1 Sonntag, 26. April 1936 16. Jahrgang Nr. 99 MnferBlt 70 Heller (•injchli.ßlich 5 Heller Porto) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA a. TELEFON 0077. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAK1SCHEN REPUBLIK Vor dem Regierungsantritt der Christlidisozialcn? Die verhandlongcn mit Dr. Hoffia vor dem Abschluß Unbefriedigende Antwort aus Berlin Prag. Wir das Tfchrchoslowakische Preß- biiro erfährt, ist die Antwort der reichsdeutschcn Regierung auf den Protest der tschechoslowakischen Regierung gegen die Kandidatur der ehemaligen tschechoslowakischen Abgeordneten Jung, Krebs und Schubert für die Reichstagswahlen eingetroffen. In der deutschen Antwort heißt es, daß die deutschen Behörden bei der Einbürgerung dieser drei ehemaligen tschechoslowakischen Abgeordneten es versäumt haben, festzuftcllcn, ob die genannten drei Abgeordneten aus dem Staatsverband der Tschechoslowakischen Republik entlassen wurden. Die deutsche Reichsregirrung spricht ihr Bedauern aus, ist aber nicht der Meinung, daß in dieser Unterlassung ein unfreundlicher Akt erblickt werden müßte. König Fuad im Sterben? Prag. Wie die„Prager Presse" meldet, sind die vom Ministerpräsidenten Dr. Hodja bereits vor einiger Zeit angekündigten Verhandlungen mit den Delegierten der Deutschen Christlichsozialen Bolkspartei» dem Parteiobmann Stolberg und den Abgeordneten Dr. Luschka und ZaLikek, über den Eintritt der Partei in die Regierungsmehrheit soweit fortgeschritten, daß man an berufenen Stellen mit ihrem positiven Abs ch l« ß in den nächste« Tagen rechnet. Der Schwerpunkt der Entscheidung liegt gegenwärtig bei der Deutschen Bolkspartei selbst. Der zuständige Beschluß ist für die ersten Tage der nächsten Woche zu erwarten. Die Frage der Vertretung der Deutschen Ehristlichsozialen, in der Regierung soll in Form der Entsendung eines ihrer parlamentarischen Mitglieder in das Kabinett als M i n i st e r ohne Geschäftsbereich gelöst werden. Preffrnachrichtrn des Inhalts, daß zu diesem Behufe das Luftfahrtsministerium geschaffen werden soll, entbehren nach der„P r a g er Press e" jeder Grundlage. Nicht, ausgeschlossen soll jedoch auch eine Lösung iwGnrm des Alternierens in dem bereits vorhandenen Ministerium ohne Geschäftsbereich sein, das bisher Minister Dr. Spina inuehat. Wahltag in rrankrcldi statt. Italienern den Weg nach Addis Abeba zu verlegen. die vrr- Es ist aus! L6on Blum über den Genfer Bankrott Unter diesem anklägerifchen Titel beschäftigt Politischer Ausverkauf Zugunsten des Rüstungsfonds Warschau. Das Gesehesblatt veröffentlicht ein Dekret des Präsidenten der Republik betreffend den Verkauf des parzellierten Bodens der Mokotower Felder(des früheren Warschauer Militärflugfeldes) sowie anderer Immobilien, die Eigentum des Staates sind und durch das Ministerium für Heereswesen verwaltet werden. Der Erlös aus dieser Transaktion wird zur Schaffung des außerordentlichen nationalen Ber« teidigungssonds verwendet werden. Auf diese Weise soll die in der letzten Zeit aktuell gewordene Frage der Aufrüstung und Modernisierung der polnischen Armee durchgesührt werden. '« Asmara.(Stefani). Die italienischen Truppen gehen auf God s ch a m vor. Abteilungen von Gondar habe» nach einem Gewaltmarsch Bakar an der südlichsten Spitze des Tanasees besetzt. An der Somalifront finden seit Freitag morgens im Abschnitt Seffabaneh Kämpfe Kairo. Der 68jährige König Fuad liegt fast hoffnungslos an einer Krankheit darnieder. Die offiziellen Meldungen über sein Befinden find äußerst ernst und lassen den Eintritt der Katastrophe befürchten. Die Meldungen über sein Ableben, die in der ägyptischen Hauptstadt bereits am Samstag vormittags verbreitet waren, und die zur Folge hatte, daß an einigen Gesandtschaftsgebäuden die Fahnen bereits auf Halbmast gehißt wurden, wurden jedoch wieder dementiert. Der König hat einen Blutsturz erlitten, der eine Bluttransfussion notwendig machte. Eine eitrige Entzündung der Mundhöhle und das Fieber halten nach dem letzten ärztlichen Bulletin noch an, so daß sich die Gesamtdepression und Störung des Blutkreislaufes bedeutend fchlechtert haben. Der 17jährige Kronprinz Faruk, der in England lebt» ist bisher nicht zur Rückkehr nach Aegypten aufgefordert worden, steht jedoch in ständiger Berbindung mit Kairo. Ras Nassibu überflügelt? Ungewöhnlich hartnäckige Kämpfe London. Ter Reuter-Kriegsberichterstatter meldet: An der Ogadenfront verteidigt die Armee des General Nassibu, die letzte Hoffnung Abessiniens, ungewöhnlich tapfer und zäh Schritt für Slbritt jeden Meter Bodens, doch scheint sie bereits an beiden Flanken überflügelt zu sein. Nach Meldungen aus somaliländischer Quelle hal- ! ten die Soldaten des Generals Nassibu krampf- gierung hält blöde an der Illusion einer Hilfe- sMann geführt, lristüng Mussolinis gegen Hitler fest. Vielleicht glaubte dir Regierung, sie könne das internatio nale Leben bis zum Tage nach den französische« Wahle«»suspendieren". Aber, so fragt Blum, »wird es noch ein Abessinien geben, wenn die neue Pariser Kammer zusammentritt? Wird das Vertrauen der Rationen zum Völkerbund und dessen Vertrauen zu ihm selber wiederbelebt werden können? Wird die kollektive Sicherheit dem fata len Wort Widerstand leiste», können: Wehr den nach den befestigten Positionen südlich von W a r- Besiegten'.?"* r a h a i l, welche ausgebaut wurden, mü den Die Entscheidung laut erst am nächsten Sonntag hei den Steh wählen Paris. Postminister Mandel hat im In nenministerium 30 eigene Telephonlinien und mehr als 20 Telegraph« ul in icu rinrichtcu lasse«, auf welchen die Präfekten der eiuzeluen Kreise Frankreichs die Ergebnisse des ersten Wahlgan ges der Wahlen sofort nach Paris berichten wer den. Trotz dieser sehr umfangreichen Maßnah men wird aber die Erstattung der Gesamtberichte erheblich lange in Anspruch nehmen, da die Zahl der Kandidaten im ersten Wahlgang 5000 und die Zahl der Wahlbezirke in Frankreich und in Algier ohne Kolonien 608 und mit den Kolonien 618 beträgt. Die ersten Uebcrsichtsmeldungcn werden daher erst Montag gegen 2 bis 3 Uhr früh, die Gesamtberichte im, Laufe des Montag bekannt werden. Wenn auch der erste Wahlgang in erster Reihe lokalen und erst in zweiter Linie politischen Charakter tragen wird, wird sich trotzdem auch aus dem ersten Wahlgang bereits ein Gesamtbild Gesicht treibt". Denn der Völkerbund habe damit seine Ohnmacht, seine Resignation» seine Unter werfung unter vollzogene Tatsachen eingestanden, habe den Abessiniern bescheinigt, daß sie auf ihn nicht mehr rechnen können; können sie ihren Wi derstand gegen den Angreifer noch in dir Länge ziehen, so gut für sie, schlecht für Italien; und kömmt es zn einem ehrenhaften Frieden, so um so besser für den Völkerbund. Aber handeln wird der nicht mehr, sondern in Ruhe das Gottesurteil ab warten, als ob wir im Mittelalter lebten. Schwer liegt die Verantwortung auf der französischen Regierung, der es an klarem Blick und Mut mangelte»die beladen sei mit den Fehler« Lavals. Dessen Gefälligkeit für Mussolini hat Hitlers„Diktat" ausgelöst; und die ^dadurch verursachte Beunruhigung wiederum hin dert jetzt den Völkerbund und besonders die fran zösische Regierung, paktgrmäß zu handeln und das Opfer Mussolinis zu retten. Die französische Re gierung hat sich ihrer doppelten Pflicht nicht ge wachsen gezeigt, hat es nicht verstanden, England zur Erfüllung seiner doppelten Verpflichtung an zuhalten: den italienischen Angrei»' 11 r wir den den k sch r n D i k 1 a t o r ihre Stellungen und beantworten jeden Angle i ch ze i t i g zur Erfüllung des mternatto-! griff der Italiener mit einem eigenen Angriff, nalen l^esetzes^zu zwingen.^Dw^französische^ Re- j gg wurden, viele blutige Kämpfe Mann gegen 7,. Deshalb konnten die Italiener, obwohl sie viel besser und moderner ausgerüstet sind, im mittleren Frontteil nur sehr geringe Fortschritte machen, während sie auf den beiden Flüaeln nach einem ungewöhnlich heftigen Luftbombardement und nach gründlicher Artillerievorbereitung ziemlich weit vorrückten. Gegen D e s s i e werden noch immer abessinische Militärabteilungen entsandt, insbesondere ♦ Auch am Vorabende der französischen Kammerwahlen lassen sich keine bestimmten Prognosen stellen, da es in diesem Problem zu viele Unbekannte gibt. Ein beruhigender Umstand ist der über alle Erwarten absolut ruhige Wahlverlauf und der große moralische Ernst der bisherigen Wahlkampagne, in deren Verlaufe es zu keinen Zusammenstößen ge- ümmen ist. An Regierungsstellen ist man der Meinung, haß aus den Wahlen eine Mehrheit hervorgehen Wird, welche eine Konzentration der fortschrittlichen republilg- nischenLinks- u n d Mittelparteien bis zu den Bolksdemokraten erfordern wird. Der gleichen Ansicht sind auch zahlreiche Provinzblätter, besonders die radikale Depeche de Toulouse", die dem Ministerpräsidenten Sar- r a u t nahesteht. In Linkskreisen glaubt man zuversichtlich an einen überzeugenden Erfolg der vereinigten Parteien der Linksfront und an eine Stärkung der Positionen der Linken, gegenüber den letzten Kammerwahlen vor vier Jahren. Man rechnet mit einem Gewinn der Kommunisten von 25 bis 30 Mandaten(die also zusammen 35 bis 40 Deputierte zählen würden), mit einem Gewinn der Sozialisten von 10 Mandaten, womit diese über 105 bis 110 Mandate verfügen würden, und mit einem Rückgang der Radikalen von ihrem vor vier Jahren erzielten Rekovdstand von 160 Mandaten auf die frühere Zahl von 140 bis 150 Deputierten, womit sie aber immer noch die stärkste Kammerfraktion bilden würden. Die übrigen Linksparteien, besonders die republikanische sozialistische Bereinigung, dürften 60 bis 70 Mandate erringen. Im ganzen rechnet die Linke mit 350 bis 370 von den 618 Mandaten. Die Mandatsziffer der Rechten schätzt man auf 40, die der rechten Mitte auf 80 bis 90, die der Bolksdemokraten auf 20 und die der Rechten 'auf 110 bis 120 Mandate. sich L ö o n B l u m in einem der letzten„Popu->drr Gesinnung des Landes ergeben. Man rech- laire"-Leitartikel mit der dieswöchigen Abes-»et damit, daß im ersten Wahlgang wenigstens sinie«-Entschließung des Bölkerbundes, ,in Drittel, als, ungefähr 200 Deputierte »die einem das Herz drückt und die Schamröte ins als gewählt aus den Wahlen hervorgehen werden. Gesicht treibt". Denn der Völkerbund babc damit Sudctcndcufsdic und Staatsvcrtcldlgung i—. Ein umfangreiches Gesetz von über 200 Paragraphen, welches bereits in den Ausschüssen durchberaten wurde und voraussichtlich nächste Woche im Parlament verabschiedet werden wird, erinnert die Bevölkerung auch dieses Staates an den tragischenErnstderZeit. Ein Gesetz zur Verteidigung des Staates bedeutet noch keinen Krieg. Im gegebenen Falle handelt es sich nicht um eine Steigerung, sondern eher um eine Milderung der Kriegsgefahr, denn jeder angriffslustige Staat soll beizeiten wissen, daß sich die Angegriffenen mit Aufgebot aller Mittel zu wehren wissen werden. Das Gesetz, von dem hier die Rede ist, ist hart. Es enthält tiefe Eingriffe in die wirtschaftliche und in die private Lebenssphäre der Bevölkerung. Vom Standpunkte eines bedingungslosen Pazifismus wären ihm tausend gewichtige Argumente entgegenzuhalten. Gerade die sozialistische Bewegung, welche ihr ganzes Dasein der Aechtung des Krieges, der Verteidigung des Völkerfriedens dienstbar gemacht hat, wäre am ehestens dazu befugt, sich der pazifistischen Argumentation zu bedienen. Jede realpolitische Erwägung muß aber zu dem Schlüsse kommen, daß ein einseitiger Pazifismus der kürzeste Weg zum ^Selbstmord ist. Europa von heute ist in zwei bewaffnete Heerlager zerfallen. Große Nationen sind der Herrschaft eines blutigen Führerprinzips verfallen, dessen Selbstzweck di« brutalste Gewaltanwendung nach innen und nach außen ist. Der wahrlich unbestrittene Friedenswille der abessinischen Bevölkerung hat sie nicht davor bewahrt, von Fliegerbomben zerfetzt, von Giftgasen geblendet und erstickt zu werden. Die Bekenner des Friedens und der Menschlichkeit verfaulen in den Kerkern der faschistischen Staaten, werden in ihren Folterkellern zu Tode gemartert. Das ist der geschichtliche Tatbestand. Solange die fanatisierlen Anhänger des Faschismus auf billige Waffensiege jenseits der Grenzen hoffen können, sind sie erst recht in der Versuchung, an die alleinseligmachende Gewalt des Schwertes zu glauben. Je klarer ihnen das Risiko eines Raubkrieges vor Augen geführt wird, desto besser für den Brieden. Das StaatSverteidiqungßgesetz unterwirft dk ganze erwachsene Bevöllerung, soweit sie nicht militärpflichtig ist, sogar die Frauen mit begründeten Ausnahmen, der Verpflichtung, durch persönliche Dienstleistung zur Landesverteidigung beizutragen. Darin drückt sich das unerbittliche Prinzip des modernen Krieges aus, der eben die Mobilisierung aller Kräfte zur Voraussetzung hat. Wer wäre so naiv, zu glauben, daß er diesmal wieder mit