Donnerstag, 16. April 1936 16. Jahrgang öszttirtis 70 Heller (•imchlicBlieh 5 Hollor Porto) XE NT PALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN MBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova«. TELEFON«077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Dessie kampflos besetzt Nur noch 250 Kilometer bis zur Hauptstadt Rom. Heeresbericht Nr. 185 lautet:„Unsere Truppen haben Mittwoch früh Dessie besetzt". Um 11,25 Uhr meldete das italienische Hauptquartier: Die italienische Flagge weht über dem Rcgiernngspalast von Deffie. Die Stadt wurde von Truppen des erhthräischrn Armeekorps besetzt, die im Laufe von neun Tagen die Entfernung von Quorum nach Deffie trotz dem schlechten Wetter und dem beklagenswerten Zustand der Strotzen in Eilmärschen zurückgelegt hatte«. Am 6. April war die zweite erpthräische Division in Begleitung von Flugzeugen aus Alo- mata, 15 Kilometer von Quorum, aufgebrochen, während die erste Division in Quoram Halt machte. Am 8. April hatte das erpthräische Armeekorps, das ständig nur mit Hilfe von Flugzeugen mit Lebensmitteln versorgt werden kann, die Säuberungsaktion in der Zone von Alomata beendet. Am 8. April wurde der Marsch nach Deffie angetretrn. Am Abend des gleichen Tages wurde die Stadt Kobbo besetzt. Am 11. April erreichten die Truppen Lipso, wo eine grotze Menge Munition nnd Kriegsmaterial erbeutet wurde, das der Feind auf der Flucht znrückge- laffen hatte. Am 15. April besetzte das Armeekorps' schlietzlich die äntzerst wichtige militärische Basis der Abeffinier, Deffie, das zugleich rin wichtiger Handelsplatz und politischer Punkt ist"und einen Kreuzungspuntt des Karawanenverkrbrs darstellt. Deffie ist mit Addis Abeba durch eine gute S t r a tz e verbunden, welche von Lastautomobilen benützt wird. Ter Kreis Schoa ist jetzt den Italienern offen. Flaggenparade in Italien Ministerpräsident Mussolini hat angeordnet, daß am 16. April von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang sämtliche italienischen Städte zur Feier der Einnahme von Deffie durch die italienischen Truppen zu beflaggen sind. „Mussolini-Klippe" am Tana-See London. Reuter berichtet aus Asmara: Dem höchsten Ausläufer des Landes auf der Halbinsel Gorgora im Tana-See, wo vor drei Tagen die italienische Trikolore gehißt wurde» wurde der Name„Mussolini-Klippe" gegeben. Die feierliche Zeremonie dieser Taufe führte der Generalsekretär der faschistischen Partei Italiens, Starace, durch. Dieser Geste der Italiener/kann insofern politische Bedeutung beigelegt werden, daß sich in derselben der Wunsch der^ Italiener kundgibt, am Tana-See zu verbleiben. Pas Nasibu hält sich Diredaua.(Reuter.)• Wie von der Ogaden-Front gemeldet wird, wüten dort heftige Kämpfe. Trotzdem die Italiener vernichtende Fliegeraktionen gegen die abessinischen Positionen unternahmen, weichen— wie verlautet— die Abeffinier keinen Schritt zurück. Der Wes nach Addis Abeba offen London. Der Reuter-Kriegsberichterstatter meldet: Die Besetzung Drffirs durch italie nische Truppen ist, wie es scheint, die Einleitung zu einer baldigen Besetzung Addis A b c b as, da der Ncgns keine Armee mehr hat, die seine Hauptstadt von Norden verteidigen konnte. Die Italiener können mit ihren motorisierten Kolonnen in etwa zehn Tagen die Entfernung von etwa 250 Kilometern, welche Deffie von Addis Abeba trennt, zurücklegen. Die Italiener können dazu zwei Wege benützen, von denen der eine durch den Transport des abessinischen Kriegsmaterials in den letzten Monaten etwas beschädigt, aber doch für Last- und Pan- zerautomobile befahrbar ist. An der Ogadenfront trachtet Ras Nasibu, unterstützt vom türkischen General Wasib Pascha, die Offensive des Generals Graziani, die bereits begonnen haben soll, zum Stillstand zu bringen. Es ist aber nicht sehr wahrscheinlich, datz diese letzt« abessinische Armee Erfolg hätte. An der Grenze Ges Sudan Rach den letzten Be richten aus Abessinien ha» den die italienischen Trup pen auf ihrem Vormarsch den Grenzort Galla- bat erreicht, deffen west- licher Teil zum ägyp tischen Sttvan gehört iptB von.britischen Truppen besetzt ist." Die Grenze wird nur durch ein aus getrocknetes Flußbett ge bildet.— Auch D ess i e, das durch einige Monate das Hauptquartier des Negus war, ist soeben von den Italienern besetzt worden, die nunmehr wei ter nach Addis Abeba vor stoßen werden.—- Am T a n a s e e, auf dessen Halbinsel Gorgora die italienische Trikolore ge hißt wurde, befindet sich nur ein kleiner Truppenteil, während das Gros der stalienischen Truppen wegen der schlechten Verkehrsverhältnisse, in Go«dar geblieben ist. i. Sähet W B c> !«vcD Rundfunkrede Sarrauts: Frankreich wünscht den Frieden Ist aber für alle Eventualitäten gerüstet Paris. Der französische Standpuntt z« den Genfer Beratungen des Dreizehnerausschufles wurde bei der nachmittägigen„Dreier-Konferenz" des Ministerpräsidenten S a r r a u t mit Außenminister Flandin und Staatsminister Pa ul- Bonrour festgesetzt. Der Ministerpräsident hat diesen Standpuntt am Abend in seiner Rundfunk-Kundgebung präzisiert, die von ollen französischen staatlichen Rundfunkstationen verbreittt wurde. Sarraut sagte». a.: Frankreich will den Frieden, aber einen Frieden in Sicherheit und in Würde. Ueser Ideal ist seit Friedensschluß unverändert das gleiche geblieben. Es ist in dem S y st e m d e r k o ll ek- tiven Sicherheit verkörpert, welches den Frieden füralle und den Frieden mitallen verlangt. Die französische Regierung ruft alle diejenigen, welche diesen Frieden wollen, auf, sich gegen den St i e g zusammenzuschließen, ihre Kräfte gegen di ejeni- g e n zu verbinden,, die einen neuen Krieg entfesseln möchten. Frankreich will gegen diesen allfälligon Verbrecher alle wachsamen Hüter der Ordnung znsammenschließen. Frankreich hat weniger den Frieden nur für sich allein als den Frieden für alle, auch für seine ehemaligen; Gegner gesucht. In dieser edlen» altruistischen Gesinnung bleibt Frankreich dem' V ö k e r b u n d p a k t treu.■ Auch in der gegenwärtigen Zeit erschöpft Frankreich in bewundernswerter Geduld alle Hoffnungen und all« friedlichen Mittel zur Beilegung des Konfliktes, der sich aus der gewaltsamen Verletzung der Locarnoabkommen ergeben hat. Frankreich hätte augenblicklich, einen b e w a f f n e t e n D r u ck ausüben können. Einzig und allein seine Sehnsucht nach Erhaltung des Friedens sowie die ängstliche Sorge, der Be- rufung auf das Recht tteu zu bleiben, hat es davon abgebracht. Den Vorwurf, als ob Frankreich angesichts der Drohung Deutschlands militärisch nicht schlagfertig gewesen wäre, lehnt Sarraut ab: „Unsere militärisch« Ausrüstung, unsere Armee, unsere Flotte, unser Flugwesen sind, dessen kann ich Sie versichern, aufderHöhe deribnenan vertrauten Mission. Sämttiche französischen Militärttäfte und Mittel weisen durchwegs außerordentliche Tüch- tigkeit auf und Frankreich ist wirklich schlag- ferti g." Der Ministerpräsident erklärte sodann, daß Frankreich seinen Freunden und Verbündeten treu bleibt und daß es seinen Freundschaften volles Gewicht und vollen Wert beilege, 1^Eine ziemliche Wichtigkeit wird einer Unterredung beigqleat. welche.am Mittwoch der päpstliche Nuntius mit dem Ministerpräsidenten.S a .raut hatte. ! spräche sind Generalstabskonferenz streng geheim London. Die Beratungen der Bertteter der Generalstäbe Großbritanniens, Frankreichs und Belgiens wurden Mittwoch morgens im Hanse der Admiralität eröffnet. Diese Unterredungen sind st r e n g vertraulich und es wird überaus grotze Obsorge getroffen werde«, damit Indiskretionen vorgebeugt werde. Die Beratungen der Generalstäbe stehen unter dem Schutze des Gesetzes betreffend dw britischen Staatsgeheimnisse. Die Beratungen der Grneralstäbe dauerten in der britischen Admiralität eine Stunde, in den übrigen Ministerien zwei Stunden. Die Beratungen werden Donnerstag vormittags fortgesetzt werden. Mussolini stellt England Bedingungen? London.„Daily Expreß" meldet aus Rom, daß Mussolini dem italienischen Botschafter in London Grandi Instruktionen übermittelt habe, denen zufolge er vor der Eröffnung der Friedensverhandlungen in Genf die Abberufung der englischen Kriegsflotte aus dem Mittel m e e r fordern wird. r- Nähere Details über diese Aüs- bisher nicht, bekannt geworden. Der italienische Gesandte Baron Aloisi ttaf Mittwoch nachmittags in Genf«in. Rach den Ber- sicherungen, die von italienischer Seite gegeben werden, hat Baron Aloisi die Aufgabe, über die Grundlagen des italienisch-abessinischen Konflikts I zu verhandeln und eventuell rein formal ein IT ch l i ch t u n g s v r r f a h r e n zu eröffnen. Politisches Theater Der kommunistische Parteitag ist zu Ende. Man kann nicht sagen, daß'die kommunistischen Arbeiter nun die Verhältnisse klarer sehen als vor ihm, es sei denn, daß sie Pen schlecht arrangierten Begeisterungsrummel, den die kommunistische Presse unter Zuhilfenahme aller erreichbaren Superlative beschrieb, für politische Erkenntnisse nehmen. Die Rede Gottwalds liegt nun im Wortlaut vor. Auch dieser genaue Wortlaut läßt nicht den Schluß zu, daß Gottwald in der Zeit, die zwischen seiner Rückkehr aus Moskau und diesem Parteitag liegt, an politischer Klugheit gewonnen hätte. Ein wenig Geschick beweist er nur imAuswei- ch e n vor den Problemen: die Menschen aber wollen schließlich eine klare Antwort auf die Fragen, die ihr Dasein auf das engste berühren. Wenn aber Gottwald auf die Landesverteidigung gegen Angriffe des Faschismus zu sprechen kommt, bejaht er zwar die Landesverteidigung theoretisch, macht aber in einem Nachsatz diese Bejahung illusorisch, indem er sich darauf äusredet, daß„die Bourgeoisie" auf alle Fälle gegen die von den Kommunisten aufgestellten Bedingungen für die Teilnahme an der Landesverteidigung sein wird. Diese Bedingungen hat der Zensor leider aus der Rede des Gottwald gestrichen, aber wir glauben recht zu haben, wenn wir sagen, daß Hitler mit seinem Angriff auf die Tschechoslowakei nicht just bis zu dem Tage warten dürfte, an dem die Forderungen der Kommunisten restlos erfüllt sind. Wenn schon Gottwald der Meinung ist, daß die demokratische Tschechoslowakei des Schutzes wert ist, dann darf er nicht zülassen, daß diese prinzipielle Frage zu einem Problem der politischen Taktik gemacht wird, Sofern er aber der Meinung ist, daß die kommunistischen Vorbehalte' wichtiger sind als die Existenz des Staates, muß er den Mut haben, das offen auszusprechen, damit die kommunistischen Arbeiter wissen, woran sie find. War die ganze Aufmachung des Parteitags ein Spiegelbild des politischen Theaters, das auch andere von„Führerpersönlichkeiten" geleitete Bewegung anstelle des Leistens.sachlicher Arbeit aufführen, so hat das, was über die Einheitsfront gesagt wurde, nur die Auffassung bestätigt, daß es dabei, um den Versuch einer Gleichschaltung links geht. Also spricht Gottwald: „Es ist selbstverständlich, daß eS sich uns nicht darum handelt» die Einheitsfront so zu verwirklichen, daß wir aufhören, Kommunisten zu sein. Schon deshalb nicht, weil es so überhaupt nicht möglich ist, die Einheitsfront zu verwirklichen. Die Zersplitterung der Arbeiterschaft, die Zersplitterung der Arbeiterklasse entstand ja gerade infolge der Zusammenarbeit mit der Bourgeosie und es ist nicht möglich, die Zersplitterung dadurch zu liquidieren, datz jener Teil der Arbeiterschaft, der auf den Posttionen des Klaffenkampfes steht, auf die Positionen der Klassenzusammenarbeit übergeht." Was d e u t s ch ist» bestimmen bekanntlich Hitler und Henlein. Was K l affe n k.a m p f ist, das bestimmt Gottwald. Wir wollen von der Perfidie absehen, die darin liegt, daß er die poli- ttsche Reinheit der kommunistischen„Klaffenkampf"-Partei an der Verderbtheit der sozial- demökratischen„Klassenverrats"-Partei mißt, kurz und gut, behauptet, die Kommunisten hätten das Klassenkampf-Rezept gepachtet und wir hätten uns nach ihm zu richten. Die. Kommunisten verdanken dem Klaffenkampf der Sozialdemokraten ihre organisatorische Existenz/ Sie mögen immerhin Kommunisten-bleiben wollen, aber werden nicht erwarten dürfen, die Einheitsfront werde dadurch hergestellt werden, daß die. Sozialdemokraten aufhören,.