeugnis von den großen Anstren-i gungen, mit den vorhandenen Mitteln das Publikumsinteresse wachzuhatten. Eine Anzahl Werke von Lehar, Kalman und Strauß und einzelne Reubetten hatten recht beachtenswerte Aufführungen; es gab auch schwächere Abende. Das Sprechstückensemble hielt es mit den erfolgssicheren Konversationsstücken in gleicher Weise. Gegen Schluß gab es eine ganze Reihe von Ehrenabenden für die Mitglieder des Ensembles, die unter den gegebenen Ver- bältnissen stets eine sichere Gewähr für ein anständiges Niveau der Vorstellungen gaben. Werke, die das literarische oder musikalische Interesse restlos auf sich zogen, waren leider allzu selten. Es war übrigens ein nicht zu unterschgtzxydu., Fehler der Direktion Hennig, daß sie es ganz und gar verabsäumte, die erstmalig so große Zahl der Abonnenten durch kluge Spielplangestaltung etwas mehr für seriöse Werke zu erziehen. Nichtsdestoweniger soll nicht übersehen bleiben, wenigstens nachträglich zwei ganz vollwertige Aufführungen zu vermerken: die Opernneuheit»Der Günstling" oder„Die letzten Tage des großen Herrn Fabiano", Text nach Büchner und Victor Hugo von Caspar Reher, Musik von Wagner-Rcgeny, und das Schauspiel„Konflikt" von Max Alsberg. Als letzter der fallweisen Opernabende Kienzls„E v a n- gelimann" in sorgfälttger Wiedergabe. Einen würdigen Ausklang bildeten Jaromir Weinbergers Operette„Frühlingsstürme" und Frant. Langers packendes Legionärdrama„Die Reiterpatrouille". Diese beiden Abende mit Werken tschechischer Autoren litten jedoch auffallenderweise unter ganz besonders schwachem Besuche. Das Gesamtergebnis der abgelaufenen Spielzeit bereichert um wesentliche, wenn auch nicht grundsätzliche neue Erfahrungen: durch zeitgemäße Preise und intensive Abonnementswerbung ist noch immer ein großer Kreis von Theaterpublikum zu erfassen, der den Betrieb bis zu einem hohen Maße sicherstellt. Was darüber hinaus fehlt, muß jedoch durch eine nicht unwesentliche Subventionierung, sei. es nun von welcher Stelle immer, aufgebracht werden. Sparmaßnahmen, die das künstlerische Rweau drücken und ein Stadttheater zu einem fast ausschließlichen Unterhaltungsrepertoire nötigen, dür- Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Sitzung der Exekutive Am Dienstag, den 14. April, um 7 Uhr abends im„Sozialdemokrat". Bezirksvertretnng am Freitag, den 17. April, 8 Uhr abends, im Parteiheim wichtige Sitzung Erscheinen aller Mitglieder notwendig, fen nicht Dauerzustand werden. Auf der Basis eines Rumpfensembles wie heuer wird sich ein gleicher Abonnementserfolg keinesfalls wiederholen lassen; es sind berechtigte Verstimmungen gerade im erfahrenen Theaterpublikum vorhanden. Letzten Endes rechtfertigt nur ein künstlerisch und kulturell hochstehender Theaterbetrieb eine Subventionierung überhaupt. Gustav M ö l d n e r. Kriminal stück in der Kleinen Bühne; wieder einmal; sei aber der Direktion nicht übelgenommen, denn auch das ist„gefragt" und das Theater war ausoerkauft. Vermutlich auch war in diesem Genre an Neuem nichts Besseres da als„Mordprozetz >Falkner" von Ayn Rand. Selbstverständlich gehr's in der Hauptsache wieder um einen Mord und ehenso selbstverständlich sei auch diesmal nichts „Wichtiges" verraten. Nur das, daß die große Handlungsüberraschung mitten im Stück sich einstellt und, nicht nur die Frage nach dem.Täter, sondern sogar^den nach ßem Tatbestand betrifft, daß weiter, selbst am Schluß— mit einer Absicht, die aus der Rot eine Tugend zu machen scheint— keine völlige Klarheit herrscht und daß