Samstag, 18. April 1936 16. Jahrgang Einzelpreis 70 HeNnr (einschließlich 5 Heller Porte) ic ntralorgan DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TXGUCH FRÜH.«EDAKTION und Verwaltung«rag xiufochova 42. Telefon 5307. HERAUSGEBER 1 SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHE« REDAKTEUR* DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Alle Verhandlungen gescheitert""" Wird England kapitulieren! I I don, bloß eigenes Territorium beseht, wogegen Mussolini das Gebiet eines Völkerbundmitgliedes okkupiert habe. Die italienischen Siege haben, nach englischer Ansicht, an der Sachlage nichts geändert. Für Eden ist übrigens der Gedanke selbst Die Schweiz baut vor Bern. Der Bundesrat hat dem Nationalrat einen Entwurf vorgelegt, in welchem eine Anleihe von 238 Millionen Schweizer Franken für die Verstärkung der Landesverteidigung gefordert wird. Begräbnis des getötete« Offiziers teilgrnommen. Drei Oberste wurden abgrsetzt e Bei Blattschluß meldet Havas, daß am Abend die Madrider Vorstadt Earabanchel, das Zentrum der Katholiken, in Brand gesteckt worden sei. Die Gewerkschaftsführer haben erklärt, daß der allgemeine Proteststreik bereits um Mitternacht auf Samstag beendet werden wird, weil er seinen Zweck, gegen die faschistischen Ausschreitungen zu protestieren, erreicht habe Flottendemonstration Die vor Gibraltar liegende bri- Freitag zu Uebungen im Englische London, tische Flotte ist Miltelm eer ausgelaufen. Alle faschistischen Organisationen in Spanien aufgelöst Zur Stunde läßt sich nicht sagen, ob. di« Bankrott-Erklärung des Dreizehnerausschusses wirklich schon die Kapitulation Englands bedeutet. ES bleibt ferner-unklar, welche Tattik England wählen wird, fqlks es doch noch an eiste Behinderung Italiens denkt, ob es weiter den Völkerbund benützen oder direkt handeln wird. Es fragt sich endlich, ob England die Entscheidung nicht vertagen wird, wobei es wohl auf eine Fortdauer des abessinischen Widerstandes rechnet. Die Spannung zwischen England und Frankreich hat sich in den letzten Tagen jedenfalls verstärkt. Wir erhalten über die Vorgänge, die dem Scheitern der Verhandlungen vorauSgingen, folgenden interessanten Eigenbericht a u s gut informierter Quelle, der durch die Tatsachen Madrid. Die zuständigen Behörden haben die faschistische Bewegung für ungesetzlich erklärt und die Auflösung aller faschistischen Organisationen angeordnet. Im Verlaufe der Nacht auf Freitag und Freitag vormittags wurden mehr als tausend Angehörige der faschi- sfischen Partei verhaftet. Diese Maßnahmen stehen in Zusammenhang mit den von faschistischen Elementen provozierten Ausschreitungen und blutigen Zwischenfällen, die sich beim Begräbnis eines Offiziers der Zivilgarde ereignet hatten. 24 stündiger Generalstreik Die.Sozialisten ersuchtest£ie Regierung» nergische Maßn a h m e n gegen ihre Der Wettlauf mit dem Regen London. Der Kriegsberichterstatter des Reuter-Büros teilt mit: Nachrichten aus eryt'-reischer Quelle zufolge befindet sich die italienische Vorhut bereits etwa 40 Kilometer südlich von Dessie auf dem Marsche nach Addis Abeba, ohne auf abessinischen Widerstand zu stoßen-Man erwartet, daß das italienische Hauptquartier Samstag nach Dessie übersiedeln wird, um von dort aus den Vormarsch motorisierter Kolonnen gegen Addis Abeba vorzubereiten, der sehr schnell vor sich gehen soll. Die Abessinier treffen Vorbereitungen, um die Straßen von Dessie nach Addis Abeba für motorisierte Abteilungen unpassierbar zu machen und so den Italienern den Vorumrsch für Wochen zu erschweren. An der Ogaden-Front sind zähe Kämpfe im Gange und General Graziani soll bereits große > Fortschritte gemacht haben. Demgegenüber wird , in Addis Abeba erÄärt, daß starke Regengüsse die gesamte Provinz Ogaden in ein Kotmeer verwandelt baben und daß sich die Italiener nicht einmal zu rühren vermögen. Italienische Flieger haben die Umgebung von Harrar bombardiert und Flugzettel abgeworfen, in denen die Bevölkerung aufgefordert wird, sich gegen den Negus zu erheben. Zwei italienische Caproni-Bombenflugzeuge umkreisten Addis Abeba und feuerten große Raketen ab, die in den italienischen Farben tgrün-weitz-rot) aussprühten- Auch Harrar genommen? Rom. An autorisierten Stellen verlautet, daß die Italiener die Stadt Harar erobert haben. Dardanellen bereits besetzt? i, London. Der Reuterberichterstatter meldet aus Paris, daß Mch dortigen Informationen,. bär macht. Nur eine soziale Demokratie, d. h. der welche bisher amtlich nicht bestätigt wurden, tür- demokratische Sozialismus wird in der bisher Seit, geraumer Zeit klettern die Kurse der Aktien an der Prager Börse in einer Weise empor, welche die Aufmerksamkeit der Oeffent- __ lichkeit erregen mutz. Die Abschwächung, die an den Plan Laval-Hoare höchst peinlich, da«gestern eingetreten ist, ist das erste Symptom, seinerzeit ja den Widerstand gegen diesen Plan in! batz sich die Börse selbst der Ueberwertung des England und Genf organisiert hat. Vorläufig hat' Wertes der Aktien bewußt wird und es kann der man in Genf bloß über dieProzedur gestrit-■ Augenblick kommen, wo das aufgeführte Kartenten, und hierbei bat sich im wesentlichen der! haus mehr als schwankt. Wenn die Börsenspeku- Siqndpuukt von Eden durchgesetzt. Die Reise von. lanten ihr Geld dabei verlieren werden— auch Madariaga und A v e n o I nach Rom. I jene kleinen Leute, die sich von Bankgeschäften und die für Mussolini sehr schmeichelhaft wäre und auf> berufsmähigen Vermittlern dazu verleiten la'ien, der eben deswegen Flandin bestanden hat, ist ab-^in dem Saal am Wenzelsplatz ihr Glück zu ver- gelehnt worden. Ebenso wichtig ist die andere- suchen— werden wir sie nicht bemitleiden,, aber Frage: Flandin bestand darauf, datz der 13er-! die Erscheinung von Börsengewinnenin Ausschuß sich mit der Rolle eines Beobachters be gnügen fälle und datz der" Völkerbund jeden Frie densvertrag, der durch die direkten Verhandlun gen zwischen Italien und Abessinien zustandekom- men würde, einfach zu registrieren habe. Dagegen vertritt Eden die Ansicht, der 13er--Aüsschutz so wie der Völkerbundrat müsse die Führung der Verhandlungen keinesweg den kriegführenden Parteien allein überlassen, sondern vielmehr an diesen Verhandlungen aktiv teilnehmen. Auch hier scheint sich der Standpunkt Edens durchgesetzt zu haben. Nun treten aber die Genfer Verhandlun gen in die entsche ich e n d e Phase, und die Spannung zwischen Flandin und Eden wird grö- tzer. 2n Genfer Kreisen wird die Situation für nahezu ausweglos angesehen. Es ist flar, daß Rom stur auf der Grundlage seiner strategi schen Erfolge wird verhandeln wollen. Aber eben so flar ist, datz die'englische öffentliche Meinung ebensowie die Regierung für leine wesentlichen Konzessionen an Italien, über die schon gemach ten hinaus, zu. haben sind. Was bleibt also? Er weiterung der Sanktionen? Dagegen wird sich aber Paris wenden, was zur Vergrößerung der Spannung zwischen Frankreich und England führen wird/ wovon natürlich nur Hitler profi lieren kann. in Einzelheiten überholt sein, mag, aber, die Hintergründe des Genfer Versagens aufdeckt: Fl a N d i n steht auf dem Standpunkt, daß der abessinische Krieg.und die englisch-italienische Spannung je eher desto besser liquidiert werden müssen, damit die alsdann frei werdenden außenpolitischen Energien der Westmächte sich voll und ganz dem deutschen Problem widmen können. Unter heutigen Umständen glaubt Flandin, datz man Rom als Minimum den Plan Laval- Hoare Vorschlägen müsse. Sogar dieser Plan sei heute für die italienische Regierung wahrscheinlich unannehmbar, aber man könne ihn wenigstens als Ausgangspunkt für die Friedensverhandlungen ansehen. Für London steht jedoch ! der ostafrikanische Konflikt noch immer im Vor- i dergrund. Hitler habe ja, so meint man in Lon- e politischen Gegner zu ergreifen. Der Nationale Arbeitsverband anarchistisch-syndikalistischer Fär bung hat in Madrid einest 24stündigen Generalstreik ausgerufen, um gegen die faschistischen Attentate zu protestieren. In Madrid wurde der Streik überall durchgeführt. Freitag vormittags wurden auch die Straßenbahnen und Autodroschken, von der Straße zurückgezogen. Die Geschäfte, Kaffeehäuser und Speisewirtschaften sind geschlossen, nur die Ueberfaflswagen der Po lizei und starke Polizeistreifen zu Fuß, und zu Pferd beleben das Stratzenvild. Roch in der Nacht hatten die Führer der Ge- werkschaftsverdände der Sozialisten und die Ver treter der marxistischen Linken mit dem Minister präsidenten Azana eine lange Unterredung, um energisch gegen die vorairssegangenen faschistischen Attentate zu protestieren. I« Laufe des Freitag wurden zahlreiche höhere Offi^chsti der fimnische« Armee«std der. Zivilgarde verhaftet, weil sie tagsporher nicht, wie^ fische Militärabteilungen am Donnerstag die kapitalistischen Welt die großen Probleme lösen. Diese Nachricht wurde aber bis jetzt amtlich noch! die Regierung angeordnet hatte, in den Kasernen I demilitarisierte Zone im Meerengen-Gebiet be« die eine Lösung finden müssen— bei Strafe des nicht bestätigt.*' j geblieben waren. Biele von ihnen hatten an dem I setzt haben.! Unterganges der menschlichen Zivilisation. Genf.(Tsch. P.-B.) Der Dreizehnerausschuß des Bilkerbundrates, welcher«m 16 Uhr zusammentrat, erörterte dir Lage betreffend die Lösung des abessinisch-italienischen Konfliktes und stellte nach einer längeren Debatte fest, datz das Versöhnungsverfahren des Ausschusses als beendet anzusehvn sei, da es zu keinen positiven Ergebnissen geführt hat. Die italienische Regierung ging auf weitere Zugeständnisse bezüglich ihrer Anregungen nicht ein und lehnt auch die Kompromitzvorschläge des Minister- Paul'-Bon- r o u r a b, welche u. a. dir Anregung zu einem sofortigen kurzen Waffenstillstand enthielten. Die abessinische Regierung lehnte gleichfalls dir Vorschläge Paul-Bonrours als eine Anregung ab, welche sich mit dem Rahmen und dem Geiste des Völkerbund-Paktes und der Souveränität des abessinischen Staates nicht vereinbaren läßt. Der Bölkerbundrat wird wahrscheinlich am Montag zusammentreten, um seinen Standpunkt zu dieser Lage einzunehmen. Der Mißerfolg der Versöhnungsvrrsuche zwischen Abessinien und Italien wird in Genf sehr pessimistisch beurteilt. Rach Erschöpfung aller Versöhnungsmittel des Rates wird der Dreizebner- Ausschuß sein Mandat dem Bölkerbundrate Montag Vormittag zurücklegen. Bisher ist nicht klar, in welcher Weise sich der Rat seiner Aufgabe entledigen wird.