16. Jahrgang Dienstag, 21. April 1936 IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSIOWAKISCHEN REPUBLIK Einzelpreis 70 Heller (•iMchlieBlich 5 Heller forto) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xn., fochova o. Telefon 53077. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Kritische Laße m Polen Ultimatum der Oberstengruppe nach Rücktritt der Regierung abgelehnt' Das Heer entscheidet Ihr Kosclalkowshi Warschau. Polen ist, wie erst Montag abends bekannt wird, in den letzten 48 Stunden knapp an einem offenen Putsch der Oberstengruppe gegen die Regierung Koscialowski vorbeigekommen. Rur dem Eingreifen des General-Inspektors der Armee Ry dz Smigli soll es zu verdanken sein, daß die fast ultimativen Forderungen der Oberstengruppr, die aus einen Kabinettswechsel und aus die Ueber- gabe der Regierungsgewalt in ihre Hände(Sla- wrk, B e ck, Miedzinski, Matuczewski etc.) hinausliefen, von den leitenden Faktoren des Staates definit v abgelehnt wurden. Es heißt, daß keinerlei Konzessionen an die Oberstengruppe gemacht worden find. Die Oeffentlichkeit erfuhr von dieser kritischen Wendung in der polnischen Innenpolitik zuerst am. Sonntag» als der Rtinisterpräsident die für Sonntag früh angrfetzte offizielle Reise nach Budapest plötzlich absagte und gleichzeitig die der Oberstengruppe gehörende„Gazeta Polska", die bisher als offizielles Regierugoorgan galt, wegen eines Artikels beschlagnahmt wurde, in der der Gen f. Rach ganztägigen schwierigen Ber- bandlungen begnügte.sich der Bölkerbundrat Montag in den Nachtstunden mit der Annahme einer Resolution, in der es u. a. heißt: Der Rat nimmt den Bericht des Dreizehner- Ausschusses zur Kenntnis.. Er v e d a u e r t, das aus den Berichten hervorgeht» daß der Bersöh- nungsversuch des Dreizehner-Ausschuffrs im Sinne des an die beiden Parteien gerichteten Apells kein pofiitives Ergebnis gebracht hat. Er bedauert, daß. unter diesen Umständen die Einstellung der Feindseligkeiten nicht herbeigeführt werden konnte und daß der Krieg unter Bedingungen fortgesetzt wird, von denen festgestellt wurde, daß sie mit dem Pakt «»verein bart sind. Er richet an talien den dringlichste« Appell, unter den gegenwärtigen Umständen, welche die Zusammenarbeit aller Rationen erfordern, bei der Beilegung seines Konfliktes mit Abessinien in dem Geist zu handeln, welchen der Völkerbund von einem mitbrgründeten Mitgliede mfd von einem ständigen Ratsmitglied erwarten kann. Der Rat betont neuerlich, daß das Protokoll vom 17. Juni 1925 über die A n w e n- dungvon S tick- und Giftgasen sowie andere Abkommen, welche die Kriegsführung regeln, die Streitparteien verpflichten, und bringt die Bedeutung dieser Abkommen und Bestimmungen in Eerinerung, welche sämtliche Un- terzeichnerstaaten, Italien und Abessinien-inbegriffen, anerkannt haben." Baron Aloisi stimmte gegen die Resolution. Der Vertreter Ecuadors machte Vorbehalte zu dem Asätz über die Sanktionen, da ja die Regierung von Ecuador die Sanktionen gege« Italien aufgehoben hat. Schließlich konstatierte der Ratsvorsitzende, daß die Kontra-Stimme des italienischen Delegierten und die Borbehalte des Vertreters Ecuadors nichts an der Tatsache ändern. Damit war die 91. Tagung des Bölker- bundrates beendet. Der Völkerbundsrat trat Montag vormittags vorerst zu einer Privatsitzung unter dem Vorsitz des australischen Delegieren B r u c e zusammen..Nach Eröffnung der öffentlichen Sitzung verlasder Vorsitzende des Dreizehyerausschusses Gesandter de M a d a r j a g a einen langen be« Regierung im Zusammenhang mit de« Lemberger Demonstrationen Schwäche vorgcworfrn und sie zum Rücktritt ausgesordert wurde. I« den entscheidenden Besprechungen des Präsidenten der Republik mit dem Ministerpräsidenten und dem Generalinspektor wurde definitiv entschieden, daß das Kabinett Koscialowski im Amte bleibt. Die Regierung Koscialowski scheint somit aus den letzten innerpolitischen Wirrniffen sogar gestärkt hervorzugehen, vorausgesetzt, daß sie jedoch der wichtigsten Schwierigkeit, die sich ihr in den Weg stellt, nnd zwar der andauernden Streikwelle im ganzen Lande und den drohenden Arbeiterunrnhrn in er Zukunft Herr zu werden vermag. Der montägige Generalstreik in Lemberg hatte zwar einen durchaus ruhigen Verlauf, doch besteht noch immer die Vermutung, daß dem Lemberger Proteststreike ein Sympathiestreik der Arbeiterschaft der Hauptstadt sowie in den Kohlenrevieren und in dem ostgalizische« Naphtharevier l folgen wird. rcits bekannten Bericht über die Friedensvermittlungsversuche. Hierauf ging Baron Aloisi- Italien, näher auf die Vorschläge der italienischen Regierung zu den Versöhnungsverhandlungen ein und behauptete, daß die Bedingungen der italienischen Regierung in den Rahmen des Völkerbundpaktes fällen und in dessen Geist gehalten seien. Die italienische Regierung habe vorerst eine„V e rs oh- nung" erzielen und dann erst die Feindseligkeiten einstellen wollen, so wie dies die besonderen Verhältniffe in Abessinien erfordern, die italienischen Vorschläge führen angeblich direkt zur Versöhnung. Baron Aloisi lehnte auch die Kompetenz des 13er-AuSschustr§ in der Frage der G i f t- gasverwendung in Abessinien durch die italienische Armee ab und erklärte, daß außer den Bemühungen zur Schlichtung des italienisch-abesiinischen Konfliktes dieser Ausschuß über andere Fragen zu verhandel« kein Recht habe. Der Vertreter Abessiniens Wolde Mariam protestierte energisch gegen die ständige Verzögerung der Hilfeleistung für Abessinien, das nach dem Bölkerbpndspakte das Opfer eines ungerechten Angriffes geworden ist. Der Völkerbund schaffe so das befürchtete Präzedens für alle Mitgliedstaaten.^ Die italienische. Regierung wolle lediglich Zeit gewinnen. Der Völkerbund möge daraus alle Konsequenzen a b sie i- t.e n und alle Bestimmungen des Artikels 16 des Paktes integral anwenden, um so den Sieg des Angreifers zu verhindern. In der Nachmittagssitzung ergriff neuerlich Baron Aloisi das Wort, um auf die Erklärung des abessinischen Vertreters zu antwcrten, Er betonte neuerlich, daß die Verantwortung für den Mißerfolg der Schlichtungsaktion aufA e h e s- sinien falle. Nach Ansicht der italienischen Regierung hätte, der afrikanische Streit niemals den Rahmen eines„st r eng kolonialen. S.treit.falles" verlassen dürfen. kden verurteilt Gaskrieg Sodann ergriff Minister Eden das Wort, der im wesentlichen ausführte: 14 Mitglieder deS Rates haben entschieden, daß die italienische Regierung ohne Rücksicht auf die Verbindlichkeiten gemäß des Artikels 12 des Völkerbundpaktes diesenK r i e g b e g o n n e n habe. Diese Entscheidung wurde" nachträglich durch die Abstimmung von 50 Staaten bestätigt, welche im Völlerbund vertreten find. Wenn die Staaten die Verbindlichkeiten des Paktes nicht einhalten werden,. wie werde es dann in Zukunft möglich sein, Vertrauen zu internationelen Gesetzen zl haben? Dio englische Regierung hat alle ihr aus dem Pakte erwachsende« Verbindlichkeiten treu erfüllt und ist beveit und wird auch weiterhin bereit sein, ihre Aufgabe bei der Verstärkung der finanziellen und wirtschaftlichen Sanktionen gegen jene Staaten, welche von den Mitglieder« als Friedensstörer erklärt wurden, zu erfüllen. ' Die britische Regierung könne es nicht mit Schweigen übergehen, daß in Abessinien gegen die abessinische Bevölkern«, die dagegen in einem mit solche« Mittel« eführten Krieg nicht geschützt seien, Giftgase angewendrt wurden. Das Protokoll ans dem Jahr« 1925 über das Verbot dee Anwendung von Giftgasen habe« f a st alle Staaten unterzeichnet. Dieses Protokoll bezieht sich auf die Bevölkerung aller Grotzstädte der Welt. Es be- deutet für sie di« AndrohungderAus- r o t 1 u n g, wenn ien solche- Abkommen zer- riffen werden kann. Minister Eden forderte sodann den Rat auf, er möge noch während dieser Sitzungsperiode den Mitgliedsstaat?« die aus dem Genfer Protokoll erwachsenen Verpflichtungen eindringlich in Erinnerung bringen. Wenn infolge der Entwicklung des afrikanischen Konfliktes die Autorität des Völkerbundes erschüttert und die künftige Zweckmäßigkeit des Völkerbundes als des besten Instrumentes für die Erhaltung des Friedens in Zweifel gezogen würde, dann müßte man von neuem erwägen, welche neue Politik in dieser Situation anzuwenden wäre. Paul-Boncour beschwichtigt , Paul-Boncour erklärte, die Schlichtungsaktion sei zwar mit einem Mißerfolg beendet worden, trotzdem müsse man zu ihr zurückkehren. Wir brauchen den Frieden in Abessinien, um den gegen Europa gerichteten Drohungen entgegenzutrrten. Das Verhältnis Italiens zum Völkerbünde muß«löst werde«, da die italienische Regierung zur ueropäischen Rekonstruktion notwendig ist. Es ist aber auch unser Bedürfnis, daß das Ansehen des Bölker- bundpaktes erneuert wird. ' Zum Schluß wandte Minister Paul-Don- cour die Aufmerksamkeit der Versammlung Europa und der Verletzung der internationalen europäischen Verpflichtungen zu. Der sowjetrussische Botschafter Potjemkin bedauerte den Mißerfolg des Dreizehnerausschusses und verteidigte entschieden den Völker- bundpäkt. Die durch die Paktverletzung hervorgerufene Unsicherheit lähme die Organisierung der kollektiven Sicherheit. Von den weiteren Rednern forderte namens der Regierungen der Staaten der Kleinen Entente der rumänische Gesandte Anto- n i a d e, daß die Verpflichtungen des Völkerbundpaktes respektiert werden. Er erklärte, er werde jeder Resolution zustimmen, welche diesem Grundsatz entspricht...' Sodann richtete' Madariaga an Abessinien scwie hautsächlich an Italien die'Aufforderung, guten Willen zu einer Einigung zu zeigen. Hierauf trat der Völkerbund zu einer neuerlichen. diesmal n i ch t ö f f e n t l ich e n Sitzung zusammen, um den Text der gemeinsamen Resolution zu beraten. Eine Resolution das Ergebnis«9er Genfer Ratetagung Linke Strömungen im politischen Katholizismus Die Montagsausgabe der volksparteilichen „Lidove listy" setzen sich in einem grundsätzlichen und überaus interesianten Artikel mit den Lehren der jüngsten spanischen Ereigniffe auseinander. Das Blatt greift auf ein Interview des spanischen Katholikenführers Gil Nobles zurück, der jetzt von seinen faschistischen Bundesgenoffen abzurücken beginnt und in nüchterner Erkenntnis feststellt:„Die spanischen privilegierten Klaffen haben es nötig, geprügelt zu werden". Das tschechische katholische Blatt fügt hinzu: Spanien zeigt, wie gefährlich es für den Katholizismus ist, sich für eine gesellschaftliche Ordnung einzusetzen, welche ungerecht fft. Die Lehre aus den spanischen Verhältniffe« ist für die Katholiken der übrigen Welt groß und grundsätzlich. Niemals darf der Katholizismus' der Deckmantel für die politische und wirtschaftliche Reaktion sein. Der tschechische politische Katholizismus hat in seiner praktischen Politik seit 1929 bereits eine Linie verfolgt, die ihn immer weiter von der einst geschlossenen Bundesgenossenschaft mit den reaktionären Klassen weg- und in die Nähe der sozialistischen Linken geführt hat. Es hat wohl auch da Rückschläge gegeben und nicht alle Gruppen der Bolkspartei sind mit der gleichen Ueberzeugungs» kraft für die demokratische Zusammenarbeit eingetreten, aber bei der Präsidentenwahl vom 18. Dezember hat sich der tschechoslowakische Katholizismus doch in.