Mittwoch, 29. April 1936 Nr. 101 16. Jahrgang 70 WMfw (aiiuchliafilich 5 Haller Forts) IE NTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xiufochova a. Telefon 53077. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Offizielles österreichisches Kommunique; Phönix-Korruption zum Teil Vaugin und Strafella Fütflliillf unter den Geopferten UIUIUIII Wien. Dir Regierung hat sich endlich genötigt gesehen» einen amtlichen Bericht über den Phönix-Skandal anszngeben, in dem zum erstenmal über die Geheimliste der vom Phönix Korrumpierten Aufschluß gegeben wird. Wenn auch sicher über die Finanzierung der Heimwrhrrn und gewisser Führer durch den Phönix der Schleier christlicher Nächstenliebe gedeckt und nur lumpige 95.000 Schilling für diesen Zweck und noch dazu als„Regiebeitrag für eine Kollektivverficherung" ausgrwiesen werden, während man den jüdischen Rationalfonds mit 590.000 Schilling anführt, und sogar die Sozialdemokraten bewußt mit hineintunken möchte, weil der Herr Nationalrat Z r l e n k a, der seinerzeit wegen seiner Korrup- tionsafsärrn in seiner„Technischen Union" mit Schimpf und Schande aus der Partei ausgeschlossen worden war, in der Aufzählung mit einem größeren Betrag figuriert, so muß doch die Regierung eine Reihe der treuesten Stützen des Systems in aller Form fallen lassen, so die Staatsräte Baugoin, 6 o- rrth, den Generalobersten Schönburg- Harten st ein und den von den Sozialdemokraten schon vor langer Zeit als Korruptionisten entlarvten Herrn S t r a f e l l a, der vor nicht allzu langer Zeit von den heutigen Machthabern noch ans den fetten Posten eines Leiters des Orsterreichischen Fremdenverkehrsbüros befördert worden war. Daß all den genannten Herren amtlich der „gute Glaube" zugebilligt wird, ändert nichts an der Tatsache, daß die größten Stützen des heutigen Systems in Oesterreich, Männer, die an der Borbereitung der Heimwehrdiktatur und an der Unterdrückung der österreichischen Arbeiterbewegung die größte Schuld tragen, nunmehr vor aller Welt als offene Korruptionisten daftehen. In der offiziellen Meldung heißt eS u. a.r Die in der Oeffentlichkeit vielfach genannten „Listen" wurden bei der Direktion der„Phönix" vorgefunden und befinden sich in den Händen der Behörden. Es handelt sich hieboi um eine Liste, bestehend aus 24 Blättern, die lückenlos vom Jänner 1931 bis 17. Feber 1936 geführt wurde. Die Gesamtsumme der darin verzeichneten Beträge beläuft sich auf 2^14.000 Schilling und 7000 K£. Von dem in der Liste enthaltenen Gesamtbetrag entfallen 600.000 Schilling auf Remunerationen. Aushilfen und Zuwendungen für Wohlfahrrszwecke an Angestellte der„Phönix". Für Preffezwecke wurden' 1,098.000 Schilling ausgegeben. Von diesem Betrag entfallen 633.000 Schilling auf den Herausgeber der„Sonn- und Montagszeitung" Ernst Klebinder. der Rest auf mehrere Blätter, unter denen sich keine führende Tageszeitung Oesterreichs befinde. Der Betrag von 94.329 Schilling ist auf die Buchstaben-Chiffre„O" eingetragen. Hiebei liege der Verdacht vor. daß es sich um jene Summe handelt, die dem Leiter der Aufsichtsbehörde Sektionschef O ch s e n e r(der bekanntlich Selbstmord verübt hat) zugekommen ist. An Beträgen, die politischen Parteien oder anderen Organisationen zu- gefloffcn sind, ergeben sich nachfolgende Summen: Der jüdisch-nationale Fonds erhielt unter dem Titel einer Ueberprovision äoo.000 Schilling. Die Nationalsozialisten erhielten rund 494.000 Schilling. Die- P f r i e m e r» Heimwehr erscheint unter den Geldempfängern mit 18.000 Schilling. der Landbund mit 182.000 Schilling. Hiezu kommen noch namhafte, zum Teil unkündbare Darlehen zu niedrigem Zinsfuß an einige Mitglieder des ehemaligen Landbundes. Die„technische Union" sZelenka) erhielt ein Darlehen von 300.000 Schilling, von dem 250.000 Schilling abgeschrieben wurden. Zu Händen Dr. Berliners ist ausgewiesen ein Betrag von 13.000 Schilling sowie«in'weiterer Bktrag von 95.000 Schilling, der ihm im Jahre 1932 von der Kompaß-Bank zugegangen ist. Ein Giftpfeil segen Prag... Ein Betrag von 4 bis 5 Millionen Schilling, der sich nach den bisherigen Erhebungen etwas erhöhen dürste, wurde nach den Vorgefundenen Belegen zum Rechnungsabschluß der„Phönix". au? dem Jahre 1934 von der Wiener Zentrale für„außer- ordentlich« Ausgaben inPrag" verwendet.. Ein detaillierter Ausweis über diesen Betrag jei in den Wiener Belegen nicht vorhanden.. Laut Liste ging in verschiedenen Teilbeträgen ein Betrag von zusammen 76.200 Schilling an den Rechtsanwalt Dr. Grimeisen und 80.000 Schilling während der Jahre 1933 bis 1935 in gleichen Monatsraten an Friedrich Karl Rokitansky. Vie Sühnopfer: Von Personen, die im öffentlichen Leben hervorragende Stellungen bekleideten und die Mitglieder des Verwaltungsrates wären, werden Staatsrat General der Infanterie Karl Baugoin als Vizepräsident, Staatsrat Gotho Coreth und BundeSwirt- schastSrat Generaldirektor ReininghauS als Lerwal- tungsratsmitglieder angeführt. Von ihnen wird behauptet, daß sie von den Unregelmäßigkeiten im Phönix keine Ahnung gehabt hätten. Vougöin hatte Bezüge von 1000 Schilling monaüich, Corech ebenfalls, letzterer auch noch Tantiemen. Obwohl„keinerlei ehrenrühriger Borwurf" gegen sie erhoben werden könne, so hätten doch alle drei ihre öffentlichen Aemter niedergelegt, so Baugoin feine Stelle als Präsident der,Bundesbahnen. ■ Der ehemalige Heeresminister Generaloberst Schönburg-Hartenstein habe sich zwei Polizzen"der Riunione Adriatica aus dem- Jahre 1920..„gutgläubig" auf 15.000, Schilling„a ufwerten" lassen. Für. 1935 habe ihm der verstorbene Dr. Berliner aus. dem Titel einer Vergütung ohne sein Barcelona. Dienstag nachmittags überfiel eine Gruppe von unbekannten Angreifern den ehemaligen Chef der Barcelonaer Polizei Michael Badia und tötete ihn durch mehrere Schüsse, als er seine Wohnung verließ.. Dir Angreifer, die vor dem Haufe lauerten, erschossen auch den Bruder Badias und flohen. Der ermordete Badia war in Barcelona sehr bekannt und wurde als Führer der kata- l a n i s ch e n I u g e n d z« der Zeit, da die Macht wieder auf die katalanische Regierung überging, zum Polizeichef ernannt. Das Verbrechen wird den Anhängers der äußersten Rechten zugrschriebrn und als Rachealt bezeichnet. Badia hat sich im Ottober 1934 an der Revolution beteiligt und mußte nach der Unterdrückung derselben nach Frankreich und nach Amerika fliehen. Nach den Frberwahlen ist er zurückgekehrt. Er wußte, daß ihm Gefahr drohe, ging aber ttotzdem unerschrocken auf die Straße. 611 kodier unter Pollzelschutz Madrid. Der Führer der rechtsorientierten Volksfront, Abgeordneter Gil Nobles, wurde Dienstag früh bei einem Zusammenstoß seines vle Aussichten für die Stichwahl Die Sozialisten rechnen auf weitere 110 nandate Paris. Nach den erste» amtlichen Statistiken haben die Kommunisten Heuer im ersten Wahlgang 1,454.000 Stimmen erhalten, während im Jahre 1932 nur 796.000 Stimmen auf sie entfielen. Die Sozialisten erhielten 1,887,000 Stimmen, im Jahre 1932 m i t den gegenwärtigen Reosozialisten 1,964.000 Stimmen. Die Radikalsozialisten haben Heuer 1,400.900 Stimmen und im Jahre 1932 1,837.000 Stimmen erhalten. Für die Rechtsgruppe der republikanischdemokratischen Union wurden 1,578.000 gegen 1,233.000 Stimmen im Jahre 1932 abgegeben. Die Sozialisten«eisen darauf ihn, daß in der Statistik vom Jahre 1932 auch die Stimmen der gegenwärtigen Reosozialisten, die ein gutes Fünftel ihrer gesamten Stimmenzahl ausmacheu, mit eingerechnet sind. Dir Sozialisten erwarten im zweiten Wahlgang die Wahl von 110 Deputierten zu den gegenwärtigen 23 Gewählten. Dir Kommunisten erwarten die Wahl von mindestens 50 iweiteren Abgeordneten.,. Zukun 10.000 Schilling angewiesen, die der Generaloberst nicht angerührt und später zurückgegeben habe. Trotzdem habe auch Schönburg-Hartenstein sein Mandat als Staatsrat n i e d e r g ele g t. Weiters wird genannt der Landesleiter der Vaterländischen Front in Wien, Oberstleutnant a. D. Seifett, der monatlich einige hundert Schilling „zur Unterstützung notleidender.Kameraden" erhalten habe. Etwas stärker'eingetunkt wird der bekannte Herr Strafella, der dem Phönix in den letzten drei Jahren Lokallbahnaktien, sogenannte Exoten, d.' h. an der Börse nicht offiziell gehandelte Papiere, für 550.000 Schilling angehängt hat, obwohl der Phönix solche Papiere überhaupt nicht ankaufen durste, ganz zu schweigen von dem wirklichen Wett, den die Papiere offenbar hatten. Strafella wurde deshalb seiner öffentlichen Funktionen enthoben. Offizielle Korruption: Zum Schluß kommen ganz verschämt und unter harmlosen Titeln Beiträge für o f f i- zielleund halboffizielle Organisationendes Regimes.*, Der Reichsbund derO e st e r- reicher(Wiesner) erhielt laut Beleg durch drei Jahre je 3000 Schilling, insgesamt also 9000, die o st märkischen Sturmscharen zwei Spenden von 1000,'insgesamt also 2000 Schilling, die seinerzeitige g r o ß- deutsche Bolkspartei erhielt 47.000 Schilling, und zwar als Provision für eine von derselben durchgeführten Kollektivversicherung. Der Heimastschutz bekam als„Regie- ikostenbeitrag" für eine Kollektivunfällversicherung 5000 Schilling monatlich, zusammen 95.000 Schilling. Autos mit einem Lastwagen verletzt. Das mit Polizisten besetzte nachfolgende Auto, dessen Insassen den Abgeordneten vor einem eventuellen Ueberfall schützen sollten, stieß gleichfalls gegen das Lastauto, wobei ein Polizist schwer und vier weiter« leicht verletzt wurden. Azana Präsidentschaftskandidat Madrid. Am Montag abends fanden zwischen dem Ministerpräsidenten Azana und den linksrepublikanischen Ministern sowie zwischen Azana und Mitgliedern des Nationalrats der Partei Besprechungen über die Ernennung eines Kandidaten für die am 10. Mai l. I. stattfin- drnde Präsidentenwahl statt. Man kam grundsätzlich überein, den Ministerpräsidenten Azana als Präsidentschaftskandidaten der linksrepublika- nischen Pattei aufznstellm. Madrid. Nach den bisherigen Ergebnissen sind 414 Wahlmänner für die Präsidentenwahl gewählt worden, von denen 350 der Linksfront und 64 den Parteien der Mitte angehören. Tod des ägyptischen Königs König Fuad I. von Aegypten ist am Dienstag, den 28. April, um halb 2 Uhr nachmittags nach längerer Krankheit im Alter von 68 Jahren gestorben. Fuad wurde 1917 nach dem Tode seines Onkels Hussein Sultan von Aegypten. 