das Verdikt von „Geschworenen" gesprochen wird, die vor der Vorstellung' durch die Spielleitung aus dem Publikum „ausgelost"; werden. Die Handlung ist stellenweise interessant; stellenweise aber sehr langweilig und 'dies merkwürdigerweise— tvas sehr gegen den Autor spricht— besonders die in dem Akt nach der großen Ueberraschung, während da doch erst die Hauptspannung gelegt sein sollte. Im Uebrigen hat man nie das vom Autor erhoffte Gefühl, daß man in einem Gerichtssaal sitze; man vergißt nie, daß es .die Kleine Bühne ist. Der Regie M a r l t S ist es zu danken, daß alles vorzüglich klappte und daß die Besetzungsfragen außerordentlich. geschickt gelöst schienen. So gab es also, obzwar jenseits der Kunst, schauspielermäßig gutes Theater. Die Moncevsi. spielt wieder ein rasantes Weib, Helene Scharff (zum ersten Illale in einer etwas größeren Rolle) nimmt durch Nuancenreichtum des Ausdrucks und vorbildliches Sprechen für sich ein, Lo Bertram bietet in einer einzigen Szene ihre nach unserer Meinung bisher beste Leistung. Aus dem Dutzend Männern seien Brix als warmherziger Anwalt, Vicwr Heinz Fuchs als scharf charakterisierender vorbestrafter Zeuge, Klippel als waschechter Gangster. Volk.als zu allem fähiger Jndujttierit- ter, S t i e g l e r als glaubwürdiger Portier, Marle als Staatsanwalt erwähnt— Wie immer in solchen Fällen wünschen wir, um der Kassa willen, Anhalten des Interesses, das für die Premiere durch den Besuch gezeigt wurde, ohne daß wir aber den Eindruck hätten, daß in diesem Falle die Hofsnung auf die Kassa sich als betechttgtcr Herausstellen könnte den« unser opttmistischer Glaube an die Kunst und selbst an den geringen Geschmack deS Publikums' für solche'amerikanische'Gewürzsurrogate. L. G. Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Heute, Sonntag, halb 3:Liebeiftnichtso einfach, halb 8:Boccaccio, Bl.— Montag 3: I ch und mein kleiner Brudet, 7 Uhr:Rosenkavalter, C2.— Dienstag halb 8: Orpheus in der Unterwelt, A 2.— Mittwoch halb 8:Lhsisttchta, B2.— Donnerstag halb' 8: Der heilige Antonius, C 2.— Freitag hallb 8:D)arMädchen aus d em g o l d e n e n W e st e n, D 2.— Samstag 7: Tr' stan und Isolde, B 2.— Sonntag halb 3: Dr. med. Hiob Prätori u S. halb 8: B o e c a c c i o, A 1. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Sonntag 3: D r. m e d. Hiob P r ä t o r i u s, halb 8 Uhr: M ordprozeß Falkner.— Montag halb 3 Uhr: E i n K i n d k l a g t a n. 8 Uhr: Un entschuldigte Stunde.— Dienstag 8 Uhr: Mordprozeß Falkner, Bankbeamte II und freier Verkauf. Mittwoch 8%: Blumen-Zauberdung, das Blütenwunder Blumen an allen Fenstern I Welche Freude für den Besitzer wie für den Beschauer! Wenn Sie Ihre grünen Lieblinge kräftigen und zu reichem Blühen bringen wollen, verwenden Sie„Blmnen- Zauberdung", ein erprobtes, billiges Düngemittel, ein wahrer Wundertrank für Ihre Blumen. Jetzt müssen Sie mit dem Dungguß beginnen! Bestellen Sie sofort ein Paket bei der nachstehend angegebenen Adresse und legen Sie den Bettag von Ke 8.60 in Briefmarken bei. 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Verkauf.— Samstag 8: I ch und mein kleiner Bruder.