Freitag, 24. April 1936 16. Jahrgang V 2 MzMmft 70 Heiter 9-mlsMÄrrV IENTRALORGAN f| MS MIIT«rHIM«VIlintMAIfBlTICCN»! ADREITFPDADTEI II DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI ' IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung mag xii., fochova«. telefon am. HERAUSGEBER« SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Die unwürdige Kemiidie der Sanktionen Verrat des Friedens und der Völkerbünde« I Erhöhung der Kriegsgefahr! Von Walter Scheveneis, Generalsekretär des Internationalen Gewerkschaftsbundes Die Gewissensfragen an Hitler Paris. Nach den Informationen der Londoner Korrespondenten der Pariser Abendblätter wird die britische Regierung Deutschland zehn Frage« stellen: 1. Beabsichtigt Deutschland definitiv und verpflichtend den künftigen von ihm vorgeschlage- nen Brrtrag anzunehmen oder hat es im Sinn, auch in Zukunft dir Politik fortzusetzen, dir jeweils ihm seine angeblichen Interessen bestimmen werden? 2. Glaubt Deutschland, daß es noch immer rin„nicht gleichberechtigter" Staat im Vergleich zu den übrigen Staaten ist, wir es behauptete, als es den Brrtrag von Versailles und das Locarnoabkommen kündigte? 3. Enthält der deutscheBorschlag zur definitive» Regelung der internationalen Lage nicht einige verschiedene Vorbehalte, wie z. B. in Sachen der d r u ts ch e» Minderheiten in den an Deutschlmrd grenzenden Staate»? 4. Ist die deutsch« Regierung bereit, ausdrücklich zu verspreche», daß sie«ährend der Zeit der künftige» Beratungen das Rheinland N i ch t b e f e st i g e n wird? 5. Anerkennt Deutschland di« Schiedssprüche eines int eilt« ti o n a le« Tr i b u- n a l s und wird es sich seiner Entscheidung in Deutschland betreffenden Konfliktsfällen unterwerfen?.' ' 6. Wird Deutschland für eine genau be stimmte Zeit den territorialen st atus ,no in Europa annehme«?, 7. WaS bedeutet präzis der deutsche Vorschlag dtr R ü st«« g s b e s ch r ä« k«« g und hauptsächlich der Lnftrüstungsbeschränkung? 8. Ist di«.deutsche Regierung bereit, die Aufmunterung der nationalsozialistische« Propaganda. in© este rr e i ch.und in den an Deutschland grenzenden Staaten einzustellen? 9. Welche Absichten hegt Deutschland in Danzig und M e.m«.l? 10. Welche sind die präzise« Kolonialforderung e n Deutschlands? Katzenjammer in England (E. B.) Die Stimmung in der englischen Presie nach dem letzten Mißerfolg des Völkerbundes kann nur als Katzenjammer gekennzeichnet werden. Sogar entschieden sanktionistischr Blätter wie„SundayTime S", die die Ansichten des DurchschnittSengländers ausdrücken, geben za, daß die SanktionSpolitik sich als unzulänglich erwiesen hat. Politik kenne ebensolche Mißerfolge wie jedes andere Geschäft, meint die konservative Zeitung. Bisweilen treten Augenblicke ein, da man mit Verlusten rechnen müsse. Man solle jedoch diese Verluste möglichst rinschränken und die dabei gewonnene Erfahrung ausnutzen, um zu einem anderen System überzugehen. In der Genfer Politik der ,,kollektive« Sicherheit" sei gerade jetzt ein solcher Augenblick ringetreten. Tatsache bleibe: Mussolini habe Genf besiegt, und Abessinien dürfe sich nicht mehr auf den Völkerbundpakt verlassen. Der Mißerfolg des Völkerbundes im abessinischen Konflikt habe bewiesen, daß der Genfer Mechanismus nicht funktionsfähig sei. Der bekannte Publizist G a r w i» wendet sich in dem„Observer" in einem außerordentlich scharfen Artikel gegen die B ö l k e r b« n d» p t i m i st r n, die gleichzeitig n i ch t s von der wahren militärischen Situation verstanden habe«. Das«Hessin ischeReich, meint Gar- Win, habebereitS auf gehört zu existier en, Mussolini habe eine« S i eg errungen, der in der Geschichte der Kolonialkriege. beispiellos sei. Damit müsse heute jeder Realpolitiker rechne«. Die radikale«„Reynolds PaperS" stehen«och immer auf dem Standpunkt der Sanktionen: Schuld an dem Mißerfolg habe aller« die englische konservative Regier« n g. Die konservative Regierung hab« ihre Pflichte« gegenüber dem System der kollektive« Sicherheit nicht erfüllt. Der Völkerbund Haie noch di« letzte Möglichkeit diesen Fehl« zu korrigieren, wen«« nämlich zur Verstärkung d« Sanktionen schreite. Madrid. Die Agrarpartei veröffentlicht eine Erklärung, in welcher es'heißt, sie sich von den Wahlen der Delegierten für die Präsidenten-' «ahl sernhalten werd«. Hock hat Italien nicht gewonnen... Ein englisches Urteil Der Außenpolitiker des Londoner»Daily HeraId", R. W. Ewer, kommt in einer Erörterung über die Genfer Verhandlungen zu dem Schluß, daß Italiens Behauptung, den Abessinischen Krieg bereits siegreich entschieden zu haben, nicht den Tatsachen entsprech«. Das schnelle Vordringen der italienischen Truppen seit Anfang März erkläre sich dadurch, daß die Italiener.sich seit diesem Zeitpunkt ihren Weg mit Senfgas bahnen, einem Giftgas, Legen das die Abessinier keinen Schutz kennen, so daß ihnen nichts als schleuniger Rückzug bliebt Mit dieser Art der Kriegführung habe aber Italien nach der Verletzung des Völkerbundstatuts noch eine weitere internationale Konvention(gegen den Gaskrieg) gebrochen, so daß der Völkerbund, wenn er sich nicht selbst aufgeben, wolle, zu neuen Maßnahmen gegen Italien schreiten müsse. Die zweite Gefahr, die den Italienern drohe, sei die Regenzeit, die in einzelnen Teilen Abessiniens schon begonnen habe. Die' tropischen Regengüsse werden die Lage der am weitesten vorgestotzenen Abteilungen sehr schwierig gestalten, da während des Regens die Verbindungsstraßen unbrauchbar und die Flugzeugoperationen, die für den italienischen Vormarsch so wichtig sind, unmöglich werden können. Die schwerste Gefahr für die Italiener entstehe aber in der Heimat: die finanzielle Lag« Italiens sei mehr als bedenklich geworden. Die Reserve an Gold und Devisen sei auf 50 Millionen Pfund zusammengeschmolzen, und der abessinische Krieg habe monatlich einen Abgang von neun Millionen Pfund verursacht. Gelinge es den Abessiniern also, sich über die Regenzeit zu halten, so werde Badoglio im Herbst nicht mehr die Mittel zur Einleitung einer neuen Offensive haben. SA-Mann In der Zelle erhängt (F. K.) Chemnitz(Sachsen). Hier wurde der SA-Mann Fischer deshalb verhaftet, weil er illegales Material gelesen und nicht bei der Gestapo abgegeben hatte. Ein anderer SA-Mann zeigte ihn deshalb an. Nach kürzerer Haftzeit schrieb Fischer seiner Mutter, sie möge ihm einen Anzug ins Gefängnis schicken, da er hoffe bald entlasten- zu werden. Einige Tage nach Ankunft dieses Briefes würde die Mutter des Fischer zum Polizeipräsidium"bestellt, wo ihr einer der Leiter der Gestapo Jöst mitteilte, daß sich ihr Sohn in der Zelle„selbst erhängt", habe. Seit der Völkerbund im abessinisch-italienischen Konflikt die faschistische italienische Regierung als Angreifer bezeichnet und der Achtzehner- Ausschuß. die ersten finanziellen und wirtschaftlichen Sanktionen beschlossen hat, unterstützten gewisse diplomatische Kreise eine große Pressekampagne zum Zwecke der Verhinderung der wirksamen Durchführung der Sanktionen und der Einbeziehung des Petroleums. Man bediente sich dabei der Feststellung, daß die Sanktionen der Krieg, seien. Wir haben auf den Wahnwitz einer solchen Behauptung vom ersten Augenblick an hingewiesen. Auf allen Fronten haben uns die Tatsachen— man muß fast sagen leider— in allzu auffälliger und brutaler Weise Recht gegeben.. Auch die naivsten Gemüter müssen heute zugeben, daß die langsame und viel zu un w irksam« D ur ch füh rung unzureichender Sa nktionen dem Angreifer die Möglichkeit gegeben hat, sein kriegerisches Vorgehen zu verschärfen. Dieser Tatbestand wurde zum direkten.Anlaß des Auftretens der Hitlettegierung vom 7. März 1936. Es ist im Gegenteil das Fehlen einer wirklichen und wirksame« Politik der Sanktionen, das Krieg bedeutet und allzeit bedeuten wird! Die nationalen und internationalen Arbeiterorganisationen haben unermüdlich die schweren Verantwortungen der Regierungen hervorgehoben, die die Ursache des B e r s a g e n s des Völkerbundes sind. Wenn man sich Rechenschaft darüber gibt, was in den letzten sechs Monaten geschehen ist, um den Krieg zu verhindern oder zu beendigen-.-so kann man sich eines-GeWls des Erschreckens über so viel Schwäche, Kurzsichtigkeit oder gar bewußte Mitschuld all jener nicht erwehren, denen die Völker den Schutz des Friedens anvertraut haben. Man fragt sich entsetzt, ob nicht vielleicht von allem Anfang an die Erklärungen der Staatsmänner gar nicht ernst gemeint waren. Seit Monaten sah die Welt den Angriff Italiens gegen Abessinien kommen. Die öfstntliche Meinung war alarmiert. Ihr Druck auf die verantwortlichen Regierungen war so stark, daß alle Regierungen zur Stellungnahme gezwungen waren, als der italienische Faschismus am 3. Oktober den Krieg vom Zaum brach. Schon am 7. Oktober bezeichnete der Völkerbund Italien als Angreifer und gab damit auf Grund des Art. 16 des Völkevbundspaktes zu, daß sich alle Mitgliedsstaaten in gleicher Weise als angegriffen betrachteten wie Abessinien. Finanzielle, wirtschaftliche und sogar militärische Sanktionen waren von diesem Augenblick an eine Selbstverständlichkeit. Die HaltuW. der verantwortlichen Regierungen war jedoch, bei weitem nicht jene, welche der gesunde Menschenverstand' erwarten konnte. Trotz der Verletzung des Völkerbundspaktes hielten alle Staaten ihre diplomatischen Beziehungen mit de^^befreundeten",^„so sympathischen" italienischen Nation aufrecht. Die ganze Geschichte der letzten sieben Monate zeigt, daß alle Diplomaten«nd insbesondere gewisse Regierungen alles taten,«m Italien zu schonen und ihm Gelegenheit zu geben, seinen verbrecherische« Angriff zum Ziele zu führen. Rekapitulieren wir kurz: am 3. Oktober begastn Italien den seil langen Monaten offen vorbereiteten Krieg. Es kann keinem Zweifel unterstehen, daß die kompetenten Regierungsstellen und diplomatischen Instanzen aller Länder auf dem laufenden waren und bereits alle Möglichkeiten ins Auge gefaßt hatten. Trotz der Einstimmigkeit von 50 Nafionen verstreichen jedoch noch mehr als sechs Wochen bis zur Durchführung der ersten Sanktionsmaßnahmen. Die wirksamste Sanktion, d. h. das Embargo auf Petroleum, dessen Durchführung bereits, nach allen Seiten geprüft worden war, sollte im. Zusammenhang mü einem letzten Schlichtungsversuch erst'am 25. November beschlossen werdend Zu diesem Zeitpunkt wurde jedoch seltsamerweise die Arbeit des Sanktionskomitees ohne Angabe eines plauschley Grundes vertagt. Die Ursache war klar, als den beiden Ländern am 13. Dezember der K o m- promißvorschlag Laval-Hoare unterbreitet wurde. Es erübrigt sich, daran zu erinnern, welcher kategorischen Entrüstung und Ablehnung dieser Antrag in allen Ländern begegnete. Noch einmal erhob sich der Wille der Völker und fegte dieses Dokument des Verrats des Friedens«nd des Völkerbundes weg. Leider nahmen sich die Dip'lomaten die Lektion nicht zu Herzen. Wohl mußte« Hoare«nd Laval gehen, aber es blieben genug Ersatzmänner Übrig, um die Methoden von Hoare und Laval — wenn auch mit mehr Geschicklichkeit— fortzusetzen. Unter dem Vorwand, daß eine Verständigung immer noch möglich sei, vertagte das Sanktionskomitee Schlag auf Schlag die Sitzungen, die die Petroleumsanltiön beschließen sollten. Am 3. März trat das Schlichtungskomitce(Dreizehn) zusammen und schlug den beiden Parteien Friedensverhandlungen vor. Abessinien nahm ohne. Vorbehalt an. Italien wich jeder bestimmten Antwort aus. Es versuchte— offensichtlich im Einvernehmen mit' anderen,Ländern— die nötige Zeit zu gewinnen, sein Opfer endgültig durch Waffengewalt zu vernichten. Inzwischen erfolgte der Gewaltstrelch Hitlers. Die Aufmerksamkeit der. Welt wandte sich vom italienischen faschistischen Angriff oft und konzentrierte sich auf den Angriff der Nazis gegen den Frieden. Wie Mussolini seit dem 7. Oktober jede gute Gelegenheit wahrnahm, so benutzte er auch diesen Zwischenfall, um seine Tanks, Flugzeuge, Gasbomben usw. zu grausamster Wirkung zu bringen. Am 18. März mußte das Sanktjons- komitee wohl oder übel zusammentreten, womit die Aufmerksamkeit neuerdings auf den Krieg gelenkt wurde, den Italien gegen Abessinien und den Völkerbund führt. Die Sitzung wurde unvermittelt vertagt und zwei Tage nachher erschien wie durch ein Wunder aus unbestimmbarer Quelle die Nachricht vom Ende der Feindseligkeiten in Abessinien. Sofort wurde die Dis- kussionsgrundlage verschoben. Alle Diplomaten waren sich plötzlich einig, daß von neuen Sanktionen keine Rede mehr sein Finne. Als sich dann am 21. März herausstellte, daß die Nachricht von der Beendigung des Krieges auf einem falschen Gerücht beruhte, wurde die Diskussion nichtsdestoweniger auf der durch dieses Gerücht geschaffenen Grundlage fortgesetzt. Man prüfte, ob die Sanktionen eingestellt werden sollen, bevor Jtabtxn einen Waffenstillstand angenommen hat, oder ob es zweckmäßiger sei, von Italien die Einstellung der Feindseligkeiten