-einem entscheidenden Augenblick als sichere Stütze der Demokratie und als-verläßlicher Verbündeter der Sozialisten gegen die Gelüste des Finanz- und Kartellkapitals bewährt. So wird einen die krftische Stellung der „Lidove listy" zu den spanischen Ereignissen nicht, allzusehr überraschen. Es verdient aber festgehalten zu. werden, daß es sich nicht um eine vereinzelte, auf den tschechischen Katholizismus beschränkte Erscheinung handelt. Der politische Katholizismus beginnt langsam und mit jener Vorsicht, die einer jahrhundertelangen Erfahrung der Kirche, die den besonderen Gesetzen ihrer Strategie entspricht, seine" Front zu verschiebest. Er schwenkt merkbar gegen links ein. Daß die katholische Presse die Explosionen der revolutionären Leidenschaften in Spanien heute doch ruhiger beurteilt als vor fünf und vor zwei Jahren, wird mancheur schon ausgefallen sein. Ein' junger katholischer. SchrrftstAlsr,,schrieb vor kurzen:: „Es ist. rein Wunder, daß in Spanien er- J nent Kirchen und Klöster brennen und sich in den Bolksmaffen eine Atmosphäre des Hasses gegen die Kirche Christi verdichtet" und er beruft sich gegen den Reaktionär Gil Nobles auf den sozial gerichteten jungen spanischen Katholiken Gimenez Fernandez bow Asua, den»weißen Lenin". Spaniens, der seinerzeit mit seinem Plan einer radikalen Bodenreform gegen die spanischen Granden unterlegen ist. Die Zeitschrift, in der dieser Artikel erschient die Pariser Wochenschrift„Europ a“? ist selbst ein Beweis für die Links-Schwenkung weiter Kreise des jungen Katholizismus und für das Bestreben katholischer Politiker, Brücken zum marxistischen Sozialismus und zur bürgerlichen Demokratie zu schlagen. Bekanntlich gibt es selbst i n Oesterreich, wo die Kirche mit dem' Faschismus üble Erfahrungen gemacht hat und es mehr als einmal bitter bereuen mußte, alles auf diese Karte gesetzt zu haben, starke katholische Strömungen, die in die hier aufgezeigte Richtung drängen. Hierher gehört vor allem die Bewegung ErnstKarl W i nie r s» der in seinen »Wiener politischen Blättern", aber'auch in anderen katholischen Organen, in denen er zu Worte kommt, für die Zusammenarbeit des politischen Katholizismus mit den Demokraten und Soziali-i Der erste Mai naht! Treffet In allen Organisationen die Vorbereitungen "■ h für eine machtvolle Kundgebung! Seite 2 Dienstag, 21. April 1936 Nr. 94 sten, für ein eindeutig soziales und demokratisches Bekenntnis der Katholiken wirbt. So schwach diese Fraktionen zahlenmäßig oft sein mögen, so falsch wäre es, ihre geistige Bedeutung und ihr soziologisches Gewicht zu unterschätzen. In der schon erwähnten Zeitschrift„Europa- Hat kürzlich«in katholischer Priester, offenbar ein Schweizer, Ulrich Becher, einen leidenschaftlichen und von tiefster Ueberzeugung durchglühten Aufruf an die CH pi st en und Sozialisten Europas gerichtet, sich zum Kampf gegen den Faschismus zusammenzuschließen. Denn selbst wenn die Sozialisten,— so führt« er ungefähr aus— sich für gottlos erklären, so glauben sie doch an das Gute, also an ein göttliches, daSTcwifsen verpflichtendes Prinzip und stehen dem Christen näher als der Faschist, der da? Böse verkörpert und daS schlechthin Böse will. Aehnlich hat E. K. Winter den Bolschewismus als„gottnäher" als den Nationalsozialis- ßechynfe und Tutny gegen Faschismus und SdP Prag. Zwei Mitglieder der Regierung befaßten sich am Sonntag in Versammlungsreden mit der internationalen Lage und der innerpolitischen Situation, wobei sie sich scharf gegen die Henlein-Partei kehrten. Auf dem Prager Gaukongreß der tschechischen sozialdemokratischen Jugend sprach Genosse B e- ch y n e. welcher u. a. sagte: DaS gesamte Leben in Deutschland ist durchdrungen von den Ideen des Militarismus, der Expansion und der Revanche. Das bedeutet eine Existenzgefahr für unsere Republik, für unsere Demökratie. Wir glauben, daß kein Krieg sein wird, können dies aber nicht verbürgen, denn Diktatoren find unberechenbar. Wenn wir geschlagen würden, so würde die ganze Last der Niederlage vor allem auf den Schaltern des arbeitenden BolkeS ruhen. Unsere Hauptaufgabe ist es, trotz der Not der Zeit die geistige und materielle Ausrüstung der Republik vorzubereiten. Schon heute sind wir so gut vorbereitet, daß wir für den Gegner eine harte Nuß wären. Unsere Armee ist verläßlich und eine treue Dienerin jeder legalen demokratischen Regierung. Die Politik unserer K o m m u n i st e n ist rein zum Verzweifeln. Zu sagen, daß sich das Volk wehren wird, ist eine reine Phrase, denn gegen einen militärischen Einfall vermag sich nur eine gut geschulte, materiell und geistig wohlausgerüstete Arme« zu wehren. Es wäre wünschenswert, daß unsere Kommunisten zu unserer Armee wenigstens«in so herzliches Verhältnis hätten, wie sie es zur Sowjetarmee habhy, insbesondere, da bas heute eigentlich das gleiche ist,. Der Minister befaßte sich sodann mit einigen wichtigen innerpolitischen Problemen. Die Henlein-Partei sei ein Problem, dessen Lösung man sich nähere. Wir werden einen einmütigen .Standpunkt zu diesem Problem sowohl in. der Regierung als auch bei den Behörden, deren Autorität befestigt werden muß, erreichen. * Auf dem in Pilsen stattgefundenen Kongreß der Tschechoslowakischen Arbeitergemeinde machte Postminister Tuönh auf die Gefahr, die durch die Entwicklung der internationalen Politik drohe, aufmerksam. Der Minister sprach den Wunsch muß bezeichnet und sich zur europäisch-russischen Zusammenarbeit' bekannt. Selbstverständlich gibt eS»ebendiesen Strömungen im Kaiholizismus c n- der«, reaktionäre, asoziale uich faschistische. Sie haben vielfach noch die Oberhand und die Führung. Gerade darum aber soll und muß auch mit jenen gerechnet werden, me eine ehrlich« Bundesgenossenschaft mit dem Sozialismus und der Demokratie anstreben. Sie werden die sozialistische Arbeiterschaft und die deinolratischen Parteien zu ihr bereit finden. Die tschechoslowÄisch« Innenpolitik belveist seit Jahren, daß bei Wahrung der grundsätzlichen Unterschiede ein praktisches Zusammengehen auf weiten Strecken Weges möglich und dem Volle nützlich ist. So entschieden wir den volksfeindlichen, reaktionären Katholizismus auch weiter bekämpfen werden, so gern werden wir in vielen Fragen mit einem demokratischen und sozial gerichteten Katholizismus zusammenarbeiten. aus, daß der Standpunkt der Koalitionsparteien gegenüber denjenigen Parteien geklärt werde, die sich zur Frredenta und sogar zu einer unserem Staate feindseligen Außenpolitik bekenne». Ministerratsbeschlüsse in Sachen des„Phönix" Prag.(Amtlich.) Der Ministerrat hielt Montag nachmittag eine Sitzung ab, in welcher er die Angelegenheit der Lebensversicherung „P h ö n i x" in Wien. Direktion für die Tschechoslowakisch« Republik in Prag, verhandelte und die notwendigen Maßnahmen traf. Weiters wurde der BerordnungSentWurf Mer die weitere zeitweise Verlängerung der bisherigen Vorschriften über die Regelung der Ar- heitsbedingungen der Arbeiterschaft in der Textilindustrie auf die Dauer weiterer zwei Mdnate vom 1. Mai d I. genehmigt. Genehmigt wurden die Maßnahmen für die weitere Fortsetzung der VerpflegSaktion für Arbeitslose und der Milchaktion für die Kinder Arbeitsloser. Bericht erstattet wurde Mer die Verhandlungen des politischen Ministerkomitees, über den Fortgang weiterer Regierungsarbeiten und Mer die Vorbereitung des Programmes der legislativen Arbeiten. Schließlich wurden die auf der Tagesordnung stehenden Verwaltungs- und Wirtschaftsangelegenheiten erledigt. Verhandlungen mit den deutschen Christlichsozialen noch diese Woche? Wie in stfeaierungSkreisen, verlautet,. sollen dkt ersten Besprechungen des Ministerpräsidenten Dr. Hodja mit Vertretern der deutschen Christlichsozialen bereits im Laufe dieser Woche stattfinden. Weitere Beratung über die Wehrvorlage. Der KoalitionS-SiebenerauSschuß hielt Montag nachmittags unter dem Vorsitz des Abgeordneten Dr. P ä t e j d l und in Anwesenheit des Natto- nalverteidiaungsministerS M a ch n i k eine Sitzung ab. Nach einer eingehenden Debatte und nach Abänderung einiger Paragraphen wurden die§8 44 bis 112 durchberaten. Hierauf wurde die Sitzung unterbrochen. Die Beratungen werden Dienstag nach der Sitzung des Plenums des I Abgeordnetenhauses fortgesetzt werden. Belagerungszustand in Palästina Arabisch-jüdische Zusammenstöße/ 20 Tote Dutzende von Verwundeten Jerusalem. An zahlreichen Stellen Palästinas ist es am Sonntag z« ungewöhnlich schweren Zusammenstößen zwischen Juden und Arabern gekommen. Die heftigsten Ausschreitungen ereigneten sich in Jaffa und in Tel Aviv, wo nenn Jude» getötet und 40 verwundet wurde«, davon elf schwer. Die Polizei muht« euer- gisch einschreiten. Zwei Araber wurden durch Po- lizeibeamte erschossen, 1b verletzt. Insgesamt werde« 20 Tote und mehrere Dutzend Verletzte gemeldet. Di« Lage wird als sehr e r n st bezeichnet. Am Montag wiederholten sich-wischen .Jaffa und Tel Aviv die Zusammenstöße, wobei eS wettere zwei Tote und zahlreiche Verletzte gab. Die Regierung hat Mer Tel Aviv und Jaffa den Belagerungszustand verhängt. Dem britischen Kommissar wurden entsprechende Vollmachten erteilt, britische Truppenabteilungen mit Maschinengewehren wurden nach Jaffa m Bkarsch gesetzt. Wenn auch die Polizei gegenwärtig Herrin der Lage ist, so besteht doch die Befürchtung, daß die allgemeine Unruhe auch auf Haifa und Jerusalem Mergreifen kann. Die Straße zwischen Jaffa und Jerusalem wurde für jeden Verkehr gesperrt. Den unmittelbaren Anlaß zu den Zusammenstößen gab daS.Verbot eines arabischen Demonstrationszuges, dessen Teilnehmer sich doch zusammenschlossen und nach Tel Aviv marschierten. In Jerusalem haben die Läden in den jüdischen Vierteln zum Teil geschloffen; zahlreiche jüdische Kaufleute verlassen überstürzt Jaffa. Für Montag hatten die Araber Protestversammlun- gen, sowie einen Boykott der Juden angekündigt. Auch ein Proteststreik nach dem Vorbild des Streiks in Damaskus soll ausgerufen werden. Neue Unruhen bei Esseg Drei Baqern von Gendarmen erschossen Belgrad. Am Samstag ereignete sich bei der Ortschaft MadiL Milä unweit von Esseg neuerdings ein blutiger Zusammenstoß. Die dortigen Bauern wollten für die benützten Hutweiden nicht zahlen und trieben das Vieh in den Jungwald. Als die Heger dies verhindern wollten, wurden sie von den Bauern verprügelt und entwaffnet. Die Heger konnten nur mit Mühe entkommen. Als Gendarmen mit den Hegern in den Wald zurückkehrten, griff sie ein größerer Trupp von Bauern mit Steinen und Hacken an. Als bereits mehrere Gendarmen verletzt waren, gab die Gendarmerie eine Salve ab, durch welche drei Bauern erschossen wurden. Das Ba- natSamt in Agram hat sogleich eine Unter- suchungskommiffion an Ort und Stelle entsendet. Die Opfer von Kerestince furchtbar zuserlchtet Die blutigen Vorfälle in Kerestince werden streng untersucht. Ueber die Ereignisse wurde ein kurzer amtlicher Bericht veröffentlicht, der die aufständische Menge auf 1000 Personen schätzt. Die Sezierung der Todesopfer ergcck, daß die Leichen etwa 300 Verletzungen aufwiesen, die durch Hacken, Beile und Schaufeln, aber auch durch Revolver- und Gewehrkugeln verursacht wurden. Unter den Getöteten befindet sich auch ein Deutscher ngmens Vollmost, der^nJuga, stawien geboren'war,' aberdie tschechoslowakisch« Staatsbürgerschaft besaß. Er war Handlungsgehilfe, in der letzten Zeit jedoch arbeitslos. Es wurde festgestellt, daß kein einziger der in Kerestince getöteten Personen Komitatschi-Uniform trug. Es Handelle sich zumeist um ganz arme Leute, die in gramer Borstädten ein kümmerliches Dasein führten. Allerhöchste Geburtstagsfeier In Berlin Berlin. Der 47. Geburtstag Hitlers gab Anlaß zu großen Festlichkeiten. Die ganze Stadt war mit Hakenkreuzfahnen geschmückt, die Reichskanzlei seit den frühen Morgenstunden von einer großen Menschenmenge umlagert. Httler fuhr im offenen Wagen von der Wilhelmstraße bis zum ehemaligen kaiserlichen Schloß und von dort über die Linden zum Tiergarten und zur Siegesallee, wo auf einer eigenen Tribüne das diplomatische Korps und hohe Nazifunktionäre versammell waren. Dort nahm Hitler die Parade Mer die ausgerückten Truppen ab. Der Wagen passierte das dichte Spalier, das von der Reichswehr gebildet wurde, in sehr schnellem Tempo. Hitler dankte stehend für die Ovationen der Bevölkerung. Bei der Parade marschierte eine ganze Division auf, ferner ein Fliegerregiment, ein Marinebataillon, eine Panzerdivision, drei Flak-Abteilungen und verschiedene Spezialtruppen. Dabei kam es zu einem schweren Unfall: Ein Tank geriet angeblich auf den Straßenbahnschienen ins Rutschen und fuhr in die spalierbildende Menge hinein, wobei vier Schüler verletzt wurden, davon zwei schwer. Aus Anlaß des allerhöchsten Geburtstages wurde der Reickskriegsminister von Blomberg zum Generalfcldmarschall, Göring und der Befehlshaber der Landstreitkräfte General von Fritsch zu Generalobersten und der Oberbefehlshaber der Marine R a e d e r zum.General-Admiral" ernannt. Frttsch und Raeder wurden zugleich im Rang den Reichsministern gleichgestellt. Bei der militärischen Feier erklärte Httler, er glaube, daß Deutschland durch die Wiederaufrichtung seines Heeres am ehesten in der Lage, fein werde^>dem deutschen Volk den Frieden zu bewahren"......... Durch Verordnung des Reichskanzlers wurde die Aufstellung eines„Nationalsozialistischen Reiterkorps" angeordnet. energische Maßnahmen der spanischen Regierung Madrid. Die Cortes genehmigten den Regierungsgesetzentwurf, durch welchen die Offizier«, die an den politischen Unruhen teilgenommen haben, aller Rechte entkleidet werden. Die Annahme erfolgte mit 212 gegen 4 Stimmen. Bor der Abstimmung verließen sämtliche Rechtsmitglieder die Cortes. 64 MANNER, FRAUEN UND WAFFEN| Roman von Manfred Georg Copyright by Dr. Manfred Georg, Frag DunaimiS krächzte: »Da laufen Sie herum, geliind und vergnügt und ahnungslos. Und ia; sitze hier und werde von einem Zimmer ins ander« geschleppt und weiß besser über das Bescheid, was in Rußland vorgeht als Sie. Das ist doch schon zu dumm! Aber mit Ihrer Dummheit werden wir ein andere» Mal abrechnen. Was schlagen Sie vor zur Verhinderung dieses katastrophalen Ausganges des Prozesses?" MakropuloS sah in die untergehende Sonne, die niatt durch die dicken, gelblichen Scheiben des wie ein mittelalterliches Burggemach eingerichteten Arbeitszimmers des Rüstungskönigs hereinbrach. Ec fühlte sich unsicher. Seit zwei Tagen war er in Chateau Boncourt und hatte nichts weiter zu hören bekommen als Schimpfworte. DaS alte Scheusal von lebendem Leichnam kroch zwischen Schreibttsch und Toilette hin und her und geiferte ihn an. Gestern hatte er vor Aerger einen Gal- lcnsteinanfall gehabt und mit rasenden Schmerzen zu Bett gelegen. Und alles das wegen dieses blödsinnigen Rittmeisters, der ihn so enttäuscht hatte. Er wußte, daß sein« Stellung, seine Tantiemen, kurz alles auf dem Spiel stand. Er versuchte wseder Dunaimis' Antwort von dessen Gefickt abzulesen, aber dieser schien eifrig bemüht, die beiden letzten Wochentabellen seiner Äachffieber» kur.'