patriotischem Geschrei andere an die Front schicken und selber daheim in Sicherheit bleiben kann? Obwohl innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft niemals eine absolute Gleichheit des Einsatzös zu erzielen sein wird, hat unter den gegebenen Voraussetzungen so ziemlich die ganze Bevölkerung das gleiche Risiko zu tragen. Kugeln fragen nicht nach der Parteilegitimation. Flieger- bomben machen keinen Unterschied zwischen Hütten und Palästen. Das haben wir Sozialisten tm Kampf gegen die nationalistisch-faschistische Begeisterung immer wieder betont. Wir stehen nicht darnach, daß diese ernste Voraussage durch grausame Tatsachen bestätigt wird. Tausendmal lieber wäre es uns, daß uns schon vorher die Vernunft der Völker recht gäbe. Roch ist die Bekämpfung des Krieges eine politische Aufgabe. Dieser Gesichtspunkt sollte auch für die Sudetendeutschen bei• ihrer Stellungnahme zum Staatsverteidigungsgesetz bestimmend sein. Es wäre an der Zeit, di« Mäuler einer verbrecherischen Flüsterpropaganda zu stopfen, welche den braunen Eroberungskrieg als einen bequemen Spaziergang gegen diesen oder jenen kleinen Staat hinstellt. Wer in unseren Grenzgebieten die Parole" austzibt:„Wir sind Deutsche, uns kann nichts geschehen" jagt die Menschen mit verbundenen Augen m den Abgrund. D i e S u d etendeut scheu dürfen sichnichtvonbezahlten Ra ttenfän- gern in die Massengräber locken lassen. Es wäre dies der erste Fall in der Geschichte, daß ein ausgesprochenes Grenzvolk darnach Sehnsucht hat, Aufmarschgebiet und Kriegsschauplatz zu werden. Haben vielleicht die österreichischen Armeen die galizischen oder die Südtiroler Dörfer geschont?. In den Koalitionsverhandlun- Seile 2 Sonntag, 26. April 1836 Nr. 98 gen, die den Ausschußberatungen über das Verteidigungsgesetz vorangingen, waren die deutschen Regierungsparteien nicht ohne Erfolgs bemüht, alles zu eliminieren, was als Stachel gegen die deutsche Bevölkerung hätte aussehen oder später wirken können. Sie fanden bei den tschechischen Koalitionspartnern weitgehendes Verständnis. So sind jene wichtigen Aenderungen zustande gekommen, die den Begriff der„Unzuverlässigkeit" für die Beschäftigten in militärisch wichtigen Betrieben genauer definieren. Ausdrücklich besagt die verbesserte Fassung der Vorlage, daß die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Nation oder Rasse keiiiesivegs als Merkmal der staatspolitischen Unzuverlässigkeit gelten kann.. Dadurch, daß sich die Bestimmung nicht mehr rückwirkend auf die seinerzeitigen Mitglieder der aufgelösten oder eingestellten Parteien bezieht, soll jeder kleinlichen Verfolgung ein Riegel vorgeschoben werden. Wer sich allerdings durch Taten gegen die Interessen der Landesverteidigung vergeht, muß sich dessen bewußt sein, daß er die Folgen zu tragen hat. Es ist in diesem Zusammenhang nicht ohne Interesse, daß die SdP. im Wehrqusschuß ausdrücklich jenen Paragraphen der Schutzgesetznovelle zugestinunt hat, welche besonders schwerwiegende Fälle von Spionage mit Todesstrafe bedrohen, obwohl sie dadurch vielleicht so manches ihrer eigenen Mitglieder in Lebensgefahr bringen wird... Ein schwerwiegendes Moment ist vor der sudetendeutschen Öffentlichkeit ausdrücklich festzuhalten: die Abgesandten Henleins haben in den Ausschüssen gegen das Verteidigungsgesetz keine grundsätzliche Opposition entfaltet. Sie beschränk- ten sich auf formale Einwände, stellten zu einigen Paragraphen Abänderungsanträge. Die Herren Dr. Neuwirth und Dr. Peters, welche diese Anträge eingebracht hatten, fanden es aber sodann nicht für so wichtig, deren Verhandlung beizuwohnen oder sie zu begründen. Für diese Ab- äiiderungsanträge hob zumeist der einzige Horchposten der SdP. die Hand. In mehreren Fällen sind die Anträge der SdP.-Abgeordneten wieder freiwillig zurückgezogen worden, unter Hinweis auf die Verbesserungen, welche vorher vom Koalitionsausschuß vorgeschlagen worden waren. Bei der Verhandlung der Spionagevorlage betonte Herr Dr, Neuwirth mit Nachdruck, daß seine Partei zu dem Herrn Landesverteidiaungsminister volles Vertrauen habe. Man vergleiche damit die wilden Versammlungsproteste gegen den bekannten Machnik-Erlaß und zuletzt die Beschwerde der SdP. an den-Völkerbund! Die sudetendeutsche Bevölkerung möge wissen, daß die weitaus stärkste deutsche Partei in dieser Lebensfrage offenbar ein Doppelspiel zu spielen gewillt ist. In Prag möchten ihre Vertreter beinahe die tschechischen Parteien in staatspolitischem Patriotismus übertrumpfest, in der Provinz draußen wird, wie' der Fäll eines Dethafl teten Bezirksleiters bezeugt, mit dem Einmarsch Hitlers gedroht. Man muß beizeiten eine gerechte Verteilung des Risikos auch unter der deutschen Bevölkerung fordern. Wenn die Wortführer der SdP. in Prag aus persönlichen oder taktischen Gründen die Notwendigkeiten der Landesverteidigung bis auf einige Formfragen freudig bejahen, dann wäre jeder ein Natr, der sich durch die Ideologie dieser Partei zu entgegengesetzten Handlungen verleiten ließe. Nach der heutigen Sachlage ist zu erwarten, daß die Henlein-Gefolgschaft im Parlament bei der bevorstehenden Verhandlung des Gesetzes dröhnende oppositionelle Reden schwingt, gleichzeitig aber gewissen tschechischen Bänken zuflüstert, daß sie nur formaljuristische Bedenken hege, ansonsten aber mit vollem Herzen bei der Sache sei. Für ein solches Doppelspiel darf sich die schwerbedrängte sudetendeutsche Bevölkerung nicht hergeben. Sie hat das Recht, von ihren parlamentarischen Wortführern— so öder so!— den Mut zur Konsequenz zu verlangen. Im Interesse der Friedenserhaltung läge es, daß die gesamte deutsche Delegation ein positives Votum für die erwiesenen Notwendigkeiten der Staatsverteidigung abgibt und damit den Spekulationen der Hazard- pvlitiker jenseits der Grenzen ein klares Nein cnt- gegenschleudert. Keine Partei darf sich ihrer historischen Verantwortung für das Schicksal der ihr anvertrauten Menschen entziehen. Wer in so schicksalsvoller Zeit anders handelt als er spricht, wird als Verderber seines Volkes in die Geschichte eingehen. „Unser Staat ist demokratisch und wird demokratisch bleiben“ Eine Abordnung des Deutschen Gewerkschaftsbundes beim Präsidenten der Republik Am Dienstag, den 21. April, empfing der Präsident der Republik, Dr. Edvard Ben e s, auf der Prager Burg eine Abordnung des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Ihr gehörten an: Anton Roscher, Abg. Franz M a c o u n, Franz Kaufmann und Anton Schäfer. Namens der Abordnung..'..richtete der Vorsitzende Anton Roscher an den Staatspräsidenten eine Ansprache, worin er der Freude und Genugtuung der freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter und Angestellten unserer Republik über dessen Wahl zum Staatspräsidenten Ausdruck gab. Die gewerkschaftlich organisierten deutschen Arbeiter und Angestellten fühlen sich mit dem Herrn Präsidenten des Staates innerlich verbunden, weil auch er die Schattenseiten des Lebens kennen gelernt hat. Die aufbauende Kulturarbeit, die von den Gewerkschaften innerhalb der Arbeiterschaft verrichtet wird, ist mühselig und schwer und die besonders große Notlage, verbunden mit einer Massenarbeitslosigkeit in den deutschen Gebieten unseres Staates, stellt an die verantwortungsbewußten Gewerkschaftsfunktionäre in der gegenwärtigen Zeit ungeahnte Anforderungen. Redner verwies danst auf die Denkschrift, in^er die Notlage und Sorgen unserer Arbeiterschaft in den deutschen Gebieten der Republik geschildert werden und ersuchte den Herrn Präsidenten,'sie einer Durchsicht zu unterziehen und alles zu unterstützen, was zur Linderung der entsetzlichen Notlage durch den Staat geschehen kann. Der Präsident der Republik, Herr Dr. Edvard Benes, antwortete auf die Ansprache mit folgenden Worten: „Ich danke Ihnen für di« Begrüßung und für die Anerkennung meiner bisherigen Arbeit. Es freut mich insbesondere, daß Sie meine Bemühungen um den Frieden s» gut verstehen. Der Friede ist für mich nicht eine Sache des Gefühls, fondern der vernunftgemäßen Erkenntnis, daß es letzten Endes di« breitesten BalkS- schichten find, welche bei interna- .. tio na len Katastrophen daraufzah- l e n. Ich habe stets geglaubt, daß eS keine Frage gibt, welche sich nicht vernünftigerweise ohne Krieg, im Wege gütlichen Einvernehmens, lösen ließe, falls die streitenden Teile in lovaler Weise vertreten werden nnd falls rS sich ihnen wirklich auch um die Jnterrffen der gesamten menschlichen Zivilssation handelt. Was von den internationale« Konflikten gilt, gilt für mich auch vom inneren Leien der Nationen. Vernünftige und anständige Menschen werden sich immer einigen. Phantasten oder diejenigen, dir auf Katastrophen spekulieren und die aus Wirre« Vorteil ziehen wollen, sind schwierige Partner. Ich habe, glaube ich» daS nativ- naleProblembeinnsniemalsübrr- sehen nnd habe eS auch nicht als unangenehme Last betrachtet; stets war ich dafür, es als natürliche, durch die Geschichte gegebene Aufgabe zu lösen. Wir befinden unS hier an der Grenzscheide mehrerer Kulturen. Es ist sicher vor allem unsere häusliche Angelegenheit, wie wir unsere heimischen nationalen Brrhältniffr regeln werden, aber nicht nur unsere häusliche Angelegenheit. In dieser Erkenntnis war ich mit meinem Vorgänger im Amte stets einig. Ich habe«nsrre Politik immer europäisch gesehen und ich will unsere Probleme immer vom europäischen Standpunkte ans betrachten nnd lösen. Ihre GewrrkschaftSbrwegnng ist rin Beweis dafür, daß man nicht nur in sozialer Hinsicht, sondern auch für Ihr Volk, auch für die deutsche Sache in diesem Staate, durch zähe Aufbauarbeit und Organisation vieles leisten kann. Die Millionenbeträge, welche Sir während der letzten Jahre zur Unterstützung der Arbeitslosen ansge- wendet haben, zeugen nicht nur von Ihrer Opferwilligkeit, sondern auch von organisatorischer Kraft, von wohlbegründeter nnd Jahrzehnte hindurch organisch wachsender Tradition. ES ist mir bekannt, wie sich die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse »nternnserenDentschen geltend machen, ich weiß, wie sie auch Ihre Arbeit beeinträchtigen. DaS Memorandum, welches Sie' mir verlegen, wird mir dazu dienen, noch mehr in dir Sache ein- zridringen und, soweit ich das vermag, zur Abhilfe teizutragrn. Setzen Sie jedenfalls Ihre gegenwärtige Tätigkeit fort. UnserStaatistdemokra- tisch und wird demokratisch bleiben. Unser Staat ist für den Frieden und wird immer den Frieden verteidigen. Unser Staat erstrebt eine Gesellschaft der sozialen und nationalen Gerechtigkeit. Und diese Politik ist auch meine Poli- und wird immer meine Politik bleiten." Kierans lud der Präsidenf der Republik die Nitglieder der Abordnung zu einer eingehenden Aussprache ein, welche über eine Stunde dauerte. Die Delegierten schilderten den äußer st kritischen Stand der Arbeitslosigkeit in de.n Hl w.i egend deutschen In d.u- st r i e g e g e n d e n. Der Staatspräsident■ gab .zu. dass die. Situation, in diesem Gebiete ernst ist,- was einerseits im Industriecharakter dieses Gebietes überhaupt, anderseits darin seinen Grund hat, daß die dortige Industrie in so hohem Maße eine Exportindustrie ist. Der Präsident betonte, es sei absolut notwendig darauf hinzuwirken, daß allen Ursachen dieser schweren Krise, soweit diese zu überwinden in unserer Macht liegt und bei deren Bekämpfung wir nicht völlig von der Welt- wirtschaftssituatiyn abhängig sind, auf das energischste entgegengetreten werde. Er sei entschlossen, im Rahmen seiner Kompetenz in diesem Sinne mitzuwirken. Der Staatspräsident begreift die in der ungelösten Frage der Arbeitsvermittlung und in den Organisationsmängeln der Arbeitslosenunterstützung gelegene Schwierigkeiten; er ist überzeugt, daß im Laufe des heurigen Jahres nötige Vorbereitungen getroffen werden, um bereits im i-ächsten Jahre auch die Arbeitsgelegenheiten wesentlich zu vermehren. Dies kann durchgeführt werden, vorausgesetzt allerdings, daß es uns ge» Mammys Geschichte Von William M. John (Fortsetzung.) Wie wir beim Schuppen waren, wolle Zar wissen, wer der Mann fe,i, und warum er mir den Dollar gegeben hatte. Ich sagte, ich kenne /'ihn nicht, aber das sei doch eine sehr leichte Art, einen Dollar zu bekommen, nicht? Und ich ließ ihn einen Moment den Dollar in der Hand halten. „Ja, das ist schon wahr," sagte er.„Und jetzt haben wir hnnderteinundsechzig Dollar." Wir waren gar nicht lange beim Schuppen, alk wir einen Schuß hörten. Zar spvang auf, um ins Haus zu laufen, und ich packte Lizzi und lief ihm nach. Mammy stand in der Küchentür mit dem Getoehr in der Hand. Als wir näherkamen, sahen wir den Mann mit dem Gesicht nach unten liegen und Blut rann aus seinem Kopf auf dem Boden. „Martha," sagte Mammy zu mir,„dieser Mann schlug mich nieder und ich habe ihn erschossen; geh zum anderen hinaus und sag ihm, daß er.ihn holen soll. Ich will ihn nicht hier haben." Als ich zum Wagen komme, will der Mann gerade wegfahren.