- Selbst die englische Regierung hat jetzt anerkannt, daß unter den gegenwärtigen Umständen eine Erweiterung der Sankti o n e n n i ch t i n E r w ä g u n g g e z o.- gen werden kann. Deshalb ist man der Ansicht, daß die Aktion des Völkerbundes zugunsten Abessiniens auf längere Zeit auf dem toten Punkt bleiben wird. Viele Staatsmänner verlassen sich auf den inneren Widerstand der Abessinier gegen das Vorgeben der italienischen Armee und sind der Ansicht, daß es nach den französischen Wahlen möglich sein werde, neuerlich über eine weitere Hilfe für Abessinien zu verhandeln. Minister Eden wird bis Montag in Gens verbleiben, an welchem Tage einige dem Böl- kerbundrat angehörrnde Minister, darunter auch Flandin in Genf«mtresfen werden. Hinter den Kulissen die Erscheinung von Börsengewinnen in der Zeit der Krise hat auch'eine andere Seite, an der nicht vorübergegangen werden soll. In den letzten zwei Jahren sind die Aktienkurse an der Prager Börse fast ununterbrochen gestiegen. Die Steigerung des Kurswertes der Jndustrieaktien betrug allein im Jahre 1835 1.3 Milliarden KC, in den beiden Jahren 1934 und 1938 sicher über zwei Milliarden KC. Wenn die Börsenspieler in den beiden Jahren zwei Milliarden eingesteckt haben, so hatte dies seinen Grund teils darin, daß durch eine gewisse Geldflüssigkeit die Nachfrage gestiegen ist, teils aber darin, daß trotz der I n d u st r i e k r i s e die Dividenden 1988 größer waren als ein Jahr zuvor. Die Dividenden von etwas mehr als 00 Aktiengesellschaften waren 1938 um 166 Millionen KL höher als 1934— unter diesen Gesellschaften befinden sich nicht etwa nur solche der Rüstungsindustrie, sondern auch Textilunternehmungen. Ebenso steigen die Aktienkurse der Kohlenwerke, während die Zahl der Bergarbeiter zurückgeht. Wenn jemand im Frühjahr 1935 100 Stück Nordbahnaltien gekauft hat, konnte er zu Silvester- desselben Jahres 135.000 Kronen als Kursgewinn einstreichen, während ungefähr in derselben Zeit die Zähl der im Steinkohlenbergbau beschäftigten Bergleute um 2000 abgenomnien hat! Das Bezeichnende ist eben, daß die Dividenden wachsen, während die Arbeiterlö.hne sinken. Von 1929 bis 1934 ist der Jahresdurchschnitt der bei der Zentralsogialversicherungs-Anstalt Versicherten um 44.4 Prozent zurückgegangen, die Lohnsumme aber um 36.1 Prozent(um volle 5409 Millionen XL),d. h. die noch Arbeitenden haben weit geringere Löhne als sie hatten, nicht nur dje Ar- ' beitslosen kämpfen einen schweren Daseinskampf, sondern auch jenen, welche das Glück hatten, ihren Arbeitsplatz zu behalten, geht es schlechter. Ein Glück noch, datz die sozialistischen Parteien die gesetzliche Verlängerung der Kolleltivverträge sowie die Berbindlichkeitserklärung durchgesetzt hallen. Wäre dies nicht der Fall,, wäre das Lebensniveau der Arbeiter noch niedriger! Das also ist der Kapitalismus. Wir haben mehr als Dreiviertelmillionen Arbeitslose, eine auf tiefem Lebensniveau befindliche Arbeiterschaft, gedrückte Löhne und dabei steigende Dividenden und lustig emporklettcrnde Börsenkurse. Immer mehr wälzt der Kapitalismus' die Lasten der Krise auf die arbeitenden Schichten, während die- I jenigen, welche selbst nichts arbeiten und die Pro-' j duktion nicht leiten, die nichts anderes als ein Stück Papier in der Hand haben, nichts anderes als den Rechtstitel auf den Mehrwert, auf die .Ausbeutung, von Jahr zu Jahr mehr verdienen, ^mag die Krise noch so schwer, die Zahl der Arbeitslosen noch so groß sein, mag die Welt darob zum Teufel gehen! Der Kapitalismus kann sich nur noch erhalten, wenn er die Arbeiterschaft verelendet. Und er kann sie wirtschaftlich nur verelenden, wenn er sie politisch versklavt. Der Kampf gegen'die politische Rechtlosmachung der arbeitenden Klasse, das ist der Kampf gegen den Faschismus, ist auch der Kampf für die Hebung der Lebenshaltung per Massen,^ine Demokratie.aber, welche den sozialen Aufstieg, der Arbeiterschaft nicht zu ihrem Pro-' gramm macht, wird die ehernen Grundlagen nicht finden, welche sie.sür den Faschismus uneinnehm- Seite 2 Samstag, 18. April 1936 Nr. 92 Mehrfache Sicherung gegen Willkür Der UnverläBlichkeltsparagraph In seiner neuen Form Prag. Die Siebenerkomitees beendeten am Freitag früh die Redaktion der beschlossenen Aen- derungen im dritten und vierten Hauptstück der Staatsverteidigungs-Vorlage, worauf am Nachmittag der verfassungsrechtliche Ausschuß in Gegenwart des Ministerpräsidenten und des Verteidigungsministers das dritte Hauptstück mit den Sonderbestimmungen für Betriebe, die für die Staatsverteidigung wichtig sind, mit den von der Koalition vorgeschlagenen Aenderun- gcn genehmigte. Kommunisten und SdP-Vertreter brachten eine Reihe von Einwendungen beziehungsweise Wbänderungsanträgen vor. Die von der Koalition beschlossenen Aende» rungen betreffen vor allem, wie schon gestern berichtet wurde, die Bestimmungen über die staatlicheUnzuverlässigkeit, die für Arbeitgeber wie für Arbeitnehmer in den staatswichtigen Betrieben einschneidende Folgen hat. ES ist den deutschen Vertretern in der Koalition gelungen, hier eine genauere Begrenzung dieses Begriffes durchzusetzen und den Beschuldigten vor allem die Möglichkeit einer mündlichenRechtfertrgung noch vor Erlaß des amtlichen Bescheides zu verschaffen, so daß die Möglichkeit eines Mißbrauches dieses Paragraphen gegen, staatstreue Angestellte in diesen Betrieben nunmehr gebannt erscheint. Die nächste Ausschußsitzung ist für Dienstag, den 21. April, vormittags anberaumt. » Die Bestimmungen des§ 19 über die Besitzer von für die Staats erteidigung wichtigen Unternehmungen, die analog auch für die Mitglieder der Berwaltungsräte etc<1 20) und für die Angestellten dieser Unternehmungen erklärt werden möge. Dieser Tage ist endlich diesem Wunsche der Arbeiterschaft entsprochen worden. In der Gesetzessammlung wurde mit soforfiger Wirksamkeit die Verbindlichkeitserklärung unter den Nummern 89 und 90 durch daS Fürsorgeministerium bckanntgegeben. Neben dem Trautenauer Sekretariat der Union der Textilarbeiter sind noch Vertragsgewerkschaftett: der Verband der ckiristlickien Gewerkschaften in Hohenelbe, der deutsch-soziale Gewerkschaftsverband in Trautenau, die deutsche Arbeitergewerkschast in Trautenau, der Svaz textilniho dölnictva in Brünn mit dem Sekretariat in Königinhof sowie der§sl. svaz dklnictva textilniho in Nachod. In den Leinenwebereien umfaßt der Vertrag zehn Firmen mit 1998 Arbeitern..Durch di« Berbindlichkeitserklärung werden einige Firmen, di««inen Arbeiterstand von etwa 180 Arbeitern aufzuweisen haben, gezwungen, nunmehr auch die Kollektivvertragslöhne zu bezahlen. In der I u t e i n d u st r i e wurde der Vertrag mit drei Betrieben abgeschlossen, in denen 1315 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt sind. Durch die Verbindlichkeitserklärung wird die Firma S t i a ß- n y in Hohenelbe gezwungen, ihren 330 Arbeitern ebenfalls die Kollekfivvertragslöhne zu bezahlen Wenn die Firmen nun dennoch die Kollektivvertragslöhne nicht einhalten sollten, so drohen ihnen schwere Strafen I Gleichzeitig hat der Fürsorgeminister, Genosse N e l a S, mit Kundmachung Nr. 88 den sogenannten mittelböhmischen Vertrag, der bereits am 26. September 1985 für die Bezirke Beneschau, Beraun, Böhmisch-Skalitz, Königinhof, HÜndsko in Böhmen, Horic, Königgrätz, Jaromer, Kosteletz a. d. Adler, Lomnitz a. d. Popelka, Jungbunzlau, Mün- chengrätz, Nachod, Neupaka, Neustadt a. d. Mettau, Neu-Äysov, Opocne, Pohlitz a. d. Mettau, Polikka, Prag-Nord, Reichenau, Turnau, Semil, Eipel, Wil- dcnschwert, Hohenelbe und Senftenberg für verbindlich erklärt worden ist, nunmehr auch für weitere 28 Bezirke für verbindlich erklärt. Der Mittelböhmische Vertrag, der zwischen den Tex- tilarbeitergewerkschasten sowie der Vereinigung der Arbeitgeber der Textilindustrie in Prag vereinbart worden ist, ist nun auch für die Betriebe für ver- bmdlich erklärt worden, die in den Bezirken Weißwasser, Aicha, Holitz, Chlumetz a. C., Chotibot, Chrudim, Jikin, Starkenbach, Grulich, Krivo- klät, Kunstadt, Landskron, Liban, Leitomischl, Kö- nigstadtl, Nasavrk, Nechanih, Neubenatek, Mährisch- Neustadt, Pardubitz, Pribislau, Rokitnih, Skutsch, Schlau, Sobotka, Wekelsdorf, Saar und Eisen- brod liegen. Die Berbindlichkeitserklärung hatte ursprünglich für 60.000 Textilarbeiter und Textilarbeiterinnen Geltung, deren Zahl sich nunmehr sehr beträchtlich erhöht. Da bei dieser Erweiterung der Verbindlichkeitserklärung des mittelböhmischen Vertrages auch die Bezirke Wekelsdorf und Starte n b a ch inbegriffen sind, gilt demnach der Braunauer Vertrag, der vor einigen Wochen endlich abgeschlossen wurde, demnach nur für den G e- richtsbezirk Braunau. Jedenfalls hat die Arbeiterschaft durch diese Berbindlichkeitserklärung einen beträchtlichen Erfolg errungen. Es werden nun alle Unternehmer gezwungen, die ohnedies so schlechten Löhne nicht noch andauernd zu unterbieten. Diesem Verelendungsprozeß, der durch so manchen Volksgemeinschaftsunternehmer gefördert wurde, ist nunmehr durch die Tatkraft der freien Gewerkschaften und des sozialdemokratischen Fürsorgeministers R e k a s Einhalt geboten worden. Der Unfalls-Schacht von Schwadowitz Am Dienstag nach Oster« verunglückte sie den Stein ko y l enwerkrn in S ch w a d o w itz der Bergarbeiter Franz I v ch m a n n aus Grotz- Schwadowitz. Während der Arbeit hatten sich Ge- stemsmaffen