«, die er mit großer Sorgfalt führte, zu vergleichen. Schließlich flüstette MakropuloS:^Lemberg." Dunaimis sah auf: „Ich habe nichts gehört!" MakropuloS wiederholte: „Lemberg." „Ja, ja. ich weiß. Da» übernehmen Sie! ES ist die letzte Chance für Sie, sich bei Ihrer späteren Beurteilung mildernd« Umstände zu holen." MakropuloS wollte noch etwas sagen, aber Dunaimis winkte ab und versank ganz in seinen Kissen. Sein völlig verwelktes Gesicht lag wie leblos darin. MakropuloS rutschte vom Sessel und rief nach seinem Chauffeur. Sie fuhren zurück nach Paris, weil der Grieche das Telephongespräch nicht von Chateau Boncourt aus führen wollte. Im Hotel„Stadt London" in Lemberg erhob sich ein großer, kräftiger Mann mit Gelassenheit von dem schäbigen Sofa, auf dem er gelegen hatte, als das Telephon schrillte. Der Portier meldete etwas aufgeregt ein Ferngespräch aus Paris und schaltete sich neugierig ein. Aber er wurde enttäuscht. Das ganze Gespräch zwischen dem Hotelgast und dem Anrufer drehte sich- um eine Ware, die offenbar fällig geworden war und möglichst rasch beschafft werden mußte. Zum Transport schienen mehrere Leute notwendig zu sein, aber auch Mer diese zu verfügen, versichette der Hotelgast. Er war, wie der Portier wußte, ein ehemaliger Hauptmann aus dem zaristischen Generalstab, der in Lemberg mtt einigen früheren Kameraden zusammen«ine Filiale der großen Firma„Polnisch-Amerikanische Getteide-Jm, und Export, G. m. b. H." führte. Es war ein stiller, bescheidener Mensch, der seine Miete immer pünkt- lich zahlte, und der einzig und allein dann Krach machte, wenn das etwa» schlampige Stubenmädchen beim Aufräumen" in seinem Zimmer vergaß, die'Kanarierwögel herauszunehmen, so daß diese, „Zug bekamen". Er liebt« dies« Tiere sehr und schrieb, wie er dem Portier einmal, als dieser auf seinem Zimmer Nägel für einen neuen, großen Käfig einscklug, mitgeteilt hatte, an einem Buck über ein« neue Methode, Vögel innerhalb kürzester Frist singen zu lehre«. Der Kaufmann und Offizier trug den vollkommen unrusfischen Ramen'Reumann. Er führte das Telephongespräch mtt seiner sanften, immer etwas belegten Sttmme, die neutral war und nie- nrals einer Auftegung fähig schien. Der Portier war daher gar nicht verwundett, als ihm Neumann am Nachmittag ankündigte, daß er für einige Tage verreisen würde. Neumann reiste oft. Teils um Ernten zu besichtigen, teils um Geschäftsabschlüsse zu machen. Sein Gepäck war immer geringfügig. * 1 „Sagen Sie, mein Fräulein," fragte der Oberarzt,„ich habe Sie neulich nicht gleich interpellieren wollen. Aber was haben Sie denn da kürzlich in der Nacht außerhalb Ihres Bettes ge« trieben? War das ein Anfall oder ein Mond, wandeln? Erklären Sie mir das mal. Schließlich muß ich wissen, was mit meinen Patienten los ist." Haydees Zustand hatte sich in den letzten Tagen rasch gebessert. Die Vernarbung der Wunden machte gute Fortschritte. Der Verband war abgcnommen worden, das Haar deckte die seinerzeit ausrasierten Wundstellen. Sie saß am Fenster, das auf Waldterrain hinauSginz, hatte die Hände im Schoß gefaltet und sah still vor sich hin: „Es hat doch keine bösen Folgen für mich gehabt." „Nein, sicherlich nicht, aber deshalb muß ich es doch wissen. Wir haben da so allerhand Gegenstände gefunden/voN denen ich mir nicht erklären kann, wie sie auf Ihren Bett-Teppich gekommen sind." Haydee sah aus großen Augen zu ihrem Arzt auf. „Herr Dottor, ich habe mich so gesehnt." „Ja, und?" „Da habe ich ihn mir eben geholt." „Also hören Sie mal, mein Kind, fetzt>pre- I chen Sie verständlich mtt mir und nickt in lyrischen I Ausdrücken. Wen haben Sie fick geholt?" „Meinen Geliebten!" „Und ist er gekommen?" versuchte der Arzt scheuend auf den Ton einzugehen. „O ja, ich habe ihn ganz in mir gespürt." Sie spielt mit mir Neckisch-fein, dachte der Arzt, der schon allerhand merkwürdige Patienten gehcckt hatte. Laut meinte er: „Ist er den» zur Tür oder zum Fenster hereingekommen?" Haydte fand den Doktor abscheulich dumm. Aber sie sagte ergeben: „Rein, Mer den Mond." Der Arzt warf einen kurzen Blick auf die Kurventafel über dem Bett. Da war alles in Ordnung. Sie folgte seinen Augen und lächelte: „Nein, nein, ich bin ganz gesund.- Keine Spur von Fieber. Ich habe mich nur an eine alte Sitte bei uns zu Hause erinnert. Dort kann man nämlich noch lieben." „Zu Hause? Wo ist denn das?" „Ach Gott, weit drMen!" Sie machte eine Bewegung von ungefähr.'„Zu Hause, das ist gar kein festes Land. Aber nein, ein Land ist es auch. Freilich auch eine Zett. Sie ist schon versunken, zurückgetreten in die Jahre. Nur manchmal fühlt man, daß sie gar nicht tot ist, sondern daß wir sie nur nicht mehr erleben können." „Ein Hauch von drüben also," scherzte der Arzt und faßte für alle Fälle nach dem Puls. Sie ließ ihm die glatte Haut zwischen den knorrigen, von Säuren gebeizten Fingern: „Nur, daß die Gespenster lebendig sind. Meine Vorfahren trommelten sie aus dem Urwald hervor, und sie kamen wirklich. Es ist nur alles so verstellt in der Wett. Man kann zu den Dingen nicht heran. Die«reisten stürzen vorher Mer die künstlichen Bauten, die da im Dunkeln hcrumstehen." „Im Tuiikeln?" (Fortsetzung folgt.) Nr. 94 Dienstag 21. April 1936 Seit« 3 und Volksgemelnschaftllche Hungerlöhne und Betriebsstillegungen Der Mörder von Grttnau verhaftet und geständig Karbltzer Kommunisten unter FUhrung — des Deutschen PuBballklubs Der Gottwald-Kurs scheint doch nicht einheitlich zu sein in unserer Republik. Die Kaxbit- zer kommunistische Gemeindefraktion richtete an die dortige Ortsgruppe des Internationalen Metallarbeiterverbandes ein Schreiben, in dem zu einer„Beratung über die Fragen der Arbeitsbeschaffung und der Linderung der sozialen Not, läge" Stellung genommen werden soll. An einer für den 5. April einberufenen Sitzung hat nun neben einer Anzahl kommunistischer Organisationen auch der„Deutsche Fußballklub 1919" teilgenommen. In dem kommunistischen Schreiben, das von der Gemeindefraktion der KPTsch dem Jndustrieverband der Chemiearbeiter, dem In« dustrieverband der Lederarbeiter, dem Bund der Freunde der Sowjetunion, der Ortsgruppe der KPTsch und dem Deutschen Fußballklub 1919 unterzeichnet ist, wird betont, daß man zu dem Entschluß gekommen ist, daß„Nllr einheitlicher Kampf um die Durchsetzung der ge? planten Jnvestittvnsärbeiten einen Erfolg brin. — der letzte BetriebSauSschuhobmann. Die Redaktion.—»nicht gestohlen hätte, wäre er noch im Betrieb." Die Entlassung Reitznexs war zu jener Zeit erfolgt, da die letzte Betriebsausschußwahl ausgeschrieben worden war. Reitzner hat nun, da ihm die Aeußerung des Fabrikanten Kämpf zu Ohren gebracht wurde, den Herrn Vollßgemein- schaftler geklagt und dieser mußte eine Ehrenerklärung abgeben, da an seiner Behauptung kein wahres Wort gewesen ist. Anscheinend hat Herr Kämpf von der Methode seiner gewissen Gesinnungsgenossen, Mißliebige durch Verleumdungen klein zu machen, sehr viel gehört, so daß er sie sich im vdrliegenden Falle zu eigen machte. Mit dem Ergebnis, daß daS Bild, das man von einem Volksgemeinschafts-Fabrikanten hatte, hübsch abgerundet wurde. Famlllentragödle In Aussig Montag früh wurde die Aussiger Kriminalpolizei verständigt, daß sich in einer Villa in der Ziebernikerstraße ein Mord Und Selbstmord ereignet habe. Eine Polizeikommission unter Leitung des Dr. Penkava stellte fest, daß die Ehefrau eines Hausmeisters von ihrem Ehemann erschossen wurde. Der Täter wurde erhängt aufgefunden. Die Leicht wies auch Schußwunden auf. Die Ursache der grausigen Tat soll eheliche Untreue der Frau sein, hinter die dtr Mmm gekommen war. Gebiete würde die Verbindlichkeitserklärung ziemlich unwirksam gemacht werden und derSchund- lohnpraxis der Außenseiterfirmen Vorschub geleistet werden. Denn man muß wissen, daß bei diesen drei Firmen wahre Hungerlöhnr bezahlt worden find! Wochenlöhne von 20 Ki find bei diesen Firmen üblich und möglich gewesen! Wie soll ein Arbeiter mit solchen Löhnen seine Familie ernähren können? Selbstverständlich handelt eS stch um Volksgemeinschaft- l i ch eingestellte Unternehmer, für die der SdP-Kandidat Dr. Stade sogar eintritt! So sieht es also in Wahrheit mit dem Volks- gcmeinschaftsgerede aus! Während sich der Vertreter der vglksgemeinschaftlich eingestellten Gablonzer Gewerkschaft gegen die Stillegung der Betriebe ausgesprochen hat, hat der gleichfalls volksgemeinschaftlich orientierte Dr. Stade für die Stillegung gesprochen. So wird durch die Praxis der Henleinunternehmer die Arbeitslosigkeit im deutschen Randgebiet vermehrt. Diese treudeutschen Unternehmer müffen sich erst durch die auf Betreiben der Sozialdemokraten erfolgte Verbindlichkeitserklärung zwingen lassen, ihre menschenunwürdigen Hungerlöhne aufzugeben, um den Arbeitern eine halbwegs erträgliche Lebenshaltung zu ermöglichen. Als Antwort s p e r r e n die deutschen Volksgemeinschaftsunternehmer aber einfach die Betriebe l Denn reiches Parteimaterial, darunter auch ein vielfältigungsapparat, beschlagnahmt und geschafft wurde. Den Hausdurchsuchungen ging die Verhaftung des Gastwirtes Stürm eines-gMiffsn>', Brunv> Z irn-st e-pjr- 1'- aus Saupsdors in Sachsen s!) voraus, die sich in einem Nixdorfer Gastlokal aufgehalten und dort Reden geführt haben sollen, die ein Vergehen gegen das Schutzgesetz darstellen. Man sieht, die Zahl der verhafteten„Loyalen" hat in der letzten Zeit ein für die SdP ganz bedenkliches Wachstum angenommen. Die Firmen A n s o r g g in Deutsch-Malha, Witte in Mohren und Wittich in Sophientak Im Bezirke Braunau haben sich vor einiger Zeit an die Braunauer Bezirksbehörde mit dem An suchen gewendet, ihre Betriebe, in denen zusam men etwa 100 Arbeitet beschäftigt find, für mehr als vierzehn Tage bis längstens drei Monate still legen zu dürfen. Die Vertreter der Gewerkschaf ten haben eingewendet, daß diese Stillegungen die Arbeitslosigkeit nur steigern werden. Der Unternehmersekretär Dr. Stade aus Trautenau verteidigte aber das An suchen der genannten Firmen und erklärte, daß die Firmen außerstande und, die Löhne zu be zahlen, die durch die Uebertragung der Ber- dindlichkeitserklärnng des Mittel böhmischen Kollektivvertrages nunmehr bezahlt werden müssm! Es gelang dem Genossen Rambauske als Vertreter der Union der Textilarbeiter zu errei chen, daß die Firmen die Arbeiterschaft nicht entlassen dürfen, so daß bei einer Neuauf nahme der Arbeit in den Betrieben die Ansprüche der Belegschaften gewahrt bleiben. Mit dieser Einschränkung wurde dem Ansuchen der Firmen stattzegeben und die Arbeit sodann einge stellt. Es wurde noch vereinbart, daß gesonderte Verhandlungen über die Anwendung des für ver bindlich erklärten Mittelböhmischen Kollektivver trages stattfinden sollen, jedoch ist kaum damit zu rechnen, daß diese Verhandlungen zu einem posi tiven Ergebnis führen können. Denn durch solche I wenn kein Profit mehr zu erzielen ist, dann ist es Sonderabmachungen für einzelne Betriebe und I eben auch mit der Volksgemeinschaft ausl Und Immer wieder„Loyale**! Am Freitag nahm die Gendarmerie in N i x d o r f bei dem Leiter der dortigen SdP- OrtSgruppe Alfred Zabel, bei dem Geschäftsführer der Ortsgruppe Walter Klinger, in der Geschäftsstelle selbst und bei dem Gastwirt Florian Sturm auf Grund des 8 2 des Schutzgesetzes Hausdurchsuchungen vor, wobei umfang« Ver- weg. losen ausgeübt werde. Vorher hatte der Arbeits» lofenvertreter Fabrikant Kämpf, von dem übrigens bekannt ist, daß er die Löhne der bei ihm beschäftigten Arbeiter ständig zu drücken versucht, durch sozusagen wirtschaftliche Darlegungen um das Vertrauen des Ministers zu werben versucht. In seinem Betrieb hat er allerdings nicht jenes Maß an Demokratie eingeführt, daS er für die Sozialkommissionen unter Angabe unwahrer Tatsachen verlangt: er duldete nämlich keinen Betriebsausschuß, sondern hatte einen „S t a n d e s f ü h r e r" ernannt, der selbstverständlich^dcr SdP aiiaebört.