1922 nahm Fuad den Künigstitel an. In diesem Jahre gewann Aegypten seine Souveränität, allerdings unter militärischer Aufsicht Englands. König 'Fuads Bestreben war es, zwischen den verschiedenen ägyptischen Parteien ausgleichend zu wirken. Dabei war er eigentlich immer der Beauftragte Englands, das ihn einmal auch zur Auflösung des ägyptischen Parlaments zwang. Die zweite La- bour-Regierüng schloß mit Aegypten ein Abkommen ab, durch das. Aegypten eine Vertretung im Völkerbund erhielt. Die englischen Besatzungstruppen wurden zurückgezogen, die britischen Konsulargerichte abgeschafst. 3m Jahre..1930 schaltete der König das Parlament aus, er regierte„selbstherrlich", das heißt mit England und ohne die ägypstschen Parteien. Im Iahte 1935 stellte er die Rechte des Parlaments wieder her. England befürchtet, daß der Tod des Königs unangenehme Verwicklungen in Aegypten zur Folge jhabenwird. noisdiHdikelt und nationale frage In einer Versammlung, welche dieser Tage in Prag stattfand und in welcher über das Verhältnis von Tschechen und Deutschen in diesem Lande gesprochen wurde, machte der tschechische Universitätsprofessor Dr. Hromädko eine kluge Bemerkung, die der Erwähnung wert ist. Er erzählte, daß er als junger Mensch in den Bannkreis des nationalen Kampfes geraten sei und die Deutschen nur als nationale Gegner gesehen habe. Er habe das Deutschtum als etwas Abstraktes gesehen und erst in späteren Jahren das Konkrete, den Deutschen selbst, d. h. den Menschen im Deutschen erkannt. Hromädko empfiehlt also seinen tschechischen Mitbürgern gleichsam hinter den Vorhang zu sehen, vor dem sich die Kämpfe der Völker abspielen und wo man das Tun und das Lassen, die Freuden und Leiden der Menschen selbst erblickt. Der tschechische Universitätsprofessor, der diesen Gedanken äußerte, weiß vielleicht gar nicht, daß er sich damit einer Anschauung genähert hat, die von sozialistischer Seite seit Jahrzehnten vertreten wird. Die Auffassungen des nationalen Problems durch die Sozialdemokratie haben eine gewisse Wandlung durchgemacht. In der ersten Zeit waren die Sozialdemokraten-— wie das Otto Bauer in seinem großen Werk über das nationale Problem gekennzeichnet hat— naive Kosmopoliten, d. h. sie glaubten das Bekenntnis LUM internationalen Sozialismus allein überbrücke alle nationalen Verschiedenheiten. Gerade der Marxismus hat aber uns Sozialisten später tiefer sehen gelehrt: Wir haben die nastonalen Probleme erkannt, indem wir zu ihren sozialen Ursachen vorgedrungen sind, d. h. wir haben den sozialen Charakter des nationalen Problems gesehen. Nur wenn man die soziale Problematik des deutsch-tschechischen Verhältnisses erkennt, kann man es begreifen und daher auch lösen. Und was sind die sozialen Ursachen anderes als die menschlichen Verhältnisse, von denen Prof. Hromädko gesprochen hat? Wer nicht hinter dem sudetendeutschen Problem das ganze Leid der deutschen arbeitenden Klasse dieses Landes sieht, die jahrelange Arbeitslosigkeit, den ganzen Jammer in der Familie, die Unmöglichkeit Frau und Kinder ordentlich zu ernähren und zu bekleiden, die ganze Hoffnungslosigkeit, welche die Menschen angesichts eines Lebens ergreift, das ihnen verpfuscht erscheint— der wird das Verhältnis der zwei Nationen im Lande, der wird dieses bedeutsamste innerpolitische Staatsproblem nie begreifen. Das nationale Problem bei uns einer Lösung näherbringen bedeutet ein Stück Menschlichkeit verwirklichen. Weshalb sind wir leidenschaftliche Gegner eines Ktteges in Europa, weshalb sind wir Feinde des Faschismus, weshalb streben wir eine andere Form der Wirtschaft und Gesellschaft an? Doch deswegen, weil wir eben den Menschen vor uns sehen, den leidenden und strebenden, der sich nach ein paar glücklichen Erdenjahren sehnt. Weil wir menschlichere Verhältnisse schaffen wollen, deswegen die sittliche Kraft und die Opferbereitschaft, welche Sozialisten eigen ist, die bisherigen Erfolge der Arbeiterbewegung möglich ge-. macht hat und den weiteren Durchbruch unserer Kampfreihen durch alle Hindernisse und alle Barbarei des Jahrhunderts erzielen wird. Ueber alle Tücken herrschender Gewalten werden auf die. Dauer nicht jene siegen, welche ihre Sache auf nichts anderes als die Gewalt gestellt haben, sondern jene, welche— allerdings mit allen Mitteln, welche ihnen der Gegner aufzwingt— die höhere Menschlichkeit, die höhere Sittlichkeit und das höhere Leben der ungeheueren Mehrheit der Menschen anstreben. .Daß diese Auffassung auch von den besten Männern der tschechischen Nation geteilt wird, gibt uns die Hoffnung, daß es gelingen wird, über alle Fragen des nattonalen Lebens der Tschechen und Deutschen eine Verständigung zu erzielen. In der Prager Diskussion, von der hier ausgegangen wurde, war es neben dem bereits genannten Prof. Hromädko der tschechische sozialdemokratische Abgeordnete Prof. Dr. M a c e k, welcher Verständnis für die soziale, d. h. die menschliche Seite der Not sudetendeutscher Menschen fand, woraus wieder einmal ersichtlich wurde, daß eine wahrhafte 'Lösung.des Reben-, und Miteinandeilebens und Faschisten als Mörder Politische Mordtat In Barcelona Sette 2 Mittwoch. 29. April 193« Nr. 101 Strebens wie der Völker im, europäischen so auch im sudetendeutschen Raum, nur durch die Sozialisten erfolgen kann, welche eine gesellschaftliche und menschliche Ordnung erstreben, die unvereinbar ist mit der Beherrschung eines Volkes durch das andere und mit der Unterdrückung einer nationalen Minderheit durch eine andersnationale Mehrheit. Generalstreik In Cordoba Madrid. Die Arbeitergewerkschaften haben in T o r d o b a als Protest gegen die Weigerung der Betriebsleitung einer größeren Fabrik, die anläßlich der Oktoberrevolution entlassenen Arbeiter wieder einzustellen, den Generalstreik bis auf weiteres erklärt. Genoffe Heeger, von einer Reihe seiner Fraktionskollegen wirksam unterstützt, nahm den Kampf auf und sagte der SdP Wahrheiten inS Gesicht, die bei den Betroffenen tells arge Verlegenheit, teil- sichtliche Wut auslösten, die nur ungeschickt durch ironisch sein sollende Zwischenrufe getarnt werden konnte. Die.SdP. schickte später Herrn S a n d n e r vor, der tei8 den großen'Staatsmann Imitierte, teils ziemlich ausfällig wurde. Später sprach noch Dr. Eichhorn. Von tschechischer Seite erlebte die SdP. durch den Nationalsozialisten Dr. Reumann eine gründliche Abfuhr. Spät abends wurde die Debatte abgebrochen und auf Mittwoch 9 Uhr früh vertagt. Internationale Luftflotte In der Tschechoslowakei? Die französische Tageszeitung„Petit P a r i s t e n" schlügt die Schaffung einer internationalen Luftflotte mit einer Basis in der Tschechoslowakei vor. Erstens wäre dadurch, schreibt die Zeitung, der Verlust der Sicherheit infolge der Remilitarisirung der Rheinzone für Frankreich zum Teil kompensiert. Zweitens würde Deutschland eine neue Garantte dafür halten, da die Tschechoslowakei weder in der Hand von Frankreich noch in jener von Rußland zu einem Angriffswerkzeug werde. Denn lediglich der Völkerbund werde das Recht haben, die internationale Luftflotte zu verwenden. Drittens hätte die österreichische Unabhängigkeit eine neue Stütze erhalten. Viertens würde das System der kollektiven Sicherheit seine erste praktische Verwirklichung finden. Oer Fragebogen fertig London.(Reuter.) Im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten ist der Fragebogen ferttggestellt worden, der Ende dieser Woche Deutschland überreicht werden wird. Er bezweckt die Klärung einiger Puntte des FriedensplaneS Deutschlands. Minister Eden wird den Fragebogen am Mittwoch dem Kabinett vorlegen. Dr. Schacht einverstanden Gedruckte Stimmung in Wirtschaftskreisen Berlin. Während die Presse die eigentliche Ursache der Betrauung des Ministerpräsidenten Göring mit der obersten Kontrolle der Devisenwirtschaft verschweigt, schimmert in den Börsenberichten der Zeitungen durch, daß die S t i m- m u n g der B ö r f e g e d r ü ck t ist und bei verschiedenen Papieren Kurseinbrüche einsetzen. Wie nachträglich bekannt wird, hatte Reichswirtschaftsminister Dr. Schacht seinen Urlaub unterbrochen, um an der letzten Kabinettssitzung teilzunehmen. Da Dr. Schacht mit. der getroffenen Neuregelung einverstanden ist, wird gefolgert, daß er gewissen Parteistellen gegenüber künftighin der Verantwortung enthoben sein wird. noch ein japanischer Vasallenstaat? Peiping.