-S o z r aldem o- k r a t e n zu sein. Weder anerkennen wir, daß dem „Führer" Gottwald die geistige-, politische und moralische Auwrität zusteht- über die Richtigkeit der Klassenkampf-Formen, souperän zu entscheiden, noch glauben wir, daß. die'Einheitsfront auf hem Boden einer Gleichschaltung der Sozialdemokraten mit der kommunistischen.Ideologie erfolgen wird. Einen anderen Weg als diesen hat aber der kommunistische Parteitag nicht gezeigt. Den Sozialdemokraten möchten wir uns anschauen, der ihn gehen will!' Herr Gottwald macht sich die Auseinandersetzung mit den Sozialdemokraten auch noch in anderer Beziehung leicht. Er beschäftigt sich nur mit dem„Einwand", daß die Einheitsfront nicht hergestellt werden könne, ohne daß die Sozialdemokraten aus der Regierung austretcn. Und tut Seite 2 Donnerstag, 16. April 1936 Nr. 9« so, als ob eS überhaupt keinerlei Bedenken gegen die Einheitsfront gäbe als dieses. Damit er aber nicht glaube, daß uns nichts anderes hindert, ihn in die Arme zu schließen als hie Furcht vor dem Regicrungsaustriit, sek ihm in aller Deutlichkeit gesagt, daß es auch noch eine Menge anderer Ursachen,ideologischer und politisch-taktischer Art gibt, die uns zwingen, ihm eine Absage zu erteilen, Z. B. eben das oben gezeigte Besahen, die Einheitsfront als Gleichschaftungsinstrument zu benutzen, ein Bestrebens das Noch durch die Aeutze- rungen K r e i b i ch s unterstrichen wurde, der u. a. sagte: „Soweit ist es auch dadurch gekommen, daß die sozialdemokratischen Parteien ihren Massencin- flust behielten und die kommunistischen Parteien i infolge der Langsamkeit des Prozesses ihrer Böl- schewisierung und Reinigung vom Opportunismus nicht imstande waren, den Maffeneinfluß der sozialdemokratischen Parteien zu brechen und die s Führung des Proletariat-zu erringen." Das soll nun durch die Einheitsfront geschehen, die uns Herr Gottwald in so wohlgesetzten"Worten«anbietet! W-nn schon Kreibich als einer der Gründer der KPE Erinnerungen von sich gibt, so fei auch daran erinnert, daß die kapitalistische Gegenoffensive, die nach der Gründung der KP§ einsetzte, in erster Linie auf eben diese Gründung zurückgeht. An dieser Funktion der KP§ hat sich bis heute nichts geändert. Der Kampf um 6a§ Viehmonopol Einsehende Kritik eines Konsumentenvertreters Das„Pravg. Hidu" nimmt in seiner Mittwoch-Nummer entschieden gegen jene Pläne der tschechischen Agrarier Stellung, wonach der Bieh- bandel in die Agenda der erweiterten Getreidegesellschaft ausgenommen werden soll, was die Agrarier mit dem Zusammenhang begründen, welcher zwischen der Bewirtschaftung des Viehs und der Futtermittel besteht. Ausführlich und gründlich befaßt sich in der „Konsumgenossenschaft" vom 13. April— der Artikel ist auch-als Sonderdruck erschienen— der Prokurist der Großeinkaufsgesellschaft, Genoffe Franz Svojse mit dem Viehmonopol. Sein Standpunkt ist der einer entschiedenen Ablehnung des geplanten Monopols. Genosse Svojse stellt erst dar, worin nach agrarischer Auffasiung das Viehmonopol bestehen soll. Es sollen feste Viehpreise sowohl für Lebendvieh als auch für Schlachtware eingeführt werden. Die Tätigkeit der Tschechoslowakischen Vichverkehrsgesellschaft, welche als Aktiengesellschaft mit einem. Gründungskapital von zehn Millionen XL gedacht ist, soll sich auf Rinder, Schweine, Fett und Speck beziehen. In der Gesellschaft sollen die landwirtschaftlichen Kreise, der Handel und die Konsumenten vertreten sein. Der Zweck des Monopols soll.nach den Worten des Landwirtschaftsministers Dr. Za di na sein: „für die Preisstabilisierung-Sorge zu tragen und dabtzi bewirken, daß für die Landwirte die Viehpreise erhöht und für die Verbraucher die Fleischpreise ermäßigt werden". Genosse Svojse glaubt nun, daß es nicht gelingen kann, dieses Zauberwerk zustandezubringen. Durch das Monopol würde» die Fleischpreise ..steigen,„... Das wäre deriFall,..sowohl bei einem allgemeinen als auch bei einem Einfuhrmonopol, denn auch das letztere würde einen großen Apparat und neue Gebühren erfordern. Außerdem brauchen wir kein Einfuhrmonopol, weil schon seit Jahren mit Ausnahme von Fettschweinen kein Vieh importiert wird. Es muß aber vor allem die Frage aufgeworfen werden, ob die Viehpreise wirklich niedrig sind. In Wahrheit sind die Preise in den letzten Jahren gestiegen. So stieg der amtliche Jahresdurchschnittspreis von 1934 bis 1935 bei Ochsen(je Kilogramm Lebend- j gewicht in XL) von 4.79 auf 5.55, bei Stieren, von 3.43 auf 4.35, bei Kühen von 3.05 auf 8.67, bei Jungrindern von 3.89 auf 4.59, bei inländischen Fettschweinen von 5.85 auf 6.79, bei ausländischen Fettschweinen von 6.54 auf 6.57. Die Preise für inländische Schweine sind also um 27 Prozent gestiegen. Diese steigende Preisentwicklung hält aber auch im laufenden Jahre an. So kosteten auf dem Prager Markt je 100 Kilogramm Schweinefleisch in XL im März 1934 677 bis 929, im März 1935 812 bis 822, im März 1936 1000 bis 1100, Rindfleisch im März der genannten Jahre 637 bis 750, 650 bis 762 und 850 bis 1300. Seit März vorigen Jahres ist also der Durchschnittspreis für Schweinefleisch um 28 Prozent und der Durchschnittspreis für Rindfleisch um volle 34 Prozent gesttegen. Sind die Einkommen der Verbraucher gestiegen, damit sie diese ganz außerordentlich erhöhten Preise bezahlen können? Ist insbesondere die Lage der deutschen Bevölkerung, die ja fast ausschließlich in Krisengebieten lebt, besser geworden? Die Frage stellen heißt sie verneinen und es tritt ein, was eintreten mutz: der Fleischverbrauch sinkt. Die Zahl der geschlachteten Stücke betrug bei Rindvieh 1934 775.000, 1935 764.000, bei Kälbern in den genannten Jahren 1,046.000 und 963.000 und bei Schweinen 4,386.000 und 3,998.000. Die Folgen der Preissteigerung sind also, datz um 482.000 Stück Vieh weniger geschlachtet wurden. Dazu kommt noch, datz— schalten wir die Einfuhr von Speckschweinen aus — seit dem Jahre 1929 die Einfuhr von Vieh um nicht weniger als 743.000 Stück gesunken ist. Vor der Einführung der agrarischen Hochschutzzölle betrug die Schlachtvieheinfuhr weit über 700 Millionen XL, im Jähre 1985 nur" 115 Millionen XL. An diesen Plänen der Agrarier können die Konsumenten nicht achtlos vorübergehen. Die Getreideproduzenten wünschten ein Getreidemonopol, das hohe Preise für Getreide und Futtermittel festsetzte. Die hohen Futtermittelpreise beeinträchtigen nun die Viehzucht, bzw. verteuern sie. Die Viehzüchter verlangen hohe Biehpreise, die Viehproduzenten sind gegen die Einfuhr von Schweinen, die Hühnerzüchter gegen die Einfuhr von Eiern, die Kartoffelbauern wollen ihr Kartoffelsyndikat, die Paprikaproduzenten ein Paprikasyndikat, die Gurkenpflanzer ihr Gurkensyndikat, die Molkereien sind gegen die Fetteinfuhr. Das Opfer dieser Wirtschaft ist der Kon60 MANNER, FRAUEN UND WAFFEN I Roman von Manfred Georg Copyright by Dr. Manfred Georg. Prag Er fühlte sich von der Bank, auf der er saß, ins Leere fallen, er stürzte, überschlug sich, stürzte noch immer und glaubte sich plötzlich auf einer Ebene zu befinden, die sich endlos nach allen Seiten dehnte unter einem unendlich hohen, ebenso grauen und fließenden Himmel, und es gab nichts zu greifen, zu sehen, zu fühlen. Die dunkle Zelle von Bielostroj schwamm in der Nacht der Welt ohne Licht, und niemand— er am allerwenigsten— würde es verhindern können, daß sie än ein Riff sfietz, scheiterte, lautlos versank. „Also ich habe keinen Sohn", seufzte er schließlich. „Nein, Sie haben in der Tat keinen. Ich denke, es ist besser so. Lange habe ich gezweifelt, ob ich es Ihnen überhaupt sagen soll, aber ich denke, Ehrlichkeit ist in jedem Falle gut. Es wäre nun die Frage, was Sie immerhin auf Grund der letzten Usiierredung zu meinem Vorschlag von vorhin zu antworten haben." „Sie haben ihn mir gemacht, weil.». „Nein, nicht weil Sie mein Vater siird. Ich wollte Sie nicht retten. Ich könnte Sie gar nicht retten, denn wenn ich zugäbe, datz mich solche Gefühle leiten würden, müßte ich mein Amt niederlegen." „Sie lieben es sehr?" „Es ist wichtig und notwendig, und ich glaube, daß ich meinen Posten ausfülle." „JA werde Sie nicht mit der Offenbarung meiner Vaterschaft belasten. Es ist das einzige, was ich Ihnen, glaube ich, schenken kann." „Wenn Sie von schenken sprechen oder von einem Gefallen, den Sie mir tun wollen, so wäre zu sagen, daß Ihr Eingehen auf meinen Vorschlag mir sachlich und persönlich und auch in meinem Verhältnis zu Ihnen sehr lieb wäre.4 „Ich soll also Verrat üben? Statt für das einzustehen und zu sterben, was ich getan." „Welche schrecklich pathetischen Wortei Was heißt denn das„Verrat"? Daß Ihre Auftraggeber wert find, nicht verraten zu werden, glauben Sie sicher selbst nicht! Mit Ihrem Leben aber werden Sie vielleicht noch sehr viel Gutes tun können." „Unter Ihrer Bewachung?" „Vielleicht unter meiner, vielleicht unter der eines anderen, das ist doch egal. Oder würden Sie das als Autoritätsverlust betrachten? Es ist doch eine sachliche Notwendigkeit. Und nun mutz ich gehen." Er erhob sich unh hatte das Gefühl, datz Schumann auf ihn zu wollte. Schon wehrte er ab: „Bitte nicht, bleiben Sie doch sitzen!" Aber er hatte sich getäuscht. Vielleicht hatten ihn grur der stürmische Wille des Rittmeisters und dessen Verzweiflung so bedrängt. Denn dieser rührte sich nicht vom Fleck, gcw auch keine Antwort. Die Zellentür schloß sich mit einem Knarren. Am nächsten Tage kam Umanfli wieder. Jetzt, im hellen Licht, zeigte er sich als ein schlanker junger Mann, dessen Mund der Mund Schumanns war. Zum Erstaunen des Vaters, ja zu seinem Entsetzen, hatte Rudolf dieselben Bewegungen wie er. Aber der Schnurrbart, der unge- pflqft und buschig war, veränderte für jeden Dritten die Aehnlichkeit, die für Schumann selbst so frappant war, datz er ihn lange erschüttert und schweigend anstarrte. Umanski wandte sich etwas verlegen ab und fragt nur kurz: „Nun?" „Ich will Ihnen etwas sagen", begann Schmnann und aus seinen Augen sprach alle sument. Das ist, so führtojse aus, keine Planwirtschaft, die vielmehr planmäßig die Hebung des Verbrauches betreiben mutzte. Darum lehnt Genoffe Svojse jede Regelung ab, die eine Verteuerung eines so wichtigen Lebens- und Nahrungsmittels wie Fleisch darstellt. Nur niedrige Futtermittelprrise werden den Bauern helfen. Solange das Getreidemonopol für Futtermittel hohe Preise festsetzt, können die Kleinbauern Futtermittel, welche sie zur Viehproduktion brauchen, nicht kaufen. Svojse beruft sich auf einen Ar- tikel eines Jng. Kutnär in der agrarischen „Brazda", wonach nur die Preisherabsetzung der pflanzlichen Produktion, also des Getreides und der Futtermittel, Hilfe bringen kann. Bon der richtigen Entscheidung über die Preise für Futtermittel hängt die gedeihliche Entwicklung unserer tierischen Produktion ab, hängt ab, daß unsere arbeitende Bevölkerung genügend sich von Fleisch ernähren kann. Steigender Außenhandel Nach Erhebungen des Stattstischen Staatsamtes weist der Außenhandel der Tschechoslowakischen Republik im reinen Warenverkehr folgende 'Ziffern auf: die Einfuhr betrug im März-1936 585,819.000 XL gegen 517,009.000 XL, im März 1935, die Ausfuhr betrug im März 1986 631,038.000 XL gegen 585,018.000 XL im März 1935. Eß.sind also sowohl Einfuhr als auch Ausfuhr im März 1936 höher als in demselben Monat des Vorjahres. Ebenso,, ist'der Außenhandel für das erste Quartal 1936 höher als im ersten Quartal 1935. Es betrug nämlich in den Monaten Jänner bis März 1936 die Einfuhr 1.661,668.000 XL gegen 374,015.000 XL in der gleichen Zeit des Vorjahres, die Ausfuhr 1.727,510.000 XL gegen 1.580,474.000 XL. Die' Steigerung des Außenhandels. ist immerhin ein erfreuliches Anzeichen für eine allerdings mäßige Besserung der Wirtschaftslage. Generaldebatte Aber die Staatsverteidigung Slebcneraussdiuß berät Ober Acnderungen Prag. Die Verhandlungen über das Staatsverteidigungsgefetz wurden am Mittwoch in den verfassungsrechtlichen Ausschuß verlegt, der die Aufgabe hat, die noch nicht geklärten Puntte einer Lösung zuzuführen. Es handelt sich vor allem um den in den Paragraphen 19 bis 21 festgelegten Begriff der „staatlichen Unverlätzlichkeit" und um die Rechtsmittel, die die so Bezeichneten ergreifen können. Mit diesen Fragen beschäftigte sich gesondert ein Siebener aus schuß derKoalition, ohne noch zu einer Einigung kommen zu können. Der Ausschutzreferent Dr. D u f e k versicherte jedoch in seinem Schlußwort zur Generaldebatte, datz diese Dinge noch so bearbeitet werden sollen, datz alle Einwände, daß die Rechte der Arbeiter und Arbeitgeber in den Grenzgebieten verkürzt würden, beseitigt werden. An-en offiziellen Ausschußberatungen nahm auch der Verteidigungsminister Machnik teil. Nach dem Referat Dr. Dufeks wurde dse Generaldebatte eröffnet. Der Kommunist Dr. Dolanskß und sein Klubkollege«Verma, die seinerzeit beide wegen ihrer Abweichungen von der richtigen Linie von Gottwald schwer gerügt worden waren, nun aber, nachdem sie zu Kreuze gekrochen find und Buße getan haben, anscheinend wieder in Gnade stehen, zitierten die Be-. schlösse des österreichischen Parteitages der KöE! über die Verteidigung des Staates. Gottwalds Ein-" greifen in die Politik der KPE habe keineswegs den Sinn gehabt, von der Verteidigung der Republik Men den' Faschismus'äbzürücken. Der'letzte Kön- greß habe vielmehr demonstriert, daß die Kommunisten diebestenVerteidiger l!) der Tschechoslowakei gegen kriegerische Angnffe des deutschen, polnischen oder magyarischen Faschismus sein wollen und daß sie entschlossen seien, die Existenz der Völker der Tschechoslowakei und die Selbständigkeit der tschechischen Nation mit allen Mitteln, mit allenKräftenünd Waffen zu verteidigen. Gegen die Vorlage sprechen fie sich angeblich nur aus, weil fie diesen Verteidigungsinteressen nicht entspreche und Bestimmungen gegen die Arbeiter enthalte. Sverma erklärte laut: Gegen Hitler mit allen Mitteln. Für die Wege zur Verwirklichung dieser Parole haben fie allerdings ihr eigenes Rezept. Von der SdP polemisierte Dr. Kellner gegen die kürzliche Erklärung des Ministerpräsidenten, daß dir Vorlage ein Prüfstein für die wirkliche Loyalität sei, während später Dr. Nemvirth wieder als ex offo- Vetteidiger der Demokratie austrat und dann der Vorlage als besonders diffamierend vorwarf, daß fie dazu führen müsse, die Freiheit des Unternehmers(ausschließlich„loyale" Hen- leinleute einzustellen?) wesentlich zu beschränken. Dr. Luschka(Chr.