^Zyr Hede aestells, sagt« her Fabrikant Kämpf:„Wenn der Reitzner" fudetendeutsdicr =: ssss ri" ss Sir Austen Chamberlain der ehemalige britische Außenminister, der mit 73 Jahren noch eine„private" Reise durch die europäischen Staaten unternimmt, ist mit Gemahlin und Sohn am Montag mittags aus der Fahrt von Wien nach Prag in Sezimovo N st i, dem Landsitz des Präsidenten briTäbor, eingetroffen, wo er vom Präsidenten Dr. Benes zum Mittagessen geladen war. An dem Essen nahm auch Gesandter Jan Masaryk teil. Um halb 8 Uhr abends traf Chamberlain^ im Auto in Prag rin, wo ex auf der britischen Gsandtschaft Aufenthalt nimmt. Dienstag wird rin Empfang auf drr Burg stattfindrn. Mittwoch wird Chamberlain Gast des Außenministers Dr. Krofta sein. gen kann", wenn sich alle Organisationen und Vereine ohne Unterschied ihrer politischen Einstellung für diese Forderungen einsetzen. Die„Gemeinsame Linie", die da bezogen wurde, diefe„Einheitsfront" mit den deutschen Fußballern, steht recht stark im Widerspruch zu der geraden Linie, die doch gezogen werden soll; und daß man sich dem Deutschen Fußballklub unterstellt— in dem Schreiben heißt es wörtlich:„Anfragen sind zu richten: Deutscher Fußballklub 1919— ist wahrscheinlich die neueste Taktik der Kommunisten unseres Landes. Die Jahreskonferenz des Bezirkes Arnau die Sonntag in Neu-Rettendorf stattgefunden hat, war von 150 Delegierten und Gästen besucht und nahm einen, sehr schönen Verlauf., Titz Rettendorfer Sänget begrüßten die Kovfirenz'imt einem Freiheitslied. Der Genosse Dankt aus 1 Königinhof begrüßte die Konferenz namens der tschechischen Sozialdemokratie. Die Genossen Jühitzer und Strobel erstatteten die Berichte der Bezirksleitung. Das politische Referat erstattete Abg. K r e j c i. Die Wahlen der Bezirksleitung brachten keine Veränderung. Die Millionen des Sozialdemokraten pik Klägliches Ende einer Verleumdung Durch Monate hindurch kehrte in der Hen- leinpresse die Behaupttmg wieder, der tschechische sozialdemokrattsche Abgeordnete P i k beziehe als Verwaltungsrat der Skoda-Werke Riefen- tantiemen. Es wurde die Summe von 1.2 Millionen genannt. An die Meldung wurden tiefsinnige Betrachtungen über das Wohlleben der sozialdemokratischen Bonzen geknüpft. Wo die Hen- leinpresfe verleumdet, können die Kommunisten nicht gut schweigen und so war der Abgeordnete Pik genötigt, nicht nur die Henlein- , Presse, sondern auch den Kommunisten K l i m e i zu klagen. Die Henleinpresse ließ es nicht erst zur gerichtlichen Verhandlung kommen, sondern leistete—- siehe„Rundschau" vom 18. April 1936! — eine de- und wehmütige Abbitte. Der Kommunist Klimes jedoch konnte sich der Gerichtsverhandlung nicht entziehen, sondern wurde z u fünf Tagen Arrest unbedingt verurteilt. In einem Bericht der Skodawerke heißt es, daß Pik seine Bezüge als Berwaltungsrat nicht behalten habe, sondern sie gemeinnützigen Zweckenzuführtel UebrigenS ist Pik auS dem Verwaltungsrat ausgetreten, weil er mit hem Verhalten der Werksleitung gegenüber gewissen Arbeitcrforderungen nicht einverstanden war.— Bemerkenswert ist, daß der Bericht über die Gerichtsverhandlung gegen Klimes in" der— »Zeit" zu finden ist. Die Verleumder erfahren also die Wahrheit über den Fall Pik aus erster Hand. Es ist aber unwahrscheinlich, daß sie sich ihrer bedienen werden. er warb um das Vertrauen des FQrsorgemlnlsters... Bemerkenswertes über einen Henlein-Fabrikanten AlS der Fürsorgeminister N e L a's in Elbo- Len zu Besuch war, vertrat der Henlein-Fabrikant K ä m p f die»Belange" der sudetendeutschen Arbeitslosen. Er verlangte nämlich eine Vertretung der SdP in den Sozialkommissiontn, da infolge der jetzigen Zusammensetzung dieser Kommissio-1 Iten„marxistischer Terror" gegen die Arbeits-' Mähr.-Trübau. Donnerstag erhielt die Gendarmerie in Mähr.-Trübau einen Brief aus Landskron, in welchem es hieß, daß als Mörder des Gronauer Pfarrers ein Landstreicher deutscher Rationalität namens Trabusek in Betracht kommen könnte. Die Gendarmerie verfolgte auch sofort diese Spur und pflog in dieser Richtung in Grünau Nachforschungen, wobei sie feftstellte, daß Josef T v a r u s ch^ k—• wie er richtig heißt,— ein beschäftigungsloser Handschuhmachergeselle aus München in Bayern in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, also in der Nacht vor dem Morde, in Grünau übernachtet hatte. Der Rundftmk und die. Presse wurden sogleich in den Dienst der Nachforschungen gestellt und auf diese Weise gelang es, alle Gendarnteriestationen in der Republik aufzufordern, den gesuchten Tvaru» schek anzuhalten. Samstag früh hielt eine Gendarmeriewache mehrere Kilometer von Fulnek entfernt, zwei Landstreicher an, deren einer der ge- fuchte Tvaruschek ist. Es wurde die Brünner Gendarmeriefahndungsstation verständigt, die sogleich nach Fulnek fuhr und Tvaruschek verschiedene Dinge ausfragte, ohne hiebei den Mord in Grü- nau zu erwähnen. Tvaruschek gab bereitwillig Auskunft. Durch seine Aussagen wurde festgestellt, daß er vom 8. April an täglich 10 Kilometer zurücklegte, während er in der letzten Woche in einem einzigen Tag 50 Kilometer zurückgelegt hat. Daß er wegen des Mordes in Grünau gesucht wurde, hatte er bereits in den Zeitungen gelesen. Noch einen Tag später und er wäre an die für Mörder rettende deutsch e>G r e n z e gekommen, wohin er ursprünglich wollte. Sobald man an Tvaruschek die Frage richtete, ob er etwas über die Pfarre in Grünau aussagen könne, hörte er auf zu antworten, später aber erklärte er, daß er in der letzten Zeit zweimal auf der Pfarre gebettelt habe, das eine Mal Milch, das andere Mal Brot erhalten habe und zwar stets durch eine kleine Oeffnung in der Tür. Hiebei machte er sich dadurch verdächtig, daß er die Verhältnisse auf der Pfarre in Grünau gut kannte und auch eine ziemlich genaue Beschreibung sowohl der Wirtschafterin Dvoiäkovä als auch des Pfarrers Haska gab. Er wurde nach Grünau geschafft und hier am Sonntag einem Verhör unterzogen, bei welchem er sein bisheriges Leugnen aufgab und gestand, daß er den Mord verübt habe. Bei der Ablegung des Geständnisses brach er In Weinen aus und erklärte, daß er die beiden Menschenleben, dit er auf dem Gewissen hab«, bedauere. Er gab an, daß er eiste Hacke gestohlen habe» die er unter dem Rock versteckt trüg. Ms er Mittwoch, den 8.' April, abends, an der Pfarre vorüberging, habe er gesehen, daß ein Fenster in dem Garten offen stand. Er übersprang den Zaun, krcch durch das Fenster in die Stube und begann den Wäschekasten der Dvoiäkovä zu durchwühlen. Die Dvoräkovä war in der Küche rurd als sie ein Geräusch vernahm, ging sie auf den Gang, wobei sie einen Besen in der Hand hielt. AlS Tvaruschek sie erblickte, zog er die unter dem Mantel verborgene Hacke hervor, faßte die Dvo- räkovä mit der linken an der Kohle und versetzte ihr mit der Schärfe der Hacke zehn Hiebe gegen daS G esi ch t, worauf er die Leblose zu Boden fallen ließ. Der in einem Nebenzimmer befindliche Pfarrer wurde wahrscheinlich erst durch den Fall aufmerksam, eilte auf den Gang heraus und sah sich Aug in Auge dem Mörder gegenüber. Dieser ergriff ihn gleichfalls an der Kehle und versetzte ihm drei Hiebe mit d e r H a ck e, wobei er mit einem Hieb'auch einen Bildrahmen traf, von dem er ein Stück abspaltete. Als der Pfarrer zu Boden fiel und zu röcheln begann, versetzt« ihm der Mörder mit der Schärfe der Hacke acht Hiebe gegen den Scheitel. Hierauf lief er in das Zimmer deö Pfarrers, zog aus der über einem Stuhl hängenden Weste die goldene Uhr heraus, öffnete einen Kasten, in dem sich in einer Kartrnschachtel 1500 flö befanden, die er zu sich nahm, um hierauf das Haus zu verlassen. Er fchloß die auf einem Hügel führende Haustür hinter sich und floh in der Richtung'der Ortschaft Charlottendorf. Unterwegs warf er in einem Walde die Mordwaffe von sich. Da es finster war, kann er sich jetzt nicht mehr erinnern, wo er sich der Hacke, die nun gesucht wird, entledigte. Tvaruschek änderte jedoch sein Geständnis wiederum ab und behauptete, nicht allein gewesen, sondern mit einem Kameraden angekommen zu sein, dem er das Geld übergab, worauf sie auf Fahrrädern davonfuhren. Er will jedoch den Namen dieses Mittäters nicht angeben und gibt vor, ihn nicht zu kennen. Um 5 Uhr nachmittags widerrief er dieses Geständnis und erklärte, daß er allein war und ihm niemand geholfen habe.<■■■ Anilinfarhrnerzeuguns in Aussig. Dem Vernehmen nach beabsichtigt der Verein für chemische und metallurgische Produktion in Aufsig in nächster Zeit die Fabrikation von Anilinfarben auf- zunehmen. Gegenwärtig wird für die Zwecke der Erzeugung dieser Farben ein Neubau«rrichiet. Die Produktion der sieuen Fabrik wird sich hauptsächlich auf die Erzeugung von Azoforben erstrek- ken. Die Deckung des Bedarfes in unserer Republik dieser hauptsächlich von der Textilindustrie verwendeten Farben erfolgte fast ausschließlich durch Einfuhr. „Rundschau" kann eingestellt werden. Die „Rundschau", das Wochenorgan der Henleinpar- tei, bekam eine staatsanwaltschaftliche Verwarnung zugestellt, derzufolge sie eingestellt werden kann. Die„Rundschau" ist in den letzten Wochen einigemal« der Beschlagnahme verfallen. Dies ist die Ursache der Verwarnung. 2 kob Weltner gestorben Einer der Führer der magyarischen Sozialdemokratie, Genosse Jakob Weltner, ist dieser Tage 63 Jahre alt in Budapest gestorben. Sein Tod bedeutet einen schweren Verlust für unsere magyarische Bruderpartei. Weltner, von Beruf Tischler, war mehr als 40 Jahre in der Partei tätig und er hat sich insbesondere um die sozialdemokrattsche Presse seines Landes ganz außerordentliche Verdienste erworben. Er Ivar einer der Mitbegründer der „Nepszava" als Tagblatt, bei welchem Blatt er viele Jahre als Redatteur tätig war. In der Zeit der Herrschaft Bela Kuhns spielte Weltner eine große Rolle, er hat damals eine Politik ge- ttieben, deren Richtigkeit die späteren Ereignisse bestätigt haben. Nach der Niederlage der ungarischen Revolution ging er ins Ausland und lebte von 1919 bis 1925 in Wien. Dann kehrte er nach Budapest zurück und übernahm als Chefredakteur die Leitung des Zentralorgans der ungarischen Genossen, welche Funktion er bis zu seiner schweren Erkrankung, die ihn vor ettva zwei Monaten traf, ausübte. Weltner, der auch Abgeordneter war, war einer der besten Redner der ungarischen Partei, der seine Zuhörer faszinierte und sich' außerordentlicher Beliebtheit erfreute. Sein Ableben hinterläßt eine, schwer ausfüllbüre Lücke in der ungarischen Arbeiterbewegung. Seite 4 Rr. 91 Dienstag, 21. April 1V36 der» aus der Propinz auf. Als Gäste konnte der Vorsitzende Vertreter des„Syndikats Lsl. novinärü", der Union ungarischer Journalisten und der ,Ty- pograficka beseda" begrüßen. Zum Obmqnn wurde Dr. Franz Bacher- Prag, wiedergewählt. DaS Wetter in Mitteleuropa bessert sich nur ganz langsam. Auch Montag traten im Staatsgebiete noch verschiedentlich leichte Schauer auf, am Altvater schneite es dicht. Der Wind dreht jedoch bereits gegen Südwesten und die Temperatur nimmt ein wenig zu. In der flowakischen Donauniederung erreichte sie nachmittags wieder stellenweise plus 15 Grad. Die allgemeine Wetterlage ist noch' nicht stabil, trotzdem der Einfluß der Truckstörung über Skandinavien abnimmt und sich über der Balkanhalbinsel, vorübergehend ein kleines Hochdruckgebiet ausgebildet hat.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Im allgemeinen etwas wärmer, Wind aus südwestlichen Richtungen. In den nordwestlichen Teilen der Republik zeitweise unsicher, sonst meist schön, strichweise noch Ztachtfröste. Wetteraüssichten für morgen: Wetterlage unsicher. Vom Rundfunk empfehlenswertes aus 4m PrograimsMi Mittwoch Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse. 10.15: Deutscher Schulfunk für niedere Stufen, 12.10: Schallplatten aus Smetana-Opern, 13.40: Deutscher Arbeitsmarkt, 16.55: Theater für die Jugend, 18.10: Deutsche Sendung: Dr. Mouchau: Neue Bücher,. 1S.20: Arbeiterfunk: Josef ftaat: Verwirklichte Utopien. 18.40: S o z.i a l i n fo r mg t i o ne n, 18.45: Deutsche Presse, 18.55: Dvorak: slowakische Tänze, 18.25: Buntes Konzert, 20.10: Gesangskonzert der tschechischen Lehrer, 22.30: Leichte Musik. Sender S: 7.30: Salonorchesterkonzert, 14.15: Deutsche Sendung: Kinderstunde, 14.40: Schallplätten.— Brünn 13.20: Aus der„Verkauften Braut", 13.20: Arbeitsmarkt u. Sozialinformationea. 16.10: 3!achmittagskonzert, 17.40: Deutsche Sendung: Gesangskonzert, 20.40: Rundfunkspiel: Das Meer- Spiel.— Preßburg 15: Iiachmittagskonzert, 20.05: Aus dem Nationalrheater: Svmphoniekonzerr.—■ Kascha« 12.35: Rundfunkorchesterkonzert.