vor der Außerkraftsetzung der Sanktionen Au verlangen, ja man zog sogar in Erwägung, ob die beiden Beschlüsse gleichzeitig gefaßt werden sollten. Endlich ließ man sich dazu herab,, mit Italien darüber zu sprechen, ob dis FriedenSverhandlungen in Genf oder anderswo stattfinden sollen und ob ein Vertreter des Völkerbundes als Beobachter oder Unterhändler zügegen sein könne. Diese durch den Vorschlag von Flandin vom 2. März geschaffene Lage hält auch heute noch an(21. April), ohne daß sich irgendeine Möglichkeit zugunsten einer Regelung abzeichnet, die dem Gerechtigkeitssinn der Weltmeinung Genugtuung geben könnte und gleichzeitig mit den Prinzipien des Völkerbundes übereinstimmt. Inzwischen dringt. Mussolini* mit größter Grausamkeit in Abessinien vor und verdoppelt. seine Anstrengungen, um seine', militärischen Ziele vor Beendigung der Diskussionen in Genf zu erreichen. Alles scheint darauf hinzudeuten,. daß die Diplomaten in Genf ausschließlich den' Wunsch hcwen, ihm diese Möglichkeit zu geben., Wenn der Krieg unter diesen Umständen h«; endigt wird, d. h. nach der völligen Vernichtung des abessinischen Volkes, so haben weder das Schlichtungskomitre, noch das Sanktionskomitee, noch der Völkerbund und noch viel weniger die Anhänger des Friedens und der Seite 2 Freitag, 24. Avril 193« Nr. 97 kollektiven Sicherheit das Recht, anf die Herbeiführung eines solchen Friedens stolz zu sein. Es ist unsere Pflicht, die unwürdige Komödie, die zur Zeit in Genf gespielt wird und vielleicht schon seit dem 3. Oktober 1938 oder gar srüher gespielt worden ist,,- a n z u- prangern. Man darf sich fragen, ob die Regierungsdelegierten aller in Genf vertretenen Länder an dieser Komödie Mitschuldig sind. Gab eS tiberhaup5'Megjerängen,,>die Ivirklich und ernsthaft' eine energische und wirksame Aktion Wollten, um den Angreifer zur Respektierung der, internationalen Gesetze und zur Sühne des Verbrechens zu zwingen? Haben sie rechtzeitig und" unzweideutig ihre Meinung kundgetan? Haben sie den Mut gehabt zu konkretem Vorgehen und zu seinen Folgen? Nach diesem kurzen Ueber- hlick ist man zum Zweifel berechtigt! . Diese neue, außerordentlich scharfe internationale Krise ist ohne Zweifel vor allem wieder auf die Geheimdiplomatie zurückzuführen. Dank dieser Methode war es möglich, die Weltmeinung und vielleicht sogax eine gewisse Zahl von demokratischen,und-- pazifisti- I scheu Regierungen irrezuführen, indem man den Prinzipien des Völkerbundes einen Schein von Gerechtigkeit widerfahren ließ und gleichzeitig von allem Anfang■ an auf allerlei Winkelzüge und TauschungSmanöver bedacht war. Die Bölter haben sich wieder einmal an der Rase hrrnmführen lasten. Wenn sre gestatten, daß die Geheimdiplomatie ihr Spiel weitcrspielt, so werden sie unabwendbar die gleichen Schliche, und Machenschaften erleben, wenn es das uächstemal Hitler ist, der den Frieden der ganzen Welt erschüttert. Es wird der Krieg mit allen Schrecken und Zerstörungen sein, der Abgrund für alle. Wenn dies das Endziel sein soll, so müssen wir die Diplomaten und ihre Auftraggeber, die Aüstungsindustriellen, ihren Weg gehen lassen. Soll es nicht so weit kommen, so darf kein Augenblick mehr verloren werden(wobei es dahingestellt sein mag, ob es nicht jetzt schon zu spät ist), um mit diesen Kriegshetzern und den bewußten und unbewußten Helfem der Geheimdiplomatie Schluß zu machen Partei-Auflösunss-Gesetz beschlossen Debatte über die SdP Prag. Am Donnerstag brachte das Abge- ordnetrnhans die Debatte über das Parteiauflösungsgei ey zum Abschluß. Auch diesmal spra, chen ausschließlich Bertreter der Opposition, während die Koalitionsparteien sich mit dem Schlußwort des Referenten Dr. S u ch h begnügten, der die oppositionellen Brrteidiger der Demokratie und ihre wahren Beweggründe ziemlich scharf unter dir Lupe nahm. Bon den Rednern griff Dr. Rabin(Rat. Ver.) die SdP und die K o m m u n i st e n sehr scharf an, die er als auflösungsreif bezeichnete. Dem Innenministerium sei bekannt, daß die seinerzeit aufgelöste nationalsozialistische Partei der Henleinpartei ihre Kartotheken und ihr Adreffenmaterial sowie auch ihre Funktionäre übergeben habe. Aus einer ganzen Reihe von Spionage- und Hochverratsprozessen sei bekannt, welche Ziele die SdP verfolge und welcher Geist in ihr herrsche. Wie die Partei ihr Totalitätsprogrämm auslege, sei gleichgültig; entscheidend sei, wie diese Lehre von den Mitgliedern ausgenommen werde: als Streben nach Vereinigung der deutschen Grenzgebiete im Dritten Reich. Die Partei unternehme nichts gegen diese Auffassung und trage auch nichts dazu bei, daß die zurückhaltenden Worte der Führer sich auch in den Taten der Parteiangehörigen widerspiegeln.— Zur Vorlage selbst nimmt die Nationale Bereinigung einen durchaus ablehnenden Standpunkt ein. der später auch noch von dem Abgeordneten Jng. Schwärz verdolmetscht wurde. Slänskh(Komm.) befaßte sich ausschließlich.mit llem Fall„Phönix". Er behauptet u. 07,daß kurz vor dem Krach der Gesellschaft Dutzende von Millionen Xö aus der Prager in die Wiener Zentrale und von dort nach Berlin gegangen seien, kritisiert das Innenministerium und die mangelnde Kontrolle und behauptet, daß auch in der Tschechoslowakei 110 Leute vom„Phönix^ feste Bezüge, kostenlose Wohnungen etc. erhielten. Die Regierung sei angeblich im Besitze dieser Liste und müsse verpflichtet werden, dieses Verzeichnis zu veröffentlichen, ebenso wie da» Verzeichnis der Gratispolizzen. Bon der SdP erklärt K u n d t eS als ein Zeichen der Schwäch«, wenn die tschechisch« Presse angeblich über,nichts anderes zu diskutieren habe als über die Auflösung der SdP. Kundt polemisierte dann sehr selbstbewußt gegen die Angriffe Dr. Rasins und redet den Tschechischhürgerlichcn wieder«inmal eindringlich ins Gewissen, ihren Frieden mit der so staatstreuen SdP zu machen, die schon zwei Jahre lang vergeblich die Hand zur wahren Verständigung aller Nationen hinhalte. Dr. Tuchh(Agr.) erklärte als Referent im Schlußwort u. a.: Auch diesmal haben wir gute Lehren von denen gehört, die jede Gelegenheit benützen, um uns Demokratie zu lehren, während wir allen Grund haben, bei vielen von ihnen an der Aufrichtigkeit ihrer demokratischen Bestrebungen zu zweifeln. Das Gesetz hat schon zwei Jahre existiert und die demokratische'Ordnung wurde nicht untergraben. Er zitiert u. a. als Autorität den Professor H o e tz e l, daß das seinerzeitige Parteienaüflösungsgesetz aus dem Jahre 1933 durchaus nicht etwa das Ergebnis einer überstürzten Arbeit gewesen sei, und schließt mit dem Zitat eines anderen Rechtslehrers, wonach die Geschichte lehre, daß allzu radikalisierte Formen der Staatsführung bald zum Verderben führen. Das gelte auch von der demokratischen Staatsform, sofern sie ihre librralistischen Tendenzen allzu sehr Überspannen wollte. Von diesem Standpunkt seien darum im Interesse der demokratischen Idee auch Maßnahmen zu begrüßen, die im Grunde undemokratisch sind. Die Vorlage wurde daun in erster Lesung von den Koalitionsparteien angenommen. Die zweite Lesung findet in der Freitag-Sitzung statt, die um halb 11 Uhr beginnt. In dieser Sitzung wird auch der Ausschußbericht über die Staatsvertcidigung aufgelegt werden, die dann im Laufe der nächsten Woche vom Plenum verabschiedet werden soll. Der Präsident In der Kriegsschule Der Präsident der Republik stattete Donnerstag der Hohen Kriegs-Schule und dem Kcm- mandeur-Kurs einen Bespch ab. In zwei längeren Ansprachen wandte er sich an die Hörer, denen er die Aufgaben des Offiziers im demokratischen Staate auseinandersetzte. Im Kommandeurkurs sagte er u. a.: »Bei der Liebe zu seinem Vaterlande und fernen freien Institutionen, bei seiner Wahrheitsliebe und seine Opferwilligkeit hat unser Soldat, der i m Einklang mit seinem Gewissen k ä m p f t, die Voraussetzungen zu einem der tapfersten und besten der Welt. Erschrecken Sie nicht vor unserer geographischen Lage. Stellte mir jemand diese Frage, antworte ich:„Ja, aber in dieserLage sind wir schon zwölf Jahrhunderte und noch immer find wir hier und heut« starker denn je. Deshalb fürchte ich nichts. Wir haben uns behauptet und werden uns auch in der Zukunft behaupten. Selbjwertrauen, ein ruhiges, festes und entschlossenes Selbstbewußtsein wird und muß immer her Hauptbestandteil der Moral unserer Armee sein. Hinter der Armee und ihrer Arbeit mutz die gesamte Nation stehen. Das bedeutet, daß die politische Leitung des Staates Verständnis und Kenntnis für die Angelegenheiten der Staatsvertei- digung haben muß, daß der ganze Staat und die Nation starke Nerven, Ueberlegung, Ruhe und unüberwindliche Entschlossenheit haben müssen, d. i. den festen Glauben an die Sicherheit der llnüber- windlichkeit. Neben dieser moralischen Vorbereitung müssen wir natürlich alles tun, um die Armee organisatorisch und materiell so stark wie möglich yor- zubereiten: das bedeutet, daß wir uns bestreben müssen, imStaateinsozialerund wirtschaftlicherHin sichtalles in Ordnung zu haben und rmtürlich auch— wie ich als ehemaliger Außenminister hinzufügen mutz— datz wir eine gute diplomatische Vorbereitung für die Armee im Felde und für die Entscheidung mit den Waffen haben müssen. Moratorium der landw. Handelsbank in Rikolsburg. Der landw. Handelsbank in Nikolsburg, G. m. b. H., wurde ein Moratorium bewilligt. Bemerkenswert ist, daß die Hauptgesellschafter dieses Unternehmens die kürzlich verhafteten Rechtsanwälte Dr. Knöpfelmacher und Dr. Adler waren, über welche nun die ordentliche Untersuchungshaft verhängt wurde. Die Novellierung drS Gesetzes über die direkte» Steuer» aus dem Jahre 1927 bildeten den Gegenstand von Beratungen, zu welchen der Vorsitzende der Regierung Dr? Milan H o d j a Mittwoch die Mitgliedern des Koalitions-Unterausschusses, des Budgetausschusses und den Finanzminister Dr. K a l f u s eingeladen hatte. Die Beratung führte unter dem Vorsitz des Regierungschefs eine kurze Aussprache über den Entwurf ab, deren Ergebnis zeigt, daß die Erzielung eines Einvernehmens über alle grundsätzlichen Fragen» insbesondere auch über die Angelegenheit deS Steuerjahres möglich ist. Die Verhandlungen über die noch offenen Fragen werden noch in der kommenden Woche fortgesetzt werden. Ueber Angelegenheiten, in denen kein Einvernehmen erzielt werden sollte, wird dann die Regierung entscheiden. SdP-Abgeordttete als Autolenker. Der Im-? munitätsausfchuß JJjf Abgeordnetenhauses befaßte sich am Donnerstag neuerdings mit zwei Auto-Affären der SdP-Wgeordneten Dr. K ö l I- n e r und S a n d n e r. Dr. Köllner hat seinerzeit im Rayon von Marienbad im 7V-Kilometer- Tempo einen Arbeiter niedergefahren; Sandner hatte vor einiges Zeit ein ähnliches Kunststück zustande gebracht. Da die beiden Herren sich inzwischen pribatrechtlich mit den Geschädigten ausgeglichen hatten, hatte der Jmmunitätsauöschuß vor einiger Zeit die Auslieferung der beiden im Zivilstreit abgelehnt. Inzwischen wurde aber auch die strafrechtliche Verfolgung der beiden Autofahrer eingeleitet und diesem Auslieferungsbegehren gab der Jmmünitätsausschuß nunmehr statt. I»»»»»»»«»»» Hn unsere Abonnenten, Leser und Kolporteure! Wegen d«S Staatsfeiertages am Freitag, ben 1. Mai, entfällt am Gamstag, de« 2. Mai unsere Ausgabe. Tie nächste Ausgabe erscheint bann zur gewohnten Stunde am Sonntag, den 3. Mai. Die Berwaltnng. Aus den Senatsausschüffett. Im Volkswirt-, schaftlichen Ausschuß des Senates wurde die Vorlage über die Bezirksvorschußkassen nach einem ausführlichen Bericht des Referenten Genossen K"i i über dessen Antrag der Koalition überwiesen, um einige Bestimmungen der Vorlage zu überprüfen und gegebenenfalls abzuändern. Der Beschluß äuf^Zuweisung an das Koalitionskomitee erfolgte einstimmig.— Der verfassungsrechtliche Ausschuß behandelte im Beisein des Justizministers Dr. Därer eine G e- richtsentlastungsuovelle, welche gewisse Bestimmungen über den Gerichtsstand, das Zivilgerichtsverfahren, das Exekutionsverfahren und über die Gerichtsorganisation abändern soll. Die Verhandlungen wurden noch nicht abgeschlossen, da sich Differenzen in der Frage des außergerichtlichen Ausgleiches ergaben, die noch bereinigt werden müssen.