-Soz.) wendet sich dagegen, daß der Begriff der staatlichen Unzuverläßlichkeit nicht definiert sei, und hofft, daß die Vorlage entsprechend umgestaltet wird. Gegen die Vorlage ist der polnische Bürgerliche Dr. Wolf, der die Gelegenheit benützt, um Beschwerden wegen der Behandlung polnischer Eisenbahner vorzubringen. Dr. Stränskh(Nat.-Soz. verweist darauf, daß Kommunisten und SdP, die größten Gegner, in der Bekämpfung der Vorlage auf derselben Linie stehen. Was die SdP betxeffe. so habe noch kein Mem'ch. weder auf höfliche noch auf unhöfliche Weise, aus ihren Vertretern ein klaxts und jedem deutschen Arbeiter und Bauern verständliches Wort herausbekommen können, ob>ie für den Fall eines Ueberfalles durch Deutschland bereit seien, mit den andern für die Republik zu kämpfen, bis der letzte Hitlersoldat von unserem Boden verttieben sei. Im Schlußwort zur Generaldebatte betonte der Referent Dr. Dufek u. a. neuerlich, daß weder die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Raffe oder Religion, noch weniger zu einer bestimmten Nationalität das Kriterium der„staatlichen Unzuverlässigkeit" bilden werde, sondern nur der Standpunkt, den der einzelne zum Staate einnimntt. Er sei fest überzeugt, daß die Befürchtung sich nicht erfüllen wird, die Vorlage konnte die pafionale, soziale oder kulturelle Entwicklung dkr Minderheiten behinderftloas Gesetz werde vielmehr lediglich der antistaatlichen Tätigkeit einen Riegel vorschieben. Die Spezialdebatte wird Donnerstag nachmittags eröffnet werden. Im Wehrausfchuß wurde Mittwoch nachmittags die Novelle zum Schützgesetz, dir die Strafen für Mlitärverrat verschärft, angenommen. Während die SdP in der letzten Ausschußsitzung einen feierlichen E x o tz u s veranstaltet hatte stimmte sie diesmal f ü r die meritorischen Bestimmungen(die Paragraphen 1 bis 4) und begnügte sich damit, ihrer Opposition gegen die restlichen Paragraphen freien Lauf zn lassen, die das formelle Verfahren betreffen, Bitterkeit der Nacht, mit der er sich vollgesogen hatte.„Gestern bin ich am Ziel meines Lebens gewesen. Ich sehe keinen Weg weiter. Ob ich hier stehen bleibe jetzt und vom Teufel geholt werde oder ob ich mich in den Abgrund vor mir herunterstürze, ist eigentlich gleichgültig. Sie sagten: Sie seien bei der Armee gewesen, eS wird bet Ihnen nicht anders sein wie in jeder anderen Armee: ein Mann ist ein Mann und ein Wort ist ein Wort. Sonst gäbe es keine Armeen." „Was wollen Sie damit sagen?" unterbrach ihn Umanfli schärfer, als er es eigentlich wollte. Aber jetzt befand er sich bereits in einer Diskussion nicht mehr mit dem Herrn Schumann, sondern mit dem Angeklagten. „Damit will ich sagen, daß ich für Sie zwar vielleicht auf der falschen Seite stehe, daß ich aber kein Verräter bin. Ich habe genau gewußt, was ich tat. Ich hasse diese Arroganz, die sich hier einbildet, auserwählt zur Beglückung der Welt zu sein. In den ersten Jahren sind's die Ideale und nachher ist alles derselbe Maffch wie vorher. Es gibt nur den einzelnen. Er soll sich's richten, wie er's kann und vor sich^selbst dafür einstehen. Und ich stehe für mich ein." „Ist das Ihr letztes Wort?" Schumann trat sehr nah an Umanfli heran: „Ja, und nachdem Sie mich gestern, vielleicht von sich aus vollkommen berechtigt, so in meine Schranken verwiesen haben, werde ich Sie in die Ihren verweisen." „Ein ungleicher Kampf. Sie sind im Grunde schon heute zum Tode erurtellt." „Lassen Sie mich fliehen." „Das sagen Sie, der Sie eben von Ehre gesprochen haben?" «Sie nehmen also einen Vatermord auf sich?" „Ich morde nicht, sondern ich klage an. Richten wird ein anderer." „Das sind doch Spitzfindigkeiten. Sie sind der einzige, der mir helfen kann." „Ich wünsche nicht, einem Feinde des Staates zu helfen. Im Uebrigen habe ich Ihnen ja den Weg gezeigt, der zum Leben für Sie führt." „Wir drehen uns im Kreise. Was kann mir das Leben hier bringen?" „Arbeit. Was ist es sonst anderes?" „Vielleicht manchmal auch etwas Freude." Umanfli schüttelte den Kopf: „Freude? Wo bei Ihnen alles so versaut ist? Wer hat es nicht bitter zu bezahlen, wenn er sich einmal freut! Die Quittung kommt immer gleich nach." In diesem Augenblick sah Schumann Hay- de'e vor sich. Ihr Bild bedrängte ihn mit solcher Gewalt, daß er in dem weitern Gespräch mit Umanski vollkommen unzusammenhängende Antworten gab. Immer wieder schob sich ihr Gesicht vor ihn hin. Die.Worte, die er sprach, sah er wie in eine Schreibmaschine diktierte Zeilen entstehen, sah das Papier sie aufsaugen und statt dessen sich darauf Haydees Züge bilden. Er war ja jetzt wirklich allein. Dieser korrekte Beamte, der sich da straff vor ihm hiell und nicht um einen Atemzug bereft war, ein gewisses Gefühl der Nähe und Verwandtschaft in sich hineinzulassen, unterschied sich eigentlich von der toten Gabriele wenig. Eben hatte Schumann noch die Worte„Ehre" gebraucht und„Verrat", aber was bedeuteten sie wirklich noch für ihn? Sie waren nur aufgezogen an der Schwefle seines Gehirns wie Wachtposten, die vor einem verfallenen Schloß, in dem langst niemand mehr wohnt, schlafen, auf ein„Oui vive" aber aufwachen und sich gewaltig präsentieren. Umanski sprach wieder etwas und Schumann antwortete. Es war u»ehr aus einer Art Halbschlaf heraus. War er nicht wirklich ein Don Quichote, hier wegen leerer Begriffe, wegen eines Mannes wie Makropulos oder Dunaimis den Tod zu erleiden? Noch toar ja, Stern und Zentrum der paar Gefühle, die noch in ihm kreisten, Hayde'e da.'(Fortsetzung folgt.) 9h. 90 Donnerstag, 16. April 1936 Seite 3 tfudctendcutsdicr Zeitspiele/ eine Brand Im Sebastlansberger Moor Mittwoch in den zeitigen Nachmittagsstunden geriet aus bisher unbekannter Ursache das Torfwerk der Stadtgemeinde Sebastians- L e r g in Brand. Das Feuer zerstörte alle Betriebseinrichtungen, das Maschinenhaus mit der gesamten Einrichtung, die Mullmühken und Torfpreffen, die Moorstation und den gesamten Vorrat. Die Stadtgemeinde SebastianSberg erleidet einen Schaden von nahezu einer halben Million Kd, der allerdings» zum größeren Teile durch Versicherung gedeckt erscheint. Hart betroffen wird von diesem Brande die Arbeiterschaft der Stadt S e b a st i a n s b e r g. Es war in der vergangenen Zeit immer möglich, 120 bis 150 Mann zu beschäftigen, die, wenn auch verkürzt, so doch die ganzen Sommermonate arbeiten konnten. Es gelang dadurch, die hart betroffenen Menschen über die ärgste Krisenzeit Hinwegzubringen. Nun werden bis mindestens Anfang August nur ganz wenige Leute beschäftigt werden können, weil die Trockenanlagen mit vernichtet worden sind und das gewonnene Material im Freien getrocknet werden muß. Das ist bei dem unbeständigen Gebirgswetter ein riskantes Unternehmen. Mit den Aufbauarbeiten wird sofort nach der abgeschlossenen Untersuchung begonnen werden. Fünfzig Schweden kommen zum Reichsjugendtag! Der R.e ichsjugendtag, der zu Pfingsten in Bodendach zusammen mit einem Kreisarbeitertag abgehalten werden wird, dürste von Gästen aus einigen Ländern besucht werden. Mit besonderer Freude wird von den Veranstaltern die Anmeldung einer Gruppe von fünfzig schwedischen Jungarbeitern vermerkt, die an den Beranstaltungen des Reichsjugendtages teilnrhmen und nachher eine Wanderfahrt durch Rordböhmen und nach Prag durch- führen werden.— Auch eine holländische Delegation ist angesagt. Gästen gehalten worden ist. Zu di»Mi Gästen gehörte auch G a j d a selbst. Das Thema dieses Vortrages bildete der .Ständestaat". Sicher ein unter den Faschisten aller Nationen sehr belicktes Projekt. Nur scheint es keinem der anwesenden Henleinstudenten eingefallen zu sein, den Vortragenden oder Herrn Gajda selbst zu fragen, wo die Rechte der Sudetendeutschen in einem solchen tschechische«.-Ständestaat bleiben chmx- den. Herr Gajda soll sie allerdings dessen versichert haben, daß„gerade der nationale Faschismus keinen nationalen Haß kenne, Den Beweis dafür dürfte er allerdings schuldig geblieben sein. Aber dafür gibt es e i n Band, das Henlein und Gajda aufs engste miteinander verbindet: der Haß gegen den deutschen Aktivismus. Für diesen Haß brauchen weder Henlein noch Gajda einen neuen Beweis zu liefern. Unö von dieser Seite betrachtet, ist diese denkwürdige Verbrüderung des tschechischen und des sudetendeutschen Faschismus nur ein weiterer Beleg dafür, daß es zwar keinen Faschismus ohne„nationalen" Haß gegen die Demokratie, andererseits aber auch keinen Faschismus gibt, der von einer wirklichen„Volksverbundenheit" getragen wäre. Politikum gemacht und sah eher wie eine politische Radauversammlung nach henleinschem Muster, denn als Versammlung einer Fürsorgeorganisation aus. Der satzungsgemäß vorgeschlagene Ausschuß wurde einfach verworfen und dafür die Liste des von ihnen vorgeschlagenen»Ausschusses gewählt, der bis aus einen Sozialdemokraten und den bisherigen Vorsitzenden, Oberlehrer Hampel,' durchwegs neue Leute aufweist, die sämtliche Angehörige der SdP sein dürsten. Allerdings wäre trotz alleden» die satzungswidrige Neuwahl niemals zustande gekommen, wenn der Vorsitzende, OberlehrerHam- p e l, seine Pflicht gekannt hätte. Der Herr hatte anscheinend keine Ahnung von den Statuten. Die von ihm befragten Advokaten gaben natürlich prompt und freudig„Aufilärung", nämlich im Sinne der von der SdP vertretenen Auffassung, womit der Vorsitzende die Klippe als umschifft ansah. Genosse R e i l i ch sagte den Juristen gleich an Ort und Stelle, was von einer solchen juristischen„Tüchtigkeit" zu halten ist. Die bisher in der Jugendfürsorge tätigen Sozialdemokraten haben sich bei ihrer Mitarbeit dort stets nur von fürsorgerischen Grundsätzen leiten lassen und haben immer die Meinung vertreten, daß Jugendfürsorge nie vom Standpunkt einer einzigen Partei gemacht werden darf. Aus der Zusammensetzung des satzungswidrig gewählten Ausschusses ergibt sich die Gefahr, daß dieser Grundsatz künftig nicht mehr eingehalten wird. Unsere Vertreter haben sich daher an der Abstimmung nicht beteiligt und sich weitere Schritte Vorbehalten. Karl Kraus verliert einen Prozeß Freispruch unseres verantwortlichen Redakteurs Bor dem Pressesenat des Obergerichtsrattes T i s e k fand Mittwoch die letzte Hauptvrr- handlung in dem Prozesse statt, den der Herausgeber der Wiener„Fackel", Karl Kraus, gegen unseren verantwortlichen Redakteur Dr. Emil Stra«ß angestrengt hat. Dr. Strauß wurde freigrsprochen. eine Frau In den Wahnsinn setrieben Von Henleins Kulturgenossen Unter den am 6. März 1935 vom zweiten Strafsenat des Oberlandesgerichts Hanrm verurteilten 38 Arbeitern und Arbeiterinnen aus Wup-, Pertal befand sich auch Frau Ida Ahrweiler aus Wuppertal-Elberfeld. Frau Ahrweiler hat dreizehn Kindern das Leben geschenkt, wovon sieben noch leben. Ihr Mann ist seit Jahren erwerbslos, so daß Frau Ahrweiler, die eine gute Riemendreherin ist, gezwungen war, für dep