— Mährisch-Oftra« 18: Orgelkonzert.' Die Höllenmaschine und der Dieb. Der Bäckergehilfe Franz Papousek in Protznitz behob vor einigen Tagen in einem dortigen Geldinstitut den Betrag von 15.800 XL, den er dann zu Hause in einem Kasten aufbewahrte. Den Schlüssel zu diesem Kasten versteckte er im Bett. Freitag früh. Kssss^tzüMstlvönHoa AÜ Burfchen medergeschla- gen und schwer mißhandelt. Beide wurden verletzt. Der ein» ist erst 15, Jahre alt. Eine andere Gruppe von fünf Angehörigen der' Sozialistischen Arbeiterjugend wurde von einet etwa 150 Lewe zählenden Horde durch.die Straßen gejagt. Auf einem der Jugendlichen trampelte man herum. Ha«ptversamml«ng der Reichsgewerkschaft der men Hätte Gouverneur Hoffmann zu Ende des Monates März diese Beweise in den Händen gehabt, wäre Hauptmanns Leben gerettet worden. Die Aufklärung der Entführung des Lindbergh- Kindes sei. seiner Auffassung nach die Frage we- niger Tage oder sogar nur weniger Stunden. Autobus adgestürzt. Sonntag mittags begann der von Stip nach Strumica(Jugoslawien) fahrende Äutrchus bei der Ortschaft Novo Selo infolge eines Defektes nach rückwärts bergab zu rollen. Der mit 20 Personen besetzte Autobus, dessen Bremsen wahrscheinlich versagten, erreichte eine ziemliche Geschwindigkeit, durchbrach die steinerne Straßenbarriere und stürzte aus einer Höhe von 15 Metern in den Bregalnica-Fluß. Dabei stieß er während des Falles gegen einen Baum. Der Autobus wurde vollständig zertrüm- ! mert. Der Chauffeur und ein Passagier wurden ! getötet und 17 weitere schwer verletzt. Zwei der i Verletzten schweben in Lebensgefahr. Razibarbarei in Danzig. Am Donnerstag abends machte Hitlerjugend in„Zivil" die Stra- | ßen Danzigs unsicher. Wer im Verdacht stand, Ein tapferer Antifaschist ein eigenartiger und eigenwilliger Denker war WernerHegemann, der, erst vierundfünfzig Jahre alt, in der Emigration, in New Ijork, gestorben ist. Und weil er ein Mann eigenen Wuchses war, einer, der sich nicht zurechtstutzen ließ und nicht gleichzuschalten war, war für ihn im„erneuerten" Deutschland kein Platz, auch wenn er nicht die„Entlarvte Geschichte" geschrieben, auch wenn er sich nie als Historiker, sondern stets nur als Architekt betätigt hätte. Denn der kerndeutsche, tapfere Sohn einer alten Pastorenfamilie, ans„Protestieren" im höchsten, Goethe'schen Sinne gewöhnt, der Städtearchitekt, der geniale Theoretiker und Praktiker der Baukunst, der für Hitlers Archstektur-Dilettantismus nur den Hohn des wahrhaft Ueberlegenen gehabt hätte, wäre im Dritten Reich nicht geduldet worden, auch wenn er zu schweigen vermocht hätte. Werner Hegemann hat aber nicht geschwiegen, wollte und konnte nicht schweigen. Er, der die Verlogenheit in der Kunst bekämpfte, zog auch gegen die Lüge in der Geschichte zu Felde, gegen die patriotische Legende. Der Nationalsozialis- dsiius aber braucht nicht nur die in Deutschland schon beheimateten Hohenzollern-Legenden, er braucht und schafft neue Legenden. Hegemann hat in seinem„Frideri- c u s" gegen die Friedrich-Legende wuchtige Hiebe geführt, er hat in dem glänzend geschriebenen, ihn als überlegenen Satiriker zeigenden Buch„Entlarvte Geschichte" gegen dm damals eben nach der Macht langenden Hft- lcrismus, aber auch gegen die in Deutschland geschichtsübliche Verherrlichung der Germanen scharfsinnig und witzig gekämpft. Unvergessen wird, wie dieses Buch, auch Hcgemanns kluger Einfall bleiben, es Hindenburg und Hitler zu widmen und damft zu erreichen, daß feine Gefährlichkeit erst recht spät erkannt wurde.— Das selbstverständliche Verbo? der Bücher Werner Hegeinanns hat für einige Zeft das deutsche Volk vor der Infizierung durch ihren Geist bewahrt. Aber: so gewiß alle, die trotz Hakenkreuzlerei doch noch an das deutsche Volk zu glauben der- nrögen, der Wiederauferstehung dieses Volkes zur Geistesfreiheft sind, so sicher sind sie auch der Wiederkehr der Bücher Hegemanns. Und gerade daran, daß Menschen seiner Art, scharfäugige und von unerbittlicher Wahrheftsliebe erfüllte-Kritiker, Denker auf eigener Gedankenbahn, im heutigen Deutschland nicht leben können, offenbart sich ihnen der tiefe Sturz Deutfchlands durch sein „Erwachen". Italienische KulturI Das erste in Europa eingetroffene Bild, das die abessinische Stadt H a r r a r nach dem gro- 'ßen Bombardement der italienischen Luffflotte zeigt. Die Stadt ist bekanntlich völlig zerstört worden. als er sein Geld nächzählte, stellte er fest, daß ihm 2000 XL fehlten. Da in der Kammer, in der sich der Kästen befand, einige Arbeits- kaMeräden schliefen/ konnte Papöusrk den Täter nicht feststellen> dachte sich" jedoch?einen Plan aus, wie er sein Geld vor.diebischen Zugriffen sichern könnte. Schon seit längerer Zeit befaßte er sich mit der KonstrUktidn einer Art Höllenmaschine. Er schüttete nun in diese Maschine Schießpulver, verband die' Maschine mit einer Zündschnur und richtete es so ein, daß beim Oeffnen des Kastens das Pulver" explodieren" mußte? Samstag früh hörte man ist dem Hause eine furchtbare Explo sion und gleich darauf einen Schreckensruf. Einer der Bäckergehilfen lief im nächsten Augenblick in panischem Schrecken aus der Kämmer, wo der Kasten samt dem Reste des Geldes Papouseks, 13.800 XL brannte. Das Feuer wurde von den Hausleuten schnell gelöscht, so daß die Feuerwehr nicht einzugreifen brauchte. Der Bäckergehilfe, der den Kästen unbefugt öffnete, wurde verhaftet, mit ihm aber auch der Konstrukteur der origi nellen Alarmvorrichtung, deren Explosion einem Menschen das Leben hätte kosten können. m-i■- L■■--■ Hauptmann unschuldig gestorben? Der Ge- lern Nazi zu sein, auf den wurde Jagd gemacht. 'Hilfe/ deD^MtgätsgouvernMs von. New Nersey, h^r Sozialistischem Arbeiterju- >H pf^m a n n in'Chicago meldet, ist oernächsten"" 2“ Zeit könne die Verhaftung von drei an dem Tode des'Lindbergh-Ainhes SchrMtragenden Entfüh- rern erwartet weckden. Der junge Chicagoer Ad vokat Bernard FinNigan, der seit" dem Tage der Hinrichtung- Hauptmanns die Nachforfchm^gen eifrig durchführt, erklärte, Hoffmann sei nun- i mehr iin Besitze von unumstößlichen Beweisen, daß I H a u p t m a n n t a t s ä ch l i ch u ns ch u l-"deutsche» Presse. Am Sonntag fand im Deutschen d i g gewesen sei. Er fügte hinzu, daß im Staate Hause in Prag die' Generawersammlung der New Uork 5000 Dollar"gefunden wurden. Welche Reichsgewerkschaft der deutschen Presse"statt. Die aus dem Lösegeld-für das Lindbergh-Kind stam- f Versammlung.wies einen" zahlreichen"Besuch beson- Klnder als Mörder In Thnec bei Klattau wurde Sonntag der 84 Jahre alte Kutscher Beit K u t i l erschlagen in seiner Wohnung gesunden. Alles deutete auf einen Raubmord hin, denn das Geld, welches der Greis kurz vorher für eine verknuste Wiese erhalten hatte, fehlte. Als dik" Gendarmen die Personen verhörten, welchen Kntilö Vermögcnsvrr- hältnisse bekannt waren, rief ein z w ö l f i ä h- rigerSchüler, der Kutil gelegentlich Botendienste leistete, Verdacht hervor. Rach längerem Befragen gab der Junge den Mord zu. Er betäubte erst den alten Mann durch einen Schlag mit einem Schürhaken und schlug dann mit allen Gegenständen» derer er habhaft werden konnte, auf den Ohnmächtigen solange ein, bis dieser ausatmetr. Für die Beute wollte rr sich rin Fahrrad kaufen. Die Bluttat eines Sechzehnjähri- gen wird aus Lodz gemeldet. Der 70jährige Alexander D r m b s k i geriet mit einem Burschen in Streit, dessen Vater er delogieren wollte. Der Junge zog plötzlich ein grosses Küchenmrffer und stiess Dembski nieder, welcher in wenigen Augenblicken starb, ltzer Mörder flüchtete. Prins Bugen Dem Gedächtnis eines großen Europäers Heute vor zweihundert Jahren ist in Wien der kaiserliche Generalissimus urw des Heiligen römischen Reiches Reichs-Feldmarschall, Eugen, Prinz von Savoyen-Carignan, der berühmte„Prinz Euge- nius" des Volks- und Soldatenliedes, eines sanften Alters-Todes verstorben. Die Erinnerung an ihn bedeutet mehr als das Gedächtnis eines der bedeutendsten Militärs aller Zetten, sie ist zugleich die Besinnung auf einen großen Europäer. ES war einer der schönsten Züge deS vielverlästerten alten deutschen Reiches, daß es in seinem Wesen nicht national, sondern europäisch,> abendländisch war. Darum auch zog der kaiserliche Hof und später noch lange Jahre der österreichische, Männer aus aller Herren Ländern an. Oefterreicher zu sein, hieß ja bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts, einer Wahl-Nation anzugehören, sich zu einer polttisch- geistigen Idee zu bekennen, di« mtt einem bornierten Nattonalismus oder Patriotismus wenig gemein hatte. Die größten Oesterreicher sind in den vierthalb Jahrhunderten, in denen das Haus Habsburg eine, lange Zeit führende und dann immerhin noch -— bis Königgrätz— eine glänzende Rolle in Europa gespielt hat, ihrer Geburt nach Söhne der verschiedensten Völker gewesen. So auch kam im-Jahre der großen Wende,, da die Türkenmacht vor Wien zerschellte, 1683, der zwanzigjährige Prinz von Savoyen-Carignan nach Wien, um als Offizier in die Dienste Kaiser Leopolds zu treten, in denen sein älterer Bruder schon fein Leben geopfert hatte. Eugen, der jüngste von fünf Söbnen des'Fürsten von Savoyen-Carignan und der Italienerin Olympia Mancini, einer Nichte des mächtigen Kardinals Mazarin, wär in Paris erzogen worden, sofern man von einer Erziehung sprechen darf, da die Mutter, eine große und lebenslustige Dame, das Kind im Grunde verwahrlosen ließ. Eugen war alles andere als eine martialische Erscheiimng. Auf kurzen und dünnen Beinen saß ein schmächtig-gedrungener Körper und an dem Turmschädel fielen neben stumpfer Nase und brettem Mund nur die großen dunklen, Geist verratenden Augen als schön auf. Er war schwächlich und kränkelte viel. Als„der kleine Abbs", wie man ihn hänselnd nannte, in die Armee eintreten wollte, wurde sein. Ansuchen von Ludwig XIV. höhnisch abgelehnt. Er solle nur bei der„schwarzen Armee"(dem geist- lichen Stande)"bleiben." Grollend ging"er. nach Oesterreich. Der„Türkenpoldl", der. Kaiser Leopold I. war einer der wenigen Habsburger, die; eine glückliche Hand hatten. Er stellte den merkwürdig aüsse- henden Krieger in seine Armee ein. Zehn Jahre später ist"der' Dreißigjährige, in unzähligen Gefechten bewährt,^ bei Belgrad 1688' schwer verwundet, kaiserlicher Feldmarschall. 1607 schlägt er die Türken bei, Zenta und- entscheidet damit einen" schon anderthalb Jahrzehnte währende Krieg. Bei den Fttedens- verhaudlungen, die dem Kaiser Ungarn,(bis. auf das Banat von Temesvar) einbringen, bewährt"sich der. Soldat auch als'Diplomat von Rang und weitem Blick. Schon hatte er sich auch mü Frankreichs gefürchteten, in jenem Jahrhundert immer siegreichen Armeen gemessen. Aber die: große Auseinandersetzung mit dem„Sonnenkönig" beginnt erst im neuen Jahrhundert, mit dem spamschen Erbsolgekrieg, in dem sich das militärische Genie des kleinen..Prinzen entfalten und im strahlenden Lichte zeigen kann. Alle Generale und Marschälle aus.der Schule des großen Turenne, die Billenoi, Catinat, Bendüme," Tallard, zeigen sich seiner Klinge nicht gewachsen. Immer in der zahlenmässigen Minderheit," weiß er seine Kraft an der entscheidenden Stelle zusammenzüballen, in kühnen Märschen und. überraschenden Bewegungen den Feind zu umgehen, ihn wie der Blitz anzufallen und niederzuwerfen. So bringt er in die umständliche Manövrierkunst der gelehrten französischen Strategen, die ihre Uebermacht verzetteln und methodisch von Position zu Position Vorrücken, Verwir- rstng und in die Kriegskunst ein neues Element. Da ihm die Franzosen die Veroneser Klausen sperren, geht er mtt dem Heer über die unwegsamen Bicen- riner Alpen, gibt kühn seine Verbindungen preis, steht in der Flanke der. Franzosen, schlägt sie, stellt durch, einen gewagten Rechtsabmarsch, seine Verbindung nach Tirol wieder her. Ein andermal überschreitet er angesichts des Feindes Etsch und Po und zieht aus dem Südufer des Po in gewalttgen Eilmärschen gegen Turin, während die Franzosen auf dem Rordufer bleiben müssen, wo die zahlreichen Älpenflüsse.uen Marsch durch die Ebene behindern und den Prinzen Wochensang aufgehalten hätten. Schier endlos ist die"Reihe seiner großen Siege: Cakpi, Chiari, Luzzara, Turin, Höchstädt Ouden- aande, Malplaquet, um nur"die bedeutendsten zu nennen. Als Mensch und Diplomat vornehm, klug und gewandt, weiß er jahrelang mit dem ehrgeizig glänzenden-englischen Marschall Marlborough reibungslos.zusammenzuarbeiten. Kaum daß der große Erbfolgekrieg beendet war, der die österreichische" Macht bis zur Straße von Messina und zum Aermelkanal" ausdehnte, hebt ein neuer Türkcnkrieg an. Es ist'der Feldzugs in dem Eugen 1616 die Türken bei Peterwardein schlägt, 1617.das Heer des Grobveziers bei Belgrad vernichtet, und diese Pforte des"Orients sprengt. Im Paffärowitzer Frieden bringt er dem Kaiser.— dem dritten, dem er nuu dient:' Karl VI. nach Leöpold und' Joseph. I..— das nördliche. Bos- - niest und Serbien, die Wojwodina und di« kleine Walachei."• 1 Niemals hat Eugen" schlechthin habsburgische Häusmächtpoliiik betrieben. Immer rät er zu klugen Kompromissen,»stets hat er"gesamtdeutsche und europ ä i s ch e In t e r e s s e» im Auge, so, wenn er dem Kaiser—vergebens— rät. Sizilien, auszugeben, aber dem Reiche, das Elsaß zurückzuholen. Sein Kampf gegen Frankreich dient der europäischen Sache wie. der Türkenkrieg, denn Frankreich ist damals der gefährlichste" Verbündete der Hohen Pforte und der Schürer aller Osmanen- züge gegen Ofen und Wien. Als Statthalter in den Medettanden fördert"Eugen die"Ostindische | HandelskoMpagniei versucht K o n tinentalpo- !