— Das Advokatengesetz wurde vom verfassungsrechtlichen Ausschuß mit kleineren Aenderungen genehmigt. Rathäuser, Schulen und anderes Gemeinde- eigentum kann verpfändet werden. Durch einen Teil der Presse ging die Nachricht, daß Gemeinden bei der Aufnahme von Darlehen nicht die Genehmigung zur Verpfändung öffentlichen Eigentums erhalten. Diese Nachricht ist, wie der DRD von maßgebender Stelle erfährt, unrichtig. Die Landesbehörde erhebt grundsätzlich keine Einwände dagegen, daß Gemeinden bei Darlehensaufnahmen in die Verpfändung von Gas- und Elektrizitätswerken einwilligen; dasselbe gilt auch von der Verpfändung von Rathäusern, Schulen u. ä. Subventionieruns von Straßenreparaturen erst im Jahre 1938. Alle an das Arbeitenministerium gerichteten Ansuchen um die Gewährung von Beiträgen aus dem Straßenfonds müssen zur Zeit unberück- sichfigt gelassen werden, weil die Zuteilungen aus dem Stratzenfonds für die Jahre 1938 und 1937 schon im Jahre 1935 aufgebraucht wurden. Die bereits übernommenen Verpflichtungen sind so groß» daß vor dem Jahbe 1938' an- weitere' Subventionierungen von Straßenreparaturen nicht gedacht werden kann. Die eingelaufenen und noch einlaufenden Ansuchen bleiben vorderhand unerledigt. GratiSflug dreier Fallschirmfinder über Prag. Am Sonntag vormittags werden drei Flugzeuge des Aeroklubs der Tschechoslowakischen Republik über dem Rip drei Fallschirme abwerfen, an denen eine Fahne in den Staatsfarben in folgender Aufschrift befestigt sein wird:„Tisic no- vhch pilotü"(Tausend neue Piloten). Die Finder, welche die Fallschirme und Fähnchen dem Aeroklub in Prag I, Celetnä 13, abgeben, haben Anspruch auf einen Gratisflug über Prag. Am Rip werden gläserne Flugzeug-Modelle mit der Bezeichnung„Tausend neue Piloten" zugunsten der nationalen Flugsammlung verkauft werden. «7 MANNER, FRAUEN I UND WAFFEN I ! Roman von Manfred Georg I Copyright by Dr. Manfred Georg. Fr eg Der Chauffeur, ein Pole, verstand nichts von dem, was gesagt wurde und cperierte an«stier Taschenlampe herum. Wer die Gruppx von weitem sah, hätte, wären die Revolver nicht dagewesen, an ein nächtliches Picknick im Walde denken können. „Erlebt haben Sie ja was!" räusperte sich Neumann nach einer Weile.„Es ist wirklich Pech, daß alles so ausgehen mußte!" Schumann lächelte. „Machen Sie sich keine Kopffchmerzen. Schicksal ist Schicksal! Wir Soldaten müssen einander abknallen, und die Herren machen ihre Geschäfte. Sie würden mir übrigens noch, einen großen Gefallen tun, wenn Sie mir sagen würden, was ich Ihnen wert bin. Ich möchte doch gern wissen, wie viel die Kugel kostet, die Sie mir nachher in den Rücken schießen werden." Neumann protestierte erregt: „Ich werde Sie hinrichten wie erneu Kameraden. Wir werden Ihnen Gelegenhest geben, sich vorzubereiten." Dann fügte er etwas melancholisch hinzu:„Fünftausend Schweizer Franken." Schumann begann zu lachen. Er lachte so läut und anhaltend, daß Neumann ihn ganz verdutzt ansah. „Fünftausend Schweizer Francs! Dafür setzten Sie Ihr Leben aufs Spiel? Sie hätten doch auch gefangen werden können. Wissen Sie, was Makropolus mit fünftausend Francs einmal gemacht hat? Er hat fünf Tausend-Francs- Scheine genommen, sie in einem mit Glassplittern gefüllten Topf gesteckt und hat einer Hure, die er sich von der Straße heraufgeholt hatte, befohlen, innerhalb von drei Minuten die Scheine, ohne den Topf zu Mrzen, mit bloßen Händen herauszuholen. Es war ein sehr enger Topf. Mit völlig zerschnittenen Fingern hat sie glücklich einen herausgekriegt. Nachher haben, es Kolleginnen vop ihr versuchen müssen. Was schätzt man Sie doch billig ein!" Er lachte wieder. Neumann war ganz rot geworden. „So hören Sie doch endlich mit dem Gebrüll auf. Sie haben doch wahrhaftig keinen Grund dazu. Oder zweifeln Sie vielleicht daran"— er sah auf feine Uhr—„es ist jetzt 4 Uhr, um 5 Uhr kommt die Senne, daß.Sie die nicht mehr sehen werden?" Schumann schien äußerst vergnügt^ „Nein, ich zweifle gar nicht daran. Mich wird die Sonne nicht mehr sehen. Wer sie wird den Herrn Garde-Offizier Neumann sehen, mit einem Revolver in der Hand, in dem eine Kugel weniger als jetzt drin sein wird, und der Herr Gardeoffizier Neumann wird um fünftausend Francs reicher sein als um 4 Uhr. Ich nehme an, Kamerad Lintorp auch. Und eines Tages wird Herr Makropolus finden, daß fünftausend Schweizer Francs zu viel sind, und er wird Ihnen viertausend geben und vielleicht einmal nur tausend. Wenn es ihm aber gar nicht mehr passen wird, dann wird irgendwo die Polizei ein kleines! Briefchen bekommen, und die Herren Neumann und Lintorp werden dorthin abgeschoben werden, wo sie Herrn Makropulos und den Seinen nicht mehr gefährlich werden, können. So, meine Herren, und jetzt habe ich genug von der ganzen Rederei, jetzt wollen wir uns nicht genieren, knallen Sie mich ab, sonst könnte noch der Schweizer Francs im Kurs sinken. Wenn ich also meine Herren Mörder bitten darf. - Lintorp schien sich auf ihn stürzen zu wollen. Wer Neumann winkte ab. Sein schweres, ruhiges Gesicht zuckte etwas, als er"sagte: „Laß das, Lintorp, er hat mich beleidigt. Die Geschichte regle ich mit ihm. Herr Rittmeister Schumann, wollen Sie mir folgen!" Schumann sah in die niederbrennende Flamme, die Zweiglein zerfielen zu Kohle. Der Morgenwind hing schon schwer in den Baumkronen und schnaufte ein paarmal auf. „Also'gehen wir," Die Glieder waren ihm vom Sitzen steif geworden. Er lächelte etwas verächtlich, als ihm Neumann den Revolver gegen den Rückenwirbel drückte. „Ich komme mit," sagte Lintorp. „Nein, er hat mich beleidigt. Er gehört mir. Er Wird niemandem anders mehr die Geschichte vrn der Hure und den Schweizer Francs erzählen. Gehen Sie voraus!" befahl er dann Schumann. Schumann steckte die Hände in die Hosentaschen und schlenderte einige Schritt« waldein- wärts. Es war schon jene frühe Helligkeit zwischen den Stämmen, die der Sonne voraufgeht. Im Rücken spürte er den Revolverlauf, der ihn geradezu vorwärts stieß. Sie wareA vielleicht fünf Minuten schweigend so gegangen, als der Druck aufhörte. Jetzt drückt er ab, dachte Schumann und, wie um einen Halt zu haben, um das noch zu packen, was er in dieser letzten Sekunde in der Welt hatte, das einzige, das noch in einer Beziehung zu ihm stand, die jetzt gelöscht werden würde, umfaßten seine Gedanken rauschend die Gestalt Haydees. Es war, als ob er sie in dieser Sekunde zum ersten Male ganz aufnahm, und als ob er sie so umhüllte, daß nichts mehr von ihr außerhalb von ihm war. Und mit einer fana« fischen Innigkeit, die ihm nicht nur zu den flüsternden Lippen heraussprang, sondern, die aus jedem MuÄel und jedem Nerv rann, dachte er: Hahd.ee— Hand«! Der Schuß krachte nicht. Es blieb still hinter Schumann. Der Rittmeister drehte sich um. Neumann stand da, den Lauf des Revolvers zur Erde gesenkt, und sah seinen Gefangenen mit einem Blick an, in dem ein dumpfer Entschluß stand. „Laufen Sie," sagte er heiser.„Los doch!" Er stampfte mit dem Fuß auf. „Danke!" sagte Schumann. Nicht mehr und nicht weniger. Es war dasselbe„Tanke", das die, Soldaten im Felde einander nach den schwersten Taten sagen, in denen Kameraden ihnen geholfen haben. Das Danke derer, die sich verstehen. Das Wort zitterte noch in der Luft, da war Schumann schon mit weiten Sätzen im Gebüsch untergetaucht. Einige Schüsse sausten über ihn weg. Sie waren hoch gezielt gewesen und rissen Rindensplitter von einem Baum. Dann hörte er noch viele Schüsse fallen, Rufen und Schreien, das immer entfernter klang, schließlich das Ankurbeln eines Autos. Erschöpft kroch Schumann unter einen Felsvorsprung. Die Gefahr war vorüber. Ein Ameisenweg zog sich quer vor seinem Blick über den Sand, im wilden Durcheinander Mlperten und strömten die Insekten vorbei. Er warf einen kleinen Ast ins Gewimmel, richtete große Verwirrung damit an» Dutzende von Tieren suchten daS dünne Stäbchen aus dem Weg zu drängen. Dann röteten sich die Baumwipfel, Vögel begannen zu lärmen, Wärme sank von oben in den noch feuchten und sonnenleeren Grund, und während ein paar große Hirschkäfer sich langsam unter einem Stein ins Freie arbeiteten, schlief er/ die ersten schmetternden Schläge ausschwärmender Finken im Ohr, ein, ichne noch einmal seine hingekrümmte Lage am Boden geändert zu haben. Ende, Nr. 97 Freitag, 24. April 1936 Sudetendeutscher Zeitspiegel Und dazu ein Parteitag? Auf dem Parteitag der APC haben nach einer Behauptung des Gottwald 70 Distuffions redner gesprochen. Davon haben allerdings etwa 60 Begrüßungsansprachen gehalten. Die übrigen zehn dürften jedoch gearbeitet" haben. Das Ergebnis der Diskussion fand seinen Niederschlag in einer langen politischen Resolution richtiger gesagt in einigen Resolutio nen und demokratisch, wie die Führung der SPC schon einmal ist, ließ sie auch eine politische Kommission einseßen, die über die Resolutionen beriet. Diese Kommission hatte auch das Recht, Abänderungen zu beschließen und sie hat dies auch getan. Und noch mehr: die ,, Rote Fahne" hat ganz freimütig darüber berichtet. Nämlich: ..( lima)... bringt dann einige kleine Abänderungsvorschläge zur politischen Resolution dem Parteitag zur Kenntnis. Darunter befindet sich auch die Abänderung des Titels des Absages 8 her politischen Resolution: ,, Die Einheitsfront und Voltsfront durchsetzen um jeden Preis" in ,, die Einheitsfront und Boltsfront durchsezen, tofte es was es wolle"." Das ist das Ergebnis der geistigen" Auseinandersetzung auf dem Parteitag. Wir finden, daß es dessen Abhaltung faum rechtfertigt. Kadi soll diesmal auch angerufen werden, ge-[ die Nachforschungen nach den Einbrechern wieder nau so wie in der„ Affäre der Briefe", jener aufgenommen. In deren Verlauf wurden die drei Affäre, die gewissen maßgebenden und maßgeb- bereits genannten Personen wieder verhaftet, lichen Kameraden noch immer recht schwer im ferner der Fleischermeister Strubl aus Poliz Magen liegt. an der Elbe und die Frau des Liebisch. Alle stehen unter dem dringenden Verdacht, an dem Einbruch beteiligt gewesen zu sein. Belebung in der Reichenberger Textilindustrie Wie der„ Prager Börsencourier" meldet, ist in der Reichenberger Textilindustrie seit einigen Wochen eine merkliche Belebung zu verzeichnen. Die Lager sind ziemlich geräumt und es ist ein starker Bedarf an laufender Ware eingetreten. Allerdings ist dieser Bedarf qualitativ minder wertiger geworden, es wird vor allem billigere Ware verlangt. Besonders gebessert hat sich die Beschäftigung der Firmen Liebig in Reichenberg und Klinger in Neustadt. Einbruch im Chodauer Konsumverein aufgeklärt Karlsbad. Dieser Tage erstattete der Fabrikarbeiter Na pravnit aus Altrohlau die Anzeige, daß ein unbekannter Täter bei ihm eingebrochen sei und seine gesamten Ersparnisse in der Höhe von 24.300 Kč entiendet habe. Der Gendarmerie ist es nunmehr gelungen, den Vorfall restlos aufzuklären. Es handelt sich um einen fingierten Einbruch, den Napravnik vorgetäuscht hatte, um sich das Geld, das ihm von Verwahrung übergeben worden war, anzueignen. Kasseneinbruch nach drei Jahren vei in Eger in Haft befindlichen Einbrechern in vor der Aufklärung? Vor drei Jahren wurde in die Länderbank filiale in Nigdorf ein schwerer Einbruch verübt, bei dem den Tätern nicht weniger als 230.000 Kč Bargeld in die Hände fielen. Als mutmaßliche Täter wurden damals drei polizeiAm Mittwoch, drei Tage nach der Veröffent bekannte Personen verhaftet, und zwar Alfred lichung dieses wichtigen Ereignisses, überschrieb Liebisch und Josef Pilz aus Warnsdorf die ,, Rote Fahne" das Schlußwort Gottwalds und Willibald Vrabec aus Grottau. Sie bierspaltig so: Die Boltsfront durchseßen um mußten aber nach kurzer Zeit wegen Mangel an jeden Preis!" Wer wird nach dieser Ab- Beweisen wieder auf freien Fuß gesetzt werden. weichung von der Linie ,, lofte es was es wolle" Da jedoch die Behörden in lezter Zeit die Wahr wohl aus der Redaktion fliegen? nehmung machten, daß die Genannten und deren Angehörige große Geldausgaben tätigen, wurden Die Taktik des trojanischen Pferdes Als die Griechen die Stadt Troja schon lange erfolglos belagert hatten, ersannen sie eine List, die ihnen den Sieg brachte: sie bauten ein großes hölzernes Pferd, in dessen Bauch sie einige Krieger berbargen. Dann verließen sie zum Schein ihr Lager. Neugierig zogen die Trojaner das Pferd in die Stadt. Nachts stiegen die griechischen Krieger aus dem Pferdebauch, öffneten die Tore der Stadt, ihre zurückgekehrten Genossen drangen ein und der Fall Trojas war besiegelt. Auf dem Parteitag der KPC hat eine neue Koryphäe dieser Partei, ein gewisser Široký, die Taktik des trojanischen Pferdes sozusagen neu entdeckt und ihre Anwendung laut verkündet: die Kaderpolitik der KPC ist darauf berechnet, trojanische Pferde in die anderen Parteien zu schicken, also auch in die sozialdemokratische. Das trojanische Pferd der Kommunisten hat auch schönen Rufnamen: es heißt Einheitsfront. Die folgenden Aeußerungen des Široký verdienen festgehalten zu werden: Die Kaderfrage ist heute eine Frage der sozialistischen Arbeiterschaft. Ohne gute Kader fön= nen die sosialistischen Arbeiter nicht mit Erfolg gegen die reaktionären Führer ihrer eigenen Bartei fämpfen.. Genossen, wir brauchen heute ALPA Franzbranntwein zur Mund- und Zahnpflege Achten Sie mehr auf die Qualität als auf den Preis! Aipa wird aus reinem Weingeist erzeugt. SPR ATUS Im Zuſammenhang mit diesem Vorfall wurden Atusmitglieder! Seite 3 Napravnik und dessen Sohn sowie ein gewisser Karl Göz in Haft genommen, welcher einem Parteimitglieder! dritten Einbrecher Unterschlupf gewährt hatte, der Wer die ermäßigte Dauerfestkarte zum gemeinsam mit den beiden