Lebensunterhalt der Familie zu sorgen. Seit Jahren war sie bei der Firma Arthur Huppertsberg,Wup- Pertal-Elberfeld, beschäftigt. Langjährig gewerkschaftlich organisiert und sich immer für die In« teressen ihrer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einsetzend, hatte sie das vollste Vertrauen der Gesamtbelegschaft von Huppertsberg und war jahrelang Betriebsratsmitglied. Nach der Machtübernahme versuchten die Nazis Ida Ahrweiler zu ködern und für ihre Zwecke zu gebrauchen. Sie lehnte jedoch ab. Aber nach wie vor setzte sie sich für die Interessen der Belegschaft ein. Im März 1935 wurde sie verhaftet und tagelang auf das schwerste mißhandelt. Durch die vielen Geburten, durch ihren Beruf und die Sorge um ihre Familie war Ida Ahrweiler sehr nervenkrank. Jedoch ohne Rücksicht auf ihre Erkrankung wurde sie verhaftet und so mißhandelt, daß sie wahnsinnig würde und in Irrenanstalt überführt werden mußte. Die„Rote Fahne"„berichtigt", daß der spanische Parteitag nach dem Willen der Rechten nicht, wie von uns gemeldet, in Barcelona, sondern„in einem entlegenen N e st im nordwestlichen Winkel Spaniens(Sama de Langreo in A st u r i e n)" stattfinden sollte. Asturien ist in i. drg..Käwt>fen. ber spanischen Arbeiterklajft immerhin ein Begriff geworden. Daß sich die Linke scheut, den Parteitag in jenem„entlegenen Nest", also in dem wahrhaft revolutionären Asturien, abhalten zu lassen, ist mehr als bezeichnend, fast so bezeichnend, wie die Schmähung der Asturier durch dir„Rote Fahne". Im übrigen freut sich die„Rote Fahne" nach wie vor, daß die „Rechten" aus der spanischen Partei geworfen werden sollen: eben die a st u r i s ch e n Kämpfer und die katalanischen Helden! Und, wie wir inzwischen feststelltcn, rund Fin Drittel der sozialistischen Parlamenfsfraktionl Schade, daß die spanischen Kommunisten keinen Gottwald haben, der ihnen angesichts der von ihnen begrüßten und unterstützten S p a l- Gleichschaltungs-Tendenzen in der Jugendfürsorge? Satzungswidrige Neuwahl der Bezirksjugendfürsorge Wamsdorf Einem Bericht unserer„Bolksstimme" über die am Montag abgehaltene Vollversammlung der Bezirksjugendfürsorge Warnsdorf entnehmen wir Folgendes: Nach den Satzungen der Jugendfürsorge dauert die Amtsperiode des Verwaltungsaus schusses der Jugendfürsorge jeweils drei Jahre. Aus der Gruppe A des Verwaltungsausschusses sind in jedem Jahre-vier Ausschußmitglieder aus zuscheiden und von der Vollversammlung neu ztz wählen. Ausgeschiedene Mitglieder können ebenso wiedergewählt werden. Diesen statutarischen Be- . ftimmungen wurde im vorigen Jahre Rechnung getragen, da die Vollversammlung, wie aus dem Protokoll ersichtlich ist, vier ausscheidende Mit- glieder auch für die laufende Periode wieder wählte. Die heurige Vollversammlung hätte also- satzungsgemätz nur für den Ersatz neuausschei- dender vier Mftglieder Sorge tragen müssen. Dieser von den Statuten klar vorgeschriebene Weg ist in der Versammlung nicht einge halten worden. Die SdP, die in den letzten Wochen eine Anzahl ihrer Leute in die Jugend fürsorge als Mitglieder dirigierte, brachte diese geschlossen in die Versammlung und erzwang so, unter dem Protest unserer Genossen, eine sat zungswidrige Neuwahl des Ver- waltungsausschusseS. Daß es die Henleinleute von vornherein auf eine Vergewaltigung abgesehen haben dürften, bewies auch der Umstand, daß sie in die Ver- sammlung eine Liste deS nach ihrem Gutachten zu wählenden Ausschusses und sogar die S t i m m- z'e t t e l mitbrachten, die eventuell für den Wahl gang notwendig gewesen wären. Die Vollversammlung wurde von ihnen bewußt zu einem Saida und die Prager Henlein-Studenten (R. F.) Bereits vor Wochen waren in einzelnen Zeitungen Meldungen darüber erschienen, daß ein hervorragender Vertreter der tschechischen ^Faschistengemeinde" des Exgenerals Gajda auf Einladung deutscher Studenten im neuen deutschen Studentenheim an der Strojnickä(Prag VII.) einen Vortrag gehalren habe. Wenn wir auch in punkto Jnternationalität des Faschismus,, auch hier in der Tschechoflowakei, einiges bereits erlebt haben(man denke nur an sas. "Zusammengehen der SdP und der Gajda-Leute im Brünner Rathaus), so hielten wir es doch.für geboten, erst eine zweifelsftei« Bestätigung dieser Meldung abzuwarten. Nicht deshalb, weil wir den SdP- Poliiikern eine allzu große Skrupellosigkeit zugetraut hätten, sondern deshalb, weil es sich diesmal um keine solchen„Politiker" aus Profession, sondern um Studenten handelte, denen zuzutrauen gewesen wäre, daß sie ihre nationalen Schlagworte wenigstens selbst ein wenig ernst nehmen. Nun ist aber die Bestätigung erfolgt. Die „Fasisticks Listy" bringen«inen Bericht über den Vortrag, der am 23. März im. Studentenheim an der Strojnickä von Dr. Bmnzovskh auf Einladung des Hausausschusses vor den Betz, o h n e r n des Studentenheimes und vor geladenen I Gegenstand dieses langwierigen Prozesses war der im„Sozialdemokrat" vom 10. August 1934 erschienene Artikel„Die Fackel als faschistische H e tz s ch r i f t", in welchem der„Sozialdemokrat" an dem Verhalten des Karl Kraus zir den Feberkämpfen des Jahres 1934 scharfe Kritik geübt und ihn insbesondere wegen der im Juli 1934 erschienenen„Fackel" angegriffen hat, in welcher Kraus eindeutig und offen für die Regierung der Herren Dollfuß und Starhemberg und gegen, das österreichische Proletariat und seine heldenhaften Schutzbündler Stellung genommen hat. In dem ArtikelÄvar u. a. konstatiert worden, daß an Karl Kraus seine 60 Jahre nicht spurlos vorübergegangen sind, daß er sich wilde und zugleich läppische Ausfälle gegen den Marxismus und die Sozialdemokratie leistet, daß er die tschechoslowakischen Behörden gegen die österreichische Emigration und einzelne Schriftsteller aufzubringen versucht und daß er, wie auch viele andere Literaten, den Weg der Gleichschaltung gegangen ist. Insbesondere durch den Ver- wurf der Gleichschaltung an das österreichische Heimwehrregime fühlte sich Kraus an seiner Ehre getroffen. In diesem Prozesse fand eine ganze Anzahl von Hauptverhandlungen statt, bei welchen unser verantwortlicher Redakteur fiir die Behauptungen des inkriminierten Artikels in gründlicher Weise den Wahrheitsbeweis antrat. Der Vertreter des Klägers stellte eine Reihe von Gegenanträgen. Fast alle Beweise wurden vom Gerichte zugelässcn und durchgeführt. Bei der Hauptverhandlung am Mittwoch wurden die Ergebnisse des bisherigeir-Verfahrens wiederholt. Der Verteidiger des angeklagten Doktor Strauß wiederholte insbesondere die Anträge auf Durchführung des Wahrheitsbeweises; der Vertreter des Kavl Kraus beharrte auf seinen Gegenanträgen. Der Verteidiger Dr. S ch w e l b machte noch darauf aufmerksam, daß sich der Kläger bei Erledigung eines anderen zwischen den Parteien anhängig gewesenen Prozesses die weitere Verfolgung der gegenständlichen Rechtssache überhaupt nicht Vorbehalten hat, was nach dem Gesetze den Verlust des Klagerechtes zur Folge hat. Das Gericht verkündete nach längerer Beratung das Urteil, mit welchem Genosse Doktor Strauß von der gegen ihn erhobenen Anklage vollinhaltlich fteigesprochen wird. Der Privatankläger Karl Kraus, der bei der Verhandlung persönlich anwesend war, wurde zum Ersätze der Kosten des Strafverfahrens und der rechtsfreund- lichen Vertretung des Beklagten verurteilt. In der Urteilsbegründung schloß sich das Gericht den Ausführungen des Verteidigers über den Verlust des Klagerechtes des Privatanklägers vollinhaltlich an. Der Vertreter des Klägers Dr. Tur- n o v s t y meldete die Nichtigkeitsbeschwerde an. Zwei Unvergeßliche Nun sind es drei Jahre her, seitdem unserer deutschen Bergarbeiterbewegung ihre zwei unvergeßlichen Führer, I a r o l i m und Pohl nacheinander innerhalb Monatsfrist entrissen, wurden. Der„Glück auf!" widmet ihnen in einem Leitaufsatz herzliche Worte des Gedenkens und schreibt: I a r o l i m und Pohl waren in der Tat die beiden größten Führer, die das deutsche Grubenproletariat dieses Landes bisher hervorgebracht hat. Sie waren beide aus der Tiefe gekommen und hatten jahrelang selbst die Keilhaue geschwungen. Sie kannten die schwere Arbeft der Grubenproleten, ihr Mühsal und ihr Leben. Sie entstammten beide proletarischen Familien und lernten die Sorgen und Kümmernisse des Arbeiters gründlich kennen. Die ärmlichen Verhältnisse ihrer Familien waren es auch, die sie zur Grubenarbeit zivangen, um zu deren Unterhalt beizutragen. Beide fuhren sie schon in jungen Kahren in die Grube ein, um durch die schwere und lebensgefährliche Arbeit unten ihr Brot zu verdienen. Beide erlebten sie, der eine in Nordwestböhmen, der andere ün Falkenauer Revier» auch die Ausbeutung und den Drück des Grubenkapitals am eigenen Leibe. Durch das Erleben des proletarischen Daseins als Bergarbeiter kamen sie aber auch bald zu der Erkenntnis, daß es für die Bergarbeiter keine andere Möglichkeit zur Verbesserung ihres Loses gibt, als organisierten Kampf gegen das Grubenkapital und die bürgerliche Gesellschaftsordnung, eine Erkenntnis, die immer mehr zu ihrer festen Ueberzeugung wurde und die sie dann als Vertrauensmänner in unzähligen Versammlungen und Zeitungsauffätzen in der beredtesten und besten Weise unter die Bergarbeiter trugen. Sie selbst blieben zeitlebens auf das innigste mit den Bergarbeitern verbunden und fühlten sich immer als ein Teil von ihnen. Niemals haben sie ihre proletarische Herkunft verleugnet. tungstendenz innerhalb der sozialistischen Partei die Segnungen der Einheitsfront predigt...1 Konkurrenz für die„Anständigen" nnd „Sauberen". Auch die kommunistische„Rote Fahne" verbreitet die Nachricht, der deutsche so- zialdemckratische Abgeordnete Katz habe die Entnationalisierungsbestrebungen der tschechischen Grenzler in einer Rede unterstützt:„Herr Katz kann es z. B. sicher nicht fassen, daß tschechische Arbeiter im Egerland mit deutschen Arbeitern in der kommunistischen Partei sein könnten— die gehören doch als„Hranicäri" in die Severo- öeflä jednota und andere Tschechisierungsorgaiii- sationen, wo er, Katz, dann Reden hält".— Man sieht: die Behauptung der„Roten Fahne" ist noch um einen Grad perfider als jene der Hen- leinpresse. Und wenn man sich noch vor Augen hält, daß die trüben Quellen, aus denen die„Rote Fahne" die Nachricht über Katz bezog, eben jene Henleizeitungen sind, dann hat man erst ein richtiges Bild von den Herren, die uns so freundschaftlich in ihre„Einheitsfront" einglic- dern möchten. Chauvinisten wundern sich... Dem„V e n- k ov" gefällt es nicht, daß der tschechische sozialdemokratische Abgeordnete Klein gegen den Machnik-Erlaß gesprochen hat und bemerkt:„So äußert sich über Machnik der t s ch e ch i s ch e sozialdemokratische Abgeordnete Robert Klein".-— Und wir fügen hinzu, daß die deutschen Sozialdemokraten mit Klein völlig übereinstimmen und daß Kleins Haltung der tschechoslowakischen Demokratie mehr nützt, als alle chauvinistischen Glossen des„Penkov" es vermögen. Textilfabrik für 40.000 KL verkauft. Ln Blauden bei Mähr.