(Reuter.) Aus glaubwürdiger chinesischer Quelle verlautet, daß der Kommandant der Innern Mongolei Tehvan, ein Mongole, einen von China unabhängigen autonomen Rat eingesetzt hat. Dieses Organ wurde, wie es heißt, auf Druck der japanischen Militärkreise gebildet. Tehvan soll der Vorsitzende dieses autonomen Rates sein. Die Japaner haben das Kriegs-, das Finanz«, das Erziehungs- und das Ver- kehrSministerium übernommen. Außer Tehvan ist nur noch ein Mitglied der Regierung ein Mongole. Staatsverteidigungsgesetz vor dem Parlamentsplenum Verteidigungsminister beteuert Friedenswillen der Tschechoslowakei Prag. Das Abgeordnetenhaus eröffnete Dienstag vormittags in Anwesenhett des Ministerpräsidenten, des Verteidigungsministers und mehrerer anderer Kabinettsmitglieder die Plenarverhandlungen über die Vorlage zur B e r t e i- digungdrs Staates und über die Novelle zunl Schutzgesetz, durch die die Strafen für Militärverrat verschärft werden. Die Debatte ist für zwei Tage anberaumt. Nach den Dispositionen dcS Präsidiums sollte die Abstimmung erst DonnerStag mittags stattfinden: da sich jedoch die Debatte ziemlich fließend abwickelt» rechnet man nunmehr damit, daß die Abstimmung doch schon Mittwoch gegen Abend erfolgen könne, zumal auch die letzten Differenzen innerhalb der Koalition im Laufe deS Nachmittags bereinigt wurden. Es handelte sich um die Abänderung des Paragraphen 118, der der Regierung während der Wehrbereitschaft d«S Staates die Ermächtigung zu einer Reihe finanzieller Maßnahmen gibt, die sonst unter das Budgetrecht der Nationalversammlung fallen. Bekanntlich hatten namentlich die tschechischen Volksparteiler kurz vor Abschluß der Aus- schußverhandlungen dagegen noch verfassungsrechtliche Bedenken geäußert und es war beschloßen worden, diese Frage eventuell durch einen Abänderungsantrag im Plenum zu regeln. Run hat die Koalition nach längeren Verhandlungen eine Ergänzung zu diesem Paragra-, phrn beschlossen, wonach diese Ermächtigung für die Regierung nur dann gilt, falls die Einberufung der Nationalversammlung oder deS Ständigen Ausschusses sich als unmöglich erweist. In einer Ergänzung zu Par. 138 wird ausdrücklich festgrlrgt, daß die Ermächtigung nach Par. 115 im Friede« nicht anwendbar ist. Damit sind die Sicherungen gegen einen eventuellen Mißbrauch der Ermächtigungen durch die Regie-1 rung, der von der Oppositton in grellen Farben an dir Wand gemalt wird, neuerlich verstärkt worden, zumal ja Maßnahmen der Regierung im Rahmen des Par. 115 auch noch der Gegenzeichnung durch den Präsidenten der Republik bedürfen. Nach den ausführlichen Referaten der Berichterstatter Richter und P e k a r e k über die Schuhgesetznovelle und Dr. D u f e k und David über die Staatsverteidigung gab BetteidigungS- ministrr Machntk«ine Erklärung ab, in der er auf die harte Schule verwies, die das tschechoslowakische Volk in den Jahrhunderten seiner Unterdrückung durchgemacht habe. Die Schrecken des Weltkrieges, erklärt« Machntk, haben zu dem Glauben berechtigt, daß niemand mehr den Mut haben wird, ähnliche Schrecken zu entfesseln. Solange wir diesen Glauben hatten und haben konnten, haben wir nicht gerüstet. Das ist für uns ein Plus und ein Minus. Ein Plus deshalb, weil wir dadurch untrüglich den Beweis erbracht haben, daß wir nur Ruhe und Frieden wollen und an keinen Angriff auch nur denken, ein Minus deshalb, weil wir in der Verteidigung des Staates etwas zurückgeblieben sind, nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus den guten Glauben heraus, daß niemand es wagen wird, wegen irgendwelcher egoistischer Angriffsziele einen Krieg zu entfachen. Leider herrschte nicht überall dieser Wille nach dem dauernden Frieden. Der Völkerbund hat keine organisierte Exekutivgewalt, um kriegerische Konflikte zu verhindern, also mußte jeder Staat, der seiner Bevölkerung Ruhe und Frieden sichern will, zu der Erkenntnis kommen, daß er sich um seine Verteidigung in erster Linie selbst kümmern muß. Der Minister skizzierte, was zur Verteidigung des Staates bisher schon getan worden sei. Die Armee reiche jedoch allein zur Verteidigung des Staates nicht aus. Der Staat und di« ganze Bevölkerung muß an ihrer Seite kämpfen. Die Zu- sammenkunst aller an der Staatsverteidigung soll eben durch die Vorlage sichergestellr werden. Sie entspricht den Intentionen T. G. Masaryks, daß auch die Demokratie militärisch erfolgreich sein und erfolgreich ihre Existenz auch gegen die stärksten feindlichen Armeen verteidigen kann/wenn sie zu ihrer Verteidigung alle Kräfte— materielle wie moralische /— einsetzt. Die vorgesehenen Maßnahmen müßten im Ernstfall durchgeführt werden, auch wenn n i ch t die gesetzliche Grundlage gegeben wäre, und zwar auf Grund des Notrechtes. Die Regierung hält es jedoch für juristisch richtiger, auch diese Eventualfragen bereits jetzt zu regeln. Daher fordert sie für den Ernstfall ausgedehnte Ermächtigungen. Die Militärverwaltung und die Regierung werden aber niemals ohne Kontrolle sein. Das Kontrollrecht der Nationalversammlung, ja ihre Kontrollpflicht bleiben unangetastet. Das Gesetz kenne keine Ausnahmen und keine Privilegien, sondern verlange von allen das Maximian. Es beziehe sich auf alle ohne Unterschied der Rationalität und niemand brauche sich vor ihm zu fürchten, der im Geiste dieses Gesetzes mit den ändern in einer Front für die Verteidigung des'Staates stehe. Das gelte auch von der Grenzzone. Die betreffenden Bestimmungen treffen alle Bewohner dieser Zone ohne Unterschied, ob Tscheche oder Slowake oder Angehöriger einer Minderheit. Aus der Annahme der Vorlage sollen" Freunde und Feinde ersehen, daß wir unseren Staat gern haben und daß wir zu seiner Verteidigung alles zu tun entschlossen find.(Beifall.) ♦ Die Rednerliste wies diesmal ganz im Gegensatz zu den sonstigen Gepflogenheiten eine überwiegende Zahl von pro-Rednern auf. Die Liste- der Oppositionellen wurde von Dr. Szilllö geführt, der namens der beiden ungarischen Parteien gegen die beiden Vorlagen protestierte. Der tschechische Genosse Srba wies nach, daß schon die Tatsache, daß die Vorlage sehr spät komme, beweise, daß damit keine Nebenabsichten verbunden sind und niemand aus der Vorlage ein Instrument der Innenpolitik machen wolle. Srba legt ein warmes Bekenntnis zu allen loyalen Deutschen in diesem Staate ab und würdigt namentlich die Staatstreue der deutschen Sozialdemokraten.(Beifall.) An die Adresse der Kommunisten richtet er scharfe Worte der Mißbilligung, die bei den Getroffenen Protest Hervorrufen. Nach dem Agrarier BanLo hält Gottwald(Komm.) eine nur kurze Rede, in der er hauptsächlich wieder die sozialistischen Führer angreift, um dann doch wieder auf seine»Einheitsfront" zurückzukommen. Genosse Heeger, dessen ausgezeichnete Ausführungen wir morgen noch ausführlicher Nachträgen werden, verdarb es sich gleich bei den ersten Worten mit der SdP., die sich um di« Ministerbank gruppierte und immer wieder vergebliche Versuche imternahm, den Redner zu stören. Mammys Geschichte Von William M. John (Schluß.) Als ich achtzehn alt war, bekam ich einen Dienst als Nachtstubenmädchen in einem Hotel. Eines Nachts trug ich Handtücher in ein Zimmer ..." Mammy brach ab und sah aus dem Fenster, auf die grünen Bäume, auf den Sonnenschein, schien es; dann sah sie wieder gerade vor sich hin. „Der Mann, den ich erschossen habe, war darin ».. Ja, das war das erste Mal. Zuerst war ich erschrocken. Ich habe gefürchtet, wenn eS herauskäme, müßte ich meine Stelle verlieren. Und dann habe ich nur an das Kind gedacht, und wie lieb ich es hätte, und ich war glücklich. Ich liebte es mit jedem Tage mehr; ich machte hundert Pläne. Nie würde es in ein Waisenhaus kommen. Es würde Puppen haben— es würde eine Mutter haben, die es lieb haben wird. Drei Monate später kam der Mann wieder ins Hotel. Ich erzählte ihm— ich erzählte ihm alles. Er gab mir hundert Dollar und sagte, ich solle gehen, und vergaß es. Ich ging von meinem Dienst weg und kam her. Eine Frau gab mir Arbeit. Ich sollte in der Küche helfen. Dort habe ich Jugowitz getroffen. Er wollle mich bald heiraten. Ich erzählte ihm vom Kind, das kommen sollte, aber er sagte, ich sei ein verdammt hübsches Mädel und er scheere sich-den Teufel darum. Ich hätte den Russen lieber glicht geheiratet, aber ich wollte einen Nmnen für mein Kind, und daran habe ich damals am meisten gedacht. Nachdem wir verheiratet waren, zogen wir in die Nordstaaten. Dort ist Martha zur Welt gekommen. Es hat mir nie leid getan, daß ich dßy Jugowitz geheiratet habe. Er hat geflucht, wenn er betrunken war, und manchmal, wenn er ganz schwer geladen war, hat er mich geschlagen. Aber während der ganzen Zett, die wir zusammen gelebt haben, hat er weder zu mir noch zu sonst jemandem gesagt, daß Martha nicht sein Kind wäre. Der Russe war ein Mann. Der andere Advokat sprang auf und machte Lärm, Mammy hörte zu sprechen auf. Ihr zerrissenes Taschentuch fiel zur Erde, und sie bemerkte es nicht, aber ihre Hände fuhren fort, Knoten hineinzumachen.' „Bor vier Jahren zogen wir nach Kim und nahmen-ort neuen Boden auf", sagte Mammy. „Vorigen Monat ist der Rutz gestorben. Dann ist Johnson gekommen. Er sagte, er komme sich sein Kind nehmen. Ich antwortete ihm, datz er spät daran denke. Datz es vielleicht nicht sein Kind sei. Er sagte, datz ich lüge. Und da sagte ich: Ja, ich lüge. Du bist ihr Vater, aber Matha ist mein Kind... ich habe für sie gesorgt... ich habe sie geliebt. Sie ist alles, was ich im Leben habe... Du kannfflsie mir nicht wegnehmen... Er sagte, es fiele ihm nicht ein, sein Fleisch und Blut einer Frau wie mir zu überlassen; er würde sie in eine gute Erziehungsanstalt bringen; er sei reich, und werde sehen,.ob die Gerichte ihm nicht sein Recht! geben würden. Ich sagte, er werde kein Glück un i Gericht haben und nahm das Gewehr hinter der Tür hervor und tötete ihn. Das ist alles. Er durfte mir nicht das exste, was ich im Leben liebgewonnen habe, wegnehmen. Ich wär« lieber gestorben, als datz es Martha wissen sollte... aber jetzt ist es doch herausgekommen." Mammy holte tief Atem und hörte zu sprechen auf. Sie sah mich an, als ob sie mir mit den Augen etwas sagen wollte, aber sie war so müde, datz sie es nicht konnte. Ich Lachte, sie müßte ohnmächtig werden. Jemand schüttelte Mammy Wasser auf den Kopf und gab ihr zu trinken, und sie setzt« sich wieder auf. Der Richter frage die Advokaten, ob sie noch etwas zu fragen hätten. Sie schüttelten die Köpfe. Dann sagte er, die Geschworenen könnten sich schon zurückziehen. Einige Leute im Saale flüsterten miteinander, aber alles blieb ruhig sitzen. Lizzi begann auf meinem Arm einzuschlafen und Zar war weiß wie die Wand. Ich glaube, er fürchtete wie ich, sie würden Mammy jetzt hängen. Ziemlich bald kamen die Geschworenen wieder heraus. Einer von ihnen stand auf und sagte: „Nicht schuldig, euer Gnaden." Jeder im Saal schien zufrieden, als der Mann das gesagt hatte. Die beiden Advokaten schüttelten Mammy die Hand und Mammys Advokat küßte mich. Mammy legte ihren Arm um meine Schulter.