Egerer Einbrechern den 3. Bundesturnfest des Atus erhalKonsumverein in Chodau ausgeraubt hatte, wobei ten will, muß dies bis zum den Tätern eine Beute von 50.000 Kč in die Hände gefallen war. 1. Ma i einem Atus- Funktionär melden. Die ermäßigten Arbeiterkarten für die Staatsbahn gelten, wie eine deutsche sozialdemokratische Intervention im Eisenbahnministerium feststellte, auch am 1. Ma i. Wer die Dauerfest karte be= sitzt, hat freien Eintritt zu allen Einzel- und Hauptveranstaltungen, erhält die Legitimation zur 50= prozentigen Fahrtpreisermäßigung, sowie freies Quartier. Schlaganfall oder Betriebsunfall? Mittwoch, den 22. April, nachmittags 4 Uhr ereignete sich in der chemischen Fabrik in Aussig ein noch ungeklärter Unfall. Der seit Feber dieses Jahres in der Fabrik beschäftigte Arbeiter Franz Martschini hat in der Diaphramenanlage das Innere eines Eisengefäßes gestrichen. Das Gefäß Chamberlain nach Wien abgereist ist zirka 2 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 2 Metern 50 3tm. Zwei seiner Arbeitskollegen, die in der Nähe waren, sahen den Arbeiter auf dem Boden des offenen Gefäßes bewußtlos liegen und beförderten ihn nach oben. Sofortige Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Herr Dr. Tauber stellte den eingetretenen Tod fest. Auch Herr Dr. Trinks, sowie ein Beamter der Kriminalabteilung waren zur Stelle berufen. Eine Gerichtskommission und die Obduktion werden die Todesursache feststellen. Martschini ist 34 Jahre alt und lebte mit der Mutter in gemeinsamem Haushalt. Ein Prozent Opposition? Anhaltende soziale Gärung im Dritten Reich Massenverhaftungen in der Hitlerpartei Ein SS- Führer erschossen Sir Austin Chamberlain ist Donnerstag von Prag nach Wien abgereist. Die gesamte europäische Presse diskutiert lebhaft die Hintergründe seines Besuches in Mitteleuropa. Besonders aufgeregt zeigt sich wieder, wie immer, wenn es um Oesterreich geht, die hitlerdeutsche Presse. In teils hämischen, tets besorgten Kommentaren erörtert sie die Frage, was Chamberlain in Prag und Wien gewollt haben fönne. Vielfach taucht dabei die Version, auf, Cham berlain fondiere die Aussichten einer ab 3 burs ger Restauration, in der er, wie viele maßgebende Engländer, den sichersten Schutz gegen den Anschluß sehe. Man darf nicht übersehen, daß die Hitlerdiplomatie zwar ständig in nervöser Besorgnis vor der möglichen Restauration der Habsburger lebt, daß sie aber die Frage auch zu dem Zwed in den Vordergrund schiebt, um Differenzen in die Kleine Entente zu tragen und Jugoslawien noch näher an Deutsch I and heranzuziehen. Nach den jüngsten Wahlziffern des Herrn den gewaltigen Rüstungsgewinnen unverhüllt zum Kaders, die nicht nur allgemein über die Notwen Goebbels beträgt die Zahl der Oppositionellen im Ausdruck kommt. In zahlreichen Parteiglie= tion zur Zeit nicht günstig. 3war hat die VerwickFaktisch stehen die Aussichten für die Restaura digkeit der Aufrichtung der Einheitsfront und braunen Deutschland etwas über ein Prozent. derungen wurde hiezu unter Berufung auf Boltsfront zu reden verstehen, sondern wir brau- Das Ausland fragt sich seither erstaunt, weshalb den Bunft 12 des Parteiprogramms( ,, Restlose längst minimale Ansehen der Heimwehren und der lung Starhembergs in den Phönig- Standal das chen Kaders, die heute die Argumentation mit den zur Niederhaltung dieser winzigen Minderheit ein Einziehung der Kriegsgewinne") die Abführung sozialistischen Arbeitern beherrschen..." so gewaltiger Apparat von SA- und SS- For- der Rüstungsgewinne an den Staat verlangt, in Und dies: mationen, regulärer Polizei, Gestapo, Belts- einigen Organisationen ist darüber hinaus die Es genügt nicht, nur allgemein über die An- gerichten, Zuchthäusern und Konzentrations- Verstaatlichung der Rüstungsindustrie gefordert wendung der Taktik des trojanischen Pferdes au lagern notwendig ist. Entweder hat also das worden. Schacht, der die Gefährlichkeit dieser Uns dünkt, daß den Griechen ihr fühner eine unbegreifliche Angst, oder es betreibt seine feres Eingreifen ohne Ansehen der Person", woRegime vor dem einen Prozent Oppositioneller Bewegung erkannt hat, forderte sofortiges schärStreich nicht gelungen wäre, wenn die ,, Rote Unterdrückungsmethoden als sadistischen Selbst bei er von der Schwerindustrie und von Fahne" als ihre Lagerzeitung erschienen wäre. gwed oder das ganze Wahlresultat war der gis Göring unterstützt wird. Jedenfalls fönnen unsere Kommunisten troja gantischeste Schivindel der Weltgeschichte. Die nische Pferde in noch so großer Zahl verfertigen Wahrheit dringt unaushaltsam durch. Schacht hat wieder einmal gesiegt. Die HüDie ter des Parteiprogramms ſizen im günstig und herauspußen: wir fallen auf den Trick nicht deutsche Opposition ist nicht tot. sten Falle hinter Schloß und Riegel, die hinein. Aus Dankbarkeit für die Offenherzigkeit Ja sie gewinnt in der herrschenden Nazipartei Rüstungsgewinner thronen weiter auf ihren Siroths und der ,, Roten Fahne". selbst an Boden. Einen aufschlußreichen Beitrag Geldsäcken. fprechen..." Wieder einer... Sie haben ausgesprochenes Künstlerpech, unsere Henleins in Südböhmen. Einmal tritt ein Interführer freiwillig- unfreiwillig zurüc und man verlautbart allen Eingeweihten, der Mann sei auch offiziell( soll das etwa heißen, nur des Scheines halber?) aus der Partei ausges treten. Dann hat man wieder Pech mit einem Bezirksführer, der kurz darauf in der nicht gleichgeschalteten Presse die Gründe, nicht sehr schmeichelhaft für gewisse Größen, bekanntgibt. Zum dritten muß ein Sekretär aus Südböhmen, nennen wir es so,„ auswandern" und jetzt gibt die Kreisleitung für Südböhmen an alle Untergliederungen folgenden Ulfas heraus: Herr Franz Kubo, Geschäftsmann, Hlinz bei Budweis, wurde seinerzeit wegen barteischädigenden Verhaltens aus der Bewegung ausgeschloffen. Herr Kubo versucht nun, einzelne Kameraden der Bewegung sowie diese selbst zn bernabern und strent unwahre Gerüchte aus. Wir fordern alle Kameraden der Bewegung auf, uns den Wortlaut der Behauptungen des Herrn Rubo bekanntzugeben und für diese Zeugen zu nennen, damit wir in die Lage verseht werden, Herrn Kubo gerichtlich belangen zu können. Die Kreisleitung IX. Es ist also wieder einmal Bewegung in der Bewegung, beinahe schon zu viel Bewegung. Der zu diesem Thema liefert die neueste Ausgabe der So sieht der nationale Sozialismus des gut unterrichteten Deutschen Revolution" Otto Herrn Hitler aus! Strassers. Das Blatt meldet: " ganzen italienischen Satrapie noch mehr herabgemindert, was von den Monarchisten in Oesterreich, deren entscheidender Gegenspieler im System ja der fürstliche Hallodri ist, weidlich ausgenügt wird, andererseits aber hat Mussolini nach seinen Genfer Erfolgen die Zügel fest in der Hand und gerade Mussolini wünscht, obwohl er die Restauration als Druckmittel gegen die Kleine Entente benüßt, keine Rückkehr der Habsburger, weil diese es ihm erschweren würde, Desterreich als Tausch- und Teilungsobjekt in seinen Badeleien mit Berlin zu benüben und weil sie, überhaupt nur möglich im Rahmen einer Zusammenarbeit der Donaustaaten, gerade das bewirken würde, was Mussolini und Hitler um jeden Preis verhindern wollen. MA ,, Wie wir aus zahlreichen Orten über- Die innere Gärung im Reich wird wieder einstimmend erfahren, haben in den letzten einmal durch einen bezeichnenden Vorfall unter der von den Arabern proflamierte Generalstreit ausWochen Massenverhaftungen in Beweis gestellt: der Hitlerpartei stattgefunden, wo- Am Ostermorgen fand man unweit des von vor allem Arbeitsfront und berüchtigten Konzentrationslagers Papenburg SS( weniger SA und HI) betroffen wurden. den SS- Sturmführer Oskar Allein in Berlin schätzt man die Zahl der Sch a macher erschossen auf. Der Tote verhafteten Parteigen offen auf 500 bis 600, wobei auch führende Funktionäre, trug auf der Brust, mit einer Nadel angeheftet, ja sogar höhere Ministerialbeamte, zweimal den Buchstaben ,, N"-der, wie festdarunter sind. gestellt wurde aus einer Nummer des ,, VölIn allen Fällen handelt es sich um ra- fischen Beobachters" ausgeschnitten war. Von dikale Elemente", die mit ihrer Kritik dem oder den Tätern fehlt bis jetzt jede Spur, am Schacht System nicht zurück doch geht unter der Lagerwache, welcher der erhielten und in der Partei dadurch Unruhe" schossene SS- Führer angehörte, das Gerücht, verbreiteten, daß fie Hitlers Versprechen auf daß es sich um einen Racheakt der Anhänger Entlaffung Schachts mit der Wirklichkeit kon- Röhms handelt, die sich ostentativ als ,, Rächer frontierten. Die Sorge der leitenden Partei: Röhms"( R. R.) bezeichnen. kreise ist groß und Goebbels hat bei Hitler auf die Notwendigkeit antikapitalisti= scher Maßnahmen hingewiesen, um eine weitere Verschlechterung der Stimmung zu vermeiden." Dem Ermordeten wird nämlich nachgesagt, daß er nicht nur einer der wüstesten Gefangenenschinder war, sondern auch einem der Exekutions Kommandos der SS angehörte, die die Erschie kungen am 30. Juni 1934 vornahmen. Die Pofährt, trägt an der wachsenden Unzufriedenheit lizei ist bemüht, die Kunde von dem Vorfall mit der braunen Parteigenossen vornehmlich das allen Mitteln zu unterdrücken, weil sie die anschamloje Kriegsgewinnlertum schuld, wie es in steckenden Wirkungen einer solchen Tat fürchtet. Wie die Deutsche Revolution" weiter er" Jerusalem. In Haifa ist seit Mittwoch ebenfalls gebrochen. In fast allen Städten Palästinas sind die arabischen Läden geschlossen außer den Cafés. In Jerusalem sind zahlreiche Streifposten berhaftet wor den. Der Hafen von Haifa ist noch offen, dagegen ist im Hafen von Jaffa die Arbeit völlig eingestellt. Die Beschäftigung im Jahre 1935 Mehr Arbeiter aber weniger Angestellte als 1934 Einer Mitteilung der Zentralfozialversiche rungsanstalt in Prag zufolge wurden im Jahre 1935 bei 297 der Aufsicht der Zentralfozialversicherung unterliegenden Versicherungsanstalten für den Krankheitsfall versichert a) auf Grund des Gesetzes Nr. 221/1924 ( Arbeiter) Männer 1,165.616, Frauen 752.951, im ganzen 1,918.567, d. f. gegen das Vorjahr um 39.195 Versicherte mehr. ( der Pensionsversicherung unterliegende Persob) Auf Grund des Gesezes Nr. 117/1926 nen) Männer 119.695, Frauen 50.854, ganzen 170.549, d. 1. gegen das Vorjahr um 1595 Versicherte weniger. im Seite 4 Jagesneuigkeiten Zuviel für Wotan! Freitag, 24. April 1936 Ein Schweizer in Deutschland halbtot geprügelt Nr. 97 Ziehung der Klassenlotterie Unverbind.lich. Prag. Bei der Donnerstag- Bichung der 20.000 Kč die Lose Nr. 2888 9133 10.404 Eine Warnung für Politiker und Journalisten außerhalb Deutschlands Die Schweizer Frontisten sind eine national- Vor einer Woche besuchte Frau Vonwyl 5 Klasse der 34. tschechoslowakischen Klassenlotterie sczialistische Parteigruppierung, die die Schweiz auf Grund einer in Berlin ausgestellten Bewilli- wurden nachfolgende Gewinste gezogen: Anläßlich des Konflittes, der sich in der nach dme Muster des Dritten Reichs gestalten gung ihren Mann im Gefängnis in Karls= ruhe. Zunächst sträubten sich die lokalen Be- 86.103. 12611316! No Tob Bru ,, Deutschen Glaubensbewegung" möchte. Einer dieser Frontisten, ein gewisser hörden, die Frau mit ihrem Manne zusammenim Dritten Reich dieser Tage abgespielt hat undonio y I, hielt sich im Vorjahr längere Zeit in zubringen, aber sie mußten sich schließlich der Ber- 78.138. in dem geheimnisvollen, höchstwahrscheinlich Deutschland auf. Von diesem Aufenthalt kehrte liner Weisung bengen. Die Frau sprach mit ,, von oben" verlangten Ausscheiden der Profes- er als Demokrat in die Schweiz zurück. Ueber ihrem Manne zwanzig Minuten lang in Gegen 22.979 35.932 44.658 51.912 54.503 63.261 for Hauer und Grafen Reventlow aus der Lei- seine Erfahrungen berichtete u. a. auch der Pra- Mannes war derart verändert, daß die Fran, 94.133 101.616 101.982 102.548 109.489. wart dreier Beamter. Der Gesichtsausdruck ihres 71.813 76.927 80.422 82.049 86.346 92.386 tung dieser ,, dritten Religion" des Dritten Rei- ger Montag". an a rischem Fetischkult und wo tanischem Gößendienst drüben ,, tut". Da dürfte es selbst Allvater Wotan ein wenig gruselig werden! IN " ches gipfelte, mag es lehrreich sein, sich- ober- Vonwyl hielt sich über Weihnachten in der flächlich einmal allein zu überschlagen, was Pfalz auf. Es heißt, daß er nach Deutschland sich so alles seit Hitler und seinem Machtantritt ge Iodt worden sei. In Frankenthal wurde er verhaftet. Man beschuldigte ihn der Spionage zu gunsten Frankreichs, aber diese Behauptung hiel ten die deutschen Behörden nicht lange aufrecht. Als„ Delikt" bleibt nur jener Artikel im Prager Montag". Vonivyl bestreitet, den Artikel gereichsanwalts wurde im Sinne des§ 90 des schrieben zu haben. Der Haftbefehl des OberStrafgesetzbuches erlassen( Verbreitung falscher 1. Die Deutschgläubige Gemeinde" von Behauptungen zum Schaden des Deutschen Reichs). Alfred Cenn( Kampfblatt: ,, Widar"). Nun berichtet die Basler National 2. Die Nordisch- religiöse Arbeitsgemein- zeitung", daß die Beistellung eines schweizerischaft" von Fahrenkrog. schen Advokaten nicht gestattet wurde. Ein deutscher Anwalt, der eine Schweizerin zur Frau hat, wurde von den deutschen Behörden ebenfalls abgelehnt. Es gibt also neben der ,, Deutschen Glau. bensbewegung" da noch folgendes leider keineswegs vollständige Register: " 3. Die Nordische Glaubensgemeinschaft" bon Nordungen. 