losgelöst, die Jochmann unter sich begruben und ihm den Kopfzerschmetterten, so daß der Unglückliche sofort starb. Jochmann war 35 Jahre alt und hinterläßt Weib und Kind. Seit Beginn dieses Jahres haben sich in den Schwadowitzer Kohlengruben nicht weniger als 52 Unfälle ereignet! Das hängt zweifellos mit den gesteigerten Ratio- nalisierungsmethoden zusammen, so daß also end- lich eine gründliche Untersuchung durch di« behördliche Kommission gefordert werden muß. Oer verantwortliche Redakteur des trautenauer Tasblatt“ verurteilt Dieser Tage wurde beim Kreisgericht in Jikin ein Preffeprozeß zu Ende geführt, der bereits seit Juni 1934 im Gange ist und vom Genossen Rudolf Erben, Bürgermeister in Jungbuch, gegen Heinz Linke,' verantwortlichen Redakteur dös»Trautenauer Tagblatt", wegen eines am 25. Mai 1934 im»Trautenauer Tagblatt” unter der Ueberschrift: »Roser-Terror in Retteudorf" veröffentlichten Ar- ttkei«- angestrengt-worden war. In'dem erwähnten Artikel wurde Genosse Erben beschuldigt, daß er als Führer einer Reihe Jungbucher Genossen eine Versammlung der Rettendorfer Ortsgruppe der SHF mit Terror störte, so daß die Versammlung unterbleiben mußte'. Genosse Erben fühlte-sich durch den Inhalt deS Artikels beleidigt und brachte durch Dr. Otto Haas, Advokaten in Trautenau, die Presseklage beim Kreisgericht in Jikin ein. Redakteur Linke, vertreten durch Dr. Kellner, führte den Wahrheitsbeweis über die Behauptungen des Artikels, welcher ihm jedoch mißlang, trotzdem der angeklagte Redakteur 80 bis 40 Zeugen führte. Bei der letzten Haupwerhandlung erklärte das Gericht, daß die gegen Genossen Erben erhobenen Beschuldigungen nicht bewiesen worden sind. Insbesondere sei nicht erwiesen, daß Erben Genossen aufgefordert hätte,'in die Versammlung der SHF einzudringen. Da auch bezüglich anderer Beschuldigungen ein Wahrheitsbeweis nicht angeboten worden war, verurteilte das Gericht Heinz Linke zu 300 kö, im Uneinbringlichkeitsfalle zu einer Arreststrafe von 10 Tagen, bedingt auf ein Jahr und zur Veröffentlichung des Urteils im»Trautenauer Tagblatt” sowie zum Ersatz der gesamten Kosten des Strafverfahrens. Der Verteidiger des Angeklagten meldete gegen das Urteil die Nichtigkeitsbeschwerde an. so daß sich mit der Sache das Oberste Gericht in Brünn noch beschäftigen wird. Nordböhmlsche Strumpfindustrie gut beschäftigt scheint das schon zum System zu gehören. Damals wurde über Einschreiten der Genossen Tichy und G ö p f e r t bei den Besitzern eine telegraphische Geldüberweisung erreicht. Es wäre hoch an der Zell, wenn sich die Bergbehörden einmal näher um diesen Schacht kümmern würden. Die Besitzer sind, die Herren 11 h e r und Müsikak aus Teplitz, diese!« ben Leute, di« auch Eigentümer des Prokopschachtes in Soborten sind, auf dem vor einigen Monaten das schwere Unglück geschah, durch das sechs Menschen den Tod fanden. Der eine B e s i tz e r i st S ch u st e r, der andere L e d e r h ä n d l e r, also Leute, die die richtige fachliche Qualifikation für die Leitung eines Bergbauunternehmens hacken! Ter Betriebsleiter hat den vorsprechenden Vertrauens« männern erklärt, die Belegschaft möge sich d e n L o h n b e i d e n G e n o s s e n Sänke! und G ö p f e r t aus zahlen l a s se n. Es ist ein Skandal sondergleichen, daß es diese Herrschaften auch noch wagen können, nach allem was bisher geschah, die Berg« ar beit erschuft z u p r o v o z i. e r e n. Die freien Gewerkschaften, die„Union der Berg« arbeiter"- und der„Svaz horniku" werden ge« meinsam mit dem Revierrat in Brüx alle geeigneten Schritte unternehmen, um der Belegschaft zu ihrem Rechte zu verhelfen. Die Provokationen dieser beiden Herren müssen endlich einmal ein Ende finden.« Die Verhandlung gegen die beiden Besitzer-wegen des Unglückes auf dem Prokop-Schacht sollte bereits am 6. April durchgeführt werden, doch wurde sie wegen Ergänzung von Akten-vertagt. Für die Rücksichtslosigkeit,, mit der von diesen Besitzern die Arbeite« behandelt werden, ist auch der„Milada-Schacht” ein guter Beweis! Eingestellter Sportverein. Das Polizeikom« missaricrt in Brüx hat am Donnerstag die Tätigkeit des„Deutschen Sportklubs Brüx 1905” eingestellt. Gleichzeitig wurde bei der Staatsanwaltschaft gegen die verantwortlichen Klubfunktionäre eine Strafanzeige nach dem Schutzgesetz erstattet; das Polizeikommissariat hat außerdem das Vcr- waltungsstrafvekfahren eingeleitet.— Die Ursache dieser Maßnahmen bildete der in einem Teil unserer Presse bereits geschilderte Vorfall vom letzten Sonntag, wo«in reichsdeütscher Verein« „G u t s Muts” aus Dresden, ein Fußballspiel gegen den Brüxer Verein absolvierte. Die Brüxer hatten'ans dem Spielplatz die tschechoslowakische Staatsfahn« gehißt.--HOie Reichsdeutschen forderten, daß auch die Haken« kreujpfahne gehißt oder die tschechoslowakische Fahne entfernt werde, und erklärten, sonst'zu dem Spiel nicht anzutreten. Die Brüxer Bereinsleitung klappte unbegreiflicher Weise vor dieser Forderung zusammen und zog die Staatsfahne ein, was von der tschechischen Presse aufgegriffen und angeprangert wurde. Der verlogene reichsdentsche Rundfunk meldete Freitag Mittag:„Gegen den marxistischen Bürgermeister der Stadt Pilsen, Pik, war vor einiger Zeit von einem Bürger der Stadt Brünn der Vorwurf erhoben worden, daß er als Ver- ■ waltungsrat der Skoda-Werke 230.000 Xe jährlich erhalte. In dem Beleidigungsprozeß des Pilsener Bürgermeisters gegen den Brünner Bürger konnte dieser den Wahrheitsbeweis führen...” Selten konnte eine Lumperei so einwandfrei wi- 'derlegt werden wie diese. Der„Brünner Bürger" — ein Kommunist namens Klimes, der cs so bis zum Gewährsmann Goebbels gebracht hat— erhielt für die Beleidigung des Genossen Pik fünf Tage zudiktiert, und diese unbedingt, weil die Unwahrheit seiner Behauptungen selbst für einen Kommunisten zu schreiend ist. Diesen Nachweis führte der Kläger, der belegen konnte, daß er niemals einen Heller der Verwaltungsbkzüge für sich behalten hat, sondern stets alle Gelder wohltätigen Zwecken zugeführt hat. Der reichsdeutsche Rundfunk hat die Tatsachen also einfach auf den Kopf gestellt. Wie der Prager Börsen-Courier meldet, besteht derzeit eine starke Nachfrage nach Strümpfen. Das hat um so'mehr eine günstige Wirkung auf die Strumpfindustrie, weil die vorjährigen Lagcrbestände nicht besonders groß waren. Infolgedessen sind fast sämtliche Fabriken, gleichviel ob in Weipert, Teplib-Schönau, Schönlinde oder Warnsdorf, gut beschäftigt. In manchen Betrieben wird zweischichtig gearbeitet. Tie gute Beschäftigung ist auch auf größere Exportaufträge vor allem in die Nordstaaten, England, Schweden» Norwegen und Dänemark, aber auch in die englischen Kolonien zurückzuführen. neuerlicher Streik auf dem hlllada Schacht In SchleBslock Freitag, den 17. April, ist die Belegschaft des„Milada-Schachtes" in Schieß- g l o ck, Bezirk Saaz, neuerlich in den Streik getreten^ Die Ursache ist darin zu suchen, daß die Schachtverwaltung der Belegschaft wiederum für dir letzt« Woche die Löhne schuldig geblieben ist. Schon vor'14 Tagen hat die Belegschaft aus dem gleichen Grunde gestreikt. Auf diesem Schachte Hausfrauen wissen es! Tagein, tagaus, das ganze lange Jahr hindurch geht der Mann seinem Berufe nach. Schon beim geistigen Arbeiter, selbst im saubersten Büro leidet die Wäsch« stark unter Verschmutzung, um wieviel mehr aber erst bei Handarbeitern. Staub, Ruß und Kohlenstaub machen äuch die sauberste Wäsche in kürzester Zeft schwarz und unansehnlich. Durch die Arbeit werden die kleinen Ruß- und Staubteilchen tief in die Getvebefasern eingerjeben und sind nur schwer wieder herauszubekopnnen. Dazu bedarf es einer Seife, deren Reinigungskraft ganz außerordentlich ist und deren Lösung tief in das Gewebe einzudringen vermag und auch den letzten Schmutz herauSholt. Tas wissen die Frauen—- und darum nehmen sie auch nur eine wirklich gute Kernseife zum Waschen: Schicht-Hirschseife. Hier gibt ihnen die jahrzehntelange Erfahrung der Firma Schicht die Gewähr dafür, daß diese Seife auch wirklich hält, was sie verspricht: schonende Entfernung jeglichen Schmutzes. Die kluge Hausfrau weicht ihre Wäsche am Abend vorher in„Frauenlob” ein, das schont die Wäsche und erleichtert die Arbeit. Rat und Auskunft in allen Waschangelegenheiten erteilt gern die Georg Schicht A. G.. Aussig. Seite 4 Samstag, 18. April 1936 Nr. 92 Gruß an Hermann Hesse Lieber Hermann Hessel Gerade hatte ich in der»Neuen Rundschau" Ihr schönes Gedicht»Nach einem Begräbnis" gelesen, über dessen traurigen Anlaß ich durch Ihren letzten Brief unterrichtet war, und hatte mir vorgenommen, Ihnen zu schreiben und Ihnen zu sagen, wie sehr es mich ergriffen, aber auch wie sehr es mich erfreut hat, nämlich als Ausdruck vollendeter künstlerischer Bemeifterung eines schmerzlichen Erlebnisses, da lese ich, daß man Ihnen den Gottfried-Keller-Preis zugesprochen hat. Und das wäre denn erst recht ein Grund, Ihnen zu schreiben. Die Schweizer sind halt doch ein lobenswertes Voll. Wenn auch die»Neue Zürcher" gottlob des Guten, nämlich der guten Jahre, zuviel getan hat, als sie Ihnen neunundsechzig nachsagte, so hat sie doch recht, sich zu wundern, daß erst jetzt die Literaturhüter unv Dichtwarte merken, daß sie sich einmal wirklich ehren könnten, indem sie Sie ehren. Man hat Sie bisher einfach als selbstverständlich hingenommen und weiter kein Wesen aus Ihnen gemacht, weil sie selbst kein Wesen aus sich machten. Sie sind ungekrönt fast Sechzig geworden, weil Sie keine Reklame für sich machten. Dafür haben Sie in der Hinsicht mehr für andere. Werdende und Fertige, getan als jeder andere. Wo ist einer, der so wie Sie regelmäßig unb gründlich, ehrlich und neidlos, aufrichtig und ungehässig die Literatur der Lebenden verfolgt und gns Publikum heranbringt? Daß es grad derjenige Preis ist, der Ihren Namen mit dem Gottfried Kellers verknüpft, freut mich besonders, und ich glaube. Sie auch. Nicht