Freitag, 17. April 1936 Nr. 91 16. Jahrgang ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKT1OH UND VERWALTUHG RAGm.,FOCHOVA«2. THEFON E. HERAUSGEBER« SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. E'mrofpTBis 70 Hefler («inichli.Blich 5 Hall« Porto) TENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK Friedensdiktat ohne Völkerbund Hodimüligc„Vorschläge“ Italiens/ Abessinien lehnt ab Genf.(Reuter.) Abessinien hat die Bedingungen, die Italien für die Aufnahme der Friedensverhandlungen gestellt hat, entschiede««^gelehnt. Diese Bedingungen sind u. a.r 1. Der Völkerbund beteiligt sich nicht an den Verhandlungen, 2. Die Bedingungen werden nicht dem Völkerbünde, sondern bloß den Abessiniern mitgeteilt, Z. Ein Waffenstillstand wird nicht zu» gestanden«nd die Feindseligkette« werden nicht eingestellt werden. In ihrer Antwort auf die Vorschläge der italienischen Regierung erinnert die abessinische Delegation in Genf daran, daß Abessinien sich streng an das Genfer Vorgehen bei der Lösung des afrikanischen Konfliktes gehalten und den Ratschlägen sowie den Empfehlungen des Böllerbundes untergeordnet habe. Weiters lehnt die abessinische Delegation im einzelnen die italienischen Vorschläge ab und fordert: 1. Daß festgestellt werde, daß die italienische Regierung den Vorschlag, im Rahmen und im Geiste des Völkerbundes zu verhandeln, abgelehnt hade. 2. Daß alle Sanktionsmaßnahmen geltend gemacht werden sollen, die Artikel 18 des Pakte- vorsieht»nd daß die Verpflichtungen aller Mitgliedstaaten erfüllt werden» denen zufolge sofort und wirksam dem Opfer des Angreifers geholfen werden müsse.. Der Dreizehnerausschuß trat erst um 18.30 Uhr zusammen. Inzwischen verhandelte der italienische Delegierte Baron Ä lotflt trkpyonisch mit der römischen Regierung und verdolmetscht« ihr den Wunsch des Vorsitzenden des Dreizehnerausschusses Madariaga, die italienische Regierung möge ihre Vorschläge betreffend die Friedensver- handlungen ändern. Genf.(Reuter.)' Der Dreizehnerausschutz hat den Beschluß gefaßt, der abessinischen Delegation als letzten Versuch die etwas geänderten italienischen Bedingungen vorzulegen, die, wie es heißt, dem Völlerbund die Rolle eines Beobachters bei den abessinisch-italienischen Friedensverhandlungen zu spielen ermöglichen würden. Es ist jedoch fast sicher, daß die abessinische Delegation auch diese geänderten italienischen Bedingungen ablehnen wird. Eden lehnt erregt ab Eden erklärte, nach dem„Prager Tagblatt", er halte den italienischen Vorschlag für derart unakzeptabel, daß er ihn nicht einmal seiner Regierung überreichen werde. Der italienische Vorschlag sei ein Diktat nicht nur Addis Abeba, sondern auch Genf und London gegenüber. Der Vorsitzende des Dreizehnrrausschnsses habe seine Mission als gescheitert zu erklären, der Sanktionsausschuß der Achtzehn müsse nun sein« Arbeit beginnen. Gereichte und Mutmaßungen In Paris Paris. Die abessinische Frage ist in Paris wieder in den Vordergrund des Interesses getreten. Die Blätter veröffentlichen viele Nachrichten aus Genf über die vorläufigen Besprechungen vor der Beratung des Dreizehner-Ausschusses, namentlich eine italienische Nachricht, in der es heißt, daß„die Tage Abessiniens gezählt sind", daß„JtaleN keinen hinkenden Frieden annehmen wird", daß„in weniger als drei Tagen die italienischen motorisierten Abteilungen Addis Abeba erreichen werden" und verschiedene andere Gerüchte und unbestätigte Nachrichten, so z. B., daß„der Negus Addis Abeba verteidigen will", daß„der abessinische Krieg mit einer sensationellen Wendung enden wird" usw. Der ehemalige Negus Lidje Jassu, dessen Tod im Dezember v. I. gemeldet wurde, sei noch am Leben und werde sich der Krone bemächtigen, welche ihm sein Schwager, der gegenwärtige NeguS, abtzenommen habe.— Die Blätter melden Wester aus London, daß auf dem Londoner Markte an die Ausschreibung einer Anleihe f ü r A b e s s i n i e n gedacht werde. I» Paris glaubt man, daß die britische Regierung in Angelegenheit der Sanktionen gegen Italien nicht wird die Konsequenzen ziehen wollen, wenn auch das schiedlich« Vorgehen, wie man glaubt, diesmal mit einenr Mißerfolge enden wird. Auf Grund der letzten Meldungen aus Rom erwartet man in Italien mit Bestimmtheit, daß die italienischen Truppen um dm 21. April, wo die Gründung Roms durch RomuluS und Remus gefeiert wird, die abessinische Haupfftadt Addis Abeba besetzen werden. Die Straße von Dcssie nach Addis Abeba soll in gutem Zustande sein und es ist daher nicht ausgeschloflm» daß die italimischm Truppen die Entfernung von 250 Kilometem in drei Tagm bewältigm können. Schwere Schlappen der Italiener? Wie die„Prager Presse" berichtet, meldet der Korrespondent des„Bölkischm Beobachters" aus Addis Abeba schwere S ch l a p p e n der Italiener. Die italienische Truppe von 600 Mann, dir in G o d a r die italimische Flagge gehißt hat» sei von abessinischen Truppen überfallen und bi- anf 50 Mann«iedergemacht worden. Das nördliche Ufer des Tanasee sei von einer fliegmdrn, weit vorgrstoßmen kleinen Kolonne erreicht wor- L e m b e rg. Donnerstag nachm. wiederholten sich in Lemberg die Arbeiterunruhm vom verflossenen Dienstag. Während des Begräbnisses des Todesopfers der dienstägigen Unruhen» eines 21- jährigen Arbeiters, an welchem über 30.000 Arbeiter aus Lemberg uttd Umgebung teilnahmm, kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen dm Arbeitem und der Polizei. Die ersten Zusammenstöße erfolgten in dem Augenblicke, als die Veranstalter des Leichenzuges entgegen dem behörd- lichen Verbot dm Versuch unternahmen, den Leichenzug ittrr die Hauptstraßm der Stadt zu füh- rm. Die Polizei behauptet, daß sie von Arbeitem mit Revolverschüssrn empfangm und mit Steinen Madrid. Ministerpräsident Azana stellte dem Parlament das Kabinett vor und gab eine ausführliche Regierungserklärung ab, in der er verschiedene Gesetzentwürfe anlündigte. Die von dm letztm Regierungen erlassenen Amderungs- gesrtze zur Agrarreform werden annulliert, das Agrarreformgesetz der ersten linksrepublikanischm Regierung tritt wieder sit Kraft. Die gekündigtm Siedler kehrm zurück. Das gesamte Pacht- und Siedlungswrsm wird organisiert» wobei der Staat den Siedlrm nicht nur die Garantie des Landbesitzes gibt, sondem sie auch mit Geldmitteln unterstützt. Im übrigm wird die gesamte soziale Gesetzgebung der früheren spanischen Nationalversammlung wiederhergestellt. Der Ministerpräsident kündigte ferner Gesetze für den Arbeitsschutz, zur Reuorganifiemng des RechtS- wesens««d der städtischen und provinziale« Verwaltungen an.— Hinsichtlich der internationalen Politik wird Spanien weiter aktivm Anteil an dem Friedenswerk des Völkerbundes nehmen und bereit sein, alle Verpflichtungen, wenn sie vom dm; dieser Erfolg sei angesichts der Wiederbesetzung Gondars durch abessinische Truppen sehr fragwürdig.— Bei Quora)» sei eine italie- nische Gruppe von 4000 Mann von den vom Ne- gus befehligten Abessiniem angegriffen und vollständig geschlagen worden. Die Italiener hättm 800 Weiße und 1075 Farbige an Toten verloren. Die Kriegführung der Abessinier versteife sich wieder. An dieser Meldung des„Völlischen Beobachters" dürfte insofern etwas wahres sein, als die Italiener tatsächlich auf den vorhandenen Kara- w a n.e n st r a tz e n vorstoßen und dabei die in den Bergen nistenden Abessinier links und rechts liegen lassen. So erklärt sich auch die Tatsache, daß die! Italiener D e s s i e erreicht haben, wäh- rmd die Armee des Negus noch im west nördlich von Dessie gelegenen Q u o r a m fesffitzt. Die italienische Strategie ist für die vorstoßenden Truppen äußerst gefährlich, da die Verbindungslinien nach rückwärts ungedeckt sind.. Die Verpflegung i erfolgt durch Flugzeuge^ Ganz offensichtlich sind die jetzigen Operationen darauf angelegt, in Genf zu bluffen. Italiener nicht In Dessie? AddisAbrba. Die abessinische Regierung vrmmstert kategorisch Pie Nachrichten italienischer Herkunst, wornach di« italimische Armee Dessie besetzt habe. angegriffen wurde; die Polizei gab gegen die Menge ein« Salve ab. Die Zusammenstöße rr- folgtcn gleichzeitig an mehreren Strllm. Die Polizei machte in vier Fällen von der Schußwaffe Gebrauch. Durch die Kugeln der Polizei wurdm sechs Personm getötet und etwa 60 teils schwer, teils leicht, verletzt. Der Zustand mehrerer Schwerverletzter ist sehr ernst, so daß mit einer Erhöhung der Zahl der Todesopfer gerechnet werden muß. Die Zusammenstöße zwischen der Polizei«nd dm Arbeitem dauemten noch in dm späten Abrndstundm an. Auch auf Seite der Polizei gab es zahlreiche Verletzte. Die Arbeiter kämpfen hinter Barrikade«. Völkerbund ausgehen, anzunehmen. Einseitige Bindungen dagegen wird Spanim ab lehnen. Die Cortez habe« der Regierung mit 198:78 Stimme» dar Vertrauen ausgesprochen. Uederksll in Sevilla Sevilla.(Havas.) Mitglieder des ibero- anarchistischen Verbandes verübten gegen den Gerichtspräsidenten in Sevilla, Euzaguirre, ein Attentat. Der Präsident wurde durch drei Revolverschüsse lebensgefährlich verletzt. Der den Gerichtspräsidenten ständig begleitmde Polizeibeamte nahm di« Angreifer sofort unter Feuer und verwundete zwei von ihnen erhekckich. Der Zustand des einen Angreifers ist hoffnungslos. Der Polizeibeamte wurde selbst von mehreren Kugeln so schwer getroffen, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird.— InPampel u n a wurde der Generalstreik durch ein Uebereinkom- men zwischen Arbeitgebern und Arbeitern beendet. Auch in M a d r i d wurde der Streik der Auwtaxi-Chauffeure beigelegt. Straßenkämpfe in Lemberg Polizei schießt auf einen Leichenzug Barrikaden In der Stadt Sozialreformer Azaria Frühere Sozialgesetzgebung wieder herge&ellt Sozialisten und Kommunisten für die Regierung »Die Flamme von Stresa' Politik und Moral (E. F.) Es mag gerade in der heMigen Zeit als ein unumstößliches Axiom gelten, daß politische Fragen Machtfragen sind, die mit Moral nichts zu tun haben. Und doch braucht man nicht gerade Angeschworener Hegelianer zu sein, um zu begreifen, daß dann und wann die Qualität in die Quantität umschlägt und daß moralische Fragen entscheidendes Gewicht im Machüampf der Völler erhalten können. Man braucht nur an das B e r- tragsgebäude von Versailles zu denken, das nicht nur aus machtpolitischen Gründen nach wenigen Jahren seines unrühmlichen Bestandes zusammenzubrechen begann, sondem auch aus moralischen Gründen. Denn entscheidend für die Auflösung der Ordnung von l Versailles war doch in erster Linie, daß weite Kreise auch der siegreichen Nationen das System von 1919 und die Methoden, mit denen man damals vorgegangen ist, als unmoralisch empfanden (was im Denken etwa der britischen Arbeiterpartei noch heute eine Rolle spielt). Hätten die Westmächte im Spätsommer 1918, als ihr militärischer Erfolg gesichert und der Sieg ihnen nicht mehr zu entreißen war, offen erllärt, daß sie sich an die 14 Punkte Wilsons nicht mehr gebunden halten, daß sie ihren Frieden auf Grund eines Diktats über den Besiegten schließen wollen, hätten sie damals den Mut zu einer bmtalen For- muliemng aufgebracht, wie sie in Brest Litowsk der deutsche General Hoffmann gegen die Russen gebrauchte, es wäre besser gewesen, denn es hätte das Aufkommen der Dolchstoß-Legende behindert und es hätte andererseits dem Siegfrieden Clt- menceaus den Makel der verlogenen und betrügerischen Manövers genommen. Frankreich ist leider eben wieder dabei, eine gute Sache zu verderben, indem es ihr die moralische Gmndlage entzieht. Dieser Läge hat sich Herr Pierre Laval dem„Moniteur" gegenüber zu der Politik geäußert, die er inauguriert hat und die von Herrn Flandin leider weitgehend übernommen wurde. Laval kommt auf den Vorwurf zu sprechen, er habe die Sanktionspolitll gehemmt. Er beruft sich darauf, daß er dem Buchstaben nach die Verträge erfüllt habe. Er gibt aber, doch ganz offen zu, daß er vorallemdieF re und schäft mit Mussolini warm erhalten wollle: „Ich tat alles, um zu der hindern, hast die Flamme von S t r e s ä erlösche. Es ist der Moment gekommen, sie wieder anzufachen." Herr Laval hat die Freundschaft mit Mussolini über die Heiligkeit der Verträge gestellt, er hat es für wichtiger gehalten, die Flamme von Stresa zu nähren als die Flamme des afrikanischen Krieges in wirllichen Sanktionen zu ersticken. Diese Situation hat sich