4. Der Kampfring für deutschen Glauben" mit dem Blatt ,, Siegrune". 5. Die ,, Nordische Glaubensbewegung" mit der, Nordischen Zeitung". 6. Die ,, Glaubensbewegung Erich und Mathilde Ludendorff". 7. Die Dinter'sche ,, Deutsche Voltskirche". 8. Der Bund für deutsche Einheitsreligion", begründet von Dr. Hompf. 9. Die Christlich- Deutsch- Nordische Religion" von Fischer- Dodeleben. 10. Die ,, Deutsche Aktion" mit dem Kampfblatt Der Blik". 11. Die ,, Völkische Aktion" mit dem Kampfblatt ,, Nordland". Das könnte noch beliebig fortgesetzt werden. Deutschland von heute ist also ein geistig wohl assortiertes Land, wie man sieht. Da kann so leicht niemand mit. Botan selbst wird es schwer werden zu entscheiden, für welchen seiner Klubs ,, alter Kämpfer" er eigentlich das Lordprotektorat übernehmen soll... F. E. R. Warum? Der Besuch Sir Austen Cham berlains beim Präsidenten der Republil in Sezimobo Usti durfte auf Grund einer plöblichen Entscheidung des Innenministeriums nicht verfilmt werden. Ebenso ist jede Art von Filmaufnahmen der Prager Burg berboten worden. Die Filmtreije wenden sich gegen diese Form bürokratischer Verbote, die der Propagierung der Schönheiten und des Interessanten in unserem Staate geradewegs zuwiderläuft: so haben am Tage des Besuches Chamberlains die Zentralen der großen Wochenschau- Gesellschaft in Paris die Aufnahmen per Flugzeug bestellt, um sie noch am gleichen Tage in den Kinos Paris und Londons Yaufen lassen zu können. Es ist nicht verständlich, warum man sich eine solche Gelegenheit, unserem Staat die Mundpropaganda durch die Kinobesucher fast der ganzen Welt angedeihen zu Tassen, entgehen läßt. " = 10.000 Kč die Lose Nr. 6720 13.603 40.098 5000 Kč die Loje Nr. 1842 7753 19.833 2000 Kč die Loje Nr. 1946 2435 3738 8394 37.186 37.380 37.541 43,593 46.127 48.429 79,494 81.447 82.515 83.850 84.419 88.239 100.895 102.637 105.955 107.032 109.450 109.857. hätte sie ihn auf der Straße getroffen, ihn nicht mehr erkannt haben würde. Er sei mihan 11.816 13.753 14.705 18.058 18.397 20.068 delt und halb zu Tode geschlagen wor den, erklärte tros Anwesenheit der drei Beamten 21.435 21.776 23.773 26.547 26.854 29.661 der Verhaftete und fügte rasch bei, er werde nun wegen dieser Aussage wohl erst recht zu leiden 53.477 55.313 58.242 58.403 67.077 69.600 haben. Der Fall Bonivyl ist ein neuer Beweis da- 89.266 92.777 93.350 94.238 96.073 99.752 für, daß die jetzigen Beherrscher Deutschlands die ist nichts Neues. Das Lehrreiche an diesem Fall Methoden gewöhnlicher Gangster anwenden. Das ist die Tatsache, daß in Deutschland jeder Mensch verhaftet, halb oder ganz totgeschlagen oder zu schweren Zuchthausstrafen verurteilt werden kann, der sich als Journalist oder Politiker außer halb Deutschlands gegen den Nationalsozialismus und seine Führer ausgesprochen hat. Alle so„ Belasteten" mögen sich hüten, reichsdentschen Boden zu betreten! sind rasch über unsere Gegenden vorgedrungen. Besonders stark hat es sich in Böhmen abgekühlt, wo nachmittags vielfach auch in den Niederungen nur plus 2 bis 3 Grad verzeichnet wurden; auf den Bergen herrschte Frost und Schneefall. Aus Frankreich breitet sich über das abgekühlte Binnenland ein Druckhoch mit vorübergehender Wetterbesserung aus. Wahrscheinliches Wetter Freis tag: In den böhmischen Ländern vom Westen her Wetterbesserung, verstärkte Temperaturschwankun Neue ,, Phönig"-Verwaltung in Wien. Die gen zwischen Tag und Nacht, nachts sehr kühl. Im Wiener Zeitung" veröffentlicht die amtliche Pro- Karpathengebiet noch unbeständig, zunächst vorwie fokollierung der Desterreichischen Kontrollbant für gend bedeckt mit Niederschlägen und bei nördlichem Industrie und Handel als Verwalterin der Le- Wind Abkühlung. Später vom Westen her Abnahme bensversicherungsschaft Phönir". Der bisherige der Niederschläge und der Bewölkung. WetterVorstand der Gesellschaft wurde gleichzeitig aus aussichten für Samstag, den 25. April; Jm Westen des Staates erneute Wetterverschlechterung und wärmer; im Osten im ganzen schön, nachts falt, tagsüber etwas wärmer. " im Sandsturm die Richtung verloren und suchten während der nächsten Stunden und Tage bis zum lebten Tropfen Benzin den rechten Weg. Dabei haben sie sich sogar mehrmals im Kreise bewegt. Ihr Wasservorrat hätte bei sorgfältiger RationieWagen hatten die Verirrten auf eine feljige An- dem Register gestrichen. tung noch bis Freitag abend ausgereicht. Ihren höhe gestellt, damit er von den Suchabteilungen besser entdeckt werden konnte. Neben dem Wagen " Trauungen durchs Telephon untersagt. In der hatten sie für die suchenden Flugzeuge weiße Tü- Teßten Zeit hatte sich in den USA in gewissen Kreicher ausgebreitet. Wie die Geretteten erklärten, sen die Gewohnheit eingebürgert, Trauungen durchs haben sie sich dadurch am Leben erhalten können, daß sie das Wasser ihrer Kühlers verbrauchten, Telephon vorzunehmen. Fahrlässigkeit und Entdas sie kochten, um es zu sterilisieren. Anscheinend gegenkommen der Beamten waren schuld an diesen ist die Steuerung des Wagens auf dem groben Ruständen. Nun hat das Gericht von Chicago eine Boden gebrochen. Auch die Reifen waren vollständig zerfeit.. Schule und Schüler 29b im ,, Dritten Reich" Die Zeugnisnote in Betragen ist jetzt durch eine Charakterbeschreibung ersetzt. Ein zehnjähriges jüdisches Mädchen, in charakterlicher Beziehung. durchaus normal, Schülerin einer höheren Mädchenschule, wird infolge antisemitischer Verhezung der grundsätzliche Entscheidung gefällt, indem es eine auf diese Weise geschlossene Ehe als ungültig er Der Regierungsentwurf eines neuen Tierschutzgesetzes wurde vom verfassungsrechtlichen flärte. Es ist jetzt offiziell den Beamten untersagt Ausschuß des Senates einem Subkomitee zugeworden, Eheschließungen durchs Telephon vorzu- Klasse von allen Mitschülerinnen gemieden. Ihre wiesen, das die Vorlage unter dem Vorsiz des nehmen. Senators Dr. Karas einem gründlichen Detailstudium unterziehen soll. Charakternotiz enthält den Vermerk:„ Zeichnet sich ganz besonders durch Unkameradschaftlichkeit aus; Versetzung gefährdet." * Evangelium per Radio. Wie aus Jerusalem gemeldet wird, hat der Jerusalemer Sender seine Evangelium eröffnet. Erst las der Patriarch von tritt in die Klasse durch folgenden Sprechchor ihrer Darbietungen mit dem Lesen von Stellen aus dem Dasselbe Kind wird eines Morgens bei EinJerusalem, dann Sie Häupter aller in Jerusalem Mitschülerinnen begrüßt:„ Esra hat die Juden nach vertretenen christlichen Kirchen: der orthodoxen, der Palästina geführt; holt euch euren Esra wieder." Ein im Unterricht gesungenes Lied hat den ,, Land und Brot für jedermann in der Ukraine." armeno- gregorianischen, der anglikanischen, der kop= Zehn Tage begraben und gerettet. Doktor Robertson und Scadding, die zehn Tage hindurch im Goldbergiverk in Moose Riber ver schüttet waren, sind Donnerstag früh endlich ober tags gebracht worden. Die Rettungsarbeiten waren ungemein schwierig und hatten einen dramatischen usw. Auf diese Weise wurde das Evangelium Refrain: tischen Verlauf. Die Hoffnung, die. Verschütteten griechisch, altslampisch, lateinisch, armenisch, englisch, zu retten, wurde fast stündlich durch immer wie- griechisch, altslawisch, lateinisch, armenisch, englisch, der auftauchende scheinbar überwindliche Schwie- syrisch, arabisch und koptisch vorgelesen. rigkeiten in die Ferne gerückt. Die Retter selbst waren oft in großer Gefahr. Der 1. Mai in der Türkei. Zum erstenmal wird heuer auch die Türkische Republik den 1. Mai als Staatsfeiertag begehen. Alle Behörden und Geschäfte werden an diesem Tag geschlossen sein. Geburtstagsopfer. Im Anschluß an die Hitlertruppenparade vom 20. April waren, wie gemeldet, vier Schüler verunglückt. Von ihnen ist jetzt ein Junge seinen Verlegungen erlegen. * * Der unvorsichtige Mollison. Der berühmte Flieger Mollison wäre beinahe ein Opfer seiner Aus dem Geschichtsunterricht:" Napoleon hat im eigenen Unvorsichtigteit geworden. Mittwoch nachts Auftrag der Juden und der Freimaurer Deutscherwachte er in seinem Hotelzimmer in Singapore vor land vernichten sollen; aber die gesunde germanische Hike. Kein Wunder: das Zimmer stand in hellen, Rasse hat ihn überwunden." Flammen. Mit Mühe gelang es Mollison, sich zu retten, er tam nur mit geringen Schrammen und Neuerdings sind Auslandsreisen von Schülern leichten Brandwunden davon. Die Ursache des nur mit Genehmigung des Innenministers gestattet. Brandes war, wie sich dann herausstellte, die von Vor diesem Erlaß wollten einige 17jährige Mollison im Bett angezündete Zigarette. Er war Gymnasiasten eine Ferialreise nach Frankreich cingeschlafen, ohne sie ausgelöscht zu haben und sie machen. Ihr Lehrer riet ihnen folgendermaßen daentzündete zunächst das Moskitonetz. * Ein Schüler einer höheren Schule, dessen LeiStohrer gefunden. Der deutsche Gesandte in Aegypten von Stohrer, welcher am Samstag Geheimnisvoller Mord. In einem Zimmer eines von ab:„ Ich kann Sie nicht daran hindern, aber während einer Automobilfahrt in der Wüste von Hotels in Kensington wurde die Leiche des 22jähri Paläolithische Funde in der Ukraine. Bei Now- Sie werden nicht versetzt, wenn Sie zum Erbfeind einem Sandsturm überrascht und nach welchem gen Deutschen Richard Heilbronner aufgefunden, der gerod- Sewerski in der Ukraine fanden sowjetrussische fahren." eifrige Nachforschungen gepflogen wurden, ist sich einige Tage hindurch in London aufgehalten hat. Archäologen eine Reihe von Werkzeugen aus der nunmehr gesund mit seinem Chauffeur unweit Der Leichnam weist zahlreiche Spuren von Revol- älteren Steinzeit, von denen zwei nahezu einen hal bon Baharieh aufgefunden worden. Die Vermiß- verschüssen auf. Die Polizei hat in dieser geheimnis- ben Meter lang sind und über acht Kilogramm wie- tungen besonders in Mathematik und Naturwiſſenten wurden Donnerstag vormittag von britischen vollen Mordangelegenheit die Untersuchung einge- gen. Es handelt sich um große Steinteile, wie sie bis- schaften recht gut find, bekommt zu Weihnachten Flugzeugen aufgefunden. Sie waren zwar sehr leitet. Zeugen behaupten, daß Seilbronner in der her weder in der Sowjetunion noch in anderen Län- einen„ Bericht" an seine Eltern, daß er wahrſcheinerschöpft, ſonſt aber wohlauf. Am Samstag hat- letzten Zeit in ſehr gedrückter Stimmung gewesen sei. dern gefunden wurden. Mit diesen Werkzeugen konnte lich zu Ostern nicht verſetzt werden könne, da ſeine ten sie unweit ihres Zieles, der Oase Baharija, man nicht nur die größten Mammut- und Nashorn- Leistungen auf turnerischem Gebiet schlecht seien und fnochen zerschlagen, sondern auch große Bäume er außerdem feige sei, was sich an der Tatsache zeige, daß er noch immer nicht schwimmen könne! 15719 Für die Advokaten hat es sich gelohnt. Die Frau des hingerichteten Bruno Hauptmann erklärte, sie habe den Advokaten und den verschiedenen mit der Untersuchung im Prozesse ihres Mannes betrauten Organen 40.000 Dollar, welche durch Sammlungen unter den Deutschen Ameritas aufgebracht wurden, gezahlt. Frau Hauptmann wird sich nun mehr nach Deutschland begegen, um dort einige Pribatangelegenheiten zu ordnen und hierauf nach New Yorf zurückkehren, wo sie neuerdings versuchen wird, in das Rätsel, welches die Entführung und die Ermordung des Lindbergh- Kindes umgibt, Licht zu fällen. Den Kindern der Arbeitslosen und Kinderrei Die Bäcker gegen Abmagerungsturen. Die Budapester Bäckerinnung hat an den Ackerbaumini chen in Elsterberg im Vogtland ist vom Winterhilfsster Daranyi ein Protestschreiben gegen die Abmagerungspropaganda gerichtet. In diesem Schreiwert eine aufreizende„ Weihnachtsbescherung" zuteil ben machen die Bäcker die Abmagerungsfuren für geworden. Die Kinder mußten in einem Hotelſaal den Niedergang des Gewerbes verantwortlich, denn antreten, dann erhielten sie ihr Weihnachtsgeschenk, viele Schönheitsspezialisten" verbieten den Genuß und zwar jedes Kind für zehn Pfennig Schokolade von Brot und Mehlspeisen, ohne die Oeffentlichkeit und einen Apfel. Nichts weiter! Seit dieſer Begebührend darauf hinzuweisen, daß das übermäßige ſcherung heißt nun WHW im Munde der HungernDickwerden gewöhnlich eine Folge von Sekretionsden: Wir hungern weiter! Kuraufenthalte für Unbemittelte. Das Mini- störungen, nicht aber von Backwarengenuß sei. Der sterium für öffentliches Gesundheitswesen sandte Ackerbauminister hat es vorgezogen, sich nicht selbst dem Landesamte in Brünn 15 Anweisungen für ver- zu der Frage zu äußern, sondern die Protestnote an billigte Kuren in den Heilanstalten Pro Patria" seinen Kollegen vom Handelsministerium weiterzuund ,, Pro Labore" im Bad Pieštany. Hievon berech- reichen. tigen 12 Anweisungen zum Kurgebrauch und Logis für ein Tagespauschale von Kč 46.