weil damit die Schweiz Sie zum zweiten Mal ausdrücklich als Ihren Sohn annimmt, sondern weil man Sie gar keinem besseren zum Bruder geben konnte als dem unpathetisch starken, lebensnahen, sachlich-schwungvollen Keller, der den Norddeutsch-Strgmmen, den flinken Drüberhinlesern und Drüverweghörern, den Martialisch- Bornierten und einigen anderen Leser- und Schreibertypen nichts zu sagen hat, weil sie eben nicht zu hören verstehen. Sie tragen, wie er, das Schwere und Tragische still"vor, umkleiden, was Sie an sehr Persönlichem geben, schamhaft mit stilistischer Einfachheit und stofflicher Kleinmalerei und erreichen, wie er, daß es wirklich nur die finden, denen es zugedacht ist. Und auch Sie haben dabei, wie er, bei allem fiefen Ernst das gute, gesunde alemannische Lachen auf den Stockzähnen. Ich nehme an, die Rezensenten und die Redakteure der Literaturspalten aller Blätter werden sich aus dem gegebenen Anlaß heraus heftig mit der Aufzählung Ihrer Werft befassen und Ihnen vorrechnen, was Sie alles, und warum und wie und inwieweit auf dem Kerbholz haben. Ich denke, das kann ich mir sparen, zumal Sie selbst es am besftn wissen. Ich möchft Ihnen nur gratulieren und Sie grüßen. Mit viel mehr Interesse sehe ich dem entgegen, was von Ihnen in den künftigen Jahren kommt, als dem, was die Besprecher heute über Sie zu melden haben. In fttzter Zeit mache ich die Beobachtung, daß unter den jungen Menschen derjenigen Kreise, die, wie man meinen konnte, infolge ihrer inten- Zum 150. Geburtstag von John Franklin Am 16. April jährft sich der Geburtstag des bekannten englischen Seefahrers und Polarforschers Sir John Franklin zum 150. Maft, der im Jahre 184? auf der Suche nach einer nordwestlichen Durchfahrt vom Atlantischen zum Stillen Ozean starb. Unser Bild zeigt eine Szene von der Expedition Franklins von 1819—1822 an der Nordküste von Amerika. lernte!? DeS Zaren Kosaken, fie trieben mit Knuten uns durch die Stadt. Es ist»ns in Pole« geblieben, der Herr, der die Knute hat. Wir wurde» aus Knechten der Fremden, nun Knechte im eigenen Hans. Es wurde die Freiheit den Herren, uns Knechten blieb fie ans. Dreitausend find gestanden z« Hanf, in Lemberg vor Stahl und Blei. Und wen» in Blut fie sanken darauf, die Schlacht ist noch nicht vorbei. I« Warschau, in Lodz und Lemberg geh'«, die Tote« nun»ns zur Seit'. Sie wollen mit uns in den Morgen seh'», in den Ptorgen der neuen Zeit. Knrt Doderer. Das Zündholz, das den Weltkrieg ansteckte. In Salzburg ist 76jährige Baron Wladimir Giesl von Gieslingen gestorben. Der Name wird die Jahrtausende überdauern. Dieser Giesl, eine reichlich unbedeutende und eben darum katastrophaft Erscheinung, die nur einmal auf einen Tag ins grellste blutigrote Rampenlicht der Geschichft trat, hätte unbekannt, und unbeachtet sterben können, wäre es ihm nicht bestimmt gewesen, seinen Namen mtt dem Tode von 10 Millionen Menschen schicksalshast zu verknüpfen, zehn Aiillionen, von denen viel« noch ftben könnten, die Giesl und um zwei Jahrzehnte überlebt hat. Er war 1914 k. u. k. Gesandter in Belgrad. Er hatte dort die Note zu überreichen, die man in Wien erzeugt hatte, um einen kftinen Krieg zu provozieren und er hatte am Nachmittag des 25. Juli 1914 die Antwort auf die Note entgegenzunehmen. In diesem Augenblick wurde er eine weltgeschichtliche Persönlichkeit, er wuchs ins Grenzenlose;«in Zwerg wurde auf ein himmelhohes Postament gehoben. Eine Viertelstunde, nachdem Passt bei ihm erschienen war, halft Giesl die Rolle wieder ausgespielt. Er bestteg den bereitstehenden Extrazug und fuhr mit Sack und Pack und Personal nach Semlin. Auf seinen Spuren folgte das gefräßige Ungeheuer des Weltkrieges. Hätte ihn Giesl verhindern können? Er hatte doch nur die serbische Antwort zu übernehmen. Trotzdem lag«in paar Minuten lang das Gewicht der ganzen Verantwortung auf seinen Schultern. Er hatte allein zu prüfen, ob die Antwort genügend sei. Sie war es/nach der strikten Wiener Weisung, die bedingungöftse Annahme aller Punkte forderte, nicht. Serbien lehnte zwei Punkte ab, machft zu anderen gewisse Bemerkungen. Aber alle Diplomaten und Historiker, die das Dokument und die Antwort kennen lernten, haben erklärt, Oesterreich hätte sich mit dem unbestreitbaren Erfolg bescheiden müssen. Wilhelm n. schrieb an den Rand des Aktes: Für 48 Stunden eine brillante Leistung. Daraufhin hätte ich niemals Mobilmachung befohlen I Durste Giesl annehmen? Er wäre vielleicht von Wien desau- vouiert worden. Vielleicht— vielleicht aber auch nicht. Er wären Stunden verstrichen und in Stunden konnte sich viefts ändern, alles zum Guten wenden. Die Erklärung Giefts, daß die Antwort genüge, hätte in Oesterreich, hätte in der ganzen Welt eine andere Stimmung geschaffen, man hätte, aufgeatmet, vielleicht hätte Berchtold sich dem fait accompli fügen müssen. Wäre Giefl ein selbständig handelnder und verantwortungsbewußter Diplomat gewesen, er hätte vielleicht den Weltkrieg— mindestens für 1914— verhindern können. Er war aber nur ein glatter Geschäftsträger, ein Werkzeug, ein Zündholz in der Hand eines Stärkeren. Er fuhr, nachdem er den Text überflogen, binnen Minuten davon— in die Unsterblichkeit. Die Bahn ist gesäumt von 10 Millionen Gräbern! Ein graufiger Fund. Am Donnerstag d. W. wurde in Bodenbach im Lerchenfeld-Gäßchen von einer Frau die abgehackte Hand eines neugeborenen Kindes gefunden. B e der ärztliche Befund ergab, handelt es sich um die Hand eines Kindes, das im achten oder neunten Monate der Schwangerschaft geboren wurde und gelebt hat. 'Die Abttennung der Hand mutz nach dem Tode des Kindes erfolgt sein. Ob der Tod gewaltsam herbeigeführt wurde oder ob das Kind eines natürlichen Todes gestorben ist, ftnnte nicht festgestellt werden. Man vermutet, datz die Leiche zerstückelt und in die Elbe geworfen wurde. Auf dem Transport dürfft das Händchen verloren worden sein. Dentsches Militärflugzeug in der Schweiz aigestürzt. Freitag nachts stürzte ein deutsches Militärflugzeug aus Augsburg in der Nähe des Dorfes Orvin bei Bftl im Kanton Bern ab, nachdem es etwa«ine Stunde lang herumgeirrt war. Bon den fünf Mann Besatzung in voller Uniform wurden zwei getötet, drei Verletzte ins Spital gebracht.— Bei einer britischen Flugübung stürzte ein Kampfflugzeug über dem Flugplatz der Fliegerschuft Westwoord bei Peterberough ab. Es wurde dabei gegen einen Flugzeugschuppen geschleudert und ging in Flammen auf. Das Unglück forderte drei Todesopfer. Der Flugzeugschuppen mit vier Flugzeugen wurde«in Opfer der Flammen. Familientragödie. Als der Friseur Anton Petermann in St. Rupprecht bei Klagenfurt Donnerstag früh erwachte, fand er seine Frau und seine beiden sechs Jahre alftn Zwillingstöchter be- wutztlos in ihren Betten lftgend vor. Der herbeigerufene Arzt stellte eine schwere Veronalver- giftung fest. Die beiden Kinder und die Gatttn PetermannS wurden ins Spital überführt, er selbst nahm sich den Vorfall derart zu Herzen, datz er sich in den Nachmittazsstunden bei der Bahnüberführung der St. Peterssttaße unter den her anbrausenden Wiener Schnellzug warf; er wurde auf der Stelle getötet. Seine furchtbar verstümmelte Leiche wurde nachher am Bahndamm aufgefunden. Torpedo explodiert. Donnerstag nachmittag? explodierte im Marine-Arsenal von Brest ein Torpedo. Zwei Arbeiter wurden getötet, drei weitere schwer verletzt. Eine gewaltige Flut hat die Stadt V e n e- d i g überschwemmt, die Donnerstag den ganzen Abend in Dunkel gehüllt blieb. Theater und Kinos ftnnftn keine Vorstellungen abhalten. Der St. Marcus-Platz und alle Gassen sind überschwemmt. Feuerwehrftute mutzten einigemale einschreiten, um bei der Rettung von Menschenleben und Eigentum zu helfen. Auto-Unfälle. In den späten Abendstunden des Donnerstag ereigneft sich in St. Oswald bei Graz ein Auwmobilunglück, welches zwei Todesopfer forderte. Die beiden Beamten der Bundeslandesversicherung Leopold, Goetz und Walter Herzog fuhren an einer Straßenbiegunz gegen emen Abhang, wobei der Kraftwagen umstürzte und die beiden Insassen unter sich beglich. Beide konnftn nurmehr als Leichen geborgen werden. — Donnerstag vormittags ereignete sich auf der Serpentine zum Avala-Berg(Jugoslawien) ein Automobilunglück, dessen Opfer der Ingenieur Zivojin Zivojinoviö wurde. Zivojinovst fuhr mtt dem Leutnant Jovst und verlor in einer scharfen Kurve plötzlich die Herrschaft über den Wagen, der über den Rand der Böschung hinausfuhr, sich in der Luft überschlug und im Graben liegen bli^b. Die Folgen waren schrecklich. Zivo- jinovst, der am Volant saß, wurde schwer verletzt, während Jovi! unverletzt blieb. Zivojinovst wurde ins Kranftnhaus gebracht, wo er abends seinen Verletzungen erlag. Er war ein bekannter Fachmann und hat die Aerowagen als erster in Belgrad eingesührt. „Pg" Dillinger. Die„New Dork Post" bringt nachträglich die Nachricht, daß der bekannte Gang» sterführer John Dillinger, der erschossene„Volksfeind Nr. 1", Mitglied der Nationalsozialistischen Partei der Bereinigten Staaten war. Seine Mtt» gliedskatte trug die Nummer 1684 und dgs Datum, -vom 16. Mai 1933. Dillinger würde im Juni 1933 Ans der Arbeüer-Tnrn- nnd Sportbewegung Die Fußball*Meistersdiaft im 5. Atus-Kreis bringt in der ersten Klaffe am Sonntag, den 19. April«, a. nachstehende Spiele: Gruppe II: Wannow gegen Aussig-Nord— Nestersitz gegen Schönpriesen— Kleische gegen Ull- gersdorf. Gruppe III: Krochwitz gegen Predlih— Tür- niitz gegen Schönfeld— spielfrei: Aussig-Ost. Tabelleuftand Gruppe II Spieft Tore Punkte Kleische.. .. 7 32:10 13 Nestersitz J. .. 7 27:12 11 Ullgersdorf. .. 7 12:13 7 Aussig-Nord» .. 7 23:25 5 Schönpriesen. 1 f 7 17:23 4 Wannow., .. 