„Sie müssen hinein kommen und Ihren Kameraden holen," sagte ich zu ihm. „Mammy hat ihn erschossen und will ihn nicht länger da haben." Er sagte:„Ich will verflucht sein, wenn ich das tu! Ich hol' die Polizei!" Und er fuhr, so schnell er konnte, davon. Ich ging zurück und sagte es Mammy. Sie wischte sich mit der Schürze den Schweiß vom Gesicht und' sagte:„Hier kann nichts geschehen, scheint es, ohne daß man um die Polizei schickt." Mammy nahm die Kinder und ging mit uns in den kleinen Keller, wo wir früher die Milch hingestellt hatten, ehe die Kühe gestorben waren. Ich glaube, sie hatte Angst, den Mann heraus- zuschleppcn, und wir Kinder fürchteten uns auch ein bißchen vor ihm. In der Nacht kamen drei Wagen zu unserem Hause gefahren. Mammy ließ mich und Zar im Keller, um auf Lizzi aufzupaffen, und ging hinaus. Ich glaube, ich muß eingcschlafen sein, denn ich kann mich nur erinnern, daß Mammy mich rüttelte und sagte: „Steh auf und komm, wir werden jetzt Weggehen!" Es war gegen vier Uhr früh, als wir vor dem Gefängnis in Trinidad ankamen. Der Richter sagte, er wolle mich und Zar irgendwo in der Stadt unterbringen, aber Mammy fragte ihn, ob wir nicht bei ihr bleiben dürfen, und so ließ er uns da. Sie hatten im Gefängnis in Trinidad laufendes Wasser und elektrisches Licht, und sie gaben uns Pfannkuchen mit soviel Sirup, als wir wollten, zum Frühstück. Zar meinte, er könnte ganz gern sein Leben lang im Gefängnis bleiben, wenn das so wäre. Nachmittags kam ein Mann und führte Mammy weg und sagte, sie müsse verhört werden. Während sie fort, war, sprachen Zar und ich mit einem alten Manne, der erzählte uns, er warte schon sechs Monate im Gefängnis, um verhört zu werden. Er fragte, warum wir hier seien, und ich antwortete, daß ich es nicht wüßte, außer vielleicht, weil Mammy gestern einen Mann umgebracht hätte...„Das sei wirklich ein Grund, um im Gefängnis zu sitzen," meinte der Man». „Aber ihr braucht nichts zu fürchten," sagte er uns,„sie tun einer Frau nie etwas dafür, daß sie einen Mann umgebracht hat." Das war für mich und Zar eine große Beruhigung, denn der alte Mann schien sich auszukennen. Als Mammy vom Verhör zurückkam, fragte sie den Mann, der mit ihr war, ob Zar Lizzi ein bißchen an die Luft führen dürfe. Als sie gegangen waren, war ich mit Mutter allein in der Zelle.„Martha," sagte sie zu mir,„sie wollen mich hängen, weil ich diesen Mann gestern um- gebracht habe. Und sie werden damit vielleicht Recht behalten, weil wir kein Geld haben, uns einen Advokaten zu zahlen. Es macht nichts, wenn es so koimnt, denn ich bin von alldem schon so müde... Aber ich möchte gern, daß Du ein gutes Mädchen bist und auf die Kinder acht gibst. Ich habe es nie sehr gezeigt, Martha, aber ich hab' dich sehr lieb, lieber als irgend etwas auf der Welt." Dann nahm mich Mammy und preßte mich fest an sich und weinte lange. Es war das erstemal, daß ich Mammy weinen sah. Am nächsten Tage kam ein Mann ins Gefängnis und fragte nach Mammy. Er sagte, er sei Advokat und wünsche, mit ihr zu sprechen. Er sah auf mich und fragte: „Was weiß das Kind davon?" „Es weiß gar nichts," sagte Mammy. „Na, wir nehmen sie für alle Fälle mit und werden sehen, ob sie sich nicht an etwas erinnern kann," sagte er und schaute mich merkwürdig an. Also nahm der Richter Mammy und mich und den Advokaten und sperrte uns in ein kleines Zimmer, wo nichts drin war als ein Tisch und drei Sessel.> „Nun sagen Sie mir alles, was Sie wissen, Frau Jugowitz, und je mehr es die Wahrheit ist, i desto mehr kann ich für Sie tun," sagte der Ad-j lrngen wird, die Kriegsgefahr zu beseitigen, woran der Staatspräsident ständig fest glaubt. Die Mitglieder der Delegation brachten auch die Frage der deutschen Staatsange- stellten zur Sprache. Der Präsident der Republik erwiderte, daß er sich schon als Außenminister bestrebt hat, auch verläßliche deutsche Angestellte in die Reihen der Beamtenschaft dieses Ressorts aufzunehmen und daß er gewillt sei, dieser Angelegenheit auch jetzt Aufmerksamkeit zu widmen. Er ersuchte die Mitglieder der Abordnung, ihm die von ihnen erhobenen Daten zur Verfügung zu stellen. Revision des Benzinpreises Am Samstag fand auf Initiative des Han- | delsministers I. V. R a j m a n im Handelsministerium eine Beratung mit Vertretern der Benzin-Konvention statt, die sich mit der jüngst durchgeführten Neuregelung des Preises der Ben« zin-Spiritus-Mischung in den Prager Garagen, den Tankstellen und einigen westböhmischen Bezirken beschäftigte. Aach gründlicher Durchberatung des Gegenstandes erklärte der Vorsitzende der Benzin-Konvention Tr. Fiedler, daß für Montag, den 27. d. M., eine Sitzung des Exe- kuftv-Ausschusses der Benzin-Konvention einberufen wurde, bei der in Hinblick auf die vorbereitete staatliche Hilfsaktion für den Motorismus, die Preisregelung einer Revision unterzogen werden wird. Auslicfernngsbegrhren Henleins gegen Dr. Spina abgelehnt. Im Jmmunitätsausschuh des Abgeordnetenhauses gelangte Freitag ein Auslieferungsbegehren gegen den Minister Dr. Spi- n a zur Verhandlung. Spina hatte zu Ende deS Vorjahres auf einer Parteiversammlung in Brüx in einem politischen Referat u. a. erklärt, daß die SdP die Wahlen als S a a r a b st i m- m u n g aufgemacht habe, was sich kein Staat bieten lassen könne. Der staatstreue Konrad Henlein konnte sich eine derartig schreckliche Entstellung seiner lauteren politischen Absichten natürlich nicht gefallen lassen und reichte daraufhin gegen Spina die Ehrenbeleidigungsklage ein. Die Auslieferung Dr. Spinas wurde jedoch vom Ausschuß mit dem Hinweis auf das Interesse an der ungestörten Mandatsausübung durch den Abgeordneten Tr. Spina verweigert. Chamberlain auch In Belgrad Belgrad. Privatmeldungen zufolge wird Sir Ansten Chamberlain am Montag, den 27.ds.» auch Belgrad besuchen. Am Samstag nachmittags ist Sir Austen Chamberlain mit Gemahlin aus Wien in Buda p e st eingetroffrn, wo er sich zwei Tage aufhalten wird. Die Gäste haben in der britischen Gesandtschaft Wohnung genommen. Wozu Genf gut Ist Oesterreich braucht wieder Geld Wien, Der österreichische Finanzminister Dr. D r a x l e r wird sich Dienstag zu den Beratungen des Finanz- und Kontrollausschusses deS Völkerbundes nach Genf begeben. Wie die „Reichspost" ankündigt, wird Oesterreich dabei um die Genehmigung zu einer Erhöhung der Schatzscheinemission ansuchen, die zur Bedeckung des Budgetausfalles notwendig wurde. Gleich- zeiftg wird mit den Treuhändern der Völkerbundanleihe bezüglich der Freigabe der Sicherstellungsdepots in der Höhe von ungefähr 28.6 Millionen Schilling verhandelt werden. vokat. Mammy sagte, sie wisse nichts, als daß der Mann von hinten hereingekommcn sei und sie gefragt hätte, was sie tue. Sie hätte ihm gesagt, sie packe, weil wir morgen früh nach Trinidad ausziehen wollen. Und dann schlug der Mann sie nieder, und sie habe ihn erschossen, weil sie glaubte, daß er verrückt sei; das sei alles, was sie wisse. Und dann fragte mich der Advokat, was ich wüßte. Ich erzählte ihm, wie der Mann mir den Dollar gegeben hatte und daß ich dann den Schuß gehört habe und was Mammy mir gesagt hatte, als ich ins Haus gekommen war. Er wendete sich zu Mammy, als ob er sie schlagen wollte: „Frau Jugowitz, wissen Sie, daß der Mann, den Sie getötet haben, Stuart Johnson war, ein großer Mann in Saint-Louis, mit einer braven Frau verheiratet war und zwei Kinder gehabt hat?" Er sagte„Kinder," ich batte bis jetzt immer geglaubt, nur arme Leute haben.Minder". „Ich weiß nichts, nur daß ich von allem schrecklich müde bin", sagte Mammy. „Wollen Sie' mir einreden, daß Sie den Mann nie vorher gesehen haben?" schrie er. Mammy holte tief Atem und sah durch die Stäbe aus dem Fenster. „Nun, Frau Jugowitz," sprach er weiter und sagte etwas von Gesetzen," es kommt schon vor» daß Frauen Männer! töten und die meisten gehen frei aus. aber die sind jung und hübsch. Sie sind nicht mehr jung und sind nicht genau das, was man hübsch nennt, uni Sie haben nicht schöne Kleider, um darin wie eine Puppe auszusehen; ich glaube nicht, daß Sie je einem Richter einreden werden, daß Sie Johnson nicht kalten Blutes erschossen haben. Und wenn Sie das nicht können, wird dieses Ksiid eine Waise. (Fortsetzung folgt.) Nr. 99 Sonntag, 26. Avril 1936 Seite 3 Tagung des Wahlgerichtes Mandatsaberkennung für zwei kommunistische Parlamentarier.— Um das Mandat des Abg. Dr. Ravasz. Prag.(Eigenbericht.) Gestern trat unter Vorsitz des zweiten Präsidenten des Obersten Vrrwaltungsgerichtes D i e w a l d das Wahlgericht zur Entscheidung über mehrere anhängige Angelegenheiten zusammen. Zunächst verhandelte das Wahlgericht den Antrag des Vorsitzenden des Abgeordnetenhauses auf Aberkennung des Mandates des kommunistischen Abg. Josef D v o r ä k auf Grund einer gerichtlichen Verurteilung, mit der der Wahlrechtsverlust verknüpft war. Dvokäk war im März 1938 vom Kreisgericht Pilsen wegen Per-■ brechenS der öffentlichen Gewalttätigkeit zu zwei Monaten Kerker verurteilt worden, aber das Oberste Gericht erhöhte ihm die Strafe auf drei Monate, und zwar unbedingt. Dvokäk berief sich gegenüber dem Mandatsaberkennungsantrag auf die Dezemberamnestie. Dieser Einwand wurde aber von dem Wahlgericht verworfen unter Berufung darauf, daß durch die Amnestie bloß die Strafe nachgesehen sei, nicht aber die Rechtsfolgen, die die Strafe nach sich zieht. Im übrigen sei das Wahlgericht an das rechtskräftige Urteil des ordentlichen Gerichtes gebunden. Da sWahl- gericht sprach demnach dieMan« datsaberkennung aus. An die Stelle Dvoräks tritt KarlProchäzka. Als zweite Angelegenheit verhandelte das Wahlgericht den Antrag des Vorsitzenden des Senates auf Aberkennung des Mandates des kommunistischen Senators Franz K u b a c. Dieser ist seinerzeit, noch als Abgeordneter vom Abgeordnetenhaus auSgeliefrrt und vom Kreisgericht Nitra wegen des Verbrechens nach 8 6 des Schutzgesehes und des Vergehens des Auflaufes zu sechs Monaten schweren Kerkers verurteilt worden. Die Maiwahlen des verflossenen Jahres brachten ihn als Senator neurlich in die Nationalversammlung. Unter Berufung auf die neu erlangte Immunität erhob K u b a i die Einwendung eines wesentlichen BerfahrensmangelS, da er nur als Abgeordneter ausgeliefert worden sei und nicht alsLenator. Das Wahlgericht verwarf diese Einwendung und erkannte auch in diesem Falle auf Aberkennung des Mandates. In der Begründung wird angeführt, daß der Auslieferungsbeschluß jener Kammer maßgebend sei, der K u b a L zur Zeit des seinerzeitigen Strafverfahrens angehörte. KübaLs Nachfolger wird MichalKrälka. Der dritte verhandelte Fall betraf di« Angelegenheit des Abgl ViktorRavasz, der auf die Liste des Slowakischen Auto- nomistischen Blockes gewählt wurde, der sich neben der Slowakischen Volkse Partei H l in käs aus der Slowakischen Nationalpartei(Narväna strana), dem bäuerlichen„Zemkdilskh S o j u s" und dem polnischen„P o l s k i l Stromnictwo" zusammensetzte. Dr. Ravasz unterschrieb der Hlinkapartei einen Revers, durch welchen er sich verpflichtete, im Falle eines Verstoßes gegen das Parteiprogramm, bzw. gegen die Parteiinteressen, sein Mandat niederzulegen. Im Juni v. I. wurde nun in der Slowakei eine Broschüre verbreitet, in welcher gegen die Leitung der Hlinkapartei schwere Angriffe gerichtet wurden. Bei einer Sitzung des parlamentarischen Klubs des autonomistischen Blocks erklärte Dr. Ravasz, er habe da- Material zu dieser Broschüre geliefert und die Autorschaft sei zu achtzig Prozent ihm zuzuschreiben. Daraufhin wurde er durch Beschluß des Parteivorstandes aus der Slowakischen Bollspartei ausgeschloffen und der autono- mistische Block beantragte in weiterer Folge beim Wahlgericht die Aberkennung des Mandate-. Bei der gestrigen Verhandlung wurde der autonomi- stische Block durch den Generalsekretär der Hlinkapartei vertreten. Dr. Ravasz wendete ein, daß er dem Block gegenüber keinerlei Verpflichtungen eingegangen sei, sondern lediglich gegenüber der Slowakischen Volkspartei. Der Block habe daher keine Legitimation für den Mandataberkennungsantrag, sondern höchstens die Slowakische Volkspartei. Demgegenüber beriefen sich die Vertreter des Blockes darauf, daß die Hlinkapartei keine Wahl- Partei sei, als welche bloß der Block anzusehen sei, der aber wieder keinen Vorstand konstituiert hat. Daher sei in Fällen wie diesem das Einschreiten der Partei maßgebend, welcher der Betreffende vor der Blockbildung angehörte und der Block berufe sich daher mit Recht auf den rechtskräftigen Ausschließungsbeschluß der Slowakischen Polkspartei. In dieser Sache fällte das Wahlgericht keine Entscheidung, sondern verkündete, daß die Publikation des Erkenntnisse,S in unbestimmter Zeit erfolgen werde. Unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit schritt sodann das Wahlgericht zur Verhandlung über das Ansuchen dev ehemaligen k o mm u n i st is ch em Abg eord- neten Stetka um Erneuerung seines Verfahrens und erledigte sodann noch in vorgerückter Nachmittagsstunde die Verifizierung derParlamentS- And Landesvertretungsmandate. rb. fudetendeutscfier Xeitepicgef Die Graslitzer Nusikinstnimcnten-iiMliistric weist lcldite Besserung auf Einen hervorragenden Platz nimmt in der tschechoslowakischen Exportindustrie die Erzeugung von Musikinstrumenten ein, die neben Schönbach, wo vor allem Geigen erzeugt werden» in GraSlitz zentralisiert ist. Die Graslitzer Musikinstrumentenproduktion genießt Weltruf und zählt zu jenen Industriezweigen, die noch bis vor kurzem in der Bilanz des tschechoslowakischen Ausfuhrhandels auf der Aktivseite verzeichnet war. Seit 1929 ist darin allerdings eine bedauerliche Wandlung eingetreten, die jedoch, wie festzuhalten ist, inzwischen abgelöst worden ist von einer— wen auch bescheidenen, immerhin aber doch bemerkenswerten Belebung des Exportgeschäftes in diesem Produktionszweig. Seit diesem Jahre 1929 ist die Ausfuhr von Streichinstrumenten, Holzblas-, Zupf-, Blechblas- und Schlaginstrumenten, Zug- und Mundharmonikas, Saxophonen, Bestandteilen für Musikinstrumente allerArt, Saiten usw. auf 34% gesunken, wobei aber zeigt das Jahr1935 gegenüber den Jahren 1932, 1933 und 1934 bereits eine wesentliche Befferung; denn gegenüber 1929 war im Jahre 1932 nur, mehr ein Export von 30% und 1933 gar ein solcher von nur 25 Prozent zu verzeichnen. 