- pro Person bringen. " 500.000 Flüsse in der SSSR. Nach einer und drei Anweisungen für ein Tagespauschal von Meldung der„ Leningradskaja Pravda" vom 9. April Kč 35.50. Den Patienten, die sich nicht für eine Bau- wurde die Zentralverwaltung des hydrometeorologiDer Flieger Udet wird 40 Jahre alt. schaltur entschließen, beiwilligt die Badedireftion in schen Dienstes seinerzeit beauftragt, den WasserkataDer berühmte deutsche Flieger Ernst Udet begeht am Pieštany auf diese Anweisungen einen 50prozen- fter des Landes zusammenzustellen. Die Arbeiten 26. April seinen 40. Geburtstag. Uder ist bekanntlich tigen Nachlaß vom Preise der Prozeduren. Die An- dauern bereits fünf Jahre und stehen nunmehr vor am 30. Juni 1934 um haaresbreite den weisungen sind ausschließlich für unbemittelte Per- der Vollendung. Nach den Erhebungen gibt es in Kugeln der Kameraden Mörder sonen bestimmt, welche keiner Krankenversicherung der SSSR 500.000 Flüsse mit einer Gesamtlänge entrangen. Er entkam während der Megelei in unterliegen. Ansuchen um Gewährung der verbillig- von fünf Millionen Kilometer und ungefähr 130.000 Mün hen aus dem Saal, in dem gezecht und gemor- ten Sturen belegt mit einem amtsärztlichen Zeugnis det wurde, und lief gerade dem Führer" in die und einem Mittellosigkeitszeugnis, sind von den im Hände, den er wütend anschrie. Das rettete ihn. Hit- Lande Mähren- Schlesien wohnhaften Bewerbern ler erschrat und ließ den Flieger enikommen. beim Landesamt in Brünn einzubringen. V Seen. Vorübergehende Erwärmung in Aussicht. Die Kaltluftmassen, welche sich seit einigen Tagen über den Nordwesten des Festlandes angesammelt hatten, Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen: Samstag Prag, Sender L.: 6.15: Gymnastik. 10.05: Deutsche Preise 11.30: Schallplatten. 12.10: Operngefänge. 15.00: Schallplattenkonzert. 17.55: Deutiche Sendung: Multerer: Die Höriber Passionssviele. 18.10: Sutermeister: Jorinde und Fringel, Märchenoper. 18.45: Deutsche Breſſe. 19.15: Militärfonzert. 22.30: Dvorify und seine Melody Boy3.- Gender G.: 7.30: Leichte Musif. 14.10: Deutsche Sendung: Nordische Volkslieder. 14.40: Stomma: Stulturrelief. 14.50: Deutsche Preise. 18.00: Schallplattentonzert. Brünn: 12.35: Mittagskonzert. 17.40: Deutsche 20.00: Wenn ich ein Sönig wäre, Oper von Adam. Sendung: Romantisches Rundfunkspiel. Preßburg: Mähr.- Ostrau; 16.05: Tanzmusif. 18.00: Schrammelfonzert, SK.L7 Freitag, S4. April 1838 Aus der Arbelter-Iurn- und Sportbewegung Atus V. Kreis— FuBball Sportergebniffe der 1. Klaffe(Meisterschaft): Wannow gegen Aussig-Nord 0:6, Nestersitz gegen Schönpriesen 2:0, Kleische gegen Ullgersdorf 3:2, Krochwitz gegen Predlitz 6:0, Türmitz gegen Schönfeld 3:1. Spielrrsperren. Verein Nestersitz: Spieler Do- berauer Ernst, Paß 220, Sperre bis auf weiteres. Verein Ullgersdorf: Spieler Meindel, Patz Nr. 154, vier Wochen Sperre vom 25. April bis 23. Mai 1036. Verein Kleische: Spieler Kügler, Pah Nr. 83, acht Tage Sperre vom 25. April bis 2. Mai 1036. Da Samstag, den 25. April, in Aussig der Kreisspielausschutz tagt, werden die Bezirke 6, 0 und 10 zum letztenmal aufgefordert, das Adressenmaterial bis dorthin express einsenden zu wollen, sonst Strafe. Abrechnungen sind Genossen Spitz mit zu übermitteln, inbegriffen die bereits eingezahlten Beträge der Solidaritätsaktion aller Bezirke, da ein Bericht erstattet werden muh. » Die Kreisspielleitung beruft für Samstag, den 25. A p r i l, abends 6 Uhr, in Aussig, Volkshaus, ihre fällig« KreiSspielauSschußfitzung«in. Die Genossen werden ersucht, ihre Abfahrtszeit so einzurichten, datz pünktlich begonnen werden kann, da reichhaltiges Material der Erledigung zugeführt werden muh. Die Kreisleitung. Französischer Wirtschaftsplan „T«r französische Plan"(Le Plan Fran- rais) ist der Titel eines im Verlag Fasquelle Editeurs, Paris, erschienenen Buches des gegen- wärftgen Luftfahrtministers Marcel D e a t. Der Grundgedanke dieses Planes ist, daß jeder Volksschichte eine möglichst höheKaufkraft verbürgt werden müsse, wenn die Krise dauernd überwunden werden soll. Ein großer Teil des Buches gilt dem Nachweis, daß eine solche Verteilung der Kaufkraft im jetzigen Wirtschaftssystem nicht vorhanden ist. Die positiven Vorschläge des Deat-Plans sind ziemlich allgemein gehalten und lehnen sich an den„Plauder Arbeit" des französischen Gewerkschaftsbundes an. Deat will die Wirtschaft vor allem von der Seite des Preises anpacken; diese sollen durch staatlichen Einfluß für jede Volksschichte den Fortschritten der Produktionstechnik angepaßt werden. Im einzelnen wird ein Wirtschaftsdirckktorium mit weitgehenden Vollmachten und Abteilungen für Preisregulie^ung, Außenhandel, Arbeitsverhältnisse, Kreditkontrolle ustv. verlangt, ferner große öffentliche Arbeiten« Verstaatlichung der Zuckerindustrie In Großbritannien? Das Landwirtschaftsmiuisterium hat einen neuen Entwurf über die Reorganisation der Zuckerindustrie ausgearbeitet und dem Parlament bereits vorgelegt. Nach dieser Gesetzvorlage soll eine staatliche Zuckerkommission gegründet werden, die mit der Ueber- wachung des Zuckerrübenanbaues, der Rohzucker- und Raffinade-Herstellung sowie des Verkaufs und Verbrauchs von Zucker beauftragt ist. Der Ankauf von Zuckerrüben sowie die gesamte Erzeugung und der Absatz von Rohzucker wird einem neuen gemeinwirtschaftlichen Unternehmen übertragen. Sie arbeitet mit einem Kapital von insgesamt 6 Millionen Pfund und erhält vom Schatzamt die bisher an die einzelnen Fabriken ausgezahlten Subsidien nunmehr in Form eines Zuschusses für die Erzeugung von jährlich 560.000 Tonnen Weißzucker. Die Umstellung der britischen Rübenzuckerwirtschaft von der freien Privatwirtschaft, bemerkt richtig die„Frankfurter Zeitung", über eine sub- sidierte Privatwirtschaft auf ein gemeinwirt- schaftliches Unternehmen mft starkem staatlichen Einfluß zeigt die Aenderung in der Wirtschaftsauffassung der britischen Oeffentlichkeit in den letzten Jahren. Ob diese Umstellung auch auf die Einstellung des Staates zu anderen nichtagrarischen Industrien Bedeutung gewinnt, bleibt abzuwarten. Hundert Jahre tschechische Lyrik Das tragische Schicksal K. H. Madras Das tschechische Volk hat gestern einen Gedenktag begangen, der es mit Stolz erfüllen kann, der aber auch einer tiefen Tragik nicht entbehrt. Am 23. April 1836 erschien in Prag das lyrische Werk eines jungen Studenten, der sich dadurch mit ehernem Griffel in die Geschichte der tschechischen Literatur einschrieb, am 5. November 1836 starb der 26jährige Dichter, den Kopf Volker Entwürfe— ein unerhörter Verlust für sein Volk und dessen junge Dichtung. Ein Leben, das fast nur Tragik kannte, erlosch, ein Merssch starb, dem nur wenig Glück in seiner Erdenlausbahn beschieden war. Als Sohn eines Müllergehilfen 1810 in Prag geboren, blieb ersein Leben lang ein Proletarier. Schwer schlug er sich durchs Leben und die Kosten für die Drucklegung seines Werkes mutzte er schwer ausbringen. Mächa be- Verwirrung (AP.) Die Lage in Spanien spitzt sich rasch zu. Nach dem Sturz des Präsidenten Zamora, der es sich stets zur Aufgabe gesetzt hatte, auszugkei- chen, der aber nachher von allen Setten angefeindet wurde, ist die Situation nur noch komplizierter geworden. Man muß berücksichtigen, daß die Linke, die ja keineswegs die Mehrheit der Stimmen erhielt und die Mehrheft der Mandate nur durch den Wahlmodus erlangte, nur Wer eine Majorität von 70—80 Sitzen verfügt. Azana, der Ministerpräsident, verfügt über wenig Rückhalt, da ein Teil der Volksfront ihn bereits bekämpft— das kommunistische Organ„Mundo Obrero" forderte bereits den Rücktritt der Regierung—, während die Rechte ihn ohnedies bekämpft. Lediglich die Tatsache, daß die Rechte nach dem Wahlmißerfolg recht kopflos ist und daß unter ihren Führern starke Meinungsverschiedenheiten entstanden sind, ist der Grund, daß die Rechte diese Situafton noch nicht viel stärker ausgenutzt hat. Dieselbe Zerfährenheit zeigt sich aber auch im Lager der Linken. In der sozialistischen Partei kämpfen drei Gruppen um die Macht, die von B e st e i r o geführten Rechten, das von Jnda- lecio P r i e t o, einem Freunde Azanas und Gonzalez P e n a geleitete Zentrum, die Linke unter Largo Caballero und dem Madrider Abgeordneten und ehemaligen Moskauer Botschafter Alvarez del B a y o. Der Hauptkampf in der In Spanien Partei geht zwischen der Mitte und der Linken. Dabei ist eine Spaltung nicht ausgeschlossen, in welchem Falle Prieto und sein Anhang in eine Koalition mit den Linksrepublikanern eintteten dürften. Angesichts der gespannten Lage spricht man auch von der Möglichkeit einer Umbildung der Regierung. Bei einem Bruch Azanas mft der Volksfront, insbesondere mit den Sozialisten, würde Azana Anschluß an die Gruppe von San- chez Roman suchen. Als kommenden Innenminister nennt man Quiroga, der 1932 den Aufstand in Andalusien unterdrückte und als Gegner der Volksfront gilt. Die anarchistischen Gewaltakte haben zur Folge, daß die Emigration andauert. In Portugal, Gibraltar und an der ftanzösischen Grenze sind die Gasthäuser mit Spaniern überfüllt, die zunächst einmal die wettere Entwicklung abwarten wollen. Die Gewalttätigkeiten gehen jedoch nicht nur von linksradikaler Seite aus, sondern haben ihr Gegenstück in Gewaltakten der Rechtsradikalen, wie die Ermordung des früheren Ministers Martinez und des sozialistischen Prcsessors Asua sowie der Anschlag auf Caballero bewiesen. Gegen die faschistischen Verbände geht die Regierung jedoch mit der gleichen Energie wie gegen die anarchistischen Tendenzen vor. Todesurteil In 3Kln I i L i n. Den letzten Fall der.Frühjahrs-, tagung des Jiäiner Schwurgerichtes bildet die Angelegenheit des Karl Hräfkh aus Brnätrckä Das Wahlprogramm der französischen Sozialisten (R. F.) Das eigene Programm, womit die Sozialisttsche Partei Frankreichs den Wahlkampf führt— ein eigenes Programm, insoweit cs Wer die gemeinsamen Forderungen der Volksfrontparteien hinausgeht■— setzt sich aus folgenden Punkten zusammen: In innerpolitischer Beziehung fordert es— nachdem der Punkt, der die Auflösung der faschistischen Ligen anbettifst, bereits verwirklicht worden ist— vor allem das Frauenstimmrecht, die Kontrolle der finanziellen Beeinflussung der Presse, die Verstaatlichung der Notenbank, der Versicherungsgesellschaften, der Kreditinstitute und der m o n o p o l i- fierten Industriezweige. In sozialpolitischer Hinsicht werden gefordert: Verkürzung der Arbeitszeit ohne Beeinttächtigung der Löhne, bezahlte Ferien, eine soziale Wohnbaupolitik, Verlängerung der Schulpflicht und Verbot jeglicher Kinderarbeit.bis zum 15. Lebensjahr. Zur Lösung der Landwirtschaftskrise werden gefordert:-Staatsnsonopöl-für den Berkaus von Weizen, Wein, Fleisch, Milchprodukten, Waldholz und Kunstdünger. Ferner Errichtung von landwirtschaftlichen Distributions- genoffenschaften, Revision der Rechtsgesetzgebung, Umgestaltung des Moratoriums der bäuerlichen Schulden, sowie Pflichtversicherung gegen Naturschäden, die ein Teil der allgemeinen Sozialversicherung aller arbeitenden Schichten werden soll. Weitere wirtschaftspolitische Programmpunkte sind: Reform des Steuersystems durch Einführung dreier Steuerkategorien: 1. einer progressiven Einkommensteuer, die je nach der Herkunft des Einkommens(Arbeit oder Kapitalrente) verschieden angesetzt werden soll; 2. einer scharf progressiven Erbschaftssteuer und 3. einiger allgemeiner Steuerarten, die so veranlagt werden müssen, daß sie die Produktion und den Konsum nicht kennen. Insbesondere sollen keine indirekten Steuern auf notwendig« Bedarfsgüter fallen und kinderreichen Familien sollen Erleichterungen gewährt werden. Bei dec Verstaatlichung der Banken, Versicherungsgesellschaften und monopolisierten Industriezweige(worunter namentlich der Bergbau, die großen Eisen-, Chemie- und Zuckerunternehmungen, das Transportwesen und die Petroleum- einfuhr aufgezählt werden) sind die kleinen Attionäre durch Obligationen oder Leibrenten zu entschädigen. ^Jn außenpolitischer Beziehung wird die Erhaltung des Friedens vorangestellt. Insbesondere werden verlangt: loyale Durchführung alles Besttmmungen des Völkerbundpaktes, Initiative Frankreichs für die Wiederaufnahme der Abrüstungskonferenz, internationale Enden süchte eine deutsche Schule und seine ersten Verse waren deutsch. Schon darin kommt die Melancholie, die Gedrücktheit des Wesens, die ihn bis ans frühe Ende erfüllte, zum Ausdruck. V0m Weltschmerz Goethes in seinem„Weither" Wer Byron führt ein gerader Weg zu Mächa. Ihn freute nur,„wenn in finstrer Kluft die Eule heult zum düsteren Grabgesange, dann ist mir so wohl und auch so bange.