7 5:81 0 Gruppe III Schönfeld., ■• 6 16:8 8 Predlih., •■ 5 14:5 8 Krochwitz., 1 1 13:9 5 Tllrntip.., i i 6 13:21 ä: Ausstg-Ost» naß 5:18 0 Das Spiel Krochwitz gegen Schönfeld Wird am 17. Mai nachgettagen. Anstoß aller Spieft: 3 Uhr nachmittags. Aenderungen können unter beidersei- tiger Vereinbarung vorgenommen werden. Die Kreisspielleitung. von Heinz Spanknöbel, dem Führer der National- sozialisten in Dettoit, an Dr. Giffibl, den damaligen Letter der National,ozialisten in Chicago und der- zeittgen Führer der Gesamtorganisation in USA. mtt einem Empfehlungsschreiben gewiesen. Hundertster Geburtstag des Mineralogen Gustav Tschermak-Seysenegg. Am 19. April jährt sich zum 100. Male der Gedenktag, daß der Altmeister der Mineralogie Gustav Tschermak-Seysenegg zu Hittau in Mahren geboren wurde. Nach Gymnasialstudien in Olmütz bezog er die Wiener Universität, welcher er zeitlebens treu blieb, auch als ihn eine glänzende Berufung nach Göttingen zu ziehen suchte. Von 1872 bis 1906 wirkte er als Professor der Mine- ralogie und Pettographie an der Universität Wien. Das von ihm verfaßte Lehrbuch hat neun Auflagen erlebt. AIS Forscher beschäftigte Tschermak besonders die Frage nach dem Aufbau zahlreicher Mineralien— so besonders der Feldspate, Glimmer. Hornblenden u. a.— aus verhältnismäßig wenigen Grundverbindungen, wozu gründliche chemische Arbeiten erforderlich waren, in welche sich Tschermak mit seinem tteuen Freunde Ernst Ludwig teilte. Auch zur Chemie der Kolloide hat Tschermak bereits in früher Zeit grundlegende Beittäge geliefert, die ihren Höhepunkt erreichten in seinen Studien über Kieselsäuren, die er noch im achten Jahrzehnt seines Lebens in unablässigem Eifer fortsetzte. Bedeutsam waren TschermakS Arbeiten über Meteoriten, die er als Erzeugniffe des ftsmischen Vulkanismus erkannte, und an denen er einen Zusammenhang zwischen Beschaffenheit und Fallzett feststellte. Am 21. April ehrt die Wiener Universität Gustav Tschermaks Andenken durch Enthüllung einer Gedenktafel im Arkadenhofe. Der litauische Außenminister Lozoraitis ist Freitag abends in Prag eingetroffen. Dementterte Gerüchft über die Erschießung Knud Eckeners. Die im Auslande vielfach verbrei- teten Gerüchte, die von der Erschießung des Sohnes Dr. Eckeners, Knud Eckener, wissen wollen, werden von Berliner amtlichen Stellen als stven Hingabe an die aktuelle Wirklichkeit, an po-^ litisch-ökonomische Probleme der Gegenwart, an die akzentuierte, andeutungsrciche, tendenzgeladene Ltteratur unserer erregftn Zeit, für stillere, gewoflt distanzierte Dichtung nicht in Frage kommen, eine ganze Anzahl gerade Sie kennt, hochschätzt, liebt. Es sind durchaus nicht Mitläufer der Bewegungen, sondern mefftens gerade die fundierteren, auch auf ihrem politischen Interessengebiet gut beschlagenen und aktiven Menschen. Ein Zeichen, daß der Marxismus durchaus nicht den Sinn für das unmarxistische Gehaltvolle zerstört und es nicht aus seiner Welt ausschlietzt. Wo Einzelne sich anders verhalten, da liegt es eben an den Einzelnen: an ihrer individuellen Enge, ihrer Unfähigkeit, die wirkliche Spannweite ihres leidenschaftlich erfaßten Leitprinzips zu erkennen. Hoffentlich haben Sie schöne Tage, so daß die Fröhlichkeit der Landschaft noch zu der Freude aus dem aktuellen Anlaß hinzukommt. Ich denke mir Sft in Ihrem helft«, besonnten Zimmer mit dem Blick auf die Berge und über jenes Stück des Sees und empfinde von neuem, wie sehr Sie dorthin gehören, wie sehr Sie in jener Landschaft«n rechten Platz find. Ich muß sagen: es ist die Zeit für das Tessin, und seit einigen Tagen mache ich die Beobachtung, datz bei mir das Verlangen nach der klaren durchleuchteten Lust am Lago— allerdings steht in meinen Wunschträumen nicht der Luganer sondern der Maggiore an erster Stelle— sich ungebührlich breit macht. Für diesmal Schluß. Ihnen und Ihrer Gatttn herzliche Grüße! Ihr MaxBarth, vollkommen aus der Luft gegriffen bezeichnet. Der nach8et»Ue Winter. Hinter einer Druckstörung, welche aus Böhmen nordwärts abziehr, dringst über unsere Gegenden vom Siwwesten her kältere Lust vor. Ihr Vordringen wird von zahlreichen, jedoch meist schwachen Gewittern begleiftt. — Wahrscheinliches Wetter von heute: Vom Westen her wettere Wetterverschlechterung, kräftige Abkühlung. Namentlich im mittleren Teil der Republik Niederschläge, auf den Bergen Schneeschauer. Nur im Osten noch relattv warm.— W et« te raussichten für morgen: Unbeständig und kühlt mtt Neigung zu Schauern. Vom Rundfunk lü>tih‘r*iTnrtn mm«Sm Pronrameraai Sonntag Prag: Sender L.: 7.30 jlebertragung aus Karlsbad. 9.80 Mufiks Salonquartett. 13.45 Schallplatte«. 14.80 Orchesterkonzert. 16.30 Uebertragung aus dem Tyltheater: Auf der grünen Wiese. 17.50 Deutsche Sendung: Uebertragung des Orchesterkon« zertS aus Brün». 18.50 Deutsche Presse. 20.55 Konzert der Tschechischen Philharmonie. 22.25 Deutsche Nachrichten.— Sender St.: 14.30 Deutsche Sendung: Arbeit erfunk: Dr. Gerhard Schulz: Aktuelle Probleme im historischen Gewand. 14.45 Gedichte im Dialekt. 15.00 Liederkonzert. 15.80 Neuer englischer Humor. — Brünn: 11.25 Konzert. 17.50 Deutsche Sendung: Beethoven: AuS„Missa softmniS". 22.20 Schallplatte«.— Preßburg: 18.00 Donauwalzer. 14.10 Klavierkonzert. 20.35 Unterhaltungskonzert.— Ka» schon: 16.00 Nachmittagskonzert.— Mädr.-Ostrau: 19.10 Buntes Konzert, fluslctttd England und der mittlere Orient Es scheint, daß sich in der arabischen Welt eine ganz neue Entwicklung anbahnt. Völlig unbemerkt von Europa sind eine Reihe wichtiger Verträge in der jüngsten Zeit zwischen den arabischen Staaten abgeschlossen worden. P e r s i e n hat einen Freundschafts- und Nichtangriffspakt einerseits mit Afghanistan, andererseits mit Irak abgeschlossen. Irak hat seinerseits einen Pakt mit dem Beherrscher des inneren Arabien, dem König I b n S a u d, unterzeichnet. Diesem letzteren Vertrag hak sich auch N e m e n angeschloffen, während die ä g y p t i- sche Presse mit der größten Freude diesen Vertrag begrüßt hat. Es sieht sehr danach aus, daß hinter diesem arabischen Vertragsnetz die eng- lisch« D i p lomatieam Berk ist. London, das noch vor zehn Jahren auf die arabische Uneinigkeit spekulierte, hat sich jetzt höchst wahr, scheinlich für den Plan einer arabischen Föderation entschieden. Die britischen Bestrebungen haben eine Spitze zunächst gt^en I t a^- l i e n, das fich in der letzten Zeit als„Beschützer" der Araber gegen' den englischen und zikm Teil sogar gegen den französischen Imperialismus aufgespielt hat. Dian will in London ein für allemal dieser italienischen Politik im mittleren Orient das Wässer abgraben. Darüber hinaus kann diese neue arabische Bewegung auch der französischen Herrschaft in Syrien sehr gefährlich werden. England geht an- scheineyd darauf aus., seine politischen Positionen im östlichen Mittelmeerbecken für alle Eventualitäten zu fichern. Das entspricht auch der allgemeinen Tradition der britischen Diplomatie. Sollte Italien tatsächlich seine Außenpolitik in anti-britischer Richtung festlegen, so wird man in London sehr wahrscheinlich einer unmittelbaren Frontalattacke umfassende Manöver vorziehen, mit dem Zweck, den neuen Gegner des Empire zu isolieren und entscheidend zu schwächen. Eine der wichtigsten Elemente dieser britischen Einkreisungspolitik gegen Rom ist zweifellos auch< die neue„pan-arabische" Politik Londons. „Borkrie-speriode". Der Warschauer Mitarbeiter des„R e w U o r k H e r a l d"(Pariser Ausgabe) schreibt: Die Hoffnung auf eine Anleihe in Frankreich zwecks Aufrüstung ist heut« in Polen sehr gering. Auch eine innere Rü- stungSanleihe ist bei der heutigen wirtschaftlichen Lage kaum möglich. Die polnische Regierung hat deshalb im Wege einer Präsidialver- ordnung beschlossen, einen besonderen„Fonds dernationalenBerteidigung" zu schaffen. Dieser Fonds wird durch den Verkauf eines Teiles des staatlichen Grundbesitzes gebildet. Auch private Gaben sind willkommen. Die ganze Presse, auch die oppositionelle veröffentlicht dazu Aufrufe unter der Parole, am 7. März, mit der Besetzung der demilitarisierten Zone, sei die Nachkriegsperiode beendet und eine neue Borkriegsepoche habe begonnen. Indien auf dem Weg« der Umgestaltung.(AP) Der neue Vizekönig von Indien, Lord Linlithgow, hat sich nach seinem künftigen Wirkungskreis begeben. Er findet eine wichtige Aufgabe vor, denn in den nächsten Jahren soll die Umwandlung Indiens aus einer Kronkolonie in einen konstitutionell regierten Bundesstaat vollzogen werden. Vielleicht ist Lord Linlithgow bereits der letzte Vizekönig, und es ist möglich, daß schon sein Nachfolger den Titel „Generälgouverneur" tragen und mit einer Bundesversammlung zusammenarbeiten wird. Die Umgestaltung Indiens hat im übrigen bereits eingesetzt. Schon wurde Birma von der indischen Verwaltung getrennt, um ein eigenes Staatswesen zu bilden. Die dortigen nationalen und religiösen Minderheiten, die früher auf Kalkutta und Delhi geblickt hatten, find darüber keineswegs begeistert. In Indien selbst nimmt man die'neue Einteilung vor. Man schafft neue Provinzen und setzt die Wahl bezirke fest. Hand in Hand damit ging eine ungeheure Kleinarbeit. Es galt, für die verschiedenen indischen Provinzen Wahlrechtsvorschläge auSzu- arbeiten, die dem verschiedenen Stand der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Verhältnisse Rechnung tragen, die Kastenvorurteile, nationalen und religiösen Gegensätze berücksichtigen. Zumeist ist dies alles feftgelegt, und dem neuen Bizekönig obliegt es nur, die Durchführung zu überwachen. Man soll aber nicht etwa denken, daß Indien damft in eine Periode der Beftiedigung eintreten würde. Die heftigsten Kämpfe sind noch zu erwarten. Denn bekanntlich werden die Verfassungsborschlage von dem indischen Nationalkongreß als reaktionär bezeichnet und dementsprechend verworfen, während die Gegenseite geltend macht, daß, wie die Erfahrungen mit Ceylon gezeigt hätten, das Nweau der Bevölkerung so tief sei, daß eine unbeschränkte Demokratie-unmöglich sei, und innerhalb der englischen Konservativen eine Gruppe um Lord Lloyd und Sir Henry Page-Crost dey Verfassungsentwurf als zu weitgehend bezeichnest Nicht nur Nehru, sondern auch GasiW/Rr'bA weffem in