— Sonntag 3%: Unent- schuldigte Stunde, 8: M o r.1> p r o z e ß Falkner. vle Arbeiter-Leichtathletik Im Jahre 1935 Der Tul, Finnlands Arbeitersportverband, vert öffent'lichk in seinem Jahresbericht für 1935 u. a. die besten leichtathletischen Höchstleistungen im Arbeitersport, welche im gleichen Jahre erzielt wurden. Aus der Liste ist zu ersehen, daß mit wenigen Ausnahmen die Finnen und noch mehr aber die Russen in der Leichtathletik führend geworden sind. Bei deii Frauen beherrschen, die Russinnen zur Gänze das Feld. Der mitteleuropäische Arbeitersport ist derzeit nur durch den ungarischen Langstreckenläufer Nemeth und den Schweizer Hochspringer Grogg vorteilhaft vertreten; ein Zeichen, daß in unseren Gebieten'der Leichtathletik nicht das richtige und zweckentsprechende Verständnis entgegengebracht wird. Es ist jedoch zu hoffen, daß die im Jahre 1937 in Antwerpen stattfindende Arbeiter-Olympiade der Leichtathletik einen neuen Auftrieb in den einzelnen Verbänden geben wird und die durch den Ausfall Deutschlands und Oesterreichs eingetretene Stagnation dann als überwunden angesehen werden kann. Und nun die Ergebnisse des Jahres 1985: 100 Meter: Golovkin(Rußland) 10.6, Ljulko (Rußland) 10.7, Tammisto(Finnland) 10.8, Hansen(Norwegen) 10.8 Sek. 200 Meter; Ljulko 21.8, Tammisto 21.9, Hansen 22.1 Sek. 400 Meter: Ljulko 49.3, Koslow(Rußlands 50.6, Jänsgaard(Norwegen) 50.8 Sek. 800 Meter: Denisow(Rußland) 1:56.4 Min., Jansgaard 1:57.2, Tselow(Rußland) 1:57.3, Lep- pänen(Finnland) 1:58.2 Min. 1500 Meter: S. Snamenski(Rußland) 8:59.9, G. Snamenski(Rußland) 4:02.5, Leppänen 4:05.7 Min. 5000 Meter: S. Snamenski 14.51.2, Salmi (Finnland) 15:01.8, Nemeth(Ungarn)-15:08 Min. 10.000 Meter: Nemeth 31:54.8, Tikkanen (Finnland) 32:11.4, Saarinen(Finnland) 32:11.6, S. Snamenski 32:17.9 Min. 110 Meier Hürden: Besrukow(Rußland) 15.4, Demin(Rußland) 15.7, Lethinen(Finnland) 15.8, L. Olsen(Norwegen) 15.9 Sek. 400 Meter Hürden: Demin 57.7, Tuominen (Finnland). 57.8, Toptsii(Rußland) 57.9 Sek. Weitsprung: Ljulko 7.24, Teittinen(USA) 6.99, Demin 6.90, A. Olsen 6.88 Meter. Hochsprung: Rntter(Rußland) 1.90, Grogg (Schweiz) 1.88, Moisio(USA) 1.88, Hodjakow 100 Meter: Golovkin(Rußland) 10.6, Ljulko (Rußland) 1.88, Erdmann(Rußland) 1.86, Riesen (Schweiz) 1.85 Meter. Stabhochr Raiewski(Rußland) 4.18, Osolin (Rußland) 4.15, Djatfkow(Rußland) 3.95, Mar- telius(Finnland) 3.81 Meter. Dreisprung: Salonen(Finnland) 14.70, Sa» vola(Finnland) 14.40, Danilenko(Rußland) 14.80 Meter. Weitspnmg ohne Anlauf: KoSkinen(Finnland) 3.29, Merikn«ki(Finnland) 8.27, Joseliani(Rußland) 3.24 Meter. Hochlvrung ohne Anlauf: Joseliani 1.61,5. Raaen(Norwegen) 1.53 Meter. Dreisprung ohne Anlauf: Joseliani 9.94. Bi- lenius(Finnland) 9.67 Meter. Speer: Rautavaara(Finnland) 63.81, Ny« man(Finnland) 61.91, Antonen(Finnland).61.40, Bühlmann(Schweiz) 60.40 Meter. Diskus: Ljachew(Rußland) 47.29, Kanaki (Rußland) 45.36. Eriffen(Norwegen) 44.93 Meter. Kugel: Bärlund(Finnland) 15.66, Ljachow 15.20 Meter. .. Schleuderball: Ljachow 66.45, Franzen(Finnland) 59.22 Meter. Hammer: Heino(Finnland) 51.85, Schechtel (Rußland) 49.18, Ljachow 48.71 Meter. Sportlerinnen 100 Meter: M. Schamanowa 12.3, I. K. Walker(England) 12.5 Sek. Weitsprung: Istomina 5.60, M. Schamanowa 5.45 Meter. Hochsprung: Schachowa 1,51 Meter. Speer.(600. Gramm).;. A..Maslowa 40.47 Meter...." DiskuS(1 Kg.): Berdnikowa 40.92, S. Bo- risowa 40.88 Meter. Kugel:(4 Kg.): T. Sevrjukowa 13.40, S. Bo- risowa 12.71 Meter. Verdftanacftricftteft Sonntag, den 19. April, von 3 biS 8 Uhr treffen sich alle Genossen und Genossinnen im großen Radiosaal, Fochova 56, bei der Großen Atus-Akademie unter Mitwirkung der Volkssinggemeinde, der sozialistischen Jugend, der roten Falken und der Restfalken. Alle bemühen sich, um den Genossen einen schönen Nachmittag zu bereiten! Regirbeitrag: Erwachsene 5 K£, Kinder 2 Uö. Kaufet die Karten im Barverkauf bei den Bcr- trauensmännern. Deutsche Volksstnggemeinde, Prag. DienStag, 14. April, Hauptprobe zur Atus-Akademie von halb 8 bis 8 Uhr abends in unserem Uebungslokal für Männer und F r a u e n.