— Dann bringen Grüfte mir selbst Rosendust... Aus mir allein mir nur ein Himmel lacht. Und trotzdem dir, o du furchtbare Macht, bin ich meines eigneu Gottes Trümmer." Später dichtete er in tschechischer Sprache, als Fünfundzwanzigjähriger vollendete er einen Roman„Die Zigeuner"— die Zensur ließ die Veröffentlichung nicht zu. Am 23. April 1886 erschien dann der Gedichtband„Mäj", der ihn unsterblich machen sollte. Im Geist der Zeit ist dieses Buch von RäWerromantft erfüllt, die düstere Naturschilderung erinnert an den deutschen Dichter Lenau. In wunderbarer, bisher in tschechischer Sprache nie gekannter Melodik, flössen die Verse dahin. Es war nun das Tieftraurige für tion über ein Verbot der privaten Waffenfabrikation, auf jeden Fall sofortige Verstaatlichung der französischen Rüstungsindustrie), Führung der gesamten Außenpolitik im Geiste des Völkerbundpaktes und der Unteilbarkeit des Friedens, engste Verbindung der B eistands- -vertrage mit dem Völkerbundpakt und Verbesserung der dort vorgesehenen Pro- zedurfürdiefriedlicheRevisionder Friedensver träge. Dieses Programm der französischen Sozialisten darf für sich in Anspruch nehmen» unter allen Wahlprogrammen— mit Einschluß desjenigen der Kommunisten—. das weitestgehende und am besten durchdachte zu sein. Madrid. Ministerpräsident Azana erklärte einer Delegation der Linksfrontparteien gegenüber, deren Angebot anzunehmen, um als der einzige Ber- tteter der Linken auf das Amt des Präsidenten der Republik zu kandidieren. Nazi-Humor an Führers Geburtstag „Am Abend des Geburtstages des Führers veranstaltete die Wachtruppe Berlin einen Bierabend, bei dem auch zum ersten Male der„ferngesteuerte Sttomlinien-Jnfanterist" öffentlich vorgeführt wurde. Dieser Soldat der Zukunft erntete S t St mederHeiterkeit." (Scherl-Bilderdienst-M) den Dichter, daß ihn kaum jemand verstand und ihn die Kritft, auch die seines eigenen Volkes, arg herabsetzte. Dazu kam noch ein unglückliches LiÄbeserlebnis, das den düsteren Geist noch trauriger stimmte. Im Sommer 1836 fand ec eine magere Stelle in Leitmeritz, er rüstete sich gerade zur Heirat» um sein Kind zu legitimieren-— da starb er nach kurzer schwerer Krankheit am 5. November 1836, an sich selbst und seinem dichterischen Ingenium zweifelnd. Erst die folgende Generation hat ihn erkannt, sein„Mäj" erlebte bis heute hundert Ausgaben, die Dichtung wurde in mehrere Sprachen, darunter auch ins Deutsche übersetzt. In den schönen Anlagen am Laurenziberg, von wo man einen wundervollen Ausblick Wer das hunderttürmige Prag hat, steht sein Denkmal, es stellt den Dichter in strahlender Jugend dar, einen Blumen- strauß in der Hand. Mit Goethe kann man von ihm sagen, datz die Nachwelt ihm ganz gegeben hat, was ihm das Leben nur halb— und wohl nicht einmal das— erteilt hat. Emil Strauß. 1 Brutire, in der heute das Urteil gefällt, wurde. Da die Goschworenen alle Schuldfragen bejahten» wurde der 26 Jahre alte lairdwirtschaftliche Arbeiter Karl Hräfkh, der wegen des Verbrechens des gemeinen Mordes angeklagt war, zum Tode durch den Strang verurteilt. Im Herbst v. I. fuhr Karl Hräfkh gemeinsam mit Josef P o u p a mit dem Rad nach Kopidlno, um aus dem Einsatzteich des dorttgen Grotzgrund- 1 besitzes Fische zu stehlen. Poupa ging aufs Kartoffelfeld, um Fischerzeug zu holen, wurde aber dort' von dem Fischmeister Josef Jindra und dem 21jährj>- gen Franz F r a j m a n, dem Sohn des zweiten Fischmeisters, ertappt und gefangen. Als Hräsktz dies sah, ergriff er auf dem Rade die Flucht. Der junge Frajman setzte Hräfkh nach, doch gab dieser äüs einer Entfernung von vier bis fiinf Schritten einen Schutz auf Frajman ab. Obwohl Frajman gettoffen wär,• verfolgte er Hräfkh noch einige Schritte, bis er, von einer zweüen Kugel Hräskhs getroffen, zu Boden sank. Hräfkh entftoh hierauf. Frajman. starb im Miner Krankenhaus an einem schweren Bauchschuß. Die Gendarmerie fahndete nach Hräflh, aber, erst em Zufall führte zu seiner Verhaftung. In Bonn, sn Deutschland meldete.Ich. ein. Franz. Prochäska wjx_, Geld zur Heimreise. Die tschechoslowakische Vertrc-I lungsbehörde schöpfte den Verdacht, dass es sich-um• den gesuchten Hräfkh handle und ordnete die notwendiges Schritte an. Hrästh wurde an die Tschechoslo- wakei ausgeliefert.> Er bestritt in der Verhandlung, datz er- Frajman töten Wollte. Aber er ist ein ausgezeichneter Schütze und Zeugen hörten, daß er Frajman mit' Erschießen drohte. Außer dem Mord hat er noch drei. Diebstähle auf dem Gewissen. Den Vorsitz bei der Schwurgerichtsverhandlung. führte Gerichtsrat Dr. A u g u st t n, di« Anklage vertrat Dr. Andres, den Angeklagten vertri-- digte Gerichtsrat Dr. S l ä d e k. Schwere Strafen wegen Ausschreitungen In der Wahlkampagne Prag. In. den gestrigen Nachmittagsstunden Wurde der am Mittwoch begonnene Prozeß gegen die sieben Kommunisten zu Ende geführt, die wegen Hausfriedensbruches vor dem Strafsenat Kaplan angeklagt waren. Wie bereits berichtet, handelt es sich um das Nachspiel zu einer verkrachten Wählerversammlung der„Nationalen Einigung" in der Ortschaft Libus, das darin bestand, daß die zu dieser Versammlung erschienenen-Kommunisten ihren naftonalistischen Gegnern in die Nachbarschaft Lhotke folgten und in ein Gasthaus eindrangen, in welchem sich diese häuslich niedergelassen hatten, wobei es zu Zusammenstößen kam. Die Untersuchung endete damit,.daß sieben Kommunisten: vor?Gericht gestellt wurden. In dem ungemein ausgedehnten und langwierigen Beweisverfahren kamen zahlreiche Zeugen zur Vernähme, Ulster denen die von der Anklage geführten Belastungszeugen beträchtlich.über- wogcn. Angesichts der blutrünstigen Schilderungen der naftonalistischen Presse,, die hiesen Prozeß in ihrer Weise ausschrotet, sucht man sich unwillkürlich zu Vergleichen mit. anderen.Prozessen. solcher Art veranlaßt, bei denen, rechtsradikale Rgdaühelden vor Gericht standen..Zum..Beispiel, die Verhandlung, welche jene tragische Versammlungauf der Slawischen Insel betraf, bei der unser tschechischer Jugendgenosse ZahradnkLek dest Tod fand?-Damals bagatellisierte eben diese Presse, diesich'hestte an Entrüstung nicht genug tun kann, einen weit krasseren Fall, der übrigens mft zehn Freisprüchen„mangels Beweisen" und einer gelinden Verurteilung schloß..' Der vorliegende Prozeß endete mit sechs— durchwegs unbedingten— Verurteilungen und einem Freispruch, nämlich hinsichtlich des Angeklagten Zelenka. Die Strafen für die Verurteilten lauteten: für Stadtrat Dr. Varel und" Karl Markhtän auf je acht Monäte, für Wenzel Vanek auf zehn Monate und für Adölf T r ä k a, Karl F i x o n und Anna Z i m m e r- Hansl auf je fünf Monate schweren Kerkers. Außerdem wurde bei sämtlichen Angeklagten der Verlust des Gemeindewahlrechte.s ausgesprochen, so daß der Erstangeklagte Dr. Wenzel Vacek seines Stadttatmandates verlustig geben, würde, falls das Urteil von der obersten Instanz bestätigt werden sollte. rb. Seite 6 Sozialdemokrat" liche Finder vielleicht auch alle anderen Gegenstände, Lungen hatten, sind mit einigen Bildern vertreten; ..gefunden" haben tönnte; sie ließ ihn daher durch den die Landschaft Sterharts bleibt hinter dem Eindruc Kellner verfolgen, der ihn am Wengelsplatz einem feiner Ausstellung zurück. Von Vilma Vrbová Die SUPER- SPORT- Fahrräder allen voran Bolizisten übergab. Der Finder" entpuppte sich als fesselt ein Bild„ Schwestern", das an Paula Moderbon der bekannte 39jährige Dieb Jaroslav Volšička john- Becker denten läßt. Eine Landschaft Tauaus Wołowik; sämtliche vermißten Gegenstände wetter" von Miloslav Ségr, der Hof" von wurden bei ihm gefunden, doch blieb er dabei, fie Cyprian Majernit, die Heuschober" bloß gefunden zu haben. Volšička, der steis ähnliche Grigorii Musatov, die Jäterinnen" von Streiche zu vollführen pflegt, stiehlt auch häufig František Ropet, die Zeichnungen MrtHunde, denen er die Marke abreißt und sie nach drei vička s zur ,, Ballade von Karlin" und in gewisser Tagen als gefunden" zurückbringt, wobei er Fin- Auswahl die frischen Aquarelle von Marie derlohn verlangt. Vořechová Vejvodová wären ferner aus Id. der Fülle zu nennen. Zwölf Schüsse. Vorgestern erschien ein gewisser 15. auf dem Nujler Bolizeikommissariat, um gegen Typ Cord" für Kč 52¹ Kunst und Wissen Ausstellung der Umělecká Beseda M einen gewissen S., der ihm mit Bauch auffchli= Erna Sack, die gegenwärtig beliebteste und ge= zen gedroht hatte, die Anzeige wegen gefährlicher feiertite deutsche So I oraturjängerin, die Drohung zu erstatten. Als er nach Hause zurück- bald das Prädikat einer deutschen Nachtigall" ergekehrt war, hörte er ein heftiges Gepolter an der warb, gab gestern in der Form des üblichen Arienund Lieder abends ihr erstes Prager Konzert. monatlich bei 12 Monatsraten ohne Anzah- Haustür, ergriff den Revolver und feuerte, im Glaulung. Gegen bar Kč 590-. Es ist verläss- ben, daß ihm der Bauchaufschlizer schon auf den fer- Der Nachtigallen- Titel gebührt Erna Sad nur im lich und stabil, bietet Fahrsicherheit und ien iei, aufs Geratewohl zwölf Schüsse aus dem fen- artistischen Sinne; denn nicht nur die Technik ihrer garantiert Zufriedenheit. Rücktrittnabe iter ins Dunkel ab. Hiebei wurde ein Bassant leicht kunst der Staccati, Triller und des Passagenwerkes Orig. ,, Torpedo". Zugehör: Schlüssel, berlebt. ist wirklich außerordentlich, sondern auch die Stimme Luftpumpe und Glocke. Für jedes selbst phänomenal in dem fast unbegrenzten Umfang Fahrrad garantieren wir zwei Jahre. bis zur drei und viergestrichenen Ottave. Aber der Bei Versand wird Fracht, Verpackung und Umsatzste r Nachtigallen- Titel gebührt der Künstlerin nicht im nicht berechnet. Besuchen Sie uns oder verlangen Sie gesangsästhetischen und musikalischen Sinne. Gerade unsere reichhaltige illustr. Preisliste mit einer grossen ihre Koloraturen sind mitunter merkwürdiger Weise Auswahl schöner Qualitätsräder gratis und franko. intonationsunrein und mit der Korrektheit der musi Die grössten Warenhäuser talischen Interpretation nimmt sie es nicht immer genau genug. Daß ihrer Simme auch die eigentliche innere Befeltheit fehlt, lehrten ihre Liedervorträge von Schumann, Marr, Grieg und Reger, die zwar höchste Vortragskultur und eine ganz unnachahmliche Kunst des Piano offenbarien( darnach war auch die Wahl der Lieder getroffen worden), aber nicht als zu Herzen gehendes inneres Vortragserlebnis wirkten. Unerhörtes Können zeigte die Sängerin dagegen in der Atemökonomie. Ihren Haupterfolg hatte sie naturgemäß mit den kolorierten Opernarien und dem Frühlingsstimmen- Walzer von Strauß, da diese Vortragsstücke die Bravour und brillante Art ihres Kunstgesanges im hellsten Lichte zeigten. An Charles Cerné hatte die Künstlerin einen ebenso technisch blendenden wie musikalisch sicheren Begleiter E. I. Flügel. BROUK BABKA AKTIENGESELLSCHAFT PRAG VII., Belcrediho 622 BRÜNN- MÄHR. OSTRAU Trager Zeitung Tropfbierjäger fann man es Unter den dreißig Malern der Umělecká Bejeda, die gegenwärtig im Repräsentationshaus ausstellen, beherrscht Josef Capet einen halben Eaal. Ueber zwanzig Bilder von ihm hängen da, - PILSEN- BUDWEIS auf den ersten Blick ein sprühendes Feuerwerk von Farben, hinter dem sich bei näherer Betrachtung eine dem Realen entrückte Welt der Erscheinungen auf tut, um vieles stiller, Thrischer, als es das bunte Farbenspiel erwarten läßt. Es sind gemalte Märchen, in denen die Gestalten sich zum Begriff ihrer Bedeutung vereinfachen und ein poetischer Gehalt sich in den Farben ausspricht. Jäger im Wald: der Wald verwandelt sich in ein Zickzackgewirr von Grün und die dahinschreitenden Jäger werden zur Ers scheinung, zum Bestandteil der Vorstellung ,, Wald"; das Tiefe, Grüne, Rauschende, Verhüllte, Geheim Zu den sonderbaren Typen, denen man in den nisvolle des Waldes ist darin ausgedrückt. Es scheint Gasthäusern der Peripherie begegnet, gehören jene einfach und es ist doch gar nicht einfach, es in eine Gäſte, denen im Sinne feineswegs nach einem„ fri so knappe formel zu fassen. Oder das überirdische schen Trunk" steht, sondern die sich im Gegenteil mit Glizern des Sternenhimmels dem denkbar unappetitlichsten„ Tropfen" begnügen. staunender empfinden als die kleine schwärmende GeNeben den gewohnheitsmäßigen Konsumenten von stalt vor der Hütte mit dem gelben Lampenlicht in Brennspiritus( genannt Sanctusáci") sind den Fenstern, das einen riesigen Nachtfalter anlockt? diese Tropfbierjäger die erbärmlichsten alkoholischen Wie geheimnisvoll ist das lautlose Sinten, Wirbelnde, Entartungstypen. Größtenteils sind es offenkundig Verschleiernde des Flockenfalls in dem Bilde Minderwertige, professionelle Landstreicher und chro- Schneegestöber" empfunden. Wie duftet die violetts nisch arbeitsscheue Leute, deren Lebensansprüche mit braune Erde in dem Bilde ,, Jäger am Abend". Wie einer Bettelfuppe, einem Nachtlager im Strohschober fern der gewichtigen Welt der Erwachsenen