der Praxi? nicht so radikal ist wie die Ävngreß-Linke/Haben immer wieder versichert, daß nur die volle Unabhängigkeit für Indien in Betracht komme. Vertiefung der Baltischen Entente. fA. P.) Der Termin für die ursprünglich auf Mitte Mai angesetzte Konferenz der Baltischen Entente ist um einige Wochen vorverlegt worden. Die verschärfte außenpolitisch« Situation und manche Wandlungen, die in der letzten Zeit eingetreten sind, wie die deutsch-litauische Entspannung, haben diesen Schritt notwendig erscheinen lassen. Die Konferenz soll die Zusammenarbeit auf diplomatischem und militärischem Gebiet vertiefen, so daß an die Stelle eines lockeren Zusammenschlusses nunmehr wohl ein Bündnis treten würde. Das würde die Bedeutung des am 12. September 1834 geschaffenen Baltischen Blocks natürlich wesentlich erhöhen. Die Haltung der Baltischen Entente zu den entscheidenden außenpolitischen Fragen war nicht immer einheitlich. Auf der Konferenz von Kaunas im Mai 1933 stimmte man dem Gedanken des Ostpaktes zu und begrüßte den ftanzösssch-russischen Pakt. Dann trat plötzlich ein Umschwung ein. Die baltischen Regierungen wandten sich einer vorsichtigen Haltung zu, die sie bis auf den heutigen Tag beibehalten' haben. Motiviert wurde dies damit, daß Frankreich zwar mit der Tschechoslowakei Vereinbarungen für den Fall eines Angriffes getroffen habe, aber in dem französisch-russischen Abkommen keinerlei Verpflichtungen zur Garantierung der Unabhängigkeft der baltischen Länder eingegangen sei. Was war die Ursache? Nicht nur die Besorgnis vor einer Steigerung des Einflusses der USSR in der Ostsee, sondern vor allem der polnische Einfluß, der, auch auf Finnland gestützt, die baltischen Staaten, beginnend mit Estland, zu einer Aenderung der Tak« tick bewogen hatte. Diese Einstellung kam Deutschland objektiv zugute, und das Dritte Reich hat sich denn auch in Riga und Reval eifrig bemüht, die angebliche Einkreisung zu durchbrechen. Es wäre aber verfehlt, aus alldem zu schließen, daß die Baltsschen Staaten gewillt wären, sich dem Dritten Reich in die Arme zu werfen. Sehr treffend wurde kürzlich gesagt, daß für die verschiedenen Mächtegruppierungen die Partie in Nordosteuropa noch unentschieden stehe. Die baltischen Länder wollen ihre Unabhängigkeit nach beiden Seiten wahren. Gleichzeitig sind sie jetzt bestrebt, die Neutralisierung der Ostsee und der Finnischen Bucht zur Diskussion zu stellen und ein solches Ostseestatut von England, Frankreich und Italien garantieren zu lassen. Bei Schmerzen in den Gelenken und Glie- dirn, Kopfschmerzen und bei Erkältungen hilft rösch Fogol. Haben Sie Vertrauen zu Togal. Ein Versuch über- zeugt. Viele Ärztegutaehten |l« eilen Apothekin Hauchdünn und anschmiegsam Von Walter Jelen Es war an einem schönen Frühlingsvormittag bei Bertolini, dem großen Turiner Warenhaus, in der Abteilung für Badeutenfilie». Zahlreiche Kunden durchfluteten die großen, hallens artigen Räume. Gummitiere, Badetrikots, Korkgürtel und Wafferbälle wurden stark gekauft, hingegen war die Nachfrage in den neuarngen Badeanzügen für Damen aus hauchdünnem, anschmiegsamen, gummigewebtem Stoff schwach. Gegen zehn Uhr betrat ein aufgeregter Herr die große Halle und verlangte den Abteilungs- leiter zu spreche^. Der kam sogleich. ''„Womit kann ich dienen?"'fragte er höflich. Der Mann schnaubte zornig.-,t®en Badeanzug da", rief er und hielt ein hauchdünnes! brandrotes, ziemlich dekolletiertes Exemplar aus dem neuartigen Gewebe in der Hand,„haben Sio meiner Frau verkauft, Solche Anzüge sind doch Unmoralisch", wurde der Mann immer lauter! „DaS ist doch ganz dünn, beinahe durchsichtig^ Wie können Sie etwas derartiges nur verkaufen... Der AbteüungSleiter sprach beruhigend auf den Mann ein, aber der blieb dabei, dass diese dünnen, ganz am Körper anliegenden Dade- »nzüge ein unsittliches Zeug seien... Die Damen indeffen waren durch diese, nicht allzu leis« geführte Unterhaltung auf die Badeanzüge aufmerksam und neugierig geworden. Und diese Neugierde wurde immer brennender, als nach einigen Minuten wieder ein moralisierender Ehemann mit einem solchen Badeanzug und bald dar/rm wieder einer kam. Die Berkäu- fer wiederum träütech sichnicht recht, diese Badeanzüge zu verkaufen, da sie neue Skandale befürchteten.„Ob nicht vielleicht doch ein Trikot...?" wagten sie deshalb zu widersprechen. TrflotS aber hatten die Dmnen zu Hause.„Nein", sagten sie. i„Gcken Sie mir nur einen solchen Badeanzug in Siner hübschen Farbe. Die sind doch nHcklich entzückend. Was die Leute heutzutage alles erfinden...!" „Aber wenn der Herr Gemahl vielleicht",.. versuchten die Verkäufer nochmals zu opponieren. „Der Herr Gemtchl", kam es überlegen zurück,„soll sich nur unterstehen... l" An diesem Tage wurden 444 solcher Badeanzüge verkauft. Anläßlich dieses großen Erfolges der Aktion gab der Personaldirektor dem Wunsche deS Abteilungsleiters, nunmehr alle zehn Minu- ten„reklamierende Ehemänner" in die Halle zu schicken, statt. Pie Verkäufer, hingegen bekamen den Auftrag, die Damen drei weitere Male vor dem Ankauf dieser„hauchdünnen, sich eng an den Körper anpreffenden Badeanzüge" zu warnen... Derart stieg am nächsten Tag der Umsatz um weitere hundert Prozent... l MM mit»M Tschechoslowakische Wirtschaftsnachrichten Das Hohlglaskartell wird gegründet. Nachdem zwischen den Firmen der Hohlglasindustrie eine völlige Einigung erfolgt ist, wird in Kürze die Unterzeichnung des Kartellverträgs erfolgen. Es wird ein gemeinsames Verkaufs- und Kontrollbureau für die Hohlglaserzeugnisse errichtet werden. Mit 15 Gründerfirmen umfaßt das Kartell 70 Prozent der gesamten Hohlglaserzeugung. Zunächst soll es sich auf die Regelung des Ln- landmarktes beschränken, doch dürfte die Einbeziehung des Exports in das Abkommen nur die Frage einer kurzen Zeit sein. Das provisorische Handelsabkommen mit der Türkei ist bis zum 15. Mai 1936 verlängert worden. Die Verhandlungen über einen neuen Handelsvertrag konnten bis jetzt noch nicht zum Abschluß gebracht werden. Aufträge der Staatsbahnen. Das Eisen- bahnministeriumchat in den ersten Monaten 1936 bisher 12 Lokomotiven und 4 Tender in Auftrag gegeben. An Personenwagen hat es>im Jänner 118 Stück bestellt. Außerdem hat es die Lieferung von 55 Dienst- und Postwagen und 85 Güterwagen verteilt.._,, Frankreich erhöbt Kontingent«. Di« zwischen der französischen und tschechoslowakischen Handelsdelegation geführten' Verhandlungen endeten damit, daß Frankreich der Tschechoslowakei die Kontingente für über 60 Warengattungen erhöht hat. Brauereien in der Tschechoslowakei. Am 31. Dezember 1935 gab es in der Tschechoslowakischen Republik insgesamt 394 aktive Brauereien. Davon entfallen auf Böhmen 313, Mähren- Schlesien 66 und auf die Slowakei und Karpa- thorußland 15. Im Verlauf des vorigen Jahres haben zwölf Brauereien die Erzeugung eingestellt. Das Braukontingent wurde von anderen Brauereien übernommen. Kreditanstalt der Deutschen DerwaltungSkapital 930 Millionen Ki. Haftung-kapital 90 Millionen KC. S1 VieSerlossungea. Gegen die Errichtung neuer Betriebe. Dis Hefe-Industriellen verlangen ein Verbot der Errichtung neuer Unternehmungen zur Hefeerzeugung. Begründet wird die Forderung damit, daß der Verbrauch stark zurückgegqngen sei und die Hefefabriken gegenwärtig nur mit 50 Prozent ihrer Erzeugungskapazität arbeiten. Der Güterverkehr steigt. Im Monat Marz ist der Güterverkehr auf den Staatsbahnen mit 389.000 Waggons um 13 Prozent größer gewesen als im gleichen Monat des Vorjahres. Diese starke Zunahme geht ausschließlich auf die Förderung von Gütern für inländische Empfänger zurück. Das Land der Wurstwaren: Uever 50 Prozent der bulgarischen Dnrmausfnhr in die Tsche- choflowakei. Nach soeben veröffentlichten bulgarischen Statistiken war die Tschechoslowakei im Jahre 1935 mit 5,5 Millionen Lewa weitaus an der Spitze der bulgarischen Darmabnehmer. An zweiter Stelle folgte Deutschland mit nicht ganz 2 Millionen, an dritter Stelle Oesterreich mit 1,3 Millionen Lewa. Nachdem die bulgarische Gesamtausfuhr nur knapp 10 Millionen Lewa betrug, nahm die Tschechoslowakei mehr als 50 Prozent der Ausfuhrproduktion ab. Königshofer Cement-Fabrik. Der Verwaltungsrat der Königshofer Cement-Fabrik, Aktiengesellschaft, hat heute seine Bilanzsitzung abgehalten, in welcher über die Ergebnisse des Jahres 1935 Bericht erstattet wurde. Der Preiskampf auf dem Zementmarkte, der seit Ende des Jahres 1933 gedauert hat, ist erst im Herbst 1935 beendet worden,, wo nach: langwierigen Verhandlungen ein gesamtstaatliches! Kartell der cechoslovakischen Zementfabriken zu-! standegekommen ist. Im Geschäftsjahre 1935 ist infolge der schwachen, Bautätigkeit im natürlichen Absatzgebiet der Gesellschaft, d. i. in Böhmen, ein erheblicher Rückgang des Absatzes sämtlicher gesellschaftlichen Erzeugnisse eingetret^n, der im Verein mit den niedrigen Preisen eine fühlbare Senkung des Bruttoerträgniffes verursacht hat. Der Absatz an Zement im Jahre 1935 betrug 30.614 Waggons gegenüber 37.678 Waggons im Jahre 1934, daher ein Minus von 7064 Waggons. Der Absatz an Kall betrug im Jahre 19fif5 2697 Waggons gegen 2964 im Jahre 1934, daher ein Minus von 249 Waggons. Der Umsatz an Ziegeln betrug 16,877.000 im Jahre 1935 gegen 21,167.300 des Vorjahres 1934, daher ein Minus von 4,310.300 Ziegeln. Unter diesen Umständen schließt die vorgelegte Bilanz zum 31. Dezember 1935 mit einem Ueberschuß von bloß Kö 8.986.69 ab, wobei an den Immobilien und Einrichtungen keine Abschreibungen durchgeführt wurden. Die diesjährige 45. ordentliche Generalversammlung wird auf Montag, den 4. Mai 1936, einberufen werden und es wird ihr die Auszahlung einer Dividende von 4%%, d. s. 9 Kc pro Aktie, aus dem ordentlichen Reservefonds in Vorschlag gebracht werden. Die österreichische Beteiligung der Gesellschaft, die Rodauner Cementfabrik, A. G. in Wien, hat nach Durchführung der finanziellen Rekonstruktion, über die in der vorjährigen Generalversammlung Bericht erstattet wurde, relativ zufriedenstellende Ergebnisse erzielt, so daß sie nach Deckung der Regie und der Zinsen normale Abschreibungen an den Immobilien, und Einrichtungen durchführen konnte. Bei gebeffer- tem Zementabsatz in Oesterreich ist zu erwarten, daß sich die Verhältnisse bei der Gesellschaft auch weiterhin zufriedenstellend entwickeln werden, In den ersten Monaten des heurigen Jahres ist der Absatz der gesellschaftlichen Erzeugnisse etwas höher, als in der gleichen Zeit des Vorjahres.