Hitler zunutze gemacht. Es wäre nie nötig geworden, die Flamme von Stresa wieder anzufachen, wenn man Italien gegenüber das Recht und die Verträge gewahrt hätte. Denn einem faktisch und moralisch siegreichen Völlerbund gegenüber wäre Hitler nicht zum Zug gekommen. Hiller konnte an den Rhein marschieren, weil Frankreich, der eifersüchtige Hüter der„heiligen Verträge", doch eben ein sinnfälliges Beispiel, für die Dehnbarkeit der Verträge, für die Zulässigkeit einer doppelten Moral im Rahmen desBölker- b u n d e s geliefert hatte. Als Frankreich sich gegen Hitler auf die Verträge berief, hatte es vor dem größten Teil der Weltmeinung die Schlacht schon verloren. Denn was immer man auch sagen mag: für die übergroße Mehrheit der Angelsachsen, für die übergroße Mehrheit der Deutschen im Reich und in der übrigen Welt, für große Teile der neutra- len Oeffenllichkeit stellt sichdasVerbrechen Mussolinis unvergleich l i ch schwerer d>a r a l s d a s Hitlers. Mag sein, daß die Rheinlandbesetzung die. größeren Gefahren für die Zukunft birgt, wie die ttalo- phile Presse uns täglich auseinandersetzt; mag sein, daß der Rhein näher ist als der Nil und daß es die europäische Sicherheit nicht unmittelbar berührt, wenn Italien das Reich' der Amhara verschluckt. Solche Polittk und' solche Erwägungen waren möglich' im Zeitalter der Kabinettskriege und der höfischen Diplomatie. Heute nimmt das Voll an der Pol i.t i I t e i k, auch Seite 2 Freitag, 17. April 193k Nr. 91 in den diktatorisch regierten Staaten, wo cs frei» lich nur passiv, nur Kulisse, aber dank der vorzüglichen Propagandatechnik der Diktaturen doch eine laut tönende, kräftig Widerhallende Kulisse ist. Moralische Fragen werden Machtfragen in dem Augenbl i ck, d a d i e Masse sich für sie interessiert. Die Massen des englischen Volkes und vieler kontinentaler Nationen nun bekümmern sich wenig unt die Gefahren von morgen und übermorgen, aber sie sind leidenschaftlich bewegt durch das, was heute vorgeht. Und das Heute stellt sich ihnen so dar, das; Mussolini unter,Duldung des offiziellen Frankreichs, unter Billigung durch die gesamte französische Rechte einen brutalen Eroberungskrieg führt, Städte in Trümmer legt, wehrlose Menschen in Massen abschlachtet, Spitäler beschießen und bombardieren läßt,„Giftgase, gegen.Negerkinder einsetzt, dabei täglich den Völkerbund verhöhnt und auf seine Siege pocht und— daß zur selben Zeit Hitler nichts getan hat, als eine Provinz des Deutschen Reiches mit deutschen Truppen zu besetzen. Hier soll, wie gesagt, nicht behauptet werdeu, Laß diese Besetzung gerechtfertigt war und daß sie ungefährlich sei. Hier soll nur gezeigt werden,, w ie die Völker eS sehen. Untwin dieser Situation will Flandin tatsächlich den Rat Lavals befolgen und die „Flamme von Stresa" wieder anfachenl Frankreich chat dem Völkerbund einen sehr vernünftigen, einen zukunftsträchtigen Euro- p a p l a n vorgelegt, der Wohl geeignet wäre, das Geflunker der preußischen Diplomatie aus dem Bewußtsein der Zeitgenossen zu verdrängen und das Programm der europäischen Sicherheit zu werden. Aber die wichtigste Voraussetzung dafür wäre, daß Frankreich die moralische Legitimation zum Aufbau eines neuen Europa, zur Begründung der kollektiven Sicherheit beibrächte. Das Bündnis mit Mussolini ist keine moralische Legitimation im Kampf gegen Hitler. Es ist im Gegenteil die denkbar schwerste moralische Belastung. Vorübergehend kann Frankreich, indem es das Ansehen des Völkerbundes, indem es seine eigene Ehre, indem es Abessinien opfert, die Freundschaft Mussolinis und eine militärische Ucberlegenheit über Deutschland erzielen. Aber es gibt dann, nach Versailles zum zweitenmale, den moralischen Anspruch auf die Ordnung und Befriedung Europas auf. Als Flandin in Gens für Italien sprach, hat er seinen eigenen Europa- Plan torpediert. Die Flamme von Stresa ist kein reines Feuer, sie leuchtet nicht durch die Nacht dieser Zeit zu einem neuen Europa. Sie ist die g e- jährlich st e Brandfackel, mit der Frankreich heute spielen kann, sie ist entzündet worden an der schwelenden Glut des. afrikanischen Raubkrieges. Wenn etwas Hitler retten, tveyn etwas Frankreich verderben kann, dann ist es das Bündnis der Vertragshüter mit dem Friedensbrecher Mussolini. Heute mag das noch eine Frage des Geschmacks, der Moral, der Ehre sein. Morgen schon kann es zur Machtfrage werden, weil es die Weltmeinung gegen die Prediger einer zwiespältigen Moral aufbringen wird! Paris. Havas berichtet abends aus London, daß die Beratungen der Vertreter des britischen, französischen und belgischen Generalstabes Donnerstag abends abgeschlossen wurden. An maßgebenden Stellen wird erklärt, daß die Beratungsergebnisse befriedigend sind. 61 MÄNNER, FRAUEN I UND WAFFEN I Roman von Manfred Georg Copyright by Er. Manfred Georg. Prag Er wußte eigentlich gar nicht, wie ihre Rolle für ihn aussehen würde. Er kannte ihre Umarmungen und Küsse, ihr tiefes Veroundensein. und ihr Gefühl für Menschen, die ihr hilfsbedürftig erschienen. Aber eine Hahdee von nwrgens bis abends ganz für sich allein, eine, die durch den Alltag ging und ihn durch ihr Dasein erglänzen ließ, die kannte er noch nicht. Die Menschen in diesem Lande hatten ein Ziel. Dafür nahtnen sie Strapazen auf sich. Aber was hatte es für eins? Er nahm die Brieftasche, die man ihm ohne Geld gelassen hatte, aus dem Rock und reichte Umanski die Photographie hin. Der betrachtete sie. verzog das Gesicht ein wenig zur Grimasse und gab sie schweigend wieder. Schumann faltete sie und zerriß sie. Zerriß sie sorgsam in viele kleine Fetzen, die er auf den Boden der Zelle streute. Dieses Leben war zu Ende. Aber noch rann Blut in ihm. Noch gab es die Möglichkeit, Haydees Haupt an der Brust zu fühlen, noch war vielleicht in ihr selbst eine Chance verborgen, die ohne ihn nicht blühen würde. Er blickte auf. Umanski war gegangen. Es war gut so. Er wollte allein sein. Aber wie würde das mit Hahdeewerdend Wenn er Dunaimis jetzt verriet, wenn er das formale Urteil— vermutlich ein paar Jahre Gefängnis— überstand, wenn es ihm dann selbst glückte, aus der neuen Verpflichtung auszubrechen— denn so wenig er Dunaimis treu blieb, brauchte er es hier zu sein— er kam auf jeden Fall als ein Mensch ohne Mittel und ohne jede Zukunft zu ihr zurück. Als ein z en des unumgänglich Rotwendi- *6 en" zulässig sein. In deg Bestüninungen über den Obersten Verteidigungsrat wird u. a. feftgeftellt, daß das Generalsekretariat der Staatsverteidigung j> e'm Berte,idieungsministerium ungegliedert wird. Angesichts dieser von den Koalitionsparteien vorgeschlagene» Verbesserungen war die Opposition gezwungen, einige ihrer Abänderungsanträge zurückzuziehen. Die nächste Ausschuß- sitzung ist für Freitag nachmittags anberaumt. --. Der Weh'rausschuß tagte gleichfalls Donnerstag nachmittags. Er behandelte die Paragraphen 31 bis 138, das ist das vierte und fünfte Hauplslück(„Einige weitere allgemeine Bestimmungen über die Staatsverteidigung" und ^„Aie Staatsverteidigung während der Wehrbereitschaft"). Es wurde eine ganze Reihe von Anträgen auf Abänderungen, bzw. Ergänzungen eingebracht. Besonders ausführlich war die Aussprache iwer den§ 34(M aßnahmen im Grenzgebiet). Die Abstimmung wurde mit Rücksicht auf die parallel laufenden Verhandlungen im verfassungsrechtlichen Ausschuß vorläufig vertagt. WWWWMD wird definiert Ein Erfolg im Koaiitionskomltec Prag. Am Donnerstag vormittags tagte das Koalitionskomitee für die Staatsverteidigungsvorlage unter Vorsitz des Abgeordneten Dr. Pate j d l und im Beisein des Verteidigungsministers Ma ch n i k. Gegenstand der ausführlichen Erörterungen bildete hauptsächlich die Definition des in den Paragraphen 18 bis ZI"veränkrten Begriffes der„staatlichen U n v e r läßlich k e i t" und die Frage des B e r f ä h- re ns in dieser Angelegenheit. Von.deutscher Seite wurde mit allem Nachdruck verlangt, daß ein Höchstmaß von Sicherungen gegen einen eventuellen nationalistischen Mißbrauch dieser Bestimmungen gegeben werde. Nach ausführlicher Debatte wurde eine Er-, gänzung zum 8 19 beschlossen, worin— wie es in dem offiziellen Bericht heißt—„in negativer wie in positiver Weise der Begriff der staatliche« Unverläßlichkeit definiert wird, einerseits deshalb, damit die Behörde« Richtlinien für ein einheitliches und verbindliches Borgrhrn Haden, andererseits deshalb, damit die Garantie geschaffen werde, daß die Bestimmungen nicht mißbraucht werden." Insbesondere soll, was schon der Mokiven- bericht anführt, noch ausdrücklich im Gesetz ausgesprochen werden, daß nämlich die nationale oder konfessionelle Zugehörigkeit an sich kein Kriterium für die' Beurteilung der Zuverlässigkeft darstellen kann. Ferner wurde erwogen, noch im Berufungsverfahren Verbesserungen einzuschalten, welche eS dem der Unzuverlässigkeit Bezichtigten ermöglichen, seine Interessen gegen die Entscheidung der ersten Instanz gehörig geltend zu machen. Von einigen Seiten wurde eine Frist gefordert, innerhalb der dje bei den Landesbehörden zu errichtenden Berufungssenate die Einsprüche der„Unverläßlichen" erledigen müssen. Daraufhin erklärten die Vertreter des Ministeriums, daß die Militärverwaltung selbst ein eminentes Interesse daran habe, daß, falls in einem Betrieb unverläßlich« Personen festgestellt werden, diese im Interesse der Verteidigung und der Sicherheit des Staates so schnell wie möglich aus dem Unternehmen entfernt werden. Die endgültige Stilisierung dieser Bestimmungen soll Freitag vormittag von dem Koalitionskomitee genehmigt werden. * Am Nachmittag erledigte dann der Ver- fassungsausschuß die beiden ersten Hauptstücke der Vorlage(„Gruich.lxaende Bestimmungen" und„Oberster Verteidigungsrat")' mit einigere vorher von der Koalition beschlossenen Aenderutztzen?Mic in wMWlMenrMrnkten eine B ung be deuten. Vor allem wird aus dem 8 1 der Zusatz elimi- niert, daß die Bedrohung d«S Staates? gegen die sich die Verteidigungsmaßnahmen richten,„sei es von außen oder v o n innen" kommen könne. Das heißt, daß fene-Be- stimmungen eliminiert werden sollen,\ welche das StaatÄrerteidrgungSgesetz f ü r d e n""F a'k I innerer Unruhen zur Anwendung bringt. Damit ist dem Einwand Rechnung getragen, daß die der Zivilverwal tu n g unterstehenden Exekutivorgane vollständig hinreichen, um die Ruhs! und Ordnung im Inn er en d es S ta at es zu verbürgen.— Folgerichtig mutzte jetzt auch das sechste Hauptsrück über"die Verteidigung des Staates„unter b e s o u d e r e n U m ft ä n d e n", außerhalb der Zeit der sogenannten Wehrbereitschaft, eliminiert werden. Darüber ist jedoch eine Entscheidung noch nicht gefallen. Im§ 4, der von der^Verantwortlichkeit in Sachen der Staatsverteidigung" handelt, gelangte eine Ergänzung zur Annahme, wornach die Regierung bei der Bestimmung der»Ziele, die durch die Wehrmacht erreicht werden sollen» ausdrücklich dir verfassungsmäßigen Rechte des Präsidenten der Republik und der Nationalversammlstng zu respektieren ha,t— In der alten Fassung waren diese verfassungsmäßigen Rechte des Präsidenten, die durch die allgemein« Ermächtigung an die Regierung nicht »angiert werden dürfen, einzeln aufgezählt, während von den Rechten der Nationalversammlung überhaupt nicht die Rede war. Wichttg ist noch eine Aenderung im i 5, der im Interesse der Geheimhaltung militärischer Angelegenheiten für das Verfahren vor Gerichten, Aomtern und öffentlichen Organen gewisse Ablvci- chungen zuläßt. Diese Abiveichongen sollen nach der neuen Auffassung nur mehr„in den GrenDie nächsten Aufgaben des tschechoslowakischen Rundfunks 2m Gebäude der Zweigstelle des Radiojournals in Preßburg wurde Donnerstag die Frühjahrskonferenz des tschechofiowakischrn Rundfunks eröffnet. Der Konferenzvörsitzende Dk. Ladislav Sou- rek sagte in seiner einleitenden Kundgebung, das oberste Bestreben des tschechoslowakischen Rundfunks nach der Programm-Seije hin müsse die Respektierung des Milieus der Hörer und die Erreichung einer solchen Qualität der Darbietungen sein, daß durch dieselbe die verschiedenen Geschmacksrichtungen der Hörer ausgeglichen würden. Als wichtige und nächste Aufgaben, die dem Rundfunk zufallen, bezeichnete er: 1. Die Förderung der Wehrhaftigkeit und des Nationalbewußtseins. 2. Die Erziehung zur Staatlichkeit, 3. Die Fürsorge für die in der Tschechoslowakischen Republik lebenden Mj n d e r h e i t e st, 4. Die Förderung^und die Unterstützung des Fremdenverkehrs. 