ist das und einigen aufgelesenen Zigarettenstummelin befrie- Sind in der Schwarzen Gruppe", losgelöst von ihr digt sind und denen ein Schluck der widerwärtigen auch durch das Blau des Kleidchens. Welche kleine Brühe, die sich in den unter der Schenkpipe aufge- Hilfsbedürftigkeit spricht aus dem Kranken Kinde" stellten Gläsern sammelt, als Gipfel irdischer Ge- neben der Krankenschwester, die das Betreuende, Gütig- Strenge, Ehrfurchtgebietende, Beklemmend Fremde verkörpert, wie es dem Kinde erscheinen mag. Ueberhaupt scheint vieles aus einer Anschauungsweli des Kindes gesehen, so wie auf einem Bilde spielende Kinder mit ihrem Spielzeug identisch werden und beinahe dessen Gestalt annehmen. Alles ist auf eine gewisse Art märchenhaft vereinfacht und betont zugleich; der Märchensinn liegt in der ganz und gar nicht wirklichen" Stimmung der Farben, im Sprühen fabelhafter Sonnen über bunten Traumland nüsse erscheint. Der Tropfbierjäger pflegt seine Stammlokale zu haben, in denen er sich pünktlich einfindet, um das für ihn aufbewahrte Tropfbier entgegenzuneh men. Man muß gesehen haben, mit welchem Be hagen diese allerelendesten unter den chronischen Alfobolifern ihr scheußliches Elirier in langen Zügen schlürfen. Zuweilen geschieht es noch, daß der Tropfbierjäger nach erfolgreicher Absolvierung einiger folcher Stationen bereits hinreichende Mengen konsu miert hat, um einstweilen feinen Durst mehr zu berspüren. Deshalb verschmäht er aber keinesfalls eine weitere Portion. Für solche Fälle pflegt er irgend ein Gefäß mit sich zu führen, eine alte Flasche, einen vérbeulten Topf oder gar eine blecherne Konserven büchse von Rollmöpsen oder sonstigen Fischkonserven, in denen er das Tropfbier„ heim" trägt, das heißt in sein Nachtlager in der Ziegelei oder im Strohschober, um sich vor dem Einschlafen noch den ersehnten Rausch zu verschaffen. Zuweilen geht dann ein folcher Strohschober in Flammen auf, in Brand gesteckt von der Zigarettenglut eines solchen sinnlos Berauschten und in der Asche findet man dann die Reste verschiedener berbrannter Menschen Schlafgänger im Hotel Strohschober", wie der Jargonausdruc lautet, nach denen niemand fragt. rb. schaften. Reben Čapek wirkt der doch gar nicht einfache Františef Tichý, beinahe einfach, nadelscharf und flar. Seine Wahrsagerin" ist ein recht feiselndes Bild. Josef Šim a malt seltsame, schwer deutbare, gleichsam versunkene Welten in düsteren blau- grün- schwarzen Stimmungen. Vlastimil Ra da hüllt seine Vorfrühlings- und Winterlandschaften aus der Umgebung Prags in weiche Farbendünste, in denen alles Gegenständliche sich fast förperlos auflöst. Selle, weiträumige, heiterfarbige, sehr delikat gemalte Landschaften stellt Vojtěch Sedláčef aus. Bauernfreund, Ne meš, Kerhart, die erst fürzlich eigene AusstelDer Totengräber Eine Zagreber Geschichte mitgeteilt von Manfred Amon Vors Auto geworfen. Die 25jährige Erzieherin Gertrud Mann aus Prag XII warf sich vorgestern abends in selbstmörderischer Absicht vor das Auto An dem Tage, an dem Betars Braut die -12.617 des Chauffeurs Wenzel Nováček aus Nhřineves und wurde von ihm überfahren. Mit einem Hochzeitskrone trug, beschloß Stevo, auch zu heiraBruch des Rückgrates wurde sie auf die Klinik Jirá- ten. Stevo war der Totengräber von Zagreb. Diese jet gebracht, wo sie als Motiv der Tat ein Zerwürf- Stadt ist schön, man nimmt dort nicht gern vom nis mit ihrem Geliebten angab. Leben Abschied. Aber die Totengräber hängen Zwei schwere Arbeitsunfälle. Der 28jährige Ar- nicht vom Wollen derer ab, für die sie da sind. Und beiter Franz fut chan aus Prag II fiel gestern so fonnte Stevo Brot verdienen für zwei genüg früh in Bantras, als er zwischen den Straßenbahn- fame Menschen und Wein für sich. Stevo tam aus geleisen arbeitete, von einem plöglichen Unwohlfein dem Dorfe und aus dem Dorfe wollte er sich eine befallen, topfüber in den Arbeitsschacht. Er erlitt eine schwere Gehirnerschütterung und wurde auf die Kli- Frau holen. nit Schloffer gebracht, wo er aus seiner Ohnmacht Als Stevo seinen Entschluß faßte, begannen noch nicht erwacht ist. Gestern mittags arbeiteten die Bäume zu blühen. Zwei Mädchen gefielen mehrere Arbeiter im Hofe des Altstädter Rathauses Stevo. Die schwarze, kräftige Marica und die an der Beseitigung einer Transformatorentrommel. blonde Ružica, mit dem Gesicht wie Milch und wobei der 39jährige Arbeiter Josef Diviš aus Ko- Blut. Marica war schön und Ružica war schön, die schirsch stürzte und einen Bruch des linken Fußes er- Freunde aber rieten Stevo, die kluge Witwe Anta lift. Er wurde auf die Klinik Schloffer gebracht. zu heiraten. Stevo lachte. Bisher", sagte er, Der Dieb holt sich Finderlohn. Vorgestern abends war mein Leben wie das eines Hungrigen, den machte ein Liebespärchen einen Ausflug in die Sárta. man mit Froschschenkeln zu sättigen versucht. Jezt wobei es sich trotz der schlechten Witterung auf den wird das anders sein. Ich will eine zur Frau, der Boden legte und mit seinem Mäntelchen bedeckte; der Belz des Mädchen sowie ihre Tasche mit Paß. Doku- noch die Mädchenzöpfe über die Schultern hängen. menten, filberner Buderdose und Geldtäschchen lagen Anfa trägt das Haar schon lange aufgesteckt. Die Bäume blühten noch, als Stevo mit Mas daneben. Als ihnen fühl tourde und sie sich erhoben, merkten sie, die ganz versunken gewesen waren, daß rica sprach. Aber Marica wollte nicht, Marica all diese Dinge fehlten; sie fanden sich jedoch damit sagte nein. Marica wollte nicht die Frau eines Toab und gingen nach Hause. Da erschien beim Mäd- tengräbers sein. Als Stevo nach Hause tam, stan chen, die die Tochter eines Gasthausbesizers ist, am den die Sterne am Himmel. Am nächsten Tage nächsten Tag ein Mann mit ihren Dokumenten, die gab man ihm ein Kind zu begraben. er behauptete, am Wege, wo sie jemand weggeworfen hätte, gefunden zu haben und verlangte Finderlohn. " am Einmaliges Gastspiel des Theaters in der Josefstadt:„ Nathan der Weise mit Bassermann. ( Abonnement aufgehoben.) Dienstag, den 28. April. Gewöhnliche Preise! ,, Mona Lisa" von Schillings, neueinstudiert, mit Bauly, Fischer, Scheidl. Dirigent: Széll. Regie: Schlenker.( B 2.) Freitag, 24. April 1936. Nr. 97 Paulette Goddard, Charlie Chaplins neue Partnerin. Vereinsnachrichten Falken, Achtung! Samstag, den 25. d., alle Heime im Parteiheim, 16 Uhr. Sonntag Treffwanderung nach Roztok in die Baumblüte. Treffpunkt: Rot- Falken und Jungfalfen um 8 Uhr bei der Endstation der 6er Linie im Baumgarten; Nestfallen um 9.30 Uhr bei der Endstation der Ter Linie in Podbaba. Bringt eure Freunde mit! ATUS PRAG Leichtathletik. Das erste FrühjahrsMeeting am Sonntag, den 26. April, um 9 Uhr vormittags. Mit Rücksicht auf das Bundesfest ist eine besondere Vorbereitung notwendig und daher moralische Pflicht jedes Athleten, an den Veranstaltungen Morgen Uraufführung ,, Salzburg ausverkauft" in der Kleinen Bühne, Revue in 22 Bildern von Renato Mordo, Musik von Ivan Francis. In den Hauptrollen mitwirkend: Moncaji, Carpentier, Weiseih, Waern, Bardach, die Tänzerin Steinhardt. teilzunehmen. Die Meisterschaftskämpfe werden mit Dudek, Dörner, Costa, Stadtler, Brir etc. Regie: der DTJ bestritten. Anmeldungen zu den einzelMordo. An den Klavieren: Rieger, Süßkind. Bühnen Disziplinen werden vom Turnwart im Turnnenbilder: Schultes. Erite Wiederholung Dienstag. saal entgegengenommen. Es werden folgende WettSpielplan des Neuen Deutschen Theaters. fämpfe durchgeführt: 60 Meter, 800 Meter, Diss fus, Kugel, Weitsprung, Hochsprung und 4X100 Heute, Freitag, halb 8: Boccaccio, D1. Samstag halb 8: iebe nicht genügend, A 2. Meter. Sonntag halb 3: halb 8: Boccaccio, 2. Mordprozeß Folkner, Mitteilungen aus dem Publikum. Spielplan der Kleinen Bühne. Heute, Freitag. 8 Uhr: Dr. med. Hiob Prätorius. Das ist das Frühjahr: wie man sich anzieht, Theatergem. d. Kulturverb, u. freier Verkauf. macht man's falsch! Zieht man sich leicht an, friert's, Samstag halb 8: Salzburg ausverkauft, sieht man sich warm an, ist's heiß: auf jeden Fall Uraufführung. Sonntag 34: Ich und mein aber kriegt man einen Schnupfen, wenn man sich fleiner Bruder, 8: Unentschuldigte Stunde. Kinderfreunde Ortsgruppe Prag. Ausschußfißung Montag, den 28. April, 7 Uhr abends im Parteiheim. Wichtige Tagesordnung. Pünktlich kommen! nicht durch regelmäßige Einreibungen mit dem Alpa- Franzbranniwein abhärtet und schützt. AlpaEinreibungen regulieren den Blutkreislauf, härten den Körper ab und bannen die typische Frühlingsmüdigkeit! Alpa wird aus reinem Alkohol erzeugt! 4 Fallender Inder wird durch das Sinken der Kosten von lebenswichtigen Dingen herbeigeführt. Schuhwerk wird billiger durch Berson- Kontav Absätze, und Berson- Olma- Gummileder, weil es sehr geschont wird und viel länger hält. 86a Stevo wollte nicht mehr suchen, wie Anfa Milch und Blut. Aber auch Ružica wollte nicht. I der Bauer gräbt Leben in die Erde, du aber gräbst Auch Ružica jagte nein. Auch Ružica wollte nicht nur Totes ein." die Frau eines Totengräbers sein. Am Brunnensprach Stevo mit Ružica. Man kann im Brunnen auch am Tage die Sterne sehen. Der nüchterne Stevo betrant sich, betrant sich angesichts der Sonne, die hoch am Himmel stand. Am näch= sten Tage mußte er eine junge Frau begraben. ** ihm geraten hatte. Er mißtraute ihrer Klugheit. Ats Marica mich abwies, begrub ich ein Kind, nachdem Ružica mich fortschickte, begrub ich eine Frau. Nun da auch Anka mich nicht will, werde ich einen Mann begraben, dachte er. Und niemand wird weinen. Oder vielleicht werden Mas rica, Ružica und Anka doch ein Tränlein ver gießen? Der Herbst streute die Blätter der Bäume gelb und welt über die Wege der Menschen und Tiere. Die Leute sagten, es sei ein gutes Jahr geUnd Stevo, der Totengräber, der keine Frau wesen. Stevo ging zu Anfa. Zu Anka, die das finden konnte, grub wieder ein Grab. Er hob Haar schon lange aufgesteckt trug. Zu Anka, die viel Erde aus, es sollte ein ordentliches, tiefes in einem Kleid gina, an dessen Schmuck man sehen Grab werden. So tief wie das eines reichen konnte, daß sie eine Witwe war und zwei Kinder Mannes. Dann holte Stevo einen Sarg, einen hatte. Aber auch Anka wollte nicht. Auch Anka breiten, bequemen Sarg. Der Tote soll gut liesagte nein. Auch Anka, die Witwe mit zwei Stingen, will Stevo. Nachdem Stevo seine Arbeit bedern, wollte nicht Herrin im Hause eines Toten- endet hatte, wusch er sich sorgfältig. Sehr sorggräbers sein. fältig tat er das und sehr genau. Stevo wollte Anta war bekannt als flugeFrau. Sie kannte die rein sein, so rein, wie es nur die Toten sind. Bus alten Bräuche besser als irgend jemand. Sie lezt rasierte er sich noch, dabei mußte er daran wußte genau, wie die Frauen und Männer ge- denken, daß den Toten der Bart weiter wächst. fleidet gehen in diesem und jenem Dorfe Kroa- Das Haar lebt am längsten. Gewaschen und tiens. Sie kannte genau die magischen Zeichen, rasiert fleidete sich Stevo in sein Feiertagsgewand die der Kroate an seinen Kleidern anbringt. Weil und ging dann langsam zu dem neuen tiefen jedermann Antas Klugheit kannte, fragte Stevo Grabe, in dem der Sarg lag. Er hatte ein Messie:" Warum will kein Mädchen und keine Witwe fer, einen Hammer und viele Nägel zu sich ge= meine Frau werden? Alle sind bereit, Bauern zu steckt. Viele Nägel, denn der Sarg sollte fest berheiraten. Es muß doch Totengräber geben, eben schlossen werden. Marice, Ružica und Anta wer so wie es Frauen geben muß, die den Kindern den schon dafür sorgen, daß der Sarg gut vers zur Welt helfen. Lue ich denn andres als die schloffen wird, dachte Stevo. Dieser Tote wird Bauern? Sie graben in der Erde und ich grabe nicht zurüdtehren, um in der Nacht die Menschen In der heißen Sonne des Sommers reifte in der Erde!"" Suche, Stevo," sagte Anta, zu quälen. Es wird kein Vampyr aus ihm werEr erhielt von ihr 30 Kč. die er sofort im Gasthaus der Weizen. Der Bauer sagte, es werde eine reiche vielleicht wirst du eine Frau finden. Aber nicht den. Lauge betete Stevo, der Totengräber, der ihres Vaters bertrant. The er aber noch gegangen war, fiel dem Mädchen, die auch ein Paket von ver- Ernte sein. Da entschloß sich Stevo, die blonde jede, die eines Bauern Frau werden will, ist be teine Frau finden konnte. Endlich war er mit dächtiger Gestalt bei ihm bemerkte, ein, daß der ehr- Ružica zu fragen. Ružica mit dem Gesicht wie i reit, eines Totengräbers Frau zu sein. Denn allem zu Ende und stieg in den Sarg. Inserate werden laut Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich Kč 16.-, vierteljährig Kč 48.-. haltjährig Kč 96.-, ganzjährig Kč 192.-. Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß. Rüdstellung von Manuffripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken. Die Zeitungsfranfatur wurde von der Bost- und Telegraphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/ VII/ 1930 bewilligt. Druderei: Orbis", Drud, Verlags- und Beitungs- A.- G. Prag.