• Daselbst auch Näheres über die Akademie. Der Nkm Oer bunte Schleier Den vorletzten Film der Greta Garbo, die„Königin Christine", haben wir zu Weihnacht-n gesehen. Den letzten, die„Anna Karenina", hatten wir zu Ostern erwartet. Statt dessen aber zeigt man uns einen, der noch vor der„Königin Christine" entstanden ist und der uns, ehrlich gesprochen, nicht gefehlt hätte, wenn er gar nicht gezeigt worden wäre. Die Garbo ist eine Tragödin, und da man im Film den Mut zur währen Tragödie nicht aufbringt, sind alle ihre Filme dem sentimentalen Kitsch > nahegetommen, den zu überwinden nun wieder die Seite 10 „Sozialdemokrat. onntag, 12. April 1936. Nr. 88 Äunft der im Trauer und Weinen noch edel bleibenden Garbo war. In diesem.bunten Schleier" aber hat sie den Kitsch nicht mehr verschleiern tonnen, und wenn sie sich selbst von ihm fernhielt, herb im Leiden und streng im Lächeln, dann hat sie nicht mehr erreicht, als zwischen sich und dem Film eine Distanz zu schaffen, die den Film, der doch ihretwegen gedxeht wurde, vollends sinnlos erscheinen lägt. Nach einer Erzählung Somerset Maughams, eines der meist schreibenden englischen Schriftsteller der Gegenwart, ist das Manuskript dieses Films ge- inächt worden: die Geschichte einer österreichischen Arztenstochier, die den englischen Schüler ihres Vaters heiratet, mit ihm nach Hongkong reift, sich dort in einem furchtbar schwätzenden Gesandtschafls- arrache verliebt, von ihrem Mann daraufhin brutal behandelt wird und in eine choleraverseuchte Gegend Inner-Chinas geschleppt wird, wo sie den Weg zur Krankenpflege und zum Herzen ihres Mannes findet, den gerade esn Chinesendolch getroffen hat, weil er(als Mastnahme gegen die Cholera) Häuser in Brand stecken liest. Sogar der Attache ist am Ende reu- und edelmütig, und die Heldin des Films ruft Gott im Himmel an, nachdem sie zuvor Buddha, Konfuzius und eine chinesische Zeremonie(in Hollywood-Ausstattung) romantisch bewundert hat. Ter Regisseur Boleslawski hat das Ganze l mit Ausnahme der Schilderung von Graz und Hongkong) sehr ernst genommen, und auch der Partner der Garbo, Herbert Marshall, nahm seine hoffnungslose Rolle ernst. Und di« Garbo geht durch den Film, als suchte sie eine Möglichkeit, die Kamt. ju entfalten, die sie hier nur mit Blicken, Sätzen und Hkmdbewegungen andeuten kann. Vie ganze Stadt spricht davon Es war ein naheliegender Einfall, einmal die Groteske des amerikanischen Gangsterwesens zu verfilmen, die Proteske, die im Wesen der(an sich JMk WeliMiMie AM zweiklassige Handelsschule—Abiturientenkurs— Einschreibungen— bis 30. Juni.—Prospekte k, ostenlos.• 3402 horrenden und abscheulichen) Sache liegt: diese wohlorganisierte Grostfabritation von Verbrechern, die zuin Gegenstand täglicher Sensation, zum Massensport der Polizei, zum Fressen für die Reporter und zur spannenden Unterhaltung des Publikums geworden ist. Ter erste Teil dieses Hollywood-Films, in dem der tolle polizeilich-journalistische Rummel um einen Gangster erschütternd komisch dargestellt wird, ist die glänzende Realisierung jenes naheliegenden Einfalls, von dem die Rede war. Die Groteske erhält ihren Antrieb durch das an sich schon sehr abgenützte Doppelgänger-Motiv:■ aber wenn hier ein kurzsichtiger unF änglicher Buchhalter verhaftet und gleich darauf berühmt wird, weil er dem grasten„öffentlichen