5. Die Organisierung der Kurzwellenseudungen, und zwar einerseits für diejenigen Gebiete, wo der Empfang der tschechoslowakischen Rundfunksendungen . auf Schwierigkeiten stößt, andererseits für die Uebersee-Sendung tschechoslowakischer Programme. Eine nicht minder wichtige Aufgabe des Rundfunks sverde'es sem. der Frag? der Minvir-i kung von Ausländern in den Rundfunksendungen Auftnerksamkeit zu widmen, und zwar snsbeson- dere auf der Basis einer vernünftigen Reziprozität. Der Betrieb der dritten slowakischen T. G:» Masaryk-Sendestation in Banskä Bystrica wird i mm 17. Mai di I. offiziell ausgenommen werden. Der technisch« Direktor des tschechoslowakischen Rmidfnnks, Nutz. Sv 0 b'o d'a,"kiiridigte in seinem Portrage an, daß die. Einführung eines ko e k irre n^ Einheilsgerätes für ! die.Reproduktion des Paus e n ze 4zch e n s vorbereitet wird. Die akustische Akkomodierung aller Studios der tschechoslowakischen.Sendestationen und deren Reproduktion wird schrittweise durchgeführt.. Der tschechoslowakische Kurzwellen- Sender ist bereits soweit fertiggestellt, daß man in naher Zukunft die Probesendungen wird vornehmen können; auch die Uebersee-Programme, für deren Uebertragung der tschechoslowakische Rundfunk auf di» Kurzwellen-Sender in Genf, Berlin und London angewiesen war, werden bald von dem eigenen Sender ausgesendet werden können. Die Störung der Sendestationen Brünn und Mährisch-Ostrau durch Auslandsstationen wird von der Internationalen Rundfunk-Union in Genf untersucht. Auf dem Gebiet des Fernsehens wird der tschechoslowakische Rundfunk planmäßig fortschreiten, und zwar gemäß dem Berichte, welchen der Sektionschef 2ng. Strnad, dem Beratungskollegium des tschechoslowakischen Rundfunks erstattete. Da sich das Fernsehen derzeit im Stadium ständiger Versuche befindet, wird der tschechoslowakische Rundfunk die natürliche Entwicklung dieses neuen Zweiges verfolgen und verwerten. Die Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses findet Dienstag, den 21. April, um 18 Uhr statt. Der Außenausschuß des Senates hält Dienstag, den 21. April, um 10 Uhr vormittags seine Sitzung ab. Ausdehnung hetz ostböhmischen Kollektivvrr- trages. Die Beschäftigung«er ostböhmischen Dexti Industrie verzeichnete im- Feber-gegen den gleichen Borjahrsmonat eine teilweise Besserung, die in einer Erhöhung der Arbeiterzahl um 3.5 Prozent und in einer Vermehrung der Webstühle um 10 Prozent zum Ausdruck kommt. Der Durchschnftt der Arbeitszeit erhöhte sich um 7 Prozent. Die Aussichten werden günstiger beurteilt. In den nächsten Tagen wird eine Kundmachung erscheinen, wodurch die Verbindlichkeit der Kollektivverträge in der ostböhmischen Textilindustrie auf weitere 28 Bezirke ausgedehnt wird, so daß insgesamt 55 Bezirke in die Regelung einbezogen sein werden. In den bisherigen 27 Bezirken waren über 42.000 Arbeiter erfaßt, in den neuen 28 Bezirken erstreckt sich die Verbindlichkeit auf 100 Betriebe mit 8000 Arbeitern. Mensch obendrein, der sich verbergen mußte, beim niemals würde Dunaimis den ungeheuren Schlag, den er durch seine Angaben gegen ihn führen Würde, vergessen. Schumann wartete auf eine Stimme, die ihm half. Als Kind hatte er in solchen Fällen gebetet. Unwillkürlich fing er an, die Lippen zu bewegen, aber Gedanken, die kreuz und quer herbeischossen, zerstörten ihm die fast vergessenen Sprüche. Er warf sich aus dieP ritsche,, wst erdrückt pMfMer. schweren Last. Sie wich nicht von seiner'Brust. Der schräg gleitende Blick erwischte die Fetzchen der zerrissenen Photographie. Er schloß di«.Augen davor, aber er bereute«S nicht.„Aeitergehen",! murmelte er vor sich hin,„man muß weikmDW."' Bei diesen Gedanken überwältigte ihn dje Er- schöpfung. Hahdee lag nych immer mit verbundenem Kopf. Aber eS ging ihr schon viel besser. Sogar Verhöre hatte man, schon mit ihr anstellen können. Auch Briefe von Schumann waren ihr ausgehändigt worden, und der behandelnde Arzt war von einer besonderen Freundlichkeit für-.diese sanfte Patientin erfüllt, die so wenig Mühe machte. Zeitungen enthielt man ihr allerdings vor. Besonders seit sie voll waren von den Ereignissen in Rußland! in die auch der„bekannte Wiener Kaufmann und ehemalige Rittmeister Werner Schumann" verwickelt war. Ein besonders findiger Reporter hatte sogar Haydees Spur herausbekommen, aber die Krankenschwester hatte ihn vor der Tür noch abgefangen und seinen Ueberfall vereitelt. Hahdee fühlte sich sehr wohl. Die Schmerzen hatten nachgelassen, durch das halboffene Fenster kam angenehm der Wind. Sie mußte Schumanns Briefe festhalten, damit nicht der eine oder andere von der Bettdecke geweht wurde. Ein großer Brummer hatte sich in der Gardine verfangen und stieß mit einein starken Summton immer wieder gegen die Fensterscheiben, um herabzüpurzeln und. den Aufwärtsflug zwischen Glas und Musselinstoff neu zu beginnen. Seit vielen Jahren sorgte zum erstenmal jemand für Hahdee. Sie kannte sich ausstrecken, alles kam zu ihr und immer wieder entdeckte sie in Schumanns Briefen eine Wendung, die sie zuerst vielleicht zu wenig innig gedeutet hatte. Dann zog sie das Papier ans Gesicht heran und küßte es. Wenn er doch nur schon käme! Alles schien ihr unendlich weit zucückzulie» ejpe RrzsthunL^u M sinn fuhr sie mit den heNvraimest Mr!gern kwU die Lcincndecke. Wie kühl das war! Dann richtete üi^sich etwas auf uird müht« sich, au» dem Racht» kästchen ein Kuvert zu nehmen, das Schumann bei ihr zurückgclassen hatte. Es wär das AnstrMt?staS in einem Umschlag, der über und über mit seinen Schriftzügen bedeckt war, also so eingesponnen, ctls befände eS sich in feiner Hand, verschlossen lag. Das Gitter der Linien sperrte es vollkommen gegen die Umwelt ab, besser als das Papier, das stark und undurchsichtig war. Hahdee nahm das kostbare Gut, legte es auf ihre Brust und bedeckte es mit beiden Händen. Sie wußte nicht, pochte ihr Herz, oder bebte die Goldtraube, die sie an sich drückte. Feierlich begann sie, Worte vor sich hinzumurmeln, die unzusammenhängend einander folgten: „Liebster— hier bist du bei mir, komme doch, ich halte dich, du darfst nicht fortgehen, du mußt lebenbleiben, du mußt zurückfinden, hierher» ich erwarte dich, ich habe dein Leben in meiner Hand, niemand anders hat es, wenn du es finden willst, mußt du zu mir zurück, vergiß das nicht, vergiß mich nicht. Alles andere ist hart und bringt nur Unglück für dich. Ich weiß, daß ich dich liebe und tveiß, daß- du mich liebst. Laß dich nicht fangen, laß dich nicht tüten, ich warte auf dich... Und so murmelte sie endlos vor sich hin. Das sie sonderbar Erschreckende war, daß zwischendurch Laute in diese Beschwörung Hineinflossen, die sie gar nicht kannte, unartikulierte Worte, die ihr muh aus der Kehle kamen und bei deren Aupsprechen sie eine besonders hefttge Innigkeit des Gefühls befiel. Gegen Abend wurde sie unruhig. Sie erkundigte sich häufiger als sonst, ob nicht Post gekommen sei und verlangte nach Zeitungen. Man brachte sie ihr, sorgfälttg ausgewählt, so daß sie keine verräterischen Depeschen las. Aber als die Abendschwester ihren Dienst antrat und maß, zeigte das'Thermometer einen ungewöhnlich hohen Grad. Haydöe fieberte und seichte Schweißperlen standen ihr auf der Stirn. Sir'zög den Doktor Altbauer, der die Visite machte, an ihr Bett heran und flüsterte: „Es geht ihm schlecht, Doktor, es ist irgend etwas, er ist bedroht, und ich bin es zugleich auch. Er wird mich verlassen, er wird nicht wiederkommen." Altbauer drückte sie milde in die Kiffen zurück und erwiderte mit seiner auf Beruhigung trainierten Stimme: „Was reden Sie sich da ein! In drei Wochen sitzt er hier bei Ihnen und hoffenüich nicht aM Bett, denn dann können Sie ihn schon auf der Veranda empfangen. Aber dazu müffen Sie vernünftig sein und schlafen und sich keine dummen Gedanken machen." „Ist denn nichts von ihm angekommen? Seit einer Woche ist die Post ausgeblieben." .„Das kommt doch oft vor bei Briefen aus Rußland. Die werden manchmal unterwegs dreimal geöffnet. Auf die ist jede Postzensur neugierig." „Wollen Sie mir einen Gefallen tun, Doktor?" „Aber gern— was denn?" „Rücken Sie mir doch, bitte, meine kleine Reisetasche da auf einen Stuhl ans Bett." „Aber bitte schön! So— und jetzt wird geschlafen! Gute Nacht." ^Fortsetzung Kügt.)! Nr. 91 Freitag, 17. April 193b Seite 3 tfudetendeutsdter Icitepie^ef Die Arbeitslosigkeit in Nordböhmen Bei den 47 Bezirksarbeitsvermittlungsanstalten, welche der Landeszentürle in Reichenberg unterstellt sind(eine Anzahl dieser Bezirksanstalten untersteht bekanntlich anderen Zentralen) waren Ende März 139.273 Arbeitslose Ende Feber 145.389 Arbeitslose gemeldet. Der Rückgang im Vormonat beträgt also 6116. Gemeldet waren bei den öffentlichen Vermittlungsämtern 9541 freie Arbeits- und Dienststellen, erzielt wurden 8134 Vermittlungen, und zwar u. a. 1698 Bauarbeiter, 1441 Tagarbeiter, 1066 Hilfsarbeiter, 889 Glasarbeiter und 379 Metallarbeiter. Wie groß die Zahl der direkt besetzten freien Stellen ist, entzieht sich der Kenntnis der Bezirksanstalten. Ein Ver gleich mit der Arbeitslosenstatistik aus den letzten Jahren ergibt, daß die Arbeitslosenzahl gegenüber 1935 um 1.873 gegenüber 1934 um 4.610 gegenüber 1933 um 43.099 kleiner war. Im Gegenteil zu den letzten Monaten, in welchen ein ständiger langsamer Rückgang der zeitweise Arbeitslosen beobachtet wurde, die den Staatsbeitrag zur Arbeitslosenunterstützung bezogen, zeigt sich im März eine Erhöhung(allerdings nur um 36) auf 13.319, wogegen jedoch einRückgang der unterstützten gänzlich Arbeitslosen um 2399 festgestellt wurde, u. zw. vor allem bei den Bau-, Glas- und Metallarbeitern. Im ganzen erhielten die Unterstützung 32.383 gänzlich Arbeitslose. Eine teilweise Uebersicht der Entwicklung in den einzelnen Berufsgruppen gibt die nach- l/ei zwei blieben die Zahlen unverändert, bei acht ergab sich eine kleine Erhöhung (um insgesamt 190). folgende Statistik: 1933 1934 1935 1936 Landwirtschaft... «» a 5.744 4.142 4.583 4,542 Bergbau..... N. B 5.197 4.178 3.880 4.143 Tonindustrie.... f•» D 3.772 2.993 2.717 2.746 Glasindustrie... ... ■ 25.844 21.078 16.157 14.795 Metallindustrie.,. ■ a* ■ 14.222 10.592 10.386 9.624 Maschinenindustrie.• ••• ■ 4.012 8.124 2.815 2.885 Holzbearbeitung... ... ■ 6.747 5.603 6.225 5.879 Textilindustrie... .■ K 31.636 24.465 23.524 21.357 Bekleidungsindustrie> ... 5.150 3.436 3.862 4.308 Bauarbeiter.... 19.864 16.283 17.344 16.686 Hilfsarbeiter.... 26.057 21.165 21.453 22.080 Handels- und Industrie angestellte 4.219 4.043 4.417 5.022 Tagarbeiter.... 15.460 11.819 11.714 11.447 Haushaltungspersonal. •.. • 3.934 3.772 3.476 3.174 Bei 17 statistischen Hauptberufsgruppen zeigte sich ein R ü ck g a n g der Arbeitslosigkeit, SdP-Bezirksleiter verhaftet Im Laufe des Donnerstag wurde in Staab der dortige Bezirksleiter der SdP, IosefRüba, verhaftet und dem Bezirksgericht in Staab eingeliefert. Eine Hausdurchsuchung ergab schwer belastendes Material. Grund der Verhaftung war eine Versammlungsrede in Honosih, wo er m i t d e m Einmarsch Hitlers gedroht hatte. Rüba ist bekannt als ehemaliger Dolkssportführer, in welcher Eigenschaft er verschiedene blutige, von den Nazis provozierte Zusammenstöße mit politischen Gegnern am Gewissen hat. Dreitägiger Spionageprozeß vor dem Prager Kreisgericht Vor dem Prager Strafsenat Studnitzka begann Donnerstag die Verhandlung eines Spionageprozeffes, dessen Dauer auf mindestens drei Tage berechnet ist. Wegen des Verbrechens des Militärverrates(8 6 des Schutzgesetzes) sind angeklagt: der 43jährige technische Beamte Adam Böhm aus Tep» litz-Schönau; der 51jährige aus Sachsen stammende und nach Deutschland zuständige Beamte Hermann Reinel; die 41jährige, nach Oesterreich zuständige Näherin Paula Jnnerlohinzer und der 32jährige staatenlose Handlungsgehilfe Josef Uhl. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. Cäslavsky. Da die Verhandlung von Anfang an geheim war, kann über ihren Verlauf nicht berichtet werden. ES handelt sich um Militärspionage zugunsten desDritten Reiches. Als geheimnisvoller Mann im Hintergrund erscheint ein Organ des hitlerischen geheimen Nachrichtendienstes, ein reichsdeutscher Offizier, der nur unter seinem Decknamen„M artin" bekannt und inzwischen spurlos über die Grenze verschwunden ist. Dieser„Martin" betrieb sein Geschäft auch höchst persönlich, namentlich in Westböhmen, wo er unter dem Namen Zeidler aufzutreten Pflegte. Mit diesem Funktionär des deutschen Spionagedienstes wurde der Erstangeklagte Böhm im Dezember 1934 bekannt und stellte sich ihm alsbald zur Verfügung. Er erhielt den Auftrag, allerlei verfängliche Informationen über die Garnisonen im Grenzgebiet zu beschaffen und bekam auch 1000 KL Reisespesenvorschuß. Tatsächlich versuchte Böhm mit Offizieren in Verbindung zu kommen» wobei er allerlei finanzielle Angebote machte, die aus dem Fonds des mysteriösen„Martin" bestritten werden sollten. Dem Angeklagten Reine! fällt einerseits die Vermittlung brieflicher Aufträge an Böhm zur Last, die er an diesen unter dem Kennwort„Alpenrose 454" postlagernd Pilsen weiterleitete, wie auch direkte Beziehungen zu drei weiteren Organen des reichsdeutschen Geheimdienstes. Paula Innerlohinger lebte in Gemeinschaft mit Reinel. Angeblich ist diese Oester- rcicherin seinerzeit aus Deutschland ausgewicsen Korden, worauf sie an Hitler persönlich eine Eingabe um Kassierung des Ausweisungsbescheides gerichtet haben soll. Jedenfalls hat sie seither oftmals die Grenze überschrritten, wie übrigens sämtliche Angeklagten und es besteht der Verdacht, daß die angebliche Persekution seitens der deutschen Behörden nur borgespiegelt wurde, um di« .Jnnerlohinger gegenüber unseren Behörden als harmlos erscheinen zu lassen. Wenig bekannt ist uns über die Tätigkeit des letzten Angeklagten Hermann Uhl, da üb?r di.e.st.».keiker!ei verliAiA. Informationen ppxsie- gcn. und die Anklage unter'Ausschluß der Oef- fentlsthkeit verlesen würde. Wie stets bei geheimen Verhandlungen wird auch bei dieser, erst das öffentlich verkündete Urteil Klarheit schaffen. • rb. Das„Atus-Bundesfest“ vom 4. bis 6. Juli 1936 in Komotau Diese Veranstaltung wird von großer Bedeutung für das sudetendeutsche Gebiet, für die gesamten Arbeiterorganisationen dieses Gebietes werden. Es wird bereits heute mit einer Teilnehmerzahl von 50.000 gerechnet. 13.000 aktw Mitwirkende sind bereits gemeldet. Wir hoffen, daß auch aus den Reihen unserer Gewerkschaften alle diejenigen, denen die Möglichkeit geboten ist, daran teilnehmen werden. Der Eintritt beträgt, wenn die Vorverkaufskarte bis zum 1. Mai bei den Turnvereinsfunktionären im Orte bestellt und bezahlt wurde, 15 KL sür alle drei Tage inkl. Quartier und Eintritt für den Begrüßungsabend. Die Fahrpreisermäßigung beträgt 50 Prozent, allerdings ist dazu ein Ausweis entweder des Atus oder des Arbeiter-Rad- und Kraft- fahrervevbandes, der Naturfreunde, der tschechischen Arbeiterturner(DTJ), der tschechischen Touristen oder der tschechischen Radfahrer notwendig. VI« Erbauung von Kleinwohnungen In Komotau auf Grund des Gesetzes Nr. 65/1936, das die Errichtung von Wohnräumen für Arme und Arbeitslose vorsieht, wird laut Stadtratsbeschluß vom 14. April vorgenommen werden. Die Wohnungen sollen mit staatlicher Garantie und Beitragsleistung errichtet werden; die Verhandlungen mit dem Ministerium und mit der Landesbehörde werden sofort ausgenommen. Zur Ermittlung des entsprechenden Baugrundes wird eine eigene Kommission eingesetzt. Es sollen 100 Wohnungen erbaut werden, in denen der monatliche Mietzins 60 bis 70 KL betragen würde. Dadurch könnte einem drückenden Uebel in dec Stadt abgeholsen werden, denn viele Arbeitslose und Kurzarbeiter sind nicht imstande, hohe Mietzinse zu zahlen. Tie Folge ist, daß die Arbeits- lcsenfamilien, zu denen oftmals viele Kinder gehören, in elenden, ungesunden Löcherrn und Baracken Hausen müssen, wodurch Gefahrenherde für die Gesundheit der Kinder entstehen. Es könnten mit der Durchführung dieses Beschlusses auch eine Reihe von Arbeitslosen beschäftigt werden, die seit Jahren keinen Groschen mehr verdient haben. So sieht man auch hier/ daß sich die konstruktive Politik unserer Partei zugunsten der Aermsten unserer Klasse und für das öffentliche Wohl auswirkt. Unsere Gewerkschaften für die Maifeier Im Anhang an den Aufruf des„Internationalen Gewerkschaftsbundes" zum 1. Mai, den wir bereits veröffentlicht haben, erläßt die Zen- tralgewerkschastskommiffion des Deutschen Gewerkschastsbundes(Reichenberg) folgende Verlautbarung an die Mitglieder aller Verbände: In allen Ländern rüsten die gewerkschaftlich und sozialistisch organisierten Arbeiter und Angestellten zur Feier des ersten Mai. Da dürfen die Mitglieder unseres Deutschen Gewerkschaftsbundes nicht zurückbleiben. Sie müssen mitwirken daran, daß auch bei uns zu Lande die heurigen Mai-Kundgebungen machwoll verlaufen! Zu den schweren Bedrängnissen der sechsjährigen Wirtschaftskrise kommt in diesem Lahre noch die von den faschistischen Diktaturstaaten hervorgerufene politische Beunruhigung der Welt. Da gilt es, eindrucksvoller als jemals seit dem Ende des Weltkrieges, gegen die Bedrohung des Friedens aufzutreten. Immer offener treibt die Politik des Faschismus zum Kriege. Italien überschüttet schon seit Monaten ein Land und Volk Afrikas mit Bomben und treibt seine eigenen Söhne in mörderische Vernichtungsschlachten. Adolf Hitler zerreißt, unter heuchlerischen Friedensbeteuerungen für die Zukunft, die von Deutschland selbst anerkannten Verträge mit den West-Staaten, die der Sicherung des Friedens dienten. Auch in unserer Republik rühren sich die Feinde der Demokratie, insbesondere in den deutschen Gebieten wird die berüchtigte Gleichschaltung des gesamten öffentlichen Lebens nach dem Muster des Dritten Reiches versucht, die sich vornehmlich gegen die freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter und Angestellten, deren Bestrebungen und deren Organisationen richtet. Darum auf zur Maifeier, für Organisationsfreiheit, für wirtschaftlichen Aufbau, für Frieden und Sozialismus! ALPA WWWWIWWWW Franzbranntwein bei Kopfschmerz u. Ermüdung Achten Sie mehr auf die Qualität als auf den Preis I Alpa wird aus reinem Weingeist erzeugt. Der Internationale Jugenddienst hat soeben seinen Jahresbericht herausgegebcn, der von erfolgreicher Arbeit kündet. Es wurden im Jahre 1935 nicht weniger als 3366 Tausch- und Kostplätze für Kinder und Jugendliche vermittelt, die ihre sprachlichen Kenntnisse vervollkommnen wollten. Im allgemeinen melden sich mehr tschechische Kinder zum Austausch an als deutsche. Angemeldet wurden 1935 im ganzen 7468 Kinder und Jugendliche für Tausch und Kost. Die Zahl der Unterkunftsmeldungen zum Zwecke der sprachlichen Vervollkommnung ist aus deutschen Familien viel größer als aus tschechischen.— Wer über die Arbeit des Internationalen Fugenddienstes mehr erfahren will, wende sich an die Kanzlei des Internationalen Jugenddienstes, Prag II., Vorsilskä 2. Die nationale Zugehörigkeit der Staats- angestellten in Eger» Komotau, Gablonz und Rrichenberg. Nach den letzten statistischen Erhebungen waren in Eger 69 deutsche und 63 tschechische Postangestellte, 185 deutsche und 95 tschechische Eisenbahner, in der öffentlichen Verwaltung und bei Gericht 251 Deutsche und 116 Tschechen tätig. In Komotau 54 deutsche und 39 tschechische Postler, 157 deutsche und 135 tschechische Eisenbahner, bei Gericht und in der öffentlichen Verwaltung 146 Deutsche und 68 Tschechen. In Gablonz 43 deutsche und 48 tschechische Postler, 56 deutsche und 36 tschechische Eisenbahner, Gericht und öffentliche Verwaltung 85 Deutsche und 77 Tschechen. In Reichenberg 93 deutsche und 93 tschechische Postler, 85 deutsche und 61 tschechische Eisenbahner, bei Gericht und in der öffentlichen Verwaltung 186 Deutsche und 157 Tschechen. Fremdenverkehr als Unterricht-gegenständ. Die Prager deutsche Handelsakademie hat für die Hörer und Hörerinnen des Exporthandelskurses und des Abiturientenkurses im zweiten Semester des heurigen Schuljahres Fremdenverkehrswesen als Unterrichtsgegenstand versuchsweise eingeführt. Heuer werden insgesamt vier Stunden diesem Thema gewidmet, im nächsten Schuljahr will man Fremdenverkehrswesen als ständigen Unterrichtsgegenstand zumindest für den Exporthandelskurs einführen. Atusturner! Atusturnerln! Sag es dem nächsten Parteigenossen, der nächsten Parteigenossin, daß: das 3. Bnndesturnfestdes Atus ein Aufmarsch allerSozialistrn fein wird; daß: auch alle Parteimitglieder und Freunde deS Atus bis 1. Mai die 25 Prozent ermäßigte Danerfrstkarte erhalten; daß: du die B e st e l l« n g übernimmst; daß: zur Bestellung der ermäßigten Daucr- festkarte nurnoch!4Tage Zeit ist. Zählung der Arbeitslosen Im Sozialen Institut in Prag sprach Donnerstag der Abteilungsvorstand des Staatlichen statistischen Amtes Dr. G. Reif über die Arbeitslosenstatistik. Nach einer Darstellung der derzeitigen Situation machte er Mitteilungen über die vorbereitenden Arbeiten zu der vom Fürsorgeminister unlängst angekündigten einmaligen genauen Arbeitslosenzählung. Diese wird aus zwei Teilen bestehen: Einerseits wird die Gesamtziffer der Arbeitslosen im ganzen Staate(selbstver- ständlich gegliedert nach den einzelnen Bezirken) festgestellt, andererseits wird eine sogenannte repräsentative Zählung vorgenommen, die sich auf je einen industriellen, einen landwirtschaftlichen und einen gemischten Bezirk erstrecken wird. Auf diese Weise soll der dringenden Forderung nach Feststellung des wirklichen Umfanges der Arbeits- ldsigkeit'''und ihder/wichtigsten Merkmale entsprochen werden. Der Vortragende wies darauf hin, daß wir so lange keine genaue und vollständige Statistik haben werden,, so lange nicht die einheitliche Arbeitsvermittlung und die Arbeits- losen-Pflichtversicherung verwirklicht werden. Er schloß seinen Vortrag mit dem Wunsch, daß wenigstens die Organisation der Arbeitsvermittlung realisiert werden möge, bevor die Pflichtversicherung eingeführt werden kann. Alte und altes für den Reichsjusendtasl Der Werbestreifcn für de« RJT„Ans dem Zahr der Kameradschaft in das Jahr des Reichs- jngendtages" hat die größte Begeisterung ans- grlöst. Er wnrde bereits fast in allen Gruppen vorgeführt. Unsere Genossen aus dem Gebiete Neuhaus und N e ü b i st r i tz, denen durch ihre schlechte Verbindung alle technischen Möglichkeiten fehlen, habe« sich s e l b st eine» Lichtbilderapparat gebaut, um den Lichtbildstreifen über den RJT vorführen zu können. Vie„Konferenz" Genfer Stimmungsbild Seite 4 Freitag, 17. April 1936 Nr. 91 Italienische Greueltaten und Greuelberichte Das amtliche italienische Nachrichtenbüro gibt eine Meldung aus, in der der Arbeiter Emilio S a l v e t t i über abessinische Greueltaten berichtet. Abessinier hätten ihm ein rotglühendes Messer in den Schenkel und in die linke Hand gestoßen und seien vor weiteren Grausamkeiten nur durch den Anmarsch der italienischei/Truppen gehindert ivorden. Angesichts dics^ Greueltaten der italienischen Kulturbringer ist es zweckmäßig, an die verbrechen zu erinnern, die die. Faschisten an ihren eigenen Volksgenossen begangen wurden. In der berühmten Blutnacht von Florenz haben 18 Menschen ihr Leven eingcbüsrt, 46 wurden schwer verwundet. Ter Freund eines Frri- maucrö, Becciolini, hatte sich der Verhaftung seines Freund«^ mit dem Revolver widersetzt. Er wurde auf die Straße geschleift und bestialisch ermordet. Die Faschisten suchten nach einer Proskriptionsliste zehn gänzlich unbeteiligte Männer in ihren Wohnungen auf. Die Wohnungen wurden zerstört, die Männer ermordet oder halb totgeschlagen. Der sozialistische Abgeordnete P i l a t i, ein Krirgsinvalider, wurde im Bett erschossen, und zwar in Gegenwart der Frau und des vierzehnjährigen Sohnes. Nach der Ermordung Pilatis suchten die Faschisten die Wohnung des sozialistischen Advokaten Console. Consoles Frau warf sich den Faschisten zu Füßen und bat nm das Leben ihres Mannes, die Kinder küßten die Schuhe der Mörder und baten mit aufgehobenen Händen, ihren Batcr zu schonen. Der Vater wurde vor den Augen seiner Angehörigen ermordet.