1934 zeigte sich bereits eine Besserung insoferne, als der Erport ganz leicht anzog(auf 31.5 Prozent), und im Jahre1935 hatte der Export der Graslider Musikinstrumentenindustrie immerhin bereits wieder, im Verhältnis zum Konjunkturjahr 1929» 34.3 Prozent erreicht. An erster Stelle stehen hiebei Mundharmonikas, an zweiter Saiten, an dritter Zupfinstrumente» an vierter Holzblasinstrumente, an fünfter Zugharmonikas, an sechster Blechblasinstru- ' mente und Saxophone und an siebenter Streichinstrumente. So erfreulich die Steigerung des Exportes an GraSlitzer Instrumenten im abgelaufenen Jahre ist, so bedauerlich erscheint. eS, daß die Ausfuhrmöglichkeiten dieser bedeutenden Industrie unseres Erzgebirges gerade in der letzten Zeit auf große Schwierigkeiten gestoßen ist. Zu einem Teil ist es die völlige Abschließung einzelner Länder gegen jede Einfuhr, und zum anderen Teil sind es die Clearingabkommen mit ihren unmöglichen Bestimmungen, die den Warenverkehr zwischen den Staaten in der empfindlichsten Weise hemmen und unterbinden. ES muß als geradezu grotesk in dieser Zeit der allgemeinen Wirtschaftskrise bezeichnet werden, daß der GraSliher Jnstrumentenindustrie sehr erhebliche Aufträge aus der Türkei» aus Ungarn» Bulgarien, Griechenland» Dänemark, Rumänien und der Baltischen Staaten vorliegen, daß aber so gut wie keine Möglichkeit besteht, diese OrdreS auszuführen. Der italienische Markt wurde im Zuge der Sanktionen infolge deS kriegerischen Konfliktes mit Abessinien abgeriegelt. Gegenüber Deutschland, das seit jeher der Hauptabnehmer Graslitzer Musikinstrumente gewesen ist, ist so gut wie keine Belieferungsmöglichkeit mehr gegeben. Das Ende 1934 abgeschlossene Clearing-Uebereinkommen zwischen der Tschechoslowakei und dem Deutschen Reiche hat den bisherigen starken Export beträchtlich herabgemindert. Es hat langer Verhandlungen bedurft, um zu erreichen, daß Deutschland das Kontingent für Musikinstrumente und Bestandteile(das Ende 1934 mit 250.000 Rentenmarkt festgesetzt war), auf 420.000 Rm. erhöht worden ist. Prager Ardelter-irunrifunk rum 1. Mai Die Prager Deutsche Arbeitersep- d u n g bringt am F r e i t a g, den 1. Mai von 18 Uhr 10 bi» 18 Uhr 50 folgendes Festprogramm im großm Sender des Prager Radiojournalsc Ouvertüre zu„FigaroS H» chzeit" von W. A. Mozart Liedd er Arbeit, Männerchor(von Josef Scheu, Text von I. I. Zapf) Zudiesem 1. Mai(Gedicht von O. W.) Fe ft.Ansprache unseres Partei. Vorsitzenden Minister- Genossen Dr. Ludwig Czech Wir Frauen!» Frauenchor(von D. Kraßnig, Text von G. Mcttler) I« Morgenrot, gemischter Chor(von G. Ad. Uthmann, Tert von Carl Broch) Rezitationen: Mahnungen, Ahnungen von H. Heine Menschliche Gesellschaft von Fr. Hebbel ' DaS Brandmal« Der Sie« des Lichte« von G.«. v. Malt«, Brüder, zur Sonne» zur Freiheit! Gemischter Chor(russtsche Bolksweise, Text von Hermann Scherchrn) Dir StaatShhmne Die Chöre werden gesungen von der Sängerriege des Aws Kosolup; Chormeister: Fachlehrer Genosse Franz Hala, Landesvertreter. Die Rezitationen spricht Hans Lichtwitz-Prag. (Etwaige unwesentliche Programm-Aenderungen bleiben Vorbehalten.) Steckbrief gegen einen ehemaligen Pfarrvikar wegen Verdachtes eines Schutzgesetzverbrechens Bon der Ratskammer deS Leitmeritzrr Kreisgerichtes wurde gegen den ehemaligen Pfarrvikar Leopold Esselbach in Karbid ein Steckbrief wegen des Verdachtes des Brrbrechens nach Paragraph 2 des Schuhgesetzes erlassen. Pfarrvikar Esselbach war seit mehreren Monaten infolge verschiedener Unstimmigkeiten zwischen ihm und einzelnen Mitgliedern der evangelischen Gemeinde Karbitz nicht mehr mit der Pa- storisierung der Gemeinde betraut und hatte vor längerer Zeit auch seinen letzten Aufenthaltsort Karbitz verlassen. Er ist zur Zeit unbekannten Aufenthaltes und da ihm deshalb auch eine Ladung vor das Untersuchungsgericht in Leitmeritz nicht zugestellt werde« konnte, wurde jetzt der Steckbrief erlassen. El» Beleidiger unserer Partei verurteilt Am 23. April sand vor dem Kreisgerichte in Eger ein Preßprozeß seinen Abschluß, welchen die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei, re- ! präsentiert durch den Stellvertreter des Parjei- * Vorstandes, Gen. Abg. de Witte und den Reichsparteisekretär Gen. Abg. Taub, gegen Hermann Meyer, Eigentümer, Herausgeber und verantwortlichen Redakteur der„St. Joq- chimsthaler Zeitung" in St. Joachimsthal angestrengt hat. Gegenstand der Klage war der Leitartikel in der ,-St. JoachimSthaler Zeitung" vom 20. Feber 1935, in welchem über eine öffentliche Versammlung der Sudetendeutschen Heimatfront berichtet würde. Der Artikel enthielt die Wiedergabe einer Rede des HenleinrednerS Jng. Menzel aus Eger, der es für gut befunden hatte, über die Deutsche sozialdemokratische Partei zu sagen, daß sie alles begeifert, was mit Volkstum und Heimattreue zusammenhängt, sie sei zur Sammelstelle gewöhnlichsten Denunziantentums und zum Hort des Emigrantengesindels geworden. Der Redner des Herrn Henlein sprach auch von Bonzen, hohen Gehältern und dergleichen. lieber diese Klage fanden mehrere^Hauptverhandlungen statt, bei denen Gen. Dr. E n z e r (Eger) als Substitut des Gen. Dr. Schwell» (Prag) als Vertreter unserer Partei eintrat. Bei der am 23. d. M. abgehaltenen Schlußverhandlung wurde nun Hermann Meyer im Sinne der Klage schuldig erkannt und zu einer Strafe von drei Tagen, verschärft durch eine Faste unbedingt verurteilt. Weiters wurde ausgesprochen, daß der Angeklagte verpflichtet ist, den Urteilsspruch in der«St. JoachimSthaler Zei- tung" aufzunehmen und es wurde der sozialdemokratischen Partei das Recht zuerkannt, den Urteilsspruch im»Solkswille" und im„Sozialdemokrat" auf Kosten des Angeklagten einschalten zu lassen. Selbstverständlich wurde Meyer auch zum Kostenersatze verurteilt. Der Angeklagte wollte ursprünglich die Strafe annehmen, hat sich dann jedoch Bedenkzeit erbeten. Wie es dem SdP-Abgeordneten Stangl bei den Blsdiofteinifcer Sozialdemokraten erging Die auch in Bischofteinitz ganz besonders mausetoten Sozialdemokraten hielten am vergangenen Sonntag eine öfientliche Versammlung ab, zu der mehrere Hundert Menschen strömten. Das paßte den Henleins natürlich nicht. Also rückten auch an die achtzig ihrer Leute unter Führung des Bischofteinitzer SdP-Abgeord- neten Stangl zur Versammlung an. Außerdem kamen noch drei Referenten und Sekretäre mit. Bezirksvertrauensmann Genosse März aus Rönsperg, der den Vorsitz inne hatte, gab nach den üblichen Begrüßungsworten bekannt, daß dem Referenten Abgeordneten Genossen I a k s ch unbeschränkte Redezeit zur Verfügung stehe, während alle Debatteredner eine Viertelstunde sprechen können. Das war für die Henleinleute das Signal zu den ersten Störungsversuchen; sie verlangten unter wüstem Lärm die Wahl deS Präsidiums und volle Redefreiheit. Sie wurden aber von dem Vorsitzenden energisch zurückgewiesen, der ihnen bedeutete, daß sie eine eigene Versammlung einberufen mögen, falls sie wollen, daß jeder ihrer Redner stundenlang sprechen kann. Seine Ermahnungen,, die Ruhe zu be- wahren, wurden jedoch nicht befolgt; es kam zu Atusturneri Atustumerinl Der 1. Mai ist unser Kampftag! Der 1. Mai muß den Atus in seiner vollen Starke in den Reihen der so» zialistischen Arbeiterschaft sehen. Der 1. Mai ist unser großer Werbetag für daS Z. Buudesturn- festinKomotau! Der 1. Mai ist der Stichtag für die er- müßigte Dauerfest karte. Der 1. Mai muß 20.000 AtuSmitglieder in Uniform auf der Straße sehen! Benützet die letzten Tage vor dem 1. Mai, um auch den letzten Mann zu aktivieren. Ergänzt eure Turnkleidung. Bereitet die Werbeschriften für das 3. Bundesturnfest vor. immer heftigeren Zwischenrufen, so daß Genosse März schließlich den Ordnern die Weisung geben tuutzte, die Ruhestörer aus dem. Sac^le zu bringest. Innerhalb fünf Minuten war dann Abg. Stangl samt dem Großteil seiner Garde an die Lust gesetzt. Genosse Falsch konnte sein Referat über die politische und wirtschaftliche Lage in voller Ruhe zu Ende führen. Er wurde wiederholt von Zustimmungskundgebungcn unterbrochen und am Schlüsse seiner Ausführungen gab es reichen Beifall. Die im Saale verbliebenen Henleinleute aber blieben ruhig. SdP-Beschwerde an den Völkerbund Wie die„Zeit" meldet, haben Konrad Henlein und die Parlamentarier der Sudetendeutschen Partei beim Sekretariat des Völkerbundes in Genf eine Beschwerde gegen den Erlaß des Nationalverteidigungsministers Machnik über die Vergebung von Staatslieferungen überreicht. Einige tschechische Nachmittagsblätter nehmen berefts zu diesem Schritt der SdP Stellung. So schreibt der agrarische„B e c e r": Die Sudetendeutsche Partei und ihr Vorsitzender waren nicht gut beraten, wenn sie außerhalb des Staates appellieren. In der Diskussion, welche in der Tschechoflowakei möglich ist, hat jede politische Partei auf parlamentarischem Boden auch durch das Jnterpellationsrecht die Möglichkeit, die Beseitigung eines vermeintlichen Unrechts anzustreben. Im übrigen schaut in der Zeit, da die Henlein-Leute selbst eine Kontrolle der deutschen Fabriken und ihrer Angestellten einführen und die Aufnahme tschechischer Angestellten nicht erlaüben, ihr Appell nach Genf sehr eigentümlich ariS. Die Prolongierung der Mai» und Juni» Staatskassenanweisungen hat einen vollen Erfolg aufzüweisen. Nach den bisherigen Ausweisen wurde die Prolongation mit 600 bis 700 Millionen XL bedeutend überzeichnet. Von den neuen Zeichnungen wird das Finanzministerium lediglich die dreijährigen Kassenanweisungen übernehmen können. Nll unsere Abonnenten, Leser und Kolporteure! Wegen de« Staatsfeiertages am Freitag» den 1. Mal, entfuUt am Samstag, bett 8. Mai unsere Au«gabe, Die nächste Ausgabe erscheint dann zur gewohnten Stunde am Sonntag, den 3. Mai. Die Verwaltung. Seite 4 Sonntag, 26. April 1936 Nr. 99 Verfehlungen eines iansiShrisen EenossenscKsttskunletlonürs Im Bezirkskonsum-undSpar- Verein D e s s e n d o r f hat sich ein ganz ungewöhnlicher Fall Von unrechtmäßiger Verwendung Von Genossenschaftsgeldern ereignet. Der Kaffier Förster, der diese Funktion seit mehr als zwanzig Jahren bekleidet hat und zugleich Bürgermeister der Gemeinde Dessendorf gewesen war, hat ohne Wissen der übrigen Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder Gelder der Genossenschaft im Betrage Von 171.000 siü zur Bezahlung Von schuldigen Rechnungen des Gemeindekinos Verwendet. Förster war bisher zugleich der Kassenverwalter des Kinos. Die Verwendung der Gelder wurde hei der Verbandsrevision festgestellt. Auf Grund der Belege der von Förster bezahlten Rechnungen ist an die Gemeinde das Ansuchen um Anerkennung der Forderung des Konsumvereines gestellt worden. Die behördliche Revision der Kassenführung der Gemeinde wurde vom Landesamte verlangt. Die Kassengebarung der Genossenschaft ist in Unordnung'und weist noch einen Fehlbetrag auf, dessen Höhe jedoch erst nach Beendigung der Revision und der damit stattfindenden Üeberprüfung aller Anteil- und Spareinlagenbücher genau festgestellt werden kann. Die Verwandten des Kassiers haben sich verpflichtet, der Genossenschaft jenen Teil des Schadens in monatlichen Zahlungen zu ersetzen, der sich als Fehlbetrag in der Kassa nach Abrechnung der für die Gemeinde verwendeten Gelder ergeben wird. Förster hat seine Funktion in der Genossenschaft zurückgelegt, ebenso ist er von dem Amte als Bürgermeister der Gemeinde