■ 340 Bilanz-Konto zum 31. Dezember 1935. Gewinn- und Verlust-Konto zum 31. Dezember 1985. Ankage-Konti: Grundbesitz.. 1935 ££ 4,240.489.05 1934 Kä 4,219.614.85 1935 KC Aktienkapital. 48,000,000.— 1984 K£ 48,000.000.— 9,617.180.— Reservefonds. 7,208.594.65 Betriebsgebäude 26,055.356.65 26,055.856.65 Agiofonds.. 104,556.046.45 104,556.046.45 Wohngebäude. 6,189.098.27 6,189.098.27 , Stabilisierungs- Maschinen und Reservefonds 30,000.000.— Einrichtungen 11,724-228.78 11,687.917.48 Debiwren-Reservc 500.000.— 500.000.— 48,209.172.70 48,151.987.25 Pensions-Reserve 1,000.000.— 1,000.000,— Vorräte... 14,899.686.40 14,402.147.75 Arbeiterunter-. Kassa,.«. 603.815.55 890.089.15 stützungsfonds. 177.990.— 328.934.— Wertpapiere.. 92,434.392.— 66M5.753.— Unbehobene Kautionen.» 1,850.079.65 2,262.529.15 Dividenden. 53.878.— 180.088.— Rimessen.. 25.820.75 79.920.70 Kreditoren.. 36,278.097.73 19,192.478,77 Debitoren.. 39,761.126.47 50,897.629.87 Reingewinn.. - 8.986.69 —.— Verlust nach Ab- zug d. Gewinn- Vortrages vom Vorjahre.. 30,014.665.85 197,783.593.52 213,324.722.22 197,783.593.52 218,324.722.22 1985- XL 1984 Kä 1935 KL 1934 ‘ KL Generalunckosten 4,389.029.80 7,202.563.52 Gewinnvortrag vorn Steuern und Lff. Vorjahre.. —.— 372.556.07 Abgaben., 2,104.443.35 2,289.670.65 Zinsen... 143.668.67 Sozialversicherung Rohgewinn.. 10,283.203.45 20,778.641.90 u. Wohlfahrts- Verlust nach Ab- auSlagen.. 821.087.43 1,495.513.58 zug d. Gewinn- Zinsen... 2,959.656.18 —.— Vortrages vom Abschreibungen: * Vorjahre.. —.— 30,014.665.85 an den Anlagen —.— 10,246.785.24 an Wertpapieren —.— 30,074.999.— Reingewinn.. 8.986.69 -—.— 10,283.203.45 51,309.531.99 10,288.208.45 51,809.531.99 Seite 6 „Sozialdemokrat" Samstag, 18. April 1936. Nr. 92 Trager ZMurg Odyssee In Präs (E. M.) Ein Bekannter au? Wien kam kürzlich Nach Prag, um mich zu besuchen. Er kam unangesagt, er wollte mich überraschen. Bevor der Gute jedoch dazukam, mir die mir zugedachte Ueberra- schnng zu bereiten, ward ihm selbst eine klein« Ueberraschung beschert. Leider eine von der unangenehmen Sorte. Man höre und lerne, ähnlichen Bescherungen aus dem Wege zu gehen: In Prag angekommen, nahm mein Freund am Wilsonbahnhof ein Auto und verlangte, in die Nerudagasse Nummer soundsoviel geführt zu werden. Ter Chauffeur fuhr los, und nach einer den Ankömmling mächtig entzückenden Fahrt, die über den Wenzelsplatz, durch die Nationalstraste, dann ein Stückchen entlang der Moldau und schließlich.über die hochbetagte steinerne Karlsbrücke ging, hielt der Wagen vor einem Haus, in das sich mein Freund begab, nachdem er die Hausnummer überprüft und den Fahrer entlohnt hatte. Er klomm die dunkle Treppe empor, klopfte an sämtliche Türen, turnte die Treppe wieder hinunter, durchstöberte das ein halbes Jahrtausend alte Häuschen vom Keller bis zum Dachboden,— vergebens. Es gelang ihm nicht, mich hier zu entdecken, was bis zu einem gewiffen Grad auch begreiflich erscheinen mag, da ich nie in meinem Leben in diesem Haus gewohnt habe.; Als Nun mein Freund nach erfolglos verlaufener Suche ebenso verwundert wie niedergeschlagen wieder die Straste betrat, sah er sich dem Chauffeur gegenüber,- der ihn hergebracht hatte. Der Mann lüftete ehrerbietig seine Mühe und öffnete mit einer merkwürdigen Selbstverständlichkeit den Wagenschlag, dem mit Recht erstaunten Fahrgast aufklärend:„Der Herr, den Sie suchen, wohnt sicher'in Wrschowitz, dort gibt es nämlich auch eine Neruda- gasse." So gingS also zurück den Weg, den man gekommen war und quer durch Prag bis ans andere Ende der Stadt: nach Wrschowitz./ Doch was sich dort, in der Nerudagasse Nummer soundsoviel, ab- spielte, war leider so ziemlich dasselbe, was sich in dem Häuschen in der Kleinseitner Nerudagasie zugetragen hatte. Und wenn es etwas gab, das meinen atmen Freund Odysseus vor völliger Konster- nierung bewahrte, so war es die beruhigende Eröffnung des Chauffeurs, dast ich bestimmt in Zijjkov wohne, denn auch in diesem Bezirk gebe es eine Nerudagasse. Der Chauffeur hatte recht, nämlich damit, dast es auch in Zijjkov eine Nerudagasse gebe. Bloß seine Behauptung, dast ich„bestimmt" in der ZiZkover Nerudagasse. wohne, war etwas übereilt; denn der Suche meines Freundes war auch dort nicht mehr Erfolg beschieden. wie in den beiden anderen Ne- rudagassen. Erregung und Verzweiflung bemächtigten sich seiner, und. den Chauffeur mit beiden Händen am Mantelkragen fassend, knirschte er:„Mensch, jetzt sagen Sie mir blost, wieviel Nerudagasse» gibt es noch in dieser Stadt?" Wotairf der Gefragte Vie Antwort stammelte:„Nur noch zwei, Herr Chef: eine in Nusle, und eine in Weinberge." Ich wohne in der Weinberger Rerudagaffe, und das must der..gute Taxiführer gewittert haben, weil er meinen. Freund vorher für alle Fälle noch nach Nusle fuhr. Doch als er seinen Passagier schließ- lich in Weinberge endgültig absetzte und schmunzelnd den Fahrlohn einstrich, liest er es sich nicht nehmen, meinem Besuch aus Wien ein paar tröstende Worte mit auf den Weg zu geben: „Der Herr haben ja noch Glück gehabt, dast es die Neruda-, und nicht etwa die Husgasse war; denn von der haben wir sogar s i e b e n auf Lager I" Achtung auf Kinder! Gestern wurden abermals zwei kleine Mädchen überfahren. Das fünfjc^'rige Töchterchen Christine des Polizisten Hütte! aus Bu- bentsch, die sich in der Belcrediftraße von der Hand ihrer Mutter losrist und über die Fahrbahn laufen wollte, wurde vom Auto P 6.734 des Chauffeurs Miroslav Nemekek zu Boden geworfen und am Kopf verletzt. Sie wurde auf die Klinik Iirasek gebracht; ebenso, die, neunjährige Schülerin Milena PKchala, gleichfalls aus Bubentsch, die in der Velvarska vom Auw P 3.565 deS Chauffeurs Wenzel Belsam aus Potschernitz zu Boden geworfen und ebenfalls am Kopf verletzt wurde. Tödlicher Absprung. Der 37jährige Spedüeur Anton Morstein aus Wrschowitz, der gestern mittags auf dem Kohlenauto des Chauffeurs Hubert Pirkl aus Holleschowitz mitfuhr, versuchte, in der Dvoiak« gasse in ZiZkov abzuspringen, rutschte aus und geriet unmittelbar vor die Hinterräder, die ihm den Brustkorb überfuhren. Er stqrb noch vyr dem Eintreffen der Rettungsgesellschaft. Der Chauffeur Pirkl wurde in Haft genommen, obwohl er angibt, den Unfall"überhaupt nicht bemerkt zu haben, als er. geschah. Schwerer Arbeitsanfall. Der 46jährige Heizer Adolf Klepetko aus Prag XIII. glitt, gestern beim Reinigen einer Lokomotive auf dem Wrschowitzer Bahnhof auf dem ölbegossenen Trittbrett aus und fiel auf die metallenen Ausläufer der Räder. Auf der Klinik Schlaffer wurde festgestellt, dast er mehrere Rippenbrüche und innere Verletzungen erlitten hat. Sanatorium MartinStal. Die neuen Pauschalpreise(Frühjahr XL 1000.-— bis 1600.-— für eine dreiwöchentliche Kur) haben in Kreisen der Interessenten grasten Beifall gefunden. Seit Anfang dieses Jahres haben 829 Kurgäste das genannte Sanatorium bereits besuchk. Durch die- anerkannt gute ärztliche und kaufmännische Leitung, durch liebenswürdige und stets aufmerksame' Bedienung, gute Küche und die moderne Einrichtung dieser Heilanstalt.(eröffnet 1933) wird die Zufriedenheit eines jeden Gastes erworben. Die herrliche waldreiche Umgebung trägt gleichfalls- sehr wesentlich zu einem genußreichen Aufenthalt« in MartinStal bei. Die Anreise ist sehr bequem. Ausführliche | Auskünfte, Prospekte und Voranschläge bereitwil» | lieft durch. die Verwaltung des Sanawriums MartinStal, Zwickau i. B., Telephon 32. 91-—19 Der Garten in Strahov wird während der Blütezeit ab Sonntag, den 19, April, täglich von 14 bis 19 Uhr der Oeffrntlichkeit zugänglich sein. Eintritt 1 Xi für wohltätige Zwecke. Telephoniatereffenten werden darauf aufmerksam gemacht, daß in Prag zu jedem Uebersiedlungs» termin etwa 500 bis 800 Telephonleitungen frei zu werden pflegen. Der Neumieter einer solchen Wohnung, in welcher der Vorgänger ein Telephon eingerichtet hatte, kann die Telephonstation zu einem ermäßigten Baubeitrag von 200 Xi übernehmen. Uebernimmt der neue Mieter das Telephon nicht, so kann eine andere Partei in demselben Haus« die Telephonstation gegen«inen Baubeitrag von 250 Xi übernehme«. Voraussetzung ist in jedem Falle, dast die betreffende Leitung nicht schon anderweitig Verwendung gefunden hat. An solchen Stationen wurden in Prag bisher gegen 4000 eingerichtet. Schwere Defraudation einet leitenden Sparkanebeamten Die Affäre Herget— Widerstreitende Gutachten über den Geisteszustand des Angeklagten Prag. Tie Defraudationsaffäre, mit-der sich gestern der Strafsenat Verner zu befassen hatte, hat seinerzeit beträchtliches Aufsehen erregt. Angeklagt war der AbteilungSvorftand einer hiesigen großen Sparkasse, der 53jährige Hermann Herget und sein Helfershelfer, der 35jährige Handelsvertreter Iohann Patzelt. Bon dem Hauptangeklagten Herget war bereits seit längeren Jahren bekannt, daß er trotz seknes guten Gehalts, das an 80.000 Xi betrug, in ständigen Geldverlegenheiten war, woran sein luxuriöser und verschwenderischer Lebenswandel Schuld trug. Schon einmal hatte die Anstalt, um-Herget zu sa» nieren, ihm einen Vorschuß von 20.000 Xi zur Verfügung gestellt, die er aber nur zum Teil zur Til» 4 ± Ali Sanatorium Hartinstah dtoitfonLjB. Leitender ArU Dr. A. Gaube. Widdern« Heilanstalt für alle inneren und Stoff« wechfelkrankbeiten. rbcumatifche Erkrantunnen, Nerven« kranloeften, Moorbad. Paufchaituren do» 1000 bis 1600 Ke, Winterfaisan. Prosvelte und Auskünfte: Zwickau. Tel. 32. 