> j i i t großen Stils«zu" treiben,. aus■ Antwerpen einen Hafen und ein Austallsror des Reiches zu machen, die kaiserliche Flagge auf dem Ozean durchzusetzen. Das scheitert frellich durch den Verrat Preußens an der deutschen Sache, der damals zum erstenmal wirksam wird, und an der kleinlichen Politik Karls VI., der sein Ziel einzig in der Anerkennung der Pragmatischen Sanktion, und— ein Vorläufer gewisser heutiger Politiker— in der Sammlung möglichst vieler Unterschriften auf Pakten und Staatsakten sieht. Noch einmal muß der 71jährige zu Pferde steigen, um mit ungenügenden Kräften gegen Frankreich zu kämpfen, den. Rhein zu verteidigen. Dieser letzte Krieg bringt ihm keinen großen Sieg mehr, immerhin hält er die Franzosen in Schach und an der überlegenen Manövrierkunst des alten Mannes hat damals der..junge Fritz", der preußische Kronprinz, zuerst praktische Strategie gelernt. Ist die militärische Bahn Eugens auch nicht wie die Friedrichs und Itapoleons zu den höchsten Gipfeln des Ruhms angestiegen, fehlt ihr das Welterschüt- ternde gewaltiger Neuerungen, so hat Eugen dafür auch niemals eine wirkliche Niederlage erlitten, geschweige denn eine Katastrophe wie Kunnersdorf, Leipzig oder Waterloo. Er war im Feldenie besiegt worden. Reben seinen militärischen und polttischen Leistungen trete» seine friedlich-kulturellen als Taten gleichen Ranges und vielleicht höheren Wettes. Er ist, wie seine Wiener Palais, das in der Himmel- pfottgaffe und das Belvedere, noch heute bezeugen, einer der großzügigsten und kunstsinnigsten F ö r d erer des Wiener Barocks gewesen, er hat den Grundstock der späteren Hof-(heute Staats)- Bibliothek in der glänzendsten Bücherei seiner Zeit gelegt, er hat jegliche Art von Kunst und Ge- lehrsamkett gefördert und war der Freund des Philosophen L e i b n i tz, mit dem er in regem Briefwechsel stand. Männer kttttschen Geistes, wie der eben verstorbene Werner Hege mann, haben in Eugen von Savoyen den bedeutendsten deutschen Staatsmann des 18. Jahrhunderts gffehen. Er war auf jeden Fall ein erlauchter europäischer Geist und es war der gesunde Sinn des Volkes urü> der Soldaten, der ihn im Liede fortleben und zum Schöpfer einer Tradition werden ließ, die in der k. u. k. Armee keine gleichrangige Nachfolge und eine Fortsetzung nur in den Gestalten Laudons und Redebkqs gefunden Hai. , E."Franzei. 92t. 94 Dienstag, 21 April 1936 Sekte 5 Das Ergebnis der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik (R. F.) In der„Bohemia" vom 12. April finden wir einen ausführlichen Artikel, der einen guten Kenner der deutschen Wirtschastsverhält- nifle zum Verfasser hat. Das Zahlenmaterial, daS dieser Artikel aus. durchwegs amtlichen Quellen bringt, enthält eine so durchgreifende Kennzeichnung der nationalsozialistischen Wirtschastsmethoden, daß wir unseren Lesern die wichtigsten Angaben nicht vorenthalten wollen. Das erste wesentliche Ergebnis der in der „Bohemia" angestellten Untersuchungen ist, daß die beiden einzigen Industrien, die heute in Deutschland blühen, die Rüstungsindustrie und— die Sektfabrikation sind. Die Stahlerzeugung ist von 7,6 Millionen Tonnen im Jahre 1933 auf 18,4 Millionen Tonnen, also um fast das Zweieinhalbfache gestiegen. Die S e k t- erzeugung ist von 5,5 Millionen Flaschen auf 13 Millionen Flaschen gestiegen. Dagegen ist dieSchuhproduk^ion im-Jahre 1933 um 7 Millionen Paar g e s u n I em. Der Fleischverbrauch ist im gleichen Jahr« um 16 Prozent gesunken. Die R-dio- i n d u st r i e, die im Jahre 1934 dank der Riesenpropaganda, die aus innerpolitischen Gründen für den sogenannten„Volksempfänger" betrieben worden ist, einen gewissen Aufschwung genommen hat, verlor im Jcchre 1933 55 Prozent ihres Absatzes, was den Z u s a m m e n- b r u ch von vier größeren Radio-fabriken zur Folge hatte. Die Texti l-industrie arbeitet durchwegs mit 20 bis 36 Wochenstunden, trotzdem auch sie an den Rüstungsinvestitionen beteiligt ist. Der Artikel in der„Bohemia" kommt somit zu den unbesrrettbaren Schluß, daß„die Investitionsgüter mit, den Rüstungsgütern identisch" sind. Die nationalsozialistische Wirtschaft ist ihrem wesentlichen Inhalt«ach zum Kriegskapi- talismuS geworden. Siebzig Prozent der gesamten Bautätigkeit entfallen auf den Bau von Kasernen, Befestigungen und strategischen Autostraßen. DaS gesamte Kreditwesen wird so ausschließlich fiir Rüstungszwecke in Anspruch genommen, daß der Staat nicht einmal die Ausgabe von Pfandbriefen gestattet, die die wesentliche Kreditgrundlage für den Wohnungsbau sind. Dafür werden allerdings, mit Rücksicht auf den für die Olympiade erwarteten Fremdenverkehr, die, Berliner Häuserfassaden restauriert...'''_ Auch über die nationalsozialistische Arbeitsbeschaffung" enthält der Artikel authentische Angaben. Offiziell wird die Gesamtzahl der Neubeschäftigten mit 3,3 Millionen angegeben. Bon diesen sind ab— amt- j lichen Angaben zufolge, nur 2,2 Millionen in einem regulären Arbeitsverhältnis beschäftigt, während der Rest(1,1 Millionen)' in der Landhilfe, im Arbeitsdienst usw. untergebracht ist. Wie weit diese Zahlen zuverlässig sind, kann Nur nach den Regeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung beurteilt werden. Jedenfalls sind diese 2,2 Mit» lionett Neubeschäftigte das Alleräußerste, was die gleichgeschaltete amtliche Statistik als Erfolg der „Arbeitsschlacht" heraüsrechnen konnte. Wie sich die soziale Lage der Arbeiterschaft entwickelt hat, ergibt sich andeutungsweise aus folgenden amtlichen Angaben: Das nominelle Arbeitseinkommen hat seit 1933 um 19 Prozent, d. i. um 5 Milliarden zugenommen. Bon diesen 5 Milliarden müssen, um die Entwicklung der Reallöhne, also der K a u f- tratst festzustellen, folgende Beträge abgezogen werden: 1,2 Milliarden für P r e i st e i- g e?r u wg x.n; 1 Milliarde entgangene-Avbeits- losenuyterstützuilg und schließlich 0,5 Milliarden für erhöhre Steuern und soziale'Abgaben. Ob in diesem'letzteren Posten die,,,freiwilligen Spenden" für„Winterhilfe" u. dgl. enthalten sind, ist mehr als ziveifelhqft^ Aber auch diese Statistik verrät viel mehr, alZ sie preisgeben will. Man muß nämlich jene 24 Prozent, die wegen der Preissteigerungen, und jene 10 Prozent, die wegen der Erhöhung öffentlicher Lasten- von dem Lohnzuwachs von 5 Milliarden RM. abgezogen werden müffen, auch auf daS gesamte Lohneinkommen umrechnen. Bor dem Eintritt dieser Preis- und Lastensteigerung(im Jahre 1933). betrug es 26 Milliarden, nach deren Eintritt angeblich 31 Milliarden, also um 19 Prozent mehr, während die Schmälerung des Realeinkommens 34 Prozent beträgt. Diese 31 Milliarden von 1935 entsprechen also 20,5 Milliarden von 1933, was gegenüber der damaligen Lohnsumme von 26 Milliarden eine Kaufkrafteinbaße von 12,5 Prozent(bei gleichzeitiger Steigerung der regulär Beschäftigten um angeblich 2,2 Millionen regulär Beschäftigten um angeblich 2,2 Millionen) ergibt! Dies ist der Zustand bei den Arbeitern, die regulär beschäftigt sind. Ueber die Lage jener allermindestens 1,1 Millionen, die man in die Landhilfe, in den Arbeitsdienst gesteckt hat, verliert die Statistik kein Wort. Man vergleiche aber nur diese Zeilen mit der 250prozentigen Steigerung des Sektkonsums; dies wird jedem den- kenden Menschen genügen, um ihm klar zu machen, welche. Gesellschaft im„National"- Sozialismus herrscht. Prag— London in fünf Stunden. Die tschechoslowakische Fluggesellschaft und die holländische Luftverkehrsgesellschaft ,KLM" eröffneten Montag den Luftverkehr auf der Strecke London—Amsterdam — Prag— Wien— Budapest mit den modernsten Flugzeugen Typ„D o u g l a s". DaS tschechoslo- wakische Flugzeug„OK AJA" beflog nachmittags zum ersten Male die Streck« Wien— Prag— Amsterdam. In umgekehrter Richtung traf um 13 Uhr das holländische Flugzeug„Riewink" auf dem Prager Flugplätze ein. Das Flugzeug„Douglas" hat eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von 310 Kilometern. Tas geräuschlos fliegende moderne Flugzeug kann 17 Personen an Bord nehmen und besitzt zwei„Wright-Cyclone"-Motoren zu 725 HP. In der Pilotenkabine ist eine automatische Lenkvorrichtung„Pilot- Robot" angebracht, so daß sich die Tätigkeit des Flugzeugführers lediglich auf die Flugkontrolle beschränkt. Durch die Einführung dieser gegenwärtig schnellsten Flugzeuge gehört unsere Luftschiffahrt zu den bestausgerüsteten europäischen Fluggesellschaften. ' Der Flug von Prag nach London dauert nunmehr fünf Stunden, nach Amsterdam drei, nach Bien eine Stunde 15 Minuten und nach Budapest zwei Stunden. Di« Schwester Berliners begeht Selbstmord. Johanna Litwen, geborene Berliner, eine 71jährige Witwe, Schwester des ehemaligen Generaldirektors der Wiener Phönix-Bersicherung Berliner, hat sich in ihrer Wohnung im 18. Bezirk mit Gas vergiftet. Zuchtbulle Hitler. DaS„Schwarze Korps" protestiert in seiner letzten Ausgabe gegen die harmlose Gepflogenheit der schweizerischen Viehzüchter, ihrem Rindvieh den Namen eines Staatsmannes zu geben, so vor allem dagegen, daß ein st. gallischer Braunviehzüchter seinen Stier„Hitler" genannt hat,„mit dem Namen eines Staatsmannes, zu dem sich ein 65 Millionenvolk rückhaltlos bekennt." Der betreffende Belegschein des Braunviehzüchters wird sogar abgebildet. Rumänien ohne Magier. Eine neue Verordnung vertreibt berufsmäßige Magier aus Rumänien. Zauberkünstler dürfen nicht mehr öffentlich auftreten; ebenso wenig dürfen spiritistische Veranstaltungen, Geisterbeschwörungen und dergleichen mehr stattfinden. In der Begründung des Gesetzes wird! gesagt, daß dem Aberglauben und dem Mißbrauch der Gutgläubigkeit ein Riegel vorgeschoben werden müßte. Oesterreich gegen die Friedenspropaganda. Der österreichstche katholische Priester Ude bekam am 3. April 1936 durch das Grazer Prllizei- kommiffariat folgendes Erkenntnis zugestellt: »Der Beklagte ließ am 23. August 1935 in der Zeiffchrift„Wyler Bote", erscheinend in dem schweizerischen Kanten St. Gallen, einen Offenen Brief unter dem Titel„Der Krieg ist ein Verbrechen"(Offener Brief an den italienischen Ministerpräsidenten) iirstheiurü und in Flugschriften verbreiten, wodurch der italienische Ministerpräfi», deut Musiolini öffentlich beleidigt und eine Verordnung der Bundesregierung übertreten wurde." Ilde ist zu 1000 Schilling Strafe und zur Bezahlung der Verfahrenskosten- verurteilt worden. — Man darf im katholischen Oesterreich auch als Priester nicht gegen Mussolinis KriegSzug gegen das wehrlose Abessinien Stellung nehmen. Die österreichische Regierung apportiert wie der Lund einen Stein jeden Friedensfreund, wenn Mussolini es befiehlt. Ei« faustisches Werk. Das ungeheure Werk der vollkommenen Austrocknung der Zuider-See wird bald in"eine neue Phase eintreten. Die erste Phase dieses Unternehmen- wurde im Jahre 1930 mit der Austrocknung eines fruchtbaren Gebietes abgeschlossen, das jetzt unter dem Namen„Wieringer- meer-Polder" bekannt und durch Dämme gesichert ist. Nach Beendigung des ganzen Werkes wird da» Gebiet Hollands um vier Gegenden, sogenannte „Polders", in einem Gesamtausmaß von 240.000 Hektar vergrößert sein. Etwa vor einem halben Jahre beschloß die holländische Regierung, an die Austrocknung der zweiten Gegend, des sogenannten Nordöstlichen Polders, im Rahmen der Aktion zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in Holland zu schreiten. Diese Austrocknung wird in 15 Jahren beendet sein. Etwa 6000 Personen werden dabei Beschäftigung finden. Der Kostenaufwand wird auf 126 Millionen holländische Gulden geschätzt- Der«eise Bettler. Ein stadtbekannter Bettler hat vor einigen Tagen die Mitteilung erhalten, daß ihm 30.000 Peseten als Erbschaft eines vor langen Jahren nach Amerika ausgewanderten Verwandten rugefallen seien. Swlz wie nur Spanier sein können, schlug der Bettler dies« Erbschaft aus. Als Grund -ab er an, daß ihn das Leben davon überzeugt habe, daß Geld nur unglücklich mach«, und daß er sich albesitzloser Bettler am glücklichsten fühle. Ausbildung der Blinden in der Lastschrift. Er- lvachsene Blinde, Halblinde und Schwachsichtige auS Prag und der Provinz, die die Blindenschrift oder Roten in dieser Schrift lernen wollen, können sich bei der Tschechoslowakischen Blindenfürsorgezentrale in Prag IV-, Loretanske nämksti Nr. 2 melden, wo Anfragen erledigt werden. Für die Interessenten >vird ein kostenloser Kurs unter der. Leitung eineblinden Fachmannes veranstaltet werden. Durch Benvendung praktischer Hilfsmittel wird es jedem ermöglicht, in einigen Tagen durch Abtasten die einzelnen Zeichen de» Blindenalphabets unterscheiden zu lernen. Der Blinde kann sich auch zu Hause im Lesen der Mindenschrist vervollkommnen, zu welchem Zwecke über Ersuchen Lehrbücher leihweise beigestellt werden. Es wird den Blinden ans Herz gelegt, die Blindenschrift zn erlernen, da» Lesen beruhigt und stärkt! Die Freunde und Verwandten der Blinden werden gebeten, dies« auf die vorstehend gemeldete Aktion aufmerksam zu machen,. tlusüuul vttetteicstkcste Korruption Wer ist nicht bestochen? Die Brünner„Arbeiter-Zeitung" berichtet ausführlich über den KorruptionSflandal bei der Phönix-BersicherungS A.