„Komm, Martha", sagte sie,„es ist alles in Ordnung." Mutter und ich sind durch di« Hölle gegangen. (Aus dem Amerikanischen übersetzt.) Franz krepek gestorben Auf der Jagd verunglückt Der Bürgermeister von Leitmeritz und ehemalige Abgeordnete und Senator, Franz Kkepek, erlitt Dienstag früh bei einer Aner- hahnjagd in der Nähr von Zwicka» einen tödlichen Unfall. Er hatte sich zeitig früh mit eMem Jagdfrennd in den Wald„bei den Mühlsteinen" begeben. Kteprk hatte zwei Jagdgewehre bei sich, einen Kugelstutzen und ein Schrotgewehr, welch letzteres er an eine« Baumstamm lehnte. Als er eS wieder z« sich nehmen wollte, dürfte er gestrauchelt sein. Da- Gewehr entlud sich und die Schrottadung drang Kkepek in den Unterleib. Krepek gab noch Lebenszeichen von sich, konnte auch noch spreche« und traf knapp vor seinem Ableben letztwillige Verfügungen. Bon den herbeigerufene« Aerztr« wurde da- Leipaer Sauitätsauto angefordert, um den Verletzten in- Krankenhaus zn bringen, doch ehe eS eintraf, war Krepek seinen schweren Verletzungen schon erlegen. Krepek stand im 82. Lebensjahre. Einer der bedeutendsten deutschbürgerlichen Politiker ist mit Franz Krepek dahingegangen. Obzwar er stets ein Vertreter insbesondere bäuerlicher Tigentumsintereffen war, wenig Verständnis für die sozialistische Arbeiterbewegung hatte und die bäuerlichen Standesinteressen oft rücksichtslos vertrat, obzwar er sich mit anderen bürgerlichen Parteien gegen die Sozialisten verband— wollen wir doch anerkennen, daß Kkepek ein Mutiger, aufiechter Mann war, der einen Sinn für die realen, polittschen Tatsachen besaß, wie dies innerhalb der deutschbürgerlichen Polittk selten anzutrefsen ist. Kkepek wurde am 15. Jänner 1855 in Nieder-Nöfel bei Leitmeritz als Sohn eines Bauerngutsbesitzers geboren. Im Alter von 24 Jahren übernahm er seinen väterlichen Besitz. Er war im öffentlichen Leben schon als junger Landwirt eifrig tätig und wurde im Alter von kaum 26 Jähren in den Landeskulturrat für Böhmen berufen. Dort stellte er sich zunächst an die Spitze der deutsch-fortschrittlichen Bauernschaft und arbeitete an dem Aufbau« der landwirtschaftlichen Organisattonen. Er wurde als Bauernvertreter in den Wiener Reichsrat(1885) und später in den böhmischen Landtag entsandt. Schon dort bekundete er seinen realpolitischen Sinn, trat gegen den zügellosen nationalen Ra- dttalismus eines K. H. Wolf auf, weswegen ihm dieser zum Zweikampf aufforderte, in welchem Kkepek seinen Gegner verwundete. Als die deutsche Agrarpartei für Böhmen gegründet wurde, übernahm er die Stelle eines Sekretärs. Nach dem Umsturz trat er an die Spitze des Bundes der deutschen Landwirte und wurde bei den Wahlen von 1925 ins Abgeordnetenhaus gewählt. Er führte zunächst seinen Klub in den Deutschen Parlamentarischen Verband, der unter der Führung Lodgmans stand, bald aber geriet er in Gegensatz zu der Politik der Deutschnätiona- len und Nationalsozialisten. Als 1925 der Kampf um die Agrarzölle die allnationale Koalition erschütterte, nahm Kkepek die Gelegenheit wahr, den tschechischen Agrariern seine Hilfe anzutragen und Svehla nahm sie an. Als dann 1926 die Regierung der tschechisö^n Sozialisten upd Agrarier gesprengt wurde, traten der Bund der Landwirte und die Chrisflichsozialen in die Regierung ein, Minister wurde freilich nicht Kkepek, der sich schon zu alt fühlte, sondern sein politischer Schüler Franz Spina. Seither hatte sich Kkepek von der Führung seiner Partei zurückgezogen. 1925 wurde er zwar noch in den Senat gewählt, 1929 verzichtete er auch auf dieses Mandat, 1933 nahm er noch den Posten eines Bürgermeisters vor. Leitmeritz an. Kkepek war bis in die letzte Zeit ein kerngesunder, kräftiger Mann. Sein eigenartiges Ende, datz er im 82. Lebensjahr bei der Jagd verunglückte, beschließt ein eigenartiges, reiches Leben, das Wohl der Vertretung bürgerlicher Interessen, aber doch auch der nationalen Verständigung und der Erziehung der Sudetendeutschen zur Realpoltttt gewidmet war.• Der Senat verabschiedete Dienstag nach längerer Debatte den Stgatsrechnungsabschlutz für 1934 und erledigte dann zwei Zusatzproto- kolle zu den Handelsverträgen mit Jugoslawien und Italien. Zum Schluß wurde ein Auslieferungsbegehren gegen einen Kommunisten, der von Konrad Henlein wegen abfälliger Aeutzerungen über die Politik der SdP geklagt worden war, abschlägig beschieden. Nr. 101 Mittwoch, 29 April 1938 Seite 3 fuddendeufaftei Xeitspteget Unsere Maikundgebungen Kreis Karlsbad: Abertham: 10 Uhr vormittags aut dem Schultz"atz. Asch: halb 11 Uhr vormittags auf dem Postplatz. Buchau: 2 Uhr nachmittags im Gasthaus„Wiesental"(Maut). Eger: halb 10 Uhr vormittags im Vollshausgarten. Elbogen: 3 Uhr nachmittags auf dem Marktplatz. Falkenau: 2 Uhr nachmittags auf dem Marktplatz. Graslitz: 10 Uhr vormittags auf dem Marktplatz. Jechnitz: 9 Uhr vormittags im Kinosaal. Joachimsthal: Halb 3 Uhr nachmittags vor dem VolkshauS. Karlsbad: 3 Uhr nachmittags auf dem Becherplatz. Klösterle: halb 3 Uhr nachmitrags auf dem Marktplatz. Königsberg: 10 Uhr vormittags auf dem Marktplatz. Reudrk: 10 Uhr vormittags auf dem Marktplatz. Petschau: halb 3 Uhr nachmittags auf dem Konsum« verSinsplatz. Podersam: halb 10 Uhr vormittags auf dem Mofa« rhkplatz. Schnnedeberg: halb 8 Uhr nachmittags auf dem Marktplatz. Schönbach: halb 3 Uhr nachmittags auf dem Marktplatz. Kreis Teplitj-Saaz: Teplitz-SchLnau. Redner Franz Seidel« Dux. Redner Emil Haase. Bilm. Redner Senator Dr. Carl Heller. Brüx. Redner Richard Lorenz. Oberlentensdorf. Redner Richard Lorenz. Katharinaberg. Redner Rudolf Geisler. Lobositz. Redner Ferdinand Bund. Komotau. Vormittags 10 Uhr. Sebastiansbrrg. Nachmittags 3 Uhr. Heinrichsiwrf. Nachmittags 3 Uhr. Saaz. Vormittags 10 Uhr. Postelberg. Vormittags 10 Uhr. Kreis Bodenbach-Ausslg-Warnsdorf: Aussig. Redner Leopold P ö l z l. Kürbitz. Redner Arnberg. Bodenbach. Redner Abg. Franz Kogler. Bensen. Redner Bruno Grund.* B.-Kanmih. Redner Senator R e h z l. Böhm.-Leipa. Redner Senator Grünzner. Haida. Redner Fritz K e st l e r. Niemes. Redner Senator Grünzner. Zwickau. Redner Hocke. Warnsdorf. Redner L ö w i. Schönlinde. Redner Abg. Irene K i r p a l. Schluckcnan. Redner Abg. Irene K i r p a l. Leitmeritz: Redner Heinrich I e n t s ch. Wegftädtl. Redner Josef Schweichhart. Auscha. Redner Carl Robert Schwarz. Wernstadt. Redner Bruno Grund. Kreis Reichenberg: Friedland. Redner Max K o u t n i k. Gablonz. Redner Franz R e h w a l d. Tannwald. Redner Johann Köller. Grattau. Redner Robert H a w e l. Kratzau. Redner Hermann Hladik. Reichenberg. Redner Landesvertreter Dr. Emil Strauß. Hohenelbr. Redner Hugo Mäher. Rochlitz. Redner Johann Uhl., Kreis Trautenau: Aman. Redner E. O. Rambauske. Königinhof. Redner Josef Marks. Rochlitz. Redner W. Kraus. Brannan. Redner Dr. Emil F r a n z e l. Wekelsdorf. Redner Karl Verbrich. Kronstadt im Adlergebirge. Redner Josef S t r n a d. Marschendorf I. Redner Dinnebier und Dr. Alois Mühlberger.' Schatzlar. Redner Konrad Hofmann. Trantenan. Redner Abg. K r e j c i und Heinrich Erben. Suchenthal. Redner Franz Zapf. Erdweis. Redner Zapf. Kreis Brllnn-Siidmöhren: Brünn. 30. April: Dopz-Saal Maivorfeier. 1. Mai: Kundgebung. Redner Abg. S. T a u b. BtL-risch-Trüban. Vorabend Fackelzug. Kundgebung. Redner Abg. S. Taub. Zwittau. Redner Bruno Rother. Brüsau. Redner Bruno Rother. Lnndenbnrg. Redner Dr. Karl L a m a L. Saitz. Redner Dr. Karl L a m a t. Zlabmgs. Redner Franz W l a s a k. Jglan. Redner Anton Schmerda. Znaim. Redner Dr. Freund. Joslowitz. Redner Dr. Freund. Grusbach. Redner Fritz U r b a n e k. Probitz. Redner Fritz U r b a n e k. Pansram. Redner Rudolf Landsfrred. Nikolsburg. Redner Senator W. Nießner. Pohrlitz. Redner Kulka. Kreis Sternberg: Sternberg. Redner Vierer. Olmutz. Redner Kittel. Ntühr.-Schönberg. Redner Paul, Muglitz. Redner Vierer.. Freudenthal. Redner Ondkejka. Klein-Mohra«. Redner Ondrejka. Römerstadt. Redner F i f<*» e r. Braunseisen. Redner Fischer. Freiwaldau. Redner Lang. Bärn. Redner Kittel. Bautsch. Redner Häusler. Stadt-Liebau. Redner Häusler. Heidenpiltsch. Redner Abg. He eg er« Kreis Troppau: Troppan. Redner Titz. Jägerndorf. 30. April: Um halb 8 Uhr abends Lampionumzug. Anschließend Abendfeier im Heim. 1. Mai: Kundgebung. Redner Abg. Heeger, Arbeitersport und 1. Mal Das Präsidium der SASI übermittelt euch zum Weltfeiertage des 1. Mai internationale Brudergrütze. Die Arbeitersportler werden wie immer mit der Partei am 1. Mai marschieren, weil der proletarische Kampf auch ein Kampf für unsere Ziele und Fortschritte, für unser Streben auf dem Gebiete der proletarischen Körperkultur, der Volksgesundheit und des sozialen Fortschrittes bedeutet. Deshalb neben unserer sportlichen und turnerischen Arbeit die geistige Erziehung zum freien stolzen Menschen, deshalb am 1. Mai nicht nur proletarische Pflicht, sondern fester Wille, Ueberzeugung und treuer Glaube an den Sieg des Sozialismus, in dem allein die Ideale unserer Arbeit verwirklicht werden können.