82V7 gung seiner vielfachen unangenehmen Schulden verwendete. Jedenfalls besserte sich, seine finanzielle Situation nicht und das Ende vom Liede war eine ebenso schwere als raffiniert eingefädelte Defraudation, Am 15. Jänner d. I. schickte die Vorsteherin I des Nonnenordens der Boromäerinnen, der auf der Kleinseite ein OrdenSspital unterhält, eine Bedienstete zu der betreffenden Sparkasse, bei der- das Ordensvermögen zum Teil angelegt ist und ließ 4 8 Sparbtzcher zur Zuschreibung der Zinsen für das abgelaufene Jahr vorlegen, Im Zuge dieser Manipulation gerieten die Einlägebücher in die Hand d«S Abteilungsvorstandes Herget. Dieser brachte nun eines von ihnen, das auf den Betrag von 140.000 XL lcnitete, auf die Seite und setzte unter Beihilfe des Angeklagten P a tz e l t ein dreistes Manöver in Szene. Patzelt übernahm nämlich das Buch und hob beim Kassenschalter 120.000 XL ab, worauf er dem Herget das Einlagebuch wieder zurückstellte, der es, nachdem er die ZuschreibungSstampiglie aufgedruckt batte, unter die anderen 47 Sparbücher schob, als ob nichts geschehen sei. DaS behobene Geld teilten die Kumpane unter sich derart, daß Pahelt 25.000 XL bekam und der Rest in die Tasche des gewiffenlosen AbteilungSvorstandeS wanderte.' Der Verdacht dieser Unterschlagung hätte sich Wohl eher gegen unschuldige Menschen gerichtet als gegen Herget, wenn dieser.sich nicht unvotsichtigerweise durch große'GeldartSgaben verdächtig gemacht hätte, die bei seiner notorischen Verschuldung um so auffälliger waren. Diese Spur erwies sich denn auch als richtig und Herget legte alsbald ein volles Geständnis ab. i DaS Verfahren fand dadurch eine Unterbrechung, daß sich eine Psychiatrierung Hergets als notwendig erwies, der selbst behauptet, er habe die Tat in einem Zustand von Unzurechnungsfähigkeit begangen. Da die. Aussagen- seiner Frau; mit der Herget in unglücklicher Ehe lebte(er hielt eine Ge- uebte auS, der er monatlich 1000 Xi Apanage zahlte), ihn als Luetiker hinstellten und seine Fa- miliengeschickte auf schwere erbliche Belastung schließen läßt-(Vater.und Onkel Selbstmörder, zwei Tanten geisteskrank), wurde er der Beobachtung der Geistespsychiater überstellt., Bei der gestrigen Verhandlung ergab sich nun der seltene Fall, daß die psychiatrischen Begutachter vor Gericht eine recht gegensätzliche Meinung von dem Fall vertraten. Dozent Dr. Bondy-erklärte, nach eingehender Untersuchung des Angeklagten keinerlei Spuren eirter akuten geistigen Erkrankung oder luetischen Infektion festgestellt zu hohen. Herget sei zurechnungsfähig im Sinne des Strafgesetzes und«S sei ihm nur der mildernd« Umstand.geschwächter Vernunft" zuzubilligen.— so merkwürdig das auch klingen mag bei einem Mann, der eine so gute Karriere gemacht und. in einem großen Geldinstirut einen verantwortungsvollen Posten bekleidet hat. Demgegenüber erklärte der zweite Gutachter, Dozent Dr. Kal mu S, der Verlauf des Verfahrens sei geeignet, Zweifel darüber aufkommen zu lasten, ob der Angeklagte nicht wirklich seit einiger Zeit geisteskrank gewesen sei. Das abschließend« Gutachten könne erst nach Vorlage des gesamten Beweismaterials erstattet werden. Gegen dieie Ansicht polemisierte Dr. Bondy, der bemerkte, alle maßgebenden Tatsachen seien bereits von Anfang an bekannt gewesen und bei der Untersuchung in Erwägung gezogen worden. Angesichts dieses Widerspruches in den Gutachten der Sachverständigen vertagte daS Gericht die Verhandlung. Sollten binnen einer gewiffen Frist die Gegensätze in den Auffastungen der beiden Gutachter nicht beseitigt sein, würde das Gericht weitere Maßnahmen zu treffen haben. rb. JCunst und Wtesea • Jan Eumpelik stellt sich in der Jednota vhtvar- nffch umelcü mit einer Kollektivausstellung vor, die eine eigenartige Entwicklung bezeugt. Vor einem Jahrzehnt beginnt er mit PortraitS in altmeisterlicher Art vor fast schnsarzem Hintergrund unter blankem Firnißglanz. Sogar künstlich„alt" wirkende Goldhintergründe wendet er an. Dann strebt er anderen Vorbildern nach; es ist beinahe ein Makart- ,Blau, das in dem Bildnis der Frau Dr. P. N. leuchtet. Gleichzeitig versucht er sich als Realist und malt eine stillende Mutter in naturalistischer Fleischlichkeit. Dann aber werden seine Farben lichter und gleichzeitig stumpfer; man spürt in den formell noch ungelösten Bildern aus dieser Zeit das Suchen nach eigenem Ausdruck/ den er schließlich auch findet. Anfänglich liegt noch ein Grau wie ein dämpfender Schleier über den Farben; jetzt bevorzugt er die glanzlose Tempera. And nun werden die Farben immer Heller, lichter und leuchtender zugleich. Vor diesen Mädchen und Frauen aus der Slowakei in ihren bunten Trachten entdeckt Cumpelik seine Farbenfreudigkeit,. die besonders den Zusammenklang von festlichem Rot und gedämpftem Blau mit vielerlei lichten Tönen liebt. Die Bilder aus den drei letzten Jahren scheinen den Maler auf dem Wege zu zeigen, der seinem eigenen Wesen gemäß ist. Nun sucht er auch nicht mehr die krause Bewegtheit, wie sie seinen„Tön Quichote" von 1932 erfüllt. Jetzt liebt er die Einfachheit in Ausdruck und Haltung dieser Bauernmädchen, die er in der bunten Heiterkeit ihrer Trachten malt, ohne daß es etwa nur .Srachtenbilder" wären; es spricht viel Menschlich- Seelisches aus diesen slowakischen Mädchenbildnisten, die sich zu einer Galerie von eigenartigem Reiz vereinen. Blicks man von dieser lichten Farbigkeit zurück zu den„altmeisterlichen" und realistischen Bildern, so glaubt man die Bilder verschiedener und geradezu gegensätzlicher Maler nebeneinander zu sehen. ES sind die künstlerisch weit voneinander entfernten Etappen einer Entwicklung zn. eigenem Ausdruck, die Eumpelik sozusagen sprungweise, in einem Jahrzehnt zurücklrgte. ld. Heut« 7 Uhr:„Tristan und Isolde"(B 2) mit Fine Reich-Dörich als Gast. Wochenspielplan des Renen Deutschen Theaters. Samstag 7: T r i st a n und I s o l d e, B 2.— Sonntag ballb 3: Dr. med. HiobP r ä t o- r i u s, halb 8:Boccacio, Al.— Montag 8: Mizz i, D 2, Gastspiel Gisela Werbezirk mit Ensembte.— Dienstag halb 8: F r a u 91 i i( i< ster P o p o v i r z, A 1, Gastspiel Werbezirk.— Mittwoch halb 8: L i e b e nicht'genügend, Erstaufführung, Bl.— Donnerstag halb 8: T o s c a, Gastspiel Zdenka Zika, CI.— Freitag halb 8: B o r c a c c i o, D 1.— Samstag halb 8: Liebe nicht genügen d, A 2.— Sonntag halb 3: Mordprozeß Falkner, halb 8: B o c c a c c i o, C 2. Wochenspielplan der Kleinen Btibne. SamStag 8:Jch und mein kleiner Bruder.— Sonntag 3 54:UnentschuldigteStunde, 8 Uhr: Mordprozeß Folkner.— Montag 8: M o r d p r o z e ß Folkner, Bankbeamte I und freier Verkauf.— Dienstag 8 Uhr: Ich und mein kleiner Bruder. Bankbeamte II und freier Verkauf,— Mittwoch 8 Uhr: Mordprozeß Folkner.— Donnerstag 8: UuentschuldigteStunde.— Freitag 8 Uhr: Dr. med. HiobPrätoriup. Theatergem. d, Kulturverb, u. freier Verkauf.—• Samstag halb 8: S alzburg ausverkauft. Uraufführung.— Sonntag 8%: I ch und mein kleiner B r u d e r, 8: U n e n t s ch u ldigte Stunde. VadninachnchUn Morgen Sonntag, um 3 Uhr treffen sich alle Genosten und Genossinnen im Radiosaal, Fochova 56» bei der Großen Atus-Akademie unter Mitwirkung der Bolksfinggemeinde, der sozialistischen Jugend, der rote« Falken und der Restfalken. . Regiebeitrag: Erwachsene 5 XL, Kinder 2 XL. (Dieser Regiebeitrag gilt auch für die 180 Mitwirkenden.) Freie Vereinigung sozialistischer Akademiker Generalversammlung am Dienstag, den 28. April, um 20 Uhr im Parteiheim, Rärodni 4. Hauptpunkte der Tagesordnung: Ausschußwahlen und Beschlußfassung über ein Titig- keitsprogramm. Unsere Genossinnen und Genoffen werden ersucht, pünktlich und vollzählig zu erscheinen. üben bereits Deutsche LolkSfinggemeinde Prag. Am Sonntag D:effen vor dem Radio-Saal in der Fochova tk. um 3 Uhr nachmittags.— Dienstag Proben für Frauen um 7 Uhr und für Männer um 8 Uhr abends. Wir für die Maifeier. Ortsgruppe Prag. Sonntag, den 19. April: Treffpunkt Endstation der 7er Elektrischen in Podbaba. Wanderung nach Suchdol, Levy, Hradec, Zalov, Roztoky, Troja. Führt: Stelzig. Frantßek Mräzek Ehren-Turnwart der DTJC Auf dem zu Ostern stattgefundenen Kongreß der DTJC wurde der Verbandsturnwart, Genosse Frantisek Mräzek, aus Anlaß seines Schei bens aus der aktiven Tätigkeit zum Ehren- Turnwart ernannt. Genoffe Mräzek beendet damit«ine 45jährjge Tätigkeit in der Atbeitertürn« beweguug, in der er durch volle 35 Jahre die. Funktion«ineS VerbandSrurnwarles der DTJC ausübte. Genoss« Mräzek ist' nicht nur sehr bekannt in unserer Arbeitersportbewcguug». der tschechischen wie der, deutschen, sondern auch im Ausland durch sein« technische Mitarbeit in der SASJ^ Die- Anfänge-seiner turnerischen Tätigkeit liegen in den Neunzigerjahren. Genoffe Mräzek errichtete im Jahre 1892 hei hem Arbeiterverein der SchneidergehilfcN in Prag erne Turnsparte, deren technischer Lester er war. Mit dieser- Tätigkeit nicht zufrieden, machte er sich-an die Gründung eines selbständigen Arbeiter-Turnvereins. Aber erst 1897 entstand der erste DTJ-Verein, und zwar war es die DTJ Prag II tMarekskä), wo Genoffe Mräzek als Turnwart fungierte. Sein«^unermüdliche Tätigkeit führte dann zu weiteren Gründungen von. DTJ-Vereinen und schließlich erfolgte im Jahre 1903 hi« Zusammenfassung dieser Vereine in, den Verband, der DTJC. Bei-der Gründung der DTIC wurde Genoffe Mräzek zu besten Berbändsturüwart gewählt,■' welche■ arbeitsreiche Funktivff er seit dieser Zeit bis"Ende vergangenen Iabres bekleidete. Mit'Genoffen'Mräzek ist ein Stück Geschichte der. tschechischen Arbeiterturnhewe- gnng verbunden und seine Ernennung zum Ehren- Turnwart der DTJC das sichtbare Zeichen der An» erkennpng und des Dankes für seine geleistete Arbeit im Dienste der sozialistischen Sportbewegung. Suchen Sie Gesundheit? Quälen Sie Rheumatismus, Gicht, Ischias oder Frauenleiden? 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