— Später wurde eine achtzehnjährige Lehrerin nackt durch die Straßen getrieben, nachdem man ihr Rhizinusöl zu trinken gegeben hatte. Die Heime der Arbeiter wurden nirdergebrannt. Vie Nazifeme in Steiermark Wieder ein Todesopfer Graz. Der 33jährige Wiener arbeitslose Fleischhauergehilfe Franz Mach, Angehöriger der nationalsozialistischen Partei, gab Mittwoch abends in St. Peter bei Graz einige Schüsse gegen den pensionierten Offizier Johann T r o ch ab und verletzte ihn tödlich. Mach wurde verhaftet und gestand, die Tat aus politischen Gründen begangen zu haben. ver„abgestürzte“ Eckener Goebbels Totschweigegebot auch von Göring respektiert London. Mr' Berliner Reute^-ÄctTd,le'rffn ft** ter teilt mit, daß Ministerpräsident Göring wön seinem 50 Kilometer von der Reichshauptstadt entferntem Gute nicht nach Berlin zurückgekehrt ist, was den Freunden Tr. Eckeners Anlaß zu der Vermutung gibt, daß der preußische Ministerpräsident nicht die Aufhellung der Gerüchte wünsche, wonach Dr. Eckener in Ungnade gefallen ist. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Eckener wird nach Friedrichshafen zurückkehren müssen, ohne zu der Weisung eine Aufklärung erhalten zu haben, die Propagandaminister Göbbels in dieser Angelegenheit der deutschen Presse gegeben hat. Es besteht die Auffassung, daß die Angelegenheit vertagt wird, damit das Ausland inzwischen vergesse. für Hitlers Gesundheit Kirchen aus Menschenkot Wir lesen in der„Wahrheit": „Hochgestellte katholische Priester sowohl in Berlin Ivie auch in anderen Teilen des Nazireiches haben vor und nach der deutschen Wahl Bittgottesdienste für Hitlers Gesundheit veranstalten lassen. An einigen Stellen sogar acht Tage lang. Gerade zu der gleichen Zeit berichtet die in Amsterdam erscheinende katholische Zeitschrift„Der neue Weg" von einem Besuch ihres Vertrauensmannes bei dem Pater Spieler im Konzen t.r a t i o n s l a g e r E st e r w e g e. Da heißt es:„Man konnte in ihm wirklich keine» Pater erkennen. Er hatte Unmenschliches erlebe» müsse». Das Gesicht war rot und blau geschlagen und beide Hände hat er verbunden. Man wollte ihn zwingen, einen erschossenen Juden mit kirchlichen Zeremonien zu beerdigen, was Pater Spieler natürlich ablehnte. So zwang man ihn, dem toten Juden das Grab zu schaufeln und den Leichnam hineinzuwcrfcn. Dana stieß man Pater Spieler in die Grube auf den Leichnam» zog ihn wieder heraus und ließ ihn das Grab zuschau- frln. Es ist unmöglich, all die Ouälerrien aufzuzählen, denen man den Jesuitenpater unterwarf. Man zwang ihn, aus Menschenkot Modelle von Kirchen zu formen und wälzte ihn dann selbst durch den Kot." Auch Bulgarien rüstet auf? Sofia. Bisher ist es nicht bekannt, welche Folgen der türkische Schritt auf das Verhalten Bulgariens insoweit es sich um ditz. Militärklauseln des Neuillycr Friedensvertrages handelt, haben wird. In Sofioter eingeweihten Kreisen erhält sich jedoch bereits Mehrere Tage hindurch hartnäckig das Gerücht, daß es nicht ausgeschlossen sei, daß am 6. Mai aus Anlaß der großen Frühjahrs-Truppenschau in Sofia eine Proklamation militärischen Charakters ausgege- bcn werden wird. Dem Flammentod entrissen Mutige Tat eines Arztes Jglau Als der Jglauer Arzt Dr. Hermann Mittwoch um 23 Uhr im Automobil auf der Fahrt von Prag die Gemeinde N e u- Pfauendorf passierte, sah er aus einem an der Staatsstraße gelegenen Bauernhof Flammen herausschlagen. Die Bewohner des Hauses, das dem Landwirt Kuöera gehört, schliefen nichtsahnend. Erst nach einer Weile gelang es dem Arzt, sie zu wecken.. Kurz darauf eilte die Frau mit den Kindern auf den Armen aus dem bren- neAden Hause, während der Landwirt das Vieh aus dem Stalle führte. Als die Flammen bereits das ganze. Dach erfaßt halten uyd die'Gemeinde- bewohner zusammenliefen, begann die Suche nach zivei alten Ausgedingern, welche in d'em gleichen Haufe wohnten. Dem Arzt gelang es, auch diese noch aus dem raucherfüllten Zimmer, in dem bereits die Decke brannte, zu retten. Das Haus wurde durch den Brand bis auf die Grundmauern vernichtet.. Starhemberg, Piccaver und der Indianerkrapfen In Wien soll kürzlich folgendes passiert sein: Eines Abends kam der edle Rüdiger besonders„heiter"— von diesem Worte stammt „angehestert" ab— in eine Bar. In jener Stimmung, in der nach der Meinung gewisser Weancx„etwas g'scheh'n muaß", bestellte der würdige Nachfahre des Wienbefreiers-var nicht etwa Türkinnen für seinen Harem, wohl aber etliche Indianerkrapfen, auch Mohrenkrapfen genannt, und begann, goldig scherzend, diese schokoladenen Kugeln mit weißer Fülle ins Publikum zu werfen. Wie gesagt: in jener sü-. ßen, drolligen Laune, die seinerzeit die„Mu- latschags", österreichisch-ungarischer Offizier so apart und berühmt gemacht hat. Ei..es der Geschosse nun aus fürstlicher Hand traf keinen Ge- ringeren,als Herrn Alfred Piccaver, seines Zeichens Tenor an der Wiener Staats- oper. Nun ist dieser Mann zwar gewöhnt, auf der Bühne einen Dolch zwischen die Rippen zu kriegen, nicht aber in einem Vergnügungslokal Schokolade und Schlagsahne auf den Smoking. Und deshalb sprang er auf und bezeichnete die Handlung des feschen Rüdiger laut so, wie auch wir sie bezeichneten, wenn uns nicht der Respekt vor dem Zensor von dieser Wiederholung zurückhielte. Was macht aber ein fiirstlicher Charakter in Neu-Oesterreich, wenn irgend- jemand seinen Uebernutt sich nicht gefallen läßt? Er schreit— so wird es uns wenigstens in diesem"Fall in betreff des großen Rüdiger berichtet~ laut u d" und. verlangt, wenn auch .jnMschen, vielleicht schon ilüchtern geworden, daß der Getroffene und Betroffene sofort von der ganzen Macht, die hinter Starhemberg steht, nämlich von der österreichischen Regierung in die Flucht geschlagen werde. Weiß der Teufel, ob das nicht auch gelungen wäre, zumal Herr Alfred Piccaver wirklich Jude ist. Anderseits aber ist dieser Sänger amerikanischer Staatsbürger und deshalb wohl vor allem wurde, so wird weiter erzählt, dem Witze- kanzler bedeutet, daß man einen fest fünsmrd- zwanzig Fahren um die Wiener Opernkunst hochverdienten Mann doch nicht einen Saujuden nennen und abschieben könne, weil er den fürst, lichen Indianerkrapfen nicht als ewige Erinnerung an Oesterreichs Erneuerung still und glücklich als besonders teures Andenken an seine Künstlerlaufbahn aufhob. Kurzum: die Geschichte änderte, so kraus sie auch manchem in den Ohren klingen mag, nichts an dem status quo im österreichischen staatsmännischen und Opernleben. Aber die letzten Tage der Menschheit wären immerhin um eine Episode reicher. Sensationelle Gräberfunde in Aegypten. Professor Hassan machte am Mittwoch durch Aufdeckung einer altäzyptischen Grabstätte einen neuen sensationellen Fund, dem dritten im Verlaufe der letzten drei Wochen. Professor Hassan, der in den Pyramiden arbeitet, fand zum erstenmal ein unbeschädigtes Grab. Am Dienstag fand Professor Hassan das beraubte Grab des höchsten Beamten nach dem Könige Schefren und Provin- zialgouverneürs. Das Grab ist an 5000 Jahre alt und sein Ueberbau ist mit schönen roten'und schwarzen Figuren und Opferszenen geschmückt. Rund um die Grabstelle liegen die Gräber der Familienmitglieder des höchsten königlichen Würdenträgers, von denen eines in gänzlich unbeschädigtem Zustande aufgefmiden wurde. Ein zweites Grab, welches Professor Hassan in der letzten Zeit fand, ist das des Hohen Priesters des Königs Micharenus/des Baumeisters der dritten Pyramide. Professor Hassan ist bisher noch nicht weiter als bis zur Kapelle vorgedrungen. 60.000 Delegierte nehmen an dem eben begonnenen Zweiten Allindischen Nationalkongreß teil. Er begann mit einer Zweiminutenstille zum Gcdächüüs der vor 17 Jahren in Amritsar auf Befehl des englischen Generals Dyer zusammenzeschoffenen Inder. Bald aber versuchten einige hundert Sanatanisten, Angehörige der höchsten Kaste, einzudringen, um die Beschlußfassung über die Errichtung eigener Tempel für die„Unberührbaren" zn verhindern. Freiwillige Ordner wiesen sie zurück. Pandit Ja- waharlal Nehru, der Präsident, verließ seinen Sitz und eilte zum Tor, um Frieden zu stiften. Später kamen die Sanatanisten verstärkt wieder und erst nach heftigem Kampf konnten Ordner und Zu-i schauer die Fanatiker abweisen. Georg Reimers gestorben. In Wien ist der Burgtheater-Schauspieler Georg Reimers im Alter von 76 Jahren gestorben. Georg Reimers wurde im Jahre 1860 in Altona geboren. Seine Eltern befrieden in Hamburg ein Fuhrgeschäft. Schon mit ’T& Jirhttn'gkhörke Meimers einer schleSwig-hvlstem- sche» Wandertruppe an. Später kam er nach Dresden ans Hostheater. Anläßlich eines Gastspieles in Dresden entdeckten Friederike Bognar und Friedrich Mitterwurz^ das Talent Reimers' und bewirkten seine Berufung nach Wien, wo er vorübergehend im Carl-Theater spielte und im Jahre 1888 ans Burg- theater kam. Hier wurde er durch seinen Ferdinand in.Kabale und Liebe" berühmt. Von nun an stieg er von Stufe zu Stufe. Reimers' bedeutendste Rollen in den letzten Jahren waren der Wallenstein, Juda(Die Makkabäer), Hagen(Nibelungen), Othello, Götz von Berlichingen, König Lear, Sigismund(Das Leben ein Traum). Georg Reimers, dessen Anfänge noch in die Glanzzeit des„alten Durgtheaters" der Sonnenthal, Lewinsky, Mitter- wurzer, Baumeister zurückreichen und der später mit Kainz auf der Bühne stand, erschien der Generation der Rachkriegsperiode schon als Repräsentant des alten Burgtheaterstils, obwohl er selbst schon einer neueren Richtung zugehörte, von der die Kenner des wirklich„a l t e n" Burgtheaters behaupteten, sie sei bereits Verfall. Immerhin war er einer der Träger einer großen, nur langsam verblassenden Tradition und wenn auch seine Sprache den Tonfall und die Härte des watcrkant'scheu Platt nie ganz los wurde, hat er sich doch in der Wiener Luft heimisch gefühlt und hat zum Bilde des kulturellen .Wien gehört, das mit ihm eine markante und wür-. dige Figur seiner Spärblme verliert... Mord in der Hypnose. In. einer ungarischen Proviitzjladt■ lom es während der Tarbierungerk eines Hypnotiseurs auf. der Bühne eines Kabaretts zn einem tragischen Zwischenfall. Der Hypnotiseur riek wie üblich jemand aus dem Publikum auf die, Bühne. Es meldete sich ein gewisser Szany. Erwürbe hypnotisiert und es wurde ihm suggeriert, daß ein Nebenbuhler sichals dieser nicht wieder aufstand, stürmte man die Bühne und stellte fest, daß der Stich ihn ins Hergetroffen hatte. Szany wurde von einem herbeigerufenen Arzt aufgeweckt und konnte sich tatsächlich an nichts erinnern. Eine Fra» am Galgen. In Birmingham wurde Donnerstag früh die 84-Jahre alte Krankenpflegerin Waddingham,- Mutter von fünf Kintz-er-n, hing eri-cht-et.- Sie wurde deshalb zum Tode verurteilt, weil- sie- eine kranke Frau vergiftet hatte, die ihr zur'Pflege anvertraut wurde und die dann in ihrem Testament ihr Vermögen der Krankenpflegerin Waddingham vermacht hatte. Die letzte Frau, die in-Großbritannien hingerichtet worden ist, war Mistreß Major, die ihren Gatten vergiftet hatte und im Dezember des Jahres 1934 hingerichtet wurde. ' Schlechtwcttcr in Sicht. In unseren Gegenden'dauert bei südlichem Wind noch überall das warme Wetter an. Ein Ausläufer der über dem Rheingebiet liegenden Druckstörung hat gestern in der Republik wieder nur hie und da leichte Regenschauer gebracht, in Uzhorod trat nachmittags ein Gewitter auf. Sonst blieb es»roch im ganzm schön und die Temperatur stieg quf 19 bis 21 Grad Celsius mr. v Dagegen herrscht in Westeuropa sehr kühles und regnerisches Wetter. In Frankreich wurden nm 14 Uhr an vielen Orten nur fünf Gmd Celsius verzeichnet. Heber Italien bildet sich nunmehr eine tiefe Druckstorung aus, hinter welcher die kalten Luftmassen unter Wetterverschlechterung auch über das Binnenland Vordringen dürften.— Wahrscheinliches, Wetter heute: Zunächst Andauern des war-. meN, aber unsicheren Wetters, stärkere lokale Wetterttnterschiede. Im- Westen- später Rebergang zu kühlerem und schlechterem Wetter,,.^.Wetteraussichten für morgen: Vom Westen her fortschreitende Abkühlung, namentlich im mittleren Teil der Republik regnerisch. Im Osten noch warm. Vom Rundfunk (■ptahleniwarlu aus du Progriaau l Samstag Prag, Sender L.: 10.08: Deutsche Presse. 11,05: Schallplattenkonzert. 13.40:. Aus dem„Rosenkavalier". 16.50: Rundfunk für die Jugend. 17.55: Deutsche Sendung: 300 Jahre Klaviermusik. 18.20: Halbes Stündchen egerländisch. 18.45: Deutsche Presse. 22.15: Leichte Musik.— Dender S.: 7.30: Leichte Musik. 14.10: Deutsche Sendung: Klarinettenlieder. 14.84: Kulturrelief. 14.50 Deutsch« Press«, 18.00: Schallplatte». 19.15: Caruso auf Schallplatte».— Brünn: 17.40: Deutsche Sendung: Schrammelkonzert. 22.30: Tanzmusik.— Preßburg: 12.35; Mittagskonzert. 19.40: Geigenkonzert.— Kascha«: 16.20: Rundfunkorchesterkonzert. 20.15: Zigeunermusik.