zurückgetreten und hat zugleich seinen Austritt aus der Partei vollzogen. Förster hatte unbedingtes Vertrauen genossen. Darauf und auf die schwer kontrollierbare Art, in der er die Falschbuchungen vorgenommen hat, ist es zurückzuführen, daß der Abgang großer Geldbeträge durch lange Zeit nicht bemerkt worden ist. Die Genossenschaftsleitung hat sofort nach Bekanntwerden der Verfehlungen des Kassiers eine außerordentliche Generalversammlung einberufen, die beschlossen hat, die Geschäftsführung der Genossenschaft dem Geschäftsführer des Allgemeinen Konsum- und Sparvereines in Reichenberg, Genossenschafter R e i ch e l t, zu übertragen. Den Spareinlegern wurde mitgeteilt, daß die Genossenschaft einen jeden Betrag sofort und ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist zu- rückzahlt. Es sind Maßnahmen ergriffen worden, tun eine gründliche Besserung auch bei dem Warengeschäfte herbeizuführen. Die Beschlüsse der Generalversammlung bilden hiefür die Grundlage. Die Genossenschaft verzeichnet in den letzten 2 Wochen steigende Umsätze und die Behebung von Spareinlagen ist eine g a n z g b ringe. Das ist der beste Beweis des Vertrauens der Mitglieder, zu dem sicheren Stande der Genossenschaft und ihrem neuen Geschäftsführer. ver Immer noch wachsende Industrie-Friedhof Die Gardinenfabrik PacoVskh& Co. in Bautsch, die in ihrer Blütezeit zweihundert Menschen beschäftigte, geriet 1931 in Zahlungsschwierigkeiten und ging in den Ausgleich. Die Hoffnung, daß das Unternehmen dann wieder dauernd flott werden würde, erwies sich als trügerisch; im Jahre 1934 setzte der Konkurs der Arbeit ein Ende. Und hier muß festgestellt werden, daß die Gemeinde damals schon erkannt hat, welchen Schlag es für die Stadt bedeuten würde, dieses Unternehmen zu verlieren. Deshalb kamen die Sparkasse, das Elektrizitätswerk und die Gemeinde dem Unternehmen bei der schleppenden Zahlungsweise entgegen, um den vorzeitigen Stillstand des Betriebes zu verhindern und seinen Ankauf durch eine andere Firma möglich zu machen. Nach zweijähriger Hinschleppung wurde die Fabrik endlich von der Großfirma Sborowitz in Proßnitz gekauft. Wochenlang bemühten sich die Bautscher Gemeindevertreter vergeblich um eine Aussprache mit den neuen Chefs. Inzwischen aber verkaufte diese Firma alles, was an Einrichtung vorhanden war, und setzte schließlich dem Werk die Krone auf, indem sie auch noch das ausgeräumte Fabrikgebäude als L a g e r h a u s an die Bezugs- und Verwertungszentrale G. m. b. H. des Zeniralverbandes der Landwirtschaftlichen Genossenschaften in Brünn verkaufte. Damit hat das arme Bautsch fast das Letzte verloren, was sie noch an Industrie besaß... Sozialdemokraten von Brüx gegen den RegleningskommlssSr Dr. Pfleger Die sattsam bekannten Verhältnisse im Beirat und nicht zuletzt der Standpunkt, den der Re- gierungskcmmissär Dr. Pfleger in seiner Information an die Presse am 17. April wegen Verpachtung des städtischen Gaswerkes und durch seine Berichtigung an die„Brüxer Zeitung" vom 21. April einnahm, haben die Beiräte der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei bewogen, künftig an den Sitzungen des Beirates nicht mehr teilzunehmen. Tödlicher Unfall. Auf dem Bahnhofe in Ko- motau wurde von einer aus dem Heizhaus kommenden Lokomotive der im Jahre 1913 geborene und in Schimberg bei Komotau wohnende Oberbauarbeiter Jaroflav I i r a n e k erfaßt, zu Boden geworden und überiahren. Er war auf der Stelle wt! Jiranek ist ledig. Die Welt feiert den Geburtstag Shakespeares In Stratford-on-Avon fand am 23. April, der nicht nur sein Geburtstag, sondern auch sein Todestag ist, auch in diesem Jahre eine große Geburtstagsfeier für Englands bedeutendsten Dichter und den größten Dramatiker der Weltliteratur, William Shakespeare statt. Den Höhepunkt der Feier bildete die Hissung der Flaggen aller Kulturnationen in der Hauptstraße dieses kleinen Geburts- und Sterbeortes Shakespeares. Hier sieht man den Festzug der Teil- . nehmer, die sich mit Blumenkränzen zum Denkmal des großen Dichters begeben.. Die Affenschande der„Kultur* Ein geistiger Führer des Nazismus hat bekanntlich erklärt, er entsichere den Revolver, wenn er bloß das Wort Kultur höre. Soll man zwischen diesem offenen Bekenntnis zur Uukul- tur und der schwulstig ekelhaften Kulturlüge der italienischen Spielart wählen, so fällt einem heute die Entscheidung reichlich schwer. Man ist beinahe geneigt, den unbeleckten nordischen Barbaren sympathischer zu finden als das schleimige Gezücht, das sich als Erbe„anfiker Kultur" ausgibt. Der Magen muß sich jedem fühlenden Menschen umdrehen, wenn er in einer offiziellen italienischen'Pköpagandaschrifi, die-'jetzt,-nach rund 30 Giftgasangriffen auf wehrlose Menschen, nach der Massenmetzelei an Frauen und Kindern erschienen ist, das folgende lesen muß: . Die int Ausland verbreiteten Nachrichten über italienische, der einheimischen Bevölkerung auferlegte Repressalien wegen grausamer Mißhandlung einiger italienischer Soldaten sind glatte Märchen. Die Wahrheit entspricht nahezu dem Gegenteil: denn das U e b em aß antiker Zivilisation erzeugt im Italiener r ein Uebermaß an Sanftmut. Ist einmal der Kampf zu Ende, so zeigt der italienische Soldat keine Spur von Gehässigkeit wider den Eingeborenen. Natürlich bringt der ' Krieg unerbittliche Forderungen mit sich, aber, alles in allem, ist ma» eben doch' vor den Kopf geschlagen, wenn man in gewissen Zeitungen die Regierung Roms und den barbarischen Gewaltherrscher Addis Abebas auf die gleiche Ststfe gesetzt sieht..Wer wirklich die Fronten des italienischäthiopischen Konfliktes aufgesucht hat, der vermag nichtzu begreifen, wie man Waffenlärm in Europa vernehmen kann, wo doch die Nachkommen Cäsar s, Augustus und Trai- ans nichts tuen als Furchen ziehen und Straßen bauen mitten im Herzen des barbarischsten Kaiserreichs der Welt. Die größereSchmach aber, die wahre Affenschande unserer Zeit ist es, daß, dies nicht in Rom geschrieben wurde, sondern ein Zitat aus dem„Le Petit Parisi e n" ist, einer Zeitung, die nicht müde wird, dm Schutz Europas und des Völkerbundes für die Heiligkeit der Verträge" und die„Sicher- heit Frankreichs" anzurufm! Der Bursche, der für die Lumperei verantwortlich zeichnet, nmnt sich Emanuel Jacob. Eine kleine Prise echt italienischm Kulturparfums wäre ihm von Herzen zu gönnen! Erne erfteuliche Erscheinung. Vor einer Woche ersuchte die Liga für Menschenrechte die Leser verschiedener Blätter um Beiträge für die Familie Nikola G e n y k, welche an der tschechischpolnischen Grenze fror und hungerte. Wahrhaft rührend wirkt die menschliche Solidarität, welche sich in Beiträgen äußert, die zugunsten der unglücklichen Familie eingehen. Es sind dies größtenteils Beträge von drei bis fünf Kronen, welche von Leuten gesandt werden, welche bescheiden leben und sich selbst etwas von ihrem kleinen Bedarf versagen müssen— jedoch sie helfen! Es sind dies:. Eisenbahner, Pensionisten, Post-, Steuer- und Privatbeamte, Angestellte der staatlichen Sägewerke, Lehrer^ Kaufleute, klein« Landindustrielle, Aerzte, Offiziere, ein Mittelschüler, eine Reihe von Frauen und andere. Es sind dies Leute, die menschlich fühlen und handeln; ihre Spenden sind ein schöner Beweis tatkräftiger Humanität. Es langten auch Sachspenden ein und diese sowie die Geldspenden wurden bereits nach Karpathorußland gesandt. Antisemitische Demonstrationen in Preßburg. Freitag abends wurde in einigen Kinos in Preßburg der Golem-Film gespielt. Dabei kam es zu Demonstrationen, an denen klerikale Studenten und Henlein-Leute beteiligt waren und die einen antisemitischen Charakter trügen. In dem einen Kino mußte die Vorstellung abgebrochen werden, die Polizei räumte den Saal und dann erst konnte weiter gespielt werden. In dem ande- ren«Kino mißlang der Versuch, die Vorstellung zu stören. Die Unruhen pflanzten sich dann vor dem Cast Astoria sowie in der Judengaffe fort, wo die Fenster eines jüdischen Geschäftsinhabers ein- geschlägen wurbtff. Del! Polizei würdest"ins-' gesamt- 21 Personen vorgeführt, darunter auch der Tenor Stefan Hoza. Im Lande Starhembergs. In Hall in Tirol beging der Direktor des städtischen Elektrizitätswerkes Johann Wopfner Selbstmord. Wopfner, der bis zu seinem Tode große Achtung und Vertrauen genoß, hat durch die 22 Jahre, die er das städtische Kraftwerk leitete, Unterschlagungen großen Stils begangen. Dkan spricht von rund 300,000 Schilling. Rache des gefangenen Wüstenkönigs. Bei Aufräumüngsarbeiten in einem Löwenkäfig des Jagdpavillons der internationalen Mustermesse in Mailand stürzte sich plötzlich ein Löwe auf den Wärter und verbiß sich in dessen Schultern.- Die übrigen Angestellten eilten dem Wärter zu Hilfe» und befreiten ihn. Er wurde schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht.-. Das Risiko des Rekordfahrers. Der bekannte Kraftwagenrennfahrer Giovanni Farina aus Turin, der bei zahlreichen großen Autorennen einen Platz in der Spitzengruppe der Fahrer einnahm, ist bei einer Trainingsfahrt auf der Monza- bahn schwer verunglückt. Er wurde bei einer Kurve aus der Bahn geschleudert, wobei der Wagen vollständig in Trümmer ging. Farina erlitt schtvere Verletzungen. Wer spricht heute noch von Thomas Mann? (fas Streichers.Stürmer" bringt in seiner Nummer 10(März 1936) eine Glosse.Das große Vergessen". Es verlohnt, einige Sätze daraus zu zitieren: »Drei Jahre sind seit der nationalsozialistischen Revolution vergangen. Eine winzige Spanne • Zeit. Und doch können wir uns kaum mehr erinnern, wie es einst war. Wer sprichtheute noch von Thomas Mann..., Sie sind vergessen. Wir schämen uns, je ein Buch dieser Sudler gelesen oder gar gekauft zu haben. Unser Volk hat sie mit der schwersten Strafe gestraft: mit dem Vergessen. Wir halten höchstens einen Augenblick die Nase zu, wenn der Wind einen Hauch deS Gestankes, den sie im Ausland verbreiten, bis zu unS trägt. Wir fühlen in diesen Momenten so recht, wen wir los geworden sind. In unS kommt kein Gefühl des Hasses hoch, wenn wir alle Jahre einmal zufällig auf ihre Namen stoßen. Der Haß ist im.Grunde etwas Großes. Große- aber wollen wir an diese Wichte nicht verschwenden. AuS einem-urgesunden Empfinden heraus hat unser Volk für all die Giftmischer eines gefunden: daS große Ver- geffen." Wer spricht-heute noch von Thomas Mann? Die ganze Welt! Und morgen auch wieder Deutsch- t land!« Lieber tot, als nochmals nach Sachsenburg. Ein Häftling des Konzentrationslagers S ochsen b u r g aus dem Orte Heringsdorg bei Mittweida würde fürchterlich zerschlagen mtd mit vereiterten-Wunden und 40 Grad Fieber in das Krankenhaus in Chemnitz cmgeliefert. Es gelang ihm nach einigen Tagen von dort zu entfliehen. In seiner Heimat angekommen wurde er von seinen Freunden sicher verborgen und gepflegt. Trotz eines Massenaufgebotes von Polizei und SA wurde er dank der Hilfe vieler Gesinnungsfreunde nicht entdeckt. Zu seinem Unglück erkannte ihn aber nach einiger Zeit ein Kriminalverbrecher, der ebenfalls in Sachsenburg gewesen war und ihn der Polizei anzeigte. Als die Polizei bei dem Mann eindrang, um ihn erneut zu verhaften, stürzte er sich mit den Worten:„Lieber tot, als zurück in diese Hölle!" ins Wasser(FK) 300 Kinderspielplätze in Leningrad. Nach der .Leningradskaja Pravda" vom 17. April werden in Leningrad für die Sonuncrperiode 300 Kinderspielplätze eröffnet werden. Für die Einrichtung dieser Spielplätze werden von der städtischen Abteilung für Volksbildung 600.000 Rubel ausgeworfen,(s)- Arbeiterkarten am 1. Maik DaS Eisenbahn- Ministerium bewilligte, wie schon einmal gemeldet, die außerwurliche Benützung der Arbeiter-Wochenkarten, welche für die Fahrt vom Wohnort zum Arbeitsort in der Zeit vom 27. April bis 2. Mai 1936 gelten, auch zur Beteiligung an den Feiern, welche am 1. Mai 1936 veranstaltet werden. Soweit die Angestellten(Arbeiter) zur Fahrt an den Arbeitsort Arbeiter-Rückfahrkarten benützen, bewilligte das Ministerium die Verwendung von solchen auch am 1. Mai 1936. Bor dem Jugendgericht in Mähr.-Ostrau hatten sich Samstag zwei 16jährige Knaben zu verantworten. Der eine von ihnen hatte sich einen Revolver gekauft und beide verabredeten, den Wächter der Grube„Franz" zu überfallen. Als sie dem Wächter nicht begegneten, überfielen sie zwei Frauen, entwendeten ihnen jedoch nichts. Außerdem verübten sie einige kleinere Diebstähle. Beide wurde zu je 15 Monaten Verschließung verurteilt; sie nahmen die Strafen unter Tränen an. 350.000 Kd in 12.831 Gewinnen gelangen zur Verlosung bei der 6. Effektenlotterie des Bundes der Kriegsverletzten, Witwen und Waisen, Zentrale Reichenberg, 1. Haupttreffer 100.000 siö, 2. Haupttreffer 20.000 KG, 3. Haupttreffer 10.000 sie. Die ersten drei Haupttreffer werden auch in llar ausgefolgt. Hauptgewinne wurden bisher ausgezahlt nach Asch, Aussig, Frauenthal bei Hohenfurch, Meißen, Grünwald a. N., Komotau, Reichenberg, Roßbach und Widach. Ziehung am 14. Oktober 1936. Lose zum Preise von 5 sic in allen einschlägigen Geschäften. Schriftliche Bestellungen nimmt entgegen: Bund der Kriegsverletzten, Witwen und Waisen, Reichenberg, Leffingsträße 2. Die Witterung in Mitteleuropa steht andauernd unter dem Einfluß eines langsam zerfallenden Drucktiefs, das sich über die Ostsee erstreckt. An dessen Westseite strömt gegen Süden kühlere Lust von Mittelskandinavien, die bei uns die T e m p e r a t u- turen unter demNormalwert erhält. Eine durchgreifende Aenderung des Wetters wird deshalb erst dann beginnen, bis sich jenes Drucktief ausfüllen wird.