> Wenn am 1. Mai unsere jungen Scharen mit in den Kolonnen unter roten Fahnen marschieren, dann bedeutet das das Gelöbnis mit Partei, Gewerkschaft und Genossenschaft immer und bei jeder Gelegenheit mitzuwirken und zu kämpfen. Ist jene Länder, die am 1. Mai nicht frei demonstrieren können, wo an diesem Tage nur im stillen, heiligen Schwur das Gelöbnis zum Sozialismus gegeben wird? rufen wir unseren Gruh der Treue, unseren Dank hinüber, mit dem festen Hoffen auf jene Zeit, wo wir mit allen wieder in einer Front vorwärts stürmen können. Der 1. Mai ist auch der Feiertag der Arbeitersportler, an diesem Tage marschieren wir mit dem grotzen Heer der Sozialisten. Kreis Landskron: Landskron. Redner Weigel. Leitomischl. Redner Macoun. Grulich. Redner Tinkl. Böhmisch-Trübau. Redner Zeman. Wildenschwrrt. Redner Nitsch. Kreis Pilsen-Budweis: Marienbad. Redner Herdlitschka. Plan. Redner Herdlitschka. Tachau. Redner Karl Kern. Jugendredner Knoll. Ronsperg. Redner F. K. Stark. Jugendredner Resnitschek. Stankan. Redner Dr. L ö w h. Wesrritz. Redner Landesvertreter F. H a l a. Mies. Redner Adolf Schmidt. Jugendredner Janka. Tuschkau. Redner Dr. Adler. Jugendredner Wick. Tobrzan. Redner Müller. Lihn. Redner Leopold Glaser. Staab. Redner Josef Hofbauer. Jugendredner Karl Korsch inskh. Nürschan. Redner Brantl. Pilsen. Redner Johann Korschinskh. Neuern. Redner Abg. Wenzel I a k s ch. Unterreichenstein. Redner W a n k a. Netschetin. Redner Halbritter. B.-Krnmau. Redner Senator Heinrich Müller. Kaplitz. Redner Profeffor Herbig. Hahenfurt. Redner Profeffor Herbig. Winterberg. 30. April Maiversammlung. Redner John. Eleonorrnham. Redner John. Außergefild. Redner John. Neuhaus. 10. Uhr vormittags. Neubiftritz. halb 3 Uhr nachmittags. Vie Unwahrheiten der„Roten Fahne** Im kommunistischen Zentralorgan vom Dienstag ist eine Notiz enthalten, die folgende Mitteilung enthält:„Katharinaberg(Erzgebirge). Hier findet am 1. Mai ein geschlossener Bezirksaufmarsch der sozialdemokratischen und der kommunistischen Arbeiterschaft statt. Bei der Kundgebung vormittags 10 Uhr spricht für die kommunistische Partei Genoffe Brückner, für die sozialdemokratische Partei Genosse Haase." Wir stellen fest, datz diese Nachricht vom Anfang bis zum Ende unrichtig ist. In Katharinaberg findet keine gemeinsame Kundgebung statt; eine solche wurde nirgends besprochen oder beschloffen. Der Aufmarsch der sozialdemokratischen Arbeiter erfolgt nachmittags um 3 Uhr. Zu unserem braven Grenzvolke wird nur der sozialdemokratische Funktionär sprechen. So also orientieren die kommunistischen Berichterstatter ihre Leser. Ein weiterer Kommentar hiezu ist wohl überflüssig. Bessere Beschäftigung der Igiauer Biasindustrie Die Jglauer Glasindustrie, die lange Zeit mit grotzen Einschränkungen arbeitete, weist in der letzten Zeit eine wesentlich gebesserte Beschäftigung auf. Die Glasfabrik der Firma Jnwald in Deutsch-Schützendorf hat infolgedessen in der letzten Zeit mehrfach den Arbeiterstand erhöht und beschäftigt derzeit über 500 Arbeiter. Bemsch. 80. April: Höhenfeuer. 1« Mair Kundgebung. Redner Kowalik. Würienthal. 30. Avril: Freundschaftsabend. 1. Mair Kundgebung. Redner Richter. Distrikt Hennersdorf- JohanneSthal» Petersdorf. 30. April: Freundschaftsabend. 1. Mai: Kundgebung. Redner Mader. Spachendorf. 80. April: Höhenfeuer. 1. Mai: Kundgebung. Redner Abg. Heeger. Mähr.-Ostrau. 30. April: Maivorfeiern in Pkivoz und in Witkowitz.— 1. Mai: Kundgebung: Redner König. Nen-Titschein. 30. April:„Die ganze Welt lacht", russischer Tonfilm.— 1. Mai: Kundgebung. Redner S o b e k. Fnlnek. Redner K a m l e r. Wigstadtl. 30. April: Höhenfeuer.— 1. Mai: Kundgebung. Redner Leinsmer. Wagstadt. Redner Kutscha. Nachmittags Turnerakademie. Olbersdorf. Redner Kolb«. Odran. Redner Z a h e l. Freistadt.%10 Uhr vormittags. Friede!-Mistel. Redner Dr. Bikwr Haas, Karwin.%10 Uhr vormittags. Königsberg. 1410 Uhr vormittags. Oderberg. Redner Kreutz. Schönbrunn. 10 Uhr vormittags. Trzymetz. 10 Uhr vormittags. Tschechisch-Teschen. Redner H üb al. Slowakei: Preßburg. Redner Dr. Wiener, KäSmark. Redner Kremser. Bela. Redner Kremser. Handlova. Redner Viktor Schmied. Johannisberg. Redner Viktor Schmied. Metzenseifen. Redner Karl Kinzel. Stoos. Redner Karl Kinzel. Smölnitz. Redner August Wostupatsch. Schmölnitz-Hütte. Redner August Wostupatsch. Wagendrüffel. Redner Alfred Böhm. .* Prag. Redner Senator Hackender g. Abg. H a m p l. proletarisches Theater Die Truppe 36, die unserer Arbeiterschaft noch von ihren vorjährigen Darbietungen her bestens bekannt ist, wurde von der Bildungszentrale zu einer mehrwöchentlichen Tournee verpflichtet. Unsere Künstler werden ab 30. ds. vierzehn Tage in Westböhmen und anschliessend daran in den Kreisen Teplitz und Bodenbach spielen. Die„Truppe" tritt diesmal mit zwei Pro- graMmew vor die Oeffentlichkeit: mit dein politischen Kabarett„Jährmarktvon Plundersweilern" und dem Drama„Gerechtigkeit"(14 Bilder aus einem Freiheitskampf) von Robert G r ö tz s ch. Die Veranstaltungen begegnen überall grösstem Interesse. Abhören des Präser Senders — In Deutschland strafbar! Wie die„Lidove Noviny" melden, wurden dieser Tage zwanzig Personen vor das Dresdner Gericht gestellt, weil sie nach der Behauptung der Anklage sich wiederholt abwechselnd in ihren Wohnungen versammelt und die tschechoslowakischen Sender, namentlich den deutschen Nachrichtendienst, abgehört hatten. Nutzer einigen Aussprüchen, die nach Ansicht des Gerichtes von der staatsfeindlichen Gesinnung der Angeklagten zeugten, wurde ihr Interesse am Programm der tschechoslowakischen Sender als wichtiger Beweis für ihre Schuld angesehen. Alle Angeklagten wurden zusechsbiszwanzigMonaten Gefängnis verurteilt. Die„L. N." bemerken dazu:„Das Urteil des Dresdener Gerichtes ist bezeichnend... Es ist bekannt, datz die deutschen Sendungen des tschechoslowakischen Rundfunks vor allem für die deutsche Minderheit in der Tschechoflowakei bestimmt sind, und sich niemals in die inneren Verhältnisse Deutschlands eingemischt haben. Dagegen macht sich der Leipziger Sender immer mehr zum Werkzeug der gegen die Tschechoflowakei gerichteten Propaganda."' Oer V. ordentliche Gewerkschaftskongreß des Deutschen Gewerkschaftsbundes in der Tschechoslowakei sinket vom 23. bis 26. Mai in den Räumlichkeiten des ,P8olksgartens" in Reichen berg statt. Tages ordnung: 1. Eröffnung und Konstituierung. 2. Tätigkeit des Deutschen Gewerkschaftsbundes: a) Rückblick; b) Organisationsftagen. Berichterstatter: Franz Macoun, Wilhelm Weigel, Franz Kirchhof, Vinzenz Tauber. 3. Wirtschaft und Sozialpolitik. (Berichterstatter: Anton Schäfer.) 4. Gewerkschaften und Demokratie. (Berichterstatter: Franz Macoun.)' 5. Wahlen. 6. Anträge und Angelegenheiten, die bei früheren Punkten picht erledigt werden konnten. Die Verhandlungen des Kongresses beginnen am 23. Mai nachmittags 3 Uhr, Atus marschiert am 1. Mal Genossinnen und Genoffen! In mehr als 50 deutschen Städten marschieren übermorgen am 1. Mai tausende sozialistische Arbeiter und Arbeiterinnen zur 1. Mai- Kundgebung. Nichts, weder heuchlerische Versprechen, noch demagogische Propaganda, Gewalt oder Terror konnte und kann uns daran hindern, den Tag des 1. Mai als Kampftag des Proletariats zu feiern. Alle, die noch Kraft und Mut besitzen, werden an diesem Tage hinter den roten Fahnen marschieren. Auch wir Atus-Mitglieder! Wir werden uns geschlossen, Mann und Frau, Jüngling und Mädchen, einreihen. Wir werden durch eine restlose Teilnahme beweisen, dass es für uns noch nie ein Zögern gab und geben wird, wenn es heisst, auf die Stratze zu gehen. Wir werden dabei aber auch für den zweiten großen Kampftag dieses Jahres, das 3. Bundesturnfest, werben. K o m o t d u muß und wird die 50 Züge der Maidemonstranten zu einem gewaltigen Zug, zu einer gewaltigen Demonstration per.sudetendeutschen Arbeiterschaft vereinen. Maidemonstranten! Sozialdemokraten! Genossinnen und Genossen aller deutschen Städte! Bereinigt Euch zur großen gewaltigen Kundgebung aller sozialistisch denkenden Arbeiter. Kommt vom 4. bis 6. Juli nach Komotau zum 3. Bundesturnfest des Atus!"««,!»• Bezirksleiter der SdP verhaftet. Montag abends um halb 6 Uhr wurde der Bezirksleiter der SdP in Brandau, Franz Müller, nach einer zweistündigen Haussuchung verhaftet. Der Verhaftete wurde dem Brüxer Kreisgericht eingeliefert. Es besteht der Verdacht, datz sich Müller gegen den 8 12 des Schutzgesetzes vergangen hat. Gendarmerie gegen StaatStrrue. Die Ortsgruppe Hohenstein des Sozialissischen Jugendver- bandes hatte vor Ostern zwei Wandzeitungen an der sozialdemokratischen Zellungstafel des Ortes angebracht. Die Wandzeitung war ausschließlich gegen den Faschismus gerichtet. Die Gendarmerie ordnete die Entfernung der Wandzeitung an und unterzoff den für ihre Anbringung verantwortlichen Funktionär einer hochnotpeinlichen Untersuchung. Eine Ausstellungshalle in Troppau. Die Troppauer-Stadtvertretung hat. beschlossen, eine Ausstellungshalle zu bauen. In dieser Halle soll ein Teil der„Trowa"(Troppauer Wirtschaftsausstellung) untergebracht werden, die im Vorjahre zum erstenmal abgehalten wurde und nunmehr alljährlich wiederholt werden soll. Die Sozialdemokraten stimmten gegen den Beschluß, da er eine dauernde Belastung der Stadtgemeinde mit sich bringt und die Stadt Troppau infolge ihrer geographischen Lage nicht imstande ist, die Funktion eines Zentrums der deutschen Wirtschaft in Schlesien zu erfüllen. Das Hinterland der schlesischen Landeshauptstadt ist vollkommen tschechisch. Ueber' das Ergebnis der vorjährigen „Trowa" wurde die Oeffentlichkeit noch nicht, unterrichtet. Der Bau wird zunächst einen Kostenaufwand von 1.2 Millionen K£ erfordern. Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen. Vor einigen Tagen, so' lesen wir im „Volkswille", zogen durch Ortschaften des westlichen Erzgebirges Straßensänger, die nachl der Melodie„Abessinien ist verloren sowieso" einen neuen«Schlager" sangen: „Palästina ist verloren sowieso. Dort Araber uns versohlen hojaho; s:Rur in der Tschechoslowakei treiben wir's so , weiter hojahei. Kein Emir hier was befohlen hojaho:) Da es in unseren Breiten doch nicht ratsam ist, „Wenn das Judenblut vom Messer spritzt usw." zu singen, so trällert jetzt alt und jung aus der Volksgemeinschaft dieses Liedchen vor sich hin und macht dem gepreßten Herzen nach" zwei Seiten Luft, einmal in milder Form der antisemitischen Gesinnung, und zweitens klingt ein leiser Vorwurf unserem Staate gegenüber durch, der sich nicht agschickt, Ghettos nach reichsdeutschem Muster zu errichten«.. Seite 4 Mittwoch, 29. April 1936 Nr. 101 TaAesnemgLelteN' Flucht In die Schule Unsagbar groß ist daS Elend der arbeitslosen Jugend. Viele junge Menschen haben überhaupt noch nicht den Segen ordentlicher Ar- beit oder gar des Verdienens kennengelernt. Und groß ist die Gefahr, daß sie moralisch verkommen oder dem politischen Abenteurertum in die Fänge laufen. Die Maßnahmen, die man zu ihrem Schutze unternimmt, sind unzureichend. Die Winterhilfsaktion, in die sie eingereiht waren, ist längst vorbei, die Heimstätten haben geschlossen, das Genter System kommt für sie nicht in Betracht. Nur einige Städte versuchen es jetzt mit Arbeitslagern. Für die weibliche Jugend aber geschieht überhaupt nichts. Man muß sich angesichts dieser Tatsachen wundern, daß das Abgleiten der Jugend in das absolute Nichts nicht größere Formen angenommen hat. Wie wenig die Jugend gewillt ist, sich von den Dingen treiben zu lassen, wie sehr sie sich bemüht, ihr Leben auszufüllen, das wird nicht nur. durch ihre Arbeit in den Jugend- und Sportorganisationen, sondern auch durch ihr Bemühen erwie- sen, sich irgendwelche fachliche Kenntnisse anzueignen, auch wenn sie weiß, daß sie sie nicht an- wenden kann. Da gibt es z. B. in Stein- s ch ö n a u eine Meisterschule fiir die Glasindustrie, die man in der Regel durch drei Jahre besucht. Aber es sind Jugendliche da, die schon das s e ch st e Jahr hingehen, nur, weil sie sonst keine Beschäftigung hätten und das Gelernte vergäßen, nur, weil sie nicht untätig sein wollen. — Jugendliche, die sich in dieser Zeit noch immer beinühen, ihre Fähigkeiten zu steigern, um nütz- liche Mitglieder der Gesellschaft zu werden, können nicht zur Ausnützung ihrer Fähigkeiten kommen. Sie lernen und lernen. Und sind noch ^glücklich zu Preisen. Denn Zehntaujende haben nicht einmal diese Möglichkeit... Theresienstädtrr Soldat bei einer Eisenbahnfahrt tödlich verunglückt. Sonntag abends vergnügten sich vier Theresienstädter Soldaten in HrMtz bei Raudnitz bei einer Tanzunterhaltung. Weil sie ihre gesamte Barschaft verausgabt hatten und den 10 Kilometer weiten Weg nach ihrem Garnisonsort in der Nacht nicht zu Fuß zurücklegen wollten, beschlossen sie,„schwarz" nach Hause zu fahren. Es gelang ihnen auch, in der Dunkelheit ohne'Fahrkarten in der Station Hrobec den Persönenzüg nach Bäuschowitz zu be- sreigen und sich auch während der Fahrt der Kontrolle zu entziehen. In der Befürchtung, daß sie in der Station Bäuschowitz beanständet werden könnten, sprang der Soldat BoitjechBauer aus dem noch in rascher Fahrt fahrenden Zug. Seine Kameraden bemerkten, daß er auf das Geleise fiel, sich aber wieder erhob und die Bahnböschung hinunter verschwand. Auch den anderen drei Soldaten gelang es, noch vor der Station den Zug zu verlassen und auf den Weg nach Theresienstadt zu kommen. In der Annahme, daß ihr Kamerad bereits vorausgegangen sei, gingen sie in die Kaserne. Am anderen Morgen fanden Wächter der Bauschowitzer Zuckerfabrik den Geniesoldaten Bauer im Graben der Bahnböschung tot auf. Bauer lag mit dem Gesicht in dem morastigen Böschungsgrabcn. Nach der Feststellung der Aerzte ist Dauer im halbbewußtlosen Zustand dadurch erstickt, daß er infolge der beim Sprung aus dem Eisenbahnwagen und beim Anprall auf die Schienen am Kopf erliktenen Verletzungen nicht mehr die nötige Kraft besaß, sich selbst aus der morastigen Böschung auszugraben. Ziehung der Klassenlotterie 11 n verbindlich. Prag. Bei der Dienstag-Ziehung der V. Klasse der 34. tschechostowakischen Klassenlotterie wurden folgende Lose gezogen: Kd 1,000.000 Los Nr. 7273.> Kö 60.000 Los Nr. 86.499. Kö 20.000 die Lose Nr. 32.087 53.969. K« 10.000 die Lose Nr. 25.265 101.579 105.838 96.995. K6 5.000 die Lose Nr. 12.454 17.405 49.654 87.273 13.441 19.875 24.342 44.067 51.903 51.942 59.624 69.472 69.919 71.063 77.221 78.987 96.814 98.991 100.562 102.875 105.162. KC 2.000 die Lose Nr. 2.485 4.694 6.106 7.699 10.643 12.110 12.274 12.311 13.015 14.836 15.756 16.942 17.662 18.024 19.195 22.627 24.011 24.989 25.586 27.563 31.997 33.415 34.817 35.413 37.206 38.106 38.809 41.125 41.278 46.591 51.592 52.712 54.387 60.841 63.719 65.434 70.142 71.058 77.570 78.026 80-272 81.046 88.356 90.290 90.551 90.899 92.008 93.801 95.512 957110 95.835 97.668 98.008 98.310 100.591 100.988 103.787 103.792 104.641. 104.880 106.086 106.957 108.993 109.005 109.393. Originelle Lösung eines Filmstreites während des englischen Fußball« Pokalspiels Jin Stadion zu Wembley wurde am Sonnabend das Endspiel um den englischen Fußballpokal ausgetragen, in dem die Londoner Arsenal-Mannschaft mit 1:0 über den Club Sheffield United gewann. Da der Veranstalter des Kampfes für die Filmaufnahmen Riesenentschädigungen verlangte und schließlich allein die Verfilmung des Spieles durchführte, beschlossen die Wochenschau-Filmfirmen, die einzelnen Phasen des Kampfes vom Wildmühlen-Flugzeug aus zu filmen. Hier sieht man eines der vier Filmflugzeuge über dem vollbesetzten Stadion. ken und die Vergiftung abessinischer Frauen und Kinder durch italienisches Giftgas. Mr. G. T. Gallatt sprach über die Reformarbeit der abessinischen Regierung, die aus vortrefflichen Männern bestehe und den Verwaltungen etwa von Afghanistan und des größten Teils von Indien vollkommen gleichwertig sei. Es soll eine Anleihe von einer halben Million Pfund(59 Millionen XC) für die Ansiedlung von Flüchtlingen alsbald durch Die Staatsbahn im Dienst der Kurorte. Ein K u r a u f e n t h a l t f ü r E in- z e l p e r s o n e n, der täglich zu jedwedem Termin und für jedwede Zeit angetreten werden kann, wird als Neuheit vom Referat der Ausslugszüge der Tschechoslowakischen Staatsbahnen eingeführt. Ausgeschrieben ist vorläufig folgender vierzehntägiger Aufenthalt, der nach Wunsch verlängert werden kann: Nach L u b o ch n i a in der Slowakei fiir 630 XL, nach Joachims- t a l für 808 XL, nach M a r i e n b a d für 850 XL und nach Karlsbad für 800 XL. In den Preis sind die Fahrt mit dem Schnellzug/ das Logis, die Kost und das Trinkgeld inbegriffen. Anmeldungen mit Boranzahlung übernimmt der Bazar neben. dem Wilsonbahnhof, Telephon 383—35. Deutsche Jugendzeit»»-. Im Staatsverlag ist soeben die erste Nummer einer Jugendzeitüng erschienen, die halbmonatlich herauskommen wird. Verantwortlicher Redakteur, ist Dr. Josef Taller, dem Redaktionsausschuß gehören an: Prof. Dr. Franz. Longin, Dr. Josef Taller, Uebungsschul- lehrer Friedrich Trnka, Lehrerin Ludmilla Vlasak. .„Eckener-Allee" heißt wieder„Zehlendorfer Damm"«. Wie die /.Times" alis Berlin meldet, bemüht sich; Dr. Eckener seit einer Woche, bei den maßgebenden Nazistellen wieder in Gnaden ausgenommen zu werden. Wenn ihm auch kürzlich im Luftfahrtministerium versichert wurde» daß an dieser Stelle nichts gegen ihn vorliege, so scheint Goebbels doch anderer Ansicht zu sein. Jedenfalls ist bekannt geworden, daß hem Verbot, Eckeners Namen in der Presse zu nennen, nun-' mehr eine neue Maßnahme gefolgt ist: die Eckener-Allee in Berlin erhielt wieder ihren früheren Namen ,/Zehlendorfer-Tanim"..-■ Was ist das alles gegen das Tritte Reich?! Es hat bei Wahlen auch in Frankreich immer eine ganze Reihe von seltsamen Käuzen gegeben, die ihre Kandidatur aufgestellt haben, und die sogar einige Wähler fanden, obwohl man sie leicht als verrückt identifizieren konnte. So hat im Jahre 1881 im Departement du Nord der Gendarm a. D. Badulin kandidiert, der sämtliche Gebirge von Frankreich abtragen lassen wollte. 20 Wähler gaben ihm ihr Vertrauen, aber das genügte nicht, ihn noch am Wahltage vor dem Irrenhaus zu bewahren. Auf dem Montmartre kandidierte zweimal ein gewisser Fenelon, der sich„Ego I., König von Kongo" nannte. Im Jahre 1902 erhielt er 70 Stimmen, bis 1906 waren seine Anhänger sogar auf 217 angewachsen. Im Jahre, 1910 stellte ein gewisser Legu seine Kandidatur auf, indem er sich als„Kunde der Gas- und Elektrizitätswerke" anpries.. Sogar er hat eine Stimme erhalten. Auch bei dieser Wahl fehlt es nicht an solchen Beispielen. So ist unmittelbar vor Torschluß ein Wahlplakat eines unabhängigen Kandidaten angebracht worden, dessen Text folgendermaßen beginnt:„Die Wahrheit ist eine große .Synthese, deren wissenschaftliche Erforschung durch experimentelle Analyse, und relative Interpretation gefunden werden kann!"