— Mährisch-Ostrau: 19.15: Lustige Musik. Wieder zwei Nelson-Tote. Im Nelson- Schachte stieß man bei der Gewältigung einer Ab-. bausttecke auf zwei Tote. Es handelt sich nm den 39jährigen Häuer Wilhelm Schmidt, der verheiratet und Vater von fünf Kindern war, und um den 39jährigen Häuer Karl Suchopar, der eben-. falls verheiratet und Vater von drei Kindern war. Beide waren in Ossek wohnhaft. Von deck 142 im Nelson-Schachte verunglückten Bergleuten sind 63 noch nicht geborgen. Ein Sudctendeutscher in den Alpen abge- stürzt. Bei einer Skipartie am Hochkönig stürzte am Mittwoch der 39jährige Architekt Franz Hochsiedl ays Falkenau an der Eger in eine Tiefe von 70 Meter. Er wurde schwer verletzt geborgen und in das Salzburger Krankenhaus überführt. Der Alkoholteufrl. In der Gemeinde Lazy in Karpathorußland starb Mittwoch nachmittags an den Folgen einer Alkoholvergiftung der 47- jähxige Ivan Kornas, Vater vonvierun- versorgten Kindern. Seine Gattin Maria und deren Schtvester Jevka Drbalova sowie auch die vier Kinder sind ernst erkrankt, doch sind sie nach der ersten Hilfeleistung durch den Distriktsarzt in Rijni Verecky außer Gefahr. Die ganze Familie war am Osterdienstag nach der Nachbargemeinde Miskarovice gegangen, wo sie alle in Gesellschaft von zehn Personen denaturierten Spiritus tranken, der aller Wahrscheinlichkeit nach aus'Polen geschmuggelt! > worden war. Audi hinter der abessinischen Kampffront wird Fußball gespielt Während an den Fronten in Abessinien die heiße Schlacht wbt, geben sich die Fußballspieler in der italienischen Armee, sofern sie in Ruhe find, ihrem geliebten Sport hin. Natürlich spielt sich dieser Kampf auf heißem Wüstensand unter einfachsten Bedingungen ab; aber das kann eingefleischte Fußballer nicht in ihrem Tatendrang hemmen Kameraden und Eingeborene sind dabei begeisterte Zuschauer. Nr. 91 Freitag, 17. April 1936 Seit« 5 ^)^s^ctsckast uml äoLialpoLM kür Dörscancr gibt cs keine Krise Kurssteigerungen an der Prager Börse Aus dem kapitalistischen Gegenwartbild leuchten einige grelle Züge hervor. Ter Aufschwung der industriellen Weltproduktion, die mit dem Stand im März 1936 die Höhe von 1929 überschritten hat, hat den ungeheuren Umfang der Massenarbeitslosigkeit nur in wenigen Ländern merklich mildern können. Mindestens 25 Millionen Arbeitslose auf der Erde sind mit ihren hungernden Familien noch immer die unmittelbaren Opfer der Weltkrise des kapitalistischen Systems. Ihre Erschütterungen lassen auch auf politischem Gebiete die Gefahr einer neuen großen Katastrophe ünmer näher rücken. Alle Länder der Erde sind nur noch Lagerungsplätze für Waffen, Munition und anderes Kriegsmaterial. -In jedem einzelnen Lande verhindern die Aufwendungen für die gewaltigen militärischen Anstrengungen die Erfüllung sozialer Verpflichtungen gegenüber den Millionen Bürgern, die unter der Not dieser Zeit am stärksten zu leiden haben. Aber alle diese Erschütterungen, die massenhaften Aeußerungen der tiefsten sozialen Not vermögen eine Bevöllerungsgruppe nicht aus ihrem alltäglichen Streben herauszureißen: die kapitalistischen Gewinnjäger l An allen internationalen Börsen ist Hochstimmung. Kapitalisten und Spekulanten verdienen en gros. Auch in Prag. Als Beweis für die zum Teil Phantastischen Kurssteigerungen, die in den ersten Monaten dieses Jahres zu verzeichnen sind, geben wir den Kursstand einiger Papiere vom 15. April 1936 und vom 28. Dezember 1935 wieder. Es betrug der Kursstand am: 15. IV. 1936 28. XII. 1935 Zu nähme Ferdinands-Nordbahn . 6295 4940 +1355 Böhmisch-Zucker. . 820 682 + 138 Schüller.... g . 2425 1930 + 495 Nussiger Chemie. g . 1240 1050 + 190 Sellier& Bellott. g , 2460 2030 + 430 Königshofer... . 1398 1154 244 Ringhoffer... g » 855 590 + 265 Berg& Hütten. V , 2940 2245 + 695 Böhmische Handels g . 2435 1888 + 547 Poldi.... , 952 785 + 167 Tux-Bodenbacher. g . 1140 970 + 130 Prager Eisen.. v . 1320 950 + 370 Skoda,....... 1387 + 163 Es haben seit dem Ende des vorigen Jahres die Kurse der verschiedenen Aktienpapiere«ine Steigerung bis zu über 40 Prozent erfahren. Da- heißt als», daß die Kapitalisten und Börsenspekulanten in den ersten dreieinhalb Monaten 1930 Millionengewinne eingestrichen haben und auch der weiteren Zukunft mit den besten Hoffnungen rntgrgrnsehen. Rascher als die Beschäftigunzskurve, viel rascher als die Löhne und Gehälter der Arbeiter und Angestellten steigen die Profite aus der Produktion und die Spekulationsgewinne aus dem wilden Treiben an der Börse. Die Kurse mancher Industrie-Aktien liegen heute schon bedeutend höher als vor Beginn der letzten Wirtschaftskonjunktur im Jahre 1927. Es ist für die Arbeiterschaft lehrreich und für manche Stellen im Staate nützlich, dieser Entwicklung die sorgfältigste Beachtung zu schenken. üusüuut Vas wird mit dem Negus? (A. P.) Seit einiger Zeit wird der Negus von einer Reche von Stammesfürsten unter Druck gesetzt, die seine Abdankung zugunsten seines Sohnes Asfaou-Wofsen betreiben. Diese Bemühungen datieren schon von den ersten Niederlagen her.'Es handelt sich um dieselben Würdenträger, die lwm Negus wegen seiner Zögertaktik und seiner Bevorzugung des Guerillakrieges Feigheit verwarfen und ihn daher nötigten, sich selbst zur offenen Feldschlacht zu stellen und somit zu tun, was er zuvor an seinen Unterführern kritisiert und ihnen zum Borwurf gemacht hatte. Es verlautet, daß Haile Selassie sich in der Tat mit dem Gedanken trage, zugunsten seines Sohnes zu verzichten, falls die Situation gänzlich auswegslos werden sollte. Der Thronprätendent ist jetzt 20 Jahre alt. Er wurde 1916 geboren. Die Beziehungen zwischen Vater und Sohn werden als nicht gut geschildert. Um dies zu verstehen, muß man sich kurz mit den für Abessinien typischen Hofintrigen befassen.^ Es gab dort seit altersher zwei mächtige Cliquen, die Gruppe Makonnen und die Gruppe Michael. 1911 beschlossen Ras Michael und Ras Makonnen, die damals die mächtigsten Stammesfürsten waren, ihre Kinder, also den jetzigen Negus und seine Frau, zu verheiraten. Durch diese politische Heirat wurden aber die Zwistigkeiten zwischen den beiden Häusern nicht befestigt. Die Kaiserin, Tcchter des Ras Michael, hielt zu den Freunden ihres Vaters und legte auch die Erziehung ihres Sohnes in deren Hände. So war der Thronfolger von frühester--Jugend«ufnunter einem Einfluß, der gegen seinen Vater gerichtet war. Mit seinem jüngeren Bruder Makonnen stand es anders, und. der Negus bevorzugte ihn offensichtlich, so daß sogar einmal das Gerücht austauchte, daß Asfaou zugunsten des jungen Makonnen auf die Thronfolge verzichten würde. Der abessinische Kronprinz war aber auch be- steundet mit seinem Schwager, Ras Gugsa, der zu den Italienern überlief? und es heißt, daß auch nach dessen Ueberlaufen die Beziehungen durch geheime Boten weiter aufrechterhalten wurden. Wäre dies zutreffend, so würde dies bedeuten, daß die' italienischen Einflüsse indirekt bis in die Hofkreise reichen würden und der Negus allüberall l von Verrat umlauert ist. Wenn Asfaou den Thron besteigen würde, so hieße dies/daß die Macht automatisch an die Gruppe Michael überginge, die auf seine Erziehung so großen Einfluß genommen hat. Die Chancen des jungen Menelst, der in Fran- zösisch-Somiland zurückgezogen lebt und außerdem mohammedanisch ist, treten dahinter zurück. Eine Zeit lang hatte steilich die Michael-Clique auch auf ihn gesetzt. So machen sich die Folgen der Niederlage in zahlreichen Jntrigien bemerkbar. Die Ras drängen auf Frieden, und sie erklären, daß Asfaou nach der Abdankung des Negus mit den Italienern Frieden machen werde. Es wäre dann nur noch ein Negus von Italiens Gnaden, selbst wenn er sich in der heiligen Stadt Aksum krönen ließe. w Bulgarien und die Revision. In dem offiziellen Organ„Dnes" ist eine Kundgebung des Ministerpräsidenten Kuseivanow erschienen, wonach die Regierung bei der ersten Möglichkeit zum Verfassungsregime, wie es im Zarenmanifest vom 24. April 1925 versprochen wurde, zurückzukeh- ren beabsichtige.— In der Zeitung„Dnjewnik" ist ein Aufsatz unter dem Titel„D e r bulgarische Soldat-muß zumKriege bereit sein" erschienen, der allgemein als von der Regierung inspiriert angesehen wird und darum großes Aufsehen erregt. Alle unsere Nachbarn, heißt es dort, setzen ihre Aufrüstung fort, trotz der Verträge, die ihnen die Sicherheit garantieren. Wir können ihrem Beispiele nicht folgen, aber wir müssen an unsere eigene Sicherheit denken. Die bestehenden Verträge müssen re- v i d i e rt werden, unsere Armee aber müsse zur Verteidigung des Vaterlandes bereit sein. Japan und Nordchina. An den Tokioter politischen Kreisen wird mit großer Energie der Abschluß einer Militävallianz mit Nordchina betrieben. Diese Allianz hat die Bekämpfung des Sowjeteinflusses in China zum Zweck und wird in den japanischen Kreisen als würdige Antwort auf die mongolisch-russische Allianz betrachtet. Nanking werde, meint man in Tokio, bestimmt dagegen Einspruch erheben, aber man kümmert sich seit langem in Tokio nicht mehr um Nankinger Proteste. Französische und englische Stimmen zum fran- zöstschm Plan. Der bekannte Publizist Wladimir d'O r m e s s o n schreibt im„Figaro": Die Veröffentlichung des sranzösischen Planes sei schon deshalb schädlich, weil er die internationale Oeffeni- lichkeit von dem gewalttätigen Akt des 7. März ablenke. Wir seien diplomatisch noch immer in der „Locatnophase" des Konfliktes, psychologisch führe uns aber der französische Plan aus dieser Phase heraus.„Jntransigeant": Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Sympathien Englands allmählich auf festen Deutschlands übergehen. Indem Eden die Schwächung und Erniedrigung Italiens betreibe, schwäche er jenen Staat, der', allein die Wacht am Brenner halten könne.„Paris Midi": England wäre nicht imstande, nist solcher Leidenschaft seine anttitalienisch« Politik zu betreiben und damit sich in Aftika zu engagieren, wenn es nicht mehr oder minder für seine Position in. Europa ruhig wäre.' Die Zeitung vermutet, daß die neuesten Verhandlungen zwischen Eden und Ribbon- tropp sich unmittelbar auf diese Frage bezogen. Die Aufrüstung Deutschlands im März 1935 sei ein Vorspiel zu dem deutsch-englischen Marineabkommen gewesen. Könne sich nicht die Besetzung der Rheinzone nur als ein Vorspiel zu einer neuen Verständigung zwischen London und Berlin erweisen? Bor einem Jahr ist die S t r e s a f r o n t geschaffen worden mit der Parole:„Mit Mussolini— und d’Annunzio Im Sterben? Der italienische Dichter Gabriele dÄnnuncio, Fürst von Monte Nevoso, der sich auch durch die Besetzung Fiumes Men Namen machte, soll nach Pressemeldungen schwer erkrankt sein, so daß man das Schlimmste befürchtet. d'Annuncio ist jetzt 73 Jahre alt. gegen Hitler, falls das notwe.ndig sein wird." Heute sage England in Genf: „Gegen Mussolini— und mit Hit- l e r, falls es notwendig sein wird."—„Manchester Guardian", das große englische radikale Provinzblatt: Frankreich befürchte, daß die Rheinfestungen, die Deutschland zu bauen beabsichtige, die ftanzöfische Armee einmal daran hindern können, nach Deutschland einzufallen, um den Verpflichtungen Frankreichs aus dem„System der kollektiven Sicherheit" naö^ukommen. Aber wenn man auch die Richtigkeit dieser Erwägung anerkennen wollte, wie können die Franzosen verkennen, das man weder Deutschland noch irgendeinem anderen Land sagen dürfe:„Wir brauchen Festungen, weil wir euren Angriff befürchten. Aber ihr baut keine, weil ihr nicht das Recht habt, unseren Angriff zu befürchten."— Das Cityorgan„Times" zweifelt daran, daß die französischen Vorschläge irgendwelche praktische Bedeutung haben könnten. Europa sei für einen solchen umfaßenden Plan noch nicht reif. Ein ammikanischer Völkerbund.