— Wahrscheinliches Wetter von heute: Zunächst noch größere Bewölkung, nur schwache lokale Schauer, besonders abet in der Osthälfte der Republik, mäßig kühl. Später in Böhmen fortschreitende Ausheiterung, Erwärmung und Winddrehung nach Südwesten.— Wetteraussichten für Montag: Weitere Besserung der Witterung, wärmer, Südweftwind. Vom Rundfunk taetaMmwartM aus 4m ProirnnaMi Montag: Prag, Sender L: 6.15: Gymnastik und Salonorchester, 10.05: Deuffche Presse, 11.35: Mozart- Kompositionen, 12.10: Operngesänge. 12.35: Mu- sjiks Salonquartett, 13.40: aus„Carmen", 17.40: Russische Lieder, 18.10: Deuffche Sendung: Körpererziehung, 18.30: Dozent Bumba: Verschiedene Arten von Schwerhörigkeit, 18.45: Deutsche' Presse, 19.15: Englisch für Anfänger, 21.20: Reportage auS dem Weinberger Theater, 22.40: Deutsche Presse. Sender S: 7.30: Salonorchesterkonzert, 14.20: Deuffche Sendung: Roman mit Schallplatten v. B. Sordan, 14.50: Deuffche Presse, 18.10: Konzert, 19.10: Harmonikasolos.— Brünn 17.20: Bücherneuheiten, 17.40: Deuffche Sendung: Dr. Steinermayer: Wichtigste Epochen der englischen Literatur, 19.30: Liebe aus Reisen, Operettenrevue. — Preßbnrg 16.10: Nachmittagskonzert, 22.45: Tanzmusik.— Kascha» 12: Aus Smetana-Opern, 20.40: Rundfunkorchesterkonzert.— Mährisch-Ostrau 15: Nachmittagskonzert, 18.10: Deuffche Arbeitersendung: Kamler: DaS Buch. Buchgesetz und di« Arbeiterschaft,— Klavierkonzert, 21.35: Mozart- Kompositionen. DienStagr Prag, Sender L: 10.05: Deuffche Presse, 11: Dvokäk: Waldarie, 11.05: Rundfunk für deuffche Schulen, höhere Stufen, 12.35: Mittagskonzert,- 13.40: Aus„Hoffmanns Erzählungen", 18.10: Deuffche Sendung: Neue Kammermusik, 18.45: Deuffche Presse, 19.10: Militärkonzert, 20: Griechische Lieder, 21: Rundfunkorchesterkonzert, 22.15: Tanzmusik. Sender S.: 7.30: Populäres Konzert, 14.15: Deuffche Sendung: Schallplatten, 14.50: Deuffche Presse, 1$: Volkslieder, 18.20: Saxophonsolo.— Brünn 17.20: Opernarien, 17.40: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Sozialinformationen, Hübl: Mode und Politik, 18.30: GeigensoloS, 20: Gitarrenlieder.— Preßburg 15: Nachmittagskonzert, 19.45: Liederkouzert.— Nährisch-Ostrau 16.10: Nachmittagskonzert, 17.35:' Liederkonzert, 18.10: Deuffche Sendung: Landwirtschaft. Nr. SS onntag, 26. April 1836 Seite 8 Seinen Sohn nach 18 Jahren als berühmten Borer wiedergefnnden Auf eine romantische Weise fand der berühmte französische Boxer Valentin Angelmanu seinen Vater wieder. Dieser war, als Valentin Angelmann drei Jahre zählte, in den Krieg gezogen, aber nicht wieder heimgekehrt und deshalb^ als Vermißter in die Listen eingetragen worden. Vater Angelmann, der dennoch heil aus dem Kriege zurückgekommen war, vermochte seine Familie nicht wieder aufzufinden, trotzdem er eifrig danach suchte. Nachdem sein Sohn jetzt berühmt wurde, erfuhr der Vater durch die Zeitungen von seinem Aufenthaltsort und traf ihn zum erstenmal bei einem Boxkampf in Fresnes-en Woevre. Unser Bild zeigt die Begrüßung zwilchen Vater und Sohn. Telephonverbindung Moskau—New Nork. Die Taß meldet in der„Leningradskaja Pravda" vom 15. April, daß am 14. April um 7 Uhr 20 Min. abends die neue Telephonlinie Moskau—New Uork zu fungieren begann. Die Gespräche sind sehr güt zu hören. Aus Moskau kann damit auch mit anderen Städten der USA. gesprochen werden. Die Gespräche werden über London geführt, mit dem die SSSR. eine.ständige direkte Telephonverbindung hat.(s) Im Zeichen der Rationalisierung in der SSSR. Die„IenmgradskajarPravda." meldet apt 1L. AstA aus Moskau, daß auf einer Konferenz der polygraphischen Industrie festgesetzt wurde, auf Grund der Ergebnisse der besten Stachanow-Arbeiter die Arbeitsnormen durchschnittlich um 28 Prozent zu erhöhen,(s) Arlette Stavisky wird aus Amerika ausgewiesen. Arlette Stavisky, die Witwe des verhängnisvollen französischen Hochstaplers, ist, wie man weiß, seit einiger Zeit in New Dork als Revuegirl und Mannequin aufgetreten. Sie ist jetzt binnen acht Tagen ans Amerika auSgewiefcn worden. Tas Sensationellste an dieser Nachricht isst', daß die Ausweisung nicht von den Jmmigrationsbehörden, sondern vom Sittendezernat verfügt worden ist. Selbstverständlich haben alle Reporter versucht, die sittlichen Verfehlungen von Arlette Stavisky festzuftellen, aber es ist bisher nicht gelungen, das Geringste zu erfahren, da Arlette Stavisky vollkommen zurückgezogen gelebt hat. Das Testament eines Irrsinnigen? Bei einem Londoner Notar wurde vor einigen Tagen das Testament deS amerikanischen Millionärs Henry Whiting geöffndt, der genau vor einem lJahre in Paris verstorben ist. Das Testament umfaßt 110 mit Maschine eng beschriebene Seiten. Abgesehen von wenigen einleitenden Bemerkungen handelt es sich um eine Liste von Tausenden von Personen, die kleinere und größere Beträge erhalten sollen. DaS Merkwürdigste daran ist, daß fast niemand dieser Personen in irgendeiner Beziehung zu dem Verstorbenen gestanden haben. Rur ganz wenige haben ihn flüchtig gekannt. Die glücklichen Erben gehören allen Gesellschaftsklassen an, Arbeiter und Lords sind gleichermaßen bedacht, und zwar offenbar vollkommen willkürlich, was die Höhe der Erbschaft anlangt. Die Adressen von vielen Genannten konnten unmöglich stimmen, da es die genannten Straßen in den betreffenden Städten gar nicht gab. Zum Schluß dar man nach Nachprüfung der Angelegenheit den Eindruck bekommen, daß eS sich um das Testament eines Wadnsinnnigen handelt, der offenbar, aus Adreß« und Telephonbüchern Namen und Adressen völlig willkürlich kombiniert hat. Da seine Verwandten nur eine verschwindend geringe Summe von kaum 500 Pfund erhalten sollten, so wird das Testament angefochten werden. Wenn Artisten demonstrieren... In dem großen Pariser Variete.Alhambra" kam es vor einigen Tagen während der Vorführung zu Demonstrationen seitens arbeitsloser französischer Revuekünstler, die die Entfernung ihrer ausländischen Konkurrenten verlangten. Diese Demonstrationen sind durchaus fachgemäß'durchgeführt worden: auf dem Höhepunkt des Skandals wurden plötzlich von den Rängen Stricke heruntergelaflen und Trapezkünstler, die als Zuschauer gekleidet waren, warfen ihre Anzüge ab, kletterten im Trikot unter Beifall der Zuschauer herunter und verteilten Flugzettel mit den Forderungen der Demonstranten. Mussolini gewinnt eine Kolonie Die Satrapenrolle Albaniens (Glg. st Während die Eroberung Abessiniens trotz des Versagens der Bölkerbundsaktion mehr Zeit ist Änsprgch nimmt als Mussolini angenommen zu haben scheint(so daß die englische Regierung Grund zu einer stoch immer qbwartenden Haltung zu haben.gPiußi) r ist Mussolini die friedliche Eroberung einer neuen Kolonie fast unbemerkt gelungen. Als die römischen Blätter vor wenigen Tagen den Abschluß eines„Handels- vertrages"mit A l b a n i e n meldeten, konnte ntttn höchstens ahnen, daß es sich dabei um mehr als nur eine kommerzielle Angelegenheit handelte. Inzwischen hat sich nun die„Neue Zürcher Zeitung" aus Rom über den wahren Charakter dieses Handelsvertrages informieren lassen,— und.ciUs ihrem Bericht wird klar, daß mit diesem Vertrag tatsächlich ein ganzes Land an den italienischen Diktator verhandelt worden ist und daß Albanien nach Oesterreich die zweite Kolonie Mussolinis geworden ist. Der italienisch-albanische Handelsvertrag knüpft an die ersten Anleiheverhanvlungen des albanischen„Königs" Zogu mit Mussolini aus dem Jahre 1931 an. Schon damals führten sie zu einer starken Abhängigkeit Albaniens von der römischen Diktatur, aber diese Abhängigkeit dauerte nur zwei Jahre, da sich innerhalb Abbaniens eine wachsende, auf Englands und Frankreichs Beistand hoffende Opposition geltend machte, die Mussolini so unangenehm wurde, daß er im Jahre 1933 eine italienische Flottendemonstration im Hafen von Durazzo veranstalten ließ, um seine Gegner einzuschüchtern. Was ihm damals nicht gelang, ist ihm jetzt, nach drei Jahren, gelungen: die albanische Wirtschaft und die albanische Armee haben sich ihm ausgeliefert. Gegen eine(in Raten zahlbare) Anleihe von insgesamt 25 Millionen Lire hat Italien sämtliche albanischen Oelkonzessionen erhalten, die bisher in englischem und französischem Besitz waren, und außerdem hat sich die albanische Regierung damit einverstanden erklärt, in ihre Die sowjetrussische U-Bootflotte im Frrnost. In der„Krasnaja Zwezda"(15. 4.), der Tageszeitung der Roten Armee, werden folgende Jn- formationen über die russische U-Bootflotte im Fernost mitgeteilt: Das erste russische U-Boot ist in den pazifischen Gewässern völlig unbemerkt erschienen. Heute sind diese Gewässer von vielen solcher U-Boote bevölkert. Am besten könnte davon der Oberkommandierende der U-Bootflotte Ho- lostjakoff erzählen. Wenn man ihn fragt, ob die »sowjetisch«^ fl-Bootflothe sich bereit» ein Ansehen im-Pazifik erworben habe, antwortet«r lächelnd:- Die Japaner sagen, daß ja. Die japanische Presse nennt ihn„Ä d m i r a l H o l o st j a k o f f". Er ist ursprünglich einfacher Matrose gewesen, später Steuermann. Heute ist er Oberkommandierender der fernöstlichen U-Bootflotte der Sowjets. Seine Spezialität ist der Tiefgang. Seine Rekorde in dieser Hinsicht sind bisher unerreicht. Zuchthausstrafen für lettische Sozialisten. Aus Riga wird uns geschrieben: Anfang April fand in Riga ein Prozeß gegen zehn frühere Mitglieder der sozialdemokratischen Partei und des Arbeiter-Jugendbundes statt, die man der illegalen Fortführung der nach dem faschistischen Staatsstreich' aufgelösten sozialdemokratischen 10.000 Mann starke Armee 50 italienische Offiziere einzustellen,«inen italienischen Obersten zum„Chef der Militärkanzlei" beim König Zogu zu ernennen und die Hafenverwaltuug von: Durazzo den Italienern zu übergeben. Damit nicht genug, hat sich die albanische Regierung auch noch verpflichtet, unter italienischer Leitung Küsten- und Grenzbefestigungen anzulegen. Obwohl Albanien ein Gebirgsland mit nur einer Million Einwohner ist, hat der Gewinn dieser Kolonie für Mussolini, doch erheblichen wirtschaftlichen und strategischen Wert. Durch den Erwerb der albanischen Oelquellen ist Italien für den Fall von Oelsanktionrn vor dem Aergsten bewahrt, durch die Anlage von Küstenbefestigungen wird es die Möglichkeit haben, der englischen Flotte die Einfahrt ins Adriatische Meer zu sperren, und die albanischen Grenzbefestigungen sind als Drohung gegen Jugoslawien und Griechenland gerichtet, das seit der Rückkehr des Königs Georg zu Englands Verbündeten zählt. Die Unterwerfung Albaniens unter die italienische Diktatur ist die erste sichtbare Folge des Mißerfolges der Genfer Beratungen: die Kreise in Albanien, die auf England und Frankreich hofften, sind durch die offen zutage getretene Uneinigkeit der beiden Westmächte entmutigt worden und haben ihren Widerstand gegen die italienische Vormundschaft aufgegeben. Da der Völkerbund an seiner ersten großen Aufgabe vorläufig gescheitert ist, droht sich Europa wieder— wie vorher— in ein System von Großmächten und Bündnissen aufzulösen, und Albanien hat sich in Erkenntnis dieser Tatsache an die nächstliegende Großmacht angeschlossen. Die englisch-italienische Konfliktszone aber, die sich bisher nur auf das Mittelmeer und Ostafrika beschränkte, ist jetzt auch auf die Balkanhalbinsel ausgedehnt worden, wo sich nun an der griechischalbanischen Grenze die Interessensphären Englands und Italiens treffen. Partei beschuldigte. Der Hauptangeklagte, Genosse I a n s o ri, früherer Vizevorsitzender des Arbeiter-Jugendbundes, erhielt vier Jahre Zuchthaus. Er wird diese Strafe in den berüchtigten Kalnziemer Steinbrüchen abbüßen müssen. Die übrigen Angeklagten erhielten ein bis zwei Jahre schweren Kerkers. Sämtliche Angeklagten wurden während der Voruntersuchung schwer mißhandelt und haben sich fast ausnahmslos vor Gericht äußerst mannhaft benommen. SenttSlstaösverhaUdkungen. Die Genfer Mitarbeiterin von„O tu v r e", TäboulSf berichtet über die Unzufriedenheit, die in Sowjetkreisen darüber herrsche, daß trotz der Ratifizierung des russisch-französischen Paktes, die technsschen Verhandlungen zwischen dem französischen und dem russischen Genrälstab, die bereits bei der Unterzeichnung des Paktes im Mai 1935 vorgesehen waren, bis jetzt nicht stattgefunden haben. Der Pariser russische Botschafter Potemkin hat während der letzten Genfer Tagmig darüber eine Unterredung mit Paul-Boncour gcbabt. Die ftanzösische Langsamkeit erklärt sich, nach der Ansicht von Tabous, nicht durch irgendwelche Hintergedanken, sondern durch eine gewisse politische Passivität. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Handelskammern gegen Sozialpolitik Die Handelskammern, die ja bekanntlich nichts anderes sind als Organisationen der Unternehmer in Industrie, Handel und Gewerbe, betrachten die Sozialpolitik als ein hervorragendes Betätigungsfeld. Ihren ganzen Einfluß machen sie geltend, um einen Ausbau der sozialen Gesetzgebung aufzuhalten und schon Erreichtes, wenn es geht, wieder rückgängig zu machen., Es gibt bei der Kammerzentrale einen besonderen Sozialpolitischen Ausschuß, der darum auch seine Aufgabe nicht darin sieht, Vorschläge für die Erweiterung des sozialen Schutzes der hilfsbedürftigen Bevölkerung auszuarbeiten, sondern darin, Pläne gegen die soziale Hilfe vor allem des Staates zu schmieden. So wird jetzt gemel». oet, daß dieser Sozialpolifische Ausschuß der Handelskammern sich gegen die von den Gewerkschaften und der Sozialdemokratie angestrebte Verlängerung der Unabdingbarkeit der kollektiven Arbe-its- oerträge ausgesprochen hat. Es müßte auch den in der Kammerzentrale führenden Unternehmern bekannt sein, daß die Unkünd- barkeii der kollektiven Arbeitsverttäge durch die Wirtschaftskrise dirett erzwungen worden ist und daß sie viele tausende Arbeiter und Angestellte vor einer weiteren Verschlechterung ihrer sozialen Lage bewahrt hat. Sie wirkt sich insofern auch als ein« krisenbekämpfende Maßnahme aus. Um so mehr muß dieser sozialfeindliche Akt des Handelskammer-Ausschusses zurückgewiesen und darauf gedrungen werden, daß er bei den maßgebenden Stellen keine Berücksichtigung findet. Staatliche Planungsstellen in USA Staatliche Planunstellen bestehen in 46 Staaten der Vereinigten Staaten, so daß nur 2 Staaten(Delaware und Coluinbia) keine Pla- nungstellen besitzen. Das Tätigkeitsgebiet der Aemter ist mannigfaltig. Sie unterstützen die Bundesregierung bei der Bestimmung der in ihrem Staate aufzunehmenden öffentlichen Arbeiten. Diese Planungstellen haben sich bereits Verdienste dadurch erworben, daß sie bei der Erschließung der nationalen Hilfsquellen ein glattes Zusammenarbeiten der verschiedenen staatlichen Depatements zustandege- bracht haben. Die Planungsämter setzen sich aus Fachschuldirektoren, Bolkswirffchaftlern, Landesarchitekten, Ingenieuren, Gewerkschaftlern, Unternehmern usw. zusammen. Oie Industrielle Umsiedlung In Großbritannien Das Problem der industrieflen Umsiedlung beschäftigt die britische Oeffentlichkeit nach wie vor in hohem Maße. Es handett sich bekanntlich darum, aus den Gebieten, deren Industrie dauernd brachliegt, nach besser situierten Bezirken Arbeitslose umzusiedeln. So sind vost 1921 bis 1934 aus Süd-Wales etwa 291.000 und aus Nort- humberland und Durhan etwa 244.000 Arbeiter abgewandert. Zunächst vollzog sich dies ungeregelt, erst seit 1928 hat das Arbeitsministerium eiß System von Maßnahmen ausgearbeitet. Es werden systemattsch Arbeitsmöglichkeiten in den Gebieten geringerer Arbeitslosigkeit erforscht, den Arbeitslosen Hilfe für die Uebcrsiedlung geboten. Von 1932—1935 sind auf diese Weise zirka 20.000 Arbeiter ausgewandert. Verlanget überall Volkszünder Von Werner Hegemann dem vor kurzem verstorbenen genialen Ge- fchichtsphilosophen, sind bei der Zentralstelle für Bildungswefen Prag XII, Slezfla 13, folgende Werke erhältlich: Entlarvte Geschichte, geb... XL 40.— brosch.. Kö 32.— Jugendbuch vom großen König Kö 28.— Der gerettete Christus... XL 23.— SdP-„Belange M und ProzeBkosten Prag. Kurz nach den Maiwahlen veröffentlichten die„R a n n i n o v i n h" eine Notiz, in der berichtet wurde, daß die neugebackenen SdP-Parla- mentariex anläßlich der feierlichen Versammlung in der Egerer„Helden-Gedenkhalle"(verbunden mit Treuegelöbnis zu Henlein, nebst Kranzniederlegung beim.Mann im Eisen" u. dgl.) das Horst Wes- sel-Lied gesungen hätten. Die Folge war, daß 96 SdP-Abgeordnete, Senatoren und Landesvertre- ter gegen den verantwortlichen Redakteur Doktor C h a r b ä t Strafanttag wegen Uebertretung nach 8 4 des Ehrenschutzgesetzes stellten— und zwar jeder für sich. Die Mannen fühlten sich also an ihrer Ehre gekränkt. Wie immer es mit ihrer Loyalität sonst bestellt sein mag— dem Justizärar lassen sie bekanntlich bei solchen Anlässen gern etwas zukommen. Kurz und gut, dem Pressegericht gingen 96 ziemlich gleichlautende Strafanträge gegen den Verantwortlichen Redatteur wegen Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge zu. « Vor dem Vergleichsrichter erklärte sich der Vertreter des Geklagten bereit, in dem Blatt zu konstatteren, daß die' SdP-Herren damals das Horst Wessel-Lied nicht gesungen hätten und der Vergleichsrichter erklärte die Formulierung dieser Genugtuung als hinreichend und bestimmte, daß die zu ersetzenden Kosten der Kläger später vom Gericht, festzusetzen seien. Der Verteidiger Dr. Sommer rekurrierte gegen den Ausspruch deS Vergleichsrichters an den Beschwerdesenat des Pressegerichtes, und zwar in dem Punkt, daß die zu ersetzenden Kosten gleichzeitig vom Vergleichsrichter hätten festgesetzt werden müssen. Der Verteidiger berief sich auch darauf, daß die 96fache Einbringung ein und desselben SttafantrageS offensichtlich in unzulässig schikanöser Absicht erfolgt sei, um der Gegenpartei möglichst hohe Kosten z» verursachen, zumal es sich um mechanisch vervielfältigte Formulare handle. Der. Beschwerdesenat schloß sich im wesentlichen dieser Ansicht an und erklärte einen Kostenersatz von 3478.54 KL als hinreichend zur Satisfaktion der .96, Kläger., Tarnst, pgxrp.die., SdH^läger freilich, sticht einverstanden und brächtest' Ristirs an das'-^ Obergerichk ein,' welche? ihn aber.abwies, da für solche Auseinandersetzungen lediglich der Beschwerdesenat des Pressegerichtes zuständig sei. Gestern wurde also vor dem Preffesenat des GR Dr. BernäSek dieses Verfahren fortgesetzt, da die Kläger sich auf keinen Fall mit dem genannten Kostenersatz begnügen wollten, sondern mindestens 7000 Kä forderten. Die Diskussion um diese Frage war vom prefferechtlichen Standpunkt überaus interessant, denn es kam eine ganze Reihe bemerkenswerter Probleme zur Erörterung, die das„Gesetz zum Schutz der Ehre" nicht eben eindeutig gelöst har. Die Auseinandersetzung endete mtt einem Vergleich.- betrug am künden— exemplarische Strafe Prag. Das Ehepaar A n t o n und Aloisia L u st i n e c betreibt eine Greislerei in Z i z k o v und seine Kundschaft rekrutiert sich natürlich durchwegs aus kleinen Leuten, denen eine Krone viel bedeutet. Am 21. November erschien in dem Laden unvermutet ein Kontrollorgan des Eichamtes, um Waage und Gewichte zu überprüfen. Diese Kontrolle ist notwendig, denn eS gibt Geschäftsleute, die sich kein Gewissen daraus machen, durch allerlei Tricks ihre Kunden zu schädigen. Zu diesen Gewichtsverfälschern gehört auch Frau Lustinec. Der Beamte stellte fest, daß unter der. Waagschale, auf welche die Ware gelegt wird, ein Stück alter Butter angeklebt war, welches 15 Gramm wog, so daß die Kunden bei jeder ausgewogenen Ware um dieses Gewicht geschädigt wurden. Die Sache war raffiniert genug eingefädelt, denn einerseits war die gelbe Butter auf der Messingwaage nicht gut zu sehen und dann lag im Betretungsfall die Ausrede nahe, daß eben beim Auswiegen von Butter„zufällig" ein Stück an der Waagschale hängen, geblieben sei. Diese Ausrede verfing allerdings nicht und auf Grund der klaren Feststellungen des Beamten erhob die Staatsanwaltschaft gegen das Ehepaar die Anklage wegen des Verbrechens des Betruges, über die gestern der Strafsenat Krys t ü f e k zu verhandeln hatte. Anton Lustinec hatte sich krankheitshalber nicht zur Verhandlung eingestellt und wurde schließlich in absentia freigesprochen, da ihm ein direktes Verschulden picht nachgewiesen wurde. Interessant ist allerdings, daß dieser Mann zwar achk- zehnmal wegen Lebensmittelverfälschung vorbesttaft ist, aber trotzdem laut Polizeiauskunft einen guten Ruf hat(I) Als Hauptperson erschien seine Gattin, die sich zwar mit großem Stimmaufwand verteidigte, aber schließlich doch zu drei Monaten schweren und verschärften Kerkers verurteilt wurde, und zwar unbedingt. In der Urteilsbegründung sprach das Gericht aus, daß, abgesehen von den Vorstrafen der Angeklagten(darunter auch solch« wegen Lebensmittelverfälschung) schon der Charakter dieser Betrügereien, die auf die systemattsche Uebervortei- lung der meist vermögenslosen Kundschaft abzielten, den Vollzug der Strafe notwendig mache. Die Ver- urteilte meldete Nichtigkeitsbeschwerde an, Staatsanwalt Dr. M e j st t i k Berufung wegen zu niedri- gem Strafausmaßes.:b. Seite 6 „Sozialdemokrat" Sonntag, 26. April 1936. Nr. 99 Trager Zeitung Bestrafter Dieb. In ein Metallgeschäft in Karolinental kam gestern vormittags ein unbekannter Mann, der Zinn zum Verkaufe anbot; dem Geschäftsinhaber kam er jedoch verdächtig vor und er beschloß, einen Polizisten zu holen. Bei besten Ankunft ergriff d'er Mann die Flucht und versuchte über einen Zaun zu kletternn, fiel jedoch herab und brach den rechten Fuß, Der herbeigeholte Polizist erkannte in ihm den bekannten 43jährigen Dieb Wenzel Kral ans Zizkob. Das Zinn, das er hatte verkaufen wollen, waren Bierröhren, di« er in einem Gasthaus in Klein-Kuchelbad gestohlen hatte. Er wurde ins Allgemeine Krankenhaus überführt. Wieder ein Arbeitsunfall mit Erblindung. Wie schon vorgestern, mußte auch gestern ein Arbeiter, der durch«inen Akbeitsunfall ums Auge gekommen war, auf die Klinik Kadlicky eingeliefert werden; es handelt sich um den 29jährigen Josef Vetesnik aus Prosek, dem kurz vorher, während er an der Niederreißung einer Baracke in der Letenskä in Prag III arbeitete, ein Stück Ziegel das Auge getroffen hatte. Die Verletzung ist schwer. Tie Kanzlei des Verbandes erblindeter tschecho- slawakischer Soldaten veröffentlicht einen Aufruf an alle Menschen guten Willens, den Verkauf seiner Produkte, die die gesetzliche Schutzmarke, das Haupt eines Blinden mit der Binde Wer dem linken Auge, tragen, zu unterstützen. Aus dieser Aktion hat der Verband an seine Mitglieder 42.250 Kc an Unterstützung und Bekleidung verteilt. Den Verkauf führen bloß Kriegsinvalide, die Witwen nach Verbandsmitgliedern und einige Mitglieder durch, die mit der Verbandslegitimation ausgestattet sind. Der Verband ersucht, anders als mit der obigen Schutzmarke gekennzeichnete Waren abzulehnen und nicht berechtigte Personen.sicherstellen zu lassen. „Was erwarten die Deutschen von den Tschechen?" ist das Thema eines Diskuffionsabendes, der Montag, den 27. d. M., um 19 Uhr 30 im Gewerkschaftshaus am Persthn stattfindet. Die einleitenden Worte spricht Abgeordneter Genoffe I a k s ch, die Diskussion eröffnet der tschechische Genoffe Abg. Dr. Marek. Veranstalter sind die Akademische Imka und die Vereinigung für internationalen Frieden. Telephonteilnebmer, die in die Sommerfrische reisen, werden von der Postverwaltung ersucht, einen bevollmächtigten Vertreter namhaft zu machen, der die Telephonrechnungen in Empfang nimmt und bezahlt. Noch besser wäre es, schon jetzt die künftigen Rechnungen in der Form eines annähernden Vor-! schusies zu begleichen. Solche Voreinzahlungen können gleichzeitig mit der letzten Rechnung oder mittels eines Bianco-Scheckeinzahlungsscheines der Postsparkaffa auf das Konto der Telephonrechnungsabteilung der Postdirektion Nr. 42.900*16 eingezahlt werden. Auf dem Erlagschein ist anzuführen: „Z&loha na telefonni poplatky stanice fiis... Kunst und Mssen „Salzburg ausverkauft** Ta es für Silvester schon zu spät und für die Sommerspielzeit noch zu früh ist, ist das Erscheinen dieser von Renato M o r d o verfaßten Revue weder durch den Kalender noch durch die Temperatur motiviert— und, um es rasch zu sagen, auch durch kein dringendes künstlerisches oder auch nur theatralisches Bedürfnis. Die Witze, die wir da gestern in der Kleinen Bühne hörten, waren zum Teil nicht sehr neu und zum Teil nicht sehr gut, die„Satire" erschöpfte sich teils an den Salzburger Einwohnern, die heimliche Hitleristen sind, und andernteils an den Engländerinnen, die sich als Dienst kleiden, und die Parodie, die sich an Goethes Prolog im Himmel und an einem Mozart-Potpourri übte, wäre, wenn sie nicht so schnell vorüber gewesen wäre, unbedingt peinlich geworden. Salzburgisch im fokloriftischen Sinne wirkte annähernd nur Trude Wessely, beim Vortrag des Chansons„Ein Dirndl schreibt", salzburgisch im festspielmätzigen Sinne wirkte allenfalls Hilde K o n tz n i, die(welch ein Einfall!) als Nannerl einen Mozartbrief sang(die anderen, die keine Stimme haben, sangen erheblich mehr), und gutes Kabarett bot Dolores M o n c a s i in ihrer hübschen Soloszene als Auto-Mascottchen. Von den sonstigen Mitwirkenden könnte man gerade noch Martin C o st a, Emmy Carpentier und Herrn Stadler erwähnen— und die Herren Rieger und S ü ß k i n d, die eine angeblich von Ivan Francis herrührende, aber großenteils nicht „unerhört" klingende Musik mit sehr viel Eifer auf zwei Klavieren produzierten. Bei der gestrigen Uraufführung war„Salzburg ausverkauft" in der Kleinen Bühne ausverkauft, und da es ja ein Publikum zu geben scheint, das„Aktualitäten" verlangt, die um keinen Preis aktuell sein dürfen, kann sich der Vorgang möglicherweise noch einige Male wiederholen.