-G. Geld vom Phönix hat vor allem die Regierung bekommen. So ost die Regierungen Dollfuß und Schuschnigg in Geldverlegenheiten waren, hat ihnen der Phönix kurzfristige Darlehen gewährt. Als Dollfuß die Vaterländische Front gründete, hat der verstorbene Generaldirektor Dr. Berliner, das Gründungskapital beigestellt. Hohe Funktionäre der Vaterländischen Front bekamen vom Phönix Monatsgehälter, so der Wiener Landesleiter Oberstleutnant Seifert monatlich 1000 Schilling. Die Heimwehr hat von Berliner fünf Millionen Schilling bekommen. Ein Teil dieses Betrages wurde Starhemberg persönlich zur Verfügung gestellt. Auch die katholische Kirche hat von dem Juden Berliner Geld genommen. So hat der Phönix die Kosten des österreichischen Katholikentages im Jahre 1933 bezahlt. F r a u H e r inä v. S ch u s ch n i Fg hat 28.000 Schilling für eine Romwallfahrt der katholischen Frauen bekommen. Besonders schwer kompromittiert ist der ehemalige Bundeskanzler Bau g o i n. Dieser bezog von Phönix monatlich 4000 Schilling, dann ein Autopauschale von 1200 Schilling und einen Wohnungszuschuß von 400 Schilling. Außerdem wurde beim Phönix ein Wechsel Vaugoins auf den Betrag von einer Million Schilling gesunden. Zu den ärgsten Korrup- tionisten gehört der jetzige Generaldirektor Rei- n i n g h a u S. Er hat sich vom Phönix Riesenbeträge ausgeborgt und sich 250.000 Schilling Schuldennachlaß gewähren lassen. Selbstverständlich fehlt auch Strafella nicht. Er hat sich vom Phönix 500.000 Schilling ausgeborgt und dafür wertlose Wertpapiere als Pfand gegeben. Auf einer Liste der vom Phönix bestochenen Personen sollen sich noch folgende Namen finden: der Finanzminister Dr. D r a x l e r, der Handelsminister S t o ck i ir g e r, der frühere Vizekanzler Fey, die Journalisten Ely, Kleebinder und Schreie r.dre Blätter„Ne u e s WienerJournal" und„Telegraph"! Und diese Schweinewirtschast sollen nun die Angestellten und Versicherten büßen! Abbau der Sozialpolitik. Wie aus einer Veröffentlichung deS Statistischen Reichsamtes in der Zeiffchrift„Wirtschaft und Stqffftik" hervorgeht, sind die im Hitler-Reich für die Unterstützung der Ar- bestslosen aufgewendeten Beträge vom 1. Quartal 1983 bis zum 4. Quartal 1985. also sest Machtantritt der NSDAP., um 80 Prozent zurückgegangen. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland hat sich nach der ohnehin fragwürdigen amtlichen Staffstik hingegen nur um knapp zwei Drittel vermindert. Für den Abbau der sozialen Ausgaben ist weiter charakteristisch, daß die für die Sozialversicherung aufgewendeten Beträge sich im gleichen Zeitraum von 572 auf 270 Millionen RM. oder um 53 Prozent verminderten. Hericktssaat Kneiperei In fremden Keller Prag. Eine ganz kuriose Sache wurde gestern vor dem S t r a f s e n a t Trost verbandest. Der 80jährige- Gelegenheitsarbeiter Rudolf N o v ä-k hatte sich auf irgendeine Weise einen Nachschlüssel zum Kellennagazin des Weinberger Kolonialwarenhändlers Max Neumann beschafft und stattete nun diesem Keller häufig nächtliche Besuche ab, wobei er kleinere Partten verschiedener Waren mitgehen hieß. Besonders hatte er es aus Seife und Zichorie abgesehen. Außerdem aber tat er sich stets an den Weinvorräten des Kaufmannes gütlich und verbrachte schließlich stets mehrere Stunden in seinem sonderbaren Kneiplokal, ehe er mit seiner Beute das Weite luchte. Uebermütig geworden, lud er eines Tages seinen Kameraden Franz Quaiser zu einem gemütlichen nächtlichen Trunk in„seinen" Keller ein und die beiden begannen um die Mitternachtstunde des 28. Feber ein fröhliches Zechen in dem fremden Kellermagazin, wo sie sich offenbar ganz sicher und heimisch fühlten. Nun zeigte sich aber, daß Ouaffer kein so geübter Trinker war wie sein Kamerad, denn ehe er noch die erste Weinflasche geleert hatte, sank er von der Kiste, auf der er saß, zur Erde und schlief ein. Der„Gastgeber" Noväk bettete ihn sorgsam auf einen Haufen alter Säcke und— trank einsipn weiter. bis auch er de» süßen Weine» voll war und sich torkelnd zum Heimgehen anschickte. Es gelang ihm nun aber auf keine Weise, den Kameraden aufzuwecken, der auf seinem Sacklager laut schnarchte.. In seiner Trunkenheit machte sich Noväk keine Sorgen darüber, sondern machte sich allein auf den Rückzug, ohne zu bedenken, daß dir Entdeckung seines Kumpans notwendigerweist auch ihm verhängnisvoll werden müsse. Und mehr als daS— in seinem benebelten Gehirn lebte nur eine sehr kuriose Angstvor- stellung: daß nämlich ein anderer Dieb kom- menund jhm„seinen" Weinwea- trinken könne. Bon dieser„besoffenen Idee" (wie er es bei der Verhandlung voll Äerger über sich selbst nannte) war er so besessen, daß er beim Weggehen die Kellertür mit besonderer Sorgfalt abschloß und damit seinem Kollegen jede Möglichkeit nahm, später zu entwischen. Quaiser wurde denn auch am nächsten Morgen entdeckt und her Polizei übergeben. Guter Kaffee ist auch im bescheidensten Haus* halt kein Luxus. Eine der bekannten Meinl-Kaffeemischungen, frisch aus der Filiale bezogen, nach dem Meinl-Rezept zu bereit et, ergibt einen Kaffee, der nicht nur herrlich schmeckt, sondern auch zum Wohlbefinden viel beiträgt. Natürlich saß auch Noväk kurz darauf im Polizeigewahrsam. Der bestohlene Kaufmann legte dem Gericht eine Schadensauf st ellung über— 8000(!) Kö vor. Der Gerichtshof unterzog sich der Mühe, diese stattliche Aufstellung zu überprüfen— und siehe da!— der Schaden schrumpfte auch bei Annahme reichlich hoher Zahlen für die taffächlich und möglicherweise davongetragene oder konsumierte Ware auf weniger al» 2000 KL zusammen, und damit unter die Grenze, über welcher der Diebstahl als Verbrechen zu strafen ist. Die beiden weinseligen Kumpane kamen daher milde weg. Noväk wurde zu vierzehn Tagen strengen Arrestes verurteilt, Quaiser zu zehn Tagen. rb. „Geköpfte“ Konkurrenz Prag. Der südslawische Weinhändler M. in Prag XII gilt als durchaus einwandfreier Mann, zugleich aber al» allzugroßer Liebhaber seiner eigenen Ware. Er ist hitzigen Temperaments und in angeheitertem Zustande sticht aus dem Häuschen ge-- bracht. Gestern sollte vor dem Strafsenat P e r n t diese Angelegenheit zur Verhandlung kommen, die seinerzeit ast heiteres Lokalereignis auf den Weinbergen viel belacht wurde. Eine Konkurrenzfirma hatte zur Anpreisung ihrer Erzeugnisse eine Reklämefigur bestellen lassen, -d« für: ihre Weine-Pröpnsäudä chsachen'ftLte. In diese Figurine steckte.sie.einen jener Arbeitslosen, die auf solch« Verdienste lauern und schickte ihn durch die Weinberger Straßen. Schließlich nahm die Reklamefigur vor dem Geschäft des Herrn M. Aufstellung und blieb auch dott. indem sie mit allersti lustigen Sprüngen und Bewegungen die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich zu ziehen suchte. Der heißblüttge Dalmatiner M. ertrug diese Provokatton der Konkurrenz vor seinem Unternehmen nicht, sondern stürzte auf die Straße und warf sich auf die Figurine, der arme Träger dieses Monstrums bekam einige Püffe ab. die Figur selbst aber kam ärger weg. denn der tobende M. riß ihr buchstäblich den Kopf ab. Mit dieser symbolischen. Erledigung der Konkurrenz war aber das hitzige Gemüt des Herrn M. noch nicht beruhigt, sondern er verfuhr mit den«inschreitenden Wachleuten in so unsanfter Art, daß daraus ein« Anklage wegen öffentlicher Gewalttätig« leit wurde, nebst einer"solchen wegen boshafter Sachbeschädigung, denn der abgerissene Kopf reprä- senttert einen Wert von 200 XL. Zur BerhaMung kam es indessen nicht, denn es wurde festgestellt, daß Herr M. nicht auffindbar ist und vermutlich die Republik verlassen hat und daß ein Steckbrief gegen ihn erlassen wurde. rb. Volkswirtschaft uni Sozialpolitik Wirtschaftliche Erholung in England Die Maßnahmen der englischen Regierung zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit üben nun ihre Wirkung aus. Im März betrug die Zahl der Beschäftigten 10,630.000, das ist um 411.000 mehr als im März 1935 und um 1,216.000 mehr als im März 1933. Die Zahl der Arbeitslosen betrug 1,881.531, das ist um 272.839 weniger ast im März 1935 und um 894.643 weniger als im März 1933. Rege Nachfrage ans dem Hopfenmarkt. Nach der durch die Osterfeiertage hervorgerufenen Ruhepause setzte wieder rege Nachfrage ein, die täglich zu größeren Platz- und Landumsätzen führte.. Die Mehrzahl der Käufe wurde für Exportrechnung ge- täthzt. Di« Stimmung hat sich weistr befestigt, der Preisrahmen ist enger geworden. Die Notterungen für 1935er Saazer Hopfen lauten heute von 110 0 bis 1250 XL je Zentner zu 50 Kilogramm. In der Oeffentlichen Hopfensignierhalle in Saaz wurden bis heute insgesamt 98.699 Zentner brutto 1935er Saazer Hopfen beglaubigt. Der Hopfenschnitt geht seinem Ende zu. Die Produzenten beginnen bereits mit dem Aufziehen der Drähte. In vielen Fällen werden Beschädigungen der Hopfenstöcke durch Engerlinge gemeldet. Seife 6 „Sozialdemokrat" TicnStag, 21. April 1S36. Nr. 94 Ausführung„Cech a Mmec" im Gtändetheater sind schon in vollem Gange.—eis— Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Dienstag, halb 8 Ahr abends: Kran Minister P o p o v i c z, A 1. Gastspiel Werbezirk,— Mittwoch halb 8: Liebe nicht genügend, Erstaufführung, B 1.— Donnerstag halb 8: T o sc a, Gastspiel Zdenka Zika, C 1.— Freitag halb 8: 23 oct tt'c c i o, D 1— Samstag halb 8: Liehe nichtgeuü gen d, AS.— Sonntag halb 3: M o r d p r o z e ß Falkner, halb 8: B o c c d c c io, E 2. Wachenspielplan der Kleinen Bühne. Heute, Dienstag 8:Jchundm«inklein«rBruder. Bankbeamte II u- freier Verkauf.— Mittwoch 8: Mar d p r ozeß Falkner.— Donnerstag 8: Unents chuldigt« Stunde.— Freitag 8 Uhr: Dr. med. Hiob Prätari-rs. Theatergem. d.' Kultürverb, u. freier Verkauf.— Samstaghglb 8: Salzburg ausverkauft, Uraufführung.— Sonntag 3%: I ch und mein kleiner B ru d er, 8: U n e n t s ch uldigte Stunde.'; 1■-'■ 8p»rt-5piet-Xörprrpstegr Die Querfeldeinlauf-Meisterschaft dec Prager DTJ-Kreises wurde am Sonmag in Neratowitz, von der dortigen DTJ organifiert, durchgeführt. Trotz dem unfreundlichen Wetter war die Beteiligung in allen Kategorien der Teilnehmer gleich gut. Bei den Jugendlichen, welche eine Strecke von 1800 Meter zu absolvieren hatten, siegte W. Pick(Prag l u. V) in 6:02 Min. vor Doudöra(Bysice) in 6:08 Min. und Soumar(Neratowitz) in 6:11.1 Min..— Die Frauen liefen über eine Strecke von 1400 Meter und ging als Siegerin Zlatnikovä(Smichov).in 6:01.4 Min. hervor.— Bei den Sportlern (6800 Meter) siegte Sidlo(Radlitz) in 23:05.2 vor Pijalek(Liben) in 23:30.7 und Judytka(Neratowitz) in 24:01.6 Min.— Die beste Zeit über die gleiche Strecke wurde jedoch in der Kategorie, der Anhänger gelaufen, wo Zeman(Vlinöves) 22:54 Min. benötigte. Slavias erste Niederlage Die sonntägige Ligerunde war wieder mal-entgegen allen Berechnungen ausgefallen. In P r a g fand auf dem Spartaplatz eine Doppelveranstaltung Jeager Rettung Die große Atus-Akademie am Sonntag-Nachmittag im Radiosaal war für die Veranstalter und Mittvirkenden ein voller Erfolg und für die vielen hundertZufchauer ein nachhaltiges Erlebnis: Feierstunden, in denen sich die Jugendkraft, die politische und kulturelle Arbeit unserer Turner, Sänger und Falken auf eindrucksvolle Art manifestierte. Als der Chor der Bolks- singgcmeinde(unter Leitung des Genossen Edwin Janetschek) das„Lied der Arbeit" anstimmte, als Hunderte Atus-Turner und-Turnerinnen hinter roten Fahnen einmarschierten und ihr Bundeslied sangen und als dann vor dem lebendigen Hintergrund dieser kraft-, und verheißungsvollen Jugend deutsche und tschechische Genossen(Schrader und Kunig^ für den Atus, Simek für die DTJ und Silaba für bie- SASJ) das Bekenntnis der Arbeitersportler, zum sozialistischen Kampfe und auf die Bedeutung des diesjährigen Bundesturnfestes in Komotau als einer sozialistischen Heerschau in ernstester Zeit, einer antifaschistischen Demonstration im Kampfgebiet hinwiesen, war der Veranstaltung(der für unsere Partei auch Genosse Taub beiwohnte) der Stempel der Idee ausgeprägt. Der große Reigen der Darbietungen, der dann (unter technischer Leitung des Genossen Tietze) durch mehr als vier Stunden vor den Zuschauern vorüberzog, kann hier nicht in seinen Einzelheiten gewürdigt werden. Es wäre auch schwer zu sagen, welches die Höhepunkte waren. An dem Gelingen der turnerischen Vorführungen haben das Hauptverdicnst der schon erwähnte Vereinsturn- wart Karl Tietze und die Vortürner Ernst Ull- mann, Else Kauer, Mizzi Stepanek und Tonni Kestner sowie die Leiterin des Frauenturnens(das erstmals in Prag in Erscheinung trat) Genossin Wiesner und für den Bewegungschor Genossin Bieligk. Jeder Darbietung fand mit Recht begeisterten Beifall, weil jede auf äußerst gelungene Art einen Teil der Arbeit und des Wollens unserer Arbeitersportler und unserer Jugendbewegung veranschaulichte:. die Falken, die uns eine Vorstellung von ihrem Lagerleben gaben, hie Atus-Kinder, die ihre Spiele vorführten, die Sozialistische Jugend, die inSprechchören ihreKampf- bereitschast, demonstrierte, die Diädchen und Frauen, die mit gymnastischen Uebungen entzückten und mit turnerischen imponierten die männlichen Athleten, die viele eindrucksvolle Proben ihres Könnens gaben, die RW-Leute, die überall eifrig mitwirkten. Der Chor der Volkssinggemeinde trug mit gut auszewählten und schön vorgetragencn Liedern viel zur Stimmung der Veranstaltung bei. Die-Feier bot und