-Schönberg wurde die ehemalige Textilfabrik Seidl für 40.000 KL verkauft. In der Fabrik waren ehemals etwa 100 Arbeiter mit der Seidenerzeügung beschäftigt und noch vor drei Jahren wurde der Wert der Fabrik auf 250.000 KL,-geschätzt. Losbetrüger verhaftet. Gestern mittags um 2 Uhr gelang es Detektiven der Prager Sicherheitsabteilung, den Losbetrüger Jan N e b ä z- l i v ö, einen 34jährigcn ehemaligen Beamten ans Königgrätz, zu verhaften. Nebäzljvh war bereits längere Zeit durch den Polizeirundfunk gesucht worden. Er hatte sich ins Fremdenbuch als Jan Noväk eingetragen. Fälschungen tschechischer Maler. Die Prager Polizeidirektion warnt vor dem Ankauf sehr billig feilgebotener Bilder von Kreibich, Lolek nnd anderen tschechischen Malern, die. in der letzten Zeit besonders in Ostböhmen häufig aufgetaucht sind und sämtlich Fälschungen darftellen. italienisches Verkehrs- fluszeus verunglückt Turin. Ein Verkehrsflugzeug der Linie Rom—Mailand—Turin ist unweit Chivaffo in dichtem Nebel auf einen Berg aufgestoßen. Das Flugzeug wurde zertrümmert, sieben Personen, und-zwar vier Passagiere und drei Mann Besatzung, fanden den Tod. eite 1 Donnerstag, 16. Avril 1936 Nr. 9Ö 225.000 Bergarbeiter in den Streik? Vor einem großen Lohnkampf in Frankreich Man erwartet in Frankreich, daß um den ft. Mai eine schwere Krise in der französischen Steinkohlenindustrie ausbrechen wird. Die Bergarbeiter fordern einen Minimallohn. Auf einem außerordentlichen Kongreß der Bergarbeiter wurde beschlossen, einen allgemeinen Streik im nördlichen Kohlenbecken und Pas de Calais anzukündigen. Die beiden Reviere fördern den größten Teil des französischen Steinkohlenbedarfes. Durch den Konflikt würden 225.000 Bergarbeiter betroffen. Die Arbeitgeber find zu Konzessionen bereit, wenn die Regierung die Kohleeinfuhr drosselt. Es wird augenblicklich zwischen den Arbeitgebern und den Bergarbeitern verhandelt, doch besteht wenig Hoffnung, den offenen Ausbruch des Konfliktes abwenden zu können. Italien in Not „Het Volk" veröffentlicht die Darlegungen des aus Rom ausgewiesenen„Daily Herald"- Korrespondenten Giovanni Giglio über die Verhältnisse in Italien. Zunächst sagte der Korrespondent, daß er sich freue, nun wieder frei sprechen zu können, nachdem er durch viele Monate in der widerwärtigsten Weise in Rom bespitzelt worden sei. Nach einer Darstellung des Lockspitzel- und Denunzianienunwesens führte Giglio u. a. aus: „Man beginnt sich schon Rechenschaft von der Tatsache zu geben", dass Mussolini den Krieg begann, um die Gedanken der Menschen von den stets schlechter werdenden ökonomischen Zuständen abzulenken. Die Preise der Lebensmittel sind so stark gestiegen, dass nur die Reichen und gut Besoldeten halbwegs bestehen können. Augenblicklich sind die Kosten, für den Lebensunterhalt doppelt so hoch wie vor einigen Monaten. Selbst jene, die zuerst dem Krieg zustimmten als einem Mittel zu einem Ziel, erkennen nunmehr, daß Italien ihn fchwdi! bezahlen muß und noch lange wird schwer bezahlen müssen und daß das Ganze ein wertloses Abenteuer ist, bei dem nichts gewonnen werden kaitn. Selbst Wenn das ganze Abessinien erobert werden sollte, so sagen sie: woher sollte Wohl das Geld zu nehmen sein, um die Brunnep des abessinischen Reichtums zum Fließen zu bringen?" Wer steht hinter der österreichischen Regierung? Am 28. März sprach beim österreichischen Bundeskanzler Schuschnigg eine Abordnung des gleichgeschalteten Gewerkschaftsbyndes vor, um (im Zusammenhang'Nrt der" PMiix-Affäsrc 7' gegen die Zertrümmerung des Kollektivvertrages der Versicherungsangestellten Einspruch zu erbeben. Der Bundeskanzler wies den. Wunsch der Abordnung zurück und erklärte dabei u. a.: Ich weiß, daß hinter der Regierung nur 10 tiS 15 Prozent der Bevölkerung stehe«, de-l wegen muß diktatorisch regiert werden. Der erste Sah in dieser Behauptung des österreichischen Bundeskanzlers ist zweifellos richtig und wird allgemein bestätigt werden. 223 Jahre Kerker Wie die„Arbeiter-Zeitung" feststellt, wurden seit Beginn des Jahres 1936 von den österreichischen Gerichten 99 Genossen und Genossinnen zli 223 Jahren Kerkers verurteilt. Die polizeilichen Verurteilungen sind dckbei nicht inbegriffen. Verhaftung von Offizieren In Madrid Madrid. Infolge der Zwischenfälle, welche sich bei der Feier des Jahrestages der Gründung der spanischen Republik insbesondere bei der Truppenschau ereigneten, verfügte der Kommandant der Madrider Division die Verhaftung eines Oberstleutnants, eines Majors und sechs anderer Offiziere. In Jerez de la Frontera kam es mehrmals zu stürmischen Ausschreitungen. Eine Person wurde getötet und eine schwer verletzt. In Madrid traten der Allgemeine Arbeiterverband und die Nationale Avbeitskonföderation zusammen, um die Lage in Erörterung zu ziehen, welche sich nach den letzten Ereignissen und Wirren sowie nach den antirepublikanischen Ausschreitungen, deren Opfer Angehörige der Volks- front wurden, ereignet haben. JnJtoeJI Tokio. Wie ans Hsinking gemeldet wird, gab die Regierung von Mandschukuo der Sowjet« regiermrg bekannt, daß sie die Grenze in einer Länge vog 6jjp Kilometer südlich vom Halka- See e i n sei t i g zu m a rk i e r e n beabsichtige, ohne ein Einvernehmen mit der Sowjetunion abzuwarten. Das Blatt„Asahi" teilt mit, daß sich die militärischen und zivilen Experten anfangs Mai an die Stelle der Demarkationsarbeiten begeben werden, London.(Reuter.), Minister Rainsay Mac- donald unterzog sich Mittwoch mit Erfolg einer Operation, Sein Befinden ist zufriedenstellend. Italiens Masse weht am Tana-See Eine von Gondar aus vorgerückte italienische Abteilung konnte die Halbinsel Gorgora im Tana-See besetzen und dort die italienische Flagge hissen. Der Tana-See speist den Blauen Nil, der für die Fruchtbarkeit des Sudan und im weiteren Sinne ganz Aegyptens von größter Bedeutung ist.— Unser Bild zeigt den Ausfluß des Blauen Nils bei Bahr Dar.. TlAestmägLeiteN' Singe, wem Gesang gegeben Der kommunistische Parteitag ist wirklich eine eigenartige Deinonstration. Man hörte zwar wenig von Erkenntnissen, die die Führer der KPE dort zu verbreiten Gelegenheit gehabt hätten, um so mehr aber konnte man in der„Roten Fahne" von den ununterbrochenen Begeisterungsstürmen lesen, die das Kongreßlokal durchbrausten. Man nehme, wenn man's durchhalt, von den folgenden Freudeäußerungen Notiz, die wir auf Grund der Berichterstattung der„Roten Fahne" festhalten: „Schon vor der Eröffnung kommt die Be- geisterung der Delegierten in der Form zum Ausdruck, daß spontan aus ihrer Mitte Kampflieder in allen Sprachen ertönen." „Um&11 Uhr eröffnet Gen. Zapotocky den ' Parteitag: Die Delegierten erheben: sich und sm- 'gen die Internationale." Ein„unbeschreiblicher Begeisterungssturm", der bei der Nennung des Namens Stalin ausbricht, geht in„minutenlange Ovationen" für Stalin über, beim Gruß an die Rote Armee bricht ein„neuer Begeisterungssturm" los.„Die Delegierten erheben sich und brecken in Hochrufe auf Woroschilow aus", gleich anschließend daran veranstaltet der Parteitag„eine stürmische Kundgebung für die Volksfront in Frankreich und Spanien". Bei der Erwähnung der Beschlüsse des siebenten Weltkongresses„wurden Dimitroff und Gottwald mimitenlange stürmische Ovationen bereitet", so ging eS nach der„Roten Fahne" bei jedem zweiten Satz Zckpotockhs. „Als Genosse Zäpotocky zunächst Genossen Stalin ins Ehrenpräsidnun vorschlägt, erhebt sich der ganze Parteitag und bricht in mimitenlange Ovationen ans und singt schließlich die„Internationale". Der Vorschlag auf Wahl des Genossen Woroschilow wird mit dem Lied der Roten Armee begrüßt. Als der Name des Genossen Dimitroff fällt, bereitet ihm der Parteitag große Ovationen in allen Sprachen. Ebenso wird der Name des Genossen Manuilski begrüßt. Auf die Nennung des Genossen Ercoli antwortet der Parteitag, indem sich die Delegierten erheben und die Ban- diera Roffa anstimmen. Der Vorschlag, Genossen Thälmann ins Präsidium z» wählen, wird mit dem Lied vom Roten Wedding begrüßt. Ter Name des Genossen Thorez(Frankreichs, löst große Ovationen für die Einheits- und Volksfront ans. Der Name Wan Min wird mit Hochrufen aus Sowjet-, china empfangen. TvS dürfte der bisher stürmischeste Parteitag der KPC gewesen sein. Jedenfalls konnte Gottwald seine Freude an ihm haben. Fünf Nobelpreise gelangen im Jahre 1936 zur Verteilung, und zwar der Friedenspreis, der Literaturpreis sowie die Preise für Medizin, Physik und Chemie. Die Höhe jedes Preises beträgt 159.849 schwedische Kronen(fast eine Million Kö). Der Mörder von Grünau gefunden? In Mankendorf bei Odra» wurde Mittwoch um 15 Uhr Jysef Kl i t s ch verhaftet, der des Mordes an dem Pfarrer Franz Haska aus Grünau und dessen Wirtschafterin verdächtig ist. Er vagabundierte in Mankendorf herum und ging von Bauernhof zu Bauernhof betteln. Die Gendarmerie übergab ihn nach einem vorläufigen Verhör dem Bezirksgericht in Odra«, von wo er von der Gcndarmeriefahndungsstation wahrscheinlich nach Brünn gebracht werden wird. Der verhaftete Klitsch gestand bei dem Verhör, von der Ermordung des Pfarrers in Stkit?Z vom Bürgermeister erfahren zu haben. Irgendwelchen Zusammenhang mit dem Morde leugnet er. Es wurde bei ihm ein Notizbuch gefunden, in dem verzeichnet ife tto et übernachtet hatte. Er hat sogar,. aber ohne Gemeindestampiglie und ohne Unterschrift bestätigt, daß er vom 8. auf den 9. in Mildes und vom 10. auf den 11. in Lutschitz übernachtete. Klitsch, der bereits elfmal vorbestraft ist, antwortet auf Befragen einsilbig, er will sich zu nichts bekennen und behauptet, daß er niemanden ermordet habe. Dr. Artnr König, der bekannte Reichenberger Zentraldirektor i. N. und Jnduftriekonsulent, der sich zuletzt in Wehlen in der sächsischen Schweiz aufgehalten hatte und seit Ende März abgängig war, ist in Dresden am rechten Elbeufer bei der Carolabrücke tot ausdem Wasser gezogen worden.- Die Leiche wurde dem Dresdner Krematorium zugeführt. Schlosserwerkstatt durch Explosion zerstört. In der Schlosserwerkstätte der Wandcr-Nährmit- telfabrik in Budapest explodierte bei autogenen Lötarbeiten aus bisher unbekannter Ursache ein Gasbehälter. Das Gebäude der Werkstatt stürzte ein. Auch die Dächer und Fenster der Nebengebäude wurden beschädigt. Zehn Personen erlitten schwere Verletzungen und mußten ins Krankenhaus gebrächt werdeü.' Dorf-Tragödie. Der 24jährige Landwirtssohn Johann Scheck in Haberfelden(Oberösterreich) hat das Bauernhaussseiner Eltern in Brand gesteckt, da ihm diese wegen seiner Beziehungen zu einer 24jährigen Magd, die nicht ohne Folgen geblieben waren, Borwürfe machten. Das Haus ist bis auf dw Grundmauern niedergebrannt. Beim Abräumen des BraniPlatzes wurde die Leiche Johann Schecks aus der Asche geborgen. Seine Geliebte, die angegeben hat, daß sie sich auch das Leben nehmen werde, wird vermißt. Schlecht gerechnet. Der Rechnuugsrat im Wiener Innenministerium, Toth, wurde am Dienstag in Haft genommen. Eine Ueberprüfung der von ihm durchgeführten Kassengebarung im Innenministerium hatte ergeben, daß er im Laufe der letzten Jahre rund 250.000 Schilling umerschlagen hat. Rückgang des Sacharinschmuggels. Nach den Feststellungen der Grenzkontrollbehördcn ist der noch vor. kurzem blühende Sacharinschmuggel nach der Tschechoslowakei wesentlich zurückgegangen. Dies hängt mit den sinkenden Sacharinpreisen im Inland und der gleichzeitigen Verteuerung im Auslande zusammen, ferner mit der schärferen Ucberwachung des Sacharinverkaufes in der Tschechoslowakei und schließlich auch damit, daß man als billigen Süßstoff nach einer bestimmten Prozedur denaturierten Zucker verwendet. Furcht vor der Rache des Pharao. Unter Aufsicht Professor Hassans sollte das Grab eines der Sohne des Pharaonen Chefren, des Erbauers der zweiten Pyramide, geöffnet werden. Bei diesen Arbeiten verletzte einer der Taglöhner durch ein Messer den Partieführer am Rücken, so daß dieser ins Krankenhaus geschafft werden mußte. Durch dieses Geschehen geriet Professor HaMn in solche Erregung, daß die Arbeit unterbrochen und die Oeffnung des Grabes verschoben wurde. Dampfer mit Kunstschätzen gescheitert. Das Schiff„Rampura", an dessen Bord wertvolle chinesische Kunstgegenstände befördert werden, ist vor Malaca in Seenot geraten. Ta Befürchtungen um das Schicksal des Schiffes und feiner werwollen Ladung bestehen, wurde an die Unfallstelle der englische Dampfer„Barrapcol" aus- geiandt, um die Ladung der„Rampura" an Bord zu nehmen. Nunmehr wird jedoch mitgeteilt, daß die Schiffsladung nicht umgeladen werden wird, da man der Ansicht ist, daß sich die„Rampura" berests außer Gefahr befindet. Die wertvolle Ladung stellt fast das gesamte Material dar, welches in den letzten Tagen auf der chinesischen Kunstausstellung in London gezeigt wurde. Ein Schleppdainpfcr, der dem gescheiterten Danipser „Rampura" zu Hilfe eilte, konnte tzch, da das 49 Bergarbeiter getötet Förderkorb stürzt fast 700 Meter tief ab Tokio. Auf der Grube„Fukuoka" bei Tarakuma stürzte ein Förderkorb, dessen Seil riß, in die 2000 Fuß liefe Schachsohle ab. Von den 82 Bergarbeitern, dir sich im FörderkoiH befanden, wurden 49 nur als Leichen geborgen. Bon den anderen sind mehr als 20 schwer verletzt.' Wetter Mittwoch noch schlechter Ivar, demselben nicht nähern. Dian befürchtet, daß es vorläufig überhaupt nicht möglich sein werde, das' Schiff flottzumachen, doch. Hirt sich die Gefahr infolge der Verzögerung kaum vergrößert. Lawinenunglück. Der 27jährige Advokaturskonzipient Dr. Karl C i n k e r aus Salzburg wurde mn Montag am Hochkönig von einer Lawine verschüttet, und stürzte mit den Schneemassen 80 Meter tief ab. Dr. Cinker blieb bis Dienstag früh bewußtlos unter den Schneemassen-liegen. Als er das Bewußt- fein wisdererlangte, gelang es ihm, sich aus dein Schnee zu befreien und um Hilfe zu rufen. Eine Rettungsabteilung brachte Dr. Cinker in ein Krankenhaus, wo feftgestellt wurde, daß er schwere Verletzungen am Kopfe und eine Gehirnerschütterung davongetragen hat. Auf