- Wer dies und das folgende nicht versteht, erfährt aus dem Schluß des Plakats, daß er„jede gewünschte Aufklärung dieses philosophischen Postulates durch den Endes- untcrfextigten" erhalten kann.„Rückporto ist beizulegen." Richt ganz so verrückt, sondern sogar recht gut ist der Einfall eines anderen„Kandidaten",• der mit Hilfe der modernen Technik die Möglichkeit gefunden hat, 24 Stunden am Tag die gleiche Wahlrede ununterbrochen zu halten. In seinem Werbelokal hat er nämlich einen Laut- sprecher ausgestellt und- eine Grammaphonplatte besprochen» die aus.automatische Weise immer wieder von vorn zu laufen anfängt. Slawische Heiden organisieren sich nach deutschem Muster... In Brünn hat sich ein Verein gefunden, der nach bekannten Mustern— altslawischen Götterkult pflegen will. Als repräsentativen Heidengott haben sich die Brünner Heiden„Radagast", der' von den flawischen RatareN angebetet wurde, erwählt. Die Devise der neuen Heidenvereinigung lautet:„Los von Bibel und Krise, zurück zum Glauben unserer Ahnen". Der Wolanskült bekommt also Konkurrenz. Eine Stadt für abessinische Flüchtlings soll in der britischen Kolonie Kenya errichtet werden. Die Abessinische Vereinigung im britischen Unterhaus veranstaltete eine Versammlung in einem der größten Säle des Parlaments, der Abgeordnete aller Parteien und andere Persönlichkeiten beiwohnten. Kapitän Brophil berichtete von seinen Beobachtungen als Mitglied der britischen Rote Kreuz-Mission in Makalle. Er schilderte die Vernichtung der Station durch italienische Fliegerbom- Sammlungen aufgebracht werden. König Eduard nimmt kcinm«Gehalt" an. Die britische Staatskasse wird jährlich 155.900 Pfund Sterling ersparen, weil König Eduard sich verpflichtet hat,.weiterhin aus dem Privatertrag des Herzogtums Cornwall statt aus den Einnahmen des Staatsschatzes zu leben. Für den Fall, daß sich der König verheiraten würde, wird die Staatskasse einen Betrag von 40.000 Pfund Sterling auswerfen. Elementarkatastrophe. Die argentinische Stadt Mendoza ist von einem schweren Unwetter heimgesucht worden, das großen Schaden anrichtete. Wolkenbruchartige Regengüsse verursachten weithin Überschwemmungen.. Die Weinberge der Umgebung sind vollständig verwüstet. Da die Zugangsstraßen zerstört sind, ist, die Stadt völlig abgeschnitten, Viele Familien sind obdachlos. Ein dreijähriges Mädchen ist ertrunken. Reue österreichische Briefmarke. Die österreichische Postverwaltung gibt eine neue Bricsmarke-zu 24 Groschen in einer Auflagenhöhe von zwei Millionen Stück heraus, die als Markenbild eine Wiedergabe des Gemäldes„Maria mit deur Kinde" von Albrecht Dürer Zeigt. Vom Rundfunk taetahl«M«Mrtu aus den Programm«« i Donnerstag: Prag, Sender L: 10.05: Deutsche Presse, 12.10: Operngesänge auf Schallplatten, 17.45: Deutsche Sendung: Prof. Schneeweiß: Walpurgisnacht im Volksglauben,— Jugendstunde: frohes Wandern, 18.20: genoffenschaftl. Umschau, 18.45: Deutsche Presse, 20.15: Der Räuber, Komödie von Capek. Sender S: 7.30: Populäre Musik, 14.15: Deutsche Sendung: Landwirtschaft, 14.35: kunsthistorische Sonntagswanderungen, 19.30: Operngesänge.— Brünn 16.10: Nachmittagskonzert. 17.40: Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Dr. Otto Frey: Bedeutung des Rohstoffes in der Wellpolitik, Dr. Stoklas: Durch Wirtschaftswege aus der Ehekrise.— Preß' bürg 20.30: Unterhaltungskonzert.— Kascha» 12: j Schallplattenkonzert, 15: Rundfunkorchesterkonzert. —Mährisch-Ostra» 12.35: Mittagskonzert, 17.30: Liederkonzert, 18.10: Deutsche Sendung: Erwin Heine: aus eigenen Schriften,— Mammer: von der Graphologie. Samum— die Leise! der Wüste Das Rätsel des Chamsin— Glut ohne Sonne — Harmattau— Technik gegen Naturgewalt MTP. Kairo, im April. Der deutsche Gesandte in Kairo, Freiherr von Stohrer, der sich mit seinem Auto in der Wüste verirrt hatte und vom Samum überrascht wurde, ist von einer englischen Flugzeugstaffel bei Batavia, 30 Kilometer westlich von Kairo, aufgefunden und in völlig erschöpftem Zustand ins Hospital von Heliopolis geschafft worden. Der Kampf des Menschen gegen die Gefahren der Wüste ist durch diese Zuhilfenahme der Flugtechnik in ein neues Stadium eingetreten. Die volle Bedeutung dieser Gefahren zeigen nachstehende Ausführungen unseres Sonderberichterstatters D. Red, Brennende Sonnenglut lastet mit einer Hitze von 50 Grad über dem Wüstensand. Jedes Leben erstirbt bei dieser siedenden Temperatur; die Tiere des Sandmeeres haben sich träge in ihre Schlupfwinkel zurückgezogen; jeder Mensch, jede Karawane hastet mit dem Aufgebot der letzten Kräfte der nächsten Oase zu, uni nicht in der unerträglichen Glut zu ermatten und so den sicheren Tod zu finden'. Plötzlich wird der südliche Hori- zent grau-schwarz. Noch einige Minuten, dann braust ein wirbelnder Glutsturm über die Wüste hinweg, Sandmassen werden Hunderte von Metern hoch in die Lüfte geschleudert und überschütten kilometerweit Flächen, die Sonne verfinstert «sich und ist zuletzt nur noch als mattleuchtende, kupferrote Scheibe sichtbar. Windstoß folgt auf| Windstoß. Zwei Tage hindurch. Auch drei. Auch vier. Dann ist wieder Ruhe.. Friedhofsruhe. Die Landschaft hat auf Meilen hinaus vollkommen ihr Gesicht gewechselt. Kein spärliches Gras, kein Kraut, kein Lebewesen ist mehr vorhanden, nur Sand, nichts als weißer brennender Sand. Das ist der Samum. Der Name ist arabisch und bedeutet Gifttoind. Die Aegvpter nennen ihn Chamsin(„50"), weil er angeblich 50 Tage hindurch wüten soll. 2m Maurischen heißt er nach seinem Ursprung Gibli, Südwind. Er entsteht durch eine Verstärkung des Luft- druckgefälls zwischen der südlichen Sahara und den Luftsphären des Atlantischen und Indischen Ozeans, die sich im Kongogebiet überschneiden. Die kühlere Lust der Ozeansphären drückt auf die dünne, heiße Wüstenlust» die im Wirbel hochtreibt und dabei ungeheure Mengen Flugsand.mitreißt. So entstehen vollkommen neue Sanddünen, die von den Tuareg„Nebka" genannt werden, im Gegensatz zu den alten, nicht wandernden, vielfach auf Felskern gebetteten Dünen, die im Arabischen„Erg", in der Tuareg-Sprache„Areg" heißen. Was der Samum berührt, ist rettungslos verloren. Die stärksten Geschöpfe der Wüste sind gegen diese Gefahr machtlos. Menschen, die in den Glutsturm hineingeraten, versuchen, sich gegen die glühende Lust und das Eindringen des feinen Sandstaubes in die Poren des Körpers dadurch zu schützen, daß sie sich vollkommen mit Tüchern I I verhüllen. Die Tiere werfen sich zu Boden, mit dem. Rüchen gegen den Wind, und vergraben Mund und Nase in den Sand. Das ist der Samum, wie die Sahara und die arabische Wüste ihn kennen. Auch die persische Wüste kennt Sandstürme ähnlicher Art, aber ohne Wirbel und außerdem in gleichmäßig fegender Form, nicht stoßweise auftretend.. Eine seltsame Abart des Samum ist hingegen der Harmattan, in der Fulbe-Sprache Hara- mata genannt, der westlich der Sahara, an der Küste von Guinea austritt. Er entsteht aus ähnlichen Ursachen heraus wie der Samum, tritt jedoch nur in den Wintermonaten auf, und zwar meist zwei Wochen hindurch, ohne Unterbrechung. Auch er führt Staub und Sand mit sich, auch er trocknet alles aus, aber er ist nicht heiß, sondern im Gegenteil beinahe eisig-kalt und wird deshalb von den Eingeborenen nach der feuchtheißen Regenzeit als angenehme Erfrischung begrüßt. Möglichkeiten zur Bekämpfung des Samum gibt es nicht. Dagegen hat er selbst mehr als einmal entscheidend in Menschen-, ja sogar in ganze Bölkerschicksale eingegrisfen. Schon in der Zeit der Eroberung des Senegal verstanden es die Araberführer Ahmadou und Samory, ihre Kenntnis der dieser Erscheinung zugrundeliegenden Naturgesetze im Kampfe gegen die weißen Eroberer nutzbringend auszuwerten. Der Kampf um das Wüstenfort Cikiderneuf im Jahre 1912 wurde dadurch entschieden, daß die angreifenden Araber vom Samum überrascht und vor den Augen der Fortbesatzung buchstäblich begraben wurden. Marguerite d'Andourain, die Heldin des französischen Geheimdienstes im syrischen Wüstenkrieg, entging dieser furchtbaren Gefahr zweimal hintereinander um ein Haar. Die deutsche Fliegerin Elli Beilhorn geriet auf ihrem Vorderasien- Flug mitten in der persischen Wüste in einen Samum und verdankte ihre Rettung nur einigen Leprakranken, die sie unter eigener Lebensgefahr zur nächsten Siedlung geleiteten. Und Raimondo Franchetti, der Chef des italienischen Geheimdienstes im vorderen Orient, der im vergangenen Jahre durch einen Flugzeugunfall in der Nähe von Kairo den Tod fand, soll ja nach der offiziellen Lesart ebenfalls dadurch umgekommen sein, daß Sandteile, durch den Wüstensturm emporgeschleudert, in seinen Motor eindrangen und so die Explosion herbeiführten. Bisher kannte man nur zwei Mittel, um Menschen aus dem Sandsturm zu retten: Karawanen und Autos. Aber der Wert des Autos ist in der Wüste nicht allzu groß; etwas Sand in den Motor, und die Panne ist da. Die, gleiche Gefahr besteht natürlich auch für ein Flugzeug, aber doch immerhin in geringerem Maße, da die Sandmassen über eine bestimmte, sehr mäßige Höhe, nicht empordringen. Außerdem bietet das Flugzeug natürlich den Vorteil der besseren Uebersicht, denn daß ein im Samum Verirrter heute schon in wenigen Stunden gerettet werden kann, bedeutet gewiß einen erfreulichen Rekord. R. M. Mittwoch, 29. April 1936 Seite 5 . Rr. 191 Känguruh als Autowächter Wie bei uns Hunde in.Herrchens" Abwesenheit die Autos bewachen, so hat dieser australische Farmer ein Känguruh als Aufpaffer in seinen Wagen gesetzt. Vielleicht hält die Angst vor einem .Mnnhaken" die Autodiebe ab. Drei„Ordensburgen" sind jetzt im Dritten Reich feierlich eingeweiht worden und als vierte