das mag hervorgehoben werden-— ein Beispiel der Solidarität der Mitglieder'aller Zweige der Anbefterbewegmitz in' Prag: der politischen Organisation, der Gewerkschaften, der Genossenschaften, des-Atus, der Sozialistischen Jugend, der Falken, der Kinder- fteunde. Der zahlreiche Besuch stempelte die Veranstaltung zu einer politischen Manifestation der deutschen Sozialdemokratie in Prag. meine Krankenhaus gebracht, da sie als Mittel gegen .Halsschmerzen kurz vokber eine Flasche denaturierten Alkohols ausgetrunken hatte. Da sie Tobsuchtsanfälle hatte und Anzeichen einer schweren Alkoholvergiftung aufwies, wurde sie auf der Klinik Hynek belassen. Die Rache des EhrmanneS: Der Raseur Josef Polivka in Dejwitz hatte im Jänner seinen Untermieter, den 80jährigen Arbeiter Fedor Eikura, gekündigt, weil er seine, Polivkas, Frau belästigt hatte. Sonntag nachmittags war Polivka abwesend; bei seiner Rückkehr fand er unerwarteterweise.Eikura in seiner Wohnung, ergriff in der Aufregung eine Hacke und schlug sie Eikura in den Kopf. Dieser wurde mit einer etwa sechs Zentimeter langen Kopfwunde auf die Klinik Schlaffer gebracht. Polivka stellte sich nach, der Tat selbst der Polizei. Die Wunde Eikuras ist nicht sehr gefährlich. ' Text, Stimmung. Atmosphäre und Tendenz des Stücks in Sprachrhythmus. Filmprojektion,'Beleuchtung. Bewegung und Musik zerlegt, nicht schlechthin begeistert gegenübersteht und Vie Bearbeitung, die hier an Wedekinds'Stück, besonders am Ende, vorgenommen wurde, nicht als gelungen empfindet, kann den. großen Eindruck verstehen, den diese Inszenierung gerade auf Theaterleute macht: denn es ist in jedem Falle erstaunlich, welche Wirkungen E. F. Burian auf seiner fast armseligen Bühne hervorzubringen versteht, wie fesselnd er ost das Nicht-Darstellbare durch Klang, Licht und Filmbilder auszu- . drücken vermag und wie bis ins letzte durchgearbei- tet die Leistung seines schauspielerisch-technischen Kollektivs wirkt.. Dieser Zusammenarbeit, die.man aus anderen Bühnen nicht oft erlebt, und der sie. souverän beherrschenden Regie-Leistung E. F. BurianS galt der stärke Beifall des zahlreich erschienenen Schau- spffler-Publikums. Aus den vor Beginn der Vorstellung■ gehaltenen Ansprachen der lÄub-Obmänner ging hervor, daß der Klub der deutschen und tsche- chischen Bühnenangehörigen eine intensive Tätigkeit entfalten wird: in nächster Zeit werden Debatten- Abende fürs Theaterpublikum, für Studenten und Arbeiter statffinden und die Proben zu der Klub- I) K» kvj- ACHTUNG! Schon ei« Vorsuch beweist dio hoho Konzentration, die grobe Sparsamkeit, die desinfizierende und herrlich erfrischende Wirkung dos wooovi KALODONT* Mundwasser «GEGENZAHNSTEIN! KALODONT rät Ihnen heute Wenn Sie empfindliches, leicht blutende*-.r--. Zahnfleisch haben, empfiehlt es sich, vor dem HL Zähneputzen mit dem Zeigefinger stets in der Richtung zur Zahnkrone zu massieren. Bürsten Sie aber auch möglichst vom Zahnfleisch zur Kaufläche, und zwar nicht nur die Außen-, W sondern auch die Innenseiten der Zähnei I 3 Vorzüge garantieren 41 für Kalodont und damit für richtige Zahnpflege: 1. der milde Kalodont-Schaum reinigt die Zähne gründlich; 2. der feine, rund gemahlene Putzkörper poliert den Zahnschmelz schonend— blendend weiß;' 3« das Sulfprizin-Oleat nach Dr. Bräunlich entfernt allmählich den gefährlichen Zahnstein und verhindert seine Neubildung.,“ Xuast und Wissen Geld oder Leben. In der Nacht auf Sonntag erschien der 43jährige Portier Franz Satran aus Zijkov auf der Zijkover PolizeiwSchstube und gab an, daß ihn kurz vorher gegenüber der.Heinovka" in Karolinental zwei Männer mit dem Messer in der Hand angefallen und ihm gedroht hätten, ihn zu erschlagen. Während sie ihn festüielten, habe ibm ein dritter seine Brieftasche mit 120 Xk aus der Brusttasche entwendet. Nach den Tätern, die i» der Richtung nach Vhsokan geflüchtet sein sollen, wurde sofort die Suche ausgenommen, doch bisher ohne Erfolg, Seltsamer Lebensretter. In der Nacht auf Sonntag fand di« Polizei in einem Haus in Podol eine, unbekannte Frau— wie später festgestellt wurde,. die 56jährige arbeitslose Wäscherin Rosa Jelinek aus Zijkov—, die ganz durchnäßt war und vor Kälte zitterte.- Sie gich an, kurz vorher in selbstmörderischer Absicht in die Moldau gesprungen, aber von einem Unbekannten herausgezogen worden zu sein, der sie dann hier liegen gelassen habe. Die Polizei verständigte die Rettungsstatton, die di« Jelinek ins Allgemeine Krankenhaus brachte, von wo sie ihr Sohn abbolte. Wie aus einem hinterlassenen Brief hervorgeht, hat sie die Tat aus materieller Rot begangen. Denaturierter Alkohol als Medizin. Sonntag abends wurde die Hausmeisterin Claudia Pettak mis Modkan von ihren Bekannten im Auto ins Allge- Suchen Sie Gesundheit? Quälen Sie Rheumatismus, Gicht, Ischias oder Frauenleiden? Wollen Sie in Ruhe schön und billig Ihren Urlaub verbringen? Besuchen Sie Bad Bohdanet! Wir sind billig bei erstklassiger Einrichtung, Bedienung und Pflege. Ihre Gesundheit und Erholung wartet auf Sie in BOHDANEC 3428 Saison vom 2. Mai bis 30. September Die Werbezirk eröffnete ihr diesmaliges Gastspiel im Deutschen Theater gestern mit„M i z z i", einem Wiener Stück von Friedrich Moll. Dem Milieu, auf dessen Wirkung die vier Bilder vor allem zu beruhen hwben, ist vom Nadelöhr-Kamel-bis zum Goldenen Kranz etlicher Modell gestanden;,und die Situationen, vqn deren Komik das Stück zum anderen Teile lebt, sind in der Mehrheit auch nicht gerade neu. Man kann also schon aus diesem Grunde auf die Angabe des Inhalts verzichten/ Im zweiten Bild, in dem die Werbezirk nicht auftritt, wird die Langeweile und Stupidität stellenweise geradezu beängstigend, obzwar dem Ensemble fast durchwegs sehr gute Darsteller angehören. Aber im dritten Bild ist für-dir Werbezirk eine Szene geschrieben, in der sie ihre Kunst, mir mütterlichem Herzen vom Ulkig-GroteSken .ins Ergreifende und dann wieder ins Humorige hinüberzuwechseln. voll' entfalten kann und der letzte Akt gibt nicht nur ihr beinahe echte Volksstückhafte Gelegenheiten Ein« halbe Stunde lang gibt es da befreiende Lachsalven, so daß man doch noch in guter Laune das Theater verläßt. Und statt eines Griffs in den unerschöpflichen Schatz von Epitheten für die Werbezirk darf man sich mit der Erneuerung der einfachen Feststellung begnügen, daß man es hier eben mit einer elementaren vis comica zu tun bat, mit jener komischen(manchmal auch geradezu kosmischen) Krafts die auf die Troftlofigkeit dieser Welt durch die Scheinwelt der Bühne bezwingend« Wärme ausstrahlt. Unterstützt wird die Werbezink besonders durch di« jungmädchenhaste Natürlichkeit und Emp- findungsstärke Else Rambauseks, durch die interessante Charakterzeichnung AI i c e L a ch's, di« sich in einer ganz abwegigen Rolle sogar Szenenapplaus holt, durch Hans Frank, der in jeder Hinsicht gut« Figur macht und durch den lustigen kleinen Georg Tauber. Schade, daß die große Werbezirk immer wieder nur Stoff, für ganz kleine Kunst, die man ja sonst auch nur in der Kleinen Bühne vollen Reihen zu vermitteln pflegt, zu- finden scheint. I-, G. Schauspiel-Nachtvorstellung bei E F. Burian. Die dritte Nachtvorstellung des Klubs der tschechischen und deuffchen Bühnenangehörigen fand Samstag im„D 36" statt, wo Wedekinds Jugend« ttagödie„F r ü h l i n g s e r w a ch e n" in E. F. BurianS Inszenierung gespielt wurde. Auch wer dem rationalisierenden Theaterstil E. F. Burians. der Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich Kä 16.—. vierteljährig Kä 48.—. halbjährig Kc 96.— Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die graphendirektton Mt Erlaß.Nr. 13.S00/VII/1S30 bewilligt.— Druckerei:„Orbis'. Druck-, Verlags- und Zeitung 'statt, welche für die beteiligten deutschen Klubs— DFC und Leplitz— mit Niederlagen endete. Gerade der DFC hatte nicht die Notwendigkeit, die Chance des eigenen Platzes zu vergeben. Falls aber die Leitung des. DFC mehr den finanziellen Vorteil im Auge hatte— wie die Mär erzählt—, dann braucht man sich über die unnötige Niederlage nicht zu Wundern. Zidenice, der Partner des DFC, hat glücklich mit 2:1(1:1) gewonnen, denn das siegreiche Tor entstammt einem Elfer. Freude konnte man jedoch an dem Match keine haben; beide Stürmerreihen,- besonders beim DFC,' waren schwach. j£i« Halfreihe der Brünner war.jener der Prager überlegen und bas macht den Erfolg nicht unverdient./— Im zweiten Spiel-schlug Sparta den Tep litze r FK mit 5:1(3:1). Sparta zeigte ein schwaches Spiel und wurde zeitweilig ausgepfiffen. Die Niederlage der Teplitzer war zwar vorauszusehen, doch zeigte sich diesmal ihr Torhüter von einer fchlechten Seite, so daß das'Skore höher ausfiel, als es dem Spielverlauf entsprach. SK Kladno konnte in Kolin gegen AFK nur«inen Punkt retten, da das Spiel 3:3 endete, obzwar Kladno bis zur Pause mit 3:1 in Führung lag. DSV Saaz ist ja schon endgültig für die Liga verloren, denn dies Moment gibt anscheinend dem Team Ruhe und nun mal auch«inen— viel zu späten— Sieg. ESK Preßburg war in Saaz und unterlag durch schwaches Spiel sowie Eigentoren mit 3:1(1:1). Die Brünner M o r. Slavia gewann daheim überraschend gegen Viktoria Pilsen 2:0(2:0), obzwar die Gäste größtenteils überlegen waren, aber Pech-im Schießen Hatten.. Jn P r o ß n i tz schlug der SK den SK Ra ch o d mit 3:2(2:0) und wird voraussichtlich dritter Teilnehmer des Mitropacups sein. In der mittelböhmischen Division begegnete das größte Interesse das samstägige Spiel Viktoria ZiZ- kov gegen Eechie Karlin, das erste knapp 2:1 gewannen. Bohemians siegten über Slavoj VIII 3:1, Sparta Kosir und Viktoria Russe spielten 3:3, Rapid schlug Sparta Kladno 2:1, Liffa verlor gegen SK Russe 0:4 und EAFC schlug zwar Ruselsky SK 3:0, doch fand das Spiel durch Eindringen der Zuschauer auf den Platz vorzeittg ein Ende und wird am grünen Tisch entschieden werden. Die Division Böhmen-Land hatte ihr« Ueber- raschung in der Niederlage d«S SpitzenführerS Kö« niggrätz durch Polaban Rimburg mit 1:3. ESK B.- Budweis schlug Rakonitz 2:1 und hat damit die Führung übernommen. Ferner: Slavia Karlsbad gegen Königinhof 4:0, Petkin gegen Sncbari Taus 5:1, SK Pardubitz gegen AFK Pardubitz 3:2. Division Mähren-Schlesien. Die Führung übernahm Bata Zlin vor Schles-Ostrau durch das bessere Torverhältnis. Das Bata-Team gewann gegen Zabovtesky 2:1, Schles.-Ostrau gegen Ostrauer Slavia 2:2, Slovan M.-Ostrau gegen Polonja Kar- Win 1:0, Freistadt gegen Moravia Brünn 1:1, Pre- rau gegen Han. Slavia 1:0. DFB^DWtstM. An-der«ttrifch-lchlesischen Gruppe brachte es der DSB Brünn auch mal wieder ftt«inen Erfolg: DSK Tischest b'erlör auf eigenem Platz 2:1.— In Jglau verlor der DM gegen den Jägerndorfer SB 6:3. Die Führung hat der SK M.-Schönberg inne. Sonstige Fnhhallergetniffe. B.- B u d w«i s: DM gegen DFK Krumau 3:3(Mittelgau-Meisterschaft).— Komotau: DFK gegen VfB Teplitz 2:1.— B.-Le ip ar Warnsdorfer FK gegen DSV 4:0.— Gablonz: SpVg Bodenbach gegen DSK 2:1.— Reichenberg: BSK Gablonz gegen RFK 1:0.— Budapest: Ferencvaros gegen So- roksar 10:3, Ujpest gegen Törökves 3:1, Hungaria gegen Budai 2:2.— Wien: Austria gegen Admira 5:1, Vienna gegen Wacker 6:0, Sportklub gegen M Wien 2:1(0:0, 1:1); alle Cupspiele. Drei neue tschechoslowakische Schwimmrekorde wurden bei den sogenannten.Wintermeisterschaften" im Schreckensteiner Schicht-Bad aufgestellt, und zwar: 200 Meter Brust Erbert(Gablonz) 2:50 Min., 100 Meter Rücken(Frauen): Baderle(Preßburg) 1:13.8 Min. und außerhalb der Meisterschaft die Frauenstaffel der Prager Slavia über 4X50 Meter Freisttl in 2:27.5 Min. Ein Nurmi-Rekord gefalle«. Der argentinische Langstreckenläufer Zabala, dessen„Amateuris- mus^ es ihm erlaubt, monatelang vor der Hitler- Olvmpiade im Dritten Reich.Vorstellungen" zu geben, konnte in München über 20 Kilometer die neue Weltrekordzeit von 1:04:00.2 erzielen, und damit Nurmis Rekord(1:04:38.4) unterbieten. Der Straßenlaus Prag—Biichowitz endete mit einer Ueberraschung, da das Sokol-Mitglied Bom- bik(Olmütz) dies« Sttecke in 34:18.4 zurücklegte und die Leichtathleten auf die Plätze verwies. Die internationalen Tennismeisterschaften der Tschechoslowakei nahmen in Prag ihren Anfang und besitzen in der Teilnahme des Engländers Perry ihre.Attraktion". Die Meisterschaften werden voraussichtlich bis Freitag dauern. Das Tennisstadion weist zahlreichen Flaggenschmuck auf, darunter auch die scheinbar bei uns schon unvermeidlich gewordene Hakenkreuzfahne, obzwar man bis jetzt noch nichts von einer Razi-Teilnahme etwas weiSgekriegr hat. Mit dem Hissen dieser Fahne beweist man aber auf alle Fälle keine Jnternationalität— weder im Sport noch vom Standpunkt der Kultur. Veremstrucknckten- Republikanisch« Wehr, Gruppe Prag. Donnerstag. den 23. April, um 8 Uhr abends im Parteiheim Borttag von Genossen Dr. Emss Franze!. Anwesenheit aller Mitglieder unbedingt notwendig. . ganzjährig Kä 192.—.— Inserate werden laut Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Tele- --A.-G. Prag.