(M. B.) Unter den zustimmenden Antworten der amerikanischen Staatsführer aus die Einberufung einer amerikanischen Konferenz nach Buenos-Aires hat Präsident Roosevelt einen Vorschlag gefunden, der weit über die bisherige Zusammenarbeit zwischen den amerikanischen i Regierungen hinausgeht. Columbia, die Dominikanische Republik, und.Guatemala, schlagen die Gründung eines amerikanischen Völkerbundes vor, der sowohl den Frieden auf dem amerikanischen Kontinent sichern, als Hand in Hand mir anderen! Organisationen arheiten soll, die ähnliche Ziele verfolgen. Präsident Ubico von Guatemala schlägt vor, daß die neue Formation Bereinigung der amerikanischen Rationen(Association of American Nations) heißen soll und daß ihre Mitglieder verpflichtet sein sollen, jeden von einer auheramerikanischen Macht angegriffenen Staat zu unterstützen. Glcich- zeirig regt er die Schaffung eines interamerikanischen Gerichtshofes nach dem Muster des Haager Gerichts an. Präsident Lopez von Columbia hofft, daß die neu« Jnstitutton mit dem Genfer Völkerbund zusammenarbeiten werde. „Sein Kampf“ Segen den Frieden Friedensbeteuerungen und FriedenSsicherungS- dorschläge begleiteten Deutschlands phaittasttsch- fieberhafte Auftüstung, begleiteten Hitlers Hiebe gegen das Nachkriegsvertragssystem, das den europäischen Frieden sichern sollte. Wilde Pazifistenhatz und umfassende Erziehung„zum Wehrgedanken" begleiteten Hitlers Friedensbeteuerungen. So war es von allem Anfang an, vom Augenblick an, da Hitler von den Junkern in die Macht gehoben wurde! Feierliche Versicherung, die Verträge anzüer- kennen— und dann Bruch der Verträge. Feierliche Beteuerung der Friedensliebe— und Marterung der Pazifisten. Feierliche Bekundung der Bereitschaft zur Teilnahme an Abrüstungsaktionen— und Sprengung der Abrüstungskonferenz und Aufstellung eines'gewaltigen Heeres und Hineinpumpen des Nationalvermögens in die Rüstung. Lange Zeit hat man in der Welt der Diplomaten getan, als hörte man nur die nach außen gerichteten Friedensworte und sähe nicht die Rüstungen. Und doch blieben diese Rüstungey, selbst nicht vor der Zerreißung des Versailler Vertrages, kein Geheimnis. Aber, mehr als sonstwo ist in der Diplomatie die Scheinphilosophie des„MS ob" zu Hause. Heute freilich können sogar Diplomaten sich nicht mehr der Wahrheit. verschließen,.daß zwischen all den Reden und Taten, die einander so schroff widersprechen, doch ein unnennbarer Zusatn- nienhang besteht: daß der Versuch, die Welt zu betrügen und in Sicherheit zu wiegen, nicht nur, der ungestörten Aufrüstung wegen notwendig war, sondern auch zur neudeutschen Ethik gehört, daß Wort- und Vertragsbruch und Lüge und Betrug als selbswerständliche Kriegslisten gelten. Wie herzlich können die Faschisten lachen über die dummen Demokraten, die an staatsmännische Versicherungen und an Unterschriften auf Verträgen glauben! Jetzt müssen sie all«, die Diplomaten und Staatsmänner, doch wohl endlich die Wirklichkeit sehen, nun, nach der Remilitarisierung des Rhenlands und der Hitlerschen Friedensangebotskomö- diel Die Wirklichkett: das ist die ungeheuere Armee und das ist die heidnisch-barbarische faschistische Kriegsgefinnung. ■ Zu rechter Zeit erscheint jetzt im Verlag Carrefour, Paris, die Schrift»Hitlers motorisierte Swßarmre", Heeres- und Wirtschaftsmotorisierung im Dritten Reich, von A. Müller. Eine Schrift, die auf Grund bester Sachkenntnis die Motorisierung der deutschen Armee schildert, deren Ergänzung durch die Aufstellung motorisierter NSDA-Trup- pen, dann di« Schaffung der Autostraßen für diese motorisierte Arme«, die Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie, immer weitere Serien Motorräder, Tanks, Kriegsautor, motorisierte Geschütze zu erzeugen. Müller liefert verblüffende Einzelheiten: die Fabriken weiß er zu nennen, die an der ununterbrochen sich. ausdehnenden Mowrisierung der deutschen Armee beteiligt sind, die motorisierten Truppengattungen, die Art und Zahl der national« sozialistischen Parteitruppen, die mowrisiert sind, — weiß genau. über die nord-südlich' und westöstlich verlaufenden strategischen Autostraßen Bescheid. Nun ist dar Bestreben, die Armee mehr und mehr zu motorisieren, allgemein, keineswegs auf Deutschland beschränkt. Die Besonderheit liegt hier in der Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie, liegt in der Entschlossenheit, diese industrielle Lei- stungsfähigkett in den Dienst der Mowrisierung der ganzen Armee zu stellen— und in der Bereitstellung einer so gründlich durchmotorisierten Armee zu blitzartigem Angriff! Während des Nürnberger Parteitages sprach Hitler zu einer Auslandsdelegation des„Bundes deutscher Mädchen" die Worte:„Wenn ich einmal einen Gegner überfallen will, dann würde ich das anders machen wie Mussolini. Nicht monatelang vorher verhandeln, sondern, wie ich es in meinem Leben immer gemacht habe, plötzlich, wie aus der Nacht«mporschn eilend, mich blitzartig auf den Gegner stürzen." Man muß endlich unterscheiden lernen, welchen Hitler- Worten man glauben darf und welchen nicht! Man darf denen glauben, die Lbereinstimmen mit dec großen(natürlich nicht sprachlich oder durch die Bedeutung der Gedanken großen) Herzensoffenbarung Hitlers:„Mein Kampf". Ob Hitler, wie A. Müller annimmt, daran denft, zuerst Frankreich blitzartig zu überrennen, ja, wirklich den Versuch zu machen, Frankreichs Festungsgürtel zu überrennen— oder ob er sich früher nach dem Osten wenden wird, bleibt vorläufig ein unlösbares Rätsel. Auf der Hut fein müssen alle näheren und ferneren Nachbarn des Dritten Reichs! Es hat ja, wie in diesem Zusammenhänge nur kurz erwähnt zu werden braucht, außer seiner motorisierten Armee auch noch eine giganttsche Luftflotte! Und daß Hitler kriegerisch denft, den Krieg will, vom Krieg träumt, durch einen gewalttgen Krieg Deutschland zur Europa beherrschenden Macht gestalten will,— daß er andere Größe, andere Macht, als die auf Waffenüberlegeichett sich stützende gar nicht kennt, nicht anerkennt, das wissen alle, die„Mein Kampf" gelesen haben. Gerade weil dieses Buch Zusammentragung der Wunschträume eines Bürgerschülers ist, gerade weil es an „Wissenschaft" zusammenstoppelt, was ein dilettie- render Kleinbürger gelesen und nicht verstanden, gehört und nicht begriffen, aber, geglaubt hat, ist seine Wirkung so stark: ein Kleinbürger breitet vor Kleinbürgern aus, was die sich denken. Und der mittelmäßige Bürgerschöler ist zum allmächtigen Herrscher eines, großen Reiches geworden und kann nun'seine Wunschträume erfüllen! Und: er handelt nach seinem eigenen Rezeptbuch, nach der Bibel, di« er sich selber schrieb! Darauf verweist. Manuel Humbert in der Einleitung seines im Verlage des„Pariser I Tageblattes" erschienenen Buches: Adolf Hitlers „Mei« Kampf"— Dichtung und Wahrheit.(Preis kart. SO.— Fr., geb. 50.—Fr.) Das Buch Hitlers, in Deutschland jedem jungen Menschen als Richtschnur für sein Fühlen und Denken in die Hand gelegt, ist„die gewaltigste Zwangleftüre, die'unser Jahrhundert gekannt hat, und das stärkste Gift, das einer Nation jemals gegeben wurde. M. K. bedeutet den Kampf dieses alldeutschen Herrgotts auf Erden gegen die Kultur und Gesittung der ganzen Zeit. Cs stellt den atavistischen Rückfall in die Barbarei dar und benutzt die Technik unserer Zett, um eine Steinzeit der Ethik von vor tausenden Jahren wiederzuerwecken." Ein Buch,„in dem alles irrsinnige Wollen ein für allemal festgelegt ist. Hitler schwört wie ein Orthodoxer auf seine eigene Verkündigung, auf seinen Berg Sinai. Er verwirklicht stets und immer nur das, was er dort versprochen und verheißen." Humbert hat aus Hitlers dickem, unübersichtlichem Wälzer die Kernstellen herausgesucht, er stellt sie so zusammen, daß sie sowohl Hitlers„Weltanschauung" als auch seine politischen Ziele klar und deutlich zeigen. Den Auszügen aus Hitlers Buch stellt er die Wahrheit gegenüber, den politischen Verheißungen stellt er die beretts teilweise Erfüllung gegenüber. Und kommt zu dem Ergebnis, daß Hitler fast stets Wort gehalten hat— sich selber nämlich, den polittschen Verheißungen, die er von sich gegeben— und daß der Welt nur noch die Kriegsüberraschung bevorsteht. Hitler-Deuffchlands ungeheuere Rüstungen— des Dritten Reiches außenpolitische Ueberfälle— und„Mein Kampf"— sie gehören zusammen! Hitlers Polittk ist ein einziger großer Kampf gegen den Frieden!„Im Rahmen seiner Gegebenheiten ist der Mann, mit dem die Völker und Staatsmänner zu"rechnen haben, konsequent bis zum Letzten," sagt Humbert mit den letzten Sätzen seines Buches. „Die Linie seines Handelns liegt fest. Wehe der Zeit, die das' nicht erkennt!" Seite 6 „Sozialdemokrat" Freitag, 17. April 1936. Ar. 91 Kunst und Mssrn Clus der Sattel PrLiö. Sport- Spiel- Körperpflege. M Heute, Frei« Falkner, ! und freier JCindec: L freunde. Gastspiel Gisela Weriezirk mit.Ensemble am 20. nnd 21. April. Erster Abend„Mizzi"(D 2); zweiter Abend„Frau Minister Popobicz"(A 1). Achtung, Fallen!.Samstag, pünktlich um Uhr alle Heime in der Närodni trida 4, Partei- Erscheinen jedes Falken ist Pflicht! Letzte schließt und Spiele mit Klubs aus'dem Dritten Reich untersagt. Es wird auch erwartet, daß die CsAF in den nächsten Tagen das Ergebnis der Untersuchung Lekanntgibt. gestoblen batte, vier Schüsse gegen sich ab. Er erlitt jedoch, da der Revolver nur blind geladen war, keine Verletzung. Um 9 Uhr früh wurde er ins allgemeine Krankenhaus gebracht, wo, da er unzusammenhängend redete und wiederholt erklärte, daß er nochmals einen Selbstmordversuch unternehmen wolle, der Polizeiarzt ihn untersuchte. Es wurde festgestellt, daß Prokes gemeingefährlich sei; gestern vormittags wurde er in die Irrenanstalt in Prag IL, überführt. 600 Ater Milch verschüttet. Ter 31jährige Chauffeur Josef Pomeznh aus Blastislav bei Leit- meritz fuhr gestern mirtags mit einem Milchauto, das eine Ladung von 2800 Litern führte, an der Holleschowitzer Gasanstalt vorüber, wobei er, als er die Fahrbahn überquerte, so heftig mit einem Straßenbahnwagen der Achtzehner-Linie zusammenftieß, daß die Seitenwand seines Autos zerbrochen wurde und die ganze Milchladung auf die Straße rollte. Hiebei wurden viele Kannen zerschlagen und 600 Tas Arbeiter-Radrennen Paris—Roubaix gewann der Franzose Decru in 9:28 Std.(263 Kilometer) vor Adam(Belgien). Das Rennen war wieder ein großer Erfolg, obwohl die Fahrer unter Wind und Kälte sehr zu leiden hatten. Internationales Arbeiter-Tennis-Turnier. Am 31. Mai findet in London ein internationales Turnier der Arbeiter-Tennisspieler statt, an welchem Spieler aus Belgien, Dänemark und Rußland teilnehmen werdet Die Waldlauf-Meisterschaft belgischen Arbeitersportler gewann Patard(Folisolle), welcher die 9500 Meter lange Strecke in 40:54 Min. zurücklegte. Von 40 Teilnehmern kamen 29 ans Ziel. Das Endspiel im belgischen Provinzen-Turnier der Ärbeiterfußballer zwischen Brabant und Antwerpen endete in der regulären Spielzeit 1:1 und erst die Verlängerung brachte Brabant als die widerstandsfähigere Mannschaft den Sieg mit 4:1. Holländischer Arbeiter-Waffersport. Bei einem Tchwimmeeting in Alkmar wurden u. a. nachstehende Ergebnisse erzielt: 100 Meter Freistil: Schopman (Amsterdam) 1:07.4 Min.; 100 Meter Brust: Reyghard(Haag) 1:29.4 Min.; Wasserball: Amsterdam gegen Haag 4:4. Entsetzliche Kindertragiidie. Das fünfjährige Töchterchen der Arbeiterswitwe Marie Nepras aus Koschirsch lief vorgestern abends, als es die Fahrbahn in der Pilsner Straße in Koschirsch'überqueren wollte, mit dem Kopf gegen die Seitenwand eines heranfahrenden Straßenbahnwagens der Neuner- Linie, fiel zu Boden und wurde ein Stück geschleift und schwer verletzt. Passanten trugen das Kind auf die Wachstube, von wo es von der Rettungsgesellschaft ins tschechische Kinderspital gebracht wurde. Da eS das Augenlicht verloren hat, dürft« es einen Bruch der unteren Schädelbasis erlitten haben, bei dem der Sehnerv eingeklemmt worden ist. Ein Betrunkener schießt sich mit gestohlenem Revolver an. Der 39jährige Heizer Karl Prokes aus Kolowrat kam in der Nacht auf gestern in angeheitertem Zustand in«in Hotel, dessen Name/ den Tschechen Wohl besonders gastfreundlich anmutet— es heißt„Host" und liegt in Hostivai— und feuerte aus einem Revolver, den er kurz vorher dem Nachtportier des Unternehmens, in dem er beschäftigt ist. 16 heim. Proben für die Atus-Akademie. Um 18.30 Uhr wichtige Helferrats-Sitzung. Urania-Kino, Klimentskä 4. Fernsprecher 61623. Alice Fay»nd Lew Atzrrs in dem Film„Anker vor Shanghai" Mitteilungen aus dem Publikum. Tun Sie etwas für Ihren Körper! Letzten Endes ist er Ihr größtes Kapital, denn mit Ihren Händen, Ihrem Kopf schaffen Sie Arbeit und Verdienst! Es gibt doch so einfache,-billige Mittel, kräftig und widerstandsfähig zu bleiben! Regelmäßige Einreibungen mit Alpa-Franzbcanntwein zum Beispiel, sorgen dafür, daß Ihr Körper(und damit auch Ihr Geist) allen Anstrengungen gewachsen ist! Diese kleine Pflege find Sie Ihrem Körper schuldig. Alpa wird aus reinem Weingeist erzeugt! 