Feind" ähnlich sieht, wenn die Zeitungen sich um seine Beiträge, die Damen um seine Bekanntschaft und die Jünglinge ym sein Autogramm reisten— und sogar der Chef auf ihn stolz ist, dann empfindet man die Handlung trotz ihrer unwahrscheinlichen Voraussetzungen als treffende Kennzeichnung eines tollen Tatbestandes. Der zweite Teil des Filmes, in dem Sensation und Kriminal-Romantik die Groteske überwiegen, ist nicht mehr so gelungen, hat aber auch noch Witz und Schwung genug, um den Zuschauer zu fesseln. Es ist vorauszusehen, dah der Film einen grosten Zulauf haben wird, und es lästt sich sagen, dast sein Erfolg nicht unverdient ist. Denn, er hat gute.Einfälle, eine temperamentvoll-routinierte(von John Ford geführte) Regie und eine vorzüglich schauspielerische Leistung des Hauptdarstellers Edward Robinson, der in der Doppelrolle des Gangsters un* des mit ihm verwechselten Buchhalters«in (grotzes und sicheres Talent beweist.—eis—>- [ Mädchen mit Prokura. Der Film ist nach dem Roman von Christa Anita Brück gedreht, die seinerzeit mit dem sozial stark betonten Berufsroman „Schicksale hinter Schreibmaschinen" bekannt geworden ist. Auch der Roman, der Grundlage dieses Films ist, hat eine echte soziale Tendenz, die im Film allerdings gegenüber dem Spannenden und Kolportagehaften der Handlung stark in den Hintergrund gedrängt worden ist. Und soweit sie blieb, wurde sie von den Filmmachern zu einer billigen Kritik am„System"— die Filmhandlung spielt 1931— und zu einer höchst naiven Ablehnung der Frauenarbeit verzerrt. So haben wir es schliestlich mit der Geschichte der Prokuristin einer Bank zu tun, die beim Zusammenbruch des Institutes unter Mordverdacht gerät, der in einer hochdramatischen Gerichtsverhandlung—- siehe„Der Fall Mary Du- gan",„Mazurka" usw.— von ihr genommen wird. Gerda Maurus, die man nach langer Zeit wieder- sieht, spielt vorzüglich. Der Film bringt auch ausgezeichnete Typen und er ist technisch sehr geschickt gemacht. Aber neu ist nicht viel daran und was neu ist, gerade das ist nicht gut... jk. filme in Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino:„Die Sextanerin." Premiere in deutscher Sprache! Schwanecke, Wanka usw.— Adria:„Die ganze Stadt spricht davon."—A.— Alfa:„Tie lustige Scheidung." Astaire,— A.— Avion:„Mädchen mit Prokura."— D.— Brranrk: „Tie Sextanerin."— Tsch.— Fenix:„Der bunte Schleier." Greta Garbo.— A.— Flora:„Sturm über dem Gran Chaco."— A.— Gaumont:„Der Favorit der Zarin."— D.— Hollywood:„Viktoria." L. Ullrich.— D.— Hvczda: W.-Dssney- Mickey-Programm. Für die Jugend.— Julis:„Die unmögliche Frau."— D.— Kinema, B.-Th.: Journale, Groteske, Report.— Koruna: Aktualitätenbühne: Journale, Groteske.— Kotva B 36:„Die !Kameliendame."— Fr.— Lacerna:„Der bunte Schleier." Greta Garbo.—A.— Metro:„Für ein Weilchen Glück."— A.— Dlympic:„I m Schalen d e r F l u g z e u g e." R.— Passage:„Ter Favorit der Zarin"— D.— Praha:„Durch die Wüste."— Tkaut:„Die Vertanerin."— Tsch.— Svktozor:„Die unmögliche Frau."— D.— Alma: „Die Junggesellenbraut."— A.— Baikal:„Frau in Ketien."— A.— Belvedere:. ,Ln den Gäßchen von Paris." Chevalier.— Fr.— Beseda:„Der Student von Prag."— D.— Earlton:„Sequoia." — A.— Illusion:„Die Junggesellenbraut."— 91. — Kapitol:„Melodie der Welt 1936."— A.— Kino Svanda-Tdeater: Grot. Journ. F. d. Ino. — Konvikt:„D i e sündigenFrauen von Boom."— Fr.— Lido:„Die Sextanerin."— Tsch.— Louvre:„Die Sextanerin."— Tsch.— Mnceska:„Benvenuto Cellini."— A.— Rory: „Der kleine Oberst." Temple.— A.— Sport:„Variete."— D. MittttüutAe«r