Schub aus dem Dritten Reich! Wie dein„Bolkswille" aus Zweifelsreuth(Bezirk Wildstem) gemeldet wird, wurde die tschechoslowakische Staatsbürgerin Johanna S a n d n e r mit ihrem 16jährigen Sohn aus Deutschland ausgewiesen, weil ihr weiteres Verbleiben im Dritten Reich dazu beitragen könnte, die innere und äußere Sicherheit Deutschlands zu gefährden." Der ältere Sohn ist aus dem Arbeitsdienst in die Tschechoflowakei entflohen und darin scheint der Grund zur Reichsverweisung zu suchen sein. Die Frau würde direkt vom Krankenhause, wo sie drei Monate verbrachte, über die Grenze transportiert. Fünfzehn Jahre lang hatte sie in Fabriken gearbeitet, heute ist sie lungenkrank und zu jeder Arbeit unfähig. Gassichere Unterstände in Paris. Vor einigen Monaten ist mit dem Bau von gassicheren Unterständen in Paris begonnen worden. Der Plan zum Schutz der Zivilbevölkerung vor Gas-« angriffen sieht insgesamt 130 Unterstände vor, 30 von ihnen Werden in der Tiefe von zwölf Metern angelegt, 50 in sieben Meter und 50 in fünf Meter Tiefe. Der erste dieser Unterstände ist nunmehr vollendet und soeben eröffnet worden. Er befindet sich auf der Place des Fätes, und den Zugang bildet die gleichnamige Untergrundbahn- Station. Der Unterstand ist der größte und technisch vollendetste in der ganzen Well. Er hat ein Fassungsvermögen von 8000 Personen. Fünf Minuten nach" dem Alarm werden die Zugänge automatisch geschlossen. Dies erfolgt durch ein ganzes System von hermetisch schließenden Stahltüren in den Zugangskorridoren. Gleichzeitig beginnen die Ventilatoren und die Maschinen für künstliche Luft zu arbeiten. Die Ventilatoren sind in der Lage, vergiftete Luft wieder zu entgiften, so daß, wenn ein Gasangrift mit bisher bekannten Gasen erfolgt, ftische Luftzufuhr gesichert ist. Neben den für das Publikum bestimmten Sälen befinden sich große Lager mit Lebensmitteln und Verbandsstoffen, ein kleines Elektrizitätswerk, ein Radiosender und alles, was zur technischen Ausrüstung gehört. Alle diese Anlagen sind so gebaut, daß sie selbst im Falle einer Panik vom Publikum nicht erreicht werden können. Wärmer als in Spanien. In den böhmischen Ländern und in der slowakischen Donaunicderung hat die Temperatur Mittwoch in den Nachmittagsstunden fast 20 Grad erreicht. Das Wetter nimmt nunmehr wieder unsicheren Charatter an im Zusammenhänge mit einer neuen Luftdruckstörung, die heute über Südfrankreich lag. Zu einer wesentlichen Wetterverschlechterung bei uns dürste es erst dann kommen, wenn«ine Kältewelle, die sich über den Pyrenäen-Halbinseln auSbildet, zu nnS vordringt. In Madrid und Lissabon war es Mittwoch nachmittags um 10 Grad kühler, als in Prag und Preßburg. Auch in Nordeuropa werden tiefe Temperaturen und stellenweise sogar Frost verzeichnet, doch ist dort die Kättewelle im Zurückweichen begriffen.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Unsicheres Wetter, strichweise stärkere Bewölkung, jedoch noch relativ warm. Vereinzelt Gemüter oder Regen nicht ausgeschlossen.— Wetteraussichten für morgen: Winddrehung gegen Südwesten, unbeständig, im Westen des Staates strichweise Regen und etwas kühler. Vom Rundfunk laptahleniwcrtu aus den ProgramMSi Freitag Prag, Sender L.r 10.05: Deutsche Presse. 11.35: Gesangsvereinigung mähr. Lehrer. 12.10: Schallplattenkonzert. 13.30: Arbeitsmarkt. 16.35: Russisch für die Jugend. 16.50: Ondkicekquartett. 18.10: Deutsche Sendung: Funkhörkasten. 18.15: Vom naturwissenschaftlichen Weltbild der Gegenwart von Prof. Corl. 18.35: Arbeiterfunk: Aktuelle z« hn Minuten. 18.45: Deutsche Presse. 18.55: Sttaußwalzer. 22.15: Schallplattenkonzert.— Sender S.r 7.30: Orchesterkonzert. 14.15: Deutsche Sendung: Dr. Wuhrmann: Binnensiedlung gegen Arbeitslosigkeit. 14.30: Schallplatten.— Brünn: 12.85: Mittagskonzert. 13.35: Klaviersolos. 17.40: Deutsche Sendung: Sportbericht.— Dr. Müller: Scheffel in Italien.— Preßburg: 15.00: Nachmittagskonzert. 22.45: Tanzmusik. ,— Mährisch-Oftran: 18.10; Deutsche Sendung: Bedeutung der Sojabohne,—»■ Klavierkonzert, Rr. 90 Donnerstag, 16. April 1936 Seite 5 So werden die Lords bei der Krömmgsfeirr aussrhen. Jetzt bereits beginnen die Vorbereitungen für die im Rai nächsten Jahres stattfindenden Krönungsfeier- lichkeiten in.London. Die Schneider, die die Staatskleider Herstellen, rechnen allein bei den Roben der Lords mit einem Umsatz von etwa 9 Millionen K5. „Hitler-Deutschland erobert Jugoslawien“ Gelegentlich der sehr heftigen Pressepolemil zwischen Belgrad und Wien, die seit Monaten andauert und neuerdings wieder verschärft wurde, haben österreichische Blätter' wiederholt hehauptet, Jugoslawien beziehe nur deshalb eine so feindliche Stellung gegenüber Oesterreich, weil zwischen Belgrad und Wien längst feste Bindungen bestehen. Mag das auch in dieser Form übertrieben sein, so verdient doch die in vielen Symptomen immer wieder erkennbare zunehmende Freundschaft zwischen Jugoslawien(bezw. zwischen der serbiaki- schenSpitze des jugoslawischen Staates) und dem Hitler-Reich die Beachtung der friedenswilligen europäischen Kräfte. Die Pariser Wochenschrift„Europa" befaßte sich kürzlich unter dem Titel„Hitler-Deutschland erobert Jugoslawien" mit der intensiven- deutschen- Propaganda unter den Südslawen und den zweifelsohne bereits erreichten Erwlgen. Es wird vor allem aus die publizistische Bropagandawelle aufmerksam gemacht, die seit langem im Rollen ist. Unter dem Deckmantel der Frcmden-Verkehrsförderung, wissenschaftlichen Interessen und endlich durch ein Buchdumping, aber auch durch k o st e n- lose Zustellung des„Angriff" und des„V ö l k: s ch e n B e o b a ch t e r" an jeden beliebigen Interessenten, der die beiden Organe durch Postkarte anfordert, wird Jugoslalvien dem deutschen Einfluß erschlossen. Jugoslawische Studenten gewährt Deutschland freie Bahnfahrt zu ihren Srudienorten, ja selbst freie Durchfahrt nach Frankreich, wenn der betreffende dort studiert! Sehr stark werden Antisemitismus und Antinmrxismus propagiert, zu welchem Zweck die deutschen Minderheiten eigene„a n t i marxistische Komitees" bilden. Die deutschen Agenten, vor allem ein Herr Neuhäusel und ein gewisser Rosche, unterhalten zu hohen Per- Vnlichkeiten des Landes, vor allem zu gewissen Generälen sehr gute Beziehungen. Die Besuche G ö r i ng s endlich gehören auch in diese Reihe, Plausibel erscheint auch, daß die neuerdings emsetzende irredentistische Propaganda gegenüber den Kärntner Slowenen damit zusammenhängt, daß Berlin allerhand Versprechungen für den Fall des Anschlusses Oesterreichs macht. Der Hitler-Propaganda in Serbien entgegenzuwirken, läge vor allem auch im eigenen wohlverstandenen Interesse der Südslawen. Denn wenn Hitler sich auf Kosten der Kroaten und Slowenen mit Mussolini einigen kann, wird er es jederzeit tun. Bis dahin sind ihm die Jugoslawen als drohend gegen Italien und Oesterreich erhobener Revolver gerade gut genüg. An den Quellen des Nil Der italienische Botschafter Grandi hat dem Foreign Office einen offiziellen Besuch abgestattet, um Sir Robert Vansittar eine Botschaft Mussolinis zu überreichen. Die italienische Regierung versichert darin England, daß der Vormarsch der italienischen Truppen im Gebiet des Tana-Sees die durch die Verträge festgelegten englischen Interessen in diesem Gebiete in keiner Weise berühren würde. In der Tat besteht für dieses Gebiet eine Uebereinkunft zwischen England und Italien. Es handelt sich um ein im Jahre 1925 unterzeichnetes „Protokoll", das die gegenseitigen Interessensphären abgrenzt. In diesem Protokoll wird nun das Gebiet des Tana-Sees in wirtschaftlicher Beziehung als englische Interessensphäre bezeichnet, während gleichzeitig in diesem Dokument den Italienern ein Jnteressenvorrang in ganz West-Abes- sinien zuerkannt wird. Auf dieser gegenseitigen Abgrenzung basiert nunmehr Italien seine politische Demarche. Es sei durch die Formulierung des Protokolls von 1925 zum Ausdruck gebracht, daß erstens die englischen Interessen rein wirtschaftlich seien, und Italien habe in der letzten Zeit wiederholt erklärt, daß es diese Interessen voll und ganz anerkennen würde. Aber das he- zieht sich nicht auf die politischen und militärischen Erfordernisse, hiefür sei nach italienischer Auffassung eben durch den Wortlaut des Protokolls Italien freie Hand gelassen. Die militärische Notwendigkeit, dieses Gebiet zu besetzen; verstoße folglich nicht gegen die Abmachungen, im Gegenteil, England würde nur Vorteil aus der Neuorganisation dieses Gebietes ziehen. Hitlers Angst-Traum. Wir haben schon mehrfach auf die in der Schweiz erscheinende Hitler-Korrespondenz I p a hingewiesen, die vor allem zwei Aufgaben im Dienste der Nazipropaganda erfüllt: den Kampf gegen die-Habsburger und dem gegen Sowjetrußland. In einer ihrer letzten Ausgaben bringt die Jpa ein aufschlußreiches Zitat aus der Zeitschrift„Nationale Hefte". Der Budapester Publizist Göza O l a h, der offenbar den Gömbös-Hitler-Krei- s e n angehört, also scharf anti-legitimistisch ist, schreibt dort— und die Jpa zitiert es mit deutlichem Wohlgefallen— über die Pläne, die angeblich Hitlers Gegner verfolgen. Was hier als Vision an die Wand gemalt wird, ist deshalb so interessant, weil es deutlich beweist, wovor Hitler Ang st hat und weshalb nian in Nazikreispn mit einer an Hysterie grenzenden Nervosität die Entwicklung der Habsburgerfrage verfolgt, der man in Berlin sichtlich eine Bedeutung heimitzt, die ihr mindestens heute nicht zukommt. Die Ueberschätzung dieser„Gefahr" erwächst offenbar aus einem ausgesprochenen Angst- Traum Hitlers, dessen Ukstriffe in dem Zitat der Jpa deutlich zu erkennen sind. Da heißt es näm- lich(also zunächst bei Herrn Geza Olah):„Die entscheidende Stütze Habsburg ist und bleibt der V a t i k a n. In der Restauration der Habsburger sieht der Vatikan den Schlüssel zur Wiedereroberung der in Mitteleuropa verlorenen Festung. Der Plan eines großen katholischen Reiches vönTrierbisBuda- p e st ist für ihn zeitgemäßer als je. Darum ist es viel weniger Schuschnigg, der die Restauration wünscht, als der V a t i k a n. Und das Hauptziel ist nicht die Krönung in Wien, sondern die Ausbreitung der neuen Habsburgischen Macht über die Grenzen Oesterreichs hinaus nach Deutschland hinein, wo der katholische Süden vom protestantischen Norden getrennt und dasDritte Reich aus einandergesprengt werden soll. Das Zsel des Vatikans deckt sich mit demjenigen Frankreichs und der Tschechoslowakei: Deutschland einzukreisrn und auf die Knie zu zwingen. Ungarn hat Grund und Ursache, der vatikanischen Politik mit einigem Mißtrauen zu begegnen. Schon weil diese übernational ist. Grundsätzlich ist es für sie unerheblich, ob Otto von Wien oder Prag aus regiert." Die Mark rollt in Jugoslawien. Allmählich zeigt sich auch in Jugoslawien die gleiche Entwicklung wie in Rumänien hinsichtlich der Finanzierung der rechtsradikalen Gruppen durch das Dritte Reich. WaS in Rumänien die hakenkreuzlerische Christlich- Nationale Partei Cuzas und Gogas, die Gruppe Cantacuzinos und Vajda-Voevods Rumänische Front sind, bedeuten u. a. in Jugostawien die Bor- basi, die Blauhemden, unter Führung von Hodzera. Sie entfalten eine lebhafte Aktivität, wobei es ständig zu Zusammenstößen mit Andersgesinnten kommt. Am regsten arbeiten sie in Altserbien und in der Wojwodina. In Kumanowo und Pozarewatsch wurden ihre Versammlungen, von politischen Gegnern gesprengt. In einigen ländlichen Bezirken vermochten sie jedoch Fuß zu fassen. Menschen ohne Raum Aufgaben der Wohnbaupolitik. Nach den Angaben des neuen Statistifchen Jahrbuches der Tschechoslowakischen Republik wurden im Jahre 1930 in den größeren Stadtagglomerationen insgesamt 980.834 Wohnungen gezählt. Davon bestanden aus Wohnungen in Proz. 1 Hauptraum 2 Haupträumen 3 Haupträumen 4 u. mehx Haupträumen 219.378 386.684 176.114 187.858 22,4% 40,5% 18,0% 19,1% Im Lande Böhmen ist die Zahl der Wohnungen, die nur aus einem Hauptraum bestehen, noch .höher. Hier beträgt ihr prozentualer Anteil sogar 26.6 Prozent. 41 Prozent der Arbeiterfamilien bewohnten Wohnungen mit nur einem Hauptraum, 50 Prozent Wohnungen mit 2 Haupträumen. Das heißt also, daß die Arbeiterfamilien, die nicht selten aus 6, 7 und mehr Menschen bestehen, nur ein oder zwei bewohnbare Räume zur Verfügung haben, in denen sie tagsüber leben, arbeiten, kochen, kleine Kinder pflegen und nachts schlafen müssen. Daß ein solcher Zustand der Gesundheit dieser breiten Schichten des Volkes nicht zuträglich ist, bedarf keiner längeren Beweisführung. 