soll die auszubauende Marienburg dazu kommen. Um einen Turm aus ungefügen Steinen herum Heinere Behausungen und das Ganze ist immer eine Kaserne zur Heranbildung erbgesunder, mutboller, rassekundiger, vor allem sportmeisterlicher, streng soldatisch ausgebildeter Führer, die einst die Lücken füllen sollen, welche der Tod in den Heldenbestand von heute reißt. Alfred Rosenberg? Geist beseelt diese Burgen. Eben hat dieser Reichskulturleiter zu Cressien in Pommern den Kreisleitern dargelegt, die Nazirevolution weede- erst dann gesiegt haben, wenn aus Kern und Keimen eine auch nach außen sichtbare Tat erwachsen sei. Was er meint, ist klar. Den Verlust der deutschbaltischen Herrlichkeit kann er nicht verschmerzen, zumal er zu ihren Nutznießern gehörte. Der Eroberungskrieg gegen Sowjetrußland und die Unterjochung der Baltischen Staaten soll diese„nach außen sichtbare Tat" sein. TaS Geheimnis der Lokomotive Nr. 13.. Nach fünfzig Jahren ist jetzt das Geheimnis der Lokomotive Nr. 13, das vor einem halben.Jahrhundert ganz Amerika beschäftigte, durch Zufall aufgeklärt worden. Damals lebte in Kansas City ein dänischer Ingenieur immens Oskar Hansen! Er konstruierte«ine Lokomotive, die besonders schnell fahren sollte. Aber die Versuche ergaben, daß das Modell nichts taugte und nur für Güterzüge zu verwenden war. Hansen, der sein ganzes Geld in den Bau der Lokomotive, der er den Namen„Nr. 13" gab, hineingesteckt hatte, wurde durch den Mißerfolg trübsinnig und mußte in einer Irrenanstalt interniert werden. Eines Tages nun gelang es ihm, von dort zu entkommen, sich der Maschine zu bemächtigen und mit einem ganzen Güterzug davonzufahren. Das Unglück wollte es, daß dieser Zug mü Dynamit geladen war. Es kam am Ufer des Colorado-Fluffes zu einer Katastrophe. Man fand Hansen tot an der Strecke, die zertrümmerten Wagen, aber keine Spur von der Lokomotive. Trotz eifrigstem Suchens blieb sie verschwunden, und erst jetzt hat man sie bei Drainage-Arbeiten im Colorado- Fluß einige Meter tief im Schlamm eingegraben gefunden. Ter„Louvre" hei Nacht. Die diesjährigen Pariser Festwochen werden für die'Fremden eine besondere Sehenswürdigkeit bieten:, das weltberühmte Museum Louvre wird erstmalig nicht nur am Tag«, sondern auch bei Nacht zugänglich sein. Zur Zeit ist man damit beschäftigt, die Beleuchtungsanlagen für diesen Zweck einzubauen, und man kann sich vorstellen, wie phantastisch die Säle mit den großen Sphinxen oder die Venus von Milo im Lichte der Scheinwerfer aussehen werden. Die Eröffnung wird in feierlicher Form durch den Präsidenten der Republik Mitte Mai stattfinden. Nackte Sekretärin gesucht. Man glaubt immer, daß Nacktkultur die große Mode in Amerika ist. Zum Glück sind wir jetzt in der Lage, diese völlig falsche Vorstellung von den amerikanischen Sitten richtigzustellen, und zwar an einem Vorgang, der keinen Zweifel über die Unbeliebtheit der Nacktkultur läßt. Ein großer Nudistenklub von New Aork inserierte dor kurzem mehrmals in fast allen großen Tageszeitungen, daß er eine Sekretärin suche. Wochenlang hat sich keine amerikanische junge Dame gemeldet. Endlich erschien eine. Wie man hört, ist sie abgewiesen worden. Nehmen wir an, daß der Grund nicht der war, daß sie sich den Gesetzen des Klubnicht sügen wollte, sondern, daß sie nicht imstande war, 440 Silben pro Minute zu stenographieren... Warnung. Die ungarische Sozialdemokratie warnt alle Genoffen vor einem Mann namens Franz H e j a- H o y o s, der sich hierzulande herumtreibi und sich fälschlich als Berichterstatter der„Ntpszava" ausgibt. Kein„zweiter Schlieffenplan“ Volkswirtschaft und Sozialpolitik Die Diskussion über die Frage, ob die Rheinland-Besetzung auf einen neuen„Schlieffenplan" des Großen Generalftabs schließen lasse, also auf einen überraschenden und umfassenden Angriff Deutschlands gegen Frankreich, wird in der internationalen Presse lebhaft fortgesetzt. Wir haben kürzlich die Ansicht eines Korrespondenten unseres Blattes, der sich auf militärwissenschaftliche Informationen aus dem Westen stützte, der Auffassung des Genossen F r a n z e l gegenübergestellt, der im„Kampf" einen„zweiten Schlieffenplan" als höchst unwahrscheinlich, wenn nichr als hirnrissig hinstellte. In der Zeitschrift „Europa"(Paris) finden wir eine interessante Abhandlung von Jean de Vigne, der zu dem gleichen Ergebnis kommt wie Franzel. Er schildert die Entwicklung der deutschen Operationspläne von Moltke.ends die Mai-Vorfeier des Prager Kreises der SJ statt. Es gelang den Genossen, den Saal, der unter der Parole.Reichsjugendtag 1936" ausgeschmückt war, fast ganz zu füllen. Die Zahl der Gäste, die vielen Blauhemden der Jugend und das Bewußffein, worum es diesmal geht, gaben dem Ganzen«in festliches Gepräge. Die Feier wurde mit dem Liede„Brüder seht, die rote Fahne webt euch kühn voran" eingeleitet. Nach einigen Begrüßungsworten des Genossen Steiner spielle ein Jugendgenosse am Klavier einen Satz aus-einer Beethoven-Sonate, der in seinem stürmischen Drängen das Symbol und der Auftakt war für das ganze Geschehen des 1. Nkai. Das Mai-Geschehen wurde von drei SJ-Gcnoffen in Form einer historischen Ueber- sicht mit Zitaten aus dem Komnmnisttschen Manifest dargeftellt. Nachdem die Sturmstimmung der ersten Mai-Umzüge in einigen Gedichten von Dehmel zum Ausdruck gebracht worden war, ergriff der Kreisobmann der Prager SJ, Genoffe Eck, das Wort, um auf die Bedeutung dieses Tages als Festtag der Arbeiter, als Heerschau der Kräfte des Sozialismus, hinzuweisen. Die Feier schloß mit der„Internationale". G. DerMm Grenzen der Liebe. Da Prag nicht in Südamerika liegt, ist der Import dieses spanisch gesprochenen Hollywood-Films nicht ganz verständlich. Wir haben so, viele europäische Tenorfilme gehabt, daß uns ein« arienselige Liebesoper, die auf einer Hazienda spielt, nicht gefehlt hat. Ter Tenor Jose Mojica säuselt und schmettert, seine Partnerin Rosita M o r« n a ist kokett und temperamentvoll, und am End« werden beide miteinander glücklich.—eis— §p»rt-8piet-Xöri»«rpstegr Westböhmischer ArbeiterfuBball Die Spitzengruppe vergrößert de« Vorsprung! ASB G r a s l i tz liegt nach seinem sonntägigen erfolgreichen Spiel in Chodau gegen die dortige Rot« Elf mit 14 Spielen und 24 Punkten sichtbar an der Spitze. Mit Sicherheit läßt sich jedoch noch lastge nicht auf den kommenden Kreismeisrer tippen. Graslitz hat noch sechs Spiele vor fich, davon vier auf fremden Plätzen. Der Spitzenführer hat noch in Falkenau und Karlsbad zu spielen und am 24. Wiai mit seinem Tabellennachbar Maierhöfen daheim Die weiteren Verein« der Spitzengruppe weisen bereits je 15 Spiele auf, dennoch bilden die ersten drei noch immer ernste Anwärter auf die Kreismeiftrrschaft. Unerwartet kam die hohe Niederlage des Atus Karlsbad gegen den bisherigen Tabellenletzten Atus Fischern. Die Niederlage der Karlsbader verhalf dem siegreichen FFK Falkenau, welcher in Franzensbad knapp gewinnen konnte, auf den dritten Tabellenplatz. Der Kreismeister Maierhöfen hat durch einen hohen Sieg über N e u d e k den Erwartungen enffprochen. Der Atus Unterreichenau schneidet ebenfalls günstig ab und kam vom neunten auf den siebenten Platz. Die Spielergebniffe des Sonntags beweisen wieder einmal, daß der 6. Kreis über gute, ausgeglichene Mannschaften verfügt und in seiner Spitzenklasse ernste Anwärter auf die Bundes- meisterschaft 1936 hat. Die Ergebnisse vom Sonntag: Atus Unterreichenau gegen ASV Schankau 6:2, ASB Maierhöfen gegen ASB Reudek 8:1, Atus Fischern gegen AtuS Karlsbad 4:0, AtuS Franzensbad gegen FFK Falkenau 3:4, Rote Elf Chodau gegen ASB Gras- litz 4:7. Stand der Tabelle ASV Graslitz.. 14 12 0 2 24 75:28 ASV Maierhöfen. 15 11 1 3 23 51:28 FFK Falkenau.. 15 9 2 4 20 44:28 Anis Karlsbad.. 15 8 4 3 20 24:20 Rote Elf Chodau. 15 5 8 7 13 29:43 ASV Reudek. ,15 5 2 8 12 32:40 Atus 11.-Reichenau 14 5 1 8 11 31:36 AtuS Drahowitz..13 5 1 7 11 30:37 AAü Schankau.. 13 4 2- 7 10 40:44 AtuS Fischern.. 14 3 1 10 7 20:34 AtuS Franzensbad. 15 2 3 10 *7 21:58 Tie Serie der zweiten Klaffe Im 5. Spielbezirk steht Graslitz 1b mit acht Punkten noch an der Spitz«; die Mannschaft war am Sonntag spielfrei. Anis Reusattl und AtuS Unterrothau blieben auf eigenem Platz siegreich und stellen sich mit je. sieben Punkten knapp hinter dem Spitzenführer. Im 1. Spielbezirk blieb der Spitzenführer A i ch gegen St. Joachimsthal knapper Sieger und vergrößerte seinen Vorsprung. W e h e d i tz steckt« auf eigenem Platz eine Niederlage gegen Maierhöfen 1b ein, die Gäste sollen aber„Verstärkung" mitgebracht haben, welche zu Protest Anlaß gab. Atus Sodau holte gegen Trinksaifen nur ein Unenffchieden heraus, T a s ch w i tz rückt in der Tabelle knapp an Sittmersgrün und zeigt« sich Sonntag dem Vordermann überlegen. Die Ergebnisse: AtuS Reusattl gegen AFK Pochlowitz 7:3, AtuS Weheditz gegen Maierhöfen 1b 1:3, ASB Taschwitz gegen ASB Sittmersgrün 7:5, FFK Falkenau 2 gegen ASV Horn 3:5, Atus Trinksaffen gegen AtuS Sodau 4:4, Atus Aich gegen. Atus Joächimsthal 8:2, Atus Unterrothau gegen Atus Silberbach 3:2. Neuer Schwimmrekord. In New Aork erzielt« der amerikanische Schwimmer Kojac über 400 Meter Rücken mit 5:16.8 Min. einen neuen Weltrekord. Bezugsbedingungen:«« Zustellung ms Haus oder bei Bezug durch di. Post monatlich XL 16.—. vierteljährig XL 4».—. halbjährig XL 96.—. ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Taris billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Tie Zeitungskrankatur wurde vrn der Post, und Tele- graphendirektum wit Erlaß Nr. 1Z.800/V1I/19SÜ bewilligt— Druckerei: ,Krbis", Druck-, Verlags- und Zeitungr-S.-G. Prag.