3 Um eine Nakenkreuzkabne Politischer Streit auf einem Briixer Sportplatz Wie wir schon mitteilten, hatten die Osterfeier« tage im sudetendeutschen Grenzgebiet eine wahre Invasion von Fußballklubs auS dem Tritten Reich gebracht. Die tschechische Presse berichtet nun über ein Spiel in Br ü x zwischen dem dortigen Deutschen Sport-Klub und Guts Muts Dresden, bei welchem es zu Beginn zu einer einzigartigen Frechheit der Nazi kam. Auf dem Sportplatz des DSK Brüx' war Li« tschechoslowakische Staatsflagge aufgezogen und das erregte den Unwillen der Herrschaften aus dem Dritten Reich,, welche ihrerseits die Forderung erhoben, daß auch die Hakenkreuz« Fahne gehißt, werde oder die tschechoslowakische Staatsflagge entfernt werden muffe.soffst traten jie zu dem Spiel nicht an. Das Unglaubliche ist nun. daß die Funktionäre des DSK Brüx vor den Nazis züsamMenklappten und— die tschechoslowakische Staatsflagge einzogen l Das Ganze soll sich in voller Oeffentlichkeit abgespielt haben und die Nazi einen geschriebenen Befehl vorgezeigt haben, unter welchen Bedingungen sie nicht anzutreten haben. Es ist wiederholt darauf hingewiesen worden, welche Funktionen die Sportler des Dritten Reiches im Auslande durchzuführen haben— aber alle Warnungen, die von sozialistischer und freiheitlicher Seite erhoben wurden, fanden keine Beachtung; im Gegenteil, man beeilte sich, sie als„Greuelmeldun« gen" hinzustellen. Nun haben jene, die nicht hören wollen, den Salat. Das Dritte Reich schickt nicht seine Sportler ins Ausland, damit sie Sport betreiben; nein, sie sind und bleiben die Abgesandten jenes „Geistes", der die Welt mit Unruhe erfüllt und neue stiften will. Es ist auch nicht zu verwundern, daß die obige Nazi-Biiberei in Brüx bei vielen Zuschauern aus Volksgemeinschaftskreisen eine schlecht verhehlte Sympathie fand. Der deutschbürgerliche Sport in der Tschechoslowakei ist ja schon längst im Läger dieser Volksgemeinschaft, die da und dort ihre Loyalität bekundet und anders handelt, wie Brüx nur ein Beispiel ist. Die tschechische Preffe fordert nun, daß der Fußball-Staatsverband(EsAF) augenblicklich einBronislaw Hubermann Uber palästinensische Kulturarbeit Bronislaw Hubermann, der berühmte Geiger und prachwolle Mensch; wirkt zur Zeit" in den Ver« einigten Staaten für ein von der amerikanisch-palästinensischen Musikvereinigung„Mailamm" geplantes Symphonie-Orchester in Palästina. Er äußert sich darüber in einer Redest« Los Angeles folgendermaßen: „Die jüdischen Arbeiter und Bauern lechzen nach Kultur. Bei einem meiner Beethovenkonzerte füllten 3500 Arbeiter und Bauern die Halle bis auf den letzten Platz. Dieser Kultur der Gemeinschaft zu dienen. Von 14.000 Einwohnern waren 3500 gekommen. Das war überwältigend. Berlin hat vielleicht 20.000,: die alle Monat ein klassisches Konzert hören, 200.000, die alle sechs Monate solchen.Seelengewinn haben und 500.000 vielleicht, die einmal in'.ihrem Leben zu solcher Freude komnien. Die übrigen kommen bei der Klass e n- k u l t u r zu kurz. Und so ists in der ganzen Welt, Rußland ausgenommen. Das Orchester soll dartun, was' Hitlers Behauptung, die Juden seien.inferior, toert ist Es wird aber auch allen von Hitler obdachlos. gemachten Künstlern wieder eine würdige Wirkungsstätte geben. Dies betrachtend, kann man. sagen, daß/vielleicht noch nie«in Orchester unter gleich günstigen künstlerischen-Vorbedingungen gegründet wurde. Die besten Künstler sind nun zu haben. Sie sehnen sich nach der ihrer würdigen Kunststätte. N i ch t n u r I u d e n..Das soll auch ein Zeichen des Geistes sein, aus dem dieses Orchester geboren worden ist. Für das Eröffnungskonzert ist es mir gelungen, T o s c ä'n i n i zu gewinnen. Aber auch in dem Orchester werden Nichtjuden spielen, um nur«inen zu-nennen:- Adolf Busch, der große deutsche Geiger, der das Opfer bringt,, sein Vaterland, aufzugeben, um der Kunst frei. die-, neu zu können. Das M i t w i r k« n v on Ni cht-, judensoll wie e i n S Y m b o l d e s G e i- stes dieser Sch o p fung wirken. Das Orchester wird sich aber auch internationale' Geltung verschaffen. Es wird seine Konzerte über das R a d i a senden und Reis en machen. Als Spezialität wird es klassische und moderne biblische Musik pflegen. Das alles wird unser und das Ansehen unserer nichtjüdischen Freunde heben. Und noch eins wird vielleicht internationale Bedeutung gewinnens. Wir wollen versuchen, das E r z i e- hungs Problem zu lösen. Die Musikakademie in Palästina will den Schillern, wie in Rußland, allgemeine Bildung neben der musikalischen vermitteln. Auch damit werden wir vielleicht über Pa- ; lästina hinaus der ganzen Kulturwelt. dienen können". Der Garantiefonds für das geplante Orchester ist bereits zur Hälfte gesichert; den Rest hofft Hubermann auf seiner Konzertreise jetzt zusammenzu- br. gen.. eine Kundgebung für Ossietzky veranstaltete der„Bert-Brecht-Klub" am Donnerstag abends im Gewerkschaftshause. Im Namen der Liga für Menschenrechte sprach Hans L i ch t w i tz für die Verleihung des Friedensnobelpreises an Carl von Ossietzky und verlas eine Kundgebung von Heinrich Mann, die eine Ehrung und Befreiung des pazifistischen Märtyrers Ossietzky für eine Ehrung des Friedens selbst erklärt, lieber Leben und Werk des Mannes, der seit drei Jahren im Konzentrationslager feftgehalten wird, sprach sodann F. C. W e i s k o p f. Er erinnerte daran, daß Carl v. Ossietzky, der vor dem Kriege Kaufmann war, den Weltkrieg im Gegensatz zu so vielen Nazi-Führern als Frontsoldat mitgemacht hat, und daß er dann seinen Kampf für den Frieden allein, ohne die Rückendeckung einer Partei, geführt hat und den Konsequenzen dieses Kampfes nicht ausgewichen ist, wie sein Verhallen nach der Verurteilung durch das Leipziger Reichsgericht beweise. Weiskopf verlas den„Weltbühnen"-Artikel, den Ossietzky nach seiner Freilaffung im Dezember 1932 veröffentlicht«,«inen Artikel, in dem Ossietzky das Reden von seiner Person als„Formfehler" rügte. Es gehe aber heute wie damals nicht um die Person Ossietzkys, sondern um die Sache, der er gedient bat und der er— nach den Aussagen von Mitgefangenen— auch in der Haft treu geblieben ist. Die Verleihung des Friedensnobelpreises an Ossietzky, der das Nobel-Komitee im Vorjahre ausgewichen sei, müsse diesmals von der Weltöffentlichkeit erzwungen werden. Nach Weiskopf rkdete in der Versammlung noch der kommunistische Anwalt Dr. S e k a n i n a. Unser kleines Mädchen. Dieser hier neu erschienene Shirley-Temple-Film zeigt das Wunderkind von Hollywood in' der Rolle, die es bisher in jedem Film gespielt hat: als schelmischen und. rüb-' renden Engel, der die Sorgen der Erwachsenen durch Scherze und Bitten bekämpft und die Streitenden(diesmal sind es die Eltern, die sich voneinander trennen wollen)- schließlich wieder zusammenbringt(durch einen Fluchtversuch, der damit endet, daß beim Wiederfinden der kleinen Shirley, hier„Molly" genannt, sich auch die Eltern wiederfinden). Der Film übertrifft an Primivität alle bisherigen Filme des Wunderkindes, und auch der kleine Star wirkt diesmal weniger verblüffend als sonst, well alles, was,er hier zeigt, allzu angelernt und unnatürlich wirkt. Auch die Tanz» und Gesangseinlaaen, mit denen er sonst die Zuschauer über die ärgsten Plattheiten der Filmhandlung zu trösten pflegte, fehlen in diesem Film.— eis— Freigegebrne Filme. Das Handelsministerium hat in der verflossenen Woche Einfuhrbewilligungen auf folgende Filme auSgefolgt:„Geschichte zweier Städte"(Tale of Two Cities) amerikanisch—- MGM.„Die blaue Brigade"(L'Equipage) französisch— Merkur und„Die Entführung" deutsch — Moldapia. Hakenkreuz am Wenzelsplatz ♦* Im. Schmucke des Hakenkreuzes prangt die Schaufensterauslage des Norddeutschen Lloyd am Wenzelsplatz. Es ist da eine Reklame fijr die Olympiade in Berlin aufgebaut. Zwei Pylonen flankieren das Modell eines Stadions; auf den Pylonen spreizen hakenkreuzgeschmückte Adler ihre Flügel und daneben hängen die Hakenkreuzfahne und die tschechoslowakische Staatsfahne so einträchtig beieinander, wie es sich für gute Nachbarn geziemt. Und ein guter Nachbar für die Tschechoslowakei ist doch das Dritte Reich gewiß— besonders wenn ihm daran liegt, daß auch tschechoslowakische Sportler als Gäste und Mitwirkende zur Olympiade nach Berlin kommen. Der tschechoslowakische Staatsbürger, der junge Sozialdemokrat Konrad G e r s ch aus Warnsdorf, den die Richter des Dritten Reiches wegen seiner'politischen Gesinnung zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt haben, wird wohl hinter den Kcrkermauern die tschechoslowakischen Landsleute nicht gerade singen hören. Und auch daran muß man ja nicht bei jeder Gelegenheit denken, daß die sudetendeutschen Ehren- männev-J u n g und Krebs gegen alles internationale Recht Reichstagsabgeordnete des Dritten Reiches geworden sind. Wer wird sich an solche Bagatellen stoßen, wenn dieses Land Mit so freundlicher Geste zur Olympiade einlädt und der Norddeutsche Lloyd zur Bekräftigung freund- nackbarlicher Gesinnung die Hakenkreuzfahne des Dritten Reiches neben die Staatsfahne der Tschechoslowakischen Republik ins Schaufenster am Wenzclsplatz hängt. Es ist ja nur ein Symbol dafür, daß sich die Welt an alles gewöhnt. Aber vielleicht ist auch das ein Symbol von tieferer Bedeutung, daß das mit großen Kosten für die Olympiade massiv und modern erbaute „Olympische Dorf" bei Berlin, in dem die aktiven Sportler untergebracht sein werden, nach der Olympiade vom Kriegsministerium übernommen werden wird. Die Anlagen und Bauten sollen der Ausbildung und Unterkunft des Offiziersnachwuchses für das Landheer dienen. Schon im Herbst werden die ersten 5000 Schüler die neue Kriegsakademie beziehen— sie folgen den olympischen Spielern auf. dem Fuße. Darum trat das Kriegsminifterium auch als Bauherr des Olympischen Dorfes auf und darum! hat es auch einen Großteil der Baukosten beige- steuert.. Erst Olympisches Dorf, dann Kriegsakademie— es lassen sich recht nachdenkliche Petrach- rungen anstellen angesichts der Hakenkreuzfahne am WenzWplgtz. Samstag„Tristan und Isolde" mit Fine Reich- Dörich a. G. Lydia Kindermann, Fischer, Scheidl, Andersen etc. Dirigent: Zweig(B 2). Spielplan des Renen Deutschen Theaters. Heute, Freitag, hall» 8 Uhr: Das Mädchen ausdemgoldenenBesten, D2.— Samstqg 7: Tr»stan und Jsol b_c, B 2.— Sonntag halb 3: D r. m e b. H i o k“* eins, halb 8:Boeeaee i o. A 1. Spielplan der Kleine» Bühne.. tag, 8 Uhr: Mord Prozeß Theatergemeinde des Kulturverbandes Verkauf.— Samstag 8: I ch und mein kleiner Bruder.'— Sonntag 3^,: Unentschuldigt« Stunde, 8: Mordprozeß Falkner. Bezugsbedingunge n: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich Kd 16.—, vierteljährig Kd 48.—. halbjährig Ki 96.—, ganzjährig Kö 192.—.— Inserate werden laut a-„ris billigst berechnet Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der-Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde vcn der Post- und Tele- ‘ graphenüirektwn mit Erlaß Rr. 13.800/VH/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Truck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G. Prag. Jetzt müssen Sie unbedingt Ihre Blumen mit Blomen-Zauherduiig begieBen, wenn sie schön blühen sollen 1 Paket Kä 5*60 durch die Verwaltung „Frauenwelt“, Prag XII., Fochova tf. 62, und bei allen Ko1»wt.enren erhältlich Liter Milch, also fast ein Viertel der Ladung, ver-'schreitet und den DSK Brüx aus dem Verband ausschüttet; die beiden Wagen wurden zer trümmert und mußten aus dem Verkehr gezo gen werden; von Personen wurde die 30jährige Franziska Kühnel aus Leitmeritz, die neben dem Chauffeur saß, leicht am Brustkorb, die Hausgehilfin Franziska Vvmetal, die im Straßenbahnwagen stand, an der Hüfte und der Wagenführer des Motorwa gens durch Glassplitter im Gesicht und an den Händen verletzt. Der Vorfall erregte großes Aufsehen. Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Wir machen unsere Mitglieder auf die am Sonntag, den 19. April, im großen Radiosaale stattfindende Akademie des„Atus", unter Mitwirkung der S. I., Kinderfreunde und der Volkssinggemeinde aufmerksam. Es ist moralische Pflicht eines jeden Genoffen und jeder Genossin, diese Veranstaltung durch Besuch zu unterstützen. Die Bezirksleitung. „Die Sextanerin Deutsche Fassung.