33.196 Wohnungen wurden von zwei Familien bewohnt. In 4609 Fällen wurden sogar Wohnungen, die nur einen Hanptraum aufweisen, von zwei Familien benützt. 261mal wurden einräumige Wohnungen mit drei Familien als Metern festgestellt. Hier liegt zweifellos krassestes Wohnungselend Italtarsfaalcn am Rande der Arktis Grönland und Island 1m Aufstieg MLP Kopenhagen, im März. Grünland und Island sind Großgebiete nordeuropäischer Siedlung und kolonisatorischer Erschließung. Ihre Namen freilich find eine Ver- tvechslung. Island— Eisland— ist ein Gebiet großer Weiden, ist grünes Land. Grönland— grünes Land— ist ein einziges riesiges Eisgebirge,/mit ganz-schmalem Küstenrand für menschliche Besiedlung. Grönland ist eine dänische Kolonie; seine Bewohner, die Eskimos, sind erst in diesen Jahrzehnten seßhaft geworden. Island dagegen ist heute ein souveräner Staat mit vielhundertjähriger Geschichte. Es ist eine irrige Annahme, daß die Grönländer vom Scehundfang leben, und daß die Isländer die Götter der Edda anbeten und in Runen schreiben. Auf Grünland gibt es Krankenhäuser und Kindersanatorien; die Eskimos, wurden Fsscher, lernten den Rohölmotor bedienen und haben ein staatlich organisiertes Schulwesen. Die Isländer sind seit dem Lahre 1000 Christen; ihre heutige Ethik basiert auf Luther, nicht auf Wotan. Doch dürfte ihnen die Frage, Ivieweit es gelingen wird, den Körneranbau aüf Island heimisch zu machen, und das Problem des Ausgleichs ihrer Handelsbilanz wichtiger als jeder Religionsstreit sein. Grönland ist eine Kolonie sm Zeichen der Verwandlung, Island ein Staat im Zeichen der .Gestaltung. In Grönland kä:npft der Mensch noch um sein Lebensrecht, lebt noch bildlich und tatsächlich am Rande der Zivilisation. Island steht im Zeichen der Städtebildung, der fortschreitenden Industrialisierung, des Brücken- und Wegebaus, der Modernisierung der Landwirtschaft, der wissenschaftlichen Forschungsarbeit, des raschen Bevölkerungszuwachses. Die Grönländer— rund 25.000 Menschen, darunter noch nicht 1000 Europäer— sehen zwar in ihren Häfen die Flaggen aller Nationen der Erde, aber wirtschaftliche Beziehungen haben sie nur zu Dänemark. Man diskutiert gegenwärtig eifrig über die Frage, ob fremdem Kapital und Handel der grönländische Markt frei zu überlassen sei, wofür sich vor allem England und Nor- lvegen interessieren, oder ob es bei der dänischen Abschließungs- und Konzessionspolitik verbleiben solle. Daß in der Zufunkt für Grönland ganz große Möglichkeiten liegen, hat vor allem der ungeheure Aufschwung der Kryolitgewinnung gezeigt. Kryolit ist übrigens die einzige grönländische Ware, die nicht ausschließlich nach Dänemark ausgeführt wird. Aber vorläufig gilt immer noch die Forderung des grönländischen Politikers Killemose:„Grönland den Grönländern!" Der Isländer ist wirtschaftlich mit der ganzen Welt verbunden. Er siegte über die dänische Handelsmonopol-Politik schon im Jahre 1854. Zwanzig Jahre später, 1874, erkämpfte sich Island eine eigene Verfassung. Dänemarks Vertreter saß aber immer noch in Reykjavik als„Lands- hövding". Erst 1904 gewann Island völlig j Selbstverwaltung. 1918 wurde es souveräner, Staat. Die Weltereignifle wirkten sich am nörd- j lichen Polarkreis aus. Heute ist Island ein demokratisches Land, mit etwa 120.000 Einwohnern, von denen rund ein Drittel kleine Bauern sind, während sich die übrigen auf Fischerei, Handwerk und neuerdings Handel, Transport und Industrie verteilen. Die Heuernte bringt jährlich rund zwei Millionen Kilogramm, der Schafbestand nähert sich der ersten Million. Es gibt 50.000 Pferde und eine eigene Fischereiflotte von rund 20.000 Brutto- registertonnen. Gegenwärtig wird, mit Hilfe einer schwedischen Anleihe, für Südisland, speziell für die Hauptstadt Reykjavik, ein großes Elektrizitätswerk gebaut. Der Bau einer großartigen, aus den zahlreichen heißen Quellen zu speisenden Warmwafferleitungsanlage wird sich unmittelbar anschließen, Großzügige Projekte internationaler Finanzgruppen zur Erschließung der enormen Braunkohlenlager, Mineralienvorkommen und un- ausgenjitzten Wasserkräfte befinden sich in Vorbereitung. Trotzdem verspürt man die Auswirkungen der Weltkrise auch auf Island. Die Entwicklung zur Autarkie, die alle Länder erfaßt hat, fordert auch für Island eine entsprechende Handels- und Valutapolitik. Nationalistische Kreise(die eS auch hier gibt) fordern schon heute die Anlehnung der bisher an die dänische Krone angelehnten isländischen Währung an das englische Pfund. Die Aufgaben der inneren wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung liegen in vollem Umfange auf dem eigenen Staatshaushalt; die Staatsschulden können aber trotz aller Notwendigkeiten und Möglichkeiten natürlich nur soweit vermehrt werden, wie die Steuerkraft des Landes es zuläßt. Trotz dieser Schwierigkeiten, unter denen ja heute mehr oder weniger alle Staaten leiden, hat das moderne Island ein großes Plus aufzuwei- scn. Das Gemeinintercffe ist vorherrschend. Die — Schon wieder ein neuer Hofhund? —r Nein, ein Polizeihund, der seinen achttägigen Urlaub auf dem Lande verbringt. vor, das Anlaß geben müßte, alle Hindernisse, die heute noch die Inangriffnahme einer sozialen Wohnbaupolitik hemmen, aus dem Wege zu räumen. Unter den Auswirkungen der Wirtschaftskrise— diese hier wiedergegebenen amtlichen Feststellungen sind vorher gemacht worden — haben sich diese schlimmen Zustände im Wohnungswesen ziveifellos noch weiter verschlechtert. Die Vertreter der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften haben, immer wieder dazu angesetzt, aber den Widerstand der bürgerlichen Gruppen-Jntereffenvertreter kann selbst diese alarmierende Statistik nicht brechen. Auch in bezug auf die hygienische Einrichtung der Wohnungen liegt noch so manches im Argen. So führte nur bei 323.171 Wohnungen — won beinahe einer Million— die Wasserleitung bis in die Wohnräume. Nur 178.604 Wohnungen sind mit Bad versehen. Und nur 860.080 haben ein eigenes Klosett. Diese kurzen statisisschen Angaben machen auf jeden Fall klar» wie ungenügend das private Bauunternehmertum den Aufgaben, den beim Wohnungsbau im Interesse der Volksgesundheit entsprochen werden muß, gerecht wird. Welthandel im Aufstieg Die neueste Statistik des Völkerbundes zeigt, daß der Goldwert des Wellhandels im letzten Vierteljahr 1935 um 6.6% höher war als im Vorjahre. Die Menge war um etwa 3% höher und erreichte 84% von 1929, somit den höchsten Stand sell 1931. Dabei ist jedoch der Außenhandel der Goldblockländer zurückgegangen. Die Indexziffern der industriellen Aktivität zeigen allgemein ein Ansteigen, am stärksten in den USA mit 28%, dann in Belgien und Deutschland mit 19%, Tschechoslowakei mit 18%, Kanada 17%. Die Industrieproduktion von 1935 überstieg die von 1929 in der Sowjetunion, Japan, Großbritannien und mehreren kleineren Ländern, während sie in Frankreich, Holland, Polen über 30% niedriger war.(Bei dieser Gelegenheit sei festgestellt, daß die Produktionszisfern heute zur Beurteilung der Entwicklung der Beschäftigung, bzw. der Konjunktur überhaupt längst nicht allein ausreichen. Red.). meisten europäischen Streitfragen sind vollkommen unbekannt. Die Nation ist ausgeförmt. Eine alte, festgefügte Kultur von europäischem Rang lebt und wird gelebt. Die Musik steht auf hoher Stufe. Nationale Kompositionen, eigene Sprache mit reichhaltiger Literatur, selbständige wissenschaftliche Forschungen sprechen von starkem Selbstbewußtsein. Rüstungen gibt es nicht. Verbrechen sind eine derartige Seltenheit, daß nur in der Hauptstadt Reykjavik ein— noch dazu sehr kleines— Gefängnis existiert. Der Wille der Selbstbehauptung ist ebenso groß wie der Wille zur Feiheit und weist der isländischen Zukunft Weg und Ziel. Im Jahre 1940 läuft cher gegenwärtige Unionsvertrag zwischen Island und Dänemark ab. Drei Parteien werden dann um die Entscheidung ringen^ Die eine, geführt von dem königlich isländischen Gesandten und bevollmächtigten Minister in Kopenhagen, Svenn Björson, erstrebt die Fort-, dauer der Personalunion mit Dänemark, unter Wahrung des Kündigungsrechtes. Die zweite verlangt die völlige Loslösung von Dänemark und einen Protektoratsvertrag mit England, aber sie ist klein und hat keine Chancen, sich durchzusetzen. Die dritte fordert die freie Königswahl und verzeichnet ein ständiges, starkes Wachstum. Mit der isländischen Frag? wird auch die grönländische Frage entschieden werden. Island und Dänemark besitzen hier die gleichen Ansprüche, aber auch Norwegen macht alle Rechte geltend. Vielleicht werden die Grönländer durch geschickte Ausnützung dieser Rivalitäten 1940 die Autonomie erringen, die die Fortgeschrittensten unter ihnen— die grönländischen Nationalisten, wenn man so sagen darf— seit Lahr und Tag erstreben. O. Th. Seite 6 »Sozialdemokrat" Donnerstag, 16. April 1936. Nr. 90 Die SUPER-SPORT- Fahrräder allen voran Aager Zeitml- ß«iMssaak Iümst amt Mssem RROUk^ARKO Typ Cord" für Kö 15 Rofemary Amrs, Shirley Temple und Jot MaeCrea ein lachendes Trio aus dem Film„Unser kleines Mädel AKTIENGESELLSCHAFT PRAG VII., Belcrediho 620 BRÜNN- MÄHR. OSTRAU. PILSEN- BUDWEIS monatlich bei 12 Monatsraten ohne Anzahlung. Gegen bar Kc 590*». Es Ist verlässlich und stabil, bietet Fahrsicherheit und garantiert Zufriedenheit. Rücktrittnabe Orig.„Torpedo". Zugehör: Schlüssel, Luftpumpe und Glocke.— Für jedes Fahrrad garantieren wir zwei Jahre. Bei Versand wird Fracht, Verpackung und Umsataste- r nicht berechnet. Besuchen Sie uns oder verlangen Sie unsere reichhaltige illustr. Preisliste mit einer grossen Auswahl schöner Qualitätsräder gratis und franko. Die grössten Warenhäuser Amtsantritt des neuen Kreisgerichtspräsidenien. Nach mehr als einjähriger Vakanz übernahm aeitern um 8 Uhr früh der neu bestellte Kretsgerichtspräsident Ministerialrat Dr. Franz Dostäl offiziell sein Amt. Der übliche Bcgrützungsakt fand im«rotzen Senatsverhandlungssaal statt. An Gegenwart samt« sicher Richter und Beamten des Kreisgerichtes begrüßte den neuen Kreisgerichtspräsidenten der bisher amtsführende Vizepräsident Charypar, der mich die übliche, offiziell? Vorstellung der Erschienenen vornahm. Auch die Beamtenschaft des Kreisgerichtsgefängnisses war zur Stelle. Die Staatsanwaltschaft vertrat Prokurator-Stellvertreter Dr. Cäslovskh, die Vereinigung der Gerichtssaalberichterstatter Redakteur Flanderka. Der neue Kreisgerichtspräsident dankte für die Begrützungen und versprach, seinem verantwortungsvollen Amt alle Kräfte widuren zu wollen.' Er findet ein dankbares Arbeitsfeld vor. rb. Pferde rechtzeitig zum Stehen zu bringen. Hobelt trug ziemlich fchtvere Verletzungen davon. Der Kutscher trug den Verunglückten mit Hilfe einiger Passanten i» seine in derselben Straße gelegene Wohnung, von wo er ins Krankenhaus auf der Bu- lovka gebracht wurde. Sechs Selbstmorde. Gestern nachmittags erhängte sich aus Furcht vor Erblindung die 45jährige Josefa Planet in ihrer Wohnung in Podbaba. —Tas 26jährige Dienstmädchen Marie C h l u p beging gestern früh in der Wohnung ihres Arbeitgebers in Prag XII. einen Selbstmordversuch mit Lysol; wie sie auf der Klinik Schmidt angab, aus unglücklicher Liebe.— Die 31jährige arbeitslose Verkäuferin Anna Beseit; aus. Prag-Weinberge trank gestern in selbstmörderischer Absicht Salzsäure und wurde auf die Klinik Hynek gebracht. Das Motiv der- Tat dürfte, nach einem hinterlassenen Brief, zu schlietzen, unglückliche Liebe fein.— Gleichfalls aus unglücklicher Liebe versuchte sich die 19jährige Schneiderin Katharine P e vnä aus Michle in der Werkstatt ihres Arbeitgebers in Äo- schirsch mit Kali zu vergiften. Sie wurde auf die Klinik Hanek gebracht.—•. Der 21jährige woh- nungs- und beschäftigungslose/Arbeiter Josef Krivohlavek sprang gestern in selbstmörderischer Absicht von der Svatopluk-Tech-Brücke in die Moldau, wurde vom Kahnbesitzer. Karl Thomas herausgezogen und der Wache übergeben,- die- ihn ins Spiral der Barmherzigen Schwestern brachte. Das Motiv der Tat weigerte er sich anzugeben Der 52jährige Arbeiter Bohumil M e j st r i k schätz, sich gestellt.in der Jugyslavskä in Prag XII. eine' Kugel in die Brust und starb auf dem Transport ins Krankenhaus. Sonderausflugszüge: 18. bis 19. April Sonder-Motorzug zur Sokolbaude, 90 KC. 26. April Wallfahrt auf den Georgsberg, 60 KC. 30. April Exkursion ins Adlergebirge, 180 Kö. 80. April Exkursion nach Zlin, Luhatschowitz und zur Mazocha, 290 Kc. 1. Mai traditionelle Fahrt nach Frauenberg, 78 Kc. In allen hier angeführten Preisen sind inbegriffen: Beide Fahrten, Logis, Kost, Unfallversicherung, Führung und Programm. Anmeldungen, mit Angabe nimmt der Basar neben dem' Wilsonbahnhof entgegen. Tel. 883-35. Für Briefmarkensammler. In der Zeit vom 18. bis 21. April 1936' wird das Postamt Prag 1 bei seinen Philatrlieschaltern Postmarken(namentlich Wohltätigkeitsmarkcn) mit dem Gelegenheitsstempel.Praha 83, Belikonoce Csl. Ktije" in grüner Farbe cchstempeln. In der Zeit vom 22. April bis 21. Mai vermitteln alle Postämter unentgeltlich die Abstempelung einer Serie aller drei Wohltätigkests- postmarken mit dem genannten Stempel.