—eis— Karel Dvofäk Die Ausstellung der Werke des Bildhauers Karel Dvorak im„Manes" umfaßt den Zeitraum von 1913 bis 1936 und gibt damit einen Ueberblick über das bisherige Schaffen des Künstlers. Der Zufall hat es gefügt, daß zwei Kriegerdenkmäler es begrenzen, das eine aus dem Jahre 1916, deffen Aufstellung auf dem Belvedere der Landeskommandant Zanantoni verbietet, weil es nicht kriegerisch genug ist—„Kdo näm odvali kämen" spricht die Inschrift—, und das andere von 1934, das Denkmal der tschechischen Legionäre für den Pariser Päre Lachaise. Es war lange Zeit am Altstädter Ring zur Schau gestellt und erscheint auch hier im Originalmodell wieder so balladesk bewegt wie seinerzeit unter freiem Himmel. Groß ist die Zahl der Bildnisbüsten, die Dvoräk geschaffen hat. Die Büsten Masaryks, Beness, Olga Scheinpflugs und seines Lehrers Jan Stursa bestätigen den Eindruck auch der anderen, deren Modelle man nicht kennt, daß Dvokäk die Persönlichkeit im Bildnis zu erfaffen und darzustellen weiß. Arbeiten aus früherer realistischer Zeit wie die merkwürdigen.Kameradinnen" und die schlafenden Auswanderer lassen den Weg ab- meffen, den der Künstler zurückgelegt hat. Einblick in sein Schaffen gewähren die Arheiisfolgen von der Bleistiftskizze, vom ersten kaum handhohen Entwurf einiger der ausgestellten Plastiken bis zum vollendeten Werk. Die schöne, in ihrer ergebenen Haltung so scheu-keusche, ihrer Weiblichkeit aber doch schon heimlich bewußte„Vierzehnjährige", deren lebensgroße Bronzestatue im Kinskygarten steht, ist in sechs Arbeitsstadien vertreten. Diese Mädchenfigur, der von erwachenden' Ahnungen bewegte „Knabenakt"(67), der mehr als nur„Aki" ist, der schöne„Frauentorso"(87) und die leicht an altägyptische Plastiken anklingenden Statuen. des dumpf staunenden.Landmädchens"(70) und des „Frauenaktes"(85) sind Schöpfungen des Künstlers auf der jetzigen Höhe seines Schaffens. ld. „La Boheme" mitZdenkaZikova(Wiener Staatsoper) als Arbeitervorstellung (Maifestvorstellung) am Donnerstag, den 30. April, um halb 8 Uhr abends. Karten täglich von 8—2, 4—6 Uhr bei Optiker Deutsch, Koruna. Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Heute, Sonntag, halb 3:MorprozeßFolk- n e r, halb 8:Boccaccio, C2.— Montag halb 7 Uhr: Der Freischütz, Theatergemeinde der Jugend gemeinsam mit Urania, Abonnement aufgehoben.— Dienstag• halb 8: Nathan der Weise, Ensemblegastspiel des Theaters in der Josefstadt mit Albert Bassermann, Abon- ncment aufgehoben.— Mittwoch halb 8: M o n a Lisa, neuinszeniert, BL.—- Donnerstag halb 8: ,La Boheme," Arbeiter- Feftvorstellung Gastspiel Zdenka Zika, Abonnement aufgehoben.— Freitag: geschloffen. Samstag halb 8: R o s e n- kavalier, Al.— Sonntag: halb 3 Uhr: Der heilige Antonius, halb 8: Liebe uichtgenügend, D2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute Sonntag, nachmittags 3U Uhr: Jchundmein kleiner Bruder, 8:Unentschuldigte Stunde.— Montag 8: Dr. med. H i o bPrätor i u s. Bankbeamte I und freier Verkauf.— Dienstag 8: Salzburgaus verkauft, — Mittwoch 8:Salzburg ausverkauft, Bankbeamte H und freier Verkauf.— Donnerstag 8 Uhr: Salzburgausverkauft.— Freitag: geschlossen.— Samstag 8 Uhr: Salzburg ausverkauft.— Sonntag 3: D r. m e d. Hiob Prätorius, 8:Salzburg ausverkauft. Frauenorganisation Prag Am Dienstag, den 28. d. W., findet eine E l- kursionindie Sanawrrke statt. Treffpunkt um halb 2 Uhr beim Reuen deutschen Theater, von wo«ns ein Autobus der Sana- werke abholen wird.. Tie Exkursion mußte so früh am Nachmittag angesetzt werden, weil der Betrieb nur dis 3 Uhr arbeitet. Wir erwarten eine rege Beteiligung. Das Komitee. Dec Dlm Llllom Dieses einzig dichterische unter den vielen nur geschickten Stücken Franz Molnars, die.Legende", vom gewalttätigen Rummelplatz-Burschen, der um der Liebe willen zum Raubmörder wird und aus dem Himmel zurückkehrt, um seiner Tochter einen gestohlenen Stern zu schenken und jenen Schlag zu versetzen, den man ohne Schmerzen spürt,— dieses Stück, das hinter der Roheit des Helden eine einfältige Seele und hinter seiner Prahlerei die menschliche Schwäche spürt und in der Schlußszene eine Stimmung schafft, um die sich die meisten Volksstückschreiber vergeblich schwitzend bemühen, ist vor fast drei Jahren von Fritz Lang, dem früheren Ufa- Regisseur, in Paris verfilmt worden. Daß der Film erst jetzt in Prag erschienen ist, liegt zum Teil an der hiesigen Zensur, die,den Raubmord beanstandet haben soll. Künstlerisch ist an dem Film nichts zu beanstanden: Fritz Lang hat mit ihm bewiesen, daß er auch ohne die Millionen der Ufa, die ihm früher zur Verfügung standen, gute Regie führen kann. Er hat auf die falsche Monumentalität und den technischen Bombast verzichtet, dem er in Berlin mit der Zeit erlegen war, und ein schlichtes, lebendiges und stimmungsvolles Werk geschaffen, wobei ihn der Schauspieler Charles B o y e r, der als Li- lwm seine bisher beste Leistung zeigt, wirkungsvoll unterstützte. Die wecklichen Hauptrollen sind mit Madeleine O z e r a y und Florelle nicht ganz so gut. aber keineswegs falsch besetzt.—eis— Leichtsinnige Jugend. Vielleicht wollten die Ver- faffer dieses amerikanischen Films das Publikum darauf Hinweisen, daß auch die Stars vom Broadway und von Hollywood, denen man es am wenigsten zutraut, eine Seele und ein Schicksal zu habet,, und sie schrieben deshalb die Geschichte einer Revue- Diva, die einen Millionärssohn liebt, der um ihretwillen seiner Braut untreu wird und sich dann, als diese Braut einen anderen heiratet, das Leben nimmt, woraufhin die Diva erst, in Mordverdacht und dann in Acht und Bann gerät, bis ihr schließlich ihr erster Entdecker und treuester Liebhaber wieder zu dem Erfolge verhilft, den sie schon um ihres VreeinsnacKticKten Freie Vereinigung sozialistischer Akademiker Generalversammlung am Dienstag, den 28. AprU, um 20 Uhr im Parteiheim, Rärodni 4. Hauptpunkte der Tagesordnung: Ausschußwahlen und Beschlußfaffung über rin Tätigkeitsprogramm. Unsere Genossinnen und Genossen werden ersucht, pünktlich und vollzählig zu erscheinen. Deutsche Volkssinggemeinde Prag Dienstag um 7 Uhr Frauen- und um 8 Uhr Männer-Uebung. Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Wir machen unsere Mitglieder auf die Mai-Vorfeier der Sozialistischen Jugend am Montag, den 27. April, im großen Saale des Handwerkervereines, Prag lll„ Smeöka, aufmerksam und ersuchen, diese Veranstaltung durch zahlreichen Besuch zu unterstützen. * Sitzung der Exekutive Dienstag, den 28. April, 8 Uhr abends, Parteihrim Die Bezirksleitung. Kindes willen ersehnt. Aber der Film ist(unter Victor Fl e m i n g s Regie) so geraten; daß der Zuschauer die Sache nicht ernst nehmen kann. Er sieht eine Revue, einen Rummelplatz und ein Pferderennen, er hört Witze und erlebt Trunkenheitsszenen und ist dann sehr überrascht, wenn plötzlich die gefühlvoll-moralische.Wendung kommt. Auch die Hauptdarstellerin Jean Harlow, die ihren Hauptreiz in einer temperamentvoll-ordinären Natürlichkeit hat, liegt diese Wendung nicht, und auch ihre männlichen Partner Franchot Tone und William P o w e l l können in ihren Rollen nickt ganz überzeugen. Eine besondere Leistung bietet wieder May R o b s o n, die eine resolute Großmutter auf ebenso, rauhe wie herzliche Art, erheiternd- und rührend darstellt. —eiS— Komotau-Fahrer.(4. bis 6. Juli 1936), welche Anspruch erheben auf JHS den Bezug der ermäßigten JfilllWk Dauerfestkarte, melden sich «Esese^hbis spätestens Dienstag von 8 bis PBW 9 Uhr abends im Turnsaal (Stephansgymnasium). Telephonische Anmeldung unter Nr. 72820. In die Dauerfestkarte ist einbezogen: Fahrpreisermäßigungs-Legitimation(50 Prozent), Festabzeichen, Begrüßungsabend, Massenquartter, Eintritt auf allen Plätzen. Der, Preis der Dauerkarte: Erwachsene 15 KL. Jugendliche(14 bis 18 Jahre) 10 KL, Kinder 3 Kc, Fahrtmarke 1 KL. Die Preise gelten nur für Anmeldungen bis 30. April. 50 Anmeldungen sind bereits eingelaufen. Sozialistische Wend. Kreis Prag Mai-Vorfeier im großen.Handwerkerve zeinssaal, vr Smeikäch, Montag, 27. April, abends 8 Ahr Aus dem Programm: Rezitationen, aus der Geschichte des 1. Mai, Festansprache. Ortsgruppe Prag. Ausschußsitzuna Montag, den 28. April, 7 Uhr abends im Parteiheim. Wichtige Tagesordnung. Pünktlich kommen! Charles Boyer in dem nach Molnars„Liliom" aufgenommenen Film. Seine Partnerin ist die Florelle. SUerotur Zeitschrift für Sozialismus Das soeben erschienene April-Heft dieser Monatsschrift der reichsdeutschen Sozialdemotrarie enthält mehrere bemerkenswerte Artikel, die sich mit der Situation des Dritten Reiches beschäftigen. Karl Henrichsen betitelt seinen Auffatz„Dir Geduldsprobe". Henrichsen, der die Situafion nach Hitlers fait accompli und nach den Wahlen analysiert. meint, die Gegner der Diktatur täten gut, sich auf eine gründliche Vorbereitungszeit einzustellen. Sie ihnen gleichzeitig als eine gewiß sehr schmerzliche Geduldsprobe, aber auch als einzigartige Gelegenheit auferlegt ist, sich für die Größe der künftigen Aufgabe zu schulen.— Fritz Alsen sucht in dem Artikel„Napoleon III. und Hitler" Unterschiede und Uebereinstimmungen zwischen dem Bonaparfismus und dem Faschismus festzustellen. Er stützt sich dabei auf neues Quellenmaterial der französischen Archive.■— Eine der augenfälligsten Erscheinungen der Nachkriegswirtschaft ist die Zunahme der staatlichen Eingriffe in den Wirrschaftsablaus in allen kapitalistischen Ländern. Diese Wirtschaftsregulierung, als Etatismus bezeichnet, ist Gegenstand einer eingehenden Untersuchung von Kurt Marfo.— Höchst aktuell ist der Artikel von I. Landau: „Polen vor der Krise". Er behandelt die innenpolitischen Schwierigkeiten dieses unter der Wirtschaftskrise und den drückenden Kosten für eine große Militärmacht schwer leidenden agrarischen Diktaturstaates. Das besondere Kennzeichen der augenblicklichen inneren Situation Polens ist das sich anbahnende Bündnis zivischen den Millionen Bauern und den industriellen Arbeitern, die zwar zahlenmäßig nicht sehr bedeutsam sind, aber einen starken revolutionä- ren Willen entwickeln.— Tie„Zeitschrift" ist durch jede Buchhandlung zu beziehen oder direkt durch die Verlagsanftalt Graphia. Karlsbad. Preis des Heftes 4 XL. Mtieltungen-lv»Urania« Heute 4 Uhr nachmittags zu kleinen ermäßigten Preis enEngel, Wiesenthal und Ensemble in der lustigen Theaterrevue „W as ist gefälli g?". Karten Urania-Kaffa. Heute 8 Uhr die heitere Theaterrevue„Schaut her, w i r s i n d's" mit den Meisterkomikern Wiese nthal, Engel und Ensemble. Gestern ausverkauft l Stärkste Nachfrage. Karten Urania-Kassa. „Unvergeßliche Filme": Brigitte Helm in„Gilgi, einevonuns". Montag Ä9 Uhr. Arania-Kino Ter Erfolg in deurscher Premiere„Tie Sexta- inerin" mit den besten heimischen Kräften. Lehre Woche. Heute 2. 4, 6,*49 Uhr. Masarhk-Dolkshochschule „Autokurs", M o n t a g 6 Uhr. Montag endet die Anmeldefrist. filme in Prager Lichtspielhäusern Urania-Kino:„Die Sextanerin."— Adria: „DieganzeStadtspricht davo n." (A.— Robinson.)— Alfa:„Gespenst auf Reisen."(Fr.•— Regie: R. Clair.) Avion: „Frauen am Scheidetvege."(A.)— Beranel:„Tie unmögliche Frau."(D.)— Fenix:.Leichtsinnige Jugend."(A.—r Harlow.)— Flora:„Das Wachsfigurenkabinett."(A.)— Gaumont:„Tu kannst nicht treu sein."(D.)— Hollywood:„Frauen am Scheidewege."(A.)— Hvtzda:„Neues W. Dis- ney-Mickey-Programm.— Julis„Grenzen der Liebe."(A.)— Kiuema: Journale, Grotesken. Reportagen.— Koruna: Aktualitäten, Journale. Grotesken.— stotva B 36:„D i e Liebe- l e i."(D.— M. Schneider. L. Ullrich.)— Lacerna: „Leichtsinnige Jugend."(A.)— Metro:„Wer zuletzt küßt."(T.)— Passage:„Tu kannst nicht treu sein."(D.)— Praha:„Grenzen der Liebe."(A.) — Radio:„Bretter, die die Welt bedeuten."(D.) — Staut:„Wachsfigurenkabinett."(A.)— Sorto- zor:.Liliom."(Fr.)— Alma:„Durch die Wüste." (D.)— Bajkal:„Zirkus Saran."(D.— Pat und Patachon.)— Belvedere:„Taras Bulba."(Fr.— Harry Baur.)— Besedar„Durch die Wüste." (D.)— Carlton:„Drei bengalische Reiter."(A.) — Illusion:„Die unmögliche Frau."(D.)— Kon- vikt:„Die unmöglich« Frau(D.)— Lido II:„Wir fahren nach Honolulu."(A.— Laurel und Hardy.) — Louvre:„Tas Wachsfigurenkabinett."(A.)— MareSka:„Zirkus Saran."(D.)— Olympic:„Zirkus Saran."