— Nähere Informationen bei jedem Postamte. Ein Smetana-FestzykluS im Nationaltheater wird vom 10. bis 24. Mai veranstaltet werden. Am 10. Mai wird das Orchester des Radio-Journals unter der Leitung Professors K. B. Jiräks eine Matinee veranstalten, bei welcher Smetanas„M ein Vaterland" zur Aufführung gelangt. Am Abend wird I. Charvät die Erstlingsoper des Meisters„D ieBrandenbnrgerin Böhmen" dirigieren. Am 12. Mai wird„L i b u s e" unter der Leitmtg des Opernchefs des Mährischschlesischen Jiationaltheaters in Mährisch-Ostrau Jar. Vogl aufgeführt. Am 14. Mai folgt eine Aufführung der Oper„Zwei Witwen" unter der Lei- Unfalls-Chronik. Der 16jährige Lehrling der Elektrotechnik A. S. warf gestern mittags an der Ecke der Fischmarktgasse die 28jährige Hausgehilfin Margarete.S.trie.zu Boden.und fiel selbst.von seinem Motorrad. Die Stric wurde mit mehreren Fleischwunden und einer Quetschung des Brustkorbes aus" die Klinik Jiräsek gebracht, der Lehrling blieb Unverletzt.— Dem 21jährigen Bäcker Josef Ktij aus, Dejwitz, der gestern vormittags auf seinem Fahrrad von der HanspauUa in die Stadt fuhr, brach ein Rad, so datz er stürzte und bewußtlos liege» blieb. Mir einer schweren Gehirnerschütterung wurde er auf die Klinik Schlosser gebracht.— Einen Keinen Amoklauf vollführte gestern in Hloubetin ein- unbekanntes Auto, dessen Nummer sich seltsamer Weise keiner dell Zeugen oder Verletzten gemerkt hat;"es fuhr aufs Pflaster, warf den 25jährigen Arbeiter Ladislaus P e s e k zu Boden, wobei er einige Ritzwunden erlitt, srietz einige Schritte weiter gegen-, ein anderes Auto, dessen Anstrich und Kotflügel, beschädigt wurden und stieß endlich eine Benzinpumpe um. Trotz alledem gelang es dem Chauffeur,'-zu entkommen. Der verletzte Arbeiter wurde ins Krankenhaus auf der Bulovka gebracht.— Der 54jährige Chauffeur Franz Novotny aus La- bowitz überfuhr vorgestern mittags gegenüber dem Cafk Praha am Graben den 71jährigen Geschäftsangestellten Moritz W e i g e l. Er brachte ihn selbst auf die Klinik Jiräsek, wo ein Bruch des rechten Fußes festgeftellt kvurde. Rach Aussage der Zeugen ist der Chauffeur an dem Unfall nicht schuldig.— Ter 74jährige Fabrikbeamte Eduard Hobelt wollte gestern in der Palackystraße in Holleschowitz einem Lastauto ausweichen und geriet dabei unter tzas mit Obst beladene Pferdefuhrwerk des Kutschers Anton- Väna. Diesem gelang es nicht mehr, die bar nicht gut angeschrieben ist, brachte eine Klagebeantwortung ein, in der er dem Kreisleiter allerlei unschöne Dinge nachsagte. So hübe sich dieser Führer einmal, als seine Führcrmethoden kritisiert wurden, geäußert, hier,„gehe es nicht um eine s« riö s e, sondern um eine r a d i k ale P o l i t i k, die er machen werde, auch um den Preis der Seriösität." Ueberhaupt habe sich die politische Tätigkeit des Klägers besonders in unzulässigem D.r u ck a u f d i e ihm u n t e r st e l I- ten Funktionäre äusgewirkt und sei allgemein ungünstig kritisiert worden. Bei einer Parteikonferenz lobte Dr. Hüischmann die Art und Weise, in welcher Hitler den Röhm erledigte. Bei einer weiteren Kreiskonferenz am 4. und'5. Jänner habe er dem oppositionellen Jugendvertreter angedroht, er könn e nicht dafür garantieren, datz^ nicht Brachialgewalt angewendet werde, wenn„die Burschen sich etwas herausnehm en sollte n". Es wird nicht schwer fallen, angesichts solcher Feststellungen Vergleiche mit gewissen Vorbildern zu ziehen. Gegen diese Klagebeantwortung brachte nun wieder der Kläger einen weiteren Schriftsatz ein. in welchem er die Vorstöße des Geklagten teils als Mißverständnisse, teils als Verdrehungen■ hinstellt und für die Qualität seiner politischen Tätigkeit stch auf die schriftliche Anerkennung„des Führers" beruft.(Wer dieser„Führer" ist, wird nicht gesagt.) Interessant ist die Stellungnahme des klagenden Kreisleiters zu der Gutheißung der„Erledigung" Röhms durch Hitler. Er habe damals For.lauter, geschulten Funktionären seiner Bewegung gesprochen, welche allerdings„für autorit all«Demokratie" sei. Es sei aber bloß ein„objektives Referat" über verschiedene Regierungssysteme gewesen und er habe die Beseitigung RöbmS lediglich aus den deutschen Zuständen (die ihm gut bekannt seien) heraus betrachtet und .Kritisiert".(Daß diese Kritik günstig war. bestreitet der Kläger nicht.). Dagegen sei ihm jedwede Applikation solcher Methoden auf unsere Verhältnisse ferngelegcn. Solche„Unterstellungen" lehne er nach- drücklichst ab. Da beide Parteien neue Beweisanträge einbrachten, wurde die Verhandlung v.e r t a g t. Als reizendes Intermezzo wollen wir feschalten, daß der Klagevertreter, als er fessstellen mutzte, daß sich zu der Verhandlung Vertreter der Linkspresse einge- funden hätten, den Ausschluß der Oeffent- lichkeit beantragte, da es sich„um politische Erörterungen handle". Ein solcher Ausschließungsgrund ist allerdings in unserer Strafprozeßordnung nicht vorgesehen, sondern ein Privileg„autoritär" regierter Staaten, wie die-derzeit in Deutschland verhandelten Persekutionsprozesse gegen Sozialisten beweisen. rb. Nach berühmten Mustern „Autoritäres“ aus der Häuslichkeit des Närodni sjednoceni Prag. Vor dem Bezirksgericht standen sich gestern zwei Funktionäre der Jugendbewegung des RärodniSjednoceni als erbitterte Gegner, gegenüber. Diese politische Gruppe, ein Gegenstück unserer Henleinlevte, bekennt sich bekanntlich zum„autoritären FAhrerprin- z i p" und liebäugelt heftig mit Nazismus und Faschismus, deren Reklametricks und bombastischen Schtvulft sie sich bis ins kleinste Detail nachzuäffen bemüht, obwohl sie bei den Viaiwahlen mit diesen Methoden eine schwere Abfuhr erlitten bat. Dieser Ehrenbeleidigungsprozetz gewährte einige interessante Einblicke hinter die Kulissen dieser„auwritären" Bewegung. Kläger ist«in gewisser Dr. Karl Hübsch- m a n n. von Beruf Advokaturskandidat und nebenbei „Kreisletter" der Jugendbewegung des Rar. Sied- nocenl iin„Kreis Prag B— 124". Er klagt einen Studenten namens Franz S p r y s l, seinerzeit Leiter des.Lagers"(d. h. Ortsgruppe) in Br so- Vice, der ihn. den vorgesetzten Kreisführer, beschuldigt hat. ein defekter Charakter zu sein. Ter Kreisleiter ging nicht vor das Ehrengericht der Partei, smrdern klagte gleich beim ordentlichen Gericht. denn— so führte er aus— er wolle zur Wiederherstellung seiner Ehre keine Parteiinstanzen in Anspruch nehmen. Ter geklagte Leiter des Brsovicer„Lagers", das übrigens als oppositionell gilt und„oben" offen- Wegmarkierungen durch Amtslabyrinthe Tas ehemalige„Jnvälidenhatis" in Karolinenthal ist eines der schönsten Baudenkmäler des Frühbarock. Diese Wertschätzung betrifft allerdings nur die wirklich prachtvolle Fassade dieses riesigen Bauwerkes. Praktisch gesprochen ist dieses umfangreiche Gebäude heute im wesentlichen als A m t s- Haus anzusprechen, in welchem zahlreiche Kanzleien untergebracht sind. Befindet sich doch hier vor allem das Landesamt für Kriegsbe- schädigtenfür sorge, das Prager Ergän- zungsbezirkskommando, das Militärseelsorgeamt, ein Älliegsverletztenverband usw.— gar nicht zu sprechen von sonstigen Militärkanzleien, die hier Obdach gefunden haben. Im Prager„Jnvalidenhaus" herrscht begreiflicherweise starker Parteienvcrkehr und die O r i e n- tierungsfrage war nicht so ganz einfach zu lösen. Denn dieses altertümliche, im Kasernenstil vergangener Zeiten gebaute Gebäude mit seinen endlosen düsteren Korridoren ist für ein modernes Amtshaus so schlecht als möglich geeignet. Mit LrientieruNgstäfeln ist dies«» Ilebelstand nicht abgeholfen, denn die Besucher, vielfach einfache Leute vom Lande, die ohnedies beim Betreten eines Amts- gebäudes von ehrfürchtigem Schauer erfaßt werden,- haben es nicht leicht, sich in dem Wirrsal der verschiedenen Aufschriften zurecht zu finden. Man muß mit voller Anerkennung feststellen, datz die Militärverwaltung, der das„Invalidenhaus" untersteht, eine höchst vernünftige, ganz unbürokratisch einfache Lösung gefunden hat. Am Fuße des Treppenaufganges sind die Kanzleien der einzelnen Amtsstellen auf gut lesbaren Tafeln verzeichnet und neben jeder befindet sich— ein farbiges Rar-> kierungszeichen, ganz nach Art der touristischen Wegmarkierungen. Landesamt für Kriegsbeschädigte: weiß- blau- weiß; Ergänzungsbezirkskommando: weiß- grün- weiß; Militärseelsorge: weiß- gelbweiß; Vereinigung der Kriegsbeschädigten: weitz-rot- weiß. Auch der einfachste Besucher findet an Hand dieser Markierungen, die ihn sicher zu der betreffenden Kanzleitüre leiten, zu der gesuchten Amtsstelle und wir hatten Gelegenheit, verschiedene anerkennende Worte über diese praktische Orientierungsmethode zu hören. Man kann der Militärverwaltung zu diesem Einfall wirklich gratulieren. Greta Garbo in„Der bunte Schleier" tung des Opernchefs des Slowakischen Nationaltheaters in Bratislava. Am 16. Mai dirigiert Zde- nkk Chalabala die Oper„D e r K u tz", am 17. Mai Milan Zuna die„V e r k a u f t e B r au t", am 19. Mai der Orchesterchef des Radio-Journals O. Jeremias„D a l i b o r". Am 21. Mai wird„Da s G e h e i A n i s" unter der Leitung Jar. Vogls und am 24. Mai„Die T e n f e l S w a n d" unter der Leitung I. Charvats aufgeführt werden. Für den Zyklus wird ein Sonder-Abonnement aufgelegt werdeg. Gastspiel Gisela Werbezirk mit Ensemble am 20. und 21. April. Erster Abend„Mizzi"(D2); zweiter Abend„Frau Minister Popovicz". (Al.) Gewöhnliche Preise! Das Montägsgast- spiel Werbezirk wird der Serie D2 zugeteilt, weil dieses Achtel wiederholt ausfallen muhte. Samstag„Tristan und Isolde" mit Fine Reich- Törich a. G., Lydia Kindermann, Fischer, Scheidl, Andersen usw. Dirigent: Zweig.(B 2.) Spielplan deS Reuen Deutsche« Theaters. Donnerstag halb. 8:.DerheiligeAnto- n i u s, C 2.— Freitag halb 8:DasMädchen aus dem goldene«Westen, D 2.— Samstag 7: Tr- stan und Isolde, B 2.— Sonntag halb 3: Dr. med. Hiob P r ä t o- r i u s, halb 8: B o c c a c c i o, A l. Spielplan der Kleinen Bühne. Donners- tag 8: D r. m e d. HiobPrätorius.—- — Freitag 8: MordprozetzFolkner, Theatergemeinde des Kulturverbandes und freier Verkauf.— Samstag 8: I ch und mein kleiner Bruder.— Sonntag 3’,4: Unent- schuldigte Stunde. 8: Mordprozeß Falkner. Der Dknr Oie Kameliendame ist, wie bekannt, ein sentimentaler Roman des jüngeren Alexander Dumas, der vor 80 Jahren ein Welterfolg war, von Verdi in Musik gesetzt und von späteren Schriftstellergenerationen bis zu den Filmautoren von heute ausgeplündert und„nachempfunden" wurde. Der französische Filmregisseur Fernand Rivers hat es für nötig befunden, ihn möglichst unverfälscht auf die Leinwand zu bringen, und es ist ein Museumsstück geworden, altmodisch nicht nur in Handlung und Dialcg, sondern auch in Tarstellung, Photographie und Szenenführung. Obgleich der Film sichtlich mit Liebe gemacht ist und die Inhaberin der Titelrolle, Avonne Printemps. den alten Stil auf sehr feine Art meistert, wirkt er doch überwiegend unfreiwillig komisch, zumal außer der Hauptdarstellerin lauter Theaterfiguren einer verschollenen Epoche auf der Leinwand herumgeistern.•—eis— Sonntag, den 19. April, von 3 bis 8 Uhr treffen stch alle Genoffen und Genossinnen im großen Radiosaul, Fochova 56, bei der Großen Atus-Akademle unter Mitwirkung der Boltssinggemcinde, der sozialistischen Jugend, der roten Falken und der Restfalken. Alle bemühen sich, um den Genossen einen schönen Nachmittag zu bereiten! Rrgiebeitrag: Erwachsene 5 HL, Kinder 2 KL. Kaufet die Karten im Vorverkauf bei de» Vertrauensmännern. S c-»“aVJ! edinssung en: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 96.—. ganzjährigKL 192.—.— Inserate werden laut Tartf btlligst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Rctourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirektton mit Erlaß Nr. 13.800/V11/1930 bewilligt.— Druckerei:„Qrbis", Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G. Prag..